Die Versammlungen der N.E.A. zu Charleston, S. C

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<ul><li><p>Die Versammlungen der N.E.A. zu Charleston, S. C.Author(s): Paul GerischSource: Pdagogische Monatshefte / Pedagogical Monthly, Vol. 2, No. 2 (Jan., 1901), pp. 80-85Published by: University of Wisconsin PressStable URL: http://www.jstor.org/stable/30170440 .Accessed: 15/05/2014 11:39</p><p>Your use of the JSTOR archive indicates your acceptance of the Terms &amp; Conditions of Use, available at .http://www.jstor.org/page/info/about/policies/terms.jsp</p><p> .JSTOR is a not-for-profit service that helps scholars, researchers, and students discover, use, and build upon a wide range ofcontent in a trusted digital archive. We use information technology and tools to increase productivity and facilitate new formsof scholarship. 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Die Zahl der Be- sucher stieg auf wenig iiber 3000, warhrend auf der Tagung in Los Angeles im vorletzten Jahre sich 13,656 Personen einschreiben liessen. Charleston hat ein mildes, maritimes Klima: wahrend der Konventionswoche stieg an vier Tagen das Thermometer nicht so hoch als in Los Angeles im Jahre vorher; der Feuch- tigkeitsmesser schwankte zwischen 60 und 80 Prozent; eine wohlthuende Brise mit einer Geschwindigkeit von 12 bis 20 Meilen wehte fast ununterbrochen. Die Stadt ist reich an historischen und anderen lehrreichen Erinnerungen: sie ist mehrmals belagert und von einer feindlichen Flotte beschossen worden; in ihrem Hafen hat der erste Kampf zwischen einem Torpedoboot und einem Kriegsschiff stattgefunden; sie Ist auch von Wirbelstiirmen und Erdbeben ge- troffen worden; sie hat den ersten artesischen Brunnen im Lande gehabt, u. s. w. Ausserdem bietet sie mannigfache Gelegenheit su Ausfiigen in die nichste Umgebung zum Zwecke des Studiums und der blossen Unterhaltung. Der grosse Unterschied in der Zahl der Besucher zwischen Charleston im Jahre 1900 und Los Angeles im Jahre 1899 1lsst sich vielleicht dadurch erklaren, dass der Name des Wunderlandes Californien durch seinen Klang allein eine magische Wirkung auf unsere Schoolma'ms, die die Zusammenkiinfte der N. E. A. sicher- lich nicht bloss der ptdagogischen Weisheiten halber besuchen, ausgeiibt hat. Ist es also den Beamten der N. E. A. darum zu thun, ene zahlreiche Betelligung zu sichern, wie wire es, wenn sie die nichste Tagung nach dem grossartigsten Museum physikalischer Geographie, dem Yellowstone Park, verlegten? </p><p>Wie zielbewusst die Beamten der N. E. A. diesmal arbeiteten, zeigt die Ein- heitlichkeit des Programmes fiir die allgemeinen Versammlungen. Hier eine kurze Zusammenstellung: </p><p>Dienstag Nachmittag, 10. Juli-Empfang. Dienstag Abend-Zwei Vortririge iiber ,,Das kleine College". Mittwoch Morgen-Drei Vortriige fiber ,,Beitrige religidser Genossenschaf- </p><p>ten zur Sache der Erziehung"; von einem Baptisterprediger, einem Methodisten- prediger und einem katholischen Priester. </p><p>Mittwoch Abend-Zwei Reden von Joseph Swain und Booker T. Washington. Donnerstag Morgen-Drei Vortrige iiber ,,Aufgabe der Volksschule". Dann </p><p>Beamtenwahl. Donnerstag Abend-Patriotischer Abend. Freitag Morgen-Drei Vortrige fiber ,,Beziehungen der Litteratur zur Er- </p><p>ziehung". Freitag Abend-Schlussversammlung. Wir beginnen unseren Bericht mit dem G1nzendsten, was die N. E. A. </p><p>aufzuweisen hat, mit den Finanzen. Die linke Seite des Sparkassenbuches des englischen Schulvereins ist hiibsch gefiillt, denn am 1. Juli 1900 belief sich ihr Vermigen auf $88,000. Der Verwaltungsrat berichtet, dass sich am 1. Juli 1899 der