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Physiotherapie und/oder Osteopathie bei Funktionsst£¶rungen ... 22 kontinenz aktuell November/2013 £“bersichtsarbeit
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  • kontinenz aktuell November/2013 19

    Übersichtsarbeit

    K. Wißmiller1, C. Rothe2 1 Physiotherapeutin, Referentin der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologie, Geburtshilfe, Urologie, Proktologie des Deutschen Verbands für Physiotherapie, Bad Wörishofen

    2 Lehr-Physiotherapeutin, München, Referentin der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologie, Geburtshilfe, Urologie, Proktologie des Deutschen Verbands für Physiotherapie

    Physiotherapie und/oder Osteopathie bei Funktionsstörungen im Becken – Konkurrenz oder Ergänzung?

    kontinenz aktuell 61/2013 61: 19–23, © Bibliomed 2013

    K. Wißmiller • C. Rothe

    Physiotherapie und/oder Osteopathie bei Funktionsstörungen im Becken – Konkurrenz oder Ergänzung?

    In der konservativen Therapie von Beckenbodendys- funktionen wird die Physiotherapie der Osteopathie kritisch gegenübergestellt. Anhand exemplarischer Therapieziele zur Behandlung der Beckenboden- funktionsstörung wird der Therapieprozess in der klassischen Physiotherapie (nach dem Physio-Pelvi- ca-Konzept) und der Osteopathie dargestellt. Sowohl in der Physiotherapie als auch in der Osteo- pathie entwickelt sich die Behandlungsplanung auf- grund eines Anamnesegesprächs, eines Sicht- und Tastbefunds sowie eines ausführlichen Funktionsbe- funds. Die konservative Therapie einer Beckenbodendys- funktion verlangt spezifische Kenntnisse, die sowohl im Bereich der klassischen Physiotherapie als auch in der Osteopathie nur mit einer stetigen Weiterbil- dung erreicht werden können. Für die Physiotherapie ist dies sichtbar durch die Weiterbildung zum Physio-Pelvcia-Therapeuten (evi- denzbasierte funktionelle Therapie der Beckenbo- denfunktionsstörung, Konzept der Arbeitsgemein- schaft Gynäkologie, Geburtshilfe, Urologie und Proktologie im Deutschen Verband für Physiothera- peuten und Krankengymnasten, www.ag-ggup.de). Auch in der Osteopathie gibt es die Möglichkeiten der fachbezogenen Spezialisierung, die von den Patienten erfragt werden können.

    Schlüsselwörter: konservative Therapie Physiotherapie Osteopathie Beckenbodendysfunktion

    Physical Therapy and/or Osteopathy for Pelvic Floor Dysfunction – Competing or Complementary?

    Physical therapy is critically compared to osteopa- thy in the conservative management of pelvic floor disorders. Based on example therapeutic objectives for the treatment of pelvic floor dysfunction, we pre- sent the treatment process employed in traditional physical therapy (based on the “Physio Pelvica” concept) and osteopathy. Within both physical therapy and osteopathy, the treatment plan is developed on the basis of a medi- cal history interview, a visual and physical examina- tion, and a detailed functional diagnosis. The conservative management of pelvic floor dys- function in both traditional physical therapy and os- teopathy requires specialist knowledge that can be achieved only through continuing education. For physical therapists within Germany, this can be demonstrated by becoming a trained Physio Pelvica therapist (an evidence-based functional therapy for pelvic floor dysfunction, a concept developed by the Working Group for Gynecology, Obstetrics, Urolo- gy, and Proctology (AG GGUP), which is part of the German Association of Physical Therapists (Deut- scher Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V., www. ag-ggup.de). There are also options for osteopaths wishing to specialize in this field in order to provide the relevant evidence requested by patients.

    Key words: Conservative therapy Physical therapy Osteopathy Pelvic floor dysfunction

    Zusammenfassung • Abstract

    Kontinenz Aktuell/61/2013/Kontinenz aktuell 61_60Seiten - Seite 19 thr - 21.10.2013 13:12

  • kontinenz aktuell November/201320

    Übersichtsarbeit

    Die Ausbildungen im Vergleich Die staatlich anerkannte Physiothe- rapieausbildung umfasst mindes- tens 4 500 Unterrichtsstunden (Be- rufsfachschule drei Jahre). Die akademische Qualifizierung mit dem Bachelor und Master für Phy- siotherapie ist möglich. Die fach- bezogene Weiterbildung mit der Physio-Pelvica-Abschlussqualifikati- on umfasst weitere 84 Stunden. Physiotherapeuten dürfen nur auf ärztliche Verordnung nach den geltenden Heilmittelrichtlinien tätig werden. Die Vergütung ist gesetz- lich geregelt und erfolgt über die gesetzlichen Krankenkassen. Der Abschluss zum Osteopathen kann als Vollzeitausbildung mit 4 360 Unterrichtsstunden absol- viert werden oder innerhalb von fünf Jahren als berufsbegleitende Weiterbildung mit 1 350 Unter- richtsstunden erworben werden. Voraussetzung für die Weiterquali- fizierung ist der Berufsabschluss der Physiotherapie, des Heilprakti- kers oder ein abgeschlossenes Me- dizinstudium. Die Weiterbildung wird mit einer Prüfung abgeschlos- sen, Graduierung zum Diplomos- teopathen, Bachelor und Master sind möglich. Derzeit können die Osteopathen in Deutschland als „First Contact“ besucht werden, wenn diese auch Heilpraktiker sind. Der Physiotherapeut als Os- teopath benötigt eine ärztliche Ver- ordnung, um tätig werden zu dür- fen. Osteopathen arbeiten auf ei- gene Rechnung, die heute unter bestimmten Voraussetzungen von vielen gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst wird.

