Agnon, Eliasberg - Das Buch Von Den Polnischen Juden

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http://www.archive.org/details/dasbuchvondenpolOOagno

Das Budi vonden polnifchen JudenHerausgegeben vonS. J.

Agnon

und

Ahron Eliasberg

1916

JDISCHER VERLAG, BERLIN

By

Copyright 1916 the Jdifdier Verlag, G. m.

b. H,,

Berlin

JAim^o]974'11 Y

m

Qi

lV^

Einbandzeichnung von Hugo KraynFnfzig numerierte Exemplare wurden auf Btten abgezogen Preis in Ganzpergament M. 12,,

Druck von

C. Schulze

&

Co.,

Grfenhainidien

InhaltsverzeichnisE.J.

Agnon: Polenzu Stufe zu Stufe

1

V"on Stufe

915

Sftherkas

Haus

Wie der Rabbi Schaul Wahl Knig von Polen

wurdeAus eigenem Redit Rabbi Nathan Hannover: Der groe Kofakenauf=fland

19

3341 51

1648-1652Potocki.

Wort ber Jakob Frank Dick: Wie der junge Graf IEijik MejerEin'

Jude wurde und den Mrtyrertod erlitt Salomon Maimon Ein Lob der polnifdien Juden Synagogen im ehe= ,R. Bemftein=Wifdini^er: maligen Knigreidi Polen I A. Pino=Karlinski: Eine verhngnisvolle Wallfahrt Jakob Dienefohn: Die Gefdiidite vom Wilnaer. :1,

5981

87107 115 125

BalhabeffelI

Agnon: Zwei Erzhlungen Martin Buber: Aus dem Leben des heihgen Rabbi Mofdie Leib von Safow Sdialom Afdi: Ein herrfdiaftUdier Sabbath Nahum Sokolow: KowedS. J.,

143155 173181

.

J.

L.

Perez: Erlebniffe eines jdifdien Statiflikers

m

Polen..

Jofef B. EhrHdi:

Zwifdien zwei Mttern D. Frifdimann: Ein Sdimaus Sdinurren, Anekdoten, Geiftergefdiiditen, Spridi= Wrter, Verfdiiedenes Nadiwort und Anmerkungen der Herausgeber.

195

213 223 259 268

Worterklrungen

Verzeidinis der AbbildungenTafelbilderR. Akkiba Eger, Radierung von Hermann Struck. Auswanderer, Gemlde von Max Fabian. Eftherkas Haus. R. Naftali Hacohen. Jakob Frank, nadi einem alten Stidi.

Salomon Maimon.Die kleine Synagoge, Radierung von Ernfl Oppler. Jefdiibah, Gemlde von Samuel Hirszenberg. Plonsk in Ruffifdi-Polen, Radierung von Jofeph Budko.

Das Beth-Hamidrafdi des Baalfdiem zu Medzyborz. Schalom Afdi, Radierung von Hermann Strudi.

NahumI.

Sokolow.

L. Perez.

Betende Juden, Gemlde von Mori^ Gottlieb.Jdifdie Hodizeit.

R.

Salomo Eger.

TextbilderJdifdie

Mnzen

S. 2.

|'

Des Bifdiofs Ausfahrt S. 54. Des Bifdiofs Sturz von feinem Throne S. 54. Der Bifdiof trgt fein Haupt S. 55. Synagoge in Ludi S. 90. Synagoge in Zolkiew S. 91. Inneres Portal an der Synagoge in Luboml S. 94. Inneres Portal an der R. Ifaakfynagoge in Krakau Holzfynagoge in Narowl S. 98.Holzfynagoge in WolpaS. 99.

S. 96.

PfeUervieredt in der Synagoge von Przeworsk S. 103. Gefdini^ter Thorafdirein in der Synagoge von Sdiarowka S. 105

Das hebrifdie Original des Sdiwures

S. 249.

Hermann

Strudt:

R. kkiba Eger.

17611837. Radierung.

^^

o

S. J.

Agnon

Polendie

Legende von der Ankunft

Poln. Juden.

I.

Erfle Kunde,

Polen, du edles, diefeit

dem Tage

fcfaon,

Thora zieret feit alters da Ephraim von Juda

didi,

widi.

Klagelied des Mofe Hacohen, 5417.

Wir httenzhlten es uns,lach

es

nidit

gewufSt, aber unfere Vter

Ifrael aus dem Frankenreidie Polen kam und fidi dort niederliefS. Es fah Ifrael, wie die Leiden fidi immer erleuerten, die Verhngungen fidi mehrten, die Verfol= jungen zunahmen, die Knechtfchaft grof^ ward, die ierrfdiafl des Bfen Verhngnis an Verhngnis reihte lind Vertreibung an Vertreibung hufle, dafS es vor [einen Haffem nicht mehr beftehen konnte, da trat SS auf die Wege und fchaute und fragte nach den Pfaden der Welt, welches der rechte Weg fei, den es betreten foUe, um fr fich Ruhe zu finden. Da fiel ein Zettel vom Himmel herab: Gehet nach Polen! So gingen fie nach Polen und fchenkten dem Knige einen ganzen Berg von Gold, und es empfing fie der Knig mit groj^en Ehren. Und Gott nahm fleh ihrer an, und er liefi fie Gnade vor dem Knige und vor den Frflen finden. Und es erlaubte ihnen der Knig, in allen Provinzen feines Reidies weit und breit zu wohnen und zu werben, und nach den Vorfchriflen ihres Glaubens ihrem Gotte zu dienen; Rabbiner und Richter

wie

4

Polen\

nadi den Gefe^en Ifraels Redit zu befdi^te fie vor allen Feinden und Bedrngern. Und es wohnte Ifrael ungeftrt in Polen lange

