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  • W E G E D E R F O R S C H U N G

    B A N D 564

    1981

    W I S S E N S C H A F T L I C H E B U C H G E S E L L S C H A F T

    D A R M S T A D T

  • W O R T B I L D U N G

    Herausgegeben von

    L E O N H A R D L I P K A

    und

    H A R T M U T G N T H E R

    1981

    W I S S E N S C H A F T L I C H E B U C H G E S E L L S C H A F T

    D A R M S T A D T

  • CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek

    Wortbildung / hrsg. von Leonhard Lipka u. Hartmut Gnther. Darmstadt: Wissenschaftliche Buch-gesellschaft, 1981.

    (Wege der Forschung; Bd. 564) ISBN 3-534-08128-5

    N E : Lipka, Leonhard [Hrsg.] ; G T

    1 234 5

    Universitts-Bibliothek Mnchen

  • I N H A L T

    Einleitung. V o n Hartmut Gnther und Leonhard Lipka . . . 1

    /. Allgemeine Beitrge

    {Jeher die Aufgaben der Wortbildungslehre (1896). Von Her-mann Paul 17

    Vierstufige Wortbildungslehre (1964). Von Leo Weisgerber . . 36

    Inhaltbezogene Wortbildung. (Betrachtungen ber 'Wort-nischen' und 'Wortstande') (1958). Von Walter Henzen . . 55

    Zum wechselseitigen Verhltnis zwischen Wortbildung und Syn-tax (1964). Von Milos Dokul i l 82

    Der kreative Aspekt in der Wortbildung (Originalbeitrag 1968/ 1979). V o n Wolfgang Mtsch 94

    Zur Lexikalisierung im Deutschen und Englischen (Originalbei-trag 1979). Von Leonhard Lipka 119

    //. Zusammensetzung

    ber das Wesen der sogenannten Wortzusammensetzung. Eine sprachpsychologische Studie (1900). V o n Karl Brug-mann 135

    Das Wesen der Wortzusammensetzung (1903). Von Hermann Paul 179

  • VI Inhalt

    Die Zusammensetzung im Deutschen (1956/57). Von Hennig Brinkmann 187

    Rezension von: R. B. Lees, The Grammar of English Nominali-zations. Second printing (1966). V o n Christian Rohrer . . . 200

    Analyse von Komposita mit zwei nominalen Elementen (1970). Von Wolfgang Mtsch 212

    Some General Observations About Nominal Compounds (1971). By Karl E . Zimmer 233

    N + N: Untersuchungen zur Produktivitt eines deutschen Wort-bildungstyps (Originalbeitrag 1979). Von Hartmut Gnther 258

    ///. Ableitung

    Determinatum und Determinans im abgeleiteten Wort? (1968).

    Von Hans-Martin Gauger 283

    Wortbildung und Nullmorphem (1969). Von Dieter Kastovsky 306

    Zur Typologie der Suffixentstehung (Franzsisch, Englisch, Deutsch) (1970). Von Gabriele Stein 324

    Some Remarks on the Action Nominalization in English (1970). By Bruce Fraser 357

    Zur Analyse von Nomina Actionis (1976). V o n Dieter Kastovsky 377

    Bibliographie 391

    Register 399 Namen 399 Sachen 402

  • O r i g i n a l b e i t r a g 1979.

