sprachliche entwicklung als expansion und reduktion 1999

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  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    1/45

    R, ;-

    ,Es ist auscinür.

    (Tonnies Fenne's U ^

    Manual of Spoked Rittsúin. Piko* 160/

    SPRACHLICHE ENTWICKLUNG

    ALS

     EXPANSION UND REDUKTION

    Volkmar Lehmann, Hamburg

    1. Entwicklung

    1.1. Beschreibung und Rekonstruktion von Entwicklungen

    1.2. Expansion und Reduktion

    1.2.1. Begriffsbestimmungen

    1.2.2.  Wandel = Expansion + Reduktion

    1.2.3. Beispiel: Entwicklung der Komparation im Russischen

    1.3. Entwicklungsschritte und -prozesse

    1.3.1. Entwicklungsschritte

    1.3.2.

      Kontinuierliche Entwicklungen

    1.3.3. Abgeschlossene Entwicklungsprozesse

    1.3.4.

      Entwicklungspfade, Entwicklungstendenzen

    1.4. Expansion von Metaphern und lexikalische Polysemie

    1.4.1. Singuliirc und generalis ierte Metaphern

    1.4.2.  Delexikalisierung der Staniiardhedeutung

    2.  Die vier grundlegenden Veränderungsaspekte

    2.1.  Die Veränderung von Inventar und Kombinatorik

    2.2.

      Veränderung von Einheiten, Kategorien. Systemen

    2.3 .  Veränderung im Fonn-Funktionsverhültnis

    2.3 .1.

      Arten der lexikalischen Expansion

    2.3.2. Kristallisierung und Repartition

    2.4. Veränderung von lexikali schem und Grammatischem

    3.  Expansion und Rcduklion in der Entwicklung von Tempus und Aspekt im Russischen

    3.1.  Zum Begriff der nrumnialikalisierting

    3.2. Tempus: Von (Aspekt-)Tcmpoia  m  Asptkt-Tcmpus-Katcgonen

    3.3.  Aspekl: Von flektivischen Aspekltcmpora

      г и т

      dcr ival ionalen

      Aspekt

    .S.

     Mnviir XIXVII,

      s.v.

      nitvilisjn;

      das Vcrh wini im Allruss., wie diesem

      Wörtnb ,

    und dem von Srczncvskij zu enlnehmen ist, nur konkret v r n n W . lyri sche r« eise nil

    Sclit.fmi llcn als Ohjekl bezogen; s. dazu nm-li I I

    -

      '' 'Wim,/mi.

      Simi, hli.hr liiimMimc

      ,i/.t

     £\п т я

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    2/45

    VOLKMAK LEHMANN

    Entwicklungen

    4 . 1 .  Zum

     Begriff der I n K l W m g

    4 . 2 .

      Fmi lm«* ^ Operationen (TO)mxllcxikahjct e Konzepte

    4 3  FOaU Regeln zur Veränderung von Explikationen

    4 4  EinOumut kann durch allemative FO 

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    3/45

    1 7 2

      VOLKMAR LEHMANN

      ,

    Wicklungsprozesse modelUert Dabei wird der synchrone Zustand einer Einheit

    oder Kategorie zu Beginn und am Ende des Prozesses und - soweit möglich -

    der Verlauf dazwischen rekonstru iert. Der Anfang kan n als Inp ut, da s Ende als

    :

      Output der Rekonstruktion gesehen werden.  ' ' '

    '

      '

      Die Rekonstruktion von Entwicklungen ist damit das HauptstUck der

    Rekonstruktion sprachlicher Objekte überhaupt. Die Rekonstruktion der Ent-

    1

    ?

    Wicklung einer sprachlichen Einheit, einer Kategorie oder eines Systems im-.^

    pliziert deren synchrone Rekonstruktion. Synchrone Rekonstruktion verstehe О

    ich  als .Analyse durch  Synthese": Ein Wort, ein Satz, ein T ext etc. wird da

    durch

     an alysiert, dass sein

     Zustandekommen

     modelliert wird als

      Kombinatio

    nen

      von  Einheiten  eines sprachlichen Inventars.  D ie M odel lierung  von In

    ventar

     u nd  Kombinatorik einer Sp rache  erfassen die

      synchrone

      Komponente

    ihres „ Systems".

      r

      )

      f'rctac^

      S&*t~.Ç&.~  £>ь \

      * \ C U L A ^ / ^

    Synchrone R ekonstruktion   un d Rekonstruktion  de r

     E ntwicklung

      können

    über die Ermittlung dessen geschehen, was die Prager Linguistik als Dyna-

    mik bezeichnet hat. Zugrunde liegt diesem Begriff die Auffassung von der

    Sprache als einem System, das sich immer in der Entwicklung befindet und

    das nur unter diesem Vorzeichen richtig verstanden werden kann. Eine ähn-

    liche Erkenntnis von Sprache als sich entwickelndes Entwicklungsprodukt

    manifestiert sich

     in

    der aktuellen Wendung von der „Diachronie

     in

    de r

    Synchronie".

    1.2. Expansion und Reduktion

    1.2.1. Begriffsbestimmungen

    In der Sprache finden ständig Expansionen und Reduktionen im Inventar in

    g  ) ™ta

    a

    tó T

    ш

     *******

      v o n

     Bedeutungen  (den  Referenzmen

    t e m iö ď e r "V  ь   """• '

     d i e

    K om

    b m a t i o n

    S

    b ed i n g u n g en ,  d ie Ex

    v

     âcax***

    Von d,e»en

     G rundbegriffen

      können

      abgeleitet werden:

    SPRACHLICHfcENTWICKLUNO ALS EXPANSION  UN D

     REDUKTION

      173

    Z

      •   E n t s t e h u n g /   H e r a u s b i l d u n g

    2

    :  D as  I n ve n ta r ,  d ie  Komb i na

    t ionsbedingungen etc . wird expandiert v on  Nul l au f n .

    ^\

      •

      S c h w u n d :  D a s

     I n ve n ta r,

      d ie  Kombinat ionsbedingungen  etc. wird

    * — •   reduziert v o n n a u f

     N ul l.

    W a n d e l

      ( S u b s t i t u t i o n ) :

      D as

     Inventar ,

     d ie

      Kom b i na t ions b ed i n

    l

    g ung en

      etc. wird

      dur c h

      d ie

     K om bin a t ion

      vo n

      Schw und

      u n d

      E n t s t e

    h u n g ganz odgj bezüglich

     eines

     Teils

     ausgetauscht .

    D ie

     Begriffe  Expansion

     un d R e duk t ion e n tha lte n

      also als  E^tretnfMkEnfi îfcEvi

    hung j j nrJ .S íhs řund .  E in e Ex p ans i on , d ie n ic h t En ts te hun g ist , geht von  einer ^

    bereits

      vor ha n de n e n

      M e n ge  а л   Elementen  im jeweiligen  Inventar  aus, sie re

    sultiert

      in  einem   „ M e h r ",  während die Reduktion, die kein Schwund ist, in

    einem „Weniger" resultier t. Expansion und Reduktion sind damit, wie vie le

    merkmallose Begriffe, zugleich als Unterbegriff und Oberbegriff verwendbar.

    Wenn die Verwendung nicht aus dem Kon text klar wird (z .B. durch [X ž Y] =

    [X > X, Y] für Ex pansion ohne Entstehun g), dann wird exp liz it darauf hin-

    gewiesen.

    1.2.2.

     W a n d e l =E x p a n s i o n + Re d u k t i o n

    Wandel wird hier def initor isch auf die Substitution einer Einheit, Kategorie

    oder e ines Systems durch eine entsprechende Entitä t def inier t. So definier ter

    Wandel hat, sowe it für mich erkennbar , zum indest auf, funktionaler Eben e

    folgende Eigenschaften:  Í

      'у ^г у С ^^^к г Л л ^^'М '

    • E r bes teh t  au s  Expansion  u nd  Reduktion, ' wobei  meist d ie E xpansion

    zu

     einem   Nebeneinander vo n Fo rmen und / oder F unk t ionen  führt, das

    in de r Redukt ion abgebaut wird (Schema   А > AB > B ) , Expansion

    u n d  Redukt ion  können aber auch den Übergang zueinem anderen

    Status fundieren (e inen lexikalisch- grammatischen Statuswechsel.

    Schema  А > В ) ;

    • Wandel i s t desha lb  i m m er  e in En twick lungspro iess , kein Entwick

    lungsschri t t

      (s .  I .3 . ) .

    Beispiele sind (weitere Beispiele

     passim):

    d i e

     Entwicklung

     d er Tempora  de s narrativen  R egisters im

     R ussischen

    von   der 1.

     E tappe

     des Wandels mit Aorist.  Imperfekt . Plusquamper

    fekte  über die  2.  Etappe, die des Nebeneinander von Aorist, Imper-

    fekt, Plusquainnerfekte einerseits und des Präteritum mit den gleichen

    Funktionen andererseits, zur 3. Etappe mit dem Präter itum alle in:

    - die Entwicklung des Deklmationssystem s mit 1. dem stanimorienticr-

    ten Dckliniitionssystem (Typ Gen. Sg. stola,  un d  brani), 2. dem Nc-

    1

      Diese beiden Ausdrücke sind synonyme konlexlnell bedingte Varianten.

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    4/45

    1 7 4

      VOLKMAR LEHMANN  - ^

    beneinandcr

      von

      verschiedenen Deklinationsendungen

      bei

      einem

    Stamm (Typ. stola/stolu

      und

     synu/syna),

      zum 3.

     genusonentier ten

    Deklinationssystem (nur stola, syna);

    -  die Entwicklung vom synthetischen Ko mparativ (aus der nichtmasku-

    linen Form des Positivs entstanden) zum Superlativ und Elativ, vgl.

    -•'.,.  krasivejSij, über das Nebeneinander  von Komparativ und. Superlativ

    und von Superlativ und Ela áv,

     (s.

     1.2. З . );

      die

     Entwicklung

     der

     K asus

     zu PrSpositionalkasus

      (mi t

     v, na, k,

      dlja

    etc.),

     die

     ihren

     Verlauf  über hypertrophe Polysemie

     und

     Synonymie

    der Präpositionen nahm;

    - die Entwicklung der Wortbildung

     in

     altrussischer Z eit,

     die

     ausweislich

    der Darstellung von Mengel (1997) über eine hypertrophe Synonymik

    zu einem besonders

      in der

     Kultursprache festzuste llenden Norra-

    zustand reduziert wurde (s. 4.1.);

    -

      die

     Entwicklung

     der

     kalendarischen Terminologie,

      in

     deren  Verlauf,

    wie Keipert (1993) beschreibt,  das vorchristliche S ystem durch ein

    christliches ersetzt wurde und die ihren Weg ebenfalls über das Ne-

    beneinander beider Systeme nahm .

    Die Wege des funktionalen Wandels sind sehr verschieden ,

     vor

     allem

     im

     Hin-

    blick

     auf

     die formale Begleitung.

