seth gebet

Download Seth Gebet

Post on 15-Dec-2015

15 views

Category:

Documents

0 download

Embed Size (px)

TRANSCRIPT

  • Seth-Gebet

    Mit Abbildungen 3-4

    William Brashear (Berlin)

    P.Berol. 17207 16 13,5 cm Herkunft unbekannt4.-5. Jh. n.Chr.?

    Erhalten ist die untere Partie eines Papyrus-Kodexblattes mit Teilen des seitlichenund des unteren Randes. Auf der Seite der horizontalen Fasern (-> = Seite 2) ist 5cm vor dem rechten Rand eine vertikale Klebung sichtbar. Oben und links ist derText abgebrochen; wieviel oben fehlt, ist unbestimmt. Auf der linken Seite fehlenim oberen Bereich nur ein paar Buchstaben, die sich ergnzen lassen. Unten feh-len dagegen halbe Zeilen, deren Ergnzung auf Schwierigkeiten stt.1

    Auf der Seite der vertikalen Fasern ( = Seite 1) ist rechts ein Teil des Textesabgebrochen; ob nur ein paar Zentimeter oder die ganze rechte Hlfte des Kodex-blatts, lt sich nicht mehr feststellen. Links ist ein Rand von 1,5 cm nur teilweise,unten ein Rand von 1,7 cm erhalten. Die 13 Zeilen Text sind z.T. abgerieben. DerSeite der vertikalen Fasern (i = Seite 1) folgt wohl die Seite der horizontalenFasern (-> = Seite 2), die den mit Ornamenten geschmckten Titel des Werkesenthlt. Unter diesem befindet sich ein sogenanntes Kolophon-Gebet, das sowohldem Schreiber als auch dem Leser Frieden verheit. Darauf folgt unten rechts dieZeichnung eines groen ornamentalen Kreuzes.2 Rnder sind rechts im Umfangvon 2,4, unten von 1,5 cm erhalten.

    Die Schrift ist in dicken, unregelmigen Zgen in schwarzer Tinte aufgetra-gen. Vergleichbar ist die Schrift von P.Oxy. XLII 3011 (3. Jh.), LVI 3829 (sptes2. Jh.?); P.Kln 66 (2. Jh.; A. Henrichs, ZPE l, 1967, 45: ausgehendes 2. Jh. n.Chr.); und E.P. Wegener, Some Oxford Papyri = P.Lugd. Bat. , . 19, plateIX (208 n.Chr.). Eine so frhe Datierung in die Zeit um das 2./3. Jh. scheint ange-sichts des Textinhalts jedoch ausgeschlossen und eine sptere, eventuell in das 4.

    * Nach der Fertigstellung der Abschrift machte mich G. Poethke darauf aufmerksam, da sichin dem ihm von Frau Dr. Ursula Treu zur Verfgung gestellten Nachla von Kurt Treu eine Ab-schrift sowie Notizen zum vorliegenden Text befanden. Diesen Nachla hat mir Herr Poethkefreundlicherweise zur Verfgung gestellt. Fr die in diesem Aufsatz vertretene Interpretation sindK. Treus Notizen jedoch weniger von Bedeutung, denn offensichtlich sah er in dem Text ein reinchristliches Gebet, was in den Textresten keine Besttigung findet. - Ich danke G. Poethke auchfr die stilistische Durchsicht dieses Aufsatzes.

    2 Eine ausfhrlichere Besprechung dieser Verzierung bei U. Horak, Illuminierte Papyri, Perga-

    mente und Papiere II, Wien 1996 (im Druck). Brought to you by | New York UniversityAuthenticated | 128.122.65.156

    Download Date | 4/29/14 1:14 AM

  • W. Brashear, Seth-Gebet 27

    oder 5. Jh. n.Chr. vorzuziehen.3 Gelegentlich treten orthographische Fehler undLautverwechslungen auf.

