wege aus der gewalt

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Schülerbeitrag zum Wettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung im Jahr 2000

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  • Streit-Fall Eine Sonderausgabe der Scholle Eure Schlerzeitung am Geschwister-Scholl-Gymnasium zum Thema

    Wege aus der Gewalt

    Was Euch erwartet:

    Gewalt in den Medien ... in Zeitung, Radio und Fernsehen

    Bedroht, zusammengeschlagen, ausgeraubt, vergewaltigt... S. 2

    Die Stadt des Westflischen Friedens - kein Ort der Gewaltlosigkeit S. 2

    Schlagzeilen zum Thema Gewalt in Mnster S. 3

    Gewalt in unserem Stadtteil

    Viel Stress im Wuddi?! S. 3

    Mnsteraner rollen gegen Rechts S. 4

    Die Polizei - ein echter Freund und Helfer?! Ein Blick in die moderne Arbeit der Polizei

    My Way - Fair Play: Ein Ball wird Konzept S. 4

    TAO - Einsicht ist der erste Weg zum Besserung S. 5

    Gergert und bedroht - wie komm ich da raus? Recherchiert bei der Schulpsychologischen Beratungsstelle

    Neu in der Klasse - alles andere als willkommen S. 5

    Wege zu einer neuen Streitkultur Streitschlichtung an Schulen

    Interview mit Diplom-Sozialpdagogin Heidi Merz S. 6

    Promi-Wege aus der Gewalt Interviews mit Prominenten zum Thema Gewalt

    Interview mit Karl-Heinz Volkert, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und Dr. Thomas Sternberg, Direktor der Akademie Franz Hitze Haus in Mnster S. 8

    Von wegen

    Friede, Freude...

    Von Op-fern ver-schwiegen, von Mitwis-sern ver-tuscht, hat sich Gewalt, auch rechte Gewalt, wie-der zu einem Thema entwi-ckelt, ber das man re-den muss. Die Jagd auf einen Schwarzafrikaner in der Innenstadt hat vielen Mnsteranern auf erschreckende Wei-se klar gemacht, dass es rechte Gewalt nicht nur im Fernsehen gibt.

    Gewalt - auch ganz in meiner Nhe Doch fr die Betroffenen ebenfalls schreck-lich, aber viel weniger bekannt, existiert auch noch die ganz alltgliche Gewalt zu Hause, auf Schulhfen und Straen. Auch das Aus-grenzen von Mitschlern oder Mobbing geh-ren dazu. Vieles bleibt hier im Dunkeln, auch weil die Opfer niemanden haben, an den sie sich wenden knnen. Wir haben die momentane Medienprsenz des Themas Gewalt und viele besorgte Briefe unserer Leserinnen und Leser zu die-sem Thema zum Anlass genommen, Euch in

    dieser Sonderausgabe der Scholle Wege zu zeigen, wie man mit Gewalt umgehen und Konflikte gewaltlos lsen kann. Dazu ha-ben wir uns bei verschiedenen Organisatio-nen nach ihren Wegen aus der Gewalt er-kundigt, z.B. bei der Schulpsychologischen Beratungsstelle, bei der Polizei und auch beim Wuddi, unserem rtlichen Kinder- und Jugendzentrum. Auf den folgenden Seiten stellen wir Euch unsere Ergebnisse vor, da-runter auch die Aussagen von Prominenten, ein Interview und die Beantwortung eines Leserbriefs.

    Titel / Inhalt S. 1

  • GEWALT IN DEN MEDIEN

    Bedroht, zusammengeschlagen, ausgeraubt, vergewaltigt... Tglich liest man in der Zeitung von neuen Gewalttaten. Nicht nur in Grostdten, auch hier in Mnster. Nehmen wir als Beispiel den von Mnsteraner Skinheads gejagten Schwarzafrikaner. Reaktionen: Ober-brgermeister Berthold Tillmann rief den Auslnderbeirat zusammen, der aber nur sein allergrtes Mitgefhl gegenber dem Opfer zum Ausdruck brachte. Mnsters Sportvereine hingegen organisierten eine Demo unter dem Motto: Rollen gegen Rechts. Nur wenige Tage sp-ter, eine neue erschreckende Meldung in unserer regionalen Zeitung: 22-jhrige Studentin entfhrt und vergewaltigt. Die Polizei versuchte, den Fall mit Hilfe von Augenzeugenberichten aufzuklren - mit Erfolg: 40 Hinweise gingen beim Polizeiprsidium ein. Vergewaltiger gefasst! konnte die Staatsanwaltschaft Mnster nach dem Fahndungserfolg der Polizei mitteilen.