     So

     kann

     das

     Nebeneinander

     auf

     der 2. Etap-

    pe realisiert sein primär durch Synonymie

      (wie bei den

     narra tiven Tempora

    und

     den

     Deklinationen), durch Polysemie

     (wie

     beim Wandel

      zum

     Superlativ

    oder beim oben nicht erwähnten W andel von Dem onstrative

     zu

     Artikeln) oder

    durch beides  (wie  beim Wandel  des Kasussystem s). Sehr häufig, aber nicht

    immer, ist die Stufe des Nebeneinander charakterisiert durch dysfunktionale

    Disproportion aufgrund hypertropher Synonymik (durch Ableitungen oder

    Polysemieningen, wie beim Wandel der Deklinationen, des Kasu ssystem s oder

    der Wortbildung). Diese wird dann abgebaut durch Kristallisierung und Repar-

    tition

     (s.

     2.3.2.), einer

     Art

     gesetzmäßiger R ückkehr

     zu

     „normaleren",

     d.h.

      dem

    Pol »n u l Funktion-.Ideal näherkommenden Ausmaßen

      in

     Synonymik

     und

    Verlauf einer Grammatikalisierung

      der

     Status e iner

     Ein-

    etwa

     die

     lexikalische Kategorie

      der

     „Perfektivitä t"

     zum

    _ , , .  '.''• Í

    n d e r d i e

      Kategorie weder lexikalisch noch gram-

    ' • : ? _ . .  ?'

      a u c h

      grammatisch

     ist,

     aber dies

     als

     Ncbcn-

    d e l

     

    - •

     - — • • " " "

    *

     •••k-'CKiS

     (S*

    s. Hansen

      in

     diesem Band)

     s

    heit

     

    nd

      r zu b

     Г '

      l i S C h

      ""

    a U C h

     ^ » m a t i s c h i st , aber dies als  N e

    p e r O b e r k i Т « Г

    W

    b

    đ re

    ,

    Spit7findiB

     E

    '

     h a n d e

     

    8ich

     ™

    e i

    ™"  W a n d

    3 2) od er v „ M o d * Г ', ,

     He

    ™'

    b i l d u

    "S

      d e s

     derivationalen Aspekts

    cher

      Wandel ber'

      ""  I Г Г . t  "™™ J\7ÍI  /

    (umg.spr .)

    sil'nee vsech

    Elativ ß)

    Typ

      sil

     'nejsij

    Typ

      sil

     'nejšij

    Ty p

     sil

     'nejsim

    Tabelle

     der

     Kategorie Komparation

     im

     heutigen Russisch (Standardf

    Die vierglicdrige Paradigmatik

     der

     Kategorie Komparation und d ie sich damit kreuzen-

    den drei grammalischen Oppositionen (Iprädikativ, tdeklarativ, ±pr8sentisch) sind hier

    auf der Basis von Sperber U975) und Barnctová (1979) sowie (zum Elativ) Zcitungslex-

    ten postuliert . Die Grummatika AN (1980) sieht

     die

     Affixe  -ejS-Z-S-  sowie

     naj- als

     nichtgranunatischc  Wortbi ldungsmoф hcnle m it superlat ivischer Funktion (§ § 672; 307) . die

    analytischen  Formen  m it holte  oder.wnt.y/  nicht

     als

     gramm at ische Wonformen an,

     da

    bolee  bz w . mener  lexikalische Bedeutun g  hätten (§ 1342). Für einen  g rammat ischen

    Status

     v on

     bolec

      spricht aber

     u.a., dass die

     synthet i sche

     Bildung mit

      e e / e j  tendenziell

    n u r

      prädikativ verwendet wird und

     mich

     d n

     starken

      Restriktionen

      unterworfen ist

     und die

    analytischen  Formen des Komparativs,

      anders

     als

     die

      synthetischen,

     eine KasusG enus

    N u

      incrusFIcxion

      haben .

    Nach   Barnctová  (1979, § 437) ha t bei para lleler Konstruktion  dos prädikativ markierte

    A d j ,  (Kurzform) eine aktuell  dckltirativc Funktion (.„aktual 'no utvcridajuSřai»  (dcklara

    llvnnjn) funkcijn"),

      da s

     attributiv markierte

     Adjektiv

      (Langform) eine

     deskriptive

     i'unk

    tion  („ voobSfc ch aruklcrizujuKaja

      (dcskriptivnaja)

      funkcija").

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    5/45

    VOIJCMAR LEHMANN

    Bemerkungen

     zur Tabelle:

    (1)

    criomecn

     zur i

     tuxiic:

      . . , ,

    Schriftsprachlich

      wird attributiv die analytische

     F o r m

     veraen det; umgangssprachlich

    .  auch möglich

     čelovek sil'nee

      ego  bzw.

     posü'nee

      ... .etwas  ( s t a r k e r ) . . . ' .

    Schriftsprachlich  a u c h

     mit

     Р Н Ш х л Ы .

      . , „ , .

    ' Die Typen mit

     boler,  bolee vsech

      sind

      n i c h t

      flektiert, die

      i n d e r e n

      smd flektiert

      nach

    G e n u s und N u m e r u s, attributiv außerdem nach allen Kasus.

    Der Typ sil'nee  ist umgangssprachlich funktional synkret (keine Unterscheidung attribu-

    tiv - prädikativ). Da dieser Typ schriftsprachlich prinzipiell prädikativ ist, wird die prädi-

    kative Funktion dort durch ihn markiert, ebenso wird sie mit dem umg angsspra chliche n

    Typ

     sil'nee vsech

      markiert.

    Allgemein: Im wissenschaftlichen und publizistischen Stil überwiegen deutlich die

    analytischen, im belletristischen Stil und in der Umgangssprache die synthetischen

    Formen.

    5

      Auch die im folgenden gegebenen stilistischen Charakte risier ungen haben

    meist den Charakter von Tendenzangaben.

    Zu Superlativ/Elativ in prädikativer Funktion:

    Synthetischer Elativ, Typ starefiij:  Standardftinktion .elativisch', alternative (sekundäre)

    Im Altrussischen

     war die

     Kategorie

     mit

     Nominal-

     und

     P ronomina l formen

     je -

    weils mit Genus- und Numerus- und Kasusflexion v ertreten, ers tere O pposi-

    tion

     mit der

     ursprünglichen Unterscheidung

     von

     (In-)Defini thei t .

      Sie

     wurden

    (nach Vjalkina 1995, 321-325) sowohl

      in

     at t r ibut iver

     als

     auch

      in

     p räd ika t ive r

    Funktion (Pronominalforaien

      in

      letzterer selten) verwendet.

    И е   Adjeklivkomparation im AllostslaviKhen (K ieve, R

    u

    , 'j

    n c n .

    h

    î "  м '.

    Г

    Г

    л   Il c

    "

     Komparnllv,

     cin

    E N T WI C K L UN G

     ALS

     EXPANSIO N

     U N D

     R E D U K T I O N

    ACHLICÄ

    Bemerkungen zur Tabelle;

    (1)

      Die

     Komparativ-Formen sind

     im

      volkspracMichcn (oslslavischcn) Russischen nach

    Vjalkina (1995, 316) quan titativ schwach vertreten,

    © Dieser Typ ist nach Vjalkina (1995, 321 ) selten; eine eindeutige pronominale Fotm ist in

    ihren Beispielen nicht erkennbar,

     für

     den (nominalen) Typ

     *prisil 'n  vsfeh

     gibt sie Icein

    Beispiel.

    (3) Daneben auch clativische Periphrasen (Typ vel'mi sil'nyj); die Aufteilung

     auf

     Superlativ

    und Elativ wurde hlÉr unter Interpretation der Belege in Vjalkina (1995,321) vorgenonv

    Betrachten wir die Veränderungen auf der Ebene der Adjektivkategorien und

    der

     einzelnen Einheiten getrennt (zu den Ebenen der Einheiten, der Kategorien

    und

      der Systèmes. 2.2.), zunächst die Ebe ne ei nze lne r Ei nh ei te n.

    (a)

      Die Funktion der nominalen Formen im Positiv Typ

     sil'n"

      wandelt sich

    von

      ursprünglich ,définit' zu .prädikativ präsentisch deklarativ';

    (b)  der Instrumental aller Subkategorien des Komparationsparadigmas expan-

    diert durch die Entstehung der neuen Funktion .prädikativ nicht präsen-

    tisch';

    Das

      Paradigma des synthetischen Komparativs spaltet sich in (c) und (d),

    (c)

      den neuruss. Typ

      sil'nee

      (ohne Flexion) (< altruss.

      sil'nëje

      Nom. Sg.

    neutr, des Komparativs), also in seine zur nichtflektierbaren Form gewor-

    dene,

     vor allem schriftsprachlich auf die prädikative Funktion beschränk-

    te

      Form (mit diversen formalen Varianten); damit: Schwund der Voll-

    flexion;

    (d)  in ein Paradigma (Typ sil'nejšij)  für zunächst den Superlativ, heute den

    Elativ, das auf die Formen des Komparativs ohne Nom. Sg. mask, und

    neutr, zurückgeht (Wandel der Funktion Komparativ > Superlativ > Ela-

    tiv);

      die Formen des Nom. Sg. mask./neutr., vgl. starěi/ starřje, wurden

    pe r

      Analogie diesen  Formen angepasst

     (stareßij,

      е е ,

     Expansion).

    (e)  Schwund der kirchenslavisch geprägten Elativ-/ Superlativ-Formen mit

    prë-.

    (f)

      Entstehung der voll flektierten analytischen Formen vom Typ

     bolce (me-

    née)

      sil'nyj und samyj sil'nyj sowie naibolee sil'nyj.

    Auf

      der kat eg ori a len Eb en e tîisst sich eine Entwicklung entlang zweier

    Achsen

     der Formenbildung des Adjektivs feststellen: der Achse des Kompara-

    tionsparadigmas mit Positiv, Komparativ, Superlativ und Elativ und der Achse

    der ursprilnglichen defintt-inddinit-Opposition.

    Auf  der Achse des KompanUionspanultgmus ergab sich

    (A)  der formale Wandel von einem Paradigma synthetischer zu einem Para-

    ,  dignut analytischer Formen im Komparativ bzw. zu zwei synthetischen

    Í  unflektierten Typen

     (sil'ttee,

     sil'nee vsech)\

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    6/45

    VOLKMAR LEH MA NN

    Е е п к г к ш в е я

     zur

     Tabelle:

      . . . ,

    (1)  Schr i f tsprachl ich

      wird

     a t t r i bu t i v

     d ie

      analytische  F o r m

      verwendet;

     umgangssprachlich

    ,   au ch möglich  felovek sil'nee ego bzw.posil'nec... .et was (stärker) ... '. .

    (2) Schriftsprachlich auch mit Präfix

     п о / .

      _

      ' Die T y p e n  mit

      bolée, boire vsech

      sind nicht flektiert, die anderen sind flektiert nach

    Genus und Numerus, attributiv außerdem nach allen Kasus.

    Der Typ sil'nee  ist umgangssprachlich funktional synkret (keine Unterscheidung attribu-

    tiv

     -

      prädikativ). Da dieser Typ schriftsprachlich prinzipiell prädikativ ist, wird die prädi-

    kative Funktion dort durch ihn markiert, ebenso wird sie mit dem umgangssprachlichen

    '

      Typ

     si 'rue vsech

      markiert.

      Allgemein: Im wissenschaftlichen und publizist ischen Stil Überwiegen deutlich die

    analytischen, im belletristischen Stil und in der Umgangssprache die synthetischen

    Formen.

    5

      Auch die im folgenden gegebenen stilistischen Charak terisi erunge n haben

    meist den Charakter von Tendenzangaben.

