Die Energie der Zukunft - REGIERUNG VON ? Die Energie der Zukunft Die Energie der Zukunft Ein gutes

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  • Die Energie der ZukunftDie Energie der ZukunftEin gutes Stck Arbeit.Ein gutes Stck Arbeit.

    Erster Fortschrittsbericht zur EnergiewendeErster Fortschrittsbericht zur Energiewende

  • Impressum Herausgeber Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie (BMWi)ffentlichkeitsarbeit11019 Berlinwww.bmwi.de

    Gestaltung und Produktion PRpetuum GmbH, Mnchen

    StandDezember 2014

    DruckBonifatius GmbH, Paderborn

    BildnachweisBMWi/Thomas Ebert (Titel), LL28 iStock (S.12), colnago Fotolia.com (S. 23), Ingo Bartus sek Fotolia.com (S. 24), Tommaso Colia getty-images (S. 32), adimas Fotolia.com (S. 38), annavaczi Fotolia.com (S. 43), Steven Puetzer gettyimage/psdesign1 Fotolia.com (S. 49), Wolfilser Foto lia.com (S. 55), BMWi/Holger Vonderlind (S. 56), panbazil shutterstock (S. 67), BSW-Solar / Solar-stromforschung.de (S. 80), Cultura mauritius images (S. 87), Tom-wang112 iStock (S. 96), bierchen Foto lia.com (S. 99), LL28 iStock (S. 100), Sinisa Botas Thinkstock (S. 104), BMWi/Maria Parussel (S. 111), Digital Genetics shutterstock (S. 113), Petair Fotolia.com (S. 117), ehrenberg bilder Fotolia.com (S. 122), ead72 Fotolia.com (S. 126), PeopleImages.com gettyimages (S. 128), Tomaz Levstek gettyimages (S. 133), dima266f Fotolia.com (S. 134), fotografiche.eu Fotolia.com (S. 138), Miredi Fotolia.com (S. 142), Roman Sigaev Fotolia.com (S. 144), Mopic shutterstock (S. 151), elec triceye Fotolia.com (S. 152), Fraunhofer ISE (S. 157), For-schungszentrum Jlich GmbH (S. 160), MACIEJ NOSKOWSKI getty images (S. 162), .shock Fotolia.com (S. 167), Max Bauermann Fotolia.com (S. 168), Mihalis A. Fotolia.com (S. 170)

    Diese Broschre ist Teil der ffentlichkeitsarbeit des Bundes ministeriums fr Wirtschaft und Energie. Sie wird kostenlos abgegeben und ist nicht zum Verkauf bestimmt. Nicht zulssig ist die Verteilung auf Wahlveranstaltungen und an Informationsstnden der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben von Informationen oder Werbemitteln.

    Das Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie ist mit dem audit berufundfamilie fr seine familienfreundliche Personalpolitikausgezeichnet worden. Das Zertifikat wird von der berufundfamilie gGmbH, einer Initiative der Gemeinntzigen Hertie-Stiftung, verliehen.

    Diese und weitere Broschren erhalten Sie bei:Bundesministerium fr Wirtschaft und EnergieReferat ffentlichkeitsarbeitE-Mail: publikationen@bundesregierung.dewww.bmwi.de

    Zentraler Bestellservice:Telefon: 030 182722721Bestellfax: 030 18102722721

    http://www.bmwi.demailto:publikationen%40bundesregierung.de?subject=http://www.bmwi.de

  • Die Energie der ZukunftEin gutes Stck Arbeit.

    Erster Fortschrittsbericht zur Energiewende

  • 2

    Inhalt

    Einleitung .............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................5

    Teil I Monitoring-Bericht 2014 ........................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................9

    I.1 Erneuerbare Energien ..........................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................12 I.1.1 Zielsetzungen ...............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................12 I.1.2 Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch .........................................................................................................................................................................................................................13 I.1.3 Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch fr Wrme ................................................................................................................................................................................................14 I.1.4 Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor...................................................................................................................................................................................................................................................................................................................15 I.1.5 Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch ....................................................................................................................................................................................................................................................15 I.1.6 EEG-Frderkosten.........................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................18 I.1.7 Merit-Order-Effekt durch erneuerbare Energien ....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................23

    I.2 Energieverbrauch und Energieeffizienz ......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................24 I.2.1 Energieverbrauch ............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................25 I.2.2 Energieeffizienz .....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................29

    I.3 Energetische Gebudesanierung und energieeffizientes Bauen ......................................................................................................................................................................................................................................................32 I.3.1 Gebuderelevanter Endenergieverbrauch Wrmebedarf .....................................................................................................................................................................................................................................................................33 I.3.2 Primrenergiebedarf.............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................33 I.3.3 Sanierung des Gebudebestands und Investitionen in den Gebudesektor.....................................................................................................................................................................................37

    I.4 Verkehr ...............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................38 I.4.1 Energieverbrauch im Verkehrssektor ............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................38 I.4.2 Verkehrsleistung im Personen- und Gterverkehr ............................................................................................................................................................................................................................................................................................................40 I.4.3 Bestand an mehrspurigen Fahrzeugen mit elektrifiziertem Antrieb ........................................................................................................................................................................................................................40 I.4.4 Durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch neu zugelassener Pkw/Kombis .................................................................................................................................................................................................42

    I.5 Treibhausgasemissionen .......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................43 I.5.1 Entwicklung der Treibhausgasemissionen....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................44 I.5.2 Entwicklung der durch erneuerbare Energien vermiedenen Emissionen .............................................................................................................................................................................................48

    I.6 Strommarkt und Versorgungssicherheit ..................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................49 I.6.1 Kraftwerksbestand ......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................50 I.6.2 Kraftwerksplanung ....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................54

    I.7 Netzbestand und Netzausbau .......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................56 I.7.1 Stromnetzbestand .........................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................56 I.7.2 Stromnetzausbau .............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................56 I.7.3 Netzinvestitionen und Netzentgelte..................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................60 I.7.4 Stabilitt und Qualitt der Stromnetze .....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................62 I.7.5 Erdgas ....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................65

    I.8 Energiepreise und Energiekosten ...................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................67 I.8.1 Energiepreise .................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................68 I.8.2 Energiekosten ..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................75

  • INHALT 3

    I.9 Energieforschung und Innovationen ..................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................80 I.9.1 Forschung und Entwicklung ......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................81 I.9.2 Neuerungen von Energietechnologien .....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................83 I.9.3 Marktverbreitung innovativer Energietechnologien ..................................................................................................................................................................................................................................................................................................84

    I.10 Gesamtwirtschaftliche Effekte der Energiewende ........................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................87 I.10.1 Investitionen ..................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................88 I.10.2 Auenwirtschaftliche Impulse ............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................89 I.10.3 Preiseffekte und Wachstumsimpulse .............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................91 I.10.4 Beschftigungseffekte ......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................92

    Teil II Zielarchitektur und Ziele des Energiekonzepts ......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................95

    II.1 Ziele des Energiekonzepts .......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................96 II.1.1 Politische Ziele .........................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................98 II.1.2 Kernziele ......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................99

    II.2 Erneuerbare Energien .................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... 100 II.2.1 Manahmen im Strombereich ......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................101 II.2.2 Ausblick ....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................101 II.2.3 Die grundlegende Reform des EEG 2014 .......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................101

    II.3 Energieverbrauch und Energieeffizienz ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................ 104 II.3.1 Breiter Manahmenmix zur Steigerung der Energieeffizienz ...............................................................................................................................................................................................................................................105 II.3.2 Ausblick ..................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................110 II.3.3 Schlussfolgerungen ..........................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................110

    II.4 Energetische Gebudesanierung und energieeffizientes Bauen ................................................................................................................................................................................................................................................ 111 II.4.1 Manahmen im Gebudesektor ...............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................112 II.4.2 Ausblick ....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................116 II.4.3 Schlussfolgerungen.............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................116

    II.5 Verkehr ......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... 117 II.5.1 Manahmen im Sektor Verkehr ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................118 II.5.2 Ausblick ....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................121 II.5.3 Schlussfolgerungen.............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................121

    II.6 Treibhausgasemissionen ....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... 122 II.6.1 Treibhausgasemissionen und Erreichung des Klimaziels 2020 .............................................................................................................................................................................................................................................123 II.6.2 Schlussfolgerungen.............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................126

  • 4

    Teil III Rahmenbedingungen fr die Energiewende ........................................................................................................................................................................................................................................................................................................................ 127

    III.1 Strommarkt und Versorgungssicherheit ............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................ 128 III.1.1 Diskussion um ein langfristig tragfhiges Strommarktdesign ...............................................................................................................................................................................................................................................129 III.1.2 Kraft-Wrme-Kopplung ......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................130 III.1.3 Versorgungssicherheit ...............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................131

    III.2 Netzbestand und Netzausbau ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................. 133 III.2.1 Manahmen im Bereich der Strom- und Gasnetze ....................................................................................................................................................................................................................................................................................................134 III.2.2 Ausblick ....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................140 III.2.3 Schlussfolgerungen.............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................141

    III.3 Energieversorgung im europischen und internationalen Kontext ............................................................................................................................................................................................................................. 144 III.3.1 Der bisherige energie- und klimapolitische EU-Rahmen .......................................................................................................................................................................................................................................................145 III.3.2 Weiterentwicklung der EU-Energiepolitik .............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................148 III.3.3 Internationale Verflechtung und deutsche Energieauenpolitik .................................................................................................................................................................................................................................150 III.3.4 Weiterentwicklung der internationalen Energieauenpolitik...............................................................................................................................................................................................................................................151

    III.4 Energiepreise und Energiekosten ............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................. 152 III.4.1 Manahmen fr wettbewerbsfhige und bezahlbare Energiepreise ..................................................................................................................................................................................................................153 III.4.2 Ausblick ....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................155 III.4.3 Energieausgaben ..........................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................156

    III.5 Energieforschung und Innovationen ............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................ 157 III.5.1 Manahmen der Energieforschungs- und Innovationspolitik .............................................................................................................................................................................................................................................158 III.5.2 Forschungs- und Innovationspolitik zur Untersttzung der Energiewende ...........................................................................................................................................................................160

    III.6 Gesamtwirtschaftliche Effekte der Energiewende ............................................................................................................................................................................................................................................................................................................... 162 III.6.1 Investitionen ............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................163 III.6.2 Auenwirtschaftliche Impulse ......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................165 III.6.3 Preiseffekte und Wachstumsimpulse .......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................165 III.6.4 Beschftigungseffekte ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................166

    III.7 Umweltvertrglichkeit ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................ 168

    III.8 Akzeptanz der Energiewende ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................. 170 III.8.1 Aktuelle Befragungsergebnisse ....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................171 III.8.2 Manahmen zur Steigerung der Akzeptanz .......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................171 III.8.3 Koordinierung und Zusammenarbeit .....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................173 III.8.4 Monitoring der Energiewende ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................174

    Glossar .................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... 175

    Literatur- und Quellenverzeichnis .................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................. 182

    INHALT

  • 5

    Einleitung

    Das Energiekonzept der Bundesregierung bildet den Kompass fr die Energiewende. Es beschreibt den Weg in eine sichere, wirtschaftliche und umweltvertrgliche Zukunft der Energieversorgung. Kostengnstige Lsungen schaffen die Voraussetzung, um die Bezahlbarkeit von Energie fr die Verbraucherinnen und Verbraucher zu erhalten. Dabei sind die Beweggrnde fr die Energiewende vielfltig: Mit der Energiewende soll der Ausstieg aus der Kernenergie ermg-licht werden. Im Jahr 2022 wird das letzte Kernkraftwerk in Deutschland abgeschaltet. Auerdem soll mit der Energie-wende auch die Umsetzung der Klimaschutzziele erreicht werden. Der Aussto von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 soll um mindestens 40 Prozent und bis 2050 um mindestens 80 Prozent gegenber 1990 gesenkt werden. Richtig aufge-setzt kann die Energiewende entscheidend zur Modernisie-rung des Industriestandortes Deutschland und damit zu Wachstum und Beschftigung beitragen. Die Abhngigkeit von l- und Gasimporten soll vermindert werden. Versor-gungssicherheit und die Entwicklung der Energiepreise sind zentrale Herausforderungen fr die Wettbewerbsfhigkeit des Industriestandortes Deutschland. Daran entscheidet sich mageblich, wie attraktiv die Energiewende fr mgliche Nachahmer im Ausland ist. Die Energiewende wird aber nur dann Akzeptanz und Nachahmer finden, wenn sie bezahlbar bleibt und Kosteneffizienz und Wirtschaftlichkeit Leitkrite-rien bleiben.

    Die Energiewende basiert auf zwei Sulen: erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Erneuerbare Energien sollen bis 2030 die Hlfte unserer Stromversorgung zur Verfgung stellen. Gleichzeitig soll Energie noch effizienter genutzt werden. Fr den Erfolg der Energiewende soll diese zweite Sule deutlich mehr Gewicht erhalten. Denn nur auf der Basis einer ambitionierten Effizienzstrategie ist der Umbau unserer Energieversorgung konomisch, kologisch, sozial und gesellschaftlich sinnvoll zu leisten. Wirtschaftlich ein-setzbare Effizienztechnologien sind verfgbar. In allen Sek-toren knnen bereits mit den vorhandenen Effizienztech-nologien der Energieverbrauch deutlich vermindert und damit die Energiekosten wirksam gesenkt werden. Effizienz-investitionen zahlen sich schon heute vielfach aus.

    Der Umbau der Energieversorgung erfolgt im Kern auf Grundlage des Energiekonzepts der Bundesregierung vom September 2010 und den energiepolitischen Beschlssen des Bundestages aus 2011. Diese Beschlsse hat die Bundesregierung mit dem zweiten Monitoring-Bericht am 8. April 2014 besttigt. Rund 20 quantitative Zielgren fr die kommenden Jahre geben die Grundrich-tung des Umbaus vor, bisher allerdings ohne diese Zielviel-falt zu strukturieren.

    Eine Zielarchitektur wird vorgelegt. Die Energiewende wird dann gelingen, wenn die verschiedenen Ziele und Manahmen optimal ineinandergreifen. Eine klare und berschaubare Zielarchitektur, die auf der Manahmen-ebene die ntige Flexibilitt bewahrt, wird daher die Basis fr den komplexen Prozess des Umbaus der Energiever-sorgung bilden.

    Aufgabe des Monitoring-Prozesses Energie der Zukunft

    Der Monitoring-Prozess Energie der Zukunft hat im Kern drei Aufgaben: berblick, Evaluation und Ausblick. Der Monitoring-Prozess begleitet somit die Entwicklung der Energiewende kontinuierlich.

    1. berblick: Aufgabe des Monitoring-Prozesses ist es, einen faktenbasierten berblick ber den Fortschritt bei der Umsetzung der Energiewende zu geben. Zu diesem Zweck muss die Vielzahl der verfgbaren energiestatistischen Informationen auf eine berschaubare Anzahl ausge-whlter Kenngren (Indikatoren) verdichtet und ver-stndlich aufbereitet werden.

    2. Evaluation: Mit dem Monitoring-Prozess wird fortlau-fend berprft, ob die Ziele aus dem Energiekonzept erreicht werden und wie die Manahmen wirken. Bei absehbaren Zielverfehlungen werden Manahmen vor-geschlagen, um die Ziele zu erreichen.

    3. Ausblick: Der Fortschrittsbericht im Rahmen dieses Monitoring-Prozesses analysiert erstmalig nicht nur den Stand der Energiewende, sondern skizziert auch die Ent-wicklungen der kommenden Jahre. Dazu wurde ein wis-senschaftliches Konsortium beauftragt, eine Prognose der zuknftigen energiewirtschaftlichen Entwicklung zu erarbeiten. Mit Hilfe dieser und anderer Arbeiten werden mglichst wahrscheinliche Entwicklungen vorgestellt und Handlungsempfehlungen abgeleitet.

    Energiestatistische Grundlagen des Monitoring-Prozesses

    Der Fortschrittsbericht sttzt sich auf energiestatistische Daten.

    zz Zentrale Datenquelle ist die amtliche Energiestatistik. Die statistischen mter des Bundes und der Lnder erheben auf Basis des 2003 in Kraft getretenen Energie-

  • EINLEITUNG6

    statistikgesetzes fr die Bereiche Elektrizitt, Kraft-Wrme-Kopplung, Gas, Kohleimporte und -exporte, erneuerbare Energien sowie fr die Energieverwendung in der Industrie ein Datengerst, das den Kern der deut-schen Energiestatistik bildet.

    zz Fr den Minerallbereich werden Daten vom Bundes-amt fr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle auf Grundlage des Mineralldatengesetzes erhoben. Die Angaben zu den Treibhausgas- und Luftschadstoffemissionen wer-den vom Umweltbundesamt bereitgestellt. Die Bundes-netzagentur stellt die Datengrundlage zu Kraftwerken und netzbezogenen Informationen zur Verfgung.

    zz Daten zum Verkehrssektor einschlielich Elektromobilitt liefert das Kraftfahrt-Bundesamt, zur Verkehrsleistung das Deutsche Institut fr Wirtschaftsforschung im Auf-trag des Bundesministeriums fr Verkehr und digitale Infrastruktur. Fr die inlndische Kohlenwirtschaft stellt die Statistik der Kohlenwirtschaft, aufgrund eines tri-lateralen Vertrags aus dem Jahr 1954 zwischen der Koh-lenwirtschaft, dem Statistischen Bundesamt und dem Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie, Daten bereit.

    zz Zustndig fr die Zusammenstellung, Analyse und Bewer-tung amtlicher und nicht-amtlicher Daten im Zusammen-hang mit erneuerbaren Energien ist die Arbeitsgruppe Erneuerbare-Energien-Statistik. Die Arbeitsge mein schaft Energiebilanzen ist dafr verantwortlich, Statistiken aus allen Gebieten der Energiewirtschaft nach einheitlichen Kriterien auszuwerten und die Daten zu einem geschlos-senen und konsistenten Bild zusammenzufassen. Dazu verffentlicht die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen jhrlich den nach Energietrgern strukturierten Energie-verbrauch und aktualisiert, falls erforderlich, die Zeit-reihen.

    Zur Verbesserung der Datenbasis wird das Energiestatis-tikgesetz novelliert. Das Monitoring der Umsetzung der Energiewende erfordert eine Verbesserung der Datenbasis. Insbesondere der Umfang und die Aktualitt der Datenlie-ferungen fr die nationale Energiebilanz auf Bundes- und regionaler Ebene sollen verbessert werden. Daher bereitet die Bundesregierung derzeit eine Novellierung des Energie-statistikgesetzes vor.

    Der Stand der Daten ist der 30. September 2014. Der Fort-schrittsbericht sttzt sich, soweit nicht anders angegeben, auf Daten, die bis zum 30. September 2014 bercksichtigt werden konnten. Die Daten sind in Dateiform auf den Internetseiten des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie sowie der Bundesnetzagentur zum Monitoring-Prozess Energie der Zukunft ffentlich zugnglich.

    Die Bundesregierung kommt mit dem vorliegenden Bericht gleichzeitig ihren Berichtspflichten nach 63 Absatz 1 Satz 1 EnWG und 98 Absatz 1 EEG 2014 nach.

    Prognosen und Szenarien zeigen die mgliche Entwick-lung bis 2020 auf. Dazu wurde ein wissenschaftliches Konsortium beauftragt (Prognos, EWI, GWS 2014), eine Prognose der wahrscheinlichen energiewirtschaftlichen Ent wicklung bis zum Jahr 2030 und ein bis ins Jahr 2050 reichendes Trendszenario (Prognos, EWI, GWS 2014) zu erarbeiten. Mit Hilfe dieser wissenschaftlichen Arbeit sowie weiterer Prognosen, wie beispielsweise den Politikszenarien fr den Klimaschutz des Bundesministeriums fr Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, werden mgliche Entwicklungen skizziert und Handlungsempfehlungen abgeleitet. Bei der Erstellung von Prognosen und Szenarien mssen stets bestimmte Annahmen gemacht werden, die die Ergebnisse stark beeinflussen knnen. Prognosen und Szenarien sind immer mit Unsicherheiten behaftet.

    Untersttzung des Monitoring-Prozesses durch eine unabhngige Experten-Kommission

    Der Monitoring-Prozess wird wissenschaftlich begleitet. Eine unabhngige Kommission aus vier renommierten Ener -gie experten steht der Bundesregierung beratend zur Seite und nimmt auf wissenschaftlicher Basis zu den Monitoring- und Fortschrittsberichten Stellung. Der Kommission gehren Prof. Dr. Andreas Lschel (Vorsitzender), Prof. Dr. Georg Erd-mann, Prof. Dr. Frithjof Stai und Dr. Hans-Joachim Ziesing an. Die Stellungnahme der Experten-Kommission zum zwei-ten Monitoring-Bericht der Bundesregierung vom 8. April 2014 enthlt eine Reihe von Aspekten, die bei der Erstellung des Fortschrittsberichts intensiv diskutiert und an mehreren Stellen bercksichtigt wurden.

    Die Zielsetzung des Fortschrittsberichts

    Der Fortschrittsbericht erscheint im Rhythmus von drei Jahren. Er beruht auf einer mehrjhrigen Datenbasis. Auf diese Weise werden verlsslichere Trends fr eine mgliche weitere Entwicklung erkennbar. Zudem werden die bisherigen Manahmen zur Umsetzung der Energiewende be schrie-ben und bewertet. Durch tiefer gehende Analysen und die Gegenberstellung von Status quo und den quantitativen und qualitativen Zielen des Energiekonzepts wird die Errei-chung der Ziele aus dem Energiekonzept berprft. Bei absehbaren Zielverfehlungen werden neue Manahmen vorgeschlagen, um die Hemmnisse fr die Zielerreichung zu beseitigen.

  • EINLEITUNG 7

    Der Aufbau des Fortschrittsberichts

    Der Fortschrittsbericht ist in drei Teile gegliedert.

    zz Der Teil I fhrt den jhrlichen Monitoring-Bericht fort. Dieser Teil ist faktenbasiert und umfasst mehrere The-menfelder wie erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Gebude, Verkehr, Treibhausgasemissionen, Strommarkt, Netze, Energiepreise und kosten, Energieforschung und Innovationen sowie Gesamtwirtschaftliche Effekte der Energiewende. Er beschreibt anhand der Fortschreibung der energiestatistischen Indikatorik des ersten und zwei-ten Monitoring-Berichtes den aktuellen Stand bei der Umsetzung der Energiewende.

    zz Der Teil II beschreibt die Zielarchitektur und analysiert ihre Themenfelder. Teil II fhrt eine neue Zielarchitek-tur zum Umbau der Energieversorgung ein. Diese wurde von der Bundesregierung auf Basis der Empfehlungen der Experten-Kommission zu den beiden ersten Monito-ring-Berichten entwickelt. Die neue Zielarchitektur prio-risiert und strukturiert die Ziele des Energiekonzepts. Sie erffnet damit die Mglichkeit fr eine flexible und kos-tengnstige Erfllung der Ziele. Damit knnen Ziele auf der Manahmenebene so optimiert werden, dass die Ziele auf der bergeordneten Ebene eingehalten werden. Die Themenfelder, fr die quantitative Ziele im Energie-konzept formuliert sind, werden eingehender betrachtet. Dazu gehren erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Gebude, Verkehr und Treibhausgasemissionen. Es wer-den jeweils die bestehenden Manahmen beschrieben und evaluiert und ein Ausblick auf die Entwicklungen bis 2020 unternommen.

    zz Der Teil III geht auf die Rahmenbedingungen fr die Energiewende ein. Dabei werden die weiteren Themen-felder aus Teil I aufgegriffen. Zustzlich werden Fragen der Energieversorgung im europischen und internatio-nalen Kontext und Akzeptanzfragen beleuchtet. Auch Teil III umfasst eine Evaluation bestehender themen-spezifischer Manahmen und gibt einen Ausblick auf die mglichen Entwicklungen bis in das Jahr 2020.

    Der Zusammenhang mit anderen Prozessen

    Der Fortschrittsbericht fasst die wesentlichen Ergebnisse anderer, parallel laufender und auf spezielle Bereiche bezo-gener Prozesse zusammen:

    zz Energieeffizienz: Die Bundesregierung bekrftigt das Ziel, den Primrenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 gegenber dem Jahr 2008 um 20 Prozent zu reduzieren. Mit den bestehenden Manahmen wird das 20-Prozent-Ziel laut vorliegenden Abschtzungen jedoch nicht er -reicht. Mit dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz hat die Bundesregierung darauf reagiert und Sofortma -nahmen und weiterfhrende Arbeitsprozesse beschlos-sen. Darin sind u. a. Eckpunkte fr eine Energieeffizienz-strategie Gebude enthalten.

    zz Strommarkt: Die Bundesregierung bekrftigt das Ziel einer sicheren, bezahlbaren und umweltfreundlichen Stromversorgung. Mit dem Grnbuch zum Strommarkt (BMWi 2014a) hat die Bundesregierung einen Prozess etabliert, um hierfr die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.

    zz Klimaschutz: Die Bundesregierung bekrftigt das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 gegen-ber dem Jahr 1990 um 40 Prozent zu reduzieren. Mit den bestehenden Manahmen wird das 40-Prozent-Ziel laut vorliegenden Abschtzungen jedoch nicht erreicht. Das Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 enthlt Ma-nahmen und Programme, mit denen das nationale Treibhausgasminderungsziel von 40 Prozent im Jahr 2020 erreicht werden kann.

    Koordinierung der Energiewende, Dialog und Beteiligung

    Die Energiewende wird koordiniert umgesetzt. Die Ener-giewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und betrifft alle politischen Ebenen. Eine effektive Koordinie-rung innerhalb der Bundesregierung und eine enge Zusam-menarbeit mit den Bundeslndern sowie mit Vertretern von Wirtschaft und Gesellschaft ist die Voraussetzung fr einen erfolgreichen Umbau unserer Energieversorgung. Zu diesem Zweck hat die Bundesregierung die Zustndigkeit fr den Bereich der Energiepolitik im Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie gebndelt. Gleichzeitig ist der

  • EINLEITUNG8

    kontinuierliche Austausch mit allen beteiligten europischen Akteuren und unseren internationalen Partnern unerlss-lich. Nur so kann bei hoher Transparenz die Akzeptanz der Energiewende sichergestellt werden.

    Ausblick: Vieles ist erreicht vieles ist noch zu tun

    Vieles ist erreicht. Die Bundesregierung verfolgt mit der Energiewende ambitionierte Ziele manche von ihnen reichen bis ins Jahr 2050. Schon heute haben wir wichtige Fortschritte erzielt. Der Ausbau der erneuerbaren Energien entwickelt sich im Einklang mit dem Zielkorridor des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Gleichzeitig ist es gelungen, das Wirtschaftswachstum und den Energieverbrauch von-einander zu entkoppeln.

    Vieles ist noch zu tun Senkung des Primrenergiever-brauchs. Unter Bercksichtigung der tatschlichen Ent-wicklung von 2008 bis 2013 kann von einer Verringerung des Primrenergieverbrauchs um etwa 7,2 bis 10,1 Prozent bis 2020 im Vergleich zum Basisjahr 2008 ausgegangen werden. Das Ziel, den Primrenergieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent gegenber 2008 zu verringern, lsst sich also nur mit zustzlichen Manahmen erreichen. Der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) trgt wesentlich zur

    Erreichung des 2020 gesetzten Zieles bei (BMWi 2014b). Die bisher bestehenden Instrumente und Manahmen zur Steigerung der Energieeffizienz werden damit weiterent-wickelt und ergnzt. Durch die im NAPE enthaltenen Ma-nahmen knnen voraussichtlich Primrenergieeinsparun-gen im Jahr 2020 in Hhe von 390 bis 460 PJ erreicht werden (ohne Manahmen im Verkehrssektor). Der NAPE enthlt sowohl Sofortmanahmen, die unmittelbar umge-setzt werden, als auch weitergehende Manahmen, die im Laufe der Legis laturperiode weiter konkretisiert werden. Darber hinaus benennt der NAPE langfristig wirksame Arbeitsprozesse fr die restliche Legislatur periode, um eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Instrumentenmixes sicherzustellen.

    Vieles ist noch zu tun Senkung der Treibhausgasemissi-onen. Aktuelle Projektionen gehen davon aus, dass durch die bisher beschlossenen und umgesetzten Manahmen bis zum Jahr 2020 eine Minderung der Treibhausgasemissio-nen um etwa 33 bis 34 Prozent erreicht werden kann, mit einer Unsicherheit von +/- 1 Prozent. Daraus ergibt sich ein Korridor fr die zu schlieende Lcke von 5 bis 8 Prozent-punkten. Um das 40-Prozent-Ziel zu erreichen, sind also erhebliche zustzliche Anstrengungen in allen Sektoren und von allen Akteuren erforderlich. Daher hat die Bundes-regierung mit dem Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 zustzliche Manahmen beschlossen, um das 2020-Ziel zu erreichen (BMUB 2014).

  • 9

    Teil I Monitoring-Bericht 2014

    Der erste Teil des Fortschrittsberichts setzt die jhrliche Berichterstattung der ersten beiden Monitoring-Berichte bis zum Berichtsjahr 2013 fort. Das Monito-ring der Energiewende sttzt sich auf ffentlich zugngliche und berprfbare Daten. Es erfolgt anhand von Indikatoren, die die zeitliche Entwicklung bzw. den gegenwrtigen Stand von Kenngren mit Bezug zur Energiewende darstellen. Die fr das Monitoring der Energiewende bisher verwendeten Indikatoren werden beibehalten und sind im Folgenden mit Zuordnung zu den einzelnen Themen- f eldern aufgelistet. Im Anschluss werden die quantitativen Ziele der Energiewende und der Status quo im Jahr 2013 aufgelistet.

  • 10

    Erneuerbare Energien

    Netze

    Energieeffizienz

    Gebude

    Verkehr

    Treibhausgasemissionen

    Strommarkt und Ver sorgungs - sicher heit

    TEIL 1 MONITORING BERICHT 2014

    Indikatoren

    Erneuerbare Energien Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergie verbrauchEntwicklung des Endenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien nach SektorenAnteil der erneuerbaren Energien am WrmeverbrauchEntwicklung des Wrmeverbrauchs aus erneuerbaren Energien Anteil der erneuerbaren Energien im VerkehrssektorAnteil der erneuerbaren Energien am BruttostromverbrauchStromerzeugung aus erneuerbaren Energien nach TechnologienEntwicklung der installierten Leistung im System der MarktprmieEntwicklung der Beson deren AusgleichsregelungEntwicklung der spartenbezogenen EEG-Umlage Summe aus dem durchschnittlichen Brsenstrompreis und der EEG-Umlage

    Energieeffizienz Primrenergieverbrauch nach Energietrgern (gesamt und konventionell)Endenergieverbrauch nach EnergietrgernEndenergieverbrauch nach SektorenBruttostromverbrauchNettostromverbrauch nach SektorenBruttostromerzeugung nach Energie trgernPrimr- und Endenergieproduktivitt der Gesamtwirtschaft (bereinigt und unbereinigt)Stromproduktivitt der GesamtwirtschaftEndenergieproduktivitt in den Sektoren Industrie und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen

    Gebude Anteil Gebude EndenergieverbrauchWrmebedarfFlchenentwicklung von GebudenSpezifischer Verbrauch RaumwrmePrimrenergiebedarfInvestitionen in den Gebudesektor

    Verkehr Endenergieverbrauch im Sektor VerkehrVerkehrsleistung Personen- und GterverkehrBestand an ElektrofahrzeugenKraftstoffverbrauch neu zugelassener Pkw

    Treibhausgasemissionen CO2- und Treibhausgasemissionen nach Sektoren, QuellgruppenTreibhausgasemissionen bezogen auf Bevlkerung und BIPVermiedene Treib hausgasemissionen durch erneuerbare Energien

    Strommarkt und Ver sorgungs - sicher heit

    Kraftwerksbestand: Leistung der deutschen Kraftwerke (insgesamt, erneuerbar, konventionell)Kraft-Wrme-KopplungKraftwerksbestand nach BundeslndernMarktanteile der vier grten StromerzeugerBau und Planung konventioneller KraftwerkePumpspeicherkraftwerke

    Netze Hchst- und HochspannungsnetzeBundesbedarfsplan- und EnLAG-ProjekteVerteilung erneuer barer Energien auf SpannungsebenenNetz-InvestitionenDurchschnittliche StromnetzentgelteKosten fr SystemdienstleistungenSAIDI-Strom (national und international)SAIDI-ErdgasArbeitsgasvolumen von ErdgasspeichernBau und Planung Erdgasspeicher

  • TEIL 1 MONITORING BERICHT 2014 11

    Indikatoren

    Energiepreise und Energiekosten Preise energetischer RohstoffeCO2-PreiseErdgas- und MinerallpreiseStrompreiseEnergiekosten der IndustrieEnergieausgaben privater HaushalteGesamtwirtschaftliche Energieausgaben

    Forschungsausgaben des Bundes im Energieforschungs programmProjektfrderungen aus EU-MittelnPatente in energie wirt schaftlichen BereichenMarktverbreitung innovativer Technologien im Energieverbrauch

    Energieforschung und Innovationen

    Gesamtwirtschaftliche Effekte Investitionen in erneuerbare Energien und EnergieeffizienzVermiedene BrennstoffkostenBeschftigung im Bereich erneuerbarer EnergienBeschftigte in der EnergiewirtschaftWachstumsimpulse, gesamtwirtschaftliche Preiseffekte

    Status quo (2013) und quantitative Ziele der Energiewende

    2013 2020

    2050

    2030 2040 2050

    Treibhausgasemissionen

    Treibhausgasemissionen (gegenber 1990)

    -22,6 % mindestens -40 % mindestens -55 % mindestens -70 %mindestens

    -80 % bis 95 %

    Steigerung des Anteils Erneuerbarer Energien am Energieverbrauch

    Anteil am Bruttoendenergieverbrauch 12,0 % 18 % 30 % 45 % 60 %

    Anteil am Bruttostromverbrauch 25,3 % mindestens 35 %

    mindestens 50 %

    (2025: 40 bis 45 %)

    mindestens 65 %

    (2035: 55 bis 60 %)

    mindestens 80 %

    Anteil am Wrmeverbrauch 9,1 % 14 %

    Anteil im Verkehrsbereich 5,5 %

    Reduktion des Energieverbrauchs und Steigerung der Energieeffizienz

    Primrenergieverbrauch (gegenber 2008)

    -3,8 % -20 % -50 %

    Endenergieproduktivitt 0,2 % pro Jahr (20082013)

    2,1 % pro Jahr (20082050)

    Bruttostromverbrauch (gegenber 2008) -3,2 % -10 % -25 %

    Primrenergiebedarf (gegenber 2008) -5,5 % in der Grenordnung von -80 %

    Wrmebedarf (gegenber 2008) +0,8 % -20 %

    Endenergieverbrauch Verkehr (gegenber 2005)

    +1 % -10 % -40 %

  • 12

    I.1 Erneuerbare Energien

    Beim Ausbau der erneuerbaren Energien im Stromsektor liegt Deutschland auf Ziel-kurs. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Brutto stromverbrauch ist gegenber dem Vorjahr um 1,7 Prozentpunkte auf 25,3 Prozent angestiegen. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch lag im Jahr 2013 bei 12,0 Pro-zent. Fr die einzelnen Bereiche sieht es so aus:

    Strom: Aktuell sind die erneuerbaren Energien erstmals wichtigster Stromerzeuger Deutschlands. Seit Jahresanfang bis August 2014 betrug die kumulierte Bruttostrom-erzeugung aus erneuerbaren Energien 109 TWh.

    Wrme: Der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Wrmeverbrauch ging im Jahr 2013 leicht auf 9,1 Prozent zurck. Absolut hat sich der Verbrauch von Wrme aus erneuerbaren Energien im Jahre 2013 jedoch auf 134,4 TWh erhht.

    Verkehr: Der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor betrgt 2013 5,5 Pro-zent.

    Das Gesamtvolumen der mit dem EEG umgelegten Frderkosten sinkt erstmalig. Zum ersten Mal seit der Einfhrung des EEG im Jahre 2000 sinkt der Umlagebetrag gegenber dem Vorjahr. Im Jahr 2015 betrgt er 21,8 Milliar-den Euro. Die Umlagebetrge des EEG lagen im Jahr 2014 bei 23,6 Milliarden Euro und im Jahr 2013 bei 20,4 Milliarden Euro.

    Entsprechend sinkt zum ersten Mal die EEG-Umlage. Im Jahre 2015 wird die EEG-Umlage 6,17 ct/kWh betragen. Zuvor betrug die EEG-Umlage im Jahr 2014 6,24 ct/kWh und im Jahr 2013 5,28 ct/kWh. Die EEG-Novelle 2014 hat dazu beigetragen, dass die Kostendynamik fr das Jahr 2015 durchbrochen werden konnte.

    I.1.1 Zielsetzungen

    Der Ausbau der erneuerbaren Energien ermglicht eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung. Bei Einbeziehung langfristiger externer Effekte verringern erneuerbare Energien die volkswirtschaftlichen Kosten der Energieversorgung. Darber hinaus fhren Investitionen in erneuerbare Energien zu weiteren Technologieentwick-lungen und Innovationen. Die Herausforderung besteht darin, dies so zu gestalten, dass private Verbraucher und die Wirtschaft im bergang nicht berfordert werden.

    Der Ausbau der erneuerbaren Energien verfolgt ehrgei-zige Ziele. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Brut-toendenergieverbrauch soll bis zum Jahr 2020 auf 18 Pro-zent, bis 2030 auf 30 Prozent, bis 2040 auf 45 Prozent und bis 2050 auf 60 Prozent steigen.

  • 13

    Um diese Ziele zu erreichen, soll mit dem

    zz Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) der Anteil erneuer-barer Energien an der Stromversorgung bis zum Jahr 2050 stetig und kosteneffizient auf mindestens 80 Pro-zent erhht werden, zz Erneuerbare-Energien-Wrmegesetz (EEWrmeG) der

    Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch fr Wrme und Klte bis zum Jahr 2020 auf 14 Prozent erhht werden.zz Zudem schreibt die EU-Richtlinie 2009/28/EG zur Fr-

    derung der Nutzung erneuerbarer Energiequellen fr jedes Mitgliedsland bis 2020 einen verbindlichen natio-nalen Anteil von mindestens 10 Prozent erneuerbarer Energien im Verkehrsbereich vor.

    I.1.2 Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch

    Der Endenergieverbrauch aus erneuerbaren Energien ist 2013 um 3 Prozent angestiegen (2012: 308 TWh, 2013: 317 TWh). Da witterungsbedingt der gesamte Bruttoendener-gieverbrauch gegenber dem Vorjahr anstieg, machte sich die Steigerung des Erneuerbare-Energien-Verbrauchs jedoch kaum bemerkbar. Im Jahr 2013 lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch bei 12,0 Prozent und damit etwa auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr (siehe Abbildung I.1.1, siehe Seite 14).

    Erneuerbare Energien gewinnen in allen Sektoren an Bedeu tung. Die Entwicklung der Beitrge aller drei Sekto-ren (Strom, Wrme und Kraftstoffe) am Endenergiever-brauch aus erneuerbaren Energien wird in Abbildung I.1.2

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201414

    dargestellt. Mit 47,7 Prozent hatten erneuerbare Energien im Stromsektor im Jahr 2013 weiterhin die grte Bedeu-tung, gefolgt vom Wrmeverbrauch mit 42,5 Prozent. Bio-kraftstoffe hatten einen Anteil von 9,8 Prozent am End-energieverbrauch aus erneuerbaren Energien.

    I.1.3 Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch fr Wrme

    Erneuerbare Energien sollen bis zum Jahr 2020 14 Prozent des Endenergieverbrauchs fr Wrme und Klte aus- machen. Dieses Ziel ist im Erneuerbare-Energien-Wrme-gesetz (EEWrmeG) festgehalten.

    Der Verbrauch von Wrme aus erneuerbaren Energien steigt. Der Wrmemarkt (Raumwrme, Warmwasser, Pro-

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    Abbildung I.1.1: Entwicklung des Anteils erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauchin Prozent

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie auf Basis von Daten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik

    20202019

    Ziel: 18 % EE am Bruttoendenergieverbrauch

    201820172016201520142013201220112010200920082007200620052004

    5,76,6

    7,79,3

    8,69,7

    10,2

    11,312,1 12,0

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    201320122011201020092008200720062005200420032002200120001999199819971996199519941993199219911990

    Abbildung I.1.2: Entwicklung des Endenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien nach Sektorenin TWh

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie auf Basis von Daten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik

    WrmeverbrauchStromverbrauch Kraftstoffverbrauch*

    * Der Kraftstoffverbrauch wird in dieser Abbildung ohne Stromanteil im Verkehr dargestellt.

    19 19 20 23 25 26 23 25 2936

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  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 15

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    201320122011201020092008200720062005200420032002200120001999199819971996199519941993199219911990

    Abbildung I.1.3: Entwicklung des Anteils erneuerbarer Energien am Wrmeverbrauchin Prozent

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie auf Basis von Daten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik

    2,1 2,1 2,1 2,1 2,1 2,0

    3,23,6 3,8

    4,0 4,24,3

    5,25,6

    6,0 6,2

    7,6

    6,8

    8,48,9

    9,5 9,49,1

    2,2

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    20132012201120102009200820072006200520042003200220012000

    Abbildung I.1.4: Entwicklung des Wrmeverbrauchs aus erneuerbaren Energien in TWh

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie auf Basis der Daten von Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik

    Sonstige BiomasseFeste Biomasse Solarthermie Geothermie, Umweltwrme

    251

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    252

    57 5666

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    9891 91

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    710

    zesswrme) stellt mit ber der Hlfte des gesamten End-energieverbrauchs den bedeutendsten Verbrauchssektor in Deutschland dar. Absolut hat sich der Verbrauch von Wrme aus erneuerbaren Energien im Jahre 2013 auf 134,4 TWh erhht. Dabei ist der Einsatz erneuerbarer Energien im Kl-tesektor noch als gering einzuschtzen. Der Anteil erneuer-barer Energien am gesamten Wrmeverbrauch ging im Jahr 2013 leicht auf 9,1 Prozent zurck (siehe Abbildung I.1.3).

    Die Biomasse dominiert bei den Wrmequellen. Im Jahr 2013 hatte die Biomasse einen Anteil von rund 88 Prozent (bzw. 118,1 TWh ) unter den Wrmequellen aus erneuer-baren Energien. Den grten Anteil der biogenen Wrme bildeten feste Bioenergietrger mit 93,1 TWh, gasfrmige und flssige Biomasse und der biogene Anteil des Abfalls trugen die restlichen 25 TWh bei (siehe Abbildung I.1.4).

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201416

    Solarthermieanlagen und Wrmepumpen gewinnen an Bedeutung. Bei Wrmepumpen wird als erneuerbare Ener-gie die aus der Erde bzw. der Umgebungsluft gewonnene Wrme abzglich der zum Betrieb der Wrmepumpe ein-gesetzten elektrischen Energie bilanziert. Gemeinsam deck-ten Solarthermieanlagen und Wrmepumpen rund 12 Pro-zent des Wrmeverbrauchs aus erneuerbaren Energien ab. Die Solarthermie stellte dabei 6,8 TWh bereit, die geother-mischen Quellen und Umweltwrme konnten ihren Bei-trag mit 9,5 TWh gegenber 8,7 TWh in 2012 deutlich aus-bauen (siehe Abbildung I.1.4, Seite 15).

    Etwa die Hlfte aller Neubauten nutzt erneuerbare Ener-gien fr die Wrmeerzeugung (BMU 2012). Bei den dezent-ralen, d. h. nicht wrmenetzgebundenen Technologien werden vor allem Wrmepumpen verwendet, gefolgt von Solart her-mie- und von Feste-Biomasse-Anlagen. Der Zuwachs der jhrlichen Wrmebereitstellung aus erneuerbaren Energien im Neubau lag in der Grenordnung von 0,6 bis 0,7 TWh/Jahr. Auch im Gebudebestand nahm die Nutzung verschie-dener Techniken zur Nutzung erneuerbarer Wrme zu.

    I.1.4 Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor

    Der Anteil der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor lag 2013 bei 5,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ging der Absatz von Biodiesel um 11 Prozent auf 21,9 TWh bzw. 2,1 Mio. t zurck, der von Bioethanol um 3 Prozent auf 8,9 TWh bzw. 1,2 Mio. t. Hingegen ist der Absatz von Biomethan im Verkehrssektor um rund 15 Prozent auf nunmehr 450 GWh angestiegen (siehe Abbildung I.1.5). Neben den Biokraft-

    stoffen kommen erneuerbare Energien im Verkehrsbereich auch in Form von Strom (Schienenverkehr, Elektromobili-tt) zur Anwendung.

    I.1.5 Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch

    Der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Brutto-stromverbrauch lag im Jahr 2013 bei 25,3 Prozent.

    Das EEG 2014 legt erstmals einen Zielkorridor fr den Ausbau von erneuerbaren Energien im Stromsektor fest (siehe Abbildung I.1.6). Im Jahr 2025 soll demnach der erneuerbaren Energien-Anteil am Bruttostromverbrauch auf 40 bis 45 Prozent steigen. Der Korridor spannt sich zwi-schen dem oberen und unteren Ziel des Jahres 2025 und dem erneuerbaren Energien-Anteil am Bruttostromver-brauch des Jahres 2013 auf. Eine nhere Beschreibung des Zielkorridors enthlt Teil II des Fortschrittsberichts.

    Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromver-brauch steigt. Im Einzelnen lag der Anteil der Windenergie am Bruttostromverbrauch im Jahr 2013 bei 8,7 Prozent. Der Anteil der Biomasse, einschlielich des biogenen Anteils der Siedlungsabflle, trug mit 7,9 Prozent zum Bruttostromver-brauch bei. Die Photovoltaik lag im Jahr 2013 mit einem Anteil von 5,2 Prozent an dritter Stelle. Die Wasserkraft kam auf einen Anteil von 3,5 Prozent am Bruttostromverbrauch.

    Photovoltaik und Windenergie haben den Zuwachs erneuerbarer Energien in der Stromerzeugung getragen.

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    Abbildung I.1.5: Entwicklung des Verbrauchs erneuerbarer Energien im Verkehrssektor in TWh

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie auf Basis von Daten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik

    Biodiesel Panzenl Biomethan EE-StromverbrauchBioethanol

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  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 17

    Die Photovoltaik steigerte im Jahr 2013 die Stromerzeu-gung um 17,5 Prozent. Der Netto-Leistungszubau von 3.304 MW lag erstmals im angestrebten Zubau-Korridor von 2.500 bis 3.500 MW. Die gesamte installierte PV-Leis-tung betrug am Jahresende 2013 36.337 MW. Die Strom-erzeugung aus Photovoltaik lag bei 31 TWh (siehe Abbil-dung I.1.7).

    Bei Windenergieanlagen an Land stieg der Ausbau im Jahr 2013 weiterhin an. Der Netto-Leistungszubau (unter Berck-

    sichtigung von Repowering) bertraf mit 2.761 MW (Brutto: 2.997 MW) den Vorjahreswert von 2.139 MW (Brutto: 2.335 MW) deutlich. Auch der Zubau von Windenergieanlagen auf See legte zu. Im Jahr 2013 ging eine Leistung von 595 MW neu ans Netz. Insgesamt waren Ende 2013 ber 20.000 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 34.660 MW installiert, davon 903 MW auf See. Die Stromerzeugung aus Windenergie erhhte sich auf insgesamt 51,7 TWh. Die Stromerzeugung aus Offshore-Windparks hatte dabei noch einen vergleichsweise geringen Umfang von 0,9 TWh.

    Abbildung I.1.6: Entwicklung des Anteils erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch in Prozent

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    2017

    2018

    2019

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    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie auf Basis von Daten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik

    3,4 3,1 3,6 3,84,3 4,7 4,8 4,1 4,5 5,2

    6,2 6,67,7 7,6

    9,3 10,211,6

    14,215,116,317,0

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    40-45 Pr

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    20132012201120102009200820072006200520042003200220012000

    Abbildung I.1.7: Entwicklung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien nach Technologienin TWh

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie auf Basis Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik

    WindenergieWasserkraft Biomasse Photovoltaik Geothermie wird aufgrund geringer Energiemengen nicht dargestellt

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  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201418

    Im Bereich der Biomasse verlangsamte sich der Leis-tungszubau. Dies betraf vor allem Biogas. Ohne Klr- und Deponiegas sowie den biogenen Anteil des Siedlungsmlls wurde ein Netto-Zubau der Stromerzeugungskapazitt von 335 MW auf 410 MW im Vorjahr 2012 registriert. Dagegen konnte vor allem Biogas die Stromerzeugung aus der gesamten Biomasse (inkl. dem biogenen Anteil des Abfalls) nochmals von 44,6 TWh auf 47,3 TWh deutlich steigern. Neben dem Leistungszubau hat auch die Auslastung des Anlagenbestandes zugenommen.

    Wasserkraft und Geothermie ergnzen die erneuerbare Strombereitstellung. Bei der Wasserkraft fand kein nen-nenswerter Leistungszubau statt. Die Strombereitstellung aus Wasserkraft sank witterungsbedingt im Vergleich zum Vorjahr leicht ab und lag 2013 bei 20,8 TWh. Die Stromer-zeugung aus Geothermie blieb auch im Jahr 2013 mit 80 GWh vergleichsweise gering.

    Die erneuerbaren Energien sind erstmals Deutschlands bedeutendster Stromerzeuger. Seit Jahresanfang bis August 2014 betrug die kumulierte Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien 109 TWh. Somit sind die erneu-erbaren Energien erstmals grter Stromerzeuger Deutsch-lands (BDEW 2014a). Wie sich diese Entwicklung bis zum Jahresende darstellt, ist von den weiteren klimatischen Bedingungen abhngig.

    Steigerung um etwa 25 Prozent gegenber dem Vorjahr. Mit gut 27 GW wird das Portfolio der Marktprmie stark von der Windenergie dominiert. Die den bertragungs-netzbetreibern gemeldete Leistung fr Biomasse lag bei rund 3 GW, die gemeldete Leistung fr Photovoltaik bei rund 4,3 GW.

    Fast die Hlfte der installierten Leistung ist bereits fr die Marktprmie gemeldet. Bezogen auf die gesamte instal-lierte Leistung aus erneuerbaren Energien lag der Anteil der fr die Marktprmie gemeldeten installierten Leistung im Verhltnis zur gesamten installierten Leistung erneuer-barer Energien bei fast 50 Prozent. Bei der Windenergie liegt dieser Anteil bei ber 80 Prozent (Biomasse rund 50 Prozent, PV rund 13 Prozent).

    ber die Marktprmie wurden 2013 insgesamt ca. 66 TWh Strom aus erneuerbaren Energien gefrdert. Das entspricht einer Frderung von rund 5,9 Milliarden Euro. Hiervon entfallen rund 370 Millionen Euro auf die Management-prmie (NB 2014a).

    Im Grnstromprivileg waren die vermarkteten Mengen rcklufig. Ende des Jahres 2013 lag die angemeldete Erzeugungskapazitt bei 689 MW. Die sonstige Direktver-marktung stieg bis Ende des Jahres 2013 auf 160 MW instal-lierter Leistung.

    I.1.6 EEG-Frderkosten

    Di e in diesem Kapitel beschriebenen Entwicklungen basieren auf dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, das am 1. Januar 2012 in Kraft getreten ist im Folgenden als EEG 2012 bezeichnet. Die nderungen der Novelle vom 1. August 2014 werden in Teil II dieses Berichtes darge-stellt dort als EEG 2014 bezeichnet.

    Anlagenbetreiber haben einen gesetzlichen Vergtungs-anspruch. Durch das EEG 2012 wurde dem Anlagenbetrei-ber fr den abgenommenen Strom ein gesetzlicher Verg-tungsanspruch gegenber den Netzbetreibern gewhrt. Die bertragungsnetzbetreiber waren wiederum verpflichtet, den erneuerbaren Strom an der Brse zu veruern. Alter-nativ konnten die Anlagenbetreiber ihren Strom auch direkt vermarkten. Dieser direkt vermarktete Strom wurde im Jahr 2013 grtenteils ber die Marktprmie oder das Grnstromprivileg gefrdert. Die Differenz der Vergtungs- bzw. Prmienzahlungen und der Einnahmen der bertra-gungsnetzbetreiber an der Strombrse ergaben die Frder-kosten der erneuerbaren Energien.

    Die Marktprmie wird seit 2013 verstrkt in Anspruch genommen (siehe Abbildung I.1.8). Die Erzeugungskapazi-tt, die fr die Marktprmie gemeldet wurde, erreichte Ende des Jahres 2013 rund 35,5 GW. Dies entspricht einer

    I.1.6.1 EEG-Vergtungszahlen und Differenzkosten

    Die bertragungsnetzbetreiber legen die EEG-Umlage fr das jeweils kommende Jahr fest. Diese Festlegung erfolgt sptestens zum 15. Oktober eines Jahres und auf Basis wis-senschaftlicher Gutachten. Die verwendete Prognose basiert auf den gesetzlichen Regelungen der Ausgleichsme-chanismus-Verordnung.

    Fr die Berechnung der EEG-Umlage wird der EEG-Umla-gebetrag bestimmt. Er setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen:

    zdz en fr das folgende Kalenderjahr prognostizierten Fr-der- bzw. Differenzkosten fr erneuerbare Energien,zz der Liquidittsreserve, einer Rckstellung fr eventuelle

    Abweichungen von der Prognose (maximal 10 Prozent der prognostizierten Frderkosten),zz und dem Kontoausgleich, also der Verrechnung des

    EEG-Kontosaldo am 30. September.

    Ausfhrliche Informationen zur Prognose und zur Berech-nung der EEG-Umlage sowie Informationen zum aktuellen Stand des EEG-Kontos sind auf der Informationsplattform der bertagungsnetzbetreiber zu finden (www.netztransparenz.de).

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 19

    Die Kostendynamik der EEG-Umlage wird im Jahre 2015 durchbrochen. Der Umlagebetrag ist seit dem Jahr 2010 von 8,2 Milliarden Euro auf 20,4 Milliarden Euro im Jahr 2013 (2014: 23,6 Milliarden Euro) angestiegen. Die Kosten-dynamik der vorangehenden Jahre wird im Jahr 2015 durchbrochen werden. Zum ersten Mal wird der Umlage-betrag gegenber dem Vorjahr auf nun 21,8 Milliarden Euro (NB 2014b) sinken.

    Der Ausgleich des EEG-Kontos ermglicht die Senkung des Umlagebetrags. Hatte das EEG-Konto im vergangenen Jahr noch einen Fehlbetrag von 2,2 Milliarden Euro, so schloss das Konto am Stichtag 30.09.2014 mit einem Gutha-ben von 1,4 Milliarden Euro.

    EEG-Vergtungszahlungen waren 2013 geringer als vor-hergesagt. In ihrer Prognose zur EEG-Umlage 2013 gingen die bertragungsnetzbetreiber noch davon aus, dass die Anlagenbetreiber im Jahr 2013 Vergtungszahlungen in Hhe von 22,8 Milliarden Euro erhalten wrden. Tatsch-lich betrugen die gesamten EEG-Vergtungszahlungen nach Vorlage der EEG-Jahresabrechnung 2013 jedoch nur etwa 22,0 Milliarden Euro. Die Abweichung ist insbeson-dere auf die berschtzung der Stromerzeugung zurckzu-fhren, die in der Prognose knapp 9 TWh zu hoch ange-setzt wurde. Die ex post ermittelten, d. h. nachtrglich berechneten, Differenzkosten werden nach Vorlage der EEG-Jahresabrechnung fr das Jahr 2013 bestimmt (BMWi 2014c). Sie ergeben sich aus den tatschlich geleisteten Ver-gtungs- und Prmienzahlungen und den realisierten Br-senerlsen der EEG-Stromvermarktung.

    Die Brsenerlse fr EEG-Strom fielen 2013 geringer aus als prognostiziert. Den Vergtungszahlungen stehen Ein-nahmen durch den Verkauf des EEG-Stroms an der Strom-brse in Hhe von 4,2 Milliarden Euro gegenber. Damit weichen die tatschlichen Brsenerlse deutlich von der Prognose ab, die 6,3 Milliarden Euro veranschlagt hatte. Grund hierfr sind vor allem die gesunkenen Brsenstrom-preise, die gegenber der Prognose um etwa 1,5 Cent pro Kilowattstunde niedriger lagen.

    Die EEG-Differenzkosten fr 2013 fielen vor diesem Hin-tergrund hher aus als erwartet. Unter Bercksichtigung der vermiedenen Netzentgelte und Aufwendungen der bertragungsnetzbetreiber ergaben sich fr das Jahr 2013 EEG-Differenzkosten von 17,5 Milliarden Euro. Dieser Betrag spiegelt die reinen Frderkosten des Kalenderjahres 2013 wider. Darin sind der Kontoausgleich und die Liquidi-ttsreserve nicht enthalten. Die Prognose der bertra-gungsnetzbetreiber beinhaltet diese beiden Kostenpositio-nen, weshalb der prognostizierte Umlagebetrag mit 20,4 Milliarden Euro sehr viel hher lag. Die reinen Frderkos-ten fr das Jahr 2013, hatten die bertragungsnetzbetreiber auf 16,2 Milliarden Euro beziffert.

    Die gesamtwirtschaftlichen Differenzkosten sind niedri-ger. Die EEG-Differenzkosten entsprechen nicht den gesamtwirtschaftlichen Differenzkosten der erneuerbaren Energien, da sie nicht die positiven Wirkungen der erneu-erbaren Energien, wie z.B. vermiedene Umweltschden, bercksichtigen (siehe Kapitel I.5 und I.10).

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    Abbildung I.1.8: Entwicklung der installierten Leistung im System der Marktprmie im Jahr 2013 und 2014in MW

    Quelle: Informationen zur Direktvermarktung der bertragungsnetzbetreiber

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201420

    I.1.6.2 Privilegierte Strommengen im Rahmen der EEG-Umlage

    Unter die privilegierte Strommenge fielen im Jahr 2013 fol-gende drei Bereiche:

    zz Durch die Besondere Ausgleichsregelung (BesAR) waren die stromintensive Industrie und Schienenbahnen im Berichtsjahr 2013 weitgehend von der EEG-Umlage ent-lastet.zz Eigenstrom war unter den Voraussetzungen des 37

    Absatz 3 EEG 2012 vollstndig von der EEG-Umlage befreit. Dadurch wurde die Eigenerzeugung der Indust-rie ebenso wie der KWK- und PV-Eigenverbrauch priva-ter Haushalte nicht in die Belastung einbezogen. zz ber das Grnstromprivileg wurde unter bestimmten

    Voraussetzungen die EEG-Umlage um 2 ct/kWh redu-ziert.

    Durch die drei Ausnahmeregelungen wurden im 2013 rund 155,7 TWh von der EEG-Umlage befreit. Im Vorjahr 2012 waren es 146,1 TWh.

    Besondere Ausgleichsregelung

    Die Besondere Ausgleichsregelung hat die internationale Wettbewerbsfhigkeit der stromintensiven Unternehmen sowie die intramodale Wettbewerbsfhigkeit der Schienen-bahnen im Blick. Ziel der bereits im Jahr 2004 ein gefhrten Besonderen Ausgleichsregelung ist es, die Belastung der stromintensiven Unternehmen des produzierenden Gewer-bes mit Blick auf deren internationale Wettbewerbsfhig-keit bzw. der Schienenbahnen mit Blick auf den Wettbe-werb zu anderen Verkehrstrgern (sogenannte intermodale Wettbewerbsfhigkeit) zu begrenzen.

    Eine erste Anpassung erfolgte mit der EEG-Novellierung 2012. Die Neuregelungen kamen erstmalig im Antragsjahr 2012 fr die Begrenzung der EEG-Umlage im Jahr 2013 zur Anwendung. Dadurch wurden im Jahr 2013 fr insgesamt 1.729 Unternehmen (1.667 Unternehmen des produzieren-den Gewerbes und 53 Schienenbahnen) ein Stromver-brauch von insgesamt 93.598 GWh von der EEG-Umlage entlastet (BMWi, BAFA 2014). Nach der Novellierung im Jahre 2012 ist die privilegierte Strommenge zwischen den Jahren 2012 und 2013 deutlich weniger stark angestiegen als die Zahl der Unternehmen, die von der Regelung profi-tieren. Der Grund hierfr ist, dass die neu hinzugekomme-nen Unternehmen im Durchschnitt einen geringeren Stromverbrauch als die bisher begnstigten Unternehmen hatten.

    Die Regelung wurde 2012 fr kleine und mittelstndische Unternehmen geffnet. Diese ffnung der Besonderen Ausgleichsregelung mit der Novellierung 2012 diente der Angleichung der Wettbewerbsbedingungen zwischen gro-en und kleinen bzw. mittelstndischen Unternehmen.

    Der hhere Umlagebetrag im Jahr 2013 beeinflusste die Begnstigungswirkung. Fr das Jahr 2013 ergab sich in der Folge eine Begnstigungswirkung von 3,9 Milliarden Euro. Hauptursache hierfr war der Anstieg des EEG-Umlagebe-trags, der zu einer entsprechend hheren Entlastung fhrte.

    Die Begnstigungswirkung hat sich 2014 weiter erhht. Fr 2014 wird fr 2.098 Unternehmen (2.026 Unternehmen des produzierenden Gewerbes und 72 Schienenbahnen) die Hhe der zu zahlenden EEG-Umlage begrenzt. Die privile-gierte Strommenge wird nach Schtzungen der bertra-gungsnetzbetreiber bei 106.523 GWh liegen. Dadurch ergibt sich eine Begnstigungswirkung von 5,1 Milliarden Euro.

    Fr 2015 wird das EEG 2014 bereits Wirkung zeigen. Die Prognose fr 2015 geht zwar von einer leicht steigenden privilegierten Strommenge aus, die Begnstigungswirkung reduziert sich jedoch auf 4,8 Milliarden Euro, weil die Ent-lastung je Kilowattstunde fr die Unternehmen im Zuge des EEG 2014 begrenzt wird (siehe Tabelle I.1.1).

    Die grundlegende und europarechtskonforme Neurege-lung ist erreicht. Die Besondere Ausgleichregelung wurde im Jahre 2014 unter Bercksichtigung der novellierten Umweltschutz- und Energiebeihilfeleitlinien der EU-Kom-mission grundlegend neu geregelt (siehe Kapitel II.2.3). Die Entlastung der Unternehmen durch die Besondere Aus-gleichsregelung fhrt dazu, dass die Differenzkosten auf eine entsprechend geringere Strommenge (umlagepflichti-ger Letztverbrauch bzw. nicht-privilegierter Letztver-brauch) umgelegt wird und somit die Kosten fr diejenigen steigen, die nicht begnstigt sind. Jedoch sind diese Entlas-tungsregelungen fr die stromintensive Industrie notwen-dig, um die internationale Wettbewerbsfhigkeit der deut-schen Industrie nicht zu gefhrden und um geschlossene Wertschpfungsketten und industrielle Arbeitspltze dau-erhaft zu sichern. Die EU-Kommission hat daher die Besondere Ausgleichsregelung fr die stromintensiven Unternehmen im Juli 2014 und die Besondere Ausgleichs-regelung fr Schienenbahnen im November 2014 geneh-migt.

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 21

    Eigenerzeugung

    Die Eigenerzeugung war bisher nicht mit der Umlage belastet. Selbsterzeugter Strom, der ohne Inanspruch-nahme des ffentlichen Netzes oder im rumlichen Zusam-menhang mit der Erzeugung selbst verbraucht wurde, wurde nach dem EEG 2012 von der EEG-Umlage nicht erfasst. Dies erfolgte unabhngig von der Branchenzugeh-rigkeit und dem Brennstoffeinsatz.

    Die Strommengen in der Eigenerzeugung werden geschtzt. Vor allem in der Industrie existieren viele Kraft-werke, die zur Deckung der betriebseigenen Stromnach-frage eingesetzt werden. Aber auch bei kleinen Betrieben und privaten Haushalten nimmt die Eigenstromversorgung zu. Die entsprechende Strommenge wird allerdings nicht vollstndig statistisch erfasst und kann nur abgeschtzt werden.

    Die Bedeutung der Eigenerzeugung in Zahlen:

    zz Im Rahmen der EEG-Prognose der bertragungsnetzbe-treiber zum Letztverbrauch fr das Kalenderjahr 2013 wird die selbsterzeugte und selbstverbrauchte Strom-menge auf 56,2 TWh geschtzt, davon entfallen 2,3 TWh auf die Eigenversorgung mittels Photovoltaik. zz Fr 2014 wurde die selbsterzeugte und selbstverbrauchte

    Strommenge auf 47,1 TWh und fr die PV auf 2,8 TWh prognostiziert (Energy Brainpool 2013). zz Der Rckgang gegenber 2013 ist grtenteils mit

    einem statistischen Effekt zu begrnden Der bisher sta-tistisch bei der Eigenversorgung eingerechnete Bahn-kraftwerksstrom von 6 TWh wird ab 2014 als Letztver-brauch erfasst.

    Eigenstromversorger werden knftig in die Finanzierung der Frderkosten einbezogen. Neben der Nichterfassung von der EEG-Umlage bestehen unter bestimmten Voraus-setzungen weitere Begnstigungswirkungen fr den selbst-

    erzeugten Strom (z.B. Netzentgelte, Steuern). Zusammen bewirken diese Regelungen einen erheblichen wirtschaftli-chen Anreiz zur Eigenerzeugung. Vor diesem Hintergrund haben Bundestag und Bundesrat mit der EEG-Novelle beschlossen, dass zuknftig auch neue Eigenstromversor-gungsanlagen in die Frderkosten der erneuerbaren Ener-gien einbezogen werden (siehe Kapitel II.2.3).

    Grnstromprivileg

    Das Grnstromprivileg ist mit der EEG-Novelle 2014 auf-gehoben worden. Als Grnstromprivileg wurde die Rege-lung im bisherigen 39 Abs. 1 EEG 2012 bezeichnet. Die EEG-Umlage verringert sich danach fr Elektrizittsversor-gungsunternehmen um 2 ct/kWh, wenn mindestens 50 Prozent ihres an die Letztverbraucher veruerten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen, mindestens 20 Pro-zent aus fluktuierenden Energien stammen und sie keine Frderung durch das EEG erhalten. Die Umlagebefreiung gilt fr das gesamte Stromportfolio des Elektrizittsversor-gungsunternehmens, also auch fr den Strom, der nicht aus erneuerbaren Energien stammt. Aus der reduzierten EEG-Umlage ergibt sich die Anreizwirkung des Grnstrom-privilegs. Im Jahre 2013 betrug die Strommenge, die ber das Grnstromprivileg abgesetzt wurde, 5,9 TWh. Mit der EEG-Novelle 2014 ist das Grnstromprivileg entfallen (siehe Kapitel II.2.3).

    I.1.6.3 EEG-Umlage

    Die Kostendynamik der Entwicklung der EEG-Umlage ist durchbrochen. Das EEG verpflichtet grundstzlich Strom-versorgungsunternehmen, die EEG-Umlage zu zahlen. Die Stromversorgungunternehmen geben die EEG-Umlage regelmig an die Stromverbraucher weiter. Die EEG-Umlage ergibt sich, indem der EEG-Umlagebetrag (siehe Kapitel I.1.5.) auf den Stromverbrauch der nicht privilegier-

    Tabelle I.1.1: Entwicklung der Besonderen Ausgleichsregelung

    Begrenzungsjahr

    Anzahl der privilegierten Unternehmen

    privilegierte Strommenge

    Hhe der EEG-Umlage

    Anteil der BesARan der EEG-Umlage

    Theoretische Begnstigungs-

    wirkung

    produzierendes Gewerbe

    Schienen- bahnen

    GWh ct/kWh ct/kWh Prozent Mrd. Euro

    2011 554 49 85.118,2 3,53 0,61 17,3 2,5

    2012 683 51 86.126,6 3,59 0,64 17,8 2,5

    2013 1.676 53 93.597,9 5,28 1,03 19,5 3,9

    2014 2.026 72 106.523 * 6,24 1,35 21,6 5,1

    2015 k.A. ** k.A.** 110.247 * 6,17 1,37 22,2 4,8

    * Prognose der bertragungsnetzbetreiber fr 2014 und 2015

    **Daten zur Anzahl der privilegierten Unternehmen im Jahr 2015 noch nicht verfgbar

    Quelle: Bundesamt fr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, bertragungsnetzbetreiber sowie eigene Berechnungen

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201422

    ten Endkunden (Letztverbraucher) verteilt wird. In Abbil-dung I.1.9 ist die Entwicklung der EEG-Umlage seit dem Jahr 2000 dargestellt. Sie stieg im Jahr 2013 auf 5,28 ct/kWh und im Jahr 2014 auf 6,24 ct/kWh. Im Jahr 2015 wird die EEG-Umlage 6,17 ct/kWh betragen (NB 2014b). Die stei-gende Kostendynamik der letzten Jahre wurde somit durchbrochen (siehe Abbildung I.1.9).

    Vergtungsabsenkungen wirken der EEG-Umlagensteige-rung entgegen. Der Anstieg der EEG-Umlage war in den letzten Jahren in erster Linie auf den starken Ausbau der erneuerbaren Energien und die steigenden Vergtungszah-lungen zurckzufhren. Dazu trug insbesondere die Aus-baudynamik der Photovoltaik bei. Zu geringeren Teilen ist der Anstieg auch auf die gesunkenen Brsenstrompreise und die Entlastung bestimmter Verbrauchergruppen von der EEG-Umlage durch die Besondere Ausgleichsregelung zurckzufhren. Die deutlich gesunkenen Vergtungsstze fr neue Photovoltaikanlagen und die mit der EEG-Novelle beschlossenen Vergtungsabsenkungen bei Wind an Land und Biomasse wirken einer knftigen Kostensteigerung entgegen.

    EEG-Umlage und Strombrsenpreis zusammen sind weni-ger stark gestiegen als die EEG-Umlage allein betrachtet. Das gestiegene Angebot an Strom aus erneuerbaren Energien fhrt stundenweise dazu, dass der Brsenpreis fr kurzfris-tige Stromlieferungen sinkt (siehe Abbildung I.8.4, Seite 71).

    Eine gemeinsame Betrachtung von EEG-Umlage und Spot-marktpreis an der Strombrse (siehe Abbildung I.1.10) zeigt, dass die Summe aus EEG-Umlage und Brsenstrompreis seit dem Jahr 2010 in geringerem Mae als die EEG-Umlage anstieg.

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    2015*2014*2013*2012*2011*2010*2009200820072006200520042003200220012000

    Abbildung I.1.9: Entwicklung der spartenbezogenen EEG-Umlage in ct/kWh

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie

    * EEG-Umlage auf Basis der Prognose der bertragungsnetzbetreiber

    BiomasseWasserkraft und Gase Windenergie an Land Photovoltaik Liquidittsreserven und KontoausgleichWindenergie auf See

    57 5666

    0,19 0,24 0,360,37 0,55

    0,710,89 1,03

    1,17 1,33

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    3,52 3,59

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    2013 2014201220112010

    Abbildung I.1.10: Summe aus dem durchschnittlichen Brsenstrompreis und der EEG-Umlage in ct/kWh

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie auf Basis von Daten der European Power Exchange Paris

    Brsenpreis EEG-Umlage

    4,47

    2,05

    5,11

    3,53

    3,59

    4,273,78

    5,286,24

    3,21

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 23

    I.1.7 Merit-Order-Effekt durch erneuerbare Energien

    Das Stromangebot dmpft die Brsenstrompreise. Das Stromangebot aus erneuerbaren Energien wird an der Brse vermarktet (EPEX Spot). Dort verringert dieses Strom ange-bot die Nachfrage nach konventionellem Strom und ver-drngt entsprechend der Merit-Order (Einsatzreihenfolge von Kraftwerken nach deren kurzfristigen Grenzkosten) Kraftwerke mit hheren variablen Kosten. Der berwie-gende Anteil der erneuerbaren Energien hat keine Brenn-stoffkosten und CO2-Kosten, die bei konventionellen Ener-gien die Grenzkosten ausmachen.

    Der Umfang des Merit-Order-Effekts wird geschtzt. Der Merit-Order-Effekt ist wissenschaftlich anerkannt. Fr die eindeutige Bestimmung des Merit-Order-Effekts gibt es jedoch keinen wissenschaftlichen Konsens. Die Hhe der

    preissenkenden Wirkungen fllt je nach methodischem Ansatz und den jeweils getroffenen Annahmen unter-schiedlich aus. Der Merit-Order-Effekt ist daher schwer zu quantifizieren, da die Strombrsenpreise nicht nur von der Einspeisung der erneuerbaren Energien, sondern von sehr vielen Einflussfaktoren abhngen (Brennstoffpreise, CO2-Preise, konventionelle Kraftwerkskapazitten, Kopplung der Mrkte). Zudem variieren Faktoren je nach aktueller Preis- und Laststruktur. Mehrere wissenschaftliche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass der Merit-Order-Effekt in der Vergangenheit, auch unter konservativen Annahmen, eine erhebliche Grenordnung hatte. Nach ISI, DIW, GWS, IZES (2014) liegt der Merit-Order-Effekt im Jahre 2013 bei 3,3 Milliarden Euro. Dies entspricht rechnerisch einer Absenkung des Brsenstrompreises um 6,2 Euro pro Mega-wattstunde.

  • 24

    I.2 Energieverbrauch und Energieeffizienz

    Der Primrenergieverbrauch ist im Jahr 2013 gegenber dem Vorjahr ange-stiegen. Die niedrigen Temperaturen des Jahres 2013 waren ein mageblicher Grund dafr, dass der Primrenergieverbrauch um 2,8 Prozent gegenber dem Wert fr 2012 angestiegen ist. Bereinigt um Temperatur- und Lagerbestands-effekte liegt der Primrenergieverbrauch im Jahr 2013 um etwa 1,9 Prozent ber dem Vorjahresniveau. Gegenber dem Zielbezugsjahr 2008 ist der Primr-energieverbrauch um 3,8 Prozent zurckgegangen. Fossile Energietrger haben im Jahr 2013 mit 81,1 Prozent weiterhin den hchsten Anteil am Primrener-gieverbrauch. Der Beitrag der erneuerbaren Energien zum Primrenergiever-brauch konnte 2013 weiter ausgebaut werden und liegt im Jahr 2013 bei 10,4 Prozent.

    2014 sinkt der Primrenergieverbrauch gegenber 2013. Nach einer ersten Abschtzung der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen auf Basis der ersten neun Monate des Jahres 2014 wird der Primrenergieverbrauch in Deutschland im Jahr 2014 um 5 Prozent sinken. Bereinigt um die Effekte des extrem milden Winters wird der Primrenergieverbrauch um 2 Prozent unter dem Vorjahres-ergebnis liegen.

    Der Bruttostromverbrauch ist rcklufig. Er sank im Jahr 2013 auf knapp 598 TWh und liegt somit um 1,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Bezogen auf das Basisjahr 2008 ist er um 3,2 Prozent gesunken.

    Die Energieproduktivitt steigt im jhrlichen Durchschnitt. Die gesamtwirt-schaftliche Primrenergieproduktivitt konnte im Zeitraum 2008 bis 2013 jhr-lich um durchschnittlich 1,2 Prozent gesteigert werden (temperatur- und lagerbestandsbereinigt: 1,5 Prozent). Im gleichen Zeitraum erhhte sich die gesamtwirtschaftliche Endenergieproduktivitt um durchschnittlich 0,2 Pro-zent pro Jahr.

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 25

    Energieeinsparungen sind ein zentraler Aspekt der Ener-giepolitik. Die Senkung des Energieverbrauchs durch eine Steigerung der Energieeffizienz ist eine tragende Sule der Energiewende. Energieeinsparungen schonen Klima und Umwelt und tragen wesentlich zu einer Senkung der Kosten der Energieversorgung fr alle Verbrauchergruppen bei. Zudem leistet eine Reduktion der Nachfrage nach Energie auch einen Beitrag zur Steigerung der Versorgungssicher-heit. Das Einsparen von Energie ist demnach ein zentraler Aspekt der Energiepolitik zur Erreichung der energiepoliti-schen Ziele Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Umweltvertrglichkeit. Zugleich wird die Importabhngig-keit reduziert.

    Die Energieeffizienz wird durch die Energieproduktivitt gemessen. Die Energieproduktivitt setzt eine Nutzengre ins Verhltnis zur Energiemenge, die fr das Erreichen dieses Nutzens eingesetzt wurde. Diese Nutzengre ist hufig das preisbereinigte (reale) Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutsch-lands als Ma fr die wirtschaftliche Leistung der deutschen Volkswirtschaft. Das Energiekonzept der Bundes regierung bezieht das Effizienzziel auf die Endenergie produktivitt, also reales BIP pro Einheit Endenergieverbrauch.

    Verschiedene Faktoren beeinflussen den Energieverbrauch. Der Energieverbrauch und damit auch die Energieeffizienz hngen von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehren Witte-rung, konjunkturelle Einflsse, Preiseffekte, Verhaltensweisen sowie Strukturnderungen. Fr eine Beurteilung der Energie-effizienzsteigerung (z. B. durch eine bessere Gebudedm-mung, effizientere Elektrogerte oder sparsamere Motoren) muss der Einfluss dieser Faktoren bercksichtigt werden.

    I.2.1 Energieverbrauch

    Die Ziele zur Energieeinsparung sind ambitioniert. Die Bundesregierung hat sich ambitionierte Ziele bei der Sen-kung des Energie- und speziell des Stromverbrauchs gesetzt. Der Primrenergieverbrauch soll bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent und bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent gegen-ber 2008 gesenkt werden. Zudem soll der Stromverbrauch gegenber dem Jahr 2008 in einer Grenordnung von 10 Prozent bis 2020 und von 25 Prozent bis 2050 sinken.

    I.2.1.1 Primrenergieverbrauch

    Der Primrenergieverbrauch ist im Jahr 2013 gegenber dem Vorjahr gestiegen. Im Jahr 2013 stieg der Primrener-gieverbrauch in Deutschland gegenber dem Vorjahr 2012 um 2,8 Prozent auf 13.828 PJ (siehe Abbildung I.2.1). Der Anstieg des Primrenergieverbrauchs ist im Wesentlichen auf die niedrigen Temperaturen insbesondere in der ersten Hlfte des Jahres 2013 zurckzufhren. Die Durchschnittstempera-turen von insgesamt sechs Monaten des Jahres 2013 lagen zum Teil deutlich unter den Werten des Vorjahres. Seit dem Zielbezugsjahr 2008 hat sich der Primrenergieverbrauch in Deutschland um 3,8 Prozent bis zum Jahr 2013 verringert.

    Der langfristige Trend der Primrenergieverbrauchsent-wicklung ist rcklufig. Die Entwicklung des Primrener-gieverbrauchs folgt in Deutschland seit 1990 einem rck-lufigen Trend. Aufgrund der Temperaturentwicklung schwankt der Primrenergieverbrauch (siehe jhrliche Dar-stellung in Abbildung I.2.1). Bei Bercksichtigung des Witte-

    Abbildung I.2.1: Entwicklung des Primrenergieverbrauchs nach Energietrgernin PJ

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

    SteinkohleMinerall Braunkohle Erdgas, Erdlgas Kernenergie Sonstige Ziel

    Ziel: minus 20%

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    1997

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    Erneuerbare Energien

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201426

    rungs- und Lagerbestandseffekts ergibt sich nach den Berech-nungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) fr das Jahr 2013 ein bereinigter Primrenergieverbrauch, der um 1,9 Prozent ber dem Niveau des Vorjahres liegt.

    Die Zusammensetzung des Primrenergieverbrauchs zeigt unterschiedliche Entwicklungen. Bei den Wrmeenergie-trgern Heizl und Erdgas fhrte der lange und kalte Winter zu einem Verbrauchsanstieg, so dass der Minerallverbrauch insgesamt um 2,5 Prozent und der Erdgasverbrauch um 8,4 Prozent gegenber dem Vorjahr 2012 angestiegen ist. Minerall und Erdgas decken mit einem Anteil von 33,6 Pro-zent und 22,9 Prozent ber die Hlfte des Primrenergiever-brauchs in Deutschland im Jahr 2013 ab. Der Anteil der Braun-kohlen am Primrenergieverbrauch ist auf 11,8 Prozent zurckgegangen, whrend die Steinkohlen einen Anteil von 12,9 Prozent am Primrenergieverbrauch haben. Der Anteil der Kernenergie am Primrenergieverbrauch sank von 8,1 Pro-zent im Jahr 2012 auf 7,7 Prozent im Jahr 2013. Die erneuer-baren Energien konnten ihren Anteil am Primrenergiever-brauch von 10,3 Prozent im Jahr 2012 auf 10,4 Prozent im Jahr 2013 erneut steigern.

    Der Anteil der erneuerbaren Energien am Primrenergie-verbrauch nimmt zu. Erneuerbare Energien tragen in zuneh-menden Mae zum Primrenergieverbrauch in Deutschland bei. Der Primrenergieverbrauch basierend nur auf fossilen Energietrgern sowie auf Kernenergie ist im Durchschnitt der letzten Jahre absolut zurckgegangen (siehe Abbildung I.2.2). Der nur auf konventionellen Energietrgern (fossil und nuk-lear) basierende Primrenergieverbrauch ist von 13.103 PJ im Jahr 2008 auf 12.281 PJ im Jahr 2013 und damit um 6,3 Pro-zent gesunken.

    2014 sinkt der Primrenergieverbrauch gegenber 2013. Nach einer ersten Abschtzung der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen auf Basis der ersten neun Monate des Jah-res 2014 wird der Primrenergieverbrauch in Deutschland im Jahr 2014 um 5 Prozent sinken. Bereinigt um die Effekte des extrem milden Winters wird der Primrenergiever-brauch um 2 Prozent unter dem Vorjahresergebnis liegen.

    I.2.1.2 Endenergieverbrauch nach Energietrgern und Sektoren

    Der Endenergieverbrauch hat gegenber dem Vorjahr zugenommen. Aufgrund der im Vergleich zum Vorjahr wesentlich khleren Witterung hat die Nachfrage nach Endenergie insbesondere zur Abdeckung des erhhten Wrmebedarfs - im Jahr 2013 zugenommen. Der Endener-gieverbrauch ist von 8.919 PJ im Jahr 2012 auf 9.269 PJ im Jahr 2013 um 3,9 Prozent angestiegen. Dies lsst sich auch an den Verbrauchsstrukturen in den Abbildungen I.2.3 und I.2.4 erkennen. Insbesondere der vorrangig zum Heizen verwendete Energietrger Erdgas wurde 2013 vermehrt bentigt und nahm gegenber dem Vorjahr erheblich an Bedeutung zu. Die privaten Haushalte nutzen ber 70 Pro-zent der Endenergie fr Heizzwecke, so dass der Anteil der privaten Haushalte am Endenergieverbrauch im Jahr 2013 deutlich angestiegen ist. In den weitgehend temperaturun-abhngigen Sektoren Verkehr und Industrie hat sich der Endenergieverbrauch dagegen kaum verndert. Bereinigt um Temperatur- und Lagerbestandseffekte hat der End-energieverbrauch im Jahr 2013 um 2,3 Prozent gegenber dem Vorjahr 2012 zugenommen.

    201320122011201020092008200720062005200420032002200120001999199819971996199519941993199219911990

    Abbildung I.2.2: Entwicklung des gesamten (erneuerbar, fossil und nuklear) und des nur auf konventionellen Energietrgern (fossil und nuklear) basierenden Primrenergieverbrauchs in PJ

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

    Summe konventioneller Energietrger Summe konventioneller und erneuerbarer Energietrger

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  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 27

    I.2.1.3 Stromverbrauch

    Der Bruttostromverbrauch ist rcklufig. Der Brutto-stromverbrauch entspricht der gesamten inlndischen Stromgewinnung zuzglich der Stromflsse aus dem Aus-land und abzglich der Stromflsse ins Ausland. Er sank im Jahr 2013 mit knapp 598 TWh um 1,5 Prozent unter den Vorjahreswert (siehe Abbildung I.2.5, Seite 28). Im Vergleich zum Zielbezugsjahr 2008 mit einem Bruttostromverbrauch von 618 TWh hat sich der Bruttostromverbrauch um

    3,2 Prozent verringert. Der durchschnittliche jhrliche Rckgang des Bruttostromverbrauchs zwischen 2008 und 2013 betrgt 0,7 Prozent. Um das Ziel des Energiekonzepts zu erreichen, msste der Bruttostromverbrauch zwischen 2008 und 2020 jhrlich um durchschnittlich 0,87 Prozent zurckgehen. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch betrgt im Jahr 2013 25,22 Prozent (2012: 23,63 Prozent).

