vergangenheit und zukunft – beide hat der blick. er sollte ... ?· jahre geplante gesamtdauer...

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  • Vergangenheit und Zukunft – beide hat der hier abgebildete Gott Janus gleichzeitig im Blick. Er sollte einst den großen Vorhaben der ihm Opfernden über die Schwelle der Gegenwart zu einem glücklichen Ausgang verhelfen. Die Einsicht, daß gelungene Zukunftsgestal- tung verlangt, Vergangenes und Kommendes gleichermaßen im Auge zu behalten, stammt aus der römischen Geschichte. Für unsere heutige Gesellschaft gilt diese Prämisse des Fortschritts weiter und mit besonderer Aktua- lität. Bei wachsender Europäisierung und Globalisierung stellen sich unsere Zukunftsfragen in immer größeren Zusam- menhängen und zunehmender Ambivalenz. Eine weiterhin selbstbewußte Entscheidung solcher Fragenkomplexe setzt ein hochent- wickeltes Selbst- und Fremdverständnis vor- aus. Dieses Verständnis wird geprägt durch das Bewußtsein der eigenen kulturellen Iden- tität im Zusammenwirken mit fremden Kul- turen. Die Geisteswissenschaften, die sich mit der Erhaltung, Erschließung und Aufbe- reitung unseres geistig-kulturellen Erbes befassen, schaffen hier die notwendigen Wertungs- und Deutungsgrundlagen. Das, was war, das, was gilt, und das, was sein könnte, läßt sich mit Hilfe der Forschungs- ergebnisse einer Vielfalt von geistes- wissenschaftlichen Disziplinen erkennen und festlegen. Sie bestimmen nicht nur das kulturelle Niveau unserer Gesellschaft, son- dern befördern auch ihre Weiterentwicklung.

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  • VORWORT Bei den vorgestellten Projekten handelt es sich um Unternehmen ganz unterschiedlicher Genese. Sie sind von Akademiemitgliedern gegründet oder von außen an die Akademie herangetragen worden. Manche werden im Verbund mit anderen Forschungs- einrichtungen geführt, einige stehen kurz vor dem Abschluß, andere sind erst vor kurzem begonnen worden. Von gesamtstaatlichem wissenschaftspolitischem Interesse und über- regionaler Bedeutung sind sie alle; zudem greifen sie weit in den europäischen Raum und nicht selten auch darüber hinaus. Sie bewegen sich auf dem Gebiet der inter- nationalen Forschung und erarbeiten Grund- lagen von anerkannt hoher Qualität und lang- dauerndem Bestand. Es liegt auf der Hand, daß diese Art der ver- netzten, interdisziplinär und breit angelegten Grundlagenforschung nur durch die Beteili- gung zahlreicher Fachgelehrter und auf lange Sicht betrieben werden kann. So ist es auch kein Zufall, wenn vornehmlich Akademien als Träger solcher Langfristprojekte in Erschei- nung treten. Akademien pflegen besonders die Zusammenarbeit aller Disziplinen und Fächer – die Göttinger Akademie tut dies seit 1751. Als Gesellschaften hervorragender Gelehrter verfügen Akademien über feste und gewachsene Verbindungen zur inter- nationalen Wissenschaftsgemeinschaft. Die Bereitschaft ihrer Mitglieder, sich oft ein For- scherleben lang für grundlegende For- schungsprojekte einzusetzen, und der Be- stand einer Institution, die durch die stetige Aufnahme jüngerer Mitglieder Kontinuität und

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    Aktualität solcher Forschungen aufrecht er- hält, bieten die Gewähr für das Erreichen langfristig zu verfolgender Forschungsziele. Die hohe Qualität der Akademienforschung setzt zudem Anreize für Wissenschaftler und Institutionen aus der ganzen Welt, sich an den Projekten zu beteiligen. Natürlich bestimmen diese Langzeitprojekte bei weitem nicht das ganze Aufgaben- spektrum der Göttinger Akademie. Schneller abzuschließende natur- und geisteswissen- schaftliche Untersuchungen, Symposien, Vorlesungsreihen, Veranstaltungen zu ak- tuellen Gesellschaftsfragen und nicht zuletzt die wissenschaftlichen Vorträge und Dis- kussionen der Mitglieder in den gemein- samen Sitzungen bilden den Kern der Akademiearbeit. Gleichsam als Kontrast zu den dort wechselnden Forschungsgegen- ständen und -themen stellen die Langzeit- projekte das Kontinuum ihres Einsatzes dar. Die Finanzierung von angestellten Mitar- beitern und von Sachkosten haben Bund und Länder als Gemeinschaftsaufgabe im Rah- men des Akademienprogramms übernom- men. Bei der Einrichtung dieses Programms vor 25 Jahren dachte man allein an die Zu- sammenfassung langfristiger Forschungs- projekte der Akademien unter formalen Aspekten. Eine konzeptionelle Gestaltung dieser Gesamtheit war damit nicht beabsich- tigt. Ob die Vorhaben aller Akademien mitt- lerweile gewachsene Verbindungen und Schwerpunkte aufzeigen, bedarf einer ge- naueren Betrachtung. Dies gilt auch für die Frage nach der vielfach postulierten Notwen- digkeit eines ausgeprägten Forschungsprofils für einen relativ kleinen Forschungsverbund

