Darum bin ich Migrant

Download Darum bin ich Migrant

Post on 18-Dec-2016

212 views

Category:

Documents

0 download

TRANSCRIPT

  • Schreiben Sie uns Ihre Erlebnisse.

    Bei Verffentlichung erhalten Sie bis zu 100 Euro!

    Brigitte.Moreano@springer.com

    GESCHICHTEN AUS DER PRAXIS

    WAS MMW-LESER ERLEBEN

    Folge xx

    A

    . Kle

    men

    tiev/

    Foto

    lia

    MMW-Fortschr. Med. Nr. 9 / 2013 (155. Jg.)26

    GESCHICHTEN AUS DER PRAXIS

    WAS MMW-LESER ERLEBEN

    rztliche Erfahrung beschrnkt sich nicht auf medizinisches Fachwissen. Sie entsteht auch aus den mehr oder minder alltglichen, heiter, rgerlich oder nachdenklich stimmenden Erlebnissen mit Patienten, Kollegen und Mitarbeitern. Senden Sie uns Ihre Geschichte an: Brigitte.Moreano@springer.com. Fr jeden verffentlichten Text erhalten Sie bis zu 100 Euro.

    Folge 96

    A

    . Kle

    men

    tiev/

    Foto

    lia

    _ Es ist eines der groen Rtsel dieser Welt, wie es pltzlich zur Migration, d. h. der periodisch wiederkehrenden Massen-bewegung aller oder viele Individuen einer Tierart kommt. Nichts hat mich mehr be-eindruckt als die Migration zehntausender Gnus, Zebras, Gazellen und Bffel in der Se-rengeti miterleben zu drfen. Wahrschein-lich ist die Bereitschaft zum Zusammen-schluss der Tiere zur Wanderung genetisch festgelegt.

    Mglicherweise ist dieser Wandertrieb auch bei mir rudimentr ausgebildet, denn nach einer gewissen Zeit verspre ich wie die Seelachse ebenfalls ein groes Verlan-gen, an die Wiege meiner Kindheit zurck-zukehren.

    Haben die Tiere auf ihren Wanderungen bisweilen mit Strungen im Magnetfeld der

    Erde oder mit Auswirkungen eines Klima-wandels zu kmpfen, so liegt das Problem bei mir in der Auswahl des Fortbewegungs-mittels. Egal, ob man Auto, Flugzeug oder Eisenbahn benutzt, es gibt stndig wieder-kehrende Strungen.

    Allein schon die Hotelreservierung er-weist sich bei mir als problematisch, insbe-sondere was bermittlungsfehler bei der Kreditkartennummer oder Fehler bei Anrei-se oder Abreisetag etc. anbetrifft. Daher frage ich mich, was mag wohl die Ursache fr meinen neuerlichen Wandertrieb sein? Obwohl eine gewisse bereinstimmung mit dem Migrationsverhalten der Tiere nicht von der Hand zu weisen ist, gingen meine weiteren Recherchen dahingehend ins Leere. Pltzlich hatte ich aber einen Ge-danken, der mich nicht mehr loslie.

    Knnte mein Bestreben zur Migration mit einem unterschwelligen Fluchtvorha-ben aus Angst vor einer Zwangsrekrutie-rung durch die Standesorganisation in Ver-bindung gebracht werden, die jetzt be-kanntermaen die Lcken in der Versor-gung lndlicher Gebiete mit rzten durch die Mobilisierung von rztlichen Ruhe-stndler zu schlieen sucht? Ganz von der Hand zu weisen ist der Gedanke nicht, denn nicht umsonst bietet die Standesor-ganisation Fortbildungsveranstaltungen fr vormals entsorgte Altmediziner an, da-mit diese fortbildungsmig aufgepeppt den Fehlbestand an rzten, zumindest vo-rbergehend, auffllen knnen und wieder in die Rolle eines Albert Schweizter schlp-fen sollen oder drfen.

    DR. MED. UDO FUCHS

    Darum bin ich Migrant

    Schreiben Sie uns Ihre Erlebnisse.

    Bei Verffentlichung erhalten Sie bis zu 100 Euro!

    Brigitte.Moreano@springer.com

    _ Freitag, zeitiger Nachmittag. Ich hatte Bereitschaftsdienst. Da rief mich der Leiter des Stadtcaf am Markt einer kleinen Ober-lausitzer Kreisstadt an und teilte mir mit, dass in seiner Gaststube ein Mann aufge-treten sei, der dort einen Kasten echtes Ra-deberger Export-Pilsner kaufen wollte. Dieses besonders gute Bier gab es nur in besonderen Lden, Gaststtten und fr be-sondere Personen.

    Er sei Arzt, habe einen Patienten, einen hochrangigen Genossen und VdN (Ver-folgten des Naziregimes), mit Harnverhal-tung in Behandlung, der nur nach Genuss dieser speziellen Biersorte urinieren knne.Als ihm das Bier verweigert wurde, sei der

    Arzt laut geworden und habe drastisch die Symptome und mglichen Folgen der Harnverhaltung und der berlaufinkonti-nenz geschildert, und das coram publico und mit ordinren Worten, was bei den Gs-

    ten zunchst Heiterkeit, bald aber Emp-rung auslste.

    Zur Vermeidung greren Aufsehens habe der Leiter des Stadtcafs dann einen Kasten Radeberger Export herausgerckt. Nun wollte er von mir wissen, ob das tat-schlich ein Arzt gewesen sei.

    Ich konnte ihn beruhigen. Der Kollege litt an einer manisch-depressiven Krankheit und war unter Lithiumbehandlung weitge-hend unauffllig. Manchmal kam er aber auf die Idee, dieses Medikament nicht mehr zu bentigen. Und dann kam es immer wie-der sehr bald zu den sonderbarsten Vor-kommnissen.

    DR. MED. E. TPPICH, ULLERSDORF

    Radeberger statt Lithium

    N

    ikol

    a Bi

    lic /

    foto

    lia.c

    om

Recommended

View more >