Bericht über die Jahresversammlung der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft

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  • 76 Bericht ~iber die Jahresversammlung.

    Berieht ber die Jahresversammlung der Deutsehen Ornithologisehen Gesellsehaft

    yon II. bis 14. $oplombor 1896 in Borlin.

    Die Jabresversammlung der Deutschen Ornithologischen Ge- sellschaft air 1896 fand in Berlin vom 11. bis 14. September unter Beteiligung folgender-Mitglieder statt: Graf Ber lepsch (Schloss Berlepsch), Prof. Dr. W. Blasius (Braunschweig), H. Banger (Potsdam), Dr. H. Brehm (Berlin), Prof. Dr. Cabanis (Friedrichshagen), Ober-Postsekret~r K. D e d i t iu s (Schoeneberg), Landgericbtsrat Ehm cke (Berlin), Sanit~itsrat Dr. Fr ick (Burg), Kanzleirat Grunack (Berlin), Dir. Dr. Heck (Berlin), Major Alex. yon Homeyer (Greifswald), L. Holtz (Greifswald), Ph. Kfihne (Berlin), Prof. Dr. Koenig (Bonn), Major Krf iger- Velthusen (Berlin), O. K le inschmidt (Schloss Berlepsch), P. Matschie (Berlin), W. Nauwerck (Berlin), v. Oertzen (Tegel), M. Pasch (Berlin), G. Pascal (Berlin), Prof. Dr. Reiche'now (Berlin), Kustos Reiser (Sarajewo), R. RSrig (Berlin), H. Schalow (Berlin), E. Schre iner (Berlin), P. Spatz (Halle), H. Thiele (KSpenick), Prof. Talsky (Olmritz), Major v. Treskow (Charlottenburg), W. Walter (Berlin).

    Als G~ste nahmen an der Versammlung teil die Herren: Prof. Dr. Berg (Kopenhagen), H. Gottschlag (Berlin), Dr. v. M~ihrenthal (Berlin), Haushofmeister Meier (Klein Glienicke)~ Ost (Hamburg), OberfSrster v. R iesenthal (Charlottenburg), P. S taud inger (Berlin).

    Nachdem man sich im Architektenhause versammelt und unter einander begrasst hatte, begann daselbst um 8 Uhr die erste Sitzung.

    Herr Schalow leitete dieselbe mit einer Ansprache ein, worin er der Hoffnung auf arbeitsfrohe und genussreiche Tage far den Verlauf der Versammlung Ausdruck gab. Hierauf erfolgte die Wahl der Herren Grafvon Ber lepsch, Major A. yon Homeyer und Prof. Wilh. Blas ius zu Vorsitzenden, die der Herrn Klein- schmidt und Schre iner zu Schriftfiihrern der Versammlung.

    Nachdem Herr Bringer fiber die Kassenffihrung der Ge- sellschaft im Gesch~ftsjahr berichtet und ein Ausschuss yon drei

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    Mitgliedern zur Priifung der Rechnungen gew~hlt worden, verliest Prof. Dr. Reichenow die eingelaufenen Telegramme und Zu- schriften (u. a. yon Herrn Polizeirat Kuschel in Breslau, E. Z iemer in Klein Reichow nnd yon Tschusi zu Schmid- h o ffen in Hallein), ausserdem eine Einladung yon Herrn Hagen- beck zu einer Vorstellung im Tierpark der Gewerbeausstellung am folgenden Tage.

    Dem Geschiiftsbericht des Kassenfiihrers, Herrn Biinger, i~ber die Jahre 1894/95 ist folgendes entnommen:

    Die Zahl der blitglieder betrug am Anfang der Berichts- periode 145 0rdentl., ging 1894 auf 140 zurilck und erhShte sich bis Ende 1895 auf 144.

    Durch Ted hat die Gesellschaft folgende Mitglieder verloren: yon B le ichrSder , Graf Breuner -Enkevo~rth , Hart -

    mann, Heine sen., Hol landt , K~ppen, Liebe, Miitzel, Schi i t t , Schulz, Theobald.

    Das Yerm~gen der Gesellschaft betrug am 1. Januar 1894 M. 823,05, 1. ,, 1895 ,, 924,05, 1. ,, 1896 ,, 858,25.

    Der Umfang des Journals fiir Ornithologie konnte effreulicher Weise in den verflossenen beiden Jahren erweitert werden. Ein besonderes u hat sich Herr Prof. Dr. Koenig (Bonn) wiederum um die Zeitschrift erworben, indem er eine gr~ssere Anzahl Tafeln auf seine Kosten herstellen liess.

