handlung Web viewZentralabitur Niedersachsen Pdagogik-Psychologie 2008, Aufgabe 2; Quelle: AWO-Bundesverband e.V. (Hrsg.): ... Biologie, Mathematik und sehr gerne Kunst.

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Fach: Pdagogik-Psychologie

Kurs: PA1L2A

Datum:

Lehrkraft: N. Mnke

Lerngebiet 9 Handlungsanstze in der sozialen Arbeit vergleichen

Fallbeschreibung Tim[footnoteRef:1] [1: Zentralabitur Niedersachsen Pdagogik-Psychologie 2008, Aufgabe 2; Quelle: AWO-Bundesverband e.V. (Hrsg.): Zukunftschancen fr Kinder. Wirkung von Armut bis zur Grundschulzeit. Bonn/Berlin, Frankfurt a. M. 2005, S. 184 ff. (leicht verndert) ]

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Tim (12 Jahre) wchst mit drei lteren und zwei jngeren Geschwistern und seinen Eltern in einer Kleinstadt in Brandenburg auf. Die Familie lebt in einer kleinen Wohnung in der Nhe des Gewerbegebietes. Er teilt sich sein Zimmer mit einem Geschwister. Er findet die Wohnung schlecht, weil sie so klein ist.

Tims Vater hat einen Hauptabschluss und eine abgeschlossene Ausbildung als Gerstbauer. In den letzten Jahren war er immer wieder arbeitslos und begann whrend der ersten langen Phase der Arbeitslosigkeit Alkohol zu trinken. Darauf folgten Ehekonflikte und Verschuldung der Familie. Die Mutter leidet seitdem unter gesundheitlichen Problemen, die sie auf die hohe Konfliktbelastung zurckfhrt. Die familire Situation ist seitdem angespannt. Der Vater ist seit lngeren wieder arbeitslos, hat das Trinken jedoch nahezu eingestellt. Durch die Hartz-Reformen hat sich die finanzielle Lage der Familie leicht verschrft, weil die Zuverdienstmglichkeiten der Mutter rechtlich eingeschrnkt sind.

Tim gilt zuhause als schwieriges Kind, das aus Protest lange einnsste, wenig Selbstvertrauen zeigt und sich oft ungerecht behandelt fhlt. Er selbst uert, dass er sich in seiner Familie berhaupt nicht wohl fhlt, nicht gelobt wird und stets der Schuldige sei, wenn etwas vorfllt. Geliebt fhlt er sich vor allem von seinen Groeltern vterlicherseits, zu denen er trotz der rumlichen Entfernung so oft wie mglich Kontakt hat. Tim ist oft traurig und zieht sich bei Problemen in sein Zimmer zurck. In der Schule, wenn Kinder angeben und die Sachen anderer Kinder schlecht machen, geht er den Konflikten aus dem Weg und versucht die Kinder zu ignorieren. Tim leidet unter psychosomatischen Symptomen, er hat hufig Kopf- und Magenschmerzen und es geht ihm oft insgesamt schlecht.

Vom dritten bis sechsten Lebensjahr besuchte Tim ganzttig den Kindergarten. Dort fiel auf, dass er ber einen geringen Wortschatz verfgte und wenig grammatikalische Kenntnisse hatte. Trotz dieser Defizite erhielt er keine sprachliche Frderung. Nach Angaben seiner Mutter war der bergang in die Grundschule besonders schwierig, und Tim kam im ersten Schuljahr oft weinend nach Hause. Spter fhlte Tim sich nach eigenen Angaben in der Schule wohl, auch wenn seine Leistungen nur mittelmig waren und er vor allem nicht so gut lesen konnte. Tim erhielt in der Grundschule Frderunterricht. Er bekam von der Grundschule die Empfehlung Hauptschule und besucht auf Rat eines Lehrers eine weiter entfernt liegende Hauptschule, weil er auf der gewnschten Gesamtschule keinen Platz bekommen hat und die Mutter die nahe gelegene Hauptschule wegen ihres schlechten Rufs meiden wollte. Frau P. bedauert sehr, dass sie sich bei der Platzvergabe an der Gesamtschule nicht durchsetzen konnte, und hofft, dass Tim vielleicht spter den Sprung auf die Realschule schafft. Sie kann ihm bei seinen Hausaufgaben allerdings wegen fehlender eigener Kenntnisse nicht helfen. Tims Befinden ist nach einem sehr schwierigen bergang in seiner Schule gegenwrtig besser, und seine Noten im Halbjahreszeugnis sind zufriedenstellend.

