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  • Feddes Repertorium 110 ( 1999) 1 -2,37-72

    Humboldt-Universitat zu Berlin, Museum fur Naturkunde, Institut fur Palaontologie, Berlin

    Berlin, Mirz 1999

    D. H. MA1

    Beitrage zur Kenntnis einiger Holzgewachse im europaischen Tertiar

    Mit einer Abbildung und 8 Tafeln

    Zu Sam me n f a s s u ng

    Es werden einige Arten der Gattungen Acer L. (Aceraceae), Scvidc~ OPIZ (Cornaceae). Pterocaqn KUNTH (Juglandaceae). Bruinsnzici BOERL. & KOORD. (Styracaceae), Pieris D. DON, Comaro- stnphyli.7 ZUCC. (Ericaceae) und Ampelopsis MICHX. (Vitaceae) nach karpologischen Funden beschrie- ben. Neu sind die Arten S w i h crnssiccirpa sp. nova, Pteroccity miolnsciricn sp. nova und Briiinsmici incciniformis sp. nova. Neu fur Europa ist der Nachweis der sudostasiatischen Gattung Bruinsmin und der mittelamerikanischen Gattung Comuro- ,stnphylis. Neu kombiniert werden die Arten Swida qucztlriloculnris (CHANDLER) comb. nova. Pieris rpinquenlrim (MENZEL) comb. nova und Comaro- stciphylis globidn (MENZEL) comb. nova. Alle Funde sind von vegetationsgeschichtlicher Bedeutung fur das Tertiiir von Europa.

    Einleitung

    Palaokarpologische Untersuchungen dienen einer vertieften Kenntnis fossiler Pflanzen und der Vegetationsgeschichte im Tertik. Bei neu- en Aufsammlungen aus dern europaischen Tertiar werden immer wieder neue Arten ent- deckt, denen teilweise grofle Bedeutung bei der Rekonstruktion von Vegetation und Klima zukommt. Aber auch Arbeiten in historischen Sammlungen, die zunachst der Erfassung der Typen und beschriebenen Originale bekannt gewiihnter Arten dienen sollen, bringen eben- falls Uberraschungen zur Kenntnis tertiiirer Arten mit sich. Solche Inventuren wurden in den letzten Jahren in den palaobotanischen Sammlungen der Museen in Berlin (Museum fur Naturkunde der Humboldt-Universitat zu Berlin = MfN), Dresden (Staaliches Museum

    S u m m a r y

    On the basis of carpological finds in the European Tertiary, different species of the genera Acer L. (Aceraceae), Swidn OPE (Comaceae), Pterocnqu KUNTH (Juglandaceae), Bruinsmin BOERL. & KOORD (Styracaceae), Pieris D. DON, Comurostaphylis ZUCC. (Ericaceae), and Ampelopsis MICHX. (Vita- ceae) are presented. New species are Swida crassicnrpn sp. nova. Preroccqn miolusutica sp. nova, and Bruinsmia Lncciniformis sp. nova. The genera Bruinsmia (South-eastem Asia) and Co- marostnphylis (Central America) are recorded for the first time in Europe. Swidn qiindrilociiaris (CHANDLER) comb. nova, Pieris quinq~ienlntn (MENZEL) comb. nova and Comnrostciphylis globuln (MENZEL) comb. nova are new combinations. All finds are of importance for the vegetation history in the Tertiary of Europe.

    fur Mineralogie und Geologie = MMG) und Wien (Naturhistorisches Museum = NHM) durchgefuhrt. Uber einige Entdeckungen bei diesen Inventuren wird hier berichtet.

    Bei der Determinierung, Beschreibung und nornenklatorischen Abgrenzung des palaokar- pologischen Materials zeigte es sich, dal3' ent- sprechende Schliissel meist fehlen. Sie werden hier fur die Familien Aceraceae, Cornaceae und Juglandaceae gegeben. Eine Vielzahl von Syn- onymen erschwert eine genaue Bestimmung ebenfalls. Es scheint, daB einige Autoren nur noch ihr eigenes Material, aber nicht jenes anderer Bearbeiter kannten oder kennen woll- ten. Auch hier sollen Revisionen des originalen Materials, soweit es auffindbar war, mehr Klarheit bringen.

