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  • ber die ornithologische Sammelttigkeit Franz Schillinger'sim russischen Reich.

    Von Dr. Andreas Keve, Budapest.

    Als ich im akademischen Jahre 1942/43 vom kgl. ungarischen Unter-richtsministerium ein Staatsstipendium fr das Studium der ornitho-logischen Ergebnisse der Forscherfahrt Dr. G y r g y von A 1 m a s y serhielt und im Naturhistorischen Museum in Wien arbeitete, bekam ichvom Kustos Hofrat Dr. M o r i z S a s s i , Leiter der ornithologischenAbteilung den Auftrag, auch die Sammlung F r a n z S c h i l l i n g e r szu bearbeiten.

    Das Studium der Vogelwelt des Tian-shan erforderte es sowieso,mich eingehend mit der sibirischen und zentralasiatischen Ornis zu befas-sen, so da sich diese Arbeit als besonders lehrreich und auch erfolgreicherwies, weil S c h i l l i n g e r besonders am Baikalsee und im Tunkinsk-Gebirge eine ganz hervorragende Kollektion zusammengebracht hatte.

    F r a n z S c h i l l i n g e r wurde in Tulln bei Wien im Jahre 1875geboren. Er war zuerst Frster, spter zog er nach Ruland und wurdePrparator. Im Jahre 1902 lie er sich in Nishnij-Novgorod nieder, woer eine Naturaliensammlung einrichtete.

    Im Jahre 1911 trat er mit dem Naturhistorischen Museum in Wienin Verbindung. Seine erste Sendung bestand besonders aus Farbenaber-rationen von Waldhhnern, die in verschiedenen Teilen des europischenRuland zwischen 19031911 gesammelt wurden. In dieser Sendung be-fand sich auch eine grere Ausbeute aus dem Tian-shan (156 Blge),eine kleinere Kollektion vom Sajan-Gebirge und von der AbakanischenSteppe (17). In den nchsten Jahren (19121914) schickte er jedes Jahrreiches Material.

    Das Jahr 1912 war entscheidend fr S c h i l l i n g e r s Ttigkeit, denner machte in diesem Jahre dem Wiener Museum den Vorschlag, da ermit verschiedenen Untersttzungen eine Expedition nach Zentralasienunternehmen wolle, wenn das Museum seine Reise mit 15.000 Kronenuntersttzen wrde. Die zoologische Ausbeute dieser Expedition solle demMuseum gehren. Sein Reiseplan war: Kultuk-Sajan-GebirgeKobdoAltaiDschungareiTarim-Lob-norN. TibetKashgar-Tashkent. DasMuseum stimmte zu und S c h i l l i n g e r erhielt die gewnschte Summe;damit machte er sich am 26. IX. 1912 aus Nishnij-Novgorod auf die Reise.Er suchte gleichzeitig durch die Jagdzeitschrift Wild und Hund" einenReisegefhrten mit entsprechenden Mitteln. Schon am 11. XI. 1913 schrieb

