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    Ausstellung "Vergebung und Versöhnung. Kardinal Kominek. Unbekannter Gründervater Europas" Botschaft des Stadtpräsidenten von Wrocław

    "Vergebung und Versöhnung. Kardinal Kominek. Unbekannter Gründervater Europas"

    Infolge der Vereinbarungen nach Ende des Zweiten Weltkriegs fand sich die deutsche Stadt in den

    Grenzen Polens wieder und wurde zu Wrocław. Von hier wurden die Vorkriegsbewohner,

    überwiegend Deutsche, vertrieben, angesiedelt hingegen wurden Polen, die aus unterschiedlichen

    Teilen des Landes kamen und aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten ausgesiedelt wurden. Es

    ist wohl die einzige Großstadt, in der es zu einem hundertprozentigen Bevölkerungsaustausch

    gekommen ist. Das heutige Wrocław ist somit in gewissem Sinne der Effekt der Wirkung von drei

    verbrecherischen "Erfindungen" des 20. Jahrhunderts - Faschismus, Kommunismus und Zweiter

    Weltkrieg. Sie haben bewirkt, dass - was ich noch einmal betonen möchte - Wrocław eine Stadt der

    Umsiedlungen ist, eine Stadt, in der ein KOMPLETTER Bevölkerungsaustausch erfolgt ist. Wrocław,

    das zu 80 Prozent zerstört war, voller Geschichte und Schönheit, war für die angekommenen Polen

    eine fremde Stadt. Obwohl dies heute, 70 Jahre nach Kriegsende, unwahrscheinlich erscheint, so

    hielten dennoch die damaligen Bewohner ihr Schicksal für unsicher. Das Drama von fast 6 Jahren

    Krieg konnte von 20 Jahren Stabilisierung nicht geheilt werden, denn es lebten immer noch

    Menschen, die bereits eine 20jährige Zwischenkriegszeit gesehen hatten. Vielleicht werden sie ein

    weiteres Mal umgesiedelt, zumal sie bereits einmal umgesiedelt worden sind? Vielleicht kommen die

    Deutschen zurück?

    So war die Stimmung im Jahr 1965, als der Bischof von Wrocław Bolesław Kominek den "Hirtenbrief

    der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder" verfasste, in dem die bekannten Worte

    fielen: "wir vergeben und bitten um Vergebung...". Zwei Jahrzehnte nach diesem grausamen,

    präzedenzlosen Zeitraum des Mordens, als noch Zeugen jener Ereignisse lebten, wurde in Wrocław

    der Versuch unternommen, die benachbarten, bisher miteinander verfeindeten Völker zu versöhnen!

    Der größte Teil des Hirtenbriefs an die deutschen Bischöfe bringt die Geschichte der deutsch-

    polnischen Beziehungen in Erinnerung - eine Anamnese, die notwendige Voraussetzung dafür ist,

    dass die Zeit alle Wunden heilt. Dieses Freilegen der Erinnerung im Hirtenbrief musste es mit der

    offiziellen, verlogenen Geschichte aufnehmen, in der der Nachbar im Westen zum ewigen, gar

    mythischen Feind stilisiert wurde, und der Nachbar im Osten durch ethnische Verwandtschaft zum

    natürlichen Verbündeten, der seine Mission letztendlich durch die "befreienden" Taten der Roten

    Armee erfüllt hat.

    In den Notizen, die die Entstehung des Hirtenbriefs erläutern, schrieb Kominek: "Die Sprechweise

    kann nicht nationalistisch sein, sondern muss europäisch in der tiefgreifendsten Bedeutung dieses

    Wortes sein. Europa ist die Zukunft - Nationalismen sind von gestern." Wie musste das in Zeiten

    klingen, in denen die Deutschen weiterhin die Grenze an Oder und Neiße nicht anerkannten? In

    Wrocław, der Stadt - die Zeuge von so viel Unrecht so vieler Völker war, verstand Bolesław Kominek,

    ein katholischer Bischof, aber auch ein Philosoph, Denker und Politik, dass der Versuch, sie zu

    sühnen, nur weiteres Unrecht hervor ruft und streckte die Hand zu Versöhnung aus, denn in ihr sah

    er die einzige dauerhafte Lösung.

    So zeigte ein soziologisches Experiment, das Folge der Entscheidungen der Großmächte war,

    entgegen den Vorstellungen derjenigen, die es geschaffen hatten, erstaunlich positive Resultate. Der

    Hirtenbrief, der eine neue Öffnung in den deutsch-polnischen Beziehungen war, gab grünes Licht für

    weitere, außergewöhnlich wichtige Gesten - ich erinnere nur an das Verhalten von Bundeskanzler

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    Willy Brandt während seines Besuchs in Warschau 1970, als er vor dem Denkmal der Ghetto-Helden

    kniete.