    In allen Fallen wurde ein umfangreicher Rezentvergleich gesucht, um historische Be-

  • 38 Feddes Repert., Berlin 110 (1999) 1-2

    ziehungen der Floren besser zu verstehen, die sich in heutigen Arealkonfigurationen und Dis- junktionen aul3ern.

    Meine Bemuhungen wurden wiederum . von einigen Personen gefiillig unterstutzt. So gilt mein Dank besonders M. B al3Ier (Freie Universitat Berlin, Botanisches Museum), J. Kovar-Eder (Naturhistorisches Museum Wien). H. Wal t h e r (Staatliches Museum fur Mineralogie und Geo- logie Dresden) und meinen technischen Mitarbei- terinnen R. Forster, C. Grothe und W. H a r r e (Humboldt-Universitat zu Berlin, Museum fur Naturkunde).

    Aceraceae

    Acer LINNE 1753, Sp. plant., I: 1054

    Gattung von Laubgeholzen mit etwa 100 bis 150 heutigen Arten, rneist sommergriin, selte- ner lederblattrig und immergriin. Uber die ge- samten wkmeren Zonen der Nordhemisphare verbreitet, vom humiden bis semiariden Klima- bereich, am artenreichsten im Gebiet vom Ost- himalaja bis Zentralchina, hier die Hohen- grenze bei 3300m, sehr artenreich auch Japan und die balkanisch-kaukasischen Wald- gebiete. Sudgrenze in Sumatra in Gebirgen bei 1000-2900 m (Acer niveum BLUME). Polar- grenze in Europa bei 62" in Sudskandinavien (A. platanoides L.). Wichtige Waldbaume in subtropischen Bergregenwaldern, in Lorbeer- waldern, besonders aber in den Mixed Meso- phytic Forests und den Sommerlaubwaldern, auch in FluBauenwaldern, selten in hochmon- tanen Picea-Abies-Waldern, in Pineten und Eichen-Hartlaubwaldern.

    Frucht aus zwei einseitswendig geflugelten Teilfriichten (Samarae) zusammengesetzt (ab- norm auch mit 3-5 Samaren, KARLEY 1972). mit halbkreisformigern, eiformigem bis ellip- tischem Endokarp, einfachng, meist nur mit 1 Samen, dessen Testa dunnhautig ist. Die Teilfriichte als zu Acer L. gehorig gut erkenn- bar, aber artlich sehr schwer voneinander zu trennen. Gleich gestaltete Friichte kommen bei Arten ganz verschiedener Sektionen vor, ande- rerseits zeigen sie bei der gleichen Art oft erhebliche Formenunterschiede. Bei Iso- lierung des Endokarps jedoch meist gut be- stimmbar, da hier viele sektions- und artcha- rakteristische Merkmale (MAI 1983, 1984):

    GroBe und Form des Endokarps; Hohe, Lange und Breite (Hohe = Abstand zwischen Ventral- und Dorsalseite, Lange = grol3ter Abstand senk- recht zur Hohe); Ventralseite (= der benachbar- ten Teilfrucht zugekehrte Seite); Ventralpore; Griffelfortsatz; dorsaler Kiel; Oberflachenbe- schaffenheit (Berippung oder Retikulation); Sklerenchym- und Faserzellschicht; Endokarp- Dicke.

