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    FORSCHUNGSJOURNAL SOZIALE BEWEGUNGEN 31. Jg. 1 -2 | 2018

    Editorial

    Zukunft der Demokratie

    Seit 30 Jahren erscheinen nun im Forschungs-journal Soziale Bewegungen Analysen zu Demokratie und Zivilgesellschaft. Das Journal entstand in einer Zeit, als die neuen sozialen Bewegungen in Westdeutschland die Demo-kratie grundlegend vernderten. Kurze Zeit spter forderte die Brgerrechtsbewegung in der DDR Demokratie ein und brachte damit das System zu Fall. Soziale Bewegungen und Zivilgesellschaft sind eng mit der Demokratie und ihrer Zukunft verbunden.

    Was vor 30 Jahren hoch aktuell war, ist es heute wieder. Wir beobachten in Deutschland, Europa und darber hinaus Strmungen zur Renationalisierung und einen Aufschwung rechtspopulistischer Mobilisierungen beide stellen die Demokratie grundlegend infrage. Damit gehen zum Teil shrinking spaces, also eine Einengung und Gefhrdung der zivilgesellschaftlichen Handlungsrume und ihrer Vo raussetzungen einher. Dies wird be gnstigt oder gar getragen durch Demo-kratieverdrossenheit, Demokratieablehnung oder auch Demokratieverachtung. Es mag dramatisch klingen, aber klar sollte sein: Es entscheidet sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten, wie berlebensfhig und stabil demokratische Strukturen sein knnen. Dies ist umso bedeutsamer, da sich im Zuge ungleicher konomischer, sozialer und kologi-scher Entwicklungen die gesellschaftlichen und politischen Spannungen weiter verschrfen.

    Die Frage nach der Demokratie und der Zukunft der Demokratie stellt sich also heute wieder mit groer Dringlichkeit; vielleicht dringlicher denn je. Das Forschungsjournal Soziale Bewegungen widmet seine Jubil-umsausgabe zum 30-jhrigen Bestehen der Zukunft der Demokratie in einem Doppelheft.

    Zum Themenschwerpunkt:Zukunft der Demokratie

    Den Auftakt machen Ralf Tils und Joachim Raschke. Die Autoren untersuchen die Bedeu-tung der Systemfrage der reprsentativen De-mokratie innerhalb strategischer Deutungs- und Handlungsrume der Parteien in Deutschland.

    Der Themenschwerpunkt Zukunft der Demokratie spannt einen weiten Bogen von der Demokratisierung der reprsentativen Demokratie ber die Zivilgesellschaft, den Zusammenhang von Wirtschaft, Technik und Demokratie bis zu Europa und der globalen Welt.

    Teil 1 vermisst die Herausforderungen einer Demokratisierung der reprsentativen Demo-kratie in drei Kapiteln. Den Auftakt machen kritische Bestandsaufnahmen und politische Analysen zum Zustand der reprsentativen Demokratie. Diese betreffen die aktuellen Herausforderungen (Gerd Mielke) und auch die Rolle wie auch das Verstndnis der Parteien in der reprsentativen Demokratie. Die Partei-en mssen offenbar ihre zivilgesellschaftliche Mittlerrolle ernster nehmen und teilweise neu entwickeln (Adalbert Evers/Claus Leggewie).

    Die neuen sozialen Bewegungen waren in der deutschen Nachkriegsgeschichte eher Produktivkrfte der Demokratie. Doch wie fllt eine Bilanz ihrer Demokratisierungsimpulse aus? Wie steht es um ihre eigene demokra-tische Verfasstheit? (Dieter Rucht) Welchen Einfluss haben soziale Bewegungen auf die Agenda politischer Konflikte? (Edgar Grande) Wie ist die Renaissance des Konzepts der Bewegungsparteien in Europa einzuscht-zen? (Karin Priester) Wie gehen Medien und ffentlichkeiten mit den Herausforderungen der Demokratie um? (Thomas Leif)

    Im 2. Kapitel von Teil 1 des Themenschwer-punkts geht es um die Legitimittsanforderun-gen der Demokratie in der globalisierten Welt.

    Welche Legitimittsbedingungen gelten fr demokratische Transformationen (Rainer Schmalz-Bruns) und welche Bedeutung hat das Verfahren der Zufallsauswahl in deliberativen Verfahren? (Hubertus Buchstein) Kann der

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    FORSCHUNGSJOURNAL SOZIALE BEWEGUNGEN 31. Jg. 1 -2 | 2018

    Editorial

    gesellschaftliche Zusammenhalt ber aufsu-chende Formate der Engagement- und Teil-habefrderung und ber soziale Brgerrechte gestrkt werden? (Ansgar Klein)

    Welche Bedeutung kommt der Men-schenrechtspolitik in einer globalen Welt zu? (Wolfgang Kahleck) Welchen Schutz bietet das Menschenrechtssystem in Zukunft fr die Millionen Menschen, die von Klimawandel und -flucht betroffen sind? (Michael Windfuhr) Wie gehen Demokratien mit Zuwanderung und Fremdheitserfahrungen um? (Herfried Mnkler) Welche Rolle spielt die Religion? (Thomas Meyer)

    Den konzeptionellen berlegungen schlie-en sich konkrete Handlungsvorschlge fr eine engagement- und demokratiepolitische Agenda an: etwa der systematische Ausbau der jungen Politikfelder von Engagement- und Demokratiepolitik mit der Strkung zivilgesell-schaftlicher Lernrume und Infrastrukturen (Ansgar Klein/Serge Embacher), die Einrich-tung einer Demokratie-Enquete-Kommission im Deutschen Bundestag (Roland Roth) und die mit einer Enquete-Kommission gut zu verbindende Strkung von Partizipation, de-liberativer Brgergutachten und Initiativen fr die offene Gesellschaft (Roman Huber/Anne Dnner sowie Andre Wilkens).

    Zivilgesellschaft in der Demokratie

    Teil 2 des Themenschwerpunkts behandelt Strukturen, Entwicklungen und Akteure der Zivilgesellschaft mit Blick auf demokratische Entwicklungen. Was bedeutet es eigentlich, von Zivilgesellschaft als Arena zu sprechen? (Gunnar Folke Schuppert) Wie stellen sich aktuell die Konturen und Entwicklungsdyna-miken der organisierten Zivilgesellschaft der Vereine, Verbnde und anderer gemeinntziger Organisationen dar (Holger Krimmer), welche Funktion haben zivilgesellschaftliche Watch-dog-Organisationen? (Rudolf Speth)

    Der Blick in die Organisationen der Zivil-gesellschaft hinein wirft weitere Fragen auf. Welche Rolle spielt Gewalt bei zivilgesellschaft-lichen Protestaktionen? Und welche Bedeutung

    haben die Medien und ihre Berichterstattung? (Simon Teune) Wie sieht die Teilhabe von Frauen in den Organisationen der Zivilgesell-schaft aus? (Annette Zimmer/Eckhard Priller) Welche Entwicklungen sind im Sport und v. a. bei den Sportvereinen zu beobachten und wie wirken diese sich auf ihr Verhltnis zu staatli-cher Frderung aus? (Sebastian Braun) Wie der Zugang von Jugendlichen zu Mitwirkung und Partizipation? (Klaus Farin)

    Die Kommune insbesondere die Heraus-forderungen mit Integration und Inklusion ist eine zentrale Handlungsebene zivilgesellschaft-licher Mitwirkung und Teilhabe. Was heit dies fr demokratische Stadtentwicklung (Konrad Hummel) und welche Bedeutung hat dabei eine demokratische Alltagskultur bis in die Wohnformen des gemeinsamen Lebens hinein? (Thomas Rbke)