    201320122011201020092008200720062005200420032002200120001999199819971996199519941993199219911990

    Abbildung I.2.3: Entwicklung des Endenergieverbrauchs nach Energietrgernin PJ

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

    BraunkohleSteinkohle Kraftstoff Heizl Gas Strom Fernwrme Sonstige (u.a. Brennholz)

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    201320122011201020092008200720062005200420032002200120001999199819971996199519941993199219911990

    Abbildung I.2.4: Entwicklung des Endenergieverbrauchs nach Sektorenin PJ

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

    VerkehrIndustrie Haushalte Gewerbe, Handel, Dienstleistungen

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    Abbildung I.2.6: Entwicklung der Bruttostromerzeugung nach Energietrgernin TWh

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

    MinerallprodukteErneuerbare Energien Steinkohle Braunkohle Erdgas Kernenergie Sonstige

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    Abbildung I.2.5: Entwicklung des Brutto- und Nettostromverbrauchsin TWh

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

    VerkehrIndustrie HaushalteGewerbe, Handel, Dienstleistungen ZielDifferenz Brutto-Nettostromverbrauch

    Ziel: minus 10%

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    Auch der Nettostromverbrauch ist rcklufig. Der von den Endverbrauchern konsumierte Nettostromverbrauch entspricht dem Bruttostromverbrauch abzglich der Netz- bzw. bertragungsverluste und des Eigenstromverbrauchs der Kraftwerke. Der Nettostromverbrauch ging 2013 mit 515 TWh um 1,6 Prozent gegenber dem Vorjahr zurck (siehe Abbildung I.2.5).

    I.2.1.4 Stromerzeugung

    Die Bruttostromerzeugung in Deutschland nahm im ver-gangenen Jahr zu. Die Bruttostromerzeugung umfasst die insgesamt erzeugte Strommenge eines Landes. Sie hat in Deutschland im Jahr 2013 erneut zugenommen und stieg um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 632,1 TWh an (siehe Abbildung I.2.6).

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 29

    Es wurde mehr Strom ausgefhrt als eingefhrt. Die hohe Stromerzeugung und der gleichzeitig gesunkene Stromver-brauch fhrten zu einem Ausfuhrberschuss beim Strom-austausch mit den Nachbarlndern in Hhe von 30,7 TWh (siehe Kapitel III.3.1.3).

    Die inlndische Stromerzeugung beruht auf einem brei-ten Energietrgermix. Die beiden wichtigsten Energie tr-ger blieben die Braunkohle mit einem Anteil von 25,5 Pro-zent und die erneuerbaren Energien, welche ihren Anteil von 22,8 Prozent im Jahr 2012 auf 23,9 Prozent im Jahr 2013 steigerten. Die Windkraft ist mit einem Anteil von rund acht Prozent an der gesamten Stromerzeugung auch im Jahr 2013 bedeutendster erneuerbarer Stromerzeuger. Die Steinkohle weitete ihren Anteil an der Stromerzeugung von 18,5 auf 19,3 Prozent aus. Der Anteil der Kernenergie bzw. des Erdgases an der Bruttostromerzeugung ist 2013 von 15,8 auf 15,4 Prozent bzw. von 12,1 auf 10,7 Prozent gesunken.

    I.2.2 Energieeffizienz

    Laut Energiekonzept 2010 soll die Energieproduktivitt bezogen auf den Endenergieverbrauch (Endenergieproduk-tivitt) zwischen den Jahren 2008 und 2050 um durch-schnittlich 2,1 Prozent pro Jahr gesteigert werden.

    I.2.2.1 Energieproduktivitt

    Die Primrenergieproduktivitt ist gegenber dem Vor-jahr gesunken. Im Jahr 2013 betrug die gesamtwirtschaft-liche Primrenergieproduktivitt (Verhltnis reales BIP zum gesamten Primrenergieverbrauch) 193,9 /GJ und ist

    damit gegenber dem Vorjahr (2012: 199,2 /GJ) um 2,7 Pro-zent geringer (siehe untere Kurve in Abbildung I.2.7). Im jhrlichen Mittel hat sich die Primrenergieproduktivitt seit 2008 um durchschnittlich 1,2 Prozent pro Jahr erhht.

    Temperaturbereinigt ist die Primrenergieproduktivitt gegenber dem Vorjahr weniger stark gesunken. Die zeitliche Entwicklung der Primrenergieproduktivitt ist in den einzelnen Jahren sehr unterschiedlich, wofr kon-junkturelle Effekte und Witterungsunterschiede verantwort-lich sind. Bereinigt um Temperatur- und Lagerbestandsef-fekte sind diese Schwankungen weniger stark ausgeprgt (siehe untere Kurve in Abbildung I.2.8) und fr das Jahr 2013 ergibt sich eine bereinigte Primrenergieproduktivitt von 194,8 /GJ, was eine Reduktion um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2012: 198,3 /GJ) darstellt. Seit 2008 hat sich die um Temperatur und Lagerbestand bereinigte Primr-energieproduktivitt um durchschnittlich 1,51 Prozent pro Jahr erhht.

    Die Endenergieproduktivitt ist gegenber dem Vorjahr zurckgegangen. Die gesamtwirtschaftliche Endenergie-produktivitt beschreibt das reale BIP bezogen auf den gesamten Endenergieverbrauch. Sie lag 2013 bei 289,3 /GJ. Gegenber dem Vorjahr (2012: 300,4 /GJ) hat sie damit um 3,7 Prozent abgenommen (siehe obere Kurve in Abbildung I.2.7). Im Jahr 2008 betrug die Endenergieproduktivitt noch 286,4 /GJ. Dies entspricht einer durchschnittlichen jhrlichen Steigerung von 0,20 Prozent zwischen 2008 und 2013.

    Temperaturbereinigt ist die Endenergieproduktivitt gegenber dem Vorjahr weniger stark gesunken. Die obere Kurve in Abbildung I.2.8 (siehe Seite 30) stellt die Ent-wicklung der um Temperatur und Lagerbestand bereinig-

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    Abbildung I.2.7: Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Primr- und Endenergieproduktivittin Euro (BIP real)/GJ

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

    Primrenergieproduktivitt Endenergieproduktivitt

    Ziel: Steigerung um 2,1% pro Jahr

    2020

    2019

    2018

    2017

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  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201430

    ten gesamtwirtschaftlichen Endenergieproduktivitt der Bundesrepublik Deutschland dar. Demnach hat sich die bereinigte gesamtwirtschaftliche Endenergieproduktivitt 2013 mit 291,1 /GJ im Vergleich zum Vorjahr (2012: 296,6 /GJ) um 1,9 Prozent verringert. Seit dem Jahr 2008 betrgt der mittlere jhrliche Anstieg der bereinigten gesamtwirt-schaftlichen Endenergieproduktivitt 0,62 Prozent.

    Die gesamtwirtschaftliche Stromproduktivitt ist 2013 deutlich gestiegen. Zu einer Steigerung der allgemeinen Energieproduktivitt kann u. a. eine Erhhung der Stromef-fizienz beitragen. Die gesamtwirtschaftliche Stromproduk-tivitt (reales BIP bezogen auf den gesamten Bruttostrom-verbrauch) ist im Jahr 2013 um 1,6 Prozent gegenber dem Vorjahr (2012: 4,42 /kWh) auf 4,49 /kWh angestiegen

    und verzeichnet somit erneut einen krftigen Zuwachs. (siehe Abbildung I.2.9). Im Durchschnitt ist die gesamtwirt-schaftliche Stromproduktivitt seit 2008 um 1,1 Prozent pro Jahr angestiegen. Der seit Anfang der 90er Jahre beste-hende Trend zur zunehmenden Entkopplung von Wirt-schaftswachstum und Entwicklung des Stromverbrauchs hat sich also auch im Jahr 2013 weiter fortgesetzt. Grnde fr die Steigerung der Stromeffizienz sind der Einsatz effi-zienterer Technik, der steigende Anteil des weniger strom-intensiven Dienstleistungssektors am Bruttoinlandspro-dukt sowie der bewusstere Umgang der Verbraucher mit Energie.

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    Abbildung I.2.9: Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Stromproduktivittin 1.000 Euro/MWh

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

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    Abbildung I.2.8: Entwicklung der temperatur- und lagerbestandsbereinigten gesamtwirtschaftlichen Primr- und Endenergieproduktivitt in Euro (BIP real)/GJ

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

    Primrenergieproduktivitt Endenergieproduktivitt

    2013

    2012

    2011

    2010

    2009

    2008

    2007

    2006

    2005

    2004

    2003

    2002

    2001

    2000

    1999

    1998

    1997

    1996

    1995

    1994

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    1991

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  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 31

    I.2.2.1 Energieproduktivitt in den einzelnen Sektoren

    Der Anstieg der Endenergieproduktivitt in der Industrie setzt sich weiter fort. Konjunkturelle Schwankungen und Innovationszyklen machen sich bei der Entwicklung der temperaturbereinigten Endenergieproduktivitt im Indust-rie-Sektor sehr stark bemerkbar. So sind in Abbildung I.2.10 deutliche Einbrche in der temperaturbereinigten Endenergieproduktivitt in den Jahren 2003 und 2009 mit schwacher Konjunktur zu erkennen, was auf unterausge-lastete Produktionskapazitten zurckgefhrt werden kann. Allerdings hat sich der seit 1991 bestehende Auf-wrtstrend bei der temperaturbereinigten Endenergiepro-duktivitt auch im Jahr 2013 fortgesetzt. Zwischen 2008 und 2013 ist die temperaturbereinigte Endenergieproduk-tivitt im Industrie-Sektor um durchschnittlich 0,1 Prozent pro Jahr angestiegen. Ein Grund fr die Steigerung der Energieeffizienz im Industrie-Sektor ist die zunehmende gekoppelte Erzeugung von Strom und Wrme in Kraft-Wrme-Kopplungs-Anlagen. Ein weiterer Grund fr die Steigerung der temperaturbereinigten Endenergieproduk-tivitt im Industrie-Sektor ist jedoch auch eine generelle Entwicklung von energieintensiver Produktion hin zu weniger energieintensiven Sektoren.

    Bei Gewerbe, Handel und Dienstleistungen steigt die End-energieproduktivitt leicht. Zum Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) zhlen u. a. das Baugewerbe, Kran-kenhuser, Schulen, die Landwirtschaft und der ffentliche Dienst. In diesen Bereichen ist die Abhngigkeit von kon-junkturellen Schwankungen weniger stark ausgeprgt als im Industrie-Sektor. Dementsprechend ist die Steigerung der temperatur- und lagerbestandsbereinigten Endenergie-produktivitt in Abbildung I.2.10 kontinuierlich und unter-liegt kaum Konjunkturschwankungen. Zwischen 2008 und 2013 ist die temperatur- und lagerbestandsbereinigte End-energieproduktivitt im Sektor GHD durchschnittlich um jhrlich 1,3 Prozent gestiegen. Zu diesem starken Anstieg haben eine verbesserte Wrmedmmung, eine zuneh-mende Automatisierung und Prozessoptimierung sowie die Moder ni sierung von eingesetzten Maschinen und Anlagen gefhrt.

    Verkehr und private Haushalte liegen im Trend steigen-der Energieeffizienz. Der Verkehrssektor weist seit 1990 ebenfalls eine Erhhung der Energieeffizienz auf (siehe Kapitel I.4). Auch die privaten Haushalte haben in den letz-ten zehn Jahren ihren temperaturbereinigten spezifischen Endenergieverbrauch senken knnen (siehe Kapitel I.3.1).

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    200

    250

    Abbildung I.2.10: Entwicklung der temperaturbereinigten Endenergieproduktivitt im Sektor Industrie und der tem-peratur- und lagerbestandsbereinigten Endenergieproduktivitt im Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD)

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

    20132012201120102009200820072006200520042003200220012000199919981997199619951994199319921991

    Industrie Gewerbe, Handel, Dienstleistungen

    in Euro BWS/GJ (GHD)

    200

    400

    600

    800

    1.000

    1.200

    1.400

    in Euro BWS/GJ (Industrie)

  • 32

    I.3 Energetische Gebudesanierung und energieeffizientes Bauen

    Ein erheblicher Anteil des Endenergieverbrauchs in Deutschland entfllt auf den Gebudesektor.

    Der Wrmebedarf ist gegenber dem Zielbezugsjahr 2008 gestiegen. Ein erheb licher Anteil des Endenergieverbrauchs in Deutschland entfllt auf den Gebudesektor. Der Wr-mebedarf entspricht dem Endenergieverbrauch fr die Wrmebereitstellung in Gebuden. Dazu zhlen der gebuderelevante Endenergie verbrauch fr Raumwrme und -khlung, Warmwasserbereitung sowie Beleuchtung in Nichtwohngebuden. Aufgrund des strengen und lang anhaltenden Winters ist der Wrmebedarf im Jahr 2013 mit 3.484 PJ gegenber dem Zielbezugsjahr 2008 um 0,8 Prozent gestiegen.

    Der spezifische Endenergieverbrauch ist rcklufig. Fr private Haushalte hat sich der spezifische Endenergieverbrauch fr Raumwrme seit 2008 um 4,4 Prozent auf 147 kWh/m2 verringert. Temperaturbereinigt betrgt der spezi fische Endenergieverbrauch fr Raum-wrme im Jahr 2013 144 kWh/m2 und hat sich somit gegenber 2008 mit 161 kWh/m um 10,8 Prozent verringert.

    Der Primrenergiebedarf ist 2013 um 6,1 Prozent hher als im Vorjahr. Der Primrener-giebedarf betrug im Jahr 2013 4.219 PJ. Gegenber dem Zielbezugsjahr 2008 hat sich der Primrenergiebedarf trotz des o. g. Witterungseffekts um 3,6 Prozent verringert.

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 33

    Ein nahezu klimaneutraler Gebudebestand ist das Ziel. Ziel der Bundesregierung ist es, bis zum Jahr 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebudebestand zu haben. Dazu mssen der Energieverbrauch der Gebude gesenkt und gleichzeitig der Ausbau der erneuerbaren Energien voran-getrieben werden. Bis zum Jahr 2020 soll der Wrmebedarf um 20 Prozent und der Primrenergiebedarf in der Gr-enordnung von 80 Prozent bis zum Jahr 2050 gesenkt werden (jeweils gegenber dem Zielbezugsjahr 2008). Dafr ist eine deutliche Erhhung der Sanierungsintensitten (Sanierungsrate) erforderlich.

    I.3.1 Gebuderelevanter Endenergieverbrauch Wrmebedarf

    Die Endenergie fr den Gebudebetrieb ist eine zentrale Gre. Ein erheblicher Anteil des Endenergieverbrauchs in Deutschland entfllt auf den Gebudesektor. Endenergie fr den Gebudebetrieb umfasst den Einsatz der jeweiligen Energietrger. Durch Reduzierung der Wrmeverluste ber die Gebudehlle (Wnde, Fenster, Dach, Keller, Lftung etc.) sowie der Energieverluste bei der Haustechnik (Lei-tungs-, Speicher-, bergabe- und Erzeugungsverluste etc.) kann der Endenergieverbrauch erheblich reduziert werden.

    Der Wrmebedarf wird gem Energieeinsparrecht be stimmt. Als gebuderelevante Endenergieverbruche fr Wrme (Wrmebedarf) werden gem der Definition im Energieeinsparrecht und damit im Gebudeenergieausweis die Bedarfswerte fr Raumwrme (Heizung), Raumkhlung und Warmwasserbereitung ausgewiesen. Das sind die jenigen Energiemengen, die ein Wrmeerzeuger fr sogenan nte Nutzwrme im Gebudebetrieb bereitstellen muss. Zustz-lich werden in Nichtwohngebuden die Strom verbruche fr die (fest installierte) Beleuchtung bilanziert. Prozessener-gie, z. B. fr den Betrieb von Haushaltsgerten und Computer, zhlt nicht zum Endenergieverbrauch des Gebudesektors.

    Der Gebudesektor macht einen erheblichen Anteil am gesamten Endenergieverbrauch aus. Der gebudespezifi-sche Anteil des Endenergieverbrauchs lag im Jahr 2013 bei 37,6 Prozent. Auf den Endenergieverbrauch fr Raum-wrme und -khlung sowie Warmwasserbereitung und Beleuchtung entfallen im Jahr 2013 37,6 Prozent des End-energieverbrauchs (29,4 Prozent fr Raumwrme und -khlung, 5,5 Prozent fr die Warmwasserbereitung, 2,6 Prozent fr Beleuchtung) (siehe Abbildung I.3.1, Seite 34). Den grten Anteil am gebudebezogenen Endenergie-verbrauch haben die privaten Haushalte. Ihr Anteil liegt bei ber 63 Prozent, gefolgt vom Gewerbe- und Dienstleis-tungs-Sektor mit knapp 28 Prozent und dem Industrie-Sektor mit knapp 9 Prozent.

    Das Ziel zum Wrmebedarf bezieht sich auf das Jahr 2008. Beim Ziel des Energiekonzepts, den Wrmebedarf zu redu-zieren, werden neben der Minderung der Energieverluste ber die Gebudehlle auch solche Manahmen angerech-net, die zu Effizienzsteigerungen in der Anlagentechnik fhren. In Ergnzung zum Energiekonzept wird als Zielbe-zugsjahr fr den Wrmebedarf das Jahr 2008 festgelegt.

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201434

    Aufgrund der Witterung hat der Wrmebedarf 2013 zuge-nommen. Im Jahr 2013 betrug der Wrmebedarf 3.484 PJ (siehe Abbildung I.3.2). Im Vergleich zum Vorjahr hat der Wrmebedarf um 7,8 Prozent zugenommen (2012: 3.230 PJ). Grund hierfr war vor allem die Witterung. Gegenber dem Basisjahr 2008 hat sich der Wrmebedarf um 0,8 Pro-zent erhht (2008: 3.457 PJ).

    Die bewohnte Wohnflche ist in den letzten Jahren deut-lich angestiegen (siehe Tabelle I.3.1). Die Nachfrage nach Wohnflche hngt insbesondere von den Einkommen und den demografischen Strukturen der privaten Haushalte ab. Die Entwicklung beider Faktoren hat in den vergangenen Jahrzehnten zu einem stetigen Anstieg der Wohnflche ge -fhrt. Fr die Frage des gebuderelevanten Endenergiever-brauchs steht insbesondere die Wohnflche im Vordergrund. Sie wird im Rahmen der Umweltkonomischen Gesamtrech-nung des Statistischen Bundesamts jhrlich erfasst. Demnach ist die bewohnte Wohnflche von 2,93 Milliarden Quadrat-meter im Jahr 1996 durchschnittlich um jhrlich rund 27 Millionen Quadratmeter Wohnflche (rund 1 Prozent) auf knapp 3,4 Milliarden Quadratmeter im Jahr 2013 gestiegen.

    Der spezifische Endenergieverbrauch fr Raumwrme und Warmwasser ist rcklufig. Zur Beurteilung der Energieeffi-zienzsteigerung im Gebudebereich wird der gebuderele-vante Endenergieverbrauch fr Raumwrme und Warmwas-ser der privaten Haushalte zur bewohnten Wohnflche in Bezug gesetzt (siehe Tabelle I.3.1). Der spezifische Endener-gieverbrauch fr Raumwrme und Warmwasser der privaten Haushalte betrug im Jahr 2013 177 kWh/m und ist damit gegenber dem Vorjahr (2012: 167 kWh/m) um 6,2 Prozent gestiegen. Seit 2008 hat sich der Wert um 2,6 Prozent verrin-gert (2008: 182 kWh/m).

    Abbildung I.3.1: Anteil des gebuderelevanten Endenergieverbrauchs am gesamten Endenergieverbrauch im Jahr 2013in Prozent

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

    2,5 Raumwrme

    3,4 Industrie gebuderelevant

    10,5 GHD gebuderelevant

    0,4 Beleuchtung

    0,3 Warmwasser

    0,2 Raumkhlung

    7,2 Raumwrme

    0,9 Warmwasser

    0,1 Raumkhlung

    2,2 Beleuchtung

    23,8 Private Haushalte

    37,6 Gebuderelevant insgesamt

    19,4 Raumwrme

    4,4 Warmwasser

    62,4 Andere Verwendungszwecke in allen Sektoren

    0

    500

    1.000

    1.500

    2.000

    2.500

    3.000

    3.500

    4.000

    Abbildung I.3.2: Entwicklung des Wrmebedarfsin PJ

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

    WarmwasserRaumwrme Raumkhlung Beleuchtung

    Ziel

    Ziel: minus 20 %

    2020201320122011201020092008

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 35

    Der temperaturbereinigte spezifische Endenergiever-brauch fr Raumwrme ist deutlich zurckgegangen. Mit dem statistischen Verfahren der Temperaturbereinigung wird die Auswirkung der Temperaturschwankungen auf die Raumwrme herausgerechnet. Unter Bercksichtigung der Temperaturbereinigung ergibt sich im Jahr 2013 ein spezifi-scher (bezogen auf die bewohnte Wohnflche) Endenergie-verbrauch fr Raumwrme der privaten Haushalte von rund 144 kWh/m (unbereinigt: 147 kWh/m) (siehe Abbil-dung I.3.3, Seite 36). Somit ist der temperaturbereinigte spezifische Endenergieverbrauch der Beheizung rund 11 Prozent niedriger als 2008 (2008: 161 kWh/m).

    Der Ausbau erneuerbarer Energien im Gebudesektor ist in Kapitel I.1 beschrieben.

    I.3.2 Primrenergiebedarf

    Der Primrenergiebedarf wird gem Energieeinsparver-ordnung bestimmt. Der energetische Zustand von Gebu-den wird durch unterschiedliche Gren charakterisiert. Ein wichtiger Wert ist der Primrenergiebedarf fr Gebude,

    dessen Berechnung in der Energieeinsparverordnung (EnEV) festgelegt ist. Nach der Energieeinsparverordnung wird der Primrenergiebedarf fr Gebude durch Multiplikation des Endenergieverbrauchs mit dem jeweiligen Primrenergie-faktor fr die einzelnen Energietrger (l, Gas, Fernwrme, Holz usw.) berechnet. Der Endenergieverbrauch ist die Energiemenge, die vom Verbraucher genutzt wird, um bei-spielsweise die Verlustenergie durch die Gebudehlle und die Anlagentechnik auszugleichen, damit die Innentempe-ratur auf einem bestimmten Niveau aufrechterhalten wird. Der Primrenergiebedarf gibt zustzlich zum Endenergie-verbrauch noch die Energiemenge an, welche auerhalb des Gebudes in vorgelagerten Prozessketten verwendet wurde. So wird auch der Energieaufwand fr die Gewinnung, Umwandlung und Transport bzw. Verteilung der einzelnen Energietrger in der Energiebilanz des Gebudesektors bercksichtigt.

    Die erneuerbaren Energien liefern bilanziell keinen Bei-trag zum Primrenergiebedarf. Laut Energieeinsparver-ordnung sind die Primrenergiefaktoren fr den erneuer-baren Anteil des Endenergieverbrauchs null. Die derzeit gltigen Primrenergiefaktoren nach Energieeinsparver-

    Tabelle I.3.1: Wohnflchenentwicklung und spezifische Endenergieverbruche (Raumwrme und Warmwasser) der privaten Haushalte

    Bewohnte Wohnflche

    Endenergie fr Raumwrme und

    Warmwasser in privaten Haushalten

    (nicht temperaturbereinigt)

    Spezifischer Endenergie brauch der privaten

    Haushalte fr Raumwrme und Warmwasser

    (nicht temperaturbereinigt)

    Jahr Mio. m Zuwachs gegenber dem Vorjahr in Prozent TWh kWh/ma

    1996 2.933 747 255

    1997 2.971 1,28 685 231

    1998 3.008 1,27 708 235

    1999 3.050 1,38 666 218

    2000 3.091 1,36 629 203

    2001 3.127 1,15 692 221

    2002 3.154 0,87 670 212

    2003 3.182 0,90 687 216

    2004 3.212 0,94 676 210

    2005 3.250 1,17 653 201

    2006 3.278 0,87 635 194

    2007 3.303 0,76 537 162

    2008 3.319 0,49 603 182

    2009 3.329 0,30 583 175

    2010 3.340 0,32 640 192

    2011 3.359 0,56 539 161

    2012 3.381 0,67 564 167

    2013 3.404 0,67 603 177

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Statistisches Bundesamt

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201436

    ordnung fr den nicht-erneuerbaren bzw. konventionellen Anteil des Endenergieverbrauchs sind in Tabelle I.3.2. ange-geben. Da beispielsweise Holz einen Primrenergiefaktor von 0,2 hat, werden fr 100 kWh Endenergie aus Holz 20 kWh nicht-erneuerbare Primrenergie verbraucht (z. B. Benzin zum Transport des Holzes zu den Verbrauchern). Nur mit diesen 20 kWh ist ein CO2-Aussto verbunden. Da sich der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromer-zeugung stetig erhht, nehmen die Primrenergiefaktoren fr Strom mit den Jahren ab (siehe Tabelle I.3.2).

    Die Definition des Primrenergiebedarfs stellt einen technologieoffenen Ansatz dar. Die vorliegende Definition des Primrenergiebedarfs entspricht einem technologieoffe-nen Ansatz durch eine sinnvolle Kombination aus Effizienz-steigerung und dem Einsatz erneuerbarer Energien. Der Primrenergiebedarf kann somit sowohl durch eine reine Effizienzerhhung (z. B. durch eine bessere Dmmung der Gebudehlle, effizientere Anlagentechniken, die Nutzung von Abwrme oder KWK) als auch durch die Umstellung auf erneuerbare Energien gesenkt werden. Die Gebudeei-gentmer haben bei der Sanierung also die Wahl, wie die ordnungsrechtlichen Vorgaben umgesetzt werden, d. h. ent-weder durch eine Verbesserung der Gebudehlle (Wrme-dmmung) oder andere energieeffizienzerhhende Ma-nahmen (energieeffiziente Heiztechniken, Techniken zur besseren Belftung, optimierte Planung zur Vermeidung von Wrmebrcken usw.), durch den Einsatz von erneuer-baren Energien oder durch eine Kombination von beidem.

    Der Primrenergiebedarf ist 2013 um 6,1 Prozent hher als im Vorjahr. Der Primrenergiebedarf gem der vorlie-

    genden Definition betrug im Jahr 2013 4.219 PJ (siehe Abbildung I.3.4). Im Vorjahr 2012 lag der Primrenergiebe-darf bei 3.976 PJ. Gegenber dem Zielbezugsjahr 2008 hat sich der Primrenergiebedarf um 3,6 Prozent verringert. In Ergnzung zum Energiekonzept wird als Zielbezugsjahr fr den Primrenergiebedarf das Jahr 2008 festgelegt (2008: 4.377 PJ).

    0

    50

    100

    150

    200

    250

    Abbildung I.3.3: Entwicklung des spezischen Endenergieverbrauchs zur Erzeugung von Raumwrme in privaten Haushalten in kWh/m2

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Statistisches Bundesamt

    unbereinigt temperaturbereinigt

    2013

    2012

    2011

    2010

    2009

    2008

    2007

    2006

    2005

    2004

    2003

    2002

    2001

    2000

    1999

    1998

    1997

    1996

    224

    201

    203206

    195206

    190177

    186 188183

    174167

    139153 147

    165

    129

    147

    136

    202

    188

    205

    194

    195 192

    179

    176 175162 161 159

    152

    146 140

    144

    Tabelle I.3.2: Primrenergiefaktoren fr verschiedene Energietrger

    Energietrger

    Umweltenergie (Solarenergie, Erdwrme, Geo-thermie, Umgebungswrme, Umgebungsklte) 0

    Nah- und Fernwrme aus KWK (erneuerbare Brennstoffe) 0

    Nah- und Fernwrme aus KWK (fossile Brennstoffe) 0,7

    Nah- und Fernwrme aus Heizwerken (erneuerbare Brennstoffe) 0,1

    Nah- und Fernwrme aus Heizwerken (fossile Brennstoffe) 1,3

    Holz 0,2

    Flssige und gasfrmige Biomasse (wenn in unmittel barem rumlichen Zusammenhang mit dem Gebude erzeugt)

    0,5

    Heizl, flssige und gasfrmige Biomasse, Erdgas, Flssiggas, Steinkohle 1,1

    Braunkohle 1,2

    Strom 20082009: 2,720102013: 2,620142015: 2,4

    Ab 2016: 1,8

    Quelle: Energieeinsparverordnung

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 37

    I.3.3 Sanierung des Gebudebestands und Investitionen in den Gebudesektor

    Ein Indikator fr Sanierungsintensitten soll erarbeitet werden. Sanierungsmanahmen sind oftmals kleinteilig, von unterschiedlicher energetischer Qualitt und auf unter-schiedliche Vergleichsgren bezogen, z. B. entweder auf die Gebudehlle oder die Anlagentechnik. Eine Zusammen-fassung zu einem Mittelwert kann daher immer nur als ein sehr grober Anhaltswert dienen. Die Bundesregierung beabsichtigt, im Rahmen ihrer Anstrengungen zur Verbes-serung der Energieeffizienz einen geeigneten Indikator fr die unterschiedlichen Sanierungsintensitten zu erarbeiten.

    Die Kosten fr energetisch relevante Sanierungen lagen 2013 bei rund 55 Milliarden Euro. Im Wohnungsbau wur-

    den im Jahr 2013 insgesamt rund 175 Milliarden Euro aus-gegeben. Davon wurden rund 47 Milliarden Euro (27 Pro-zent) fr Neubauten und 128 Milliarden Euro (73 Prozent) fr den Gebudebestand verwendet (siehe Tabelle I.3.3). Die Kosten der energetisch relevanten Sanierungen im Woh-nungsbau lagen 2013 bei schtzungsweise 39,5 Milliarden Euro. Der Anteil der energetisch relevanten Sanierungskos-ten lag somit bei etwa 31 Prozent. Im Nichtwohnungsbau wurden im Jahr 2013 insgesamt 86 Milliarden Euro inves-tiert, davon 32 Milliarden Euro (37 Prozent) fr den Neubau und 54 Milliarden Euro (63 Prozent) fr die Sanierung des Gebudebestandes. Die Kosten der energetisch relevanten Sanierungen im Nichtwohnungsbau lagen 2013 bei scht-zungsweise 15 Milliarden Euro. Der Anteil der energetisch relevanten Sanierungskosten im Nichtwohnungsbau lag somit bei etwa 28 Prozent.

    0

    500

    1.000

    1.500

    2.000

    2.500

    3.000

    3.500

    4.000

    4.500

    5.000

    Abbildung I.3.4: Entwicklung des Primrenergiebedarfsin PJ

    Quelle: Eigene Berechnungen des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie auf Basis von Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

    Gewerbe, Handel, DienstleistungenIndustrie Haushalte nicht zuordenbar Ziel

    2050

    2048

    2046

    2044

    2042

    2040

    2038

    Ziel: minus 80 %

    2036

    2034

    2032

    2030

    2028

    2026

    2024

    2022

    2020

    2013

    2014

    2016

    2018

    2012

    2011

    2010

    2009

    2008

    Tabelle I.3.3: Bauvolumen nach Baubereichen

    in Mrd. Euro 2010 2011 2012 2013

    Wohnungsbau 151,8 164,8 171,3 174,9

    davon Neubauvolumen 32,9 41,0 44,3 47,1

    davon bestehende Gebude 118,9 123,8 127,0 127,8

    davon energetische Sanierungsanteile 38,6 38,8 38,0 39,5

    Nichtwohnungsbau 82,9 88,1 85,6 86,0

    davon Neubauvolumen 27,3 30,2 30,0 31,9

    davon bestehende Gebude 55,6 57,9 55,6 54,1

    davon energetische Sanierungsanteile 14,9 16,0 15,6 15,3

    Quelle: Deutsches Institut fr Wirtschaftsforschung

  • 38

    Der Endenergieverbrauch im Verkehr ist im Jahr 2013 mit 2.612 PJ rund ein Prozent hher als im Zielbe-zugsjahr 2005. Zugleich ist die Personen- bzw. Gter-verkehrsleistung seit dem Jahr 2005 um rund 5 bzw. 11 Prozent gestiegen. Die steigende Energieeffizienz im Verkehr zeigt sich in der Entkopplung von Ver-kehrsleistung und Endenergieverbrauch. Bezogen auf die Verkehrsleistung im Personen- und Gterverkehr ist der spezifische Energieverbrauch im Sektor Verkehr zwischen 2005 und 2013 um knapp 8 Prozent zurck-gegangen (seit dem Jahr 1990 um durchschnittlich 2,7 Prozent pro Jahr).

    Energieverbrauch und Verkehrsleistung sind zunehmend voneinander entkoppelt. Dies zeigt die Entwicklung des Energieverbrauchs im Verkehrssektor seit dem Jahr 1990. Der Verkehrssektor leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende. Trotz steigender Ver-kehrsleistungen im Personen- und Gterverkehr sollen der Endenergieverbrauch und die CO2-Emissionen im Ver-kehrssektor gesenkt werden.

    Der Verkehrsbereich soll unter dem Gesichtspunkt der Energieeffizienz und der Emissionsminderung insgesamt optimiert werden. Dieses Ziel kann durch ein aufeinander abgestimmtes Manahmenbndel insbesondere zur Steige-rung der Energieeffizienz, zur Diversifizierung der Antriebe und Kraftstoffe (insbesondere die weitere Elektrifizierung und die Nutzung von nachhaltigen alternativen Kraftstoffen), zur verkehrstrgerbergreifenden Vernetzung und damit auch Strkung des kombinierten Verkehrs, zur verkehrs-sparenden Stadtentwicklung sowie zur Verlagerung eines mglichst groen Anteils des Verkehrs auf den jeweils effi-zientesten Verkehrstrger erreicht werden. Eine Vorausset-zung dafr sind geeignete Rahmenbedingungen.

    Der Endenergieverbrauch im Verkehrssektor soll redu-ziert werden. Um zwar um rund 10 Prozent bis zum Jahr 2020 und um rund 40 Prozent bis zum Jahr 2050 jeweils gegenber 2005. So lautet das sektorspezifische Ziel fr die Energieeinsparung im Verkehr im Energiekonzept der Bundesregierung.

    I.4.1 Energieverbrauch im Verkehrssektor

    Der Endenergieverbrauch im Verkehrssektor umfasst den Verbrauch im Schienenverkehr, Straenverkehr, Luftver-kehr sowie in der Ksten- und Binnenschifffahrt. Dies ent-spricht der Untergliederung der Arbeitsgemeinschaft Energie-bilanzen (AGEB) in der nationalen Energiebilanz. Basis ist der Energieverbrauch fr die unmittelbare Erstellung der Trans-portleistungen aller Verkehrstrger in Deutschland, soweit sie statistisch erfasst sind. Nicht eingeschlossen sind der mit-telbare Energieverbrauch (z. B. Beleuchtung von Verkehrsein-richtungen) und der Kraftstoffverbrauch der Landwirtschaft. Als Datengrundlage werden die inlndischen Absatzzahlen genutzt. Beim Verkehr dient der Energieeinsatz nahezu voll-stndig dem Antrieb der Fahrzeuge (ca. 98 Prozent).

    I.4 Verkehr

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 39

    Der Endenergieverbrauch im Verkehr ist 2013 rund ein Prozent hher als 2005. Der Endenergieverbrauch im Ver-kehrssektor ist im Jahr 2013 mit 2.612 PJ um 2,1 Prozent gegenber dem Vorjahr gestiegen (2012: 2.559 PJ). Im Ziel-bezugsjahr 2005 betrug der Endenergieverbrauch im Ver-kehrssektor 2.586 PJ, d.h. im Zeitraum 2005 bis 2013 ist der Endenergieverbrauch im Verkehrssektor insgesamt um rund ein Prozent angestiegen. Bezogen auf die einzelnen Verkehrstrger kam es bei der Strae seit dem Jahr 2005 zu einem Anstieg des Endenergieverbrauchs von 1,0 Prozent bis 2013. Bei der Schiene ist der Endenergieverbrauch um 26,5 Prozent gesunken, bei der Ksten- und Binnenschiff-fahrt erfolgte ein Rckgang um 10,4 Prozent. Im Luftver-kehr ist der Endenergieverbrauch im Zeitraum 2005 bis 2013 um fast 9 Prozent gestiegen. Dabei ist zu beachten, dass die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen den End-energieverbrauch fr den Luftverkehr aus der Flugtreib-stoffmenge, die in Deutschland getankt wurde, ermittelt.

    Somit sind auch Anteile von Flugtreibstoff enthalten, die im internationalen Luftverkehr verbraucht werden. Der rein nationale Endenergieverbrauch im Luftverkehr ist zwischen 2005 und 2013 um rund 19 Prozent gesunken.

    Die Energieeffizienz im Verkehr ist insgesamt gestiegen. Dies zeigt sich daran, das der Endenergieverbrauch im Ver-kehr nicht in dem Mae gestiegen ist wie die Verkehrsleis-tung. Der Endenergieverbrauch im Verkehrssektor ist ins-gesamt seit dem Hchstwert im Jahr 1999 bis 2013 um rund 6 Prozent zurckgegangen (siehe Abbildung I.4.1). Diese Entwicklung vollzog sich trotz steigender Personen- und Gterverkehrsleistung im gleichen Zeitraum (siehe Kapitel I.4.2). Grund fr den abnehmenden Verbrauch bei zunehmender Verkehrsleistung ist die steigende Energieef-fizienz im Verkehrssektor. Bezogen auf die Verkehrsleistung im Personen- und Gterverkehr ist der spezifische Energie-verbrauch zwischen 2005 und 2013 um knapp 8 Prozent, im Zeitraum 1990 bis 2013 sogar um 46 Prozent zurckge-gangen (durchschnittlich 2,7 Prozent pro Jahr). Das ent-spricht einem Rckgang von 66,1 MJ/100 Pkm in 1990 auf 35,6 MJ/100 Pkm in 2013.

    Der Ausbau erneuerbarer Energien im Verkehrssektor ist in Kapitel I.1 beschrieben.

    Abbildung I.4.1: Entwicklung des Endenergieverbrauchs im Verkehrssektorin PJ

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

    * Zahlen fr 2013 vorlugLuftverkehrStraenverkehr Ksten- und Binnenschifffahrt ZielSchienenverkehr

    Ziel: minus 10%

    2020

    2013

    *20

    1220

    1120

    1020

    0920

    0820

    0720

    0620

    0520

    0420

    0320

    0220

    0120

    0019

    9919

    9819

    9719

    9619

    9519

    9419

    9319

    9219

    9119

    90

    3.000

    2.500

    2.000

    1.500

    1.000

    500

    0

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201440

    I.4.2 Verkehrsleistung im Personen- und Gterverkehr

    Die Verkehrsleistungen im Personen- und Gterverkehr sind deutlich gestiegen. Die Verkehrsleistungen sind sowohl im Personen- als auch im Gterverkehr seit 1990 um rund 56 bzw. 115 Prozent und seit 2005 um rund 5 bzw. 11 Pro-zent gestiegen. Das Wachstum im Personenverkehr verluft kontinuierlich (siehe Abbildung I.4.2). Seit der Jahrtausend-wende ist das Wachstum allerdings schwcher als in den 1990er Jahren. Der Gterverkehr zeigt ein dynamisches Wachstum. Grere Schwankungen in der Entwicklung der Verkehrsleistung im Gterverkehr sind der Abhngigkeit von der wirtschaftlichen Entwicklung geschuldet. So ist ein deutlicher Einbruch in der Gterverkehrsleistung im Jahr 2009 einem Jahr mit schwacher Konjunktur zu erken-nen. Seitdem folgt die Entwicklung erneut einem steigen-den Trend. Die Entwicklung der Verkehrsleistungen im Per-sonen- und Gterverkehr wird durch verkehrsstatistische Daten abgebildet, die im Auftrag des Bundesministeriums fr Verkehr und digitale Infrastruktur erhoben werden. Diese werden vom Deutschen Institut fr Wirtschaftsfor-schung Berlin erarbeitet und im Taschenbuch Verkehr in Zahlen verffentlicht (DIW 2014a). Die Verkehrsleistung im Personenverkehr lsst sich auf Basis mehrerer Daten-quellen bestimmen. In Abbildung I.4.2 ist die Entwicklung dargestellt. Sie enthlt nur den motorisierten Verkehr. Dazu gehren der ffentliche Straenpersonenverkehr (Omnibus, Straenbahn, U-Bahn), der Eisenbahnverkehr (einschlie-lich S-Bahn), der Luftverkehr und der motorisierte Individual-verkehr (Pkw/Kombis, motorisierte Zweirder). Fr den ffentlichen Straenpersonenverkehr weist die amtliche Statistik jhrlich die Zahl der befrderten Personen (Ver-

    kehrsaufkommen) und die Personenkilometer (Verkehrsleis-tung) aus. ber den motorisierten Individualverkehr gibt die amtliche Statistik keine Auskunft. Verkehrsaufkommen und -leistung im motorisierten Individualverkehr werden daher vom Deutschen Institut fr Wirtschafts forschung Berlin jhrlich mit Hilfe eines Personenverkehrsmodells bestimmt. Die Angaben zur Verkehrsleistung im binnen-lndischen Gterverkehr bilden die im Bundesgebiet zurckgelegten Entfernungen ab (siehe Abbildung I.4.3). Erfasst werden alle Transporte, die auf Verkehrswegen im Bundesgebiet durchgefhrt werden.

    I.4.3 Bestand an mehrspurigen Fahrzeugen mit elektrifiziertem Antrieb

    Der Bestand an Fahrzeugen mit Elektroantrieb nimmt zu. Zu den Elektrofahrzeugen zhlen rein batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) und Fahrzeuge mit Reichweitenverlngerer (Range-Extender-RE) bzw. Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge (PHEV), die extern ber das Stromnetz aufgeladen werden knnen. Nicht extern aufladbare Hybridfahrzeuge, bei denen der Strom nur intern durch den Kraftstoffmotor erzeugt wird, sind nach dieser Definition keine Elektrofahrzeuge. Insge-samt waren Ende des Jahres 2013 17.094 Fahrzeuge mit Elektroantrieb zugelassen, davon waren rund 1.370 extern aufladbare Hybride bzw. Range-Extender-Fahrzeuge. Abbildung I.4.4 stellt den Bestand der mehrspurigen Fahr-zeuge mit rein elektrischem Antrieb (direkter CO2-Aussto von 0,0 g/km) im Zeitraum 1990 bis 2013 dar. Seit 2012 werden auch extern aufladbare Hybridfahrzeuge als eigene Kategorie statistisch erfasst. Sie sind daher in den Zahlen fr die Jahre 2012 und 2013 ebenfalls enthalten.

    2013*2012*2011201020092008200720062005200420032002200120001999199819971996199519941993199219911990

    Abbildung I.4.2: Entwicklungen der Verkehrsleistungen im Personenverkehrin Mrd. Personenkilometer

    Quelle: DIW 2014a

    Motorisierter Individualverkehr Eisenbahnen ffentlicher Straenpersonenverkehr Luftverkehr *Zahlen fr 2012 und 2013 vorlug

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    200

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    1.000

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  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 41

    Zu den mehrspurigen Fahrzeugen mit Elektroantrieb zh-len Pkw, Busse, Lkw, Zugmaschinen und sonstige Kfz (Feu-erwehr etc.). Elektro-Pkw wiesen hinsichtlich der Neuzulas-sungen in den letzten zwei Jahren eine sehr positive Entwicklung auf. Im Jahr 2013 wurden insgesamt 6.024 Pkw mit Elektroantrieb neu zugelassen. Insgesamt waren Ende des Jahres 2013 13.527 Pkw mit Elektroantrieb zuge-lassen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2014 wur-den rund 9.100 Elektro-Pkw zugelassen. Das sind ca. 50

    Prozent mehr als im gesamten Vorjahr. Rund ein Viertel davon sind aufladbare Hybride. Bei einem Bestand von rund 22.600 rein elektrischen bzw. aufladbaren Pkw zum Stand Ende September 2014 hat sich damit der Gesamtbestand allein in diesem Zeitraum um rund 67 Prozent erhht (ohne Bercksichtigung der Abmeldungen). Plug-In-Hybride ver-zeichneten erstmals neben den rein batterieelektrischen Fahrzeugen einen deutlichen Zuwachs. In der nun begin-nenden Markthochlaufphase gilt es, die Dynamik bei der

    2013*2012*2011201020092008200720062005200420032002200120001999199819971996199519941993199219911990

    Abbildung I.4.3: Entwicklung der Verkehrsleistung im binnenlndischen Gterverkehrin Mrd. Tonnenkilometer

    Quelle: DIW 2014a

    Eisenbahnen Straenverkehr RohrfernleitungenBinnenschifffahrt Luftverkehr

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    * Zahlen fr 2012 und 2013 vorlug

    201320122011201020092008**200720062005200420032002200120001999*199819971996199519941993199219911990

    Abbildung I.4.4: Bestand an mehrspurigen Elektrofahrzeugen mit der Antriebsart Elektro (Strom)Anzahl

    *Stichtag bis 1999: 1. Juli, ab 2000: 31. Dezember **Ab 1. Januar 2008 sind in den Bestandsstatistiken nur noch angemeldete Fahrzeuge ohne vorbergehende Stilllegungen/Auerbetriebsetzungen ausgewiesen.

    Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt

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    6.000

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    16.000

    18.000

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201442

    Fahrzeugzulassung zu erhalten, damit Deutschland sich im weltweiten Wettbewerb um diese umweltfreundlichen Fahrzeuge mit elektrifizierten Antrieben eine gute Position als Leitmarkt und Leitanbieter erarbeiten kann.

    2013 waren 161 Fahrzeuge mit Brennstoffzellen in Deutsch -land zugelassen. Dabei handelt es sich im Wesent lichen um Forschungsfahrzeuge. Zahlen zum Bestand an Kraftfahr-zeugen mit Wasserstoff- und Brennstoffzellantrieb fr mehr-spurige Fahrzeuge wurden beim Kraftfahrt-Bundesamt erst-mals zum 1. Januar 2009 ausgewiesen.

    I.4.4 Durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch neu zugelassener Pkw/Kombis

    Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch ist rcklufig. Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch von neu zuge-lassenen Pkw und Kombis ist in letzten Jahren zurckge-gangen. Von insgesamt 8,0 l/100 km im Jahr 1998 erfolgte

    ein Rckgang auf 5,5 l/100km im Jahr 2013. Im Einzelnen ist der Verbrauch bei Otto-Motoren von 8,2 l/100 km auf 5,8 l/100 km und bei Diesel-Motoren von 6,8 l/100 km auf 5,2 l/100 km zurckgegangen (siehe Abbildung I.4.5). Dies entspricht insgesamt einem Rckgang um rund 31 Prozent im Zeitraum 1998 bis 2013. Zum durchschnittlichen Kraft-stoffverbrauch von neu zugelassenen Pkw und Kombis lie-gen beim Kraftfahrt-Bundesamt Daten erst seit dem Jahr 1998 vor.

    Abbildung I.4.5: Durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch neu zugelassener Pkw und Kombisin l/100 km

    Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt

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    2013201220112010200920082007200620052004200320022001200019991998

    Diesel insgesamt Benzin

  • 43

    I.5 Treibhausgasemissionen

    Deutschland verfolgt ambitionierte Klimaschutzziele. Deutschland strebt eine nationale Reduktion der klimaschdlichen Treibhausgase gegenber dem Basisjahr 1990 von mindestens 40 Prozent bis 2020 sowie von 80 bis 95 Prozent bis 2050 an. Damit gehen die nationalen Ziele Deutschlands ber die internationalen und europischen Anforderungen im Jahr 2020 hinaus. Ein ambitionierter Klimaschutz ist einer der entscheidenden Trei-ber fr den durch das Energiekonzept eingeleiteten Umbau der deutschen Energieversorgung sowie fr die damit ausgelsten Innovationen und den technologischen Fortschritt.

    Erste Erfolge sind zu verzeichnen. Im Rahmen seiner internationalen Ver-pflichtung durch das Kyoto-Protokoll hat Deutschland seine Treib haus-gas emissionen strker gemindert, als es nach dem Kyoto-Ziel der ersten Verpflichtungsperiode (21 Prozent) erforderlich war. Im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2012 hat Deutschland eine Minderung von insgesamt etwa 24 Prozent gegenber dem Basisjahr 1990 erreicht.

    Es werden jedoch wieder leicht mehr Emissionen ausgestoen. Die Emis-sionsberechnungen fr das Jahr 2013 gehen von einem leichten Anstieg der Emissionen gegenber dem Vorjahr aus. Dies ist insbesondere bedingt durch eine vermehrte Verstromung von Steinkohle, einen gestiegenen Nettostromexport sowie Witterungseffekte.

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201444

    I.5.1 Entwicklung der Treibhausgasemissionen

    I.5.1.1 Entwicklung der Treibhausgasemissionen insgesamt und nach Gasen

    Deutschland emittiert gegenber 1990 insgesamt deutlich weniger Treibhausgase. Nach ersten Schtzungen sanken die in CO2-quivalente umgerechneten Gesamtemissionen (Kohlendioxid, Methan, Lachgas sowie die drei F-Gasgrup-pen, wasserstoffhaltige Fluorkohlenwasserstoffe (HFKW), perfluorierte Kohlenwasserstoffe und Schwefelhexafluorid, ohne CO2-Emissionen aus Landnutzung, Landnutzungs-nderung und Forstwirtschaft) bis 2013 um rund 298 Milli-onen Tonnen (Mio. t CO2-quivalente) beziehungsweise um 23,8 Prozent. Im selben Zeitraum sanken die energiebe-dingten Treibhausgas-Emissionen in allen Quellgruppen um insgesamt ber 220 Mio. t CO2-quivalente (siehe Abbildung I.5.1).

    Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sind 2013 leicht gestiegen. Gegenber dem Vorjahr 2012 betrug der Anstieg 1,2 Prozent (11,2 Mio. t CO2-quivalente). Das zei-gen vorlufige Berechnungen des Umweltbundesamtes.

    Dazu haben mehrere Faktoren beigetragen:

    zz So kam witterungsbedingt durch den relativ langen und kalten Winter beim Heizen von Husern und Wohnun-gen mehr Gas und Heizl zum Einsatz. zz Fr steigende CO2-Emissionen sorgten zudem die ver-

    mehrte Steinkohleverstromung, die u. a. bedingt wurde

    durch gesunkene Brennstoffkosten (84,03 /t im 1. Quar-tal 2013 auf 76,66 /t im 4. Quartal 2013) und niedrige CO2-Zertifikatspreise im europischen Emissionshandel. zz Daneben fhrte ein sinkender Bruttostromverbrauch im

    Inland bei gleichzeitig steigender Bruttostromerzeugung zu einem hohen Exportsaldo von circa 34 Milliarden Kilowattstunden.. Dieser wirkt sich auf die bilanzierten Emissionen aus, da die UNFCCC-Berichtsrichtlinien (VN-Klimarahmenkonvention) vorsehen, dass die Emis-sionen jeweils bei den Emissionsverursachern und nicht bei den Verbrauchern verbucht werden.

    Demgegenber konnten die erneuerbaren Energien den Emissionsanstieg dmpfen (siehe Kapitel I.5.2).

    Die spezifischen Treibhausgasemissionen pro Einwohner sind gesunken. Zwischen 1990 und 2013 ist ein Rckgang um 27 Prozent von 15,6 t auf 11,6 t CO2-quivalente zu verzeichnen (siehe Kapitel I.5.1.4).

    Hauptursachen fr diese Entwicklung seit 1990 waren:

    zz Umstellungen der Nutzung fester Brennstoffe auf emis-sionsrmere flssige und gasfrmige Brennstoffe im Zeitraum seit 1990,zz steigende Bedeutung der Nutzung der erneuerbaren

    Energien und damit verbundene Substitution fossiler Brennstoffe,zz Verbesserungen der Anlageneffizienz,zz Vernderungen der Tierhaltungsbedingungen und rck-

    lufiger Tierbestand vor allem unmittelbar nach 1990 in Ostdeutschland,

    Abbildung I.5.1: Treibhausgasemissionen in Deutschlandin Mio. t CO2-quivalente (gerundet)

    Quelle: Umweltbundesamt

    Sonstige (H-FKW, FKW, SF6)CO2 N2O ZielCH4

    Ziel: 40% Reduzierung

    bis 2020

    Zielvorgaben des Kyoto-Protokollsfr 2008 bis 2012: 974

    2020

    2013

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  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 45

    zz das verstrkte Recycling wiederverwertbarer Stoffe, das 2005 in Kraft getretene Verbot der Deponierung unbe-handelter organischer Abflle sowie die zunehmende Methanerfassung auf Abfalldeponien,zz industrieller Strukturwandel in Ostdeutschland in den

    1990er Jahren.

    Die Emissionsentwicklung der einzelnen Gase

    Kohlendioxid macht den Groteil des gesamten Treibhaus-gasausstoes aus. Nach vorlufigen Schtzungen wurden im Jahr 2013 ca. 87,8 Prozent des gesamten Treibhausgas-ausstoes von 950,8 Mio. t CO2-quivalenten durch Koh-lendioxid verursacht, fnf Prozent durch Methan, 5,9 Pro-zent durch Lachgas und etwa 1,4 Prozent durch die F-Gase.

    I.5.1.2 Entwicklung der Treibhausgasemissionen nach Quellgruppen

    Energiebedingte Treibhausgasemissionen waren 2013 die bedeutendste Quelle. Treibhausgasemissionen lassen sich unterschiedlichen Quellgruppen zuordnen (siehe Abbil-dung I.5.2). Der Anteil energiebedingter Emissionen in Deutschland lag 2013 ber 83 Prozent. Sie entstehen vor-nehmlich durch die Verbrennung fossiler Energietrger in Kraftwerken, Heizwerken und Kesseln zur Erzeugung von Prozesswrme und -klte, Heizungsanlagen, Fahrzeugen sowie geringfgig auch durch diffuse Emissionen, wie zum Beispiel bei der Frderung und Verteilung von Brennstof-fen.

    Die energiebedingten Emissionen sind zurckgegangen. Zwischen 1990 und 2013 nahmen die energiebedingten Emissionen aller Treibhausgase in Deutschland insgesamt um fast 22 Prozent ab. Bei den verbrennungsbedingten Emissionen wurde dies unter anderem durch eine Brenn-stoffumstellung und durch die Erhhung der Energieeffizi-enz und der technischen Wirkungsgrade erreicht. Bei den Methan-relevanten Verteilungsemissionen trug unter anderem die verstrkte Grubengasnutzung zum Rckgang der Emissionen bei.

    Gesamtemissionen bei den Industrieprozessen sind deut-lich zurckgegangen. Landwirtschaft sowie Industriepro-zesse sind bedeutende Quellkategorien. Sie haben einen Anteil von 7,4 und 7,3 Prozent an den Gesamtemissionen. Die Gesamtemissionen bei den Industrieprozessen sanken gegenber 1990 um 27,5 Prozent, die Emissionen der Land-wirtschaft sanken gegenber 1990 um knapp 21 Prozent.

    Die Rolle der Abfallwirtschaft als Emissionsquelle nimmt weiter ab. Der Anteil der Abfallwirtschaft an den Gesamte-missionen lag 2013 bei nur noch 1,4 Prozent. Dies ist vor allem auf das gesetzliche Verbot der Deponierung von Abfllen zurckzufhren, aber auch auf eine effizientere Methangaserfassung. Auch 2013 trat in der Abfallwirtschaft mit 69,4 Prozent die grte relative Minderung der Treib-hausgasemissionen auf.

    Die Emissionen aus den brigen Quellen sind vergleichs-weise gering. Dazu gehren die Emissionen aus der Lse-mittel- und Produktverwendung (knapp 0,2 Prozent der

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    Abbildung I.5.2: Treibhausgasemissionen nach Quellgruppen in Mio. t CO2-quivalente (gerundet)

    IndustrieprozesseEnergie Lsemittel und andere Produktverwendung Landwirtschaft Abfall

    Quelle: Umweltbundesamt

    * Vorluge Zahlen

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201446

    Gesamtemissionen) im Bereich der flchtigen organischen Verbindungen ohne Methan (NMVOC) sowie die Lachgas-emissionen (N20) aus Landnutzung, Landnutzungsnde-rungen und Forstwirtschaft (< 0,1 Prozent der Gesamtemis-sionen).

    I.5.1.3 Entwicklung der energiebedingten Kohlendioxid-Emissionen nach Sektoren

    Energiebedingte Kohlendioxid-Emissionen entstehen vor allem bei der Erzeugung von Strom und Wrme. Die ener-giebedingten Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland betrugen 2013 780,7 Mio. t. Sie stellten damit erneut den Groteil der insgesamt etwa 834,4 Mio. t Kohlendioxid-Emissionen dar. Der berwiegende Teil der energiebeding-ten Kohlendioxid-Emissionen stammte aus dem Einsatz fossiler Brennstoffe zur Erzeugung von Strom und Wrme. Abbildung I.5.3 gibt die Entwicklung der energiebedingten Kohlendioxid-Emissionen nach den Bereichen Stromerzeu-gung, Wrmeerzeugung und Verkehr sowie Sonstiges (grtenteils Prozessemissionen aus der Industrie sowie Emissionen aus diffusen Quellen) wieder.

    Die direkten CO2-Emissionen der Stromerzeugung sind leicht gestiegen. Seit dem Jahr 2012 sind diese Emissionen um insgesamt 12 Mio. t CO2 auf voraussichtlich 317 Mio. t CO2 im Jahr 2013 angestiegen. Dieser Anstieg ist u. a. auf den vermehrten Einsatz von fossilen Energietrgern, insbe-sondere von Steinkohle zur Stromerzeugung in Deutsch-land zurckzufhren (siehe Abbildung I.5.4 und Kapitel II.6).

    Der Emissionsfaktor fr den deutschen Strommix ist im Vergleich zu 1990 rcklufig. Nach Schtzungen des Umweltbundesamtes betrug dieser Emissionsfaktor im Jahr 2013 559 g/kWh. Im Vergleich zum Jahr 1990 ist damit eine Reduzierung der durchschnittlichen Kohlendioxid-Emissi-onen um ca. 25 Prozent pro Kilowattstunde Strom erreicht worden. In den letzten Jahren ist dieser Emissionsfaktor leicht angestiegen. Berechnet wird der Emissionsfaktor aus den direkten CO2-Emissionen, die bei der gesamten Strom-erzeugung entstehen, und dem fr den Endverbrauch netto zur Verfgung stehenden Strom aus der Stromerzeugung in Deutschland.

    I.5.1.4 Entwicklung der spezifischen Treibhaus gas emi s sio-nen je Einwohner und Bruttoinlandsprodukt

    Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sind deut-lich gesunken trotz eines leichten Bevlkerungszuwach-ses und kontinuierlichem Wirtschaftswachstum. Bei den Emissionen pro Einwohner ist zwischen 1990 und 2013 ein Rckgang von 15,6 auf 11,6 t CO2-quivalente pro Einwoh-ner festzustellen (siehe Abbildung I.5.5). Whrend 1990 pro Milliarde Euro BIP rund 0,7 Mio. t CO2-quivalente an Treibhausgasen freigesetzt wurden, waren es im Jahr 2013 nur noch 0,38 Mio. t CO2-quivalente. Kapitel II.6 nennt die wichtigsten Grnde fr die Emissionsminderungen der letzten Jahrzehnte.

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    Abbildung I.5.3: Energiebedingte Kohlendioxid-Emissionen nach Sektorenin Mio. t CO2

    WrmeerzeugungStrom Verkehr Sonstige

    Quelle: Umweltbundesamt

    * Vorluge Zahlen

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 47

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    Abbildung I.5.4: Direkte Kohlendioxid-Emissionen der Stromerzeugung nach Energietrgernin Mio. t CO2

    SteinkohleBraunkohle Erdgas Mineralle Mll (fossil) Sonstiges

    Quelle: Umweltbundesamt

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    Abbildung I.5.5: Treibhausgasemissionen je Einwohner und BIPMio. t CO2-quivalente/Mrd. Euro

    THG-Emissionen pro EinwohnerTHG-Emissionen pro BIP

    Quelle: Umweltbundesamt, Statistisches Bundesamt

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    t CO2-quivalente/Einwohner

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201448

    I.5.2 Entwicklung der durch erneuerbare Energien vermiedenen Emissionen

    Erneuerbare Energien mindern zunehmend die energie-bedingten Treibhausgasemissionen. Diese Entwicklung untersttzt das Erreichen der Klimaschutzziele. Der Anteil der erneuerbaren Energien im Strom-, Wrme- und Ver-kehrssektor ist 2013 gestiegen (siehe Kapitel I.1). Abbildung I.5.6 zeigt die Entwicklung der vermiedenen Emissionen. Bei der Ermittlung der Treibhausgasvermeidung wurden alle vorgelagerten Prozessketten zur Gewinnung und Bereitstellung der Energietrger sowie zur Herstellung der Anlagen bercksichtigt. Den Emissionen der durch erneu-erbare Energien ersetzten konventionellen Energietrger wurden diejenigen Emissionen gegenbergestellt, die aus den Vorketten und dem Betrieb der regenerativen Energie-erzeugungsanlagen stammen.

    Erneuerbare Energien vermeiden insbesondere Treib-hausgasemissionen in der Stromerzeugung. Im Jahr 2013 wurden durch erneuerbare Energien insgesamt 145,8 Mio. t CO2-quivalente vermieden (siehe Abbildung I.5.6). Davon

    entfielen 105,4 Mio. t CO2-quivalente auf den Stromsek-tor, 35,6 Mio. t auf den Wrmesektor und 4,8 Mio. t auf den Verkehrssektor. In der Stromerzeugung kommen weniger fossile Kraftwerke zur Deckung der Stromnachfrage zum Einsatz als in einem Szenario ohne erneuerbare Stromer-zeugung in Deutschland. Die Emissionsreduktion spiegelt sich nicht vollstndig in der Treibhausgas-Bilanz des Kraft-werkssektors wider, da sich weitere wesentliche Einfluss-faktoren gegenlufig entwickelt haben insbesondere die Entwicklung des inlndischen Stromverbrauchs, zuneh-mende Auenhandelsberschsse und ein brennstoff- und CO2-preisgetriebener Anstieg der Kohleverstromung zulas-ten von Erdgas in den letzten Jahren.

    Diese Emissionsvermeidung ber alle Sektoren wird wesentlich durch Biomasse erreicht. Ca. 64,1 Mio. t CO2-quivalente wurden durch den Einsatz von fester, flssiger oder gasfrmiger Biomasse in allen drei Sektoren vermie-den, weitere 40 Mio. t CO2-quivalente durch den Einsatz von Windenergie, weitere 21,9 Mio. t CO2-quivalente durch Photovoltaik und 17 Mio. t CO2-quivalente durch Wasserkraft.

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    Abbildung I.5.6: Durch erneuerbare Energien vermiedene Treibhausgasemissionenin Mio. t CO2-quivalente (gerundet)

    Erneuerbare Wrmebereitstellung

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie auf Basis von Daten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik

    Erneuerbare Strombereitstellung Erneuerbare Kraftstoffbereitstellung

  • 49

    I.6 Strommarkt und Versorgungssicherheit

    Die installierte Kraftwerksleistung nimmt weiter zu. Die installierte Leistung von Stromerzeugungsanlagen auf Basis von erneuerbaren Energien ist gegenber dem Vorjahr um 6,7 GW auf 83,3 GW angestiegen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist somit auch im Jahr 2013 weiter vorangeschritten. Die konventionelle Kraftwerksleistung ist um 1,6 GW auf rund 104,7 GW angestiegen. Die Kraftwerke, die mit dem deutschen Stromnetz verbunden sind, haben insgesamt eine ins-tallierte Leistung von 188,1 GW (Netto-Nennleistung). Der Anteil der KWK-Nettostromerzeugung an der gesamten Nettostromerzeugung betrgt im Jahr 2013 18,1 Prozent.

    Die Stromerzeugungskapazitt ist heterogen ber Deutschland verteilt. Die hchsten Anteile an den ins-tallierten Kraftwerkskapazitten basierend auf erneu-erbaren Energien haben Bayern und Niedersachsen. Schwerpunkt der konventionellen Stromerzeugung ist Nordrhein-Westfalen. Die Anteile der vier grten Stromerzeuger RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall an der installierten Kraftwerksleistung und an der Strom-erzeugung sind auch im Jahr 2013 weiter rcklufig.

    Die derzeit vorhandenen Kraftwerkskapazitten sind ausreichend. In Deutschland stehen derzeit ausrei-chend Kraftwerke zur Verfgung, so dass ein hohes Ma an Versorgungssicherheit gewhrleistet ist.

    Die Stromversorgung in Deutschland beruht auf einem breiten Mix von Energietrgern. Die konventionelle Strom erzeugung (insbesondere aus Braun- und Steinkohle sowie Kernenergie) sichert derzeit den Groteil der Strom-versorgung in Deutschland. Bis zum Jahr 2022 werden die verbleibenden neun Kernkraftwerke (12,1 GW) stufenweise vom Netz gehen. Diese Kapazittslcke muss teilweise durch die bereits im Bau befindlichen fossilen Kraftwerke und durch den weiteren Zubau von Erneuerbare-Energien-Kapazitten, durch Lastmanagement und mehr Energie-effizienz sowie den Stromhandel mit den Nachbarlndern kompensiert werden.

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201450

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    20132012201120102009200820072006200520042003

    Abbildung I.6.2: Installierte Leistung von Stromerzeugungsanlagen auf Basis von erneuerbaren Energietrgern, die nach dem EEG vergtungsfhig sind in GW

    Quelle: BNetzA, BKartA 2014

    WasserDeponie-, Klr- und Grubengas Biomasse/Biogas Wind Solar

    17,3

    23,920,5

    27,931,5

    34,5

    41,8

    51,5

    61,9

    71,7

    78,4

    I.6.1 Kraftwerksbestand

    Die installierte Erzeugungsleistung insgesamt nimmt weiter zu. Die installierte Erzeugungsleistung der Kraft-werke, die mit dem deutschen Stromnetz verbunden sind, betrgt im Jahr 2013 insgesamt 188,1 GW (BNetzA 2014a). Sie ist von 2008 bis 2013 um rund 44 GW angestiegen. Der Anstieg der Gesamtleistung ber diesen Zeitraum lsst sich fast ausschlielich auf den Ausbau der erneuerbaren Ener-gien von 39,6 GW im Jahr 2008 auf 83,3 GW im Jahr 2013 zurckfhren. Abbildung I.6.1 stellt diese Entwicklungen dar und veranschaulicht den Zubau der erneuerbaren Energien und damit deren zunehmende Bedeutung im heutigen Elektrizittsversorgungssystem.

    I.6.1.1 Erneuerbare Energien

    Die installierte Erzeugungsleistung erneuerbarer Energien nimmt weiter zu. Die Entwicklung der installierten Leis-tung von Stromerzeugungsanlagen auf Basis von erneuer-baren Energietrgern ist in Abbildung I.6.2 dargestellt. Die installierte Leistung der nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergtungsfhigen Anlagen ist im Jahr 2013 auf 78,4 GW (2012: 71,7 GW) angestiegen und stellte damit einen Anteil an der gesamten installierten Kraftwerksleis-tung von etwa 42 Prozent dar. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung stieg auf 24,1 Prozent (siehe Kapitel I.2.1.4). Weitere 4,9 GW (BNetzA 2014a) instal-lierte Leistung aus erneuerbaren Energien stehen in Anla-gen zur Verfgung, die nicht nach dem EEG vergtungsf-hig sind (z. B. Lauf- und Speicherwasser). Insgesamt betrgt

    die installierte Leistung von Stromerzeugungsanlagen auf Basis von erneuerbaren Energien 83,3 GW. Der Zubau der EEG-Anlagen entspricht seit 2003 einem durchschnittlichen jhrlichen Zuwachs von rund 16 Prozent.

    Sonne und Wind sind die Energietrger mit der hchsten installierten Leistung. Die beiden erneuerbaren Energie-trger Sonne und Wind liegen bei der installierten Leistung deutlich vor den fossilen Energietrgern Erdgas mit 28,2 GW

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    201320122011201020092008

    Abbildung I.6.1: Installierte Leistung der an das deutsche Stromnetz angeschlossenen Stromerzeugungsanlagenin GW

    Quelle: BNetzA 2014a

    Fossile Energietrger(inkl. Pumpspeicher)

    Kernenergie Erneuerbare Energietrger

    20,5

    84,1

    39,6

    20,5

    85,7

    46,5

    20,5

    86,7

    53,9

    12,1

    90,0

    66,7

    12,1

    91,0

    76,6

    12,1

    92,7

    83,3

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 51

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    201320122011201020092008

    Abbildung I.6.3: Installierte Leistung der konventionellen Kraftwerke nach Energietrgern in GW

    Quelle: BNetzA 2014a

    BraunkohleKernenergie Steinkohle

    Pumpspeicher

    Erdgas

    MinerallprodukteSonstige

    4,16,49,2

    4,16,49,2

    4,08,2

    9,2 9,2 9,2 9,23,94,14,14,2

    4,0 4,0

    19,7 21,3 20,627,1 27,2 28,2

    23,9 23,8 23,3

    25,7 25,1 25,9

    20,8 20,8 21,3

    19,8 21,3 21,2

    20,5 20,5 20,512,1 12,1 12,1

    und Steinkohle mit 25,9 GW installierter Leistung. Das strks- te Wachstum zeigt die Photovoltaik. Sie ist mit 36,3 GW der Energietrger mit der hchsten installierten Leistung. Mit der sogenannten PV-Novelle wurden verschiedene Manahmen eingeleitet, um den Ausbau zu verstetigen. Im Jahr 2013 lag der Zubau somit im angestrebten Korridor. Die zweithchste installierte Leistung weist die Windenergie mit 34,0 GW auf. Insbesondere die Nutzung der Windenergie an Land weist einen deutlichen Zuwachs auf. Die Nutzung der Windenergie auf dem Meer (Offshore) wurde bis Ende 2013 um 240 MW auf 508 MW ausgebaut (2012: 268 MW). Fr eine Beschleuni-gung des Ausbaus der Offshore-Windenergie sind in erhebli-chem Umfang gesetzgeberische, technische und logistische Vorarbeiten erfolgt. Whrend die installierte Leistung der Kraftwerke auf Basis von Biomasse moderat gestiegen ist, hat

    es bei der Leistung der Lauf- und Speicherwasserkraftwerke und der Kraftwerke auf Basis von Gruben-, Klr- und Depo-niegas keinen nennenswerten Zubau gegeben.

    I.6.1.2 Konventionelle Kraftwerke

    Die installierte Erzeugungsleistung konventioneller Kraft-werke nimmt zu. Der konventionelle Kraftwerkspark (Kern-kraftwerke, fossile Kraftwerke, Pumpspeicherkraftwerke) ist im Jahr 2013 gegenber dem Vorjahr um 1,6 GW auf 104,7 GW angestiegen (siehe Abbildung I.6.3). Dieser Zuwachs ist im Wesentlichen auf einen Zubau von Anlagen auf Erdgas-basis sowie auf Basis von Steinkohle zurckzufhren.

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    20132012201120102009200820072006200520042003

    Abbildung I.6.4: Anteil der KWK-Stromerzeugung an der gesamten Nettostromerzeugungin Prozent

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

    Tabelle I.6.1: Kraft-Wrme-Kopplung

    Jahr 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

    KWK-Nettostromerzeugung in TWh 78,3 80,4 81,5 87,7 87,9 93,1 94,3 102,5 101,4 106,5 107,7

    KWK-Nettowrmeerzeugung in TWh 181,3 185,6 188,2 191,6 189,2 195,2 197,5 212,9 204,5 213,3 215,8

    KWK-Nettostrom- und Netto-wrmeerzeugung in TWh 259,6 266,0 269,8 279,3 277,1 288,3 291,8 315,4 305,9 319,9 323,4

    Brennstoffeinsatz zur KWK-Netto-stromerzeugung in PJ 557,1 573,0 571,2 604,5 603,1 644,7 655,4 707,4 701,0 726,1 734,8

    Brennstoffeinsatz zur KWK-Netto-wrmeerzeugung in PJ 638,9 689,5 694,1 700,5 689,2 723,2 733,8 787,8 758,3 782,0 798,1

    Brennstoffeinsatz zur KWK-Netto-strom- und Nettowrmeerzeugung in PJ

    1.196,0 1.262,5 1.265,3 1.305,1 1.292,3 1.367,9 1.389,2 1.495,3 1.459,3 1.508,1 1.532,9

    Anteil der KWK-Nettostromerzeu-gung an der gesamten Nettostrom-erzeugung in Prozent

    13,8 13,9 14,0 14,7 14,7 15,5 16,9 17,3 17,7 18,0 18,1

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201452

    2,7

    8,76,4

    3,0

    13,0

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    5,82,4

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    7,4

    2,40,1

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    1,9

    4,00,8

    2,42,0

    3,13,2

    5,3 15,06,9

    4,72,0

    1,4 5,51,5

    sterreich

    1,41,8

    0,72,4

    9,035,6

    Luxemburg1,1

    2,7 7,38,7

    Quelle: Bundesnetzagentur

    Angabe der gesamt installierten Leistung in GW

    Kernenergie

    fossile Energietrger (inkl. Pumpspeicherkraftwerke)

    erneuerbare Energietrger

    Abbildung I.6.5: Verteilung aller Kraftwerkskapazitten und der Kraftwerkskapazitten auf Basis von erneuerbaren Energien auf die Bundeslnder

    I.6.1.3 Kraft-Wrme-Kopplung

    Die Kraft-Wrme-Kopplung hat in den letzten zehn Jahren zugenommen. Die Technologie der Kraft-Wrme-Kopp lung (KWK) ermglicht die Erzeugung von Strom und Wrme innerhalb einer gemeinsamen technischen Einheit, zum Beispiel innerhalb eines Kohle- oder Gaskraftwerks, eines Verbrennungsmotors oder einer Brennstoffzelle. Damit wird eine hohe Ausnutzung der eingesetzten Primr energie von bis zu ca. 90 Prozent erreicht. Wie der Abbildung I.6.4

    und der Tabelle I.6.1 (siehe Seite 51) zu entnehmen ist, ist die KWK-Nettostromerzeugung in den vergangenen zehn Jah-ren von 78,3 TWh (13,8 Prozent an der gesamten Netto-stromerzeugung) im Jahr 2003 auf 107,7 TWh (18,1 Prozent an der gesamten Nettostromerzeugung) im Jahr 2013 ange-stiegen. berschlgig kann man von einer installierten KWK-Leistung von 30 GW ausgehen (ko-Institut 2014).

    Bei motorischen KWK-Anlagen wird ein weiterer Zubau erwartet. Motorische KWK-Anlagen spielen beim Ausbau

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 53

    Quelle: Bundesnetzagentur

    1,1

    3,7

    8,2

    0,6

    0,5

    3,4

    1,4

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    0,54,1

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    0,41,10,3

    0,4

    2,3

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    1,3

    1,6

    0,10,1

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    3,05,2

    4,13,5

    1,3

    1,7

    1,82,4

    1,5

    1,11,1

    1,5

    0,40,2

    3,5

    5,0

    0,10,1

    0,41,7

    1,0

    Angabe der gesamt installierten Leistung in GW

    Windenergie

    Sonnenenergie

    sonstige erneuerbare Energietrger

    Abbildung I.6.5: Verteilung aller Kraftwerkskapazitten und der Kraftwerkskapazitten auf Basis von erneuerbaren Energien auf die Bundeslnder

    der Kraft-Wrme-Kopplung eine wichtige Rolle, vor allem fr die Objektversorgung und in der Industrie sowie im Bereich der biogenen Anlagen. Die von Motoren erzeugte KWK-Strommenge stieg von 6,6 TWh im Jahr 2003 auf 17,3 TWh im Jahr 2012 (ko-Institut 2014). In den kom-menden Jahren wird teilweise ein weiterer Zubau in diesem Bereich von bis zu 300 MW pro Jahr bis zum Jahr 2020 erwartet (Prognos, IFAM, IREES, BHKW-Consult 2014).

    I.6.1.4 Regionale Verteilung der Kraftwerksleistung nach Bundeslndern

    Die Stromerzeugungskapazitt ist heterogen ber Deutschland verteilt (siehe Abbildung I.6.5). Whrend in einigen Bundeslndern nach wie vor berwiegend konven-tionelle Kraftwerke ins Netz einspeisen, dominieren in acht Bundes lndern die erneuerbaren Energien. Kernkraftwerke sind derzeit noch in vier Bundeslndern an der Stromer-zeugung beteiligt. In Abbildung I.6.5 sind zudem auch aus-

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201454

    lndische Stromerzeugungsanlagen mit einer Netto-Leis-tung von rund 4,3 GW dargestellt, die direkt mit dem deutschen Netz verbunden sind, und somit auch zur deut-schen Versorgungs sicherheit beitragen. Gleichfalls ist zu erkennen, dass Bayern und Niedersachsen die Schwerpunkte der installierten Kraftwerksleistung basierend auf erneuer-baren Energien bilden. Mitte 2014 waren in Bayern Kraft-werke auf Basis von erneuerbaren Energien mit einer Gesamtleistung von 15 GW (davon 10,6 GW Photovoltaik) und in Niedersachsen 13 GW (davon 8,2 GW Windenergie) installiert. Rund 40 Pro zent der konventionellen Kraftwerke befanden sich 2013 in Nordrhein-Westfalen (35,6 GW). Es folgen mit deutlichem Abstand Baden-Wrttemberg (8,7 GW), Niedersachsen (7,4 GW) und Bayern (6,9 GW).

    I.6.1.5 Entwicklung der Marktanteile an Erzeugungs-kapazitten

    Die Marktanteile der vier grten Stromerzeuger sind wei-ter rcklufig. In Abbildung I.6.6 wird die Entwicklung des kumulierten Anteils der vier grten Stromerzeuger RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall an der konventionellen instal-lierten Kraftwerksleistung und an der konventionellen Stromerzeugung in Deutschland dargestellt. Der sich seit 2007 abzeichnende Trend setzt sich im Berichtsjahr 2013 fort. Die Anteile der vier groen Stromerzeuger an der kon-ventionellen Kraftwerkskapazitt in Deutschland reduzier-ten sich von knapp 85 Prozent im Jahr 2007 auf 68 Prozent im Jahr 2013. Spiegelbildlich dazu sanken die Anteile an der konventionellen Stromerzeugungsmenge in Deutschland von ca. 86 Prozent im Jahr 2007 auf 74 Prozent im Jahr 2013. Die tatschlichen Marktanteile auf dem deutsch-sterreichi-schen Stromerstabsatzmarkt sind niedriger, da die vier gr-ten Stromerzeuger Deutschlands in sterreich nur ber geringe Erzeugungskapazitten verfgen. Bezieht man die mit dem deutsch-sterreichischen Grohandelsmarkt gekoppelten Strommrkte im angrenzenden europischen Ausland mit ein, verringern sich die Marktanteile weiter.

    I.6.2 Kraftwerksplanung

    Derzeit verfgt Deutschland ber ausreichend Kraftwerke. Die bertragungsnetzbetreiber weisen fr Deutschland ber-kapazitten von ca. 10 bis 12 GW im Zeitraum 2014 bis 2016 aus (NB 2013). Damit kann ein hohes Ma an Versorgungs-sicherheit gewhrleistet werden. Wie der Strommarkt knftig organisiert werden muss, damit auch in Zukunft die Sicher-heit der Stromversorgung jederzeit gewhrleistet bleibt, wird mit den relevanten Akteuren in der vom Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie gegrndeten Plattform Strom-markt intensiv diskutiert und ist Gegenstand eines im November 2014 verffentlichten Grnbuchs des Bundes-ministeriums fr Wirtschaft und Energie (BMWi 2014a).

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    201320102008

    Abbildung I.6.6: Kumulierter Anteil der vier grten Stromerzeuger RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall an der konventionellen Kraftwerksleistung und an der konventionellen Stromerzeugung in Deutschland in Prozent

    Quelle: Bundeskartellamt

    Anteil an konventioneller Kraftwerksleistung

    Anteil an konventioneller Stromerzeugung

    86 85 84

    12,1

    77

    6874

    I.6.2.1 Bau und Planung konventioneller Kraftwerke

    Moderne konventionelle Kraftwerke sind flexibler und umwelt freundlicher als frher. Wie in Abbildung I.6.7 zu erkennen ist, befinden sich 6,6 GW konventionelle Kraft-werksleistung im Bau, was rund 7 Prozent der Gesamtleis-tung des konventionellen Kraftwerksparks entspricht. Dies bedeutet nicht, dass in jedem einzelnen Jahr alte Kraft-werke in diesem Umfang durch Neubauten ersetzt werden, da der Bau eines konventio nellen Kraftwerks meist ber mehrere Jahre andauert. Von der sich im Bau befindlichen Kraftwerksleistung entfllt der grte Teil 54 Prozent auf die Steinkohle, gefolgt von Erdgaskraftwerken mit 31 Prozent. Hochmoderne konventionelle Kraftwerke sind in ihren Ein-satz mglichkeiten heute noch flexibler und zugleich umwelt-freundlicher als ihre Vorgnger generation.

    Pumpspeicherkraftwerke spielen derzeit eine besondere und wichtige Rolle in der Stromversorgung. Denn sie sind gegenwrtig noch die einzig etablierte und bewhrte gro-technische Speicherform mit Systemrelevanz. In Abbildung I.6.8 ist zu erkennen, dass im Jahr 2013 Pumpspeicherkraft-werke mit einer Leistung von ber 9 GW an das deutsche Netz angeschlossen sind, darunter sind Pumpspeicherkraft-werke in Luxemburg und sterreich zusammen mit einer Leistung von rund 2,9 GW. Eine neue Anlage mit einer Leis-tung von knapp 200 MW befindet sich im Bau.

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 55

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    201320122011201020092008

    Abbildung I.6.7: Bau und in Planung bendliche konventionelle Kraftwerke (inkl. Pumpspeicher) in GW

    Quelle: BNetzA 2014a

    im Bau bendliche Projekte (konventionell inkl. Pumpspeicher)

    geplante Investitionen (konventionell inkl. Pumpspeicher)

    12,1

    25,529,9 27,6

    21,2

    16,121,0

    6,610,9

    12,913,812,1

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    201320122011201020092008

    Abbildung I.6.8: Bestand, Bau und Planung von Pumpspeicherkraftwerken in GW

    Quelle: BNetzA 2014a

    in Planung bendliche Projekte

    im Bau bendliche Projektein Betrieb

    9,16

    0,07

    9,23 9,23 9,24 9,24 9,07

    6,64

    0,20

    4,26

    0,20

    1,67

    0,20

    1,401,40

    Pumpspeicherkraftwerke erfahren im aktuellen Rechts-rahmen gezielte Anreize. So sind neue und modernisierte Pump speicherkraftwerke von Netzentgelten sowie Pump-speicher generell von der EEG-Umlage befreit. Der in Pump-speicherkraftwerken von den Pumpen zur Frderung der

    Speichermedien verbrauchte Strom ist auerdem von der Stromsteuer befreit. Zudem arbeitet die Bundesregierung auf Partnerschaften mit sterreich, der Schweiz und Norwegen hin, um grenzberschreitend weitere Speichermglichkeiten zu schaffen und zu nutzen.

  • 56

    Ein zuverlssiges Stromnetz ist fr die Versorgungssi-cherheit unerlsslich. Eine stabile und sichere Stromver-sorgung ist nur mit einem zuverlssigen und modernen Stromnetz mglich und fr das Funktionieren privater und industrieller Ablufe unverzichtbar.

    I.7.1 Stromnetzbestand

    Die Stromkreislnge der Hchst- und Hochspannungsnetze ndert sich kaum. Das Stromnetz ist in vier Spannungsebe-nen unterteilt, die ber Umspannwerke miteinander verbun-den sind. In Abbildung I.7.1 ist die Stromkreislnge der Hchst- und Hochspannungsnetze dargestellt. Diese Leitun-gen werden fast ausschlielich als Freileitungen errichtet. Obwohl sich in den letzten Jahren die Aufgaben der Netze durch die Intensivierung des Europischen Binnenmarktes und durch die Energiewende deutlich verndert haben, ist die Stromkreislnge in den beiden hchsten Spannungsebenen ber die Jahre praktisch unverndert bei rund 130.000 km geblieben (siehe Abbildung I.7.1).

    I.7.2 Stromnetzausbau

    Der Ausbau und die Modernisierung der Stromnetze auf allen Spannungsebenen sind fr das Gelingen der Ener-giewende von groer Bedeutung. Insbesondere muss der ber wiegend im Norden an Land und auf See erzeugte Windstrom und der im Sden produzierte Photovoltaik-Strom im Netz aufgenommen werden. Aber auch die zunehmende Integration des europischen Marktes erfor-dert eine bessere Vernetzung mit den europischen Nach-barn, insbesondere den Ausbau von Grenzkuppelstellen, der u. a. im Rahmen von Vorhaben von gemeinsamem europischen Interesse weiter vorangetrieben wird. Hinzu kommen die Herausforderungen, die sich daraus ergeben, dass erneuerbar erzeugter Strom berwiegend auf unteren Spannungsebenen eingespeist wird. Die aktuellen Vernde-rungen der Erzeugungslandschaft fhren tendenziell zu einer Steigerung des erforderlichen Netzausbaus und in der Folge auch zu Netzentgelterhhungen, da Strom nicht nur weitrumig eingespeist, sondern auch weitrumig verteilt wird. Daher ist es mit Blick auf eine gesamtwirtschaftliche

    I.7 Netzbestand und Netzausbau

    Die Netzqualitt ist in Deutschland nach wie vor sehr hoch. Die Stromversorgung in Deutschland zhlt zu einer der sichersten weltweit. Auch die Versorgung mit Erdgas gilt als sicher. Fr das Gelingen der Energie-wende und fr ein weiteres Zusammenwachsen des europischen Strommarktes sind der weitere Netzaus-bau und die Modernisierung des bestehenden Netzes auf allen Spannungsebenen von zentraler Bedeutung. Die Investitionen der bertragungsnetzbetreiber in das Hchstspannungsnetz haben sich in den Jahren 2012 und 2013 im Vergleich zu den vorherigen Jahren fast verdoppelt und die Plandaten fr das Jahr 2014 sehen einen weiteren Anstieg voraus.