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    mit entsprechend geringfügigem Mittelein- satz. Der hohe Anteil an ehrenamtlich Betei- ligten zeigt jedenfalls, in wie hohem Maße die von den Akademien gewählten Forschungs- felder auf das Interesse der Wissenschaftler- gemeinschaft stoßen. Eine konzeptionelle Gestaltung bei laufendem Programm muß Beschränkungen vermeiden, die die geistes- wissenschaftliche Grundlagenforschung in unserem Land ärmer machen würden. Die Göttinger Akademie beabsichtigt, in einer Reihe jährlich erscheinender Broschüren weitere Langfristvorhaben vorzustellen. Sie will so über die regelmäßigen wissenschaftli- chen Publikationen der Projekte hinaus der Öffentlichkeit einen Einblick in die Bedeutung und den Fortgang dieser Forschungen ge- ben. Nicht zuletzt möchten wir damit einem Interesse an dem entgegenkommen, was uns in unserer gewachsenen Kultur verbindet und unsere Wurzeln prägt. Göttingen, im September 2005 HERBERT W. ROESKY Präsident

  • Deutsches Wörterbuch

    von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Nachdem Jacob und Wilhelm Grimm wegen ihres Protests gegen Verfassungsänderun- gen im Königreich Hannover als Professoren der Universität Göttingen entlassen worden waren, bot ihnen 1838 der Verleger Reimer die Abfassung eines Wörterbuchs auf Hono- rarbasis an. Die inhaltliche Planung des Un- ternehmens und die Erstellung einer Samm- lung von etwa 600.000 Zitaten vor allem aus literarischen Werken konnten bis 1848 abge- schlossen werden. Die erste Lieferung des Werks erschien 1852, der erste Band mit den Stichwörtern von A bis Biermolke 1854. Bis zum Tode Jacob Grimms im Jahr 1863 schritt die Ausarbeitung der Artikel bis zum Stich- wort Frucht fort.

    Manuskriptausschnitt von Jacob Grimm Die nachfolgenden Bearbeiter, von denen als Exponenten R. Hildebrand und M. Heyne genannt seien, konnten bis um die Wende

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    zum 20. Jahrhundert etwa die Hälfte des Wörterbuchs erarbeiten. Zur Überwindung verschiedener lexikographischer und organi- satorischer Probleme des seit Beginn als Verlagsprojekt geführten Werks erfolgte 1908 seine Übernahme durch die Preußische Aka- demie der Wissenschaften. Deren Ziel war es, unter Sicherung der Qualität der Artikel- arbeit einen Abschluß in überschaubarer Zeit zu erreichen. Die dazu unternommenen Ver- suche reichten von der redaktionellen Steue- rung über die Einrichtung einer Zentral- sammelstelle für Belegmaterial bis zur Grün- dung einer Wörterbuchkanzlei mit hauptamt- lichen Kräften. Dennoch konnte erst 1960 die Artikelarbeit abgeschlossen werden, die Er- arbeitung eines Quellenverzeichnisses dau- erte bis 1971. Inhaltlich werden die vorliegenden 32 Bände der abgeschlossenen Ausgabe von sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Zielsetzungen bestimmt. Ausgehend von der Vorstellung der Grimms, ihr Wörterbuch solle zum Hausbuch und Nationalheiligtum der Deutschen werden, sahen vor allem R. Hil- debrand und seine Nachfolger im Deutschen Wörterbuch das historische Thesaurus- oder Gesamtwörterbuch. Dieses Ziel wurde jedoch konterkariert durch den seit der Mitte des 19. Jahrhunderts stattfindenden Ausbau der deutschen Wörterbuchlandschaft. Dieser Ausbau auf den Ebenen der Sprachstufen- wortschätze, der Mundart-, der Rechts- und der Fremdwortschätze usw. wurde vielfach mit der Schließung der Lücken im Grimm- schen Wörterbuch begründet. Die Entwick- lung führte zur Eingrenzung der Position des Deutschen Wörterbuchs auf die umfassende Darstellung einer vor allem literarisch und

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    subliterarisch bestimmten sprachlichen Leit- varietät. Im Verständnis der Projektleiter bestand un- beschadet dieser Positionskorrektur die drin- gende Aufgabe, die älteren, deutlich knapper und nach überwundenen methodischen Ge- sichtspunkten gearbeiteten Teile des Werks einer grundlegenden Überarbeitung zu unter- ziehen. Dazu wurde eine Neubearbeitung der Teile A-F beschlossen. Diese wird seit 1960 in der Trägerschaft der Akademien Berlin und Göttingen und unter der Leitung je einer wissenschaftlichen Kommission in den bei- den Arbeitsstellen Göttingen und Berlin antei- lig durchgeführt. In Berlin werden die Buch- staben A-C, in Göttingen D-F bearbeitet. Beide Arbeitsstellen verfügen für ihre Wörter- buchabschnitte über umfangreiche Zettelar- chive, auf die Erhebung und Darstellung der wortgeschichtlichen Befunde gestützt wer- den. Die Göttinger Arbeitsstelle z.B. kann ihren Alphabetabschnitt auf ca. 2,6 Millionen Zitate stützen, die als xerographische Repro- duktionen der Textoriginale vorliegen. In jün- gerer Zeit wurde dieses aus einer Generalex- zerption zu Beginn der Neubearbeitung ent- standene Grundmaterial um verschiedene zusätzliche Zettelarchive wie das Zweitex- emplar des Tübinger Lutherarchivs und Küp- pers Archiv zur deutschen Umgangssprache, aber auch um elektronische Textsammlungen erweitert.

  • Belegzettel aus dem Göttinger Neubearbeitungs- archiv Die Konzeption der Neubearbeitung des Deutschen Wörterbuchs lehnte sich eng an

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