Die Fundorte des Ornithologen in Nord-Ost-Afrika

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    gularibus nigris; subtus pallidior, brunneseens, abdomine imo, erisso et subeaudalibus laete ferrugineis; cauda longa gradata unieolore-brunnea; subalaribus pallide-rufo variegatis; maxilla fnsea~ mandibula pallidiore; alis brevibus~ ungue postico longo.

    Long. total 8~/.~ ", eand. a bus. 4", alae 31/~" rostr. 61", tars. 1 'j. Ost- Sibirien. Oriturus Wrangell Br. Bonap. Consp. p. 470. -- B o n a p a r t e

    kennt diese merkwiirdige Art ebenfalls nur nach dem hier beschriebe- hen Exemplare des Leydener Museums. Er bezeiehnet dieselbe diirftig genug mit dem einzigen Worte ,variegatus" und zieht als zweite Art einen ebenfalls noeh unbeschriebenen Vogel Mexieo's~ Orilurus mexi - canus , hinzu.

    2. Lan ius lugubr i s Temm. Supra obscure nigro-cinereus, tergo, uropygio et tectrieibus caudae

    snperioribus nonnihil brunnescentibusi alis~ cauda, fronte, supereiliis et eapitis lateribus nigris i remigibus, gula et jugulo obscure fuseis; subtns fuseo-cineraseens; erisso et subeaudalibas brunnioribus; subalaribus ni- gris; rostro plumbeo-eorneo; pedibus nigris.

    Long. tot. 101/~ jj, rostr, a tier. 10JJJ~ al. 3 j' 9% eand. 5J~ tars. 14 ~'. China. Grosse typisehe Art.

    Die Fundortc des Ornithologen in Nord- Ost-Afrika.

    Von

    Mired Edmund Brehm.

    Es giebt njcht viele L~indergebiete, welche ftir den Ornithologen so grosse Seh~itze bergen als Nord -Ost -A f r ika . Jedes der vier L~inder, welehe wir uns jetzt als ein Gauzes vereinigt denken wollen, hat seine besonderen Vorz(ige in ornithologischer Hinsieht. Egypt en hat sein ITIeer~ Nub ien besitzt seine Wt is ten, Sennahr seine Urwf i lder , Kordofahn seine Steppen. Das Alpenland Abys - s in ien nnd das felsenreiehe Arab ien habenwir nieht mit eingereeh- net, obgleieh aueh sie in maneher Beziehung zu diesem Ganzen gezo- gen werden k~unten. Abyss in ien der Karte, und das pet r~ i i sehe Arab ien seiner Lage und Besehaffenheit naeh. -Wir begntigen uns nnter Nord-Ost-Afrika das ~ilgebiet zu verstehen. Und dieses steUt in der That ein ziemlieh abgesehlossenes Gauze fiir sieh dar. Bis ietzt ist davon in siidlieher Riehtung eine Streeke yon 28 Br. Graden be- kannt geworden. Tiiehtige Forseher haben grosse Theile dieser aus- gedehnten Streeke durehwandert~ und dennoeh braehte his jetzt jeder Reisende neue Vt~gelarten mit; so reich sind die Fundgruben des Or- nithologen in jenen Lfindern. Lieht und Wfirme, }(lima und Besehaffen- heir des Landes sind, vereinigt, die gtinstigen Bedingungen, um der

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    leiehtbesehwingten Vogelsehaar ein frOhliches, yon Nahrungssorgen freies Leben mOglieh zu maehen. Ein sieheres, ruhiges Wohnen gewiihrt ihnen der ~ensch, und well

    ,Die Welt ist voilkommen Uberalt, We der Ylenseh nieht hinkam mit seiner Qual,"

    fehlt den VOgeln Niehts zu ihrem Wohlsein. Nur da, we der Europ~ier mit seiner ewigen Mordlust sieh bekannt gemaeht hat, hat aueh der Eingeborne angefangen mit Sehlinge und Netz, mit Biiehse and Flinte die VOgel zu verfolgen, sonst kommt er nieht hin, um ,mit seiner Qual" sie zu bellistigen. Aueh wehrt die Besehaffenheit des Landes einer allzu grossen Verfolgung. Es hat der Nahrungs- und Wohnpl~itze so viele, dass tier bedr~ingte Vogel nieht gen0thigt ist zu dem Orte zuriiekzukehren, yon welehem man ihn vertrieb, wean es nieht etwa die Liebe zur verlassenen Brut sein sollte.

    Mein Thema soil die Aufenthaltsorte der VOgel Nord-Ost-Al'rika's bekaant maehen~ Einzelnes aus dem Leben and Betragen di~r Thiere (und zwar wiederum vorzugsweise der VOgel,) mittheilen, und die Lei- den und Freuden eines wissensehaftliehen J~igerlebens n~iher sehildern.

    Beginnen wit unsere Betraehtungen mit den ornithologisehen Fund- grnben Egyptens, so stellt sieh uns zuerst

    alas Meer als sehr beaehtenswerther Jagdplatz dar. Ieh verstehe unter dem Meere nieht allein jene grosse, Europa, Asien und Afrika verbindende Was- serfl~iehe, sondern aueh die zahlreiehen Einbuehtungen, welehe ur- spriinglieh zu derselben geh0rten, sp~iter aber his auf wenige sehmale Verbindungsstellen dutch die Diinenw~ille yon dem Meere getrennt wur- den, and in ihrer heutigen Gestalt die nahrungsre iehen Seeen Unter -Egyptens darstellen. Hauptsiiehlieh sind es ihrer drei: der Mareot i ssee bei Alexandrien, tier Brur los bei Reseh ied oder Rosette, and der Menza leh , die Krone aller Seeen Nord-Ost-Afrika's, bei Damiaht oder Damiette. Vom Norden her dureh die salzigen Fluthen des Mittelmeeres angefiillt~ vereinigen sie sieh naeh Stiden zu mit ausgedehnten Stisswasserbrtiehen, und nehmen das fliessendeWasser einzelner Kan~ile in sieh auf. Ihre geringe Tiefe eignet sie zum Tum- melplatze yon Millionen der versehiedenartigsten VOgel, ihr Reiehthum an Fisehen and Wasser-Insekten bietet diesen Nahrung in Fiille, die Brtiehe und Palmenw~ilder, die Rohrdiekiehte and Reisfelder, welehe sie umgeben, die mit dem reinsten Kies bedeekten B~inke~ und die grOsseren, mit niederem Gestrfipp bewachsenen Inseln, welehe inmitte.n des grossen Wasserspiegels als gesuchte und gefundene Ruhepl~itze erseheinen: das Alles vereinigt sieh, einen kOstliehen Zufluehtsort ftir den verirrten Wanderer~ einen loekenden Ruhepunkt ftir den Weiter- reisenden', und einen giinstigen R~iuberwald ftir den Beute- und Mord- lustigea zu bereiten. Nur daher erkltirt es sieh, dass der Forseher an diesen Seeen die Aq~tila imperialis and die Sylvia Rft.ppellii~ den Petecanus crispus and die Tringa Temminckii, den Falco peregrinus und die tlhynchaea variegata sire capensis vereinigt findet. An sol- ehen Seeen herrseht ein eigenes Leben~ ein Leben des Genusses fiir

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    den Forscher, ein frOhliches, gltickliches, sorgloses Leben ftir den Vogel. Er hat da Gesellschaft mehr als genug.

    Wenn der J~iger in den Abendstunden an den mit Platancn~ Mimo- sen und Palmen bestandenen Kaniilen dahin schleicht, sieht er schon yon Weitem, dicht an den Stature gedriickt, die grosse Gestalt der yon den Arabern e I S a h o m e t a genannten Aquila imperialis. Vorsichtig sich nach allen Seiten hin umschauend, sitzt der edle Rtiuber aufrecht in der Krone der Palme; er hat sich gew0hnlich eine yon Unterholz freie Stelle ausgew~ihtt~ und unterscheidet das verderbenschwangere Jagdrohr sehr wohl yon dem langen Waffenstock (Nabuth) des Fe l - lah oder egyptischen Bauern. Scheu enteilt er den ibm Verdtichtigen, nnd nur selten gelingt es dem Jtiger ihn mit der Schrotflinte zu erie- gen~ fast immer nut bringt ihn die sichere Biichse in seine Gewalt. Bei Tage ist es nut Zufatl, wenn man einen Kaiseradler zum Schuss bekommt; die beste Jagdzeit ist der Abend~ am belohnendsten der Anstand unter einzeln stehenden hohen Palmen. Aber auch da muss sich der J~iger dutch Zweige und Bfische maskiren. Solche Palmen sind wahre Schatzkammern fiir den Ornithologen. Denn der auch welt weniger scheue Schre i -Ad l er , die seltene Aquila Bonelli~ der kiihne S c hl a c h t fa 1 k e und der gewandte Falco peregrinoides wtihlen sie zu Ruhe- und Schlafpltitzen. Zuweilen sieht man bier auch den egypti- schen See-Ad ler (yon Haliaetos albicilla wohl unterschieden, und wenn wir nicht irren, Halia~tos funereus genannt) auf Bfiumen, hfiu- tiger noch den dort gemeinen F i sch -Ad ler nach seinen Iangen Jag- den ausruhen. Falco peregrinus, Cerchneis cenchris, C. guttata nobis~ C. rubicolasformis Paul v W., C. fasciata und pallida Brehm, Elanus melanopterus, Milvus parasiticus, Astur palumbarius, Nisus communis erscheinen hier ebenfalls~ wenn auch die dichteren Wtilder ftir sie angenehmer und mehr zu ihrer Jagd geeignet sind. Der Zwerg- Ad ler liebt ebenfalls mehr zusammenhtingende Wtilder~ auf welehe wir spiiter zurtickko~nmen werden.

    Das n iedere Gebt i sch , welches alle Inseln bedeckt and meist arts Sa l i car ien -Ar ten besteht, ist reich belebt von St ingern. Ob- gleich ich nieht alle europfiischen Stinger in Egypten beobachtete, bin ich doch fiberzeugt~ dass sie fast ohne Ausnahme dort vorkomme'n. Auch ftir sie bieten diese Seeen erwtinschte Aufenthaltsorte. Diehte M imosenhecken breiten sich oft zn Dickichten aus, Sa l i car ien - g e s t r flu c h e vereinigen sich zu ausgedehntem Buschwerk, das Ro h r bedeckt ganze Strecken und iiberzieht oft einen grossen BrucI~; einzelne ilia u 1 b e e r b ~i u m e, hochgewipfelte S y k o m o r e n ~ pyramidalisch auf- geschossene Cyp r es s e n und andere~ in ewigen Bltitterschmuck pran- gende Btiume bieten den die Htihe liebenden, jene denen, mehr die Tiefe vorziehenden Stingern die sehiinsten Wohnungen. An" Nahrung ist kein Mangel. Insekten giebt es das ganze Jahr hindurch und folg- lich ftir die lieblichen Geschtipfe fette Weide. In solchem, oft den Sanddtinen entsprossenem Gebiische finder der 0rnitholog seine liebsten Freunde in reicher Anzahl und bekommt sie mit leichter Mfihe in seine 6ewait. Denn alle die kleinen Stingers welche der Pecca-f ig i -Frcss-

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    wuth der Italiener entgingen~ alle die, wetche sich weder dutch den ro c- c o I a t o r e, noch durch die r eta berticken tiessen, gelangen ungef~ihrdet nach jenen Winterquartieren, in denen eine milde Sonne ewig grtinende Baume und milde Menschen schuf; harmlos .und ohne Furcht wohnen sic zutraulich unter den Mensch~n, schliipfen fr0hlich dutch die griinende, die Htitte des Fellah umgebende Heeke, und ahnen nicht, dass es Menschen geben kann, die sic aus Liebe t0dten. So eifrig ich auch die kleinen -VOgel verfotgte, so viele yon ihnen ich auch erlegte, ira- met that es mir leid, das Zutrauen mit Morden vergelten zu mtissen. Doch das ist nun einmal des Forschers Loos!

