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  • Stefan Bauberger:

    Was wei die Wissenschaft?Wissenschaftstheorie

    Hochschule fr PhilosophieWintersemester 2003/2004.

    Version vom 16. Oktober 2003

  • Inhaltsverzeichnis

    Inhaltsverzeichnis 1

    1 Einfhrung 31.1 berblick ber die Vorlesung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41.2 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

    2 Sinnesdaten als Grundlage der Erkenntnis 72.1 Carnap: Methodischer Positivismus und Physikalismus . . . . . . . . . . . . . . . . 72.2 Begriffe: Empirismus, Positivismus, Physikalismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102.3 Operationalisierbarkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112.4 Empirische und nicht-empirische Erkenntnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

    3 Induktion, Verifikation, Falsifikation 183.1 Hume und die Kausalitt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183.2 Popper: Falsifikationismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183.3 Die empiristische Antwort auf Popper . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 243.4 Raffinierter Falsifikationismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 253.5 Grenzen des Falsifikationsmus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 283.6 Falsifizierbarkeit als Kriterium fr Theorien, . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 303.7 Bilanz und philosophische Reflexion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32

    4 Theorien 354.1 Lakatos und seine Forschungsprogramme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 354.2 Kuhn und seine Theoriendynamik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 374.3 Feyerabend und seine anarchistische Erkenntnistheorie . . . . . . . . . . . . . . . . 394.4 Theoretizitt von Begriffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 404.5 Theorien: Praktische Konsequenzen fr die Wissenschaft . . . . . . . . . . . . . . . 434.6 Theorien: Philosophische Reflexion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 434.7 Einfachheit von Theorien: Instrumentalismus oder Realismus? . . . . . . . . . . . . 444.8 Zusatzbemerkung: Paradigmen in den Geisteswissenschaften . . . . . . . . . . . . . 46

    5 Erklrung 485.1 Das Hempel-Oppenheim-Schema und seine Vulgarisierung . . . . . . . . . . . . . . 485.2 Erweiterung: Statistische Erklrungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 525.3 Probleme und Grenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 535.4 Erklren und Verstehen: Ein pragmatischer Ansatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . 555.5 Erklrung: Philosophische Reflexion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58

    5.5.1 Nebenbemerkung: Kausalitt in der Physik . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60

    1

  • 2 INHALTSVERZEICHNIS

    6 Konstruktivismus 626.1 Methodischer Konstruktivismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 636.2 Radikaler Konstruktivismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 666.3 Sozialer Konstruktivismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 686.4 Konstruktivismus: Praktische Konsequenzen fr die Wissenschaft . . . . . . . . . . 706.5 Philosophische Diskussion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71

  • Kapitel 1

    Einfhrung

    Was ist Wissenschaftstheorie?

    Die Frage der Wissenschaftstheorie ist, was Wissenschaft ist, v.a. wie sie funktioniert und was sieerkennt. Insofern die Wissenschaftstheorie selbst eine Wissenschaft sein will, wird die Frage zirkulr,denn es ist selbst eine Frage der Wissenschaftstheorie, was Wissenschaftstheorie ist.

    Zwei Positionen dazu, was Wissenschaftstheorie ist und kann, knnen die Weite der Fragestellungaufzeigen:

    1. Es gibt zwei Erkenntnisquellen, die grundlegend verschieden sind:

    empirische Erkenntnis (aus Sinnesdaten) und mathematisch/logische Analyse,

    wobei die letztere Methode nur auf analytische Erkenntnis fhrt, d.h. sie lehrt nichts ber dieBeschaffenheit der Welt. Daher besteht die einzige Aufgabe der Philosophie darin, ber dieMethoden der empirischen Wissenschaften zu reflektieren. Eben diese Reflexion ist Wissen-schaftstheorie, die daher auch die einzig sinnvolle Form von Philosophie darstellt.

    2. Wissenschaft ist ein soziales Phnomen. Innerhalb der Wissenschaft bilden sich verschiede-ne Fach- und Forschungsgebiete heraus. Jedes dieser Fcher und Gebiete ist durch gewisseFragestellungen und Denkanstze charakterisiert. Dabei kann der Zusammenhang ganz unter-schiedlich sein. Er kann sogar ein negativer sein, nmlich dass sich eine Generation von Wis-senschaftlern eines Forschungsgebietes gerade durch die Verneinung der Grundberzeugungenihrer Vorgngergeneration zusammenfindet. Eines dieser vielen Forschungsgebiete ist die Wis-senschaftstheorie, die sich traditionell als Gebiet der Philosophie versteht.

    Methode der Vorlesung

    Die Spannbreite der Anstze der Wissenschaftstheorie ist sehr weit. Eine rein historische Darstellungder Positionen trgt nicht viel zur Klrung bei. Eine berzeugung, die dem Aufbau dieser Vorlesungzugrunde liegt, ist aber, dass viele Anstze der Wissenschaftstheorie (auch wenn sich oft widerspre-chen), jeweils auf einer richtigen Intuition beruhen, die nur meistens in bertriebener Weise verabso-lutiert wird. Historische Betrachtungen haben daher einen groen Wert. Diese Vorlesung will einenmittleren Weg verfolgen zwischen einer historischen Darstellung der wissenschaftstheoretischen An-stze und einer systematischen Behandlung.

