Cybermobbing auf einen bliCk - grimme- ?· Cybermobbing auf einen bliCk Cybermobbing auf einen bliCk…

Download Cybermobbing auf einen bliCk - grimme- ?· Cybermobbing auf einen bliCk Cybermobbing auf einen bliCk…

Post on 04-Sep-2018

212 views

Category:

Documents

0 download

Embed Size (px)

TRANSCRIPT

  • Cybermobbing auf einen bliCk Cybermobbing auf einen bliCk

    Stan

    d: M

    ai 2

    012

    Ti

    telil

    lust

    ratio

    n: ja

    zzia

    / Fo

    tolia

    .com

    (S. 1

    ), Te

    xtill

    ustr

    atio

    n er

    stel

    lt m

    it w

    ww

    .wor

    dle.

    net

    (S. 3

    )

    KontaKtmekonet Medienkompetenz-Netzwerk NRWMedienbildung fr Multiplikatoren

    Projektbro mekonetc /o Grimme-Institut Gesellschaft fr Medien, Bildung und Kultur mbHEduard-Weitsch-Weg 25 D-45768 Marl

    Tel.: +49 (0) 2365 / 9189-61Fax: +49 (0) 2365 / 9189-89

    E-Mail: info@mekonet.deInternet: www.mekonet.de

    mekonet, das Medienkompetenz-Netzwerk, wird gefrdert von der Ministerin fr Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und der Landesanstalt fr Medien Nordrhein-Westfalen. Das Grimme-Institut ist mit der Projektleitung von mekonet betraut. Das Werk einschlielich seiner Teile ist urheberrechtlich geschtzt. Jede Verwertung auerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Grimme-Instituts, der Ministerin fr Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und der Landesanstalt fr Medien Nordrhein-Westfalen unzulssig und strafbar.

    Haftungsansprche gegen das Grimme-Institut, die Ministerin fr Bundesange-legenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und die Lan-desanstalt fr Medien Nordrhein-Westfalen, die sich auf Schden materieller oder ideeller Art beziehen, welche durch die Nutzung oder Nichtnutzung der darge-botenen Informationen oder durch fehlerhafte und unvollstndige Informationen verursacht wurden, sind vollumfnglich ausgeschlossen, sofern seitens des Grim-me-Instituts, der Ministerin fr Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und der Landesanstalt fr Medien Nordrhein-Westfa-len kein nachweisliches vorstzliches oder grob fahrlssiges Verschulden vorliegt.

    Was ist Cybermobbing?Unter Cybermobbing (hufig auch Cyberbullying ge-nannt) versteht man die gezielte Belstigung, Demti-gung oder Bedrohung einer Person mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel, besonders ber das Internet und Mobiltelefone. Durch die Cyberattacken stellen Cyber-bullys ihre Opfer ffentlich blo und schchtern sie syste-matisch ein, meist mit dem Ziel der sozialen Ausgrenzung. Cybermobbing kann verschiedene Formen annehmen:

    Massive und permanente Beleidigung

    Bedrohung durch Belstigungen, Stalking, Erpressung oder das Androhen von Gewalt

    Diffamierung durch das Verbreiten von Lgen, Ge-rchten oder manipulierten Bildern

    Verletzung der Privatsphre durch unberechtigte Ver-ffentlichung von Kontaktdaten, Bildmaterial oder ver-traulichen Informationen

    Identittsmissbrauch durch Passwortdiebstahl oder das Anlegen geflschter Profile.

    Bedrohung, Beleidigung und ble Nachrede kommen dabei weit hufiger vor als Identittsmissbrauch oder unerlaubte Datenweitergabe (Techniker Krankenkas-se 2011). Whrend auch beim direkten Mobben die Opfer beleidigt, bedroht oder blogestellt werden, ver-

    Inhalte oder geflschte Profile lschen lassen und Cy-berbullys den Zugang zum eigenen Profil verwehren. Achtung: Nicht jedes Bild oder Profil, das facebook ge-meldet wird, wird automatisch gelscht! In Chats oder Foren kann man sich an Moderator(inn)en wenden, um Cyberbullys sperren und beleidigende Inhalte ent-fernen zu lassen. Beleidigungsstrme und Cyberstal-king knnen durch den Wechsel von E-Mail-Adressen, Nicknames und Handynummer eingedmmt werden. Zurck-Mobben verschrft die Situation nur.