    Gedichte der Klasse UIIc

    Dunkler Tag

    Lautlose Schreie Dunkler Tag Leblos wach Und doch lebendig tot.

    Leblos am Boden Keine Regung Zertrmmert der Krper Und die Seele?

    Jana Isbach und Lisa Honerkamp

    Hilflos

    Die Leute gehen vorber Sehen sie es nicht? Ich brauche Hilfe Verstehen sie es nicht?

    Jana Lbben

    Was ist eigentlich...

    Skinhead Angehriger einer Gruppe mnnlicher Jugendlicher, die uerlich durch Kurz-haarschnitt oder Glatze ge-kennzeichnet sind und zu aggressivem Verhalten und Gewaltttigkeit neigen, bli-cherweise auf der Grundla-ge rechtsradikalen Gedan-kenguts

    Auslnderbeirat Gremium der Stadt Mns-ter, das von allen in Mns-ter lebenden Auslndern gewhlt wird und deren Be-lange gegenber Politik, Verwaltung und ffentlich-keit vertritt

    Gewalt in den Medien S. 2

    GEWALT IN DEN MEDIEN

    Die Stadt des Westflischen Friedens - kein Ort der Gewaltlosigkeit

    Chronologie der Gewalt in unserer Stadt Mnster 28.08.00 Skinheads jagen Schwarzafrikaner ber die Straen

    29.08.00 Stadionverbot fr Skinheads, 14-jhriger ausgeraubt und zu Boden geschlagen

    31.08.00 Sitzung des Auslnder- beirats wegen der Hetz- jagd auf den Schwarz- afrikaner, Leserbrief Epidemie in Mnster zum Thema Skinheads

    02.09.00 Opfer der Skinhead- attacke berichtet ber sein schreckliches Erlebnis

    05.09.00 32-jhriger zusammengeschlagen, Wortgefecht eskaliert zur Schlgerei

    07.09.00 22-jhrige Studentin entfhrt und vergewaltigt

    09.09.00 5000 DM Belohnung fr Hinweise auf die Vergewaltiger Polizistinnen von Betrunkenem verletzt

    11.09.00 Sportler organisieren Demo gegen Rechtsradikalismus

    12.09.00 10-jhriger zum Rauchen gezwungen

    13.09.00 40 Hinweise auf die Vergewaltiger, Opferhilfe gegrndet

    16.09.00 Einer der drei Vergewaltiger gefasst, zwei flchtig

    19.09.00 flchtige Vergewaltiger gefasst

    Bildquelle: wn.online

  • GEWALT IN DEN MEDIEN

    Schlagzeilen zum Thema Gewalt in Mnster

    Gedichte der Klasse UIIc

    Aufbruch

    Der Krug, endlich ist er

    zerbrochen

    Das Volk kommt aus

    Lchern gekrochen

    Die Geheimnisse zu wah-

    ren sind wir nicht bereit

    Die Stimme erheben, dazu

    ist es an der Zeit

    Die dunkle Nacht, sie ging

    ber in den Tag

    Das Gewissen sei rein,

    egal was kommen mag.

    Lioba Welling

    Was ist eigentlich...

    Wuddi Das Wuddi ist eine Einrich-tung des Amtes fr Kinder, Jugendliche und Familie der Stadt Mnster zur akti-ven Freizeitgestaltung.

    Gewalt in den Medien / Gewalt in unserem Stadtteil S. 3

    GEWALT IN UNSEREM STADTTEIL

    Viel Stress im Wuddi?!

