die versammlungen der n.e.a. zu charleston, s. c

Download Die Versammlungen der N.E.A. zu Charleston, S. C

Post on 08-Jan-2017

213 views

Category:

Documents

0 download

Embed Size (px)

TRANSCRIPT

  • Die Versammlungen der N.E.A. zu Charleston, S. C.Author(s): Paul GerischSource: Pdagogische Monatshefte / Pedagogical Monthly, Vol. 2, No. 2 (Jan., 1901), pp. 80-85Published by: University of Wisconsin PressStable URL: http://www.jstor.org/stable/30170440 .Accessed: 15/05/2014 11:39

    Your use of the JSTOR archive indicates your acceptance of the Terms & Conditions of Use, available at .http://www.jstor.org/page/info/about/policies/terms.jsp

    .JSTOR is a not-for-profit service that helps scholars, researchers, and students discover, use, and build upon a wide range ofcontent in a trusted digital archive. We use information technology and tools to increase productivity and facilitate new formsof scholarship. For more information about JSTOR, please contact support@jstor.org.

    .

    University of Wisconsin Press is collaborating with JSTOR to digitize, preserve and extend access toPdagogische Monatshefte / Pedagogical Monthly.

    http://www.jstor.org

    This content downloaded from 193.104.110.110 on Thu, 15 May 2014 11:39:52 AMAll use subject to JSTOR Terms and Conditions

    http://www.jstor.org/action/showPublisher?publisherCode=uwischttp://www.jstor.org/stable/30170440?origin=JSTOR-pdfhttp://www.jstor.org/page/info/about/policies/terms.jsphttp://www.jstor.org/page/info/about/policies/terms.jsp

  • Berichte und Notizen.

    I. Die Versammlungen der N. E. A. zu Charleston, S. C. (Fr die Padagogischen Monatahefte.)

    Von Paul Geriech, Mixwaukee, Wis.

    Die englischen Kollegen hielten im letzten Sommer ihre jRhrliche Zusam- menkunft von 10. bis zum 13. Juli in Charleston, S. C., ab. Die Zahl der Be- sucher stieg auf wenig iiber 3000, warhrend auf der Tagung in Los Angeles im vorletzten Jahre sich 13,656 Personen einschreiben liessen. Charleston hat ein mildes, maritimes Klima: wahrend der Konventionswoche stieg an vier Tagen das Thermometer nicht so hoch als in Los Angeles im Jahre vorher; der Feuch- tigkeitsmesser schwankte zwischen 60 und 80 Prozent; eine wohlthuende Brise mit einer Geschwindigkeit von 12 bis 20 Meilen wehte fast ununterbrochen. Die Stadt ist reich an historischen und anderen lehrreichen Erinnerungen: sie ist mehrmals belagert und von einer feindlichen Flotte beschossen worden; in ihrem Hafen hat der erste Kampf zwischen einem Torpedoboot und einem Kriegsschiff stattgefunden; sie Ist auch von Wirbelstiirmen und Erdbeben ge- troffen worden; sie hat den ersten artesischen Brunnen im Lande gehabt, u. s. w. Ausserdem bietet sie mannigfache Gelegenheit su Ausfiigen in die nichste Umgebung zum Zwecke des Studiums und der blossen Unterhaltung. Der grosse Unterschied in der Zahl der Besucher zwischen Charleston im Jahre 1900 und Los Angeles im Jahre 1899 1lsst sich vielleicht dadurch erklaren, dass der Name des Wunderlandes Californien durch seinen Klang allein eine magische Wirkung auf unsere Schoolma'ms, die die Zusammenkiinfte der N. E. A. sicher- lich nicht bloss der ptdagogischen Weisheiten halber besuchen, ausgeiibt hat. Ist es also den Beamten der N. E. A. darum zu thun, ene zahlreiche Betelligung zu sichern, wie wire es, wenn sie die nichste Tagung nach dem grossartigsten Museum physikalischer Geographie, dem Yellowstone Park, verlegten?