  • 57

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    2013201220112010200920082007

    Abbildung I.7.1: Stromkreislnge der Hchst- und Hochspannungsnetzein km

    Quelle: BNetzA, BKartA 2014

    Hochspannung Hchstspannung

    35.200 35.200 35.200 34.800 34.900

    92.500 92.900 92.900 95.200 95.000

    35.270

    95.425 96.308

    34.979

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201458

    Abbildung I.7.2: Bundesbedarfsplan-Projekte

    Effizienz erforderlich, den Zubau von erneuerbaren Ener-gien eng mit dem Netzausbau zu verzahnen.

    I.7.2.1 Ausbau der bertragungsnetze

    Der Ausbau der Hchstspannungsnetze ist erforderlich. Das bertragungsnetz dient der berregionalen Verbin-dung von Erzeugungs- und Lastschwerpunkten sowie dem Anschluss groer Kraftwerke und sehr groer Verbraucher.

    Die Zahl und Lage der Erzeugungsanlagen ndert sich. Damit ndert sich auch die Kapazitt der bentigten Netze und die Richtung der Lastflsse kann sich u. U. umkehren. Nicht nur Kraftwerke fungieren als Einspeisepunkte, son-dern zunehmend auch die Verknpfungspunkte mit den nachgelagerten Verteilernetzen. Diese Vernderungen machen einen Ausbau der Hchstspannungsnetze erfor-derlich. Zudem soll die Verbindung zu den Strommrkten im benachbarten Ausland verstrkt werden, welche eben-falls auf der bertragungsnetzebene stattfindet. Um den

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 59

    Abbildung I.7.3: EnLAG-Projekte

    notwendigen Netzausbau voranzubringen und die Stabili-tt des Stromnetzes zu gewhrleisten, hat die Bundesregie-rung verschiedene Manahmen auf den Weg gebracht (siehe Kapitel III.2.1).

    Es besteht ein vordringlicher Bedarf fr 59 bundesweite Vorhaben. Das Bundesbedarfsplangesetz dient der Beschleu -nigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren fr den notwendigen Netzausbau. Die Projekte des Bundesbedarfs-plans sind in Abbildung I.7.2 eingetragen und umfassen

    36 Vorhaben. Das Verfahren der Bundesfachplanung wurde erstmals mit Antrag des bertragungsnetzbetreibers 50Hertz Transmission fr eine von Bertikow nach Pasewalk geplante Hchstspannungsleitung im September 2014 begonnen. Alle brigen Vorhaben aus dem Bundesbedarfsplan befin-den sich in noch vorgelagerten Stadien. Mit dem Energielei-tungsausbaugesetz (EnLAG) wurde bereits im Jahr 2009 der vordringliche Bedarf fr 1.876 km neuer Hchstspannungs-leitungen festgestellt (siehe Abbildung I.7.3). Im Jahr 2013 wurden 54 Kilometer der im EnLAG vorgesehenen Hchst-

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201460

    spannungsleitungen fertiggestellt. In den ersten drei Quar-talen 2014 wurden rund 116 km fertiggestellt. Damit sind mit 438 km rund ein Viertel der erforderlichen Kilometer realisiert. Die bertragungsnetzbetreiber rechnen mit einer Fertigstellung von 40 Prozent der EnLAG-Leitungskilometer bis zum Jahr 2016.

    Fr Sddeutschland ist die Thringer Strombrcke von besonderer Bedeutung. Fr die sichere Stromversorgung Sddeutschlands ist vor allem die Realisierung der Thrin-ger Strombrcke von Bedeutung, die auch den lokalen Erzeugungsrckgang durch die Abschaltung des Kernkraft-werks Grafenrheinfeld im Jahr 2015 auffangen soll. Bisher ist keines der Vorhaben mit Pilotstrecken fr Erdkabel in Betrieb. Der bertragungsnetzbetreiber Amprion hat aber mit den Bauaktivitten fr das erste 380-kV-Erdkabel-Pilot-projekt in der Gemeinde Raesfeld begonnen.

    I.7.2.2 Ausbau der Stromverteilernetze und Verteilung der erneuerbaren Energien auf die Spannungsebenen

    Stromverteilernetze werden zunehmend neue Aufgaben bernehmen. Die Stromverteilernetze dienten frher fast ausschlielich der lokalen Verteilung von elektrischem Strom innerhalb einer begrenzten Region. Mit dem

    zu nehmenden Ausbau der erneuerbaren Energien, die berwiegend an die Verteilnetze angeschlossen sind (siehe Abbildung I.7.4), muss der lokal erzeugte Strom, soweit er nicht vor Ort verbraucht werden kann, zu den Hchst-spannungsnetzen geleitet werden. Die Integration vieler Kleinerzeugungsanlagen erfordert deshalb den Ausbau und die Modernisierung auch der Verteilnetze und den Einsatz intelligenter Netztechnik.

    I.7.3 Netzinvestitionen und Netzentgelte

    Investitionen in die Stromnetze werden ber regulierte Netzentgelte finanziert. Fr Bau, Betrieb, Instandhaltung, Erweiterung und Modernisierung von Stromnetzen fallen Investitionskosten an, die ber regulierte Netzentgelte finanziert werden. Diese werden im Ergebnis durch die Letztverbraucher getragen. Auch dieser Aspekt ist bei der Sicherstellung der Bezahlbarkeit von Energie mit zu beach-ten. Neue Anforderungen an die Netze ergeben sich auch durch das Zusammenwachsen des europischen Strom-marktes und durch den derzeit stattfindenden grundlegen-den Umbau der Stromversorgung mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Dies alles macht eine zustzliche Anpassung der Stromnetze und zustzliche Investitionen erforderlich.

    Abbildung I.7.4: Verteilung der erneuerbaren Energien auf die Spannungsebenenin km

    Quelle: Statistikbericht Bundesnetzagentur

    Hochspannung/MittelspannungHochspannung Mittelspannung/NiederspannungMittelspannung Niederspannung

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    10.000

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    2013201220112010

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    20092008

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 61

    I.7.3.1 Investitionen in Stromnetze

    Die Investitionen in die Stromnetze nehmen zu. Die Netz-betreiber haben seit 2007 jhrlich zwischen 2,6 und 4,0 Mil-liarden Euro fr Neu- und Ausbau sowie Erhalt und Erneu-erung von Stromnetzen investiert (siehe Abbildung I.7.5). In den Plandaten fr das Jahr 2014 wird diese Spanne zum ersten Mal berschritten. Zustzlich zu den Netzinvestitio-nen kommen noch jhrliche Aufwendungen fr Wartung und Instandhaltung der Netze in Hhe von durchschnitt-lich 3,4 Milliarden Euro hinzu. Wartungskosten und Inves-titionen zum Erhalt des Netzes fallen unabhngig vom Aus-bau der erneuerbaren Energien an. Allerdings wird auch durch den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien der Investitionsbedarf in den Ausbau und die Modernisierung der Netze zunehmen. Die zunehmenden Investitionen in die Stromnetze fhren auch zu einer regional unterschied-lichen Entwicklung der Netzentgelte. Dabei treten unter-schiedliche Mehrbelastungen der Haushalte hinsichtlich der Stromnetzentgelte auf.

    Die Investitionen in die Hchstspannungsnetze sind stark angestiegen. Die Investitionen der bertragungsnetzbe-treiber in das Hchstspannungsnetz liegen seit Jahren kon-stant bei jhrlich rund einer halben Milliarde Euro (siehe Abbildung I.7.5). Fr die Verwirklichung der Neubauma-nahmen nach dem Energieleitungsausbaugesetz von 2009 und nach dem Bundesbedarfsplangesetz von 2013 haben sich die Investitionen in den Jahren 2012 und 2013 im Ver-gleich zu den vorherigen Jahren fast verdoppelt und die Plandaten fr das Jahr 2014 sehen einen weiteren Anstieg voraus.

    I.7.3.2 Stromnetzentgelte

    Die Stromnetzentgelte werden staatlich reguliert. Die Kos-ten, die fr Betrieb, Erhaltung und Erweiterung der Strom-netze anfallen, werden von den Netznutzern refinanziert. In Deutschland werden die Netzkosten von den Letztver-brauchern ber die Netzentgelte getragen. Da das Stromnetz ein natrliches Monopol darstellt, wird der Stromverbrau-cher vor mglichem Missbrauch der Monopolstellung von staat lichen Regulierungsbehrden geschtzt. Seit 2005 kon-trollieren Regulierungsbehrden des Bundes und der Ln-der die Hhe der Netzentgelte. Damit soll erreicht werden, dass die Stromnetzbetreiber einerseits ber hinreichende Erlse verfgen, um die Kosten des Netzbetriebs zu decken. Andererseits soll vermieden werden, dass Netzbetreiber ber-hhte Entgelte erheben. Das entsprechende Instrument der Regulierungsbehrden ist die Anreizregulierung, die den Netzbetreibern Anreize fr eine Hebung ihrer Effizienzpo-tenziale gibt.

    Die Netzentgelte sind je nach Abnahmemenge unter-schiedlich ausgestaltet (siehe Abbildung I.7.6, Seite 62). In den Jahren nach 2007 lieen sich sprbare Netzentgeltre-duzierungen beobachten, die zu einer Stabilisierung der Strompreise gefhrt haben. In den Jahren 2012 und 2013 sind die Netzentgelte wieder gestiegen.

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    500

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    2014(Plandaten)

    2013201220112010200920082007

    Abbildung I.7.5: Investitionen in Neu- und Ausbau sowie Erhalt und Erneuerung von Stromnetzenin Mio. Euro

    Quelle: BNetzA, BKartA 2014

    Investitionen der Verteilernetzbetreiber Investitionen der bertragungsnetzbetreiber

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201462

    I.7.4 Stabilitt und Qualitt der Stromnetze

    Fr die sichere Versorgung mit Strom ist eine hohe Stabi-litt und Qualitt der Stromnetze von groer Bedeutung.

    zz Die Stabilitt des Netzes ergibt sich aus den Vorkehrun-gen, die fr einen planbaren und planmigen sicheren Betrieb der Netze und gegen Spannungs- und Frequenz-schwankungen ergriffen werden.zz Die Qualitt des Netzes ergibt sich aus den technischen

    Vorkehrungen, die die Netzbetreiber gegen den techni-schen Ausfall ihres Netzes treffen.

    I.7.4.1 Stabilitt der Stromnetze

    Die Netzbetreiber sorgen fr die Stabilitt der Strom-netze. Da schon bei kleinen Abweichungen (z. B. bei der Frequenz oder der Spannung) die Stabilitt des Systems ernsthaft gefhrdet ist, mssen die Netzbetreiber kontinu-ierlich Vorkehrungen treffen und Manahmen ergreifen, um einen dauerhaft stabilen Betrieb des Stromnetzes zu gewhrleisten. Eingriffe zum Ausgleich der tatschlichen Nachfrage und der tatschlichen Stromerzeugung sind Auf-gaben der Netzbetreiber.

    Eingriffe der Netzbetreiber

    Mit Systemdienstleistungen stabilisieren die Netzbetreiber die Stromnetze. Auch wenn die Prognosen ber das zu er -war tende Stromangebot und die zu erwartende Stromnach-frage mit den tatschlichen Gegebenheiten bereinstimmen,

    mssen Netzbetreiber systemsttzende Manahmen ergrei-fen. Dies ist schon deshalb notwendig, weil die Netznutzer nur im Rhythmus der viertelstndigen Bilanzierung handeln, whrend das Netz im Millisekundenbereich stabil gehalten werden muss. Den bertragungsnetzbetreibern stehen fr die Stabilisierung der Netze eine Reihe von Manahmen zur Verfgung (Systemdienstleistungen), die nach Angaben der Bundesnetzagentur fr rund sechs Prozent der Netzkosten verantwortlich sind. Zu diesen Manahmen gehren:

    zz Regelenergie: Die Netzbetreiber sichern sich die Erzeu-gungsleistung von Kraftwerken, auf deren Betrieb sie unmittelbar zugreifen knnen. Einige groe Letztver-braucher bieten ihre abschaltbaren Leistungen als Regel-energie an. Damit knnen die Netzbetreiber innerhalb krzester Frist die Abweichungen der Bilanzkreise auf-fangen und ausgleichen.zz Redispatch- oder Countertrading-Manahmen werden

    eingesetzt, wenn sich aus den Handelsgeschften der Stromhndler absehbar eine lokale oder regionale Netz-berlastung ergibt oder zu ergeben droht. Hochbelastete Netzkomponenten werden dabei durch direkte oder indirekte Eingriffe in die Fahrweise von Kraftwerken entlastet. Die betroffenen Betreiber von konventionellen Anlagen erhalten fr die Anpassung ihres Einspeisever-haltens eine Vergtung. zz Einspeisemanagement: EEG-Anlagen knnen aufgrund

    von lokalen Netzberlastungen abgeregelt werden. Die EEG-Anlagenbetreiber erhalten fr den Ausfall eine Ent-schdigung.zz Verlustenergie: Fliet Strom durch eine Stromleitung,

    verursacht dies eine Erwrmung der Stromleitung, die zu Energieverlusten fhrt. Eine der Verlustenergie ent-

    Abbildung I.7.6: Entwicklung der durchschnittlichen Netzentgelte fr drei Abnahmeflle in ct/KWh

    Quelle: BNetzA, BKartA 2014

    Haushaltskunden 3.500 KWh/Jahr Gewerbekunden 50 MWh/Jahr Industriekunden 24 GWh/Jahr

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    1. April 20141. April 20131. April 20121. April 20111. April 20101. April 20091. April 20081. April 2007

    6,345,92 5,80 5,81 5,75

    6,04

    6,52 6,47

    5,495,08 4,99 4,89 4,89

    5,11

    5,61 5,65

    1,51 1,46 1,43 1,54 1,461,68 1,79

    1,90

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 63

    sprechende Strommenge wird von den Netzbetreibern zugekauft.zz Als Blindleistung wird im Drehstromnetz ein unver-

    meidbares elektrotechnisches Phnomen bezeichnet, bei dem sich durch Nutzung und Transport die Schwingun-gen des Drehstroms gegeneinander verschieben. Die Leistungsfhigkeit des Netzes nimmt dabei deutlich ab. Bei langen Transportwegen fhrt dieses Phnomen zu einem Absinken der Spannung.zz Schwarzstartfhigkeit ist die Fhigkeit von Kraftwerken,

    nach einem lokalen oder regionalen Netz-Zusammen-bruch selbststndig wieder anfahren zu knnen. Die Netzbetreiber stellen sicher, dass immer gengend Kraft-werke am Netz sind, die ber diese Fhigkeit verfgen.

    Die Kosten fr Systemdienstleistungen sind gesunken. Die Kosten fr Systemdienstleistungen, die ber die Netzentgelte auf die Stromkunden umgelegt werden, sind seit 2009 deutlich gesunken (siehe Abbildung I.7.7). Eine wichtige Ursache ist, dass seit diesem Zeitpunkt neue Beschaffungsverfahren fr diese Leistungen eingefhrt wurden. Viele Systemdienstleistungen werden seitdem im Wettbewerb erbracht. Auerdem wurden Synergien zwi-schen den vier deutschen Regelzonen ausgenutzt. Im Ver-gleich zum Vorjahr ist bei den Kosten fr Redispatch- und Countertrading-Manahmen ein Rckgang zu verzeichnen. Dieser Rckgang kann vor allem durch den Rckgang der eingesetzten Redispatch-Mengen von 4.690 GWh im Jahr 2012 auf 4.390 GWh im Jahr 2013 erklrt werden. Eine Ver-ringerung der Redispatch-Mengen ist jedoch nicht gleich-bedeutend mit einem Rckgang des Redispatch-Bedarfs, denn die Einsatzhufigkeit der Redispatch-Manahmen ist im Vergleich zum Vorjahr von 7.160 Stunden auf 7.695 Stunden angestiegen (BNetzA, BKartA 2014). Die Kosten fr die Entschdigungszahlungen aus dem Einspeisemanage-ment sind im Vergleich zum Vorjahr angestiegen, machen aber weiterhin nur einen Anteil von 4 Prozent an den Gesamtkosten aus. Auch die Eingriffe in den Betrieb von Erneuerbare-Energien-Anlagen im Rahmen des Einspeise-managements haben im Vergleich zum Vorjahr auf ca. 0,44 Prozent der erneuerbaren Strommenge nur geringfgig zugenommen (BNetzA, BKartA 2014).

    I.7.4.2 Qualitt der Stromnetze

    Eine hohe Netzqualitt ist fr eine sichere Stromversor-gung notwendig. Fr die Letztverbraucher, also private Haushalte, Gewerbebetriebe und Industrie, ist es von hoher Bedeutung, dass eine konstant hohe Netzqualitt gewhrleis-tet wird. Insbesondere ist eine mglichst geringe Zahl und Dauer von lokalen Unterbrechungen der Stromversorgung erforderlich. Lokale Unterbrechungen gehen meist auf ber-lastungen, Strungen oder Beschdigungen von Netzkom-ponenten zurck. Engpsse in der Stromversorgung knnen zu gezielten Abschaltungen von Verbrauchern fhren.

    (n-1)-Sicherheit der bertragungsnetze

    Das bertragungsnetz wird mit der sogenannten (n-1)- Sicherheit betrieben. Der Ausfall einer wichtigen Leitung, eines wichtigen Kabelstromkreises, eines Kraftwerks oder eines Netztransformators soll nicht zu Einschrnkungen der Versorgung fhren. Die (n-1)-Sicherheit ist ein bewhr-tes Konzept fr das bertragungsnetz, das von den Netzbe-treibern konsequent in der Planung der Netze und des Betriebs angewendet wird. Stromausflle sind deshalb in den hheren Spannungsebenen sehr selten.

    Qualitt der Stromverteilernetze

    Fr Verteilernetze ist die (n-1)-Sicherheit nicht auf allen Spannungsebenen vorgeschrieben. Auf der Hochspan-nungsebene mit bertragungsfunktion wird diese Sicher-heit gewhrleistet. Der hohe Vermaschungsgrad der Netze untereinander und zu den nachgelagerten Netzen erzeugt zudem eine vergleichbar hohe Sicherheit.

    Der SAIDI ist ein Ma fr die Netzqualitt. Zur Messung der Netzqualitt, insbesondere der Zuverlssigkeit des Net-zes, gibt es verschiedene Kennzahlen. Von der Bundesnetz-agentur wird jedes Jahr der System Average Interruption Duration Index (SAIDI) verffentlicht. Dabei wird verein-facht dargestellt die Zahl der Unterbrechungsminuten mit der Zahl der betroffenen Letztverbraucher multipliziert und dann durch die Zahl aller im Netz angeschlossenen Letztverbraucher dividiert. Der SAIDI ist damit ein Ma fr die durchschnittliche Unterbrechungsdauer der Stromver-

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    1.200

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    Abbildung I.7.7: Kosten fr Systemdienstleistungenin Mio. Euro

    Quelle: BNetzA, BKartA 2014

    Einspeisemanagement Verlustenergie Minutenreserve

    Sekundrregelenergie Primrregelenergie

    Redispatch/Countertrading, Schwarzstartfhigkeit, Blindleistung

    2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201464

    sorgung. Fllt beispielsweise der Strom fr 1.000 Haushalte fr 24 Stunden aus, trgt dies auf 40 Millionen Haushalte umgerechnet rund 2 Sekunden zum SAIDI-Wert bei. Da der SAIDI-Wert die Qualitt des Nieder- und Mittelspannungs-netzes widerspiegeln soll, bleiben alle Ereignisse unberck-sichtigt, die keine Aussage ber die Qualitt des Netzes erlauben. Darum werden bei der Berechnung weder ge -plante Unterbrechungen noch solche aufgrund hherer Gewalt, wie etwa Naturkatastrophen, bercksichtigt. In die Berechnung flieen nur ungeplante Unterbrechungen ein,

    die auf atmosphrische Einwirkungen (zum Beispiel Gewit-ter), auf Einwirkungen Dritter (zum Beispiel versehentliche Beschdigungen von Stromleitungen), auf Rckwirkungen aus anderen Netzen oder auf andere Strungen im Verant-wortungsbereich der Netzbetreiber zurckzufhren sind. Zudem werden nur Unterbrechungen bercksichtigt, die lnger als drei Minuten dauern. Die Unterbrechungen wer-den erfasst und bewertet, um ggf. Abhilfe zu schaffen und sie weiter zu minimieren.

    Der SAIDI-Wert hat konstant niedrige Werte. Die gemit-telte Unterbrechungsdauer ist seit 2006 deutlich zurckge-gangen und von 2009 bis 2012 nur geringfgig angestiegen (siehe Abbildung I.7.8). In der Mittelspannung (meist 10 kV bis 30 kV), in der viele Gewerbebetriebe angeschlossen sind, sanken die durchschnittlichen Unterbrechungsdauern seit Jahren deutlich und steigen seit 2009 moderat an. Im Nie-derspannungsnetz (400 V beziehungsweise 230 V), an das die Haushalte und andere Kleinverbraucher angeschlossen sind, gibt es seit der ersten Erhebung des SAIDI-Wertes konstant sehr niedrige Werte. Der SAIDI-Wert fr das Jahr 2013 ist gegenber dem Vorjahr 2012 gesunken und liegt mit 15,32 Minuten weiterhin deutlich unter dem Mittel-wert der Jahre 2006 bis 2012 (16,92 Minuten). Ein magebli-cher Einfluss der Energiewende und der damit einherge-henden steigenden dezentralen Erzeugungsleistung auf die Versorgungsqualitt ist nicht erkennbar.

    Im Vergleich mit anderen Staaten ist die Netzqualitt in Deutschland sehr hoch. Der SAIDI-Strom ist in Abbildung I.7.9 fr verschiedene Lnder angegeben. Im europischen und weltweiten Vergleich steht Deutschland mit einer sehr hohen Netzqualitt nach wie vor mit an vorderster Stelle.

    Abbildung I.7.8: Entwicklung des SAIDI-Stromin Minuten/Anzahl betroffener Letztverbraucher

    Quelle: Bundesnetzagentur

    Unterbrechung in der Mittelspannung

    Unterbrechung in der Niederspannung

    5

    10

    15

    20

    25

    20072006 2008 2009 2010 2011 2012 2013

    Abbildung I.7.9: Internationaler Vergleich des SAIDI-Stromin Minuten/Anzahl betroffener Letztverbraucher

    Quelle: CEER 2014

    0 50 100 150 200 250 300

    LuxemburgDnemark

    DeutschlandSchweiz

    Niederlandesterreich

    ItalienVereinigtes Knigreich

    FrankreichSlowenien

    UngarnLitauen

    PortugalSchweden

    TschechienPolen

    Malta

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 65

    I.7.5 Erdgas

    Erdgas spielt bei der Umsetzung der Energiewende eine wichtige Rolle. Erdgas spielt im Zusammenspiel von fossi-len und erneuerbaren Energien fr die Verwirklichung der Ziele der Energiewende eine wichtige Rolle. Es wird in den Pipelines der Fernleitungsnetzbetreiber ber alle innereu-ropischen Grenzen transportiert. Die Versorgung der industriellen und privaten Letztverbraucher bernehmen in den meisten Fllen Verteilernetzbetreiber, bei denen sich die Gasnetze immer weiter verzweigen.

    I.7.5.1 Gasnetzausbau

    Die Erdgas-Fernleitungsnetze sollen um ein Prozent ausge-baut werden. Die Fernleitungsnetzbetreiber haben in den Jahren 2012 und 2013 Netzentwicklungsplne vorgelegt, in denen der Bau von rund 441 km neuer Gaspipelines vorgese-hen ist. Das entspricht einem Ausbau der Fernleitungsnetze um ein Prozent. Ein wichtiger Impuls fr den Netzausbau ist die Verbesserung der Gasversorgungssicherheit fr den sd-deutschen Raum. Dies betrifft auch die Gaskraftwerke, die wegen des Ausstiegs aus der Kernenergie fr die Netzstabilitt der Stromversorgung in Sddeutschland bentigt werden.

    I.7.5.2 Stabilitt des Gasnetzes

    Die Versorgungssicherheit mit Erdgas ist in Deutschland sehr hoch. Lokale Versorgungsunterbrechungen mit Erdgas knnen z. B. bei Beschdigungen einer Gasleitung infolge von Bauarbeiten auftreten. Die durchschnittliche Dauer innerhalb eines Jahres, in der ein Kunde von einer Versor-gungsunterbrechung betroffen ist, wird mit der Kennziffer

    Abbildung I.7.10: Entwicklung des SAIDI-Erdgasin Minuten/Anzahl betroffener Letztverbraucher

    Quelle: Bundesnetzagentur

    0,5

    0

    1,0

    1,5

    2,0

    2,5

    3,0

    3,5

    4,0

    4,5

    20072006 2008 2009 2010 2011 2012 2013

    SAIDI-Erdgas erfasst. Dabei werden weder geplante Unter-brechungen noch Unterbrechungen aufgrund hherer Gewalt bercksichtigt. Die Werte bewegen sich in Deutsch-land traditionell auf niedrigem Niveau. Abbildung I.7.10 zeigt, dass im Jahr 2013 ein Kunde durchschnittlich 0,64 Minuten von der Gasversorgung abgeschnitten war.

    I.7.5.3 Gasspeicherung

    Im Vergleich zu Strom ist Erdgas in groen Mengen speicherbar. Die Speicherbarkeit des Erdgases ist auch fr den Wettbewerb auf den Gasmrkten von groer Bedeu-tung. Deutschland belegt bezogen auf das Erdgasspeicher-volumen mit einem Arbeitsgasvolumen von derzeit

    Abbildung I.7.11: Entwicklung des Arbeitsgasvolumens von Erdgasspeichern in Deutschlandin Mio. m3

    Quelle: Landesamt fr Bergbau, Energie und Geologie

    PorenspeicherKavernenspeicher

    20072006 2008 2009 201020022001

    25.000

    20.000

    15.000

    10.000

    5.000

    2003 2004 2005 2011 2012 20130

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201466

    23,8 Milliarden Kubikmeter weltweit den vierten Platz (siehe Abbildung I.7.11, Seite 65). In den letzten Jahren ist das Arbeitsgasvolumen um rund 10 Prozent angestiegen.

    Weitere Erdgasspeicher sind geplant und werden gebaut. Derzeit geplant und zum Teil im Bau befindlich sind wei-tere rund 6 Milliarden Kubikmeter an zustzlichem Arbeitsgasvolumen in neuen Erdgasspeichern. Im Jahr 2009 erreichte der Bau und die Planung von Erdgasspeichern ein Maximum und ist seitdem rcklufig (siehe Abbildung I.7.12). Aus geologischen Grnden liegt der Groteil der Gasspeicher-Kapazitt in der nrdlichen Hlfte Deutsch-lands. Dies macht u. a. den Ausbau des Fernleitungsnetzes in Richtung Sden erforderlich.

    I.7.5.4 Biomethan

    Biomethan kann in das Erdgasnetz eingespeist werden. Als Biomethan wird Biogas verstanden, das aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist wird. Biomethan kann in Bio-gasanlagen durch anaerobe Vergrung beispielsweise aus nachwachsenden Rohstoffen oder Rest- und Abfallstoffen hergestellt werden. Meist wird das so erzeugte Biogas aller-dings direkt in einem Blockheizkraftwerk vor Ort bei der

    Biogasanlage zur Strom- und Wrmeerzeugung genutzt. Gereinigtes und aufbereitetes Biogas kann aber auch ins Erdgasnetz eingespeist werden. Ende des Jahres 2013 waren 144 Biomethaneinspeiseanlagen in Betrieb. Eine Nutzung des Biomethans ist zur Stromerzeugung in Blockheizkraft-werken, zur Wrmeerzeugung in Gasheizungen und als Kraftstoff in Erdgasfahrzeugen mglich. Fr die in die Gas-netze eingespeisten Biomethan-Mengen bestehen im Ver-gleich zu fossilem Erdgas Vereinfachungen und Vorteile.

    Mit dem EEG wird Biomethan zustzlich gefrdert. Die Stromerzeugung aus Biomethan wird durch das Erneuer-bare-Energien-Gesetz zustzlich zur Frderung als Strom aus Biomasse mit einem Gasaufbereitungsbonus gefr-dert. Diese Regelungen haben dazu beigetragen, dass die eingespeiste Biogasmenge von 180 Millionen Kubikmeter im Jahr 2010 auf 520 Millionen Kubikmeter im Jahr 2013 angestiegen ist. Mit der EEG-Reform wurde durch die Strei-chung der einsatzstoffbezogenen Vergtung eine Konzent-ration der Frderung auf kostengnstige Substrate, insbe-sondere Abfall- und Reststoffe, gefrdert. Dies sorgt fr eine Begrenzung der Kosten des weiteren Ausbaus der Bio-masse, die, insbesondere was Neuanlagen betrifft, eine der teuersten Technologien ist und deren Kostensenkungspo-tenziale schwierig zu erschlieen sind.

    Abbildung I.7.12: Bau und Planung von Erdgasspeichernin Mio. m3

    Quelle: Landesamt fr Bergbau, Energie und Geologie

    PorenspeicherKavernenspeicher

    20072006 2008 2009 201020022001

    12.000

    14.000

    10.000

    6.000

    8.000

    2.000

    4.000

    2003 2004 2005 2011 2012 20130

    16.000

  • 67

    I.8 Energiepreise und Energiekosten

    Die Energiekosten sind in den letzten Jahren angestiegen. Die steigenden Preise auf den inter-nationalen Energiemrkten waren eine wichtige Ursache hierfr. Sie haben diesen Kostentrend in den letzten Jahren deutlich verstrkt. Im Jahr 2013 hat sich der Trend steigender Rohstoff-preise etwas abgeschwcht. Die Kohlepreise sind seit 2008 tendenziell rcklufig. Der Preis fr CO2-Zertifikate lag weiterhin auf niedrigem Niveau.

    Die Politik entscheidet nicht ber den Strompreis es ist aber wichtig, dass staatlich bedingte Preisbestandteile, wie die EEG-Umlage, knftig kein Treiber fr den Strompreis sind. Im Jahr 2013 sind die durchschnittlichen Strompreise fr die privaten Haushalte um 3,6 ct/kWh (knapp 14 Prozent) gestiegen. Die EEG-Umlage wird 2015 erstmals leicht zurckgehen. Damit ist die Kostendynamik der vergangenen Jahre gebrochen. Dies trgt dazu bei, die Strompreise fr die Verbraucherinnen und Verbraucher zu stabilisieren.

    Die Bundesregierung beobachtet die Entwicklung der Energiepreise und -ausgaben weiterhin sorgfltig. Bei privaten Haushalten lagen die Kosten der Pkw-Nutzung im Durchschnitt weiter-hin ber den Ausgaben fr Strom und Gas (einschlielich Wrmenutzung). Dabei sind die Strom-ausgaben 2013 gestiegen whrend die Kosten der Pkw-Nutzung und die Ausgaben fr Gas gesunken sind. Nach Berechnungen zu Muster haushalten betrugen die jhrlichen Energiegesamt-ausgaben (Strom, Gas, Superbenzin) eines Vier-Personen-Haushalts 2013 rund 4.070 Euro. Sie erhhten sich gegenber dem Vorjahr um rund 86 Euro. Der Anstieg der Gesamtausgaben fr Energie ging mit einem Anstieg der durchschnittlichen Nettoeinkommen einher. Der Einkommens anteil von Energieausgaben blieb stabil.

    Um eine Abwanderung von Unternehmen ins Ausland zu vermeiden, kommt den staatlich bedingten Bestandteilen der Energiepreise eine besondere Bedeutung zu. So sind strominten-sive Unternehmen bei Erfllung bestimmter Voraussetzungen weitgehend von der EEG-Umlage befreit. Die Besondere Ausgleichregelung wurde 2014 unter Bercksichtigung der novellierten Umwelt- und Energiebeihilfeleitlinien der EU-Kommission grundlegend neu geregelt. Seit 2013 erhalten stromintensive Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, einen Teil ihrer durch den Emissionshandel erhhten Stromkosten gem den Vorgaben der EU-Kommis-sion zurckerstattet.

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201468

    I.8.1 Energiepreise

    I.8.1.1 Internationale Rohstoffpreise

    Europische und internationale Preise fr die energeti-schen Rohstoffe l und Gas sind im Jahr 2013 zurckge-gangen. Die Kohlepreise sind seit 2008 in der Tendenz gesunken. Abbildung I.8.1 zeichnet die Entwicklung nach.

    Die Einfuhrpreise fr l sind im Jahr 2013 gesunken. Der Preis pro Barrel l (OPEC-Korb) lag mit durchschnittlich 105,94 $/bbl um 3,3 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2012 (109,50 $/bbl). Der Einfuhrpreis sank auf 611,52 /t. Das sind 4,9 Prozent weniger als im Vorjahr 2012 (643,24 /t).

    Auch beim Erdgas kam es zu Preissenkungen. Der deut-sche Grenzbergangspreis fr Gas lag im Jahr 2013 im Durchschnitt bei 7.656 /TJ. Dies stellt einen Rckgang um 5,1 Prozent gegenber dem Vorjahr 2012 (8.067 /TJ) dar.

    Bei der Steinkohle setzte sich der seit 2008 anhaltende Trend sinkender Einfuhrpreise nach Deutschland fort. Der Einfuhrpreis lag im Jahr 2013 bei durchschnittlich 79,12 /t SKE. Das sind rund 15 Prozent weniger als im Jahr 2012 (93,02 /t SKE). In der ersten Jahreshlfte 2014 sank der Einfuhrpreis weiter auf durchschnittlich 73,17 /t SKE.

    I.8.1.2. Zertifikatspreise im EU-Emissionshandelssystem

    Der Trend sinkender Zertifikatspreise ist in der ersten Jahreshlfte 2014 unterbrochen. Diese Entwicklung unter-scheidet sich damit von der im Jahr 2013 (siehe Abbildung

    I.8.2). Im Jahresdurchschnitt 2013 lag der Zertifikatspreis bei rund 4,52 /t CO2. Das sind rund 40 Prozent weniger als im Jahresdurchschnitt 2012 (7,48 /t CO2) (siehe Kapitel III.3). In der ersten Hlfte 2014 stieg der Zertifikatspreis auf rund 6 /t CO2. Die Preise fr EU-Emissionszertifikate (Spot-markt EEX) sind mitentscheidend fr die Auswahl der Energietrger in der Energieerzeugung.

    I.8.1.3 Verbraucherpreise fr Minerallprodukte

    Die Preise fr Heizl und Kraftstoffe sind im Jahr 2013 gesunken (siehe Abbildung I.8.3). Die Preisrckgnge an den Rohlmrkten im Jahr 2013 haben hierzu beigetragen. Die Haushaltspreise fr leichtes Heizl lagen im Jahresdurch-schnitt 2013 bei 83,5 /100 l. Das sind rund 6 Prozent weniger als im Jahr 2012. Die Preise fr Ottokraftstoffe betrugen im Jahresdurchschnitt 2013 rund 1,6 /l. Sie lagen damit rund 3 Prozent niedriger als im Jahr 2012. Die Preise fr Diesel-Kraft stoffe lagen bei rund 1,43 /l. Sie fielen damit um rund 4 Prozent.

    Preise von Minerallprodukten im europischen Vergleich

    Die Kraftstoffpreise lagen in Deutschland 2013 nahe oder ber dem EU-Durchschnittswert. Nach Angaben der Euro-pischen Kommission lagen die deutschen Preise inklusive Steuern fr Superbenzin-Kraftstoffe auch 2013 ber dem Durchschnittswert fr EU-Mitgliedstaaten, die Preise fr Diesel-Kraftstoffe lagen nahe dem Durchschnittswert. Bei leichtem Heizl weist Deutschland weiterhin ein im EU-Vergleich gnstiges Preisniveau auf.

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    Abbildung I.8.1: Weltmarkt- und Einfuhrpreise fr energetische RohstoffeIndex 1991 = 100

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie, Bundesamt fr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, Minerallwirtschaftsverband

    Einfuhrpreis Steinkohle Einfuhrpreis Erdgas Einfuhrpreis Rohl Weltmarktpreis Rohl (OPEC-Korb)

    2013

    2012

    2011

    2010

    2009

    2008

    2007

    2006

    2005

    2004

    2003

    2002

    2001

    2000

    1999

    1998

    1997

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    1994

    1992

    1995

    1993

    1991

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 69

    I.8.1.4 Verbraucherpreise fr Erdgas

    Die Gaspreise sind 2013 angestiegen. Der durchschnitt-liche Gaspreis fr Haushaltskunden (Jahresverbrauch von 20 bis 200 GJ) in Deutschland belief sich im Jahr 2013 auf 7,13 ct/kWh (siehe Tabelle I.8.1, Seite 70). Damit lag er im Jahresdurchschnitt um 0,1 ct/kWh (1,4 Prozent) hher als

    im Vorjahr 2012. Der durchschnittliche Gaspreis fr Gewerbe- und Industriekunden (Jahresverbrauch von 100.000 bis 1 Million GJ) betrug 3,8 ct/kWh. Er ist damit gegenber dem Vorjahr um 0,31 ct/kWh (8,9 Prozent) gestiegen.

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    Juli 14Jan 14Juli 13Jan 13Juli 12Jan 12Juli 11Jan 11Juli 10Jan 10Juli 09Jan 09Juli 08Jan 08

    Abbildung I.8.2: Entwicklung der CO2-Preisein Euro/t CO2

    Dargestellt ist der Jahresfuture ICE im Monatsmittel.

    Quelle: European Energy Exchange

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    Abbildung I.8.3: Verbraucherpreise fr Minerallproduktein Euro/100 l

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie, Statistisches Bundesamt, Eurostat, Bundesamt fr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

    Heizl leicht Dieselkraftstoff Superbenzin Super-Plus

    2013

    2012

    2011

    2010

    2009

    2008

    2007

    2006

    2005

    2004

    2003

    2002

    1999

    1998

    1997

    2001

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  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201470

    Gaspreise im europischen Vergleich

    Haushalte in Deutschland zahlten 2013 niedrigere Gas-preise als der EU-Durchschnitt. Nach Eurostat-Zahlen lagen die Gaspreise in Deutschland mit 6,89 ct/kWh im europischen Vergleich unter dem EU-Durchschnitt von 7,07 ct/kWh. Hohe Preise mit 12,24 ct/kWh wurden u. a. in Schweden gezahlt. Haushalte im Vereinigten Knigreich zahlten dagegen mit 5,88 ct/kWh deutlich weniger. Im ers-ten Halbjahr 2014 sanken die Haushaltsgaspreise in Deutschland (6,78 ct/kWh), ebenso wie u a. in Schweden, whrend sie im Vereinigten Knigreich anstiegen (Eurostat 2014, Verbrauch von 20 bis 200 GJ, siehe Tabelle I.8.2).

    Gewerbe und Industrie in Deutschland zahlten 2013 mehr als im EU-Durchschnitt. Die Erdgaspreise in Deutschland fr die Verbrauchsgruppe mit einem Jahresverbrauch von 1 bis 4 Millionen GJ lag mit 3,27 ct/kWh (ohne Mehrwert-steuer) ber dem europischen Mittel von 3,07 ct/kWh. Die Preise fr gewerbliche Abnehmer in der EU sind nach einem Aufwrtstrend der letzten Jahre in 2013 im Durch-schnitt gesunken. Die Gewerbegaspreise in den skandinavi-schen Lndern wie Schweden fielen mit 4,63 ct/kWh hher aus. Dagegen zahlten die gewerblichen Abnehmer in Frank-reich (2,97 ct/kWh) und dem Vereinigten Knigreich (2,72 ct/kWh) niedrigere Preise als in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2014 sanken die Gewerbegaspreise in Deutschland auf 3,11 ct/kWh (Eurostat 2013, siehe Tabelle I.8.2). Im auereuropischen Vergleich betrgt der Gaspreis fr Unternehmen in Europa bis zum Dreifachen des Gasprei-ses, den Unternehmen in den USA zahlen (EU-Kommission 2014a).

    I.8.1.5 Verbraucherpreise fr Strom

    Grohandelsstrompreise

    Die Brsenstrompreise sind 2013 weiter deutlich zurck-gegangen. Im Grohandel wird Strom ber auerbrsliche bilaterale Vertrge sowie ber die Brse gehandelt. Im Br-sen-Terminhandel (European Energy Exchange) werden Strommengen mit verschiedenen standardisierten Liefer-zeitrumen gehandelt. Der Handel konzentriert sich vorran-gig auf Kontrakte fr das Folgejahr. Im Jahresdurchschnitt 2013 lag der Brsenpreis (baseload year future) bei 39,06 /MWh (siehe Abbildung I.8.4). Gegenber dem Vorjahr 2012

    (49,23 /MWh) stellt dies einen Preisrckgang von rund 20,6 Prozent dar. Einen vergleichbaren Verlauf wies auch der Spotmarkt-Preis auf. Im Jahresdurchschnitt 2013 ist er auf 37,82 /MWh gesunken. Im Vergleich zum Jahr 2012 stellt dies einen Preisrckgang um 11,7 Prozent dar.

    Strompreise fr Haushaltskunden

    Die durchschnittlichen Strompreise fr Haushaltskunden sind angestiegen. Im Jahresdurchschnitt 2013 betrugen sie 29,23 ct/kWh. Das sind 3,17 ct/kWh bzw. 12,2 Prozent mehr als im Vorjahr 2012 (mit 26,06 ct/kWh). In den Daten wird jeweils der Stichtag 1. April des Jahres zugrunde gelegt. Inflationsbe-reinigt fiel der Preisanstieg geringer aus (siehe Abbildung I.8.5, Seite 70). Fr das Jahr 2014 liegt der durchschnittliche Strom-preis nach Schtzungen bei 29,52 ct/kWh. Das ist ein Anstieg um 0,29 ct/kWh (1,0 Prozent) gegenber dem Jahr 2013.

    Die steigende EEG-Umlage war wesentlich fr den Strom-preisanstieg 2013. Der Strompreisanstieg ist anteilig zu rund der Hlfte auf den Anstieg der Umlagen zurckzufh-ren. Die Umlage erhhte sich auf 5,28 ct/kWh (siehe Kapitel I.1). Im geringeren Umfang erhhten sich weitere staatlich bedingte Preisbestandteile, wie Netzentgelte, die KWK-Umlage und die Umlage nach 19 Stromnetzentgeltver-ordnung. Die zunehmenden Investitionen in die Strom-netze fhren auch zu einer regional unterschiedlichen Entwicklung der Netzentgelte. Dabei treten unterschiedli-che Mehrbelastungen der Haushalte hinsichtlich der Stromnetzentgelte auf. Die Offshore-Haftungsumlage kam als eine neue Preiskomponente hinzu. Die Konzessionsab-gaben und die markt bedingten Kosten der Energiebeschaf-fung gingen leicht zurck. Die Mehrwertsteuer erhhte sich proportional, die Stromsteuer blieb konstant.

    Heizstrompreise fr Haushaltskunden

    Die Heizstrompreise sind 2013 leicht angestiegen. Sie blie-ben trotz eines Anstiegs auf einem geringeren Niveau als die brigen Haushaltsstrompreise. Rund zehn Prozent des Haushaltsstromverbrauchs entfallen auf Strom zum Betrieb unterbrechbarer Verbrauchseinrichtungen fr Heizzwecke, wie elektrische Nachtspeicherheizungen und elektrisch betriebene Wrmepumpen. Derzeit gibt es rund 2 Millio-nen Heizstromkunden, davon etwa 1,5 Millionen mit

    Tabelle I.8.1: Erdgaspreise in ct/kWh

    2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

    Haushaltskunden 6,51 7,10 6,98 6,36 6,66 7,03 7,13

    Gewerbe- und Industriekunden 3,12 4,09 3,29 3,48 3,62 3,49 3,80

    Preise fr Gewerbe- und Industriekunden ohne Mehrwertsteuer

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie nach Angaben von Eurostat

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 71

    Tabelle I.8.2: Erdgaspreise in EU-Mitgliedstaaten in ct/kWh

    2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 1. HJ 2014

    Haushaltskunden

    Deutschland 6,13 7,62 5,89 5,71 6,40 6,48 6,89 6,78

    EU (28 Lnder) 5,13 6,18 5,26 5,66 6,47 7,00 7,07

    Frankreich 5,15 5,78 5,83 5,75 6,46 6,82 7,29 7,01

    Italien 6,17 7,20 5,34 7,87 8,75 9,68 9,46 7,97

    Schweden 8,93 10,16 9,40 10,61 11,65 12,68 12,24 11,84

    Vereinigtes Knigreich 3,57 4,78 4,26 4,22 5,23 5,78 5,88 6,00

    Industriekunden

    Deutschland 2,59 3,64 2,74 3,25 3,35 3,33 3,27 3,11

    EU (28 Lnder) 2,37 3,23 2,33 2,65 2,94 3,16 3,07

    Frankreich 2,57 3,38 2,49 2,51 3,02 2,98 2,97 2,91

    Italien 2,52 3,64 2,39 2,58 3,02 3,50 3,20 3,01

    Schweden 3,71 4,09 4,69 4,95 4,63 4,09

    Vereinigtes Knigreich 1,91 2,68 1,30 2,09 2,36 2,77 2,72 2,63

    Angaben fr das jeweilige zweite Halbjahr (Haushaltskundenpreise inklusive Steuern, Industriekundenpreise ohne Mehrwertsteuer)

    Quelle: Eurostat

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    Abbildung I.8.4: Brsenstrompreise im Spotmarkt und Terminhandelin Euro/MWh

    Dargestellt sind Monatsmittelwerte fr Produkte Spotmarkt Day Base (Stundenkontrakte) und Phelix-Futures (Baseload, Year Future).

    Quelle: European Energy Exchange

    Terminmarktstrompreis Spotmarktstrompreis

    Jul 14Jan 14Jul 13Jan 13Jul 12Jan 11Jul 10Jan 10 Jan 12Jul 11Jul 09Jul 08Jul 07 Jan 09Jan 08Jan 07

    Nachtspeicherheizungen. Die Heizstrompreise lagen bei einem unterstellten Jahresverbrauch von 7500 kWh im Mittel bei 20,3 ct/kWh. Gegenber dem Vorjahr 2012 ergab sich ein Preisanstieg um 2,7 ct/kWh (rund 15 Prozent) (BNetzA, BKartA 2013). Heizstrom wird aufgrund der Unterbrechbarkeit gegenber Haushaltsstrom bei einigen

    Bestandteilen des Strompreises privilegiert: So erhalten Heizstrombezieher erhebliche Vergnstigungen bei den Netznutzungsentgelten und zahlen reduzierte Konzessi-onsabgaben. Auf Energiebeschaffung und Vertrieb entfielen bei Heizstrom 2013 im Mittel bundesweit nur 5,8 ct/kWh (BNetzA, BKartA 2013).

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201472

    Abbildung I.8.5: Strompreise fr Haushaltskunden in ct/kWh

    Angenommen wird ein Haushalt mit einen Jahresverbrauch von 3.500 kWh.

    Quelle: Bundesnetzagentur

    1. April 2007 1. April 2008 1. April 2009 1. April 2010 1. April 2011 1. April 2012 1. April 2013 1. April 20140

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    Energiebeschaffung und Vertrieb (inkl. Marge) Umlage nach EEGNetzentgelt Umlage nach KWKG

    Umlage nach 19 StromNEV

    Konzessionsabgabe

    Offshore-Haftungsumlage Steuern Gesamtpreis inationsbereinigt (BIP 2005)

    Strompreise fr Industriekunden

    Die Strompreise fr nicht-begnstigte Industrieunter-nehmen sind angestiegen. Gewerbe- und Industriekunden, die nicht unter die gesetzlichen Ausnahmeregelungen fal-len (siehe Kapitel I.8.1.6), zahlen zwar im Vergleich zu Haus-haltskunden teils niedrigere Konzessionsabgaben, teils individuelle Netzentgelte, die ihren atypischen, netzdienli-chen Verbrauch abbilden, sowie teilweise niedrigere Strom-steuern. Sie zahlen aber beispielsweise die EEG-Umlage in voller Hhe. Abbildung I.8.6 zeichnet die Strompreisent-wicklung fr diese Verbrauchsgruppe anhand der einzel-nen Preisbestandteile zum jeweiligen Stichtag 1. April nach. Diese Strompreise sind im Jahresdurchschnitt 2013 gegen-ber 2012 um 1,39 ct/kWh auf 17,17 ct/kWh (8,8 Prozent) angestiegen. Inflationsbereinigt fiel dieser Preisanstieg geringer aus. Bei einem Anstieg der EEG-Umlage um 1,69 ct/kWh ergab sich ein geringerer Nettopreisanstieg aufgrund der marktbedingten Kosten der Energiebeschaf-fung, die fr diese Verbrauchsgruppe gegenber dem Vor-jahr zurckgegangen sind (Abbildung I.8.6).

    Strompreise fr stromintensive Unternehmen

    Stromintensive Industriekunden zahlen sehr unterschied-liche Strompreise. Diese Strompreise werden je nach Abnahmemenge und Kontinuitt der Abnahme zwischen Stromversorger und Stromverbraucher individuell ausge-handelt. Abnahmemenge und Kontinuitt der Abnahme

    beeinflussen auch die Entlastung von verschiedenen Abga-ben und Umlagen (beispielsweise EEG-Umlage oder Netzentgelte, siehe Kapitel I.8.1.6).

    Bei mittleren Jahresverbrauchsmengen liegen die Strom-preise in einer betrchtlichen Bandbreite. Nach den statisti-schen Erhebungen fr das Verbrauchssegment von 70 bis 150 GWh sind die durchschnittlichen Strompreise 2013 auf 10,18 ct/kWh angestiegen. Das ist ein Anstieg von 0,92 ct/kWh oder 10 Prozent gegenber dem Vorjahr 2012 (mit 9,26 ct/kWh) (BDEW 2014b).

    Bei hohen Jahresverbrauchsmengen knnen die Strom-preise nur geschtzt werden. Es wurden verschiedene Schtzungen vorgenommen (siehe Tabelle I.8.3). In diesen Schtzungen wird der Strompreis eines Beispielunterneh-mens der stromintensiven Industrie anhand angrenzender statistischer Daten sowie Annahmen ber die Verbrauchs-mengen und Beschaffungsstrategien nachgebildet. Die unterschiedlichen Schtzwerte ergeben sich aus den Unter-schieden in den getroffenen Annahmen. Dies sind insbe-sondere unterschiedliche Annahmen zur Entwicklung der Strombrsenpreise und den unterstellten Verbrauchsmen-gen. Soweit die Unternehmen von Abgaben und Umlagen befreit sind, ist der Stromgrohandelspreis ein entschei-dender Einflussfaktor. Die Preistrends der letzten Jahre spiegeln insofern teilweise die Entwicklung der Brsen-strompreise (siehe Abbildung I.8.4, Seite 71) wider.

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 73

    Strompreise in Deutschland und EU-Mitgliedstaaten

    Die Haushaltsstrompreise in Deutschland liegen ber dem EU-Durchschnitt. Alle staatlich veranlassten Preisbe-standteile sind dabei mitbercksichtigt. Diese Entwicklung besteht seit einigen Jahren. Sie hat sich auch im Jahr 2013 fortgesetzt (Eurostat 2013).

    Die Strompreise fr kleine Gewerbe- und Industriekun-den in Deutschland liegen ber dem EU-Durchschnitt. Zugleich steigen die Strompreise fr diese Verbraucher-gruppe EU-weit. Die mittelstndische Wirtschaft ist teil-weise von steigenden Preisen betroffen, da insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen bestimmte Aus-gleichs- oder Erstattungsregelungen, beispielsweise bei der EEG-Umlage und den Netzentgelten, in der Regel nicht oder nur teilweise zur Anwendung kommen. Im europi-schen Vergleich bei Jahresverbrauchsmengen bis 20 MWh zeigt sich generell eine Entwicklung steigender Strompreise

    fr kleine Gewerbe- und Industriekunden (siehe Abbildung I.8.7, Seite 74). In Deutschland lagen die Strompreise fr diese Endverbrauchergruppe im 2. Halbjahr 2013 um rund 23 Prozent ber dem EU-Durchschnitt.

    Die durchschnittlichen Strompreise fr nicht-stromin-tensive Industrien liegen in Deutschland ber dem EU-Durchschnitt. Abbildung I.8.8 (siehe Seite 74) zeigt die Ent-wicklung fr das Segment mit Jahresverbrauchsmengen von 70 bis 150 GWh.

    Nationale Rahmenbedingungen beeinflussen die Strom-preise fr die stromintensiven Industrien in Europa. So fallen die Unternehmen unter national unterschiedlich ausgestaltete Regelungen zu Steuern, Abgaben und Umlagen sowie Netzkosten. Zusammen mit den Energiebezugskos-ten, die je nach nationalem Marktumfeld und unterneh-mensspezifischen Beschaffungsstrategien unterschiedlich ausfallen, resultieren daraus die Strompreisunterschiede.

    Abbildung I.8.6: Strompreis fr nicht-begnstigte Industriekundenin ct/kWh

    1. April 2007 1. April 2008 1. April 2009 1. April 2010 1. April 2011 1. April 2012 1. April 2013 1. April 2014

    Energiebeschaffung und Vertrieb (inkl. Marge) Umlage nach EEG

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    Netzentgelt Umlage nach KWKG

    Umlage nach 19 StromNEV

    Konzessionsabgabe

    Offshore-Haftungsumlage Steuern Gesamtpreis inationsbereinigt (BIP 2005)

    Angenommen wird ein Industrieunternehmen mit einen Jahresverbrauch von 24 GWh (Jahreshchstlast 4.000 kW und Jahresnutzungsdauer von 6.000 Stunden).

    Quelle: Bundesnetzagentur

    Tabelle I.8.3: Strompreise fr stromintensive Unternehmen in ct/kWh

    Jahresverbrauch in GWh 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

    GWS/Prognos/EWI (2014)

    k. A. 4,6 5,2 4,4 3,8

    Ecofys/Fraunhofer ISI (2013)

    150 und mehr 4,5 4,6 6,0 5,6 5,3 5,2 5,1 4,7

    Frontier/EWI (2010), EWI (2012)

    330 und mehr 1,97 2,08 2,38 2,47 2,87 3,42 4,19 5,58 5,66 7,11 5,00 5,07 5,68

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201474

    Strompreise fr stromintensive Industrien lassen sich durch Schtzungen abbilden. Fr Unternehmen mit einem Jahresstromverbrauch ber 150 GWh liegen keine amtlichen Statistiken vor. Demnach knnen nur Schtzun-gen Hinweise geben. So untersucht beispielsweise Ecofys, ISI 2014 Strompreise im Jahr 2013 fr stromintensive Unternehmen in ausgewhlten EU-Mitgliedstaaten. Abbil-dung I.8.9 zeigt die ermittelten Strompreise fr ein strom-

    intensives Beispielunternehmen in der Metallverarbeitung mit einem Jahresverbrauch von mehr als 1.000 GWh und einem Stromkostenanteil an der Bruttowertschpfung von mindestens 20 Prozent. Fr Deutschland und die Ver-gleichslnder wird fr die dort ansssigen stromintensiven Unternehmen unterstellt, dass umfassende Sonderregeln bei Steuern, Abgaben und Umlagen zur Anwendung kom-men. Wesentlicher Preisbestandteil fr diese Verbrauchs-

    Abbildung I.8.7: Strompreise fr kleine Gewerbe- und Industriekunden in EU-Mitgliedstaatenin ct/KWh ohne MwSt.

    Angaben fr jeweils das jeweilige 2. Halbjahr, fr 2014 fr das 1. Halbjahr.

    Quelle: Eurostat

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    Frankreich EU (28 Lnder) Dnemark Deutschland ItalienVereinigtes Knigreich

    2007 2. HJ 2008 2. HJ 2009 2. HJ 2010 2. HJ 2011 2. HJ 2012 2. HJ 2013 2. HJ 2014 1. HJ

    Abbildung I.8.8: Strompreise fr mittelgroe Gewerbe- und Industriekunden in EU-Mitgliedstaatenin ct/KWh ohne MwSt.

    Angaben fr jeweils das jeweilige 2. Halbjahr, fr 2014 fr das 1. Halbjahr.

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    Frankreich EU (28 Lnder)Schweden Deutschland ItalienVereinigtes Knigreich

    2007 2. HJ 2008 2. HJ 2009 2. HJ 2010 2. HJ 2011 2. HJ 2012 2. HJ 2013 2. HJ 2014 1. HJ

    Quelle: Eurostat

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 75

    gruppe sind in allen Lndern die direkten Beschaffungs-kosten (Stromgrohandelspreise). Daneben fallen Kosten in Form von Netzentgelten an. Auch diese werden teilweise reduziert. Der Anteil der brigen, staatlich bedingten Preis-bestandteile, wie Steuern und Abgaben, ist von geringerer Bedeutung oder fllt gar nicht an.

    Alle Berechnungen fr das Jahr 2013, Vergleichswert fr Texas aus 2012. Im Falle von Grobritannien wurde fr das betrachtete Unternehmen eine vollstndige Befreiung von Steuern und Abgaben angenommen.

    I.8.1.6 Energiepreise fr die im internationalen Wettbewerb stehende Wirtschaft

    Unternehmen, die in Deutschland produzieren und im internationalen Wettbewerb stehen, knnen durch hohe Energiepreise Kostennachteile gegenber Unternehmen an Konkurrenzstandorten entstehen. Vor diesem Hintergrund kommt den staatlich bedingten Bestandteilen der Energie-preise eine besondere Bedeutung fr die Wettbewerbsf-higkeit der Unternehmen zu.

    Energiesteuer und Stromsteuer

    Das Energiesteuergesetz und das Stromsteuergesetz ent-halten verschiedene Begnstigungen fr Unternehmen des produzierenden Gewerbes. Dabei handelt es sich um die Steuerentlastung fr bestimmte in der Regel beson-

    ders energieintensive Prozesse und Verfahren ( 51 Ener-gieStG, 9a StromStG), die allgemeine Energiesteuer- und Strom steuerentlastung nach 54 EnergieStG und 9b StromStG, die neben Unternehmen des Produzierenden Gewerbes auch fr Unternehmen der Land- und Forstwirt-schaft gilt, sowie den sog. Spitzenausgleich ( 55 EnergieStG, 10 StromStG). Diese Begnstigungen werden aus dem Bun-deshaushalt finanziert und sind mit jhrlichen Steuerminder-einnahmen von ber 4,5 Milliarden Euro verbunden (BMF 2013).

    Umlagen nach EEG und KWKG

    Die EEG- und KWKG-Umlagen fr das produzierende Gewerbe und den schienengebundenen Verkehr werden begrenzt (siehe Kapitel I.1). Das Entlastungsvolumen bei der Besonderen Ausgleichsregelung lag im Jahr 2013 bei 4,0 Milliarden Euro (siehe Kapitel I.1). Die Ausnahmen im EEG und KWKG tragen zu Strompreiserhhungen bei den pri-vaten Verbrauchern sowie den gewerblichen und industri-ellen Verbrauchern bei, die keine Privilegierungen fr sich in Anspruch nehmen knnen. So wurde die Entlastungs-wirkung durch die Besondere Ausgleichsregelung im Jahr 2013 mit 1,04 ct/kWh bzw. 19,7 Prozent der EEG-Umlage finanziert. Im Vorjahr 2012 waren es 0,63 ct/kWh (17,5 Pro-zent) (siehe Kapitel I.1). Ohne die Besondere Ausgleichs-regelung wre die EEG-Umlage unter sonst gleichen Bedin-gungen entsprechend geringer ausgefallen.

    Stromnetzentgelte und Konzessionsabgaben

    Stromnetzentgelte und Konzessionsabgaben sind unter-schiedlich hoch. Die Stromnetzentgeltverordnung und die Konzessionsabgabenverordnung sehen Differenzierungen bei der zu zahlenden Entgelt- bzw. Abgabenhhe vor. Diese Differenzierungen erfolgen nach bestimmten Kriterien. Aus ihnen kann jedoch keine Privilegierung oder Entlastungs-wirkung mit der Zielsetzung, die Wettbewerbsfhigkeit von Unternehmen zu untersttzen, abgeleitet werden. Strom-netzentgelte und kommunale Konzessionsabgaben sind privatrechtliche Gegenleistungen fr den Zugang zu Strom-bertragungs- und -verteilernetzen bzw. fr die Nutzung kommunaler Verkehrswege zur Versorgung von Letztver-brauchern mit Strom und Gas.

    I.8.2 Energiekosten

    Energiepreise und -verbrauchsmengen bestimmen die Kos-ten, die Haushalten und Unternehmen fr den Bezug von Energie entstehen. So individuell Verbrauchsmengen sind, so unterschiedlich fallen auch die Energieausgaben aus. Fr eine sektorale oder gesamtwirtschaftliche Betrachtung las-sen sich die einzelnen Ausgaben aufsummieren.

    Abbildung I.8.9: Strompreise fr stromintensive Unternehmen im internationalen Vergleich in ct/kWh

    Alle Berechnungen fr das Jahr 2013, Vergleichswert fr Texas aus 2012. Im Falle von Grobritannien wurde fr das betrachtete Unternehmen eine vollstndige Befreiung von Steuern und Abgaben angenommen.

    Quelle: Ecofys, ISI 2014

    Transport und Verteilung

    Steuern und Abgaben Frderung erneuerbarer Energien

    Energiebeschaffung

    Deutschland Frankreich VereinigtesKnigreich

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  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201476

    I.8.2.1 Energieausgaben der Haushalte

    Energieausgaben von Musterhaushalten sind ein mgli-cher Indikator fr die Bezahlbarkeit von Energie. Energie-ausgaben (bezogen auf das verfgbare Einkommen) knnen ein Indikator fr die Bezahlbarkeit von Energie sein. Zur Darstellung und Untersuchung der Entwicklung von Ener-gieausgaben privater Haushalte werden unterschiedliche Konzepte diskutiert, die verschiedene Aspekte beleuchten. Energieausgaben werden an dieser Stelle mittels definierter Musterhaushalte dargestellt.

    Die Annahmen zur Abbildung der Musterhaushalte sind transparent. Die zugrunde liegenden durchschnittlichen jhrlichen Energiepreise und Einkommen werden auf Grundlage von Daten des Statistischen Bundesamtes berechnet. Die Energieverbruche werden auf Basis von Angaben des Statistischen Bundesamtes, einer Erhebungs-studie von RWI/forsa (2013), einer Stromverbrauchserhe-bung der Energie Agentur NRW sowie des Kompendiums Verkehr in Zahlen (DIW 2013) festgelegt. Dabei werden ber den Zeitverlauf mengenmig konstante Verbruche unterstellt. Fr die hier entworfenen Musterhaushalte wird die Annahme getroffen, dass sie fr die Erzeugung von Raumwrme und Warmwasser den Energietrger Gas und als Pkw-Kraftstoff Superbenzin verwenden.

    Einkommensschwache Haushalte werden mitbetrachtet. In Anlehnung an die Armutsgefhrdungsdefinition der Europischen Union bzw. des Statistischen Bundesamtes (60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevl-kerung) werden vereinfachend 60 Prozent der hier verwen-deten Haushaltsnettoeinkommen zugrunde gelegt. Zum Energieverbrauch einkommensschwacher Haushalte liegen bisher nur wenig belastbare statistische Daten vor. Daher werden fr diese Haushaltsgruppe die gleichen Verbruche wie bei den brigen Musterhaushalten unterstellt. Bei defi-nitionsgem identischen Energiepreisen unterscheiden sich die beiden Musterhaushaltstypen somit nicht in ihren

    absoluten Energieausgaben, sondern nur in ihren Anteilen am jeweiligen Haushaltsnettoeinkommen.

    Die Energiegesamtausgaben eines Ein-Personen-Muster-haushalts sind 2013 leicht angestiegen. Die jhrlichen Energiegesamtausgaben umfassen Ausgaben fr Strom, Gas und Superbenzin. Sie betrugen im Jahr 2013 rund 2.641 Euro. Damit erhhten sie sich gegenber 2012 um rund 10 Euro (0,4 Prozent, siehe Abbildung I.8.10 und Tabelle I.8.4).

    Die Energiegesamtausgaben eines Vier-Personen-Muster-haushalts sind 2013 angestiegen. Fr den Vier-Personen-Musterhaushalt ist ein Paar mit 2 Kindern unter 18 Jahren unterstellt. Die Energiegesamtausgaben lagen 2013 bei rund 4.070 Euro. Damit erhhten sie sich gegenber 2012 um rund 86 Euro (2,2 Prozent, siehe Abbildung I.8.11 und Tabelle I.8.4).

    Die durchschnittlichen Einkommensanteile der Energie-ausgaben sind 2013 konstant geblieben oder sogar gesun-ken. Bezogen auf die im Durchschnitt weiter steigenden Haushaltsnettoeinkommen sank der Anteil der Energieaus-gaben fr einen Ein-Personen-Haushalt gegenber dem Vorjahr 2012 leicht. Der Ausgabenanteil fr einen Vier-Per-sonen-Musterhaushalt blieb konstant (siehe Tabelle I.8.4).

    Die Pkw-Nutzung hat einen groen Einfluss auf den Ein-kommensanteil der Energiegesamtausgaben. Dies zeigen die Zahlen fr beide Haushaltsgruppen. Der Anteil der Stromkosten fllt trotz des zuletzt gestiegenen Anteils im Vergleich deutlich geringer aus. Noch geringer ist bei den hier getroffenen Annahmen der Anteil der Gaskosten (ein-schlielich Wrmenutzung).

    Fr das Jahr 2014 ist bei beiden Haushaltstypen eine leicht verringerte Kostenbelastung absehbar. Bei nur geringfgig steigenden Strom- und stagnierenden Gaskosten und para l-lel steigenden Einkommen wirkt sich vor allem der Rck-gang der Superbenzinkosten dmpfend auf die Gesamtkos-tenbelastung aus.

    Tabelle I.8.4: Einkommen und Energieausgaben von Ein- und Vier-Personen-Musterhaushalten 2013

    Haushaltsnetto-einkommen pro Jahr

    Gas, Gesamt kosten (Strom,Kraftstoffe) pro Jahr

    Anteil der Gesamtaus-gaben am Einkommen

    davonStrom

    davonGas

    davonSuperbenzin

    Haushaltstyp 2013 (in Klammern: 2012)

    1-Person 22.879 2.641 11,6% 2,3% 2,3% 7,0%

    (22.452 ) (2.631 ) (11,7%) (2,1%) (2,3%) (7,4%)

    1-Person (60 % des Einkommens)

    13.714 identisch

    19,3% 3,8% 3,8% 11,7%

    (13.471 ) (19,5%) (3,4%) (3,8%) (12,3%)

    4-Personen 55.804 4.070 7,3% 2,3% 1,5% 3,4%

    (54.817 ) (3.984 ) (7,3%) (2,1%) (1,5%) (3,6%)

    4-Personen (60 % des Einkommens)

    33.482 identisch

    12,2% 3,9% 2,6% 5,7%

    (32.890 ) (12,1%) (3,5%) (2,6%) (6,0%)

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 77

    Neben den dargestellten Durchschnittsbelastungen bzw. Ausgaben der Musterhaushalte kann die Gesamtkostenbe-lastung fr bestimmte Haushalte hher liegen, insbeson-dere wenn die Entwicklung des individuellen Einkommens nicht mit den Preis- bzw. Kostenerhhungen einhergeht.

    I.8.2.2 Energiekosten der Industrie

    Die Energiekosten der Industrie in Deutschland sind 2013 insgesamt zurckgegangen. Die aggregierten Kosten betrugen rund 37,3 Milliarden Euro. Das ist ein Rckgang

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    2014*20132012201120102009 200820072006200520042003200220012000199919981997199619951994199319921991

    Abbildung I.8.10: Jhrliche Energieausgaben eines Ein-Personen-Musterhaushalts

    Ausgaben pro Jahr in Euro Anteil am Nettoeinkommen in Prozent

    Erdgas (7.350 kWh/Jahr)

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie

    Betrachtet wird eine Mietwohnung (55 m) in einem Mehrfamilienhaus mit Gasheizung.

    Strom (1.800 kWh/Jahr) ohne elektr. Warmwasser Superbenzin (1.000 Liter bei 13.000 km/Jahr mit 7,8 l/100 km)

    einkommensschwacher Haushalt * Schtzungdurchschnittlicher Haushalt

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    2014*20132012201120102009200820072006200520042003200220012000199919981997199619951994199319921991

    Abbildung I.8.11: Jhrliche Energieausgaben eines Vier-Personen-Musterhaushalts

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    22Ausgaben pro Jahr in Euro Anteil am Nettoeinkommen in Prozent

    Erdgas (12.000 kWh/Jahr)

    Betrachtet wird eine Mietwohnung (90 m) in einem Mehrfamilienhaus mit Gasheizung.

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie

    Strom (4.500 kWh/Jahr) ohne elektr. Warmwasser Superbenzin (1.200 Liter bei 15.000 km/Jahr mit 7,8 Liter/100 km)

    einkommensschwacher Haushalt *Schtzungdurchschnittlicher Haushalt

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201478

    um rund 0,7 Milliarden Euro (1,9 Prozent) gegenber dem Vorjahr 2012. Der Anteil von Stromkosten an den Gesamt-kosten liegt seit einigen Jahren bei knapp zwei Dritteln, nachdem er im Jahr 2000 bei etwas mehr als der Hlfte lag (siehe Abbildung I.8.12).

    Relative Energiekosten

    Der durchschnittliche Anteil der Energiekosten am Brut-toproduktionswert bleibt stabil. Die Energiekosten lassen sich ins Verhltnis zum Bruttoproduktionswert als unter-nehmerische Ertragsgre (Gesamtleistung) setzen. Nach Zahlen fr das Jahr 2012 (Statistisches Bundesamt 2014) hat-ten die Energiekosten im Verarbeitenden Gewerbe einen durchschnittlichen Anteil von 2,1 Prozent. Das entspricht dem Niveau der Vorjahre (BMWi 2014d).

    In den einzelnen Wirtschaftszweigen bleibt die unter-schiedliche Bedeutung der Energiekosten erhalten. Fr den Wirtschaftszweig Bergbau und Gewinnung von Steine und Erden lag der Energiekostenanteil bei 6,4 Prozent (siehe Tabelle I.8.5). Innerhalb dieser beiden Industrie-Wirtschafts-zweige fallen die Anteile je nach betrachtetem Bereich (Kategorie) unterschiedlich aus. Wertschpfungsstarke Bereiche mit einem hohen Beschftigungsbestand weisen einen teilweise geringen Anteil auf, wie die Herstellung von Kraftwagen (0,8 Prozent), der Maschinenbau (1,0 Prozent) oder die Herstellung von Metallerzeugnissen (2,2 Prozent). berdurchschnittliche Kostenanteile sind u. a. beim Ernh-rungsgewerbe (2,4 Prozent), in der Chemischen Industrie (4,6 Prozent) oder dem Papiergewerbe (6,8 Prozent) vorzu-finden. Hhere Anteile wurden fr Bereiche wie der Her-

    stellung von Zement (rund 17 Prozent) oder der Herstel-lung von Industriegasen (rund 28 Prozent) ermittelt.

    Der Energiekostenanteil an der Bruttowertschpfung im Verarbeitenden Gewerbe lag zuletzt bei 7,9 Prozent. Dies geht aus Zahlen fr das Jahr 2012 hervor (Statistisches Bun-desamt, Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie).Energiekosten als Anteil an der Bruttowertschpfung sind ein Indikator fr die Abbildung der Energiekostenbelas-tung. Gegenber dem Bruttoproduktionswert sind Bestands-nderungen und Kosten von auswrtigen Bearbeitungen nicht in der Bruttowertschpfung enthalten.

    I.8.2.3 Energiekosten aus gesamtwirtschaftlicher Sicht

    Die Gesamtausgaben fr den Primrenergieverbrauch in Deutschland sind gesunken. Sie lagen im Jahr 2013 bei rund 127 Milliarden Euro und waren damit um 2,6 Milliarden Euro (2 Prozent) niedriger als im Jahr 2012 (siehe Abbildung I.8.13).

    Das Verhltnis von Energieausgaben zum BIP erhhte sich 2013 auf 5,2 Prozent. Dabei wird eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,1 Prozent (real 0,1 Pro-zent) zugrunde gelegt. Im Vorjahr 2012 lag das Verhltnis noch bei 4,9 Prozent.

    Die Ausgaben fr den gesamten Endenergieverbrauch sind 2013 gestiegen. Sie betrugen im Jahr 2013 rund 236 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von 3,3 Pro-zent gegenber dem Vorjahr 2012 (mit 228 Milliarden Euro). Das Verhltnis von (End-)Energieausgaben zum BIP stieg auf 8,4 Prozent nach 8,3 Prozent im Vorjahr 2012.

    Abbildung I.8.12: Energiekosten in der Industriein Mrd. Euro

    Gase

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie auf Basis von Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen und des Statistischen Bundesamts

    Strom Kohleprodukte/Feste Brennstoffe Heizl/Minerallprodukte

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  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 79

    Die relativen Gesamtausgaben fr Strom lagen zuletzt auf einem hnlichen Niveau wie in den frhen 1990er Jahren. Die absoluten Gesamtausgaben der Letztstromverbraucher bilden die gesamtwirtschaftliche Kostenentwicklung bei Strom von der Verwendungsseite ab unter Bercksichtigung

    der staatlich induzierten und regulierten Ausgabenelemente sowie der marktgetriebenen Ausgabenelemente (siehe Stel-lungnahme der Experten-Kommission, 2012, 2014). Im Jahr 2012 betrugen sie 65 Milliarden Euro. Im Verhltnis zum nominalen BIP lag ihr Anteil 2012 damit bei 2,5 Prozent.

    Tabelle I.8.5: Energiekostenbelastung ausgewhlter Wirtschaftszweige

    WirtschaftszweigAnteil am Bruttoproduk tionswert

    2012 (in Prozent)Anteil an Bruttowertschpfung

    2012 (in Prozent)

    Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden 6,4 17,0

    Kohlenbergbau 6,3 23,2

    Gewinnung von Erdl und Erdgas 2 4,0

    Gewinnung von Steinen und Erden, sonstiger Bergbau 9,9 28,8

    Gewinnung von Natursteinen, Kalk- und Gipsstein, Kreide usw. 12,8 17,3

    Verarbeitendes Gewerbe 2,1 7,9

    Ernhrungsgewerbe 2,4 14,1

    Textilgewerbe 3,9 13,1

    Holzgewerbe (ohne Herstellung von Mbeln) 3,4 15,9

    Papiergewerbe 6,8 28,3

    Chemische Industrie 4,6 21,3

    Herstellung von Industriegasen 28,1

    Glasgewerbe, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden 7,3 24,4

    Herstellung von Flachglas 17,0 68,4

    Herstellung von Hohlglas 15,6 41,1

    Herstellung von Ziegeln und sonstiger Baukeramik 14,2 38,6

    Herstellung von Kalk und gebranntem Gips 23,9 71,1

    Metallerzeugung und -bearbeitung 5,4 31,4

    Herstellung von Metallerzeugnissen 2,2 6,3

    Quelle: Statistisches Bundesamt 2014

    Abbildung I.8.13: Ausgaben fr den Primrenergieverbrauchin Mrd. Euro

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie auf Basis von Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

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  • 80

    I.9 Energieforschung und Innovationen

    Im 6. Energieforschungsprogramm stellt die Bundes-regierung 3,5 Milliarden Euro fr Forschung und Ent-wicklung zur Verfgung. Die Frderperiode erstreckt sich von 2011 bis 2014. Die Bundesregierung entwi-ckelt dies weiter. Zudem engagieren sich die Bundes-lnder bei der Frderung der Energieforschung.

    Forschung und Entwicklung sind eine gemeinsame Aufgabe von Wirtschaft und Wissenschaft. Die Ener-gieforschungspolitik der Bundesregierung schafft die notwendigen Voraussetzungen fr Innovationen von Energietechnologien. Daneben ist die Wirtschaft ein Hauptinitiator fr Innovationen. Sie berfhrt neue Technologien und Lsungen zielgerichtet und effizient in den Markt. Unter anderem bei Elektrogerten lsst sich seit Lngerem eine Entwicklung hin zu effiziente-ren Gerten beobachten. Bei Patenten kommt es dar-auf an, dass die praktische Umsetzung in Technologien und neue Produkte erfolgt.

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 81

    Forschung und Innovation im Energiebereich sind zent-rale Handlungsfelder bei der Umsetzung der Energie-wende. Die Energieforschung als strategisches Element der Energiepolitik trgt wesentlich dazu bei, die Entwicklung von innovativen Technologien voranzutreiben. Diese untersttzen eine sichere, bezahlbare und umweltvertrgli-che Energieversorgung.

    Eine przise Beschreibung des Einflusses der Energie-wende in Deutschland auf Innovationsprozesse im Bereich Energietechnologien ist anspruchsvoll. Innovati-onsprozesse von der Forschung und Entwicklung bis hin zur Marktdurchdringung innovativer Produkte und Ver-fahren erstrecken sich in der Regel ber viele Jahre. Die

    Antriebskrfte dieser Innovationsprozesse sind vielfltig und oftmals untereinander verbunden. Darber hinaus laufen diese Entwicklungen zunehmend global ab. Hin-weise auf die Entwicklungen in den verschiedenen Berei-chen der Energieversorgung knnen einzelne Indikatoren entlang der unterschiedlichen Phasen des Innovationspro-zesses geben.

    I.9.1 Forschung und Entwicklung

    Forschung und Entwicklung ist eine gemeinsame Auf-gabe von Wirtschaft und Wissenschaft. ffentliche For-schungsfrderung untersttzt neben der Grundlagenfor-schung angewandte Forschung, technologische Entwicklung sowie Innovationsaktivitten. Dadurch wer-den private Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen ergnzt. Die Wirtschaft nimmt eine bedeutende Rolle bei Forschung und Innovation von Energietechnologien ein. Die darin investierten Mittel sind ein Indikator fr das Aus-ma und die Entwicklung der Forschungsanstrengungen.

    I.9.1.1 ffentliche Frderungen der Energieforschung

    ffentliche Frderungen von Forschung und Entwicklung zu neuen Energietechnologien werden in Deutschland vor allem aus Mitteln des Bundes geleistet. Darber hinaus stellen auch die Lnder sowie die Europische Union Fr-dermittel bereit.

    Forschungsfrderung des Bundes

    Die Ausgaben im Energieforschungsprogramm haben sich 2013 erhht. Fr die Umsetzung des 6. Energiefor-schungsprogramms der Bundesregierung Forschung fr eine umweltschonende, zuverlssige und bezahlbare Ener-gieversorgung wurden im Rahmen der Frderperiode 20112014 rund 3,5 Milliarden Euro fr die Frderung von Forschung und Entwicklung zur Verfgung gestellt. Im Jahr 2013 beliefen sich die Ausgaben auf 809 Millionen Euro. Sie erhhten sich damit gegenber dem Vorjahr 2012 mit 708 Millionen Euro um 14,3 Prozent.

    Energieeffizienz und erneuerbare Energien bleiben zent-rale Ausgabenbereiche. Rund 74 Prozent der Gesamtausga-ben flossen dabei in die Frderung der beiden zentralen Bereiche Energieeffizienz und erneuerbare Energien

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201482

    (siehe Abbildung I.9.1). Die Ausgaben im Bereich der Ener-gieeffizienz betrugen im Jahr 2013 297 Millionen Euro. Das sind 24,1 Prozent mehr als im Vorjahr 2012 mit 239 Millio-nen Euro. Vorhaben im Bereich der erneuerbaren Energien wurden mit 298 Millionen Euro untersttzt. Das entspricht einem Zuwachs von 14,3 Prozent gegenber dem Vorjahr 2012 mit 260 Millionen Euro. Vorhaben in den Bereichen Fusion und nukleare Sicherheit erhielten Untersttzung in Hhe von 139 Millionen Euro bzw. 76 Millionen Euro.

    Die Bundesregierung gibt im Bundesbericht Energiefor-schung einen berblick ber die Strukturen und Schwer-punkte der von der Bundesregierung gefrderten Energie-forschung in Deutschland. Darin wird u. a. die Verteilung der Frdermittel abgebildet, die ber verschiedene Bereiche wie die Energieeffizienz, erneuerbare Energien oder Kraft-werkstechnologien erfolgt (BMWi 2014e).

    Forschungsfrderung in Deutschland durch EU-Mittel

    Frderungen wurden im Rahmen des 7. Forschungsrah-menprogramms sowie dem Programm Intelligente Ener-gie Europa (IEE) gewhrt. Die EU-Mitgliedstaaten und das EU-Parlament haben unter dem 7. Forschungsrahmen-programm im Zeitraum der bisherigen Frderperiode rund 2,3 Milliarden Euro fr die Energieforschung bereitgestellt. Hinzu kamen 730 Millionen Euro fr das Programm Intel-ligente Energie Europa (IEE) als Bestandteil des Rahmen-programms fr Wettbewerbsfhigkeit und Innovation. Mit dem Ablauf der Frderperiode 2007 bis 2013 der Euro-pischen Union endeten sowohl das 7. Forschungsrahmen-

    programm fr Forschung und Entwicklung (FP7) als auch das Rahmenprogramm fr Wettbewerbsfhigkeit und Innovation (CIP). Im Januar 2014 startete das neue europi-sche Rahmenprogramm fr Forschung und Innovation Horizont 2020 (siehe Kapitel III.5).

    Im 7. Forschungsrahmenprogramm sind 282 Millionen Euro an Zuwendungsempfnger in Deutschland geflos-sen. Diese Zuwendungen an Wirtschaft und Wissenschaft verteilten sich auf unterschiedliche Themen im Bereich Energieforschung (siehe Abbildung I.9.2). Von den Frder-mitteln an die Wirtschaft haben kleine und mittlere Unter-nehmen (KMU) 42 Millionen Euro erhalten. Davon entfiel ein hoher Frderanteil auf den Bereich Erneuerbare Ener-gien.

    Im Programm Intelligente Energie Europa (IEE) sind 55 Millionen Euro an Zuwendungsempfnger aus Deutschland geflossen. Dazu gehrten Zuwendungsemp-fnger in Wirtschaft, Wissenschaft und dem ffentlichen Bereich. Die Frderungen im Zeitraum 2007 bis 2013 erfolgten fr die direkte Projektfrderung. Das IEE-Pro-gramm hatte als Ziel, mit Hilfe technologieuntersttzender Manahmen in den Bereichen Energieeffizienz und erneu-erbare Energien die Verbreitung und Umsetzung von Inno-vationen zu ermglichen und zu beschleunigen. Die nach Deutschland geflossenen Zuwendungen verteilten sich auf die Themenbereiche Energieeffizienz, Energieerzeugung und Integration erneuerbarer Energiequellen, alternative Kraftstoffe sowie auf Querschnittsaktivitten (siehe Abbil-

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    Abbildung I.9.1: Forschungsausgaben des Bundes im Energieforschungsprogrammin Mio. Euro

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie 2014b

    Nukleare Sicherheit Erneuerbare Energien

    Energieefzienz

    Fusion

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    Abbildung I.9.2: Frderungen fr Energieprojekte im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms in Mio. Euro

    Dargestellt sind die Frderungen von in Deutschland ansssigen Zuwendungsempfngern in den Jahren 2007 bis 2013.

    Quelle: Europische Kommission

    Wissenschaft andereWirtschaft

    Energieefzienz/intelligente

    Energienetze

    ErneuerbareEnergien

    CCS/Kraftwerks-technologien

    Sonstige

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 83

    dung I.9.3). Die Beteiligung der KMU war im IEE-Pro-gramm mit einem Frdervolumen vom insgesamt 29 Milli-onen Euro besonders hoch.

    Bundeslnder wie auch ffentlich-rechtliche Frderban-ken engagieren sich zunehmend in der Forschungsfrde-rung. Neben dem Bund haben die Bundeslnder im Jahr 2012 insgesamt 108,5 Millionen Euro fr die Energiefor-schung zur Verfgung gestellt. Die Gesamtaufwendungen der Bundeslnder haben seit 2008 deutlich zugenommen. Schwerpunkte waren auch hier v. a. die erneuerbaren Ener-gien und Energieeffizienz (BMWi 2014e). Des Weiteren gibt es 19 ffentlich-rechtliche Frderbanken, die Frdermittel fr den Energie- bzw. den Effizienzbereich bereitstellen.

    I.9.1.2 Private Forschung und Entwicklung

    Fr Unternehmen sind Investitionen in Forschung und Innovationen ein Schlssel fr Wettbewerbsfhigkeit. Ausrichtung und Umfang der unternehmensinternen For-schungsanstrengungen fr Produkte, Verfahren, Technolo-gien und Prozesse sind jeweils strategische Entscheidungen von Unternehmen am Markt.