    Es gelangt sodann die veto Vorstande beantragte Anderung der Satzungen zur Beratung. Nach l~ngerer Besprechung wird der vorliegende Entwurf einem Ausschuss zur u iiber- wiesen.

    Professor Reichenow er~ffnet nunmehr den wissenschaft- lichen Teil der Sitzung mit der Besprechung der neusten litterao rischen Erscheinungen auf dem Gebiete der Ornithelogie. Er weist auf die baldige Vollendung des ,,Catalogue of the Birds of the British Museum" hin und erBrtert den Arbeitsplan des neuen grossen Unternehmens der Deutschen Zoologischen Gesellschaft, welches unter dem Gesamttiteh ,,Das Tierreich" eine Beschreibung slimtlicher bekannten Tierarten geben sell, und yon dessen ornitho- logischer Abteilung der erste Beitrag bereits im Erscheinen be- griffen ist. Prof. Reichenow legt ferner eine Anzahl yon chromo- lithographischen Abbildungen zu den Werkeni ,,Lord Lilford:

  • 78 Bericht fiber die Jahresversammlnng.

    Birds of the British Islands" und ,,Poynting: Eggs of British Birds" vor, welche in Deutschland und zwar in der Kunstanstalt unseres Mitgliedes, des Herrn Pasch in Berlin, hergestellt sind und ganz hervorragende technische Leistungen darstellen.

    Gelegentlich der Besprechung yon E. Harterts Beitrag zum ,,Tierreich", welcher die Podargiden, Caprimulgiden und Micro- podiden umfasst und bereits in Korrecturabziigen vorliegt, er- w~ihnt Herr Pro fessor Reichenow eine nomenklator ische Neuerung, die in diesem Werke zur Anwendung kommen soll und auf folgender Erw~igung beruht: Dadurch, dass yon einer Art eine oder mehrere Subspecies abgezweigt werden, entstehen wenigstens zwei einander nebengeordnete Formen, yon denen die zuerst beschriebene bisher bin~r benannt wird, w~ihrend die fibrigen ausser dem Gattungs- und Speciesnamen der ersten einen dritten subspecifischen Namen erhalten. Der Name der zuerst beschriebenen Form wird nun im doppelten Sinne gebraucht. Bald bezeichnet er die Art und umfasst als solche s~mtliche Unterarten, auch die bin~ir benannte, bald bezeichnet er eine dieser Unterarten im Gegensatz zu den iibrigen. Wenn z. B. yon Caprimulg~s euro~aeus die Rede ist, so kann sich die be- treffende Mitteilung auf G. europaeus, C. europa~s umcini und C. europaeus m~diona~is zugleich beziehen. Man kann dabei ungewiss bleiben, 1) ob sie alle drei in eine zusammenfasst, 2) ob sie nur eine der drei Formen -- und zwar unbestimmt welche - - betrifft, oder endlich 3) ob sie ausdriicklich die erste im Gegensatz zu den zwei letzten meint.

    Um dieser Unklarheit aus dem Wege zu gehn, empfiehlt es sich, auch der zuerst beschriebenen, binRr bezeichneten Form einen dritten Namen zu geben. Um jedoch nicht einen neuen Namen zu schaffen, ist ein bereits yon mehreren Seiten (s. Hartert, The Ibis 1896 p. 362) gemachter Vorschlag angenommen und der ersten Subspecies immer die Bezeichnung (tgpicus) als eine n~here Bestimmung angefiigt, welche den zum Artnamen gehSrenden Autornamen nicht beeinflusst. Demnach w~ire der wirkliche Caprimulgus europaeus L. im engeren Sinne als Caprimulgus eu- ropaeus (typicus) L. zu bezeichnen.

    Graf Ber lepsch erkl~rt, dass er mit diesem Vorschlag durchaus nicht einverstanden sei. Er sieht in solchen Bezeichnungen eine ganz iiberflii.ssige Belastung unsres nomenklatorischen Systems. Der Ausdruck ty~icus in der genannten Formel sei naeh unsren

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    Grunds~tzen ffir wissenschaftliche Nomenklatur kein entsprechender Name, sondern geradezu ein Monstrum.

    Nach einer kurzen Debatte~ die zu keiner Einiguug fQhrt, spricht Graf Ber lepsch fiber die Nomenklatur der deutschen VSgel, deren Bearbeitung und Ordnung er im Namen des yon der D. O. G. damit beauftragten Ausschusses begonnen habe. Das yon Prof. Reichenow im Jahre 1889 herausgegebene Ver- zeichnis der VSgel Deutschlands bediirfe einiger, z. T. schon da- mals vom Verfasser angedeuteter ~nderungen. Dieselben be- treffen:

    1) Die Anwendung der jetzt allgemein anerkannten gleichlau- tenden Namen wie z. B. :Pica pica (L.) (Zwischenruf yon Prof. KSnig: ,,Das ist auch ein Monstrum.")