    Z U R L E X I K A L I S I E R U N G I M D E U T S C H E N U N D E N G L I S C H E N *

    Von L E O N H A R D L I P K A

    1. Theoretische Grundlagen und Definitionen 1.1. Die Erscheinung der Lexikalisierung, die in der Wortbildung

    eine groe Rolle spielt, ist zu verschiedenen Zeiten nicht in gleicher Weise in der sprachwissenschaftlichen Forschung bercksichtigt wor-den. A n ihrer Behandlung lt sich die Dominanz der jeweils herr-schenden Auffassungen ablesen und demonstrieren. Gerade in jngster Zeit ist dies besonders deutlich, wo innerhalb generativer Sprachtheo-rien zunchst die Regelhaftigkeit und Produktivitt auch bei Wortbil -dungsprozessen im Vordergrund stand die sogenannte Transforma-tionalistische Hypothese was zur fast vlligen Nichtbeachtung der Idiomatizitt und Lexikalisierung in der frhen T G fhrte (vgl. Lipka 1974). Bereits in Chomskys >Aspects< (1965: 184192) wurde jedoch auf Unregelmigkeiten bei der Nominalisierung und "quasi-produc-tive processes" aufmerksam gemacht und fr Bildungen wie telegraph, horrify, frighten ein Verfahren der "internal computation" vorgeschla-gen. Die Betonung morphologischer und semantischer Irregularitten sowie bestimmter Produktivittsbeschrnkungen fhrte Chomsky (1970:188) schlielich zur Annahme der "lexicalist position", der soge-nannten Lexikalistischen Hypothese. Als besonders prgnante Darstel-lung dieses Ansatzes kann wohl JackendofT (1975) gelten. Diese H y p o -these hat in der gegenwrtigen Linguistik eine solche Popularitt ge-wonnen, da nun weithin Lexikalisierung und Unregelmigkeit in der Wortbildung wieder berbetont werden und die Wortbildung als Gan-zes vllig in das Lexikon verwiesen wird . Dessen Status ist dabei aller-dings recht unklar, genau wie derjenige von sogenannten Wortbi l -

    * F r wertvolle Hinweise zu einer frheren Fassung danke ich besonders

    D . Kastovsky.

  • 120 Leonhard Lipka

    dungsregeln oder Redundanzregeln zur Erfassung der offensichtlichen und nicht zu leugnenden Teilregularitten (vgl. JackendofT 1975: 650652, 664, 668f.). Die Tendenz herrscht vor, alle notwendigen phonologischen, morphologischen, syntaktischen und semantischen Informationen auch bei komplexen Lexemen in den Lexikoneintrag aufzunehmen, was im wesentlichen zu einer Auflistung fhrt. Der fol-gende Beitrag wi l l versuchen, dieser Tendenz entgegenzuwirken und bei aller Bercksichtigung von Einzelentwicklungen und idiosynkrati-schen Beispielen die Regelmigkeiten und die Mglichkeit der Ge-neralisierung auch in der Behandlung der Lexikalisierung nicht zu ver-nachlssigen. A u f die Stellung der Wortbildung in einer formalen Sprachtheorie, insbesondere einem synchronischen Beschreibungsmo-dell und damit ihrem Verhltnis zu Morphologie, Syntax, Semantik und dem Lexikon wird dabei nicht eingegangen werden, da es hierzu in jngster Zeit eine Flle von Stellungnahmen und Abhandlungen gibt. 1

    1.2.1. Unter Lexikalisierung verstehe ich die Erscheinung, da ein-mal gebildete komplexe Lexeme bei hufigem Gebrauch dazu tendie-ren, eine einzige lexikalische Einheit mit spezifischem Inhalt zu werden. Durch die Lexikalisierung geht der Syntagmacharakter in mehr oder weniger starkem Mae verloren. Syntagma wird hier im Sinne von Hans Marchand verwendet, der diesen Begriff von Charles Bally bernahm und jedes komplexe Lexem als Resultat von Wortbildungsprozessen, als aus einem Determinans und einem Determinatum bestehend, auffat. Lexikalisierung wird als gradueller Vorgang verstanden, der nur dia-chronisch erklrbar ist. Er berlagert generalisierbare Wortbildungs-prozesse. Das Resultat dieses Vorgangs, der Zustand von Lexemen, die synchronisch gesehen mehr oder weniger stark davon erfat sind, kann in Anlehnung an den manchmal verwendeten Begriff der Wortge-bildetheit" als Lexikalisiertheit" bezeichnet werden.

