die gnade zu arbeitenzur ankÜndigung .web viewjene brüder, denen der herr die gnade gegeben hat,

Download DIE GNADE ZU ARBEITENZUR ANKÜNDIGUNG .Web viewJene Brüder, denen der Herr die Gnade gegeben hat,

Post on 06-Oct-2018

212 views

Category:

Documents

0 download

Embed Size (px)

TRANSCRIPT

DIE GNADE ZU ARBEITENZUR ANKNDIGUNG DES VIII. PLENARRATES DES ORDENS

Brief des Generalministers

Br. Mauro Jhri OFMCap

DIE GNADE ZU ARBEITENZUR ANKNDIGUNG DES VIII. PLENARRATES DES ORDENS

1 November 2013

www.ofmcap.org

Copyright by:

Curia Generale dei Frati Minori Cappuccini

Via Piemonte, 70

00187 Roma

ITALIA

tel. +39 06 420 11 710

fax. +39 06 48 28 267

www.ofmcap.org

Ufficio delle Comunicazioni OFMCap

info@ofmcap.org

Roma, A.D. 2016

Sommario1. DER VIII. PLENARRAT DES ORDENS42. IM HREN AUF DEN HEILIGEN FRANZISKUS VON ASSISI63. DIE PASTORALE ARBEIT WIRD WENIGER.84. BETET FR UNS!105. DIE VERNDERUNG126. WELCHER TYP VON FRATERNITT?147. DER WERT DER ARBEIT FR DEN EINZELNEN BRUDER168. FHIG, DANKE ZU SAGEN189. ZUM SCHLUSS20

DIE GNADE ZU ARBEITEN

21

DIE GNADE ZU ARBEITENBRIEF DES GENERALMINISTERS DER MINDEREN BRDER KAPUZINER, MAURO JHRI,ZUR ANKNDIGUNG DES VIII. PLENARRATES DES ORDENS

(Prot. N. 00860/13)

AN ALLE MINDEREN BRDER KAPUZINERAN DIE SCHWESTERN KLARISSEN-KAPUZINERINNENAN DIE BRDER UND SCHWESTERNDES WELTLICHEN FRANZISKANISCHEN ORDENS (O.F.S)

1. DER VIII. PLENARRAT DES ORDENS

Liebe Brder,

Im programmatischen Brief, den ich Euch am 2. Februar dieses Jahres geschickt habe, kndigte ich an, dass wir im Generaldefinitorium entschieden haben, in diesem Sexennium einen Plenarrat des Ordens (= Consiglio plenario dellOrdine: CPO) abzuhalten zum Thema Die Gnade zu arbeiten. Bei der Gelegenheit wies ich auch kurz auf die Grnde hin, die uns zur Ansage dieses Treffens bewogen haben. In diesem Schreiben will ich nun das Thema vertiefen. Ich tue es, indem ich mit Euch Situationen und Tatsachen teile, die zu meiner persnlichen Geschichte gehren. Binnen kurzem werde ich dem Herrn fr die 50 Jahre danken, die ich nun zum Orden der Minderen Brder Kapuziner gehre. Whrend dieser Zeit habe ich viele Vernderungen erlebt. Den grten Teil meines Lebens habe ich in Europa verbracht und darum ist klar, dass ich die Ereignisse und Fakten mit den Augen eines Europers sehe. Dennoch darf ich behaupten, dass ich in sieben Jahren im Dienst als Generalminister den Orden soweit kennen lernte, dass ich sagen kann: Viele Vernderungen, die ich in Europa antreffe, breiten sich auf Grund des Prozesses der Globalisierung nach und nach in allen Kontinenten aus. Darber hinaus mchte ich unterstreichen, dass der nchste Plenarrat (CPO) die Linie der beiden vorhergehenden weiterziehen msste, die ber die Themen nachdachten: Die Armut leben in Brderlichkeit" und Unser Leben in Brderlichkeit und Mindersein".

Das Nachdenken ber die Arbeit bringt uns in Beziehung mit den Quellen unseres Lebensunterhalts, und die Arbeit, die wir verrichten, muss zwei Grundwerte unseres Lebens gegenwrtig halten: die Brderlichkeit

und das Mindersein. Diese Aspekte werden noch vertieft und weiterentwickelt werden bei der Vorbereitung des Treffens, von dem ich mir wnsche, dass es gelebt und erlebt wird als Gelegenheit zum Gesprch und zur Weiterbildung der Brder.