    Mitlufer(inne)n und dem Publikum von Mobbing-Attacken muss die Situation des Opfers verdeutlicht werden. Interessieren sie sich nicht mehr fr (erneute) Aktivitten des Cyberbullys oder melden diese, helfen sie die Situation zu verbessern (Pfetsch 2012). Wichtig ist es, die Jugendlichen Tter(innen) wie Opfer ihre Konflikte soweit wie mglich selbstbestimmt lsen zu lassen, damit sie vor dem Rest der Gruppe ihr Gesicht wahren knnen (Wagner / Brggen 2011).

    Eltern sollten nicht ohne Rcksprache mit ihrem Kind die vermeintlichen Tter(innen) oder deren Eltern zur Rede stellen. Besser ist es, sich an die Lehrer(innen) zu wenden, damit das Gesprch im Klassenverband ge-sucht werden kann, um den Konflikt zu lsen, der Aus-lser fr das Cybermobbing war. Sollte der Tter unbe-kannt sein, kann der Plattformbetreiber helfen, mit der Person in Kontakt zu treten. facebook bietet etwa die Funktion soziales Melden an, um Vermittler(innen) wie Pdagog(inn)en oder Freunde einzuschalten.

    reChtliChe DimensionenCybermobbing an sich ist keine Straftat, allerdings er-fllen die unterschiedlichen Formen des Mobbens im Netz eine Reihe von Tatbestnden. Zivilrechtlich lassen sich Unterlassungsansprche durchsetzen.

    Das allgemeine Persnlichkeitsrecht ist betroffen, wenn in die Privat- und Intimsphre eines Menschen eingegriffen wird. Teil davon ist das recht am eige-nen bild ( 22 kunsturhg), das verletzt wird, wenn Fotos oder Videos, die eine Person erkennbar zeigen, ohne deren Zustimmung verffentlicht werden.

    Eine beleidigung ( 185 Stgb) ist eine absichtlich ehrverletzende uerung gegenber einer Person.

    Der blen nachrede ( 186 Stgb) strafbar macht sich, wer in Beziehung auf einen anderen eine Tat-sache behauptet oder verbreitet, welche denselben verchtlich zu machen oder in der ffentlichen Mei-nung herabzuwrdigen geeignet ist, wenn diese Tat-sache nicht erweislich wahr ist.

    Um Verleumdung ( 187 Stbg) handelt es sich, wenn solche Behauptungen wider besseren Wissens geuert werden und auf Herabwrdigung oder Kreditschdigung der betroffenen Person abzielen.

    Der ntigung ( 240 Stgb) macht sich strafbar, wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen bel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung ntigt. Auch der Versuch ist strafbar.

    bedrohung ( 241 Stgb) liegt vor, wenn ein Mensch mit der Begehung eines gegen ihn oder eine ihm na-hestehende Person gerichteten Verbrechens bedroht wird. Dies gilt auch fr die Vortuschung bevorste-hender Verbrechen.

    Das so genannte anti-Stalking gesetz ( 238 Stgb) stellt beharrliches Nachstellen unter anderem auch durch Kommunikationsmittel unter Strafe, wenn die Lebensgestaltung des Opfers hierdurch schwerwie-gend beeintrchtigt wird. Hierunter fllt zum Beispiel auch die bewusste Falschinformation Dritter, um sie zur Belstigung eines potenziellen Opfers anzustiften.

    Die Verletzung des hchstpersnlichen lebens-bereichs durch bildaufnahmen ( 201 Stgb) ist gegeben, wenn unbefugt Bildaufnahmen einer an-deren Person erstellt, bertragen oder Dritten zu-gnglich gemacht werden, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschtzten Raum befindet. Ein Klassenzimmer ist kein besonders geschtzter Raum, aber Umkleidekabinen oder Toi-letten sind es (Weizmann, Grimm / Rhein / Clausen-Muradian 2008).

    Grundstzlich gilt, dass Kinder unter 14 Jahren straf-unmndig sind, also fr die aufgefhrten Taten nicht strafrechtlich belangt werden knnen. Beim Mobbing gegen Lehrer(innen) ist die Abgrenzung von Beleidi-gungen und durch die Meinungsfreiheit geschtzten uerungen in der Praxis schwierig. Werden zum Beispiel Lehrer(innen) auf Internetportalen in der Aus-bung ihres Berufs bewertet, lsst sich nicht jeder kri-tische Beitrag verhindern. Die Rechtsverletzungen zur Anzeige zu bringen, ist nur ein Teil des sinnvollen Vor-gehens gegen Cybermobbing und auf keinen Fall die Lsung des zu Grunde liegenden Problems.

