Bitte an alle Ornithologen!

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    Betragen ~hnelt er vollkommen unserem Bussarde, nur im Flug einer Rohr- weihe, and sollte deshalb naeh meiner Ansieht Buteo heissen.

    Alle iibrigen RaubvSgel streiehen, ohne zu ziehen. Die Geier sind dureh das Aufsuehen ihrer welt zerstreuten und zufiilligen Nahrung gezwuugen, grosse Streeken zu durehfliegen. Einer zieht dabei dem andern naeh; und man finder sie auf einmal da, wo man sie gar nieht vermuthet h~itte. Ein kleiner Punkt, den man kaum sieht, sehwebt er hoeh in der Luft, und erst bei einem Aase l~isst er sieh nieder. Nieht dutch Gerueh, nur dutch das Gesieht, finder er das yon Neophron per- enopterus mit Htilfe der Kr~ihert erkuudete Aas auf, und steigt dann pl~tzlieh herab, es zu verzehren: iadem einer den andern naehzieht. Elanus melanopterus ist an ~limosenhaine, Milvus parasitieus an die Dt}rfer und St~idte gebunden; - - er brtitet h~iuflg auf den Minarets der Moseheeu. Die Adler des Sudan, z. B. Aquila rapax und Brehmii, Spizaetus oeeipitalis uud Holotarsus eeaudatus, streiehen yon einer Steppe und einem Walde zum andern, ohne zu ziehen; Buteo laeteus und afri- eanus verlasseu die W~lder nie; Strix splendens bewohnt die St~idte, und Athene meridionalis die Di~rfer. l(urz: das sind die wahren Zugvtigel nieht. Sie haben abet aueh nieht nSthig, zn wandern; denn Sommerund Winter bieten ihnen gleiehviel.

    (Fortsetzung folgt.)

    Nachr ichten . Bi t te an a l le Orn i tho logen!

    W~ihrend die geologisehe Gesehichte aller iibrigen Thierklassen bereits so griindlieh erforseht worden, dass wir fast behanpten k0nnen, die wiehtigsten Momente ihres geologischen Entwieklungsganges selen bekannt und es handle ~sieh nur noeh um die genauere l(enntniss ein- zelner Familien und Gattungen: ist die Gesehiehte der VOgel noeh in vi~lliges Dunkel gehiillt. Unsere l(enntniss der vorweltliehen VOgel be- sehr~inkt sieh auf einige 60 Gattungsnamen, yon denen mehr als die H~ilfte iiberdiess noeh ganz zweifelhaft ist. Die Zahl der gentigend bearbeiten und systematiseh begriindeten fossilen Arten bel~iuft sieh kaum auf 20! Diese emp~ndliehe Liieke uuseres Wissens ist zum Theil darin begrfindet, dass die fossilen Knochen yon V6geln minder sorgf~iltig ge- sammelt wurden und aueh bei dem Sammeln selbst wegen der gr5ssern Zartheit und Zerbreehliehkeit eine gr6ssere Vorsieht und Aufmerksam- keit erfordern, als die l(noehen anderer Wirbelthiere. Zum Theil aber sehreekte aueh die sehwierigere Untersuehung, nnd der Mangel eines ausreiehenden Materials zur Vergleiehnng, yon der sorgffiltigen PrUfung de? Reste ab. Fiir die Sfiugethiere und Amphibien braehen Cuvier's elassisehe Arbeiten der vergleiehenden Osteologie die Bahn, und ftir die Fisehe alsdann Agassiz's Praehtwerk. Aueh yon den Gliederthieren waren die Inseeten bis auf Heer's neueste, sehfitzbare Arbeiten in fast v5lliges Dunkel gehiillt; und die, his auf diese dariiber herrsehenden

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    Ansielaten in Betreff der genauen systematischen Bestimmung und der geologischen Bedeutung, welche ganz ebenso noeh heute fiir die Viigel gelten, sind nunmehr glfinzend widerlegt worden. Die M0glichkeit einer resultatreichen Prfifung einzelner Knochen yon V0geln hat 0wen bei den Riesenvtigeln yon 5Teuseeland dargethan. Von ficht diluvialen Frag- menten lieferte ich, in dem zweiten Theile meiner Fauna der Vorwelt, (Leipzig bei Brockhaus 18470 wo ieh die sehr diirftigen ~Iittheilungen fiber die fossiten Vi)gel zusammengestellt babe, systematische Bestim- mungen~ yon deren Zuverl~issigkeit meine fortgesetzten Studien auf diesem Gebiete reich fiberzeugt haben. Schon seit liingerer Zeit mit der Unter- suchung des Skeletes der VOgel beschiiftigt, fiber die ich in diesem Journale Mittheilungen zu machen gedenke, habe ich die Ueberzeugung gewonnen: dass auch in den einzelnen Theilen des Skeletes geniigende Charactere zur systematischen Bestimmung sich nachweisen lassen, und dass auch auf die VOgel Cuvier's Kunst, ans Einem Knochen das ganze Thier zu construiren, sich mit Erfolg anwenden tiisst. Das Vorkommen fossiler Knochen yon V0geln ist keineswegs selten. Sie werden viel- mehr aus den verschiedensten terti/iren und diluvialen Gebilden, zuweilen sogar als hiiufi~, aufgeftihrt; und es ist im Interesse der Wissenschaft yon der gr0ssten Wichtigkeit, diesen Resten endlich die verdiente Aufmerksamkeit zu Theil werden zu lassen~ um aus ihnen die geolo- gische Entwicklungsgeschichte der Klasse der Viigel zu ermitteln.

    Ich wende reich daher an alle 0rnithologen mit der freundlichen Bitte, dem Yorkommen fossiler Knochen yon Vi)geln eine rege Auf- merksamkeit zu schenken und dieselben sorgf~ltig zu sammeln. Mit ganz besonderer Vorliebe wiirde ich reich der gewissenhaftesten Unter- suchung aller mir zu diesem Behufe auf einige Zeit anvertrauten Schiitze unterziehen. Die Besitzer und Vorsteher yon privaten und 0ffentlichen Petrefaktensammlungen vornehmlich miigen meine Bitte berticksichtigen und reich mit der Znsendung yon fossilen Vogelresten~ so fragmen- tarisch diesetben auch sein mtigen, erfrenen, lch werde dieses Zutrauen durch die sorgf~iltigste Behandlung der Gegenst~inde, so wie dutch die ernste Untersuchung derselben, zu rechtfertigen suehen.

    Halley im December 1852. Dr. G iebe l .

    Bevorsgehende Pub l leat ionen . Ich bin einstweilen ermfichtigt~ Ihnen mitzutheilen: dass P r i nz Ch.

    L. Bonapar te neben dem dritten Theile seines Conspectus noch ein grosses aus f t ih r l i ches Werk f iber d ieWasserv i ige l~ in tiros- sere Folioformate mit vielen Tafeln~ jede mit mehreren Abbildungen~ im Durchschnitte in halber LebensgrSsse~ verSffentlichen wird. Diesel- ben sind, nach den mir bereits vorliegenden Tafeln, sehr sch0n ausge- flihrt, und mit Namen in englischer und lateinischer Sprache versehen. ]m Allgemeinen befinden sich auf jeder Tafel 3 Figuren, sowohl yon neuen Arten, als auch yon bekannteren~ und zwar in versehiedenen AItersstufen. Besonders ausfiihrlich scheint Prinz Bonaparte die L a r i d e n behandeln zu wollen.

    Frankfurt a. M. d. 20. Oct. 1852. Dr. M. Schi f f .

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