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Download Hans Werner Henze zum Gedenken - koelner Werner Henze zum Gedenken Ueli Wiget Klavier Hkan Hardenberger Trompete Ensemble Modern Markus Stenz Dirigent Sonntag 11. November 2012 20:00

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  • Hans Werner Henze zum GedenkenSonntag 11. November 2012 20:00

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  • Bitte beachten Sie:

    Ihr Husten strt Besucher und Knstler. Wir halten daher fr Sie an den Garderoben Ricola-Kruterbonbons bereit und hndigen Ihnen Stoff taschen tcher des Hauses Franz Sauer aus.

    Sollten Sie elektronische Gerte, insbesondere Handys, bei sich haben: Bitte schalten Sie diese zur Vermeidung akustischer Strungen aus.

    Wir bitten um Ihr Verstndnis, dass Bild- und Tonaufnahmen aus urheberrechtlichen Grnden nicht gestattet sind.

    Wenn Sie einmal zu spt zum Konzert kommen sollten, bitten wir Sie um Verstndnis, dass wir Sie nicht sofort einlassen knnen. Wir bemhen uns, Ihnen so schnell wie mglich Zugang zum Konzertsaal zu gewhren. Ihre Pltze knnen Sie sptestens in der Pause einnehmen.

    Sollten Sie einmal das Konzert nicht bis zum Ende hren knnen, helfen wir Ihnen gern bei der Auswahl geeigneter Pltze, von denen Sie den Saal strungsfrei (auch fr andere Konzertbesucher) und ohne Verzgerung verlassen knnen.

    Mit dem Kauf der Eintrittskarte erklren Sie sich damit einverstanden, dass ihr Bild mglicherweise im Fernsehen oder in anderen Medien ausgestrahlt wird oder auf Fotos in Medienverffentlichungen erscheint.

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  • Hans Werner Henze zum Gedenken

    Ueli Wiget Klavier Hkan Hardenberger Trompete

    Ensemble Modern Markus Stenz Dirigent

    Sonntag 11. November 2012 20:00

    Keine Pause Ende gegen 21:25

    Diese Veranstaltung ist das offizielle Gedenkkonzert des Landes Nordrhein-Westfalen und der Kunststiftung NRW.

    KlnMusik gemeinsam mit der Stadt Kln, dem Westdeutschen Rundfunk, der Hochschule fr Musik und Tanz Kln und dem Ensemble Modern

    Das Konzert im Radio:Montag 12. November 2012 WDR 3, 20:05

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    Hans Werner Henze im Jahr 1996 in der Klner Philharmonie

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    PROGRAMM

    Hans Werner Henze 1926 2012Requiem (1990 92)Neun geistliche Konzerte fr Klavier solo, konzertierende Trompete und groes KammerorchesterIntroitusDies iraeAve verumLux aeternaRex tremendaeAgnus DeiTuba mirumLacrimosaSanctus

    Die Gesamtfassung des Requiems wurdevon den Interpreten des heutigen Abends im Februar 1993 im Rahmen des WDR-Konzerts Musik der Zeit in der Klner Philharmonie uraufgefhrt.

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    Hans Werner Henze ber sein RequiemAnfang 1990 begann ich mit der Komposition dieses Instrumental-werks, indem ich Introitus: Requiem schrieb, das in London in einem Gedenkkonzert fr Michael Vyner am 6. Mai 1990 im Royal Opera House, Covent Garden, durch die London Sinfonietta unter Leitung von Oliver Knussen und mit Paul Crossley am Klavier aufgefhrt wer-den sollte.

    Michael Vyner war jahrzehntelang knstlerischer Leiter der London Sinfonietta. Seiner Musikalitt, seinem Professionalismus, seiner Energie und seinem Organisationstalent ist es zu verdanken, dass die London Sinfonietta in den letzten Jahrzehnten zu einem hervorragen-den, aus dem internationalen Musikleben nicht mehr wegzudenken-den Ensemble geworden ist, und zu einem Zentrum, einer Heimsttte fr junge Talente und neue Ideen.

    Ich persnlich hatte seit den frhen sechziger Jahren einen innigen Kontakt mit Michael Vyner. Wenn immer ich nach London kam, sah ich ihn, wir musizierten zusammen, ich schrieb fr seine band, wir diskutierten, wir stritten uns um Dinge der heutigen Musiksthetik und oft genug auch ber Politisches. Michael nahm Anteil an meinen Entdeckungsreisen, meinen Sorgen und Problemen, meinen Nieder-lagen und Eroberungen, wir litten und freuten uns gemeinsam. So gehre ich also zu den Leuten, die von Michaels frhem Tod er starb am 19. Oktober 1989 besonders schmerzlich getroffen wor-den sind. Statt eines abendfllenden Instrumentalwerks mit dem Titel Requiem htte ich eigentlich eine 8. Sinfonie fr die London Sinfoni-etta schreiben sollen, aber die Dinge haben sich anders entwickelt als von uns vorgesehen.

    Die neun Instrumentalstcke, die nun statt einer Sinfonie vorliegen, sprechen von den ngsten und Nten der Menschen dieser Zeit, von Krankheit und Tod, von der Liebe und von der Einsamkeit, und beson-ders von dem so beraus lebhaften und leidenschaftlichen Menschen Michael Vyner, seinem Leben und seinem Sterben, und von meiner Trauer ber seinen Verlust, der hier auch fr den Verlust der vielen anderen steht, die ebenfalls in dieser Zeit tragisch und leidvoll aus unserer Welt gegangen sind.

