Verteilung und Wirkung von Photooxidantien im Alpenraum

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<ul><li><p>Tagungsberichte Photooxidantien / Neurotoxikologie </p><p>Tagungsberichte </p><p>Verteilung und Wirkung von Photooxidantien im Alpenraum </p><p>- In te r n a t i o n a l e s S y m p o s i u m G a r m i s c h - P a r t e n k i r c h e n , 1 1 . 4 . - 1 5 . 4 . 1 9 8 8 " </p><p>Ziel des Symposiums war es, den derzeitigen Kenntnisstand zu erfas- sen und weitere Forschungsfelder zu definieren. Rund 200 Wissen- schaftler und Vertreter von Ministerien, Beh6rden und Landesfim- tern aus Osterreich, Italien, Liechtenstein, Jugoslawien, Frankreich, der Schweiz und Bayern diskutierten die wesentlichen Aspekte dieser hochaktuellen Problematik. Es lassen sich die folgenden Ergebnisse schwerpunktartig hervorheben: </p><p>1. In weiten Teilen der Alpenregion wurde festgestellt, dat~ die Waldsch~iden - auf allerdings hohem Niveau - gleichgeblieben sind. Dabei werden die Sch~iden s/idlich des Alpen-Hauptkamms (S/idtirol) deutlich niedriger eingesch~itzt als n6rdlich des Alpen- hauptkamms (Tirol und Bayern). </p><p>2. Beobachtet wurde ferner, dag die Sch~iden deutlich vonder H6he abhSngig sind; auff~illig ist die Schadensentwicklung in h6heren Lagen. </p><p>3. In allen Regionen, in denen Ozon als Leitsubstanz f~r Photooxi- dantien gemessen wird, war eine langsame, aber stetige Zunah- me des bodennahen Ozons zu beobachten. Vermutet wird, dal~ dieser Anstieg im verst/irkten Auftreten der VorlS.ufersubstanzen des Ozons, den Stickstoffoxiden und Kohlenwasserstoffen, be- grflndet liegt, die durch menschliche Aktivitfiterl in die Umwelt gelangen. Als Quellen wurden Verkehr, Industrie, Gewerbe und Kleinanwender (z.B. yon 16semittelhaltigen Produkten) genannt. Photooxidantien sind eine Gruppe sehr reaktionsfreudiger Ver- </p><p>bindungen, die in hohem Matge geeignet sind, Pflanzen zu schfidigen. Der Anstieg der Ozonkonzentration l~iRt vermuten, dal~ auch andere Verbindungen dieser Stoffklasse zunehmend auftreten und zu den beobachteten Sch~iden beitragen. </p><p>Die Untersuchungen in den verschiedenen Lfindern haben gezeigt, datg Photooxidantien in vielf~ltiger Weise das Pflanzenwachstum scMdigen k6nnen. Das beginnt bei der Sch~idigung der ~iugeren Schutzschicht der Nadeln und Blfitter, der sog. Kutikula, und der Spalt6ffnungen, die dem Gasaustausch der Pflanzen dienen und setzt sich fort im Pflanzeninneren. Bei lDberschreitung der Entgiftungska- pazitfit der Pflanze werden VorgSnge der Pflanze beeintrfichtigt, die den Stoff- und Energiehaushalt steuern; dies kann massive Sch/iden ausl6sen. </p><p>Obgleich noch nicht alle Einzelheiten der Ursache-Wirkungsbezie- hungen bekannt sind, bleibt festzuhalten: Die Schadensph~inomene und die Schadensverteilung deuten darauf hin, dal~ Photooxidantien einen wesentlichen Beitrag zu den beobachteten Sch~den im Alpen- raum liefern. Deutlich wurde aber auch, da~ noch erhebliche For- schungsanstrengungen notwendig sind, um das Geschehen in allen Einzelheiten aufzukl~iren. </p><p>* Veranstaltet yore Bayerischen Staatsministerium ffir Landesm~twicklung und Umweltfragen, M/inchen, der