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  • HEIMAT? DA W

    AR ICH NOCH NIE!RAHM

    EN PRO GRAMM

    AUGSBURGER HOHES FRIEDENSFEST 2014

    RAHMEN PRO GRAMM AUGSBURGER HOHES FRIEDENSFEST 2014

    18 / 07 08 / 08

  • Inhaltsverzeichnis

    Seite 3

    GruSSworteSeite 5

    rahmenproGramm zum auGSburGer hohen FriedenSFeSt 2014

    hiGhliGhtSSeite 6

    heimat? da war ich noch nie! GaStbeitraG

    Seite 54

    FeStival der Kulturen

    Seite 92Veranstaltungs

    orte

    Seite 94Veranstaltungs

    kalender

    Seite 99Kontakt und Impressum

    Seite 100Partner und Sponsoren

  • Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heit sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und berholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entuerung und Entfremdung in realer Demokratie begrndet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.

    Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung

    2

  • GruSSwort der Stadt auGSburG

    Liebe Mitbrgerinnen und Mitbrger,liebe Gste der Friedensstadt Augsburg,

    Was bedeutet Heimat fr Sie? Die Antwort auf diese Frage fllt wohl sehr

    individuell aus. Heimat ist emotional, ambiva-lent, streitbar: romantisch verklrt im 19. Jahr-hundert, missbraucht whrend des National-sozialismus, lange Zeit als rckwrtsgewandt abgetan, entfaltet sich in den vergangenen Jah-ren ein neuer, inklusiver Heimatbegriff los-gelst von der berkommenen Reduktion auf Herkunft und Tradition. Im Diskurs um gesell-schaftlichen Pluralismus und Identitt steht Heimat als Produkt eines individuellen und kollektiven Aushandlungsprozesses im Mittel-punkt: Wie knnen sich Menschen in modernen Gesellschaften mit ihren unterschiedlichsten Biografien, weltanschaulichen berzeugungen, (Migrations-)Geschichten rumlich, geistig und sozial verorten und Heimat(en) neu inter-pretieren? Welchen aktiven Beitrag kann jeder Einzelne dazu leisten?

    Heimat als kreativer Schaffensakt die Utopie vom Umbau der Welt in Heimat, wie es einst Ernst Bloch formulierte ist Ausgangs-punkt des Kulturprogramms zum Augsburger Hohen Friedensfest 2014. Drei Wochen lang hlt es Rume zum Umbau und Umdenken be-reit, zum Einbringen und Wechseln von Per-spektiven, zum (Er-)Finden gemeinsamer

    Geschichte: ber 60 Programmbeitrge aus Theater, Performances, Konzerten, Literatur und Philosophie, Workshops und Diskussionen laden ein zur kritischen Auseinandersetzung mit Heimaterinnerungen und Heimatvisionen.

    Dass Heimat nichts Nostalgisches oder Selbstverstndliches hat, zeigen aktuell u. a. Lampedusa und die Krimkrise. Die bewegte Ge-schichte der Protestanten in Augsburg ist ein historisches Mahnmal fr Heimatverlust. Der Augsburger Religionsfriede von 1555, der ihnen ihre Besitzstnde und freie Religionsausbung erstmals gesetzlich zusprach, ist daher ein be-sonderes Beispiel fr Freizgigkeit und fr die Friedensstadt Augsburg immer noch politi-scher Auftrag fr den Umgang mit gesellschaft-licher Vielfalt. Als Andockpunkt fr Einheimi-sche und Heimatsuchende gleichermaen, ist Willkommens- und Anerkennungskultur in unserer Stadt keine leere Worthlse. Wir laden jeden Einzelnen von Ihnen ein, die Identitt der Friedensstadt mitzugestalten.

    Wir danken den zahlreichen Koopera-tionspartnern, Knstlern und Kreativen so-wie den Sponsoren und Untersttzern des Friedens fests, die durch ihren Einsatz und ihr Engagement Verantwortung fr unsere gemeinsame Heimat bernehmen. Allen Be-suchern wnschen wir spannende und anre-gende drei Wochen, denn: Heimat ist zeitlos modern!

    Dr. Kurt GriblOberbrgermeister der Stadt Augsburg

    Thomas WeitzelKulturreferent der Stadt Augsburg

    3

  • KumeniScheS GruSSwort

    Wenn wir am 8. August das 364. Hohe Friedens-fest in Augsburg feiern, hoffen wir, dass ganz viele Menschen mit uns feiern. Denn das Hohe Friedensfest ist ein einzigartiges Fest. Nur Augsburg hat einen gesetzlichen Feier-tag fr den Frieden und nur in Augsburg wird in un gebrochener Kontinuitt seit 1650 ein Friedens dankfest begangen.

    Und unsere Welt braucht nicht weniger, sondern mehr Zuwendung und Aufmerksam-keit fr den Frieden.

    45 Millionen Menschen sind zurzeit welt-weit auf der Flucht. Es sind Flchtlinge, Asyl-bewerber, Binnenvertriebene und Staatenlose. Sie alle sind auf der Suche nach Heimat, nach einem Ort, an dem sie in Frieden und Gerech-tigkeit leben knnen. In der Stadt Augsburg leben 42,6% Menschen mit Migrations hinter-grund. Sie haben ihre alte Heimat verlassen

    und bringen eine Vielzahl an Nationalitten, Kulturen, Religionen und Tradi tionen in un-sere Stadt mit.

    Heimat ist das Thema des Rahmen pro-gramms zum diesjhrigen Hohen Friedens fest . Katholiken und Protestanten haben im 16. und 17. Jahrhundert mhsam lernen mssen, dass sie friedlich zusammen leben und arbeiten knnen, auch wenn sie in Fragen religiser Wahrheit nicht einer Meinung waren.