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    Die Gemtsverfassung dieser Musik erklrt sich aus solcher Wirklich-keit, aus unserer Gegenwart, und erscheint mir stark von dieser beein-flusst, von ihren Schrecknissen und Passionen, von ihren Schnheiten und ihrer Dynamik.

    Vor 40 Jahren schrieb ich einmal fr die von Boulez organisierten Konzerte im Pariser Thtre Marigny ein kleines Concerto fr Klavier und eine Gruppe von Instrumenten. Es war nur ein Fragment. Immer wieder einmal hatte ich mich spter daranmachen wollen, das Stck wieder vorzunehmen und zu Ende zu schreiben.

    Im Introitus des vorliegenden Requiems erscheint nun endlich die Marigny-Musik wieder, in verwandter Gestalt, um in den nachfol-genden geistlichen Konzerten in immer neuen Zusammenhngen endgltig aufgefaltet, durchgefhrt und entwickelt zu werden.

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    Zu Hans Werner Henzes Requiem Es war der 24. Februar 1993, der Aschermittwoch des Ja hres, als in der Klner Philharmonie innerhalb der WDR-Konzertreihe Musik der Zeit das Requiem von Hans Werner Henze uraufgefhrt wurde. Genauer: die Premiere der Gesamtfassung des Werkes inklusive der Erstauffhrung des Tuba mirum, dem siebten Teil der Neun geistli-chen Konzerte, wie Henze sein etwas lnger als eine Stunde dau-erndes Requiem im Untertitel benannt hat. Die anderen acht Stze wurden als Einzelwerke bereits in denen Jahren 1990 und 1991 in London und in Tokyo uraufgefhrt, dirigiert von Oliver Knussen oder von Henze selbst. Die Klner Gesamturauffhrung mit dem Ensem-ble Modern dirigierte indes Ingo Metzmacher, die beiden Solisten waren die Solisten des heutigen Abends, der Pianist Ueli Wiget und der Trompeter Hkan Hardenberger. Und das Konzert in der Philharmonie bildete ein bedeutsames gesellschaftliches Ereignis, die groen Tageszeitungen schickten ihre Kritiker und selbst der lokale Boulevard berichtete davon, auch das blieb in der Presse nicht unerwhnt , dass der damalige Bundesprsident Richard von Weizscker und seine Gattin zugegen waren, um Henzes Trau-ermusik beizuwohnen. Die Auffhrung selbst war auerdem ein Erfolg, jedenfalls applaudierte ein groer Teil des Publikums ber-aus begeistert. Das Feuilleton gab sich teils etwas zurckhaltender, mithin ein wenig verschnupft, aber doch rundweg anerkennend.

    Leicht machte es der damals 66-jhrige Hans Werner Henze, der nun selbst dieser Tage im Alter von 86 Jahren in Dresden gestorben ist, seinem Publikum mit dem Anfang 1990 begonnenen Requiem nicht. Einerseits. Das Werk kommt ganz ohne Text aus, es wird weder gesungen noch rezitiert. Alle Botschaften sind ganz und gar dem grobesetzten Ensemble sowie dem Klavier- und dem Trompeten-part anvertraut eine instrumentale Trauermusik, die auf die rheto-rischen Potentiale des Nichtsagbaren vertraut. Andererseits: Seine Musik, die nie nur auf Strukturen baut, sondern Narratives auch in textfreie, bhnenlose Klanggeschehen zu bertragen sucht, ein, so Henze selbst, imaginres Theater evozieren will, ein Theater, das beim Zuhren im Kopf des Publikums entstehen soll, schafft eine unmittelbare Erfahrbarkeit, ein pures Erlebnis, das mehr als sich selbst nicht bentigt. Natrlich, das wusste der erfahrene Musikthea-terkomponist Henze ganz genau, ffnet die reine Instrumentalmusik,

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    ob absolut, autonom oder angewandt, den Assoziationen Tor und Tr. Da hilft der Titel Requiem zwar etwas, jeder wird nun nach Trauer und Totenklage, nach Grabmal und Stele, nach Erinnerungen und Gedenken akustisch Ausschau halten; er wird auch fndig werden. Denn tatschlich hat Henze das Werk auch begonnen, um den Tod eines Freundes, des 1989 an Aids verstorbenen Michael Vyner, des langjhrigen knstlerischen Leiters der London Sinfonietta und Frderers von Henzes Musik in Grobritannien, musikalisch zu beklagen. Nur die Kommunikation durch Klnge, zudem die Los-lsung vom Grundschema der katholischen Totenmesse zugunsten eines freien Umgangs mit der jahrhundertealten Tradition und ihre Ausprgungen durch andere Groe der zurckliegenden Musik-geschichte, war ihm das geeignete Mittel, um sein Bedauern, sein Leid, seine Trauer, seine Traurigkeit adquat, mit dem ihm eigenen Musikmitteln auszudrcken. Und auch seinen Mut, seine Hoffnung,

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    seine Zuversicht. Und das nicht als Klangmetaphysik eines religi-sen Menschen, sondern als klangvolle, vielfarbige Setzung eines bekennend atheistischen Humanisten und Sozialisten, die auch Schimmer und Lichtfunken sowie Vershnliches enthlt. Es ist ja nicht ein orthodoxes Requiem, sagte Henze im Umfeld der Kl-ner Premiere im Gesprch mit Michael Struck-Schloen, es ist ein weltliches Requiem und hat auch sehr viel mit unserer heutigen Wirklichkeit zu tun. Und so hat

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