    Unsere Prachts~inger, die Blaukehlchen, htipfen auf den t iber - schwemmten Re is fe ldern , aus denen der J~iger die pfeilgeschwinde Sehnepfe scheucht, taunter yon Stengel zu Stengel, oder bergen sich geschickt in den K lee - und Wickenfe ldern in der N~ihe der Seeen, Brtiche und Caniile. Auch diese, scheinbar so wenig verspre- chenden Orte, gehOren zu den besten Fundgruben des Ornithologen. Der scheue Ib i s (falcinellus), die lauggeschniibelte, fliiehtige Limose, (Limosa melanura, tufa, grisea nobis,) die interessanten Pieper, (Anthus orientalis, nobis ~), cervinus, rufigularis et pratensis,) und die noch welt beachtenswertheren Schaafstehen, yon denen wit acht Arten in Nord-0st-Afrika gefunden haben *"~1, der seltene (europiiische) Vanellus leucurus Licht. mit seinem unruhigen, ziinkischen und schreien- den Verwandten tloptopterus spinosus, des J~igers Qual und bitterster Feind, Aegialites minor, und Charadrius auratus, Jlachetes pugnax, Glottis chloropus , Rhynchaea variegata, Ardeola bubulcus , jener gemiithliche, in tier Freiheit schon gez~ihmte Reiher, und im Sommer auch h~iulig noch das schOne smaragdene Purpurhuhn, (yon dem sicilia2 nischen verschiedeu and yon uns Porphyrio chloronotos genannt,) alle diese halten sich hier gem auf. Mit ihnen leben und schreien daselbst noch viele Ybtanus-Arten, yon deuen wir nut Totanus calidris, sta- gnalilis, glareota, ochropus aufftihren wollen. Oft w'eiss der Jfiger nieht, were yon alien diesen Vi~geln er den Krieg zuerst crkliiren soll, oft ist er nicht ira Stand% sein Gewehr schnell genug zu laden, so viele Beute bietet sich ihm dar. Der schlaue Ibis entedt schon aus weiter Ferne; die Bekass ine duckt sich im dichten Grase nieder; der Sporenk ieb i tz fiiegt mit lautem Geschrei in die HOhe, umkreiset im h0chsten Zorn des Jfigers Haupt und verscheucht die anderen VOgel; die L imosen rotten sich zusammen und sind auf ihre Flncht bedacht, nur der w 'e i ssschwf inz ige K ieb i tz~ die Strand- und Ufer l f iu - fer, Regenpfe i fe r , Schaafs te l zen und P ieper warren die An- kunft des Schtitzen ruhig ab. Da fiillt der erste Schuss. Alles fliegt

    ~) Bisher yon mir f~Ischlich als .4nthus aqualicus aufgef~hrt, yon welchem er als Art verschieden ist.

    ~) Reine, /ichte Arten, keine Subspecies! Es sind folgeade: I) mit Streifen fiber dem Auge: Budyles .~tperciliaris sire paradoxus nobis, 13. fascialus Br.~ B. flavus auct., B. pygmaeus Lud. u. Osk. Br. 2) 0hne Streifen: B. melemoce- phalus L., B. atricapillus Br., B. cinereocapillus Br. 3) Griink(ipfige: B. cam- pestris.

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    ersehreekt auf, eilt wirr dureheinander, setzt sieh aber naeh l~ingerem oder kiirzerem Herumfliegen bald wieder. Bei jedem Sehritte fliegt ein Vogel auf. Sei es eine der zu Tausenden versammelten Moorsehnepfen, sei es ein P ieper , eine Sehaafs te l ze , ein Regenpfe i fe r oder Sumpf l~iufer . Es dauert lange, ehe man ein einziges Feld leer seheueht. Das ist ein Leben, wie wir armen Deutsehen es nieht ken- nen; dabei gewinnt die Sehrotflinte an Werth und Bedeutung;.fast jeder Schuss bringt interessante Beute. Der J~iger wird in Egypten sehr verwOhnt und l~iehelt iiber seinen dentsehen Collegen, wenn dieser yon gnten Jagden spricht.

    Aueh das t roekene Waizenfe ld birgt seine Bewohner. Kurz naeh der Ueberschwemmung des Nil wird der Saamen gestreuet; er w~iehst lustig empor und harrt sehon naeh drei Monaten (ira lff~lrz und April) der Siehel entgegen. P ieper und Sehaafs te l zen waren die G/iste, als das Land noch feueht war; die Sonne trocknet es, und der fr0hliehe, muntere Malu~us clamans (oder die Drymoica anderer Auto- ten) bezieht die emporgeschossenen Halme, fiir ihn ein Watd! Da baut er aueh sein kleines Nestehe,l und legt da seine kaum mehr als erbsen- grossen, weissen, rothpunktirten Eierehen hinein. Von da aus fliegt er mit einfachem Gezirp lerchenartig in die H~he, aber nicht wie un- sere Aethersiinger den blauen Wolken zu, sondern h~chatens 40' hoeh empor, um zu seinem kleinen, fiir ihn unendliehen Halmenwalde zuriick- zukehren. Und dann im Friihjahre, welch' erhebendes Leben iiberalll Da ert~int dann aus dem dichten Aehrenfelde, wie daheim, der iieblichen W achte l dactylischer Schlag; da entsteigt die deutsche Fe ld le rehe jubelnd in die Friihlingslaft empor, und fordert die auf einem Erdklum- pen singende egypt i sche Hauben lerche auf, sie auf ihrer Siin- fahrt zu begleiten; da erseheinen nile die lieben Bekannten aus der Heimath, alle fri~hlich, alle jubelnd des Tages harrend, der ihre Heim- kehr mSglieh macht. Wie gerne mSehte da der get'esselte Mensch mit hinauf in die lilaue, reine Friihlingsluft, wie gern ztige er mit den Wanderern der Fleimath zu! Recht langsam wiegt sich die Raueh- und Meh lschwalbe tibet' den Aehren herum; die stiirmische Eile des Sadzuges treibt sie nicht mehr: sie spiegelt ihren stahlgl~inzenden Rtieken in der Friihlingssonne, abet in der egyptischen; sie spielt in der Luft herum, als wolle sie die Fltigel zur nahen Merrreise erproben. Diese Felder sind nicht gerade ergiebige Fundorte fib-den Vogelkenner, aber sie sind seine Vergntigungsorte. Und well dana im Stoppelfelde manchmal ein Authus Richardi, eine J~leIanocorypha calandra, meh- rere Arten Steiusehmiitzer und anderes Kleingefifigel geschossen wird, habe ich sie hier mit aufgeftihrt.

    Abet wit sind zu welt dem Lande zugewandert, und miissen uns wieder den Seeen zuwenden~ nm an des Meeres Ktisten zu gelangen. Zuerst nehtnen die B riie h e nnsere vollste Aufinerksamkeit in Anspruch. Ira Sommer sind sie belebt, im Winter aber bis auf den letzten Platz gefiillt. Sie sind die Tummel- und Sehlafpliitze Yon Tausenden tier Scbwimmvt ige l . Zahllose Eaten bedecken die Stellen mit tieferem Wasser; Carbo (Phalacrocova.~) pygmaeus Dum. und a[i'icanus klettert

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    an den Rohrstengeln herum und winder sich geschiekt dazwisehen hin- dureh, Fisehe verfolgend und fangend; Ph. carbo und brachyrhynchos nobis ~) taudhen in den Tiimpeln auf und nieder, fliegen yon einer freien Stetle zur andern und umsehw~rmen den J~ger in Sehaaren, wenn dieser in einem Boote auf den Wasserstrassen zu ihren Lieblingspl~itzen gelangt; Anser medi~s Temm., (friihcr yon mir far Anser albifrons gchalten:) hat sieh sumpfigere Stellen auserkohren, und theilt diese mit der aueh hierher vordringenden Ibis falcinella; die settene Ca- sarca rutila Bp. zeigt sieh mit ihrer viel hriufigeren Schwester Tadorna Schachraman nobis, (der Tadorna vulpauser his auf andern H~cker ~ihnlich;) erstere versehwindet im Frfihjahre, letztere hleibt das gauze Jahr hindureh in den Brilehen und briitet aueh in ihrer Nrihe; Himan- topus .rufipes sehreitet in den nur seieht mit Wasser iiberdeekten Buehten herum, ist zutraulieh und sehaut dem Sehiitzen sorglos in das Rohr; Numenius arquatus entflieht, seinen franz0sisehen Namen ,Gourli" rufend: beim geringsten Ger~usehe. Tiefer im R~hrigt stehen die Rei- her. Gravitritiseh, vorsiehtig und aufmerksam sehreiten sic langsam dahin. Pl~tzlieh sehnellt der zusammengezogene, in's S gelegte Hals naeh der Tiefe des Wassers. Hastige Anstrenguugen der Sehlingmus- keln: die den ganzen HMs in Bewegung setzen: bezeugen: dass der F~nger gl~ieklieh war. Alle Reiher sind scheu; allein der Fisehreiher ist im Vergleieh zum grossen Silberreiher dummdreist zu nennen. Seine kleinen Namensverwandten gleiehen ihrem grossen Bruder hierin uieht. Sie sind ganz leieht zu sehiessen. Herodias Lindermayeri Brehm, (der kleine, yon 11. gar~etta, wie Corv~ts corone yon C. corax unter- sehiedene Silberreihe L) ist hriutiger als H. gar~elta Bole. Ardea pur- purea und cinerea sind gemein. In dem RiJhrigt selbst hiipft die kurz- fltigeliehe Rohrdrossel Calamoherpe longirostris uobis, mit ihrer Gali- zien entstammten Sehwester Catamoherpe major Brehm: mit lautsehal- lendem Sehlage emsig herum; Ceryle rudis Bole ist immer, Alcedo pallida nobis ~'~) im Winter zu sehen. Botaurus stellaris sitzt bei Tage fast regungslos tier im uuzug~ngliehsten Diekieht und hat ausser dem wi lden Sehwein fast keine Geseltsehafter. Dar~ber hinweg segelt ununlerbroehen eine gemisehte Sehaar. Aquila clanga und im- perialis, Pandion halia~tos und Halia~tos [unereus fiiegen yon Busch zu Busch und sprihen l, aeh Beute, Falco peregrinus, peregrinoides, taniarius, subbuteo, aesalon sttirzen oft jiihlings in s dichteste ROhrigt herab, die Cerchneis-Arten fangen, mit dem zuweilen in Fliigen auf- tretenden Erythropus vespertinus Brehm, Libellen und andere Wasser- insekten. Milvus parasiticus achtet sorgsam~ dass nieht etwa ein Edelfalk seine Bente, yon ihm unbet~istigt, in Sieherheit bringe~ er be- mtiht sich, naeh richter Schmarotzer Art yon fremdem Tisch zu speisen; Circus aeruginosus hat sein bleibendes Standquar/ier im Rohre auf-

    ~) Ein kleiner Kormoran, yon dem grossen sehr verschieden. *~) Naeh nnserer Ansieht yon ~lcedo ispida speeif isch verschieden;

    Andere w~irden sic vielleicht fiir eine klimatische Variet~t erkl~iren; tlndet sieh auch unter der an Eisv~igeln reiehhaltigen Sammlung meines raters, aber nut ein einziges 3Ial unter vielleieht 50 Exemplaren aus der Renthendorfer Gegend.

