richard david precht wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

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  • Richard David Precht

    Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

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  • Richard David Precht

    Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

    Eine philosophische Reise

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  • Richard David Precht

    Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

    Eine philosophische Reise

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  • Originalausgabe

    Fr Oskar und Juliette,David und Matthieu

    Verlagsgruppe Random House FSC-DEU-0100 Das fr dieses Buch verwendete FSC-zertifizierte Papier

    Munken Premium Cream liefert Arctic Paper Munkedals AB, Schweden

    42. AuflageCopyright 2007 by Wilhelm Goldmann Verlag, Mnchen,

    in der Verlagsgruppe Random House GmbHSatz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

    Druck und Bindung: GGP Media GmbH, PneckPrinted in Germany

    ISBN 978-3-442-31143-9

    www.goldmann-verlag.de

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    Inhaltsverzeichnis

    Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

    Was kann ich wissen?Kluge Tiere im All.

    Was ist Wahrheit? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21Lucy in the Sky.

    Woher kommen wir? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30Der Kosmos des Geistes.

    Wie funktioniert mein Gehirn? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40Ein Winterabend im 30-jhrigen Krieg.

    Woher wei ich, wer ich bin?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51Die Mach-Erfahrung.

    Wer ist Ich? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62Mr. Spock liebt.

    Was sind Gefhle? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74Kein Herr im eigenen Haus.

    Was ist mein Unterbewusstsein?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85Da war doch was.

    Was ist das Gedchtnis?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97Die Fliege im Glas.

    Was ist Sprache? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108

    Was soll ich tun?Rousseaus Irrtum.

    Brauchen wir andere Menschen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125

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  • Das Schwert des Drachentters. Warum helfen wir anderen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132

    Das Gesetz in mir: Warum soll ich gut sein? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138

    Das Libet-Experiment. Kann ich wollen, was ich will?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146

    Der Fall Gage. Gibt es Moral im Gehirn? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157

    Ich fhle was, was du auch fhlst. Lohnt es sich, gut zu sein? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162

    Der Mann auf der Brcke. Ist Moral angeboren?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169

    Tante Bertha soll leben. Darf man Menschen tten? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177

    Die Geburt der Wrde. Ist Abtreibung moralisch? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184

    End-Zeit. Soll man Sterbehilfe erlauben? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197

    Jenseits von Wurst und Kse. Drfen wir Tiere essen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209

    Der Affe im Kulturwald. Wie sollen wir mit Menschenaffen umgehen? . . . . . . . . 221

    Die Qual der Wale. Warum sollen wir die Natur schtzen? . . . . . . . . . . . . . 231

    Ansichten eines Klons. Darf man Menschen kopieren? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 240

    Kinder von der Stange. Wohin fhrt die Reproduktionsmedizin? . . . . . . . . . . . . 250

    Die Brcke ins Geisterreich. Was darf die Hirnforschung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264

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  • Was darf ich hoffen?Die grte aller Vorstellungen.

    Gibt es Gott? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277Die Uhr des Erzdiakons.

    Hat die Natur einen Sinn? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288Eine ganz normale Unwahrscheinlichkeit.

    Was ist Liebe? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 300Do be do be do.

    Was ist Freiheit?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313Robinsons Altl.

    Brauchen wir Eigentum? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 326Das Rawls-Spiel.

    Was ist gerecht? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335Inseln der Seligkeit.

    Was ist ein glckliches Leben? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 347Der ferne Garten.

    Ist Glck lernbar? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 359Die Matrix-Maschine.

    Hat das Leben einen Sinn?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 368

    Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 379

    Personenregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 394

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    Einleitung

    Die griechische Insel Naxos ist die grte Insel der Kykladen im gischen Meer. In der Mitte der Insel steigt die Bergkette des Zas bis auf tausend Meter an, und auf den wrzig duften-den Feldern grasen Ziegen und Schafe, wachsen Wein und Ge-mse. Noch in den 1980er Jahren besa Naxos einen legend-ren Strand bei Agia Ana, kilometerlange Sanddnen, in denen nur wenige Touristen sich Bambushtten geflochten hatten und ihre Zeit damit verbrachten, trge im Schatten herumzudsen. Im Sommer 1985 lagen unter einem Felsvorsprung zwei junge, gerade 20-jhrige Mnner. Der eine hie Jrgen und kam aus Dsseldorf; der andere war ich. Wir hatten uns erst vor wenigen Tagen am Strand kennen gelernt und diskutierten ber ein Buch, das ich aus der Bibliothek meines Vaters mit in den Urlaub ge-nommen hatte: ein inzwischen arg ramponiertes Taschenbuch, von der Sonne ausgebleicht, mit einem griechischen Tempel auf dem Umschlag und zwei Mnnern in griechischem Gewand. Pla-ton: Sokrates im Gesprch.

