Meine Kindheit in Sandberg - boehm- ?· meinen Großeltern wohnte die Schwester meiner Großmutter, ... meiner Schwester Antje im Sommer 1937. Meine Mutter nähte Babykleidung und –wäsche,

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  • Meine Kindheit in Sandberg

  • Meine Kindheit in Sandberg

    Ich wurde am 30. Januar 1933 in der Klinik von Dr. Eppen in Waldenburgin Schlesien geboren, also genau an dem Tag, an dem der an die Spitzeder deutschen Regierung kam, dessen mrderischer Grenwahn zu einerhllischen Welle des polnischen Nationalismus fhrte, die eine Vernichtungder deutschen Bevlkerung, deren Kultur, Sprache und Besitztum inSchlesien, Pommern und West- und Ostpreuen verursachte. Davon aberahnte wohl kaum einer der friedlichen Brger unserer Stadt, die damalsunter dem Einfluss der schweren Wirtschafts- und politischen Krise stand.

    Mein Vater, Hans E. Pohlmann, studierte in Danzig und Marburg. Er warsehr aktiv in der schlagenden Verbindung Landsmannschaft Nibelungiain Marburg, und seine Schmisse, die er mit Stolz trug, gaben Zeugnis von

    Hochzeit meiner Eltern am 28. April 1932 in der katholischenKirche in Waldenburg

  • mancher Paukpartie. Nach dem Studium kam er nach Waldenburg undfand dort eine Stelle bei der Deutschen Bank. Meine Mutter, eine geboreneRomana Fiebig, war die lteste Tochter des Fabrikanten Kurt Fiebig, der inWaldenburg auf der Scheuerstrasse ein Eisenwerk besa. Meine Elternlernten sich im Tennisklub in Bad Salzbrunn kennen, und beide spieltennoch lange Tennis. Mir wurde erzhlt, meine Mutter habe die letzteschlesische Tennismeisterschaft fr Damen vor dem Krieg gewonnen. Eswrde mich interessieren, ob ein Leser dieser Zeilen das besttigen oderwiderlegen kann.

    Kurz vor der Hochzeit meiner Eltern im April 1932 wurde mein Vater alsVerwalter fr die gerade in Konkurs geratene Drahtweberei Krnereingesetzt. Das hatte zwar zur Folge, dass meine Eltern ihreHochzeitsreise nach Venedig etwas verkrzen mussten, bei der damaligenWirtschaftslage aber wohl keine zu schwerwiegende Angelegenheit! MeinVater bernahm einige Jahre spter die Firma zunchst als GmbH, dannals Schlesische Drahtgewebe- und Drahtgeflechtefabrik, Hans PohlmannKG. Die Firma war am 15. April 1894 als SchlesischesMetalldrahtgewebe- und Geflechtewerk Gebrder Krner insHandelsregister eingetragen worden. Da das Werk sich in Waldenburgnicht ausdehnen konnte, wurde 1899 in Sandberg an der Strecke der imBau befindlichen Straenbahnlinie Ackerland erworben. Die erstenGebude wurden 1902 errichtet, weitere dann zwischen 1906 und 1912.Die Jahre 1915 bis 1923 brachten wieder Neu- und Umbauten. 1920wurde der Betrieb in Waldenburg aufgelst und die Betriebsleitung nachSandberg verlegt (1).

    Meine Eltern wohnten zunchst in einer Wohnung im Haus meinerGroeltern auf der Scheuerstrasse, zogen dann aber 1934 nach Sandbergin die Wohnung im zweiten Stock des schnen groen, zur Drahtwebereigehrenden Wohnhauses. Es klingt wohl etwas unwahrscheinlich, aber ichglaube mich daran zu erinnern, dass wir mit dem Auto nach Sandbergfuhren und ich meine Eltern fragte, wo wir seien. Sie antworteten: Dashier ist Sandberg!