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    geschlagen und streicht hin und her. Die toIlsten Tummler aber sind die Seeschwalben. Mit Geschrei und Lfirmen~ neidisch auf ihrer eigenen Schwestern Glfick im Fange~ jagen sie in immerwfihrender Erie yon Wasserflfiche zu Wasserfl~che~ und werden in ihrer blinden Fressgier leicht des J~gers Beute. Hat man nur eine yon ihnen erlegt, dann sttirzen alle herbei, welche ihre Schwester fallen sahen, in tier l~Ieinung, ~ss diese irgend eine ergiebige Fressqaelle gefunden hat. Das ist nicht etwa Liebe oder Ziirtliehkeit, w denn ich sahe dasselb~, wenn sie wirklich Fische fingen oder Fleischstiicke aus dem Wasser zogen, - sondern die reine Fressgier. Die Miiven sind hierbei, wo miiglich, noch gieriger, als die Seeschwatben. Erst mehrere Schtisse kliiren sie Uber ihren lrrthum auf and verscheuchen sie dann auf lange Zeit. Man finder an den unter-egyptischen Brtichen folgende Seeschwalben: Sterna (Sylochelidon Brehm) caspia, St. (Gelochelidon Brehm) anglica, and meridionalis Brehm, St. (Thalasseus Bole) cantiacus, Th. affinis Riipp, (selten und mehr am rothen Meere,) Sterna hirundo auct., St. velox Riipp., Hydrochelidon (Brehm) leucoptera Bole, ]t. nigra, 14. leucopareja, (ob diese letztere Art mit Sterna nilotica? identisch~ lassen wir unentschieden,) St. (Sternula) minuta. Von Miiven fast nur Larus (Xema) capistratus, ridibundus, gelastes, denn alle iibri- gen egyptischen Miiven sind mehr auf die eigentlichen Seen beschrfinkt.

    Diese bieten mit ihren oft stundenbreiten Wasserspiegeln wieder ein ganz anderes Bild, als die Briiche. Sie beherbergen vielleicht noch griissere Massen yon Viigeln, als die letzteren~ aber diese Massen ste- hen mit den grossen Wasserflfichen mehr im Verhfiltnisse~ als es bei den Briichen der Fall zu sein scheint. Der Menza leh , den ich bei dieser Beschreibung" vorzugsweise in's Auge gefasst babe, ist zwanzig Stnnden lang und sechs his acht Stunden breit. Er versorgt ganz Egypten und S~'rien, selbst einen grossen Theil der europiiischen Ttirkei mit getrockneten Fischen, soffenannten Fa s i eeh, and erniihrt Hundert- tausende yon V~geln, worunter Tausende yon P e I e k a n e n und S char - ben , welche beide nicht die anspruehslosesten sind. Ich babe davon schon im ersten Hefte der ,Naumannia ~: erzfihlt, wiederhole abet bier Manches der Vollstiindigkeit halber. Wenn man sich yore Lande aus einer tier zahlreiehen Buchten des See's niihert, gewahrt man zuniichst ,das S t randgewimmet . ~ Da laufen ganze Gesellschaften fast aller europ~iischen Tringa-, Pelidna-, Machetes-, Actitis-, Totanus-, Cha- radrius-, Eudromias-, Aegialites-Arten eilig herum; Fliige yon Li - mosen, einzelne K ieb i tze , S te inwi i l ze r (Strepsilas,) St rand- re i te r in zahlreichen Familien beleben das Riedgras an dem Ufer; Enten pliitschern im seichten Wasser oder sonnen sich behaglich am Strande. Ein wenig welter, nach der Mitre des See's hinein~ stehen gnnze Reihen tier itmsig tauchenden S i ibe lschn i ib le r (yon der Re- curvirostra avocetta durch bedentendere Gr(isse, kiirzere Fliigel and welt mehr ausgesehnittene Sehwimmhiiute verschieden, unsere mit ihrem arabisehen STamen benannte R. Itelebi,) dann folgen die nimmermiiden L0 f f le r , and ganz in der Tiefe sieht man die Feuerlinien tier wohl- schmeckenden F lam i ngo's. Dazwischen tummelt sieh eine geschwiitzige,

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    aus vlelen Arten bestehende Entensehaar, yon der wanderungslustigen Sp iessente an his zu der sieh im Riedgras verbergenden Kr ieek - ente (riehtiger wohl K r ieehente?) herab, in nieht zu seMtzenden Sehaaren. Man kann sieh keinen Begriff yon der Menge der Viigel maehen, die sieh hier vereinigt haben. Ein gliieklieh gelegener See Egyptens vereinigt den Reiehthum des Nordens und Ungarns in sieh. Jede nur anniihernde Sehittzung wtirde weit hinter der Wirkliehkeit zurtiekbleiben. Wit finden hier unsere Bekannten vorn Sumpf und Reis- feld, yon den BrUeheu" und den einzeln stehenden Palmen wieder. Abet neue Sehaaren, neue Familien treten hinzu. Nennen wir zuerst die Pe lekane . Drei wohl untersehiedene Arten habe ieh beobaehtet; gewiss giebt es noeh mehrere. .Pelecanus crispus ist selten, onocro- talus hfiufiger~ minor in grosser Anzahl vorhanden. Man muss ihre Heerden gesehen haben, man muss das GetiJse einer aufgeseheuchten Sehaar yon tausend Pelekanen gehiirt haben, um sich yon ihrer Anzahl eine orstellung maehen zu kOnnen. Zugleieh driingt sich dabei aber die Frage auf: ,Wie ist es mSglich, dass alle diese hungrigen G~iste Speise finden? ~ Der bekannte, unendliehe Fisehreiehlhum des Seees seheint diese Frage dennoch nieht zu erledigen. Da ist es eine Lust, zu jagen, eine Lust~ dutch dieses Gewiih! zu schitt'en] Eine Fischer- barke r derea sieh der Jfiger zu seinen Wasserjagden bedient, ist uta- verdfiehtig~ well sie allen Yiigelu eine bekannte Erscheinung ist~ abet dennoch oft nicht yon grossem Nutzen. Vorziiglich die in Schaaren versarnmelten VOgel siud scheu. Selten gelingt es an ein Flamingo- Regiment so nahe anzukommen~ dass die weittragende Btichse mit Erfofg gebraucht werden kann. Schlinge und Netz, arabisehe List und Aus- dauer sind fiir den Forseher ergiebiger, als die Selbstjfigerei. Fiihren wit die einzelnen VOgel namentlich auf~ so habeu wir zu den meisten der schon oben genannten - - vielteicht mit Ausnahme der Re iher~ Sehnepfen , Braehv i tge l und anderen mehr die Brtiche liebenden, die alle an den eigentlichen Seeen seltener s ind - noch zu erwfihnen: Anas boschas ~ Mareca penelope Bonap., Ouecquedula circia I-(aup, Ilhynchaspis clypeala Leach, (sehr hfiutig,) ChauleIasmus streperus Gr., Erismatura leucocephala Bp., Branta rufina Bole, Aythya ferina Boie, A. marila Bp., Fuligula cristata Ray, (in ungemein zahlreiehen Sehaaren,) Nyroca leucophthalma; Cygnus musicus; Larus canus (ob die Homeyer'sehe L. Heinei aus Grieehenland?) L. fuscus L. und fuscescens Licht.~ L. glaucus~ L. marinus, Xema melanocepha- lure, X. ichthyaetum, X. minutum; Podiceps cristatus~ 1'. auritus, t). minor; Glareola austriaca, G1. Nordmaani Fisch.

    Fast alle diese iigel sind zahlreieh, wena aueh oft sehwer zu erlangen. ])lit Einbrueh der Nacht ziehen sieh viele yon ihnen in die nahen Brtiehe, oder in die mit Rohr bestandenen Ausltiufer und Buehten der Seeen znrtiek, um dort zu tibernachten; andere suehen sieh freie, unbewaehsene Sandinseln zu Sehlafstfitten aus, andere, vorziiglieh die grossen Sehwimmviigel~ ziehen sieh auf tier grossen Wasserfliiehe enger zusammen. Bis tief in die iNaeht hinein hiirt man das Gesehrei der S t rand l i iu fe r , Regenpfe i fe r , U fer l i iu fe r und K ieh i tze yon

    Joura, f, Oraith., |1I, Jahr$, Nr. 17', September 18.~5.

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    den Sandinseln herubertOnen; aus den Brachen und Rohrdickichten er- sehallt ein verworrenes Getfn in allen Stimmen und Tonarten, sp~iter sinkt es zu einem weniger kreisehenden Decrescendo, zuletzt zum Ge- murmel herab. Einzelne laute Stimmen machen sich auch die ganze l~iacht hindureh geltend; ganz stille wird es nie. Und nun erscheinen andere G~iste. Den ganzen Tag iiber sassen die Nacht re iher fami- lienweise im dichtbelaubtea Wipfel der Platanen, se lbst mi t ten in den Dt~rfern auf hohen Palmen~ keine Bewegung verrieth ihr Leben, und nur die gewaltsam aufgescheuchten entschlossen sieh lang- sam zum Fliegen, sogleich ein neues Asyl erspahend und benutzend. Jetzt im Dunkel erhebt sieh die m~ichtige Schaar, sammelt sich zu Flti- gen, und verktindet mit rabenartigem Rule ihr Vorhandensein. Lang- samen Fltigelschlages ziehen die das Dunkel liebenden Gesellen den Briichen zu. Begniigsam nehmen sie mit den Brocken vorlieb, welche ihnen die Tagvfigel zuriicktiessen. Ihr tiefgehaltenes Grahk, G rahk ersehallt die ganze Nacht. Erst die Ktihle des Morgens treibt sie zu ihren Verstecken zurtiek; mit blinzelndem~ halbgeschlossenem Auge sehen sie dem Gestirn des Tages entgegen. Das sind Pinselstriche zn dem Vogelleben an den Seeen Egyptens.

    Am Strande des Meeres selbst bemerkt man nicht viel. Einzelne Strandl~iufer , mehrere MOven- und Seeschwalben-Ar ten, ver- einzelte Scharben , selten einige Pe l i kane oder Schwtine -- das ist Atles, was man an der Kiiste des Meeres sieht. Ich babe noeh einen S tur m t a u c h e r (Puffinus) beobachtet, denselben aber hie erlegt und kann desshalb die Art nicht bestimmen. Vielleieht ist es Puffinus obscurus Stephl Er fiiegt rasch yon Woge zu Woge~ sttirzt sich jab herab in die sehfiumenden Wellen, erscheint im Nu und ist eben so schnell verschwunden. Egyptens Kiiste ist fide und flach, daher maff es wohl mit kommen, dass man dort so wenig'V'~gel sieht, ein besserer Grund aber diirften wohl die oben geschilderten Seeen sein, die dem ankommenden Vogvl sogleich lockend entgegenschimmern.

