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Download Weihnachten 2015 kompakt - St. Markus / Elm Thema: Weihnachten Weihnachten in meiner Familie Von Hannelore

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    für die Pfarrverbände

    Dettum und Evessen

    2015 - 04

    Nehmt einander an, wie Christus Euch angenommen hat

    zu Gottes Lob Römer 15, 7 - Jahreslosung 2015

    Weihnachten 2015

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    Titelbild: http://www.hoheluft-magazin.de/2015/09/was-ist-flucht-von-der-realitaet-und-aggression-der-bilder/

    Liebe Leserin, lieber Leser,

    nun ist es bald soweit. Der 1. Dezember steht vor der Tür. Demnächst kann die erste Tür am Adventskalender geöffnet werden.

    Mit seinen noch geschlossenen Türen erinnert mich der Adventskalender aber auch in besonderer Weise an die verschlossenen Türen im menschlichen Miteinander. Wie oft schlagen sich Menschen gegenseitig die Türen zu und wol- len nichts mehr miteinander zu tun haben? Da werden Türen bei den Friedensver-

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    handlungen in den Krisengebieten dieser Welt zugeschlagen, die sich nur schwer wieder oder gar nicht mehr öffnen lassen und vielen Menschen die Heimat und sogar das Leben kosten. Auch in meinem Umkreis erlebe ich zugeschlagene Türen: Das kann bereits durch ein falsches Wort, eine falsch verstandene Geste oder eine Unachtsamkeit dem Anderen gegenüber geschehen.

    Die Adventszeit will uns aber dazu Mut machen, diese verschlossenen Türen zu öffnen. Eine gute Gelegenheit dazu bietet der Lebendige Adventskalender an, der in unseren Gemeinden in der Adventszeit begangen wird. Ganz unterschiedliche Men- schen kommen zusammen, um miteinander zu reden, zu hören und sich geistlich und körperlich zu stärken.

    Und indem wir diese Türen öffnen, begeben wir uns auf den Weg hin zum Weihnachtsfest. Denn die Botschaft von Weihnachten eröffnet uns die Mög- lichkeit, nicht nur die Türen am Adventskalender, sondern auch uns selbst für den Menschen neben uns mit seinen Sorgen und Problemen öffnen. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Beim Adventskalender werden ja auch nicht alle Türen zugleich geöffnet, sondern eine Tür nach der anderen. Dazu ist allerdings der Wille nötig, aus den vier Wänden der eigenen Gewohnheit und des "Wie-du-mir-so-ich- dir" herauszugehen. Dann können die Adventszeit und besonders das bevorstehende Weihnachtsfest zu einem Hoffnungsfest werden. Es ist dies die Hoffnung, dass sich die Türen unseres Herzens öffnen lassen und auch offen bleiben. Denn Gott hat mit der Geburt seines Sohnes im Stall von Bethlehem die Tür zu uns Menschen zuerst aufgestoßen.

    Gott kommt an jedem Weihnachtsfest in dem Kind in der Krippe neu auf uns zu. Dieses kleine Kind in erbärmlichen Verhältnissen geboren spricht uns auf eine besondere Weise an und kann uns gerade zu Weihnachten neue Erfahrungen mit uns selbst und mit den Menschen in unserer Umgebung eröffnen.

    In dieser Zeit denken wir besonders an die Flüchtlinge, die aus Ländern zu uns kommen, in denen die Türen des menschlichen Miteinanders nicht nur zuge- schlagen, sondern zerstört sind. Deshalb können wir uns für die Anliegen anderer Menschen öffnen, zugeschlagene Beziehungen wieder oder neu einen Spalt öffnen und aufeinander zugehen. Wenn wir uns auf diese Weise ansprechen lassen, dann kommt uns das Kind in der Krippe entgegen als der Heiland, der menschliches Leben wieder heil und ganz machen möchte!

    Eine gesegnete Adventszeit und ein friedvolles Weihnachtsfest mit vielen guten und heilsamen Erfahrungen wünscht Ihnen

    Ihr/Euer

    Pfarrer Hermann Meerheimb

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    n Weihnachten in meiner Familie

    Von Hannelore Plugge

    Wenn ich darüber nachdenke, können Unsere Weih- nachtstraditionen und -rituale nur aus den Erinnerun- gen meiner Kindheit resultieren, vermischt mit denen, die wir aus der religiös gesinnten Familie meines Man- nes übernommen haben.

    Meine frühesten Erinnerungen an das Weihnachtsfest beginnen mit meinem ach- ten Lebensjahr.

    Die Situation 1944 war eine besondere: Vater im Krieg, Mutter mit drei Kindern und schwanger aus Stettin evakuiert auf das Gut ihres Bruders in Hinterpommern. Wir spielten mit sechs Kusins und Kusinen in Haus, Hof, Feldern und waren von die- ser Freiheit begeistert. Von den Sorgen der Erwachsenen bekamen wir nichts mit.

    In der Adventszeit, zur sog. Dämmer- stunde, las unsere Großmutter uns gerne aus dem alten Godin´s Märchenbuch vor, wir sangen dann wohl auch Weihnachtslieder. Im Dezember lag Schnee, und ein harter Winter kündigte sich an – nicht nur große Kälte, auch politische Katastrophenstim- mung. Schon seit Wochen waren ständig durchziehend Flüchtlinge aus Ostpreu- ßen für ein, zwei Nächte zu Gast mit ihren Pferdewagen und wurden versorgt.

