Über abgekürzte Herstellungsverfahren von Aktivatoren und kieferorthopädischen Plattenapparaten

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  • Tanneberg u. Thierfelder, Abgekiirzte Herstellungsverfahren von Aktivatoren usw. 269

    Aus der Zahnklinik fiir Kinder und Jugendliche, Magdeburg (Leiter: Dr. B.-D. Tanneberg, Fachzahnarzt fiir Kieferorthop~idie)

    {Jber abgekiirzte Herstellungsverfahren von Aktivatoren und kieferorthopiidischen Plattenapparaten Von B.-D. Tanneberg und K. D. Thierfelder, Magdeburg

    ~iit 5 Abbildungen

    In den letzten Jahren ersehienen in der Fachpresse verschiedentlich Publi- kationen fiber die Abkfirzung der Herstellungsverfahren yon Aktivatoren und abnehmbaren kieferorthop~dischen Plattenger/tten. Bei dem hohen Patienten- anfall und dem Mangel an Kieferorthop/tden und kieferorthop&disch versierten Zahntechnikern ist das Bestreben, den langwierigen Herstellungsgang der ge- nannten kieferorthop/idischen (ko.) Apparate zu verkfirzen, durchaus zu begrfil~en. Es k6nnten dann mehr Patieaten behandelt, und das zahntechnische Labora- torium wiirde yon zeitraubenden Arbeiten befreit werden.

    Die bisher bekanntgewordenen Versuehe lassen sich in zwei Gruppen gliedern : A. Methoden der Schnellherstellung yon abnehmbaren Ger/iten und B. Methoden der tIerstellung abnehmbarer ko. Appar~te mit schnellh/s Kunststoffen.

    Die ersteren Methoden wurden haupts/ichlich fiir die Akt, ivatorherstellung propagiert. Sie bestanden in einer Verminderung der Zahl der Arbeitsg/s durch Fortfall der Wachsmodellation auf Grund der Verwendung vorgeformter Kunststoffteile, Verwendung des Wachskonstruktionsbisses zur Modellation und durch Verwendung von selbsth/s Kunststoffen zur Abkiirzung der Poly- merisationszeit. Die Herstellung yon abnehmbaren aktiven Platten aus schnell- h/irtendem Kunststoff beschrieb Weise. Er kam zu dem Resultat, daB die Platten zwar nicht blasenfrei, jedoch blasenarm seien und daher keine hygieni- schen Bedenken bestfinden.

    Die eingangs erw/~hnten Gr6nde veranlaBten auch uns, im Laufe der letzten Jahre immer mehr zur Schnellherstellung yon abnehmbaren ko. Ger/iten fiberzu- gehen. Wir verwenden das Splitterpolymerisat Piacryl in den Formen Piacryl IM und Piacryl SIt. Piacryl IF[ ist ein kaltpolymerisierender Kunststoff, der beson- ders zur Herstellung von Immediatprothesen, kieferorthop/s und kiefer- chirurgischen Apparaten geeignet ist. Zur Polymerisation genfigt die beim Aus- brfihen erzeugte W/~rme yon 30--35~ Nach 30 Minuten PreBzeit kann ohne Kochen sofort ausgebettet werden. Piacryl SH ist ein schnellh/~rtender Kunststoff, dessen Polymerisation selbstt/ttig bei Zimmertemperatur (20~ in 15 bis 18 Mi- nuten erfolgt.

    Gem/~B der bereits gegebenen Einteilung der Herstellungsmethoden soll nun die Anwendung der beiden Kunststoffe beschrieben werden. Bei der Herstellung von Aktivatoren 1/s sich nach unseren Versuchen nur die Polymerisationszeit abkfirzen. Der Herstellungsgang ist folgender:

    Abdruck- und Modellherstellung; KonstruktionsbiBnahme und Einprobe (An- fertigung im Fixator) ; Einbettung mit Gegengu{~ ;nach dem Ausbrfihen und Isolie-

  • 270 Fortschritte der Kieferorthopiidie Bd. 23 H. 1 u. 2 (1962)

    ren wird die Hohlform mit Piaeryl IM geffillt, die gesehlossene K/ivette unter die Presse gestellt und dort 30 Minuten belassen. Danach Ausbettung und Fertig- stellung des Aktivators.