    Wenden wit nns yon den Seeen ab und mehr dem Inneren des Landes zu, so erSffnet uns

    das St romthal und der Nil ein neues Jagdgebiet. Ganz Egypten und zum grossen Theile auch Nubien ist einer Oase vergleichbar, inmitten unermesslieher Wiisten. Am linken Rande des fruchtbaren Thales, das der Strom mit seinen belebenden Schlammfiuthen erschuf, beginnt die l ie b i s c h e W ti s t e ; sie verliert sich in die Sahara ; nur theilweise yon ihr durch einen Oasenzug getrennt. Bechts trennt die egypt i sche und f frosse nn- b ische Waste das Stromgebiet yon dem des rothen Meeres. Die Grenzen dieser Wiisten sind auch die Grenzen unseres jetzt zu schil- dernden Jagdreviers. Scharf scheidet sieh das Leben yon der Oede. So welt der heilige Strom auf natiirlichem oder kanstlichem Wege seine braunen segenspendenden Fluthen senden kann, ebenso weir ist Leben und Fruehtbarkeit; wo das Lebens-Element, das Wasser, in Nord-Ost- Afrika nicht hinreicht, beginnt das todte Meer des Sandes. Der eine Fuss steht noch im grabenumzogenen Waizenfeld, der andere tritt in

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    die Wtiste. Nur derKSnig derBaume, die her r l iehe Pa lme, ver- mittelt bier und da den Uebergang. Die Palme ist die verk~rperte Poesie, sie ist ein Bild der arabisehen Diehtkunst. Denn wie der k~- nigliche Stature dem unfruehtbaren Sande entkeimt, fr~hlieh empor w~iehst und den Wolken zustrebt, erst in der H~he blUht und seine stisse Frueht im Strahl der Sonne reifen l~isst, ebenso entstammt die Poesie der }traber einem gar dtirren Boden und sendet ihre strahlenden, fi'ueht- behangenen Zweige weir dureh den liehten }tether hinaus. Die Palme ist ftir uns ein wiehtiger, beaehtenswerther Bantu; denn sie erm6glieht das Leben und Gedeihen yon tausend VOgeln. In ihrer Krone wiegt sieh der kSnigl iehe }tar, ihre Zweige w~ihlt der edle Fa lke zu seinem Ruhepunkte, yon ibren Frtiehten naseht der kr~iehzende Rabe und gesehw~i tz ige Sper l ing~ ihr Wipfel bietet dem vertraulieh bei dem Mensehen wohnenden Mi lan und Thurmfa lken freundlieh seinen Sehutz, um den Horst anzulegen; Millionen yon Inseeten n~ihren sieh yon ihren. Frtiehten nnd werden, wohlgeftittert, wieder vieler anderen V{)gel Beute. Wir haben sehon die einzelne Palme kennen gelernt, dringen wir jetzt in die geheiligte Stille eines Patmenwaldes, ,wan- de ln wir unter Pa lmen! ~ Stundenlang ziehen sieh die W~ilder an der Wtistengrenze bin, bier und da nehmen sie ein Dorf auf, oder bergen die vereinzelt stehende Htitte des Fellah in ihrem Sehoosse. Da sitzt" auf halbgebroehenem Wedel der sehtine Merops supereiliaris sire aegypt~ts, sein gemiithliches~ allen seinen Verwandten eigenes giep~ d j iep dann und warm ausrufend; pl~tzlieh ersp~ihet sein nimmer rastendes Auge ein fliegendes Insect, im iNu breitet er die gl~inzenden Falketl-Sehwalben-Fltigel aus, maeht einige pfeilsehnelle Wendnngen in der Luft und kehrt zu seinem ruhig sitzen gebliebenen 6atten zurtiek. Weiter siMlieh sieht man aueh den niedliehen Merops viridis; noeh zutrautieher, als sein grosset Bruder, sitzt er selbst auf den, die ||~iu- ser oft umgebenden Dornenheeken; in gleicher Th~itigkeit haseht er, wie jener, yon Ilyrthe zu 1Vlyrthe, naeh einem, unserm Auge unsieht- baren fliegenden Inseete. Der egypt i sebe Sper t ing l~irmt in den Zweigen herum; unter der Krone, oft in den. unter~ten Reisern des Milanenhorstes, hat er sieh sein Nest angelegt. Oft ist ein Stamm dieht nnter seiner Krone mit zehn Sperlingsnestern besetzt, deren Neststoff sehon yon Weitem herabsehimmert. Die Pqrgita rnfipectus Bp., yon der in Spanien lebenden P. hispanica Temm. versehieden, ist der egyp- tisehe F e 1 d s p e r I i n g ; er gleieht der Pyrgita montana aueh im Bau seines Nestes und w~ihlt sieh dazu hohle Palmenst~imme aus. In jedem Walde trifft man den Maskenwi i rger~ oft in Geseltsehaft europ~ii- seher Stamrngenossen an. So erseheinen ira Herbste der Dornwt i r - get , Lanius collurio, der grosse Wt i rger , Lanhts excubito~3 ebenso aueh L. minor, rufus und L paradoxus uobis (dem L. rufus ~ihnlieh, gr6sser, mit weisser Sehwanzwurzet). In Fa jum nnd Nu- b ien ertOnt der lautsehallende Drosselsehlag des lxos obscurus; er ist ein lebensfroher~ Instiger Vogel und der beste S~inger ~lord-Ost- }tfrika's. Dazu kommen im Stiden Nubiens noeh maneheV~gelehen mit Praehtgefieder. Die stahlblaue Fringilla (Amadina) nitens fliegt mit

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    der allerliebsten FringiUa minima yon Palme zu Palme; dann und warm verirrt sieh aueh wohl ein Euplectes ignicolor in die Palmenwfilder. An gr0sseren VOgeln ist kein Mangel. Besonders lieben diese Palmen- wfilder, welehe yon Feld umgeben sind und nieht in der nfiehsten N~ihe der D/~rfer stehen. Diese sucht dann der Sebre iad le r gern zum Sehlafen auf, der gest ie fe l te Ad ler beziebt sie auf seinem Zuge, oder bewohnt sie pfirehenweise aueh das ga~lze Jahr hindureh, die seltene A. Bonelli besueht sie zuweilen. Buteo rnfinus R~app. tltiehtet sieh Mittags vor den Sonnenstrahlen in die, wean aueh dtirftigen Sehat- ten der Palmen, ~lilws parasiticus sehwebt den ganzen Tag tiber dem Walde herum, Melierax gabar, Falco Feldeggii, cervicatis, biarmi- cus und tanypterus sind hier Standvifgel. Im Winter bergen sich aueh die aus Europa anlangenden edlen und unedlen Falken in ihnen. Der blitzsehnetle Mer l in (FaIco aesalon Lin. und Brm.)~ ist in den Pal- menwfildem ebenso daheim, wie in dell Fithren seines Geburtslandes; der kiihne Wanderfalke wiihlt seinen Winteraufenhalt nahe in den DOr- fern, oft mitten in ihnen, nm seine Hauptnahrung, dieTauben, recht bei der Hand zu haben. Selten sieht man auch einen Falco Eleonorae Gend, einen Baumfa lken , oder Falco arcadicus, oder. den mehr stidlieh wohnenden Falco concolor. Dagegen ist die egypt i sche l~ebe lk r f ihe gemein, derWt is tenrabe (Corvus umbrinus Hedenb.) in Oberegypten nicht selten; im Winter sieht man ganze Fliige yon Saatkrtihen. Ein in Egypten heimischer~ noeh nieht besehriebener Rabe, Corvus brachyurus nobis a~') lebt paarweise, sehr vereinzelt in Ober- egypten und ist sehr scheu. Nut einmal sah ieh ihn in einem grossen Fluge. Wfihrend des Winters begegnet man oft der in Egygten ver- weilenden und rastenden Mandelkr f ihe ; sic ist wenig scheu und leicht zu erlegen. Besonders Mufig ist die possirliche Athene meri- dionalis, der egyptische Steinkauz. Man sieht ihn dieht an den Stamm gedrtiekt, auf einem abgebrochenen Palmenstengel sitzen und mit sei- hen hellen Augen den Ankommenden besichtigen. Dabei macht er, wie unsere Athene passerina, die ti&sten Verbeugnngen, riehtet sieh dann wieder ztt einer imponirenden I-Iiihe auf~ und fliegt ersehreekt zuletzb in weit ausgeholten Bogen mit kurzen, speehtartigen~ Fliigel- sehl~gen dem niiehsten Baume zu. Aeusserst selteu gewahrt man aueh wohl einmal eineu Bubo ascalaphus, hie aber die in Egypten hiiufige S eh I e i ere u 1 e ~ (Strix flammea auet. und St. splendens Brehm.)

    Neben den Palmenwfilderu nenne ieh die Fe lder-Egyptens und Nubiens gute Jagdplfitze. Aueh bier tritR man versehiedene VSget- gattungen an. Die Fe|der siud sehr versehieden bepflanzt. In Egypten baut man die Baumwolle und den Reis~ die Gerste nnd den Waizen, Flaehs, Wieken~ Indigo, Klee, Hanf ere., in 5Iubien fast nnr Dur rah und Dohh en, zwei hoehgestengelte Hirsearten. Wir haben bereits einige der Gfiste kennen gelernt, welehe die Reis- und Waizenfelder

    ~) I)er nordisehe Falco lithofalco ist selten in Egypten und unterseheidet sieh yon unserem /;'. aesalon speeifiseh durch eine andere Grundtarbe und Zeieh-

    nung~,~) S. ,Journ. f. Ornith.", 1854. Heft I~ S, 75.

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    besuchen; ich fiige bier noeh die Namen Anderer hinzu. Zuerst fallen in Unteregypten sogieich die zahllosen Schaaren der Pyrgita ruflpectus Bonap. in's Auge. Keine Anstrengung des Bauern vermag sie aus den Fruehtfeldern zu vertreiben~ und desshalb thun sie betrfichtlichen Seha- den. Aber sie Iocken auch zugleich ihre Feinde herbei. Der gerfiusch- los dahin gleitende b lasse , seltner der b laue and grau l iehe W e ihe a) sind eifrig mit ihrer Verfolgung beschiiftigt, Falco aesalon, selbst Cerchneis guttata und rupiculaeformis, (die gew0hntichen Thurm- falken Eg~yptens,) treten oft genug als Feinde der Spatzen auf. Im Herbst und Winter bergen sich die europfiischen Wanderer in ihnen. Crex pratensis, Rallus aquaticus und GaUinula gracilis Brehm sind regelmfissige, aber schwer zu-entdeckende Bewohner iiberschwemmter Felder. In den Baumwoilenfeldern wohnen gern die Laubs f inger and Koh lv i ige lehen (Saxicola rubeira and rubicola auet.,)stid- licher die, sie in 5~ord-Ost-Afrika vertretenden Arten, Sax. maura and Hemprichii Ehrenb.; auch sieht man hier B laukeh lehen, und sehr einzeln aueh ~ohl Rothkeh lehen. Die Grasmt ieken-Ar ten lieben die lhumwollenfelder wegen ihrer an Inseeten reichen Bliithen sehr~ in Oberegypten besehfiftigensieh die k le inen B ienenf resser (M. vi- ridis) nnd FI i e g e n fii n g e r (Muscicapa grisola und eoUaris Beehst.) unaufhtirlieh mit dem Fange der die Baumwollenbltithen umsehwfirmen- den Inseeten. Aueh die S toppe l fe lder Egyptens sind bewiihrte Fundorte. Viele S te insehmi i t zer , z. B. Sax. oenanthe, saltatrix M6n., leucomeIa Pall. sire lugens Lieht., aurita Temm., pallida Ehrb. besuehen sie yon ihrer eigentliehen Heimath, der Wtiste aus; Pyrrhula githaginea yon ebendaher, kommt gern dahin; ebenso finder man die P ieper , vorziiglieh die Corydalla-Arten, wenn aueh immer einzeln in den Stoppeln. Ieh babe dort die Corydalla campestris Vig., Richardi Vig. and Corydalla major nobis aa) erlegt. Ausserdem bemerkt man Lanius rufus und paradoxus, Coracias garrulus, Petrocossyphus cyanus, Motacilla alba, Melanocorypha brachydactyla Leisl., Alauda arven.~is, u. a. m. Die D~imme der sich dureh diese Feldstficke zie- henden Can~ile, wfihlt vor Allem der r0thliehe Bussard, Butaetos leucurus Nauru. (Buteo rufinus Rlipp.) zu seinem Aufenthalte. Hier sieht man ihn auf den hi~ehsten Erhabenheiten der Dfimme sitzen, und die im Sommer troeknen Betten der Canfile untersuehen. Diese sind ein ge- saehter Aufenthaltsort mehrerer Mf iuse - and E ideehsen-Ar ten ; beide Familien- werden yon unserem Vogel gern gefressen. Im Ganzen ist er tr~g, dabei abet doeh vorsiehtig und scheu.