sog. permanente Fonds auf $74,000 belief. Die Einkommen aus dem betr. Fonds und aus der Tagung in Los Angeles schwellten den Fonds aber auf $88,000 an. Das Vermbgen ist, mit Ausnahme von $5110, alles in Hypotheken auf Grundeigentum und in Kansasser, Illinoiser, Indianaer und Missourier Schul- </p><p>This content downloaded from 193.104.110.110 on Thu, 15 May 2014 11:39:52 AMAll use subject to JSTOR Terms and Conditions</p><p>http://www.jstor.org/page/info/about/policies/terms.jsp</p></li><li><p>Die Versammlungen der N. E. A. 81 </p><p>bonds angelegt. Wozu die N. E. A. eigentlich ein Vermogen zusammenscharrt? Der deutschamerikanische Lehrerbund sollte mit der N. E. A. einen Trust ein- gehen, er k6nnte dabei nur gewinnen! </p><p>In dem Thomson Auditorium, einer Halle von riesenhafter Ausdehnung, die jeder Dame erlaubte, den Hut aufzubehalten, und jedem Gentleman gestattete, zvei Stiihle in nichster N&amp;he in Fussschemel umzuwandeln (d. h., wenn er gewollt hitte), wurden die allgemeinen Versammlungen unter den melodischen Kiangen von Dixie und Yankee Doodle, mit inbriinstigem Gebet und mit prei- senden Reden eriffnet. Der Prasident Corson hat in seiner Ansprache, nach eigenem Gestandnis, weder etwas Tiefes noch etwas Geheimnisvolles, weder etwas Neues noch etwas Aufsehenerregendes der Versammlung vorzulegen; auchi hat er nichts Besonderes zti verdammen. Aber er gab einem echt ameri- kanischen Gedanken Ausdruck. Nach seinem Dafiirhalten miissen diejenigen, die den erzieherischen Geist unseres Landes bilden und in die richtigen Bahnen lenken wollen, nicht nur tiichtige Erzieher, sondern auch tiichtige Geschifts- leute sein. In diesem Zeitalter seien auf dem Gebiete der Erziehung die wirk- lichen Fiihrer nur diejenigen, die, mit Geschiftssinn begabt, die kaufminnischen Probleme, die immer einen Teil des erzieherischen Problems bildeten, schitz- ten und verstanden. Wenn die Schulen die Geldunterstiitzungen, die zu ihrem Gedeihen ja so notwendig sind, auch fernerhin beanspruchen wollen, dann "the people must be led to feel that education pays". In diesem Tone sprach Herr Corson noch geraume Zeit weiter. Hierauf wandte sich der Redner gegen die allerneueste Richtung in unseren Schulen, das Textbuch aus dem Schulzim- mer vollstdndig zu verbannen. Wenn das Unterrichten nach dem Textbuch in der Vergangenheit bis zum schidigenden Xussersten getrieben worden sei, so sei das kein Grund, weshalb das Textbuch ganz abgeschafft werden solle. Er warnte davor, das Schulzimmer in einen Vergniigungsplatz umzuwandeln. </p><p>Herr W. O. Thompson, der Prisident der Ohio State University zu Colum- bus, O., trat in seinem Vortrage ,,Das kleine College-seine Wirksamkeit in der Vergangenheit" der weitverbreiteten Ansicht entgegen, dass das kleine College seine besten Tage gesehen habe. Diese Ansicht sei irrig und ungerecht. Das kleine College sei gegriindet wolden, um Charaktere heranzubilden, und eine Durchsicht der Alumnenlisten beweise, welche tiichtigen Minner aus ihm hervor- gegangen seien; das kleine College habe mehr Nachdruck auf pers6nlichen Ver- kehr zwischen dem Professor und dem Studenten gelegt, da ein solcher Verkehr von machtigem Einfluss auf die Bildung des Charakters sei; das kleine College habe ferner ein grosses Werk verrichtet, indem es Achtung vor Bildung und Gelehrsamkeit grossgezogen habe. </p><p>Herr W. R. Harper, der Prisident der Universitit Chicago, setzte das Thema ,,Das kleine College" fort, und zwar sprach er fiber die Wirksamkeit des kleinen College in der Zukunft; fiber seine Ausfihrungen ist uns jedoch keine Zeile zu Gesicht gekommen. </p><p>Ein Ereignis der