    Jugendarbeit in Mnster-Kinderhaus

    Zur Klrung dieser Frage wandte ich mich an Andreas Brochtrup, einem Mitarbeiter des Wuddis, dem Zentrum fr Kinder und Jugendliche im Brgerhaus Kinderhaus. Das Wuddi besteht seit 17 Jahren und bietet Kindern und Jugendlichen die Mglichkeit, ihre Freizeit aktiv zu gestalten, angefangen vom tglichen Caf bis hin zur Ferienbetreu-ung. Hier treffen alle mglichen Nationalitten aufeinander, stark vertreten sind Deutsch-Russen und Romas. Gewaltsame Auseinandersetzungen hat der zustndige Sozialp-dagoge Andreas Brochtrup bisher noch nicht erlebt; nur einmal musste man die Polizei zur Hilfe holen. Mit Antistresspro-grammen und sport-lichen Aktivitten versuchen die Mitar-beiter des Wuddi, die Jugendlichen von der Gewalt ab-zubringen. Geschult durch ein Deeskala-tionstraining versu-chen sie, auffllige Jugendliche schon frh zu erkennen, bieten Hilfe zur Problemlsung oder erteilen notfalls auch Hausverbote.

  • Am 15.9.2000 organisier-te der Stadtsportbund eine ungewhnliche De-mo. Bewegt von den bergriffen Rechtsradika-

    ler auf einen farbi-gen Mitbrger unserer Stadt nach einem Fu-ballspiel sollten Sportler auf Rol-len gegen Frem-denfeindlichkeit und fr Toleranz und gegenseitige Anerkennung demonstrieren.

    Nur eine geringe Anzahl von Brgern auf Fahrrdern, Inlineskates und Rollern folgte dem Aufruf. Diese Tatsache macht deutlich, wie wenig der Gesellschaft bewusst ist, was Gewalt in der Vergangenheit bereits angerichtet hat und in der Zukunft eventuell anrichten kann. Schockiert liest, hrt oder sieht man in den Medien von gewaltsamen bergriffen, doch dann geht man immer wieder schnell zur Tagesordnung ber. Durch Aufklrung muss knf-tig die Gesellschaft strker sensibilisiert werden. Auch die schweigende Mehrheit muss wachgerttelt werden.

    GEWALT IN UNSEREM STADTTEIL

    Rollen gegen Rechts Gedichte der Klasse UIIc

    Auswege

    Die Menschen schreien und kmpfen Doch keiner kommt um zu helfen. Es kommt einmal der Tag, dann werden sich alle verstehen und einsehen, besser ist es mit Freunden wegzugehen als Menschen mit Schlgen zu qulen.

    Patrizia Cichy

    Was ist eigentlich...

    Prven-tion Vorbeugung

    My Way - Fair play

    Initiative der Po-lizei, die zum Ziel hat, Jugend-liche durch Sport von Gewaltta-ten abzuhalten

    Gewalt in unserem Stadtteil / Die Polizei - Ein echter Freund und Helfer?! S. 4

    DIE POLIZEI - EIN ECHTER FREUND UND HELFER?!

    My Way - Fair Play: Ein Ball wird Konzept

    Dieses Motto macht sich die Polizei zu eigen und versucht, durch Aktio-

    nen wie Basketball- und Fuballturniere Alterna-tiven zur Gewalt zu bie-ten, denn nicht selten sind gestrte Familien-verhltnisse, Arbeitslo-sigkeit, Frust, Trennung und Langeweile Grnde fr aggressives Verhal-ten. Redfeld: ,,Ein Ball, ein Korb, ein Platz und die Kids sind ein paar Stunden weg von der Strae." Die Einbindung z.B. in einen Verein oder eine Band strkt sowohl soziales Verhal-ten als auch das Gefhl von Zugehrigkeit und Miteinander. ,,Somit geraten zumindest die alltglichen Probleme fr ein paar Stunden in Vergessenheit", so Lutz Redfeld. Jugendliche erhalten durch diese Initiative die Mglichkeit, sich bei einer speziell ausgebilde-ten Vertrauensperson Rat und Hilfe zu holen, da Eltern oftmals

    keine Zeit fr ihre Kinder finden. Da so die ngste der Ju-gendlichen vor der Polizei abgebaut werden, melden sie der Polizei auch mehr Straftaten und helfen ihr so bei d

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