mag nr. 22: anna karenina

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Die neue MAG-Ausgabe dreht sich schwerpunktmässig um die Ballettpremiere «Anna Karenina»

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  • MAG22

    Viktorina Kapitonova tanztAnna Karenina

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  • Editorial1

    Verehrtes Publikum,

    schon der erste Satz von Lew Tolstois Roman Anna Karenina hat Legendenstatus. Er lautet: Alle glcklichen Familien sind einander hnlich, jede unglckliche Familie ist unglcklich auf ihre Weise. Dieser Satz gilt als einer der grossartigsten Buchanfnge der Weltliteratur. Wie ein mchtiges, zweiflgeliges Tor gewhrt er Einlass in eine Geschichte, die auf ber tausend Seiten vom Schicksal mehrerer glcklicher und unglcklicher Familien im Russland des 19. Jahrhunderts erzhlt. Aber nicht nur davon: Der Roman gewhrt Einlass in die Salons und die Ballsle der feinen St. Petersburger Gesellschaft, unternimmt grossformatige Ausflge ins Landleben der russischen Provinz und blickt mit einer Empfindungstiefe in die Seelen der Protagonisten, wie man das bis dahin noch nicht erlebt hat. Vor allem freilich erzhlt der Roman vom zerstrerischen Mahlwerk der ganz grossen Gefhle: Die wunderschne, in besten Verhltnissen verheiratete Anna entdeckt in dem Offizier Wronski ihre grosse Liebe und versucht diese Liebe gegen alle Widerstnde zu leben, aber sie scheitert an sich und der Gesellschaft. Tolstois Anna Karenina gehrt mit Gustave Flauberts Madame Bovary und Theodor Fontanes Effi Briest zu den bedeutendsten Schicksalsromanen der Weltliteratur. Die Wirkung des Buches ist gewaltig. Das HollywoodKino hat sich des Stoffes immer wieder angenommen, fr das Fernsehen, das Theater und fr den Tanz wurde er adaptiert.

    Auch unser Ballettdirektor Christian Spuck trug sich lange schon mit dem Gedanken, eine Ballettversion von Anna Karenina auf die Bhne zu bringen. Als erste Tanzpremiere der neuen Spielzeit wird er sie nun tatschlich

    Die Tragik der Liebe

    MAG 22/Oktober 2O14 Unser Titel zeigt Viktorina Kapitonova,

    wir stellen die Tnzerin auf Seite 24 vor. (Foto Florian Kalotay)

    prsentieren, und er legt Wert darauf, dass es in der Unterzeile der Produktion heisst: Nach dem Roman von Lew Tolstoi. Denn ein TausendSeitenBuch im Rahmen eines zweistndigen Handlungsballetts nachzuerzhlen, hlt er schlechterdings fr unmglich. Spuck hat sich die Freiheit genommen, den Stoff mit eigenem sthetischen Zugriff zu adaptieren. Die grossen Erzhlstrnge hat er auf schlaglichtartige Szenen verkrzt. Er arbeitet zur Musik von Sergej Rachmaninow und Witold Lutosawski mit den Mitteln des Schnitts, der Verdichtung und des scharfen szenischen Kontrasts und baut ganz auf die emotionale Direktheit, mit der die Kunstform Tanz Geschichten zu erzhlen vermag. Natrlich setzt er auch auf die tnzerische und schauspielerische Qualitt seiner BallettCompagnie, in der er auch die Tnzerin fr die Titelrolle gefunden hat: Die russische Solistin Viktorina Kapitonova wird die Anna tanzen.

    In unserer aktuellen MAGAusgabe erfahren Sie alles rund um unsere Anna KareninaNeuproduktion. Wir haben mit einem der bekanntesten TolstoiKenner ber die berragenden Qualitten des Romans gesprochen, stellen Ihnen Viktorina Kapitonova im Portrt vor und haben Christian Spuck zu den choreografischen Herausforderungen des aus sergewhnlichen Projekts befragt. Die MAGRedaktion wnscht viel Vergngen bei der Einstimmung auf eine Ballettpremiere, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten.

    Claus Spahn

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  • Inhalt3

    Portrt 36 Fragebogen 38 Kalendarium und Serviceteil 39Sibylle Berg 44

    6 Oper aktuell7 Drei Fragen an Andreas Homoki

    8 Wie machen Sie das, Herr Bogatu?34 Die geniale Stelle

    Auf dem Weg zu Anna Karenina Ein Interview mit Ballettdirektor Christian Spuck ber sein neues Handlungsballett

    18

    Evelyn Herlitzius ist die Frberin in Die Frau ohne Schatten

    36

    Mythos Anna. Ein Gesprch mit Buchautor Wolfgang Matz ber Tolstois Romanheldin

    und die Kunst des Ehebruchs

    10

    Neue HorizonteChefdirigent Fabio Luisi im Gesprch

    27

    Viktorina Kapitonova tanzt die Hauptrolle in Anna Karenina.Ein Portrt der russischen Ballerina

    24

    Korr_Mag22_2-3_Inhalt_2.indd 3 26.09.14 13:21

  • Foto

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    HENCE! IRIS, HENCE AWAY!Wie Iris in Hndels Semele wurde das Publikum an

    unserem Erffnungsfest auf eine besondere Reise geschickt: Mit dem grossen Bhnenlift ging es tief hinab in die

    Unterbhne, dann ins Mbellager und in die Tapeziererei zu den singenden Phantomen des Opernhauses.