    Zu Superlativ/Elativ in prädikativer Funktion:

    Synthetischer Elativ, Typ starejsij:  Standardfunktion .chuivisch', alternative (sekundäre)

    Funktion in attributiver Funktion: .superlativisch', d.h. der Komparativ ist schon zum

    Elativ geworden und hat (schriftsprachlich) attributiv noch superlati vische Funktio n.

    Analytischer Superlativ, Typ

     samyjstaryj:

      Standardfunktion .supe rlativ isch' , alternative

    Funktion: ,e ativisch\ d.h. der Superlativ hat eine elativische Funktion, sich aber (noch)

    nicht zum Elativ entwickelt

    Im Altrussischen

      war die

     Kategorie

     mit

     Nominal-

     und

     P ronomina] formen

     je -

    weils

     mit

     Genus-

     und

     Numerus-

     und

     Kasusflexion vertreten, ers tere Opposi-

    tion

     mit der

     ursprünglichen Unterscheidung

      von

     (In-)Defmithei t .

      Sie

     wurden

    (nach Vjalkina 1995, 321-325) sowohl

      in

      attributiver

     als

     auch

      in

     präd ika t ive r

    Funktion (Pronominalformen

      in

      letzterer selten) verwendet.

    Die Adjektivkomparation im AiiosUlavischen (Kiever RuVJ

    ^[W

    i Kc

    mpgcn ( I 9 9 5

    ,

     4 4)

      ^

    ; . ; £ ormen de, Komparativ» ein-

    SPRACHU CK ENTWICKLUNG ALS EXPANSION UND REDUKTION

    Bemerkungen zur Tabelle:

    (1) Die KompBraüv-Foimen sind im volksprachlichen (ostslavischen) Russischen nach

    Vjalkina ( 1995,316) quantitativ schwach vertreten.

    (2) Dieser Typ ist nach Vjalkina (1995,32 1) selten; eine eindeutige pronominale Form ist in

    .

      ihren Beispielen nicht erkennbar; für den (nominalen) Typ

      *prisil'n " vsèch

      gibt sie kein

    Beispiel.

    (3) Daneb en auch claüv ische Periphrasen (Typ  vel'mi  sil'nyj~);  die Aufteilung auf Superlativ

    und Elativ wurde hier unter Interpretation der Belege in Vjalkina (1995,321) vorgenom-

    Betrachten wir die Veränderungen auf der Ebene der Adjektivkategorien und

    der einzelnen Einheiten getrennt (zu den Ebenen der Einheiten, der Kategorien

    und der Systeme s. 2.2.), zunächst die Ebene einzel ner Einhei ten.

    (a) Die Funktion der nominalen Formen im Positiv Typ

     sil'n"

      wandelt sich

    von ursprünglich ,définit' zu .prädikativ präsentisch deklarativ';

    (b) der Instrumental aller Subkategorien des Komparationsparadigmas expan-

    diert durch die Entstehung der neuen Funktion .prädikativ nicht präsen-

    tisch';

    Das Paradigma des synthetischen Komparativs spaltet sich in (c) und (d),

    (c) den neuruss. Typ

      sil'nee

      (ohne Flexion) (oltruss.

      sil'nëje

      Nom. Sg.

    neutr, des Komparativs), also in seine zur nichtflektierbaren Form gewor-

    dene, vor allem schriftsprachlich auf die prädikative Funktion beschränk-

    te Form (mit diversen formalen Varianten); damit: Schwund der Voll-

    flexion;

    (d) in ein Paradigma (Typ

      sil'nejšij)

      für zunächst den Superlativ, heute den

    Elativ, das auf die Formen des Komparativs ohne Nom. Sg. mask, und

    neutr, zurückgeht (Wandel der Funktion Komparativ > Superlativ > Ela-

    tiv);  die Formen des Nom. Sg. mask. / neutr., vgl.

     starëi/starěje, wurden

    pe r

     Analogie diesen Formen angepasst

     (starejSij,

      е е ,

     Expansion).

    (e)   Schwund der kirchenslavisch

     geprägten Elativ- / Superlativ-Formen mit

    prl-.

    (f) Entstehung der voll flektierten analytischen Formen vom Typ

     bolce (me-

    née) sil'nyj

     und

     samyj sil'nyj

     sowie naibolee

     sil'nyj.

    Auf der kat cg or ia le n Ebene lässt sich eine Entwicklung entlang zweier

    Achsen der Formenbildung des Adjektivs feststellen: der Achse des Kompara-

    tionsparadigmas mit Positiv, Komparativ, Superlativ und Elativ und der Achse

    der ursprünglichen definü-indefinit-Opposition.

    Auf der Achse des Komparaüonsparadigmas ergab sich

    (A) der formnle Wandel von einem Paradigma synthetischer zu einem Para-

    ,  digmn analytischer Formen im Komparativ bzw. zu zwei synthetischen

    unflektierten Typen (sil'nee, sil'nee vsech):

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    7/45

     7S VOLKMAR

     LEHMANN

      A

    (В )

      der

     Wandel

     im

     Superlativ

     bzw.

     Elativ

     von

     den russischkirchenslavisch

    geprägten voll flektierten Formen mit pri- zu den analytischen voll flek-

    tierten Formen mit

     samyj

     und naibolee,  beide offenbar stärker grammati-

    kalisiert

     als die

     Formen

     mit

     pri-; beim schon

      im

     Altruss. bestehenden

    Typ

     sil'nee

     vsech gab es offenbar eine Erhöhung der Frequenz; durch den

    unter

     (d)

     erwähnten funktionalen Wandel ergab sich

     ein

     schriftsprachli-

    cher Elativ mit (-ejš-).',"'  ,. ""'. .. '

    Auf der anderen Achse ergab sich der Wandel von der Markierung der Oppo-

    sition .définit

     -

     indefinit'

      zur

     Markierung

     von

     drei Oppositionen:

    (C) attributive -  prädikative Satzgliedfunktion; diese Opposition  ist in den

    flektierten Formen formal voll ausgebildet,

     die

     prädikative Funktion wird

    markiert durch

     die

     Kurzformen Nominativ (präsentische Funktion)

     und

    die Instrumental-Formen (nicht präsentische Funktion; s. hierzu Guiraud-

    Weber 1993);

     bei den

     nicht flektierten Formen

      (Typ

     sil'nee,

     Typ

     sil'nee

    vsech)  schlägt diese Opposition sich darin nieder, dass der Typ sil'nee

    vsech

     generell und der Typ

     sil'nee

      schriftsprachlich  nur prädikativ  auf-

    tritt;

    (D)

      die

     Opposition deklarativ (Kurzform

      Typ

     star)

     -

      deskriptiv (Langfonn

    Nominativ Typ staryj)

     im

     präsentischen Prädikat;

    (E)

      die

     Markierung

     der

     Opposiüon zwischen präsentischem

      -

      nicht präsenti-

    schem Prädikat, markiert durch Kurzform oder Langform  im Nominativ

    gegenüber Instrumental.

    1J. Entwicklungsschrilte

      und

     -Prozesse

    V

    ?

    d e n <

    I

    U r C h Ex f )a n si o ne n  m i

      Reduktionen finden im Rahmen von

     

    Ш  Ш е

    b t Í t  G I

    ller Ebene. ET hat

    di

    i

    ueller Ebene. ET hat „en gin he Ш сЬ

      '"*

      T * "

     °

    С Г а

     

     "

    U f Ы №

    Л die Veränderung

     Ym^^ZtVl

      С Ф

    *™

    С Ы т к {

    "

      ™"

    к т

    '

    legt  werden kann.

     Ein

     fu nk t o l l e r P n . " I ',  * ' '

      A n f a

    "

    8

    '

      M i l t c

    '

      R l A

     'er

    UN G  ALS EXPANSION UN D RE DUK T I O N

    oder Veränderungen anderer Art (s.u.) 1st ein Entwicklungsprozess abge

    schlossen,

     so

     hat

     er ein

     definitives

      Ende. Es

     lässt sich daran erkennen, dass

    eine

     weitere Entwicklung einem anderen Entwicklungsprozess angehört bzw.

    angehören

     würde.

     So ist

     z.B.

     die

     Verwendung

     des

     altrussischen Komparativ

    suffixes

      {ejS) in der Funktion des Superlativs ein in sich abgeschlossener

    Entwicklungsprozess, der, nicht fortgesetzt werden konnte, ohne dass

     von

    etwas anderem, eineťknderen Veränderung gesprochen werden muss; die wei

    tere Entwicklung zum Elativ gehört nicht mehr zu diesem Prozess der Heraus

    bildung des Superlativs (s.1.2.3.).

    Wenn

      in einem zur Demenstration konstruierten Prozess, weitere Bei

    spiele

     s.

     anschließend

     

     eine Metapher

     mjagkij  učitel'

     .nachgiebiger Lehrer'

    gebildet wird, dann ist der Schritt der M etaph

     ori

     sierang damit abgeschlossen,

    bei Usualisierung

     der

     Metapher

     ist

     eine neue Bedeutung .nachgiebiger Lehrer'

    entstanden."

     Die

     Bildung analoger M etaphern wie mjagkij professor nachgiebi

    ger Professor', mjagkij suď ja .nachgiebiger Richter", mjagkij

     Čelovek

      .nach

    giebiger Mensch' usw. gehört nicht zu diesem Metaphorisierungsschritt; aller

    dings kann durch eine umfassende Expansion derartiger Verwendungen mit

    mjagkij eine neue lexikalische Bedeutung dieses Adjektivs entstehen, hier

     ist es

    die allgemeine Bedeutung ,nachgiebige Person'. Solange

     das

     entsprechende

    definitive

      Ende, die

     Usualität

     der

     Bedeutung .nachgiebige Person' n icht einge

    treten

     ist, handelt es sich bei der Expansion der metaphorischen Verwendun

    gen um einen of fen en Prozess.

    Natürlich

     sind Feststellungen wie die Entstehung einer neuen Bedeutung

    bzw. Funktion eine knifflige Sache. Sie wird aber dann handhabbar, wenn

    nicht

     versucht wird,

     den

     Anfang

     der

     Existenz einer solchen neuen Bedeutung

    .nachgiebige Person' zeitlich genau zu bestimmen, sondern wenn ein Zeit

    punkt

     tx+ 1 genannt wird,

     zu dem die

     Funktion bestand,

     die zu

     einem Zeit

    punkt t

    x

     nicht bestand.