    Selten eignet sich eine Gattung fur die Be- stimmung der Fossilfunde so gut wie Acer. Die Blatter haben ihre charakteristische Form und Nervatur, die Friichte sind ebenfalls gut kennt- lich. Acer-Reste gehoren zu den haufigsten Resten in tertiaren Schichten. Uber ihre Ge- schichte ist daher vie1 bekannt. Die Gattung ist arktotertiiiren (kretazischen) Ursprungs. Be- merkenswerte Endokarpien vorn ,,Meliosma- Typ" beschrieben ALVAREZ RAMIS et al. (1996) aus der Oberkreide Spaniens (= A. pa- laeobuergerianum ALV. RAMIS et d . ) . Auf allen Kontinenten der Nordhalbkugel finden sich zahlreiche Reste bereits im tieferen Pa- laogen. In Europa sind neben unsicheren Formen im Palaozan Frankreichs (A. antiquum LANGERON 1899) erste gesicherte Flugel- friichte im unteren Oligozan bekannt:

    Acer primaevum SAPORTA = Sect. Acer; Acer sotzkianum UNG. = Sect. Negundo; vgl. SAPORTA 1863; UNGER 1850). Seit dem mittle- ren Oligozan kennt man dann haufiger Reste aus den Sectionen Goniocarpa POJARK., Rubra PAX und Spicata PAX in Europa. Im Oberoli- gozan treten noch solche der Sect. Platanoidea PAX Ser. Platnnoidea (PAX) POJARK. und Ser. Campestria (PAX) POJARK. sowie der Sect. Palmata PAX hinzu.

    Im Miozan war der Typenreichtum der Gattung in Europa am groBten. Mitteleuropa verlor seine reiche tertiare Ahomflora endgul- tig durch die radikalen Wirkungen der quarta- ren Vereisungen. Im Mittelmeergebiet blieben tertiiire Formen in groBerer Zahl erhalten (PAX 1885; WALTHER 1972). Erstes Auftreten von heutigen europ2ischen Arten bemerkt man schon im oberen Mioz2in (z. B. Acer pseudoplatanus L., A. campestre L.) (ANDREANSZKY 1955). Oft sind Blattreste und Fruchtfliigel n i t den gleichen Namen belegt worden, ohne daB dafiir hinrei- chende Griinde vorlagen. Im folgenden werden daher nur Epitheta benutzt, die eindeutig auf Fliigelfriichte oder Endokarpien beziehbar sind.

  • D. H. MAI, Zur Kenntnis einiger Holzgewachse irn europaischen Tertiar

    Schlussel nach den Merkmalen der Endokarpien und Fruchtflugel:

    39

    I .

    - 2 .

    - 3.

    -

    4.

    _ _

    5.

    Endokarpien Ianglich-elliptisch. mindestens doppelt so lang als hoch, stets pegamentartig, dorsal spitz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Endokarpien eiforrnig oder abgeflacht halbkugelig, hochstens doppelt so lang als hoch . . . . . . 5 Fruchtfliigel rnesserformig, rnit subparallelen Randern, Rucken apikal stark nach innen neigend, mit kraftigen Nerven uber Fruchtfach und Rucken [vgl. A. saccharimrm L.; ser. Eriocnrpa (RAF.) MURRAY] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Fruchtfliigel anders gestaltet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Teilfriichte 80-90 mm lang; langovales Endokarp uber 30 mm lang, behaart . . . . . . . . . . .

    A. askelssoni FRIEDRICH & SIMONARSON 1976 Teilfriichte 30-35 mm lang. ovales bis elliptisches Endokarp 13-15 rnm lang, mit glatter Oberflache. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A. dasycarpoides HEER 1859

    (A. grosse-dentarum HEER 1859) Fruchtflugel langlich-oval, sich von der Basis aus schnell verbreiternd, Rucken bogenforrnig, rnit zarteren Nerven; Fruchte spitzwinklig divergierend [vgl. A. negundo L.; Sect. Negitndo (BOEHM.) POJARK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A. sotzkiunrrm UNG. 18511

    (A. bohemicum MAI 1995) (= A. crassinervirrm ETTINGSH. 1869)

    . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

    Fruchtflugel breit-keilformig, kurz, an der Basis kaurn verschrnalert, Rucken gerade oder nach auI3en gekriirnrnt; Friichte stumpfwinklig divergierend (vgl. A. mono MAXIM.; Sect. Plariznoidea PAX). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .