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  • ventuno 02 2013INTERVIEW Marianne Candreia, Helvetas | Hans Gisler, Wasserwelten Gschenen

    BNE mit WasserSteter Tropfen hhlt den Stein

    ducation21: Worum geht es bei Bildung fr Nachhaltige Entwicklung (BNE) und wie kann die Schule mit der Be-handlung des Themas Wassers einen Beitrag dazu leisten?Hans Gisler: Bei BNE geht es nicht darum, Wissen in die Kpfe der Schler/-innen einzuspeisen, sondern sie in ihrer Kompe-tenzentwicklung soweit zu untersttzen, dass sie Wissen ent-sprechend verarbeiten und anwenden knnen. Es gilt, Kinder und Jugendliche in Staunen zu versetzen und ihr Interesse an einer Auseinandersetzung mit einem Thema zu wecken.Marianne Candreia: Das Thema Wasser eignet sich dafr ganz besonders. Es berhrt und stsst zum Nachdenken an. In der Schweiz haben wir beinahe in jedem Zimmer Zugang zu saube-rem Trinkwasser und sind diesbezglich sehr privilegiert. In grossen Teilen der Welt ist die Realitt ganz anders. Diese Fest-stellung kann als Ausgangspunkt dienen.

    21: Wenn Sie Schler/-innen nach Assoziationen zum Thema Wasser befragen welche Antworten kommen da? Wo geraten Kinder und Jugendliche alltglich mit Wasser in Berhrung?H.G.: Zuhause, beim Duschen, Trinken, Toilette splen...M.C.: Beim Kochen, Abwaschen, Pflanzengiessen, Tiere mit Wasser versorgen. Mit meinem Bildungsangebot setze ich bei der Lebensrealitt der Schler/-innen an und lasse sie dann schtzen, wie viel Wasser sie tglich verbrauchen.H.G.: Zum Nachdenken anregen knnen auch klassische Was wre, wenn...- Fragen. Was wre ihnen nicht mglich, htten sie gar kein Wasser resp. kein sauberes Trinkwasser zur Verf-gung?M.C.: Einer Hauswirtschaftsklasse habe ich einmal sprichwrt-lich den Wasserhahn zugedreht. Die Schler/-innen hatten nur

    Marianne Candreia ist Bildungsverantwortliche bei Helvetas und macht Schulbesuche zum Thema Wasser. Hans Gisler ist Primarlehrer und begleitet Schulklassen bei ihren Exkursionen auf dem Erlebnis- und Bildungspfad Wasserwelten Gschenen. ducation21 traf sie zum gemeinsamen Gesprch ber unterschiedliche Schulangebote zum Thema Wasser.

    Wasser

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    eine begrenzte Menge Wasser zur Verfgung und mussten damit auskommen, ungefhr so wenig, wie Familien in Entwicklungslndern zur Verfgung steht. Fr die Schler/-innen war das eine eindrckliche Erfahrung.

    21: Mit Wasserwelten Gschenen gehen Sie mit den Schler/-innen raus in die Na-tur. Wre eine Behandlung des Themas Wasser im Klassenzimmer vom Aufwand her nicht effizienter?H.G.: Theoretisch schon. Aber in Tat und Wahrheit ist die Natur ein riesiges Schulzim-mer. Vieles lsst sich ganz konkret und ein-drcklich zeigen, z.B. das Abschmelzen der Gletscher. Kinder und Jugendliche brauchen Zeit und Raum, um die Umgebung selber er-kunden zu knnen. Steine anfassen, Fsse im Bach baden, frisches Gletscherwasser trinken sind unmittelbare Erlebnisse, die die Kinder auf die Auseinandersetzung mit dem Thema Wasser vorbereiten. Vertiefend geht es mir vor allem darum, den Schler/-innen aufzuzeigen, dass alltgliche Handlungen Fol-gen haben: Durch einen sorgsamen Umgang mit Trinkwasser bernehmen die Jugendlichen eine Mitverantwortung, denn ge-ngend und sauberes Wasser ist eine wertvolle Ressource, die nicht allen Menschen zugnglich ist.

    21: Helvetas hingegen macht ihre Schulbesuche direkt im Klassenzimmer. Kann man fremde Lebensrealitten auf diese Art berhaupt vermitteln?M.C.: Oft bauen Lehrer/-innen meinen Besuch in ein grsseres Schulprojekt ein, z. B. in einen Thementag oder als Startanlass in eine Wasserwoche. Whrend solcher Projektwochen werden jeweils die verschiedensten Aspekte des Wassers thematisiert. Mein Besuch kann Schler/-innen Tren zu anderen Welten und Lebensrealitten ffnen. Natrlich kann ich die Jugendlichen nicht physisch nach Mozambique mitnehmen. Ich arbeite aber mit Hilfsmitteln wie Fotos und Filmausschnitten. Persnlich habe ich die Mglichkeit, mir vor Ort ein Bild von der Wassersi-tuation in Entwicklungslndern zu machen. Bei Schulbesuchen verwende ich meine eigenen Fotos. Dadurch kann ich Authenzi-tt vermitteln und hier erzhlen, was ich dort erlebt habe. Was-serholen ist eine praktische Erfahrung, die ich den Schler/-in-nen ansatzweise erfahrbar machen kann. Ich stelle ihnen verschiedene Arten des Wassertragens vor und lasse sie diese mit entsprechenden Behltern ausprobieren.

    21: Wie muss man sich die Zusammenarbeit zwischen Lehrperson und schulexternen Bildungsanbietenden kon-kret vorstellen? Wie verstehen Sie Ihre jeweiligen Aufga-ben?H.G.: Als Lehrer/-in kann ich mir zu einem bestimmten Aspekt eine aussenstehende Fachperson holen. Das sorgt nicht nur fr Abwechslung, sondern auch fr Expert/-innenwissen und eine andere Art der Unmittelbarkeit. Die Aufgabe der Lehrperson ist

    es, den Besuch entsprechend vor- und nachzubereiten sowie Querbezge herzustellen.M.C.: Meist sind Schler/-innen durch ihren regulren Unter-richt mit definierten Lehrzielen bereits auf meinen Besuch vor-bereitet. Meinen Schulbesuch sehe ich als ergnzenden Teil zum regulren Unterricht. Er lsst die Schler/-innen ber das Lo-kale hinausblicken, in andere Lebensrealitten dieser Welt.

    21: Warum ist es so wichtig, ausserschulische Bildungs-angebote gut in den regulren Unterricht einzubetten, d.h. entsprechend vor- und nachzubereiten?M.C.: Der Nhrboden muss vorbereitet werden, damit die Schler/-innen berhaupt die Relevanz des Themas fr sich er-kennen knnen. Warum brauchen wir Wasser zum Leben? Was heisst es, wenn Teilen der Bevlkerung der Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt wird? Aufgabe der Pdagog/-innen ist es, Schler/-innen beim Erkennen von Zusammenhngen zu unter-sttzen, damit sie logisch kombinieren lernen und Verknpfun-gen selber herstellen knnen.H.G.: Bildung fr Nachhaltige Entwicklung fliesst immer wie-der in verschiedene Themen des Unterrichts ein. Dabei machen riesige Informationsblcke, die Schler/-innen beinahe erschla-gen, wenig Sinn. Niemand giesst eine Pflanze in einem Schwall mit dem Inhalt einer grossen Giesskanne. Nur eine angepasste Dosierung und eine regelmssige Bewsserung lsst sie nach-haltig gedeihen.

    Weitere Informationen finden Sie unterwww.helvetas.ch/de/was-wir-tun/schulewww.wasserwelten.ch/wassererlebnis

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    Editorial

    Liebe Leserin, lieber Leser

    bers Essen kann man meinetwegen reden, aber ohne trink-bares Wasser ist bei uns Menschen nach sptestens drei Ta-gen Schluss. Damit ist Wasser ein perfektes BNE-Thema, denn Nachhaltigkeit bedeutet ja genau das: ohne intakte na-trliche Lebensgrundlagen gibt es kein menschliches Leben. Fr Sie ist dies eine gute Nachricht, denn was immer Sie fr ein Thema whlen: es ist mit hchster Wahrscheinlichkeit Wasser drin, und also BNE. Und damit auch: Globale Gerech-tigkeit. Nur 1 % aller Ssswasserreserven stehen uns fr menschlichen Gebrauch zur Verfgung. Dass bereits 40 % der Weltbevlkerung von Wasserknappheit bedroht sind, hngt nicht von einem tropfenden Wasserhahn ab, sondern von un-serem Lebensstil, der berall auf der Welt Wasser trinkt: 70 % des Ssswassers werden fr Bewsserung, 20 % fr in-

    Anregungen fr den Unterricht Unterstufe 45 Mittelstufe 67 Oberstufe 89 Sek II 10Unterrichtsmedien zu Wasser 1112Neu im Sortiment 1314Aktivitten und Agenda 15Seitenblick 16

    Inhalt

    Was bietet Ihnen ventuno?

    Dieses Piktogramm verweist auf Unterrichtsme-dien mit zustzlichen Arbeitsblttern, pdagogi-schen Dossiers, Abbildungen, Aktivitten usw.

    Mit dem Bestelltalon in der Mitte dieses Heftes knnen Sie die empfohlenen Unterrichtsmedien bestellen oder uns Ihre Wnsche mitteilen.

    Gerne beraten und bedienen wir Sie in unserer Verkaufs- und Ausleihstellen Bern und im Lern-medienshop Zrich.

    Den vollstndigen Katalog empfohlener BNE-Un-terrichtsmedien finden auf www.education21.ch (Link zum SHOP auf der Startseite).

    1. Eine Auswahl von Unterrichtsmedienducation21 beurteilt aktuelle Unterrichtsmedien im Be-reich Bildung fr Nachhaltige Entwicklung (BNE) und macht sie den Schulen zugnglich. Lehrerinnen und Lehrer finden bei uns theoretische, methodische und praktische Grund-lagen und empfohlene Unterrichtsmedien fr die verschie-denen Schulstufen.

    Damit wollen wir zu einem kompetenzorientierten Unter-richt beitragen, der auf einer Gesamtsicht der Welt beruht und offen ist fr Interdisziplinaritt. Die Schlerinnen und Schler lernen, sich Fragen zu stellen und verschiedene Perspektiven einzunehmen, was eine weltoffene, partizi-pative Haltung frdert.kologie, Menschenrechte, Ernhrung, Nord-Sd-Bezie-hungen, Energie, fairer Handel und Gesundheit sind zent-rale Themen einer Bildung fr Nachhaltige Entwicklung. Die Rubrik Neu im Sortiment zeigt Ihnen eine Auswahl von neuen Medien aus unserem Katalog.

    Die Praxis-Zeitschrift ventuno setzt pro Ausgabe einen Themenschwerpunkt und stellt zu diesem BNE-Angebote fr die Unterrichtspraxis vor, aktuell zum Thema Wasser.

    2. Anregungen fr den UnterrichtFr jede Schulstufe finden Lehrerinnen und Lehrer Anregun-gen, wie das Thema Wasser im Unterricht umgesetzt werden kann. Eine Aktivitt, ein Lehrmittel oder einer Methode ste-hen dabei im Zentrum. Ergnzend werden Unterrichtsmedien vorgestellt, die sich zur Vertiefung eignen die und unter-schiedliche Arbeitsmethoden ermglichen. Die Rubrik Was-ser beinhaltet eine Auswahl empfohlener Medien aus unse-rem Sortiment, die das Thema weiterfhrend beleuchten.

    dustrielle Produktion und nur 10 % privat verwendet. Und da sind Sie mitten im Schulzimmer oder auf dem Parkplatz davor: allein der Stahl in einem Auto bentigt 300 000 Liter Wasser, ein Hemd aus Baumwolle 2650 Liter, ein saftiges Steak 5000 Liter und eine einzige Tasse Pausenkaffee 140 Liter. Oder, speziell pikant: um den Plastik fr eine Pet-Wasserflasche herzustellen, braucht es doppelt soviel Wasser, wie die Fla-sche danach fasst.BNE betreiben heisst also, sich den Realitten dieser Welt zu stellen und fr diese Herausforderungen Lsungen zu su-chen, ohne sich dabei in