    Einen Uebergang yon den Feldern zur Waste machen grosse, nur mit einem Riedgrase (arabisch Ha l f a) bewaehsene Stellen, wie man sie in Egypten hiiufig finder. Die Halfa tiberzieht vernachliissigte Feld- stiicke des besten Aekerlandes, and ist, wenn sie sieh einmal festgesetzt hat, kaum auszurotten. Hier siedeln sich dann viele Miiuse, E ideeh-

    ~J Circus paltidus, cyaneus und etegans nob., tier letztere von C. cinera- ceus versehiedeu.

    ~'~) Der grfsste der Suite~ ~ichte Art~ keine Subspecies~ tier C. campeslris entfernt iihnlieh.

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    sen und Sehlangen an. Yon V0geln wohnen nur einige Arten, yon der Sippe Drymoica, (die ich ftir die afi'ikanisehe Form der Sippe Calamoherpe erkl~ren mOehte,) in dieser Ha l fa , im Herbst benutzen sie wohl aueh ziehende ~ichte Soh i l f s f inger , vorzUglich Calamoherpe (Caricicola Brehm) phragmitis Bole. Aber gerade diese 0den Orte sind in Egypten ffir zwei Sippen gute Jagdorte. Circaetos brachg- dactylus Temm. und C. orientalis nobis ~) betreiben hier ihren Repti- lienfang, und setzen sich, wenn sie gliicklich waren, auf einzelne in dem Halfa stehende Palmen, und zwei Arten F lugh i ihner , Pterocles exustus und Pt. guttatus) erseheinen hier in zahlreiehen Ketten. In Nubien treten yon letzteren noch zwei Arten: Pt. coronahts und Pt. bicinctus, hinzu. Deft wird fibel'haupt die Halfa ergiebiger. Der Jtiger sieht darin deft auch die Z iegenme|ker -Ar ten , Caprimutgus aeg!/ptiacus sire isabellinus, C. infuscatus Riipp., im Frtihjahre und Herbst aueh C. europaeus. Bubo ascalaphus und Otus brachyotos verbergen sieh bei Tage ebenfalls in diesem Riedgrase und rauben 51aehts die dort wohnenden W ti s t e n- und F e I d I e r c h e n.

    An einzelnen Orten Egyptens sieht man mitten im Felde kleine, wahrseheinlich angepfianzte Mimosenha ine . Noch haben die Biiume nicht jene Hiihe erreicht, welche in den Urwfildern unser Erstaunen erregt, sondern sind eher noch Buschwerk zu nennen. Abet gerade diese Ha ine , wie ich sie nennen will~ werden des Mittags yon vielen Weihen besucht, und sind h6chst beaehtenswerth. Der b lasse und grau l iehe Weih streiehen hier ein und setzen sich auf die niedrig- sten Zweige der Btiume ; Nisus communis auct. sehliipft dutch die dich- ten Wipfel; Elanus melanopterus sitzt auf den hiichsten Zweigen, oder baut hier sogar sein R'est, wenn er nieht den noch dichteren Nabak- s t rau ch in der 5~iihe finder. Coccystes glandarius Glog. hat seinen bestiindigen Wohnsitz hier aufgeschlagen und legt hier im Februar und Miirz aueh seine Eier in die 3iester der eg)'ptischen Nebelkrfihen. Die Wi i rger -Ar ten und viele Sylv ien~ die wandernden Drosse ln , die B ienenf resser , F l iegenf t inger und andere lnsectenfresser sind hier Stammgfiste. Ad ler und grosse Ede l fa tken lieben diese nie- deren Geh~tlze nieht. Ganz fihnliehe Erseheinungen weisen die g ros - sen Gtirten auf. Man sieht in Unteregypten Orangenhaine yon einer halben Stunde Liinge und fast zehn Minuten Breite. Das sind gute Wohnpltitze fiir die St inger und andern kleinern Viigel, ebenso aueh ffir deren Feinde, die kleineren gewandteren Falk en ar ten , vorztiglieh abet auch die Aufenthaltsorte der in Eg2(pten hiiufigen Schleiereulen, yon denen wir bis jetzt vier Arten: Strix flammea auct., splendens Hempr. et Ehr., margarita Paul v. W. und maculata nob., unterschie- den haben.

    Wenn man erst den Wendekreis tiberschritten hat, nehmen die Felder theilweise einen anderen Charakter an. Die europfiisehe Ornis verliert sich mehr und mehr und macht der der Tropen allmiihlich Platz. Das geht fi'eilich sehr langsam~ wird abet doch bald bemerklich. Sehon

    *~) Dem C. braehydaclylus ~hnlich~ aber ohno dunkles Brustschild; wurde in mehreren ExempIaren erbeutet.

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    jenseits des '22. Breitegrades sleht man auf den niederen, mit hOchst wohlriechenden, prachtvollen Bliitben bedeeken~ Biisehen des Asclepias procera, den metalliseh schimmernden Honigsauger~ Nectarinia metal- lica, einzeln auftreten. Er ist ein reiner Tropenvogel, der sich nie n0rdlieh des Wendekreises zeigt, und eine gar liebliehe Erseheinung fur den Ornithologen. Er vertritt die amerikanisehen Kotibri's aueh in seinem Betragen. tIummelartig sehwirrt er yon Bliithe zu Bliithe, hfingt sieh mit seinen Klanen an, und steekt seinen Schnabel in die Kelehe~ sueht die kleinen Inseeten ab und. senkt dann seine tange Speehtzunge in die Tiefe der Blumen, um den sfissen Honig herauszuhoten. Aueh das ~estehen legt der l-/onigsauger in dem A i i seher , wie die Araber jene Pflanze nennen, an; der Straueh liefert ibm dazu alles Ntithige: feine Reiserehen, Bast und Pflanzenwolle. Fast in derselben Gegend bemerkt man die ersten Feuer f inken . Dieser Vogel steht in der Mitte zwisehen den Finken und S~ingern. Er ist mehr Rohrs~inger, als Fink. Gesehickt klettert er, wie jener, an den Durrahstengeln auf und nieder, sehlfipft gewandt dutch das sehilfige Gras am Boden, und ers~heint pl~tzlieh, wie ein leuehtendes Opferfl~immehen auf dem Frueht- kolben der Durrah. UnwillkUrlieh erweekt er dann in seinem-Praeht- kleide einen Ruf der Bewunderung. Es hat den Ansehein, als wolle er die Praeht seines Gefieders yon allen Seiten zeigen. Bestfindig dreht er sieh aui~ seinem hohen Sitze herum, hebt die Flfigelehen und brtistet sieh im Strahl der Sonne. Da die Feuerfinken hfiufig sind, sieht man of viele Mfinnehen zu gleieher Zeit auf ihren erhabenen Standpunkten erseheinen und sieh gegenseitig znm einfaehen Wettgesange anfeuern. Dann ist ein solehes dunkelgriines Dnrrahfeld mit den anftauehenden und versehwindenden Gliihpunkten bei der fitherisehen Beleuehtung ein bezauberndes Bild. Vor der Reife der Durrah sind die jungen Feuer- finken bereits dem Neste entsehltipft und sehlagen sieh nun mit den Alten zu grossen Sehaaren zusammen. Jetzt werden sie oft zur Land- plage. Die armen Nnbier, welehe ohnehin jedes ihnen yon den Felsen oder der Waste freigelassene Pl~itzehen benntzen und bebauen mtissen, erriehten eigene Gerfiste, um die ungebetenen G~iste ~u verseheuehen. Von diesen Geriisten lanfen mit Federn behangene Leinen in allen Riehtungen dnreh das Feld, vorztiglieh aueh zu den etwa im Felde ste- henden B~inmen. Dutch Sehiitteln und Bewegen der Leinen und laules Gesehrei werden die zahllosea lOrnerfresser, zu deaen sieh ausser dem Feuerfinkea aueh noeh andere F r ing i l l i den gesellt haben, mi]hsam verseheueht. Man sieht die Frauen und ~I~dehen der Nubier den gan- zen Tag fiber anf diesen hohen Gertisten sitzen, um diesem langweili- gen Geseh~ifte obzutiegen. Als ergiebige Jagdpl~itze k~nnen wir diese Felder aber nieht betraehten.

    Der S t rom, die Lebensader des ganzen Nilthales~ ist ftir unsere Jagden aueh ergiebig. Wit k~nnen ihn ia sogar als den einzigen Er- zenger unseres bis jetzt gesehilderten Jagdgebietes betraehten. Er Zeigt uns in seinem langen Laufe weehselvolle Bilder. In Egypten w~ilzt er sieh langsam dureh das fette Sehlammland~ bier und da umgUrtet er eine fruehtbare Insel, oder l~isst eine reiehbelebte Sandbank frei; in

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    Nubien sch~umt er in brausendem, wirbelndem Tanze zwischen gliihend sehwarzen Fetsbergen hindurch, reisst in seinem sehnellen Wogenzuge alles nieht auf den Felsen gegrtindete Aekerland mit sieh fort und er- laubt nur zuweilen in einer yon hohen, senkreehten Steinmassen umzo- genen Bueht den Absatz seines, die Kultur erm0gliehenden, fruehtbaren Sehlammes. Oft begrenzt hier die pflanzentodte WiJste meilenlang seine Ufer; bisweilen l~isst er, yon seinem donnernden Wasserstiirzen ausru- bend, inmitten seines Bettes eine Insel entstehen, die dureh die ~aeht der tropisehen Vegetation in Kurzem in ein bliihendes Eiland umge- sehaffen wird. Aber, als wolle er dem ihm Alles dankenden Mensehen zeigen~ dass nur er es war, der jenes Eiland ersehuf, allj~ihrlieh ver- ~indert und modelt er es naeh seinem Willen. In dem trostlosesten Landstriehe der Erde, dem sogenannten Battn el Had ja r , zu deutseh dem Baueh der S te ine , oder S te in tha le , sieht man oft meilen- lang Niehts, als dunkle Granitmassen, Sand, Himmel und Wasser. Da entzUekt eine einzelne Palme, eine sp~irtieh griinende, aber dennoeh mit goldenen, balsamiseh duRenden BlUthen bedeekte Mimose das Auge. Die Vegetation k~impft mit der Unfruehtbarkeit des Sandes einen ver- zweifelten Kampf; nieht das Wasser unterstiitzt s ie , - nein, im Gegen- theile, es reisst in teller Eile die miihsam in die harte Erdrinde ein- gedrungene Wurzel mit sieh fort und begr~ibt den sehon erstarkten Stature in seinem nassen Grabe. Doeh immer yon Neuem wirkt die sehaffende Kraft. Im S e h el I a h l (der Stromsehnelle) D a h I e liegt eine zaekigte Felsinsel mitten im Strome. Jahrtausend lang sie be- k~impfend vermoehte der M~iehtige nieht, sie zu zertriimmern. Zwisehen ihre Felsenritzen hat er seinen Sehlamm gesenkt und dieser war hin- reiehend eine Weidenart zu ern~ihren. Wurzel auf Wurzel, SehOssling auf Seh0ssling sendete diese aus nnd tiberzog zuletzt die ganze kahle Masse mit ihrem belebenden Grtin. Wahrend des niederen Wasser- standes treibt sie neue Zweige und birgt den briitenden S~inger und die egypt i sehe Gans in ihrem heimliehen I)unkel; bei hohem Nil iiberfluthen und zerst6ren die donnernd dahin rausehenden Wellen die verlassenen Nes.ter. H~her und h0her sehwillt die Wassermasse, her- tiger und s~rker dr~ingen die Wogen. Die Weide beugt sieh, abet weieht nieht. Der Strom begr~ibt sie Monate fang in seinem Wasser, nur einzelne Zweige ragen noeh iiber die zisehende und sprudelnde Fl~iehe empor, aber die Wurzel haftet, mit fallendem Nil sprosst sie mit nenem Lebensmnthe. Doeh sind aneh gerade diese Felsen wieder die Ursaehe fruehtbarer Landstriehe. Die Wassermasse staut sieh tiber ihnen, ehe sie den gepressten Durehgang antritt und l~isst ihren befrueh- tenden Sehlamm fallen. So entstanden und entstehen heute noeh saf- tige Weiden und halmenerzeugende Felder, so legte der nil den Grund zu den bier beginnenden tropisehen W~ldern.