    1.2.2. Der Terminus Lexikalisierung wird gelegentlich mit Idiomati-

    1 V g l . hierzu insbesondere den einleitenden berbl ick in Brekle/Kastovsky

    (1977: 717) und die Beitrge dieses Sammelbandes; ferner Kastovsky (1978)

    und die dort (353) aufgefhrten Aufstze von Brekle, Dressler, M t s c h , Ka-

    stovsky, Stein; sowie zur Lexikalisierung als synchronisches Problem Lipka

    (1977: 162 f.).

  • Lexikalisierung im Deutschen und Englischen 121

    sierung und Demotivierung gleichgesetzt.2 Manche Autoren sprechen auch von Verdunklung oder petrification.3 Gnther (1974: 36 f.) unter-scheidet zwischen Idiomatisierung als semantische und Demotivierung als formale Isolierung eines Syntagmas und bezeichnet mit Lexikalisie-rung die Kombination beider Erscheinungen. Nach meiner Auffassung sind beides Aspekte der Lexikalisierung, die getrennt vorkommen kn-nen. Idiomatisierung ist ein Proze der semantischen Vernderung von Syntagmen, der sowohl komplexe Lexeme als auch syntaktische Grup-pen (wie z. B. schwedische Gardinen, kick the bucket 'sterben') erfassen kann, und dessen Resultat ein mehr oder weniger hoher Grad an Idio-matizitt ist. Dieser kann durch Verlust oder Hinzufgung semanti-scher Merkmale erklrt werden. Die Idiomatisierung ist hufig eine Folge der Lexikalisierung. Unter Demotivierung, d. h . dem Verlust der Motivation oder besser Motiviertheit eines Syntagmas, verstehe ich das Schwinden des Zeichencharakters einer oder mehrerer seiner Konstituenten. Dies kann durch sprachliche wie durch auersprachli-che Vernderungen geschehen. Die Demotivierung ist nicht mit dem Verlust der Analysierbarkeit gleichzusetzen. So sind z . B . Uhrmacher und blackboard heute nicht mehr voll motiviert, dennoch aber klar ana-lysierbar. Kastovsky (1981: 5.2.10.) pldiert fr eine weite Definition von Lexikalisierung, wobei das Kriterium der Gebrauchshufigkeit keine Rolle spielt. Idiomatisierung und Demotivierung. fat er als Symptome und Unterarten des Lexikalisierungsprozesses auf. Er ver-

    2 V g l . Lipka (1972:76); Lipka (1977:155); D o w n i n g (1977: 819822). In der

    Generativen Semantik dient lexicalization dagegen zur Bezeichnung der Erset-

    zung einer Konfiguration semantischer Elemente durch ein Lexem. O b w o h l

    beide Verwendungen dieses komplexen Lexems die in der Wortbildung und

    die in der Generativen Semantik bliche von einem zugrundeliegenden Satz

    abgeleitet werden knnen, m u die letztere wohl als Einzelprgung" (s.u.)

    verstanden werden. 3 V g l . Leech (1974: 226): "the whole process by which an institutionalized le-

    xical meaning diverges from the 'theoretical' meaning specified in a lexical rule

    may be termed petrification (a term which, I hope, will suggest both the 'solidify-

    ing' in institutional form of a lexical entry, and the 'shrinkage' of denotation

    which often accompanies this process)". Als Beispiele nennt Leech wheel-chair

    mit dem zustzlichen Element [ F O R I N V A L I D S ] im Gegensatz zupush-chair

    [ F O R I N F A N T S ] , die beide Flle von Bedeutungsverengung darstellen.

  • 122 Leonhard Lipka

    steht unter Lexikalisierung weiter noch eine inhaltliche und gegebe-nenfalls auch formale Fixierung eines Wortbildungssyntagmas", die da-fr verant

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