    Wenn

     eine ehemalige

      S

     uper lati

     v

     form z.B.

     in

     publizistischen Texten

      zum

    Zeitpunkt

      t

    x

    + l

      eindeutig hiiufiger  in elativischer als in superlativischer Funk

    tion  gebraucht wird (das ist eine operationalisierbare Angabe), so ist sie zu

    mindest

     im

     publizistischen Stil

      ein

     Elativ geworden (mit alternativer super

    lativischer  F unkt i on) . Es ist klar, dass der quantitative Umschlag von einer

    hllufigeren Verwendung

     der

     Form

     in

     superlativischer Funktion

     zur

     häutigeren

    Verwendung in elativischer Funktion kein Enlwicklungsschrilt ist, da er keiner

    kognitiven funktionalen Operation entspricht, vielmehr

      ist das

     eine konti

    nuierliche

     Entwicklung, die mis einer Menge von Verwendungsfüllen  in der

    Sprachgemeinschaft hesteht. F reilich steht am Anfang dieser Entwicklung ein

    Entwicklungsschrill, nilmlich

     der

     Gehrauch

     dor

     Superlativform

      in

     dativischcr

    Punktion. So ausgeschlossen es ist, diesen Schiill historisch, gar pcrsnmtl,  /u

    lokalisieren,

      so

     eindeutig

     isl der

     elementare Charakter dieser funktionalen

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    8/45

     

    VOUtMAK

     LEHMANN

    ł   Veranderuní  Sie kann jederzeit  von einem Individuum  an einem  bis dato

    f  unelalivischen Superlativ vollzogen werden. Wir haben also auc h einen defi

    ;  niliven Anfang fttr diesen Prozess. Von einem defin itiven Anf an g  soll

    '  immer dann gesproch en werden, wenn  am Beginn eines P rozesses  ein Ent

    wicklungsschritt steht.  •   • • . • • •   '

    Bei der Herausbildung analytischer Formen  wie der des Typs

      bolee

     sd nyj

    \

      gibt

     es

     keinen solchen definitiven Anfang, vielmehr besteht

      der

     P rozess

     der

    I  Grammatikalisierung hier darin, dass eine bestimm te Wortfor m zun ehm end

    '  regelmäßig  für  eine bestimmte Funktion  in  einer bestimmten syntaktischen

    Konstruktion

     (hier mit čem)  verwendet wird. D as Entscheidende ist in diesem

    F a l l die

     kon t i n u i e r l i che En tw i ck l ung .

      Von

     einer solchen wollen

     wi r

    d a n n

     sprechen, wenn eine beliebige Veränderung

     Vj in der

     Menge

     d er

     Verän

    derungen

     V | ... n von der gleichen Art ist, wie eine

     beliebige

     andere Verände

    rung Vi±x  in  dieser Menge. Wenn man also nicht mehr n ur mjagkij učitel'

    .nachgiebiger Lehrer*, sondern auch mjagkij  professor, suď ja,  čelovek  gesagt

    wird.  D a n n  schließt sich an eine M etaphorisierung, d.h. einen EntwickJungs

    schritt, eine kontinuierliche Entwicklung  an , näm lich die der Expansion der

    Kombinationsmöglichkeiten in Analogie zur erstgenannten Metap her.

    Gramm alikalisierungen enthalten immer kon tinuierliche Entwicklun gen;

    beispielsweise

      besteht

     die

     H erausbildung

     des

     neuru ssischen Aspekts,

      wie in

    3.1.

     verdeutlicht werden soll, ihrem Wesen nac h in der kontinu ierlichen Ex

    pansion von derivationalen Distributionen un d der kontinu ierlichen Reduktion

    von funktionalen D istributionen.

    Während somit kontinuierliche Entwicklungen

      als

     homogene Vorgänge

    zu bestimmen sind, bildet ein abgeschlossener Entwicklu ngsprozess ebenso

     wie

    ein Kn twicklungsschritt einen heterogenen Vorgang,  weil die Beschreibun g des

    Vorgangs  nicht, wie bei  einer kontinuierlichen Entwicklung,  au f

      beliebige

    Bestandteile  des Vorgangs  anwendbar  ist. Weder  bei  Entwicklungsschritten

    n o c h bei abgeschlossenen Prozessen  ist eine Fortsetzung möglich,  sie gehört

    n i c h t mehr zu dieser Veränderung.

    SPR A C H L IC H E E N T WIC K L U N G

     ALS

     E X PA N SIO N  U ND

     R E D U K T IO N

    Entwlcklungsschritt

    entspricht

     einer kogni

    tiven Veränderungs

    operation

      (FO)

      (= elementar)

    ganzheitlich

    Entwicklungsprozess

    e n t h ä l t  mehrere Veränderungen

    ist immer Uberindividuell

    begrenzt

    d u r c h  definitiven Anfang

    (Ę ntw.schritt) oder Ende

    ( > abgeschlossener Pr.)

    'oder

     durch beides

    mít

      kontinuierlicher

    Entwicklung

    Übersicht

     Uber die Eigenschaften von Entwicldungsschritten und prozessen

    y

    1.3.1.  Entwicklungsschritte

    Funktionale Entwicklungsschritte bestehen aus bzw. sind enthalten in :

      der Entstehung eines neuen Wortes durch Wortbildung;

      der Entstehung einer neuen Bedeutung bei Polysemierung;

      der Entlehnung einer neuen Bedeutung (mit einem Lehnwort oder in

    einer

     Lehnprägung, d.h. in Koinzidenz mit Wortbildung oder Polyse*

    mierung);

      der Umdeutung einer Bedeutung (Volksetymologie

    6

    , in der Regel in

    Verbindung mit einer Veränderung der

     Form).

    Alle  diese Schritte könnten als ein einziger komplexer  Vorgang bei einem

    Sprecher

     modelliert werden, d.h. als Rekonstruktion einer kognitiven Verar

    beitungsoperation ; sowohl individuell als auch kollektiv gesehen geht eine Mo

    dellierung aus vom   Vergleich  zwischen  Input und Output. Modelliert  wird

    dabei eine regelüberschreitende Operation, gleich, ob eine lexikalische oder

    grammatische Regel betroffen ist. So besteht die Bildung einer M etapher, also

    ein P olysemien ngsschr itt, in einer komplexen Verarbeitungsoperation und

    ist als Vorkommnis (token) in einem Text als Veränderung einer vorher im

    System gegebenen lexikalischen Bedeutung erkennbar. Entsprechendes gilt  für

    die Derivation eines Wortes. Natür lich besteht eine sprach liche Veränderung

    nicht in der individuellen Verarbeitungsoperation, sondern im Vollzug (nicht

    unbedingt im Nachvollzug) dieses Schritts durch relevante Teile der Sprach

    gemein seh

     alt.

      Demgegenüber entspricht ein Hntwicklungsprozess nicht einer

    einzigen individuellen Verarbcitungsope

     ration,

     sondern umtasst immer Verän

    derungen,

     die in der Sprachgemeinschaft vollzogen werden.

    Entwicklungsschritte sind elementare Veränderungen von Bedeutungen

    (oder  Formen) und funktionalen (oder formalen) Kombinationsbedingungen

    sprachlicher Einheiten wie Morphemen und Wörtern, d.h . sie h:\ben keine /cit

    Z.U.paUAUnÜa  Ш т poliklinika.

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    9/45

    г

    lichen Phasen. Bestehen

      aie aus

     meh reren Komponenten,

     so

      verändern «ich

    d i e * gleichzeitig. Sind also mehrere Eigenschaften

     der

     Einheit ode r Kateg orie

    betroffen,

      м

      müssen diese, wenn

     es um

     einen Entwicklungsüchrit t gehl ,

     ge-

    meinsam verändert werden. Wird eine Metapher gebildet,

      so

     vollziehen »ich

    die semantischen Veränderungen (Rekatcgoriiiierung, Tilg ung

     von

     Komponen-

    ten, Umfokvussierungen) gleichzeitig.

      Bei

      Veränderungen,

      die

      nacheinander

    oder

     in

     zeitlich unbestimmter Beziehung zueinander iuUtfinden, liegt nicht

     nur

    ein Entwicklungfischritt

     vor.

    Entwicklungsschale gehorchen al lgemeinen kognit iven Prinzipien,

     HOI-

    che

     der

     Veränderung einer Bedeutung -  meist durch Wortbildung oder Polysc-

    micrung

     -

      werden hier mithilfe

      von

     Funktionalen Op erat ionen rckonii t ruiert .

    Mit

     den

     Begriffen

      der

     Funktionalen Operat ionen können auch syn chrone

     Be-

    ziehungen beschrieben b/.w. rekonstruiert werden. Hnlwicklungftßchrittcn

     ent-

    sprechen somit synchrone Input-Oulput-Beziehungcn verschiedenfiter Art:

     im

    System Motivierung.sbeziehungen zwischen motivierendem Wort

     und

     Wortbi l -

    dung.sprodukt, zwischen Standardbedeulung

      und

     metaphorischem Derivat ,

     in

    der aktuellen Äußerung

     -

     auf der

     rein formalen Seite

     -

     die

     Real is ierung einer

    phonetischen fiesetzmäßigkeit

      wie der

      Assimilation oder -

      auf der

     funktiona-

    len Seile

     - die

     Realisierung eines Metonymietype

     wie

     Par»

     pro

     toto.

    1.3.2.  Kontinuierl iche Entwicklungen

    Sie bestehen,

     wie

     gesagt,

     in

     untereinander analogen Veränderung en ohne das«

    ein Wechsel zwischen Vorher

     und

     Nachher

      im

     Sinne einer Rnts lehung eine«

    Schwunds oder eines Wandels benennbar wäre. Eine bestimmte Menge besitzt

    nur mehr bzw. weniger Elemente

     al»

     vorher.

    Das geschieh z.B. dann, wenn eine Extension vergrößert oder verkleinert

    м 1п Л " и

    М

    "  ,

    m

      "

    m

      V e r ä n d e r u n

    8 «•« Intension entepriiehe. Wenn

     die

    G f h ^ l

      Г Т

      U n d d a m i l  d C r

     HaScut

     

    n

    *

    m  f

    1

    '™"«  Wichen.

    (

    hiindelt

     sich um

     eine

     rein

     extentionale

     Veränderung, die Teil eine« kontinuier-

    lichen Prozesses ist.

    7

    Unter einer rei n ex lenn iona lcn Exp ansio n verstehe ich die komi-

    nuierliche Vergrößerung

     der

     Menge der  Ш с т с т е einer

      Kategorie,

     die einer

    sprachlichen

      Bedeutung

      oder Bedeutungskomponente entspricht, ohne

     d a »

    eich

     diese

     Bedeutung

      verändert. Dabei kann

     es

     sich um eine Exten*ion han-

    deln, die der aneertiven Komponente der Bedeutung entspricht, vgl. da* Bei-

    tipiel Musikinstrument, oder um eine kombinatorische Bedingung, vgl. die Bei-

    spiele

     mjaffldjïuliltet'/р г ф ы ю г /...

      .nachgiebiger  Lehrer / Profeswr /, ,.'  oder

    с е р ' ftor/derev'ev/...

      , Kette von Bergen/Bäumen/...*.

    Auch

     die

     Entwicklung

     der

     Kategorie

     der

     Belebtheit enthalt Phasen

     mit

    rein extensionalcr Expansion". Wenn z.B.

     die

     kalegorialc Gren/e von Р с гм >

    nenbezeíchnungen

      zu

     Tierbezeichnungen überschritten

      ist

     (ein idealisierter

    HntwicklungHHchritt)

      und die

     Genitiv- anMeile

     der

     Nominativform

      in

     akku-

    HativibcherFunktion  mit immer mehr Tierbezeichnungen kombiniert wird,

    dann ergibt sich erst einmal eine kontinuierliche rein cxtensionalc Kxpansion.