    In Egypten finden wir die S t rand- , Seh lamm- und Ufer - I / iu fer , Regenpfe i fe r , Sporenk ieb i tze , RegenvOgeI , (Plu- vianus ae#yptiacns,)Braehsehwalben, F isch- , i 'qaeht-, S i l - ber - und Kuhre iher , S tOrehe, und wahrend der Zugzeit g raue und Jungfernkran iehe auf den Sandb~nken im Strome; in l~ubien

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    kommt noch der Scherenschnabe l und die Lichtensteins-Baeh- s te l ze hinzu. Seeschwalben and M~ven verfolgen den Lauf des Stromes bis hoch nach dem Sudahn hinauf. So sieht man den seltenen Chroicocephalus iehtyaetus Eyt., zuweilen in Gesellschaften tiber dem Strome hinfliegen, Chr. melanoeephalus, minor Brehm, capistratus, ridibundus u,d minvtvs streichen bis Nubien hinauf; Syloehelidon caspia fliegt mit heruntergesenktem, schwerbelastetem Haupte ebenso hiiufig auf dem blauen Flusse, wie tiber der Wasserfliiche des Nil bei Kairo, herum; Gelochelidon nigra, leucoptera and leucopareja finden sieh I~ings des ganzen Stromes. Man toekt sie, wie an den Seen, durch einen tiber dem Wasser in die I-I0he geworfenen Yt0ven- oder Seer- schwalbenbalg herbei und erlegt sie leicht. An allen Felsen schwebt die egyptische Felsenschwalbe, Cotyle obsoleta Cab., sie liebt nut den Felsen und die dem Strome nahe Waste und heftet ihr Nest an die Mauern der egyptischen Tempel oder an die Kuppeln mahomedani- sober Mausoleen. Der J~iger finder am Strome aberhaupt immer Be- sch~iftigung. Er hat alle VOgel zu priffen and soil lieber einen Schuss zu viel, als zu wenig thun; dean unter den oft bekannt scheinenden Strand/- und Uferl~iufern, Regenpfeifern u. s. w. finden sich oft seltene Arten. So erscheint die sch0ne, ~iussert seltene Eudromias asiatica zuweilen in kleincn Flfigen auf den Sandbtinken des Nil. Das Leben aller Nilbewohner ist yon ebenso grossem Interesse, wie das der Sumpf- und Seev0gel. lch will bier die kurzen Biographien zweier besonders merkwardiger VOgel einschalten; zuerst die des immer munteren Plu- vianus aegyptiacus. Er ist der Cursorius unter den Strandv~geln, und macht durch seine Gestalt, seinen Flug und sein Betragen einen sehr guten Uebergang yon der Sippe Cursorius zu Aegialitis. Sein schiJnes Kleid und ]ebhaftes Wesen ziehen sogleich die Aufmersamkeit des Forschers auf sich. Immer rennt er mit der gr(Jssten Geschwin- digkeit und bestiindigem Geschrei ant' den Sandinseln und Sandbfinken herum~ oder fliegt yon einem Uferrande zu dem andern, wobei er die ganze Pracht seines Gefieders entfaltet. Er ist einer der schiJnsten Strandv~gel, trotz der einfachen Farben seines glatten Federkleides. Seine List und Ktihnheit sind unvergleich]ich. Mir gelang es nur ein einziges Mal, sein Nest zu entdecken, well er bei Ankunft eines Men- schen sogleich yore Braten absteht und die einfache Vertiefung, in welcher seine Eier liegen, sogleich zuscharrt. Doch wird seine List noch dureh seine Kahnheit tibertroffen. Die Araber nennen ihn Rha- f ie f el T imsach , W~ichter des Krokod i ts , und behaupten, dass er das schlafende Krokodil bei herannahender Gefahr erwecke. Diess ist in der That nicht unbegriindet. Bewohner der, yore Krokodi| zum Schlafen aufgesuchten, Sandbiinke, ist er mit diesem Ungeheuer so ver- traut geworden, dass er auf seinem Racken, wie auf einem Stack grti- hen Rasen, bin und her l~inft, ibm die Ege]artee und andere Schma- rotzer absucht, welche sich in seiner Panzeihaut festselzen, und dasselbe mit wirklicher Frechheit behandelt. Sein lautes Geschrei bei Ankunft eines Menschen mag das Krokodil wohl erwecken und auf die Gefahr aufmerksam machen. Ich sah ihn~ um ein anderes Beispiel seiner Dreistig-

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    keit anzufiihren, einmal zugleieh mit einem Haliaetos voeifer yon einem Fische fressen, den dieser erbeutet hatte. Seine Eier habe ich beschrieben und bekannt gemaeht; die Jungen fihneln den Alten. El- ist iiber das ganze Nilthal verbreitet und paarweise fast auf jeder Sandbank zu fin- den, kommt aber weder am ~leere, noeh an den Salzseen vor.

    Der andere Vogel, dessen ieh noeh Erw~hnung thun wollte, ist tier Seheerensehnabe l , Rhynchops [lavirostris Riipp. Er ist ein Bewohner der Sandbitnke des nubisehea Stromthales. Ieh babe sehon frUher (Journ. f. Ornith.~ I, Extraheft, S. 104) gesagt, dass dieser merk- wUrdige Vogel eine Naehtseesehwalbe ist. Sein ganzer K6rperbau, mit Ausnahme des Sehnabels, stellen ihn in die Niihe der Seesehwalben, allein ebenso wie die Eulen yon den Falken abweiehen, unterseheidet aueh er sieh yon jenen. Der Seheerensehnabel hat etwas Melaneholi- sches an sieh. Den ganzen Tag fiber sitzt er ruhig, oft wie die Zie- genmelker, mit plattgedrtiektem K6rper auf den Sandinseln, und vert~isst diese nur, wenn er gest6rt wird. Gegen Sonnenuntergang aber beg'innt sein Leben. l)ann hSrt man seinen sehwermiithigen, ganz eigenthiim- lichen Ruf~ und sieht ihn mit langsamen Fliigelsehl~gen dieht auf der Oberflliehe des Wassers hinstreiehen. Oft senkt er dabei seinen Unter- sehnabel in das Wasser ein und pfliigt die Wogen, wahrseheinlieh um kleine Wasserinsekten aufzunehmen. Man hOrt ihn die gauze Naeht, und da er weite Streeken durehfliegt, oft an Stellen, wo man ihn bei Tage hie sieht. Er brtitet gemeinsehaftlieh und h~ilt sieh aueh naeh der Brutzeit gern in Gesellsehaften. Nur beim Neste ist er leieht zu erle- gen~ sonst ist er aueh bei Tage sehr seheu. Gegen Abend ist seine Jagd, der Ifrokodile wegen, nieht rathsam; man daft hie in den Nil waten oder sehwimmen, ohne hinreiehend sehen zu ktinnen. Er liebt seine Brut ziirtlieh und sttisst, wie die Seesehwalben, auf die sieh dem Neste niihernden Ylensehen. Die Jungen sehen den Atten iihntieh. Der arabisehe Name des Seheerensehnabels ist A b u M a k h a s s ~ S e h e e - renvater oder Seheerent r~ iger . Sein Heimathsland beginnt bei D oago la in Nubien und erstreekt sieh bis hoeh auf die beiden Fltisse des Sudahn hinaSf.

    Unter den Bewohnern des Nil muss ieh noeh den Diekfuss, Oedi- cnemus crepitans und senegalensis aufftihren. Ersterer ist in Egypten hiiufig, spaziert bei Tage in Bu lakh bei Ka i ro auf den Hiiusern und Fabriken hernm und geht aueh erst Abends auf die Sandb~inke des Stromes. Woes an grossen Gebiiuden fehlt, finder man ihn aueh bei Tage in Gesellsehaften auf den, mit niederem Gebtiseh bedeekten Sand- diinen des Nil. Trotzdem, dass er wie die Sehleiereule oft die Woh- nungen der Mensehen aufsueht, ist er immer sehea nnd vorsiehtig. In Nubien vertritt ihn der Oedicnemus senegalensis Sws.; im Sadahn Oed. affinis Riipp. So hiitten wir die Jagdpl~itze des Nilthales und einige seiner gefiederten Bewohner kennen gelernt. Die stidlieh des 18. Gr. n. Br. auflretenden Viigel gehiiren mehr dem Sudahn, oder dem Jagdrevier der t rop ischen W~i lder u l ld lh rer S t r~.ne und F l l i sse an. Wie dureh das Zusammenfliessen der W er ra und Fu lda der W e- sers t rom entsteht, so bildet sieh aueb der Nil dureh die Vereiuigung