    Start-ups und junge, innovative Unternehmen leisten einen wichtigen Beitrag zur privaten Forschung und Ent-wicklung. Sie erforschen und entwickeln innovative Pro-dukte und Prozesse und fungieren als Impulsgeber fr neue Technologien und Lsungen bzw. fr die Weiterent-

    wicklung bestehender Technologien. Dabei zeigen sie eine hohe Innovationsfhigkeit und ein hohes Engagement; sie sind flexibel und knnen Forschungsergebnisse schnell in marktreife Produkte umsetzen (siehe Kapitel I.9.3.1).

    I.9.2 Neuerungen von Energietechnologien

    Die Umsetzung von Forschung und Entwicklung in Inno-vationen hat einen vielschichtigen Charakter. Einzelindika-toren knnen diese Umsetzung ausschnittsweise abbilden.

    Impulse von Forschung und Entwicklung zeigen sich in den Patentanmeldungen. Diese Anmeldezahlen sind einer der wenigen Indikatoren, um die technologischen Erfolge in der Energieforschung abbilden zu knnen. Die Anzahl der Patente bildet allerdings nur ungenau ab, inwieweit eine praktische Umsetzung in Technologien und neue Produkte erfolgt (siehe Kapitel I.9.3) und wieweit tatsch-liche Vorteile bei Brgerinnen und Brgern sowie bei der Wirtschaft realisiert werden. Verbesserte Produkte, Dienst-leistungen und Prozesse knnen auch auf nicht patentier-tem Wissen basieren. Zustzlich ist diese Entwicklung im Zusam menhang mit den Patentanmeldungen in den anderen Wirtschaftsbereichen zu sehen.

    Die Patentanmeldungen im Bereich erneuerbarer Ener-gien sind zuletzt gestiegen. Dies gilt fr die Anmeldungen nationaler Patente durch deutsche und auslndische Anmelder. Im Jahr 2013 lag die Anzahl der angemeldeten Patente mit rund 1.950 Patenten in etwa auf dem Vorjah-resniveau von 2012. Wichtige Themen im Bereich der Windenergie waren zuletzt unter anderem die Integration ins Stromnetz, Rotorbltter, Offshore-Anlagen und die Energiespeicherung. Bei der Stromgewinnung aus Solarzel-len ging es vor allem um verbesserte Wirkungsgrade bei gleichzeitig geringeren Herstellungskosten (DPMA 2014).

    Die Anmeldung internationaler Patente bei erneuerbaren Energien durch deutsche Patentanmelder ist zuletzt ange-stiegen. Eine Erfindung kann zustzlich zur Anmeldung in Deutschland auch im Ausland geschtzt werden. Patentan-melder bzw. -besitzer haben unter anderem die Mglichkeit, eine internationale Anmeldung nach dem Patentzusam-menarbeitsvertrag (PCT) einzureichen. Die PCT-Anmeldun-gen durch deutsche Patentanmelder im Bereich erneuer-bare Energien (PV, Windenergie, Biomasse) lagen 2011 bei rund 423. Sie sind in den Jahren 2003 bis 2010 schrittweise angestiegen. Im Jahr 2011 war ein Rckgang der Patentan-meldungen zu beobachten (siehe Abbildung I.9.4, Seite 84).

    Speicher waren ein weiterer Schwerpunkte internationa-ler Patentanmeldungen aus Deutschland. Im Bereich Speichertechnologien kam es insbesondere im Jahr 2008 zu einer Verdopplung der Anmeldungen mit einem weiteren Anstieg in den Folgejahren. Im Jahr 2011 lag die Anzahl der

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    Abbildung I.9.3: Projektfrderungen im Rahmen des Programms Intelligente Energie Europa in Mio. Euro

    Dargestellt sind die Frderungen von in Deutschland ansssigen Zuwendungsempfngern in den Jahren 2007 bis 2013.

    Quelle: Europische Kommission

    Wissenschaft andereWirtschaft

    Energieefzienz ErneuerbareEnergien

    Alternative Kraftwerkstoffe

    Querscnnitts-aktivitten

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201484

    Anmeldungen mit 371 etwas unter dem Niveau im Bereich der erneuerbaren Energien. Auch im Bereich der konventi-onellen Erzeugung erhhte sich die Anzahl der jhrlichen Patentanmeldungen kontinuierlich und erreichte im Jahr 2009 ihren bisherigen Hchststand. In den Jahren 2010 und 2011 gingen die jhrlichen Anmeldungen wiederum zurck auf 60 (GWS, Prognos, EWI 2014 nach OECD).

    I.9.3 Marktverbreitung innovativer Energietechnologien

    Die Markteinfhrung innovativer Energietechnologien ist in erster Linie Aufgabe der Wirtschaft.

    I.9.3.1 Verbreitung innovativer Technologien im Bereich erneuerbarer Energien

    Das EEG hat zur Verbreitung von Erneuerbare-Energien-Technologien beigetragen. Neben den Impulsen zur tech-nologischen Weiterentwicklung aus u. a. aktuellen For-schungsprogrammen und Patentanmeldungen kam es in der Vergangenheit zu einem verstrkten Ausbau erneuer-barer Energien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die Verbreitung der erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung wurde in Deutschland dadurch mageb-lich vorangetrieben (siehe Kapitel I.1 und II.2).

    EEWrmeG und das Marktanreizprogramm haben die Ver-breitung in der Wrmeerzeugung untersttzt. Das Markt-anreizprogramm (MAP) enthlt fr bestimmte, besonders innovative Lsungen im Bereich der Wrme aus erneuerba-

    ren Energien spezielle Regelungen der Innovationsfrderung (siehe Kapitel II.4). Dies gilt zum einen fr die Frderung durch die Investitionszuschsse des Bundesamts fr Wirt-schaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). ber diesen BAFA-Fr-derteil wurden in den Jahren 2008 bis 2013 rund 6.100 groe Solarkollektoranlagen gefrdert. Frderungen erfolgen zum anderen durch zinsgnstige KfW-Darlehen und -Tilgungszu-schsse. Bei der Innovationsfrderung im KfW-Teil des MAP wurden in den Jahren 2008 bis 2013 z. B. fr 725 Biogasleitun-gen und 783 groe Wrmespeicher zinsgnstige Darlehen mit Tilgungszuschssen gewhrt.

    Innovatoren im Bereich erneuerbarer Energien

    In jungen, wachsenden Mrkten spielen Grndungen eine bedeutende Rolle. Neugegrndete, junge Unterneh-men sind oftmals eher in der Lage, Neuerungen in den Markt einzubringen. Die insbesondere durch das EEG ange-stoene Nachfrage nach Erneuerbare-Energien-Anlagen hat einen neuen Markt fr Anbieter erffnet, die entspre-chende Anlagen entwickeln und herstellen, deren Imple-mentierung planen oder die Anlagen installieren bzw. Wartungsarbeiten vornehmen.

    Bei erneuerbaren Energien gab es ab 2003 eine hohe Grndungsdynamik. Dies geht insbesondere auf junge Unternehmen der Energieerzeugung zurck. Die Zahl der Grndungen hat sich von 2003 bis 2010 nahezu verdreifacht (von 2.100 auf rund 6.000 Grnder jhrlich). Ab 2010 lagen die Grndungen bei rund 3.000 jhrlich (ZEW et al. 2014).

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    Abbildung I.9.4: Patente in verschiedenen energiewirtschaftlichen BereichenAnzahl

    Dargestellt sind Patente im Rahmen des Vertrages ber die Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Patentwesens (PCT), die durch deutsche Patentanmelder eingereicht wurden.

    Quelle: GWS, Prognos, EWI 2014 nach OECD

    EnergiespeicherKonventionelle Erzeugung Photovoltaik Windenergie Biomasse

    2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 85

    Grnder im Bereich der erneuerbaren Energien haben besondere Merkmale. Diese Grnder (ausgenommen Ener-gieerzeuger) sind zum Grndungszeitpunkt hufig grer als Grnder, die im selben Wirtschaftszweig, aber nicht im Geschftsfeld erneuerbarer Energien ttig sind. Dies zeigt sich an vergleichsweise hheren Mitarbeiterzahlen, einem hheren Umsatzniveau sowie auch an einem hheren Finanzierungsbedarf. Die grere Startgre korreliert ins-besondere bei Grndern in der Investitionsgterproduk-tion mit einer hheren Innovationskraft: 66 Prozent betrei-ben Forschung und Entwicklung. Die starke Aktivitt in Forschung und Entwicklung schlgt sich in einer hohen Anzahl von Patenten und Marktneuheiten nieder: 18 Pro-zent der Unternehmen im Bereich erneuerbarer Energien hatten vor der Grndung ein Patent. 36 Prozent der Unter-nehmen konnten national oder weltweit eine Marktneu-heit vorweisen.

    I.9.3.2 Verbreitung innovativer Technologien im Energieverbrauch

    Marktabsatzzahlen sind ein Indikator fr die Verbreitung effizienter Technologien. Es ist eine Vielzahl von Technolo-gien notwendig, um den Energieverbrauch entsprechend den Zielsetzungen des Energiekonzepts zu senken und zu flexibilisieren. Dies betrifft Technologien im Gebudebereich, aber auch Elektrogerte, Beleuchtungssysteme oder Elektro-autos. Marktabsatzzahlen knnen die Marktdiffusion effizi-enter Technologien mit Einsparpotenzial in Teilen abbilden. Sie geben Anhaltspunkte, inwieweit sich energieeffiziente Technologien in wichtigen Anwendungsbe reichen in den vergangenen Jahren in der Anwendung durchsetzen konn-ten (GWS, Prognos, EWI 2014, siehe Kapitel I.2).

    Gebudebereich

    Pull-Strategie und Push-Strategie treiben die Verbreitung innovativer Technologien voran. Investitionen in innovative und hocheffiziente Energieeffizienzmanahmen, insbeson-dere zu energetischen Sanierungen (Passivhausfenster, hoch-effiziente Dmmstoffe, hohe Dmmstrken etc.) wurden durch KfW-Programme angereizt. Dies hat zu einer beschleu-nigten Marktdiffusion dieser Technologien beigetragen (Pull-Strategie). Darber hinaus trgt die regelmige Anpassung des Ordnungsrechts an den technologischen Fortschritt und gesamtwirtschaftliche Entwicklungen (z. B. Energiepreise) dazu bei, dass veraltete Technologien kontinuierlich aus dem Markt ausscheiden (Push-Strategie) (siehe Kapitel II.4).

    Sanierungsmanahmen mit dem geringsten Wrmeverlust gewinnen an Bedeutung. Der Anteil dieser Sanierungsma-nahmen hat seit 2006 im Zeitverlauf deutlich zugenommen. Das folgt aus der Betrachtung der Effizienzentwicklungen bei den energetischen Sanierungen im Rahmen der KfW-

    Frderungen. Dies gilt im unterschiedlichen Ausma fr die unterschiedlichen Bauteile wie Dach, oberste Geschossdecke, Wand (Fassade) und Fuboden (GWS, Prognos, EWI 2014 nach Zahlen von IWU, BEI und IFAM). Fr den Bereich der Fenster zeigt die Entwicklung der Marktanteile von Glsern und Wrmedmmglsern eine ber die Zeit zunehmende Verwendung von Fensterglas mit einem geringeren Wrme-durchgang (GWS, Prognos, EWI 2014 nach Verbandszahlen).

    Heizungen und Warmwasser

    Effiziente Brennwertsysteme konnten ihren Marktanteil deutlich steigern. Bei den jhrlich abgesetzten Wrmeer-zeugern dominieren nach wie vor die mit l oder Gas betriebenen Technologien. Brennwertsysteme als die effi-zientere konventionelle Technologie haben ihren Markt-anteil von 42 Prozent im Jahr 2005 auf 66 Prozent im Jahr 2012 gesteigert. Der Anteil der Niedertemperatursysteme ist dagegen von 51 Prozent im Jahr 2005 auf 21 Prozent im Jahr 2012 deutlich zurckgegangen (GWS, Prognos, EWI 2014 nach Verbandszahlen).

    Weitere Wrmeerzeuger bleiben im Blickfeld. Der Anteil der Biomasse-Heizungen liegt seit 2005 bei rund vier Pro-zent. Der Anteil elektrischer Wrmepumpen ist von 2,6 Pro-zent im Jahr 2005 auf 9,2 Prozent im Jahr 2012 angestiegen. Die Anteile von solarthermischen Anlagen und KWK-Anla-gen zur Erzeugung von Raumwrme betrugen im Zeitraum von 2005 bis 2012 weniger als ein Prozent (GWS, Prognos, EWI 2014 nach Verbandszahlen).

    Solarthermische Anlagen werden zur Warmwassererzeu-gung eingesetzt. Diese Anlagen eignen auch als eine effizi-ente Technologie zur Warmwassererzeugung. Die neu ins-tallierte Kollektorflche hat sich im Zeitraum von 2000 bis 2008 deutlich erhht. Nach diesem Zeitraum lag sie in den Jahren 2010 bis 2013 bei 1,0 bis 1,2 Millionen Quadratmetern pro Jahr (GWS, Prognos, EWI 2014 nach Verbandszahlen).

    Elektrogerte

    Bei Elektrogrogerten wird eine kontinuierliche und weitgehende Marktverbreitung effizienter Gerte sicht-bar. Dies zeigen die Absatzzahlen der letzten Jahre. Die Nutzung von Elektrogrogerten, wie Waschmaschinen, Wschetrockner, Geschirrspler, Khl- und Gefriergerte, hat einen wesentlichen Einfluss auf den Stromverbrauch in privaten Haushalten sowie im Dienstleistungssektor.

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201486

    Bei den einzelnen Gertegruppen fllt die Marktdurch-dringung effizienter Produkte unterschiedlich aus. Unter-schiede im Ausma und Geschwindigkeit der Marktdurch-dringung zeigen die Zahlen fr den Zeitraum 2002 bis 2011 (siehe Abbildung I.9.5). Bei den Gefriergerten lag der Anteil der hchsten Effizienzklassen A+, A++ und A+++ an der Gesamtabsatzmenge im Jahr 2011 bei 90 Prozent. Bei Khl-gerten lag dieser Anteil bei ber 80 Prozent, bei Waschma-schinen und Geschirrsplern bei rund 50 Prozent. Dagegen waren bei Wschetrocknern auch 2011 die hchsten Effizi-enzklassen nicht vertreten und es dominierte die niedrigere Effizienzklasse B mit rund 50 Prozent des Absatzes (GWS, Prognos, EWI 2014 nach GfK).

    ltere, ineffiziente Gerte verbleiben aufgrund ihrer hohen Lebensdauer oftmals lange Zeit im Gertebestand. Dieser Trend lsst sich trotz einer wachsenden Bedeutung effizienter Gerte in der Neubeschaffung beobachten. Ins-gesamt zeigt sich bei allen Produktbereichen eine Entwick-lung hin zu effizienteren Gerten. Zudem gehen Gerte mit geringerer Effizienz teils aufgrund gesetzlicher Verordnungen aus dem Markt (GWS, Prognos, EWI 2014).

    Beleuchtung

    Im Markt fr Lampen zeichnen sich Vernderungen ab. Neue Beleuchtungstechnologien sind effizienter als her-kmmliche Glhlampen. Der Anteil der vermarkteten

    Abbildung I.9.5: Elektrogerte: Anteile der hchsten Efzienzklassen an der Absatzmengein Prozent des Gesamtabsatzes

    Dargestellt sind die Anteile von Produkten der Efzienzklassen A+, A++ und A+++ an der jhrlichen Gesamtabsatzmenge.

    Quelle: GWS, Prognos, EWI 2014 nach GfK

    WaschmaschinenGeschirrsplmaschinen Khlgerte Gefriergerte

    20032002 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

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    Glhlampen an den abgesetzten Lampen ist seit 2004 rck-lufig. Ab September 2016 wird ein Verbot fr den Absatz von Lampen der Effizienzklassen C oder schlechter gelten. Das gilt auch fr die Glhlampe. Die Glhlampe war im Jahr 2011 mit einem Anteil von 46 Prozent der am weitesten verbreitete Lampentyp. Der Anteil der Energiesparlampe (Kompaktleuchtstofflampe) erhhte sich bis ins Jahr 2008 auf zehn Prozent. In den Folgejahren hat sich der Anteil nicht wesentlich verndert. Der Anteil der Halogenlampe liegt seit 2006 bei rund 16 Prozent des Gesamtabsatzes. Darin enthalten ist der Anteil der LED-Lampe mit einem Prozent im Jahr 2011 (GWS, Prognos, EWI 2014 nach ZVEI und GfK).

    Verkehrsbereich alternative Pkw-Antriebe

    Elektrofahrzeuge sind energieeffizienter als herkmm - l iche Benzin- und Dieselfahrzeuge. Die Elektrifizierung der Pkw-Antriebssysteme stellt zudem eine innovative Technologie zur Senkung der Treibhausgasemissionen im Verkehr dar. Bei den jhrlichen Neuzulassungen dominie-ren jedoch nach wie vor Diesel- und Benzin-Pkw. Mit rund 25.000 Pkw im Jahr 2013 waren Hybrid-Antriebe das absatzstrkste alternative Antriebssystem (GWS, Prognos, EWI 2014 nach Kraftfahrt-Bundesamt, siehe Kapitel I.4).

  • 87

    I.10 Gesamtwirtschaftliche Effekte der Energiewende

    Die Energiewende untersttzt den Wachstumspfad der deutschen Volkswirtschaft. Die Investitionen in erneuerbare Energien und in die Steigerungen von Energieeffizienz lagen 2013 weiterhin im zweistelligen Milliardenbereich. Diese Investitionen lsen gesamt-wirtschaftliche Impulse aus. Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Investitionen in Energieeffizienz entfalten nennenswerte Beschftigungswirkungen.

    Erneuerbare Energien und Energieeffizienz tragen in Deutschland zu Einsparungen bei fossilen Primr-energietrgern bei. Die Energiewende schafft zudem Rahmenbedingungen, die die Entwicklung und Ver-breitung innovativer Energietechnologien aus Deutschland begnstigen und neue Chancen auf inter-nationalen Mrkten. Mit dem Umbau des Energie-systems in Richtung einer nachhaltigeren und risiko rmeren Energieversorgung sind weniger Treib -hausgase und andere qualitative Vorteile verbunden.

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201488

    Der Umbau der Energieversorgung hat auch im Jahr 2013 Impulse fr Wachstum, Investitionen und Beschftigung ausgelst.

    Die Impulse der Energiewende auf die gesamtwirtschaftli-che Entwicklung in Deutschland werden teils berlagert von anderen Effekten. Diese Effekte sind auf andere Ein-flussfaktoren wie das weltwirtschaftliche Umfeld zurckzu-fhren. Fr die Abbildung der konkreten Auswirkungen der Energiewende sind die Effekte, die der Energiewende zuzu-rechnen sind, von den brigen Effekten zu unterschieden.

    Gesamtwirtschaftliche Nettoeffekte

    Gesamtwirtschaftliche Nettoeffekte der Energiewende lassen sich durch empirische Modellierungen erfassen. Darin wird die beobachtbare Energiewende-Entwicklung mit einer theoretischen Situation ohne Energiewende verglichen. Eine solche vergleichende Modellierung wurde von GWS, Prognos, EWI (2014) unternommen. Dabei ist die theoretische Entwicklung ohne Energiewende durch das Referenzszenario der Energieszenarien 2010 (Prognos, EWI, GWS 2010) abgebildet. Auch dieses Szenario beinhaltet annahmegem einen Ausbau der erneuerbaren Energien und Energieeffizienz-Steigerungen. Die Entwicklungen fal-len aber im Vergleich zu dem von der Politik angestoenen Energiewende-Pfad deutlich moderater aus. Die Modellie-rung betrachtet die Zeitrume 2010 bis 2013 sowie 2014 bis 2020 (siehe Kapitel III.6) und nutzt damit eine von mehre-ren Mglichkeiten, die bisherige Energiewende und ihre Wirkungen zeitlich einzugrenzen.

    Nicht erfasst werden damit die durch Manahmen getrie-benen Effekte vor 2010 sowie die Auswirkungen, die erst nach 2020 eintreten. Dennoch bietet die Analyse gegenber Teilindikatoren zustzliche Informationen: Weitergehende Zweitrunden- und Rckkopplungseffekte werden besser erfasst. Die Wirkungsrichtung und -strke der verschiede-nen Impulse knnen dabei von verschiedenen Einflussgr-en abhngig sein.

    Gesellschaftliche Vorteile

    Mit dem Umbau des Energiesystems ist eine Reihe von qualitativen Vorteilen fr die Gesellschaft sowie fr Umwelt und Klima verbunden. Diese qualitativen Vorteile durch einen Umbau in Richtung einer nachhaltigeren und risikormeren Energieversorgung gehen ber unmittelbare Auswirkungen auf gesamtwirtschaftliche Gren wie Wachstum, Investitionen und Beschftigung hinaus. So werden im Vergleich zur bisherigen Energiebereitstellung aus fossilen Energietrgern beim Einsatz erneuerbarer Energien und mit einer gesteigerten Energieeffizienz deut-lich weniger Treibhausgase emittiert. Dadurch wird ein

    Beitrag zur Vermeidung klimabedingter Schden wie ber-schwemmungen, Ernteausflle, aber auch Verlust von Bio-diversitt bzw. weiterer Folgen des Klimawandels geleistet. Die Quantifizierung dieser positiven Nutzen-Effekte ist methodisch anspruchsvoll und mit einer Reihe von Annah-men verbunden. Das Umweltbundesamt hat diese Fragen in mehreren Studien nher untersucht (siehe Kapitel III.7).

    I.10.1 Investitionen

    Investitionen sind einer der wichtigsten Treiber der Ener-giewende. Insbesondere durch Investitionen in erneuer-bare Energien und Energieeffizienz ergeben sich gesamt-wirtschaftliche Impulse.

    I.10.1.1. Investitionen in erneuerbare Energien

    Die Investitionen in Erneuerbare-Energien-Anlagen in Deutschland lagen nach Schtzungen im Jahr 2013 bei einem Volumen von 16,1 Milliarden Euro (siehe Abbildung I.10.1). Die Hhe der Gesamtinvestitionen korrespondiert nicht mit der Entwicklung des Ausbaus. Insbesondere durch deutlich sinkende Preise fr Neuanlagen konnte auch mit geringeren Investitionsvolumina der Ausbaupfad fortgesetzt werden (siehe Kapitel I.1). Anteilig haben 2013 vor allem die Investitionen in Windkraftanlagen zugenom-men und die Investitionen in PV-Anlagen bertroffen.

    Abbildung I.10.1: Investitionen in erneuerbare Energienin Mrd. Euro

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie 2014 nach Daten des Zentrums fr Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung

    Geothermie Biomasse Wrme

    Wind PhotovoltaikBiomasse Strom Wasser

    Solarthermie

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    2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 89

    Investitionen in erneuerbare Energien wren ohne die Energiewende-Beschlsse in ihrer Hhe zuletzt deutlich niedriger ausgefallen. Die in diesem Sinne zustzlichen Investitionen betrugen im Jahr 2013 rund 3,5 Milliarden Euro, nachdem sie in den Jahren 2010 bis 2012 zwischen 15,5 und 17,5 Milliarden Euro lagen (GWS, Prognos, EWI 2014). Bei sinkenden Anlagekosten wurden durch die Fr-derung mittels Einspeisevergtungen vergleichsweise hohe Investitionsrenditen in Aussicht gestellt und somit Investi-tionsanreize geschaffen.

    Investitionen in erneuerbare Energien sowie auch Inves-titionen in Energieeffizienzmanahmen lsen weitere Investitionen aus. Dazu gehren z. B. Investitionen in die Netzinfrastruktur oder in den Einsatz moderner Informa-tions- und Telekommunikationstechnologien.

    I.10.1.2. Investitionen in Energieeffizienz

    Investitionen in Energieeffizienz werden durch ffentli-che Frderungen sowie durch ordnungsrechtliche Ma-nahmen vorangetrieben (siehe Kapitel II.3 und Kapitel II.4). Zu den damit ausgelsten Effizienzinvestitionen lie-gen unterschiedliche Abschtzungen vor. Fr den zentralen Bereich der energetischen Gebudesanierung hat das Deut-sche Institut fr Wirtschaftsforschung (DIW) fr das Jahr 2013 Investitionen in rund 39 Milliarden Euro bei beste-henden Wohnungsgebuden und rund 15 Milliarden Euro bei bestehenden Gebuden des Nichtwohnungsbaus ermit-telt (siehe Kapitel I.4).

    Die zustzlichen Effizienzinvestitionen sind weiter gestiegen. Im Zuge der von der Politik eingefhrten Effizi-enzmanahmen wurden in den Sektoren der Energienach-frageseite zustzliche Investitionen gettigt. Abbildung I.10.2 gibt einen Eindruck ber die von den Energiewende-Beschlssen 2010/11 ausgelsten Investitionsimpulse (GWS, Prognos, EWI 2014). Die zustzlichen Investitionen stiegen 2013 auf ein Volumen von 5 Milliarden Euro. Im Vorjahr 2012 lagen sie noch bei netto 4,1 Milliarden Euro (GWS, Prognos, EWI 2014).

    Die zustzlichen Investitionen wurden vor allem von den privaten Haushalten gettigt. In den Jahren 2011 bis 2013 haben die Haushalte jhrlich rund 3 bis 3,5 Milliarden Euro investiert. Zum angenommenen Vergleichsfall ohne Ma-nahmen hat die energieintensive Industrie 2013 zustzliche Investitionen gettigt. Im Jahr 2012 wurde netto weniger investiert. Im Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistun-gen wurden weitere zustzliche Investitionen durchgefhrt (GWS, Prognos, EWI 2014).

    I.10.2 Auenwirtschaftliche Impulse

    I.10.2.1 Vermiedene fossile Brennstoffe

    Der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz tragen in Deutschland zu Einsparungen bei fossilen Primrenergietrgern bei.

    Fossile Brennstoffe, die als Energietrger in Deutschland verwendet werden, sind zu groen Teilen importiert. Im Jahr 2013 lag die Nettoimportquote fr Erdgas bei 86,8 Pro-zent, bei Steinkohle bei 87,2 Prozent und bei Minerall sogar bei 97,7 Prozent. Eine Ausnahme bildet die Braun-kohle, die einen geringen Nettoexportberschuss aufweist.

    Ohne erneuerbare Energien wre die Importnachfrage nach fossilen Brennstoffen hher ausgefallen. Im Jahr 2013 hat Deutschland fossile Energietrger im Wert von ins-gesamt 92 Milliarden Euro eingefhrt (2012: 93 Milliarden Euro). Der dmpfende Effekt auf die Importnachfrage nach fossilen Brennstoffen betrug im Jahr 2013 rechnerisch brutto 9,1 Milliarden Euro (siehe Abbildung I.10.3, Seite 90). Unter Bercksichtigung biogener Brennstoffimporte lag dieser Wert bei rund 8,2 Milliarden Euro (ISI, DIW, GWS, IZES 2014). Diese Brennstoff-Einsparungen entsprechen unmittelbar geldwerten Einsparungen der deutschen Volks-wirtschaft.

    Abbildung I.10.2: Zustzliche Investitionen der Energienachfrage-Sektoren in Mrd. Euro

    Quelle: GWS, Prognos, EWI 2014

    brige Industrie VerkehrEnergieintensive Industrie

    Gewerbe, Handel, DienstleistungenPrivate Haushalte

    2010 2011 2012 2013-2

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  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201490

    Ohne Effizienzfortschritte wre die Importnachfrage nach fossilen Brennstoffen hher ausgefallen. Die Steige-rung der Energieeffizienz trug dazu bei, dass die Nachfrage nach fossilen Brennstoffimporten vergleichsweise geringer ausfiel. Im Jahr 2012 konnten durch die seit 1995 imple-mentierten Effizienzmanahmen sowie insbesondere durch die allgemeine technologische Entwicklung Impor te in Hhe von schtzungsweise 26 Milliarden Euro eingespart werden (GWS 2013).

    Aufgrund aktueller Energiewende-Manahmen hat Deutschland 2013 rund 1,7 Milliarden Euro weniger fr fossile Brennstoffe ausgegeben. Die Nettoeffekte der Ener-giewende-Manahmen, die mit dem Energiekonzept 2010 auf den Weg gebracht wurden, lassen sich in einer integrier-ten Betrachtung untersuchen (GWS, Prognos, EWI 2014). Danach nahmen die Einsparungen bei fossilen Brennstoffen seit 2010 kontinuierlich zu. Die Einsparungen betrafen vor allem Erdl und Steinkohle (siehe Abbildung I.10.4).

    Die Einsparungen von Energieimporten haben die beste-henden berschsse in der Handels- und Leistungsbilanz Deutschlands nicht wesentlich verstrkt. Vielmehr sind mit dem Wachstumsimpuls in den Jahren 2010 bis 2012 (siehe Kapitel I.10.3) zustzliche Importe von jeweils rund 2 bis 3,5 Milliarden Euro nach Deutschland einhergegangen. Die Energiewende hat die gesamtwirtschaftlichen Importe damit im Verhltnis geringfgig erhht (jeweils 0,2 bis 0,3 Prozent) (GWS, Prognos, EWI 2014).

    I.10.2.2 Exporte und Importe moderner Energietechnologien

    Mit der Energieforschungspolitik sowie mit der Frderung von erneuerbaren Energien und von Energieeffizienz hat die Bundesregierung Rahmenbedingungen geschaffen, die die Entwicklung und Verbreitung von innovativen Energie-technologien aus Deutschland begnstigt (siehe Kapitel I.9 und Kapitel I.1). Fr die Unternehmen erffnen sich da -durch auch neue Chancen auf den internationalen Mrkten.

    Abbildung I.10.3: Vermiedene Brennstoffkosten durch erneuerbare Energienin Mrd. Euro

    Angaben als Bruttowerte

    Quelle: ISI DIW, GWS, IZES 2014

    20132012201120102009 2008200720062005200420032002200120000

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    Abbildung I.10.4: Vermiedene fossile Brennstoffkosten in Mio. Euro

    Quelle: GWS, Prognos, EWI 2014

    SteinkohleErdlErdgasMineralle

    2010 2011 2012 2013-200

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  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 91

    Deutschland ist seit den 1990er Jahren einer der grten Exporteure von Technologiegtern zur Nutzung von erneuerbaren Energien. Exporte bei Gtern zur Nutzung erneuerbarer Energien hatten im Jahr 2011 ein Volumen von 10,0 Milliarden Euro. Davon waren rund drei Viertel auf die Solarenergie zurckzufhren. Der Anteil der Wind-energie lag 2011 bei rund 17 Prozent, der der brigen erneuerbaren Energietrger, wie Wasserkraft, Wrmepum-pen, Biomasse und Biogas, bei rund 9 Prozent. Die Exporte von Erneuerbare-Energien-Gtern sind insgesamt gestie-gen. 2002 lagen die Exporte noch bei 3,2 Milliarden Euro. Diesen Exporten standen ber die vergangenen Jahre hin-weg jeweils Importe im annhernd gleichen Gesamtumfang gegenber. Rund die Hlfte der Gesamtimporte in Hhe von 9,8 Milliarden Euro ging auf Solarzellen und -module zurck. Der Anteil der Windenergie an den Importen lag 2011 bei rund 14 Prozent. Damit wurden im Saldo mehr Windenergiegter exportiert als importiert (NIW, ISI 2014).

    Deutschland exportiert verstrkt auch Energieeffizienz-Gter. Das sind Gter, die im Zusammenhang mit Effizi-enzmanahmen im Bereich der rationellen Energiever-wendung und -umwandlung verwendet werden. Dazu zhlen z. B. energieeffizientere Elektrogerte oder Dmm-stoffe. Im Jahr 2011 entsprach der Wert der Exporte rund 9,8 Milliarden Euro und lag damit auf dem Niveau der Exporte von Erneuerbare-Energien-Gtern. Die Importe im Effizienzbereich lagen bei rund 4,8 Milliarden Euro (NIW, ISI 2014).

    I.10.3 Preiseffekte und Wachstumsimpulse

    Unterschiedliche Einzelimpulse bestimmen den Energie-preis-Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Die in den letzten Jahren zu beobachtenden nderungen der Energiepreise betrafen unter anderem l und Gas. Diese werden wesentlich von den internationalen Roh-stoffmrkten beeinflusst (siehe Kapitel I.8). Strompreise werden insbesondere auch durch staatlich bedingte Preis-bestandteile beeinflusst. Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat durch die Umlagefinanzierung zu steigenden Strompreisen fr die Verbrauchergruppen gefhrt, die nicht von der EEG-Umlage befreit waren. Stromintensive Unternehmen waren dagegen bei Erfllung bestimmter Voraussetzungen weitgehend von der EEG-Umlage befreit. Hier steht der Energiestandort Deutschland in einem star-ken internationalen Wettbewerb mit anderen Standorten, insbesondere den USA. Zugleich hat der Zubau erneuerba-rer Energien bei gleichzeitig hohen Bestand an konventio-nellen Kraftwerken auch im Jahr 2013 zum Trend weiter sinkender Brsenstrompreise beigetragen.

    Ohne die Energiewende-Manahmen wre die Inflation geringfgig niedriger. Die Nettobetrachtung der angespro-chenen Einzelimpulse zeichnet ein differenziertes Bild

    (GWS, Prognos, EWI 2014). Die Strompreise lagen im Jahr 2011 zunchst geringfgig hher als im Vergleichsfall ohne Energiewende. In den Jahren 2012 und 2013 stiegen die Kosten insbesondere fr die Verbrauchsgruppen, die nicht unter die Ausnahmeregelungen fallen. Verbrauchsgruppen, die ihren Strom zu Grohandelskonditionen beziehen, realisierten in den Jahren 2012 und 2013 netto sinkende Strompreise. In der Summe lag damit das gesamtwirt-schaftliche Preisniveau 2013 um 0,29 Prozentpunkte ber dem Niveau im Vergleichsfall ohne Energiewende. Die ohnehin geringe Inflation lag geringfgig hher, als dies ohne die Energiemanahmen der Fall gewesen wre.

    Investitionen in erneuerbare Energien haben zuletzt zu einem Netto-Wachstum beigetragen. Neben diesen Preiseffekten waren vor allem die hohen Investitionen in erneuerbare Energien in den Jahren 2010 bis 2012 der domi-nierende Einflussfaktor (siehe Kapitel I.10.1). Sie haben wesent lich dazu beigetragen, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um jhrlich mehr als 10 Milliarden Euro hher lag als im Vergleichsfall ohne Energiewende-Manahmen. Das BIP lag damit um 0,4 bis 0,6 Prozent hher als im Vergleichsfall. Im Jahr 2013 ging dieser Impuls aufgrund der steigenden Preise und nachlassenden Investitionen in erneuerbare Energien auf zustzliche 4 Milliarden Euro (0,2 Prozent des BIP) zurck (GWS, Prognos, EWI 2014).

    Fiskalische Aspekte der Energiewende

    Ausgaben der Energiewende werden im Energie- und Klimafonds (EKF) transparent abgebildet. Der EKF ist ein vom Bundeshaushalt rechtlich und wirtschaftlich getrenn-tes Sondervermgen. Alle Einnahmen und Ausgaben des Sondervermgens sind in einem jhrlich aufzustellenden Wirtschaftsplan veranschlagt (BMF 2014). Durch die Ein-richtung des EKF als Sondervermgen wird fr die not-wendige Transparenz und Verlsslichkeit der Energie-wende- und Klimaschutzprogramme gesorgt. Der EKF ist fr die klare Formulierung von Ausgaben fr die Energie-wende und den Klimaschutz von Vorteil. Zudem erleichtert er die Erfllung der Vorgaben der EU-Emissionshandels-richtlinie ber die Verwendung der Einnahmen aus dem CO2-Zertifikatehandel. Nach den Beschlssen der Bundes-regierung zur beschleunigten Energiewende vom Juni 2011 liegen die Ausgabenschwerpunkte bei der CO2-Gebude-sanierung, der Weiterentwicklung der Elektromobilitt, dem Klima- und Umweltschutz sowie der Weiterentwick-lung der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz.

    Die Entlastung des EKF im Jahr 2013 erfolgte durch die KfW. Dies wurde durch einen Substitutionsvertrag zwi-schen dem Bund und der KfW ermglicht. Im Ergebnis substituierte die KfW 264,1 Millionen Euro. Dies fhrte zu einer deutlichen Entlastung des EKF im Jahr 2013. Nach-dem die ursprnglichen Einnahmen des Fonds von den

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201492

    Kernkraftwerksbetreibern entfallen sind, flieen dem EKF seit 2012 alle Einnahmen des Bundes aus der Versteigerung von CO2-Emissionszertifikaten abzglich der Kosten fr die Deutsche Emissionshandelsstelle zu.

    Der EKF erhlt 2014 zustzlich zu den CO2-Emissionszer tifi-katerlsen eine Zuweisung aus dem Bundes haus halt. Diese Zuweisung erfolgt auf Basis des Haushalts ge setzes 2014. Im Hinblick auf die schwache Einnahmeentwicklung bei den Erlsen aus dem CO2-Zertifikatehandel geht es darum, den notwendigen Finanzierungsbedarf zu decken. Eine Reduzie-rung von Versteigerungsmengen der CO2-Emissionszertifikate durch ein sog. Backloading seit dem Frhjahr 2014 hat bis-lang noch nicht zu einem nachhaltigen Preisanstieg gefhrt. Daher hat sich die Bundesregierung unter Bercksichtigung des Erfordernisses der Stabilisierung der Finanzierungssitua-tion des EKF entschlossen, die Mglichkeit eines Bundeszu-schusses an den Fonds zu etablieren.

    Ab dem Jahr 2015 kann der EKF aufgrund einer geplanten Gesetzesnderung einen Bundeszuschuss nach Magabe des jeweiligen Haushaltsgesetzes erhalten.

    Weitere Manahmen zur Umsetzung der Energiewende werden aus dem Bundeshaushalt finanziert (siehe Tabelle I.10.1). Die fr energiebezogene Aufgaben veranschlagten Ausgabetitel des BMWi, BMEL, BMVI, BMUB BMBF und des EKF (ohne Ausgaben fr Kernenergie und Steinkohle-hilfen) sind in Dateiform auf den Internetseiten des Moni-toring-Prozesses zugnglich. Mit den Ausgaben werden in den Ressorts Aufgaben wie beispielsweise Manahmen zur Frderung erneuerbarer Energien, zur Steigerung der Ener-gieeffizienz sowie das CO2-Gebudesanierungsprogramm und Forschungs- und Entwicklungsvorhaben untersttzt.

    Die Manahmen der Energiewende knnen perspektivisch mittelbare Auswirkungen auf das Energie- bzw. Stromsteu-eraufkommen haben. Darber hinaus knnen weitere mit-telbare Auswirkungen auftreten, in dem Mae wie von der Energiewende Impulse fr Wachstum und Beschftigung ausgehen (siehe Kapitel I.10).

    Die im Rahmen der Energiewende angestrebten Verbesse-rungen bei der Energieeffizienz knnten sich auf die absoluten in Deutschland zu versteuernden Mengen an Energieerzeugnissen und Strommengen auswirken. Da die Energie- und die Stromsteuer mengenbezogen erhoben werden, htte ein Rckgang der insgesamt zu versteuern-den Mengen an Energieerzeugnissen und Strommengen auch einen Rckgang des Steueraufkommens aus der Ener-giesteuer und der Stromsteuer zur Folge. Bei der Strom-steuer ist darber hinaus zu bercksichtigen, dass bestimmte Erzeugungsformen, die nach geltendem Recht steuerfrei sind (z. B. bestimmte dezentrale Erzeugungsfor-men in kleineren Anlagen) im Rahmen der Energiewende weiter ausgebaut werden sollen, mit der Folge, dass sich entsprechende Anteile am Gesamtstromverbrauch ver-strkt von der vollen Versteuerung in die Steuerbefreiung verschieben knnten.

    Eine hnliche Entwicklung ist im Kraftstoffbereich mg-lich, beispielsweise durch einen erfolgreichen Markt-hochlauf der Elektromobilitt. Aber auch eine anderwei-tige Substitution von energetisch hoch besteuerten Kraftstoffen durch energetisch niedriger besteuerte Kraft-stoffe (z. B. Substitution von Ottokraftstoff durch Erdgas-kraftstoff oder Autogas) wird bei gleichbleibendem (und natrlich erst recht bei sinkendem) energetischen Gesamt-kraftstoffbedarf vorhersehbar zu Steuerausfllen fhren.

    Insoweit sind auch Wechselwirkungen zwischen fiskali-schen und energiepolitischen Zielen mglich und eine regelmige Beobachtung sowie nhere Untersuchung der steuerlichen und der energiepolitischen Auswirkungen notwendig. Die Bundesregierung hatte diese Problematik bereits in der letzten Legislaturperiode in ihrer Mobilitts- und Kraftstoffstrategie adressiert und damit eine nhere Untersuchung dieser Effekte in die Wege geleitet.

    I.10.4 Beschftigungseffekte

    Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Investitionen in Energieeffizienz entfalten Beschftigungswirkungen ber eine zunehmende Nachfrage nach Waren und Dienstleis-tungen.

    Der Ausbau der erneuerbaren Energien bot 2013 rund 371.400 Personen Beschftigung (Bruttobetrachtung). Davon knnen 261.500 Arbeitspltze auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz zurckgefhrt werden (GWS, DLR, DIW,

    Tabelle I.10.1: Ausgaben fr energiebezogene Aufgaben aus dem Bundeshaushalt* in Millionen Euro

    Einzel- plan

    Ressort 2012 Ist

    2013Ist

    2014Soll

    2015RegE

    9 BMWi 1.519 1.316 1.386 1.152

    10 BMEL 74 79 90 90

    12 BMVI 69 58 65 61

    16 BMUB 341 339 506 501

    30 BMBF 766 783 813 780

    60 EKF(BMF)

    317 875 1.605 1.681

    * Enthlt auch Titel mit anderen Schwerpunkten, z. B. Klimaschutz.

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 2014 93

    Prognos 2014). In diesen Berechnungen, die die Strom-, Wrme- und Biokraftstofferzeugung einbeziehen, sind neben der Energieerzeugung auch Liefer- und Leistungs-verflechtungen bercksichtigt (siehe Abbildung I.10.5). Gegenber dem Vorjahr 2012 mit knapp 400.000 Personen ist dies ein Rckgang des Beschftigungsniveaus. Dieser Rckgang ist wesentlich auf den Konsolidierungsprozess in der Photovoltaik-Branche zurckzufhren.

    In den einzelnen Bereichen der erneuerbaren Energien zeigten sich zuletzt unterschiedliche Entwicklungen. Die Zahl der Beschftigten im Bereich Solarenergie ging von 113.900 auf rund 68.500 im Jahr 2013 zurck. Demgegen-ber konnte in der Windbranche ein Zuwachs der Beschf-tigung auf rund 137.800 Personen verzeichnet werden. Im Vorjahr waren dies noch 121.800 Personen. Bei der Bio-masse lag die Beschftigung mit rund 126.400 Personen annhernd auf dem Vorjahrsniveau (127.500 Personen).

    Manahmen zur Steigerung der Energieeffizienz leisten wichtige Impulse fr die Beschftigung. Das zeigt u. a. eine Studie von GWS (2013) zu den Beschftigungseffekten auf-grund von Effizienzfortschritten und den Einsparmanah-men entsprechend dem Zweiten Nationalen Energieeffizi-enz-Aktionsplan.

    Die amtliche Beschftigtenstatistik bildet die Beschfti-gung in der konventionellen Energiewirtschaft ab. In den Unternehmen im konventionellen Bereich waren im Jahr 2013 rund 215.000 Personen direkt beschftigt. In den Zah-len zur Elektrizittsversorgung (siehe Abbildung I.10.6) sind zu einem geringen Anteil auch Personen erfasst, die im Bereich der erneuerbaren Energien beschftigt sind. Dies betrifft beispielsweise Personen in Unternehmen mit einer Stromerzeugung aus erneuerbaren und konventionellen Quellen.

    Rund 820.000 Personen sind in der bergreifenden Quer-schnittsbranche Energiewirtschaft beschftigt. Der Ener-giesektor in der Definition des Statistischen Bundesamtes umfasst einzelne Wirtschaftszweige, jedoch nicht die vor- und nachgelagerten Bereiche. Weitere Branchen mit ener-giewirtschaftlichem Bezug, wie u. a. der Maschinenbau, werden gem ihres wirtschaftlichen Schwerpunktes nicht der Energiewirtschaft zugerechnet. Daher ist von einer hheren Anzahl der Beschftigten im Energiesektor auszu-gehen. In einer Studie von Prognos 2014 wurde die Ener-giewirtschaft als eine weitergefasste Querschnittsbranche verstanden. Sie wurde dabei mittels der amtlichen Statistik erfasst und auf Basis eigener Definitionen abgegrenzt. Nach Zahlen aus dem Jahr 2011 waren danach im Energiesektor rund 820.000 Personen beschftigt. Dieser Beschftigungs-stand hat sich in den Jahren 2012 und 2013 gehalten. Ein so abgegrenzter Energiesektor umfasst rund 2,4 Prozent der Gesamtbeschftigung (BMWi auf Basis von Prognos 2014).

    Abbildung I.10.5: Bruttobeschftigung durch erneuerbare Energien Anzahl in Tsd. Beschftigten

    Quelle: GWS, DLR, DIW, Prognos 2014

    Geothermie

    BiomasseWindenergie WasserkraftSolarenergie

    0

    50

    100

    150

    200

    250

    300

    350

    400

    450

    40

    49

    7881

    121 125114

    69

    95120

    122128

    122 124

    128 126

    82 86 96 102 96 101122 138

    ffentliche Hand

    2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

    Abbildung I.10.6: Beschftigungseffekte in der konventionellen Energiewirtschaft Anzahl in Tsd. Beschftigte

    Quelle: Statistisches Bundesamt

    Steinkohlebergbau und -veredelung

    Elektrizittsversorgung Gasversorgung

    Minerallverarbeitung

    Fernwrmeversorgung Braunkohlebergbau und -veredelung

    Gewinnung von Erdl und Erdgas

    0

    50

    100

    150

    200

    250

    300

    2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

  • TEIL I MONITORING-BERICHT 201494

    Strukturelle Vernderung und Netto-Beschftigungsef-fekte sind zu beachten. Beschftigungsimpulse durch erneuerbare Energien und Energieeffizienz gehen einher mit strukturellen Vernderungen, die auch die Beschfti-gung in anderen Bereichen mitbeeinflussen. Eine genaue Quantifizierung der Netto-Beschftigungseffekte erfordert Modellrechnungen mit einer Vielzahl von Annahmen.

    Die Netto-Beschftigungseffekte in den Jahren 2010 bis 2012 sind deutlich positiv. Dazu werden die Manahmen seit den Energiewendebeschlssen von 2010/11 betrachtet. Steigende Preise und Lhne und ein Rckgang der Investi-tionsdynamik trugen dazu bei, dass die Beschftigungsef-fekte im Zeitablauf geringer wurden. Bis zum Jahr 2011 wurden gesamtwirtschaftlich rund 100.000 zustzliche Arbeitspltze in den verschiedenen Sektoren aufgebaut. Die Beschftigung lag um 0,29 Prozent hher als zu der Ver-gleichssituation ohne Energiewende-Manahmen. Im Jahr 2013 lag dieser Nettoimpuls bei 25.000 zustzlich Beschf-tigten (GWS, Prognos, EWI 2014) (Abbildung I.10.7).

    Der Nettobeschftigungszuwachs konzentrierte sich ins-besondere auf das Baugewerbe. Unter den getroffenen Annahmen hat auch bei den Dienstleistungen die Beschf-tigung zunchst netto zugenommen. Im Jahr 2013 lag der Beschftigungsstand unter dem Stand des Vergleichsfalls ohne Energiewende-Manahmen. Beide Effekte sind im

    Verhltnis zur Gre des Sektors als gering einzuschtzen. Auch im Bereich Bergbau und Energieversorgung lag der Beschftigungsstand etwas unter dem Stand des Ver-gleichsfalls. Handel und Verarbeitendes Gewerbe zeigten dagegen leicht positive Nettoeffekte (GWS, Prognos, EWI 2014).

    Weitere Wirkungen mssen mitgedacht werden. Die hier vorrangig verwendete Nettoanalyse beruht auf konservati-ven Annahmen zur zeitlichen Wirkungsdauer der gesamt-wirtschaftlichen Impulse aus der Energiewende. So werden beispielsweise die Investitionskosten des gegenwrtigen Ausbaus von erneuerbaren Energien und von Effizienz-manahmen unmittelbar erfasst. Die mit den Investitionen verbundenen Impulse wie Einsparungen beim Energiever-brauch und bei fossilen Brennstoffen knnen langfristig ihre Wirkung entfalten. Sie werden im Rahmen dieser Net-toanalyse nur bis zum Zeitpunkt 2020, jedoch nicht dar-ber hinaus erfasst (siehe Kapitel III.6). Gleiches gilt fr Ma-nahmen und deren Wirkungen, die bereits vor dem hier angelegten Zeitpunkt 2010 auf den Weg gebracht wurden.

    Die Energiewende untersttzt die positive Beschfti-gungsentwicklung und den Wachstumspfad der deut-schen Volkswirtschaft. Dieses Ergebnis lsst sich bereits in den genannten Annahmen der Nettoanalyse festhalten.

    Abbildung I.10.7: Nettobeschftigungseffekte durch die Energiewende in Tsd. Beschftigte

    Quelle: GWS, Prognos, EWI 2014

    HandelBaugewerbe

    2010 2011 2012 2013

    Verarbeitendes GewerbeBergbau und Energieversorgung

    Dienstleistungen

    -20

    0

    20

    40

    60

    80

    100

    120

  • 95

    Teil II Zielarchitektur und Ziele des Energiekonzepts

    Der zweite Teil des Fortschrittsberichts geht ber das bisherige, jhrliche Monitoring der Energiewende hinaus. Er richtet den Blick in die Zukunft und enthlt eine Einscht zung, ob und inwieweit die Ziele des Energiekonzepts mittel- bis langfristig erreicht werden. Sofern die Zielerreichung unwahrscheinlich ist, diskutiert Teil II, welche neuen Manahmen ergriffen werden knnen, um die Ziele zu erreichen.

    Teil II fhrt eine neue Zielarchitektur zum Umbau der Energieversorgung ein (Kapi-tel II.1). Diese wurde von der Bundesregierung auf Basis der Empfehlungen der Experten-Kommission zu den beiden ersten Monitoring-Berichten entwickelt. Die neue Zielarchitektur priorisiert und strukturiert die Ziele des Energiekonzepts. Sie erffnet damit die Mglichkeit fr eine flexible und kostengnstige Erfllung der Ziele. Damit knnen Ziele auf der Manahmenebene so optimiert werden, dass die Ziele auf der bergeordneten Ebene eingehalten werden. Im Einzelnen geht Teil II auf folgende Themenbereiche ein:

    zz Erneuerbare Energien (Kapitel II.2)zz Energieverbrauch und Energieeffizienz (Kapitel II.3)zz Energetische Gebudesanierung und energieeffizientes Bauen (Kapitel II.4)zz Verkehr (Kapitel II.5)zz Treibhausgasemissionen (Kapitel II.6)zz

  • 96

    II.1 Ziele des Energiekonzepts

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS 97

    Mit der Energiewende beschreitet die Bundesregierung den Weg in eine sichere, wirtschaftliche und umweltver-trgliche Zukunft der Energieversorgung. Das Energie-kon zept der Bundesregierung und die Beschlsse des Bundestages bilden dafr den Kompass.

    Das Energiepolitische Zieldreieck bleibt Richtschnur der Energiepolitik. Bei der Umsetzung der Energiewende will die Bundesregierung Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Umweltvertrglichkeit miteinander in Einklang brin-gen und die wirtschaftliche Wettbewerbsfhigkeit Deutsch-lands sichern.

    Das Energiekonzept stellt ber 20 quantitative Zielgren nebeneinander. Diese weisen einen unterschiedlichen Detaillierungsgrad auf und sind auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt. Die Ziele reichen von politischen Festlegungen (z. B. Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022) ber Zielgren fr die Energieversorgung insgesamt (z. B. Senkung des Primrenergieverbrauchs) bis hin zu Zielsetzungen fr ver-schiedene Bereiche.

    Der Fortschrittsbericht strukturiert und priorisiert diese Ziele. Auf Basis der Empfehlung der Experten-Kommission formuliert die Bundesregierung eine Zielarchitektur.

    Die Zielarchitektur unterscheidet zwischen verschiede-nen Ziel- und Steuerungsebenen. Sie klrt, wie die zahlrei-chen Einzelziele zusammenwirken, und unterscheidet die verschiedenen Zielebenen. Die genannten Leitkriterien fr

    die Optimierung der Ziele auf der Manahmenebene erff-nen die Mglichkeit fr flexible und kostengnstige Lsun-gen, um die bergeordneten Ziele zu erreichen.

    Die politischen Ziele bilden den Rahmen. Klimaschutz, der Ausstieg aus der Kernenergie, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfhigkeit bilden den politischen Rahmen fr den Umbau der Energieversorgung.

    Die Kernziele sind die zentralen Strategien, mit denen die Energiewende vorangebracht werden soll. Entsprechend dem Energiekonzept der Bundesregierung umfassen die Kernziele den Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Senkung des Primrenergieverbrauchs bzw. Steigerung der Energieeffizienz.

    Die Steuerungsziele konkretisieren die Kernziele fr die verschiedenen Handlungsfelder. Diese umfassen die Bereiche Strom, Wrme und Verkehr. Diese Steuerungsziele sollen durch verschiedene Manahmen erreicht werden.

    Um die bergeordneten Ziele zu erreichen, sind die Wege zu whlen, die zu kostengnstigen Lsungen und einer optimalen Systemintegration fhren. Das sind die Leit-kriterien fr die Optimierung der verschiedenen Ziele. Kos-tengnstige Lsungen schaffen die Voraussetzung, um die Bezahlbarkeit von Energie fr die Verbraucherinnen und Verbraucher zu erhalten. Hierauf wird die Bundesregierung weiterhin achten.

    Manahmenmix (Gesetze, Verordnungen, Frderprogramme etc.)

    Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien (EE) am gesamten Energieverbrauch

    Reduktion des Primrenergieverbrauchs und Steigerung der Energieefzienz

    Steigerung Endenergieproduktivitt

    Politische Ziele

    KernzieleStrategieebene

    SteuerungszieleSteuerungsebene

    Manahmenebene

    Optimierung

    Leitkriterien:Kostenefzienz,

    Systemintegration

    -20 %

    -20 %

    2,1 %

    35 % -10 % -10 %

    Klimaziele (u.a. -40 % Treibhausgasemissionen bis 2020), Kernenergieausstieg (bis 2022),Wettbewerbsfhigkeit, Versorgungssicherheit

    Stromverbrauchaus EE

    Wrmeaus EE

    EE imVerkehrsbereich

    ReduktionStromverbrauch

    ReduktionEndenergie-verbrauch f.

    Wrme

    ReduktionEndenergie-

    verbrauchVerkehr

    18 %

    mit Zielwerten 2020EK 2010 fr Energie

    Abbildung: Strukturierung der Ziele des Energiekonzepts

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS98

    II.1.1 Politische Ziele

    Die politischen Ziele bilden den Handlungsrahmen fr die Umsetzung der Energiewende.

    Klimaschutz

    Ein ambitionierter Klimaschutz bleibt entscheidender Treiber fr den Umbau der Energieversorgung. Fr Deutschland gelten im nationalen, europischen und inter-nationalen Zusammenhang ambitionierte Treib haus-gasminderungs ziele. Das internationale Treibhausgasmin-derungsziel nach dem Kyoto-Protokoll betrgt 21 Prozent bis 2012 gegenber 1990. Dieses Ziel hat Deutschland mit minus 26 Prozent im Jahr 2012 weit bertroffen.

    Das europische Klimaziel geht ber das Jahr 2012 hinaus. Es betrgt fr das Jahr 2020 20 Prozent und fr das Jahr 2030 mindestens 40 Prozent EU-interner Treibhausgasmin-derung gegenber dem Stand von 1990. Deutschland hat sich in diesem Zusammenhang ein nationales Klimaziel von mindestens 40 Prozent bis zum Jahr 2020 und 80 bis 95 Prozent bis zum Jahr 2050 gegenber dem Stand von 1990 gesetzt. Die Bundesregierung hlt an diesen natio-nalen Zielen fest.

    Der Europische Emissionshandel ist das zentrale Instru-ment fr den Klimaschutz in Europa. Er bildet zugleich einen wichtigen Baustein fr die Umsetzung der Energie-wende in Deutschland. Mit der beabsichtigten Reform soll der europische Emissionshandel in seiner Funktion gestrkt werden.

    Ausstieg aus der Kernenergie

    Deutschland steigt aus der Kernenergie aus. Nach der Katastrophe von Fukushima wurde ein Atomausstieg in mehreren Stufen beschlossen. Die acht ltesten Kernkraft-werke wurden vom Netz genommen (einschlielich jener Kernkraftwerke, die zu diesem Zeitpunkt nicht in Betrieb waren), die neun verbleibenden werden bis 2022 schritt-weise abgeschaltet.

    Wettbewerbsfhigkeit

    Eine wirtschaftlich vernnftige Umsetzung der Energie-wende trgt mageblich dazu bei, die Akzeptanz der Bevlkerung zu erhalten und die Wettbewerbsfhigkeit unseres Landes zu strken. Die Energiewende fordert auch finanzielle Anstrengungen von privaten Verbrauchern und Unternehmen, insbesondere mit Blick auf die Energiekos-ten. Sie bietet aber auch die Chance auf eine wirtschaftlich effiziente und bezahlbare Energieversorgung der Zukunft

    und kann zum Impulsgeber fr Innovationen, Wachstum und Beschftigung werden. Hocheffiziente Kraftwerke, Spitzentechnologie in der Windkraft, die IT-basierte Steue-rung einer komplexen Stromversorgung, Smart Grid und Smart Meter, moderne bertragungstechnologien und Speicher all das sind Technologien und Fhigkeiten, die weltweit fr eine moderne Energieversorgung nachgefragt werden. Neue Geschftsmodelle, etwa fr Lastmanagement und Energieeffizienz, sind damit verbunden. Mit der Ener-giewende ist Deutschland auf dem Weg, als erste groe Industrienation die Wende zu einem hocheffizienten, erneuerbaren Energiesystem zu vollziehen. Entscheidend kommt es darauf an, dass zu jedem Zeitpunkt die Versor-gungssicherheit gewhrleistet ist und es bei bezahlbaren Energiepreisen bleibt. Das ist wichtig, damit die Umsetzung nicht zu Nachteilen fr energieintensive und im internati-onalen Wettbewerb stehende Industrien und die privaten Haushalte fhrt. Deshalb war es wichtig, in einem ersten Schritt mit der Reform des EEG die Kostendynamik bei der EEG-Umlage zu brechen. Insgesamt verlangt der Umbau unserer Energieversorgung Planungs- und Investitionssi-cherheit fr die Unternehmen und Kosteneffizienz bei der Umsetzung der Energiewende. Versorgungssicherheit und die Entwicklung der Energiepreise sind zentrale Herausfor-derungen fr die Wettbewerbsfhigkeit des Industriestand-ortes Deutschland.

    Versorgungssicherheit

    Die jederzeit sichere und verlssliche Versorgung mit Ener-gie ist fr eine moderne Industriegesellschaft unverzicht-bar. Mit dem Umbau der Energieversorgung auf erneuer bare Energietrger gehen neue Herausforderungen einher. Dazu gehrt beispielsweise die fluktuierende Stromerzeugung aus Wind und Sonne. Gleichzeitig liegen im Umbau der Energieversorgung aber auch Chancen. So kann mit Effi-zienzmanahmen bei Gebuden, im Gewerbe und bei Privathaushalten die Abhngigkeit von Energieimporten vermindert werden. Bei einer grenzberschreitenden Zusammen arbeit im europischen Binnenmarkt mssen im Strombereich insgesamt weniger Erzeugungskapazi-tten vorgehalten werden, als dies bei einer rein nationalen Herangehensweise der Fall wre. Werden diese neuen Mg-lichkeiten genutzt, erffnen sich neue Geschftsfelder und Marktchancen und Kosten knnen gesenkt werden.

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS 99

    II.1.2 Kernziele

    Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind die bei-den Sulen der Energiewende. Dies liegt auch auf der Linie der Beschlsse des Europischen Rats der Staats- und Regierungschefs fr das europische Energie- und Klima-paket fr 2030.

    Beiden Kernzielen werden Steuerungsziele aus den ein-zelnen Bereichen zugeordnet. Beim Kernziel der erneuer-baren Energien sind dies der jeweilige Anteil der Erneuer-baren im Verkehrsbereich, am Wrmebedarf sowie am Stromverbrauch. Beim Kernziel der Energieeffizienz sind dies die Reduktion des Stromverbrauchs, die Reduktion des

    Endenergieverbrauchs fr Wrme im Gebudebereich, die Reduktion des Endenergieverbrauchs im Verkehrsbereich sowie aus diesen Zielen abgeleitet die Steigerung der Endenergieproduktivitt insgesamt.

    Mageblich sind die Steuerungsziele. Auf der Ebene der Einzelziele und Manahmen wird optimiert. Das erffnet die Mglichkeit fr eine flexible und kosteneffiziente Umset-zung, welche die bergeordneten Ziele erfllt. Kosteneffizi-enz und die Frage der Systemintegration sind Richtschnur fr die Optimierung auf der Manahmenebene. Diese zwei Leitkriterien sollen gewhrleisten, dass die Energiepreise bezahlbar bleiben und die verschiedenen Handlungsfelder optimal miteinander verzahnt werden.

  • 100

    II.2 Erneuerbare Energien

    Die Reform des EEG 2014 macht das EEG zukunftsfhig. Am 1. August 2014 trat die grundlegende Reform des Erneuer-bare-Energien-Gesetzes (EEG 2014) in Kraft.

    Vier zentrale Elemente haben die Reform bestimmt:

    1. Durch den gesetzlich verankerten Ausbaukorridor wird der Ausbau erneuerbarer Energien zielgenauer gesteuert. Dies schafft Planungssicherheit auch fr die konventionelle Stromversorgung und die Entwicklung des Strommarktes. Danach sollen die erneuerbaren Energien im Jahre 2025 einen Anteil von 40 bis 45 Prozent an der Stromerzeugung erreichen.

    2. Die Kosten des weiteren Ausbaus sollen gesenkt werden, indem Deutschland in erster Linie auf die kostengnsti-gen Technologien Wind und Solar setzt. Die Kostendyna-mik der vergangenen Jahre wird damit gedmpft, berfr-derungen werden abgebaut. Allerdings wirken sich wegen der langfristig garantierten Vergtung die hheren Frderkos-ten der Vergangenheit auch in Zukunft auf die Umlage aus.

    3. Erneuerbare Energien werden besser in den Strommarkt integriert. Betreiber von greren Anlagen kmmern sich zuknftig um die Prognose und Vermarktung ihres Stromes (verpflichtende Direktvermarktung).

    4. Durch die teilweise Einbeziehung des Eigenverbrauchs in die EEG-Umlage werden die Frderkosten auf mehr Schultern verteilt. Gleichzeitig wird durch die weiter ent-wickelte Besondere Ausgleichsregelung sichergestellt, dass die stromintensive Industrie auch zuknftig zu wettbe-werbsfhigen Bedingungen am Standort Deutschland pro-duzieren kann. So werden industrielle Wertschpfung und Arbeitspltze in Deutschland erhalten.

    Knftig soll die Hhe der Frderung wettbewerblich ber Ausschreibungen ermittelt werden. Die Frderstze werden dann nicht mehr in einem administrativen Verfahren festge-legt, sondern im Wettbewerb ermittelt. Damit erwartet die Bundesregierung, Potenziale zur Kostensenkung beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu erschlieen. Die Umsetzung erfolgt mit der nchsten EEG-Novelle.

    Eine Pilotausschreibung fr Photovoltaikanlagen auf Frei-flchen wird vorbereitet. Die Verordnung dazu wird voraus-sichtlich zum Jahreswechsel 2014/2015 in Kraft treten.

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS 101

    II.2.1 Manahmen im Strombereich

    Das EEG ist mit der Reform 2014 zukunftsfhig gemacht worden. Die Reform ist zum 1. August 2014 in Kraft getre-ten. Die vorausgehende Gesetzesfassung EEG 2012 wurde im Zusammenhang mit der Reform 2014 durch mehrere wissenschaftliche Vorhaben umfassend evaluiert. Das Bun-desministerium fr Wirtschaft und Energie hat die Ergeb-nisse verffentlicht (BMWi 2014f).

    II.2.2 Ausblick

    Die grundlegende Reform des EEG 2014 soll die Voraus-setzung fr die Erreichung der Ausbauziele schaffen.

    Die Ausbauziele des EEG 2014 sind erreichbar. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Ausbaus erneuerba-rer Energien in GWS, Prognos, EWI 2014.

    Knftig soll die Hhe der Frderung wettbewerblich ber Ausschreibungen ermittelt werden. Das EEG 2014 bereitet den Weg fr die Umstellung der Frderung fr erneuerbare Energien auf Ausschreibungen. Die Frderstze werden dann nicht mehr in einem administrativen Verfahren (Bundesverwaltung und Parlament) festgelegt, sondern im Wettbewerb ermittelt. Damit soll eine kostengnstige Fr-derung der erneuerbaren Energien erreicht und auch der Ausbaukorridor verlsslich eingehalten werden.

    Eine Pilotausschreibung fr Photovoltaikanlagen auf Freiflchen bereitet die Umstellung des Frdersystems vor. Um erste Erfahrungen mit den Ausschreibungen zu sammeln, wird zunchst im Bereich der Photovoltaik-Frei-flchenanlagen im Jahre 2015 und 2016 eine Pilotausschrei-bung stattfinden. Das EEG 2014 enthlt hierfr eine ent-sprechende Verordnungsermchtigung. Die Verordnung dazu wird voraussichtlich zum Jahreswechsel in Kraft treten, so dass die ersten Ausschreibungsrunden bereits im ersten Halbjahr 2015 von der Bundesnetzagentur durchgefhrt werden knnen. In einem Erfahrungsbericht werden die Ergebnisse bewertet.

    Die konkrete Umsetzung dieser Punkte erfolgt im Laufe des Jahres 2016 mit der nchsten EEG-Novelle.

    II.2.3 Die grundlegende Reform des EEG 2014

    Ausbau der erneuerbaren Energien auf eine tragfhige neue Grundlage gestellt. Die Reform schafft die Bedingun-gen, um das Wachstum der erneuerbaren Energien besser mit dem Gesamtsystem zu verknpfen. Fr den zuknfti-gen Ausbau werden die Frderkosten gesenkt. Die im inter-nationalen Wettbewerb stehenden energieintensiven Unternehmen werden von der Umlage entlastet. Mit Blick auf das europische Wettbewerbsrecht gewhrleistet das neue EEG ab 1. Januar 2015 Rechtssicherheit fr Anlagen -be treiber, energieintensive Unternehmen und Schienen-bahnen. Damit wurden wesentliche Grundsteine gelegt, um die Energiewende zum Erfolg zu fhren. Ausfhrliche Infor mationen finden sich in der Gesetzesbegrndung zum Gesetz (BMWi 2014g).

    II.2.3.1 Verlsslicher Ausbaukorridor

    Das neue EEG schafft eine verlssliche Planungsgrund-lage. Durch den gesetzlich verankerten Ausbaukorridor wird erstmals der Ausbau erneuerbarer Energien gesteuert. Bislang sah das EEG, abgesehen von der Photovoltaik, keine jhrliche Steuerung des Zubaus neuer Anlagen vor. Fr eine erfolgreiche Markteinfhrung dieser Technologien war dies der richtige Ansatz. Die festgelegten Ausbaukorridore erge-ben einen anspruchsvollen Ausbaupfad fr erneuerbare Energien. Gleichzeitig erffnet der Ausbaukorridor eine

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS102

    optimale Integration der fluktuierenden Energietrger Wind und Sonne in die Stromversorgung. Mit der Novelle des EEG soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromver-brauch bis zum Jahr 2025 auf 40 bis 45 Prozent und bis zum Jahr 2035 auf 55 und 60 Prozent des Stromverbrauchs plan-bar erhht werden (siehe Abbildung I.1.6, Seite 17).

    Das EEG 2014 gibt verbindliche Ausbaupfade vor. Dies schafft Planungssicherheit fr die konventionelle Strom-versorgung, den Ausbau der Stromnetze und die Entwick-lung des Strommarktes. Jhrlich sollen neue Windenergie-anlagen an Land mit einer Leistung von je 2.500 Megawatt (netto) und Photovoltaikanlagen (brutto) zugebaut werden. Fr den Ausbau der Windenergie auf See sind insgesamt 6.500 Megawatt bis 2020 vorgesehen. Bei der Biomasse sollen jhrlich 100 Megawatt neue Leistung zugebaut werden (brutto). Die Bioenergie sehen wir als eine wichtige Flexibi-littsoption, damit Verbrauch und Erzeugung jederzeit syn-chronisiert werden kann. Sie ist speicherbar und flexibel und kann somit fluktuierende Energieformen wie Wind und Sonne ausgleichen. Die Steuerung des Ausbaus fr Windenergie an Land, Photovoltaik und Biomasse erfolgt durch ein System des atmenden Deckels. Werden mehr neue Anlagen gebaut als vorgesehen, sinken automatisch die Frderstze fr weitere Anlagen. Bei der Windenergie auf See gibt es einen festen Mengendeckel. Netzanschlsse fr neue Meeres-Windparks werden so vergeben, dass bis 2020 insgesamt 6.500 Megawatt Leistung installiert werden.

    II.2.3.2 Verpflichtende Direktvermarktung Marktprmie

    Erneuerbare Energien werden wie konventionelle Anla-gen in den Strommarkt integriert. Die Direktvermarktung verbessert die Marktintegration der erneuerbaren Energien. Die Einfhrung des optionalen Marktprmienmodells (EEG 2012) hat sichtbare Erfolge bei der Marktintegration der erneuerbaren Energien hervorgebracht. Durch die obligato-rische Einfhrung der Direktvermarktung soll diese Integ-ration noch weiter verbessert werden. Fr den Umstieg auf eine hauptschlich auf erneuerbaren Energien basierende Stromversorgung ist dies nicht zuletzt vor dem Hinter-grund der europaweiten Liberalisierung des Stromsektors eine wichtige Voraussetzung.

    Erneuerbare Energien werden direkt am Markt verkauft. Durch das EEG 2014 mssen die Betreiber neuer Anlagen fr erneuerbare Energien oder hierauf spezialisierte Direkt-vermarkter knftig ihren Strom selbst am Markt verkaufen. Als Frderung erhalten sie eine Marktprmie. Diese gleicht die Differenz zwischen der Einspeisevergtung und dem durchschnittlichen Brsenstrompreis aus. So sind die Anla-genbetreiber am erfolgreichsten, die am besten auf die Marktsignale reagieren. Ist der Strompreis an der Brse stark negativ, setzt die Marktprmie effektiv Anreize, die Anlagen abzuschalten Dies begrenzt die Frderkosten.

    Zugleich ist dies auch ein wichtiges Signal an die Nachbar-staaten, die mit wachsendem Anteil der Erneuerbaren in Deutschland immer hufiger ungeplant zum Abnehmer des nicht bentigten Stroms wurden.

    Die Einfhrung der verpflichtenden Direktvermarktung erfolgt schrittweise. Damit wird auch den Betreibern von mittelgroen Anlagen ermglicht, sich darauf einzustellen. Kleinere Anlagen knnen auch weiterhin die feste Einspei-severgtung in Anspruch nehmen.

    II.2.3.3 Wegfall des Grnstromprivilegs

    Das Grnstromprivileg wurde mit Wirkung zum 1. August 2014 aufgehoben. Grnde hierfr lagen in der sinkenden Bedeutung bei gleichzeitig steigender Kostenbelastung und den europarechtlichen Bedenken gegenber dieser Form der Frderung.

    II.2.3.4 Ausschreibungen als neues Frderinstrument

    Die Frderstze werden nicht mehr wie bisher in einem administrativen Verfahren festgelegt, sondern im Wett-bewerb ermittelt. Die Vergtungsstze wurden bislang administrativ auf Basis wissenschaftlicher Empfehlungen festgesetzt. Dies fhrte in der Vergangenheit teilweise zu berfrderungen. So konnten beispielsweise bei der Photo-voltaik die Vergtung nicht schnell genug an die sinkenden Kosten der Anlagen angepasst werden. Ausschreibungen bie-ten dagegen die Chance, dass Anlagenbetreiber nur so viel an Frderung erhalten, wie sie tatschlich fr einen wirtschaft-lichen Betrieb ihrer Anlage bentigen. Das Ausschreibungs-modell soll so ausgestaltet werden, dass die Finanzierungs- und Bieterrisiken fr die Bewerber gering bleiben. Ziel ist es, die Kosteneffizienz des Systems deutlich zu erhhen.

    Knftig soll die Hhe der Frderung wettbewerblich ber Ausschreibungen ermittelt werden. Mit dem EEG 2014 wird ein Weg erffnet, die Frderhhe der Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien marktwirt-schaftlich zu ermitteln. Damit wird der Ausbau, was die Hhe der Frderung betrifft, kostengnstiger. Bei positiven Erfahrungen mit der Pilotausschreibung soll sptestens 2017 die Frderhhe der erneuerbaren Energien technolo-giebergreifend durch Ausschreibungen ermittelt werden. Dabei soll das Ausschreibungsdesign so sein, dass die beste-hende Akteursvielfalt ein Erfolgsmodell des bisherigen Ausbaus erhalten bleibt.

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS 103

    II.2.3.5 Finanzielle Frderung der einzelnen Sparten

    Deutschland setzt auf die kostengnstigen Technologien Wind und Solar. Anlagen, die mit Wind an Land und Sonne betrieben werden, tragen mit jeweils 2.500 Megawatt den Hauptanteil des weiteren Ausbaus der erneuerbaren Energien. Sie bentigen mit 8,9 Cent/kWh (Wind an Land) bzw. 10,5 Cent/kWh (Photovoltaik) im Durchschnitt die niedrigsten Frderkosten. Mit der eingebauten Degression sinken die Frderstze weiter.

    Der Zubau der Biomasse wird auf 100 Megawatt pro Jahr begrenzt. In den vergangenen fnf Jahren wurden im Schnitt jhrlich rund 350 Megawatt an Biomasse-Anlagen zugebaut. Durch die Streichung der einsatzstoffbezogenen Vergtung wird die Frderung auf kostengnstige Substrate konzent-riert. So werden die Kosten des weiteren Ausbaus der Biomas - se begrenzt, die als eine relativ teure Technologie gilt und deren Kostensenkungspotenziale schwer zu erschlieen sind.

    Der Ausbau von Windenergieanlagen auf See soll im Jahre 2020 bei 6,5 Gigawatt liegen. Die feste Mengensteuerung wird dabei ber das Netzanschlussregime sichergestellt.

    II.2.3.6 Besondere Ausgleichsregelung

    Die Neuregelung der Besonderen Ausgleichsregelung erhlt die Wettbewerbsfhigkeit der stromintensiven Industrie. Die Besondere Ausgleichsregelung wurde im Einklang mit den grundlegend neuen Vorgaben der Umweltschutz- und Energiebeihilfeleitlinien der EU-Kommission neu ausgestaltet. In Zukunft begnstigt sie nur die Unternehmen, die im intensiven internationalen Wettbewerb stehen. Knftig ms-sen die betroffenen Unternehmen nachweisen, dass sie einer bestimmten strom- oder handelsintensiven Branche ange-hren. Ohne die Entlastung bei der Umlage wren energie-intensive Unternehmen aus diesen Branchen nicht mehr international wettbewerbsfhig.

    Je nach Branche muss ein bestimmter Anteil der Strom-kosten an der Bruttowertschpfung nachgewiesen werden. Um unter die Besondere Ausgleichsregelung zu fallen, mssen zudem alle Unternehmen ein Energie- oder Umweltmana ge-mentsystem oder ein alternatives System zur Verbesserung der Energieeffizienz betreiben. Nur in diesen Fllen wird die EEG-Umlage auf 15 Prozent (derzeit ca. 0,94 Cent/kWh) begrenzt, wobei jedes Unternehmen fr die erste verbrauchte Gigawattstunde die volle Umlage zahlt.

    Der zu zahlende Betrag wird von zwei Seiten gedeckelt. Einerseits darf er einen bestimmten Anteil der Bruttowert-schpfung des Unternehmens nicht berschreiten. Ande-rerseits gilt eine Mindestumlage von 0,05 Cent/kWh fr Unternehmen der Nichteisenmetallbranche wie beispiels-weise Kupfer- und Aluminiumhtten und von 0,1 Cent/kWh fr alle brigen Unternehmen.

    Die reformierte Besondere Ausgleichsregelung ist ein tragfhiges Gerst. Sie verteilt die Kosten des Ausbaus der erneuerbaren Energien angemessen zwischen energieinten-siven Industrien auf der einen Seite und Gewerbe, Hand-werk, Dienstleistungsunternehmen sowie den privaten Haushalten auf der anderen Seite. Die Besondere Ausgleichs-regelung sichert somit Arbeitspltze und Wertschpfung in Deutschland. Sie trgt wesentlich dazu bei, dass die ener-gieintensive Industrie international wettbewerbsfhig bleibt.

    II.2.3.7 Eigenversorgung mit Strom

    Neue Eigenversorgungsanlagen werden an der EEG-Um-lage beteiligt. Betreiber von Erzeugungsanlagen, die ihren erzeugten Strom selbst verbrauchten, mussten bis zum Inkraft treten des EEG 2014 keine EEG-Umlage zahlen. Bei der Einfhrung des EEG im Jahr 2000 hatte dieser soge - nan n te Selbstverbrauch noch keine groe Bedeutung fr die Verteilung der Frderkosten. Im Jahr 2014 summierte sich das Nichteinbeziehen des Eigenstromverbrauchs auf etwa 2 Milliarden Euro. Eigenerzeuger hatten dadurch einen erheblichen finanziellen Vorteil gegenber Verbrauchern, die ihre Energie extern von Energieversorgern beziehen. Oft ergab sich die Wirtschaftlichkeit dieser Anlagen nur daraus, dass sie sich nicht an der Finanzierung der erneuerbaren Energien und des Stromnetzes beteiligten, ohne dass dem ein entsprechender volkswirtschaftlicher Vorteil gegenber-stand. Dieser finanzielle Anreiz zur Ausweitung der Eigen-versorgung (zuletzt vor allem in den Bereichen Gewerbe, Handel, Dienstleistungen) war unter Verteilungsgesichts-punkten als auch unter gesamtwirtschaftlichen Gesichts-punkten nicht sinnvoll.

    Die Eigenversorgung aus Neuanlagen wird in Zukunft im Grundsatz einheitlich an den Kosten fr den Ausbau der erneuerbaren Energien beteiligt. Der Umlagesatz fr erneuerbare Energien- und hocheffiziente KWK-Anlagen wird dabei gleitend eingefhrt. Der Stromverbrauch bis Ende 2015 wird mit 30 Prozent der EEG-Umlage belastet. Im Jahr 2016 steigt der Anteil auf 35 Prozent und ab dem Jahre 2017 betrgt der Umlagesatz auch fr diese Anlagen 40 Prozent. Bestandsanlagen, die bereits in der Vergangen-heit zur Eigenversorgung genutzt wurden, bleiben von der Umlage befreit.

    Damit ist die Regelung zur Eigenversorgung im EEG 2014 insgesamt ausgewogen. Die ungleiche Frderung wird abgebaut und es wird verhindert, dass die Finanzierungs-grundlage der EEG-Umlage weiter schrumpft. Ansonsten mssten immer weniger Verbraucher eine immer hhere Umlage tragen. Zugleich bleibt die Wirtschaftlichkeit der Bestandsanlagen erhalten. Auch mit der Umlage auf den Eigenverbrauch bleiben neue Eigenerzeugungsanlagen in den meisten Fllen wirtschaftlich.

  • 104

    II.3 Energieverbrauch und Energieeffizienz

    Deutschland hat bei der Energieeffizienz schon vieles erreicht. Bereits heute ist eine Entkopplung des Energieverbrauchs vom Wirtschaftswachstum festzustellen.

    Das Ziel, den Primrenergieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent gegenber 2008 zu ver-ringern, lsst sich nur mit zustzlichen Manahmen erreichen. Unter Bercksichtigung der tatschlichen Entwicklung von 2008 bis 2013 kann von einer Verringerung des Primr-energieverbrauchs um etwa 7,2 bis 10,1 Prozent bis 2020 im Vergleich zum Basisjahr 2008 ausgegangen werden. Das Ziel wrde ohne zustzliche Manahmen also um 9,9 bis 12,8 Prozentpunkte verfehlt werden.

    Der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz trgt wesentlich zur Erreichung des 2020 gesetzten Zieles bei. Die Bundesregierung hat mit dem Nationalen Aktionsplan Energie- effi zienz (NAPE) die bisher bestehenden Instrumente und Manahmen zur Steigerung der Energie effizienz weiterentwickelt und ergnzt. Durch die im NAPE enthaltenen Ma-nahmen knnen voraussichtlich insgesamt 390 bis 460 PJ bis 2020 eingespart werden (ohne Manahmen im Verkehrssektor). Damit ist bereits ein groer Schritt zur Zielerrei-chung getan darber hinaus besteht aber in verschiedenen Bereichen noch Handlungs-bedarf.

    Der NAPE wirkt kurz-, mittel- und langfristig. Er enthlt sowohl Sofortmanahmen, die unmittelbar umgesetzt werden, als auch weitergehende Manahmen, die im Laufe der Legislaturperiode weiter konkretisiert werden. Darber hinaus benennt der NAPE langfris-tig wirksame Arbeitsprozesse fr die restliche Legislaturperiode, um eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Instrumentenmix sicherzustellen. Zu den zentralen Sofortmanah-men des NAPE zhlen

    zz die Einfhrung neuer wettbewerblicher Ausschreibungen fr Energieeffizienz, zz die Erhhung des Frdervolumens fr die Gebudesanierung und die Einfhrung einer

    von Bund und Lndern getragenen steuerlichen Frderung von Effizienzmanahmen im Gebudesektor. Zur Umsetzung wird die Bundesregierung kurzfristig Gesprche mit den Lndern fhren, mit dem Ziel, sptestens Ende Februar 2015 eine finale Entschei-dung zu treffen,zz die Schaffung von Energieeffizienznetzwerken gemeinsam mit Industrie und Gewerbe.

    Das zweite Standbein des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz sind die weiterfh-renden Arbeitsprozesse fr die 18. Legislaturperiode. Der NAPE definiert im Wesentli-chen sektorbergreifende Effizienzmanahmen, die allen Akteuren zugutekommen. Mit den drei Eckpfeilern des NAPE, 1. die Energieeffizienz im Gebudebereich voranbringen, 2. die Energieeffizienz als Rendite- und Geschftsmodell etablieren und 3. die Eigenverantwortlichkeit fr Energieeffizienz erhhen, beschreitet die Bundesregierung einen neuen Weg in der Energieeffizienzpolitik. Mit den Manahmen des NAPE wird es der Bundesregierung gelingen, einen mageb-lichen Beitrag fr die Ziele zur Steigerung der Energieeffizienz als auch zur Erreichung des Klimaschutzzieles zu leisten.

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    Die Steigerung der Energieeffizienz ist neben dem Aus-bau der erneuerbaren Energien die zweite Sule der Ener-giewende. Eine hhere Energieeffizienz senkt nicht nur die Energiekosten der privaten Haushalte und der Unternehmen. Sie trgt auch zur Steigerung der Versorgungssicherheit und zum Erreichen der Klimaziele bei. Um der Energieeffi-zienz neuen Schub zu geben und diesem entscheidenden Thema mehr Aufmerksamkeit zu verleihen, beschliet die Bundesregierung einen Nationalen Aktionsplan Energieef-fizienz (NAPE) (BMWi 2014b). Der NAPE fhrt Instrumente und Verantwortungen der Energieeffizienz zusammen (siehe Kapitel II.3.3). Die Gebudesanierung nimmt eine herausragende Rolle bei der Umsetzung der Energiewende und der Er reichung der Effizienzziele ein (siehe Kapitel II.4)

    II.3.1 Breiter Manahmenmix zur Steigerung der Energieeffizienz

    Mit einem breiten Manahmen-Mix wird die Energie-effizienz gesteigert. Dazu gehren insbesondere Anreize, Standards, Kennzeichnung und qualitativ hochwertige, unabhngige Beratungsangebote. Wo mglich werden marktwirtschaftliche Lsungen angestrebt.

    Zahlreiche Manahmen wurden zur Energieeffizienzsteige-rung eingefhrt und an aktuelle Entwicklungen angepasst. Dazu zhlen:

    zz Ordnungspolitische Standards (z. B. Novellierung der Energieeinsparverordnung),zz steuerliche Regelungen (z. B. Neuregelung des soge-

    nannten Spitzenausgleichs im Energiesteuer- und im Stromsteuergesetz zum 1. Januar 2013), zz Frdermanahmen (z. B. Frderprogramme der KfW) zz sowie Angebote zur Information und Beratung (z. B. die

    Vor-Ort-Energieberatung fr Wohngebudebesitzer, das Energieberatungsangebot der Verbraucherzentralen, die Initiative Energieeffizienz, die Stromsparinitiative und spezifische Beratungs- und Untersttzungsangebote fr einkommensschwache Haushalte).