    2) Die Vermehrung des Verzeichnisses um viele auf dem jetzt deutschen Helgoland nachgewiesene Arten.

    3) Die Aufnahme yon IrrgKsten in die AufzKhlung der deutschen Arten; denn wenn jene auch nicht im genauen Sinne dazu gehSren, so wird durch ihre Erw~hnung doch die Auf- merksamkeit der Beobachter auf sie gelenkt, und das eine oder andere Vorkommen, welches man vorerst nur als ein zufitlUges betrachten kann, wird sich mit der Zeit als ein regelm~ssiges heraussteUen.

    In der deutschen Nomenklatur sei noch "eine grosse Menge yon hSchstverwickelten Einzelfragen zu 15sen. Yon einer oft wiederkehrenden Schwierigkeit biete die Benennung der kleineren Lappentaucher ein besonders charakteristisches BeispieL Unter dem Namen Co~ymbus auri~us habe Linn~ ganz deutlich die drei _Podic~ps-Arten corn~tus Gm., nigricollis Brm. und fl~via- tilis Tunst. zusammengefasst. Die $chwierigkeit hierbei liege in der Entscheidung, ob es mSglich ist, ein s icheres Eliminatio onsverfahren zu finden und durch dieses den Namen aurit~ L. auf eine der drei Arten zu beschrRnken, oder ob man einen derartig mehrdeutigen Namen nicht iiberhaupt verwerfen, d. h. yon dem praktischen Gebrauch ausschliessen miisse.

    In die Zahl der deutschen VSgel sei jedenfalls auch der Phy~loscopus sylvestris Meissners einzureihen, den Redner selbst in Hessen erlegt habe und yon dem er kiirzlich zwei in Serbien gesammelte Exemplare erhielt, ferner eine schon yon Brehm be-

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    schriebene und yon Kleinschmidt am Rhein wieder aufgefundene Meisenart.

    Hr. K le inschmidt ergreift hierauf das Wort und bemerkt, dass er seine Mitteilungen tiber diesen Vogel auf den n~ichsten $onntag verschieben wolle, da heute schon die Zeit zu weit vor- geriickt sei, und da der erste Abend mehr einem gemiitlichen Gedankenaustausch als 1/~ngeren Vortr~igen gewidmet sein miisse. Er wolle daher nur kurz einige an das in Aussicht genommenene Thema grenzende Gesichtspunkte erSrtern.

    Es seien heute Abend in der Versammlung verschiedene Meinungen fiber die Benennung der Subspecies zu Tage getreten. Es handle sich dabei scheinbar nur um eine Nomenklaturfrage, um die bequemste Ausdrucksweise, fiber die man sich beraten und willkiirlich entscheiden kSnne. Es diirfe aber nicht iiber- sehen werden, dass in Wirklichkeit sich hier Zwei verschiedene Naturauffassungen gegeniiberstehn, die' sich in zwei entgegen- gesetzten Begriffen der Subspecies ausdriicken.

    Nach der einen Auffassung unterscheidet sich der Begriff der Subspecies nicht wesentlich yon dem der Species. Die Sub- species wird nur deshalb als Neben~rt bezeichnet und in be- sondrer Weise benannt, weil man in vielen F~llen gezwungen ist, sie unberiicksichtigt zu lassen, dies z. B. bei der Bestimmung yon nicht vSllig ausgebildeten jungen oder weiblichen V~geln, die yon denen der niichststehenden Art nicht unterscheidbar siud. Diese rein prakt i sche Auffassung der Subspecies wird yon Graf yon Berlepsch vertreten.

    Ihr steht eine andre gegenllber, welche unter ,,Species" und ,,Subspecies" zwei verschiedene Dinge versteht. Die Subspecies ist nach dieser Ansicht nicht eine Art n eben einer andern, sondern eine Unterar t , die nut einen Teil der Art ausmacht. Die Art setzt sich aus mehreren und mindestens aus zwei Unter- arten zusammen, welche die Ausl~iufer ihres Ab~nderns darstellen und nicht scharf gegen einander abgegrenzt sind, sondern un- merklich in einander iibergehen. Die Unterarten w~ren nach dieser Auffassung, welche u. a. yon Tschusi vertritt, Querteilungen, die die Langsteilung der Arten kreuzen.