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    des weissen und blauen Flusses dicht nnterCharthum. Erst hier er - hiilt el" seinen Namen Bahhr el Nil. Seine Zufliisse heissen Bahhr el ab iad und Bahhr el asrakh. Nut noch der A lbara miindet wfihrend seines dreihundert deutsche Meilen langen Laufes in ihn ein. Bis dorthin ziehen sich die tropischen W~ilder hinab, bis dorthin strei- chert manche, ihrer Ornis angeh0rige V~gel, abet dort entfalten sie noch nicht die Ueppigkeit und Pracht, wie in dem eigentlichen Sudahn. Wieder war es das Wasser, welches sie in's Leben fief, aber nicht alas in Strombetten znsammengedr~ingte, sondern der, w~ihrend des Cha- r ie r oder der Regenzeit, unter Donner und Blitz, Sturm und Winds- braut, aus den in g'rauenvolles Dunkel gekleideten Wolken herabsttirzende Regen. Dieser ist es, der ein Leben hervorruft, yon dem nut tier Rei- sende in Tropenl~indern sich einen klaren Begriff machen kann. Er ist der miichtige Impuls, der die seit Monaten diirstende, yore Strahl der Sonne zerkliiftete Erde zu frischem Erzeugen bef~ihigt. Zauberhaft iibt er seine wohltMtige Gewalt; wie ein m~ichtiger Zauberer tritt er auf, um die ver~dete Flur zum Paradiese umzuwandeln. Wenn die glii- henden Stidwinde ihr Vernichtungswerk allzu ertOdtend ansdehnen wol- len, thut er ihrem Wiithen Einhalt. Aber er muss sich seine Herrschaft erst erk~impfen. Die Gluth des Windes trocknet und zerstreut seine Tr~iger, die Wolken, und erst wenn der S[idwind mehr und mehr er- matter, beginnt der Regen mit ihm den Kampf. Jetzt zwing't er den Sturm, sein Herold, sein Tr~iger zu sein. Auf seinen Fittigen rauschen die ihn bergenden Wolken tiber das verdorrte Land dahiu. Ihre flam- menden Blitze sind die orboten der segenbringenden Tropfen. Noch iibertSnt des Donners Prasseln ihr Rauschen. Aber mehr und mehr entiaden sich die elektrischen Str~me, mehr und mehr verlieren die Wolken ihre Fiihigkeit, die Wassermenge zu tragen. Jetzt stiirzt sie herunter, trfinkt die verschmachtete Erde, kiihlt und verdichtet die heisse ausgedehnte Luft und schafft den, nnn erst leise, dann aber immer find immer stfirker auftretenden Nordwinden Raum and Bahn. Schon nach dem ersten Regen sprosst und kcimt es. Die Lethargie der Flora weicht einem frischen krliftigen Leben. Nach wenig Tagen schon schim- mert die frtiher todte Ebene, yon grfinenden Pflanzen, die Bliitterknos- pen an den, dutch die Siidwinde entlaubten Biiumen schwellen an nnd Offnen sich dem sie zersprengenden griinen Blatte; nach dem zweiten Regen wird Alles griin. So sind diese Regen die ursprtiugiichen Er- zeug'er der t rop ischen Wi i Jder ; nur sie machen ihr Gedeihen und Fortbestehen mOglich. In der Reg'enzeit entfalten sie eine Pracht~ yon welcher wirklich kaum eine Beschreibunff zu geben ist.

    Alles schwelgt da in der tippigsten Fiilte. Die dichtbelaubten Mi- mosen haben meist noch eine Decke yon Schlingpflanzen erhalten~ deren Bltithen in tropischer Blfiihenpracht prangen. Blumen, welche unsere Gfirteu zieren wiirden, wachsen bier wild] Von Winden zfihlte ich allein drei his vier Arten, in den m'anhigfaltigsten Farben spielend. Auch fruchttragende Pflanzen finden sich. Der Nabackstrauch triigt eine den Pflaumen an Geschmack ~ihnliche Frncht, die cine Lieblingsspeise mancher VOgel und vorztiglich auch tier Affen ist. Eine rothe~ gurken~ihnliche

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    Frueht nannten die Araber Tammr el Aabid, Sklavendattel, und schil- derten sie als essbar. Mehrere Schlingpflanzen erzeugen Beeren, die yon vielen V0geln gern gefressen werden. Sie bliihen, und tragen Friiehte zu gleicher Zeit. Balsamisehe Wohlgertiche durehduften den Watd. Vor allen sind es die mit goldenen, wie kleine Rosen erschei- nenden Bliithen, bedeckten ])limosen, welche die angenehmen Gertiche spenden. Ein lebensfrohes Heer yon Inseete n umsehwirrt die blii- thenreiehen Wipfel. Die goldstrahlenden Bupresten blitzen in der Sonne; ein feiner, wie aufgehauchter Staub, mit dem der Schi)pfer das ganze Thierchen fiberdeekte, ist nicht dieht genug um die metallisch glfinzenden Fliigel der Praehtkiifer ihrer Purpurstrahlen zu berauben. Von fernher sehon hiirt man das Summen der sich in den Bliithen- kronen sammelndea Insedten. Hummeln und B ienen, Wespen und Fl i egen sind oft yon unvergleichlicher Schtinheit, und treten in reicher Artenzahl auf. Seltner schon sind d ieSchmetter l inge . Man sieht nur wenige Arten yon Tagfaltern~ unter denen die R i t te r durch ihre imposante GriJsse und Farbenpracht zuerst ins Auge fallen. Mit Sonnenuntergang beginnt'in der Insectenwelt ein regeres Leben. Dann fliegen die v ie lenNachtschmetter l inge und n f ieht l iehenK~i fer mit ewigem Gesumme yon einem BlUthenbaume zum andern. Eine Art Gritlen? erfreut mit ihrem Gezirp: es klingt wie das Gelfiute kleiner, rein gestimmter GliJekchen.

    Von Weitem gesehen, vereinigt sich die Bliithenpracht mit den dunkleren und helleren Schattirungen des Laubes zu einem zauberhaften Bilde. Oft ist es ganz das eines deutschen Eiehwaldes~ oft tin ganz fremdes, iicht tropisehes, in der Beleuchtung des Siidens glfihendes. Einzelne Tamar inden zeichnen sich mit ihren herrlichen, dunklen Kronen schon yon Weitem aus. Nut die H arahs i (eine Mimosenart) steht einsam trauernd ohne Blfitterschmuck inmitten dieses Bltithen- und Blfittermeeres und wartet auf. das Fallen der Str0me, auf die Vergilbung der Blfitter anderer Bfiume~ um in der Zeit der Dtirre ihr grtines Ge- wand anzulegen~ und neue Zweige zn sehlagen. Am oberen Laufe des blauen Flusses treten neue Pflanzen, neue Bltithen, neue Biiume hinzu. Hoch fiber den tibrigen Wald hinweg erhebt die k0nigliehe Duh leh l - pa lme ihr stolzes Haupt. Ihr Stamm steigt senkrecht empDr, verstiirkt sich in der Mitte, und nimmt nach oben wieder an Dicke ab. An langen Stiingeln sitzen die breiten Fiicherbliitter und breiten sich nach allen Seiten aus; ihr zackiger zerrissener Rand erh(iht ihre Seh0nheit. Sie bilden eine sehr sehiine Krone und vollenden mit den kopfgrossen, braunen, in Trauben vereinigten Frtichten das edle Bild der Palme. Mit ihr zugleich tritt die riesenhafte T a b a b e 1 i ~, der A f fe n b r o d b aum (Adansonia digitata) auf. Sie ist unter den Biiumen das H was die Dickhiiuter unter den Thieren sind. Wit haben St~imme gesehen, die dreizehn Klaftern im Umfange hatten; ,andere waren zu Ziegenstiillen eingerichtet. W~thrend der DUrre sind die Riesenzweige der Adansonie bliitterlos; sie ragen dann so sonderbar, so monstrCis in die blaue Luft hinaus, dass der Eindruck, den der Baum dann macht, ein sehr unbe- friedigender ist. Aber wiihrend der Regenzeit entsprossen diesen ge-

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    w~hnlich ausgeh~lten Aesten die grossen fUaffingerigen BlOtter) und htillen den ganzen Stature in einen undurehsiehtiffen~ ihn ganz ver~in- dernden Laubmantel. Nach knrzer Zeit erbltihen die mit den Bl~ittern hervorgebrochenen Knospen. Blendend weisse Bli~then, den gr0ssten Cen- tifolien gleich, sehmiicken das ungeheure Blattgew01be. Dann ist die Adansonie in ihrer Pracht zu schauen; sie erscheint wie ein Ueber- bleibsel aus dem Paradiese, fabelhaft, zauberisch schtin.

    Der Ebenho lzbaum erhebt sieh nicht tiber die Haupter der bier in ihrer ganzen Sch~nheit aufgewaehsenen, hochgew~Ibten Mimosen, son- dern verzweigt sich wie der Nabackst rauch und die w i lde Baum- wo l le zu undurchdringlichen Dickichten. Selbst die in Egypten ein- zeln, in ~Nubien h~iutiger auftretende Dompalme bildet bier ganze W~ilder, in welche kemes Menschen Fuss eindringen kann, nut das Feuer frisst sieh bier durch, denn selbst die meisten Thiere meiden diese ungangbaren Orte. Die Walder wiirden w~ihrend der Regenzeit ein Paradies sein, hatte sich die Produetionskraft nut auf die Wipfel der Baume ausgedehnt. Doch das ist nicht der Fall. Der Char ie f ist die Zeit des Frtihlings, aber des tropischen Friihlings. Was in Eu- ropa ein Monat reifen macht, bringt in den Tropen eine Woche zu Stande. Der Graswuchs ist ausserordentlich, die niederen Pflanzen be- deeken drei, ja nicht selten vier Fuss hoch den Boden und setzen jeder Bewegung bedeutende ftindernisse entgegen. Fast alle Graser, alle Str~iueher, alle B~,iume haben Stacheln, Dornen, Spitzen and H~ickchen. Diese machen jeden Schritt zur Qual. Der A skan i t , eine vorztiglich in der Steppe wachsende Gras- oder Distelart - - ich bin niche Botaniker - - l~isst seine feinen, cactus~ihnlichen Stacheln bei der geringsten Be- rtihrung los. Sie dringen dutch die Kleider and bohren sich in die Haut. Erst wenn sie Eiterung hervorbrachten, werdea sie entdeckt. Oft ist der ganze Ktirper mit diesea qualenden Nadelchen besa~; man fiihlt Sehmerzen in allen Theilen desselben. Eine andere Grasart: Esse ik genannt, l~isst ihre stachelige Aehre in alien Kleidungsstoffen sitzen, und h~ingt sich so fest in das Gewebe ein, dass sie weder dutch Wa- sehen, noch dutch Reiben im trockenen Zustande herauszubringen ist. Eine dritte, auf, dem Boden hinkriechende Pflanze, arabisch Tarb e (so viel als W e gl~iu fer) genannt, hat so harte und scharfe Samenkapseln, dass sie oft durch das Leder der leichten tiirkischen Stiefeln dringen. Hierzu kommen noch die langen, harten und sehr spitzen Nadeldornen der Mimosen, die Rosendornen des ~aback- oder Ambaekst rau- eh e s und die farchtertichsten aller Dornen, die der H a r a h s i d.i. ,d e r s i ch se lbs t Schi i tzenden." Man kann nur in grossenWasserstie- feln jagen, und dennoch sind die W~ilder auf ganze Strecken hin voll- kommen undurchdringlich.