    Die Extension einer sprachlichen Kategorie wird bestimmt durch deren

    Bedeutung (die Intension), die ihrerseits an eine Form gebunden ist. Betroffen

    von cxtcnsionaler Expansion können auch grammatische Kategorien sein, ne-

    ben der ücleblheitfikatcgorie z.B. ein Tempus, ein Aspekt etc. Ein Expansion*-

    prozess kann also wie dargestellt „rein cxtcnsional" sein, eine exteruioruilc

    Expansion kann jedoch auch in  Koinzidenz mit einer iniensionalcn Verände-

    rung auftreten. Oas geschah z.B., als das allrussische Perfekt auch

     für

     die nar-

    ratív-priílcritale Funktion verwendet wurde. In diesem Fall wurde die Bedeu-

    tung

     der

     Tempusform .deiklisch-prätcrital iVorgegenwart)'

      zu

     einer Funk-

    tíonsvariantc neben den narralívcn Funktionen ,narrâtív-prätcrital (Vergangen-

    heil)' und

     .plufsquamperfeküftch', d.h.

     das

     Perfekt wurde

     zu

     einem (Global-)

    Präteritum.

    1.3.3, AbKCftcMoMicnc lüntwIcklun^prozcMC

    Von einem abgeschlossenen Enlwkklungspro/.css soll

      nur

     dann gesprochen

    werden, wenn es eine Entstehung, einen Schwund oder einen Wandel gegeben

    Davo n unbcnorrl 'mcn bleibt , ùiwdann, wenn ein  Wort wie Stuafon  in da» U w k o n auf

    g e n o m m e n

      wird,

      tich da* Inventai der  kxikaliwhcn Einheiten erweitert  Die Fnilchming

    de»

      Wortes Smnfnn  \\\ ein  i;niwicklung\«;hri l i . aber die  Aufnahme dicw> Worte* in die

    Н Ж с п м о п  vonMiisikiiiiliiititrniTcú  einer kontinuierl ichen Vetl lnderung der F.xtensirm

    die«» Wnrtc* . Bei der kontinuierl ichen Hnlwicklung: geht e t um Mmikiiuitwntnt beim

    r.ntwicklunR«*chritl  um Snxnfon

    Dicte r upnmion gi l l unhevrhodet der Kritik von  Kryn'kn

      ( 19< М ) я п klwunchcn

    „Legen

    den" tut lintwlcklung  ikr Hclchütci ikknicgohc.

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    10/45

    VOLKMAR LEHMANN

    hat, d h. , wenn die Veränderung durch einen Begriff wie Ents te hun g der Be-

    deum ní x ' / de s Kompa ra t ivs /de r S tanda rdumgangs sp rache von

      L/...

      erfass t

    we rden kann Wie ge s ag t b i lden d ie En t s t ehung e ine r M e taphe r w ie  mjagkij

    ulilef

      nachg ieb ige r U hr c r ' und e ine ans ch l i eßende kon t inu ie r l i che Expan-

    s ion um ka tegor ia l g l e i cha r tige Elemen te noch ke inen abges ch los s enen En t -

    wicklungsprozess . Die s ich an die Metaphoris ierung anschließende re in exten-

    s ionale Expansion is t e ine kontinuierl iche Entwicklung, e in offener Vorgang,

    mi t ih r e rg ib t s i ch wede r e ine En t s tehung noch e in W ande l . M e taphor i s i e rung

    und ans ch l i eßende kon t inu ie r l iche Expans ion s ind zw e i ve rs ch iedene En twick-

    lungsvorgänge.

    In den fo lgenden B e i spie l en fü r abges ch los s ene En twick lun gsproze s s e im

    Rus s i s chen invo lv ie r t d i e En t s t ehung e ine r g ramma t i s chen Subka tegor i e den

    Wande l ode r d ie En t s tehung de r g ramma t i s chen B edeu tung , me i s t den Wande l

    im Form-Funk t ions -Ve rhä l tn i s und manchma l auch de s l ex ika l i s ch -g ramma-

    tischen Status (zur Rekonstruktion eines Entwicklungsprozesses s . u. die Ent-

    wick lung des Tempus -Aspek tkomplexe s o de r de r Ka tegor i e M o da laux i l i a r be i

    Hansen in diesem Band). Vgl. :

    - Ents tehung des

     pf./ipf.

      Adve rb ia lpa r t i z ips ,

    - Ents tehung des ipf. /pf. Pass ivs ,

    - Ents tehung des Optativ-Ko ndit ionals ,

    - Ents tehung der Kategorie Modala uxil iar,

    - Schwund de s Sup inums ,

    - Schwund de s Dua l s .

    Ein En twick lungsproze s s w i rd rekons t ru ie r t anhand von Expans ion und Re -

    duk t ion von Funk tionen und ev t l . Fo rmen und de ren ko mb ina to r i s chen Bed in -

    gungen . Die Ve rände rung de r Funk t ion kann ope ra t iona l i s i e r t we rd en in Form

    e ine r Ve rände rung de r Exp l ika t ion ; s owe i t e s s i ch um e inen En twick lungs -

    s ch r it t handel t , w ird e r mi th il fe von Funk t iona len Ope ra t ionen be s chr i eb en . So

    wande l t s ich d ie Exp l ika t ion de s Pe r fek t s . de ik t i s ch -p rä te r i t a l (Vorge genw ar t ) '

    zu de r de s (G loba l - )Prä te r i tums . de ik t i s ch -p rä te r i t a l ode r na r ra t iv -p rä te r i t a l

    (Ve rgangenhe i t ) ode r p lusquampe r fek t i s ch ' ; ode r d ie Pe r iph ra s e  bud-  + Inf

    e rhä lt g ramma t i s chen S ta tus , d . h . si e w i rd ana ly t i s che Wo r t fo rm.

    erst im R

    S

    a h

    b e k a i

    ""

    :

      ^

      d i

    °

      R e k o n s l r u k t i o n v o n

      En twick lungsproze s s en me i s t

    rs im   я m e n g röße re r pa rad igma t i s che r Zusam men hänge an gem es s en zu e r -

    a s s Subka tegonen a l s Komponen ten von Ka tegor i en wie de r Korn-

    SPRAOjLII

    ICHE ENTWICKLUNG ALS EXPANSION UND REDUKTION

    andere Entwicklung nach sich zieht. So können zwar die Wandel-Prozesse

    Komparativ > Superlativ oder Superlativ > Elativ in der Schriftsprache oder

    ,(in)definit' > .attributiv-prädikativ/ ...' jeweils als abgeschlossene Prozesse

    beschrieben werden, nicht aber die Entwicklung des gesamten Adjektiv-

    paradigmas.

    Daraus kann der S chluss gezogen werden, dass die Rekonstruktion mög-

    lichst umfassend sein und viele kategoriale Interaktionen einbeziehen sollte,die Klassifizierung von Entwicklungen sich aber eher auf kleinere Einheiten,

    in der Grammatik etwa auf grammatische Kategorien beziehen sollte. Wenn

    wir in diesem Sinne den Aspekt isoliert vom Restsystem betrachten, können

    wir die Veränderung seit der Kiever Periode als Wandel von einer flektivi-

    schen zu einer derivationalen Kategorie klassifizieren. B ei den Tempora w äre

    eine C harakterisierung als abgeschlossener Prozess auf zwei aspektuell-tempo-

    rale Register zu beziehen (s. 3.2.): 1. auf das deiktische Register mit der Kon-

    turierung des Präs ens-Fu tur-Paradigm as (Nicht Präteritum-Paradigmas) zu

    Tempus-Aspekt-Kombinationen für Gegenwart (ipf. Präsens-Futur) und Zu-

    kunft (pf. Präsens-Futur, ipf. Futur), neben der Weiterführung der deiktisch-

    präteritalen F unktion des /-Perfekts als eine der Funktionen des G lobal-Präte-

    ritums; 2. wäre eine Chakterisierung als abgeschlossener Prozess möglich für

    das narrative Register m it dem W andel von Aspekttempora (Aorist, Imperfekt,

    Plusquamperfekte) zur Kombination der Aspekte mit den neuen Funktionen

    des zum G lobal-Präteritum expandierten ehemaligen /-Perfekts.

    1.3.4.

     Entwicklun gspfade, Entw icklungstendenzen

    Grammatischen Entwicklungsprozessen entsprechen in der Regel bestimmte

    typo log ische Ent w ic k l un gs pf ad e ( s . Bybee / Dahl 1989, Bybee e t a l .

    1994,

      s. auch Hansen in diesem Band). So entsprechen die formalen und funk-

    tionalen Veränderungen bei der Expansion des russischen Perfekts zum glo-

    balen Präteritum den Veränderungen in vielen anderen Sprachen.

    In Analogie dazu dürfen auch Entwicklungspfade für die lexikalischen

    Veränderungen angenom men werden. Bekanntlich verläuft die Polysemierung

    bei vielen W örtern einer lexikalischen Kategorie in den europäischen Sprachen

    und darüber hinaus parallel, etwa bei den Posilionsverben (s. Anstatt in diesem

    Band), den Substantiven für Tiernamen (vgl. Schimpfwörter für Personen wie

    Esel)

      oder den implizit komparativen Qualitatsadjektiven wie

      kurz, nahe,

    klein,

      niedrig

      (vgl. die Übertragung in temporale oder sozial wertende Re-

    lationen). Der Begriff des lexikalischen Entwicklungspfades wäre eine sema-

    siologische und evolutive Entsprechung zum onomasiologischen und syn-

    chronen Begriff der konzeptucllcn Metapher im Sinne von

     Lakoff/

      Johnson

    (1980). Kntwicklungspfade, seien es grammatische oder lexikalische, sind

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    11/45

    VOLKMAR   L E H M A N N

    typologische Verallgemeinerungen von Entwicklungsprozessen im oben «lau

    terten

     Sinne.

    Ten denz (zum Zeitpunkt ti) im Sinne von Gutschmidt (1995 und 1998) an

    wendbar Der

     Begriff

      erlaubt

     es,

     Gemeinsamkeiten

     von

     Prozessen

      in

     einer

    Sprache

     zu

     beschreiben und evtl.

     zu

     erklären,

     die

     zum besprochenen Ze.tpunkt

      nicht zuletzt heute  nicht oder noch nicht als insgesamt abgeschlossener

    Prozess darstellbar sind. Gutschmidt unterscheidet Systemtendenzen (Bau und

    Substanz der Sprache betreffende), typologische (den typologischen Charakter

    der Sprache betreffende) und standardsprachenspezifische  (Art und Weise des

    Ausbaus und der Verwendung  der Standardsprache betreffende) Tendenzen.

    Zu  letzteren zählt er die von der Prager Schule benannten Tendenzen zur De

    mokratisierung, zur Intellektualisierung, zur Intemationalisierung, zur Ternli

    nologisierung und zur Determinologisierung (1995, 65). Eine Komponente der

    Intellektualisierung, die Expansion durch Wortbildung, wird in 5. behandelt.

    Bei Gutschmidt wird der

     Begriff

      der Tendenz terminologisch auf die

    Ebenen der Systeme bezogen (zu den Ebenen von Einheiten, Kategorien und

    Systemen s. 2.2.). Bei einer entsprechend spezifizierten Verwendung des Be

    griffs  Tendenz („systemische Tendenz") könnte

     der

     Begriff  auch

     auf

     offene

    Prozesse

     auf der

     Ebene

     von

     Kategorien („kategoriale Tendenz") oder auch

    einzelner Einheiten verwendet werden („Tendenz der Einheit E ...", z.B.

    „beim

     Suffix

      (x) besteht die Tendenz zur Herausbildung einer elativischen

    Funktion").