    Wie zielbewusst die Beamten der N. E. A. diesmal arbeiteten, zeigt die Ein- heitlichkeit des Programmes fiir die allgemeinen Versammlungen. Hier eine kurze Zusammenstellung:

    Dienstag Nachmittag, 10. Juli-Empfang. Dienstag Abend-Zwei Vortririge iiber ,,Das kleine College". Mittwoch Morgen-Drei Vortriige fiber ,,Beitrige religidser Genossenschaf-

    ten zur Sache der Erziehung"; von einem Baptisterprediger, einem Methodisten- prediger und einem katholischen Priester.

    Mittwoch Abend-Zwei Reden von Joseph Swain und Booker T. Washington. Donnerstag Morgen-Drei Vortrige iiber ,,Aufgabe der Volksschule". Dann

    Beamtenwahl. Donnerstag Abend-Patriotischer Abend. Freitag Morgen-Drei Vortrige fiber ,,Beziehungen der Litteratur zur Er-

    ziehung". Freitag Abend-Schlussversammlung. Wir beginnen unseren Bericht mit dem G1nzendsten, was die N. E. A.

    aufzuweisen hat, mit den Finanzen. Die linke Seite des Sparkassenbuches des englischen Schulvereins ist hiibsch gefiillt, denn am 1. Juli 1900 belief sich ihr Vermigen auf $88,000. Der Verwaltungsrat berichtet, dass sich am 1. Juli 1899 der sog. permanente Fonds auf $74,000 belief. Die Einkommen aus dem betr. Fonds und aus der Tagung in Los Angeles schwellten den Fonds aber auf $88,000 an. Das Vermbgen ist, mit Ausnahme von $5110, alles in Hypotheken auf Grundeigentum und in Kansasser, Illinoiser, Indianaer und Missourier Schul-

    This content downloaded from 193.104.110.110 on Thu, 15 May 2014 11:39:52 AMAll use subject to JSTOR Terms and Conditions

    http://www.jstor.org/page/info/about/policies/terms.jsp

  • Die Versammlungen der N. E. A. 81

    bonds angelegt. Wozu die N. E. A. eigentlich ein Vermogen zusammenscharrt? Der deutschamerikanische Lehrerbund sollte mit der N. E. A. einen Trust ein- gehen, er k6nnte dabei nur gewinnen!

    In dem Thomson Auditorium, einer Halle von riesenhafter Ausdehnung, die jeder Dame erlaubte, den Hut aufzubehalten, und jedem Gentleman gestattete, zvei Stiihle in nichster N&he in Fussschemel umzuwandeln (d. h., wenn er gewollt hitte), wurden die allgemeinen Versammlungen unter den melodischen Kiangen von Dixie und Yankee Doodle, mit inbriinstigem Gebet und mit prei- senden Reden eriffnet. Der Prasident Corson hat in seiner Ansprache, nach eigenem Gestandnis, weder etwas Tiefes noch etwas Geheimnisvolles, weder etwas Neues noch etwas Aufsehenerregendes der Versammlung vorzulegen; auchi hat er nichts Besonderes zti verdammen. Aber er gab einem echt ameri- kanischen Gedanken Ausdruck. Nach seinem Dafiirhalten miissen diejenigen, die den erzieherischen Geist unseres Landes bilden und in die richtigen Bahnen lenken wollen, nicht nur tiichtige Erzieher, sondern auch tiichtige Geschifts- leute sein. In diesem Zeitalter seien auf dem Gebiete der Erziehung die wirk- lichen Fiihrer nur diejenigen, die, mit Geschiftssinn begabt, die kaufminnischen Probleme, die immer einen Teil des erzieherischen Problems bildeten, schitz- ten und verstanden. Wenn die Schulen die Geldunterstiitzungen, die zu ihrem Gedeihen ja so notwendig sind, auch fernerhin beanspruchen wollen, dann "the people must be led to feel that education pays". In diesem Tone sprach Herr Corson noch geraume Zeit weiter. Hierauf wandte sich der Redner gegen die allerneueste Richtung in unseren Schulen, das Textbuch aus dem Schulzim- mer vollstdndig zu verbannen. Wenn das Unterrichten nach dem Textbuch in der Vergangenheit bis zum schidigenden Xussersten getrieben worden sei, so sei das kein Grund, weshalb das Textbuch ganz abgeschafft werden solle. Er warnte davor, das Schulzimmer in einen Vergniigungsplatz umzuwandeln.