    tipps fr UnterriChtsprojeKte Surf-fair ist ein Prventionsprogramm, das beson-

    ders die Eigenheiten von Cybermobbing im Vergleich zum direkten Mobbing thematisiert. Ansatzpunkt ist die Strkung der Medienkompetenz. Das Prventi-onsprogramm richtet sich an Schler(innen) der Jahr-gangsstufen 5-7. Das Prventionsprogramm wurde unter Leitung von Psychologen der Universitt Mns-ter von Student(inn)en entwickelt, an Schulen in NRW durchgefhrt und evaluiert. Dokulink 662796

    click it! 2 ist ein Prventionstheaterstck gegen Cy-bermobbing, das mit pdagogischem Rahmenpro-gramm an Schulen, Theater und Jugendzentren kommt. Das Stck wurde 2011 im Rahmen des Grim-me Online Awards mit dem klicksafe Preis fr Sicher-heit im Internet ausgezeichnet. Dokulink 301213

    Der Fernsehfilm Homevideo (arte / NDR / BR), der einen fiktiven Fall von Cybermobbing schildert, wurde 2012 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Unterrichtsma-terialien zum Film sind online verfgbar. Dokulink 337983

    materialien UnD beratUng Die Bundeszentrale fr politische Bildung listet online

    verschiedene interventions-methoden auf. Doku-link 195404

    Cyber-Training (modul 5) elternarbeit ist eine Handreichung fr Multiplikator(inn)en, die Elternaben-de planen. Dokulink 389924

    Die klicksafe-leitfden fr die kommunikation im Netz zeigen, wie man seine Privatsphre in sozialen Netzwerken wie facebook und SchlerVZ schtzt, was man beim Chatten beachten muss und wie man uner-wnschte Inhalte meldet. Dokulink 573900

    Das klicksafe-Unterrichtsmodul Was tun bei Cyber-mobbing? erklrt das Phnomen Cybermobbing,

    zeigt auf, was Lehrer(innen) und Schler(innen) tun knnen und liefert Materialen fr den Unterricht. Do-kulink 528184

    Das Projekt handysektor bietet kostenlose Comic-fly-er zu den Themen Fertigmachen ist tabu und Op-fer, Schlampe, Hurensohn. www.handysektor.de

    Informationen, Materialien und Handlungsempfehlun-gen bndelt die Themenseite Cybermobbing auf www.klicksafe.de. Dokulink 223167

    Die nummer gegen kummer bert Kinder und Ju-gendliche (0800 111 0 333) und Eltern (0800 111 0 550) auch zum Thema Cybermobbing.

    noCh fragen?Weiterfhrende Informationen und Links zum Thema Cyber-Mobbing finden Sie unter www.mekonet.de im Grundbaukasten Medienkompetenz unter dem Stich-wort Gewalt (Dokulink 408858). Oder fragen Sie das Projektbro mekonet nach weiteren Literaturtipps.

    Cybermobbing auf einen bliCk100 Prozent anonym an deiner Schule, Universitt oder Arbeitsplatz lstern, lautet das Versprechen einer Lsterplatt-form im Internet. Nachdem es aufgrund der Anfeindungen auf der Seite zu massiver Gewalt zwischen Jugendlichen kam, setzte die Bundesprfstelle fr jugendgefhrdende Medien dieses Angebot im Mrz 2011 auf den Index. Das Problem Cybermobbing ist damit aber nicht aus dem Netz, denn Lgen, Beleidigungen und Drohungen verbreiten sich ber alle Medienkanle der Jugendlichen. Mobbing unter Heranwachsenden ist nicht neu, im Netz aber anders. Cyber-mobbing an sich ist keine Straftat, dennoch sind Tter(innen) wegen einer Reihe von Rechtsverletzungen zu belangen. Gegen Cybermobbing helfen klassische Mittel der Konfliktlsung, aber zustzlich bedarf es der Vermittlung von Medi-enkompetenz, besonders im Umgang mit sozialen Netzwerken.

    Cybermobbing auf einen Blick skizziert die Erscheinungsformen von Mobbing im Netz, stellt Forschungsergebnisse vor, zeigt praktische Handlungsperspektiven, klrt ber rechtliche Dimensionen auf und gibt Material- und Literaturtipps.

  • Cybermobbing auf einen bliCk Cybermobbing auf einen bliCk Cybermobbing auf einen bliCk

    mekonet Dokulinks

    Mit seinem Dokulink-Service mchte mekonet Sie dabei un-tersttzen, komplexe Internetadressen leichter erreichen zu knnen, auf die wir in unseren Materialien hinweisen. Hinter dem Texthinweis Dokulink finden Sie jeweils eine zugeh-rige Nummer zum Angebot. Wenn Sie dieses Angebot aufru-fen mchten, tippen Sie die Nummer in das Eingabefeld auf unserer Internetseite unter www.mekonet.de/dokulink ein. Sie werden dann automatisch zum entsprechenden Angebot weitergeleitet.