    Grammatische Veränderungen können häufig  als Teil eines En twick

    lungszyklus  rekonstruiert werden, nämlich dann, wenn sich funktionale

    Entwicklungsprozesse nacheinander wiederholen. Bekannte Beispiele sind der

    zyklisch wiederholte Wandel vom Demonstrativpronomen zum Artikel  in den

    romanischen

      Sprachen oder

     der von

     Maslov (1983) rekon struierte

     Per

    fekt > PräteritumZyklus in indogermanischen einschließlich der slavischen

    Sprachen. Solche typologischen Entwicklungszyklen bestehen in der Weder

    kehr von Entwicklungspfaden.

    U . Expansion von Metaphern und lexikalische

     Polysemie

    l"lw, 'f

    n de

    "

      S

    f

    e

    "

      ?

    r e n z e n

      <

    Anim

    Z

      u

    " " Ende) und kontinuierliche Eut

    i Ä T Ä

    e

      —

    a m

      Beispiclm e t a

    v

    «

    w

    <

    S P RA CH L ICH E E N T W I CKL U N G  ALS EXPANSION  U ND

     REDUKTION

    1.4.1. Singulare und generalisierte Metaphern

    We die Beispiele

      serp (luny), les

     (mačt), (boroda) klinom,

     с е р '

     (gor), gntppa

    (teorij) .(M ondsichel

    1

    ,  .Wald (von Masten)', ,(Bart) in KeilfomV, .(Berg )

    Kette ' ,   .Gruppe (von Theorien)' zeigen sollen (ausgehend von Ožegov 1968

    un d  MAS), können metaphorische Veränderungen sich  in Expansionen sehr

    verschiedenen Umfangs  an verschiedenen Stellen der Polysemie auswirken.

    Betrachten

     wir

     zunächst

     den

     Unterschied zwischen singulären und generali

    sierten Metaphorisierungen anhand der Beispiele serp .Sichel' und les .Walď :

    SE R P

     .Sichel*

    1

      =

     .Werkzeug

      mit

     Klinge

      in

     Gestalt

     g

     und

     zur

     Realisierung

     der Auf

    gabe

     a'

     (Aufgabe

     a Gräser direkt über der Wurzel zu schneiden),

     lať

    šerpom ,mit der Sichel mähen'

    2.

      serp

     luny = .Mond in der Gestalt g'.

    D ie alternative Bedeutung von

     serp

     hat insofern singulären C harakter, als nur

    eine bestimmte Art von Argument (= „ Aktant") verwendet  wird (luna). Mit

    ihm bildet das metaphorisch gebrauchte Wort darüber hinaus eine phraseologi

    sche Wendung, da serp mit der Bedeutung  ,in der Gestalt g* nur in Verbin

    dung mit

     luny

     gebraucht wird (offenbar auch nicht in Verbindung mit

     mesjac).

    Gleichzeitig mit der Metaphorisierung erhält

     das

     metaphorisierte Lexem eine

    Argumentstelle

      für den

     Partizipanten Mond. Demgegenüber kann

     das

     meta

    phorisierte

     les

     2. mit einer offenen Menge von Argumenten besetzt werden:

    L ES  .Walď

    1.  = Naturraum (—» natürliches Objekt), der dicht mit Bäumen bewach

    sen ist'

    2.

      les

     Xov =  .Objekt  X, das aus einer dicht stehenden Menge hoher,

    schmaler, vertikal orientierter X besteht' und .X   konkrete Objekte

    außer Bäumen

    1

    , les mačt/ trub/ neftjanych výšek / ruk/...  .Wald von

    Masten/ Schornsteinen/Öltürmen/Händen/ ..'

    In

     der Explikation von serp 2. ist ein bestimmter Gegenstand genannt ( M o n d ) ,

    in der von  les 2. steht an dieser Stelle eine Kategorie, nämlich die konkreter

    Objekte, ausgenommen das Objekt .Wald

    1

      (dafür  ist die Standardbedeutung

    reserviert).

      U n t e r

     Entwicklungsgesichtspunkten beruht serp

     2.

     auf

     einer Meta

    phorisierung,

      les 2.

     auf  einer Metaphorisierung  und einer anschließenden

    kontinuierlichen kombinatorischen Expansion.  In derartigen Fällen soll von

    gen er alisie rt en M etap he rn gesprochen werden.

    Kine phraseologische Metapher ist Produkt eines Entwicklungsschrittes,

    eine generalisierte Metapher Produkt eines Prozesses. D ubei ist es zuniiehst

    nicht wichtig und auch in der Rege schwer oder nicht feststellbar,  für welche

    Fügung der MctuphortsierungsschriU seihst durchgeführt wurde, ob mit

    Fügung /cv WIKV ,Waltl  von Masten

    1

    ,

     lex trub

     ,Wald von Schornstoi»*

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    12/45

    VOI.KMAK

      L E H M A N N

    Seru

    *

      uut i ли п  »

    * t̂ , • , _ . _ . . , ._• ~ * i i j

    ł

    dass eine generalisierte Metapher sich in einem Prozess entwickelt, der aus ei

    nem   abstrakten Entwicklungsschritt und einer sich anschließen den kontinuier

    lichen Entwicklung besteht, also aus einem Entwicklu ngsprozess mit derimti

    vem Anfang. . ,

    M it

      der Entstehung der neuen Bedeutung durch den M etaph onsieru ngs

    schritt war die Möglichkeit geschaffen, dass weitere Argum en te (Akt anten )

    derselben Kategorie verwendet werden konnten , o h n e dass damit jeweils eine

    neue Bedeutung entstand, denn die alternative Bedeutung gab es ja schon. Die

    Kategorie für das Argument wurde allmählich mit immer neuen Exemplaren

    (Bäumen,

      Säulen usw.) aufgefüllt, aber es ergab sich dadurch noch kein e neue

    Bedeutung, es handelt sich soweit um einen P rozess ohn e Abschlu ss, ohne

    definitives Ende.

    In   den folgenden Beispielen  klin  ,Keú" und  с е р '

      .Kette* gibt  es mehrere,

    singulare und generalisierte, Metaphorisierangen (einige Phraseologismen sind

    n ic h t berücksichtigt):

    KUN

      .Keil'

    1 = .metallisches oder hölzern es Artefakt, das die Gest alt g (g = Keil)

    un d  die

     Aufgabe

     a (a = Spaltung von Y (Y= festes Objekt)) hat.'

    2. .konkretes Objekt X das die Gestalt g ha ť ;

    2a. X = G egenstand, z.B.: (aa)  (bowda) klinom  ,der Bart als Keil/ ein

    keilförmiger Bart', (ab)  (vgiť) klin  = .einen Stoffkeil einn ähen ';  dm

    klina Selka .zwei Seidenkeile (beim Fallschirm)', (ac) klin'ja  iuravlej

    .Kraniche in Keilformation',  letliki  —'  popali  v klin  ,die Flieger ge

    rieten

      in

     eine Keilformation',  klinom Sli samolely  ,in Keilform kamen

    Flugzeuge';

    2b. X = Ausschnitt aus einer Fläc he, z.B.  (ozimyj) klin  = (mit Winter

    saat bestelltes) Feldstück in Keilform';

      poljana

      klinom  ,die Lichtung

    wie ein Keil';

    3.

      (vbif) klin metdu X om i Y om

     = .ideelles Objekt, das die

     Aufgabe

      a

    ha t  (a = Trennung von Y (Y= Personen (grupp e)); phr aseologisiert ist

    die Komponente

     vbif

      klin  .einen Keil hineinschlagen';

    4.  X yj klin  .militärischer Verband aus X, der die

     Aufgabe

      a hat (a =

    Spahung von Y (Y=

     F r o n t

     des G egners,)', z.B.  .ankovye klin 'ja  ,Pan

    — steht   fUr A us l a s s ung in  Z i t a t .

    SPRACHLICHE ENTWCKLUNG ALS EXPANSION UND REDUKTION I§Q

    D ie  Melaphorisierungen übernehm en zum einen die Komp onente ,Geslalť (1)

    un d  zum anderen die Kom ponente  .Aufgabe'  (3., 4.) aus der Standardbedeu

    tung, wobei

      jeweils

     die andere Komponente getilgt  wird (Funktionale Opera

    t i o n e n

     der M odifikation, s. 4.2.,4.3.) D ie Bedeutungen mit  , Aufgabe'  sind sin

    gulare Metapho risierangen, die mit ,G estalt' mit den Varianten 2a. un d 2b.

    sind generalisierte Metaphorisierangen. Die Subvarianten   (aaac), die in Ožegov

    bzw. MAS jeweils eigene Bedeutungen bilden, sind hier in einer lexikalischen

    Bedeutung vereinigt, obwohl einige genau mit dieser Belegung von X

      (Stoff

    stück; Bart) in den Lexika im mer wieder aufgeführt werden und offenbar stark

    lexikalisiert sind. Die paradigmatisch e Ergänzun g der Kategorie X durch ande

    re G egenstan dstypen ist jedoch offen, F ügun gen wie  stol  klinom /klin  doma

    oder

      mašiny šli klinom  ,keilförm iger Tisch ' / ,der Keil des H auses' / ,die Wa

    gen fuhren in Keilformation' wären keine metaphorischen Entwicklungsschrit

    te ,  sondern kombinatorische Expansionen der Bedeutungsvariante 2a

    In

      O žegov (1968) und MAS sind im übrigen deutlich mehr Bedeutun gen

    angesetzt, die Alternationen von Bedeutungen und Varianten in einer nur teil

    weise

      nachvollziehbaren Weise

    10

    . D er Gra nd für die größere Z ahl an lexikali

    schen Bedeutungen ist vermutlich u.a das Fehlen der

      Begriffe

      der singulären

    un d

      generalisierten M etaph orisierun g, die damit auch als Hilfsmittel zur syn

    c h r o n e n

     Beschreibung von Polysemien zur Verfügung  stehen

    11

    .

    Entsprechend

      der oben gegebenen Beschreibung der Polysemie von  klin

    haben wir mehrere (eine generalisierte und mehrere singulare) Metaphorisie

    rangen einer Bedeu tun g vor un s. Tn einem solchen F all  soll  von mu l t i p l e r

    Metaph orisierang gesprochen werden (die je nach Verteilung von singulären

    un d  generalisierten M etaphern weiter spezifiziert werden kann) . Betrachten

    wir nun no ch einen Fall, in dem die G eneralisierang weiter gediehen ist:

    CEP',Kette'

    1. = .Artefakt, das aus nacheinander verbundenen G liedern besteht und

    die

      Aufgabe

      a hat (a = hält Objekte Y un d Z in fester Verbindu ng

    So werden z.B. in MAS

     (ozimyj) klin

     .(mit Wntersaat bestelltes) Feldstück in Keilform'

    zur   dortigen 5. und poljana klinom zur 3. Bedeutung gezählt; klin'ja  iuravlej Kraniche

    in

     Keil

     formation', letčiki

     —

    popali

     v Wn .die Flieger gerieten in eine Keilformation' zur

    3.

     Bedeutung und klinom Sli samolery ,in Kcilform kamen F lugzeuge' zur 4,; anderer

    seits sind klinom Sli

     samolery

     und poljana klinom .die Lichtung wie ein Keil' als Bei

    spiele zur 4. Bedeutung genannt.

    Neben

     der fehlenden Un terscheidung von singulurcn und generalisierten Mctaphorisic

    ruiigen ist ein weiterer  G r u n d für diese Verteilung der lexikalischen Varianten die Son

    derbchandlung von Metaphern im Vcrgleichsinslrumental, vgl. homda klinom, die aber

    die Tiitsnchc verkennt, class hier nich ts anderes als ein prKdikalivcr Instrumental vorliegt,

    nur  eben mit einer Metapher im Instrumental (s. Lehmann 1975. 1502).