Liebe Brder, mit Freude und lebendiger Hoffnung berufe ich den VIII. Plenarrat des Ordens ein, mit dem Thema Die Gnade zu arbeiten; er soll stattfinden in Assisi, bei unserem Konvent Cristo risorto (Christus, der auferstandene) vom 26. Oktober bis zum 21. November 2015.

2. IM HREN AUF DEN HEILIGEN FRANZISKUS VON ASSISI

Jene Brder, denen der Herr die Gnade gegeben hat, arbeiten zu knnen, sollen in Treue und Hingabe arbeiten, und zwar so, dass sie den Miggang, den Feind der Seele, ausschlieen, aber den Geist des heiligen Gebetes und der Hingabe nicht auslschen, dem die brigen zeitlichen Dinge dienen mssen. Was aber den Lohn der Arbeit angeht, so mgen sie fr sich und ihre Brder das zum leiblichen Unterhalt Notwendige annehmen, auer Mnzen oder Geld; und dies demtig, wie es sich fr Knechte Gottes und Anhnger der heiligsten Armut geziemt (BR 5,1-4: FQ 97).

Und ich arbeitete mit meinen Hnden und will arbeiten; und ich will nachdrcklich, dass alle anderen Brder eine Handarbeit verrichten, die ehrbar ist. Die es nicht knnen, sollen es lernen, nicht aus dem Verlangen, Lohn fr die Arbeit zu erhalten, sondern um ein Beispiel zu geben und den Miggang zu vertreiben. Und wenn uns einmal der Arbeitslohn nicht gegeben wrde, so wollen wir zum Tisch des Herrn Zuflucht nehmen und um Almosen bitten von Tr zu Tr (Test 20-22: FQ 60).

Diese einfachen und doch starken Worte, die der hl. Franz uns in der Regel und im Testament hinterlassen hat, haben ganze Generationen von Brdern durch die Jahrhunderte begleitet, und sie sind weiterhin auch fr uns Quelle der Reflexion und einer gesunden Provokation. Die Worte des seraphischen Vaters erreichen uns in einer Zeit und in einer Gesellschaft, in der radikale Vernderungen im Gang sind, gerade im Bereich der Arbeit, mit Konsequenzen, die uns eine ernsthafte Prfung auferlegen ber die Art und Weise, wie wir unseren Lebensunterhalt verdienen. Die Prozesse der Globalisierung und der Skularisierung haben eine neue Auffassung vom Menschen und seinen Aktivitten hervorgebracht; dazu kommt eine fortschreitende Distanzierung von der Kirche und ihren geistlichen, ethischen sowie sozialen Inhalten, die sie verkndet. Gewiss erreichen diese Vernderungen nicht alle Lnder der Welt in gleichem Mae, doch mssen wir zugeben, dass sie von betrchtlichem Ausma sind und oft auch unser Ordensleben beeinflussen. Diese kurzen berlegungen stehen am Ursprung des Vorschlags, miteinander einen starken Moment der Reflexion darber zu erleben, was ich im Thema die Gnade zu arbeiten eingeschlossen sehe. In dem Bewusstsein, dass ich weder ein Historiker noch ein Soziologe bin, versuche ich in diesem Brief, die eben beschriebenen Erwgungen zu vertiefen, indem ich erzhlend mit Euch das teile, was ich selbst erlebt und beobachtet habe whrend der fnfzig Jahre meines Kapuzinerlebens.

3. DIE PASTORALE ARBEIT WIRD WENIGER.

Gegen Ende meines Rechenschaftsberichts zum Generalkapitel 2012 schrieb ich: Wir Kapuziner, besonders in den sdlichen Lndern der Welt, sind sehr engagiert auf dem Gebiet der Pastoral. Es gibt Zirkumskriptionen, wo der grte Teil der Brder in der Pfarrarbeit ttig ist. Hier und da beginnen die Bischfe darum zu bitten, die Pfarreien, die sie uns einst anvertraut haben, zurck zu geben, denn sie verfgen nun ber eine gute Zahl von Dizesanpriestern. Das wre nun eine Gelegenheit, unseren Dienst an der Kirche und am Volk Gottes etwas aufzufchern und neue Formen zu suchen, evangelisierend prsent zu sein, insbesondere im Blick auf jene Formen, welche den Frieden sowie den Dialog unter Gruppen und verschiedenen Vlkern frdern. (Nr. 382).