    Hier ist lediglieh die Zeit der Polymerisation wesentlieh abgekfirzt. Alle iibrigen Ver/tnderungen der Herstellungsteehnik ziehen andere zeitraubende Arbeiten naeh sich, oder die Qualit/it der Ger/ite leidet darunter. Auf die Waehseinlarobe am Patienten m6ehten wit im Rahmen der Faeharztausbildung nieht verziehten. was evtl. beim routinierten Praktiker noeh m6glieh w/ire. Vorgeformte Kunst- stoffteile aus Piacryl stehen nieht zur Verf/igung. Im tibrigen kann der Arbeits- ablauf im ko. Laboratorium so eingerichtet werden, dal3 dureh gleiehzeitige An- fertigung mehrerer Aktivatoren eine Verzettelung der Arbeitszeit und Arbeitskraft vermieden wird.

    Wesentlieh g/instiger liegen die Verh/iltnisse bei der Anfertigung von aktiven Platten. Hier findet das Piacrvl SH ein breites Anwendungsgebiet. Die Methode wurde vor mehreren Jahren ciureh Rudo lph an unserer Klinik eingef/ihrt und seitdem immer mehr ausgebaut.

    Anfangs fand das Piaeryl SH nur ffir einfaehe und m6glichst diinne Platten Verwendung, da die Ger/ite oft. sehr por6s wurden, besonders bei Gergten mit diekeren Kunststoffpartien. Dureh die Erh/irtung an der Luft verdunstete das Monomer aus der Oberfl/tche des Kunststoffes, so dab diese rauh und por6s wurde. Um die Verdunstung des Monomers zu verhindern, wurden die P]atten w/ihrend der Polymerisation in warmes Wasser gelegt, was die Blasenbildung noch ver- st./~rkte. Aueh hoben sich die R/i.nder der Platten yore Gipsmodell ab, so dab sie im Munde nieht exakt anlagen.

    Inzwisehen fertigen wir mit Piaeryl SH s~mtlieh e M odifikationen der S e h w a r z- sehen Platten einsehl, der Doppelplatten, der sehiefen Ebenen naeh Br/ iekl , der Bukkalplatten naeh F r~nke l und die elastisehen Gebigformer naeh B imler usw. an. Aul3erdem werden s/imtliehe Reparaturen sowobl am Patienten als aueh im Labor sehnell und sieher mit Piaeryl SH ausgefiihrt. Dureh die Anwendung des in der Zahnteehnik immer mehr in den Vordergrund tretenden Vakuums wird der Kunststoffbrei so verdieh'~et, dab keine Porosit/tten oder B:asen mehr auftreten.

    Unsere derzeitige verbesserte Methode, die zu einwandfreien Ergebnissen fiihrt, sei n.aehfolgend besehrieben :

    Der Abdruek wird mit einer Alginatmasse genommen und dureh zweimaliges Ausgiegen ein Sammlungsmodell und ein Arbeitsmodell aus Hartgips hergestellt. S/imtliehe l)rahtelemente - - Pfeilklammern, Federn, Labialb/igel usw. - - werdell am Modell bukkal bzw. labial mit Modellierwaehs befestigt. Aueh Federehen, die dureh einen AufbiB, z. B. im Frontzahngebiet, verdeekt werden sollen, befestigen wit nieht mit Zement, sondern mit Waehs. Die Verankerungen stehen bei allen Drahtelementen etwas vom Modell ab. Um einen exakten Ansehlul3 des Kunst- stoffes am Modell zu erzielen und zu verhindern, dab sieh der Kunststoff bei der Erhgrtung vom Modell abhebt, wird aus Modellierwaehs ein AbsehluBrand gefertigt. Unter sieh gehende Partien der Modelle werden mit Waehs ausgef~llt.

    Das so vorbereitete Modell wird fiir einige Minuten in kaltes Wasser gelegt, bis es sieh derart vollgesogen hat, dab ein Feuehtigkeitsspiegel auf der Modellober- flgehe stehenbleibt. Dies ist das Zeiehen f/Jr eine gen/igende Durehtrfinkung des Gipses. Die Wgsserung des Gipsmodelles dient der Isolation. Augerdem kann der Gips dem Kunststoff dadureh kein Monomer entziehen. Das SehloB der Dehn- sehraube wird inzwisehen yon beiden Seiten mit Waehs in K~stehenform ver- sehlossen, um das Eindringen yon Kunststoff zu verhindern (Abb. 1).

  • Tanneberg u. Th ie r fe lder , Abgek i i r zSe Hers te l lungsver fah~en von Akt ivatoren usw. 271

    Abb. 1

    Abb. 2 Abb. 3

    Abb. 4 Abb. 5

  • 272 Fortschritte der Kieferorthop~idie Bd. 23 ill. 1 u. 2 (1962)

    Nun rtihrt man das Piaeryl SH in einem Sch/~lehen ziemlieh fliissig an. Das Sch~lehen mit dem Kunststoff wird in ein mit einer Wasserstrahlpumpe erzeug- tes Vakuum gebracht. Unter Aufbrausen der Kunststoffmasse entweicht inner- halb yon 20 bis 30 Sekunden s/imtliche darin enthaltene Luft.