ZU whlen,fpredien.

um

Und der Knig

Handwerk. fei im Lande, fo daJ5 fie Ruhm unter den Vlkern gewannen. Und fie trieben auch Handel nadi den benadibarten Lndern und prgten Mnzen in der Spradie des Landes, aber mit heiligen Lettern. Das find die Mn= zen, auf denen ein Lwe zu fehen ifl, der von rechts hervorftrzt und auf denen die Worte Mefchka, me=Zeit.

Sie

trieben

Handel

und

allerlei

Und Gott gebot dem Segen, da

er mit ihnen

lechfind.

polski"

oder Mefche krul polski" eingegraben Die Polen nennen nmlich Knig Krul".

Aber esfeit

gibt audi einen Anhalt dafr, dafS Ifrae! Urzeiten im Lande Polen wohnte und dort be:

Lehre und Gefe^ gedieh. Denn als fie aus dem Frankenreiche gezogen kamen, fanden fie in Polen einen Wald, deffen Bume rundum befchrieben waren, in jeden Baum war ein Talmudtraktat eingekerbt. Das ifl der Wald Kawczyn, der nach Lublin fuhrt. Und es gibt weldie, die glauben, dafS auch der Name des Landes einer heiligen Quelle entfpringt: der Sprache Ifraels. Denn fo fpradi Ifrael, als es dahinkam: po lin, das heifSt: hier nchtige! Und

t

Polen

'"

oeinten: hier wollen wir nditigen, bis Gott die Ver= treuten Ifraels abermals jammeln lt. So erzhlten uns unfere Vter. dies berlieferung, fo nehmen wir fie als Ift Wer aber fidiere Kunde von der Ankunft bldie hin. remehmen will, der hre, was nun beriditet wird.

IL

Regen.will ich erhren, der Herr, will idi erhren den Himmel, und er wird die Erde erhren. Hofea 2, 23.fpridit

Zu jener Zeit

bes Friedensvaters" (Wodienabsdmitt

I

I

i

Es erzhlt der Rabbi, der Verfaffer der Hand Spridi"), nadi 'dem Budie Myrrhenbndel" (Wochenabfdinitt In mei= nen Gefe^en"), dafS die Kinder Ifraels, die kamen, in Polen zu wohnen, fidi verbindHch maditen, durdi ihr Gebet den Regen zu bringen, denn fonfl htten fidi die G^enpriefler geweigert, fie in ihrem Lande aufzunehmen. Und dies ifl die Gefdiidite vom Regen. Im Jahre 4653 kamen aus dem Reidie der Franken die Gefandten Ifraels; und das waren Rabbi Jedieskiah Sephardi, Rabbi Akiba Eflremadura, Rabbi Emanuel von Askalon, der Mathematiker, Rabbi Levi adiri, der Redekundige und Rabbi Natanael von Barcelona. Alle kamen fie nadi der Stadt Gnefen, wo der Frfl Lefdiek aus dem Haufe Piafl war, der Knig von Polen, um von ihm eine Ruhefltte fr ihre Brder, die Juden, in feinem Lande, dem Lande Polen, zu erbitten. Denn fie faf$en im Frankenreidie und fanden dort keine Ruhefltte.

Polen

Und Du

fie fprachen zu ihm: kennfl die ganze Mhfal, die ber uns kam.

Unfere Vter waren nadi dem Frankenreidie herab= gefliegen und wir faen viele Tage dort und die Leute taten uns und unferen Vtern Bfes, und flehe da, wir find in Gnefen, um in deinem Gebiet eine Ruhefltte zu erbitten, wir wollen, fo bitten wir, in deinem Lande fi^en, aber wir wollen unferem Gotte dienen; das Gebot des Knigs wollen wir hten, nidit nadi redits nodi nadi links wollen wir davon weidien, bis der Geift von der Hhe ber uns wadi werden und uns aufredit fhren wird in unfer Land." Und der Frfl fafS im Tempel feiner G^en, und er fdienkte ihnen Gnade. Und er antwortete dem Rabbi Levi Badiri, dem Haupte der Redenden, und spradi: Wartet dodi drei Tage, dann will idi eudi ein Wort antworten, wie meine Gtter es mir eingeben werden." Und es faf5en die Gefandten Ifraels mit Lefdiek. Und es kamen die G^enpriefler zu Lefdiek undfpradien:

Lefdiek zu den G^enprieflern: Ifrael fdiickte zu mir: Siehe wir wurden zu Sdiande und zu Spott fr die Vlker ringsum, wir wollen, fo bitten wir, in deinem Lande fi^en, aber wir wollen unferm Gotte dienen; das Gebot des Knigs wollen wir hten, nidit nadi redits nodi nadi links davon weidien." Da fpradien die G^enpriefler zu Lesdiek: Erlaube ihnen nidit, in dein Reidi zu kommen, aufSer wenn fie durdi ihr Gebet den Regen zu feiner Zeit herbringen."