Tim findet seine Klassenlehrerin nett und sucht in der Pause oft ihre Nhe. Laut Aussage der Lehrerin ist Tim im Unterricht kaum wahrzunehmen, so still, dass ich manchmal nicht merke, ob er anwesend ist. Tim ist in der Schule noch nie negativ aufgefallen und hat bisher nur einmal verbotenerweise einen Gameboy mitgebracht. Er gilt als der ruhigste Junge in der Klasse. Tim mag Physik, Erdkunde, Biologie, Mathematik und sehr gerne Kunst. Probleme hat er in Deutsch und Englisch und sagt dazu: Beim Diktat krieg ich schon ein komisches Gefhl. Zurzeit bekommt er tglich eine Stunde Frderunterricht. Zustzliche Arbeitsgruppen gibt es an der Schule fr diese Altersstufe nicht. Besonders mag Tim die schulischen Ausflge, z. B. ins Schwimmbad. Tim besucht auerhalb der Schule keinen Hort und keinen Verein. Zuhause sieht er sehr viel fern, ebenso, wenn er seinen besten Freund besucht. Dort kann er auch mal in Ruhe am Computer spielen. Darber hinaus hat er noch Kontakt zu zwei Jungen aus der Nachbarschaft, mit denen er manchmal auf der Strae Fuball spielt.

Frau P. wrde gern wieder als Putzhilfe arbeiten, zum einen, um die finanzielle Situation der Familie abzusichern, zum anderen, um selbst mehr Auenkontakte und Ablenkung von den familiren Problemen zu haben. Sie trifft ab und zu Geschwister und andere Verwandte, hat daneben aber nur wenig soziale Kontakte. Frau P. erhlt nach eigenen Aussagen wenig Untersttzung von ihrem Ehemann und erlebt diese Beziehung als belastend, da er unter der Last eigener Probleme und seiner Arbeitslosigkeit zustzlich zu den Kindern ihre Aufmerksamkeit erfordert. Konflikte zwischen dem Ehepaar bzw. zwischen den Eltern und lteren Kindern fhren zurzeit zu Spannungen. Die Kinder streiten zuhause sehr viel, worunter Frau P. leidet. Sie hat ein groes Bedrfnis zu verhindern, dass die Kinder auf die schiefe Bahn geraten. Sie mchte den Kindern vertrauen, kontrolliert sie jedoch sehr stark. Die lteren Kinder reagieren auf ihre Appelle mit Trotz. Bei Schulkonflikten werfen sie ihr vor, dass sie selber keinen Schulabschluss hat.

Frau P. kann aufgrund ihrer sehr guten Kompetenzen in der Haushaltsfhrung die Versorgung der Kinder mit Nahrung und Kleidung angemessen gewhrleisten und schafft es so, eine Struktur in den alltglichen Ablauf zu bringen. Sie wei auch, dass sie sich in Notfllen immer an ihre eigene Mutter wenden knnte, die sie dann mit dem Notwendigsten untersttzen wrde. Sie mchte das aber mglichst vermeiden, weil diese nur wenig Rente bezieht. Die Versorgung der groen Familie steht dementsprechend im Mittelpunkt der mtterlichen Bemhungen und beansprucht viel Zeit. Die Kosten fr die Schule der Kinder (z. B. Fahrkarten, Bastel-, Kakaogeld, Projektwoche) bringt sie zwar regelmig auf, merkt aber sprbar, wie sehr ihr dieses Geld an anderen Stellen fehlt. Die materielle Armut dauert in der Familie bereits lange an und beeinflusst immer mehr Lebensbereiche negativ. So mssen alle Familienmitglieder auf die bislang schon seltenen Fahrten an die See ganz verzichten.

Finanziell kann Tim mit seinen Klassenkameraden nicht mithalten. Er leidet darunter, dass er oft die Kleidung seiner lteren Geschwister auftragen muss. Tim kann auch an vielen Aktivitten auerhalb der Schule nicht teilhaben und nimmt dies sehr genau wahr. Er wei, in welcher Hhe andere Kinder Taschengeld erhalten, er selbst bekommt nur unregelmig kleine Geldbetrge von seiner Mutter. Er kauft dann ein Magazin oder Sigkeiten, gibt aber auch nicht alles sofort aus. Er wnscht sich schon lange ein Fahrrad und streitet mit seinem Vater, weil er es nicht kauft.

Frau P. bemht sich sehr darum, die Notlage der Familie nach auen nicht sichtbar werden zu lassen. Trotz langjhriger extremer Belastung nimmt die Familie keine professionelle Hilfe in Anspruch.

Aufgabenstellung:

Stellen Sie sich vor, die Klassenlehrerin von Tim aus dem Fallbeispiel und ein Sozialarbeiter aus dem Stadtteil entwerfen ein sozialpdagogisch begrndetes Konzept zur weiteren

Untersttzung fr Tim.

Entwickeln und begrnden Sie Vorschlge fr ein lebensweltorientiertes Vorgehen.

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