    Alternativ knnen Sie den Dokulink auch direkt aufrufen, indem Sie nach mekonet.de/d/ die jeweilige Nummer des Dokulinks in die Webadresse einfgen, also z. B. mekonet.de/d/123456.

    Literatur Literatur

    schrft sich die Situation bei Cybermobbing durch die ra-sante und unkontrollierbare Verbreitung von Informatio-nen im Netz. Die potenzielle Anonymitt der Tter(innen) und die stndige Prsenz der Attacken kommen hinzu: Cybermobbing endet weder nach Schulschluss noch an der Haustre, sondern findet jederzeit statt und verfolgt das Opfer (medial) berall hin. Viele Jugendliche geben sich online zudem mutiger und enthemmter als in der direkten Konfrontation, was Konflikte verschrfen kann (Wagner / Brggen et al. 2011).

    Wie verbreitet ist Cybermobbing?Cybermobbing ist fr Jugendliche lngst kein Fremdwort mehr und Teil des (Schul)Alltags, dennoch lsst sich das Problem schwer in Zahlen fassen. In einer Forsa-Umfra-ge, die im Frhjahr 2011 im Auftrag der Techniker Kran-kenkasse in Nordrhein-Westfalen durchgefhrt wurde, gaben etwa drei Viertel der befragten 14- bis 20-Jhri-gen an, ein Opfer von Cybermobbing zu kennen. Gut ein Drittel wurde der Studie zu Folge bereits selbst Op-fer von Cybermobbing; acht Prozent gaben zu, bereits selbst zum Tter geworden zu sein. Diese Zahlen sind er-heblich hher als die Ergebnisse der JIM-Studie 2011, in der nur jeder siebte Jugendliche zwischen zwlf und 19 Jahren besttigte, dass ber ihn schon einmal belei-digende oder peinliche Inhalte ins Netz gestellt wurden.

    Dies zeigt: Die Definition beziehungsweise die Diagno-se von Cybermobbing hngen stark von der eigenen Perspektive ab und lsst sich nur schwer an objektiven Tatsachen festmachen. Was Erwachsene bereits als Cy-bermobbing wahrnehmen, kann sich deutlich von den

    Empfindungen Jugendlicher unterscheiden, die in sozi-alen Netzwerken auch mal Spa-Streitereien fhren (vgl. Wagner / Brggen 2011).

    Wo wird gemobbt?Cybermobbing ist immer Teil von Gruppendynamiken und geht meist auch mit Mobbing jenseits des Netzes einher: Die Hlfte der Online-Mobber beleidigt oder bedroht seine Opfer auch offline (Livingstone / Haddon 2011). Die Summe aus verletzenden Inhalten, die online verbreitet werden und dem, was auerhalb des Netzes passiert, macht Cybermobbing aus.

    Cybermobbing findet vor allem in sozialen Netzwerken statt: 81 Prozent derer, die ein betroffenes Kind kennen, besttigen, dass diese Qulereien in sozialen Netzwerken verbreitet wurden (Ipsos 2012). Lediglich drei Prozent der jugendlichen Handybesitzer(innen) geben an, dass ber sie schon einmal beleidigende Bilder oder Texte per Han-dy verschickt wurden (JIM 2011). Die Bedeutung von so-zialen Netzwerken bei Cybermobbing verwundert kaum, denn sie sind die meistgenutzte Kommunikations(platt)form von Jugendlichen im Internet. Rund neun von zehn Jugendlichen sind Mitglied bei facebook, SchlerVZ oder anderen Netzwerken, wo sie durchschnittlich eine f-fentlichkeit von ber 200 Freunden um sich scharen (JIM 2011).

    Diese Plattformen vereinen eine Reihe von Funktionen, die sich fr Cybermobbing missbrauchen lassen: Andere knnen in Chats, Kommentaren, persnlichen Nachrich-ten und an ihren Pinnwnden beleidigt und / oder per-

    manent belstigt werden. Peinliche oder manipulierte Bilder und Videos knnen hochgeladen und Opfer durch Markierung damit in Verbindung gebracht werden. Man kann sich in Gruppen gegen eine andere Person orga-nisieren und zu Angriffen online wie offline verab-reden. Geflschte Profile lassen sich leicht anlegen und entweder nutzen, um ein Opfer anonym anzugreifen oder um ein komplettes Fake-Profil des Betroffenen anzulegen, das ihn / sie in ein schlechtes Licht rckt.

    Wer wird online gemobbt?D...