Projektgruppe Bayern zur Erforschung der Wirkung yon Umweltschadstoffen der GSF Miinchen/Neuherberg so- wie dem Fraunhofer-Instimt for Atmosph/irische Umweltforschung, Garmisch-Par tenkirchen, </p><p>Neurotoxikologie </p><p>- Interdisziplin~ire Aspekte </p><p>Anfang September 1988 fand auf Schlof~ Mickeln in Dfisseldorf die oben genannte dreitfigige Kleinkonferenz statt, zu der das Medizini- sche Institut fiir Umwelthygiene an der Universitfit Dfisseldorf rund 30 Wissenschaftler aus Deutschland, den Niederlanden, Grol~bri- tannien, Italien, Spanien, Skandinavien und den USA eingeladen hatte. Diese Tagung batte den Zweck, Experten verschiedener Fach- richtungen, Arbeitsmediziner, Toxikologen, klinisch t~tige Neuro- physiologen und Neuropsychologen, die sich mit den sch~idigenden Wirkungen yon Substanzen in der Umweit und am Arbeitsplatz auf das Nervensystem befassen, zu einem Austausch von Ideen und Er- gebnissen zusammenzubringen. Neben den Vortrfigen wurden Un- tersuchungsmetboden, z.B. Verhaltenstests oder das Arbeiten mit Gehirnschnitten und Nerv-Muskel-Pr/iparaten, praktisch vorgeffihrt. </p><p>Das relativ junge Gebiet der Umwelmeurotoxikologie baut auf den langjS.hrigen Erfahrungen aus der Arbeitsmedizin auf. Es mfissen je- doch die grundlegenden Unterschiede zwischen den Bedingungen am Arbeitsplatz und in der Umwelt ber/icksichtigt werden: Der Ar- beitsmediziner befat~t sich 6blicherweise mit gesunden Erwachse- nen, die f/Jr die Dauer der Arbeitszeit einzelnen oder wenigen genau bekannten Substanzen ausgesetzt sind. In der Umwelt haben wires dagegen mit der gesamten Bev61kerung zu tun - Alte, Kranke, Schwangere und Kinder eingeschlossen - , und die Belastung erfolgt durch ein Gemisch aus einer Vielzahl yon Stoffen in niedrigeren Konzentrationen als am Arbeitsplatz. Aus diesem Grunde kann man </p><p>unter Umweltbedingungen selten deutliche Wirkungen, die einer be- stimmten Substanz zuzuschreiben sind, nachweisen. Daher ist es wichtig, neue Methoden zu erarbeiten und empfindliche diagnosti- sche Kriterien zu entwickeln. Zu diesem Ziel sollte das Symposium beitragen. </p><p>Wichtige Tbemen der Konferenz betrafen 1) die Problematik blei- bender Hirnsch~.den nach langjfihriger L6sungsmittelbelastung am Arbeitsplatz sowie 2) M6glichkeiten des Nachweises yon Verhal- tensst6rungen dutch eine nut vorgeburtliche Chemikalienbelastung. Im ersten Falle wurden die unterschiedlichen Befunde und Bewer- tungskriterien skandinavischer und deutscher Arbeitsmediziner me- thodenkritisch diskutiert (in Skandinavien sind toxische HirnscMden h~iufig diagnostizierte Berufskrankheiten, in Deutschland dagegen nicht). Im zweiten Falle wurden tierexperimentelle Befunde (iber Verhaltensst6rungen nach vorgeburtlicber Belastung tier Mutter durch Blei und Quecksilber vorgetragen und mit biochemischen Methoden gezeigt, da~ hierfiir Fehlverschaltungen vor Nervenzellen in den fr~ihen Stadien der Hirnreifung verantworttich sein k6nnen. </p><p>Dr. Katharina Beyen Med. Institut fiir Umwelthygiene Universitdt D~sseldorf </p><p>UWSF-Z. Umweltchem. Okotox. (1989) 1 5 5 </p></li></ul>

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