englischen Lehrerzusammenkunft war das Erscheinen Booker T. Washingtons auf der Rednerbiihne. Booker T. Washington ist der- selbe Mann, von dem die Zeitungen kiirzlich berichteten, dass die deutsche Re- gierung mit ibm in Unterhandlungen stehe zwecks tberlassung von Negern aus seiner Schule, welche die Eingeborenen der deutsch-ostafrikanischen Be- sitzungen im Baumwollenbau unterrichten sollen. Er ist ein Typus seiner Rasse. Seine Nase ist breitgedriickt, und seine Lippen sind so schwiilstig wie die von Tausenden anderer Schwarzen; er ist breitschultrig, jung, und ersichtlich voll Kraft und Ernst. Seine Rede, die er mit lebhaften Gesten be- gleitet, ist einfach, klar und kiihn. Er sprach frei, ohne Manuskript, und fes- </p><p>This content downloaded from 193.104.110.110 on Thu, 15 May 2014 11:39:52 AMAll use subject to JSTOR Terms and Conditions</p><p>http://www.jstor.org/page/info/about/policies/terms.jsp</p></li><li><p>82 Pidagogisce Monatshefte. </p><p>selte seine Zuhirer. Der ganze Siiden betrachtet ihn heute als einen seiner gr6ssten Manner. </p><p>Booker T. Washington ist ein schwarzer Pestalozzi. Um den Neger auf eine hShere Stufe der Gesittung zu heben, sagt W., muss man ihm die Beschif- tigungen lehren, welche die wirtschaftlichen Zustande des Bodens, auf dem er jetzt sissig ist, von ihm fordern, wenn er sein Fortkommen finden will. Die grosse Masse seiner Rasse ernahre sich direkt oder indirekt durch den Acker- bau. Es sei deshalb ein Fehler, dem Negerknaben alles Migliche im Himmel und auf der Erde zu lehren, nur das nicht, was mit dem landwirtschaftlichen Leben der Gemeinschaft, zu der er ja zuriickkehren so 11 t e, ibereinstimme. So geschehe es, dass in viel zu vielen Fallen der Neger nicht auf seines Vaters Farm zuriickkehre, sondern in die Versuchung falle, ohne ehrliche, brotbrin- gende Beschiftigung sich allein von seinem Witze ernihren zu wollen. Herr Washington bittet, den Neger nach denen im Schulzimmer, nicht nach denen im Zuchthaus, nach denen in der Werkstube und auf dem Felde, nicht nach den Missigen auf der Strasse, nach denen, die sich ein Helm gegriindet und Steuern bezahlen, nicht nach denen in Lasterhdhlen zu beurteilen. </p><p>Dieser schwarze Pestalozzi ist auch praktischer und erfolgreicher, als jener andere Pestalozzi aunt dem Neuhof es war. Er hat in Tuskegee in Alabama eine Schule aufgebaut, die einen Wert von $300,000 hat, in der elfhundert Schii- ler aus achtundzwanzig Staaten und Territorien unterrichtet werden, und die jahrlich $75,000 ausgiebt. Herr Washington verrichtet ein grosses, edles Werk, nicht nur zur Hebung seiner Rasse, sondern ebensowohl zum Wohle der Weissen im ganzen Siiden. Ihm gebiihrt die Teilnahme und Unterstiitzung im ganzen Lande. </p><p>,,Das Problem der unteren Klassen der Volksschule" (ausschliesslich der Hochschulklassen) war der Gegenstand dreier interessanter Vortrage. Frl. Gertrud Edmund, Prinzipalin der Teachers' Training School zu Lowell, Mass., behandelte die Frage der D i s z ip 1 i n; Frl. Elisabeth Buchanan aus Kansas City, Mo., sprach fiber Kla s s 1 fi zier u n g und Versetzung, und Frau Alice Woodworth Cooley, Supervisor der Primi~rklassen in Minneapolis, Minn., behandelte den U n t e r r T c h t in diesen Volksschulklassen. </p><p>Frl. Edmund sagte, dass die allererste Schule, der sie vorgestanden, sechzig Schiiler gezihlt habe, Midchen und Knaben, von denen viele alter und grasser gewesen als sie selbst. Da habe sie die grissten Bengel sofort so angeredet: ,,Nun, Jungens, ich weiss, Ihr seid ilter und viel stirker als ich, und Ihr kinnt, wenn Ihr wollt, die Schule au den Kopf stellen. Ihr werdet