    Dass diese Flora, die ich als Laie gar nicht zu schildern verstehe, eine unendlich reiche Fauna b i rg t , ist wohl erkl~irlich. Der a f r i ka - n ische E lephant durehzieht in zahlreichen Horden die tropisehen W~ilder; er ist es, der die einzig gangbaren Wege in den Waldern macht. Mit seinen plumpen Ftissen verniehtet er das Gras and die nie- deren Pflanzen, mit seinem Rtissel brieht er alle hindernde Zweige ab und wirft sie zu beiden Seiten des Weges hin~ oder verzehrt sie. Ein

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    alter Herr ftihrt den Zug an, die tibrige Heerde folgt ibm auf Sehritt und Tritt in lang ausgedehnter Reihe. Jeder dieser Gfinge hinterl~sst einen sehr gangbaren, fast sauberen, Weg. Nfiehtlieh hSrt man die gel- lenden Trompetent0ne der zum Flusse gehenden Etephanten. Dasblind- wtithende afrikanisehe Nashorn (Anasa der Eingebornen) lebt mehr im Innern der Wtilder, und ist mir nie zu Gesieht gekommen; nut seine Ffihrten habe ieh gesehen. GefUrehtet und gehasst, ist es dem Einge- bornen ein Gegenstand fabelhafter Marehen; er nennt es tiefen Abseheues voll. Das F lussp ferd tummelt sieh einzeln oder ill Gesellsehaften in dem Strome, oder in neben ihm liegenden Regenteiehen herum~ und ist hfiufig'. Der wi lde Bi i f fe l (Bos. capensis?) steht ibm an gefahr- bringender Wuth kaum naeh, und erseheint zuweiten Abends pant-oder heerdenweise am Strom% um zu trinken.*) Von Wiederkfiuern sieht man manehmat den T e ta l der Eingebornen (Antilope oryx?), hfiufiger die Antilope saltatrix Ruppell. Bei Rosseeres kommen wi lde S e h w e i n e vor, vielleieht geh0ren sie dem Warzensehwein (Phacochoe- rus Haroia Eh.) an. Staehelsehweine sind nieht selten. Am reiehhaltig- sten ist die FamilieFelis'vertreten. Der k0n ig l ieheLeu ersehreekt alln~iehtlieh den Nomaden dutch sein donnerfihnliehes Gebriill, brieht in die dornenumz~iunte Serdoba, tOdtet und raubt den starken Stier. Dem Mensehen furehtbar~ erseheint er, auf seine ungeheure Stfirke trotzend, mitten in dem dureh hohe Dornenheeken gesehtitzten Dorfe. Sein Brfil- len bringt den Wald zum Sehweigen~ zersprengt die weir yon ihm zie- hende Karawane, und ~ingstigt die Thiere der Wildniss. Der Affe klet- tert entsetzt mit Gesehrei in die h~ehsten Zweige hinauf:

    ,Dem Panther starrt das Rosenfell~ Erzitternd fliiehtet die Gazell' Es lauseht l(ameel und Krokodill Des Ki~nigs zurnendem Gebrifll."

    So sagt derDiehter. Wenn nun aueh derPanther nieht gerade ,fellstar- rend" zuh0rt, ist doeh diese Sehilderung nieht gerade i~bertrieben. Das mit iNichts vergleiehbare, im Urwalde noeh furehtbarer wiederhallende Gebrtill sehreekt jedes Thief, und maeht selbst alas Herz des mnthigen Mannes unruhiger sehlagen. ~fiehst dem L6wen beherbergen die lro- pisehen Wfilder noeh den Leoparden oder N immr der Araber. Man hSrt sein heiseres Grunzen oft genug in der Stille der Naeht. Dann giebt es noeh einen, nieht ungef~ihrliehen L u e h s und eine kleine It a t z e. Am h~iufigslen unter allen Raubthieren aber sind die Hyfinen~ yon denen zwei Arten: Hyaena striata und maculata vorkommen; sie erseheinen Nachts sogar in den Stiidten und Dtirfern Sudahns. Z iebetkatzen , Iehneumons~ und andere marderartige Thiere sind fiberall zu be- merken~ wenn aueh sehwer zu erlangen. Ebenso bemerkt man viele Nager , und mehrere interessanteArtenFledermfiuse. DieKomiker nnd Seiltfinzer des Waldes sind die Af fen. Der hiiehst gefiihrliehe Cynocephalus Sphinx ist ein yon Mensehen und Thieren gleiehgeftireh- teter Bewohner der felsigten Waldparthien, rotter sieh in Heerden zu- sammen und pliindert die Felder mit unerhiirter Freehheit; der seltnere,

    ~) lch Bah und fohlte ihn in der Abendd~mmorung des 4. Februar 1851.

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    etwas melancholisehe Cercopithecus ruber (?) E h r enb. ist furehtsam und scheu, in der Gefangenschaft aber wie alle hffen sehr jfihzornig; Cercopithecus griseoviridis ist gemein. Man finder ihn in Gesellschaf- ten in jedem Walde. ])Iit kiihnen Spriingen durcheilt er die h6chsten Aeste der himmelanstrebenden Mimosen; ein altes Mfinnchen, erfahren in allen Lagen des hffenlebens, ausgelernt und listig, leitet mit selt- samen Gurgelt0nen die komiseh hinter ihm dreinspringende Heerde; possirlich rauben die immer Fltichtigen noeh saftige Blfitterknospen oder eiazelne Frtichte vom Nabakstrauche, oder klettern mit ihren Reprii- sentanten aus der Vogelwelt, den Papageien, um die Wette. Es wtirde zu welt fiihren, wollte ich die Sfiugethiere der tropischen W~ilder noch genauer schildern. Abet ich muss noch erw~ihnen, dass auch die Am- ph ib ien in sehr reicher hrtenzahl vertreten sind. Fast jede Minute hiirt man das Rascheln einer buntsch i l l e rnden E idechse , oft das einer unschu ld igen Nat ter oder ]ebensgef i ih r l i chen V iper . Unter den G i f t sch langen ist eine, der Naja Ha ja , sehr fihnliehe, Br i l tensch lange die furchtbarste. IhrBiss t6dtetbinnen einerhalhen Stunde, ohne dass es eine Hiilfe giebt. Diese Schlangen sind um so geffihrlicher, je tippiger der Graswuchs ist; ich sahe die Bri]lenschlange wenige Fuss vor mir meinen Weg kreuzen, und so schnell verschwin- den, dass ich das bereit gehaltene Gewehr nicht mehr anwenden konnte. Unter demNamenAssala kennt man eine giftlose R iesensch lange , deren Fell zu Verzierungen verwendet wird. Wir erlegten sie in einer Griisse yon i0 Par. Fuss. Bisweilen verirrt sich. wohl auch ein Krokodill ia die Wfilder. "*)

    Fassen wir jetzt die reiche Ornis dieser Wfilder etwas niiher in's huge. Unser Jagdgebiet ist ein sehr grosses, die Artenzahl der darauf vorkommeuden VOgel ist seiner wtirdig. Doeh entwickelt auch bier die Regenzeit ein ganz besonders erh6hetes Leben. Sie ist hier die Zeit, in welcher die meisten der einheimischen V6ge[ ihr Prachtkleid tragen und zum Nestbau schreiten. Die europfiischen Wanderer, welche bis hierher gelangten, finden in ihr wiihrend der entkriiflenden Mauser reich- liche Nahrung, und drfingen sich nach den Wiildern hin.

    Wenn der Jfiger zu dieser Zeit einen tropischen Wald betritt, weiss er nicht, wohin er zuerst seine hugea wenden soll. Seine Auf- merksamkeit wird yon allen Seiten in Anspruch genommen. Jeder Schritt fiihrt ibm neue Waldbewohner vor, jede Minute bringt ihm ein neues Schauspie]. Wer vermSchte es, das schillernde Gefieder einer G lanzdrosse l gleichgiiltig zu betraehten! Wer kann den Flug einer Parad ieswi t twe in ihrem Federschmuek ohne Interesse verfolgen?! Wie mtihsam schleppt das kleine Thierchen das, fiir sie ungeheure, Ge- biiude ihrer Schwanzdeckfedern durch die Liifte! Und wie stolz~ wie eitel spreizt jene den prfiehtigen Schwanz aus, wie spiegelt sie die metallisehen Fliigel in der Sonne! Da vernimmt das Ohr aus dem uuunterbrochen fortt6nenden Stimmengewirr einzelne gellende Rufe.

    *) Wir hubert eines dieser Thiere mitten im Walde aufgeschencht~ und sich hlitzschnell in eiue so dichte llecke tliichten sehen, dass wires darin nichtwahr- nehmen konaten,

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    Neugierig forscht das Auge in der~ durch das Geh~r bezeichneten Rich- tung. Eine dichtbelaubte Mimose oder Tamarinde scheint den Schreier zu bergen. Umsonst ist das Sp~hen, erst die Erfahrung lehrt den Ver- borgenen kennen. Es ist der in tier Bl~itterfarbe gekleidete Palaeomds cubicularis Wagl., der sich sonder Miihe in dem Laubgewiflbe verbarg. Man kann Viertelstunden lung unter einem solchen Baume stehen: ohne einen einzigen Papagei zu entdecken. Jetzt lenkt eine dunkle, grOs- sere Erscheinung die Blicke von dieser Scene ab. Ein Ranbad ler hat aufgeb~iumt, die Jagdlust macht das Herz starker pochen. Der Knall des sicheren Feuerrohrs durchhallt den Wald. Eine momentane Stille tritt ein. Dunn fotgt eiu allgemeines verdoppeltes Geschrei, eia ~ingst- liches Hin- und Hertlicgen, neugieriges Sp/ihen. Eine ganz neue Schaar kommt angezogen oder eilt mit raschen Fliigelschl~igen voriiber. Yon fernher tt~nen sonderbare lautschallende Trompetent0ne. Was ist alas? fragt der J~iger den ihn begleitenden Eingebornen. ,El Rharnu hk, Sul tahn e I A u wa h k" (der Rhanuhk, der S,ltan aller ReiheO lautet die Antwort. Man vergisst alles Andere und schleicht dem Schalle nach. Der Wald t~ffnet sich und l~isst eine yon ihm umhegte sumpfigte Wiese frei. Da steht ein P~irchen dcr-imposanten Balearica pavonina. Man muss diesen herrlichen Vogel in der Freiheit gesehen haben, um das Herzklopfen des Jfigers zu begreifen, der ihn zam ersten Male vor sich sieht. Sein Gang ist sehr aufrecht, stolz uud wtirdevoll, die Krone auf- gerichtet and ausgebreitet, der Riicken wenig gekriimmt, die goldenen, das Weiss des Fliigels bes~iumenden Schulterfedern heben sich auf dem lebhaft braunrothen Grunde der Schwingen zweiter Ordnung. Nachdem er sich glticklich angeschlichen hat, entsendet der J~ger den Hagel. Der Vogel ist getroffen, aber nut verwundet, and beginnt nun fliigel- lahm seinen Lauf, so dass ihn der Mensch nicht einznholen vermag. Ein zweiter Schluss streckt ihn nieder. Der gesunde Gatte erhebt sich und enteilt dem Orte des Schreckens. Den Hals welt vorgestreckt, mit glatt auf ihm liegender, zusammengelegter Krone, fliegt er mit lang- samen Fliigelschl~gen davon. Jetzt sieht man nur noch das Weiss der Fliigel yon dem tiefen, mit graulichen, abf~irbenden Duft iiberhauchten Schwarz des iibrigen K0rpers abstechen. In kurzer Zeit ist der J~iger mit Beute beladen. Fast alle V~get siud ihm neu. So h0rt er den pirolartigen Prig des Laniarius er!/throgaster Riippell, in dem dich- testen Gebiisch, dutch welches man bisweilen auch die brennend rothe Brust des Vogels schimmern sieht. Der Prig ist stets you einem son- derbaren Geknarr beendet. Man stellt dem Vogel nach, and ht~rt den Prig yon der einen Seite; alas Geknarr yon der andern. Verwundert glaubt man, dass man sich t~iusche. Der Schuss streckt den einen Vogel zu Boden - - derPfiff erschatlt, alas Geknarr hat aufgehOrt: man hat das Weibchen erlegt.*s) Abet beider Ruf ist so in einander verschmolzen, dass man glauben muss, er rahre nut yon einem einzigen Vogel her.

    ~j Wir habefi etwas Aehnliches in dem Giek, Gak unserer Hausg~inse: das 6iek ist tier Ruf des 6anserts, das Gak der der 6ans. Beide scheincn auch durch einen einzigen Vogel hervorgebracht zu werden.

    (Fortsetzung folgt.)