    Meine Tante hat Folgendes erzählt: Weihnachten stand vor der Tür. Wir hatten eine Kultur von Fichten als Weihnachtsbäume gepflanzt. Konrad ließ sie von den russischen Kriegsgefangenen schlagen. Er fuhr damit in die Stadt. Er kam gar nicht bis zum Markt. Sie wurden ihm vom Wagen gerissen. Niemand hatte noch an Tan- nenbäume gedacht. Wir selber wollten die schöne Blau- tanne aus dem Garten nehmen. Konrad würde nach dem Krieg wieder eine pflanzen. Wir hatten zehn kleine Kinder im Hause. Die Ältesten waren acht Jahre alt. Es musste Spielzeug gebastelt werden: Püppchen, Kasperle, Puppenstube mit Möbeln und vier Schlitten für die Älte- ren Die kriegsgefangenen Russen hatten aus abgeschab-

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    ten Wurzeln Wiege und Puppenwagen geflochten und anderes Spielzeug gewerkelt. Endlich brannten die Lich- ter, und der Jubel der Kinder übertönte alles andere. Wir hatten es warm, Holz, Kohlen und auch zu essen genug.

    Die schöne Blautanne erinnere ich bunt, mit Kugeln und Lametta. Süßigkeiten – kannten wir eigentlich nicht. Auch heute ist für mich Weihnachten ohne geschmückten und leuchtenden Tannenbaum undenk-

    bar. Zu den kriegsgefangenen Russen hatten auch wir Kinder ein sehr gutes Verhältnis. Sie kamen wie die Tagelöhner-Familien an Heilig Abend nach der Bescherung ins Gutshaus und brachten die beschriebenen Geschenke mit. Ein Stecken-Esel (nicht – pferd) hatte ein klappendes Maul. Faszinie- rend! Natürlich gab es auch für alle Gekom- menen Geschenke von der Familie des Guts- herrn. So lernte ich früh, an Weihnachten Besuch zu haben und Freude zu teilen. Das Weihnachts-Essen erinnere ich eigentlich nicht. Aber Tradition in meiner elterlichen Familie war immer Heringssalat mit Hüh- nerfleisch und Rote Beete in „königlicher Senftunke“ nach Helene Davidis´Rezept (historisches Kochbuch) und irgendwann auch Bockwurst mit Kartoffelsalat. Den Heringssalat biete ich auch noch jedes Jahr an. Helenes Senftunke habe ich allerdings vereinfacht. Weihnachtliche Gaben mag ich immer noch am liebsten selbstgemacht, individuell präsentiert und nicht zu üppig.

    Von all den erwähnten Spielsachen und sonsti- gen Geschenken wie Schlittschuhe für mich, konnten wir leider nur die kleinen Dinge behalten, denn Ende Januar 1945 verließen wir alle fluchtartig das Gut in Pommern in einem zum Wohnwagen umgebauten Gummiwagen auf einem Militärzug. Mit viel Glück fanden wir Ende März Unterschlupf bei einem Groß- onkel im Landkreis Goslar und erlebten dort 1945 ein etwas anderes Weihnachtsfest. Beengt mit elf Kindern, zwei Müttern und einer Großmutter, aber betreut von den Verwandten, wurde versucht, Traditionen und Rituale so weit wie möglich unter den Bedingungen der Nachkriegszeit zu pflegen: Die Märchen aus dem alten Buch zur Dämmerstunde, der geschmückte Tannenbaum, die Kekse, alles in einem noch größeren

    Der Onkel unserer Autorin, Ger- hard Pillmann hat diese Kind- heitserinnerung an die Flucht im Januar 1945 aus Gut Wiesenhof/ Pommern als Erwachsener gemalt. Der Schatten auf dem Schneefeld ist die wegsuchende Mutter. Oben links ist auf den zweiten Blick ein drohendes Gesicht mit Stahlhelm zu erkennen. In der Ferne Kriegs- geschehen. Vorne das Gutshaus und der abfahrende Fluchtwagen mit zehn Kindern, zwei Müttern, einer Großmutter und einer alten Tagelöhnerin.

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    n Verwandtenkreis mit der Familie meines Großonkels. Der Weihnachtsmann in Gestalt eines alten baltischen Barons kam mit einem Sack voller Geschenke, die er mit seinen erwachsenen Kindern für uns gebastelt hatte. Das war alles ähnlich wie zu Hause in Pommern.

    Allerdings lernte ich dort dann auch die christliche Bedeutung des Weihnachtsfestes kennen. Im benach- barten Pfarrhof übte Rudolf Otto Wiemer (später ein bekannter Schriftsteller) mit uns Krippenspiele ein, von denen ich begeistert war. Einige Weihnachtslieder bekamen für mich da erst einen Sinn. Ich lernte Flöte spielen und begleitete den Gesang der Familie.

    Auch heute ist mir ein bisschen Hausmusik zumin- dest am Heilig Abend wichtig. Der Weihnachtsmann spielt keine Rolle mehr, aber dafür das Christkind, der Geburtstag Jesu. Mit Christmette oder Vesper, dem Aufstellen der Krippe. Meine Familie öffnet zu Weih- nachten gerne die Tür für Menschen, die unsere Gast- freundschaft schätzen und auf unsere Tradition neu- gierig sind. Das waren bisher Viele aus vielen Ländern der Erde. Und immer ist es beglückend für uns alle.

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    Weihnachten in Eritrea Seit geraumer Zeit leben auch in unserer Gemeinde

    Evessen Menschen, di