mir jedoch helfen, die Schule so zu leiten, dass sie Euer Stolz und der Stolz des ganzen Dorfes werde." Aus dieser Episode schalte sie nun das Geheimnis der Disziplin heraus. Es bestehe in einer Art Teilhaberschaft zwischen Lehrer und Schiler; der Leh- rer miisse sofort ein inniges Biinaclnis mit salnen Schiilern schliessen. Wer's hann, mach's nach! </p><p>Die Frage der Klassifizierung und Versetzung der Schiiler in unseren Volks- schulen will nicht zur Ruhe koumen. Es giebt kaum zwei Stidte von Belang, die dasselbe System der Versetzung gemein haben. Wie bei so vielen anderen wichtigen erzieherischen Fragen, fehlt auch hler die Einheitlichkeit. Frl. Buchanan behandelte den Gegenstand etwas langatmig zwar, doch liickenlos. Ihre Argumente zeugen von Verstandnis und Erfahrung, sowie von grosser Liebe zur Sache. Nachdem sie auf die Verschiedenheit der Versetzungsmethoden in ein- und mehrklassigen Schulen und in verschiedenen Stadten hingewiesen, sagte sie, dass ein Schritt in der rechten Richtung nunmehr der sei, den Zeit- abschnitt der einzelnen Klassen kiirzer zu gestalten. (Das ist so zu verstehen, dass, sagen wir, statt acht Klassen sechzehn oder vierundzwanzig einzurichten, </p><p>This content downloaded from 193.104.110.110 on Thu, 15 May 2014 11:39:52 AMAll use subject to JSTOR Terms and Conditions</p><p>http://www.jstor.org/page/info/about/policies/terms.jsp</p></li><li><p>Die Versammlungen der N. E. A. 83 </p><p>oder acht Klassen in je zwei oder drei Abteilungen zu trennen waren.) Wenn ein Kind einige Wochen, vielleichlt gar krankheitshalber, aus der Schule bliebe, so sei es offenbar ungerecht, es ein ganzes Jahr zuriickzusetzen. Sie befiirwortet eine Dreiteilung in den unteren Klassen, eine Zweiteilung in der oberen Klasse in demselben Zimmer und unter demselben Lehrer. Durch eine Neueinteilung nach jedesmal sechs Wochen will sie den Begabten Gelegenheit verschaffen, so schnell vorzugehen, wie deren Fahigkeiten es erfordern, und den weniger Be- gabten will sie auf der andern Seite mehr Zeit widmen. Gegen daraus sich etwa ergebende Mangel, wie z. B. die vollstandige Trennung von Klugen und Dummen und die mbgliche Vernachlassigung der letzteren seitens einer unge- schickten Lehrerin, solle die Wachsamkeit des Prinzipals und das Vermischen der aufriickenden Besseren mit den weniger Guten schiitzen. Auch gegen die Unsitte, das Rechnen als alleinigen Massstab fuir die Versetzung anzusehen, also ein Kind in die naichsth6here Klasse eintreten zu lassen, well es gut nur im Rechnen ist, dagegen ein anderes Kind sitzen zu lassen und obendrein noch zu verspotten, weil es gut in Geschichte, Geographie, Lesen, aber schlecht im Rechnen ist, auch dagegen erhob Frl. Buchanan ihre Stimme. Auch diirfe es nicht notwendig sein, ein Kind solange in einer Klasse zu halten, bis es alle darin gelehrten Facher griindlich verstehe, denn Griindlichkeit sei beim Kinde nicht charakteristisch. Als Massstab fiir die Versetzung empfehle sich in den unteren Klassen Lesen und Rechnen, in den oberen ausser denm Rechnen noch Sprache, Geographie und Geschichte. Sie ist tiberhaupt gegen eine eiserne Regel bei der Klassifizierung und Versetrung der Schiiler; die Individualitiat des Kin- des und das Urteil des Lehrers rniissten massgebend sein. Schriftliche Priifun- gen sollten nicht mehr Gewicht bei der Versetzung eines Schiilers haben, als eine gewohnliche Unterrichtsstunde. Alles in allem genommen, geh6rt der Vortrag des Frl. Buchanan zu dcm Besten, was auf der Konvention der N. E. A. geleistet worden ist. </p><p>Der uns vorliegende Auszug aus dem dritten Vortrage, von Frau Cooley...</p></li></ul>