    Der Weg zu den Therapiezielen In der Physiotherapie ergeben sich die Therapieziele auf der Grundlage anatomischer, physio- logischer und pathophysiologi- scher Kenntnisse sowie des Wis- sens über funktionelle Bewegungs- therapie, psychosomatische Zu- sammenhänge und bewegungspä- dagogische Aspekte. Die Thera-

    pieziele können durch verschiede- ne Techniken und Maßnahmen er- reicht werden. Die Physiotherapie verwendet standardisierte Testver- fahren und funktionelle Tests wie das PERFEKT-Schema, Miktions- oder Defäkationstagebücher als Nachweis für eine Dysfunktion von Blase oder Darm (9).

    Die Osteopathie ist auf der Su- che nach der somatischen Dys- funktion. Kennzeichen sind: • Asymmetrie (ganzer Körper,

    Körperregion eines Körperseg- ments)

    • Bewegungsverlust (allgemein, regional oder segmental)

    • Gewebeveränderungen (Hyper- oder Hypotonus in Fascien, Liga- menten, Organstruktur).

    Dazu werden strukturelle Testver- fahren wie die Beweglichkeit der Wirbelsäule oder Gelenke in allen Ebenen genutzt sowie spezifische Tests zur Organmobilität und -mo- tilität sowie Listening-Techniken auf der Suche nach Gewebespannun- gen und Kongestionen. Eine somatische Dysfunktion ist die geänderte physiologische Funktion des somatischen Systems (betrifft den ganzen Körper), die skeletta- len, arteriellen und myofascialen Strukturen, die mit vasculären, lym- phatischen und neuralen Elemen- ten in Zusammenhang stehen. Das Finden der somatischen Dys- funktion hilft dem Osteopathen, um 1. eine Diagnose zu bestätigen 2. die strukturelle Komponente des Problems des Patienten zu behan- deln, die selbstschützenden und selbstregelnden Mechanismen des Körpers zu unterstützen. Die Regel der Arterial Rule ist ein wichtiger Leitsatz in der Osteopa- thie: Alle Flüssigkeiten müssen flie- ßen, und jede Zelle muss optimal versorgt werden (arteriell, venös, lymphatisch, Liquor).

    Mögliche Therapieziele bei Be- ckendysfunktionen können sein:

    Verbesserung der muskulären Situation Physiotherapie: Ein Muskel kann in seiner Funktionsweise nur durch aktive Bewegungsmuster trainiert werden. Die Ansteuerung einer Muskulatur wird funktionsge- recht und strukturgerecht visuali- siert, isoliert und dann in Muskel- ketten erarbeitet. Synergistische Funktionen werden dabei genutzt und neu konditioniert. Durch Tech- niken der Aktivierung und Kräfti- gung kann diese Muskelfunktion in Funktionen des täglichen Lebens mit aufgenommen werden. Physio- therapeuten bauen so ein befund- bezogenes individuelles Übungs- programm auf. Dadurch wird auch die intra- und intermuskuläre Koordination möglich und die Be- weglichkeit der Strukturen verbes- sert (13). Zusätzlich kommt es zu einer Verbesserung des neuromus- kulären Zusammenspiels, zur Ent- wicklung einer Hypertrophie in der Muskulatur und Anpassungen im umgebenden Bindegewebe. Der Clinical-Reasoning-Prozess mit ständiger Anpassung der Thera- pieziele ist dabei notwendig.

    Osteopathie: Hier kann die Os- teopathie die Verklebungen oder Adhäsionen der muskulären Fas- cien zueinander lösen und damit die Bereitstellung der Muskelpoten- ziale gewährleisten. Behandelt wird zum Beispiel medial der Tu- ber ischiadica, suprapubisch, an der Membrana obturatoria und im gesamten Bereich des OS Ilium, um Einfluss auf Beckenbodendys- funktionen zu bekommen. Osteopathisch werden palpato- risch Dysfunktionen im muskulären Bereich aufgespürt und Techniken wie Spontaneous Release, Strain and Counterstrain sowie Jones an sogenannten Triggerpunkten ange- wendet (3). Ebenso sind myotensive Techni- ken, konzentrisch, isometrisch oder exzentrisch, möglich.

    Kontinenz Aktuell/61/2013/Kontinenz aktuell 61_60Seiten - Seite 20 thr - 21.10.2013 13:12

  • kontinenz aktuell November/2013 21

    Übersichtsarbeit

    Verbesserung der Durchblutung Physiotherapie: Um die Durch- blutung zu fördern, setzt die Phy- siotherapie aktive Bewegungen der Skelett-Muskulatur, lokal und systemisch, ein. Durch ausreichen- de Wiederholung der Bewegungs- aufgaben wird die Durchblutung, die zur Regeneration von Gewebe gebraucht wird, dauerhaft verbes- sert (8). Passive Therapieformen können, auch als „Hausaufgabe“ ergän- zend, zum Einsatz kommen. So die Colonmassage (6), die Binde- gewebsmassage (6), „heiße Rolle“ (6) oder auch Kneippsche Anwen- dungen (7) wie heißer Lumbalguss oder kalte Bauchwaschungen.

    Oste

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