    Unser Grundstck endete im Osten an der Waldenburger Strae entlangder Straenbahnlinie von Waldenburg nach Nieder Salzbrunn. Unten an derStrae war die Haltestelle Seitendorfer Weg. Der Weg, der vonSeitendorf nach Ober Salzbrunn fhrte, bildete die Sdgrenze unseresGrundstcks. Im Westen lagen groe Felder und im Norden das

  • Bahnerhaus und der Damm der Bahnlinie von Nieder Salzbrunn nach BadSalzbrunn. Das gesamte Grundstck war wie es sich fr eine Drahtfabrikgehrt von einem langen Maschendrahtzaun umgeben.

    Ging man von der Straenbahnhaltestelle durch ein kleines Tor direkt inden Garten, so kam man zunchst durch den mit groen Bumen,hauptschlich Eichen, bestandenen Park. An zwei Bume kann ich michbesonders gut erinnern, da sie sich vorzglich zum Klettern eigneten: eineBlutbuche ziemlich genau in der Mitte des Gartens und eine Kastanieunten an der Strae gegenber dem Bahnerhaus. Der Weg durch denGarten fhrte vorbei an einem alten Gartenhaus, das zwischen einem

    Wohn- und Brohaus der Schlesischen Drahtgewebe- undDrahtgeflehtefabrik, Hans Pohlmann KG

    Schwimmbecken, einem Planschbecken fr uns Kinder und einer Terassemit einem Steingarten stand. Zwischen dem Wohnhaus und demGartenhaus lag der Obst- und Gemsegarten und ein groes Gewchshausmit einem niedrigen Teil fr Blumen und Gemse im Winter und einemhohen Teil mit Weinstcken. Hinter dem Gewchshaus stand dieHundehtte fr den von uns sehr gefrchteten Hund Nero unseresNachtwchters, Herrn Vollbrecht. Ging man vom Gartenhaus in RichtungWohnhaus lag auf der linken Seite ein Rosengarten und danach kamen

  • Apfelbume, recht alte Birnenbume und Johannis- undStachelbeerstrucher. Fliederbume und eine Steinmauer grenzten denGarten vom Wohnhaus ab.

    Das groe Wohnhaus hatte zwei Flgel: Der linke, sdliche mit mehrerenkleineren Wohnungen und der nrdliche mit den Brorumen (imErdgeschoss) und drei greren Wohnungen in den oberen Stockwerken.Wir wohnten in der Wohnung im zweiten Stock. Diese Wohnung, wie auchdie unter uns, die wir an die Familie des Zahnarztes Dr. Hirsemenzel mitihren Kindern Peter und Renate vermietet hatten, erstreckte sich ber dengesamten Nordflgel des Hauses. Von der Eingangstr gelangte manzunchst in einen Flur, von dem vier Eingnge in den Rest der Wohnungabzweigten. Nach links kam man in einen kleineren Flur mit Tren in dasKinderzimmer, das Elternschlafzimmer und das Badezimmer. DasKinderzimmer und Elternschlafzimmer waren durch eine Tr verbunden, inder eine Schaukel hing. Nach rechts kam man vom Flur in dieGstegarderobe und eine kleine Gstetoilette. In der Mitte des Flurs ginges rechts in die Kche, an die ein kleiner abgeschlossener Balkon, eineSpeisekammer und das Mdchenzimmer angeschlossen war. Ich kann michnicht erinnern, jemals in dem Mdchenzimmer gewesen zu sein, obwohlalle Mdchen, die bei uns waren, sehr freundlich zu uns Kindern waren.Geradeaus vom Flur gelangte man in das Herrenzimmer mit einem Kamin,ein Gstezimmer und ein Damen- und ein Esszimmer, wobei die letzterenbeiden auf den groen Balkon schauten. Vom Esszimmer aus fhrte eineTr auf den Balkon. Von dort aus hatte man eine schne Aussicht aufunseren Park, und am Horizont lag der Doppelberg der Hohen Eule. Als ichnoch sehr klein war, nahm mich mein Vater bei Gewittern auf den Balkon,um mir die Blitze zu zeigen, so dass ich die Angst vor Gewittern verlor.

