volksbund kuenstlerbroschuere felix nussbaum

Download Volksbund Kuenstlerbroschuere Felix Nussbaum

Post on 09-Mar-2016

215 views

Category:

Documents

1 download

Embed Size (px)

DESCRIPTION

Volksbund Kuenstlerbroschuere Felix Nussbaum

TRANSCRIPT

  • Herausgeber: Volksbund Deutsche Kriegsgrberfrsorge e. V.

    KnstlerportrtsLasst meine Bilder nicht sterben

    (Felix Nussbaum)

  • IdeeDiese Broschre soll Auftakt sein zu einer kleinen Reihe ber das

    Leben und Wirken von Menschen, die durch Krieg und Gewalt

    ihr Leben verloren. Es waren, ungeachtet ihrer besonderen Ta-

    lente, Menschen wie wir. Ihr Schicksal mahnt zum Frieden.

    Auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, knnen etwas beitragen.

    Denn wir suchen nicht nur die ganz bekannten, berhmten

    Menschen, nicht nur Maler oder Zeichner, nicht nur Deutsche. Wir

    suchen auch solche, die ganz jung schon Zeichen eines besonderen

    Talents zeigten und dann zu Opfern der Kriege oder der Gewalt-

    herrschaften wurden.

    Bitte schreiben Sie an: Dr. Martin Dodenhoeft, Volksbund Deut-

    sche Kriegsgrberfrsorge e. V., Stichwort Verlorene Talente.

    Impressum

    Herausgeber: Volksbund Deutsche Kriegsgrberfrsorge e. V., Werner-Hilpert-Strae 2, 34112 Kassel

    Idee: Dr. Martin Dodenhoeft

    Konzept, Layout, Druck: Bernecker Mediagruppe

    Redaktion: Saskia Wagner

    Kassel 2010. Gefrdert mit Mitteln der Stiftung Gedenken und Frieden, Ltzowufer 1, 10785 Berlin.

    2

  • GruwortEs ist nachdrcklich zu begren, dass der Volksbund Deutsche

    Kriegsgrberfrsorge den Leserinnen und Lesern dieser Bro-

    schre einzelne, erschtternde Schicksale vor Augen fhrt. Denn

    gerade junge Menschen knnen mit Hilfe solcher Beispiele die

    Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft sehr viel besser erfassen

    und begreifen, als es zum Beispiel durch die Konfrontation mit

    abstrakten, die menschliche Vorstellungskraft bersteigenden

    Opferzahlen mglich ist.

    Der schmerzliche Verlust, der in dem jh abgebrochenen Schaf-

    fen der hier portrtierten Knstler liegt, zeigt uns: Der Krieg hat

    uns eine Flle von Talenten geraubt; vielfltig begabte Menschen

    starben, die uns noch viel htten geben knnen. Mit jedem ein-

    zelnen verlorenen Leben wird Zukunft vernichtet. Daran zu er-

    innern, fr den Frieden zu arbeiten und ber den Grbern zu

    vershnen, ist stndige Aufgabe und Verdienst des Volksbundes

    Deutsche Kriegsgrberfrsorge.

    Bundesprsident Christian Wulff

    Schirmherr des Volksbundes

    Deutsche Kriegsgrberfrsorge e. V.

  • Inhalt/Selbstportrts

    1 | August MackeDer Engagierte

    * 3. Januar 1887

    26. September 1914

    2 | Hermann StennerDas Talent

    * 12. Mrz 1891

    5. Dezember 1914

    3 | Hans MertensDer Illusionslose

    * 2. Januar 1906

    18. August 1944

    5 | Fritz SchulzeDer Rebell

    * 14. April 1903

    5. Juni 1942

    6 | Felix NussbaumDer Verfolgte

    * 11. Dezember 1904

    2. August 1944

    4 | Kurt ScheeleDer Vergessene

    * 19. April 1905

    November 1944

    69

    1013

    1417

    1821

    2225

    2629

    4

  • 5Fachliche EinleitungEr wre einer der besten Maler Deutschlands geworden, wenn

    nicht der sinnlose verbrecherische Krieg seine Opfer geholt htte.