    Wirtschaft, Technik und Demokratie

    Teil 3 des Themenschwerpunkts geht auf die Zusammenhnge von Wirtschaft, Technik und Demokratie ein. Die kologischen Probleme und die Technikentwicklung prgen auch die Demokratieentwicklung, etwa durch die Folgen des Klimawandels oder die Digitalisierung. Welche Rolle nehmen Gewerkschaften in der Demokratie ein? (Wolfgang Schroeder) Wie ha-ben sich durch die Digitalisierung Verstndnis und Praxis eines zivilen Ungehorsams unter den Bedingungen eines digitalen Ungehorsams verndert? (Erik Mlling) Was bedeutet eine wirkliche sozialkologische Transformation des Kapitalismus fr die Zivilgesellschaft? (Frank Adloff), was fr die Verbraucherkultur? (Kai-Uwe Hellmann) Welche Herausforderungen muss die Demokratie mit Blick auf die Ent-wicklungsdynamik von Technik bewltigen? (Thomas Saretzki) Wie weit geht die Techni-kentwicklung? (Roland Benedikter)

    Europa und die internationale Arena

    Teil 4 des Themenschwerpunkts richtet den Blick auf die europische und internationale Arena. In der global gewordenen und mul-

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    FORSCHUNGSJOURNAL SOZIALE BEWEGUNGEN 31. Jg. 1 -2 | 2018

    tipolaren Welt steht die Demokratie unter wachsendem Druck. Was bedeutet dies fr die Europische Union? (Ulrike Gurot) Die regionalistische Bewegung in Katalonien stellt zudem die Frage nach der Bedeutung fderalis-tischer Handlungsarenen in den nationalstaatli-chen Demokratien und der damit verbundenen Agenda in der EU Gefhrden soziale Defizite die Demokratie in der EU, fragen Thiemo Fojkar/Peter Backfisch. (Ulrike Liebert)

    Ein besonderes Augenmerk des Kapitels Europa gilt den Lndern Ostmitteleuropas, die seit Ende der 1980er-Jahre einen demokra-tischen Transformationsprozess durchlaufen haben. Doch fhrt das nach 1989 oft prokla-mierte Licht am Ende des Tunnels wirklich zu demokratischen Entwicklungen? Das Ver-hltnis von Eliten und Zivilgesellschaft hat sich jedenfalls stark verndert, die Zeiten sind rau geworden (Helmut Fehr). Knnen dennoch, gleichsam im Rckgriff auf die demokratischen Potentiale der damaligen Brgerbewegungen Ostmitteleuropas, auch heute wieder soziale Bewegungen die Demokratie retten? (Jochen Roose)

    Die globale Welt

    Der Themenschwerpunkt schliet ab mit Bei-trgen zu Demokratie und Zivilgesellschaft in der globalen Welt (Teil 5). Im internationalen Vergleich fllt ein differenzierter Blick auf die zivilgesellschaftlichen Entwicklungen (Rupert Strachwitz). Die Bedeutung einer Konzer-tierung der internationalen Zivilgesellschaft wchst (Burkhard Gnrig). Die Herausforde-rungen des Klimawandels sind nicht nur in der Staatenwelt kontrovers, sondern auch in der Zivilgesellschaft (Achim Brunnengrber/ Heike Walk). Ein wachsender, multikausaler Migrati-onsdruck stellt die Frage, wie sich Recht und politisches Handeln darauf einstellen werden (Klaus Grditz).

    Last, but not least: Donald Trumps Wahl zum US-Prsidenten hat fr die Analyse demo-kratischer Entwicklungen die Notwendigkeit eines guten Verstndnisses von Ausgangslagen, Hintergrnden und Dynamiken seiner auf nati-

    onale Interessen abstellenden Prsidentschaft verdeutlicht. Wie sieht es nach dem ersten Amtsjahr des Prsidenten mit Gegenkrften im eigenen Land aus (Claus Leggewie)?

    30 Jahre Forschungsjournal in eigener Sache

    Das Forschungsjournal hat schon frh seine Analysen nicht nur auf einzelne soziale Bewe-gungen gerichtet, sondern die ganze Brei

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