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    13/45

    VOIJCMAR

     LliHMANN

    oder schmuck eine Pereon)';  sobaka na cepi  .Hund an der Kelle',

    iokomoio c.

      , Ankerkette •

    2 cep'X-ov =  Entitat. die aus nach-oder nebeneinander geordneten in-

    '  dividuellen (nich. homogenen) Entitäten X best eht' ( .nach- oder ne-

    beneinander' ist hier allgemein strukturell, nicht nur räumlich /,u ver-

    stehen):

    2a. X = konkrete nicht personale Objekte, z.B.

     с е р '

      ognej/ozer/fonarej,

    stolbov/gornaja

      с е р '

      Kette von

      Feuern/Seen/Laccrnen/Pfäh-

    len/Bergkette/...'

    2b .

      X = Personen;  с е р ' strelkov

      .Schützenkette',

     naii peredovye  cepi

    . u n s e r e vorderen Linien',

     cep ' pěchoty

      .Linie der

      In fa n te r i e ' ;

    2c .

     X =

     n icht

     kon krete zeitliche Objekte;

     с е р ' sobytij / stradanij / nesčastij,

    .. .  .Kelte von Ereignissen /Leiden / U n g lü c k e n / . . . ';

    2d.

     X =

     n icht

     konkrete kognitive Objekte; z.B .

     cep' argumenlov/ ...

      .Ket

    te von Argumenten / ...';

    3.  X aja с е р ' =

     .Anlage aus  K o m p o n e n t e ( n) X, die eine u n u n t e r b ro c h e n e

    Linie bilden', z.B.

     elektriteskaja с е р '

      .Stromkreis',

     telefonnaja с е р ';

    4 .

      cepi X a

     = .n icht konkretes Objekt X, das die Aufgabe a hat (a = Ver

    h i n d er un g  von  F r e i he i t ) ' ;

      cepi  rabstva

      . K e t t e n  der Knechtschaft',

    krepostnye

      cepi

      .Ket ten

     der Leibeigenschaft',

     kaidoe

      slovo

      kîadet cepi

    na т е щ а

      .jedes Wort legt mir Ket ten an' .

    Auch

     hier gibt es wiederum zwei m etapho rische Bedeu tun gen, die sich in der

    Fok uss i e rung

     einmal der Gestalt (2.) und einmal der Aufgabe (4.) unt erschei

    den

      (außerdem liegt mit 3. eine Modifikation der 2. Bedeutung vor). Bei den

    unter 2. genannten Varianten kann jede mit einem Paradigma von größeren,

    im Prinzip paradigmatisch offenen Mengen von Ergänzungen stehen. Weiter-

    hin sind in der vorliegenden Darstellung die Varianten unter 2a-d zu einer

    Bedeutung zusammengefasst, oder anders gesagt: die einzelnen Kategorien

    konkrete nichtpersonale Objekte, personale Objekte usw. sind zu einer Kaiego-

    ne zusammengefasst, so dass wir für die Argumentstelle X eine allgemeine

    Kategone Entitäten ansetzen. Gilt dies, dann hat die Expansion eine Stufe

    erreicht auf der  ы е  n ich t meh r weilergeführt werden kann , also ein d efinitive s

    Ende. Anders als die Kategorie Objekt X in  klin 2.,  wo die Expansion (bis-

    her?, nur zu dieser Subkategorie Objekt X der Kategoi ' -

    b n n schematisch wie folgt rekonstruiert

    werden ai« bestehend in

    Sl'RACHl.lC Hi; ENTWICKLUNG AI-S IiXfANSION UND Ri (HIK11ON  191

    1. den Entwicklun gsschri tten „Metaph orisie rung" der Standar dbedeutung

    (Wirt /.) zu den Bedeutungen  с е р ' а , '    ď .

      als definitivem Anfang («'

    ď   werden zu den spiileren Varianten

     2a.

     

      d.y,

    II .  der  k o m b i n a t o r i s c h e n , rein extensionalen Expansion der Argument Para

    d i g m e n  von

     cep' a'

     

      ď

      als  k o n t i n u i e r li c h e En twicklungen;

    I I I .  der Vereinigung der zunäch st einzelnen metaphorischen Bedeutungen

      с е р '

    а '   ď

      zu einer

      n e u e n ,

     allgemeinen Bedeutung

     с е р ' 2.

      als definitivem

    E n d e ,

      wobei diese Bedeutungen

     а '

    ď

      zu den Varianten der Bedeutun g

    2a. d.

     werden.

    D ie Vereinigung von

      с е р ' а '   ď

      zu

     с е р ' 2 ,

     äußert sich

    auf der Ebene der Bedeutung bzw. der Explikation darin, dass an die

    Stelle einer Liste von Bedeutungen  a'-d'  nur eine Bedeutun g  2.  tritt,

    eine in der aktuellen Sprachproduktion durch Varianten ersetzbare Va-

    riable (X); hinsichtlich der Ebene der Kategorie (Extension) von  с е р ' а '

     

    b' >2a~b.

      gilt entsprech endes;

    be i

      den Argumen ten (Aktant en) darin, dass an die Stelle diskreter sub

    s t an t i v i sch e r Argumen tmen gen eine einzige Men ge von Substantiven t r i t t .

    D ie

      Veränder ung II . setzt den Anfang von I. voraus und III. seul den Anfang

    vo n  II . voraus, die Prozesse selbst  k ö n n e n sich aber zeitlich überschneiden.

    D ie  Entstehun g der Bedeutungen

     a' ~ ď

      ist eine quantitative Expansion,

    d u r c h   die Vereinigung wird das Inventar der Bedeutungen von

      с е р '

      d a n n

    r ed uz i e r t .

    H a l t e n wir also fest: I st die Schwelle der Ent stehung einer n e u e n  Bedeu

    t u n g  erst einmal  überschritten, so besteht die Verwendung immer neuer Kom-

    binationen in einer bloßen Expansion der Kornbinationsmöglichkeiten, also

    einer rein extensionalen kombinatorischen Expansion. Wie wir gesehen haben,

    ändert sich die Bedeutung bei rein extensionaler Expansion nicht. Die neue

    Bedeutung 2. ist durch die Metaphorisierungsschritte. die der rein extensiona-

    len Expansion vorausgingen, entstanden. Vereinigen sich diese Bedeutungen

    zu einer allgemeineren Bedeutung, haben wir auch eine Reduktion im Bedeu-

    tungsinventar. Ergebnis dieser Veränderung ist dann die Alternation der Stan-

    dardbedeutung  cep' Í .  und der generalisierten metaphorischen Bedeutung '

    2,

      Diese Generalisierung ist von der einfachen extensionaJcn bei

      lex

      .Wald' da-

    durch unterschieden, dass sie mehrere extensional generalisierte Metaphori-

    sierungen (die von

      a'

      •

     d')

      zusammenlasst (multiple Generalisierung).

    1.4.2.

     1 > Н Ы к и Ы е г и п к   der Standurdbedeutu ng

    h i n e  Entwicklung k a n n nun so weit gehen, dass sich die alternative  m e t a p h o

    r i sch e  Mí-ili-iiiitiM- mni tue Stan daid bed eui ung / u einer Bed eutun g ve tciiii ^cti

    Vgl.:

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    14/45

    ] 9 2

      VOLKMAR LEHMANN

    GRUPPA Gruppe'(ausgehend

     von Ožegov und MAS)

    X ,ruppaxZ=.

    Menge von diskreten

      Enti.äten

      X, die aufgrund

    '

      (räumlicher zeitlicher und /oder sachlogischer)

     Nähe

     zusammengehö

    r e n '  gruppa

      ljudej/ vsadnikov/ ÍenSčin. muSčin i  dělej/  derev ev/

    stroenij/ pisem/ nauk/ jazykov/ argumenlov/leorij/sobylij/. ..  . G r u p

    pe

      von

      Menschen/Reitern/Frauen,

     Männern

      und

     Kindern/

     Blumen/

    Bauwerken/ Briefen/ Wissenschaften/ Spr achen/ Argum enten /

    Theorien /

     Ereignissen / . . . ';

    2.

      gruppa

     Xov

     = .Menge von

      Personen

     X, die aufgrund von sozialen

    Parametern

      (Interessen, Aufgaben. Status, ...) zusamm engehören ',

    obKeitvennaja/ liieralumaja g.

      .gesellschaftliche/ literarische/ ...

    Gruppe;

    3.  gruppa

     Xov =

     .Menge von diskreten Objekten X die aufgrund defi

    nitorischer Merkmale zusammengehören', gruppa krovi

      .Blutgruppe' /

    raslilel'nych veSćestv

      G . organischer Stoffe';

    4.  gruppa Xov ~

     .Menge von diskreten konkreten Objekten X als Ge

    genstand künstlerischer Darstellung';

    5.  gruppa =

     .Menge von meist jungen

     Personen

      im

     Rahmen

     einer pä

    dagogischen

      Organisation';

     gruppa  anglijskogo

      jazyka

      .Englisch

    gruppe'.

    Neben

     der allgemeinen Standardbedeutung

     gruppa  I.

     gibt es eine Reihe von

    Bedeutungen,

     die sich in bestimmten Anwendungsbereichen herausgebildet ha

    ben

      mit entsprechenden Modifikationen der I . Bedeutung (in

     gruppa  3.

     z.B.

    ist .aufgrund (räumlicher, zeitlicher un d/ oder sachlogischer)

      N ä h e '

      ersetzt

    durch

     .aufgrund deflatorischer

     M erkmale', (Funktionale

     O peration der

     Modi

    fikation   С

      Л .7 А 1 \  T\',*~~ D~J~

      I. * . . . • • •

    sollen hier

     nicht

     weiter beachtet werden. Dass es sich  tatsächlich um andere

    Bedeutungen handelt, zeigt der Vergleich von

     gruppa I.

     und 5., wenn sie sich

    aul .Schüler beziehen. Einmal sind sie als bloße Gruppe  (gruppa 1. maVllknv

    SU j

    a

    7,  •'"*

     ( к и т mn  J u n g e n s t a n d

      d r a u ß

    «n'), einmal

     a l»

     Klassen-

    verband (gruppa = klan)  gemeint

    rband (gruppa = klan)  gemeint

    / *

      ^

    U t u n

    « "" ' ' « "' » » ' • ' « Produkt der Kxpansion eine« Fach-

    d

      W d l

      **

      i

    terrr/m

    U   h e

    m it  d i l S t \  >

    7

      mm

      '

    x

    W U

    '

    d e  a l s

      »***

      w i c  im

      '

    Sl

     

    var

    '

      XhXV

     

    < l d l

      i» Sreznevskij

    B  S

    '

    Var

    '

      XVI

     

    mm

      »««n Mal 176

    tíne

    '

      A

    "

    l e i t u n

    «  '"'

      M a l

    « « »""

    u n

    *

      w i r d

      «  "И Beispielen von Ra

    SP RA CH LICH B ENTWICKLU NO

     AIS

     UXI'ANSION

     U NO

     R l iO U K H O N

      14

     ^

     

    kommt

     also deutlich  später vor; im

      Slovar' XVIII

      ist diese Ht-dc-uiung aU ^.

    nach der fachsprachlichen als 1. Bedeutung aufgeführt.