    Das sagte sein Freund und Kollege Willi Baumeister ber Hermann

    Stenner. Stenner fiel 1914 im Alter von 23 Jahren an der Ostfront.

    Das vorliegende Werk stellt sechs Maler vor, deren Leben viel zu

    frh ein gewaltsames Ende nahm. Jeder von ihnen kam in einem der

    beiden Weltkriege auf die eine oder andere Weise zu Tode. Die Un-

    terschiede zwischen den beiden Weltkriegen werden hierbei bewusst

    auer Acht gelassen. Es geht darum, Krieg und Gewalt als Ph-

    nomene zu begreifen, die auf vielfltige Weise Leben auslschten.

    Hingewiesen werden soll an dieser Stelle jedoch auf jene Phase

    zwischen der so genannten Machtergreifung 1933 und dem Aus-

    bruch des Zweiten Weltkriegs. Whrend dieser Zeit wurden Knstler

    in Deutschland bereits massiv in ihrer Arbeit beeintrchtigt. Ihnen

    drohten Verbote, Gefngnis und andere Repressalien im Falle von

    Nichtkonformitt mit dem nationalsozialistischen Kunstideal, mit

    der NS-Ideologie im Allgemeinen oder aber mit einem willkrlich

    festgelegten rassischen Ideal. Eine ganze Generation von Knstlern

    musste also versuchen, sich in einem kulturfeindlichen Umfeld, das

    die freie Entfaltung von Kunst einschrnkte, zu behaupten.

    Prsentiert werden die Maler Hermann Stenner, August Macke,

    Hans Mertens, Kurt Scheele, Fritz Schulze und Felix Nussbaum ne-

    ben einer Auswahl ihrer Arbeiten. Es soll ein Einblick in ihr Schaf-

    fen vermittelt, aber auch darauf hingewiesen werden, dass ihr viel

    zu frher Tod die Entstehung weiterer Werke verhindert hat. Doch

    gilt es nicht nur, diese knstlerischen Verluste zu bedauern, sondern

    auch die gewaltsamen Tode einzigartiger Persnlichkeiten, deren

    Schicksale exemplarisch stehen fr die Millionen von Menschen, die

    Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaften wurden.

    Wenn ich untergehe, lasst meine Bilder nicht sterben, soll Felix

    Nussbaum gesagt haben, als er seine Arbeiten in weiser Voraussicht

    bei belgischen Bekannten unterbrachte. Dieser Ausspruch, wie auch

    sein Handeln, geben nicht nur Aufschluss ber Nussbaums Angst

    und Verzweiflung angesichts seiner ausweglosen Situation als jdi-

    scher Maler whrend des Dritten Reichs. Er verweist darber hinaus

    auf das bekannte Konzept einer das Leben berdauernden Kunst.

    Dieses Konzept bot Knstlern ber Jahrhunderte hinweg Trost,

    doch zugleich verweist es auf die Sterblichkeit des Knstlers, des

    Menschen.

    Felix Nussbaum wurde 1944 in Auschwitz ermordet.

    Saskia Wagner

  • 6* 3. Januar 1887 in Meschede

    26. September 1914 sdlich von Perthes-les-Hurlus, Frankreich

    Maler

    Expressionismus

    August MackeDer Engagierte

    Landschaft bei

    Hammamet (1914)

    Eine 14-tgige Reise nach

    Tunesien im April 1914,

    whrend der ber 40 Aqua-

    relle entstanden, stellte

    in tragischer Weise einen

    letzten Hhepunkt in Mackes

    Schaffen dar. Kaum fnf

    Monate spter fiel er im

    Ersten Weltkrieg.

    August Macke

  • 7Leute am blauen See (1913)

    Farb- und Formgebung des

    Gemldes sind exemplarisch fr

    den Expressionismus.