  • 4 KAPITEL 1. EINFHRUNG

    Nochmal: Was ist Wissenschaftstheorie?

    Wissenschaftstheorie, wie sie in dieser Vorlesung verstanden wird, ist eine kritische Auseinanderset-zung mit den empirischen Wissenschaften. Dazu gehren zwei wichtige Fragebereiche:

    Die Methoden der empirischen Wissenschaft Die Geltung der empirischen Wissenschaft

    Ein wichtiger Zugang zur Wissenschaftstheorie ist die Frage nach der Bedeutung und dem Geltungs-anspruch von Theorien.

    Wozu Wissenschaftstheorie?

    Wissenschaftstheorie wird in dieser Vorlesung mit zwei erkenntnisleitenden Interessen betrieben, dieden beiden dargestellten Fragebereichen entsprechen:

    Die Reflexion auf die Methoden der empirischen Wissenschaften dient einem praktischenZweck: Sie soll eine Hilfestellung liefern fr das Betreiben dieser Wissenschaften.

    Die Reflexion auf die Geltung der empirischen Wissenschaften wird als genuin philosophischeFragestellung aufgefasst. Insofern die Wissenschaftstheorie zur Klrung dieser Frage beitrgt,berhrt sie erkenntnistheoretische Fragestellungen der Philosophie.

    Wenn hier der Anspruch erhoben wird, dass die Wissenschaftstheorie auch einen praktischen Wert frdie Arbeit der empirischen Wissenschaften hat, dann kann das leider nicht ohne Klage stehen bleiben:Viele empirische Wissenschaftler interessieren sich in keiner Weise fr Wissenschaftstheorie. Und siehaben recht damit, denn in der Praxis wird Wissenschaftstheorie vielfach ohne jeden Bezug auf dieRealitt praktischer Forschung betrieben und verliert damit auch ihre Relevanz fr diese. In dieserHinsicht ist das Schicksal der Wissenschaftstheorie paradigmatisch fr das der Philosophie.

    1.1 berblick ber die VorlesungDer systematische Aufbau der Vorlesung orientiert sich weitgehend an der historischen Abfolge, inder die behandelten Konzepte entwickelt wurden.

    Anhand eines Textes von Carnap werden in Kap. 2 einige Ideen des Positivismus behandelt, diegrundlegend fr die Entwicklung der Wissenschaftstheorie sind. Diese Position ist ausdrcklich an-timetaphysisch. Daran schliet eine Darstellung des Konzepts der Operationalisierung von wissen-schaftlichen Begriffen an. Dies gehrt zum Bereich der Methoden der empirischen Wissenschaft. ZurFrage der Geltung von Erkenntnis wird die Frage nach dem Verhltnis von empirischer und nicht-empirischer Erkenntnis betrachtet.

    Kap. 3 widmet sich dem Induktionsproblem. Die methodische Frage, die sich daran anschliet, istdie nach dem Konzept der Falsifizierbarkeit als grundlegende Voraussetzung fr wissenschaftlicheHypothesen. Die systematische Frage ist die nach der Geltung von induktiver Erkenntnis.

    Das Kap. 4 beschftigt sich mit Theorien, insbesondere mit der Frage nach der Bedeutung und derGeltung von Theorien.

    In Kap. 5 wird der Begriff der wissenschaftlichen Erklrung kritisch analysiert.Die sehr verschiedenen Anstze, die als Konstruktivismus bezeichnet werden, stellt das Kap. 6

    vor. Diese Anstze fhren zu einer grundlegenden Infragestellung der Geltung von wissenschaftlicherErkenntnis.

    Als einstndige Vorlesung konzipiert, kann zu allen behandelten Themen nur ein elementarerberblick gegeben werden.

  • 1.2. LITERATUR 5

    1.2 LiteraturDas beste Buch

    Hans Poser: Wissenschaftstheorie. Stuttgart: Reclam 2001.

    Allgemein

    Alan F. Chalmers: Wege der Wissenschaft. Berlin 41999.Richard Boyd, Philip Gasper, J.D. Trout (ed.): The philosophy of science. Massachusetts 1991.Ian Hacking: Einfhrung in die Philosophie der Naturwissenschaften. Stuttgart 1996.Peter Janich: Kleine Philosophie der Naturwissenschaften. Mnchen 1997.Wolfgang Stegmller: Hauptstrmungen der Gegenwartsphilosophie. Bd. 1. Stuttgart 61978.Wolfgang Stegmller: Hauptstrmungen der Gegenwartsphilosophie. Bd. 2. Stuttgart 71986.Wolfgang Stegmller: Hauptstrmungen der Gegenwartsphilosophie. Bd. 3. Stuttgart 81987. (Es gibtauch noch einen vierten Band, der aber zur Wissenschaftstheorie wenig beitrgt.)Schurz, Gerhard: Erklren und Verstehen in der Naturwissenschaft. Mnchen 1990.

    Zum Nachschlagen

    Speck, Josef: Handbuch wissenschaftstheoretischer Begriffe. Bd. I-III. Gttingen 1980.Stegmller, Wolfgang: Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und Analytischen Philo

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