    Ausdr cke wie das zweimal vorkommende , [] [und ] [ (?) verleihen dem Text auf den ersten Blick den Cha-rakter eines christlichen hymnischen Gebets. Doch deutet das Vorhandensein vonberstrichenen merkw rdigen Wortgebilden, die z.T. griechischen Wortbildungs-

    gesetzen widersprechen, darauf hin, da es sich bei diesem Text eher um ein Zau-ber- oder gnostisches Gebet handelt. berstrichene W rter sind in den griechi-schen4, koptischen5 und hebr ischen6 Zaubertexten aus gypten wie auch aus dengnostischen Texten7 ein bekanntes Ph nomen. Da es sich schlie lich weniger umZauber als um Gnostisches handelt, zeigt das Auftauchen einiger der berstri-ebenen W rter dieses Textes in den ber hmten koptisch-gnostischen Kodizes ausNag-Hammadi sogar in derselben Reihenfolge.

    Mit anderen Worten, auch wenn die hier vorhandenen, sonst nur in koptisch-gnostischen Texten vorkommenden nomina mystica nicht unbedingt genuineskoptisches Sprachgut darstellen, haben wir es mit einem seltenen griechisch-gnostischen Text zu tun, der vielleicht im 4.-5. Jh. n.Chr. in einen Papyruskodexniedergeschrieben wurde. Ob dieser griechisch geschriebene Text eine

    bersetzung aus dem Koptischen oder vielmehr eine originale griechische Pro-duktion ist, l t sich anhand des geringen Textumfangs des erhaltenen Fragmentsletzten Endes nicht mehr feststellen. Sinn und Inhalt sind gleicherma en obskur.Nach den anf nglichen nomina mystica (Z. 1-3) kommen Lobpreisungen (Z. 4-5,11-12: ) vermischt mit Attributen und Eigenschaften wie Edelmut(Z. 6: ), Enthaltsamkeit (Z. 7: , ) und anderen(Z. 8: ?) vor. Das Verst ndnis des Inhalts wird durch den zunehmendenTextverlust erschwert. In Z. 10 ist die Rede von "Kenntnis" ([), ein Aus-druck, der in gnostischen Kontexten mit pr gnanter Bedeutung beladen ist.

    "Im Namen1' eines Unbekannten (Z. 13: [) endet der lesbare Textauf Seite 1. Es ist jedoch verlockend, dies als Anfang des Schlu -Satzes des gan-zen Werkes anzusehen, der sich oben auf Seite 2 fortsetzt. Es w re also eine Wort-folge wie etwa (Z. 12) [] [ ], (. 14) weitere Attribute, (Z.15) [ ], , [] ("im Namen des , des en, Unge-zeugten.' Amen") theoretisch denkbar. In der Tat ist es m glich, doch nicht eindeu-tig zu beweisen, da vom oberen Teil des Kodexblatts nur ein oder zwei Zenti-meter fehlen und der letzte Satz auf Seite l direkt seine Fortsetzung in dem erstenSatz auf Seite 2 findet, nat rlich vorausgesetzt, da das Erhaltene den rechten Teil

    3 H. Maehler, Zur Datierung griechischer Buchschriften des 4. bis 8. Jahrhunderts aus gyp-

    ten, in: D. Harlfmger und G. Prato, [Hrsgg.], Paleografia e codicologia greca (Atti del II Colloquiointernazionale, Berlino-Wolfenb ttel, 17-21 ott. 1983), Alessandria 1991, 31-40, er rtert dieSchwierigkeiten der Datierung solcher Schriften.

    4 Z.B. Suppl. Mag. I, Nr. 14, 19; II, Nr. 79.

    5 Z.B. P.Heid. V, Nr. 134ff.

    6 P. Sch fer, S. Shaked, Magische Texte aus der Kairoer Geniza I, T bingen 1994, passim.

    7 Pistis, S. 398ff.: "Namen- und Sachregister"; NH Xl,3,54.Brought to you by | New York University

    Authenticated | 128.122.65.156Download Date | 4/29/14 1:14 AM

  • 28 Archiv f r Papyrusforschung 42/1,1996

    des Kodexdoppelblatts darstellt. Genauso w re m glich, da das Erhaltene denlinken Teil des Doppelblatts darstellt mit dem Schlu des einen Werkes auf Seite2 und dem Anfang eines anderen auf Seite l. Der Einfachheit halber sei die ersteThese angenommen, das erhaltene Fragment stelle den rechten Teil des ganzenKodexblattes dar und der letzte Satz auf der ersten Seite werde mehr oder wenigerdirekt in den zwei Zeilen auf der zweiten Seite fortgesetzt.