    Christian Ludwig Brehm gelte als der Erfinder der Sub- species. In der yon ihm angewandten Nomenklatur finde man beide Ansichten vor, allein seine Auffassung sei doch "con beiden

  • Bericht llber die ~ahresversammlung. 81

    verschieden. Sein Grundgedanke sei der gewesen: die Arten sind nicht alle weit yon einander getrennt, fliessen aber auch nicht ineinander, sondern die Liicken zwischen den Arten werden auf eine den menschlichen Yerstand in Erstaunen setzende Weise durch andere durchaus konstante Neben- oder Unterarten aus- gef~llt. Um zu verstehn, was Brehm mit diesem seinem Begrift der Subspecies habe sagen wollen, miisse man seine Sammlung gesehen haben. Redner habe kiirzlich Gelegenheit gehabt, die- selbe einer Durchsicht zu unterziehn und ihre Reichhaltigkeit zu bewundern. Er freue sich, hier mitteilen zu kSnnen, dass die Sammlungen in der Hauptsache gut erhalten seien und hoffentlich in nicht aUzuferner Zeit dem Studium erschlossen wiirden. Die wissenschaftliche GrSsse und Bedeutung Christian Ludwig Brehm's bestehe nicht in dem Wert seiner Ansichten, sondern darin, dass er durch sein Beispiel lehrte, die herrschenden Artbegriffe kritisch zu priifen. Auch unsere Aufgabe sei es heutzutage nicht, uns eine bestimmte Auffassung anzueignen und andere zu bek~mpfen. Wir miissten uns vielmehr freuen, dass es verschiedene Meinungen gebe. An der Natur selbst miissten diese erprobt werden, die Natur selbst und der kritische Zweifel an iiberhand nehmenden Lehrsystemen miissten unsere Lehrer und Fiihrer sein. Brehm's Gedanken seien yon seinen Zeitgenossen und sp~teren Ornithologen verkannt und nicht in der rechten Weise gew|irdigt worden. Dazu habe ein Umstand beigetragen, der noch heute den Krebsschaden der Deutschen Ornithologie bilde, n~mlich die Trennung der Deutschen Ornithologen in Systematiker und in Biologen und der Obelstand, dass jede Partei die Arbeit der anderen flit mehr oder minder iiberfllissig h~lt. Nur wenn der Systematiker die Frage des Artbegriffs biologisch zu ergriinden suche und der Biologe dieselbe nicht mehr unbeachtet lasse, stehe der Weg zu neuen Erkenntnissen often.

    Major A lexander yon Homeyer teilt hierauf zum Beweise fiir den Wert biologischer Beobachtungen hSchst interessante Einzelheiten aus seinen reichen Erfahrungen mit, die z. T. in den Ornithol. Monatsberichten verSffentlicht werden sollen. U. a. spricht er Qber versp~teten Abzug yon Micro~ a l~ (Ende August und sogar erst Anfang September), ferner ~iber LaubvSgel yon der Gr~sse des ~hylloscopus trochiIus und rufus, die ihm in der Greifswalder Stadtpromenade durch ihre abweichende Lockstimme

    Joura. f. Ore. XLV. Jahrg. Januar 1897. (3

  • Ber~cht tlber die Jahresversammlung.

    (,,ciep", nicht ,fuit") auffielen. 1) Sie durchziehen allj~ihrlich diesen oft in wenigen Stiicken, entweder sehr friih (schon im August)

    9 oder sehr sp~t (erst Mitte Oktober) und kSnnten m6glicher Weise der yon Graf Berlepsch erw~hnte ~Phylloscopus sylvestris sein.

    Graf Ber lepsch teilt im Anschluss an den Vortrag des Herrn Major yon Homeyer mit, dass er Micropus apus auf Helgoland noch Mitte August angetroflen habe.

    Prof. Koenig berichtet sogar, dass er selbst noch am 16. No- vember einen Segler in der Rheingegend beobachtet hat.

    Major yon Homeyer erz~ihlt, dass Upupa epops in Neu Vorpommern 6fters in Haufen yon Steinen niste, die yon den .~ckern entfernt an einzelnen Punkten zusammengetragen werden, oder auf den HQnengr~ibern liegen. Ferner schildert derselbe den Gesang yon ~mberiza aureola, woriiber man l~l~heres in den Monatsberichten nachlesen wolle.

    Damit war die erste Sitzung beendigt. Man begab sich zum gemeinsamen Abendessen und trennte sich erst lange nach Mitter- nacht, nachdem man noch manehe nomenklatorisehe und bio- logische Frage griindlichster ErSrterung unterzogen hatte.

    Am folgenden Vormittag versammelte man sieh um 9 Uhr wieder im Zoologischen Garten, um unter Fiihrung des Direktors, Herrn Dr. t teck , den reichen Inhalt der Vogelh~iuser zu be- sichtigen und zu bewundern. Naeh beendigtem Rundgang land im Wirtshaus des Gartens ein yon zahlreichen frohen Tischreden belebtes Festessen statt. Den l~achmittag verbrachte man in der Gewerbeausstellung, wo Hagenbeeks Eismeerpanorama und die Vorfiihrung yon Dressurleistungen den lebhaftesten Beifall aller Anwesenden fanden.

    Der Sonntag Morgen sah die Teilnehmer im Bibliothekzimmer des Museums fiir Naturkunde versammelt. Major A lexander yon Homeyer erSffnete die Reihe derVortr~ge. Er sprach iiber Beobachtungen, betreffend die Nistweise und den Zug unserer Schwalben; ferner fiber verfriihten Wegzug mehrerer Vogelarten. ~)

    1) Vergl. die Notiz yon Altum in Naumannia 1857, p. 189, wo derselbe Ilber einen unbestimmbaren kleinen Laubvogel mit meisenartigem Gesang berichtet. Er sagt yon diesem ,,Er lautet wie srip, das sieben Mal schnell nach einander wiederholt wird." O. Kleinschmidt.

    ~) Auch der Inhalt dieses Vortrags ist besonders dem Dn~ck ~ber- geben und wird in den Ornith. Monatsberichten erscheinen.

  • Beri~ht fiber die JahresVer.~ammlung. ~3

    Herr Pasca l bemerkt, dass er schon Anfangs August auf einer Seefahrt bei Bornholm Schwalbenflfige (urbica oder rustica) auf dem Zuge angetrotfeu hahe.

    Graf B e r lepsch weist auf eine eigentiimliche Erscheinung beim FrQhjahrszuge yon .Muscicapa atricalrilta L. him Um Mitte und Ende Mai etwa sieht und hSrt man in der Umgehung yon Schloss Berlepsch fiberaU singende graue M~nnchen dieser Art, die nach einiger Zeit spurlos aus der Gegend verschwinden. Es f ragt sich, wo ziehen sie hin, um zu briiten? Geh~ren vielleicht diese grauen M~nnchen einer besonderen Arran? Er wolle diese Fragen nur yon neuem anregen, um damit zu weiterer Beob- achtung der Thatsache auch an anderen Orten aufzufordern.

    Major Kr f iger -Ve l thusen bemerkt hierzu, nach seinen Beobachtungen ziehe in Norddeutschland der schwarze Vogel einzeln im Frfihjahr durch, die grauen Miinnchen dagegen bleihen als Brutv6gel zurfick und zwar zuweilen in Menge.

    Major yon Homeyer macht fesselnde Mitteilungen fiber das Vorkommen und Brfiten yon Muscica~a gr~sola und parva in Pommern. Erstere Art sah er auf kleinen Kiefern brfiten. Von Sfuscicapa parva, die im Forstrevier Abtshagen allj~hrlich in etwa f|lnfzehn Paaren, in fast allen andern Forstrevieren mit Rotbuchen- Bestand in 1--5 Paaren brfitet, fand er bei Zfissow nahe Greifs- wald ein sonderbares Nest. Es stand in dem rot angestrichenen Pfosten eines Pferde-Schuppens in n~chster N~he yon Buchenwald und war in eine HShlung dieses Pfostens hineingebaut. Es ent- hielt vier Junge.

    Prof. Reichenow legt mehrere yon Herrn Chernel yon Ch ernelhaza geschickte Oedicnemus in dessen Auftrage vor. Die V~gel sind in einer Sandwfiste Sfid-Ungarns gesammelt und ge- hSren nach der weissen Zeichnung der drei ersten Schwingen und der Vorderhalsf~rbung zu Ocdicnemus oedicnemus indicus, dem s~id~stlichen Verwandten unseres Triels. Das Yerbreitungsgebiet yon ind~cus erf~hrt durch dieses Yorkommen eine fiherraschende Erweiterung.

    Prof. Blasius berichtet fiber den yon dem hierzu gew~hlten Ausschuss aufgestellten neuen Entwurf dot Satzungen. Derselbe wird nach den einzelnen Abschnitten durchberaten, und die neuen Satzungen werden hiernach im folgenden Wortlaut an- genommen:

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