    Die Atmosphre, in der wir unsere bescheidenen Gedanken lei-denschaftlich austauschten, brannte sich mir so tief ein wie die Sonne auf der Haut. Abends, bei Kse, Wein und Melonen, son-derten wir uns ein wenig von den anderen ab und diskutierten weiter unsere Vorstellungen. Vor allem die Verteidigungsrede, die Sokrates laut Platon gehalten haben soll, als man ihn wegen des Verderbens der Jugend zum Tode verurteilte, beschftigte uns sehr.

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  • 10

    Mir nahm sie fr einige Zeit die Angst vor dem Tod, ein Thema, das mich zutiefst beunruhigte; Jrgen war weniger ber-zeugt.

    Jrgens Gesicht ist mir entfallen. Ich habe ihn nie wieder ge-troffen, auf der Strae wrde ich ihn heute sicher nicht erken-nen. Und der Strand von Agia Ana, an den ich nicht zurckge-kehrt bin, ist laut zuverlssiger Quelle heute ein Touristen-Para-dies mit Hotels, Zunen, Sonnenschirmen und gebhrenpflichti-gen Liegesthlen. Ganze Passagen aus der Apologie des Sokrates in meinem Kopf dagegen sind mir geblieben und begleiten mich gewiss bis ins Altenpflegeheim; mal sehen, ob sie dann immer noch die Kraft haben, mich zu beruhigen.

    Das leidenschaftliche Interesse fr Philosophie habe ich nicht mehr verloren. Es lebt fort seit den Tagen von Agia Ana. Aus Na-xos zurckgekehrt, leistete ich zunchst einen unerquicklichen Zivildienst ab. Es war gerade eine sehr moralische Zeit, Nato-Doppelbeschluss und Friedensbewegung erhitzten die Gemter, dazu Abenteuerlichkeiten wie US-amerikanische Planspiele ber einen begrenzten Atomkrieg in Europa, die man sich ohne Kopf-schtteln heute kaum noch vorstellen mag. Mein Zivildienst als Gemeindehelfer freilich regte nicht zu khnen Gedanken an; seit ich die evangelische Kirche von innen gesehen habe, mag ich den Katholizismus. Was blieb, war die Suche nach dem richtigen Leben und nach berzeugenden Antworten auf die groen Fra-gen des Lebens. Ich beschloss, Philosophie zu studieren.

    Das Studium in Kln begann allerdings mit einer Enttu-schung. Bislang hatte ich mir Philosophen als spannende Persn-lichkeiten vorgestellt, die so aufregend und konsequent lebten, wie sie dachten. Faszinierende Menschen wie Theodor W. Ad-orno, Ernst Bloch oder Jean-Paul Sartre. Doch die Vision von einer Einheit aus khnen Gedanken und einem khnen Leben verflchtigte sich beim Anblick meiner zuknftigen Lehrer so-fort: langweilige ltere Herren in braunen oder blauen Busfah-reranzgen. Ich dachte an den Dichter Robert Musil, der sich da-

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    rber gewundert hatte, dass die modernen und fortschrittlichen Ingenieure der Kaiserzeit, die neue Welten zu Lande, zu Wasser und in der Luft eroberten, gleichzeitig so altmodische Zwirbel-brte, Westen und Taschenuhren trugen. Ebenso, schien es mir, wendeten die Klner Philosophen ihre innere geistige Freiheit nicht auf ihr Leben an. Immerhin brachte mir einer von ihnen schlielich doch das Denken bei. Er lehrte mich, nach dem Wa-rum zu fragen und sich nicht mit schnellen Antworten zu be-gngen. Und er paukte mir ein, dass meine Gedankengnge und Argumentationen lckenlos sein sollten, so dass jeder einzelne Schritt mglichst streng auf dem anderen aufbaut.

    Ich verbrachte wunderbare Studienjahre. In meiner Erinne-rung vermischen sie sich zu einer einzigen Abfolge aus spannen-der Lektre, spontanem Kochen, Tischgesprchen beim Nudeles-sen, schlechtem Rotwein, wilden Diskussionen im Seminar und endlosen Kaffeerunden in der Mensa mit Bewhrungsproben unserer philosophischen Lektre: ber Erkenntnis und Irrtum, das richtige Leben, ber Fuball und natrlich darber, warum Mann und Frau wie Loriot meinte nicht zusammenpassen. Das Schn

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