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  • 8.225329-31 Der Kobold & 2007 Naxos Rights International Ltd. Page 1

    Siegfried Wagner (1869-1930)

    Der Kobold

    Dem GralsritterHans Paul Freiherr von WolzogenGewidmet.Siegfried Wagner.

    CD 1

    1 Vorspiel

    ERSTER AUFZUG

    2 ERSTE SCENEDer Vorhang teilt sich. Ein dichter Nebel erfllt dieBhne, so dass die Scenerie dem Zuschauer anfangsunkenntlich ist. Winzige Gestalten, teils fliegend, teilsam Boden huschend, schwirren umher. Es sind dieKobolde, die sich an eine schwach sichtbare, nurdurch das weie Hemd erkenntliche, Gestalt heran-drngen: an, Verena, die vor dem Wirtshaus, auf einerBank sitzend, ber dem davor befindlichen Tischgebeugt, schlft. Unter den Kobolden entwickelt sichein Streit um das Mdchen. Jeder will Verena ins Ohrraunen, ihr sein Leid klagen. Mit Mhe gelingt eseinem, Seelchen, ber die anderen Herr zu werden.

    SEELCHEN (der Kobold).(unsichtbar muss die Sngerin des Kobolds sehr nahean Verena verborgen sein)Fort von hier! mige Schaar! Lasst sie in Frieden, Die nicht Euch beschieden! Lstigste Mar! Drckst Trume ihr auf! Fort da vom Zaun,Trud und Alraun! Schnell in hurtgem Lauf, Federchen! Schaff im Haus! Wst ists noch und kraus! Bergt Alles fein ins Eckchen hinein! Mutterzank Ist sonst ihr Dank!Htchen, Blinker, Stiefelchen, Flinker!Luftgezwerg, Eilt ans Werk,Eh blass und matt die Nacht sich neigt,Eh Himmelsknig glden steigt Fort nur von hier! Die ich mir erkr!

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    Ihr drft Ihr nicht nahn!Von ihrs nicht empfahn, Was wir verlangen, Was wir erbangen!Ruhe, ach, und Seelenfrieden, Irrens Ende den Nimmermden!(Die Kobolde schleichen ins Haus hinein)(Seelchen ganz nah an Verena)Hr mich, Verena, Hre mein Jammern! Lass mich an Dich, Du Holde mich klammern! Du kannst allein Von schmhlicher Pein Mich Armen befrein! Willst nicht?O sag!Bist taub meiner Klag?Ach, hab Erbarmen! Erlse!

    VERENA (im Traum.)Lass mich!

    SEELCHEN.Strubst Dich, verwehrst? Bist Du so bse, Du Thrin,Und mehrst nur Kummer und Schmerz In beid unser Herz?

    VERENA.Geh!

    SEELCHEN.Nicht Dich erweichen Kann mein Gewimmer,

    VERENA.Ach! lass mich!

    SEELCHEN.Hoffnungsschimmer Nie mir erreichen?

    VERENA (sthnend).Ach!

    SEELCHEN.Wolltest Du nachts zum Keller gehn, Wrdest, hab Acht, mich leiblich ersphn! Httst Du Muth, Erschrkst nicht vor Blut.Die Brust zerschneiden zwei Messer mir! O zgst Du khn sie heraus! Ende die Pein!

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    Ende den Graus! Es stockt mein Blut! Wie es wehe thut! Wer stach mich mit Eisen?

    VERENA.Ach!

    SEELCHEN.Thts Seelchen zerreien!Ach, weh mir! weh!

    VERENA.Gieb Ruh!

    SEELCHEN.Kein End ich erseh!

    VERENA.Was willst Du nur!

    SEELCHEN.Nur durch Eine auf Erden Kann Ruhe mir werden!(Die Kobolde kommen aus dem Haus heraus.)Seid Ihr schon fertig? Fort nun von hinnen! Fahles Gedmmer Will beginnen.(Die Kobolde zerstreuen sich.Allmhlig beginnende Morgenrthe im Hintergrunde.)Hr mich, Verena, Fhl meine Thrnen! Und bist Du mir treu:Ein Gut Dich erfreuHier! Dieser Stein! Dein werd er, Dein! Wahr ihn gut! Ht seine Gluth! Nur still meine Thrnen!