    Die Ausstellung, die wir eröffnen, soll an diese lang zurückliegenden Zeiten und den schweren Weg

    erinnern, der zur deutsch-polnischen Versöhnung, zum vereinten Europa geführt hat. Ich möchte

    jedoch, dass wir in diesem Bischof eine Gestalt wahrnehmen, die viel zeitgenössischer ist, als man

    erwarten könnte, wenn man vor seinem Denkmal steht. Denn wenn man seine Lebensdaten

    verwischen würden, die gewöhnlich bei den Menschen angegeben werden, die verstorben sind,

    würde er uns als aktives Mitglied der Gesellschaft erscheinen. Heute würde sein "Wir vergeben und

    bitten um Vergebung" in wenigen Minuten als Tweet um die Welt gehen, der alle Beliebtheitsrekorde

    brechen würde, der "geliked" werden und schnell über den deutsch-polnischen Kontext hinausgehen

    würde. Dank der gleichzeitigen Knappheit und Universalität würde es offenen Menschen in

    verschiedenen Konfliktsituationen dienen. Wenn ich ein Zitat aus dem Hirtenbrief ins Netz stellen

    würde, würde ich es taggen mit #Mut, aber auch mit #Demut, als #Perspektive, aber auch #Einigung.

    Die polnischen Bischöfe und Bolesław Kominek, Bischof von Wrocław, machten etwas

    Ungeheuerliches. Und ich möchte ihn vom Denkmalformat wieder in die menschliche Dimension

    zurückbringen. Ich bin der Meinung, dass wir heute immer noch eine solche Blickweise auf Europa

    brauchen.

    Rafał Dutkiewicz

    Stadtpräsident von Wrocław

    © Fotoarchiv Stadt Wrocław

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    © Tempora

    Beschreibung der Ausstellung

    Allgemeine Ausstellungskonzeption

     Die Ausstellung konzentriert sich auf drei Akte, denen ein Prolog vorangeht und die mit

    einem Finale abgeschlossen werden:

    o Im Schatten Hitlers: 1939-1945

    o Im Schatten Stalins: 1945-1956

    o Weg zur Versöhnung: 1956-1974

     Den Hintergrund der Ausstellung bildet eine knappe Präsentation der Ereignisse, die den

    Strang der deutsch-polnischen Geschichte und der Geschichte Europas vor, während und

    nach dem Zweiten Weltkrieg bilden.

     Die Erzählachse ist die Person von Bolesław Kominek, der während der Nazi-Diktatur und

    später der kommunistischen Diktatur, ein gewöhnliches Objekt der Geschichte war, und der

    zu einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebensweges zu ihrem Subjekt wurde, das eine

    Hauptrolle spielt.

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    Die Ausstellung erfahren

    © Tempora

    PROLOG Im ersten Raum gleich nach dem Betreten wird der Besucher sofort, obwohl in indirekter Weise, in das Zentrum der Ausstellungsthematik eingeführt. Er betrachtet zwei Kunstwerke, die das Thema Krieg und Versöhnung zum Ausdruck bringen. Der Besucher weiß es noch nicht, aber diese zwei Stränge werden ihn die ganze Zeit begleiten - während er die Ausstellung betrachtet, laden wir den Besucher ein, über Krieg und Versöhnung nachzudenken. Das sind zwei Skulpturen des deutschen Künstlers, Alexander Polzin (geb. 1973): Requiem und Doppelter Engel. Die erste Skulptur symbolisiert Krieg und Trauer, die zweite - Versöhnung. Das Manifest der Ausstellung, das im gleichen Raum präsentiert wird, führt den Betrachter direkt in das Thema ein: aus dem Hintergrund in Form des Kriegs, der Zerstörung und der Versöhnung schält sich eine Person heraus - Bolesław Kominek. Die Nachkriegsmacher des vereinten Europas kultivierten diese Idee bereits zu Kriegszeiten. Als Pole konnte Kominek keine konkreten Maßnahmen ergreifen, wie Jean Monnet oder Robert Schuman. Aber in kleinerem Maße war er ein "Vater" Europas durch seine Arbeit für die Versöhnung mit Deutschland, was zur Erweiterung der Europäischen Union im Jahr 2004 führte. Bereits in diesem Eingangsraum lernt der Besucher die zentrale Gestalt der Ausstellung kennen, den "Helden", der noch keine Hauptrolle in der Geschichte spielt, aber er wird - ähnlich wie im Fall seiner Mitbürger - von der Geschichte nach deren Belieben bestimmt. Kominek lebt, ähnlich wie de Gasperi und Schuman, am Berührungspunkt zweier Sprachen und an der Grenze zwischen zwei Völkern. Von seiner Geburt in Schlesien und von seiner Kindheit, die vom Ersten Weltkrieg geprägt wurde, erzählen einige Dokumente und Fotos aus seiner Heimat. Andere Fotos zeigen seine Kaplansweihe und seinen Aufenthalt in Paris, wo seine Doktorarbeit entstand (die in der Ausstellung gezeigt wird). Die Skizzierung wurde mit der Darstellung seiner Kaplansarbeit in der Diözese Katowice in der Zwischenkriegszeit abgeschlossen, wozu einige Archivdokumente dienen, um den Charakter dieser Schrift besser zu verstehen. Der Betrachter entdeckt die Gestalt des Helden der Ausstellung auch mit Hilfe der audiovisuellen Installation, bei der er Fragmente von Erinnerungen auswählen kann, die von

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    einem Schauspieler gelesen werden. Sie beschreiben den jungen Kominek bzw. dessen Gedanken zu den Ereignissen, deren Zeuge er ist. Im Prolog der Ausstellung taucht auch eine Synthese der Ereignisse auf, die besonders für den Betrachter von außerhalb von Polen der Schlüssel zur späteren Handlungsweise von Kominek werden. Die Karten, Fotos und Zeugnisse zeigen Polen und Schle

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