    Die Bundesregierung sensibilisiert Unternehmen fr das Thema Energieeffizienz. Eine qualitativ hochwertige Bera-tung ist der Schlssel fr eine erfolgreiche Effizienzstrate-gie. Mit Projekten wie der Klimaschutzpartnerschaft mit Industrie- und Handelskammern und dem Rationalisie-rungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft wird diese hochwertige Beratung in Sachen Energieeffizi-enz gewhrleistet.

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS106

    II.3.1.1 EU-Energieeffizienzrichtlinie

    Die EU-Energieeffizienzrichtlinie ist ein wesentliches Ins-trument zur Erreichung der europischen Effizienz-Ziele. Die Europische Union hat sich zum Ziel gesetzt, den EU-Primrenergieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent zu senken. Ein gemeinsamer Rahmen zur Frderung der Energieeffizi-enz in der Europischen Union ist fr die Zielerreichung unverzichtbar. Mit der EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED) vom Dezember 2012 wurden sektorbergreifende Regelun-gen zur Steigerung der Energieeffizienz auf europischer Ebene beschlossen. In der EU-Energieeffizienzrichtlinie wird unter anderem die Festlegung eines indikativen Effizi-enzziels von den Mitgliedstaaten gefordert, welches die Bundesregierung im Juni 2013 an die Kommission gemel-det hat. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, zwischen 2014 und 2020 eine Energieeinsparverpflichtung fr Ener-gieunternehmen in Hhe von 1,5 Prozent pro Jahr einzu-fhren. Als Alternative knnen andere Manahmen mit einer gleichwertigen Wirkung umgesetzt werden. Es gibt eine Vielzahl an weiteren Regelungen zur Steigerung der Energieeffizienz, wie etwa eine Sanierungspflicht fr Regie-rungsgebude oder Anforderungen an eine bessere und transparentere Information der Verbraucher. Ein Gesetz, das groe Unternehmen entsprechend den Vorgaben aus der Energieeffizienzrichtlinie zur Durchfhrung periodi-scher Energieaudits verpflichtet, soll 2015 in Kraft treten.

    In Zusammenarbeit mit den Bundeslndern wird ein Einspar-Monitoring durchgefhrt. Die Richtlinie lsst es zu, dass laufende und konkrete knftige politische Ma-nahmen des Bundes und der Lnder auf die Einspar-Ver-pflichtung angerechnet werden knnen, wenn sie zu nach-weisbaren Endenergieeinsparungen fhren. Um die wichtigsten anrechenbaren Einsparmanahmen in den Lndern zu quantifizieren, wird in Zusammenarbeit mit den Bundeslndern ein sogenanntes Einspar-Monitoring durchgefhrt. Die Bundesregierung hat in zwei Meldungen an die Kommission Manahmen benannt, die auf die Ver-pflichtung angerechnet werden knnen. Die verbleibende Lcke wird mit den Manahmen des Nationalen Aktions-plans Energieeffizienz (NAPE) geschlossen.

    II.3.1.2 kodesign-Richtlinie und Energieverbrauchskennzeichnungs-Richtlinie

    Europische Instrumente erhhen die Energieeffizienz von Produkten. Ein koordiniertes Zusammenwirken der europischen Instrumente kodesign-Richtlinie und Ener-gieverbrauchskennzeichnungs-Richtlinie setzt Anreize zur Steigerung der Energieeffizienz bei Produkten (sog. EU-Top-Runner-Strategie). Whrend die kodesign-Richtlinie Mindestanforderungen fr einen niedrigen Energiever-brauch setzt, wird durch die bekannten farbigen Effizienz-skalen der Energieverbrauch der Produkte fr die Verbrau-

    cher sichtbar gemacht. Mit dieser Vergleichsmglichkeit wird auch der Wettbewerb zwischen den Herstellern um die Entwicklung energieeffizienter Produkte gestrkt. Bei den beiden Richtlinien handelt es sich um eingefhrte Ins-trumente, die einen erheblichen Beitrag zu Stromeinspa-rung in Deutschland leisten. Der Stromverbrauch kann allein durch diese beiden Richtlinien bis zum Jahr 2020 um ca. 33 TWh jhrlich gegenber 2008 sinken (ko-Institut 2013). Das entspricht rund drei Viertel der absehbaren Stromeinsparungen bzw. ca. 6,3 Prozent des Stromver-brauchs im Jahr 2008.

    II.3.1.3 Energieeffiziente Beschaffung

    Hohe Energieeffizienz im Rahmen ffentlicher Auftrge. Mit der vierten nderung der Verordnung ber die Vergabe ffentlicher Auftrge (Vergabeverordnung) wurde aus-schlielich fr Vergaben im Oberschwellenbereich eine Regelung zur angemessenen Bercksichtigung der Energieef-fizienz bei der Beschaffung von Produkten, Dienstleistungen und Bauleistungen mit hoher Energieeffizienz eingefhrt. Der ffentlichen Hand kann bei der Vergabe ffentlicher Auf-trge eine Vorbildfunktion zukommen. Dabei ist jedoch der haushaltsrechtliche Wirtschaftlichkeitsgrundsatz ( 6 Haus-haltsgrundstzegesetz, 7 Bundeshaushaltsordnung) zu bercksichtigen. Sofern energieverbrauchsrelevante Leistun-gen ausgeschrieben werden, sollen unter Bercksichtigung des vorgenannten Wirtschaftlichkeitsgrundsatzes hchste Anforderungen an deren Energieeffi zienz gestellt werden. Die Vergabeverordnung umfasst unterschiedliche Muss- und Soll-Vorschriften. Neben Angaben des Energieverbrauchs sind vom Bieter jeweils in geeigneten Fllen die Ergeb-nisse einer Lebenszykluskostenrechnung aufzufhren. Die Energieeffizienz ist im Rahmen der Ermittlung des wirt-schaftlichsten Angebots nach 97 Abs. 5 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschrnkungen (GWB) angemessen als Zuschlagskriterium zu bercksichtigen. Fr die Beschaffung von Straenfahrzeugen wird ein konkretes Verfahren zur Berechnung des Energieverbrauchs sowie der Emissionen vorgegeben.

    Darber hinaus bestehen fr ffentliche Beschaffungen unter der Prmisse der Einhaltung des Wirtschaftlich-keitsgrundsatzes stehende Zielvorgaben zur Energieeffi-zienz. Das Manahmenprogramm Nachhaltigkeit der Bun-desregierung vom 6. Dezember 2010 formuliert unter dieser Voraussetzung einzelne Zielvorgaben fr Beschaf-fungen durch Bundesbehrden, u. a. auch solche mit Bezug zur Energieeffizienz. Zudem wurde eine Kompetenzstelle fr nachhaltige Beschaffung eingerichtet.

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS 107

    II.3.1.4 Energie- und Strombesteuerung

    Der Spitzenausgleich (SPA) wurde neu geregelt. Mit dem Energiesteuer- (EnergieStG) und dem Stromsteuergesetz (StromStG) werden u. a. die Vorgaben der EU-Energiesteu-errichtlinie 2003/96/EG umgesetzt. Mit dem Gesetz zur nderung des Energiesteuer- und des Stromsteuergesetzes sowie zur nderung des Luftverkehrsteuergesetzes vom 5. Dezember 2012, das am 1. Januar 2013 in Kraft getreten ist, wurde der sog. Spitzenausgleich neu geregelt. Die Neu-regelung ist auf zehn Jahre angelegt. Durch den Spitzenaus-gleich knnen Unternehmen des Produzierenden Gewerbes zur Sicherung der internationalen Wettbewerbsfhigkeit von der Energie- und der Stromsteuer ber einen tragbaren Selbstbehalt hinaus auf Antrag nachtrglich entlastet wer-den. Das Gesetz wird durch die Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft zur Steige-rung der Energieeffizienz vom 1. August 2012 flankiert.

    Die Gewhrung des Spitzenausgleichs ist an eine Verrin-gerung der Energieintensitt geknpft. Seit dem Jahr 2013 wird der Spitzenausgleich nur noch gewhrt, wenn die den Spitzenausgleich beantragenden Unternehmen einen Bei-trag zur Steigerung der Energieeffizienz leisten. Energie- bzw. Umweltmanagementsysteme helfen den Unterneh-men dabei, ihre Effizienzpotenziale zu ermitteln. Darber hinaus wird der Spitzenausgleich fr die Antragsjahre ab 2015 nur noch gewhrt, wenn sich die Energieintensitt des Produzierenden Gewerbes insgesamt um einen gesetzlich festgelegten jhrlichen Zielwert verringert, was durch ein unabhngiges wissenschaftliches Institut zu berprfen ist. Dieser Zielwert wurde fr die Bezugsjahre 2013 bis 2015 auf 1,3 Prozent pro Jahr festgelegt. Danach soll die jhrliche Reduzierung der Energieintensitt bei 1,35 Prozent pro Jahr liegen, wobei die Zielwerte fr die Bezugsjahre 2017 bis 2020 im Rahmen einer Evaluation im Jahr 2017 berprft werden sollen. Wird der Zielwert nicht erreicht, erhalten die Unternehmen in dem betreffenden Antragsjahr bei einer Zielerreichung von mindestens 92 Prozent bzw. 96 Prozent eine reduzierte Steuerentlastung von 60 Prozent bzw. 80 Prozent des vollen Entlastungsbetrags.

    II.3.1.5 Strkung des Marktes fr Energiedienstleistungen

    Energieeinsparziele sollen durch wirtschaftliche und angemessene Manahmen erreicht werden. Der Markt fr Energiedienstleistungen setzt sich aus vielen verschiedenen Marktsegmenten (z. B. Contracting, Energieaudits/Energie-beratungen, Energiemanagement, Gebudesanierungen, Mess- und Zhlerdienstleistungen) und Anbietern (z. B. Energieunternehmen, Ingenieur- und Architekturbros, Handwerker) zusammen. Er ist durch einen regen Wettbe-werb gekennzeichnet. Das Gesetz ber Energiedienstleis-tungen und andere Energieeffizienzmanahmen richtet sich vornehmlich an Anbieter von Energieeffizienzma-

    nahmen und Energieunternehmen. Mit diesem Gesetz wurde 2010 die europische Energiedienstleistungsricht-linie (2006/32/EG) umgesetzt und u. a. die Entwicklung des Marktes fr Energiedienstleistungen weiter gestrkt. Es zielt darauf ab, dass die durch die Energiedienstleistungs-richtlinie vorgegebenen Energieeinsparziele durch wirt-schaftliche und angemessene Manahmen erreicht werden. Die durch das Gesetz eingerichtete Bundesstelle fr Ener-gieeffizienz (BfEE) beobachtet und analysiert u. a. den Ener-giedienstleistungsmarkt und macht Vorschlge zu dessen Weiterentwicklung. Sie fhrt eine Anbieterliste, die den Endkunden Transparenz ber die fr sie verfgbaren Ange-bote ermglichen soll. Derzeit wird an einer berarbeitung des Gesetzes gearbeitet, um es an die Vorgaben aus der unten genannten europischen Energieeffizienzrichtlinie (2012/27/EU) anzupassen.

    Der Markt fr Energiedienstleistungen wird weiterentwi-ckelt. Contracting, Energieaudits/Energieberatungen und Energiemanagement sowie die sonstigen Energiedienstleis-tungen stellen einen groen, aktiven und weiterhin wach-senden Energiedienstleistungsmarkt dar. Der deutsche Markt zeichnet sich durch die Vielzahl von Unternehmen, die aus Energieeffizienzdienstleistungen Geschftsmodelle entwickelt haben, aus. Hinsichtlich des gesamten Volumens des Energiedienstleistungsmarkts gehen viele Studien von einem betrchtlichen Wachstumspotenzial aus. Dieses Potenzial zu heben, ist das Ziel der Manahmen.

    II.3.1.6 Frderung hocheffizienter Querschnitts-technologien

    Ineffiziente Anlagen werden durch effizientere Anlagen ersetzt. Das Programm zur Frderung hocheffizienter Querschnittstechnologien frdert den Ersatz ineffizienter alter Anlagen wie Elektromotoren, Pumpen, Druckluftsys-teme etc. durch hocheffiziente Anlagen. Auf diese Techno-logien entfllt ein hoher Anteil des Stromverbrauchs, hier wirksame Innovationen und Effizienzsteigerungen haben deshalb eine hohe Breitenwirkung. Zum anderen wird auch die Optimierung von Systemen, in die diese Querschnitts-technologien eingebunden sind, gefrdert. Das Programm wurde zum Oktober 2012 gestartet und zum Januar 2014 aktualisiert. Mit der Evaluation des Programms wurde zustzlich die Frderung der Umstellung von Beleuch-tungssystemen auf LED-Technik im Rahmen der Einzel-manahmen aufgenommen und das frderfhige Mindest-Investitionsvolumen auf 2.000 Euro verringert.

    Frderprogramme des Bundesumweltministeriums sparen ebenfalls CO2-Emissionen ein. Im Mini-KWK-Programm werden Mini-BHKW einschlielich Brennstoffzellen mit einer Leistung bis 20 kW gefrdert. Sie sparen je nach Gr-enklasse mindestens 15 bzw. 20 Prozent Primrenergie gegenber der getrennten Erzeugung von Strom und Wrme

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS108

    ein und reduzieren die CO2-Emissionen um ca. 40 Prozent. Das Frderprogramm fr Klte- und Klimaanlagen in Unter-nehmen generiert eine Stromeinsparung von mindestens 35 Prozent. Zudem enthlt es Anreize fr den Einsatz natr-licher Kltemittel. Dadurch werden neben einer CO2-Einspa-rung von mindestens 40 Prozent auch direkte Emissionen von F-Gasen gesenkt.

    II.3.1.7 Weitere Frderprogramme zur Steigerung der Energieeffizienz in Industrie und Gewerbe

    Der Einsatz von Energiemanagementsystemen wird gefrdert. Im August 2013 startete das Programm zur Fr-derung von Energiemanagementsystemen. Unternehmen knnen entweder einen Zuschuss fr eine Erstzertifizie-rung eines Energiemanagementsystems oder eines Ener-giecontrollings beantragen. Daneben gibt es noch die Mg-lichkeit, Zuschsse fr den Erwerb von Messtechnik und Software fr Energiemanagementsysteme zu beantragen.

    Energieeffiziente und klimaschonende Produktionspro-zesse werden gefrdert. Ein weiteres Programm zur Steige-rung der Energieeffizienz ist die Frderung von energieeffi-zienten und klimaschonenden Produktionsprozessen. Unternehmen des Produzierenden Gewerbes knnen einen Zuschuss fr investive Manahmen zur Steigerung der Ener-gieeffizienz in gewerblichen und industriellen Produktions-prozessen erhalten. Gefrdert werden insbesondere Verfah-rensumstellungen auf energieeffiziente Technologien.

    Die Mittelstandsinitiative Energiewende untersttzt den Mittelstand bei der Verbesserung der Energieeffizienz. Darber hinaus startete zum Jahresbeginn 2013 die Mittel-standsinitiative Energiewende, die den deutschen Mittel-stand bei der Umsetzung der Energiewende untersttzt. Ziel ist es, mittelstndische Betriebe zu befhigen, ihre Energieeinsparpotenziale zu erkennen und zu heben.

    II.3.1.8 Energieberatung Mittelstand

    Energieeffizienzpotenziale in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) werden mit der Energieberatung Mittelstand erschlossen. KMU und freiberuflich Ttige erhalten die Mglichkeit, durch eine fachkundige, unab-hngige Beratung Informationsdefizite abzubauen und Energieeinsparpotenziale im eigenen Unternehmen aufzu-decken und zu realisieren. Gefrdert werden bis Ende des Jahres 2014 je Antragsteller eine Initialberatung (Hinweise auf mgliche Energieeinsparpotenziale fr alle Bereiche des Unternehmens) und eine Detailberatung (Analyse und konkretes Konzept fr Effizienzmanahmen). Unterneh-men mit Energiekosten unter 5.000 Euro erhalten keine Frderung.

    Das Programm stt auf positive Resonanz. Eine Studie zur Evaluierung dieser Frderung (IREES, ISI 2014) hat ergeben, dass ber die Beratungen in den gefrderten Unternehmen eine Vielzahl von Energieeffizienzmanah-men angestoen wurde. Die Evaluation zeigt eine gute Akzeptanz und ein gutes Image des Programms. Die Bera-ter haben betrchtliche Energiesparpotenziale aufgedeckt und in allen Technik- und Managementbereichen geeig-nete Manahmen empfohlen. Die Kunden folgen in hohem Mae den Empfehlungen. Magebliche Wirkungen der Effizienzmanahmen, die aufgrund der Energieberatung Mittelstand durchgefhrt wurden, werden in Tabelle II.3.1 dargestellt.

    Die Energieberatung Mittelstand wird erweitert. Das Fr-derangebot wird ab dem 1. Januar 2015 an die fr hochwer-tige Energieaudits bestehenden Vorgaben der Energieeffi-zienz-Richtlinie 2012/27/EU angepasst. Der Zuschuss von bis zu 80 Prozent der Beratungskosten kann fr Unternehmen, die Energiekosten von mehr als 10.000 Euro haben, maximal 8.000 Euro betragen. Auch fr kleine Unternehmen, die geringere Energiekosten haben, wird es ein Frderangebot geben. Sie erhalten einen Hchstzuschuss von 800 Euro. Die Energieberatung Mittelstand wird knftig um die Frderung der Abwrme-Nutzung und um eine gefrderte Umsetzungs -begleitung innerhalb der vorgenannten Zuschsse erweitert. Damit wird die Beratung attraktiver fr kleine und mittlere Unternehmen. Durch die umfassendere Beratung und das Frderangebot fr die sich anschlieende Ausfhrungs beglei-tung ist zu erwarten, dass Umsetzungshemmnisse abgebaut werden.

    II.3.1.9 Energie-Checks der Verbraucherzentralen

    Die Energie-Checks sollen die Nachfrage nach Energiebe-ratungen beleben. Zur Frderung der rationellen Energie-verwendung frdert das Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie ber das Bundesamt fr Wirtschaft und Aus-fuhrkontrolle (BAFA) die Koordination und Durchfhrung von unabhngigen und anbieterneutralen Energie-Checks bei privaten Verbrauchern durch den Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (vzbv). Das Angebot wurde bundesweit im Herbst 2012 eingefhrt. Die Energie-Checks sollen die Nachfrage nach Energieberatungen beleben. bergeordnete Ziele sind es, Verbraucher fr Manahmen der Energieeffizi-enz zu sensibilisieren und auch ggf. auf weiterfhrende Beratungen und Frdermanahmen zur Steigerung der Energieeffizienz hinzuweisen. Die Energie-Checks stehen nicht in Konkurrenz zu den Angeboten beispielsweise von Ingenieuren und Handwerksbetrieben.

    Mieter, Eigentmer und Vermieter sollen fr Energieeffi-zienz sensibilisiert werden. Aufgabe der Energie-Check-Beratung ist es erstens, durch qualifizierte Beratung Miete-rinnen und Mieter fr Energieeinsparmanahmen zu

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS 109

    gewinnen (Basis-Checks). Es werden die Einsparpotenzi-ale bei Heizenergie (inkl. Warmwasser) und Strom geprft und Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Zweitens sollen Haus- und Wohnungseigentmer bzw. private Ver-mieter fr die Umsetzung von Energieeffizienzmanah-men sensibilisiert werden (Gebude-Checks). In diesem Zusammenhang prfen Beraterinnen und Berater u. a. den Verbrauch an Heizenergie und Strom sowie das Heiz- und Warmwassersystem, die Gebudehlle und die Mglichkeit des Einsatzes von erneuerbaren Energien. Drittens werden die sogenannten Effizienztechnik-Checks fr Betreiber von Brennwertkesseln angeboten. Im Bereich der Effizienz-technik-Checks soll das Beratungsangebot zuknftig erwei-tert werden: Der Heizungs-Check wird sich ab Herbst 2015 nicht nur auf Brennwertgerte, sondern auf Heizsys-teme generell fokussieren. Voraussichtlich ab Sommer 2016 sollen die Effizienztechnik-Checks des Weiteren um Checks fr solarthermische Anlagen (Solar-Checks) ergnzt wer-den. Das Beratungsentgelt fr Verbraucherinnen und Ver-braucher betrgt fr den Basis-Check 10 Euro, fr den Gebude-Check 20 Euro und fr den Brennwert-Check 30 Euro. Einkommensschwache Haushalte sind von der Entgeltpflicht befreit.

    Hohe Zufriedenheit mit den Energie-Checks. Eine Erfolgs-kontrolle des Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. im Jahr 2013 sowie auch Erhebungen im Rahmen des Projek-tes Evaluation ausgewhlter Manahmen zur Energie-wende im Juni 2014 verweisen auf eine hohe Zufrieden-

    heit von Ratsuchenden mit den Energie-Checks (IER, IZT 2014). Insgesamt zeigt sich, dass den Handlungsempfehlun-gen der Energie-Checks von einem mageblichen Anteil der Ratsuchenden gefolgt wird. Als Folge der Energie-Checks werden insbesondere Manahmen im Strombe-reich (z. B. zum Stromsparen bei Hausgerten und Haus-technik) sowie Manahmen zur Effizienzsteigerung der Heizanlagen durchgefhrt. Die Befragungen besttigen auch, dass die Energie-Checks anbieter- und produktneu-tral zu Energieeffizienzmanahmen informieren und dass dabei ein breites Themenspektrum bercksichtigt wird. Dazu zhlen auch Verweise auf weitere Beratungs- und Frderangebote. Aufgrund dieser Ergebnisse kann gefolgert werden, dass die Energie-Checks der Verbraucherzentralen zielfhrend durchgefhrt werden und durch die Sensibili-sierung von Mietern und Eigentmern fr Energieeffizienz und Energiesparen zur Umsetzung der Energiepolitischen Zielsetzungen der Bundesregierung beitragen.

    Die Bundesregierung frdert weitere Informations- und Beratungsangebote fr private Haushalte. Auf der im Rahmen der Initiative Energieeffizienz sowie der Strom-sparinitiative entwickelten Online-Plattform knnen sich alle Brgerinnen und Brger kostenlos zum eigenen Stromverbrauch informieren und erhalten Energieeinspar-tipps. Bewhrt hat sich auch das Online-Beratungsangebot der Kampagne Klima sucht Schutz. Seit Ende der siebziger Jahre untersttzt die Bundesregierung die unabhngige Energieberatung privater Haushalte durch den Verbrau-cherzentrale Bundesverband e. V. Sie wurde kontinuierlich ausgebaut. Bundesweit wird in mittlerweile 710 Beratungs-stellen der Verbraucherzentralen und kommunalen Sttz-punkten rund ums Thema Energie beraten. Die Beratung wird von derzeit rund 480 unabhngigen und kompetenten Energieexperten der Verbraucherzentralen durchgefhrt. Im Rahmen des vom Bundesministerium fr Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefrderten Stromspar-Check PLUS werden Haushalte mit geringem Einkommen vor Ort beraten und Energieeinsparartikel im Wert von durchschnittlich ca. 70 Euro pro Haushalt instal-liert. Innerhalb eines Pilotprojektes wird hier zudem bei einer Stromeinsparung von mindestens 200 kWh pro Jahr der Ersatz des Khlgertes mit einem Gutschein ber 150 Euro gefrdert. Allen Gebude- und Wohnungseigen-tmern steht mit dem zuschussfinanzierten Frderpro-gramm Vor-Ort-Beratung (siehe Kapitel II.4.1.5) eine Energieberatung durch einen qualifizierten Energieberater zur Verfgung.

    Fr Ausfhrungen zu Frderprogrammen zur Gebude-sanierung wird auf Kapitel II.4.1 verwiesen.

    Tabelle II.3.1: Wirkung der Energieberatung Mittelstand

    Wirkungskategorie 2008-2010 2012-2013

    Energieeinsparungen (GWh/a)

    Gesamt 1.921 936

    Emissionsminderung (kt CO2/a)

    Gesamt 624 354

    Kosten (Mio. )

    Investitionen in Effizienzmanahmen 666 415

    Energiekosteneinsparungen pro Jahr 122 89

    Beratungskosten (von Unternehmen getragen) 15 9,8

    Beratungskosten (ffentliche Frderung) 17,7 13,3

    Verwaltungskosten k.A. 2,2

    CO2-Vermeidungskosten (/t CO2) 2,1 2,4

    CO2-Frdereffizienz (kg CO2/) 476 417

    Energieeinsparungskosten (/MWh) 1 0,9

    Energie-Frdereffizienz (MWh/) 1 1,1

    Angestoene Investitionen pro Frderungskosten (/) 34 27,3

    Frderungskosten je angestoener Investition ( Cent/) 2,9 3,7

    Quelle: IREES, ISI 2014

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS110

    II.3.2 Ausblick

    Der Primrenergieverbrauch wird sich weiter verringern, jedoch wird ohne zustzliche Manahmen das 2020-Ziel voraussichtlich verfehlt werden. Mehrere Szenarien gehen (ohne neue zustzliche Manahmen) von einer Verringe-rung von 7,2 bis 10,1 Prozent bis zum Jahr 2020 im Ver-gleich zum Basisjahr 2008 aus. Das Ziel wrde also um 9,9 bis 12,8 Prozentpunkte verfehlt werden. Hieraus leitet sich ab, dass zur Erreichung des Ziels fr den Primrener-gieverbrauch aus dem Energiekonzept fr das Jahr 2020 noch eine deutliche zustzliche Verringerung des Primr-energieverbrauchs von mindestens 1.400 PJ notwendig ist.

    Allerdings ist zu bercksichtigen, dass die genannten Sze-narien nicht die Effizienzmanahmen erfassen, die seit Oktober 2012 beschlossen wurden. Auch diese Manah-men werden zu einer Verringerung des Energieverbrauchs beitragen und sind daher in die Gesamtbetrachtung einzu-beziehen.

    Bewertungsmastab fr die Bundesregierung ist aber nicht allein der Primrenergieverbrauch im Jahr 2020. Vielmehr ist es bei allen Effizienzmanahmen entschei-dend, auch die Zielerreichung der langfristigen Ziele bis 2050 ausgewogen im Blick zu halten, fr deren Erreichbar-keit das 2020-Ziel ein entscheidender Meilenstein ist. Die Bundesregierung legt deswegen neben den Sofortmanah-men auch ein ambitioniertes weiteres Arbeitsprogramm mit dauerhaft angelegten Arbeitsprozessen zur Steigerung der Energieeffizienz vor.

    II.3.3 Schlussfolgerungen

    Der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz trgt wesent-lich zur Erreichung des 2020-Ziels fr den Primrenergie-verbrauch bei. Die Bundesregierung hat mit dem Natio nalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) die bisher besteh enden Instrumente und Manahmen zur Steigerung der Energieef-fizienz weiterentwickelt und ergnzt (BMWi 2014b). Der NAPE zielt darauf ab, alle gesellschaftlichen Akteure fr Stei-gerungen der Energieeffizienz zu gewinnen und einzubinden. Es kommt darauf an, die Mglichkeiten und Chancen fr alle gesellschaftlichen Akteure aufzuzeigen und das Engagement fr Energieeffizienz positiv zu belegen. Mit einem intelligen-ten Mix aus Beratung, Kommunikation und Aufklrung ber lohnende Effizienzmanahmen, Frdermanahmen sowie dem Setzen von Standards fr Neuanlagen enthlt der NAPE einen Instrumentenmix zur Reduzierung des Endenergiever-brauchs. Der NAPE definiert Sofortmanahmen, die unmit-telbar umgesetzt werden, und auch weiterfhrende Arbeits-prozesse, die den Kern der Energieeffizienzstrategie der 18. Legislaturperiode bilden werden.

    Zu den zentralen Sofort-manahmen des NAPE zhlen

    zz die Einfhrung neuer wettbewerblicher Ausschreibun-gen fr Energieeffizienz, zz die Erhhung des Frdervolumens fr die Gebudesanie-

    rung und die Einfhrung einer von Bund und Lndern getragenen steuerlichen Frderung von Effizienzma-nahmen im Gebudesektor. Zur Umsetzung wird die Bundesregierung kurzfristig Gesprche mit den Lndern fhren, mit dem Ziel, sptestens Ende Februar 2015 eine finale Entscheidung zu treffen,zz die Schaffung von Energieeffizienznetzwerken gemein-

    sam mit Industrie und Gewerbe.

    Das zweite Standbein des NAPE sind die weiterfhrenden Arbeitsprozesse fr die 18. Legislaturperiode. Der Natio-nale Aktionsplan Energieeffizienz definiert im Wesentlichen sektorbergreifende Effizienzmanahmen, die allen Akteu-ren zugutekommen. Mit den drei Eckpfeilern des NAPE,

    1. die Energieeffizienz im Gebudebereich voranbringen,2. die Energieeffizienz als Rendite- und Geschftsmodell

    etablieren und3. die Eigenverantwortlichkeit fr Energieeffizienz

    erhhen,

    beschreitet die Bundesregierung einen neuen Weg in der Energieeffizienzpolitik.

    Mit den Manahmen des NAPE wird es der Bundesregie-rung gelingen, einen mageblichen Beitrag fr die Ziele zur Steigerung der Energieeffizienz als auch zur Errei-chung des Klimaschutzzieles zu leisten.

    Die Manahmen zur Steigerung der Energieeffizienz wer-den ohne Manahmen im Verkehrssektor bis 2020 vor-aussichtlich zu einer Verringerung des Primrenergiever-brauchs in Hhe von 390 bis 460 PJ und zu einem verminderten CO2-Aussto in Hhe von 25 bis 30 Mio. t CO2-quivalenten fhren und damit auch einen signifi-kanten Beitrag zum Erfllen der Klimaschutzziele der Bun-desregierung leisten. Die Manahmen im Verkehrsbereich, die im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 im Einzelnen dargestellt werden, bewirken eine zustzliche Verringerung des Primrenergieverbrauchs um rund 110 bis 160 PJ und tragen zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen in Hhe von 7 bis 10 Mio. t CO2-quivalenten bei. Die ener-gie- und klimapolitischen Beschlsse vom Dezember 2014 enthalten u.a. fr den Stromsektor weitere Manahmen, die ebenfalls zu einer Verringerung des Primrenergiever-brauchs beitragen werden.

    Fr eine ausfhrlichere Erluterung der neuen Manah-men der Bundesregierung wird auf den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) verwiesen (BMWi 2014b).

  • 111

    II.4 Energetische Gebudesanierung und energieeffizientes Bauen

    Deutschland betreibt eine ganzheitliche Politik zur Gebudesanierung, d. h. Politikrahmen, finanzielle Anreize und Informationsmanahmen werden aufeinander angepasst und gestrkt.

    XX Rahmen gestalten: Durch Verordnungen und Gesetze wie die Energieeinsparverordnung oder das Erneuerbare-Energien-Wrmegesetz werden ordnungspolitische Rahmenbedingungen gesetzt.

    XX Beratung intensivieren: Informations- und Beratungsangebote treiben die Effizienzerhhung im Gebudebereich voran. Beispielsweise knnen Eigentmer von Husern und Wohnungen ber das Beratungsprogramm Vor-Ort-Beratung einen individuellen Energieberatungsbericht fr ihr Wohnge-bude erhalten.

    XX Anreize setzen: Die Bundesregierung bietet zudem finanzielle Untersttzung fr Gebudebesitzer durch Frderprogramme zum verstrkten Einsatz erneuerbarer Energien in Gebuden (z. B. mit dem Marktanreizprogramm) oder zur energetischen Gebudesanierung (z. B. CO2-Gebudesanierungs-programm) an. Das CO2-Gebudesanierungsprogramm des Bundes mit den bei der KfW aufgelegten KfW-Programmen zum energieeffizienten Bauen und Sanieren ist das volumenstrkste Frder - in strument in Deutschland.

    Erste Erfolge sind greifbar. Bis zum Jahr 2020 wird der Endenergieverbrauch der privaten Haus-halte fr Raumwrme und Warmwasser trotz zunehmender Wohnflche zurckgehen. Insbe-sondere der Energieverbrauch zur Erzeugung von Warmwasser wird abnehmen.

    Die Bundesregierung wird in der 18. Legislaturperiode eine Energieeffizienzstrategie Gebude (ESG) entwickeln, die neben individuellen Sanierungsfahrplnen auch den Funktionen der Gebude und den Bewohnern Rechnung tragen wird.

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS112

    Die Gebudesanierung spielt eine herausragende Rolle bei der Umsetzung der Energiewende. Auf den Gebude-bereich entfallen 37,6 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland (siehe Kapitel I.3.1). Millionen Huser in Deutschland wurden vor der Einfhrung der ersten Wrme-schutzverordnung errichtet. Sie sind daher nicht ausreichend gedmmt, wodurch Wrmeenergie ungenutzt verloren geht. Hier setzen die Sanierungs- und Modernisierungs-programme an.

    II.4.1 Manahmen im Gebudesektor

    Die energetische Gebudesanierung und das energieeffi-ziente Bauen werden mit verschiedenen Manahmen untersttzt. Hier setzt die Bundesregierung zur Hebung der Einsparpotenziale auf ein ganzes Manahmenbndel. Der Schwerpunkt sind wirtschaftliche Anreize. Untersttzt werden Bauherren und Eigentmer, die ihre Gebude ener-gieeffizient sanieren, um den CO2-Aussto zu verringern und Energie einzusparen.

    II.4.1.1 Novelle der Energieeinsparverordnung

    Die novellierte Energieeinsparverordnung verschrft die Effizienzstandards fr Neubauten. Die Energieeinsparver-ordnung (EnEV) stellt Mindestanforderungen an die ener-getische Qualitt der Gebudehlle und der Anlagentechnik bei Neubauten und bei greren Sanierungen von bestehen-den Gebuden. Am 1. Mai 2014 trat die novellierte Ener gie-einsparverordnung in Kraft. Kernelement der Novellierung ist die Verschrfung der Effizienzstandards fr Neu bau ten um durchschnittlich 25 Prozent ab dem 1. Januar 2016. Diese Neubaustandards sind ein notwendiger, wirtschaftlich vertretbarer Schritt hin zum Niedrigstenergiegebude. Zu dem mssen ab 2015 ineffiziente Heizkessel nach 30 Betriebsjah-ren stillgelegt werden. Dies betrifft nicht sogenannte Brenn-wertkessel und Niedertemperatur-Heizkessel. Ausnahmen gibt es fr viele selbstgenutzte Ein- oder Zweifamilienhuser.

    Die Aussagekraft von Energieausweisen wird gestrkt. Die Neuregelungen strken die Aussagekraft von Energieaus-weisen und erweitern bzw. verdeutlichen die Pflichten bei Ausstellung und Verwendung von Energieausweisen. Damit wird die Transparenz auf dem Immobilienmarkt verbessert. Neue Energieausweise fr Wohngebude enthalten knftig auch die Angabe von Energieeffizienzklassen und mssen sptestens bei der Besichtigung eines Kauf- oder Mietob-jekts vorgelegt werden. Nach Vertragsabschluss erhlt der Kufer oder der neue Mieter eine Kopie des Dokuments. Neues Recht gilt auch fr Immobilienanzeigen. Wer zum Zeitpunkt der Aufgabe der Anzeige bereits einen Energie-ausweis hat, muss in die Anzeige bestimmte energetische Angaben aus dem Ausweis aufnehmen.

    II.4.1.2 Erneuerbare-Energien-Wrmegesetz

    Ein Teil des Wrme- und Kltebedarfs wird durch erneu-erbare Energien gedeckt. Ziel des Erneuerbare-Energien-Wrmegesetzes (EEWrmeG) ist es, bis 2020 einen Anteil erneuerbarer Energien von 14 Prozent am gesamten End-energieverbrauch fr Wrme und Klte zu erreichen (siehe Kapitel II.3.2). Zu diesem Zweck muss ein Teil des Wrme-bedarfs (und Kltebedarfs) neuer Gebude aus erneuerba-ren Energien gedeckt werden. Als Ersatzmanahme kn-nen hnlich klimafreundliche Technologien eingesetzt werden. Seit 1. Mai 2011 gilt die fr Neubauten bestehende Nutzungspflicht auch fr ffentliche Bestandsgebude. Dabei wurde u. a. die fr Neubauten bestehende Nutzungs-pflicht auf ffentliche Bestandsgebude ausgedehnt. ffentliche Gebude (des Bundes, der Lnder und der Kommunen) unterliegen seitdem grundstzlich einer Vor-bildfunktion bei der Nutzung von erneuerbaren Energien fr Wrme und Klte. Die Nutzungspflicht tritt auch bei einer grundlegenden Renovierung des Gebudes ein und gilt fr Gebude im Besitz oder Eigentum der ffentlichen Hand sowie fr dauerhaft von ihr gemietete Gebude.

    Nach dem Erfahrungsbericht zum EEWrmeG ist offen, ob das 14-Prozent-Ziel erreicht wird. Die Bundesregierung hat im Dezember 2012 den ersten Erfahrungsbericht zum EEWrmeG vorgelegt. Zentrale Berichtsinhalte des Erfah-rungsberichts sind der Stand der Markteinfhrung von Anlagen zur Erzeugung von Wrme und Klte aus erneuer-baren Energien (im Hinblick auf die Erreichung des Ziels in 2020), die technische Entwicklung, die Kostenentwicklung und die Wirtschaftlichkeit dieser Anlagen, die Umweltaus-wirkungen (unter anderem eingesparte Mengen fossiler Brennstoffe und Treibhausgasemissionen) und der Vollzug des Gesetzes. Auerdem diskutiert der Bericht Vorschlge zur Weiterentwicklung des Gesetzes im Rahmen einer Novellierung. Der Bericht kommt zum Ergebnis, dass die Realisierung des 14-Prozent-Ziels auf Basis der bestehenden Instrumente mglich, aber nicht gesichert sei. Die Bundes-regierung prft unter den aktuellen Rahmenbedingungen und mit Blick auf die Erreichung des genannten Ziels die Weiterentwicklung der bestehenden Instrumente im Bereich erneuerbarer Energien im Wrmemarkt.

    II.4.1.3 Marktanreizprogramm

    Das Marktanreizprogramm frdert Investitionen in erneuerbare Energien in Gebuden. Das Marktanreizpro-gramm (MAP) ist ein zentrales Frderinstrument fr Inves-titionen in erneuerbare Energien zur Deckung des Bedarfs an Wrme und Klte, hauptschlich in bestehenden Gebu-den, sowie fr gewerbliche bzw. industrielle Prozesse. Die Einzelheiten der MAP-Frderung sind in den Richtlinien zur Frderung von Manahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wrmemarkt festgelegt, die je nach Bedarf an

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS 113

    den Stand der Technik und die aktuelle Marktentwicklung angepasst werden. Ein Marktanreizprogramm besteht bereits seit dem Jahr 1993. Mit dem Inkrafttreten des Er neuer bare-Energien-Wrmegesetzes (EEWrmeG) zum 1. September 2009 hat das Marktanreizprogramm eine gesetzliche Veran-kerung erhalten.

    Das Marktanreizprogramm frdert Investitionszuschsse. Das Marktanreizprogramm gewhrt Investitionszuschsse vorrangig im Bereich von Bestandsgebuden fr Solar-kollektoren, Biomassekessel und effiziente Wrmepumpen. Diese Anlagen werden berwiegend in Ein- und Zweifamili-enhusern, aber auch in Mehrfamilienhusern, ffent lichen und gewerblichen Gebuden sowie in Vereinen eingesetzt. Im Neubaubereich sind nur besonders innovative Anwen-dungen durch Investitionszuschsse frderfhig, beispiels-weise Solarkollektoren ab 20 Quadratmetern fr den Ein-satz in Mehrfamilienhusern oder Solarkollektoren zur Bereitstellung von Prozesswrme/-klte. Dieser Programm-teil des Marktanreizprogramms wird vom Bundesamt fr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) durchgefhrt.

    Das Marktanreizprogramm gewhrt Tilgungszuschsse. Zudem gewhrt das Marktanreizprogramm Tilgungszu-schsse zur anteiligen Ablsung von zinsgnstigen Dar-lehen im Rahmen des KfW-Programms Erneuerbare Energien Premium. Dieser Frderteil des Marktanreizpro-gramms wird zumeist von gewerblichen und kommunalen Investoren zur Realisierung grerer Wrmeanlagen wie beispielsweise groe Solarkollektoren, Biomasseheizwerke, Biogasleitungen, Tiefengeothermieanlagen sowie fr Wrme-netze und -speicher fr erneuerbare Energien genutzt.

    Das Marktanreizprogramm hat ein Investitionsvolumen von rund 1,23 Milliarden Euro angestoen. Im Jahr 2013 wurden im Rahmen des Marktanreizprogramms insgesamt ca. 321 Millionen Euro an Frdergeldern ausgegeben und damit ein Investitionsvolumen von rund 1,23 Milliarden Euro angestoen. Auerdem werden im KfW-Programm Energieeffizient Sanieren Ergnzungskredit seit dem 1. Mrz 2013 im Marktanreizprogramm frderfhige Anla-gen ergnzend mit einem Kredit gefrdert. Darber hinaus wurde aus dem MAP ein Frderprogramm fr dezentrale Speicher in Verbindung mit Photovoltaik-Anlagen aufgelegt.

    II.4.1.4 CO2-Gebudesanierungsprogramm, KfW-Pro-gramme zum energieeffizienten Bauen und Sanieren

    Die KfW-Frderprogramme machen Neubauten und den Gebudebestand energieeffizienter. Die im Rahmen des CO2-Gebudesanierungsprogramms aufgelegten KfW-Frder-programme Energieeffizient Bauen und Energieeffizient Sanieren untersttzen umfassende Bestandssanierungen und Neubauten zum KfW-Effizienzhaus sowie energieeffi-ziente Einzelmanahmen zur Steigerung der Energieeffizi-enz und -einsparung. Die KfW-Effizienzhuser (EH) mssen die gesetzlichen Mindestanforderungen an einen Neubau (100 Prozent) bzw. an Bestandsgebude (140 Prozent) unter-schreiten. Gefrdert werden Manahmen nur dann, wenn die gesetzlich geltenden Mindeststandards bertroffen werden. Frderfhig sind Wohngebude und Gebude der kommunalen und sozialen Infrastruktur, wie z. B. Schulen und Rathuser. Die Frderung erfolgt in Form zinsgnsti-ger Kredite oder alternativ ber einen Investitionszuschuss insbesondere fr selbstnutzende Wohneigentmer. Hierfr wurden 2013 und 2014 jhrlich rund 1,8 Milliarden Euro aus dem Energie- und Klimafonds bereitgestellt.

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS114

    Mit den bis heute gefrderten Manahmen knnen in den nchsten 30 Jahren 7,3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Bis Ende Mai 2014 untersttzte die Frderung die energieeffiziente Sanierung oder Errich-tung von ber 3,5 Millionen Wohnungen und die energe-tische Sanierung von ber 2.000 Gebuden der sozialen und kommunalen Infrastruktur. Das Investitionsvolumen liegt ber 167 Milliarden Euro. Das Verhltnis von ffent-lichen Mitteln zu privaten Investitionen betrug in den letz-ten Jahren 1 zu 16. Nach Angaben der KfW wird mit den bis heute gefrderten Manahmen ber den 30-jhrigen Nutzungszeitraum der Manahmen der CO2-Aussto jhr-lich um rund 7,3 Millionen Tonnen reduziert. Zugleich werden pro Jahr durchschnittlich etwa 300.000 Arbeits-pltze im Mittelstand und Handwerk zumeist regional gesichert.

    Fr die KfW-Programme besteht ein Qualittssicherungs-konzept. Im Rahmen der KfW-Frderprogramme Energie-effizient Bauen und Energieeffizient Sanieren gilt ein umfassendes Qualittssicherungskonzept der geplanten und gefrderten energetischen Ziele. Die Frderantrge werden durchgehend auf Plausibilitt und stichprobenhaft umfassend geprft. Ebenso erfolgen eine stichprobenhafte Rechnungskontrolle sowie Vor-Ort-Prfungen nach Ab schluss der Baumanahmen. Fr alle Manahmen ms-sen Sachverstndige die energetische Fachplanung durch-fhren und nach Manahmenschluss die planmige Durchfhrung besttigen. Alle Sachverstndigen mssen in der so genannten Energie-Effizienz-Experten-Liste fr

    Frderprogramme des Bundes eingetragen sein. Diese Experten unterliegen dort einer personenbezogenen Quali-tts- und Qualifikationssicherung.

    Durch die KfW-gefrderten Sanierungen von Wohngebu-den konnten 6,2 PJ Endenergie im Jahr 2012 eingespart wer-den. Tabelle II.4.1 quantifiziert die Wirkung des KfW-Frder-programms Energieeffizient Sanieren in den Jahren 2010 bis 2012. Die Programmkosten entsprechen den Ausgaben des Staatshaushaltes (Programmtitel aus dem Energie- und Klimafonds und dem Bundeshaushalt). Sie setzen sich aus den Kosten fr die Zuschsse und Kosten fr die Kreditfrde-rung zusammen. Die CO2-Vermeidungskosten ergeben sich aus den Programmkosten und den CO2-Emissionseinsparun-gen ber eine angenommene Lebensdauer von 30 Jahren und geben an, wie hoch die Kosten der Vermeidung einer Tonne CO2 fr den Staatshaushalt sind. Die CO2-Frdereffizienz wird definiert als der Kehrwert der CO2-Vermeidungskosten und drckt aus, welche Menge an CO2 pro eingesetztem Euro vermieden werden kann. Entsprechend gibt die End ener gie-Frder effizienz an, welche Menge Endenergie pro eingesetz-tem Euro vermieden werden kann. Diese Indikatoren berck-sichtigen damit nicht die durch die Manahmen selbst entstandenen Kosten bei den Bauherren. Durch KfW-gefr-derte Sanierungen von Wohngebuden wurde im Jahr 2012 eine Endenergieeinsparung von 6,2 PJ erreicht. Dies ent-spricht einer Reduktion des Endenergieverbrauchs der sanierten Gebude um etwa 31 Prozent gegenber dem Zustand vor der Modernisierung. Bezogen auf den gesamten Endenergieverbrauch fr Raumwrme in Wohngebuden im

    Tabelle II.4.1: Wirkung des KfW-Frderprogramms Energieeffizient Sanieren fr die Jahre 2010 bis 2012

    Wirkungskategorie 2010 2011 2012

    Energieeinsparungen (PJ/a)

    Endenergieeinsparung 8,8 4,5 6,2

    Endenergieeinsparung fossile Energietrger (Gas, Heizl, Kohle) 8,5 4,2 5,8

    Primrenergieeinsparung 12 6 7,9

    Emissionsminderung (kt CO2/a)

    CO2-Emissionsminderung 757 392 498

    THG-Emissionsminderung 847 457 576

    Kosten (Millionen Euro)

    Kreditvolumen 4.927 2.796 3.772

    Zuschussvolumen 100 51 75

    Investitionsvolumen (energetisch relevant) 6.919 3.853 5.405

    Programmkosten 1.131 625 788

    CO2-Vermeidungskosten (/t CO2) 49,8 53,1 52,7

    CO2-Frdereffizienz (kg CO2/) 20,1 18,8 19

    Endenergieeinsparungskosten (/GJ) 4,35 4,55 4,17

    Endenergie-Frdereffizienz (GJ/) 0,23 0,22 0,24

    Beschftigungseffekt (Personenjahre) 92.500 52.000 69.000

    Quelle: IER, IZT 2014

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS 115

    Jahr 2012 entspricht diese Einsparung einer Reduktion von rund 0,4 Prozent. ber 90 Prozent der Einsparun gen gehen auf fossile Energietrger zurck.

    Durch die Modernisierung wurden die Treibhausgasemis-sionen bei den sanierten Gebuden im Jahr 2012 um rund 35 Prozent reduziert. Diese Reduktion liegt damit leicht ber der prozentualen Endenergieeinsparung. Grund hierfr ist, dass neben der Endenergieeinsparung auch ein Energie-trgerwechsel hin zu kohlenstoffrmeren Energietrgern stattgefunden hat. Das Mittelvolumen in den Jahren 2010 bis 2012 war unterschiedlich hoch. Jedoch zeigen sich fr die Jahre 2010 bis 2012, wie in Tabelle II.4.1 dargestellt, relativ konstante Werte fr die CO2-Vermeidungskosten und die Endenergie-Frdereffizienz. Die ausgereichten Kredit- und Zuschussvolumina und damit erreichten Einsparungen von Endenergie und CO2-Emissionen schwankten mit der Bereit-stellung von Mitteln aus dem Bundeshaushalt bzw. Energie- und Klimafonds. Die Evaluation dieser Manahme (IER, IZT 2014) hat ergeben, dass das KfW-Programm Energieeffizient Sanieren Anreize schafft, umfangreiche Sanierungen und energieeffiziente Einzelmanahmen durchzufhren, die ber die Anforderungen der Energieeinsparverordnung hinausge-hen. Dadurch kann eine wesentliche Reduktion des Endener-gieverbrauchs in Wohngebuden und damit der Treibhaus-gasemissionen erreicht werden.

    II.4.1.5 Vor-Ort-Beratung

    Information und Beratung sind Kernelemente der Effizi-enzpolitik. Sie sind auerdem Voraussetzung fr kluge Investitionsentscheidungen. Insbesondere private Haushalte sollen unabhngige, verlssliche und qualittsgesicherte Informationen und Vergleichsmglichkeiten erhalten, um den eigenen Energieverbrauch besser zu verstehen, einscht-zen und bewerten zu knnen, und letztendlich die geeigne-ten Manahmen zu ergreifen, um den Energieverbrauch und damit die Kosten fr Heizung und Warmwasserberei-tung zu senken. Gefrdert werden bereits die Initialberatung bei der Verbraucherzentrale, die vertiefende Vor-Ort-Bera-tung beim Bundesamt fr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sowie die Begleitung der Sanierungsmanahmen durch das Programm Baubegleitung bei der KfW.

    Ein Energieberater erstellt ein Sanierungskonzept. Das Frderprogramm Vor-Ort-Beratung richtet sich an die Eigentmer von Husern und Wohnungen. Ein unabhngi-ger und qualifizierter Energieberater erstellt ein Sanierungs-konzept bzw. einen Manahmenfahrplan fr die Sanierung. Ziel der im Rahmen des Programms gefrderten Energie-sparberatung ist es, durch Investitionen im Wohngebude-bereich die Energiekosten zu begrenzen sowie die CO2-Emi s -sionen zu mindern. Damit soll ein Beitrag zur Erreichung des energiepolitischen Ziels eines weitgehend klimaneutra-len Gebudebestands bis 2050 geleistet werden.

    Die Energieberatung findet die optimalen Manahmen. Die Vor-Ort-Beratung wurde im Jahr 2014 vom Bundesamt fr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) evaluiert (BAFA 2014). Besonders hervorzuheben ist, dass die Vor-Ort-Beratung wichtige Qualittsstandards fr den gesam-ten Energieberatermarkt setzt. Die Evaluation hat ergeben, dass die Energieberatung einen wichtigen Beitrag liefert, um die optimalen Manahmen vor dem Hintergrund bestehender Frderprogramme herauszufinden und aufei-nander abzustimmen. Die Vor-Ort-Beratung ist eng mit dem CO2-Gebudesanierungsprogramm verknpft. Damit wurden Investitionen angestoen und auch vorgezogen, die zu unmittelbaren Energieeinsparungen und CO2-Min-derungen fhrten. Darber hinaus wurden Fehlinvestitio-nen vermieden. Es erfolgte somit eine Investitionslenkung, so dass qualitativ hochwertige Manahmen ausgewhlt wurden, die langfristig zu einer hheren Energie- und Kosten-einsparung bei den Beratungsempfngern fhren. Zudem wurden die Beratenen untersttzt, ihr zur Verfgung ste-hendes Budget unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten optimal einzusetzen. Die Evaluierung hat auch gezeigt, dass die Hhe der Frderzuschsse mit den gestiegenen Anfor-derungen an Umfang und Qualitt der Beratung nicht mehr bereinstimmen. Zudem haben Gebudeeigentmer erhhte Anforderungen an die Berater, die auch zustzliche soziale und kommunikative Kompetenzen erfordern.

    Die Richtlinie zur Vor-Ort-Beratung wurde auf Grundlage der Evaluierung berarbeitet. Mit einer fr Gebudeeigen-tmer wie Energieberater verbesserten Frderung, einem erweiterten Geltungsbereich und einigen Vereinfachungen soll ein wesentlicher Beitrag zur Strkung der Vor-Ort-Beratung geleistet werden. Die Anhebung der Frderstze soll die Konkurrenzfhigkeit der Ttigkeit Energiebera-tung im Vergleich zu anderen beratenden bzw. planenden Dienstleistungen herstellen. Die bestehenden Energiebera-tungsprogramme (u. a. Verbraucherzentralen und die Vor-Ort-Beratung beim Bundesamt fr Wirtschaft und Ausfuhr-kontrolle (BAFA) werden auch weiterhin den Bedrfnissen entsprechend zielorientiert weiterentwickelt und besser aufeinander abgestimmt.

    II.4.1.6 Einheitlicher Rahmen fr Wrmeliefer-Contracting im Mietrecht

    Das Wrmeliefer-Contracting ist ein gutes konomisches Instrument, um Energieeinsparungen im Gebude-Be reich anzureizen. Bei der Nutzung von Wrmeliefer-Contracting in Wohngebuden stellt ein gewerblicher Wrmelieferant (Contractor) dem Wohnungseigentmer (Contracting-Neh-mer) Wrme fr Heizung und Warmwasser zur Verfgung. Der Contracting-Nehmer bezahlt fr die gelieferte Wrme-menge einen vereinbarten Preis. Der Contractor ist dazu verpflichtet, die Wrmelieferung aus einer modernen Hei-zungsanlage oder einem Wrmenetz zu leisten. Die somit

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS116

    oftmals notwendige Modernisierung der Heizungsanlage bernimmt der Contractor. Der Eigentmer muss damit keine Investition in eine neue Heizungsanlage ttigen, fr die oft kein Anreiz besteht oder Kapital vorhanden ist. Dadurch knnen mit Hilfe des Contractings erhebliche Endenergieeinsparungen und damit CO2-Emissionseinspa-rungen bei der Wrmebereitstellung in Wohngebuden erreicht werden.

    Das Contracting im Mietwohnungsmarkt wurde neu geregelt. In Mietwohnungen werden die Kosten der Wrme-lieferung regelmig vom Vermieter an den Mieter weiter-gegeben. Durch die Wrmeliefer-Verordnung (WrmeLV) wurde das Contracting im Mietwohnungsmarkt neu geregelt und damit die rechtlichen Unsicherheiten der Vergangenheit beseitigt. Ziel der Neuregelungen ist es unter anderem, die Umstellung auf Contracting als wichtiges Instru ment zur Verbesserung der Energieeffizienz zu er mglichen. Fr den Vermieter wird die Nutzung des Wrmeliefer-Contractings erleichtert, wenn der Contractor die alte Heizung durch eine neue ersetzt. Im Gegenzug muss das Contracting fr den Mieter kostenneutral erfolgen. Contracting-Modelle, bei denen die Heizung nicht ausgetauscht wird, bleiben zulssig, aber erst bei Anlagen mit einem Wirkungsgrad ab 80 Pro-zent. ber den Umfang des Einsatzes von Contracting in Mietwohnungen und den durchschnittlichen Energieein-sparungen und Kosten liegen keine detaillierten Zahlen vor. Fr Deutschland ergeben sich nach Schtzung von Verbn-den rund 55.000 neue Contracting-Vertrge in der gesamten Wohnungswirtschaft im Jahr 2013.

    0

    500

    1.000

    1.500

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    2020201920182017201620152014201320122011201020092008

    Abbildung II.4.1: Mgliche Entwicklung des Endenergieverbrauchs fr Raumwrme und Warmwasser der privaten Haushalte von 2008 bis 2020 in PJ

    Quelle: Prognos, EWI, GWS 2014

    Warmwasser Raumwrme

    II.4.2 Ausblick

    Der Endenergieverbrauch fr Raumwrme und Warmwas-ser der privaten Haushalte wird knftig trotz einer Aus-weitung der Wohnflchen um 5,6 Prozent von 2008 bis 2020 kontinuierlich zurckgehen. Dazu werden eine ener-getisch verbesserte Qualitt der Gebude, effizientere Heiz-anlagen und ein wrmeres Klima beitragen. Nach der Ener-giereferenzprognose (Prognos, EWI, GWS 2014) wird im Jahr 2020 fr die Erzeugung von Raumwrme und Warmwasser rund 15,5 Prozent weniger Energie bentigt als im Jahr 2008 (siehe Abbildung II.4.1). Das Institut fr Wohnen und Umwelt (IWU 2013) geht in seiner Trendanalyse von einer Minderung des Wrmebedarfs in bewohnten Gebuden von nur 6,2 Prozent gegenber 2008 bis zum Jahr 2020 aus. Beide Prognosen ergeben eine deutliche Lcke beim Minderungs-Ziel des Endenergiebedarfs fr Wrme um 20 Prozent bis 2020 gegenber 2008. Denn Manahmen im Gebudebe-reich haben in der Regel lngere Vor- und Anlaufzeiten, die keine kurzfristigen Effekte erwarten lassen.

    II.4.3 Schlussfolgerungen

    Im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) ist als weiterfhrender Arbeitsprozess fr die 18. Legislatur perio de die Entwicklung einer Energieeffizienzstrategie Gebu de (ESG) vorgesehen, die neben individuellen Sanierungs-fahrplnen auch den Funktionen der Gebude und den Bewohnern Rechnung tragen wird (siehe Kapitel II.3.3).

  • 117

    II.5 Verkehr

    Im Sektor Verkehr ist bereits heute eine Entkopplung von Verkehrsleistung und Endenergieverbrauch zu erkennen. Laut Verkehrsverflechtungsprognose 2030 kann mit den bisher beschlossenen Manahmen im Verkehrsbereich der Endenergieverbrauch des Ver-kehrs um knapp 11 Prozent bis 2030 reduziert werden. Darber hinaus werden weitere Manahmen im Ver-kehr ergriffen, die zu einer Reduzierung des Endener-gieverbrauchs und der CO2-Emissionen bis 2020 bei-tragen sollen. Dies betrifft u.a.

    zz Manahmen im Gterverkehr, wie die Ausweitung der Lkw-Maut,zz Manahmen zur klimafreundlichen Gestaltung des

    Personenverkehrs, wie die Strkung des ffentlichen Personennahverkehrs und des Rad- und Fuverkehrs, zz den verstrkten Einsatz elektrischer Antriebe bei

    Kraftfahrzeugen,zz bergreifende Manahmen im Verkehrsbereich sowie zz Manahmen im Luftverkehr und zz untersttzende Manahmen im internationalen

    Seeverkehr.zz

    Der Verkehrsbereich muss seinen Beitrag zur Umsetzung der Ziele des Energiekonzepts der Bundesregierung leis-ten. Mit dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz und dem Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 werden konkrete, bereits vor 2020 wirksame Manahmen beschlossen (BMWi 2014b, BMUB 2014). Darber hinaus soll die vom Bundes-kabinett im Juni 2013 beschlossene Mobilitts- und Kraft-stoffstrategie (MKS) als ein wichtiges Umsetzungsinstru-ment fr die Energiewende im Verkehr im Sinne der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie fortgesetzt werden (BMVI 2013). Sie gibt bislang einen berblick ber Techno-logien sowie Energie- und Kraftstoffoptionen der verschie-denen Verkehrstrger. Laut Beschluss wird die MKS als lernende Strategie fortgefhrt. Die wesentlichen Vorausset-zungen fr das Erreichen der Ziele sind die Diversifizierung der Energiebasis des Verkehrs mit alternativen Kraftstoffen in Verbindung mit innovativen Antriebstechnologien, die weitere Steigerung der Energieeffizienz von Verbrennungs-

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS118

    motoren, die Optimierung der Verkehrsablufe und Verla-gerungen eines mglichst groen Anteils des Verkehrs auf den jeweils effizientesten Verkehrstrger.

    II.5.1 Manahmen im Sektor Verkehr

    Im Verkehrssektor sind verschiedene Manahmen beschlossen worden, die einen Beitrag zur Energiewende leisten. Diese richten sich an unterschiedliche Adressaten.

    II.5.1.1 EU-Verordnungen zur Verringerung der CO2-Emissionen bei neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen

    Die EU-Gesetzgebung hat CO2-Zielvorgaben fr neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge vorgeschrieben. Die Verordnung (EG) Nr. 443/2009 vom April 2009 legt Emissionsnormen fr neue Pkw fest. Demnach mssen die in der EU neu zugelas-senen Fahrzeuge sptestens 2015 im Durchschnitt einen Zielwert von 130 g CO2/km einhalten (stufenweise Einfh-rung ab 2012). Analog dazu ist im Jahr 2011 die Verord nung (EU) Nr. 510/2011 zur Festsetzung von Emissionsnormen fr neue leichte Nutzfahrzeuge (LNF) verabschiedet worden. In dieser Verordnung wird ein CO2-Emissions durchschnitt fr neue leichte Nutzfahrzeuge von 175 g CO2/km festgelegt (stufenweise Einfhrung von 2014 bis 2017). Im Mrz bzw. April 2014 sind diese Verordnungen verndert worden. Sie legen die Modalitten fr das Erreichen der Ziele ab 2020 fest. Fr neue Pkw wurde ein Zielwert von 95 g CO2/km ab 2021 (stufenweise Einfhrung ab 2020) und fr leichte Nutz-fahrzeuge ein Zielwert von 147 g CO2/km ab 2020 festgelegt bzw. besttigt. Die Umsetzung dieser Verordnungen wird in den kommenden Jahren zu weiteren Kraftstoffeinsparungen im Straenverkehr in Deutschland beitragen.

    II.5.1.2 Kraftfahrzeugsteuergesetz und Pkw-Energieverbrauchskennzeichnung

    Das Kraftfahrzeugsteuergesetz wurde im Jahr 2009 novel-liert. Die Steuerbemessung fr alle seit dem 1. Juli 2009 erstmals zugelassenen Personenkraftwagen erfolgt anhand des im verkehrsrechtlichen Genehmigungsverfahren ermit-telten CO2-Emissionswertes und Hubraumes. Um den Kauf von Personenkraftwagen mit geringem CO2-Wert zu fr-dern, galt fr Erstzulassungen bis zum 31. Dezember 2011 bei der Berechnung des CO2-basierten Steueranteils eine Freimenge von 120 g CO2/km. Die Freimenge wurde fr Erstzulassungen ab dem 1. Januar 2012 auf 110 g CO2/km gesenkt, eine weitere Absenkung auf 95 g CO2/km erfolgte fr Erstzulassungen ab dem 1. Januar 2014. Im Dezember 2012 sind nderungen des Kraftfahrzeugsteuergesetzes als Bestandteil eines Verkehrssteuernderungsgesetzes in Kraft getreten. Dies umfasst die Erweiterung der Steuerbefreiung

    fr reine Elektrofahrzeuge auf alle Fahrzeugklassen sowie die Verlngerung der Befreiung von fnf auf zehn Jahre bei erstmaliger Zulassung bis zum 31. Dezember 2015. Fr reine Elektrofahrzeuge mit Erstzulassungen vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2020 wird die fnfjhrige Steu-erbefreiung fortgefhrt. Der Anwendungsbereich der Befreiung wird hinsichtlich Brennstoffzellenfahrzeuge mit der Neuregelung ausdrcklich klargestellt.

    Die novellierte Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungs-verordnung ist am 1. Dezember 2011 in Kraft getreten. Danach sind neu zugelassene Pkw in eine CO2-Effizienz-klasse (A+ bis G) einzustufen und zusammen mit weiteren Angaben, z.B. zu dem offiziellen Kraftstoffverbrauch, zu den CO2-Emissionen oder zu den Betriebskosten, anhand eines Labels zu kennzeichnen. Im Bundesanzeiger werden dazu jeweils zum 30. Juni eines Jahres aktuell die Kraftstoff-preisliste fr Energietrger (Kraftstoff und Strom) und die CO2-Effizienzklassen verffentlicht, die sptestens nach drei Monaten anzuwenden sind. Sollten 5 Prozent aller neu zugelassenen Fahrzeuge in einem Jahr die Klasse A+ einhal-ten, wird die Klasse A++ erffnet. Damit ist in naher Zukunft zu rechnen.

    II.5.1.3 Gesetz zur Umsetzung der Amtshilferichtlinie und Novelle der Dienstwagenbesteuerung

    Dienstwagen mit Elektro- oder Hybridantrieb werden gegenber Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb nicht mehr steuerlich benachteiligt. Das Gesetz zur Umsetzung der Amtshilferichtlinie sowie zur nderung steuerlicher Vorschriften novelliert die Dienstwagenbesteuerung von Elektrofahrzeugen. Die im Rahmen des Gesetzes umgesetzte nderung des Einkommenssteuergesetzes bewirkt, dass steuerrechtliche Wettbewerbsnachteile von als Dienstwagen eingesetzten Fahrzeugen mit Elektro- oder Hybridantrieb gegenber konventionell angetriebenen Fahrzeugen besei-tigt wurden. Aufgrund der Tatsache, dass Elektrofahrzeuge wegen der noch hohen Batteriekosten in der Anschaffung teurer sind als konventionell angetriebene Fahrzeuge, ergibt sich aus der Nutzung eines solchen Dienstwagens fr die Nutzer ein hoher geldwerter Vorteil, der sich steuerlich nachteilig auswirkte. Mit dem Gesetz werden rckwirkend zum 1. Januar 2013 die Listenpreise von Elektro- und Hyb-ridfahrzeugen bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils um einen nach der Batteriekapazitt jhrlich gestaffelten Abzugsbetrag gemindert und damit steuerliche Nachteile gegenber konventionell angetriebenen Fahrzeugen beseitigt.

    II.5.1.4 Frderprogramme

    Besonders emissionsarme schwere Lkw werden gefrdert. Die Bundesregierung frdert seit dem 1. September 2007 die Anschaffung besonders emissionsarmer schwerer Lkw

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS 119

    auf der Basis der Richtlinie zur Frderung der Anschaf-fung emissionsarmer schwerer Nutzfahrzeuge. Es soll ein Anreiz gegeben werden, mglichst frhzeitig die Fahrzeug-flotte auf solche serienmigen Neufahrzeuge umzustellen. Bisher wurden rund 88.000 Euro V-, EEV- und Euro VI-Lkw mit einem Volumen von 196 Millionen Euro gefrdert (Stand: 30. September 2014). Nach dem geltenden Beihilfe-recht der Europischen Union drfen die Mitgliedstaaten nur solche Fahrzeuge frdern, die berobligatorische Abgasstandards erfllen. Da der neueste Abgasstandard (Euro VI) seit Anfang Januar 2014 obligatorisch ist, ist das Frderprogramm derzeit ausgesetzt.

    Sicherheit und Umwelt im Gterkraftverkehr wird gefr-dert. Zudem startete 2009 das unbefristet angelegte Pro-gramm der Bundesregierung zur Frderung der Sicherheit und Umwelt in Unternehmen des Gterkraftverkehrs mit schweren Nutzfahrzeugen. Die negativen Wirkungen des Straengterverkehrs mit schweren Nutzfahrzeugen auf die Umwelt sollen durch geringere Emissionen und Materi-alverbruche reduziert werden. Gefrdert werden der Erwerb von Ausrstungsgegenstnden, Einrichtungen und sonstige Manahmen im Bereich Umwelt und Sicherheit sowie Beratungen zu umwelt- und sicherheitsbezogenen Fragen der Unternehmensfhrung. Dabei werden fahr-zeugbezogene und personenbezogene Manahmen sowie effizienzsteigernde Manahmen unterschieden. In einer Anlage zur Frderrichtlinie sind die frderfhigen Ma-nahmen mit konkreten Beispielen aufgefhrt. Zu den fahr-zeugbezogenen Manahmen zhlt z.B. die Nachrstung eines Lkw mit einem Partikelfilter, eine effizienzsteigernde Manahme stellt z.B. die Anschaffung von Telematiklsun-gen dar. Die Frderung erfolgt auf Basis der Verordnung der (EU) Nr. 1407/2013 der Europischen Kommission zu sogenannten De-Minimis-Beihilfen (Klein-Beihilfen). Das Frderprogramm wird vom Bundesamt fr Gterverkehr (BAG) durchgefhrt.

    II.5.1.5 Clean Power for Transport eine Kraftstoff-strategie fr Europa (CPT)

    Mit einer Vernderung der Antriebsstruktur und dem Kraftstoffmix von Fahrzeugen kann Energie im Verkehrs-bereich eingespart werden. Ein weiterer Ansatzpunkt von Manahmen im Verkehrsbereich zur Energieeinsparung setzt bei der Antriebsstruktur der Fahrzeuge und dem Kraftstoffmix an. Der erfolgreiche Einsatz alternativer Kraftstoffe und innovativer Antriebe hngt von einer leis-tungsfhigen Infrastruktur fr alternative Kraftstoffe bzw. Ladestationen fr Elektromobilitt ab. Das Thema Infra-struktur steht im Mittelpunkt der nun verabschiedeten Richtlinie der EU-Kommission Clean Power for Transport eine Kraftstoffstrategie fr Europa (CPT), die u.a. die Ent-wicklung und Implementierung gemeinsamer Standards fr ganz Europa zum Ziel hat. Die Richtlinie deckt ffent-

    lich zugngliche Ladeinfrastruktur, Infrastruktur fr Druckerdgas (CNG) als auch Flssigerdgas (LNG) sowohl fr schwere Lkw als auch fr die Schifffahrt ab. Zudem befasst sich die Richtlinie mit der Wasserstoffinfrastruktur. Zustz-lich sind Vorschriften fr die Landstromversorgung von Schiffen sowie Flugzeugen enthalten. Dabei sind die jewei-ligen Ausgestaltungen je nach Kraftstoffsorte unterschied-lich verpflichtend und auch auf der Zeitachse differenziert gestaffelt. Kernvorschlag ist die Entwicklung und Imple-mentierung gemeinsamer technischer Standards fr ganz Europa sowie ein Auftrag an die EU-Mitgliedstaaten, nati-onale Strategierahmen fr alle einzelnen Kraftstoffinfra-strukturen zu entwickeln. Die Bundesregierung teilt die Analyse der Kommission ber Chancen und Herausforde-rungen alternativer Kraftstoffoptionen fr eine zukunftsf-hige Mobilitt in Europa. Die Richtlinie muss nun in natio-nales Recht umgesetzt werden. Hierfr ist bis November 2016 Zeit. Derzeit erfolgt die Umsetzung hinsichtlich der Ladesteckerstandards im Rahmen des Verordnungsent-wurfs ber technische Mindestanforderungen an den sicheren und interoperablen Aufbau und Betrieb von ffentlich zugnglichen Ladepunkten fr Elektromobile.

    II.5.1.6 Frderung elektrisch betriebener Fahrzeuge

    Der Einsatz von Elektromobilitt trgt zum Erreichen der Ziele bei. Mit ihren Anstrengungen zur Frderung der Elekt-romobilitt stellt die Bundesregierung die strategischen Wei-chen fr die Mobilitt und das Verkehrssystem der Zukunft. Die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs ber die gesamte Bandbreite der Verkehrstrger und -segmente wird den Personen- und Gterverkehr effizienter gestalten und vor allem dem nach wie vor stark labhngigen Straenver-kehr den Zugang zu alternativen und insbesondere regene-rativen Energiequellen erschlieen.

    Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, Deutsch-land in den nchsten Jahren zum Leitanbieter und Leit-markt fr Elektromobilitt zu entwickeln.

    Die Bundesregierung hat in der Marktvorbereitung den Schwerpunkt auf die Forschung und Entwicklung gelegt. Mit der Grndung der Nationalen Plattform Elektromobili-tt (NPE) im Jahr 2010 wurden alle beteiligten Akteure an einem Tisch versammelt. Ein Grundkonsens ist, dass jenseits ffentlicher Frdermittel fr Forschung und Entwicklung und der Untersttzung durch die Gestaltung entsprechen-der Rahmenbedingungen fr einen kommerziellen Markt-durchbruch letztendlich die Industrie gefordert ist, indem sie entsprechend attraktive Produkte anbietet. Nach dem Phasenmodell der Nationalen Plattform Elektromobilitt befindet sich Deutschland 2014 noch in der Marktvorberei-tungsphase mit einem entsprechenden Schwerpunkt auf Forschung, Entwicklung und Demonstrationsvorhaben. Laufende Projekte im Rahmen von Ressortforschungsfr-

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS120

    derungen werden fortgefhrt. Das ressortbergreifende Schaufensterprogramm der Bundesregierung, die Modell-regionen Elektromobilitt und zahlreiche weitere Demons-trationsvorhaben machen die Elektromobilitt fr die ffentlichkeit sichtbar und erfahrbar. Der Markthochlauf wird fr die Jahre 2015 bis Ende 2017 angestrebt, fr die Zeit danach wird ein einsetzender Massenmarkt mit kom-merziell tragfhigen Geschftsmodellen erwartet.

    Die Bundesregierung frdert die Elektromobilitt zur Untersttzung des Markthochlaufs. Auf der Basis des Regierungsprogramms Elektromobilitt sind aus dem Jahr 2011 bereits einige Manahmen realisiert worden, die das Fahren von Elektroautos attraktiver machen: Alle vom 18. Mai 2011 bis zum 31. Dezember 2015 erstmals zugelas-senen Personenkraftwagen, Nutzfahrzeuge, Leichtfahr-zeuge und Kraftrder sind fr zehn Jahre von der Kraft-fahrzeugsteuer befreit, wenn sie reine batterieelektrische Fahrzeuge oder Brennstoffzellenfahrzeuge sind. Reine bat-terieelektrische Fahrzeuge und Brennstoffzellenfahrzeuge, die im Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2020 erstmals zugelassen werden, sind fr den Zeitraum von fnf Jahren von der Kraftfahrzeugsteuer befreit. Bei der Dienstwagenbesteuerung werden die Mehrkosten von Elektrofahrzeugen bercksichtigt (siehe Kapitel II.6.1.3). Auch bei den Normen und Standards v. a. durch den Typ-2-Ladestecker und das Combined Charging System (CCS)-Schnellladesystem als EU-Standard sind in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte erzielt worden. Der Bund wird zudem seine Fuhrparks schrittweise auf E-Autos umstellen und so mit gutem Beispiel vorangehen.

    Die Bundesregierung legt ein Entwurf fr ein Elektromo-bilittsgesetz vor. Am 24. September 2014 hat das Bundeska-binett einen Gesetzentwurf fr ein erstes Elektromobilitts-gesetz gebilligt. Darin soll u. a. die Ermchtigungsgrundlagen fr die Kennzeichnung von Elektrofahrzeugen geregelt und straenverkehrsrechtliche Privilegierungen geschaffen wer-den. In einem zweiten Schritt werden die entsprechenden Verordnungen erlassen bzw. angepasst. Damit werden die Rechtsgrundlagen fr Lnder, Kommunen und alle anderen Akteure geschaffen. Auf dieser Grundlage soll es den Kom-munen ermglicht werden, als Anreizmanahme kostenlose Parkpltze zur Verfgung zu stellen oder Elektrofahrzeuge von Zufahrtsbeschrnkungen auszunehmen. Ebenso wird die Mglichkeit zur ffnung von Busspuren ein Element in einem breit angelegten Instrumentenkasten sein.

    II.5.1.7 Biokraftstoffe

    Das Biokraftstoffquotengesetz gibt Quoten fr den Ein-satz von Biokraftstoffen vor. Der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrsbereich wird derzeit hauptschlich ber Biokraftstoffe wie Biodiesel oder Bioethanol bereitge-stellt. Mit dem Biokraftstoffquotengesetz wurden die ent-

    sprechenden Quoten in das Bundes-Immissionsschutzge-setz (BImSchG) eingefhrt. Nach 37a BImSchG ist die Minerallwirtschaft bis Ende 2014 verpflichtet, bezogen auf die jhrliche Gesamtabsatzmenge an Kraftstoffen, einen Anteil von 6,25 energetischem Prozent durch Biokraftstoffe in den Verkehr zu bringen. Ab dem Jahr 2015 wird die Bio-kraftstoffquote auf eine Treibhausgasquote umgestellt, so dass Biokraftstoffe gem ihrer Klimabilanz auf die Quote angerechnet werden.

    Biokraftstoffe mssen nachhaltig hergestellt sein. Seit Januar 2011 knnen Biokraftstoffe nach der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung nur dann auf die Biokraft-stoffquote angerechnet oder steuerlich begnstigt werden, wenn sie nachweislich nachhaltig hergestellt worden sind. So mssen Biokraftstoffe unter Einbeziehung der gesam-ten Herstellungs- und Lieferkette im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen mindestens 35 Prozent an Treibhausgasen ein-sparen (Altanlagen seit April 2013). Des Weiteren drfen durch den Anbau der Pflanzen fr die Biokraftstoffherstel-lung keine Flchen mit hohem Naturschutzwert oder Fl-chen mit hohem Kohlenstoffbestand zerstrt werden. Beim Anbau der Biomasse innerhalb der EU mssen zudem die Vorgaben der Cross Compliance eingehalten werden.

    II.5.1.8 Manahmen zur Verschiebung der Verkehrsmittel-Anteile an der Verkehrsleistung

    Durch eine Verschiebung der Verkehrsmittel-Anteile kann die Umwelt geschtzt werden. Einige Manahmen setzen bei einer Vernderung der Anteile der verschiedenen Ver-kehrsmittel an der Verkehrsleistung oder dem -aufkommen (Modal Split) im Personen- und Gterverkehr zugunsten umweltfreundlicherer Verkehrsmittel an, wie etwa Investiti-onen der Bundesregierung in den Ausbau der Schieneninfra-struktur. Im Personenverkehr konnte der Anteil der Schiene an den Verkehrsleistungen seit 1990 insgesamt gesteigert werden. Seit 2003 konnte der Anteil der Schiene an den Gterverkehrsleistungen wieder leicht gesteigert werden.

    Die Frderung des Radverkehrs trgt zu einer Vernde-rung des Modal Splits bei. Der Nationale Radverkehrsplan 2020 Den Radverkehr gemeinsam weiterentwickeln (NRVP) vom 1. Januar 2013 bildet die Grundlage fr die Rad-verkehrspolitik des Bundes in Deutschland. In ihm werden die grundstzlichen Leitlinien fr die Radverkehrsfrderung der kommenden Jahre dargestellt ausgerichtet auf neue verkehrspolitische Herausforderungen, wie z.B. die Frde-rung des Fahrrades als gleichberechtigtes Verkehrsmittel in Stdten und lndlichen Rumen, den Umgang mit groen Radverkehrsmengen in den Stdten, aber auch die zuneh-mende Elektromobilitt im Radverkehr. Die Frderung des Radverkehrs ist allerdings eine gemeinschaftliche Aufgabe von Bund, Lndern und Kommunen. Mit dem NRVP und den zur Umsetzung des NRVP gefrderten nicht investiven

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS 121

    Manahmen hat der Bund dabei eine wichtige Rolle als Moderator, Koordinator und Impulsgeber der bundesweiten Radverkehrsfrderung bernommen. Darber hinaus enga-giert sich der Bund fr den Bau und den Erhalt von Radwe-gen an Bundesstraen, um die Verkehrssicherheit zu erhhen. Im Jahr 2014 stehen im Haushalt des Bundesministeriums fr Verkehr und digitale Infrastruktur 80 Millionen Euro fr den Radwegebau an Bundesstraen zur Verfgung. Im Ver-gleich zum vergangenen Jahr wurden die Mittel um 20 Millio-nen Euro erhht. Auerdem stehen im Jahr 2014 1,3 Millio-nen Euro fr die Ertchtigung von Betriebswegen an Bundes wasserstraen fr den Radverkehr zur Verfgung. Hinzu kommen 3 Millionen Euro fr die Frderung von nicht investiven, innovativen Modellprojekten zur Um set-zung des NRVP. Darber hinaus stellt der Bund den Bundes-lndern nach Art. 143c Grundgesetz jhrlich rund 1,336 Milli-arden Euro aus dem Bundeshaushalt u. a. zur Verbesserung der Verkehrsverhltnisse der Gemeinden zur Verfgung (sog. Entflechtungsmittel). Diese Mittel werden in der bisherigen Hhe bis 2019 weitergefhrt und sind auch fr die Radver-kehrsinfrastruktur verwendbar. Entscheidend ist dafr aber die Bereitschaft in den einzelnen Bundeslndern, die Mittel entsprechend fr den Radverkehr einzusetzen. Darber hinaus werden im Rahmen der Nationalen Klima schutz-initiative (NKI) des Bundesministeriums fr Umwelt, Natur-schutz, Bau und Reaktorsicherheit entsprechende Manah-men und Projekte untersttzt. Die Kommunalrichtlinie der NKI ermglicht den Kommunen die Frderung einer nach-haltigen Mobilitt durch investive Manahmen im Bereich der Radverkehrsinfrastruktur und zur Errichtung verkehrs-mittelbergreifender Mobilittsstationen, mit dem Ziel, Fu-verkehr, Radverkehr, Car-Sharing und PNV zu vernetzen.

    II.5.2 Ausblick

    Das Ziel, den Endenergieverbrauch im Verkehr um rund 10 Prozent zu senken, wird voraussichtlich erst nach 2020 erreicht. Laut Verkehrsverflechtungsprognose 2030 ist mit einer Reduzierung des Endenergieverbrauchs des Verkehrs gem Energiebilanz (unter Einschluss des Luftverkehrs) um knapp 11 Prozent bis 2030 gegenber 2005 zu rechnen (BVU, ITP, IVV, Planco 2014). Die Beurteilung der Gesamtsi-tuation fhrt zu der Einschtzung, dass die bereits beschlossenen Effizienzsteigerungsmanahmen bei den Verkehrsmitteln nicht ausreichen, um die prognostizierten Steigerungen der Verkehrsleistungen zu kompensieren und das Endenergieverbrauchsziel im Jahr 2020 zu erreichen. Die Evaluierung beschlossener Manahmen zeigt, dass ein Groteil der CO2-Minderung im Jahr 2020 im motorisier-ten Individualverkehr infolge der Effizienzsteigerungen bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen erreicht werden wird. Mittelfristig werden Instrumente wie die Effizienz-steigerung der konventionellen Antriebe, die verstrkte Elektri fizierung der Antriebsstrnge und der Einsatz alter-nativer Energietrger sowie Steuerungselemente wie die

    CO2-Zielvorgaben fr neue Pkw, die Pkw-Energiever-brauchskennzeichnung und die 2009 erfolgte Umstellung der Kraft fahrzeug-Steuer auf eine vorwiegend nach den CO2-Emis sionen orientierte Steuerbemessung weiterhin einen Beitrag zum Erreichen der Endenergieverbrauchs-ziele leisten. Ebenfalls wirksam sind Manahmen, die die Verlagerung von Verkehr von weniger effizienten auf effizi-entere Verkehrstrger lenken.

    II.5.3 Schlussfolgerungen

    Damit im Verkehr eine zustzliche Reduktion des End-energieverbrauchs erzielt werden kann, sind weiterge-hende Manahmen erforderlich.

    Die Mobilitts- und Kraftstoffstrategie (MKS) wird als ler-nende Strategie fortgefhrt. Neben der Entwicklung weite-rer zuknftiger Manahmen im Sektor Verkehr sind die in der MKS enthaltenen Handlungsempfehlungen und Manahmen zu konkretisieren, zu priorisieren und umzu-setzen.

    Darber hinaus werden weitere Manahmen im Verkehr ergriffen, die zu einer Reduzierung des Endenergiever-brauchs und der CO2-Emissionen bis 2020 beitragen sollen. Dies betrifft

    zz Manahmen im Gterverkehr, wie die Ausweitung der Lkw-Maut,zz Manahmen zur klimafreundlichen Gestaltung des Per-

    sonenverkehrs, wie die Strkung des ffentlichen Perso-nennahverkehrs und des Rad- und Fuverkehrs, zz den verstrkten Einsatz elektrischer Antriebe bei Kraft-

    fahrzeugen,zz bergreifende Manahmen im Verkehrsbereich sowie zz Manahmen im Luftverkehr und zz untersttzende Manahmen im internationalen See-

    verkehr. Die Manahmen werden im Einzelnen im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) und im Aktionspro-gramm Klimaschutz 2020 erlutert (BMWi 2014b, BMUB 2014).

    Die EU-Richtlinie Clean Power for Transport verpflichtet die Mitgliedsstaaten zum Aufbau einer Tank- und Ladein-frastruktur fr alternative Kraftstoffe. Hierfr sind bis Ende 2016 nationale Strategieplne zu entwickeln.

    Die hier genannten Manahmen werden ihre Wirkungen berwiegend erst mittel bis langfristig entfalten, sind aber aufgrund der Komplexitt und langen Vorlufe jetzt zu beginnen.

  • 122

    II.6 Treibhausgasemissionen

    Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissio-nen in Deutschland bis 2020 um mindestens 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Dieses Ziel ist ein entscheidendes Etappenziel fr das langfristige Ziel der Bundesregierung, die Emissionen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu senken, sowie zur Erreichung der dafr erforderlichen Zwi-schenschritte einer Minderung von mindestens minus 55 Prozent bis 2030 und mindestens minus 70 Prozent bis 2040 jeweils gegenber 1990.

