deskriptive entscheidungstheorie 9 grundlagen der deskriptiven entscheidungstheorie

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  • Deskriptive Entscheidungstheorie 9 Grundlagen der deskriptiven Entscheidungstheorie
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  • Gliederung 9 Grundlagen der deskriptiven Entscheidungstheorie 9.1 Bedeutung und Merkmale der deskriptiven Entscheidungstheorie 9.2 Das Wissenschaftsideal der BWL und die Entscheidungstheorie 9.3 Mgliche Zusammenhnge zwischen prskriptiver und deskriptiver Entscheidungstheorie 9.4 Die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie 9.5 Das Mlleimermodell der Entscheidung 9.6 Organisation und Entscheidung
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  • 9.1 Bedeutung der deskriptiven Entscheidungstheorie Die prskriptive oder normative Entscheidungstheorie gilt als der fr die BWL wichtigere Zweig, weil die BWL meist als eine Lehre vom rationalen Entscheiden verstanden wird. Die deskriptive Entscheidungstheorie gewinnt an Bedeutung, seit 2002 der Psychologe Daniel Kahnemann und der konom Vernon L. Smith mit Forschungen zum realen Entscheidungsverhalten von Menschen den Nobelpreis fr Wirtschaftswissenschaften gewonnen haben. Dieser Zweig der Wirtschaftswissenschaften wird heute vielfach als Verhaltenskonomik bezeichnet.
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  • Merkmale deskriptiver Entscheidungstheorie Normative Entscheidungstheorie Deskripitive Entscheidungstheorie Zielsetzung Wissenschafts- kategorie Theoriebildung Verbesserung des E.verhaltens realer Akteure (vorschreibend: der Akteur sollte) Formalwissenschaft Modellanalyse und deduktive Ableitung von Folgerungen aus Prmissen Beschreibung u. Prognose des realen E.verhaltens (beschreibend: der Akteur entscheidet so) Realwissenschaft Experimente, Befragung, Beobachtung und induktive Verallgemeinerung
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  • Merkmale deskriptiver Entscheidungstheorie Normative Entscheidungstheorie Deskriptive Entscheidungstheorie Hauptinteresse Wissenschaftliche Disziplinen Auswahl der optimalen Alternative bei gegebenem Entscheidungs- modell (rational choice) Mathematik, Wirtschaftswissenschaften Gesamter Entscheidungs- prozess samt Bildung des Entscheidungsmodells Psychologie, Soziologie, Kognitionswissenschaften, Philosophie
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  • 9.2 Das Wissenschaftsideal der BWL Deskriptives Ziel: Beschreibung, Begriffsbildung, induktive Hypothesenbildung Theoretisches Ziel: Bewhrte Gesetzmigkeiten finden, kritisch geprfte Ursache-Wirkungs-Beziehungen Pragmatisches Ziel: Zielgerichtete Anwendung von theoretischen Aussagen zur Verbesserung der Praxis
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  • Beispiel: Arzneimittelforschung Deskriptives Ziel: Beschreibung der Wirkung von Schimmelpilzen auf eine Bakterienkultur; Hypothese: Penicillin ist in der Lage Staphylokokken abzutten Theoretisches Ziel: mehrfache systematische und kritische Prfung der Hypothese, Ableitung einer Gesetzmigkeit Pragmatisches Ziel: Zielgerichtete Anwendung von Penicillin gegen Staphylokokkeninfektionen
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  • Explanatorisches Ziel der Theorie Das Kernziel jeder Theorie ist das Finden von Gesetzmigkeiten, mit deren Hilfe bestimmte Phnomene erklrt, prognostiziert und bewusst hervorgerufen werden knnen. Wissenschaftstheoretisch gesprochen geht es darum, ein Explanandum (das zu Erklrende) abzuleiten aus einer Gesetzmigkeit und bestimmten Anfangs- oder Randbedingungen (zusammen Explanans genannt).
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  • Beispiele Explanandum (zu erklrendes Phnomen) Die Lungenentzndung von Frau Meier ist geheilt. Von Produkt x haben wir im 2. Quartal 10% mehr verkauft als im 1. Quartal. Gesetzmigkeit (Explanans) Penicillin ttet zuverlssig Bakterien eines bestimmten Typs. Preissenkungen fhren zu hheren Absatzmengen. Anfangsbedingungen (Explanans) Frau Meier hat ber 10 Tage Penicillin ein- genommen. Zu Beginn des 2. Quartals wurden die Preise gesenkt. HandlungsempfehlungGebe Penicillin, wenn du eine Lungenentzndung heilen willst. Senke die Preise, wenn du eine hhere Absatzmenge willst.
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  • Das Wissenschaftsideal der BWL Die BWL verfolgt offiziell diese an die Naturwissenschaften angelehnte Art der Forschung, will also empirisch gehaltvolle nomologische Hypothesen kritisch prfen, um Gesetzmigkeiten zu finden, die sich praktisch nutzen lassen. Das Ideal ist der kritische Rationalismus von Karl R. Popper bzw. die hypothetisch-deduktive Methode.
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  • Das Wissenschaftsideal der BWL Schritt 1: Induktive Ableitung von Hypothesen mit Gesetzescharakter aus einzelnen empirischen Beobachtungen. Schritt 2: Deduktive Folgerungen und Prognosen aus diesen Gesetzen; kritische Prfung. Schritt 3: Umwandlung des Ursache-Wirkungs- Zusammenhanges in einen Ziel-Mittel- Zusammenhang.