    Unsere Wohnung wird von John Koch, der jetzt in Kanada lebt, in seinemBuch No Escape (2) etwas beschrieben, besonders im Zusammenhangmit dem Lebensstil der Familie Krner. Als Kind kam es mir immer etwasmerkwrdig vor, dass mein Vater auf Vergleiche mit Krners sehr einsilbigreagierte. Wenn Herr Koch ihren Lebensstil mit vier Autos beschreibt, sokann ich mir nicht recht vorstellen, wie ihre Firma das auf die Dauer tragenkonnte. Herr Koch schreibt, auch seine waren Eltern nicht allzuberrascht, als sie vom Konkurs der Firma Krner hrten. Uns ging es inSandberg sicherlich nicht schlecht, aber wir fhrten nicht das Leben, dasHerr Koch von Krners beschreibt.

  • In der Wohnung ber uns wohnte Familie Heide. Herr Heide war unserLagerhalter. Heides waren immer sehr nett zu uns Kindern, und ich bin vielbei ihnen in der Wohnung gewesen. Ich habe noch ein Bild vomNeujahrstag 1939 mit einem Glas Sekt!

    Unter dem Haus waren zwei Kellergeschosse. In dem oberen befanden sichAbteilungen fr Gemse, Kartoffeln und die Waschkche. Ein Teil wurdewhrend es Krieges mit dicken Holzstempeln zum Luftschutzkellerausgebaut, in den alle Hausbewohner whrend der zum Glck seltenenFliegeralarme gingen. Unter diesem oberen Keller lag ein zweiter mit denfen fr die Zentralheizung. Der Koks fr die Heizung wurde von obenvom Fabrikhof aus Lastwagen durch einen tiefen Schacht direkt in diesenunteren Keller geschttet, eine saubere und elegante Lsung einesnormalerweise recht schmutzigen Problems.

    Im Nordflgel des Hauses wohnten u.a. Familie Vollbrecht, unser IngenieurHerr Heinig und die Famlien Schinzel, Ertel und Gbel. Ein zweitesWohngebude lag am Nordrand des Grundstcks und war an die Garagenund Stallungen angeschlossen. Dort wohnte im ersten Stock Familie Klose.Herr Klose war Machinenmeister in der Fabrik, und ich war immer sehrbeeindruckt, wenn ich manchmal zuschauen durfte, wie er die groenMachinen mit den riesigen Schwungrdern ein- und ausstellte. Ein Sohnder Familie Klose, Helmut, war in meinem Alter, und wir gingen zusammenin die Volksschule. Im zweiten Stock wohnte Familie Seidel mit ihrerTochter Eva.. Herr Seidel war unser Chauffeur. Ich kann mich an HerrnSeidel nicht besonders gut erinnern, da er im Krieg eingezogen war unddeshalb nur selten zu Hause war.

    Zwischen dem Wohnhaus und den Fabrikgebuden stand ein flachesGebude mit einer offenen Werkflche und einem Kohlenschuppen, vondem ich spter noch erzhlen werde. Das Fabrikgebude bestand aus zweiTeilen, einem hheren, im dem die Flechtmaschinen standen und einemflachen, mit sgeartigem Dach, mit den Websthlen. Hinter der Fabrikstand eine Schlosserei, die aber nicht viel benutzt wurde, und dahinterwaren Grten fr unsere Angestellten. Herr Heinig hielt dort auch seineBienen. Hinter unserm Grundstck waren groe Felder, die sich bis nachBad Salzbrunn erstreckten. Die Verlngerung des Seitendorfer Weges gingals mehr oder weniger befestigter Feldweg ber eine Eisenbahnbrckenach Bad Salzbrunn.

  • Auf dem Bild sieht man links hinter dem Haus einen Teil der Fabrik, rechtsneben dem Haus die Garagen und Seitengebude, davor einen Teil desGartens. Unsere Wohnung ist im zweiten Stock, erkenntlich an den dreiBgen des Balkons; rechts vom Balkon die beiden Kinderzimmerfenster,dann der Balkon des Elternschlafzimmers.

    In dieser Umgebung verbrachte ich eine sehr schne Kindheit, vollerErinnerungen an ein Leben unter dem Einfluss einer liebevollen Familie.

    Auf dem Tennisplatz 1935

    Besonders trug dazu bei, dass meine Groeltern Fiebig und dieGeschwister meiner Mutter mit ihren Familien in Waldenburg wohnten undsomit alle Familienfeste immer mit viel Aufwand gefeiert worden. Unter

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