    Aktuelle Projektionen gehen davon aus, dass durch die bisher beschlossenen und umgesetzten Manahmen bis 2020 eine Minderung der Treibhaus-gase um etwa 33 bis 34 Prozent erreicht werden kann, mit einer Unsicher-heit von +/- 1 Prozent. Daraus ergibt sich ein Korridor fr die zu schlie-ende Lcke von 5 bis 8 Prozentpunkten. Um das 40-Prozent-Ziel zu erreichen, sind also erhebliche zustzliche Anstrengungen in allen Sektoren und von allen Akteuren erforderlich. Daher hat die Bundesregierung mit dem Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 zustzliche Manahmen beschlossen, um das 2020-Ziel zu erreichen.

    Die Bundesregierung geht davon aus, dass mit den Manahmen des Aktions-programms Klimaschutz 2020 eine zustzliche Treibhausgasminderung von 62 bis 78 Millionen Tonnen bis 2020 erreicht werden kann und so das Ziel einer Minderung um mindestens 40 Prozent eingehalten werden kann. Die Umsetzung der beschlossenen Manahmen und deren Wirksam-keit wird das Bundesumweltministerium im Rahmen von jhrlichen Klima-schutzberichten laufend berprfen.

    Im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 sind die Einzelheiten zum Stand der Zielerreichung und die zustzlichen Klimaschutzmanahmen der Bundesregierung dargestellt.

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS 123

    II.6.1 Treibhausgasemissionen und Erreichung des Klimaziels 2020

    Aktuelle Projektionen gehen davon aus, dass durch die bisher beschlossenen und umgesetzten Manahmen bis 2020 eine Minderung der Treibhausgase um etwa 33 bis 34 Prozent erreicht werden kann, mit einer Unsicherheit von +/- 1 Prozent. Daraus ergibt sich ein Korridor fr die zu schlieende Lcke von 5 bis 8 Prozentpunkten. Diese Schtzung beruht auf Annahmen zur knftigen gesamt-wirtschaftlichen Entwicklung, zur Entwicklung der Ener-gie- und Kohlendioxid-Preise (CO2-Preise), der Struktur und Nutzungsdauer des Kraftwerksparks und zur Bevlke-rungsentwicklung. Der Minderungsbedarf kann somit je nach Entwicklung dieser Faktoren hher oder niedriger ausfallen. Um das 40-Prozent-Ziel zu erreichen, sind also in jedem Falle erhebliche zustzliche Anstrengungen in allen Sektoren und von allen Akteuren erforderlich.

    Technisch-wirtschaftliche Potenziale fr zustzliche Min-derungen bestehen grundstzlich in allen Sektoren. Diese Potenziale sollen durch das Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 adressiert werden (BMUB 2014). Die Bundesregierung legt mit dem vorliegenden Aktionsprogramm jedoch keine sektorspezifischen Ziele fest.

    II.6.1.1 Sektorale Betrachtung

    Nachfolgend werden fr die einzelnen Sektoren jeweils Ausgangslage, Potenziale und Handlungsfelder beschrieben.

    Energiewirtschaft

    Die Energiewirtschaft ist der Sektor mit den hchsten Treibhausgasemissionen und den grten technisch-wirtschaftlichen Minderungspotenzialen. Im Jahr 2012 entfielen rund 40 Prozent der Treibhausgasemissionen auf die Energiewirtschaft. Darin enthalten sind alle Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energietrger in Kraftwerken der ffentlichen Versorgung zur Strom- und Wrmebereit-stellung einschlielich der Verbrennungseinrichtungen des Gastransportes (Erdgasverdichter). Erfasst sind somit auch die Emissionen, die aus dem Stromverbrauch der privaten Haushalte und aus dem Stromverbrauch der Sektoren Ver-kehr, Industrie (auer Eigenerzeugung) sowie Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) herrhren.

    Von 1990 bis 2012 ist es durch eine Vielzahl von klima- und energiepolitischen Manahmen gelungen, die Treib-hausgasemissionen im Sektor Energiewirtschaft um rund 18 Prozent zu senken von 458 Mio. t auf 377 Mio. t CO2-quivalente.

    Laut Projektionsbericht der Bundesregierung von 2013 kann davon ausgegangen werden, dass die Emissionen des Energiesektors durch die bisher umgesetzten und weiter wirksamen Manahmen bis 2020 auf rund 306 Mio. t CO2-quivalente zurckgehen. Dabei ist die Wir-kung der aktuellsten EEG-Novelle in den Modellrechnun-gen noch nicht bercksichtigt.

    Die zentralen bestehenden Klimaschutzmanahmen in diesem Sektor sind der Emissionshandel, der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Kraft-Wrme-Kopplung

    Abbildung II.6.1: Entwicklung der Treibhausgasemissionen nach Sektoren in Mio. t CO2-quivalente

    Quelle: Umweltbundesamt

    Haushalte Verkehr Gewerbe, Handel, Dienstleistungen Industrie

    -40 Prozent-Ziel

    Landwirtschaft brige EmissionenEnergiewirtschaft

    Basisjahremissionen laut Kyoto-Protokoll Kyoto-Budget

    0

    200

    400

    600

    800

    1.000

    1.200

    1.400

    20202012201120102009200820072006200520042003200220012000199919981997199619951990Basis-jahr

    1.232 1.249

    1.118 1.137 1.101 1.0761.042 1.041 1.056 1.034 1.033 1.020 995 1.003 977 947 929980

    913940

    749

    -40%gegenber

    1990

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS124

    auf der Angebotsseite sowie alle Manahmen zur Verrin-gerung der Strom-, Wrme- und Kltenachfrage aus Kraft-werken der ffentlichen Versorgung (Steigerung der Ener-gieeffizienz).

    Die wichtigsten Handlungsfelder in diesem Sektor sind:

    zz eine anspruchsvolle Reform des Emissionshandels bereits deutlich vor 2020 auf EU-Ebene, zz ein kontinuierlicher, naturvertrglicher Ausbau der

    erneuerbaren Energien im Rahmen des definierten EEG-Ausbaupfades bis 2025 bzw. 2050,zz die Weiterentwicklung der Kraft-Wrme-Kopplung, zz Manahmen zur Reduzierung des Stromverbrauchs, u. a.

    durch die ambitionierte Ausgestaltung des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz undzz eine Weiterentwicklung des konventionellen Kraftwerks-

    parks.

    Um das nationale Klimaschutzziel fr 2020 zu erreichen, mssen alle Sektoren einen zustzlichen Minderungsbei-trag erbringen. Weitere 22 Mio. t werden unter besonderer Bercksichtigung des Stromsektors und des europischen Zertifikatehandels erbracht. Der Bundesminister fr Wirt-schaft und Energie wird in 2015 dazu einen Regelungsvor-schlag vorlegen.

    Industrie

    Der Sektor Industrie war mit 185 Mio. t CO2-quivalente-missionen im Jahr 2012 fr knapp 20 Prozent der gesam-ten deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Darin enthalten sind die Emissionen aus Verbrennungspro-zessen in der Industrie sowie aus der Eigenstromversor-gung des Produzierenden Gewerbes und die Emissionen aus gewerblichen und industriellen Prozessen (Produktion und Produktverwendung, unter anderem auch von fluo-rierten Treibhausgasen, den sogenannten F-Gasen). Die durch Fremdstrombezug verursachten Emissionen und darauf bezogene Manahmen werden im Sektor Energie-wirtschaft erfasst.

    Die Industrie hat bei der Verringerung von Emissionen in der Vergangenheit bereits Fortschritte erzielen knnen. So sind dort seit 1990 die Emissionen um 91 Mio. t CO2-qui-valente bzw. um 33 Prozent gesunken. Seit 2002 hat sich an diesem Stand abgesehen von konjunkturbedingten Schwankungen nichts mehr gendert.

    Laut Projektionsbericht der Bundesregierung ist damit zu rechnen, dass die Emissionen des Industriesektors bei Bercksichtigung der bis Ende 2012 ergriffenen Manah-men nur minimal auf 183 Mio. t CO2-quivalente sinken werden. Es bestehen jedoch auch heute noch erhebliche technisch-wirtschaftliche Minderungspotenziale. Die wich-

    tigsten bisherigen Klimaschutzmanahmen in diesem Sek-tor sind der Emissionshandel, Anreize fr Investitionen in hhere Energieproduktivitt, der verstrkte Einsatz erneu-erbarer Energien und Regelungen zur Minderung der fluo-rierten Treibhausgase (F-Gase). Auch hier kommt wie in der Energiewirtschaft einer ambitionierten Ausgestaltung des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz, der Strkung des Emissionshandels und der anspruchsvollen Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie eine bedeutende Rolle zu.

    Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD)

    Der Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD auch als Kleinverbrauch bezeichnet) hatte einen Anteil von 5 Prozent an den Gesamtemissionen in 2012. Von 1990 bis 2012 sind die Treibhausgasemissionen im Sektor GHD bereits um rund 48 Prozent zurckgegangen.

    Laut Projektionsbericht der Bundesregierung kann mit bestehenden Manahmen von einem weiteren Rckgang der Emissionen ausgegangen werden, es bestehen auch hier noch erhebliche technisch-wirtschaftliche Minde-rungspotenziale. Die direkten Emissionen und damit auch die Potenziale fr zustzliche Minderungen in diesem Sek-tor liegen vor allem im Bereich Nicht-Wohngebude. Emis-sionen aus der Erzeugung von Strom und Fernwrme wer-den hingegen im Sektor Energiewirtschaft bilanziert. Bisher wurden vor allem durch Energieeffizienzanforde-rungen an Gebude, Verfahren und Produkte deutliche Emissionsminderungen erreicht.

    Durch zustzliche Manahmen knnen hier bis 2020 noch weitere Minderungsleistungen erbracht werden. Zudem bestehen zustzliche Potenziale zur Stromeinspa-rung und zum Einsatz erneuerbarer Energien, wodurch ein Beitrag zur angestrebten Emissionsminderung in der Ener-giewirtschaft geleistet wird.

    Haushalte

    Auch im Sektor Haushalte fallen direkte Emissionen (also ohne Strom und Fernwrme) fast ausschlielich durch die Erzeugung von Raumwrme und Warmwasser in Wohngebuden an. Der Sektor hat einen Anteil von 10 Pro-zent an den Gesamtemissionen im Jahr 2012. Die wichtigs-ten Instrumente sind u. a. das Energieeinsparungsgesetz, die Energieeinsparverordnung, die Heizkostenverordnung, das Erneuerbare-Energien-Wrmegesetz und die Kleinfeue-rungsanlagenverordnung (1. BImSchV), die Besteuerung von Brennstoffen zu Heizzwecken sowie Frderprogramme wie das CO2-Gebudesanierungsprogramm und das Markt-anreizprogramm zur Frderung von erneuerbaren Ener-gien im Wrmemarkt.

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS 125

    Von 1990 bis 2012 sind die direkten Emissionen im Sektor Haushalte bereits um rund 28 Prozent zurckgegangen. Durch zustzliche Manahmen knnen hier bis 2020 wei-tere Minderungsleistungen erbracht werden, etwa durch eine zielgerichtete Frderung energetisch anspruchsvoller Gebudesanierungen, den weiter verstrkten Einsatz erneuerbarer Energien und die sozialvertrgliche Berck-sichtigung dieser Aspekte im Miet- und Steuerrecht.

    Dabei mssen die Ziele des Bndnisses fr bezahlbares Wohnen und Bauen bercksichtigt und Synergien genutzt werden. Mittel- und langfristig sind im Sektor Haushalte auch im Ver- und Entsorgungsbereich, beispielsweise durch Grauwasserbehandlung mit Wrmerckgewinnung, weitere Potenziale vorhanden. Auch mit der Umsetzung von Quar-tierskonzepten im Rahmen der energetischen Stadtsanie-rung knnen zustzliche Minderungspotenziale identifiziert und erschlossen werden. Zudem bestehen im Haushaltssek-tor wie auch im Bereich GHD Spielrume fr Manahmen zur Stromeinsparung, die die Emissionsminderung im Bereich der Energiewirtschaft untersttzen.

    Verkehr

    Der nationale Verkehr hatte im Basisjahr 1990 mit knapp 165 Mio. t CO2-quivalenten einen Anteil von 13 Prozent an den Treibhausgasemissionen (ohne landwirtschaftli-chen Verkehr). Wesentlichen Einfluss auf die Treibhausgas-emissionen in diesem Sektor haben die Verkehrsleistung, der Energieverbrauch sowie die eingesetzten Kraftstoffe. Zwischen 1990 und 1999 stiegen die Verkehrsemissionen an und erreichten mit 182 Mio. t CO2-quivalente einen Hchstwert und einen Anteil von 18 Prozent an den Treib-hausgasemissionen.

    Nach einer Phase des Rckgangs seit der Jahrtausend-wende stiegen in den Jahren ab 2010 die verkehrsbeding-ten Emissionen wieder an. Im Jahr 2013 ergab sich nach vorlufigen Berechnungen bei den Emissionen des Ver-kehrs eine leichte Zunahme auf 156,3 Mio. t CO2-quiva-lente. Dabei sind die Treibhausgasemissionen des internati-onalen Luftverkehrs und der Seeschifffahrt im nationalen Ziel nicht erfasst, fr beide wird jedoch ein kontinuierliches Wachstum prognostiziert.

    Gem dem Projektionsbericht der Bundesregierung belaufen sich die Emissionen im Sektor Verkehr (ohne Emissionen aus internationalem Verkehr) in 2020 auf rund 150 Mio. t CO2-quivalente. Eine Aktualisierung wird auch unter Zugrundelegung der Verkehrsverpflechtungs-prognose (VVP) 2030 (BVU, ITP, IVV, Planco 2014) im Rahmen der Erstellung des Projektionsberichts 2015 erfolgen.

    Im Sektor Verkehr bieten die Nutzung effizienter und neuer Technologien sowie Verkehrsverlagerungen erheb-liche Potenziale. Die wichtigsten bisherigen Klimaschutz-manahmen sind die Emissionsbeschrnkungen fr neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge (EU-Verordnungen), Steu-ern auf Kraftstoffe, die Dekarbonisierungsstrategie im Kraftstoffbereich, die Kraftfahrzeugsteuer sowie die Lkw-Maut.

    Der konsequenten Einfhrung der Elektromobilitt im Personenverkehr kommt mit Strom aus erneuerbaren Energien insbesondere im Hinblick auf die mittel- und langfristigen Klimaschutzziele eine sehr groe Bedeu-tung zu. Darber hinaus ist die Entwicklung alternativer Kraftstoffe vor allem fr das Erreichen der langfristigen Klimaschutzziele bedeutsam. Wichtige Handlungsfelder sind zudem die Weiterentwicklung der Lkw-Maut, der Aus-bau und die Strkung des ffentlichen Personenverkehrs, des Schienengterverkehrs sowie des Fahrrad- und Fuver-kehrs.

    Landwirtschaft

    In diesem Sektor werden die Methan- und Lachgasemissio-nen aus der Landwirtschaft sowie die Kohlendioxidemissi-onen aus dem landwirtschaftlichen Kraftstoffeinsatz erfasst.

    Im Jahr 2012 war die deutsche Landwirtschaft fr die Emission von 76 Mio. t CO2-quivalenten verantwortlich. Das sind rund 8 Prozent der gesamten Treibhausgasemissi-onen dieses Jahres. Von 1990 bis 2012 sind die Treibhausgas-emissionen im Sektor Landwirtschaft um rund 23 Prozent zurckgegangen, von 99 Mio. t auf 76 Mio. t CO2-quiva-lente.

    Gem Projektionsbericht der Bundesregierung sinken die Emissionen in diesem Sektor mit bisherigen Manahmen bis 2020 auf 72 Mio. t CO2-quivalente. Im Sektor Landwirt-schaft resultieren die bisherigen Minderungen in erster Linie aus den Umweltanforderungen der gemeinsamen EU-Agrar -politik, einem verbesserten Dngemittelmanagement und einer strkeren Kopplung von Viehdichten an die Flche. Zustzliche Minderungsoptionen bestehen beispielsweise durch die Ausweitung des kolandbaus und die Erhhung der Effizienz beim Stickstoffeinsatz.

    Die Emissionen aus landwirtschaftlichen Bden (z. B. durch Grnlandumbruch) sowie die Emissionen bzw. die Kohlenstoffspeicherung in der Forstwirtschaft werden bisher nicht in die Bewertung der Zielerreichung beim Klimaschutz einbezogen. Mittelfristig sollten die Potenzi-ale fr zustzliche Klimaschutzmanahmen in diesem Bereich in den Blick genommen werden. Der Bereich Forst-wirtschaft und Holz bietet Minderungspotenziale durch die

  • TEIL I I ZIELARCHITEKTUR UND ZIELE DES ENERGIEKONZEPTS126

    Senkenfunktion, insbesondere von arten- und strukturrei-chen Wldern und feuchten Waldstandorten, sowie durch die CO2-Speicherkapazitt von Holz.

    brige Emissionen

    Als brige Emissionen werden im Wesentlichen die Methan- und Lachgasemissionen aus der Kreislauf- und Wasserwirtschaft erfasst.

    75 Prozent der Emissionen in diesem Sektor entfallen auf die Abfalldeponierung, 18 Prozent auf die Abwasserbe-handlung und 7 Prozent auf Kompostierung und mecha-nisch-biologische Abfallbehandlung (MBA). Im Bereich der brigen Emissionen insbesondere der Abfall- und Kreislaufwirtschaft konnten in der Vergangenheit bereits weit berdurchschnittliche Minderungen erreicht werden in erster Linie durch das Verbot der Deponierung organisch abbaubarer Siedlungsabflle und verstrktes Recycling. So sanken die Emissionen in diesem Sektor von 43 Mio. t CO2-quivalente 1990 um 67 Prozent auf 14 Mio. t CO2-quiva-lente 2012. Damit hat der Sektor nur noch einen Anteil von 1,5 Prozent an den Gesamtemissionen in 2012. Laut Projek-tion ist aufgrund bisher ergriffener Manahmen mit einem weiteren Rckgang der Emissionen bis 2020 auf 10 Mio. t CO2-quivalente zu rechnen. Dieser kann durch weitere Manahmen im Bereich Deponien noch gesteigert werden.

    Mittelfristig bestehen im Bereich der Abwasserwirtschaft Potenziale zur Emissionsreduktion durch weitere Energie-effizienzsteigerungen, die Eigenversorgung mit Strom und Wrme auf der Basis erneuerbarer Energie (Klrgas u. .) und, wie auch im Sektor Haushalte, mittel- und langfristig weitere durch Grauwasserbehandlung mit Wrmerckge-winnung.

    Darber hinaus offerieren auch Manahmen zur Verbes-serung der Ressourceneffizienz Minderungspotenziale. Diese Minderungen werden gem Quellprinzip der Treib-hausgasberichterstattung in den Sektoren Industrie bzw. Energiewirtschaft bilanziert.

    II.6.2 Schlussfolgerungen

    Die Bundesregierung hat mit dem Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 zustzliche Manahmen beschlossen, um das 2020-Ziel zu erreichen. Darber hinaus wird ein Klimaschutzplan 2050 erarbeitet, der die weiteren Reduk-tionsschritte im Lichte der europischen Ziele und der Ergebnisse der Pariser Klimaschutzkonferenz 2015 bis zum Ziel im Jahr 2050 beschreibt und in einem breiten Dialog-prozess mit Manahmen unterlegt. Fr das 40-Prozent-Ziel sind in jedem Falle erhebliche zustzliche Anstrengungen in allen Sektoren und von allen Akteuren erforderlich.

    Die Einzelheiten zum Stand der Zielerreichung und zu zustzlichen Klimaschutzmanahmen der Bundesregie-rung sind im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 darge-stellt.

    Die Bundesregierung geht davon aus, dass mit den Ma-nahmen des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 eine zustzliche Treibhausgasminderung von von 62 bis 78 Mio. t bis 2020 erreicht werden kann und so das Ziel einer Minderung um mindestens 40 Prozent eingehalten wer-den kann. Die Bundesregierung wird die Umsetzung des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 in einem kontinuier-lichen Prozess bis 2020 begleiten. Dazu erstellt das Bundes-umweltministerium einen jhrlichen Klimaschutzbericht.

  • 127

    Teil III Rahmenbedingungen fr die Energiewende

    Der dritte Teil des Fortschrittsberichts behandelt den energiepolitischen Rahmen, mit dem die Energiewende umgesetzt wird. Auch Teil III umfasst eine Evaluation der Manahmen in den verschiedenen Handlungsbereichen und gibt einen Aus-blick auf die mglichen Entwicklungen bis in das Jahr 2020.

    Im Einzelnen geht Teil III auf die folgenden Rahmenthemen ein:

    zz Strommarkt und Versorgungssicherheit (Kapitel III.1)zz Netzbestand und Netzausbau (Kapitel III.2)zz Energieversorgung im europischen und internationalen Kontext (Kapitel III.3)zz Energiepreise und Energiekosten (Kapitel III.4)zz Energieforschung und Innovationen (Kapitel III.5)zz Gesamtwirtschaftliche Effekte der Energiewende (Kapitel III.6)zz Umweltvertrglichkeit (Kapitel III.7)zz Akzeptanz der Energiewende (Kapitel III.8)

  • 128

    III.1 Strommarkt und Versorgungssicherheit

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 129

    Der Strommarkt durchluft eine Phase des ber-gangs. Erneuerbare Energien werden mehr Verantwor-tung in der Stromversorgung bernehmen, die Nut-zung der Kernenergie in Deutschland endet 2022 und die europischen Mrkte fr Strom wachsen weiter zusammen. Die fluktuierende Stromerzeugung aus Wind und Sonne sowie die Einbettung in den europi-schen Zusammenhang bringen neue Herausforderun-gen und verlangen eine Weiterentwicklung des Strom-markts.

    Die Vorhaltung ausreichender Kapazitten erfordert eine Grundsatzentscheidung. Fr die langfristige Ent-wicklung des Strommarktes stehen zwei grundstzli-che Lsungsanstze zur Verfgung: Wollen wir einen optimierten Strommarkt (Strommarkt 2.0) mit einem glaubwrdigen rechtlichen Rahmen, auf den Investo-ren vertrauen knnen, und in dem Stromkunden in eigener Verantwortung ber ihre Nachfrage bestim-men, wie viele Kapazitten vorgehalten werden oder wollen wir neben dem bestehenden Strommarkt einen zweiten Markt fr die Vorhaltung von Kapazitten ein-fhren (Kapazittsmarkt)?

    Auf der Grundlage breit angelegter wissenschaftlicher Gutachten und einer eingehenden Diskussion mit den Akteuren hat das Bundeswirtschaftsministerium den Stand der Diskussion und den Entscheidungsbedarf im Grnbuch Ein Strommarkt fr die Energiewende zusammengefasst. Dieses wird nun mit der ffentlich-keit konsultiert.

    Die Versorgungssicherheit ist gewhrleistet. Sowohl die Versorgung mit Rohstoffen als auch die bestehen-den Erzeugungskapazitten fr Strom befinden sich auf hohem Niveau. Der Strommarkt ist sogar von berkapazitten gekennzeichnet. In Sddeutschland sind jedoch Reservekraftwerke erforderlich, bis die ntigen Netze gebaut sind. Bis dahin gewhrleistet die Netzreserve den sicheren Netzbetrieb in Belastungs-situationen

    Das folgende Kapitel gliedert sich in drei Unterkapitel.

    zz Das erste Unterkapitel stellt kurz die Diskussion um ein langfristig tragfhiges Strommarktdesign dar. Ausfhr-lich stellt das Grnbuch Ein Strommarkt fr die Ener-giewende dieses Thema dar. zz Das zweite Unterkapitel behandelt die Situation der

    Kraft-Wrme-Kopplung. zz Das dritte Unterkapitel geht auf die Versorgungssicher-

    heit in Deutschland mit einem besonderen Fokus auf Sddeutschland ein. Weitere Informationen zum Stand der Versorgungssicherheit befinden sich im Monitoring-Bericht Versorgungssicherheit im Bereich der leitungs-gebundenen Versorgung mit Elektrizitt gem Ener-giewirtschaftsgesetz.

    III.1.1 Diskussion um ein langfristig tragfhiges Strommarktdesign

    Der Strommarkt durchluft eine Phase des bergangs. Erneuerbare Energien werden mehr Verantwortung in der Stromversorgung bernehmen, die Nutzung der Kernener-gie in Deutschland endet 2022 und die europischen Mrkte fr Strom wachsen weiter zusammen. Die fluktuierende Stromerzeugung aus Wind und Sonne sowie die Einbettung in den europischen Zusammenhang bringen neue Heraus-forderungen und verlangen eine Weiterentwicklung des Strommarkts.

    Die Aufgabe des Strommarkts bleibt identisch. Sie liegt darin, bei steigenden Anteilen von Wind- und Sonnenener-gie zu jedem Zeitpunkt Erzeugung und Verbrauch auszu-gleichen. Hierfr muss der Strommarkt zwei Funktionen erfllen: zum einen dafr sorgen, dass ausreichend Kapazi-tten vorhanden sind (Vorhaltefunktion), und zum anderen, dass diese Kapazitten zur richtigen Zeit und im erforderli-chen Umfang eingesetzt werden (Einsatzfunktion). Das zuknftige Marktdesign und der Ordnungsrahmen fr den Stromsektor sind so zu gestalten, dass die Stromversorgung sicher, kosteneffizient und umweltvertrglich ist. Fr die zwei Funktionen des Strommarktes besteht, vor diesem Hintergrund, unterschiedlicher Handlungsbedarf.

    Der Einsatz verfgbarer Kapazitten muss optimiert wer-den. Hierzu zhlen insbesondere die bessere Bewirtschaftung der Bilanzkreise, der Netzausbau und die Weiterentwicklung der Regelleistungsmrkte. Das sind Sowieso-Manahmen, d.h. sie sind in jedem Fall sinnvoll und wichtig fr den sich wandelnden Strommarkt.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE130

    Die Vorhaltung ausreichender Kapazitten erfordert eine Grundsatzentscheidung. Fr die langfristige Entwicklung des Strommarktes stehen zwei grundstzliche Lsungsan-stze zur Verfgung: Wollen wir einen optimierten Strom-markt (Strommarkt 2.0) mit einem glaubwrdigen recht-lichen Rahmen, auf den Investoren vertrauen knnen, und in dem Stromkunden in eigener Verantwortung ber ihre Nachfrage bestimmen, wie viele Kapazitten vorgehalten werden oder wollen wir neben dem bestehenden Strom-markt einen zweiten Markt fr die Vorhaltung von Kapazi-tten einfhren (Kapazittsmarkt)? Die Konzepte werden im Grnbuch Ein Strommarkt fr die Energiewende ein-gehend dargestellt. Hierbei sind insbesondere auch die Kos-tenentwicklungen fr alle Stromverbraucher wesentlich mit zu betrachten.

    Das Kraftwerksforum strukturierte die Diskussion. Der Bericht des Kraftwerksforums an die Bundeskanzlerin und die Ministerprsidentinnen und Ministerprsidenten der Lnder vom 28. Mai 2013 strukturierte die Debatte um ein langfristig tragfhiges Strommarktdesign (BMWi 2013). Im Rahmen des Kraftwerksforums entstand auch die Idee, wis-senschaftliche Gutachten zu beauftragen, um die Leis-tungsfhigkeit des Strommarkts und die Auswirkungen von Kapazittsmrkten genauer zu untersuchen.

    Die Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie wurden in der Plattform Strom-markt intensiv diskutiert. Die Plattform Strommarkt lste das Kraftwerksforum in der neuen Legislaturperiode ab (siehe Kapitel III.8.3.3). Die Ergebnisse der Untersuchungen zur Leistungsfhigkeit des Strommarkts und der Auswir-kungen von Kapazittsmrkten flossen zudem in die Erar-beitung des Grnbuchs ein.

    Das Grnbuch erffnet die Konsultation zum zuknfti-gen Strommarktdesign. Mit dem Grnbuch Ein Strom-markt fr die Energiewende ermglicht das Bundesminis-terium fr Wirtschaft und Energie eine strukturierte Diskussion und eine informierte politische Entscheidung ber das zuknftige Strommarktdesign (BMWi 2014a).

    Parallel zur Konsultation fhrt das Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie Gesprche mit unseren Nach-barstaaten und der Europischen Kommission.

    Ein Weibuch mit konkreten Manahmen folgt auf die Konsultation des Grnbuchs. Auch das Weibuch wird

    Oktober 2014

    Vorlage des Grnbuchs

    ffentliche Konsultation

    ffentliche Konsultation

    Gesetzgebungs- prozess

    Vorlage des Weibuchs mit konkreten Manahmen

    Mrz 2015 Mai 2015 September 2015

    q q q q

    ffentlich konsultiert werden. Daran wird sich die notwen-dige Gesetzgebung anschlieen. Die folgende Abbildung gibt einen berblick der nchsten Schritte.

    III.1.2 Kraft-Wrme-Kopplung

    Durch die Kraft-Wrme-Kopplung (KWK) werden Brenn-stoffe und CO2-Emissionen eingespart. In jedem thermi-schen Kraftwerk fllt unvermeidbar ein Teil der Energie als Abwrme an. Die KWK nutzt diese Abwrme fr sonstige Prozesse, z. B. in der Industrie als Prozesswrme oder fr die Beheizung von Wohnraum u. a. durch Fernwrme. Gegen-ber ungekoppelten Anlagen knnen KWK-Anlagen hhere Gesamtnutzungsgrade von ber 80 Prozent erreichen.

    Mit der Novelle des KWKG wurde die Frderung von Wrme- und Kltespeichern und -netzen verbessert. Speicher und Netze ermglichen eine strker strommarkt-orientierte Betriebsweise von KWK-Anlagen, d. h. die Anla-gen knnen durch Zwischenspeicherung der Wrme unab-hngiger vom aktuellen Wrmebedarf entsprechend der Stromnachfrage erzeugen. Flexible KWK-Anlagen passen somit auch besser zu einer zuknftigen Stromversorgung mit hohen Anteilen aus Wind- und Photovoltaik-Strom.

    Die Frderung nach dem KWKG ist auf insgesamt 750 Millionen Euro pro Jahr gedeckelt. Dieser Betrag wurde in den vergangenen 7 Jahren nicht erreicht. Fr das Jahr 2014 prognostizieren die bertragungsnetzbetreiber ein KWKG-Umlagevolumen von rund 500 Millionen Euro.

    Studien prognostizieren einen KWK-Anteil an der Netto-stromerzeugung von ber 16 Prozent bis 2020. In der Energiereferenzprognose (Prognos, EWI, GWS 2014) liegt der Anteil der KWK-Nettostromerzeugung bis zum Jahr 2020 bei 16,1 Prozent. Auch das fr die Evaluierung des KWKG erstellte Gutachten (Prognos, IFAM, IREES, BHKW-Consult 2014) prognostiziert eine Stagnation bei 16,8 Pro-zent im Jahr 2020. Der Anstieg der vergangenen Jahre wird vor allem der gesteigerten Produktion in EEG-gefrderten Biomassekraftwerken, in Anlagen fr die Objektversorgung und in industriellen KWK-Anlagen zugeschrieben.

    Das Gutachten zur Evaluierung des KWKG sieht Ausbau-potenziale fr Kraft-Wrme-Kopplung von bis zu 170 TWh (betriebswirtschaftlich) bzw. 240 TWh (volkswirtschaft-lich). Diese knnen mittelfristig auch bei einem starken

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 131

    Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erschlossen werden, weil die KWK-Erzeugung insbeson-dere der KWK-Fernwrme gut zu den Einspeiseprofilen von Wind und Photovoltaik passt. Allerdings stellt sich die Frage, ob im Hinblick auf die steigenden Anteile der erneu-erbaren Energien an der Stromerzeugung die Nettostromer-zeugung insgesamt im neuen Strommarkt die richtige Basis fr die Festlegung des KWK-Ziels darstellt. Langfristig hngt die mgliche Nutzung des KWK-Potenzials von der Struktur der Stromerzeugung, der Entwicklung der Stromnachfrage sowie der Flexibilitt des gesamten Stromsystems ab.

    Nicht zuletzt machen die Gutachten deutlich, dass die Realisierung der Ausbauziele fr KWK, aber auch Ma-nahmen im Bestand ggf. mit hohen Kosten verbunden sind. Als wesentlicher Grund fr den stagnierenden KWK-Anteil sieht das Gutachten das aktuell sehr niedrige Strom-preisniveau. Ein Zubau von KWK-Anlagen ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen nur im Bereich der Objekt-versorgung und der industriellen KWK sowie im Rahmen des im EEG 2014 vorgegebenen Ausbaukorridors im Bereich biogener KWK-Anlagen zu erwarten.

    Die genannten Zusammenhnge machen es erforderlich, dass ber die weitere Entwicklung der KWK im Frhjahr 2015 im Zusammenhang mit den Grundsatzentscheidun-gen zum Strommarkt zu diskutieren und zu entscheiden ist. Die KWK-Novelle zur Umsetzung kann sich daran unmittelbar anschlieen und muss nicht auf das Legislativ-paket zum Strommarkt warten.

    Tabelle III.1.1: Entwicklung des Finanzvolumens gem Kraft-Wrme-Kopplungsgesetz (gerundet)

    Jahr Finanzvolumen in Mio. Euro

    2004 795

    2005 862

    2006 787

    2007 641

    2008 523

    2009 490

    2010 397

    2011 220

    2012 264

    2013 364

    2014 494

    2015 532

    2016 584

    2017 625

    2018 707

    Summe 8.279

    Quelle: Mittelfristprognose der bertragungsnetzbetreiber zum Kraft-Wrme-Kopplungsgesetz

    Die deutschen bertragungsnetzbetreiber prognostizie-ren die Entwicklung des Finanzvolumens gem KWKG. Tabelle III.1.1 stellt das Finanzvolumen gem KWKG im Zeitraum 2004 bis 2018 dar. Fr alle Jahre bis 2012 sind die vorliegenden Abrechnungsdaten angegeben.

    III.1.3 Versorgungssicherheit

    Auch in Zukunft muss die Versorgungssicherheit jeder-zeit gewhrleistet sein. Um ein genaues Bild vom Status quo zu erhalten, erstellte das Bundesministerium fr Wirt-schaft und Energie im Juli 2014 einen Monitoring-Bericht gem Energiewirtschaftsgesetz ber die Versorgungssi-cherheit im Bereich der leitungsgebundenen Versorgung mit Elektrizitt (BMWi 2014i).

    III.1.3.1 Energietrger

    Die Verfgbarkeit von Energietrgern fr die Stromerzeu-gung ist in einem hohen Mae gesichert. 2012 lag der Anteil des durch heimisch verfgbare Energietrger (Braunkohle, Steinkohle, Gas, erneuerbare Energien) erzeugten Stroms bei etwa 50 Prozent. Dieser Anteil sollte aufgrund des Zubaus an Erneuerbare-Energien-Anlagen weiter zunehmen.

    Der Erzeugungsmix der Stromversorgung in Deutschland ist weiterhin relativ breit. Dies trgt auch zur Versorgungssi-cherheit in Deutschland bei. Die Gaswirtschaft unternimmt darber hinaus intensive Anstrengungen, die Erdgasinfra-struktur (Leitungen und Speicher) auszubauen und den Erd-gasbezug hinsichtlich Lieferquellen und -wegen weiter zu diversifizieren.

    III.1.3.2 Leistungsbilanz

    Bis 2017 bestehen deutliche berkapazitten. Im Betrach-tungszeitraum der bertragungsnetzbetreiber bis zum Jahr 2017 liegt die prognostizierte durchschnittliche verfgbare Leistung bei ca. 96 GW (siehe Tabelle III.1.2). Demgegenber steht eine prognostizierte Last von ca. 82 GW. Die bertra-gungsnetzbetreiber weisen fr Deutschland im Ergebnis eine verbleibende Leistung (berdeckung) von durchschnittlich ca. 10 GW fr den Zeitraum 2014 bis 2017 aus (siehe Tabelle III.1.2, siehe Seite 132). Zudem bercksichtigen sie die instal-lierten Leistungen von Kraftwerken aus dem Ausland, die direkt in das deutsche Netz einspeisen. Unter Bercksichti-gung dieser Kraftwerke und der jeweils aus deutschen Regel-zonen zu deckenden auslndischen Last ergibt sich eine durchschnittliche verbleibende Leistung (berdeckung) fr den Zeitraum 2014 bis 2017 in Hhe von ca. 12 GW .

    Kurz- bis mittelfristig sind ausreichend Kapazitten vor-handen. Die bestehenden Kapazitten knnen in den kom-

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE132

    menden Jahren eine sichere Versorgung der Verbraucher mit Strom gewhrleisten (NB 2014c, r2b 2014, Frontier 2014). Die derzeit zu beobachtenden niedrigen Grohan-delspreise unterstreichen die Tatsache, dass es gegenwrtig erhebliche berkapazitten gibt. Die Liberalisierung der Strommrkte und der EU-Binnenmarkt fr Elektrizitt tragen zu den derzeit vorhandenen berkapazitten bei.

    Der Bedarf an Grund- und Mittellastkraftwerken sinkt. Der Ausbau der erneuerbaren Energien verndert die Anforderungen an den thermischen Kraftwerkspark. Insge-samt sind weniger fossile Kraftwerke und insbesondere weniger Grund- und Mittellastkraftwerke erforderlich, whrend der Bedarf an flexiblen Spitzenlasttechnologien und Lastmanagement steigt.

    Die Versorgungssicherheit sollte europisch betrachtet werden. Eine rein nationale Sicht auf Versorgungssicherheit ist mit dem Konzept eines europischen Strommarktes nicht vereinbar. Deutschland und andere EU-Mitgliedstaaten mes-sen Versorgungssicherheit bislang vor allem anhand des statistischen Ansatzes nationaler Leistungsbilanzen. Diese Vorgehensweise ist mit dem real existierenden Strombin-nenmarkt wenig kompatibel und daher berarbeitungsbe-drftig. Dies gilt auch, weil die Bedeutung dargebotsabhngi-ger erneuerbarer Energien wchst. Durch die grorumigen Ausgleichseffekte bei den Hchstlasten und dem Beitrag der erneuerbaren Energien zur gesicherten Leistung bestnde in einem voll funktionsfhigen europischen Energiebinnen-markt grundstzlich ein geringerer Bedarf an Erzeugungska-pazitt, Lastmanagement und Speichern.

    Das Bundeswirtschaftsministerium diskutiert mit Stake-holdern in Europa Verbesserungen beim Monitoring der Versorgungssicherheit. Das Ministerium setzt sich fr eine lnderbergreifende Betrachtung der Versorgungssicherheit ein. Auerdem sollen die Regulierer neben konventionellen und erneuerbaren Erzeugungseinheiten zuknftig auch Fle-xibilittsoptionen, z. B. das Lastmanagement, bercksichti-gen. Der vom Bundeswirtschaftsministerium angestoene Prozess baut auf den Arbeiten des regionalen Pentalateralen Energieforums auf. In diesem Forum sind neben Deutsch-land auch sterreich, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich und als Beobachter die Schweiz vertreten.

    Tabelle III.1.2: Prognosen zur durchschnittlichen verfgbaren Leistung und zur verbleibenden Leistung (berdeckung) in GW

    2014 2015 2016 2017

    Durchschnittliche verfgbare Leistung 95,8 95,2 94,4 95,3

    Verbleibende Leistung (berdeckung) 10,3 9,6 8,8 9,8

    Verbleibende Leistung (berdeckung) unter Bercksichtigung von Kraft-werken im Ausland, die ins deutsche 12,7 12,2 11,4 12,3

    Netz einspeisen

    Quelle: NB 2014c

    III.1.3.3 Reservekraftwerksverordnung

    Deutschlandweit gibt es mehr als genug Kapazitten, jedoch stehen immer weniger davon im Sden zur Verf-gung. Nach der Abschaltung von fnf Kernkraftwerken in Sddeutschland und aufgrund unzureichender bertra-gungskapazitten in Nord-Sd-Richtung herrscht insbe-sondere im Sden bei gleichzeitig hoher Windeinspeisung und hoher Last eine angespannte Situation in den Netzen. Den bertragungsnetzbetreibern stehen in diesen Fllen nur noch wenige freie Kraftwerke zum Redispatch und zur lokalen Spannungshaltung zur Verfgung.

    Die Netzreserve stellt ausreichend Erzeugungskapazit-ten fr den Redispatch sicher. Fr den Redispatch bedarf es ausreichender Erzeugungskapazitten, die im Bedarfsfall hinter dem Engpass hochgefahren werden knnen. Wenn hierfr regional nicht mehr ausreichend im Markt aktive Kraftwerke zur Verfgung stehen, mssen die bentigten Kapazitten in Form von Reservekraftwerken gesichert werden. In der Netzreserve werden deshalb Kraftwerke auerhalb des Strommarkts gebunden und im Bedarfsfall fr den sicheren Betrieb des Netzes eingesetzt.

    In den kommenden Wintern werden weiterhin Reserve-kraftwerke bentigt. Dies hat auch die Evaluierung der Regelungen des sog. Wintergesetzes und der Reservekraft-werksverordnung ergeben (BMWi 2014h).

    Erst der Netzausbau macht die Netzreserve berflssig. In den kommenden acht Jahren soll der gesetzlich festgelegte Netzausbau erfolgen. Dieser stellt die langfristige Lsung fr die Netzprobleme dar und wird die Netzreserve berflssig machen. Die Fertigstellung zentraler EnLAG-Projekte wird die Situation vorbergehend entspannen. Im genannten Zeitraum erfolgt aber auch die Stilllegung von weiteren Kernkraftwerken in Sddeutschland und der Ausbau von Windkraftanlagen nrdlich der Netzengpsse wird voran-schreiten. Zudem werden voraussichtlich weitere fossile Kraftwerke in Sddeutschland stillgelegt. Die jhrlich durch-zufhrenden Systemanalysen der bertragungsnetzbetrei-ber zeigen daher erwartungsgem fr die kommenden Winter einen steigenden Redispatch-Bedarf, der nur mit Reservekraftwerken der Netzreserve gedeckt werden kann.

    III.1.3.4 Systemstabilitt

    Die Zuverlssigkeit der Stromversorgung fr die Endkun-den ist weiterhin hoch. Die Nichtverfgbarkeit, d. h. die Zeit, die ein Letztverbraucher im Durchschnitt nicht mit Elektrizitt versorgt werden kann, betrug 15,32 Minuten im Jahr 2013 (SAIDI = System Average Interruption Duration Index). Dieser Wert liegt geringfgig unter dem im Vorjahr (2012) ermittelten Wert von 15,92 Minuten und ist im euro-pischen Vergleich besonders niedrig (siehe Kapitel 1.7.4.2).

  • 133

    III.2 Netzbestand und Netzausbau

    Der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Liberalisierung des Strommarktes machen den Ausbau der Stromnetze erforderlich. Der zunehmende Stromtransport von Nord nach Sd erhht den Bedarf an bertragungsleitungen. Wegen der dezentralen Einspeisung insbesondere aus Wind- und Photovoltaik-anlagen mssen auch die Verteilnetze weiter ausgebaut werden.

    Die Bundesregierung hat die Rahmenbedingungen fr einen beschleunigten Ausbau der bertragungs-netze geschaffen. Mit Szenariorahmen, Netzentwicklungsplan (NEP) und Bundesbedarfsplanung wurde die Grundlage fr eine vorausschauende, beschleunigte und transparente Planung der bertragungs-netze gelegt. Das Zusammenwachsen des europischen Strombinnenmarktes setzt sich fort und wird durch den weiteren Ausbau von Grenzkuppelstellen weiter vorangetrieben.

    Die Bundesregierung wird auch die Modernisierung der Verteilernetze weiter voranbringen. Neben der Evaluierung der Anreizregulierung betrifft dies den Einsatz intelligenter Messsysteme.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE134

    Netzausbau, Netzmodernisierung und die Vernderung der Netzstruktur sind unvermeidbar. Mit dem Umbau der Energieversorgung von konventioneller auf erneuerbare Erzeugung wird sich auch die Netzstruktur erheblich ver-ndern mssen. Treiber sind der zunehmende Stromtrans-port auf bertragungsnetzebene von Nord nach Sd (ins-besondere Wind und geplante konventionelle Kraftwerke in Kstennhe) sowie eine verstrkte dezentrale Einspei-sung (insbesondere kleine Erneuerbare-Energien-Anlagen) in die Verteilernetze.

    III.2.1 Manahmen im Bereich der Strom- und Gasnetze

    Mit der Energiewende und mit der Integration des Bin-nenmarktes ist ein zgiger und anspruchsvoller Umbau der Netzinfrastruktur verbunden. Die sukzessive Abschal-tung der Kernkraftwerke, die sich vornehmlich im Sden Deutschlands befinden, erfordert einen erhhten Strom-transport von Norden nach Sden. Zudem sollen bis 2020 6.500 MW an Leistung in Offshore-Windenergieanlagen installiert werden. Durch den Anschluss von Erneuerbare-Energien-Anlagen in den Verteilernetzen kehrt sich teil-weise die Richtung des Stromflusses um. Strom muss auch von den niedrigen Spannungsebenen in die hheren Span-nungsebenen transportiert werden. Zugleich mssen immer mehr fluktuierend produzierende Anlagen ins Netz integriert werden. Entsprechend mssen die neuen Anla-

    gen die Funktionen der konventionellen Kraftwerke ber-nehmen und ihren Teil der Verantwortung fr einen siche-ren und stabilen Netzbetrieb tragen. Auf diese technischen und konomischen Herausforderungen muss auf vielen Ebenen reagiert werden.

    III.2.1.1 Energieleitungsausbaugesetz

    Mit dem Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) aus dem Jahr 2009 hat die Bundesregierung auf die vernderten Anforderungen an das bertragungsnetz reagiert. Es erfolgte zum ersten Mal eine gesetzliche Bedarfsfeststel-lung mit den im Energieleitungsausbaugesetz aufgenom-menen Stromleitungen, die fr die Planfeststellung und die Plangenehmigung verbindlich ist. Das Instrument der gesetzlichen Bedarfsfeststellung gab es davor bereits im Bereich des Straenbaus (Bundesverkehrswegeplan), nicht aber im Energiebereich. Darber hinaus wurde im Ener-gieleitungsausbaugesetz der Einsatz von Erdkabeln im bertragungsnetz im Rahmen von vier Pilotvorhaben gere-gelt sowie festgelegt, dass fr die EnLAG-Vorhaben das Bundesverwaltungsgericht im ersten und letzten Rechtszug ber smtliche Streitigkeiten, die Planfeststellungsverfah-ren und Plangenehmigungsverfahren betreffen, entschei-det. Die Methode einer gesetzlichen Bedarfsfeststellung wurde spter mit einer Novelle des Energiewirtschaftsge-setzes und dem damit korrespondierenden Erlass des Bun-desbedarfsplangesetzes ausgeweitet. Dieses Instrument gibt

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 135

    den Unternehmen und den Genehmigungsbehrden Pla-nungssicherheit und vereinfacht die Prozesse deutlich. Ins-besondere sind die Genehmigungsbehrden davon entbun-den, bei ihren Entscheidungen die Planrechtfertigung nachzuweisen. Die energiewirtschaftliche Notwendigkeit eines Vorhabens wurde fr diese Leitungen bereits durch den Gesetzgeber festgestellt.

    III.2.1.2 Netzausbaubeschleunigungsgesetz

    Mit dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz soll der Ausbau des bertragungsnetzes beschleunigt werden. Das Netzaus-baubeschleunigungsgesetz bertragungsnetz (NABEG) soll eine Grundlage fr einen rechtssicheren, transparenten, effizienten und umweltvertrglichen Ausbau des bertra-gungsnetzes sowie dessen Ertchtigung schaffen. Fr die im Bundesbedarfsplan als lnderbergreifend oder grenzber-schreitend gekennzeichneten Hchstspannungsleitungen fhrt die Bundesnetzagentur auf Antrag die Bundes fach-planung durch. Dabei ist eine Strategische Umweltprfung (SUP) vorgesehen. In der Bundesfachplanung werden der Verlauf eines raumvertrglichen Trassenkorridors sowie die an den Landesgrenzen gelegenen Lnderbergangspunkte bestimmt. Die Entscheidung der Bundesfachplanung ist fr die nachfolgenden Planfeststellungsverfahren verbindlich. Auf Grundlage der Ergebnisse der Bundesfachplanung fhrt die Bundesnetzagentur auf Antrag Planfeststellungsverfahren durch. Im Planfeststellungsverfahren wird der genaue Verlauf der Trasse innerhalb des Trassenkorridors bestimmt. Dabei wird eine Umweltvertrglichkeitsprfung (UVP) durchge-fhrt. Sowohl in der Bundesfachplanung als auch im Plan-feststellungsverfahren ist eine besondere Einbindung der ffentlichkeit vorgesehen, beispielsweise durch ffentliche Antragskonferenzen. Das Verfahren der Bundesfachplanung wurde erstmals mit Antrag des bertragungsnetzbetreibers 50Hertz Transmission fr eine von Bertikow nach Pasewalk geplante Hchstspannungsleitung im September 2014 begonnen. Alle brigen Vorhaben aus dem Bundesbedarfs-plan befinden sich in noch vorgelagerten Stadien.

    III.2.1.3 Netzentwicklungsplne

    Die Basis des Netzentwicklungsplans (NEP) bildet der Sze-nariorahmen. Die bertragungsnetzbetreiber sind seit dem Jahr 2012 nach dem Energiewirtschaftsgesetz verpflichtet, jhrlich gemeinsam einen 10-jhrigen nationalen Netzent-wicklungsplan zu erarbeiten und der Bundesnetzagentur zur Prfung vorzulegen. Der dafr von den bertragungs-netzbetreibern im Vorfeld entwickelte Szenariorahmen bildet mindestens drei Entwicklungspfade fr einen Zeithorizont von 10 bzw. 20 Jahren ab. Die Szenarien orientieren sich an den energiepolitischen Zielen der Bundesregierung. Anhand der verschiedenen Entwicklungspfade schtzt der Netzentwicklungsplan die wesentlichen Eingangsparame-

    ter der Netzentwicklung (prognostizierte erneuerbare und konventionelle Stromerzeugung im betrachteten Zieljahr, prognostizierter Stromverbrauch, Jahreshchstlast etc.) ab. Die bertragungsnetzbetreiber knnen im Rahmen soge-nannter Sensitivitten zustzlich, wie sich bestimmte, zustzliche Parameter auf den Netzausbau auswirken. Seit dem Jahr 2013 sind die bertragungsnetzbetreiber darber hinaus verpflichtet, parallel zum landseitigen Netzentwick-lungsplan auch einen seeseitigen Offshore-Netzentwick-lungsplan (O-NEP) zu erarbeiten, in dem die fr den Abtransport der knftig installierten Offshore-Anlagen notwendigen Leitungsvorhaben geplant werden. Parallel zu den Netzentwicklungsplnen der bertragungsnetzbetrei-ber erarbeitet die Bundesnetzagentur einen Umweltbericht, der die voraussichtlichen Umweltauswirkungen der Lei-tungsbauprojekte analysiert und als zentrales Instrument die Prfung mglicher Alternativen zu den Planungen vor-sieht.

    Die ffentlichkeit wird eingebunden. Das 2012 einge-fhrte Verfahren erlaubt es der ffentlichkeit, sich in allen wesentlichen Verfahrensschritten einzubringen und Argu-mente vorzutragen. Deutschlandweit wurden, sowohl von den bertragungsnetzbetreibern als auch von der Bundes-netzagentur, bereits mehrere Informationsveranstaltungen durchgefhrt, in denen ber das neue Verfahren und die einzelnen Prozessschritte informiert und diskutiert wurde.

    III.2.1.4 Offshore-Netzentwicklungsplne

    Beim Netzausbau im Offshore-Bereich sind besondere Umstnde zu bercksichtigen. Die Planungsaufgabe im Offshore-Bereich umfasst zum einen die Planung fr die Trassen der notwendigen Anbindungsleitungen und zum anderen die Vorbereitung der geplanten Verbindungen mit den Nordsee-Anrainerstaaten. Auf See sind im weiteren Verlauf der Genehmigungen vor allem Naturschutzbelange und Schifffahrtswege zu bercksichtigen, daneben aber auch die Eignung des Meeresgrundes fr die Verlegung von Kabeln. Zustzlich muss der Offshore-Netzentwicklungs-plan (O-NEP) auf die sehr langen Projektierungszeiten der Windparks Rcksicht nehmen und mit dem Onshore-Netzentwicklungsplan und dem Bundesfachplan Offshore des Bundesamtes fr Seeschifffahrt und Hydrographie zeit-lich, rumlich und technisch eng verzahnt sein.

    Ein Offshore-Netzentwicklungsplan wird jhrlich erstellt. Mit dem Ende 2012 in Kraft getretenen novellierten Ener-giewirtschaftsgesetz wurde die jhrliche Erstellung eines Offshore-Netzentwicklungsplans beschlossen, dessen Aus-arbeitung im Jahr 2013 zum ersten Mal erfolgte. Damit hat es im Bereich der Offshore-Netzentwicklungsplne im Energiewirtschaftsgesetz einen Systemwechsel gegeben, der fr die Zukunft der Offshore-Windenergie von groer Bedeutung ist. Whrend zuvor die Leitungsplanung von der

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE136

    Investitionsentscheidung eines konkreten Windparkbetrei-bers ausgelst wurde, erfolgt nunmehr die Planung auf der Grundlage des genehmigten Szenariorahmens und des so ermittelten Bedarfs fr Anbindungsleitungen. Mit den neuen Regelungen des Energiewirtschaftsgesetzes soll durch den Offshore-Netzentwicklungsplan ein System eta-bliert werden, in dem die neu zu errichtenden Anbindungs-leitungen sogenannte Cluster erschlieen. Bei Clustern handelt es sich um mehrere Offshore-Windparks, die in rumlichem Zusammenhang stehen und die ein zusam-menhngendes Gebiet bilden, so dass sie ber eine Sam-melanbindung angebunden werden knnen. Mit der Best-tigung des ersten Offshore-Netzentwicklungsplans 2013 wurden von den zehn beantragten Offshore-Anbindungs-leitungen acht besttigt (BNetzA 2014c).

    III.2.1.5 Bundesbedarfsplangesetz

    Das Bundesbedarfsplangesetz beschleunigt die Planun-gen und Genehmigungen beim bertragungsnetzausbau. Der Erlass des Bundesbedarfsplangesetzes (BBPlG) stellt die energiewirtschaftliche Notwendigkeit und den vordringli-chen Bedarf knftiger Hchstspannungsleitungen verbind-lich fest. 2012 haben die bertragungsnetzbetreiber die gemeinsame Bedarfsplanung erstmals durchgefhrt. Das Bundesbedarfsplangesetz vom 23. Juli 2013 bernimmt strategisch besonders wichtige Ausbauprojekte des Netz-entwicklungsplans 2012 und legt gezielt die energiewirt-schaftliche Notwendigkeit und den vordringlichen Bedarf im bertragungsnetz fest. Hierdurch soll eine Beschleuni-gung der Planungs- und Genehmigungsverfahren fr Netz-ausbauvorhaben auf Hchstspannungsbertragungsnetz-ebene erreicht werden. Das Bundesbedarfsplangesetz enthlt eine Liste, welche den jeweiligen Anfangs- und Endpunkt knftiger Hochspannungsleitungen beinhaltet. Insgesamt wurden 51 Manahmen bestimmt, die im ersten Bundebe-darfsplangesetz vom Juli 2013 zu 36 Vorhaben zusammen-gefasst wurden. Fr alle Vorhaben des Bundesbedarfsplans, die nur ein einzelnes Bundesland betreffen, beginnt die zustndige Landesbehrde auf Antrag ein Raumordnungs-verfahren, um ber den Antrag zu entscheiden. Die Verant-wortung fr Hchstspannungsleitungen, die durch mehrere Bundeslnder oder ins Ausland fhren sollen, liegt dagegen nach den Vorschriften des NABEG bei der Bundesnetzagen-tur. Im Anschluss an den Bundesbedarfsplan wird fr 16 Vor haben eine Bundesfachplanung durchgefhrt. Hierzu mssen die bertragungsnetzbetreiber einen Geneh mi-gungsantrag fr die Manahmen des Bundesbedarfsplan-gesetzes stellen. Ferner wurde durch das Bundesbedarfs-plangesetz den Unternehmen eine Berichtspflicht auferlegt. Sie mssen in Zukunft die in den Pilotprojekten des Bun-desbedarfsplans gewonnenen Erfahrungen darlegen. Hchstspannungsleitungen werden somit vom Bund im Rahmen eines Fachplanungsverfahrens und nicht von den Lndern im Rahmen ggf. von Raumordnungsverfahren

    geplant. Das Raumordnungsverfahren wird damit nicht mehr parallel in mehreren Bundeslndern durchgefhrt. Die bundesweite Bedarfsermittlung ist fr 10 bzw. 20 Jahre, ein auf Basis des Netzentwicklungsplans der bertragungs-netzbetreiber von der Bundesnetzagentur aufgestellter Bundesbedarfsplan sptestens alle drei Jahre zu erstellen und der Bundesregierung als Entwurf fr ein Bundesbe-darfsplangesetz zu bermitteln.

    Bei dem Verfahren zur Netzausbaubedarfsplanung wird die ffentlichkeit mehrfach in den Prozess integriert. Das wichtigste Instrument ist hierbei die Konsultation. Diese ermglicht das Einbringen von konstruktiver Kritik und soll darber hinaus zu mehr Verstndnis und Akzeptanz gegenber dem Netzausbau beitragen. Insgesamt werden bei der Erstellung des Netzentwicklungsplans drei Konsul-tationen durchgefhrt. Die erste Konsultation bezieht sich auf den Szenariorahmen und wird von der Bundesnetz-agentur durchgefhrt. Im Anschluss an die Erstellung erfol-gen die Konsultation und gegebenenfalls die berarbeitung des ersten Entwurfs des Netzentwicklungsplans durch die bertragungsnetzbetreiber. Nach der berprfung des zweiten Entwurfs findet schlielich eine finale Konsulta-tion des Netzentwicklungsplans durch die Bundesnetz-agentur statt.

    III.2.1.6 Systemstabilittsverordnung

    Die 50,2-Hertz-Problematik gefhrdet die Systemstabi-litt. Die Netzfrequenz wird durch ein jederzeitiges Gleich-gewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch mglichst konstant auf 50 Hertz gehalten. Dabei ist es aus techni-schen Grnden unvermeidlich, dass die Frequenz geringf-gig (wenige Millihertz) um ihren Sollwert von 50 Hertz schwankt. Strkere Abweichungen, zum Beispiel ein Anstieg auf ber 50,2 Hertz, knnen im Falle einer Gro-strung auftreten. Die Wechselrichter lterer Photovoltaik-Anlagen wrden sich bei einer Frequenz von 50,2 Hertz automatisch und gleichzeitig abschalten. Aufgrund der hohen Zahl und Gesamtleistung dieser Anlagen ginge dem System schlagartig eine hohe Erzeugungsleistung verloren, was in der Folge zu erheblichen Problemen im Netzbetrieb fhren kann.

    Die Bundesregierung hat auf diese 50,2-Hertz-Problema-tik reagiert. Die Systemstabilittsverordnung vom 20. Juli 2012 verpflichtet die Netzbetreiber, bestehende Photovol-taik-Anlagen ab einer Leistung von 10 kW nachzursten, um eine Abschaltung bei 50,2 Hz und die damit verbundene Gefhrdung der Systemstabilitt zu verhindern. Somit trgt die Systemstabilittsverordnung zum Ziel bei, weiterhin das hohe Ma an Versorgungssicherheit in Deutschland gewhrleisten zu knnen. Die Nachrstung der Wechsel-richter bernimmt entsprechend der Systemstabilitts-verordnung der jeweilige Anschlussnetzbetreiber, der die

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 137

    entstehenden Kosten dann zur Hlfte ber die Netzentgelte und zur anderen Hlfte ber die EEG-Umlage auf die Gemeinschaft der Stromverbraucher umlegt.

    Weiterer Nachrstbedarf besteht bei Windenergie-, Bio-masse-, KWK- und kleinen Wasserkraftanlagen. Bei Absin-ken der Netzfrequenz auf 49,5 Hz wrden sich Anlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt 27 GW automa-tisch abschalten. Sollte ein solcher Fall auftreten, knnten die Netzbetreiber das Stromnetz nicht mehr stabilisieren. Zur Lsung dieser 49,5-Hertz-Problematik sollen mit einer Novellierung der Systemstabilittsverordnung auch Betrei-ber von Windenergie-, Biomasse-, KWK- und kleiner Was-serkraftanlagen zur Nachrstung ihrer Anlagen verpflichtet werden. Die Novelle der Systemstabilittsverordnung wird voraussichtlich im ersten Quartal 2015 in Kraft treten.

    III.2.1.7 Anreizregulierungsverordnung

    Die Netzentgelte zur Finanzierung der Stromnetze wer-den reguliert. Die Finanzierung der Stromnetze erfolgt ber Netzentgelte, die alle Stromverbraucher an den Netz-betreiber entrichten. In der Regel erfolgt die Abrechnung ber den jeweiligen Stromversorger. Die Kosten, die den Netzentgelten zugrunde liegen, unterliegen in Deutschland der Regulierung. Dafr sind die Bundesnetzagentur und die Landesregulierungsbehrden zustndig. Jedes der ca. 900 Netzbetreiberunternehmen erhlt von der zustndigen Regulierungsbehrde eine Erlsobergrenze, die es verur-sachungsgerecht in Netzentgelte fr die Nutzung seiner Netze umlegt.

    Die Entgeltregulierung wurde verndert. Mit Inkrafttre-ten der Anreizregulierungsverordnung (ARegV) im Jahr 2007 erfolgte hinsichtlich der Entgeltbildung fr die Nut-zung der Strom- und Gasnetze ein Paradigmenwechsel. Die bislang durchgefhrte Kostenprfung und Entgeltgeneh-migung im Einzelfall wurde durch das System der Anreiz-regulierung abgelst. Im Rahmen der Anreizregulierung werden Netzbetreibern nunmehr seit 2009 individuelle, effizienzbasierte Erlsobergrenzen vorgegeben. Netzbetrei-ber, die die in den Erlsobergrenzen hinterlegten Effizienz-vorgaben bererfllen, erwirtschaften hhere Renditen als Netzbetreiber, denen dies nicht gelingt. Im Fall der berer-fllung entsteht ein berschuss, den der Netzbetreiber fr die Dauer der laufenden Regulierungsperiode als zustzli-chen Gewinn fr sich verbuchen kann. Hierin liegt der Anreiz fr Netzbetreiber, Anstrengungen zu unternehmen, um ihre Effizienz zu steigern. In der nachfolgenden Regu-lierungsperiode werden die erreichten Effizienzverbesse-rungen an die Netzkunden in Form von niedrigeren Netzentgelten weitergereicht. Auf diese Weise erreicht die Anreizregulierung zugleich Vorteile fr die Netzbetreiber und die Netznutzer. Mit diesem System konnten im Rah-men der ersten Regulierungsperiode Erfahrungen gesam-

    melt werden und die zweite Periode ist 2013 fr die Gas-netzbetreiber und 2014 fr die Stromnetzbetreiber gestartet worden. Die Bundesnetzagentur wird dem Bundesministe-rium fr Wirtschaft und Energie einen Bericht mit einer Evaluierung und Vorschlgen zur weiteren Ausgestaltung der Anreizregulierung vorlegen. Die Anreizregulierungsver-ordnung stellt an die Inhalte und die Bearbeitung des Eva-luierungsberichtes klare Anforderungen. Konkret werden Angaben zur Entwicklung des Investitionsverhaltens der Netzbetreiber und zur Notwendigkeit weiterer Manah-men zur Vermeidung von Investitionshemmnissen einge-fordert. Die Absicherung der Investitionsfhigkeit steht in engem Zusammenhang mit dem Ziel, die Netzkosten wei-testgehend zu beschrnken, wobei die sich ndernden Auf-gaben der Netzbetreiber beachtet werden mssen. Bei-spielsweise ist das Erlsobergrenzenvolumen der bertragungsnetzbetreiber zwischen 2011 und 2012 um ca. 17 Prozent gestiegen. Wesentlicher Treiber hierbei war der Anstieg der Kapitalkosten aus genehmigten Investitions-manahmen fr Netzerweiterungen und -umstrukturie-rungen. Der Evaluierungsbericht zur Anreizregulierung wird unter Beteiligung der Lnder, der Wissenschaft und der betroffenen Wirtschaftskreise sowie unter Bercksich-tigung internationaler Erfahrungen mit Anreizregulie-rungssystemen erstellt. Die Anreizregulierungsverordnung sieht vor, dass der Bericht zum 31. Dezember 2014 vorge-legt werden soll. Der Evaluierungsbericht wird eine umfas-sende Bewertung der Wirkungen der Anreizregulierungs-verordnung in Hinblick auf die vielfltigen Ziele der Regulierung enthalten. Sofern im Rahmen der Untersu-chungen Defizite im Regulierungssystem deutlich werden, wird die Bundesnetzagentur entsprechende Ausgestal-tungsoptionen vorschlagen.

    III.2.1.8 Offshore-Haftungsumlage

    Kosten, die nicht direkt vom Netzbetreiber oder vom Off-shore-Windparkbetreiber zu verantworten sind, werden durch die Offshore-Haftungsumlage auf die Netznutzer umgelegt. Sie betrgt im Jahr 2014 fr regulre Letztver-braucher (Letztverbraucher mit weniger als 1.000 MWh Jah-resverbrauch) 0,25 ct/kWh. Mit dem Ausbau der Offshore-Leitungen werden ber 100 km lange Gleichstromkabel (Nordsee) oder Drehstromkabel (Nord- und Ostsee) auf See und an Land verlegt. Zudem werden Konverterstationen auf hoher See und an Land errichtet und die Abschnitte der Kabel seewasserfest miteinander verbunden. Die rechtzeitige Fertigstellung der Anbindungsleitungen ist von vitaler Bedeutung fr die Inbetriebnahme der Offshore-Windparks. Diese bentigen die Leitungen fr den Abtransport des pro-duzierten Stroms sowie fr die Stromversorgung bei Wind-stille, bei Wartungsarbeiten und fr sonstige Betriebsver-bruche wie fr die Beleuchtung zur Flugsicherung.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE138

    III.2.1.9 Lastabschaltverordnung

    Die Verordnung zu abschaltbaren Lasten (AbLaV) regelt Vereinbarungen der bertragungsnetzbetreiber mit Betreibern abschaltbarer Lasten. Mit abschaltbaren Lasten sind groe Verbrauchseinheiten in Industriebetrieben gemeint, deren konstant hoher Fremdstrombezug auf Abruf kurzfristig fr einen definierten Zeitraum reduziert bzw. abgeschaltet werden kann. Die Verordnung ist von 1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2015 gltig. Ziele der Verord-nung sind erstens die Verbesserung der Systemsicherheit und zweitens die Erschlieung von ungenutzten Potenzia-len abschaltbarer Lasten. Diese Ziele sollen durch eine feste Vergtung der vorgehaltenen Abschaltleistung in Hhe von 30.000 Euro pro Megawatt und Jahr und eine variable Arbeitsvergtung im Abruffall erreicht werden. Durch die Prqualifikationsanforderungen wird die Eignung der Anbieter sichergestellt, einen Beitrag zur Entschrfung von Krisensituationen im Netz leisten zu knnen. Die Bundes-netzagentur legt sptestens Ende Mrz 2015 dem Bundes-ministerium fr Wirtschaft und Energie einen Bericht zur Anwendung der Verordnung vor.

    Durch die Lastabschaltverordnung kann ein Lastabschalt-potenzial in der Grenordnung der Leistung eines durchschnittlichen Steinkohlekraftwerks erreicht wer-den. Abschaltbare Lasten stellen fr die bertragungsnetz-betreiber ein automatisiertes und zuverlssiges Produkt dar, das bei hohem, anhaltendem Regelbedarf die Regelleis-tung ablsen kann. Bisher konnte das in der Verordnung vorgesehene Volumen von 3.000 MW abschaltbarer Leis-tung aber nur zu knapp 30 Prozent erreicht werden, d. h. nur eine geringe Anzahl von Industriebetrieben konnte die Prqualifikation bewltigen. Hemmnisse in den Prqualifi-kationsbedingungen knnten durch die Verfgbarkeitsdefi-nition (1 Minute Nichtverfgbarkeit = 1 Tag Nichtverfg-barkeit), die Anschlussebene (mindestens 110 kV) und die Mindestlosgre (50 MW) in Zusammenhang mit der Rege-lung, dass maximal fnf Aggregate am selben Hchstspan-nungsknoten zusammengeschaltet werden drfen, gegeben sein. Im Oktober 2013 verffentlichten die bertragungs-netzbetreiber ihre Berechnung zur AbLa-Umlage fr das Jahr 2014. In Summe sind seit dem 1. Januar 2014 somit 0,009 ct/kWh fr die AbLa-Umlage durch den Endverbrau-cher zu entrichten. Fr einen durchschnittlichen Vierper-

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    sonenhaushalt mit 3.500 kWh Jahresstromverbrauch ergibt sich so eine Jahresabgabe von 32 Cent. Fr das Jahr 2015 wird die Umlage voraussichtlich 0,006 ct/kWh betragen. Insgesamt erreichen die bertragungsnetzbetreiber mit Hilfe der Lastabschaltverordnung derzeit ein Lastabschalt-potenzial in der Grenordnung der Leistung eines durch-schnittlichen Steinkohlekraftwerks, das in Krisensituatio-nen mit Leistungsmangel das Stromnetz entlasten kann. Neben dem Einsatz als Regelungsoption sollten flexible Lasten zuknftig auch durch andere Vermarktungsoptio-nen insgesamt zu einer sicheren und kosteneffizienten Energieversorgung in Deutschland beitragen. Um zuknf-tig das Potenzial flexibler Lasten kosteneffizient zu erschlieen, gilt es, die Hemmnisse zur Flexibilisierung der Nachfrageseite kontinuierlich abzubauen und die Erschlie-ung zunehmend wettbewerblich zu organisieren.

    III.2.1.10 Vorschlge fr Vorhaben von gemeinsamem Interesse

    Das zunehmende Zusammenwachsen der europischen Strommrkte durch den weiteren Ausbau der Grenzkup-pelstellen hilft, die Integration fluktuierender Stromer-zeugung aus erneuerbaren Energien zu verbessern. Der deutsche Strommarkt ist eingebettet in die europischen Strommrkte (siehe Kapitel III.3.1). Das weitere Zusammen-wachsen der europischen Strommrkte ist somit fr die Energiewende von groer Bedeutung, weil strkere inter-nationale Verbindungen die Effizienz des Gesamtsystems und die Versorgungssicherheit erhhen knnen. Ohne gegensteuernde Manahmen kann der Ausbau der Grenz-kuppelstellen allerdings auch dazu fhren, dass emissions-intensive Kraftwerke in Deutschland weiter betrieben wer-den, obwohl sie national gesehen berkapazitten darstellen. Insbesondere verbessert ein funktionierender Binnenmarkt die wettbewerblichen Rahmenbedingungen. Grenzberschreitende Leitungen zur Verbesserung der Ver-bindungen innerhalb des europischen Binnenmarktes sind einerseits von besonders herausgehobener Bedeutung und andererseits besonders aufwendig zu planen. Die euro-pische TEN-E-Verordnung (Verordnung zu Leitlinien fr die europische Energieinfrastruktur) gibt seit Juni 2013 vor, wie Vorhaben von gemeinsamem Interesse (Projects of Common Interest, kurz: PCI) identifiziert und definiert werden. Kriterien sind unter anderem der wirtschaftliche, der soziale und der kologische Nutzen der Vorhaben sowie grenzberschreitende Auswirkungen des Vorhabens auf mindestens zwei Mitgliedstaaten. Die Mitgliedstaaten, Regulierungsbehrden, bertragungsnetzbetreiber und Vorhabentrger erarbeiten und bewerten unter dem Vor-sitz der Europischen Kommission in regionalen Gruppen die Vorschlge fr Vorhaben von gemeinsamem Interesse. Nach Bercksichtigung einer Stellungnahme durch ACER beschlieen die Mitgliedstaaten und die EU-Kommission als Entscheidungsgremium die regionalen PCI-Listen. Diese

    werden anschlieend in eine bergreifende unionsweite Liste zusammengefhrt, die als delegierter Rechtsakt durch die Kommission erlassen wird. Auerdem legt die TEN-E-Verordnung Instrumente zur Beschleunigung des Netzaus-baus sowie dessen finanzielle Untersttzung fest. Auf diese Weise genieen die Vorhaben von gemeinsamem Interesse einen Priorittsstatus, da sie wichtige Auswirkungen auf die grenzberschreitenden Transportkapazitten haben. Die erste unionsweite Liste von Vorhaben von gemeinsamem Interesse ist am 10. Januar 2014 in Kraft getreten und wird alle zwei Jahre aktualisiert. In dieser ersten Unionsliste sind 20 PCI im Strombereich, fnf PCI im Gasbereich und zwei PCI im lbereich mit direktem Bezug zu Deutschland ent-halten.

    III.2.1.11 Instrumente zur Sicherung der Gasversorgung

    Die Versorgungssicherheit mit Erdgas war bisher stets gewhrleistet. Die Gasversorgungssicherheit ist angesichts sich wandelnder Marktbedingungen und zunehmender weltweiter Konkurrenz auf den Gasbeschaffungsmrkten eines der zentralen Themen in Deutschland und Europa. Insgesamt gesehen war die Versorgungssicherheit bislang auch bei unvorhergesehenen, zeitlich befristeten Lieferun-terbrechungen auf der Importseite stets gewhrleistet (siehe Kapitel I.7.5). Dieses zeigt, dass der primr auf die Verpflich-tung der Unternehmen zur Gewhrleistung der Versor-gungssicherheit setzende deutsche Ansatz erfolgreich ist. Angesichts der Importabhngigkeit, der Ausdifferenzierung der Marktrollen der Unternehmen, der langen Vorlaufzeiten und der hohen Kapitalintensitt der Investitionen im Gas-bereich muss die weitere Entwicklung sorgfltig beobachtet und analysiert werden. Das Bundesministerium fr Wirt-schaft und Energie fhrt gem Energiewirtschaftsgesetz ein Monitoring der Versorgungssicherheit im Bereich der leitungsgebundenen Versorgung mit Erdgas durch (BMWi 2014j).

    Die Sicherungsmanahmen der deutschen Gasversor-gungsunternehmen sttzen sich auf einen breiten Ma-nahmenkatalog. Wesentliche Sulen der deutschen Gas-versorgung sind: Diversifikation der Bezugsquellen und Transportwege, Inlandsfrderung, stabile Beziehungen zu Lieferanten und langfristige Gasliefervertrge sowie eine bisher hohe Verlsslichkeit der Versorgungsinfrastruktur inklusive Untertagespeicher. Die Gasversorgungsunterneh-men planen darber hinaus weitere infrastrukturelle und beschaffungsseitige Manahmen, um die Sicherheit der Versorgung zuknftig weiter auszubauen.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE140

    III.2.2 Ausblick

    Es werden zunehmend technologische Varianten disku-tiert und erprobt, mit denen der Transport von Strom ber weite Strecken verbessert werden kann. Schon seit Lngerem ist der Khlungseffekt durch Wind und Wetter bei Freileitungen zur Erhhung der bertragungskapazitt bekannt (Temperaturmonitoring). Zuknftig werden neue Technologien und Entwicklungen den Netzaus- und umbau beeinflussen. Die vom Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie organisierte Plattform Energie-netze behandelt die vier Themen Netzplanung, Regulie-rung, Intelligente Netze und Zhler sowie Systemsicherheit. Sie hat eine Technologie-bersicht erstellt, die zum einen differenziert darlegt, welche Eigenschaften heutige Strom-bertragungstechnologien haben, und zum anderen auch Technologieoptionen bercksichtigt, die erst in Zukunft zur Verfgung stehen werden.

    III.2.2.1 Neue Technologien im Netzausbau

    Hochtemperaturleiterseile haben eine hhere bertra-gungskapazitt als herkmmliche Leiterseile. Alternativ zu den derzeit standardisiert eingesetzten Aluminium-Stahl-Leitern im Freileitungsbereich auf Hoch- und Hchstspannungsebene kommen bereits jetzt schon Hoch-temperaturleiterseile (HTLS) zum Einsatz, die eine hhere bertragungskapazitt als herkmmliche Leiterseile auf-weisen. Im Unterschied zum herkmmlichen Kern aus Stahldrhten besitzen derartige Leiterseile einen sehr hitze-resistenten Kohlenstofffaser-Verbundkern. Aufgrund der thermischen Stabilitt hngen Hochtemperaturleiterseile trotz der groen Stromtragfhigkeit und der damit einher-gehenden erhhten bertragungskapazitt kaum durch. Im Netzentwicklungsplan, der zehn Jahre in die Zukunft blickt, wird angenommen, dass sowohl das Temperaturmo-nitoring als auch Hochtemperaturleiterseile umfassend genutzt werden, was den zustzlich erforderlichen Netzaus-bau deutlich verringert.

    Intensive Entwicklungsarbeiten finden auch im Bereich der Hochspannungsgleichstrombertragung (HG) statt. Die Technologie besitzt ein enormes Potenzial, insbeson-dere im Hinblick auf einen verlustarmen Transport von elektrischer Energie ber weite Strecken. Einfache Punkt-zu-Punkt-Verbindungen sind weltweit schon seit Lngerem erfolgreich im Einsatz und sollen zuknftig auch gem der deutschen Netzentwicklungsplanung auf Hchstspan-nungsebene ihren Betrag zur Energiebertragung leisten. Ein Vorteil der Hochspannungsgleichstrombertragung ist die Bereitstellung unterschiedlichster Systemdienstleistun-gen. HG-Systeme knnen einen wichtigen Beitrag zur System- bzw. Netzsttzung durch Bereitstellung von Blind-leistung in den bertragungsnetzen liefern. Die vielfltigen Einsatzmglichkeiten der HG-Systeme werden bereits

    jetzt innerhalb des Netzentwicklungsplans bercksichtigt. Die im Bundesbedarfsplan ausgewiesenen Nord-Sd-Ver-bindungen sind als HG-Systeme vorgesehen.

    Auf der bertragungsnetzebene wird der Einsatz von Erd-kabeln erprobt. Whrend die unterirdische Bauweise im Ver-teilernetz Stand der Technik ist, gilt es auf der bertragungs-netzebene Erfahrungen mit dem Einsatz von Erdkabeln zu sammeln. Im Rahmen der EEG-Novelle wurde durch eine nderung des Bundesbedarfsplangesetzes vorgesehen, dass diese Vorhaben als Pilotprojekte unterirdisch unter Verwen-dung von Erdkabeln realisiert werden knnen. Ergnzend zu den Bestimmungen des EnLAG wird damit auf der bertra-gungsnetzebene die Erdkabeltechnologie auch im Rahmen der Gleichstrombertragung erprobt werden knnen.

    III.2.2.2 Aus- und Umbau der Verteilernetze, Smart Grids

    Durch die Energiewende ndert sich der Charakter vieler Verteilernetze. Whrend sie in der Vergangenheit in der Regel nur den Strom aus dem vorgelagerten Netz zu den Letztverbrauchern weiterleiten mussten, mssen sie nun in beide Richtungen funktionieren und auch den in nachgela-gerten Netzen produzierten Strom ins vorgelagerte Netz zurckspeisen. Bereits heute ist eine Leistung an Wind-kraft- und Photovoltaik-Anlagen von ca. 61 GW und damit ca. 90 Prozent der installierten Leistung aller Anla-gen an den Verteilernetzen angeschlossen. Die installierte Leistung an Erneuerbare-Energien-Anlagen in deutschen Verteilernetzen ist deutlich hher als in anderen europi-schen Lndern (Frankreich: 12,9 GW, Italien: 21,3 GW, Grobritannien: 9,3 GW). Die Integration erneuerbarer Energien in die Verteilernetze macht in zahlreichen Netzen den Einsatz intelligenter Netztechnik, wie beispielsweise regelbarer Ortsnetztransformatoren, sowie ein intelligentes Management von Erzeugung und Nachfrage erforderlich.

    Intelligente Netzplanungsanstze und intelligente Netz-technologien, wie z. B. der regelbare Ortsnetztransforma-tor (rONT), knnen in den Verteilernetzen den bis 2032 zustzlich anfallenden Netzausbau um ca. 60 Prozent und die Kosten um 20 Prozent reduzieren. Die im Rahmen der Plattform Energienetze des Bundesministeriums fr Wirt-schaft und Energie erstellte Studie Moderne Verteilernetze fr Deutschland (E-Bridge, IAEW, OFFIS 2014) hat ver-deutlicht, dass der Einsatz intelligenter Netzplanungsanstze und intelligenter Netztechnologien den Netzausbaubedarf (und die dadurch bedingten Netzentgelterhhungen) erheblich reduzieren kann. Es zeigt sich, dass sich die Anforderungen an den Verteilernetzbetrieb teils grundle-gend verndern werden. Komplexe Lsungsanstze mit intelligenter Technik werden vermutlich Kooperationen von mehreren Netzbetreibern erfordern. Die Netzplanung sollte knftig intelligenter zu gestalten sein, indem nicht mehr nur rein konventionelle Netzausbaumanahmen zu

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 141

    Grunde zu legen sind, sondern insbesondere die Option zur Kappung selten auftretender Erzeugungsspitzen in die Pla-nung einflieen sollte.

    III.2.2.3 Intelligente Messsysteme

    Die nachfrageseitigen Lastverschiebe- und Lastvermei-dungspotenziale sollen unter Kosten-Nutzen-Aspekten genutzt werden. Fr die Energieversorgung der Zukunft mit immer greren Erneuerbare-Energien-Anteilen wird es von Bedeutung sein, die Lastverschiebe- und Lastver-meidungspotenziale der Nachfrage zu mobilisieren. Dafr mssen die Letztverbraucher ihren Verbrauch kennen und motiviert werden, diesen entsprechend anzupassen. Die technischen Voraussetzungen hierfr sowie das entspre-chende Potenzial sind heute bereits bei sehr groen Letzt-verbrauchern gegeben. Die gesamte Industrie und ein gro-er Teil des Gewerbes (ab 100.000 kWh Jahresverbrauch) verfgen ber eine registrierende Leistungsmessung und sind daher technisch grundstzlich dazu in der Lage, auf Verlagerungssignale zu reagieren. Im Bereich der Haushalte und der kleineren Gewerbebetriebe wird heute der Strom-bezug in der Regel nur einmal im Jahr von einem elektro-mechanischen Ferraris-Zhler oder einem einfachen digi-talen Stromzhler abgelesen. Intelligente Messsysteme sind in der Lage, den Verbrauch zeitgenau zu erfassen, Letztver-brauchern deren Verbrauchsverhalten zu veranschaulichen und so zu Verbrauchseinsparungen oder Lastverlagerungen zu motivieren, sofern entsprechende Lastverschiebe- und Lastvermeidungspotenziale sowie Einsparanreize fr die Verbraucher bestehen, z. B. im Zusammenspiel mit lastvari-ablen Tarifen. Intelligente Messsysteme sind zustzlich mit einer externen Kommunikationseinheit ausgerstet und damit fernauslesbar und fernsteuerbar. Zudem knnen sie der Optimierung der Energiebeschaffung dienen, indem Prognosen, die auf Messungen realer Verbruche und nicht auf groben Schtzungen beruhen, die Energiebeschaffung bestimmen.

    Intelligente Messsysteme helfen bei der Integration erneuerbarer Energien und Kraft-Wrme-Kopplungs-Anlagen. Intelligente Messsysteme knnen auch fr die Integration von Erneuerbare-Energien-Anlagen und Kraft-Wrme-Kopplungs-Anlagen ins Stromnetz eingesetzt wer-den, indem sie Einspeisewerte und Netzzustandsinforma-tionen sowie eine sichere Infrastruktur fr netzindizierte Schalthandlungen bereitstellen. Allerdings geht mit den beschriebenen Anwendungsmglichkeiten auch ein erhh-ter Verkehr an Daten einher, der auch Aufschluss ber das Verbrauchsverhalten von Privathaushalten geben knnte, weshalb er als datenschutzrechtlich sensibel einzustufen ist. Auch sind digitale Kommunikationsinfrastrukturen den Gefahren von Hacking-Angriffen ausgesetzt. Daher schreibt das Energiewirtschaftsgesetz vor, dass Messsysteme Schutz-profilen und Technischen Richtlinien zu entsprechen

    haben, die das erforderliche Ma an Datenschutz und Daten sicherheit gewhrleisten und durch Verordnungen zu verrechtlichen sind.

    Zu diesem Zweck wurde vom Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie der Entwurf der Messsystemver-ordnung bei der Europischen Kommission notifiziert. Der Entwurf der Messsystemverordnung beinhaltet insbe-sondere die Verrechtlichung von Schutzprofilen und Tech-nischen Richtlinien fr intelligente Messsysteme zur Gewhrleistung von Datenschutz, Datensicherheit und Interoperabilitt. Diese wurden im Auftrag des Bundesmi-nisteriums fr Wirtschaft und Energie vom Bundesamt fr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gemeinsam mit Branchenvertretern unter enger Einbindung des Bundes-beauftragten fr den Datenschutz und die Informations-freiheit, der Bundesnetzagentur und der Physikalisch-Tech-nischen Bundesanstalt erarbeitet.