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    S c h i l l i n g e r aus Kultuk dem Museum einen Brief um Hilfe. SeinePlne waren nicht so gelungen, wie er sie sich ausgedacht hatte. Es httesich kein Eeisegefhrte gemeldet, so da er sich allein auf die Unter-sttzung des Museums verlassen mte. S c h i l l i n g e r schrieb ferner,da er Ende Dezember 1912 ber den Munku-Sardyk den Kosso-gol-Seein der Mongolei erreicht habe, von wo er aber nach Kultuk zurck mte.Er htte ziemlich gute Empfehlungen an den mongolischen Frsten vonUlan-Bator, darum wolle er den politischen Untersuchungen ostwrts aus-weichen, um den Lob-nor und N.-Tibet zu erreichen. Die russischenBehrden seien aber mitrauisch geworden, und gben ihm keine weitereErlaubnis zur berschreitung der mongolischen Grenze. Darum schrieber in dem erwhnten Brief: Leider ist mir das nicht gelungen und somute ich mich mit dem Baikalsee begngen. Bin erst seit etlichen Tagenvon Bargusien zurckgekehrt. War auch auf der Oberen Angara, Olehon,Sujatoi-Noss usw. rund um den Baikalsee." Heute wissen wir, was freine Bedeutung dieser Reise zukommt. Die reichen Serien der Suger,Vgel usw. die S c h i l l i n g e r vom Baikalsee mitbrachte, haben vielmehr Wert, als das Ergebnis eines oberflchlichen Sammeins in verschie-denen Gegenden. Er setzte in seinem Briefe fort: In ein paar Tagen istes ein Jahr, da ich in Sibirien bin. Jeder Schritt und Tritt kostet vielGeld." Deshalb bittet er das Museum um weitere 15.000 Kronen, die erauch bekommen hat. Er sammelte fleiig, sowohl in der Umgebung desSees, als auch sdwestlich von Kultuk im Tunkinsk-Gebige und war imBegriffe, seine Reise nach Zentralasien fortzusetzen. Anfangs 1914 wirdihm das Hin-und-Her der Behrden langweilig, die ihm noch immer keineReisebewilligung erteilen, weshalb wir S c h i l l i n g e r am 24. I. 1914schon in Krassnojarsk finden. Dort herrschte gerade eine Epidemie, dieer frchtete, weshalb er die Rckreise antrat. Seine letzte Sendung kamnach Wien im Mrz 1914 und.die letzte sichere Nachricht, die wir berS c h i l l i n g e r wissen, ist, da er am 18. III. 1914 in St. Petersburgangelangt war.

    Vier Sendungen von S c h i l l i n g e r , 696 Vogelblge, sind in Wieneingetroffen, auerdem auch noch andere Tiere, besonders Suger. Baldnachher brach der Weltkrieg aus und S c h i l l i n g e r war verschwunden.Angeblich kehrte er nach dem Kriege noch einmal in seine Heimat zurck,aber als Naturaliensammler war er nie mehr ttig und verlliche Nach-richten ber ihn, wie ber seinen Wohnsitz hat man nicht mehr erfahrenknnen.

    In den vier Sendungen (19111914) waren so reiche Serien einzelnerArten vorhanden, da das Museum spter manche Stcke fr wertvolleTauschaktionen verwenden konnte. Als ich im Jahre 1943 mit der Bear-beitung der S c h i l l i n g e r-Sammlung begann, waren nur mehr 616 Blgevorhanden, und zwar 422 aus der Baikalgegend, 156 vom Tian-shan, 17 ausdem Sajan-Gebirge und der Abakanischen Steppe, auerdem noch 21 aus

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    verschiedenen anderen Teilen von Ruland. Den grten Teil der abge-gebenen Blge hat das Museum Graf S e i l e r n (Lesna) erhalten, diebrigen unter anderem auch das Museum in Cambridge (Mass.).

    Wenn wir bedenken, da S t e g m a n n (1936) fr seine modernsteBaikalarbeit nur insgesamt 500 Blge vorlagen, knnen wir uns ein Bildmachen, wie bedeutend die Ttigkeit S c h i l l i n g e r s in der Baikal-gegend war; dies beweist auch der Umstand, da bei der Untersuchungdes Wiener Materials mehrere neue Rassen zum Vorschein kamen undzwar aus der Baikalgegend: Nucifraga caryocatactes sassii, Carpodacusrubicilla sushkini, Pinicola enucleator vnczkyi, Passer domesticus baica-licus; aus dem Sajangebirge: Pyrrhocorax pyrrhocorax stresemanni; vomTian-shan: Montifringilla nivalis tianshanica, Parus rufonuchalis parvi-rostris.

    Ich bin Herrn Hofrat Dr. M o r i z S a s s i uerst verbunden, daer mir die Bearbeitung der S c h i l l i n g e r-Sammlung anvertraut hat,deren Blge teils zur Zeit der Erwerbung von S a s s i , teils spter vonanderen (H e 11 m a y r, Frh. v. R o k i t a n s k y , S t e i n b a c h e r usw.)zwar bestimmt, aber einheitlich nie behandelt wurden. Die zusammen-fassende Bearbeitung ergab einige Korrekturen und mehrere neue Rassen,deren Beschreibungen durch Vermittlung des Herrn Kustos Dr. O t t oW e t t s t e i n von der Akademie der Wissenschaften in Wien verffent-licht wurden. (Akademischer Anzeiger, Wien, 1943, Nr. 4/5, Sitzung dermat.-naturw. Klasse vom 6. Mai 1943.)