    Wenn diese Annahme zutrifft, h tte man es mit einem Kodex von ungew hnli-chem Format zu tun. Blattgr en von 16 cm Breite und 18-20 cm H he sind inder Antike selten belegt. Kodexbl tter mit einer Breite von 16 cm haben normaler-weise H hen von 22 bis 29 cm.8 Somit zeigt sich die soeben vorgestellte These alsh chst spekulativ.

    Der Titel auf Seite 2 verr t, da es sich bei dieser Schrift wom glich um "dasGebet von Seth" handelt. Eine eindeutigere Aussage zur Einordnung dieser merk-w rdigen Schrift in eine Literaturgattung h tte man sich nicht w nschen k nnen.Nur ist diese auf den ersten Blick so willkommene Information viel eher Grundzur Frustration als zur Freude. Denn in der bisher berlieferten gnostischen Litera-tur gibt es keinen Hinweis auf ein so betiteltes Werk. Die einzig bekannte Paral-lele aus der gnostischen Literatur, die von seinem Herausgeber als "Gebet desSeth" bezeichnet wird, ist die in NH VII,5,118.25b - 119.15 erhaltene Stelle. Dortrichtet Seth ein Dankgebet an Adamas, weil der ihn gezeugt und ins Leben ge-rufen hatte.9 Aber man vermi t eine hnlichkeit oder gar Beziehung dieser kop-tisch bzw. griechisch verfa ten Texte zueinander. In den manich ischen Kephalaiawird auch auf ein "Gebet von Sethel" verwiesen und stellenweise wird aus diesemGebet zitiert. Trotzdem bleiben auch hier etwaige hnlichkeiten zwischen diesemund jenem St ck aus.10 Videant peritiores!

    Seite U] [] [ ] [ ]

    []. [] [ ][ ] [ ][ ] [ ]

    5 [] [ ][ ] [ ']' [ ] [ j[ ca. 10]

    10 [ ca. 9] [ -]

    8 E.G. Turner, The Typology of the Early Codex, Univ. of Pennsylvania 1977,18-19: Group 6,

    Aberrant.9 Claude 64ff.

    10 Kephalaia (= Manich ische Handschriften der Staatl. Museen Berlin I), Stuttgart 1940, S.42:

    " ber die Deutung der vierzehn [grossen] Aeonen, ber die Sethel [in seinem] Gebet gesprochen jhat". Diesen Hinweis verdanke ich lain Gardiner. jBrought to you by | New York University

    Authenticated | 128.122.65.156Download Date | 4/29/14 1:14 AM

  • W. Brashear, Seth-Gebet 29

    [ ca. 6 ] [ ca. 6 ]

    Seite] [

    15 ] [

    ][ ]

    [] [] [] [ ]

    1 ] [1{: Winzige, nicht weiter zu identifizierende Tintenspur vor Ypsilon.Papyrus ber Alpha, Omega und Epsilon abgebrochen, wo vermutlich auch einSupralinearstrich zur Kennzeichnung dieser W rter als nomina barbara gestandenhatte. Vermutlich wurde My zu Ny ver ndert.

    Etwas hnlicher Wortlaut in NH XI, 54.28-29: - und NH VII,5,126.6(Claude 54): ; NH ,1,39.2: . Hier liegt eventuell ein Schreibfeh-ler vor, und man k nnte (mit gro er Vorsicht) emendieren: ](), wobei wiederum eine Verschreibung von darstellen k nnte.2 []. : Der Buchstabenrest vor Phi l t sich nicht leicht erkl ren. Amehesten k nnte es ein fehlerhafter Buchstabe sein (eventuell Iota?), der dann ber-schrieben wurde. Vgl. NH XIH,1,39.2 [; NH VII,5,126.7-8 (Claude 54):(); NH XI,3,54.30: .

    [] [ ]: Vgl. NH XI,3,54.30: . Ob einmal ein oder keinLambda in der L cke zwischen Lambda und Epsilon stand, ist schwierig zu ent-scheiden. F r ein Lambda ist die L cke einerseits zu eng, andererseits ist der Ab-stand zwischen Lambda und Epsilon ungew hnlich breit.

    2-3 Die Verteilung der Buchstaben und die Wortabteilung bereiten Schwierig-keiten. Laut NH VII,5,126.8 (Claude 54) hei t das Wort , laut NHXI,3,54.30: . In der L cke rechts im Papyrus ist gen gend Platz f r dasWortende, also Alpha, Omega