    Das Energiewirtschaftsgesetz sieht derzeit einen verpflich-tenden Einbau solcher Messsysteme fr Neubauten und bei greren Renovierungen vor. Auch fr Letztverbrau-cher mit einem Jahresverbrauch grer als 6.000 Kilowatt-stunden und fr Neuanlagen nach dem Erneuerbare-Ener-gien-Gesetz und dem Kraft-Wrme-Kopplungsgesetz mit einer installierten Leistung von mehr als 7 Kilowatt ist der Einbau von Messsystemen unter der Voraussetzung der technischen Verfgbarkeit verpflichtend. Entsprechend der Vorgabe des Energiewirtschaftsgesetzes hat das Bun-desministerium fr Wirtschaft und Energie die Wirtschaft-lichkeit weiterer Einbauflle in einer Studie untersuchen lassen (Ernst & Young 2013).

    III.2.3 Schlussfolgerungen

    III.2.3.1 Versteigerung der Offshore-Anbindungsleitungen

    Die maximal zu vergebende Kapazitt fr Offshore-Netz-anbindungen ist begrenzt. Fr den Ausbau der Offshore-Windenergie sind hchste technische und organisatorische Anforderungen, verbunden mit einem hohen finanziellen Aufwand, kennzeichnend. Die Leitungen beim Ausbau der Offshore-Anbindungsleitungen werden entsprechend den Vorgaben des Offshore-Netzentwicklungsplans projektiert und errichtet. Knftig wird die maximal zu vergebende Kapazitt fr Netzanbindungen auf 6,5 GW begrenzt, wobei die Bundesnetzagentur diesen Wert zunchst auf 7,7 GW erhhen kann. Die Bundesnetzagentur fhrt ein Versteige-rungsverfahren durch, sofern nicht ein anderes Verfahren festgelegt wird.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE142

    III.2.3.2 Modernisierung der Verteilernetze

    Die Verteilernetze mssen fr die Anforderungen der Energiewende modernisiert werden. Es ist vorgesehen, die Anreizregulierungsverordnung auf Grundlage des Evaluie-rungsberichts der Bundesnetzagentur und der Ergebnisse der Netzplattform-Studie Moderne Verteilernetze fr Deutschland (E-Bridge, IAEW, OFFIS 2014) im Jahr 2015 anzupassen.

    Die Bundesregierung erarbeitet zurzeit Verordnungsent-wrfe mit dem Themenschwerpunkt intelligente Messsys-teme und Zhler, die im Jahre 2015 beschlossen werden sollen. Sie werden die gesetzliche Grundausrichtung fr intelligente Netze abrunden. Gegenstand des Paketes sollen die Festlegung hoher technischer Standards zur Gewhrleis-tung von Datenschutz und Datensicherheit, bereichsspezi-fischer Datenschutzregeln fr die Marktkommunikation sowie Regelungen im Zusammenhang mit dem Einbau und der Finanzierung von Messsystemen sein. Unter Bercksich - ti gung der Erkenntnisse der im Auftrag des Bundeswirt-schafts ministeriums durchgefhrten Kosten-Nutzen-Analyse (Ernst & Young 2013) werden ein Zeitplan und Vorgaben fr einen Roll-out fr intelligente Messsysteme vorgesehen. Die Zhlerinfrastruktur in Deutschland wird dadurch nachhaltig modernisiert. Dabei wird eine scharfe Kostenregulierung Verbraucher und Betreiber kleiner Erneuerbarer-Energien- und KWK-Anlagen vor unverhltnismigen finan ziellen Belastungen schtzen. Klein- und Durchschnittsverbraucher sollen grundstzlich von der Pflicht zum Einbau intelligen-ter Messsysteme ausgenommen sein. Ihnen kann ein intelli-genter Zhler zu Kosteneinsparungen verhelfen. Gruppen mit hohem Energieeffizienz-Potenzial oder hohem Netznut-zen sollen im Roll-out-Fahrplan zeitlich vorangestellt wer-den. Darber hinaus wird die Bundesregierung prfen, inwieweit durch die sektorbergreifende Nutzung von Smart Metern (Wrme, Wasser etc.) die Kosten fr den Einsatz von Smart Metern so weit gesenkt werden knnen, dass sie fr alle Haushalte Komfortgewinne und finanzielle Entlastungen versprechen.

    III.2.3.3 Frderprogramm Schaufenster intelligente Energie Digitale Agenda fr die Energiewende (SINTEG)

    Das Frderprogramm Schaufenster intelligente Energie Digitale Agenda fr die Energiewende (SINTEG) soll in Modellregionen zeigen, dass eine klimafreundliche, sichere und effiziente Stromversorgung basierend auf erneuer-baren Energien mglich ist. Netze, Erzeugung, Verbrauch und Speicherung mssen technisch so ausgestattet sein und flexibel und intelligent zusammenwirken, dass Versorgungs-sicherheit und Systemstabilitt auch bei zeitweise bis zu 100 Prozent Stromanteil aus erneuerbaren Energien gewhrleis-tet sind. Hierfr mssen sichere, effi ziente und massenge-

    schftstaugliche Verfahren, Systemfhrungskonzepte, Netz-, Mess- und Kommunikationstechnologien, Speicher-technologien sowie Datenverarbeitungs systeme und Marktmechanismen fr flexible, intelligente Netze und Mrkte entwickelt werden. Im Frderprogramm Schau-fenster intelligente Energie Digitale Agenda fr die Ener-giewende (SINTEG) sollen groflchige Modellregionen die Realisierbarkeit einer klimafreundlichen, sicheren und effizienten Stromversorgung bei hohen Anteilen fluktuie-render Stromerzeugung aus Wind und Photovoltaik in technischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hin-sicht demonstrieren. Durch die intelligente Vernetzung von Erzeugung und Verbrauch und den Einsatz innovativer Netztechnologien und -betriebskonzepten sollen vor allem folgende Ziele erreicht werden:

    zz Sicherer und effizienter Netzbetrieb bei hohen Anteilen erneuerbarer Energien (z. B. Systemdienstleistungen),zz Hebung von Effizienz- und Flexibilittspotenzialen

    (markt- und netzseitig), zz effizientes und sicheres Zusammenspiel aller Akteure im

    intelligenten Energienetz,zz effizientere Nutzung der vorhandenen Netzstruktur,zz Reduktion von Netzausbaubedarf auf Verteilernetzebene.

    Das Frdervolumen betrgt 80 Millionen Euro. Im Rahmen des Frderprogramms sollen mindestens zwei groflchige

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 143

    Schaufensterregionen aufgebaut werden, um Wissen, Erfahrungen und Aktivitten systembergreifend zu bn-deln und massentaugliche Musterlsungen fr die intelli-gente Energieversorgung der Zukunft zu entwickeln und zu demonstrieren. Die entwickelten Lsungen der Modell-regionen sollen als Blaupause fr eine breite bertragung und Umsetzung dienen. Das Frderprogramm untersttzt die Umsetzung der Digitalen Agenda der Bundesregierung und wurde im Rahmen des IT-Gipfels am 21. Oktober 2014 als Teil des Manahmen-Paketes Innovative Digitalisie-rung der Deutschen Wirtschaft benannt. Als Frdervolu-men werden von der Bundesregierung bis zu 80 Millionen Euro ber einen Zeitraum von vier Jahren aus dem Ener-gie- und Klimafonds bereitgestellt.

    III.2.3.4 Forschung fr eine Erhhung der Netzstabilitt

    Der Ausbau der erneuerbaren Energien fhrt zu vern-derten Anforderungen im Bereich der System- und Netz-sicherheit. Die Primrregelleistung, die Regelenergie, die Blindleistungsbereitstellung zur Spannungshaltung und die Bereitstellung von Kurzschlussleistung zur Systemsttzung im Fehlerfall werden heute berwiegend von konventio-nellen Kraftwerken erbracht und mssen zuknftig auch durch erneuerbare Energien bereitgestellt werden. Die gesetzlichen Vorgaben fr die Ausstattung von Erneuer-

    bare-Energien-Anlagen umfassen bereits die Pflicht, dass groe Anlagen, insbesondere Windenergieanlagen, in der Lage sein mssen, dem Netz beispielsweise Blindleistung zur Verfgung zu stellen.

    Beim Netzausbau und Netzbetrieb mssen die vernderten technischen Bedingungen durch den Einsatz erneuerbarer Energien beachtet werden. Das heutige Stromnetz ist tech-nisch darauf ausgelegt, dass ein groer Teil des Stroms in Synchrongeneratoren erzeugt wird. Die speziellen Eigen-schaften groer Kraftwerksgeneratoren, die in Kraftwerken auf Basis von Kohle, Kernenergie und Wasserkraft verbaut sind, wurden bei der Auslegung der Netze eingeplant. Die groe Schwungmasse dieser Generatoren wirkt in starkem Mae stabilisierend auf das System der Stromerzeugung. Wenn in immer mehr Situationen die Stromerzeugung zu groen Teilen von erneuerbaren Energien bernommen wird, dann verndern sich die technischen Gegebenheiten grundlegend. Insbesondere fehlt die stabilisierende Wirkung der rotierenden Schwungmassen. Darauf muss beim Netz-ausbau und beim Netzbetrieb Rcksicht genommen werden. Andererseits erffnet diese Vernderung auch gnzlich neue Mglichkeiten, da die Einspei sung von Erneuerbare-Ener-gien-Anlagen ber computergesteuerte Wechselrichter erfolgt und viele Parameter dadurch der direkten Steuerung unterliegen.

  • 144

    III.3 Energieversorgung im europischen und internationalen Kontext

    Die europischen Mrkte fr Energie wachsen zusammen. Ein gemeinsamer europischer Energie- und Strombinnenmarkt bringt Vorteile fr alle Energieverbraucher. Um diese Potenziale zu realisieren, setzt sich die Bundesregierung ein fr klare Regeln beim Stromhandel und die regionale Zusammenarbeit bei der Gewhrleistung von Versorgungssicherheit. Zudem gilt es, die grenzberschreitende Netzinfrastruktur euro-paweit auszubauen und zu modernisieren.

    Der Europische Rat einigte sich im Oktober 2014 auf ein Klima- und Energiepaket fr 2030. Fr den Umbau der Energieversorgung in Europa und die Schaffung von Investitionssicherheit ist eine Verstndigung ber den zuknftigen Rahmen der Klima- und Energiepolitik notwendig. Das Klima- und Energiepaket umfasst ein verbindliches Klimaziel zur EU-internen Treibhausgas-Minderung von mindestens 40 Prozent. Ebenfalls beschlossen wurde ein auf EU-Ebene verbindliches Ziel fr den Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch von mindestens 27 Prozent sowie ein indikatives EU-Energieeffizienzziel in Hhe von ebenfalls mindestens 27 Prozent. Damit ist ein wichtiger Grundstein dafr gelegt, dass der europische Rahmen auch knftig die Energiewende in Deutschland, aber auch in Europa untersttzt.

    Das europische Emissionshandelssystem muss rasch und nachhaltig reformiert werden. Mit der Reform des Emissionshandels soll erreicht werden, dass der Emissionshandel als zentrales europisches Klimaschutz-instrument seine Anreizfunktion erfllt. Die Bundesregierung untersttzt den Reformvorschlag der EU-Kom-mission zur Einfhrung einer Marktstabilittsreserve. Diese sollte allerdings bereits im Jahre 2017 eingefhrt und die 900 Millionen Emissionszertifikate aus dem sog. Backloading in diese berfhrt werden. Zugleich sollten effektive Regelungen zur Vermeidung von Carbon Leakage auch nach 2020 hinsichtlich direkter und indirekter CO2-Kosten vorgesehen werden, die in den betroffenen Industriesektoren bermige CO2-Kos-tenbelastungen vermeiden, die zu Carbon Leakage fhren knnen.

    Deutschland geht bei der Energiewende mit gutem Beispiel voran. Nur wenn mglichst viele Lnder ihre Energieversorgung nachhaltig gestalten, kann der globale Klimaschutz wirksam funktionieren. Dafr enga-giert sich die Bundesregierung in der internationalen Zusammenarbeit und frdert den klimafreundlichen Umbau der Energieversorgung in Entwicklungslndern.

  • 145

    III.3.1 Der bisherige energie- und klima-politische EU-Rahmen

    Die Europische Union hatte sich 2007 ambitionierte ener-gie- und klimapolitische Ziele gesetzt. Diese sogenannten 20-20-20-Ziele wurden unter der deutschen Ratsprsident-schaft vereinbart. Sie verpflichten die EU-Mitgliedstaaten, bis 2020 die Treibhausgasemissionen um mindestens 20 Prozent gegenber dem Jahr 1990 zu reduzieren, eine Energieeffizi-enzsteigerung von 20 Prozent anzustreben und einen Anteil von 20 Prozent erneuerbarer Energien am Bruttoendener-gieverbrauch zu erreichen. Das Energie- und Klimapaket von 2009 beschreibt die energie- und klimapolitischen Manah-men, mit denen seither erhebliche Fortschritte bei der Zielerreichung realisiert wurden (EU-Kommission 2014b).

    EU-Emissionshandel

    Der EU-Emissionshandel ist das zentrale Klimaschutz- Instrument im emissionshandelspflichtigen Bereich. Um

    CO2-Emissionen in der Energiewirtschaft und energieinten-siven Industrie zu senken, sind Anlagen in diesen Sektoren ab einem bestimmten Schwellenwert emissionshandels-pflichtig. Der Emissionshandel ist seit 2005 auf europischer Ebene angesiedelt. Die zuletzt geringen Zertifikatspreise im Handelssystem hemmen jedoch die Anreizwirkung fr Investitionen in emissionsrmere Energietechnologien.

    III.3.1.1 Europischer Energiebinnenmarkt

    Ein gemeinsamer europischer Energiebinnenmarkt schafft Vorteile fr alle Energieverbraucher. Er ermglicht mehr Auswahl, niedrigere Preise und eine hhere Versor-gungssicherheit fr Unternehmen und Haushalte. Zudem verbessert ein funktionierender Binnenmarkt die wettbe-werblichen Rahmenbedingungen und frdert weiteres Wachstum und Beschftigung.

    Der Energiebinnenmarkt hilft, die Standortvorteile der europischen Regionen bei Strom und Gas auszuschpfen.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE146

    Im Binnenmarkt knnen schwankende Stromeinspeisungen besser ausgeglichen werden. Auch bei Gas schafft der grenz-berschreitende Gashandel mit allen Nachbarlndern Vor-teile fr Verbraucher und Unternehmen. Deutschland ent-wickelt sich innerhalb der EU als grtes Transitland fr Gas und wird zu einer der wichtigsten Gas-Drehscheiben.

    Die Europische Union hat die Weichen fr den europi-schen Energiebinnenmarkt gestellt. Diese Entwicklung auf Grundlage verschiedener Richtlinien und Verordnun-gen begann bereits Mitte der 1990er Jahre. Zuletzt wurde im Jahr 2009 das sogenannte Dritte Binnenmarktpaket fr Strom und Gas verabschiedet. Deutschland hat dessen Vor-gaben bereits im Sommer 2011 durch eine Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes umgesetzt.

    III.3.1.2 EU-Strombinnenmarkt

    Fr das Gelingen der Energiewende ist das weitere Zusammenwachsen der europischen Strommrkte von groer Bedeutung. Engere grenzberschreitende Verbin-dungen erhhen die Effizienz des Gesamtsystems und zugleich die Versorgungssicherheit.

    Grenzberschreitende Stromflsse

    Stromaustausch zwischen Deutschland und seinen Nach-barn sowie Drittstaaten findet zwischen verschiedenen Stromgebotszonen statt. Der Handel ist rege und europi-

    siert sich immer weiter. Unter anderem wegen der stark wachsenden Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, die mit sehr geringen Grenzkosten im Wettbewerb in der Regel vor anderen Erzeugern zum Einsatz kommen, wird erwartet, dass knftig insbesondere der grenzberschrei-tende Intraday-Handel an Bedeutung gewinnen wird. Der Stromaustausch trgt als eine sogenannte Flexibilittsop-tion des Strommarktes dazu bei, dass die Einspeisung dar-gebotsabhngiger erneuerbarer Energien ausgeglichen wer-den kann.

    In einem funktionierenden Binnenmarkt orientieren sich die kommerziellen Stromflsse an Preisunterschieden zwischen den Lndern. Im Strommarkt variieren die Preise innerhalb weniger Stunden sehr stark. Steigende Stromex-porte und -importe sind deshalb Ausdruck eines funktio-nierenden Strommarktes.

    Die grenzberschreitenden physikalischen Stromflsse nahmen zuletzt zu (siehe Abbildung III.3.1). ber das Jahr verteilt schwanken diese Stromflsse erheblich, so dass Deutschland zu bestimmten Zeiten Strom exportiert und zu bestimmten Zeiten importiert. Grnde sind insbeson-dere die Fluktuationen des Stromverbrauches und der Einspeisung erneuerbarer Energien.

    Im Jahressaldo ist Deutschland groer Stromexporteur. Im Verhltnis zu den einzelnen Nachbarlndern ist Deutschland sowohl Stromimporteur als auch -exporteur. Betrachtet man die physikalischen Jahresstrommengen, ist Deutschland vor allem Exporteur fr die Niederlande,

    -60

    -40

    -20

    0

    20

    40

    60

    80

    2013201220112010200920082007200620052004200320022001

    Abbildung III.3.1: Physikalische Stromsse in den Grenzkapazitten in TWh

    Quelle: European Network of Transmission System Operators for Electricity

    physikalischer Import Saldo physikalischer Export

    40,3 40,748,8

    46,6

    56,9 60,8 58,2 57,449,8 53,7 50,2

    61,666,5

    35,843,148,6

    40,839,839,443,545,352,743,544,845,342,7

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 147

    sterreich, die Schweiz, Polen, Dnemark und Luxemburg. Gegenber Frankreich und Tschechien importiert Deutsch-land Strom.

    Handelsflsse

    Der Wert der Stromausfuhr liegt seit Lngerem ber dem Wert der Stromeinfuhr. Handelsflsse sind nicht mit grenzberschreitenden physikalischen Stromflssen gleichzusetzen, da diese nicht zwingend auf einem Han-delsgeschft beruhen, sondern auch technisch bedingt sein knnen. Die Handelsflsse hatten im Jahr 2013 einen Wert von 1,8 Milliarden Euro bei der Stromeinfuhr nach Deutschland und 3,8 Milliarden Euro bei der Stromausfuhr. In den Vorjahren lag der Wert der Stromeinfuhren noch deutlich ber 2 Milliarden Euro. Der Wert der Stromaus-fuhren ist gegenber dem Vorjahr 2012 leicht gestiegen (siehe Tabelle III.3.1).

    Marktkopplung

    Im vortgigen Stromhandel sind bereits drei Viertel des europischen Marktes verbunden. Das Marktkopplungs-projekt in Nord-West-Europa (NWE DA MC) wurde im Feb-ruar 2014 gestartet. Es umfasst die Lnder Skandinaviens, Deutschland, Frankreich, Niederlande, Belgien, Luxemburg, und Grobritannien. Im Mai 2014 wurde die Region Spa-nien und Portugal integriert.

    Die Marktkopplung fr den vortgigen Stromhandel in Europa wird weiter ausgebaut. Die bestehenden physikali-schen Verbindungen zwischen den Grenzen werden so mglichst optimal genutzt. In gekoppelten Gebieten kn-nen die vorhandenen Grenzkuppelkapazitten besser aus-genutzt werden und nichtzielgerichtete Zuweisungen von Stromflssen vermieden werden. Sich annhernde Preise bis hin zur stundenweisen Preisgleichheit in verschiedenen Preiszonen sind Indikatoren fr diese Entwicklung.

    Technische Standardisierung

    Neue einheitliche Regelwerke fr die Netznutzung wer-den erarbeitet. Die europischen bertragungsnetzbetrei-ber haben mit der Erarbeitung dieser Netzkodizes Strom begonnen, die sich aus Vorgaben des Dritten EU-Binnen-marktpakets ergibt. Um Mrkte zusammenzuschlieen, mssen bestimmte technische Mindeststandards geschaffen werden. Dadurch werden Handels- und Marktzutrittsbarri-eren abgebaut und die Integration der europischen Strommrkte vorangetrieben.

    Tabelle III.3.1: Import- und Exporterlse aus dem Handel mit Strom

    JahrExport TWh

    Export Mrd. Euro

    ImportTWh

    ImportMrd. Euro

    2010 58,1 3,1 40,5 2,0

    2011 54,5 2,9 48,5 2,5

    2012 66,6 3,7 43,8 2,3

    2013 71,8 3,8 36,9 1,8

    Quelle: Statistisches Bundesamt, Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie

    III.3.1.3 Energieinfrastrukturen

    Ein funktionierender europischer Binnenmarkt erfordert Infrastrukturen, die leistungsfhige und grenzberschrei-tende Energienetze bilden. Durch eine hinreichende Ver-netzung zwischen den EU-Staaten knnen Angebot und Nachfrage nach Strom und Gas grenzberschreitend opti-mal zum Ausgleich gebracht werden.

    Grenzberschreitende Netzinfrastrukturen

    Die erste unionsweite Liste von Vorhaben von gemeinsa-mem Interesse trat im Januar 2014 in Kraft (siehe Kapitel III.2.1.10 ). Das Instrument der unionsweiten Liste ist in den EU-Leitlinien fr die transeuropische Energieinfrastruk-tur verankert. Die Liste wird alle zwei Jahre aktualisiert. In ihr sind Vorhaben fr den europischen Netzausbau benannt. Im Vordergrund der Vorhaben im Strom- und Gasbereich stehen Manahmen zur Verbesserung der Ver-sorgungssicherheit in den Mitgliedstaaten.

    Mit Phasenschiebern werden die Energieflsse besser kon trolliert und gesteuert und ungewollte Ringflsse ver-hindert. Mit Phasenschiebern soll Strom daran gehindert werden, aus physikalischen Grnden ungeplant und unab-hngig von Handelsgeschften ber die Grenzkuppelstellen zu flieen (sog. Ringflsse). Sowohl an deutsch-polnischen als auch an deutsch-tschechischen Verbindungsleitungen ist der Bau von Phasenschiebern geplant. Bis zur Inbetrieb-nahme dienen virtuelle Phasenschieber als bergangsl-sung. Damit wird durch gezielte Eingriffe der bertra-gungsnetznetzbetreiber ein Phasenschieberbetrieb an der deutsch-polnischen Grenze simuliert. Seit 2013 werden so auf Anweisung der bertragungsnetzbetreiber in Deutsch-land und Polen Kraftwerke gezielt gesteuert (grenzber-schreitendes Redispatch-Regime), um die Grenzkuppel-leitungen und insbesondere die polnischen Stromnetze zu entlasten.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE148

    III.3.2 Weiterentwicklung der EU-Energiepolitik

    Die Umsetzung der im Energiekonzept beschlossenen Ziele erfordert einen verlsslichen europischen Rahmen.

    III.3.2.1 EU-Klima- und Energiepolitik: Gemeinsame 2030-Ziele

    Der Europische Rat einigte sich im Oktober 2014 auf ein Klima- und Energiepaket fr 2030. Der Umbau der Ener-gieversorgung in Europa und die Schaffung von Investiti-onssicherheit bentigt ein gemeinsames Verstndnis ber den zuknftigen Rahmen der Klima- und Energiepolitik. Vor diesem Hintergrund hat sich der Europische Rat im Oktober 2014 auf ein umfassendes Klima- und Energiepaket fr 2030 geeinigt. Dies umfasst ein verbindliches Klimaziel zur EU-internen Treibhausgas-Minderung von mindestens 40 Prozent. Ebenfalls beschlossen wurde ein auf EU-Ebene verbindliches Ziel fr den Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch von mindestens 27 Prozent sowie ein indikatives EU-Energieeffizienzziel in Hhe von ebenfalls mindestens 27 Prozent. Die Entscheidung des Europischen Rates zum 2030-Rahmen ist eine wichtige Weichenstellung, um die begonnene Entwicklung in Europa hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung weiterzufhren. Sie ist auch wichtige Voraussetzung, um Europa sowohl sprach- und verhandlungsfhig fr die internationalen Klimaver-handlungen in Paris in 2015 zu machen und die Wettbe-werbsfhigkeit des Standortes Europa zu sichern und zu frdern. Das Klimaziel ist als Mindestziel formuliert.

    Neben dem ambitionierten Klimaziel wurden eigenstn-dige Ziele fr erneuerbare Energien und Energieeffizienz vereinbart. Bezglich des verbindlichen EU-Ziels fr erneu erbare Energien wird es nun darum gehen, dieses mit einer verlsslichen Governance-Struktur zur Zielerfllung zu hinterlegen. Der Europische Rat hat zudem ausdrck-lich betont, dass es den Mitgliedstaaten freisteht, sich natio-nal hhere Ziele zu setzen. Das ist insbesondere fr Deutsch-land ein wichtiger Erfolg, da damit auch auf europischer Ebene Rechtssicherheit fr die Energiewende-Ziele fr erneuerbare Energien und Energieeffizienz hergestellt wer-den konnte. Fr das europische Energieeffizienzziel wurde zudem bereits jetzt eine berprfung bis sptestens 2020 beschlossen, mit der Perspektive, das gemeinsame Ziel auf 30 Prozent zu erhhen.

    III.3.2.2 Reform des EU-Emissionshandel (ETS)

    Das europische Emissionshandelssystem muss rasch und nachhaltig reformiert werden. Mit der Reform des Emissionshandels soll erreicht werden, dass der Emissions-handel als zentrales europisches Klimaschutzinstrument

    seine Anreizfunktion erfllt. Die Bundesregierung setzt sich daher auf europischer Ebene intensiv fr eine ETS-Reform ein. Sie untersttzt den aktuellen Reformvorschlag der Kommission zur Einfhrung einer Markstabilittsreserve. Diese sollte allerdings deutlich frher nmlich bereits im Jahre 2017 eingefhrt werden, damit so schnell als mg-lich strkere Preissignale fr emissionsarme Erzeugungst-tigkeiten gesetzt werden. Zudem ist es notwendig, die 900 Millionen Emissionszertifikate aus dem sog. Backloading in die Marktstabilittsreserve zu berfhren. Andernfalls wachsen zum Ende dieser Handelsperiode im Jahr 2020 die Zertifikats-berschsse nach Berechnungen der EU-Kom-mission nochmals auf ca. 2,6 Milliarden an.

    Fr die Umsetzung der Reform des EU-Emissionshandels sind Anforderungen zu bercksichtigen. Die Reform des ETS wird dazu beitragen, die CO2-Preise zu stabilisieren und bermige Schwankungen zu vermeiden (siehe Kapi-tel II.6). Wichtig ist, dass die Rahmenbedingungen fr den EU-Emissionshandel in der Handelsperiode 20212030 so ausgestaltet werden, dass eine Standortverlagerung von Unternehmen aufgrund von Klimaschutzgrnden nicht stattfindet. Hierzu brauchen die Unternehmen schon zeit-nah Klarheit, da Investitionsentscheidungen heute schon von den Regelungen nach 2020 abhngen. Diese Regelun-gen mssen sowohl die direkte als auch die indirekte Kos-tenbelastung adressieren und Unternehmen in diesen Sek-toren sollten keine unverhltnismigen CO2-Kosten tragen, die zu Carbon Leakage fhren. Die Benchmarks fr die kostenlose Zuteilung sollten regelmig berprft und kostenlose Zuteilungen sollten entsprechend dem tech-nologischen Fortschritt in den betroffenen Industriesekto-ren reduziert werden.

    III.3.2.3 Einen gemeinsamen EU-Energiemarkt schaffen

    Die europischen Mrkte fr Energie sollen weiter zusam-menwachsen. Der Beschluss, den Binnenmarkt im Jahr 2014 zu vollenden, erfordert weiterhin eine Reihe von Manahmen, um faktische Grenzen abzubauen. Ein zentra-ler Bestandteil fr den Strombereich ist die Weiterentwick-lung der Marktkopplung im vortgigen Handel.

    Die Marktkopplung soll alle EU-Mitgliedstaaten umfas-sen, die am gemeinsamen Stromnetz angeschlossen sind. Um dieses Vorhaben umzusetzen, wurden zunchst ein-zelne Regionen gekoppelt. An der bestehenden Verbindung der Regionen Zentral-West-Europa und Skandinavien sowie von Sd-West-Europa wird auch Italien bis voraus-sichtlich Ende des Jahres 2014 teilnehmen. Norwegen als Nicht-Mitgliedstaat nimmt ebenfalls teil.

    Die multiregionale Marktkopplung wird technisch in Richtung einer lastflussbasierten Marktkopplung weiter-entwickelt. Ende November 2014 soll eine entsprechende

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 149

    Berechnungsmethode in der Region Zentral-West-Europa eingefhrt werden. Verstrkte Kooperation zwischen den beteiligten bertragungsnetzbetreibern wird die Anzahl der engpassrelevanten Netzbestandteile vorab reduzieren, wodurch mehr Leistungskapazitt an der Grenze zur Verf-gung gestellt wird.

    III.3.2.4 Beschleunigter Ausbau der europischen Energienetze

    Die grenzberschreitende Netzinfrastruktur muss euro-paweit ausgebaut und modernisiert werden. Das gilt ins-besondere fr die Grenzkuppelstellen. Dafr setzt sich die Bundesregierung ein. Denn fr einen ungehinderten grenz-berschreitenden Handel fehlt es derzeit mitunter an freien Kapazitten in den bestehenden Strom- und Gaslei-tungen.

    Der Netzausbau zwischen den Mitgliedstaaten wird fort-gesetzt. Dies erfolgt, indem neue Leitungen aufgebaut und vielfach auch ber die Grenzen hinweg neue Technologien zum Einsatz kommen, wie u. a. neuartige Hochspannungs-Gleichstrom-bertragung, Hochtemperaturleitseile und Temperatur-Monitoring.

    Die Rahmenbedingungen fr transeuropische Ener-gieinfrastrukturvorhaben mssen weiter verbessert wer-den. Hierfr setzt sich die Bundesregierung auf europi-scher Ebene ein. Eine wichtige Grundlage hierfr schafft die Verordnung zu Leitlinien fr die transeuropische Energieinfrastruktur.

    Offshore-Grid

    Deutschland engagiert sich weiter in der Initiative fr ein Nordsee-Netz. Darin koordinieren die Nordsee-Anrainer-staaten ihre Planungen ber den Ausbau von Leitungen im Meer. Erfllt dieser Ausbau entsprechende Voraussetzungen, kann mittelfristig ein vielfltig nutzbares, stabiles Offshore-Netz entstehen. Entsprechende Netzverbindungen knnten neben dem Abtransport des Stroms an Land auch der Kopp-lung von Handelsrumen dienen. Zur Klrung der zahlrei-chen technischen und regulatorischen Fragen (z. B. bezglich Kapazittszuweisungen, eines mglichen Engpassmanage-ments oder Abregelungsvereinbarungen, usw.) arbeitet die Bundesregierung auf einvernehmliche Lsungen mit den Nordsee-Anrainern hin.

    Zehn-Jahre-Netzentwicklungsplne

    Der zweite europaweite Zehn-Jahres-Netzentwicklungs-plan wird vorgelegt. Der durch den Verband der Europi-schen bertragungsnetzbetreiber ENTSO-E erarbeitete

    Plan dient dazu, die Integration der Mrkte netztechnisch abzusichern und zu intensivieren. Bei der Erstellung wer-den bestehende nationale Netzentwicklungs- und Investiti-onsplne bercksichtigt. Der Regional Investment Plan wird aus dem Netzentwicklungsplan abgeleitet und eben-falls im Dezember 2014 vorgelegt. Beide Plne sind recht-lich nicht verbindlich, jedoch sind nationale Netzentwick-lungsplne an europische Planungen anzupassen. Die Plne sind damit auch eine Basis fr die Erstellung der deutschen Netzentwicklungsplne (siehe Kapitel III.2.1).

    Stromausaustauch mit den Alpenlndern und Skandinavien, Nutzung von Speicherkapazitten

    Vorhandene groe Wasserkraftpotenziale in Norwegen und in den Alpen bieten die Mglichkeit, schwankende Strom-versorgung aus volatilen Quellen zu ergnzen.

    Wasserkraftwerke in den Alpen sowie Speicherkraftwerke bleiben wichtig. Dennoch ist ihre Marktlage gegenwrtig schwierig. In Zeiten von berkapazitten ist der Ausgleich der Produktion nicht auf das vorbergehende Speichern des Produktes angewiesen. Die Kraftwerke in Form von Pumpspeicherkraftwerken bzw. Stauseen sind im Fall der sterreichischen Kraftwerke direkter Teil der deutsch-ster-reichischen Preiszone. Andere Kraftwerke wirken durch grenzberschreitende Leitungen indirekt auf den deutschen Markt. Das Alleinstellungsmerkmal entsprechender Anlagen, schnelle Produktionsanpassungen durchzufhren, kann auch auf anderen Wegen geleistet werden. So ist die Flexibi-litt des konventionellen Kraftwerksparks deutlich angestie-gen. Die zunehmende grenzberschreitende Marktintegra-tion steigert zustzlich die Flexibilitt des Strommarktes.

    Eine engere Verbindung mit dem skandinavischen Markt bringt Vorteile. Die erste Seekabelverbindung Nord.Link zwischen Norwegen und Deutschland knnte nach der Erteilung der Lizenzen und Genehmigungen an das Projekt-konsortium aus Statnett, TenneT und KfW nach derzeiti-gem Stand bis zum Jahr 2018 realisiert werden. Sie kann einen besseren Ausgleich und eine steigende Effizienz der Stromversorgung ermglichen. Mit dieser ersten direkten Verbindung zwischen den beiden Strommrkten wird ein weiteres Kapitel der deutsch-norwegischen Zusammenarbeit begonnen. Nord.Link wird zu mehr Versorgungssicherheit in beiden Lndern beitragen. Denn diese Verbindung ermg-licht den Austausch erneuerbarer Energien insbesondere von Wasserkraft und Windkraft. Damit wird ein wichtiges Projekt im Rahmen des Bundesbedarfsplans entscheidend vorangebracht.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE150

    III.3.3 Internationale Verflechtung und deutsche Energieauenpolitik

    Die deutsche Energieauenpolitik hat die internationale Verflechtung und die damit verbundenen Herausforderun-gen im Blick. Deutschland deckt derzeit mehr als zwei Drit-tel seines Energiebedarfs durch Importe. Mit der Energie-wende wird diese Importabhngigkeit reduziert (siehe Kapitel I.10.2). Dennoch wird die deutsche Volkswirtschaft auch mittelfristig weiter auf den Import fossiler Energietr-gern wie l, Kohle oder Gas angewiesen sein. Um die Abhn-gigkeit von einzelnen Lieferquellen zu senken, strebt die Bundesregierung an, neue Energielieferanten und Transport-routen zu erschlieen.

    Der Import von Strom aus erneuerbaren Energien wird eine zunehmende Rolle fr die Versorgungssicherheit einnehmen. Bei entsprechendem transeuropischen Netz-ausbau ergeben sich langfristig Optionen zur Erschlieung und Verknpfung weiterer Wind- und Solarstromstand-orte. Diese knnen in mgliche Stromimporte aus Lndern auerhalb der EU mnden.

    Die angestrebte Diversifizierung der Energiebezugsquel-len und Transportwege wird nur gelingen, wenn Investo-ren entsprechende Projekte realisieren. Die Bundesregie-rung sieht es daher als ihre Aufgabe, mit wichtigen Energierohstoff- und Transitlndern zusammenzuarbeiten, um fr derartige Projekte gnstige und stabile wirtschaftli-che Rahmenbedingungen zu schaffen.

    Die Energieauenpolitik der Bundesregierung ist zudem darauf gerichtet, Mitstreiter fr die Energiewende zu gewinnen. Nur wenn mglichst viele Lnder ihre Energie-versorgung nachhaltig gestalten, kann der globale Klima-schutz wirksam funktionieren. Um andere Lnder zu die-sem Weg zu ermutigen, mchte die Bundesregierung einen aktiven Austausch, um Konzepte, Instrumente und Erfah-rungen der Energiewende zu teilen. Um Lnder fr eine nachhaltige Energiepolitik zu gewinnen, mssen wir zei-gen, dass diese auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann (siehe Kapitel III.6).

    Die Bundesregierung ging in den letzten Jahren eine Reihe bilateraler Energiepartnerschaften ein. Partner sind dabei wichtige Energieerzeuger-, Energietransit- und Verbraucher-lnder. Beispiele sind u. a. die Partnerschaften mit Indien,

    China, Brasilien, Russland, Sdafrika, Marokko, Tunesien, Kasachstan und der Trkei. Diese bilateralen Energiepartner-schaften dienen der Erreichung der oben dargestellten Ziele der deutschen Energieauenpolitik. Strken der Zusammen-arbeit im Format der Energiepartnerschaften liegen in der Verknpfung hochrangiger Regierungsdialoge mit konkre-ter, zielorientierter Projektarbeit. Zudem werden die Wirt-schaft einbezogen und die Einzelaktivitten der Ressorts unter einem Dach gebndelt. Energieeffizienz und erneuer-bare Energien nehmen im Rahmen der Energiepartner-schaften einen zentralen Platz ein. Die Bundesregierung untersttzt die Partnerlnder, deren Energiesysteme umzu-bauen und zunehmend erneuerbare Energien und Energie-effizienzmanahmen zu nutzen. Dies entschrft den globa-len Wettbewerb um knapper werdende Energierohstoffe und schtzt das Klima. Zudem dient die Energiepolitik der nachhaltigen Entwicklung in den Partnerstaaten.

    Die Bundesregierung engagiert sich in den multilateralen Energieorganisationen und Foren. Wettbewerblich struk-turierte, offene und transparente Energiemrkte, effektiver Klimaschutz und Innovationen hin zu einer vorrangig auf erneuerbaren Energien basierenden Energieversorgung sind ein besonderes Anliegen der Bundesregierung. Ihr Engage-ment erfolgt im Rahmen der Internationalen Agentur fr Erneuerbare Energien (IRENA), der Internationalen Energie-agentur (IEA), dem Internationalen Energieforum (IEF), dem Renewable Energy Policy Network for the 21st Century (REN21), der International Partnership for Energy Efficiency Cooperation (IPEEC), der Initiative Sustainable Energy for All (SE4All) der Vereinten Nationen, der Baltic Sea-Region Energy Co-Operation (BASREC), der Internationalen Kon-ferenzen fr erneuerbare Energien (IRECs) sowie der Clean Energy Ministerial-Konferenzserie (CEM). Der energiepoliti-sche Prozess im Rahmen der Gruppe der Sieben (G7) und der Gruppe der Zwanzig (G20) wird seitens der Bundesregierung in Abstimmung mit anderen Ressorts durch das Bun-desministerium fr Wirtschaft und Energie begleitet.

    Moderne Energietechnologien werden mit dem umfang-reichen Instrumentarium der Auenwirtschaftsfrde-rung untersttzt. Hinzu kommen die Exportinitiative fr Energieeffizienz und die Exportinitiative fr Erneuerbare Energien des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie. Denn ein weiteres Ziel der deutschen internatio-nalen Energiepolitik ist die Gewhrleistung offener Mrkte fr den Export moderner Energietechnologien.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 151

    III.3.4 Weiterentwicklung der internationalen Energieauenpolitik

    Eine kohrente deutsche Energieauenpolitik ist unver-zichtbar, um eine zuverlssige, bezahlbare und umwelt-schonende Energieversorgung zu gewhrleisten. Das gilt fr die Energieauenpolitik im bilateralen und multilatera-len Rahmen. Indem in den internationalen Energiebezie-hungen gegenseitige Abhngigkeiten erkannt und komple-mentre Interessen geschaffen werden, lassen sich Vertrauen, Solidaritt und Stabilitt in diesen Beziehungen aufbauen und festigen. Dies dient der dauerhaften Gewhrleistung der Versorgungssicherheit Deutschlands und Europas.

    Bilaterale Energiedialoge und Energiepartnerschaften bleiben Bestandteil der energieauenpolitischen Strate-gie. Der Abschluss einer weiteren Energiepartnerschaft mit Algerien ist aktuell in Vorbereitung.

    Deutschland wird sein Engagement in den multilateralen Organisationen und Foren fortsetzen. Im Jahr 2015 wird Deutschland die G7-Prsidentschaft innehaben und hier u. a. mit einem Energieministertreffen im Mai 2015 in Ham-burg auch in diesem Themenfeld Impulse setzen. Die bevor-stehende Klimakonferenz der Vereinten Nationen 2015 in Paris sowie die rasanten aktuellen Entwicklungen auf den internationalen Energiemrkten verdeutlichen die Rolle der internationalen Zusammenarbeit in der Energiepolitik.

  • 152

    III.4 Energiepreise und Energiekosten

    Die internationalen Preise fr energetische Rohstoffe beeinflussen die Energiepreise in Deutschland mageblich. Die langfristige internationale Preisentwicklung hngt von einer Reihe von Faktoren auf der Angebots- und Nachfragseite ab.

    Energieeinsparungen bilden die Basis, um zuknftig die Energieausgaben der privaten Haus halte und der Industrie zu senken. Die Energiekosten der Industrie werden neben der Preisentwicklung von der knftigen Kapazittsauslastung bestimmt.

    Die Voraussetzungen fr bezahlbare und wettbewerbsfhige Energiepreise werden verbessert. Die Politik entscheidet nicht ber die Energiepreise. Bestimmte Manahmen kn nen aber bezahlbare und wettbewerbsfhige Preise untersttzen. Dazu zhlen die Strkung des Wettbewerbs auf den Endkundenmrkten, die Reduzierung einseitiger Importabhngigkeiten, die Gestaltung staatlich bedingter Energiepreisbestandteile, die Steigerung der Energieeffizienz und Entlastungsregelungen fr die im internationalen Wettbewerb stehende Industrie.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 153

    Die Energiekosten sind in den letzten Jahren angestiegen. Steigende Preise auf den internationalen Energiemrkten waren eine wesentliche Ursache hierfr. Zugleich sind unter anderem mit Investitionen in den Ausbau der erneu-erbaren Energien weitere Kosten entstanden, die zu stei-genden Preisen beigetragen haben.

    Die Bundesregierung achtet auf eine wirtschaftlich ver-nnftige Umsetzung der Energiewende. Dies wird ma-geblich dazu beitragen, die Wettbewerbsfhigkeit unseres Landes zu strken. Die EEG-Umlage wird 2015 erstmals leicht zurckgehen. Die Kostendynamik der vergangenen Jahre ist gebrochen worden.

    Die Modernisierung der Energieversorgung ermglicht Kostensenkungen. Durch Effizienzverbesserungen kann der Verbrauch gesenkt werden. Zusammen mit einer Ener-gieerzeugung, die verstrkt auf erneuerbaren Energien basiert, knnen fossile Brennstoffe eingespart werden, deren Weltmarktpreise im Trend steigen und Schwankun-gen unterliegen werden.

    III.4.1 Manahmen fr wettbewerbsfhige und bezahlbare Energiepreise

    Wirtschaftspolitische Manahmen fr Bezahlbarkeit und Wettbewerbsfhigkeit mssen nationale und internationale Preis- und Kostenentwicklungen bercksichtigen. Gleich-zeitig knnen einzelne Manahmen derartige Entwicklun-gen erheblich beeinflussen.

    In Deutschland bestehen Grund- und Ersatzversorgung. Dies stellt sicher, dass prinzipiell jeder Haushaltskunde Strom oder Erdgas zu den Allgemeinen Bedingungen und Preisen erhlt. Die Konzepte sind in 36 EnWG und 38 EnWG i.V.m. der Strom- und der Gasgrundversorgungsver-ordnung geregelt.

    Hilfebedrftige Verbraucher werden durch sozialpoliti-sche Manahmen untersttzt. Durch das Sozialrecht wird der Energiebedarf von Empfngern staatlicher Transferleis-tungen angemessen gesichert. Im Rahmen der Existenzmi-nimumsicherung (Sozialhilfe und Grundsicherung fr Arbeitsuchende) wird die Entwicklung der Energiepreise bei der Ermittlung und Fortschreibung der Regelbedarfe bzw. Regelbedarfsstufen bercksichtigt. Kosten fr Energie

    zu Heizzwecken werden daneben im Rahmen der Kosten der Unterkunft nach SGB II und XII in tatschlicher Hhe bernommen, soweit die Aufwendungen angemessen sind.

    III.4.1.1 Strkung von Wettbewerb auf den Endkundenmrkten

    Der gemeinsame europische Energiebinnenmarkt wird fr die Endverbraucher in Deutschland immer bedeut-samer. Denn eine hohe Wettbewerbsintensitt auf der Angebotsseite wirkt preisdmpfend auf Endkundenmrkte fr Energie. Die Bundesregierung untersttzt die zgige Vollendung des Energiebinnenmarktes, um mehr Wettbe-werb und Auswahl zwischen den verschiedenen Anbietern sowie niedrigere Preise zu ermglichen. Die hierfr erfor-derlichen Schritte werden rasch und wirksam umgesetzt (siehe Kapitel III.3).

    Nehmen die Verbraucher aktiv am Marktgeschehen teil, lassen sich mehr Wettbewerb und niedrigere Preise errei-chen. Dies betrifft sowohl die Endverbrauchermrkte fr Strom und fr Gas wie auch die Kraftstoffmrkte. Verbrau-cher knnen ohne grere Hemmnisse vom bisherigen Anbieter zu einem preisgnstigeren Anbieter wechseln. Dies ist Dreh- und Angelpunkt fr mehr Wettbewerb. Damit diese Mglichkeit wahrgenommen werden kann, bedarf es klarer Verbraucherrechte und gut zugnglicher Informationen.

    Die von der Bundesregierung anerkannte Schlichtungs-stelle Energie e.V. untersttzt den fairen Wettbewerb. Ver-braucher knnen sich bei Streitfllen im Zusammenhang mit der Belieferung mit Strom und Gas, z. B. beim Wechsel des Energieversorgers, an die Schlichtungsstelle Energie e. V. wenden. Streitigkeiten zwischen Verbrauchern und Unter-nehmen ber die Energielieferung, den Netzanschluss oder die Messung von Energie werden dort auergerichtlich geschlichtet. Fr den Verbraucher ist die Untersttzung kostenlos.

    Die Bundesregierung strkt den Wettbewerb auf den Energiemrkten mit der Einrichtung von Markttrans-parenzstellen. Diese erheben fortlaufend relevante Daten. So knnen sie mglichen Marktmachtmissbrauch und Preismanipulationen besser und schneller aufdecken,. Die Rechtsgrundlagen zur Einrichtung der Markttransparenz-stellen sind bereits 2012 im Gesetz gegen Wettbewerbsbe-schrnkungen geschaffen worden.

    Dank der Markttransparenzstelle im Kraftstoffstoffbe-reich knnen Autofahrer die aktuellen Kraftstoffpreise in Echtzeit online abrufen. Sie knnen damit gezielt die gns-tigste Tankstelle auswhlen. Grundlage hierfr ist, dass die Markttransparenzstelle im Kraftstoffbereich Meldedaten privaten Verbraucher-Informationsdiensten zur Verfgung

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE154

    stellt, die ihrerseits Verbraucherinnen und Verbraucher aktu-ell ber nderungen der Tankstellenpreise informieren. Die Markttransparenzstelle fr Kraftstoffe ist beim Bundeskar-tellamt angesiedelt.

    Die Markttransparenzstelle fr den Grohandel mit Strom und Gas berwacht die nationalen Grohandels- und Erzeugungsmrkte von Strom und Gas. Diese Aufgaben nehmen Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt einver-nehmlich wahr. Daneben nimmt die Bundesnetzagentur auch die Aufgaben nach der EU-Verordnung ber die Integri-tt und Transparenz des Energiegrohandelsmarkts von 2011 wahr.

    III.4.1.2 Reduzierung einseitiger Importabhngigkeiten

    Bei Importen fossiler Energietrger dmpft der Wettbe-werb die Preise. Minerall, Erdgas und Steinkohle werden zu einem sehr groen Anteil nach Deutschland importiert. Auch wenn mit der Energiewende diese Importabhngig-keit schrittweise zurckgehen wird (siehe Kapitel I.10), wird die deutsche Volkswirtschaft mittelfristig weiterhin fossile Energietrger importieren mssen. Um die Abhn-gigkeit von einzelnen Lieferquellen zu senken, strebt die Bundesregierung an, neue Energielieferanten und Trans-portrouten zu erschlieen (siehe Kapitel III.3).

    III.4.1.3 Ausgewogene Gestaltung staatlich bedingter Energiepreisbestandteile

    Der Einfluss der Energie- und Steuerpolitik auf die Ener-giepreise wird im Blick behalten. Energiepreise spiegeln neben den Erzeugungs- und Vertriebskosten auch die staat-lich veranlassten und regulierten Preisbestandteile wider. Dazu zhlen Netzentgelte bei Strom und Gas sowie staatlich veranlasste Abgaben. Insbesondere bei den Strompreisen haben die staatlich veranlassten Preisanteile in den letzten Jahren zu Preisanstiegen beigetragen (siehe Kapitel I.8). Investitionen, die fr den Umbau der Energieversorgung notwendig sind, werden ber Umlagen finanziert, die die Letztverbraucher ber die Energiepreise tragen. Dazu zh-len u. a. die EEG-Umlage, die fr die Frderung der erneuer-baren Energien auf die Endverbraucher umgelegt wird, sowie Netzentgelte, mit denen Betrieb, Erhaltung und Erweiterung der Stromnetze finanziert werden. Da die Stromsteuer in den letzten Jahren in der Hhe gleich geblie-ben ist, ist ihr Anteil am Strompreis zurckgegangen.

    Bei Stromnetzentgelten ist Planungs- und Rechtssicherheit geschaffen worden. Insbesondere durch die Einfhrung eines gestaffelten Netzentgelts mit der Stromnetzentgeltver-ordnung 2013 werden die energieintensiven Strom ver-braucher strker an den Netzkosten beteiligt. Die Festlegung der Entgelthhe dieser Verbrauchergruppe orientiert sich an

    deren besonders hohem und gleichmigem Stromver-brauch und den damit verbundenen Wirkungen auf die Netzauslastung. Die Stromnetzentgelte, deren Entgelthhe ber mehrere Jahre gesunken waren, sind zuletzt aufgrund von Sondereffekten leicht angestiegen (siehe Kapitel I.7).

    Die Offshore-Haftungsumlage finanziert Kosten eines verzgerten Netzanschlusses. Kosten, die nicht direkt vom Netzbetreiber oder vom Offshore-Windparkbetreiber zu verantworten sind, brauchen eine Finanzierung. Die Umlage wird seit 2012 erhoben (siehe Kapitel III.2). ber die hier genannten Umlagen und Abgaben hinaus sind wei-tere staatlich bedingte Preisbestandteile mit zu betrachten.

    Mit dem EEG 2014 wird der Kostenanstieg bei der Frde-rung gebremst. Mit dem sehr schnellen Ausbau der erneu-erbaren Energien war die EEG-Umlage angestiegen. Mit der seit dem 1. August 2014 in Kraft getretenen Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wird der Anstieg gebremst und zudem der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien fr alle Beteiligten planbarer gemacht. Weitere Reform-schritte werden folgen (siehe Kapitel II.2). So werden u. a. die erneuerbare und konventionelle Energieerzeugung auf einem gemeinsamen, funktionierenden Markt zusammen-gebracht, um sich im Wettbewerb zu beweisen (siehe Kapi-tel III.1). Damit werden auch Voraussetzungen geschaffen, um die staatlich bedingten Bestandteile des Strompreises knftig besser stabilisieren zu knnen.

    III.4.1.4 Steigerung der Energieeffizienz in Haushalten und Unternehmen

    Intelligente Manahmen zum Einsparen von Energie ent-lasten Verbraucher und strken die Wettbewerbsfhigkeit der Industrie. Damit spielt die Steigerung der Energieeffi-zienz eine Schlsselrolle fr die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende hin zu einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung. Mehr Energieeffizienz lsst sich durch einen ausgewogenen Mix verschiedener Instrumente errei-chen. Die Bundesregierung ist bestrebt, mglichst markt-wirtschaftliche und wirtschaftlich vertretbare Lsungen umzusetzen. Dazu wurden bereits eine Reihe von Manah-men in unterschiedlichen Bereichen auf den Weg gebracht. So haben Anreizprogramme und qualitativ hochwertige, unabhngige Beratungsangebote wie auch Verbrauchsstan - d ards und (Verbrauchs-)Kennzeichnungen zu Effizienzver-besserungen beigetragen (siehe Kapitel II.3).

    III.4.1.5 Entlastungsregelungen als Voraussetzung fr eine wettbewerbsfhige Industrie

    Wachstum und Beschftigung in Deutschland erfordern leistungsstarke und international wettbewerbsfhige Industrien. Sie sind regelmig ein Grund fr die Ansied-

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 155

    lung nachgelagerter Produktionsstandorte in Deutschland und damit indirekt verantwortlich fr die Schaffung und den Erhalt von Arbeitspltzen. Dies schliet auch solche Wertschpfungsketten ein, die den Umbau der Energiever-sorgung in Deutschland ermglichen.

    Unternehmen, die in Deutschland produzieren und im internationalen Wettbewerb stehen, brauchen faire Wett-bewerbsbedingungen. Die Produktion hochwertiger Gter und Anlagen ist eine traditionelle Domne Deutschlands. Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Brutto-wertschpfung lag im Jahr 2013 bei rund 22 Prozent. Die deutsche Industrie ist in hohem Mae exportorientiert und damit auch exportabhngig. In vielen Branchen wird mehr als die Hlfte der Produktion ins Ausland verkauft.

    Entlastungsregelungen leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Erhalt des Industriestandorts Deutschland. Die Energiepreise in Deutschland sind im Vergleich zu vie-len anderen Staaten relativ hoch. Dadurch knnen Unter-nehmen, die in Deutschland produzieren, Nachteile gegen-ber Unternehmen an Konkurrenzstandorten haben. Um eine Abwanderung von Unternehmen ins Ausland zu ver-meiden, wurden bei einzelnen Entlastungsregelungen gesetzliche Anpassungen vorgenommen.

    Die stromintensiven Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, erhalten ihre durch den Emissions-handel erhhten Stromkosten teilweise erstattet. Die Kom-pensation richtet sich dabei in Hhe und Adressatenkreis nach den Vorgaben der Beihilfeleitlinien der Europischen Kommission vom Mai 2012. Der deutschen Regelung wurde im Juli 2013 die beihilferechtliche Genehmigung erteilt.

    Der Spitzenausgleich bei Energiesteuer und Stromsteuer wurde neu geregelt (siehe Kapitel II.3). Die Neuregelung trat zum Jahr 2013 in Kraft. Die geforderten Gegenleistun-gen der Unternehmen gehen ber die zuvor geltenden Vor-aussetzungen fr den Spitzenausgleich hinaus. Danach wird Unternehmen des Produzierenden Gewerbes der Spit-zenausgleich bei der Energiesteuer und der Stromsteuer nur noch gewhrt, wenn das Produzierende Gewerbe ins-gesamt bestimmte Effizienzanforderungen erfllt. Der Spit-zenausgleich ist zudem an Einfhrung und Betrieb von Energie- bzw. Umweltmanagementsystemen in den Unter-nehmen geknpft. Bei kleinen und mittleren Unternehmen knnen dies auch alternative Systeme zur Verbesserung der Energieeffizienz sein, die mit geringeren inhaltlichen Anforderungen verbunden sind.

    Stromintensive Unternehmen des Produzierenden Gewerbes knnen eine Begrenzung der EEG-Umlage beantragen. Dies gilt fr solche Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen. Hierdurch werden die Belastungen fr die betroffenen Unternehmen begrenzt. Mit der Neuregelung der Besonderen Ausgleichsregelung

    2012 wurde der Anwendungsbereich dieser Regelung zunchst ausgeweitet, wodurch sich die insgesamt befreite Strommenge jedoch nur geringfgig erhht hat. Die Beson-dere Ausgleichregelung wurde 2014 unter Bercksichti-gung der novellierten Umwelt- und Energiebeihilfeleitli-nien der EU-Kommission grundlegend neu geregelt (siehe Kapitel II.3).

    III.4.2 Ausblick

    III.4.2.1 Internationale Rohstoffpreise

    Die fr die Endverbraucher in Deutschland mageblichen Energiepreise hngen wesentlich von der Entwicklung der internationalen Preise fr die energetischen Rohstoffe l, Gas und Steinkohle ab. Diese Preise fr die energetischen Rohstoffe wiesen seit der Jahrtausendwende insgesamt einen deutlich steigenden Trend auf (siehe Kapitel I.8).

    Rohl

    Die langfristige Entwicklung des lpreises ist mit Unsi-cherheiten verbunden. Diese Unsicherheiten hngen von der Entwicklung der einzelnen Faktoren des lpreises ab. Nachfrageseitig zhlen dazu insbesondere das knftige weltwirtschaftliche Wachstum und damit einhergehende Energieverbrauchsmuster sowie die knftigen global vor-herrschenden Strategien in der Energie- und Umweltpolitik. Die Rohlnachfrage wird vor allem durch einen deutlichen Verbrauchsanstieg in den Entwicklungs- und Schwellenln-dern weiter wachsen. Angebotsseitig stellen die Produktion von l aus unkonventionellen Quellen sowie das Verhalten der OPEC-Staaten wichtige Faktoren dar.

    Erdgas

    Die Bindung des Gaspreises an den lpreis ist in den letz-ten Jahren schwcher geworden. Aufgrund vertraglicher Bindungen folgen die Gaspreise bisher teilweise den Ent-wicklungen der lpreise. Die erheblichen Neuerschlieun-gen unkonventioneller Gasquellen in Nordamerika fhren jedoch dazu, dass diese Bindungen schwcher geworden sind. Auf Seiten des europischen Erdgasangebots werden sich die Frdermengen, z.B. in den Niederlanden und Gro-britannien, voraussichtlich rcklufig entwickeln. Der glo-bale Handel mit verflssigtem Erdgas knnte zunehmen und zu einer gewissen Preisangleichung zwischen (Nord-) Amerika, Europa und Asien beitragen. Zugleich drfte die Erdgasnachfrage in Asien weiter ansteigen. In Europa wird mittelfristig eine abnehmende Gasnachfrage vor allem im Raumwrmesektor erwartet. Diese Erwartung hngt mit Verbesserungen bei der Energieeffizienz und der Einfh-rung alternativer Heizungssysteme zusammen.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE156

    Steinkohle

    Der gesunkene CO2-Preis erhht die Nachfrage nach Stein-kohle. Relativ niedrige Preise fr CO2-Emissionszertifikate machen die Stromerzeugung aus Kohlen attraktiv und erh-hen damit die europische Nachfrage nach Kesselkohle. Die Einfuhrpreise fr Steinkohle nach Deutschland sind seit 2012 gesunken. Global wird die Entwicklung des Marktes fr Kesselkohle von einer steigenden Nachfrage in Asien bestimmt. Angebotsseitig werden u. a. steigende Frderkos-ten in den wesentlichen Exportlndern erwartet. Braunkohle wird dagegen aufgrund ihrer geringeren Energiedichte und daraus resultierenden hohen Transportkosten nicht interna-tional gehandelt. Die heimisch gefrderte Braunkohle wird zu 90 Prozent grubennah verstromt. Ein internationaler Marktpreis existiert somit nicht.

    III.4.2.2 Zertifikatspreise im EU-Emissionshandelssystem

    Fr die knftigen Zertifikatspreise wird der weitere EU-Klimaschutzpfad im Rahmen der internationalen Klima-schutzpolitik relevant sein. Bei den EU-Emissionszertifika-ten fr Kohlendioxid fhrte die im Jahr 2007/08 einsetzende weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise zu sinkendem Ener-gieverbrauch und damit verbunden zu einem Rckgang der Zertifikatsnachfrage in der Energieerzeugung. Hinzu kam angebotsseitig ein umfangreicher Zufluss von Emissions-minderungskrediten aus den flexiblen Mechanismen des Kyoto-Protokolls. In der Folge sanken die Preise fr Emis-sionszertifikate zuletzt deutlich (siehe Kapitel I.8).

    III.4.2.3 Strompreise

    Strompreise werden durch verschiedene Faktoren beein-flusst. Hierzu zhlen marktgetriebene Vernderungen des Angebots und der Nachfrage, wie z. B. bei den Rohstoff- und CO2-Zertifikatspreisen. Ebenfalls bedeutsam sind regulato-rische Vorgaben, die im Strompreis als Steuern, Umlagen und Netzentgelte zum Ausdruck kommen. Die Strompreis-entwicklung fr die verschiedenen Verbrauchergruppen unterscheidet sich wesentlich danach, inwieweit sie im Ein-zelnen die staatlich veranlassten oder regulierten Preisbe-standteile zu tragen haben (siehe Kapitel I.8). Die weitere Frderung der erneuerbaren Energien ist mit der EEG- Novelle 2014 kosteneffizienter ausgestaltet worden. Unter-schiedliche Strompreise bei stromintensiven Industriekun-den ergeben sich durch Unterschiede in der Abnahme-menge und der Kontinuitt der Abnahme, die zwischen Stromversorger und Stromverbraucher individuell ausge-handelt werden, sowie durch die Netzebene, auf der die Stromabnahme erfolgt.

    III.4.2.4 Energiekosten der Industrie

    Die angestrebten Energieeinsparungen schaffen eine Grundlage fr knftige Kostensenkungen. Die knftigen Energiekosten der Industrie werden neben den dargestell-ten Preisentwicklungen auf den internationalen Beschaf-fungsmrkten sowie auf dem (Grohandels-)Strommarkt auch von der knftigen Kapazittsauslastung der Industrie bestimmt. Diese Auslastung folgt in der Regel der gesamt-wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Mittelfristig knnen strukturelle Vernderungen in den Industrien in den Einsatzverhltnissen der unterschiedlichen Energietr-ger zu Kostenvernderungen fhren. Die Energiebezugs-kosten der Industrie in Deutschland betrugen im Jahr 2013 rund 37,3 Milliarden Euro. Branchenbergreifend liegt der Anteil der Strombezugskosten seit einigen Jahren bei rund zwei Dritteln der Gesamtenergiekosten. Die Entwicklung der Energiekosten betrifft die einzelnen Wirtschaftszweige in unterschiedlichem Ausma (siehe Kapitel I.8).

    III.4.3 Energieausgaben

    Energieeinsparungen oder Anbieterwechsel knnen hel-fen, Energieausgaben zu senken. Die weitere Entwicklung der Energieausgaben der Haushalte ist von zahlreichen Faktoren abhngig. Dazu gehren einerseits uere Fakto-ren, wie der witterungsbedingte Wrmebedarf. Zum ande-ren knnen Haushalte ihre individuellen Energieausgaben zu einem gewissen Grad selbst beeinflussen. Energieeinspa-rungen oder der Wechsel zu gnstigeren Energieanbietern beziehungsweise -tarifen sind hier beispielhafte Ansatz-punkte (siehe Kapitel I.8).

    Die Entwicklung des Nettoeinkommens bleibt ein wichti-ger Faktor fr die Bezahlbarkeit von Energie. Im Trend der letzten Jahre sind sowohl die durchschnittlichen Ener-gieausgaben als auch die durchschnittlichen Einkommen gestiegen. Diese Entwicklung wird in Kapitel I.8 anhand von Berechnungen fr Musterhaushalte nachgezeichnet. Neben den Durchschnittsbelastungen bzw. dargestellten Ausgaben der Musterhaushalte kann die Gesamtkostenbe-lastung fr bestimmte Haushalte hher liegen, insbeson-dere wenn die Entwicklung des individuellen Einkommens nicht mit den Preis- bzw. Kostenerhhungen einhergeht. Die Berechnungen der Monitoring-Experten-Kommission zu den energiewirtschaftlichen Gesamtrechnungen zeigen, dass sich zumindest die Stromausgaben ber einen relativ langen Zeitraum vergleichsweise stabil entwickelt haben. Die Stromausgaben sind also in einem hnlichen Ausma gestiegen wie das Bruttoinlandsprodukt. Deutliche Anstie- ge gab es dagegen bei den relativen Ausgaben fr Gas und fr den Verkehr (siehe Stellungnahme der Experten-Kom-mission 2014). Die Bundesregierung wird die Entwicklung der Energiepreise und -ausgaben weiter sorgfltig beobach-ten.

  • 157

    III.5 Energieforschung und Innovationen

    Die Bundesregierung richtet die Energieforschung kon-sequent auf die Energiewende aus. Energieeffizienz und erneuerbare Energien werden damit zu Frderschwer-punkten.

    Durch die Bereitstellung von Finanzmitteln fr Forschung und Entwicklung wird die fhrende Position deutscher Unternehmen untersttzt.

    Die Rahmenbedingungen fr Innovationen und techni-schen Fortschritt werden verbessert. Sie befrdern den Beitrag der Energieforschung zur Energiewende sowie die zgige Umsetzung von Forschungsergebnissen in neue, marktfhige Energietechnologien.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE158

    Die Energieforschung trgt wesentlich zur Entwicklung von sicheren, bezahlbaren und umweltvertrglichen Technologien bei. Sie ist damit ein strategisches Element der Energiepolitik. Zukunftsweisende Innovationen sind entscheidend, um den Strukturwandel hin zu einer nach-haltigen Energieversorgung voranzubringen.

    Grundlagenforschung und die Frderung der Markt-durchdringung stehen im Mittelpunkt der Forschungspo-litik. Neben der Grundlagenforschung geht es vor allem darum, bei Effizienztechnologien, erneuerbaren Energien, Speichern und Netzen durch anwendungsorientierte For-schungsfrderung den Weg zur Marktdurchdringung zu ebnen. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die Reduzierung der Kosten.

    III.5.1 Manahmen der Energieforschungs- und Innovationspolitik

    Forschung und Entwicklung ist eine gemeinsame Aufgabe von Wirtschaft und Wissenschaft. Mit ihren Anstrengun-gen zur Erforschung und Entwicklung neuer Energietech-nologien erbringen Unternehmen und Forschungsein-richtungen einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen, der weit ber den einzelwirtschaftlichen Bereich hinaus positive Wirkungen entfaltet.

    Die Energieforschungspolitik setzt den Rahmen und fr-dert gezielt. Die Energieforschungspolitik in Deutschland und Europa schafft Rahmenbedingungen fr die notwen-digen Innovationen und greift dort frdernd ein, wo lang-fristige, strategische, gesamtgesellschaftliche berlegungen nicht mit den kurzfristiger orientierten konomischen Interessen von Unternehmen im Einklang sind. Darber hinaus setzt die Bundesregierung auf ausgewhlten The-menfeldern Anreize, um seitens der privaten Unternehmen zustzliche Forschungsmittel zu mobilisieren und seitens der Forschungseinrichtungen gezielt Grundlagenwissen fr die Energiewende zu generieren.

    III.5.1.1 Das Energieforschungsprogramm der Bundes-regierung

    Die Bundesregierung untersttzt Unternehmen und For-schungseinrichtungen. Das 6. Energieforschungspro-gramm frdert neue Technologien fr die Energieversor-gung von morgen (siehe Kapitel I.9).

    Beitrge zur Erfllung der energie- und klimapolitischen Vorgaben sind dabei ein prioritres Ziel. Es werden in ers-ter Linie Vorhaben in Bereichen und Technologien gefr-dert, die zur Steigerung der Energieeffizienz und zum Aus-bau der erneuerbaren Energien beitragen. ber 70 Prozent der Frdermittel flossen bisher in die der Bereiche Energie-effizienz und erneuerbare Energien. Im Zuge der Bnde-

    lung der Energiepolitik im Bundesministerium fr Wirt-schaft und Energie wurde auch die Zustndigkeit fr die anwendungsorientierte Forschungsfrderung im Bereich der erneuerbaren Energien dort integriert. Das Bundesmi-nisterium fr Bildung und Forschung koordiniert die Fr-derung der energietechnologischen Grundlagenforschung vor allem in den Bereichen Energieeffizienz und erneuer-bare Energien. Aufgabe der Frderpolitik ist es insbeson-dere, diese Technologien kostengnstiger zu machen und dadurch den Weg fr eine schnelle Marktdurchdringung zu ebnen.

    Die fhrende Position deutscher Unternehmen auf dem Gebiet moderner Energietechnologien wird gefestigt. In ausgewhlten Technologiebereichen soll diese Position weiter ausgebaut werden (siehe Kapitel I.10). Durch eine gezielte Ausrichtung der Energieforschungs- und Techno-logiepolitik auf die weltweite Entwicklung ergeben sich neue Mglichkeiten zur Flankierung der internationalen Klimaschutzpolitik der Bundesregierung sowie zur Unter-sttzung der Wachstums- und Beschftigungspolitik in Deutschland.

    Industrienahe Energieforschung sichert Wettbewerbsf-higkeit fr die deutsche Industrie. Die Bundesregierung hat begonnen, zu den einzelnen Forschungsschwerpunkten mit der Industrie in einen kontinuierlichen Dialog einzu-treten. Ziel ist es, die Forschungsmittel industrieorientiert einzusetzen, um die Wettbewerbsfhigkeit der deutschen Industrie mit einer strategischen Energieforschung zu erhhen.

    Technologische Optionen sollen gesichert und erweitert werden. Die Bundesregierung bekennt sich in ihrem Ener-giekonzept ausdrcklich zu einer grundstzlich technolo-gieoffenen, nichtnuklearen Energiepolitik. Mit einer breit angelegten Technologiefrderung leistet die Energiefor-schungspolitik einen wichtigen Beitrag zu einer gesamt-wirtschaftlichen Risikovorsorge.

    Die beteiligten Bundesressorts haben zuletzt auf neue Ent-wicklungen und Herausforderungen reagiert. Strategisch wichtige Themen der gemeinsamen Frderinitiativen Ener-giespeicher und Zukunftsfhige Stromnetze wurden unter dem Dach des Forschungsprogramms eingerichtet.

    Der Zweite Bundesbericht Energieforschung stellt die Akti-vitten der beteiligten Bundesministerien zusammenfas-send dar. Er prsentiert die vorgenommenen strukturellen und inhaltlichen Anpassungen der Energieforschung (BMWi 2014e). Der im August 2014 vorgelegte Bericht erfasst erst-mals auch Informationen zum EU-Forschungsrahmenpro-gramm sowie Aufwendungen der Lnder fr Forschung und Entwicklung nichtnuklearer Energietechnologien und ver-bessert die Transparenz bei ffentlichen Aufwendungen.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 159

    EnArgus ist das zentrale Informationssystem fr Ener-gieforschung und Energietechnologien der Bundesregie-rung. Das Informationssystem EnArgus wurde im Auf-trag des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie neu aufgebaut und strkt dir Transparenz der Frderpolitik. Es umfasst die Belegfhrung fr eine effiziente Mittelver-wendung sowie die Energieforschungsaktivitten in Deutschland. Das Informationssystem untersttzt auch Bewertungen von Energietechnologien fr die knftige Frderpolitik. Das EnArgus-Gesamtsystem bietet Informa-tionen fr die interessierte ffentlichkeit.

    Seit 2013 ist die Landkarte der Energieforschung im Rah-men des Internetauftritts des Bundesministerium fr Bildung und Forschung nutzbar. Die Landkarte der Energie-forschung schafft erstmals Transparenz ber die Leistungen der Energieforschung und das Knowhow der Forschungs-organisationen, Universitten und Fachhochschulen in Deutschland.

    III.5.1.2 Dialogforen der Bundesregierung

    Die Bundesregierung hat den Dialog mit den Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft intensi-viert. Zahlreiche Aspekte mssen in Einklang gebracht wer-den: technische Machbarkeit, wirtschaftliche Umsetzung, kologische Auswirkungen, gesellschaftliche Akzeptanz und energiepolitische Bedingungen. Um dies zu ermglichen, mssen alle Beteiligte des Innovationsprozesses frhzeitig einbezogen werden. Der stndige Dialog, Transparenz, die durch den Bundesbericht Energieforschung und andere Aktivitten untersttzt wird, und Koordination sind Schls-selfaktoren, um die drngenden Fragen der Energiewende mit Forschung zielgerichtet anzugehen. Auf dieser Basis knnen Forschungsmittel mglichst effizient eingesetzt werden, um die Energiewende erfolgreich auszugestalten und den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu strken.

    Mit der Neuausrichtung der Energiewende in der 18. Legis-laturperiode wurde die Plattform Forschung und Innova-tion gegrndet. Sie fhrt die AG Neue Technologien der ehemaligen Netzplattform und das bisherige Dialogforum Neue Energietechnologien fort. Ziel des neuen Forums ist es, die strategische Abstimmung der nationalen Akteure (Bund, Lnder, Wirtschaft) in Bezug auf Forschungs- und Frderprogramme zu intensivieren und die Bercksichti-gung europischer Manahmen im Rahmen des Strategi-schen Energietechnologie-Plans bzw. Horizont 2020 strker auszubauen. Auerdem wird die Plattform Barrieren beim Markteintritt neuer Technologien identifizieren und Hin-weise fr einen koordinierten und beschleunigten Einsatz innovativer Energietechnologien geben.

    Das Forschungsforum Energiewende adressiert vor allem die langfristige Ausrichtung der Energieforschung. Es startete im Mrz 2013. Das Forschungsforum Energie-wende bringt die Krfte aller Beteiligten zusammen, um die drngenden Fragen fr die Energieforschung koordiniert anzugehen und ein strker konzertiertes Handeln auf allen Ebenen zu ermglichen. Beteiligt sind Lnder, Wissen-schaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft das Forschungs-forum leistet eine wissenschaftsbasierte Politikberatung und wird eine Strategische Forschungsagenda vorlegen. Hieraus werden die forschungspolitischen Schlussfolgerun-gen mit Blick auf Strukturen, Instrumente und Themen fr die zuknftige Umsetzung in der Energieforschung gezo-gen. Die Forschungsagenda fliet in die Weiterentwicklung des Energieforschungsprogramms ein.

    Die Dialogplattform der Helmholtz-Gemeinschaft Deut-scher Forschungszentren (HGF) hat ihre Arbeit aktiv fortgesetzt. Vorrangig ging es um Erarbeitung der for-schungspolitischen Vorgaben fr die nchste Periode der Pro grammorientierten Frderung. Die 2013 verabschiedeten Vorgaben bilden die Grundlage fr die Erarbeitung gemein-samer Forschungsprogramme der Zentren, die 2014 evalu-iert wurden. Das international besetzte Gutachtergremium bescheinigt dem Forschungsbereich Energie, dass er fr die 2015 beginnende Frderperiode insgesamt sehr gut aufge-stellt ist.

    III.5.1.3 Energieforschung auf europischer Ebene

    Die europische Zusammenarbeit in der Energiefor-schung gewinnt an Bedeutung. Das 7. Forschungsrahmen-programm fr Forschung und Entwicklung als auch das Rahmenprogramm fr Wettbewerbsfhigkeit und Innova-tion der Europischen Union haben in der Frderperiode 2007 bis 2013 dazu beigetragen, die Ziele des Vertrages von Lissabon zu erreichen und Europas Wettbewerbsfhigkeit und Innovationskapazitt zu strken (siehe Kapitel I.9).

    Die Bundesregierung hat die Zusammenarbeit mit der Europischen Kommission und EU-Mitgliedstaaten intensiviert. Diese Zusammenarbeit erfolgte u. a. durch die Weiterentwicklung konkreter Projekte. Beispiele hierfr sind die gemeinsame Energieeffizienz-Frderinitiative von Deutschland und Finnland oder eine Zusammenarbeit mit sterreich und der Schweiz zu Energieeffiziente und intel-ligente Stdte der Zukunft. Der 2012 weiterentwickelte europische Strategieplan fr Energietechnologien (SET-Plan) bildet eine wichtige Grundlage fr die europische Zusammenarbeit.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE160

    III.5.1.4 Marktdurchdringung innovativer Energietechnologien

    Die Rahmenbedingungen werden verbessert. Der Beitrag der Energieforschung zur Energiewende steht in einem engen Zusammenhang zu guten Rahmenbedingungen fr Innovationen und technischen Fortschritt. Sie sind wesent-lich, um erfolgversprechende Forschungsergebnisse zgig in neue, marktfhige Energietechnologien umzusetzen. So werden Investitionen in innovative und hocheffiziente Energieeffizienzmanahmen wie energetische Sanierungen durch KfW-Programme angereizt. Das Ordnungsrechts wird regelmig angepasst und trgt dazu bei, dass veral-tete Technologien kontinuierlich aus dem Markt ausschei-den. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat bereits in allen Bereichen eine Wachstumsdynamik ausgelst, in deren Folge die Marktakteure in Produktionen und Tech-nologien der erneuerbaren Energien investiert haben. Eine verbesserte Marktintegration erneuerbarer Energien, wie sie im Fokus der EEG-Novelle 2014 stand, ist eine Voraus-setzung fr weitere innovative Technologieentwicklungen. Die Verbreitung der erneuerbaren Energien in der Wrme-erzeugung wird durch das Erneuerbare-Energien-Wrme-gesetz und das Marktanreizprogramm vorangetrieben.

    Eine fundierte Analyse der Innovationseffekte erfordert eine umfangreiche Datengrundlage. Ein mglicher Indi-kator, um Innovationswirkungen z. B. bei Erneuerbare-Energien-Technologien abzubilden, sind Kostensenkungen im Sinne sogenannter Lernkurveneffekte. Dazu wird die

    Entwicklung der Investitionskosten fr Erneuerbare-Ener-gie-Anlagen im Verhltnis zu den im Zeitverlauf installier-ten Kapazitten gestellt. Soweit mglich wird dazu ein Zusammenhang zwischen der beobachteten Kostendegres-sion und den installierten Kapazitten hergestellt (GWS, Prognos, EWI 2014).

    III.5.2 Forschungs- und Innovationspolitik zur Untersttzung der Energiewende

    Die Bundesregierung hat eine Reihe von Entscheidungen getroffen, um den tiefgreifenden Umbau des Energiesys-tems zu beschleunigen. Perspektivisch soll das Energiesys-tem das Fundament fr wirtschaftliche Entwicklung str-ken und zum wichtigen Impulsgeber fr Innovation und technologischen Fortschritt werden.

    III.5.2.1 Energieforschungsprogramm der Bundesregierung

    Die Bundesregierung richtet die Energieforschung konse-quent auf die Energiewende aus. Im Energieforschungs-programm werden neue, thematisch bergreifende und systemorientierte Forschungsanstze aufgegriffen, um zustzliche Potenziale fr den Innovationsprozess entlang der gesamten Wertschpfungskette zu erschlieen. Die Mittel im Energieforschungsprogramm werden verstetigt.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 161

    Aktuell wird das laufende 6. Energieforschungsprogramm weiterentwickelt. In die Weiterentwicklung fliet die Stra-tegische Forschungsagenda des Forschungsforums Energie-wende ein. Neben den bereits laufenden Forschungsinitia-tiven Energiespeicher und Zukunftsfhige Stromnetze wird eine neue Initiative zum Thema Solares Bauen / Energieeffiziente Stadt vorbereitet. Auerdem werden knftig verstrkt sogenannte systemorientierte For-schungsanstze angegangen. Auch die Abstimmung und Kooperation mit den Bundeslndern wird immer wichti-ger. Sie wird daher intensiviert, zum Beispiel im Rahmen einer gemeinsamen Bund-Lnder-Konferenz.

    Eine ressortbergreifende Frderinitiative zielt auf Wei-terentwicklung von Energiespeichern. Leistungsfhige Speicher sind notwendig, um die Einspeiseschwankungen der erneuerbaren Energien auszugleichen. Jedoch reichen die vorhandenen Kapazitten und die technologischen Mglichkeiten derzeit noch nicht aus. Auch sind viele Spei-chertechnologien zu teuer. Daher hat die Bundesregierung die ressortbergreifende Frderinitiative Energiespeicher ins Leben gerufen. In mehr als 250 Forschungsprojekten werden Energiespeicher weiterentwickelt und ihre Integra-tion in das bestehende System von Netzen, Kraftwerken und Verbrauchern vorbereitet. Konkrete Schwerpunkte sind unter anderem die Wind-Wasserstoff-Kopplung, Bat-terien in Verteilernetzen und thermische Speicher.

    Die Frderinitiative Zukunftsfhige Stromnetze entwi-ckelt neue Netztechnologien und Konzepte. Infolge des wachsenden Anteils erneuerbarer Energien geraten die heutigen Stromnetze immer mehr an ihre technischen Grenzen. Hhere bertragungsleistungen, Einspeise-schwankungen und eine verstrkt dezentrale Strompro-duktion machen neue Netztechnologien und -konzepte dringend erforderlich. Im Rahmen der Frderinitiative Zukunftsfhige Stromnetze werden wichtige Netztechno-logien wie beispielsweise optimierte bertragungs- und Verteiltechniken oder neue Konzepte zur Netzplanung und Betriebsfhrung untersucht und fortentwickelt. Die Bun-desministerien stellen bis zu 150 Millionen Euro fr die gemeinsame Initiative bereit. An den fr die Frderung vorgesehenen Vorhaben beteiligen sich ber 90 Hochschul-institute und Forschungseinrichtungen und ber 90 Unter-nehmen davon ber 40 kleine und mittlere Unterneh-men.

    Frdermanahmen zur Energieforschung werden noch transparenter gemacht. Der Bundesbericht Energiefor-schung wird weiterhin auf Jahresbasis Informationen zur Energieforschung fr die ffentlichkeit und das Parlament in einer einheitlichen Form bereitstellen.

    Die Bundesregierung frdert Forschung und Entwicklung von Technologien mit spezifischen Energiebezgen auch auerhalb des Energieforschungsprogramms. Dabei han-

    delt es sich um Anstze und Vorhaben, bei denen andere politische oder fachliche Ziele vorrangig sind. Eine beson-dere Rolle spielen dabei Manahmen des Bundesministeri-ums fr Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit in den stark energieabhngigen Aufgabenbereichen Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung. Das Bundesumweltminis-terium frdert mit eigenen Programmen und mit Unter-sttzung seiner Ressortforschungseinrichtungen die Ein-fhrung zukunftsfhiger Lsungen in die Praxis, wie beispielsweise die Weiterentwicklung und Markteinfh-rung des Gebudestandards Effizienzhaus-Plus .

    III.5.2.2 Energieforschung auf europischer Ebene

    Die Bundesregierung bercksichtigt die europische Dimension der Energieforschung durch geeignete Ver-netzung der Forschungsmanahmen. Immer hufiger werden bei der Suche nach neuen technischen Lsungen Lndergrenzen berschritten. Daher wird die internatio-nale und europische Zusammenarbeit weiter gestrkt, z. B. durch Forschungskooperationen in den Bereichen Smart Grids und Smart Cities sowie zum Thema CO2-Abschei-dung und -Speicherung (Carbon Dioxide Capture and Storage, CCS).

    Forschung und Innovation werden erstmals in einem gemeinsamen Rahmenprogramm adressiert. Im Januar 2014 startete das neue europische Rahmenprogramm fr Forschung und Innovation Horizont 2020. Fr die Frder-periode 2014 bis 2020 sind rund 5,8 Milliarden Euro fr Pro-jekte im Rahmen der gesellschaftlichen Herausforderung Sichere, saubere und effiziente Energie fr die nicht-nukle-are Energieforschung vorgesehen. Schwerpunktbereiche fr die Ausschreibungen in 2014 und 2015 sind Energieeffizienz, CO2-arme Technologien sowie intelligente Stdte und Kom-munen. Die Bundesregierung begrt, dass der Energiefor-schung ein hoher Stellenwert im neuen Rahmenprogramm zukommt. ber die Nationale Kontaktstelle Energie infor-miert und bert sie Forschungseinrichtungen und Unter-nehmen ber Frdermglichkeiten und leistet Unterstt-zung bei der Antragstellung.

    Die gemeinsame Technologieinitiative im Bereich Was-serstoff und Brennstoffzellen wird weitergefhrt. Die Weiterfhrung erfolgt als ffentlich-private Partnerschaft unter dem Rahmenprogramm Horizont 2020. Bis zu 700 Millionen Euro ffentliche Frdermittel sollen fr entspre-chende Entwicklungen im Transport- und Energiebereich bereitgestellt werden.

  • 162

    III.6 Gesamtwirtschaftliche Effekte der Energiewende

    Investitionen im Rahmen der Energiewende befinden sich weiterhin auf hohem Niveau. Der weitere Ausbau erneuerbarer Energien ist mit zustzlichen Investitionen verbunden. Ebenso werden in den nchsten Jahren weitere Investitionen zur Steige-rung der Energieeffizienz gettigt. Beide zusammen sind Impulsgeber fr Wachstum und Beschftigung.

    Die Energiewende schtzt Klima und Umwelt, sie macht die deutsche Volkswirt-schaft unabhngiger von l- und Gasimporten und sichert Arbeitspltze und Wert-schpfung.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 163

    Fr den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands sowie fr die Lebensqualitt heutiger und zuknftiger Generatio-nen ist die Ausgestaltung der Energiewende von zentraler Bedeutung.