    Fr die leihweise berlassung von Vergleichsmaterial bin ich denHerren Dr. A. v. J o r d a n s (Bonn), Dr. H. v o n L o u d o n , Dr. H. J o-h a n s e n (Knigsberg) und R. H o m b e r g (Lesna) zu Dank verpflichtet.

    1. E u r o p i s c h e s R u l a n d u n d M i t t e l - S i b i r i e n .1. C o r v u s e. c o r n i c e L . X C o r v u s c o r o n e o r i e n t a l i s

    E v e r s m.42187. cT Jenisseiskoi Gouv. 20. VI. 1909 320,53,60.

    (Die letzten drei Zahlen sind die Mae der Flgel, des Schnabels undder Lufe in mm.)

    Das Exemplar zeigt zum grten Teil die Merkmale einer Nebelkrhe,nur das Grau des Gefieders ist dunkel schattiert. Das schwarze Brust-schild reicht weiter nach unten und der Schaft der Federn ist an derUnterseite schwarz. Am Rcken ist der ruige Hauch noch ausgesproche-ner, die Fahnen der Rckenfedern sind auf der einen Seite grau, auf deranderen schwarz. Auch das Schwarz des Kopfes reicht weiter nach rck-wrts.

    2. Colo eu s m on e dui a s o emmerin g i F i s c h .42188. S Nizejgorod Gouv. 12. XI. 1908. 240,32,45.42189. 9 Nizejgorod Gouv. 12. XI. 1908. 225,33,42.42190. tf Nizejgorod Gouv. 28. 11.1909. 224,27,44.

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  • 80 A. Keve.

    Das erste Exemplar hat weie seitliche Steuerfedern, das zweite einenverlngerten Oberschnabel und verkrmmten Unterschnabel, das dritte hatzum grten Teil weie Steuer- und Schwungfedern, in ziemlich symme-trischer Verteilung, und auch im Krpergefieder sind noch viele weieFedern.

    3. P a s s er d. domestici* s L .41795. cT Petersburg Gouv. 8. II. 1907. 79,12,16.

    Die Schwungfedern sind zum Teil wei.

    4. Lyruru s t. te tr ix L. X L a g o pu s r o s si eu s Ser.42142. cf Nizejgorod Gouv. 15. XI. 1903. 231,25,47.

    (Tetrao lagopoides Nils.) Der Vogel ist zum grten Teil wei, amKopfe, an der Brust, am Kcken und an den Flgeln mit schwarzen Flek-ken. Kleine rote Warzen sind ber den Augen, die seitlichen Steuerfedernkrmmen sich ein wenig. Die Kopfplatte, der Oberhals, wie auch die Mittedes Rckens sind fast ganz schwarz mit rostbrauner Zeichnung. Einbreiter schwarzer Streifen zieht sich vom Schnabelwinkel unter den Augenbis zum Halse. Die Fe sind stark befiedert.

    5. Ly r ur u s t. t etrix L .42143. 9 Moskwa Gouv. 3. XII. 1907. 215,23,48.42144. 9 Nowgorod Gouv. 20. X. 1907. 262,22,53.

    Nowgorod Gouv. 2.1.1906. 250,24,43.Petersburg Gouv. 3. IX. 1905. 225,20,48.Moskow Gouv. 21.1.1907. 221,26,45.Nizejgorod Gouv. 23.1. 1907. 234, 20, 40.

    Der erste Balg ist flavistisch: die schwarzen Teile sind grau ver-waschen, die braunen haben eine Semmelfarbe. Der zweite Balg ist ent-weder Hermaphrodit oder hahnenfederig. Die seitlichen Steuerfedern sindziemlich gekrmmt. Die Kennzeichen sprechen zum grten Teil fr einWeibchen, aber im Rcken ist viel Blau, viel mehr als bei den Blgenvom Baik

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