Diese Behauptung kann den Anschein erwecken, im Widerspruch zu stehen zur Bitte einiger Bischfe in Europa und Nordamerika, Brder aus unseren jungen Ordensbezirken mit vielen Berufungen mgen zu ihnen kommen, um den Priestermangel in ihren Dizesen zu beheben. Ich bin nicht dagegen, dass Brder der jungen Zirkumskriptionen jenseits der Grenzen ihrer Lnder pastorale Einstze wahrnehmen, man muss sie aber ehrlich auf das Phnomen der Skularisierung hinweisen, das die religise Praxis hierzulande unaufhaltsam aushhlt. Zudem mssen wir uns bewusst machen, wie sehr sich auch die Menschen in der nrdlichen Hemisphre der Welt verndert haben. Die herkmmliche Seelsorge, die hauptschlich darauf ausgerichtet war, mglichst viele Personen mit den Sakramenten zu erreichen, hat sich betrchtlich verndert; jeder kulturelle und soziale Bereich hat seine charakteristischen Eigenarten, die von uns Anpassungen und Innovationsfhigkeiten verlangen. Die Brder der neuen Provinzen, welche die laufenden Vernderungen nicht verstehen und die Pastoralarbeit ihres Ursprungslandes auf das Gastland bertragen, laufen Gefahr, frher oder spter die Pastoralarbeit ganz zu verlassen und in die Provinz zurckzukehren, aus der sie gekommen sind. Darber hinaus nimmt die Zahl jener Personen zu, die stillschweigend oder durch ffentlichen Austritt der Kirche den Rcken kehren, und dies in Lndern, die bis vor kurzem berwiegend katholisch waren. Ich beziehe mich insbesondere auf Nordeuropa, aber das gilt auch fr das Franzsisch sprechende Kanada und weitere Lnder. Wir sind uns bewusst, dass uns eine groe Arbeit der Neu-Evangelisierung erwartet, und doch mssen wir gleichzeitig zur Kenntnis nehmen, dass die Seelsorgearbeit stndig abnimmt, vor allem jene traditioneller Art, fr die wir gewhnlich Lohn oder Almosen bekommen. Es fehlt nicht an Mglichkeiten zu neuen Arten von Seelsorge, aber dafr knnen wir meistens keinen Gehalt erwarten.

Ich fahre weiter mit meiner Analyse und komme zu einer Tatsache, die seit Jahren das Leben unseres Ordens begleitet: die Abnahme der Beitrge zur Zentralkasse der konomischen Solidaritt. Was aus diesem Rckgang folgt, ist die immer deutlichere Schwierigkeit, auf die zahlreichen Hilfsgesuche aus den jungen Zirkumskriptionen unseres Ordens, besonders aus Afrika und Asien, positiv antworten zu knnen. Viele Provinzen, die in der Vergangenheit grozgig einen Teil der erhaltenen Gehlter und Spenden mit anderen Zirkumskriptionen teilten, knnen das heute nicht mehr tun, oder nur noch in beschrnktem Ma. Was ist geschehen? Was sind die Grnde fr diesen Rckgang?

Alle behaupten wir, und es ist wahr, der Hauptgrund liegt in der konomischen Krise, die Europa wie auch andere Kontinente getroffen hat. Wir nehmen wahr, dass die Spenden, aber auch die Entgeltung fr die

Arbeiten einzelner Brder drastisch zurckgehen. Dieses Phnomen schreiben wir auch dem Rckgang an Berufungen in zahlreichen Provinzen zu und der damit verbundenen, bisher in so hoher Zahl nie dagewesenen Schlieung von Husern. Das Durchschnittsalter in vor langer Zeit gegrndeten Provinzen schnellt in die Hhe; oft besteht der grere Teil der Einknfte der Gemeinschaften aus den Alterspensionen, und die