    VERENA.Ach!

    SEELCHEN.Hilf meiner Noth! Heil mir die Brust!Eins ist mein Sehnen! Friede im Tod!

    Durch die Morgenrthe gewahrt man die Umrisse derGestalt Ekharts, der Verena aus dem Schlafe weckenwill.

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    EKHART.Verena! Kind! Erwache! Trume! Bse Trume!Wach auf! Wach auf!Kind! Es sind nur Trume!Erwache! Auf! Auf!

    VERENA.Lass mich!Schweig! Qule mich nicht!Ach! Weiche!Lass mich! Lass mich! Wehe mir!Ach! Ich will nicht!Geh! Du Quler!Lass mich! Geh! Ich will nicht! Nein!

    SEELCHEN.Verena!Gedenke! Gedenke! Erhre mich! Verena! Erhr mich!Willst Du? Ach!Willst Du nicht? Verena!

    3 ZWEITE SCENEVerena erwacht mit einem tiefen Seufzer. Sie springt auf, nicht wissend, wo sie ist.

    VERENA.Ach!

    EKHART.Mdchen! Wach auf! (Er betrachtet mitleidig Verena, die stumpf vor sichhinstarrt.)Ist das Dein Bett? Was miedst Du die Kammer? In NachtesfeuchteBar die Fe!

    VERENA.(die Augen sich reibend).Drinnen war es so schwl! Mich trieb es hinaus!Dummes Getrum!Sags nur der Mutter nicht!(Sie will ins Haus gehen.Ihr Blick fllt auf den Stein, der auf dem Tisch liegt.)Was liegt dort glhend, Strahlen sprhend? Der Stein!

    EKHART.Geburtstag ist heut!

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    (Voller Sonnenaufgang).Lache, Mdchen! Lache!Sieh doch, wies um Dich strahlt!Erwach zum Licht! Erwache!Nacht und Nebel fahlt!Lchelnd weben DfteLchelnd wehen Lfte!Sonne will, dass Sommer sei.Sandt aus ferner Hhl herbeiAls Freude Zeugen greisen Mann,Gab ihm mit ne holde Spende! Maideli lieb soll munter sein! Verenche mein zum Licht sich wende! So will es seliger Sonnenschein! Wo Alles blht und sprosst und wacht: Sonne will, dass Maid auch lacht!

    VERENA.(leidenschaftlich)Du theuerster Alter! Bester Ekhart! Hast mich noch lieb? Und hast mich nicht vergessen?Wie lang Du schon fern, ich kanns nicht ermessen! Und hast in der de Des Tages gedacht? Und zogest hieher Durch Waldesnacht? Ich fhl mich so wohl, Bist Du bei mir,Als wrst Du mein Vater!So ists mir schier!Und sag nun: Der Stein! Was soll mir sein Licht? Soll mein er sein?Solch Einen sah ich noch nie! Zauberisch strahlt er Allfarbig malt er Geheimnisse hin!Versteh ich Euren Sinn? Preis ich den Gewinn?Sag Spender, taugt mir der?

    EKHART.Renchen, vertraue mir:Bist Du ihm wirklich gut?

    VERENA.Wem?

    EKHART.Dem Friedrich?

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    VERENA.Wie weit Du das?

    EKHART.Fern bin ich nah.Knd es mir: Bist Du ihm gut?(Verena bejaht zgernd;)

    EKHART.Wirklich gut?(bejaht abermals;)

    EKHART.So gut, dass Du whnst, Ohn seine Liebeknntest Du nicht leben?(sie senkt den Blick; sodann sieht sie Ekhart zuver-sichtlich ins Auge).

    EKHART.So sollst ohne Zagen Den Stein bei Dir tragen: Ht ihn und wahr ihn vor Neid,Verlust kehrt Freude in Leid. Ein Zauber ist in den Stein gebannt, Geheimnis bergend, Wengen bekannt. Trgst Du ihn, was am liebsten Dir ist, (etwas zgernd)Fesselt auf immer an Dich seine List.