    Den anderen akzeptieren, gerade in sei-nem Anderssein das ist uns als Lernaufgabe weiter aufgetragen.

    Und so ist unser Wunsch zum Hohen Frie den fest 2014, dass unsere Stadt Augsburg Heimat sein mge fr alle, die hier wohnen, und dass wir unser Verschiedensein nicht mit Miss-trauen betrachten, sondern als Reichtum ent-decken, den Gott in seine Welt hineingelegt hat.

    Susanne KaschStadtdekanin Evangelische Kirche in Augsburg

    Helmut HaugStadtdekan Katholische Kirche in Augsburg

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  • Heimatlieder aus Deutschland feat. Augsburg

    Ein auergewhnlicher Heimatabend im The-ater Augsburg erffnet das dreiwchige Pro-gramm: Nach dem berwltigenden Erfolg in der Komischen Oper Berlin prsentiert das Berliner Kulturprojekt Heimatlieder aus Deutschland im Schulterschluss mit der Augsburger Musikszene die deutsche Heimat im Plural von dalmatinischem Klapagesang ber Gnawa aus Marokko oder Son aus Kuba bis hin zu alevitischer Volksmusik und portu-giesischem Fado.

    Die neue (Anti)Heimatliteratur

    Zum experimentellen Literaturspaziergang geHeime wOrte laden u. a. die sterreichische Bestellerautorin Vea Kaiser (Blasmusikpop), die Augsburgerin Eva Roman (Siebenbrunn) und Twitterstar Alexandra Tobor (Sitzen vier Polen im Auto). Weltliteratur aus der Ucker-mark (FAZ) bringt der aus Bosnien stam-mende Saa Staniic mit seinem jngst mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichne-ten Roman Vor dem Fest nach Augsburg.

    Heimat deconstructed

    Kann Popkultur individuelle und kollektive Identitten (de)konstruieren? Der Berliner Rapper deutsch-ghanaischer Prgung Amewu (Leidkultur) ist bekannt fr seine tiefgrn-digen und engagierten Texte, u .a. zur aktuellen Flchtlingspolitik. Das Klner Knstlerkollek-tiv Captain Borderline gestaltet international gesellschaftskritische Graffitiwnde zum Friedensfest auch die Fassade des Grandhotels (Colorcosmopolis). Gemeinsam diskutieren die Knstler im Weien Lamm.

    Eine Vierteltransformation

    Das Grandhotel Cosmopolis ist Heimat auf Zeit fr Hotelgste mit und ohne Asyl, Knstler und Wegbegleiter aus aller Welt. Ein ganzes Wo-chenende lang erwarten die Besucher rund um diesen besonderen Heimatort u. a. Kunstinstal-lationen und Performances, ein multimedialer Theaterparcours, ein temporrer Dom unterm Sternenzelt. Willkommen zu einem kosmopoli-tischen Heimatfest im Augsburger Domviertel!

    Spirituelle Heimat

    Die Sehnsucht nach geistiger Verortung und das identittsstiftende Potenzial des Glau-bens reflektieren zahlreiche (inter)religise Formate, u. a. das Friedhoftheater Letzte Heimat, der Predigt-Slam, die Shuttletour Musik und sakraler Raum, die Kinder und Familien durch Kirche, Synagoge und Moschee fhrt, das interreligise Konzert und das f-fentliche Fastenbrechen zum Ramadan.

    Festival der Kulturen

    Mit hochkartiger Weltmusik lockt das Fes-tival der Kulturen am 1. und 2. August in den Annahof und den Dekanatsgarten die Fami-lienarea mit lokalen Acts, Mrchen und Mal-werkstatt fr Kinder. Am Abend bringen inter-nationale Knstler den Platz zum Beben: Die Ibibio Sound Machine kombiniert mhelos klassischen Highlife, Disco und Postpunk, das kraftvoll-virtuose Kocani Orkestar aus Maze-donien besticht mit urbanem Balkan-Pop. Im Anschluss heit es Weitertanzen auf der After-showparty im City Club.

    Home is filled with pain

    Der Wanderer wohnt nirgends. Die philoso-phische Suche nach einer Haltung zum Leben, die nicht auf ein Heimischwerden baut, son-dern auf den Auszug, reflektiert Oliver Kontny in seiner Prosa-Performance. Auch das Phi-losophische Zwischenspiel stellt die Kern-fragen: Ist Heimat Erinnerung oder Vision? Steht Heimat am Anfang oder am Ende?

    Mitternachtskonzert The Sounds of God

    Die Konzertreihe The Sounds of God vereint namhafte Knstler aus verschiedenen Kultur-kreisen, deren Musik in einem spirituellen oder religisen Kontext verwurzelt ist. Beim Mitter-nachtskonzert am Vorabend des Friedensfests luten u. a. chinesische Maultrommel, Klezmer und klassische indische Musik den Feiertag ein. Am 8. August klingt das Friedensfestpro-gramm traditionell mit den Festgottesdiensten, der Augsburger Friedenstafel, dem Kinderfrie-densfest und abends mit dem Festkonzert in St. Anna Jenkins The Peacemakers aus.

    proGrammhiGhliGhtS

    5

  • Gastbeitrag

    heimat? da war ich noch nie!

    Von oliVer

    Kontny

    In der Nacht auf den ersten Juni liegt ber dem Salento winterliche Klte. Wir haben Zichorien auf Bohnenmu gegessen. Kurz vor Mitternacht geht auf das Dorffest von Burgo ein mieser

    Regen herab. Die Menschen in Sditalien sind unvorbereitet auf einen Berliner Sommer. Der lang erwartete Hauptact auf der Bhne bricht sein Konzert ab. Traurig stehe ich unter einem geliehenen Regenschirm. Mein Gastgebe

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