    Der angestrebte Umbau der Energieversorgung geht mit Kosten einher. Um die Kostendynamik der letzten Jahre zu durchbrechen, hat die Bundesregierung mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zum 1. August 2014 einen wichtigen Schritt unternommen. Es kommt weiterhin dar-auf an, dass Energie fr den Wirtschaftsstandort Deutsch-land, aber auch fr die privaten Haushalte bezahlbar bleibt.

    Nicht alle eingetretenen Kosten sind der Energiewende zuzuschreiben. Neben vorliegenden Schtzungen und Indi-katoren versuchen Untersuchungen wie die von GWS, Pro-gnos, EWI (2014), die gesamtwirtschaftlichen Netto effekte der weiteren voraussichtlichen Energiewende-Entwicklung bis zum Jahr 2020 abzuschtzen (siehe Kapitel I.10).

    III.6.1 Investitionen

    Investitionen im Rahmen der Energiewende sind weiter-hin Impulsgeber fr Wachstum und Beschftigung. Ein Energiesystem in einer hoch entwickelten Volkswirtschaft wie Deutschland erfordert stetige Neu-, Ersatz- und Erwei-terungsinvestitionen in Netze, Erzeugungskapazitten und Speicher sowie in das Stromnachfragemanagement, in ener-gieeffiziente Gebude und Verkehrsinfrastrukturen (siehe Kapitel II.2-5, III.2). Energiewende-Manahmen beeinflussen die Richtung sowie den Umfang dieser Investitionsttigkei-ten. Energie- und klimapolitische Rahmenbedingungen, wie z. B. die finanzielle Frderung der erneuerbaren Energien oder der energetischen Gebudesanierung, setzen Anreize fr Investoren.

    Die Investitionen wirken weit in die Wirtschaftszweige hinein. Die Investitionsnachfrage in einem Bereich gene-riert durch die Vorleistungsverflechtungen Wertschpfung in weiteren Bereichen der Volkswirtschaft. Diese Verflech-tung fhrt zu positiven Beschftigungseffekten jenseits des Wirtschaftsbereichs, in dem die Investitionen gettigt wur-den. Zugleich knnen durch Investitionen in die Energie-

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE164

    wende dmpfende Impulse entstehen, wenn dadurch bei-spielsweise mgliche Investitionen in anderen Bereichen nicht oder nur teilweise umgesetzt werden.

    Die Investitionen im Rahmen der Energiewende befinden sich weiterhin auf hohem Niveau. In den kommenden Jah-ren werden verstrkte Investitionen in eine gesteigerte Energieeffizienz eine wachsende Bedeutung erlangen. In den vergangenen drei Jahren hatten insbesondere die Inves-titionen in erneuerbare Energien die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland untersttzt.

    III.6.1.1 Investitionen in erneuerbare Energien

    Der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien wird mit zustzlichen Investitionen verbunden sein. Mit dem EEG 2014 wurde ein verbindlicher Ausbaupfad festgelegt (siehe Kapitel II.2): Der Anteil erneuerbarer Energien am Strom-verbrauch soll bis 2025 auf 40 bis 45 Prozent und bis 2035 auf 55 bis 60 Prozent erhht werden. Aufgrund der fort-schreitenden Kostensenkungen der Erneuerbare-Energien-Anlagen wird sich der angestrebte Ausbaupfad mit geringe-ren Gesamtinvestitionen realisieren lassen. Mit dem EEG 2014 werden gegenber einer Entwicklung entsprechend der Energiereferenzprognose zustzliche jhrliche Investi-tionen von rund 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro angestoen (Prognos, EWI, GWS 2014).

    Investitionseffekte durch den Ausbau erneuerbarer Ener-gien haben unmittelbare Auswirkungen auf einzelne Wirtschaftszweige. Dazu zhlen beispielsweise der Maschi-nenbau und seine Zulieferbereiche, das Baugewerbe beim Errichten von Anlagen, das Handwerk in der Installation von PV-Anlagen bis hin zum Transport. Wertschpfungs- und Einkommenseffekte machen sich insbesondere im Jahr der Errichtung einer Erneuerbare-Energien-Anlage bemerkbar. Ttigkeiten in Betrieb und Wartung tragen zu laufenden Wertschpfungseffekten bei, wenn auch in geringerem Umfang.

    Durch Investitionen in erneuerbare Energien werden Impulse in anderen Energiebereichen ausgelst. So ist u. a. der Ausbau erneuerbarer Energien mit einem Ausbau zustzlicher Netze verbunden. Dieser Netzausbau fhrt seinerseits zu Investitionsimpulsen wie auch zu steigenden Netzentgelten zur Finanzierung dieser Investitionen (siehe Kapitel III.2). Im System der konventionellen Erzeugung werden durch die zustzliche Stromeinspeisung aus erneu-erbaren Energien Kosten durch die Einsparung von fossilen Brennstoffen gesenkt.

    III.6.1.2 Investitionen in Energieeffizienz

    In den nchsten Jahren wird verstrkt in die Energieeffi-zienz investiert werden. Diese Investitionen werden insbe-sondere durch private Haushalte sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen gettigt. In diesen Verbrauchsgrup-pen werden im Vergleich zur Industrie und dem Verkehr die grten relativen Einsparungen erwartet.

    Im Jahr 2015 werden rund 6,5 Milliarden Euro zustzlich in Effizienzmanahmen investiert. Dies zeigen Schtzun-gen, die einen Vergleich zu einer hypothetischen Situation ohne Energiewende zugrunde legen (GWS, Prognos, EWI 2014). Die Energiewende wird dabei durch die Energierefe-renzprognose ber die wahrscheinliche Entwicklung abge-bildet (Prognos, EWI, GWS 2014). Zustzliche Investitionen in Energieeffizienz und Verbrauchssenkungen lassen sich den Energiewende-Manahmen zuschreiben. Bis 2020 steigt dieser Betrag auf ber 7,8 Milliarden Euro im Jahr. Mit durchschnittlich rund 4,4 Milliarden Euro wird der Groteil dieser jhrlichen Investitionen durch private Haushalte gettigt. Weitere Investitionen erfolgen durch den Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistungen mit durchschnittlich rund 1,9 Milliarden Euro. Auch fr die Industrie werden zustzliche Effizienzinvestitionen vorher-gesagt. Die zustzlichen Investitionen im Verkehrsbereich steigen den Prognosen zufolge auf 0,5 Milliarden Euro in 2020.

    Investitionen in Effizienzmanahmen untersttzen Branchen, die entsprechende Investitionsgter herstellen. Den investierenden Wirtschaftszweige entstehen Kosten, die teilweise auf die Marktpreise gewlzt werden oder aber zunchst gewinnmindernd wirken. Private Haushalte finanzieren ihre Effizienzinvestitionen indem sie entweder auf Ersparnisse bzw. Kreditfinanzierungen zurckgreifen oder ihren aktuellen Konsum einschrnken. Eine geringere Nachfrage nach Konsumgtern hat Rckwirkungen auf die Konsumgter-Branchen (GWS, Prognos, EWI 2014). Die durch die Effizienzmanahmen in der mittel- und langfris-tigen Sicht ausgelsten Verbrauchssenkungen fhren zu Kostensenkungen fr Unternehmen und Haushalte, die Investitionen gettigt haben. Dies schafft wiederum Spiel-raum fr die Konsumnachfrage oder neue Investitionen (siehe Kapitel III.6.4).

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 165

    III.6.2 Auenwirtschaftliche Impulse

    Der Umbau der Energieversorgung schafft Chancen fr neue Energietechnologien aus Deutschland. Die Integra-tion der Weltwirtschaft schreitet voran. Dabei ist Deutsch-land eine exportstarke und zugleich rohstoffarme Volks-wirtschaft.

    III.6.2.1 Vermiedene fossile Brennstoffe

    Durch den Ausbau erneuerbarer Energien und die Steige-rung der Energieeffizienz sinkt langfristig die Abhngig-keit von internationalen Importen dieser Energietrger. Erdgas, Steinkohle, Erdl und vor allem Minerall werden zu wesentlichen Anteilen (80 bis 98 Prozent) nach Deutsch-land importiert. Erneuerbare Energien ersetzen zuneh-mend fossile Primrenergietrger. Zugleich sinkt die Ener-gienachfrage durch Steigerungen der Energieeffizienz.

    Einsparungen bei fossilen Brennstoffen werden in den nchsten Jahren stetig zunehmen. Dies zeigt eine Netto-analyse, bei der Energiewende-Manahmen seit 2010 sowie Brennstoffpreis- und gesamtwirtschaftliche Entwicklungen bercksichtigt wurden. Im Jahr 2020 werden demnach rund 3,8 Milliarden Euro weniger fr fossile Brennstoffim-porte ausgegeben als dies ohne diese Energiewende-Ma-nahmen der Fall gewesen wre (GWS, Prognos, EWI 2014, siehe Abbildung III.6.1). Nicht erfasst werden Effekte vor 2010 sowie Auswirkungen, die erst nach 2020 eintreten.

    Zustzliche Einsparungen werden bei den Minerallim-porten realisiert. Die jhrlichen Einsparungen bei Erdl, Erdgas und Steinkohlen bleiben in ihrem Umfang relativ konstant (siehe Abbildung III.6.1). Umfang und Zusammen-

    setzung der Einsparungen werden neben den Energie-wende-Manahmen mageblich von der Entwicklung auf den internationalen Rohstoffmrkten beeinflusst.

    Eine hohe Importabhngigkeit aus einer geringen Anzahl von Bezugslndern ist fr die Bewertung der Versorgung bei Primrenergietrgern zu beachten. Die Diversifizie-rung der Bezugsquellen ist eine mittel- bis langfristige Auf-gabe (siehe Kapitel III.3).

    III.6.2.2 Exporte und Importe moderner Energie - techno logien

    Die Energiewende untersttzt die Entwicklung und den Export innovativer Energietechnologien aus Deutsch-land. Sie schafft die Rahmenbedingungen fr eine stabile Nachfrage nach modernen Energietechnologien. Diese Nachfrage wird sowohl von inlndischen als auch von aus-lndischen Unternehmen bedient. Zugleich wachsen die Mrkte fr Energietechnologien weltweit. Dies gilt vor allem fr die Mrkte in den Entwicklungs- und Schwellen-lndern.

    Innovative Technologie-Anbieter erschlieen internatio-nale Mrkte. Grund ist die global wachsende Nachfrage nach Energietechnologien, wie z. B. Anlagentechnik bei Erneuer-bare-Energien- oder Effizienz-Technologien. Marktgngige Anlagen zur Strom- und Wrmeerzeugung sowie zur Steige-rung der Energieeffizienz stellen oftmals technologisch aus-gereifte Lsungen dar und erfordern hochwertige Ferti-gungsprozesse. In diesen Bereichen sind Unternehmen in Deutschland Anbieter international konkurrenzfhiger Pro-dukte. Sie stehen zugleich im wachsenden Wettbewerb mit Anbietern aus OECD- oder EU-Staaten und Schwellenln-dern.

    Die Exportinitiative Erneuerbare Energien und die Exportinitiative Energieeffizienz untersttzen Unterneh-men, neue Mrkte zu erschlieen. Auch mit der Energie-forschungspolitik untersttzt die Bundesregierung Unter-nehmen in Deutschland dabei, ihre fhrende Position auf dem Gebiet moderner Energietechnologien zu behaupten und auszubauen (siehe Kapitel III.5).

    III.6.3 Preiseffekte und Wachstumsimpulse

    Preiseffekte der Energiewende bleiben aus gesamtwirt-schaftlicher Sicht gering. Die Finanzierung weiterer Inves-titionen im Rahmen der Energiewende wird Preiseffekte auslsen. Daneben werden die internationalen Weltmarkt-preise fr Energietrger auch weiterhin einen wesentlichen Einfluss auf die Endverbraucherpreise haben. Die verschie-denen Preiseffekte, die sich den energiepolitischen Ma-nahmen zur Umsetzung des Energiekonzepts zurechnen

    Abbildung III.6.1: Vermiedene fossile Brennstoffkosten in Mio. Euro

    Quelle: GWS, Prognos, EWI 2014

    MinerallErdlErdgasSteinkohle

    2014 2015 2016 2017 2018 2019 20200

    500

    1.000

    1.500

    2.000

    2.500

    3.000

    3.500

    4.000

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE166

    lassen, knnen in einer zusammenfassenden Betrachtung auf die Nettoeffekte der Preisentwicklung hin untersucht werden (GWS, Prognos, EWI 2014): Danach wird in den kommenden Jahren das gesamtwirtschaftliche Preisniveau (Preisindex der Lebenshaltung) weiterhin um rund 0,3 Pro-zentpunkte ber dem Niveau des Vergleichsfalls ohne Manahmen liegen. Fr den Zeitraum von 2014 bis 2020 wird dabei eine Entwicklung unterstellt, die durch die Energiereferenzprognose abgebildet ist.

    Der weitere Umbau der Energieversorgung bleibt im Ein-klang mit dem gesamtwirtschaftlichen Wachstumspfad. Der Gesamteffekt auf die Wertschpfung und auf das Wachstum in Deutschland wird geprgt durch die Investiti-onen der Energiewende und deren Finanzierung sowie durch die Einsparungen bei den Energiekosten: Nach Ein-schtzung von GWS, Prognos, EWI (2014) variiert die Inten-sitt dieser Einzeleffekte im Zeitablauf. Nachdem der starke Ausbau der erneuerbaren Energien in den Jahren 2010 bis 2012 die gesamtwirtschaftliche Wachstumsentwicklung untersttzt hat, wirken sich nun in den Folgejahren die relativen nderungen der Strompreise aus. Deren Effekte knnen ausgeglichen werden, indem die Effizienzinvestiti-onen gegenber der Vergleichssituation deutlich ansteigen. In dem Mae, wie die Energieeffizienz als zweite Sule einer nachhaltigen Energiewende gestrkt wird, trgt sie zu einem nachhaltigen Wachstum in Deutschland bei (siehe Abbildung III.6.2). Das BIP wird in den Jahren bis 2020 jhr-lich um rund 2 Milliarden Euro (0,1 Prozent) hher liegen als im Vergleichsfall ohne die Energiewende-Manahmen.

    III.6.4 Beschftigungseffekte

    Mit der Energiewende werden in Deutschland neue Arbeitspltze geschaffen. Die erneuerbaren Energien sind inzwischen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Dies zeigen die Beschftigtenzahlen. Auch Investitionen in die Energieeffi-zienz lassen neue Arbeitspltze entstehen. Die Bundesregie-rung setzt sich fr stabile Rahmenbedingungen ein, damit sich die Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzen kann.

    Die Energiewende ist ein Umbauprozess, der zu Vernde-rungen und Anpassungen der Beschftigungsstrukturen in verschiedenen Sektoren fhrt. Dabei knnen nicht alle dort zu beobachtenden Beschftigungseffekte auf die Ener-giewende zurckgefhrt werden. So ist im konventionellen Kraftwerksbereich mit der Energiewende ein grundlegen-der Strukturwandel in Richtung mehr Flexibilitt verbun-den. Diese Vernderungen betreffen damit einen Bereich, der bereits einen signifikanten Beschftigungsrckgang in den Jahren vor der Energiewende erfahren hatte.

    In der Photovoltaikbranche sind die Beschftigungszah-len ausgehend von einem hohen Beschftigungsstand in den Jahren 2012 und 2013 zurckgegangen. Ein Grund war, dass der sehr schnelle Zubau der Photovoltaik in den Jahren 2010 bis 2012 zu nicht nachhaltigen Strukturen gefhrt hatte. Mit dem gesetzlichen Ausbaukorridor fr erneuerbare Energien hat die Bundesregierung nun Pla-nungssicherheit fr alle Beteiligten geschaffen. Davon wird auch die Branche der erneuerbaren Energien profitieren.

    Abbildung III.6.3: Nettobeschftigungseffekte durch die Energiewende in 1.000 Personen

    Quelle: GWS, Prognos, EWI 2014

    Verarbeitendes Gewerbe Handel Baugewerbe

    Bergbau und EnergieversorgungDienstleistungen

    2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020-30

    -20

    -10

    0

    10

    20

    30

    40

    50 Abbildung III.6.2: Einuss der Energiewende

    auf das Wachstum in Mrd. Euro

    Dargestellt sind Nettoeffekte auf das Bruttoinlandsprodukt in Milliarden Euro (preisbereinigt).

    Quelle: GWS, Prognos, EWI 2014

    2014 2015 2016 2017 2018 2019 20200

    1

    2

    3

    4

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 167

    Erneuerbare Energien und Energieeffizienz entfalten Beschftigungswirkungen ber eine zunehmende Nach-frage nach Waren und Dienstleistungen. Dies fhrt zu einer steigenden Produktion und spiegelt sich in einem Beschftigungsaufbau in den Wirtschaftszweigen, die diese nachgefragten Gter bereitstellen. Gleichzeitig bertrgt sich dieser Impuls auf die Vorleistungsbereiche und lst so weitere indirekte Beschftigungseffekte aus.

    Die Wirkungen auf die Beschftigung sind sektoral unter-schiedlich. Nicht alle Bereiche profitieren im gleichen Mae von einem solchen Nachfrageimpuls. In der Netto-betrachtung von GWS, Prognos, EWI (2014) kommt es gegenber einer Entwicklung ohne Energiewende in den folgenden Jahren bis 2020 im Bergbau und in der Energie-versorgung sowie im Dienstleistungssektor zu einem rela-tiv geringeren Beschftigungsstand (siehe Abbildung III.6.3).

    Der positive Beschftigungseffekt in der Bauwirtschaft bleibt auf einem durchgehend hohen Niveau. Dieser Effekt war bereits in den Vorjahren zu beobachten. Er ist insbe-sondere auf wachsende Effizienzmanahmen im Gebude-bereich zurckzufhren. Die Beschftigungseffekte auf das Verarbeitende Gewerbe und den Handel bleiben im Umfang durchgehend gering. Sie knnen u. a. auf Preisver-nderungen und einen leichten Rckgang des privaten Konsums zurckgefhrt werden. Sie sind im Verhltnis zu den absolut sehr hohen Beschftigtenzahlen in diesen Bereichen zu sehen.

    Sektorbergreifend sind die Beschftigungseffekte posi-tiv. Insgesamt werden nach der Einschtzung von GWS, Prognos, EWI (2014) in den kommenden Jahren durch-schnittlich netto 18.000 neue Arbeitspltze geschaffen.

  • 168

    III.7 Umweltvertrglichkeit

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 169

    Klima- und Umweltschutz sind Grundbedingungen einer zukunftsfhigen Energieversorgung. Der Aufbruch in das Zeitalter der erneuerbaren Energien verbunden mit hoher Effizienz bei Energieerzeugung und -nutzung schont die natrlichen Lebensgrundlagen und schafft die Vorausset-zungen fr die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Deutschlands.

    Erneuerbare Energien und Energieeffizienz helfen, einen beschleunigten Klimawandel mit schwerwiegenden ko-logischen und konomischen Folgen zu vermeiden. Mit der Steigerung der Energieeffizienz und dem stetigen Aus-bau der erneuerbaren Energien als Hauptpfeiler der deut-schen Energieversorgung wird der Anteil konventioneller Energiequellen zurckgehen (siehe Kapitel II.6). Damit gehen auch Klima- und Umweltbelastungen zurck. Denn Treibhausgasemissionen sind zu rund 80 Prozent energie-bedingt. Sie stammen im Wesentlichen aus den Sektoren Energiewirtschaft, Gebude und Verkehr (siehe Kapitel I.5).

    Bei der Gestaltung einer umweltgerechten Energieversor-gung zieht die Bundesregierung auch weitere potenzielle Umwelt- und Gesundheitsgefahren in Betracht.

    Es ist darauf zu achten, dass ein Ausbau erneuerbarer Energien selbst nicht zur Belastung von Natur und Land-schaft wird. Fr eine umweltgerechte und naturvertrgli-che Energieversorgung wird die Flcheninanspruchnahme fr die Gewinnung, die Verarbeitung und den Transport von Energietrgern minimiert und die dauerhafte Degrada-tion von Bden und der Verlust landwirtschaftlicher Nutz-flche vermieden. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien ergeben sich auch neue, weitergehende Anforderungen an die Gesellschaft und damit auch an Naturschutz und Land-schaftspflege. Einerseits beeinflusst die klimaschtzende Wirkung der erneuerbaren Energien die Umwelt und die Natur positiv, da ein rascher Klimawandel zum Verlust von Artenvielfalt und Lebensrumen beitrgt. Andererseits kann ein ungesteuerter Ausbau der erneuerbaren Energien selbst zur Belastung von Natur und Landschaft beitragen. Daher gilt es, angepasste Standorte fr die verschiedenen Anlagen zu finden, um potenziell nachteilige Effekte auf Natur und Landschaft zu minimieren. Auch unter dem Blickwinkel der Ressourcenschonung ist im Energiebereich vor allem die Schonung begrenzter Rohstoffe, aber auch eine nachhaltige Biomassenutzung zu beachten.

    Mit dem Kompetenzzentrum Naturschutz und Energie-wende wird die Bundesregierung dazu beitragen, die Energiewende naturvertrglich zu gestalten. Dazu ms-sen naturschutzfachliche Aspekte der Energiewende aufge-arbeitet und diskutiert werden. So knnen Debatten ver-sachlicht und Beitrge zur Vermeidung von Konflikten vor Ort geleistet werden. Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende kann dabei helfen, alle Akteure bei der Umsetzung der Energiewende und bei der Sicherstellung naturschutzfachlicher Vorgaben zu untersttzen.

    Risiken durch Schadstoffe werden beim Umbau hin zu einer nachhaltigeren Energieversorgung verringert. Denn bei der Verbrennung fossiler und biogener Energietrger werden insbesondere lokal Schadstoffe freigesetzt, die zu einer Belastung der menschlichen Gesundheit fhren kn-nen. Beim Einsatz fester biogener Brennstoffe in dezentralen Anlagen ist darauf zu achten, dass anspruchsvolle Emissi-onsgrenzwerte eingehalten werden, um den positiven Trend der Schadstoffreduktion nicht zu gefhrden.

    Durch den Ausstieg aus Kernenergie wird auch deren Restrisiko erheblich reduziert. Der Kernenergieausstieg in Deutschland erfolgt schrittweise bis Ende 2022. Mit dem Standortauswahlgesetz fr ein Endlager fr insbesondere Wrme entwickelnde radioaktive Abflle wurde 2013 der Weg fr eine neue ergebnisoffene Endlagersuche in Deutschland freigemacht. Die hierzu seit Mai 2014 einberu-fene pluralistisch besetzte Kommission wird bis voraus-sichtlich Ende 2015 Vorschlge erarbeiten, u.a. zu Grund-satzfragen der Entsorgung und Kriterien einer mglichen Fehlerkorrektur sowie zu allgemeinen Sicherheitsanforde-rungen und Ausschluss- und Auswahlkriterien.

    Die Energiewende hat das Potenzial, nicht nur eine kolo-gische, sondern auch eine konomische Erfolgsgeschichte zu werden, wenn Deutschland die Systemkosten der Ener-giewende effizient gestaltet sowie die sich aus der Entwick-lung von innovativen Technologien ergebenden Chancen nutzt und so international wettbewerbsfhige Wirtschafts-zweige entstehen.

  • 170

    III.8 Akzeptanz der Energiewende

    In der Bevlkerung besteht grundstzlich eine hohe Zustimmung zur Energiewende. Aktuelle Umfragen zeigen Zustimmungswerte zwischen 56 und 92 Prozent.

    Die Akzeptanz der Energiewende soll weiterhin auf hohem Niveau bleiben. Die Bun-desregierung hat unterschiedliche Manahmen ergriffen, um fr die Energiewende zu werben. Im Mittelpunkt stehen dabei die frhzeitige Information sowie die Einbindung der Betroffenen bei der Planung konkreter Projekte. So wird im Rahmen der Planung der Stromnetze von der Ermittlung der Szenarien ber die Besttigung des Netzent-wicklungsplans bis zum konkreten Verlauf der Leitungen jeder Schritt transparent durch gefhrt und ffentlich konsultiert. Zudem werden die Ausbauvorhaben mit vielfl-tigen informellen Dialogangeboten in allen Planungsstadien begleitet.

    Manahmen zur Dmpfung der Kostendynamik tragen dazu bei, die breite Zustim-mung zur Energiewende zu erhalten.

    Mit Forschung die Energiewende gesellschaftsvertrglich gestalten. Die Gestaltung der Energiewende gelingt nur, wenn die Bedrfnisse und Erwartungen der Bevlkerung, auch hinsichtlich der Fragen von Beteiligung und Gerechtigkeit, angemessen reflektiert und auch marktwirtschaftliche Erfordernisse verstrkt bercksichtigt werden. Die For-schung setzt ihre Schwerpunkte auch bei Akzeptanz und Partizipation sowie auf lang-fristige Entwicklungsoptionen fr das Energiesystem.

    Die Zusammenarbeit mit Bundeslndern und Akteuren wird verbessert. Nur durch eine effektive Koordinierung und Zusammenarbeit mit den Bundeslndern und den Ver-tretern von Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft ist der erfolgreiche Umbau unserer Energieversorgung mglich. Das zuknftige Stromsystem wird in einigen Berei-chen dezentraler werden. Aber Dezentralitt darf nicht mit Autarkie verwechselt wer-den. Autarkie wrde die Kosten drastisch erhhen und passt nicht in einen europischen Energiebinnenmarkt. Die bereits etablierten Gremien fr die Zusammenarbeit zwischen Bund und Lndern ermglichen eine konstruktive Zusammenarbeit. Sie werden ergnzt durch die von der Bundesregierung eingerichteten Plattformen (Strommarkt, Netze, Effizienz, Gebude, Forschungsforum Energiewende), in denen die Lnder intensiv mit-wirken und in denen konkrete Vorschlge fr die laufenden Vorhaben erarbeitet werden.

    Eine enge Zusammenarbeit und Kommunikation mit unseren europischen Nachbarn und internationalen Partnern ist notwendig. Dadurch knnen Synergieeffekte genutzt werden, um gemeinsam zukunftsweisende Energiepolitik auf internationaler Ebene zu gestalten und Vorbehalten entgegenzuwirken.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 171

    III.8.1 Aktuelle Befragungsergebnisse

    Aktuelle Umfragen zeigen eine grundstzlich hohe Zustimmung zur Energiewende in der Bevlkerung. Je nach Studie ergeben sich Zustimmungswerte zwischen 56 und 92 Prozent (siehe Tabelle III.8.1, Seite 168). Unter-schiede im Ausma der Zustimmung knnen neben anderen methodischen Faktoren auf die unterschiedliche Definition des Begriffes Energiewende und ihrer Akzep-tanz zurckgefhrt werden. Der Umbau der Energieversor-gung bentigt eine breite und nachhaltige Untersttzung der Bevlkerung.

    III.8.2 Manahmen zur Steigerung der Akzeptanz

    Auch wenn eine deutliche Mehrheit wichtige Ziele der Energiewende untersttzt, stoen insbesondere einzelne Infrastrukturmanahmen mancherorts auf Kritik. Der Aus-bau der bertragungs- und Verteilernetze wie auch der Bau neuer Speicheranlagen und von Erneuerbare-Energien-Anlagen haben mittelbare Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.

    Die Bundesregierung hat vor diesem Hintergrund unter-schiedliche Manahmen ergriffen, um zu mehr Akzeptanz fr die Energiewende beizutragen. Die frhzeitige Informa-tion sowie die Einbindung der Betroffenen bei der Planung konkreter Projekte stehen dabei im Mittelpunkt.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE172

    III.8.2.1 Beteiligung der ffentlichkeit beim Netzausbau: Formelle Verfahren

    Die Beteiligungsmglichkeiten fr Brgerinnen und Br-ger wurden erweitert. Zugleich hat die Bundesregierung die dafr notwendigen Verfahrensprozesse geschaffen. Im bertragungsnetzbereich besteht ein gesetzlich festgelegtes und bundesweit koordiniertes System fr die Netzentwick-lung.

    zz Ausgangspunkt ist die Ermittlung des Netzausbaube-darfs, den die bertragungsnetzbetreiber auf Grundlage gemeinsamer Netzentwicklungsplne (NEP) feststellen. Brgerinnen und Brger knnen sich in einem gestuf-ten Verfahren umfassend an der Erstellung der NEP beteiligen und ihre Stellungnahmen abgeben. Am Ende des Prozesses steht der Netzentwicklungsplan, in dem der vordringliche Ausbaubedarf fr ganz Deutschland festgehalten wird. zz In der Bundesfachplanung, in der die Trassenkorridore

    fr die lnderbergreifenden und grenzberschreiten-den Leitungen bestimmt werden, findet knftig bei Verfahrensbeginn eine Antragskonferenz statt. Unter Beteiligung der ffentlichkeit wird der Untersuchungs-gegenstand des Verfahrens konkretisiert. Zustzlich gibt es jeweils einen verpflichtenden Errterungstermin, bei dem Stellungnahmen mit den Einwendern diskutiert werden. zz Auch im nachfolgenden Planfeststellungsverfahren wer-

    den diese Beteiligungsverfahren durchgefhrt.

    III.8.2.2 Beteiligung der ffentlichkeit beim Netzausbau: Informeller Dialog

    Fr die erforderlichen Infrastrukturmanahmen werden gesellschaftlich tragfhige Lsungen gesucht. Diesem Ziel dient auch eine neue Dialogkultur, die sich soweit wie mglich an den Bedrfnissen der Betroffenen ausrichten soll.

    Brgerinnen und Brger werden frhzeitig ber die Ver-fahren informiert. Dazu werden von den bertragungs-netzbetreibern und der Bundesnetzagentur zahlreiche Ver-anstaltungen vor Ort durchgefhrt. Das bisherige Echo in den Regionen hat diesen Weg besttigt. ber ihre Webseite www.netzausbau.de informiert die Bundesnetzagentur ber den aktuellen Stand des Netzausbaus sowie ber lau-fende Brgerbeteiligungsverfahren. Unter der Servicenum-mer 0800 693 9 638 beantwortet sie Brgerfragen zum Netzausbau.

    Ausbauvorhaben werden ber alle Planungsstadien hin-weg begleitet. Das ist die Grundlage, um eine geeignete Lsung fr alle Beteiligten zu erreichen. Das Bundesminis-terium fr Wirtschaft und Energie stellt kurzfristig weitere Instrumente bereit. Dadurch soll insbesondere an Orten mit besonders groem Kommunikations- und Diskussions-bedarf der Dialog mit den Betroffenen und der ffent-lichkeit vor Ort intensiviert werden.

    Tabelle III.8.1: Aktuelle Befragungen zur Akzeptanz der Energiewende in der Bevlkerung

    Quelle/Auftraggeber Erscheinungsjahr Operationalisierung der Zustimmung zur Energiewende

    Hhe der Zustimmung

    TNS Emnidim Auftrag der Initiative Erneuerbare Energiewende Jetzt!

    2014 Der verstrkte Ausbau der Erneuerbaren Ener-gien ist wichtig bis auerordentlich wichtig.

    92 Prozent

    Institut fr Demoskopie Allensbach

    2014 Die Entscheidung, bis 2022 aus der Kernenergie auszusteigen und die Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen, ist richtig.

    71 Prozent

    Bundesamt fr Naturschutz im Auftrag des BMUB (Naturbewusstseinsstudie 2013)

    2014 Die Energiewende hin zu einer berwiegen-den Versorgung aus erneuerbaren Energien ist richtig.

    56 Prozent

    Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des BDEW (BDEW-Energiemonitor)

    2014 Die Energiewende ist wichtig oder sehr wichtig. 89 Prozent

    Forsaim Auftrag des vzbv

    2013 Das Ziel der Energiewende ist richtig. 82 Prozent

    BDI(BDI-Energiewende-Navigator)

    2013 Aggregierter Akzeptanz-Index (fr Unterneh-men und Privatpersonen, umfasst u. a. Nutzen und Kosten der Energiewende sowie Versor-gungssicherheit)

    68 Prozent

    Quelle: Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie

    www.netzausbau.de

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE 173

    III.8.2.3 Bezahlbare Energie

    Die Voraussetzungen fr bezahlbare und wettbewerbs-fhige Energiepreise werden verbessert. Die Politik ent-scheidet nicht ber die Energiepreise, sondern nur ber einzelne Elemente. Bestimmte Manahmen knnen aber bezahlbare und wettbewerbsfhige Preise untersttzen (siehe Kapitel III.4.1). Fr die Akzeptanz der Energiewende ist es von Bedeutung, dass Energie fr die Unternehmen und die privaten Verbraucher bezahlbar bleibt. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung das Erneuerbare-Energien-Gesetz reformiert. Ein vorrangiges Ziel war es, die Kostendynamik der vergangenen Jahre zu dmpfen, ber-frderungen abzubauen und die erneuerbaren Energien nher an den Markt zu fhren. Gleichzeitig wird der Aus-bau der erneuerbaren Energien wirksam und planvoll vor-angetrieben.

    III.8.2.4 Transparente Energiepreise

    Verbraucher erhalten mehr Transparenz. Ende des Jahres 2014 ist die Verordnung zur transparenten Ausweisung staatlich gesetzter oder regulierter Preisbestandteile in der Strom- und Gasgrundversorgung in Kraft getreten. Sie legt fest, dass in den Vertragsbedingungen gemeinsam mit dem Grundversorgungspreis auch die kalkulatorisch einflieen-den staatlich veranlassten Preisbestandteile angegeben werden mssen. Verbraucherinnen und Verbrauchern kn-nen so die Zusammensetzung und die nderungen ihres Grundversorgungspreises besser bewerten.

    III.8.3 Koordinierung und Zusammenarbeit

    Die Koordinierung und Zusammenarbeit bei der Umset-zung der Energiewende wird verbessert. Eine effektive Koordinierung und Zusammenarbeit mit den Bundesln-dern und den Vertretern von Wirtschaft und Gesellschaft ist Grundlage fr den erfolgreichen Umbau der Energiever-sorgung. Denn die Energiewende ist eine gesamtgesell-schaftliche Aufgabe. Der kontinuierliche Austausch schafft eine hohe Transparenz und steigert die Akzeptanz fr die Energiewende.

    III.8.3.1 Bndelung der energiepolitischen Kompetenzen im Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie

    Die Bndelung der Kompetenzen fr Energiepolitik innerhalb der neuen Bundesregierung im Bundesminis-terium fr Wirtschaft und Energie dient der besseren Koordinierung und ermglicht eine Energiepolitik aus einer Hand.

    III.8.3.2 Bund-Lnder-Koordination

    Bund und Lnder stimmen sich kontinuierlich bei der Umsetzung der Energiewende ab. Im Halbjahres-Rhyth-mus finden Treffen der Bundeskanzlerin und des Bundes-wirtschaftsministers mit den Regierungschefinnen und -chefs der Lnder statt. Die zustndigen Minister von Bund und Lndern beraten zustzlich im Rahmen der Wirt-schaftsministerkonferenz halbjhrlich ihre Schwerpunkt-setzung und nchsten Schritte der Energiewende. Die bereits etablierten Gremien ermglichen eine konstruktive Zusammenarbeit.

    III.8.3.3 Internationale Kommunikation

    Die Bundesregierung unterhlt einen engen Dialog mit europischen Nachbarstaaten und internationalen Part-nern zu Energiefragen. Das Ziel dieser Aktivitten ist, das Verstndnis der deutschen Herangehensweise zu verbes-sern, den Erfahrungsaustausch zu pflegen und gemeinsam zukunftsweisende Energiepolitik auf internationaler Ebene zu gestalten. Ebenso wird Vorbehalten gegen die deutsche Energiewende entgegengewirkt. Nicht zuletzt befrdert der internationale Dialog auch die Marktchancen fr die deut-sche Energieindustrie.

    III.8.3.4 Energiewende-Plattformen

    In den Energiewende-Plattformen werden Lsungen und Strategien fr die zentralen Handlungsfelder der Energie-wende erarbeitet. In diesen Plattformen steht die Bundes-regierung im stndigen Austausch mit Vertretern aus Ln-dern, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft.

    zz In der Plattform Energienetze werden Handlungsemp-fehlungen zum Netzausbau und zur Modernisierung der Stromnetze erarbeitet.

    zz In der neu gegrndeten Plattform Strommarkt fhrt das Bundesministerium fr Wirtschaft und Energie das ehemalige Kraftwerksforum und die ehemalige Platt-form Erneuerbare-Energien zusammen. Gemeinsam wird ein langfristig tragfhiges Strommarktdesign ent-wickelt.

    zz In der Plattform Energieeffizienz werden schwer-punktmig Fragen der Steigerung der Energieeffizienz diskutiert. Sie bringt Vertreter aus Bund, Lndern, Wirt-schaft und Verbraucherverbnden an einen Tisch.

    zz Im Rahmen der neu eingerichteten Plattform Gebude werden erstmalig Akteure insbesondere aus Immobilien-wirtschaft, Gewerbe und Industrie sowie die Verbrau-cherseite und die ffentliche Hand zusammengefhrt.

  • TEIL I I I RAHMENBEDINGUNGEN FR DIE ENERGIEWENDE174

    Ziel ist es, gemeinsam die vielfltigen Potenziale des Gebudesektors zu identifizieren, Herausforderungen zu diskutieren und entsprechende Manahmen zu entwi-ckeln. Diese werden in einer Energieeffizienzstrategie Gebude zusammengefasst.

    zz Das Forschungsforum Energiewende bringt die Exper-tise aller Beteiligten zusammen, um die drngenden Fra-gen fr die Energieforschung koordiniert anzugehen und ein strker konzertiertes Handeln auf allen Ebenen zu ermglichen. Beteiligt sind neben den Bundesressorts die Lnder, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesell-schaft. Hieraus werden forschungspolitische Schlussfol-gerungen mit Blick auf Strukturen, Instrumente und Themen fr die zuknftige Umsetzung in der Energie-forschung gezogen.

    zz Die Plattform Forschung und Innovation fhrt die AG Neue Technologien der ehemaligen Netzplattform und das bisherige Dialogforum "Neue Energietechnologien" fort. Darber hinaus wird die Energieforschung in den Fokus gesetzt. Ziel ist die strategische Abstimmung der nationalen Akteure in Bezug auf Forschungs- und Fr-derprogramme im Rahmen des Strategischen Energie-technologie-Plans bzw. im Rahmen von Horizont 2020. Auerdem wird die Plattform Input fr einen koordi-nierten und beschleunigten Einsatz innovativer Energie-technologien geben.

    Um den Dialog mit Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissen-schaft und gesellschaftlichen Gruppen fortzufhren, strebt die Bundesregierung darber hinaus die Bildung eines Forums Energiewende an. Auch das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende sowie die Fachagentur fr Windenergie werden durch ihre Arbeit dazu beitragen, die Akzeptanz fr die Energiewende in der ffentlichkeit zu untersttzen.

    Fr ein neues Energiesystem sind in den nchsten Jahren weitere Schritte erforderlich, denn die Energiewende ist ein Lernprozess. Hierbei wird die Bundesregierung die Exper-tise aus Wissenschaft und Forschung nutzen. Der grundle-gende Umbau der Energieversorgung wird umso besser gelingen, je effizienter die ergriffenen Manahmen sind. Der beschleunigte Weg ins regenerative Zeitalter soll Deutschland bei wettbewerbsfhigen Energiepreisen, einer gesicherten Energieversorgung und einem hohen Wohl-standsniveau zu einer der fortschrittlichsten und energieef-fizientesten Volkswirtschaften der Welt machen.

    III.8.4 Monitoring der Energiewende

    Die Bundesregierung wird den Umbau der Energieversor-gung mit dem Monitoring-Prozess kontinuierlich beglei-ten. Durch die jhrliche Berichterstattung knnen sich interessierte Brgerinnen und Brger ber den aktuellen Umsetzungsstand der Energiewende informieren.

  • 175

    Glossar

    Anreizregulierung Die Anreizregulierung im Strom- und Gasbereich dient dazu, die Netzzugangsent -gelte so zu ermitteln, dass die Netzbetreiber den Anreiz haben, ihre wirtschaftliche Effizienz zu steigern. Sie erreicht damit, dass die Verbraucher vor ungerechtfertigten Kosten geschtzt werden.

    Arbeit, elektrische Die elektrische Arbeit ist das Produkt aus der Leistung, die in Watt gemessen wird, und der Zeit. Sie wird meistens in Kilowattstunden (kWh) oder Wattsekunden (Ws) angegeben.

    Blackout Als Blackout werden groflchige Stromausflle bezeichnet.

    Blindleistung Blindleistung ist die elektrische Leistung, die zum Aufbau von magnetischen Feldern (z.B. in Motoren, Transformatoren) oder von elektrischen Feldern (z.B. in Konden -satoren) bentigt wird, aber nicht nutzbar ist. Vielfach entsteht diese Blindleistung auch unerwnscht, und muss gezielt kompensiert werden.

    Bruttoendenergieverbrauch Der Bruttoendenergieverbrauch umfasst den Endenergieverbrauch beim Letztver -braucher und die Verluste in den Erzeugungsanlagen und beim Transport. Der Brutto-endenergieverbrauch fr erneuerbare Energien ergibt sich aus dem Endenergiever-brauch der Haushalte, des Verkehrs, der Industrie und des Sektors Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) zuzglich des Eigenverbrauchs des Umwandlungs -sektors sowie der Leitungs- und Fackelverluste.

    Die Anteile der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch, wie sie im Rahmen der Richtlinie 2009/28/EG ermittelt werden (unter Bercksichtigung besonderer Rechenvorschriften, u.a. die normalisierte Strombereitstellung aus Wasserkraft und Windenergie), sind im Anhang A zu diesem Bericht auf der Seite der BNetzA nachrichtlich aufgefhrt.

    Erneuerbare Energien im Elektromobilitts- und Bahnstrombereich werden im vor-liegenden Bericht implizit dem Stromsektor zugerechnet. Eine Methodik zur Anrechnung der Anteile von Strom aus erneuerbaren Energien im Verkehrssektor, die nicht auf einer doppelten Anrechnung beruht, wurde noch nicht entwickelt. Jedoch wird im Rahmen der Berichterstattung gg. der Europischen Kommission zur Erfllung des 10-Prozent-Mindestziels von erneuerbaren Energien im Verkehrs-sektor im Jahr 2020 detailliert auf diese Beitrge eingegangen.

    Bruttostromerzeugung Die Bruttostromerzeugung umfasst die insgesamt erzeugte Strommenge eines Landes. Nach Abzug des Eigenverbrauchs der Erzeugungsanlagen verbleibt die Net-tostromerzeugung.

    Bruttostromverbrauch Der Bruttostromverbrauch entspricht der Summe der gesamten inlndischen Stromgewinnung (Wind, Wasser, Sonne, Kohle, l, Erdgas und andere), zuzglich der Stromflsse aus dem Ausland und abzglich der Stromflsse ins Ausland. Der Nettostromverbrauch ist gleich dem Bruttostromverbrauch abzglich der Netz- bzw. bertragungsverluste und des Eigenstromverbrauchs der Kraftwerke.

    Carbon Leakage Carbon Leakage bezeichnet die Verlagerung von CO 2-Emissionen, wenn Unterneh-men aufgrund von Kosten der Klimaschutzpolitik ihre Produktion in Lnder mit weniger ambitioniertem Klimaschutz verlagern. Dies kann zu einem Anstieg der Gesamtemissionen fhren.

    CO2-quivalent Die Einheit fr das Treibhauspotenzial eines Gases gibt an, welche Menge CO 2 in einem Betrachtungszeitraum von 100 Jahren die gleiche Treibhauswirkung entfalten wrde wie das betrachtete Vergleichsgas. Die verwendeten quivalenzfaktoren fol-gen den fr die nationale Emissionsberichterstattung vorgegebenen Werten aus dem IPCC Second Assessment Report: Climate Change (1995).

  • GLOSSAR176

    CO2-Zertifikate Ein Zertifikat ist ein verbrieftes Recht, in einem bestimmten Zeitraum eine bestimmte Menge eines Schadstoffes zu emittieren. CO2-Zertifikate sind an den Energiebrsen handelbar, wodurch das CO2-Emissionsrecht einen Marktpreis bekommt. Indem immer weniger Zertifikate ausgegeben werden, soll eine Reduk-tion des Treibhausgasemissionen-Ausstoes erreicht werden.

    Day-ahead-Markt Am Day-ahead-Markt wird der Strom gehandelt, der am nchsten Tag erzeugt und geliefert werden soll.

    Day-Base Day-Base ist ein arithmetischer Durchschnitt aller Preise der Stundenauktionen am Brsen-Spotmarkt.

    Differenzkosten Die Differenzkosten des EEG ergeben sich aus den gezahlten Vergtungszahlungen der NB abzglich der durch den Verkauf des EEG-Stroms erzielten Einnahmen der bertragungsnetzbetreiber.

    Direktvermarktung Whrend im System des EEG der in Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien gewonnene Strom vergtet und an die Netzbetreiber abgegeben wird, kann der Anlagenbetreiber mit dem Modell der Direktvermarktung den Strom direkt an Abnehmer verkaufen. Dieser Verkauf wird ebenfalls vergtet.

    EEG Das Gesetz fr den Vorrang erneuerbarer Energien (Kurzfassung: Erneuerbare- Energien-Gesetz, EEG) aus dem Jahr 2000 regelt die Vorrang-Abnahmepflicht erneuerbarer Energien durch die Netzbetreiber, die (degressiven) Vergtungsstze der einzelnen Erzeugungsarten wie auch das Umlageverfahren der resultierenden Mehrkosten auf alle Stromabnehmer.

    EEG-Umlage Elektrizittslieferanten mssen nach der Ausgleichsmechanismusverordnung seit dem 01. Januar 2010 fr jede Kilowattstunde Strom eine EEG-Umlage an den jewei-ligen bertragungsnetzbetreiber (NB) entrichten. Die EEG-Umlage ist bundesweit einheitlich. Mit der EEG-Umlage soll die Differenz zwischen den zu zahlenden EEG-Einspeisevergtungen und den Einnahmen der NB aus der Vermarktung des EEG-Stromes an der Brse gedeckt werden. Elektrizittslieferanten, die Strom an Letzt-verbraucher liefern, drfen die EEG-Umlage an ihre Kunden weitergeben.

    EEX Die EEX (= European Energy Exchange) als Energiebrse betreibt Marktpltze fr den Handel mit Strom, Erdgas, CO2-Emissionsrechten und Kohle.

    Einspeisemanagement Manahmen zur Stabilisierung der Stromnetze durch Eingriffe in den Betrieb von Anlagen zur Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien.

    Einspeisevergtung Betreibern von Erneuerbare-Energien-Anlagen wird nach dem EEG eine gesetz liche Vergtung pro eingespeister Kilowattstunde Strom zugesichert.

    Emissionsminderungskredite Gutschriften aus den projektbezogenen flexiblen Mechanismen des Kyoto-Proto-kolls unter der VN-Klimarahmenkonvention (Art. 6 KP Joint Implementation und Art. 12 KP Clean Development Mechanism), die auf die eigenen heimischen Minde-rungspflichten angerechnet werden knnen.

    Emissionszertifikate Ein Emissionszertifikat ist ein verbrieftes und bertragbares Nutzungsrecht fr die Emission einer bestimmten Menge an Treibhausgasen. Die Zertifikate werden im Rahmen des EU-Emissionshandels (European Union Emission Trading System, EU ETS) gehandelt.

    Endenergie Endenergie ist der Teil der Primrenergie, der den Verbraucher nach Abzug von bertragungs- und Umwandlungsverlusten erreicht und der dann zur weiteren Ver-fgung steht. Endenergieformen sind zum Beispiel Fernwrme, elektrischer Strom, Kohlenwasserstoffe wie Benzin, Kerosin, Heizl oder Holz und verschiedene Gase wie Erdgas, Biogas und Wasserstoff.

    Endenergieverbrauch Als Endenergieverbrauch wird die Verwendung von Energietrgern in einzelnen Ver-brauchssektoren bezeichnet, sofern sie unmittelbar zur Erzeugung von Nutzenergie oder fr Energiedienstleistungen eingesetzt werden.

  • GLOSSAR 177

    Energiebilanz Eine Energiebilanz gibt in Form einer Matrix Aufkommen, Umwandlung und Ver-wendung von Energietrgern in einer Volkswirtschaft fr einen bestimmten Zeit-raum, meist ein Jahr, an.

    Energieproduktivitt Die Energieproduktivitt ist ein Indikator zur Messung der Effizienz der Energiever-wendung. Die Energieproduktivitt setzt eine Nutzengre ins Verhltnis zur Ener-giemenge, die fr das Erreichen dieses Nutzens eingesetzt wurde. Diese Nutzengre ist hufig das reale BIP. Ist die Energiemenge der Primrenergiever-brauch, so spricht man von Primrenergieproduktivitt. Bei der Endenergieprodukti-vitt ist die Energiemenge der Endenergieverbrauch. Der Kehrwert der Energiepro-duktivitt ist die Energieintensitt.

    Energietrger Energietrger sind Stoffe, in denen Energie mechanisch, thermisch, chemisch oder physikalisch gespeichert ist.

    EPEX Spot An der EPEX Spot (European Power Exchange) mit Sitz in Paris wird der kurzfristige Elektrizittshandel, der sogenannten Spotmarkt fr Deutschland, Frankreich, ster-reich und die Schweiz abgewickelt.

    Erneuerbare Energien Erneuerbare Energien auch regenerative oder alternative Energien genannt sind Energiequellen, die nach den Zeitmastben des Menschen unendlich lange zur Verfgung stehen. Solarstrahlung, Erdwrme (Geothermie) und Gezeitenkraft kn-nen entweder direkt genutzt werden oder indirekt in Form von Biomasse, Wind, Wasserkraft, Umgebungswrme sowie Wellenenergie.

    Fossile Energietrger Fossile Energietrger sind solche, deren Vorrat erschpfbar ist und die aus Biomasse im Laufe von Jahrmillionen unter hohem Druck und hoher Temperatur entstanden sind. Es handelt sich um Energierohstoffe mit unterschiedlichen Kohlenstoffverbin-dungen: le, Kohlen, Gase.

    Grundlastkraftwerke Als Grundlastkraftwerke bezeichnet man die Kraftwerke, die fast ununterbrochen und meist nahe an der Volllastgrenze betrieben werden. Dadurch weisen Grundlast-kraftwerke hohe Volllaststunden (bis zu 8.000 Volllaststunden/Jahr), eine relativ starre Fahrweise (kurzfristiges An- und Abfahren ist schwierig), hohe Investi-tionskosten und relativ geringe variable Kosten (Brennstoffkosten) auf. Hierzu zhlen typischerweise Braunkohle- und Kernkraftwerke.

    Jahreshchstlast Die Jahreshchstlast ist der innerhalb eines Jahres in einem Netz auftretende maxi-male Bedarf an elektrischer Leistung.

    Jahresvolllaststunden Die Volllaststundenzahl eines Kraftwerks ist als Quotient aus im Jahr erzeugter Strommenge und Maximalleistung definiert.

    Kernumlage nach EEG Die Kernumlage bezieht sich nur auf die Deckung der im Prognosejahr anfallenden EEG-Frderkosten ohne Ausgleichseffekte fr Vorjahre oder den Aufbau eines Liquidittspuffers.

    kontrafaktisch Ein kontrafaktisches Szenario beschreibt eine Entwicklung, die stattgefunden htte, wenn eine bestimmte Vernderung (zum Beispiel eine politische Manahme) nicht eingetreten wre. Sie dient damit der vergleichenden Analyse von Entwicklungen.

    Kraft-Wrme-Kopplung Kraft-Wrme-Kopplung (KWK) ist die gleichzeitige Umwandlung von Brennstoffen in elektrische Energie und Nutzwrme in einer ortsfesten technischen Anlage.

    Kuppelleitung Als Kuppelleitungen oder Grenzkuppelleitungen werden die grenzberschreitenden Leitungen bezeichnet, mit denen die bertragungsnetze in verschiedenen Staaten verbunden sind.

    Lastmanagement Unter Lastmanagement ist die gezielte und aktive Steuerung des Energieverbrauchs zur Netzstabilisierung beziehungsweise zur Ausnutzung von Preisausschlgen im Strompreis zu verstehen. Damit soll die Energienutzung zeitnah an die Erzeugung angepasst werden. So kann zum Beispiel der Verbraucher gezielt Stromabnehmer zu- oder abschalten.

  • GLOSSAR178

    Leistung, elektrische Die elektrische Leistung gibt an, wie viel Arbeit in einer bestimmten Zeit verrichtet wird. Die physikalische Leistung ist definiert als Arbeit pro Zeiteinheit. Die Leistung (P) wird gemessen in Watt (W). Entsprechend ist: 1 Kilowatt (kW) = 1.000 Watt, 1 Megawatt (MW) = 1.000 kW.

    Marktkopplung Im Rahmen einer Marktkopplung (market coupling) wird die Nutzung der knappen Grenzkuppelleitungen durch die Bercksichtigung der Energiepreise in den gekop-pelten Mrkten verbessert und damit zur effizienten Bewirtschaftung von Engps-sen zwischen verschiedenen Marktgebieten unter Beteiligung mehrerer Strombr-sen beigetragen. Dabei wird die Day-ahead-Vergabe der grenzberschreitenden bertragungskapazitten gemeinsam mit der Energieauktion an den Elektrizitts-brsen auf Basis der Preise an den beteiligten Brsen durchgefhrt. Daher spricht man hier auch von impliziten Kapazittsauktionen.

    Marktstabilittsreserve Die Marktstabilittsreserve ist ein Instrument, das gegenwrtig zur Reform des Emissionshandels diskutiert wird. Sie basiert auf einem Vorschlag der Europischen Kommission und ist eine Art Zwischenablage, in die Zertifikate bei berschreiten bestimmter Mengen von Zertifikateberschssen schrittweise berfhrt werden und bei Unterschreiten bestimmter Schwellenwerte wieder dem Markt zugefhrt werden. Damit soll eine Stabilisierung der Zertifikatemengen am Markt und damit auch der Preise sowie ein sukzessiver berschussabbau erfolgen. Eine Lschung von Zertifikaten ist damit nicht verbunden.

    Merit-Order Als Merit-Order wird die Sortierung der Angebote eines Marktes nach ihrem Angebotspreis bezeichnet. Bei der Strombrse wird diese Merit-Order verwendet, um sicherzustellen, dass nur die preiswertesten Kraftwerke zum Einsatz kommen. Im Ergebnis wird durch die Merit-Order der Einsatzplan der Kraftwerke anhand der variablen Erzeugungskosten, also der Brennstoffkosten, bestimmt, wodurch die am teuersten produzierenden Kraftwerke (bei unvernderter Nachfrage) vom Markt ver-drngt werden und Strom zu gnstigeren Preisen verkauft wird.

    Mittellastkraftwerke Mittellastkraftwerke werden vorwiegend tagsber zur Deckung der sogenannten Peakload von 8:00 bis 20:00 Uhr herangezogen (5.000 Volllaststunden/Jahr) und weisen hhere variable Kosten als Grundlastkraftwerke auf. Im Vergleich zu Grund-lastkraftwerken knnen die Mittellastkraftwerke flexibler gefahren werden. Hierzu zhlen insbesondere Steinkohlekraftwerke, Gas- und Dampfkraftwerke sowie Lauf-wasserkraftwerke.

    Must-run Bedarf Must-run Bedarf bezieht sich auf ein vom Netzbetreiber ausgewhltes Kraftwerk, das in einem definierten Zeitraum im Betrieb bleiben muss, um den Netzbetrieb durch Bereitstellung von Systemdienstleistungen zu gewhrleisten. Diese Leistun-gen werden bisher noch berwiegend durch konventionelle Kraftwerke erbracht. Aus technischer Sicht knnen auch erneuerbare Energien diese Systemdienstleis-tungen leisten.

    (n-1)-Kriterium Der Grundsatz der (n-1)-Sicherheit in der Netzplanung besagt, dass in einem Netz bei prognostizierten maximalen bertragungs- und Versorgungsaufgaben die Netz-sicherheit auch dann gewhrleistet bleibt, wenn eine beliebige Komponente, etwa ein Transformator oder eine Stromleitung, ausfllt oder abgeschaltet wird, d. h. es darf in diesem Fall nicht zu Versorgungsunterbrechungen oder einer Ausweitung der Strung kommen. Auerdem muss die Spannung innerhalb der zulssigen Gren-zen bleiben. Die verbleibenden Betriebsmittel drfen nicht berlastet werden.

    Netto-Leistung Die an das Versorgungssystem abgegebene Leistung einer Erzeugungseinheit wird als Netto-Leistung bezeichnet. Sie ergibt sich aus der Brutto-Leistung nach Abzug der elektrischen Eigenverbrauchsleistung whrend des Betriebes, auch wenn diese nicht aus der Erzeugungseinheit selbst, sondern anderweitig bereitgestellt wird.

  • GLOSSAR 179

    Netzkodex zu Kapazittsallokation Der Netzkodex zu Kapazittsallokation und Engpassmanagement (Capacity Alloca-tion and Congestion Management) bestimmt die Regeln fr den grenzberschrei-tenden Handel und die diesbezgliche Zusammenarbeit zwischen bertragungs-netzbetreibern und Strombrsen sowie zwischen den Regulierungsbehrden und ACER.

    Netzkodex zur Regelenergie Der Netzkodex zur Regelenergie (Electricity Balancing) zielt darauf ab, die heute noch weitgehend national organisierten Mrkte fr Regelenergie in Europa zu inte-grieren. Durch eine Harmonisierung der Regelenergieprodukte und eine Anglei-chung der Regeln fr den Regelenergieeinsatz werden der grenzberschreitende Regelenergieaustausch innerhalb Europas erleichtert und der Wettbewerb zwischen Regelenergieanbietern gefrdert.

    Netzkodex fr die vorzeitige Kapazittsbelegung

    Der Netzkodex fr die vorzeitige Kapazittsbelegung (Forward Capacity Allocation) dient der Absicherung von Stromgeschften mit den europischen Nachbarn. Er erffnet den Marktteilnehmern die Mglichkeit, die fr den grenzberschreitenden Stromaustausch notwendigen Leitungskapazitten bereits zu Vertragsabschluss vor dem Liefertermin zu buchen. Damit ergibt sich die Mglichkeit, sich vor Preisnde-rungen im Stromtransport zu schtzen.

    Netzkodexe zu Netzanschlussbedingungen

    Die Netzkodexe zu Netzanschlussbedingungen (Grid Connection Codes) sollen mg-lichst vereinheitliche Netzanschlussbedingungen fr jene Marktteilnehmer schaffen, die ihre Anlagen an das europische bertragungsnetz anschlieen wollen. Zu diesen Marktakteuren gehren Betreiber von Erzeugungsanlagen ebenso wie Betreiber von HG-Leitungen, Betreiber von groen stromverbrauchenden Einheiten (etwa ener-gieintensive Industrieunternehmen) ebenso wie Verteilernetzbetreiber.

    Nicht-privilegierter Letztverbrauch Der abgenommene EEG-Strom wird auf die Gesamtheit aller Stromverbraucher berwlzt, die nicht von den Entlastungsregelungen profitieren.

    Nutzenergie Ist die Energie, die dem Endnutzer fr seine Bedrfnisse zur Verfgung steht. Nutz-energie wird direkt aus der Endenergie gewonnen. Mgliche Formen von Nutzener-gie sind Wrme zur Raumheizung, Klte zur Raumkhlung, Licht oder mechanische Arbeit.

    OPEC-Korb Der OPEC-Korbpreis bezeichnet einen Durchschnittspreis fr Rohl, der sich als arithmetisches Mittel der Einzelnotierungen von 13 Rohlsorten aus unterschiedli-chen OPEC-Mitgliedstaaten ergibt.

    Phelix-Future Futures sind finanziell zu erfllende Termingeschfte ber Strommengen, die auch physisch erfllt werden knnen. Der Bezug Phelix steht fr Physical Electricity Index.

    Primrenergie Primrenergie ist der rechnerisch nutzbare Energiegehalt eines natrlich vorkom-menden Energietrgers.

    Primrenergietrger Primrenergietrger sind Energietrger, die noch keiner Umwandlung unterworfen wurden wie beispielsweise Stein- und Braunkohle, Erdl, Erdgas und spaltbares Material wie Uran sowie erneuerbare Energien (Sonnenenergie, Windkraft, Wasser-kraft, Erdwrme und Gezeitenenergie).

    Primrenergieverbrauch Der Primrenergieverbrauch (PEV) ist das saldierte Ergebnis aus inlndischer Pro-duktion, dem Auenhandelssaldo bei Energietrgern unter Abzug der Hochseebun-kerungen sowie unter Bercksichtigung der Lagerbestandsvernderungen.

    Privilegierter Letztverbrauch Die Besondere Ausgleichsregelung des 410ff EEG begrenzt die Menge des gem EEG vergteten Stroms aus erneuerbaren Energien, den bestimmte Unternehmen des Produzierenden Gewerbes sowie solche, die Schienenbahnen betreiben, als Teil ihres gesamten Strombezugs von den sie beliefernden Energieversorgungsunter-nehmen (EVU) abnehmen mssen.

  • GLOSSAR180

    Prozesswrme Prozesswrme wird fr technische Prozesse wie Garen, Schmieden, Schmelzen oder Trocknen bentigt. Sie kann durch Verbrennung, elektrischen Strom oder, im gns-tigsten Fall, durch Abwrme bereitgestellt werden.

    Redispatch Beim Redispatch wird der Kraftwerkseinsatz (= Dispatch) bei bestehenden oder dro-henden Netzengpssen vom bertragungsnetzbetreiber an die Anforderungen des Netzes angepasst. Da Handelsgeschfte nicht von diesen Manahmen tangiert wer-den, werden die hiermit verbundenen Kosten bei der Kalkulation der Netzentgelte bercksichtigt.

    Regelenergie Differenzen zwischen Ein- und Ausspeisung lassen in einem Elektrizittsnetz Leis-tungsungleichgewichte entstehen. Die Regelenergie wird dazu bentigt, diese Ungleichgewichte auszugleichen und dadurch Netzfrequenz und -spannung wieder auf ihren Sollwert zu bringen. Bei einer bereinspeisung muss dem Netz durch den Einsatz negativer Regelenergie Strom entzogen werden. Bei einer zu geringen Einspei-sung muss das Netz durch das Zufhren von positiver Regelenergie gesttzt werden.

    Schwarzstartfhigkeit Die Fhigkeit eines Kraftwerks ohne Eigenbedarfsversorgung ber das Elektrizitts-netz den Betrieb selbststndig wieder aufnehmen zu knnen, wird als Schwarzstart-fhig bezeichnet. Dies ist insbesondere bei einer Strung, die zum Zusammenbruch des Netzes fhrt, als erster Schritt zum Wiederaufbau der Versorgung von groer Bedeutung.

    Sekundrenergietrger Im Unterschied zu den Primrenergietrgern sind Sekundrenergietrger solche, die aus der Umwandlung von Primarenergietrgern entstehen. Dies sind alle Stein- und Braunkohlenprodukte sowie Minerallprodukte, Gichtgas, Konvertergas, Kokereigas, Strom und Fernwrme. Sekundrenergietrger knnen aber auch aus der Umwand-lung anderer Sekundrenergietrger entstehen.

    Spitzenlast Die Spitzenlast ist die maximale Leistung, die whrend einer Zeitspanne von einer Verbrauchseinrichtung bezogen wird oder ber ein Versorgungsnetz aufzubringen ist.

    Spitzenlastkraftwerke Spitzenlastkraftwerke knnen schnell an- und abgefahren werden und knnen somit kurzfristige Nachfragespitzen ausgleichen. Sie zeichnen sich typischerweise durch relativ geringe Kapitalkosten (Fixkosten) und hohe variable Kosten aus. Sie werden nur in wenigen Zeiten im Jahr betrieben (ca. 500 bis 2.000 Volllaststunden/Jahr). Hierzu zhlen Pumpspeicherkraftwerke und Gasturbinenkraftwerke.

    Substitutionsprinzip In den deutschen Energiebilanzen wurde bis zum Bilanzjahr 1994 fr die Bewertung von Energietrgern, bei denen es keinen einheitlichen Umrechnungsmastab wie den Heizwert gibt, sowie beim Stromauenhandel als Hilfsgre der durchschnitt-liche Brennstoffbedarf in konventionellen Kraftwerken herangezogen. Es wurde davon ausgegangen, dass Strom aus konventionellen Wrmekraftwerken ersetzt wird und sich dadurch der Brennstoffeinsatz in diesen Anlagen vermindert. In Anglei chung an die internationale Konvention wurde dieses Prinzip ab dem Berichtsjahr 1995 durch die Wirkungsgradmethode abgelst.

    Systemdienstleistungen Als Systemdienstleistungen werden in der Elektrizittsversorgung diejenigen fr die Funktionstchtigkeit des Systems unvermeidlichen Dienstleistungen bezeichnet, die Netzbetreiber fr ihre Netzkunden zustzlich zur bertragung und Verteilung elekt-rischer Energie erbringen und damit die Qualitt der Stromversorgung bestimmen.

    Umlagepflichtiger Letztverbrauch Der umlagepflichtige Letztverbrauch gliedert sich in zwei Teilbereiche: den regul-ren, d. h. nicht-privilegierten Letztverbrauch, und den privilegierten Letztverbrauch.

  • GLOSSAR 181

    Unionsweite Liste von Vorhaben von gemeinsamem Interesse

    Diese Liste enthlt Ausbauprojekte, durch deren Realisierung bestehende Lcken in der Infrastruktur des europischen Energienetzes geschlossen und so die europi-schen Ziele der Energieversorgungssicherheit und der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien erreicht werden knnen. Die darin enthalten Vorhaben profi-tieren von schnelleren und effizienteren Genehmigungsverfahren und knnen ggf. finanzielle Frderungen aus EU-Steuermitteln erhalten. Der wirtschaftliche, soziale und kologische Nutzen eines solchen Vorhabens muss fr mindestens zwei EU-Mitgliedstaaten zur Geltung kommen.

    Wrmebereitstellung durch erneuerbare Energien

    Der im Bericht aufgefhrte Anteil erneuerbarer Energien an der Wrmebereitstellung entspricht dem Verhltnis aus der Wrmebereitstellung von Endenergie aus erneu-erbaren Energien (entsprechend den Angaben der AGEE-Stat, ohne Wrme aus Strom, bei Wrmepumpen abzglich des Stromeinsatzes) und dem Endenergiever-brauch fr Wrme entsprechend den Anwendungsbilanzen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (dieser enthlt, anders als der Zhler, auch die Wrmebereitstellung aus Strom). Zur Berechnung des im EEWrmeG definierten Anteils erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch fr Wrme und Klte wird im Nenner der End-energieverbrauch fr alle Klteanwendungen einbezogen.

    Wirkungsgradprinzip Statistisches Bewertungsverfahren bei der Erstellung einer Energiebilanz. Dabei werden die Energietrger, fr die es keinen einheitlichen Umrechnungsfaktor wie den Heizwert gibt, auf Basis von definierten Wirkungsgraden bewertet. Fr die Kernenergie wird ein Wirkungsgrad von 33 Prozent unterstellt, fr die Stromerzeu-gung aus Wind, Sonne und Wasserkraft ein Wirkungsgrad von 100 Prozent. Die Wir-kungsgradmethode findet in Deutschland in Angleichung an die internationale Kon-vention seit dem Berichtsjahr 1995 Anwendung.

  • 182

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  • LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS 183

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    DIW (2014b): Europische Perspektive fr Versorgungssicher-heit auf Strommrkten notwendig. DIW Roundup. Politik im Fokus. N39, Berlin, Oktober 2014.

    DPMA (2014): Jahresbericht 2013. Deutsches Patent- und Mar-kenamt. Mnchen, Juni 2014.

    E-Bridge, IAEW, OFFIS (2014): Moderne Verteilernetze fr Deutschland (Verteilernetzstudie). Studie im Auftrag des Bun-desministeriums fr Wirtschaft und Energie. Aachen Bonn Oldenburg - Berlin, September 2014.

    Ecofys, ISI (2014): berprfung der aktuellen Ausnahmerege-lungen fr die Industrie im Bereich des EEG im Hinblick auf Treffsicherheit und Konsistenz mit anderen Ausnahmeregelun-gen im Energiebereich unter besonderer Bercksichtigung der internationalen Wettbewerbsfhigkeit und Strompreissituation. Ecofys, Fraunhofer-Institut fr System- und Innovationsfor-schung. Im Auftrag des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie. Kln Karlsruhe Berlin, 2014.

    Energy Brainpool (2013): Prognose der Stromabgabe an Letzt-verbraucher fr das Kalenderjahr 2014. Gutachten fr die vier deutschen bertragungsnetzbetreiber im Auftrag der Trans-netBW GmbH. Berlin, Oktober 2013.

    Ernst & Young GmbH (2013): Kosten-Nutzen-Analyse fr einen flchendeckenden Einsatz intelligenter Zhler. Studie im Auf-trag des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie. Dsseldorf Mnchen, August 2013.

    EU-Kommission (2014a): Energy Economic Developments in Europe, in: DG Economic and Financial Affairs (ECFIN) (Hrsg.): European Economy 1/2014. DG Economic and Financial Affairs (ECFIN). Brssel, Januar 2014.

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    EWI (2012): Analyse der Stromkostenbelastung der energiein-tensiven Industrie. September 2012. Aktualisierung der im Rah-men der Studie Energiekosten in Deutschland Entwicklun-gen, Ursachen und Internationaler Vergleich im Auftrag des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie (Frontier Eco-nomics/EWI 2010) durchgefhrten Berechnung. Kln Berlin, September 2012.

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  • LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS184

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    Experten-Kommission zum Monitoring-Prozess Energie der Zukunft (2014): Stellungnahme zum zweiten Monitoring-Bericht der Bundesregierung fr das Berichtsjahr 2012. Berlin Mannheim Stuttgart, April 2014.

    Forsa (2013): Verbraucherinteressen in der Energiewende Ergebnisse einer reprsentativen Befragung, im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverband. Berlin, August 2013.

    Forschungsgruppe Wahlen (2014): BDEW-Energiemonitor: Das Meinungsbild der Bevlkerung, im Auftrag des Bundesver-bands der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. Berlin, Mrz 2013.

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    GWS, DLR, DIW, ZSW, Prognos (2014): Beschftigung durch erneuerbare Energien in Deutschland: Ausbau und Betrieb - heute und morgen, dritter Bericht zur Bruttobeschftigung. Bruttobeschftigung durch erneuerbare Energien in Deutsch-land im Jahr 2013. Gesellschaft fr Wirtschaftliche Strukturfor-schung mbH, Deutsches Zentrum fr Luft- und Raumfahrt, Deutsches Institut fr Wirtschaftsforschung, Zentrum fr Son-nenenergie- und Wasserstoffforschung, Prognos GmbH. Osnabrck Stuttgart - Basel, Mai 2014.

    GWS (2013): Gesamtwirtschaftliche Effekte energie- und kli-mapolitischer Manahmen der Jahre 1995 bis 2012. Studie im Auftrag des Bundesministeriums fr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Osnabrck, Oktober 2013.

    GWS, Prognos, EWI (2014): Gesamtwirtschaftliche Effekte der Energiewende. Studie im Auftrag des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie. Osnabrck Kln Basel, September 2014.

    IER, IZT (2014): Evaluation ausgewhlter Manahmen zur Energiewende. Studie im Auftrag des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie. Institut fr Energiewirtschaft und Rati-onelle Energieanwendung der Universitt Stuttgart (IER), Insti-tut fr Zukunftsstudien und Technologiebewertung Berlin (IZT). Stuttgart Berlin, Juli 2014.

    Institut fr Demoskopie Allensbach (2014): Akzeptanz der Energiewende bei den Brgern.

    IREES, ISI (2014): Evaluation des Frderprogramms Energie-beratung im Mittelstand als eine Komponente des Sonderfonds`Energieeffizienz in kleinen und mittleren Unter-nehmen (KMU). Institut fr Ressourceneffizienz und Energie-strategien, Fraunhofer-Institut fr System- und Innovationsfor-schung.

    ISI, DIW, GWS, IZES (2014): Monitoring der Kosten- und Nut-zenwirkungen des Ausbaus erneuerbarer Energien im Jahr 2013. Aktualisierte Untersuchung im Rahmen des Projektes Wirkun-gen des Ausbaus erneuerbarer Energien (ImpRes). Im Auftrag des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie. Fraunho-fer-Institut fr System- und Innovationsforschung, Deutsches Institut fr Wirtschaftsforschung, Gesellschaft fr Wirtschaftli-che Strukturforschung mbH, Institut fr ZukunftsEnergieSys-teme.

    IWU (2013): Manahmen zur Umsetzung der Ziele des Ener-giekonzepts im Gebudebereich Zielerreichungsszenario. For-schungsvorhaben im Auftrag des Bundesministeriums fr Ver-kehr, Bau und Stadtentwicklung sowie des Bundesinstituts fr Bau-, Stadt- u. Raumforschung. Institut Wohnen und Umwelt. Darmstadt, Mrz 2013.

    KfW Bankengruppe (2012): StE Research Report Wirkungen der Frderprogramme Energieeffizientes Bauen, Energieeffi-zientes Sanieren und Energieeffiziente Infrastruktur der KfW auf ffentliche Haushalte, Frderjahr 2011. Kurzgutachten im Auftrag der KfW Bankengruppe. Institut fr Energie- und Kli-maforschung Systemforschung und Technologische Entwick-lung (IEK-STE). Jlich, Juli 2012.

    ko-Institut (2013): Politikszenarien fr den Klimaschutz VI. Treibhausgas-Emissionsszenarien bis zum Jahr 2030. Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes. Umweltbundesamt Climate Change Series 04/2013. Dessau-Rolau, Mrz 2013.

    ko-Institut et al. (2014): Aktueller Stand der KWK-Erzeu-gung (September 2014). Studie im Auftrag des Bundesministeri-ums fr Wirtschaft und Energie. ko-Institut, Hans-Joachim Ziesing. Freiburg Berlin, Oktober 2014.

    Prognos, EWI, GWS (2010): Energieszenarien fr ein Energie-konzept der Bundesregierung. Basel Kln Osnabrck, August 2010.

    Prognos, EWI, GWS (2014): Entwicklung der Energiemrkte Energiereferenzprognose. Basel Kln Osnabrck, Juni 2014.

    Prognos, IFAM, IREES, BHKW-Consult (2014): Potenzial- und Kosten-Nutzen-Analyse zu den Einsatzmglichkeiten von Kraft-Wrme-Kopplung (Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtli-nie) sowie Evaluierung des KWKG im Jahr 2014. Studie im Auf-trag des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie. Prognos, Fraunhofer IFAM, Institut fr Ressourceneffizienz und Energiestrategien, BHKW-Consult. Basel Bremen Karlsruhe Rastatt, Oktober 2014.

  • LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS 185

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    UBA (2014c): Emissionsbilanz erneuerbarer Energietrger. Bestimmung der vermiedenen Emissionen im Jahr 2013. Umweltbundesamt Climate Change Series 29/2014. Dessau-Rolau, November 2014.

    NB (2014a): Jahresabrechnung der bertragungsnetzbetrei-ber. EEG-Mengentestat 2013 auf Basis von WP-Bescheinigun-gen: Angaben zu Strompreismengen und Vergtungen nach EEG. 50 hertz, Amprion TenneT, TransnetBW. Berlin, Juli 2014.

    NB (2014b): Prognose der EEG-Umlage 2015 nach AusglMe-chV. Prognosekonzept und Berechnung der bertragungsnetz-betreiber. 50Hertz, Amprion, TenneT TransnetBW. Berlin, Oktober 2015.

    NB (2014c): Bericht der deutschen bertragungsnetzbetreiber zur Leistungsbilanz 2014 nach EnWG 12 Abs. 4 und 5. 50Hertz, Amprion , TenneT, TransnetBW. Berlin, September 2014.

    ZEW, Creditreform, E-Bridge (2014): Potenziale und Hemm-nisse von Unternehmensgrndungen im Vollzug der Energie-wende. Zentrum fr Europische Wirtschaftsforschung (ZEW). Studie im Auftrag des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie. Mannheim, Mrz 2014.

    Prognos (2013): Ermittlung der Wachstumswirkungen der KfW-Programme zum Energieeffizienten Bauen und Sanieren. Studie im Auftrag der KfW Bankengruppe. Prognos. Berlin Basel, Mrz 2013.

    Prognos (2014): Wertschpfungs- und Beschftigungseffekte der Energiewirtschaft. Forschungsvorhaben fr das Bundesmi-nisterium fr Wirtschaft und Technologie. Mnchen Basel Berlin, Oktober 2014.

    NIW, ISI (2014): Wirtschaftsfaktor Umweltschutz. Produktion Auenhandel Forschung Patente: Die Leistungen der Umweltschutzwirtschaft in Deutschland. Niederschsisches Ins-titut fr Wirtschaftsforschung, Institut fr Ressourceneffizienz und Energiestrategien, Fraunhofer-Institut fr System- und Innovationsforschung. Studie im Auftrag des Umweltbundes-amtes. Dessau-Rolau, Mrz 2014.

    r2b (2014): Leitstudie Strommarkt Arbeitspaket Funktions-fhigkeit EOM & Impact-Analyse Kapazittsmechanismen. Studie im Auftrag des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie. Kln, Juli 2014.

    RWI, forsa (2013): Erhebung des Energieverbrauchs der priva-ten Haushalte fr die Jahre 2009 2010, Bericht des Rheinisch-Westflisches Instituts fr Wirtschaftsforschung und der forsa Gesellschaft fr Sozialforschung und statistische Analysen mbH im Auftrag des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Energie. Essen Berlin, Mai 2013.

    Statisches Bundesamt (2014): Produzierendes Gewerbe. Kos-tenstruktur der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes sowie des Bergbaus und der Gewinnung von Steinen und Erden. Fachserie 4 Reihe 4.3. Wiesbaden, Juni 2014.

    TNS Emnid (2013): Akzeptanz zu Erneuerbaren Energien 2013, im Auftrag der Initiative Erneuerbare Energiewende Jetzt! Bielefeld Berlin, September 2013.

    UBA (2013a): Methodenkonvention 2.0 zur Schtzung von Umweltkosten. konomische Bewertung von Umweltschden. Umweltbundesamt. Dessau-Rolau, August 2012.

    UBA (2013b): Emissionsbilanz erneuerbarer Energietrger. Bestimmung der vermiedenen Emissionen im Jahr 2012. Umweltbundesamt Climate Change Series 15/2013. Dessau-Rolau, Oktober 2012.

    UBA (2014a): Berichterstattung unter der Klimarahmenkonven-tion der Vereinten Nationen und dem Kyoto-Protokoll 2014: Nationaler Inventarbericht zum Deutschen Treibhausgasinven-tar 19902012. Umweltbundesamt EU Submission. Dessau-Rolau, Januar 2014. (cdr.eionet.europa.eu/de/eu/ghgmm/envutt6ka)

    Die Zahlenwerte der Abbildungen sowie weiterfhrende Information zum Monitoring-Prozess Energie der Zukunft sind auf den Internetseiten des BMWi www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/Energiewende/ monitoring-prozess.html sowie der Geschftsstelle der BNetzA www.bundesnetzagentur.de/MonitoringEnergiederZukunft eingestellt.

    http://www.bundesnetzagentur.de/MonitoringEnergiederZukunfthttp://cdr.eionet.europa.eu/de/eu/ghgmm/envutt6kahttp://cdr.eionet.europa.eu/de/eu/ghgmm/envutt6kawww.bmwi.de/DE/Themen/Energie/Energiewende/

  • www.bmwi.de

    Die Energie der ZukunftImpressumInhaltEinleitungAufgabe des Monitoring-Prozesses Energie der Zukunft"Energiestatistische Grundlagen des Monitoring-ProzessesUntersttzung des Monitoring-Prozesses durch eine unabhngige Experten-KommissionDie Zielsetzung des FortschrittsberichtsDer Aufbau des FortschrittsberichtsDer Zusammenhang mit anderen ProzessenKoordinierung der Energiewende, Dialog und BeteiligungAusblick: Vieles ist erreicht vieles ist noch zu tunTeil I Monitoring-Bericht 2014IndikatorenI.1 Erneuerbare EnergienI.1.1 ZielsetzungenI.1.2 Anteil der erneuerbaren Energien am BruttoendenergieverbrauchI.1.3 Anteil der erneuerbaren Energien Endenergieverbrauch fr WrmeI.1.4 Anteil erneuerbarer Energien im VerkehrssektorI.1.5 Anteil der erneuerbaren Energien am BruttostromverbrauchI.1.6 EEG-FrderkostenI.1.6.1 EEG-Vergtungszahlen und DifferenzkostenI.2 Energieverbrauch und EnergieeffizienzI.2.1 EnergieverbrauchI.2.2 EnergieeffizienzI.3 Energetische Gebudesanierung und energieeffizientes BauenI.3.1 Gebuderelevanter Endenergieverbrauch - WrmebedarfI.3.2 PrimrenergiebedarfI.3.3 Sanierung des Gebudebestands und Investitionen in den GebudesektorI.4 VerkehrI.4.1 Energieverbrauch im VerkehrssektorI.4.2 Verkehrsleistung im Personen- und GterverkehrI.4.3 Bestand an mehrspurigen Fahrzeuge mitelektrifiziertem AntriebI.4.4 Durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch neu zugelassener Pkw/KombisI.5 TreibhausgasemissionenI.5.1 Entwicklung der TreibhausgasemissionenI.5.2 Entwicklung der durch erneuerbare Energien vermiedenen EmissionenI.6 Strommarkt und VersorgungssicherheitI.6.1 KraftwerksbestandI.6.2 KraftwerksplanungI.7 Netzbestand und NetzausbauI.7.1 StromnetzbestandI.7.2 StromnetzausbauI.7.3 Netzinvestitionen und NetzentgelteI.7.4 Stabilitt und Qualitt der StromnetzeI.7.5 ErdgasI.8 Energiepreise und EnergiekostenI.8.1 EnergiepreiseI.8.2 EnergiekostenI.9 Energieforschung und InnovationenI.9.1 Forschung und EntwicklungI.9.2 Neuerungen von EnergietechnologienI.9.3 Marktverbreitung innovativer EnergietechnologienI.10 Gesamtwirtschaftliche Effekte der EnergiewendeI.10.1 InvestitionenI.10.2 Auenwirtschaftliche ImpulseI.10.3 Preiseffekte und WachstumsimpulseI.10.4 BeschftigungseffekteTeil II Zielarchitektur und Ziele des EnergiekonzeptsII.1 Ziele des EnergiekonzeptsII.1.1 Politische ZieleII.1.2 KernzieleII.2 Erneuerbare EnergienII.2.1 Manahmen im StrombereichII.2.2 AusblickII.2.3 Die grundlegende Reform des EEG 2014II.3 Energieverbrauch und EnergieeffizienzII.3.1 Breiter Manahmenmix zur SteigeII.3.2 AusblickII.3.3 SchlussfolgerungenII.4 Energetische Gebudesanierung und energieeffizientes BauenII.4.1 Manahmen im GebudesektorII.4.2 AusblickII.4.3 SchlussfolgerungenII.5 VerkehrII.5.1 Manahmen im Sektor VerkehrII.5.2 AusblickII.5.3 SchlussfolgerungenII.6 TreibhausgasemissionenII.6.1 Treibhausgasemissionen und Erreichung des Klimaziels 2020II.6.2 SchlussfolgerungenTeil III Rahmenbedingungen fr die EnergiewendeIII.1 Strommarkt und VersorgungssicherheitIII.1.1 Diskussion um ein langfristig tragfhigesStrommarktdesignIII.1.2 Kraft-Wrme-KopplungIII.1.3 VersorgungssicherheitIII.2 Netzbestand und NetzausbauIII.2.1 Manahmen im Bereich der Strom- undGasnetzeIII.2.2 AusblickIII.2.3 SchlussfolgerungenIII.3 Energieversorgung im europischen und internationalen KontextIII.3.1 Der bisherige energie- und klimapolitische EU-RahmenIII.3.2 Weiterentwicklung der EU-EnergiepolitikIII.3.3 Internationale Verflechtung unddeutsche EnergieauenpolitikIII.3.4 Weiterentwicklung der internationalenEnergieauenpolitikIII.4 Energiepreise und EnergiekostenIII.4.1 Manahmen fr wettbewerbsfhige und bezahlbare EnergiepreiseIII.4.2 AusblickIII.4.3 EnergieausgabenIII.5 Energieforschung und InnovationenIII.5.1 Manahmen der Energieforschungs- undInnovationspolitikIII.5.2 Forschungs- und InnovationspolitikIII.6 Gesamtwirtschaftliche Effekte der EnergiewendeIII.6.1 InvestitionenIII.6.2 Auenwirtschaftliche ImpulseIII.6.3 Preiseffekte und WachstumsimpulseIII.6.4 BeschftigungseffekteIII.7 UmweltvertrglichkeitIII.8 Akzeptanz der EnergiewendeIII.8.1 Aktuelle BefragungsergebnisseIII.8.2 Manahmen zur Steigerung der AkzeptanzIII.8.3 Koordinierung und ZusammenarbeitIII.8.4 Monitoring der EnergiewendeGlossarLiteratur- und Quellenverzeichnis

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