    Die restliehen auf der Oberfl/iche des Kunststoffes befindlichen B1/ischen wer- den dureh den Druckanstieg beim 0ffnen des Vakuums zerstSrt. Inzwisehen wird der Wasseriiberschug yore Modell mit Zellstoff abgetupft. Die Verankerungen der Drahtelemente werden mit SH umk]eidet. Danaeh tr/~gt man den Kunststoff fiir die Platte auf. Dieser Arbeitsgang mug sehnell durchgefiihrt werden, da der Kunststoff bald eine gummiartige Konsistenz annimmt. Es soll mSgliehst viel Kunststoff angeriihrt werden, damit ein Nachstopfen nieht erforderlieh ist. Zum Auftragen benutzen wh 9 einen Zement-Anriihrspatel, mit dem man die sp/itere Plattenform schon andeuten kann. Sobald der Kunststoff nieht mehr fl/issig ist, wird die Sehraube eingelegt und mit Kunststoff bedeekt (Abb, 2).

    Die Polymerisation schreitet an der OberflS, ehe schneller fort als im Innern des Kunstoffteiges. Sowie sieh auf Grund dessen ein Film an der Oberfl/iehe bildet, wird die Platte mit dem angefeuehteten Finger soweit vorgeformt, dab naeh dem Erh/irten nur noeh geringe Naeharbeit erforderlieh ist (Abb. 3). Das Modell mit dem noeh plastisehen Kunststoff wird nun wieder in kaltes Wasser gelegt. Die Poly- merisationszeit wird dadureh etwas verl/ingert und das Verdunsten yon Monomer aus der Oberfl/tche verhindert. Durch diese 1V[agnahme und vor allem dureh die Einwirkung des Vakuums auf die dtinnflfissige Kunststoffmasse vor der Ver- arbeitung wird die Bildung yon Blasen und Porosit/tten vollkommen vermieden. Sehr wichtig ist dies bei Platten mit diekeren Kunststoffteilen, z.B. AufbiB- plateaus, sehiefen Ebenen oder hohem Gaumen. Die an der Luft entstehende weige, rauhe Oberfl/iehe kommt somit aueh in Wegfall.

    Naeh dem Erh/irten des Km~ststoffes 1/~gt sieh die Platte leieht vom Modell abheben. Das Waehs wird abgebr/iht, wodureh aueh die verdeekten Drahtelemente mfihelos freigelegt werden. Bei vorsiehtigem Arbeiten bleibt das Gipsmodell ftir evtl. sp/~tere Reparaturen oder -~nderung des Ger~tes erhalten (Abb. 4 und 5). Naeh dem Ausarbeiten und der Segmentierung wird das Waehs aus dem Sehrauben- sehlo6 ausgebr/iht und die Platte poliert.

    In gleieher Weise gehen wir bei der Anfertigung yon Reparaturen mit und ohne ~fodell vor. Der Patient kann seine Apparatur in vielen F/~llen gleieh wieder mit- nehmen, wodureh h~ufig Rezidive ausgesehlossen werden.

    Auf diese W'eise sind in den letzten drei Jahren etwa 4000 abnehmbare Appa- rate angefertigt worden. Die Ger/~te haben einen exakten Sitz und Randsehlug, und wir haben auger der gelben Verf'/irbung, die manehmal beim sehnellh/~rtenden Kunststoff naeh einiger Zeit auftritt, die Qualitgt der Ger~te aber in keiner Weise mindert, keinerlei Naehteile beobachten kSnnen. Es besteht keine erhShte Brueh- gefahr. Es gen~gt, die Platten bei tier ts Zahnreinigung unter flieBendem kaltem Wasser mit der Zahnbiirste zu s/iubern, wie dies bei Ger/~ten, die im Wasserbad polymerisiert worden sind, aueh fiblieh ist. Wit haben in den ganzen Jahren nieht die geringste Sehleimhautreizung beobaehtet.

    Die Methode bietet so viele Vorteile dureh Erleiehterung des Arbeitsganges und Verkiirzung der Anfertigungszeiten, da6 wir sie jedem Kieferorthop/~den empfehlen kSnnen.

    Anschrift d. Verf.: Dr. B.-D. Tanneberg und Zahntechnikermeister K. D. Thierfclder, Magdeburg. Strafie dcr Jugend 19

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