    August Macke bildete zusammen mit seinem guten

    Freund Franz Marc sowie Wassily Kandinsky und

    Alfred Kubin die Knstlergemeinschaft Der blaue

    Reiter, deren Ziel eine Loslsung von den starren

    Traditionen der akademischen Malerei war. Diese

    waren Macke von jeher ein Dorn im Auge gewesen.

    Als Student an der Kniglichen Kunstakademie Ds-

    seldorf hatte er die vorherrschenden konservativen

    Lehrmethoden kritisiert und die Akademie wenig

    spter aus diesem Grund verlassen, um sich autodi-

    daktisch sowie privat, u. a. bei Jovis Corinth, weiter-

    zubilden.

    August Macke

  • 8Seiltnzer (1914)

    Das Gemlde gehrt zu den bekanntesten

    Arbeiten August Mackes und ist das Hauptwerk des

    Bonner Kunstmuseums.

    Beeinflusst wurde Macke vor allem durch die

    franzsischen Impressionisten, darunter Manet,

    Toulouse-Lautrec, Matisse und Czanne. Darber

    hinaus setzte er sich mit den Vertretern der Renais-

    sance, des 19. Jahrhunderts sowie der japanischen

    Kunst auseinander. Auf zahlreichen Reisen nach

    Italien, Frankreich und Tunesien, aber auch inner-

    halb von Deutschland, sammelte er Eindrcke, die

    er in seinen Werken verarbeitete. In seinem kurzen

    Leben entstanden so 78 Skizzenbcher, die ihm als

    Vorlagen fr sptere Gemlde dienten. Zu seinen

    Themen gehrten zuerst vor allem Tiere, Land-

    schaften und Portrts. Durch die Einflsse der

    Impressionisten kamen schlielich Theater, Cafs

    und die Menschen der Stadt hinzu. Beliebte Motive

    waren auerdem solche aus der Umgebung seines

    Hauses in Bonn, in dem sich seit 1991 das August-

    Macke-Haus befindet.

    Ab 1911 trat Macke nicht mehr nur als Maler in Er-

    scheinung. Seine zahlreichen Kontakte zu interna-

    tionalen Knstlern und Museumsleitern ermglich-

    ten es ihm, mehrere Ausstellungen zu organisieren,

    etwa fr Paul Klee, Wassily Kandinsky sowie Ver-

    treter der expressionistischen Knstlergruppe Br-

    cke. Doch auch mit seinen eigenen Ausstellungen

    August Macke

  • 9sowie den Wanderausstellungen des Blauen Rei-

    ters feierte er nationale und internationale Erfolge.

    1914 wurde Macke eingezogen. Als Kompaniefh-

    rer und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet,

    fiel er im gleichen Jahr in Frankreich im Alter von

    27 Jahren. Sein Freund und Kollege Franz Marc

    schrieb: Mit seinem Tode knickt eine der schns-

    ten und khnsten Kurven unserer deutschen knst-

    lerischen Entwicklung jh ab.

    Macke liegt auf dem Soldatenfriedhof von Souain

    begraben. Sein Grab wird vom Volksbund Deut-

    sche Kriegsgrberfrsorge betreut. Einige seiner

    Werke wurden posthum 1955 auf der documenta I

    und 1964 auf der documenta III in Kassel gezeigt.

    Stilleben mit Apfelschale

    und japanischem Fcher

    (1914)

    Die zahlreichen Stillleben, die

    Macke bis 1914 malte, zeigen

    den Einfluss des von ihm

    bewunderten Henri Matisse.

    August Macke

  • 10 Hermann Stenner

    * 12. Mrz 1891 in Bielefeld

    5. Dezember 1914 in Iow, Polen

    Maler, Grafiker

    Impressionismus, Expressionismus

    Hermann StennerDas Talent

    Kaffeegarten

    am Ammersee (1911)

    In Stenners erster

    Schaffensphase sind

    Einflsse des spten

    Impres