    VERENA (erschreckt).Blieb er mir nicht treu? Der Friedel nimmer mir hold?(sie betrachtet den Stein)Nein, nein!Du bses Gestein! Zweifel nicht wecke! Mein Herz mir nicht schrecke! Ich brauch Dich nicht! Ich will nichts von Dir! (Sie legt heftig den Stein wieder auf den Tisch).Und doch! Seine Zier Lockt mich so licht! Mich zieht eine HandUnsichtbar zum Tand.Ich greif nach ihm! Ich fass ihn! Und brcht es mir Noth, Ich weich nicht zurck! Was immer mir deute sein zaubrisch heimlichesGlhn:Sonne sie spendets, und Sonne bringt Glck!

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    4 DRITTE SCENEGertrud tritt unter die Thre.Als Verena die Mutter sieht, verbirgt sie schnell denStein.

    GERTRUD.Ei, ei! Das lob ich mal mir! Im Hemd mit nackichten Fen! Was treibt man so zeitig hier?

    EKHART.Lass sie! Spar ihr den Verdruss!Ich weckt ihr den Schlaf.

    GERTRUD.Brav, Alter! Brav! Du kommst mir grad recht!(zu Verena)Und drinnen die Kammer, Da schauts wohl wieder aus!

    VERENA (ngstlich).s ist Alles geputzt.

    GERTRUD.Das wolln wir erst schaun.(geht ins Haus zurck)

    VERENA.(sich an Ekhart sich klammernd)Weh mir! Ich log!Ich lie Alles wirr! Auf dem Boden Geschirr! Schmutzig der Trog!(sich abwendend)Ach, Zank ber Zank.Wann schf ich je zu Dank?

    GERTRUD (kommt zurck).Kannst froh sein, Mdel, das sag ich!Wr nicht Alles sauber gerumt(Sie macht eine drastische Geberde; sodann macht sie sich am Waschtrog zu schaffen)

    VERENA (steht verwundert und blickt fragend aufEkhart).Kaum es zu denken wag ich! Wr wirklich, was mir getrumt?

    GERTRUD (whrend der Arbeit).Hinein jetzt! nicht gesumt!Kleid Dich und sei bald zur Hand!(Sehr zgernd wendet sich Verena zum Haus. Sie blickt scheu auf die Mutter und Ekhart, der sinnend sich am Tisch niedergesetzt hat).

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    5 VIERTE SCENE

    GERTRUD.(whrend sie weiter schafft, kaum zu Ekhart sich wen-dend)Bist auch mal wieder da?

    EKHART.Festtag ist heut!

    GERTRUD.Ach, lieber Himmel!Das GauklergewimmelHab grad ich satt!

    EKHART.Das mein ich nicht!Verenas Tag!

    GERTRUD.An den dachtest Du? Bist darum aus Deiner Hhl gekommen,Dass du sie gar so liebst?

    EKHART.Wer mchte ihr nicht hold sein!

    GERTRUD.Bist recht ein nrrscher Kauz!(Sie will weiter arbeiten; doch hlt sie pltzlich an.Sie weicht dem Blicke Ekharts aus.)

    GERTRUD (gleichgltig, indem sie die Wscheauswindet).Schn Wetter heut!Fr den Keller michs freut!Fr die Comdi michs reut! Und der Eine erst mit dem Lumpenpaar!Knstler heien sie sich gar! Diese Erzgauner Tropfenschar!

    Bist Du wieder eigen!Kannst nur schaun und schweigen!Willst Du was hier?

    EKHART.Ich!

    GERTRUD.Was hockst Du dann dort?

    EKHART.Ich kann ja gehn!

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    GERTRUD.Nein, nein! bleib nur! bleib!Ich mag Dich nicht leidenUnd doch bleib nur, bleib!(SchweigenGertrud will arbeiten, bleibt aber sinnend stehn).

    GERTRUD (mit einer pltzlichen Wendung zuEkhart; barsch).Warum riefst Du sie heraus?

    EKHART.Sie war schon drauen!

    GERTRUD (betroffen).Wie? hier?

    EKHART.Sie schlief hier am Tisch!

    GERTRUD.Die Nacht hier drauen?

    EKHART (sie ernst anblickend).Und trumte gar laut!(Gertrud steht regungslos, ohne ihn anzusehn).Deinem Kind ist nicht wohl!

    GERTRUD (gleichgltig).Was sollt ihr fehlen?

    EKHART.Schwler SchlafUnd trbes Trumen,

    GERTRUD