    Herr W. O. Thompson, der Prisident der Ohio State University zu Colum- bus, O., trat in seinem Vortrage ,,Das kleine College-seine Wirksamkeit in der Vergangenheit" der weitverbreiteten Ansicht entgegen, dass das kleine College seine besten Tage gesehen habe. Diese Ansicht sei irrig und ungerecht. Das kleine College sei gegriindet wolden, um Charaktere heranzubilden, und eine Durchsicht der Alumnenlisten beweise, welche tiichtigen Minner aus ihm hervor- gegangen seien; das kleine College habe mehr Nachdruck auf pers6nlichen Ver- kehr zwischen dem Professor und dem Studenten gelegt, da ein solcher Verkehr von machtigem Einfluss auf die Bildung des Charakters sei; das kleine College habe ferner ein grosses Werk verrichtet, indem es Achtung vor Bildung und Gelehrsamkeit grossgezogen habe.

    Herr W. R. Harper, der Prisident der Universitit Chicago, setzte das Thema ,,Das kleine College" fort, und zwar sprach er fiber die Wirksamkeit des kleinen College in der Zukunft; fiber seine Ausfihrungen ist uns jedoch keine Zeile zu Gesicht gekommen.

    Ein Ereignis der englischen Lehrerzusammenkunft war das Erscheinen Booker T. Washingtons auf der Rednerbiihne. Booker T. Washington ist der- selbe Mann, von dem die Zeitungen kiirzlich berichteten, dass die deutsche Re- gierung mit ibm in Unterhandlungen stehe zwecks tberlassung von Negern aus seiner Schule, welche die Eingeborenen der deutsch-ostafrikanischen Be- sitzungen im Baumwollenbau unterrichten sollen. Er ist ein Typus seiner Rasse. Seine Nase ist breitgedriickt, und seine Lippen sind so schwiilstig wie die von Tausenden anderer Schwarzen; er ist breitschultrig, jung, und ersichtlich voll Kraft und Ernst. Seine Rede, die er mit lebhaften Gesten be- gleitet, ist einfach, klar und kiihn. Er sprach frei, ohne Manuskript, und fes-

    This content downloaded from 193.104.110.110 on Thu, 15 May 2014 11:39:52 AMAll use subject to JSTOR Terms and Conditions

    http://www.jstor.org/page/info/about/policies/terms.jsp

  • 82 Pidagogisce Monatshefte.

    selte seine Zuhirer. Der ganze Siiden betrachtet ihn heute als einen seiner gr6ssten Manner.

    Booker T. Washington ist ein schwarzer Pestalozzi. Um den Neger auf eine hShere Stufe der Gesittung zu heben, sagt W., muss man ihm die Beschif- tigungen lehren, welche die wirtschaftlichen Zustande des Bodens, auf dem er jetzt sissig ist, von ihm fordern, wenn er sein Fortkommen finden will. Die grosse Masse seiner Rasse ernahre sich direkt oder indirekt durch den Acker- bau. Es sei deshalb ein Fehler, dem Negerknaben alles Migliche im Himmel und auf der Erde zu lehren, nur das nicht, was mit dem landwirtschaftlichen Leben der Gemeinschaft, zu der er ja zuriickkehren so 11 t e, ibereinstimme. So geschehe es, dass in viel zu vielen Fallen der Neger nicht auf seines Vaters Farm zuriickkehre, sondern in die Versuchung falle, ohne ehrliche, brotbrin- gende Beschiftigung sich allein von seinem Witze ernihren zu wollen. Herr Washington bittet, den Neger nach denen im Schulzimmer, ni

Recommended

View more >