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  • Korr_Mag22_4.indd 5 26.09.14 13:23

  • Liederabend Juan Diego Flrez

    Juan Diego Flrez ist der Belcanto- Tenor unserer Tage. In Zrich war er bereits als Duca (Rigoletto) und Nemorino (Lelisir damore) zu erle-ben. Gerhmt als detailverliebter Klangtftler, fesselt er sein Publikum mit seinem strahlenden Timbre voll jugendlicher Kraft, vollendeter Legato-Kultur und interpretatorischer Noblesse. Lamour heisst sein neuestes, von der Kritik bereits eupho-risch gefeiertes Album, auf dem sich der peruanische Snger die Trou-vaillen des franzsischen Opern-repertoires erobert. Dass diese Arien, u.a. von Bizet, Berlioz, Massenet, Offenbach und Gounod, nicht nur auf CD, sondern auch live funktionieren, demonstrieren Flrez und sein Pianist Vincenzo Scalera bei ihrem Konzert im Opernhaus. Montag, 20. Oktober, 19 Uhr, Opernhaus

    Oper aktuell6

    Montagsgesprch Klaus Florian Vogt

    Seit seinem aufsehenerregenden Debt als Lohengrin am Erfurter Theater ist der Tenor Klaus Florian Vogt zum weltweit gefragtes-ten Interpreten dieser Partie avanciert. Seither pendelt er als Gralsritter zwischen New York, Mailand, Wien, Mnchen, Berlin, Bayreuth und anderen Metropolen und debtierte soeben auch in Andreas Homokis Lohengrin-Inszenierung am Opern-haus Zrich. Im Montags gesprch unterhlt sich Chefdramaturg Claus Spahn mit dem Snger ber seine Paraderolle, aber auch ber sein Leben jenseits von Schwan, Silberrstung und Gralszauber.Montag 13. Oktober, 19 Uhr,Restaurant Belcanto

    Philharmonia goes Broadway

    George Gershwin bezeichnete seine 1924 geschriebene Rhapsody in Blue als musikalisches Kaleidoskop Amerikas. Mit diesen Worten knnte man auch unser Extrakonzert der Philharmonia beschreiben: Neben Gershwins berhmter Rhapsodie interpretiert vom deutschen Pianisten Sebastian Knauer dirigiert Fabio Luisi Highlights der amerikanischen Musikgeschichte, wie die Ouvertre zu Leonard Bernsteins Candide, Samuel Barbers Adagio for Strings und George Gershwins An American in Paris. Die Sopranistin Julie Fuchs und der Tenor Benjamin Bernheim singen Arien und Duette aus Candide und der West Side Story.Freitag, 31. Oktober, 19 Uhr, Opernhaus Fo

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  • Herr Homoki, Sie legen grosses Gewicht auf starke Regie-Handschriften. Wird die musikalische Qualitt am Opernhaus in den Hintergrund gedrngt?Das ist eine falsche Frage. In der Oper bedingen sich Musik und Szene gegenseitig. Die Komponisten, die Opern schreiben, schaffen Musik, um sich theatralisch auszudr-cken. Das erleben wir bereits bei einem Liederabend, wenn eine grosse Sngerpersnlichkeit ein Gefhl durch-lebt oder eine Situation darstellt. Das ist dann nicht mehr nur blosses Musizieren, sondern bereits Theater. Kommen mehrere singende Menschen auf einer Bhne zusammen, entstehen Situationen und Figuren: Was verbindet sie, was stsst sie ab, wie verhalten sie sich zuei-nander? Das muss artikuliert und ausgearbeitet werden, damit das, was gesungen wird, Sinn ergibt. Leider ist man gerade im internationalen Business allzu oft damit zu-frieden, berhmte Leute auf die Bhne zu stellen, die das aufgrund ihrer starken Persnlichkeiten und Erfahrung irgendwie machen. Wenn man sagt, das reicht nicht, heisst es, man will der Regie zu viel Gewicht verleihen.

    Gibt es whrend der Probenphasen Konflikte zwi-schen der musikalischen und der regiefhrenden Seite?Wenn beide Seiten professionell agieren, eigentlich nicht. Natrlich gibt es zwischen Knstlern immer mal Konflikte, und man ist gut beraten, bei der Planung darauf zu ach-ten, welche Knstler zusammenpassen. Ein viel grsseres Problem besteht darin, dass die Agenturen bestimmter Snger, die sehr gefragt sind, versuchen, die Probenzeiten fr ihre Knstler immer weiter zu reduzieren wie eine Airline, die ihre Flugzeuge mglichst wenig am Boden haben will. Eine szenische Einstudierung dauert aber lnger als eine rein musikalische. Seriserweise braucht die Entwicklung der Inszenierung auf der Probebhne vier Wochen. Dann bentigt man weitere zwei, um alles

    Drei Fragen an Andreas Homoki7

    mit dem Orchester auf die Bhne zu bringen. Von Agen-turen und Fans kommt oft der Einwand, dieser oder jener Star sei mit zwei Wochen Proben immer noch besser als andere mit vier. Selbst wenn das so wre: Probieren Sie mal mit einem Ensemble zwei Wochen ohne den Pro-tagonisten, der es sich als einziger leistet, spter zu kommen! Eine Konsequenz ist oft, dass die Probenzeit sich derart verkrzt, dass die Auffhrung in Richtung kost-miertes Konzert geht. Ganz ehrlich: Dafr ist diese Kunst-form zu teuer! Grosse Auffhrungen entstehen erst, wenn die musikalische und die inhaltliche Seite auf hchs-tem Niveau zusammenkommen.

    Was beschreibt eigentlich der Begriff Regietheater?Dieser