Wer find Da fpradi

diefe

Mnner

bei dir?"

Polen

Und am Morgen des dritten Tages fland Lefdiek und fpradi zu den Gefandten Ifraels: auf Siehe, mein Land liegt vor eudi, fi^t, wo es am beflen i|l in euren Augen, und idi will mit eudi einen Friedensbund fdiliejSen und ihr foUt fidier in Polen (i-^en und follt den Regen zu feiner Zeit herabbringen. Regen des Segens mit eurem Gebet." Da antworteten die Gefandten Ifraels und fpra=dien:ifl die Hilfe." er fdilojS mit ihnen einen Friedensbund gab ihnen gute Gefe^e und Redite, nadi denen

Bei Gott

Und

undfidi

leben

lie.

Und fie verlieen den Frflen mit ihren Privile= gien in der Hand. Und fie kehrten zu ihren Brdern zurds und er= zhlten alles, was ihnen begegnet war. Und fie fpradien: Auf und lat uns hingehen, denn wir fahen das Land, und fiehe, es ift fehr gut, und audi wer im Lande fi^t, deffen Herz ift nidit bfe gegen uns. Den Gott des Himmels kennen fie nidit, fie frditen ihreG^en, aber audi von dem Gott Ifraels glauben fie, da er feinen Shnen helfen kann, wenn der Himmelfidi

verfdiliet,

feine

und kein Regen kommt, und wenn Shne zu ihm beten werden, dann wird er Regen.

auf die Erde geben." Und fie erzhlten alles, fo wie es ihnen der Frft gefagt hatte: Siehe, mein Land liegt vor euch, ^t, wo es am heften ift in euren Augen, und idi will mit Eudi einen Friedensbund fdiheen und ihr follt dier in Polen ^en, aber fleht zu dem Herrn eurem Gott, da er den Regen zu feiner Zeit herabfdiidse." Und e beriditen weiter:

8

Polen

Audi von den Kindern Ifraels find dort, die aus Kiew und aus dem Lande des Chafarenknigs kamen." Und die ganze Gemeinde erhob ihre Stimme,eine grof5e Stimme, wie folgt: Gefegnet fei Gott, der feinem Volke Ifrael eine

Ruhefltte gab!" Und fie fragten nadi dem Ergehen ihrer Brder und fpradien: Auf und lat uns hinziehen!"

Und

die

Shne von

Ifrael

zogen aus dem Lande

der Franken und kamen, fidi im Sdiatten der Knige Polens zu fdi^en. Von dort braditen fie mit fidi die Spradie ihres Landes, die Spradie der Deutfdien, unddie

Sitten Ifraels.

Und

Ifrael

fa in Sidierheit, ein

Segen inmitten des Landes. Und fie dienten dem Gotte ihrer Vter, und das Land gab feinen Ertrag. Darum [treuen bis zum heutigen Tage in Polen die Bauern ihre Saat auf die Felder am Rofdi Ha= fdianah und am Jom Kippur zum Gedditnis daran, wie es ihre Vter taten. So taten es ihre Vter: Zur Zeit, da Ifrael vor feinem Vater im Himmel gebckt ftand mit leerem Baudie, gingen fie hinaus und flreuten die Saat auf ihre Felder. Denn wurde die Saat auf die Felder zur felbigen Zeit geftreut, da Ifrael vor feinem Vater im Himmel gebckt fland mit leeremBauche, fo erwiefen fich bei dem Getreide, das aus der Erde hervorkam, die hren voll, das Land gab feinen Ertrag, und das Feld war gefegnet. Am Brauche ihrer Vter halten fie feft.

Max

Fabian:

Auswanderer. Gemlde,

1

Von

Stufe zu Stufe

Wandlungen der ffentlidi-reditlidien Stellung der Juden im alten Polen, dargetan an einigen Urkunden

I.

Gleidibereditigung.1389.

und Brefl, Dorohicz, von Litauen, Herr zu Grodno anderen Landen, tun kund, Luck Wladimir und in die von dicfer den jUt Lebenden und allen Knftigen, Kenntnis erhalten werden: do^ wir unferer Urkunde ihren Nachkommen Rechte unferen Grodnoer Juden wie und Freiheiten verleihen wie folgt:

Gnaden Wir Alexander Witowt, von Gottes

Fr(l:

ihren Haujern Hiermit geflatten wir ihnen, in und allerlei Getrnke, allerlei Waren zu erwerben verfchleii^en, wenn jie felbflgebraute wie gekaufle, zu Abgabe zahlen. an unfere Kammer eine jhrHcheSie drfen, den Brgern gleidi,

fowohl auflei

dem Marktbetreiben.

als an

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