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  • Anwendung auf die Entscheidungstheorie Nach Edmund Heinen versucht die entscheidungsorientierte BWL auf der Basis einer deskriptiven Theorie des menschlichen Entscheidungsverhaltens, den Ablauf von Entscheidungsprozessen in Unternehmen zu erklren und Verhaltensempfehlungen fr Entscheidungstrger zu geben. (Der entscheidungsorientierte Ansatz der Betriebswirtschaftslehre, in: Kortzfleisch, G. v. (Hrsg.): Wissenschaftsprogramme und Ausbildungsziele der BWL, Berlin 1971, S. 22. Letztlich geht es um die Verbesserung von Entscheidungen (pragmatisches Ziel). Der Gestaltungs- aufgabe vorgelagert ist die Erklrungsaufgabe.
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  • Bisher: Zwei Welten Normative TheorieDeskriptive Theorie Reine Formalwissenschaft ohne empirische Basis. Deduktion aus Modellprmissen. Unrealistisches Menschenbild und starke Vereinfachung der Entscheidungssituation. Bau komplexer mathematischer Modelle. Strikte Abschottung der BWL gegen die Verhaltenswissenschaften. Hter der Rationalitt Empirische Beobachtungen von Abweichungen vom Rationalmodell. Erfassung der Komplexitt der realen Entscheidungssituationen und der Unzulnglichkeiten realer Entscheider. Beobachtung realer Entscheidungs- prozesse und Verhaltensexperimente Schwierige disziplinre Abgrenzung. Was macht die BWL anderes als bspw. die Psychologie? (Vorschlag: Entscheidungen in Betrieben als Gegenstand)
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  • 9.3 Mgliche Beziehungen zwischen deskriptiver und normativer Theorie (1) Bisher: Beide Anstze bestehen nebeneinander und ignorieren sich. Deskriptive Theorie wird als Teil der Organi- sationstheorie gelehrt. Fr wirtschaftliche Entscheidungen wird berwiegend Rational- verhalten unterstellt. Normative Theorie Deskriptiv e Theorie
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  • Mgliche Beziehungen zwischen deskriptiver und normativer Theorie (2) Die deskriptive Theorie lst die normative ab. Normative Theorie wird als lart pour lart abgelehnt. Ist die Intuition nicht sogar die bessere Entscheidungsmethode? Deskriptive Theorie
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  • Mgliche Beziehungen zwischen deskriptiver und normativer Theorie (3) Die deskriptive Theorie zeigt Fehler, die man vermeiden sollte. Man muss den Menschen helfen, besser und rationaler zu entscheiden. Ziel ist das normative Entscheidungsideal. Normative Theorie
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  • Mgliche Beziehungen zwischen deskriptiver und normativer Theorie (4) Die normative Theorie verwendet die Erkenntnisse der deskriptiven Theorie. Rationale Entscheider machen sich die Fehler der anderen zunutze. (Beispiel: Marketing) Entscheidungsarchitekten beeinflussen gezielt die Entscheidungen ihrer Mitmenschen in deren eigenem Interesse. (Nudge) Normative Theorie Deskriptive Theorie
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  • 9.4 Die verhaltenswissen- schaftliche Entscheidungstheorie Wichtige Vertreter: Herbert Simon (*1916) mit seinem Buch Administrative Behavior. A Study of Decision-Making Processes in Administrative Organizations, 1. A. 1945, 3. A. 1976. James March (*1928) und Richard Cyert (*1921) mit ihrem Buch A Behavioral Theory of the Firm, 1. A. 1963, 2. A. 1992.
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  • Entscheidungen in Organisationen In der BWL wird die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie vor allem als Organisationstheorie behandelt, weil sie sich mit Entscheidungen in Organisationen (bspw. Unternehmen) beschftigt. Sie ist verhaltenswissenschaftlich, weil sie nicht von einer vorgegebenen Entscheidungslogik ausgeht, sondern beschreiben will, wie tatschlich entschieden wird.
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  • Haupterkenntnisse Reale Entscheidungen sind viel komplexer, unsicherer und konfliktreicher als die Entscheidungen in der Modellwelt der normativen Theorie. Die Menschen sind zugleich in ihrem Wollen, Wissen und Knnen viel eingeschrnkter als es das Modell vom rationalen Entscheider vorsieht. Sie verfgen nur ber begrenzte Motivation und ber begrenzte Rationalitt.
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  • Begrenzte Rationalitt Menschen verfgen nur ber begrenzte Informationsaufnahme- und Informations- verarbeitungskapazitten (bounded rationality). Sie wollen zwar rational handeln (intendierte Rationalitt), sind aber schnell berfordert durch komplexe und unsichere Entscheidungen. Zudem ist auch ihre Bereitschaft zum Engagement in der Organisation nur begrenzt.
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  • Zielbildung Normatives IdealReales Verhalten Es gibt ein Zielsystem der Unternehmung. Die Unternehmung ist quasi als ein Entscheider modelliert. Das Zielsystem ist vollstndig, konsistent und operational. Es gibt unterschiedliche und teils konfliktre Ziele der Organisationsmitglieder fr die Organisation und private Ziele. Entscheidungen in Organisationen entsprechen eher n-Personen- Spielen und Gruppenentscheidungen. Gemeinsame Ziele mssen ausgehandelt werden. Ziele werden bewusst vage gehalten, um Zielkonflikte zu berspielen. Man arrangiert sich mit widersprchlichen Zielen indem man mal das eine und dann das andere Ziel verfolgt (sequentielle Zielverfolgung) oder indem

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