    Ich gehe unabhüngig von einer endgültigen   Hm sehe id u ng bezüglich der

    Chronologie der Entstehung der heutigen Standurdbedcutung

      (gmppa l.)

      von

    einer Kxpansion von .Menge von konkreten individuellen X, die ...' /u .Men-

    ge von individuellen X, die ...' aus, also von der Hxpmision der Kategone X

    und damit dem Verlust der ursprünglichen kategorialen Hinschrfinktmg auf

    konkrete Individuen. Dièse Expansion führte zur Aufhebung der typischen

    Opposition /wischen konkreten Objekten (Slandardhedeutung) und uhstrakten

    Hntitäten (metaphorische Bedeutung), wie sie auch hei

      klin

     und vor allem bei

    cep'/.w  sehen ist. An die Stelle einer spezifischen Slandardhedeutung (Typ

    gruppa ljude}

      .Gruppe von Menschen') ist eine allgemeine getreten (Typ

    gruppa ljudej/.../argumentdv  .Gruppe von Mennc hen/., . /Arg umen ten') . Kr-

    fasst also eine metaphorische (oder andere)  Fix pansion auch die Stundardbe-

    deutung in der Weise, dass diese durch eine allgemeine Stiindardhedeutung

    ersetzt wird, kann von einer de lc xi ka li gi er te n St un da rd he de ul un g

    gesprochen werden.

    Delexikalisierung wird hier als Verringerung des uutoMMiianiischcn In-

    halts von Bedeutungen verslanden (in der Grummaiikalis ierungsliteiutu r häutig

    als „Ausbleichen"/ „bleaching" bezeichnet), was nicht notwendigerweise als

    Verlust des lexikalischen Status zugunsten eines   g ram malischen Status /u in-

    terpretieren ist. Auch Grammatikalisierung wird hier als r e l a t i ve Zunahme

    an Grammalizitift verslanden, un deren Knde eine voll grammiiií kalísíerte

    Funktion hzw. Kategorie stehen kann, aber nicht

      н и ш , Auch die

      (Jcncrali

    Nierung von alte rnativen meta phor ischen Bedeutun gen ist somit eine Dclcxika

    lisierung, freilich auf dem

      Kontinuum

      möglicher IJcI exikulisíerungiípro/ csse

    eher

     am Anfang plalziert.

    Kine

     delexikalisieite Slandardbedeuiung hat (biglich

     einen

      Wandel

     durch

    gemacht.

     Dessen Rekonstruktion

     enthält

     neben den olwn zu

     iep'

      aulgelührten

    Veränderungen

      I . I I1 .

     eine vierie:

    IV. D ie Vereinigung der

     Standaidhedeutung

     und alternativer Bedeutunjicn /u

    einer neuen  Stan daidhedeulung aU Bedeutungswandel mit einer l'xpan

    sion

     und K eduktion des Inventar ) an Bedeutungen.

    H i nc  an aloge liiilwicklun^ ilail iür die Siandardbedeulun g deb Verbs

      rum

    .wachsen' angesetzt werden, deien

      inetaphoritchei

      Ur sprung intu itiv deutlich

    erfassbar ist, bei der synchron aber ebenfalls

      nicht mehr

     der wrnianUwhc Ur

    sprung erken nbar ist. Ist dir U rsptun^skalegorie menschliche*, pfluił /lich ei,

    belebtes

     oder biologisches Wachseu? Im Altruss ist

     nach

     dem

      Sfavar' XI XVII

    rasti

      zumindest in der Sch iiltsprach c bcieiis in den un gegenstand)klien H r

    icich

      expandiert,

     vjíl.  tustřa&ť duth"m'

      .wu ch s an de» Seele ' 1111

     ObUomii

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

    15/45

    1 Q J

      V O L K M A E  L E H M A N N

    Evangelium (1057) ,  rasief  m u ka  , d i e Pe in wäc h s t ' im Iz bo r n ik  Svjaloslaya

    ( 1 0 7 3) u a D a s s t r o t z d e m in tu i t i v n o c h h e u te e in e M e ta p h o n s ie r u n g ges p U r t

    wir d k a n n u . a . d a d u r c h e r k lä r t we r d e n , d a s s d ie W u r z e l [ r a s ,

     ros)

      n a n d e

    ren

      W ör ter n n o c h e in e k o n k r e te B ed e u tu n g h a t u n d d e r u r s p r ün g l i c h e n B e d e u

    tung naher blieb, vgl .

      rastenie

      . P f l a n z e ' ,  roslok  , K e i m ,  Spross

    1

    » ( d ie E ty m o

    logie scheint un klar zu sein , s . Vasmer 195358) .

    S te ll t m a n n u n e in e n h y p o th e t i s c h e n fr üh e n E n twic k lu n gs s ta n d u n d d e n

    h e u t ige n S ta n d d e r E n twic k lu n g v o n   rasli  g e g e n ü b e r , d a n n e r k e n n t m a n w i e

    d e ru m e in e n W a n d e l d e r S ta n d a r d be d e u tu n g . An d ie S te l l e v o n

    1.  X rastet

     =

      .belebtes Objekt '

    3

      X n im m t a l lm äh l i c h a n v e r t i k a le r G r öße z u '

    trat

    1. X

     rastet

      =  , X n im m t a l lm äh l i c h z u ' .

    D ie   k o m bin a to r i s c h e E x p a n s io n i s t h i e r a l s o a u c h s o we i t ge ga n ge n , d a s s z u

    d e m A r gu m e n t d e r S ta n d a r d be d e u tn n g p r in z ip ie l l k e in e Se le k t io n s r e s t r i k t io

    n en   m e h r be ste h e n ( a u B e r A c h t b le ibe n s a c h lo g i sc h o d e r s t i l i st i s c h be gr ün d e te

    R e s t r ik t io n e n ) .  Rasti  k a n n h e u te m i t a l le n K a te go r ie n v o n Su b je k t A r gu m e n

    ten   k o m bin ie r t we r d e n , s o d a s s d ie E x p l ik a t io n d e m d t . Verb  (allmählich) zu

    nehmen   e n t s p r i c h t . Die K o m bin a t io n e n v o n

      rasti

      m it čisto  . Z a h l ' ,

      inßjaclja

    . Inflat ion ' ,

     strach

      . Sc h r e c k e n ' ,

     zdanie

      . G e b ä u d e ' f ü h re n a l s o n u r z u V a r i a n t e n

    vo n

     rasti  I. ,

      ihnen entsprechen nicht verschiedene lex ikalische Bedeutungen

    E in   W o r t z u r N ic h t A u fh e bu n g d e r A lte r n a t io n S ta n d a r d : a l t e r n a t iv e B e

    d e u t u n g e n .

      Be i  klin  , K e i l ' u n d  с е р '  . K e t t e ' i st d i ese Aufheb un g n i ch t g e

    s chehen ,  weil  S t an d ar d un d a l t er n a t iv e Bed eu t u n g en s i ch d ur ch d i e An / Ab

    wesenhei t   zusä t z li che r Komponen t en (Ges t a l t g , Aufgabe a ) un t e r s ch e i den .

    Deshalb is t die S tandardbedeutung nicht delexikal i s ier t wo rden .

    Bet rachten wir demgegenüber

    О

      г

      — *   ».Mnjn »̂ т ы |  • • • •

    .—• • • " к " vo m T yp   glubokaja  peč f  . t i e fe T r a u r i g k e i l u n d

    . h o c h M e t a p h er n v o m T y p   vysok j  r ng  . h o h e r R a n g h a b e n  jeweils  ana loge

    3 £

    п Т в

    е B e d e u l U n 8 e n

    '

      d i e s i c h n u r i n d e r

      Selektionsrestriklion unter

    S PRAC HL I C H E E N T WIC K L UN G AL S E X PAN S I O N UN D RHDD K T I O N

      HS

    glubokij  X=  ,X ist  g r o ß ' u n d , X i s t e in e p s y c h i s c h e E n t i l a V

    vysokijX

      =  , X i st g r o ß ' u n d , X i st e in e s o z ia le S te l lu n g u n d / o d e r W e r

    t u n g ' .

    1 4

    D ie

      G e n e r a l i si e r u n g d e r m e t a p h o r i sc h e n B e d e u t u n g e n d e r b e i d e n

     Adjektive

      ist

    a u f b e s ti m m t e K a t e g o r ie n b e s c h r ä n k t u n d e i n e k o m b i n a t o r i s c h e E x p a n s io n v o n

    glubokij

      o d e r v o n

      vysokij

      übe r d ie se K a te go r ie n h in a u s z u b lo ß e m , X is t g r o ß '

    i s t n i c h t zu e r wa r te n , a u c h n ic h t e in e E x p a n s io n i n a n d e r e B e r e ic h e , d e n n für

    d ie s t e h e n be r e i t s e ige n e  Adjektive  bereit , vgl .  bol'Soj  . g r o ß ' ,  sil'nyj  . s t a r k ' ,

    krepkij

      ,fesť .

    G e n e r a l i s ie r t e L e x e m e w i e  gruppa  ) . o d e r  rasti  1. be f in d e n s i c h a u f d e r

    S k a l a d e r l e x ik a l i sc h e n E x p a n s i o n s m ö g l ic h k e i t e n a m M a x i m a l p o l , A m a n d e

    re n   Po l be f in d e n s i c h s in gu la r e E x p a n s io n e n wie  serp  luny,  d ie k e in e we i t e r e

    E x p a n s io n d u r c h g e m a c h t h a b e n . D a s K o n t i n u u m v o n m e t a p h o r is c h e n E x p a n

    s io n e n k a n n in fo lge n d e r T a be l l e e x e m p l i f iz i e r t u n d d e n B e gri ffe n E n twic k

    l u n g s s c h r it t u n d p r o z e s s w i e

     folgt

      z u g e o r d n e t w e r d e n :

    E n t w i c k l u n g s s c h r i t t

    s i n gu la r e

    M e t a p h o n s i e r u n g

    serp

      luny

    vbit'

      klin meždu  ...

    E n twic k lu n gs p r o z e ss

    generalis ier te

    M e t a p h o n s i e r u n g

    les 2. Xa

    klin 2 .4 . X a

    cep'

      2.J..4.

     X a

    delex ikalis ier le

    S

     i

     a n d i ir d be d e u tu n g

    gruppa

      1 . Xov

    X rastet  1.

    Arien metaphorischer Expansion

    2 . D i e v i e r g r u n d l e g e n d e n V e r ä n d e r u n g s a s p e k t e

    D ie

      V e r ä n d e r u n g e n d u r c h E x p a n s i o n u n d R e d u k t i o n m a n i f e s t i e r e n s i c h i n a l

    l en B e r e i c h e n d e r S p r a c h e . F ü r e i n e B e s c h r e i b u n g v o n E n t w i c k l u n g e n s c h e i

    n en   m i r f o l ge n d e A s p e k t e g r u n d l e g e n d :

    d i e V e r ä n d e r u n g v o n I n v e n t a r u n d K o m b i n a t o r i k ;

    d i e V er ä n d e r u n g v o n E i n h e i t e n , K a t e go r i e n u n d S y s t em e n ;

    d i e V e r ä n d e r u n g i m F o n n K u n k t i o n s v e r h i i l t n i s ;

    d i e V e r ä n d e r u n g v o n L e x i k a li s c h e m u n d G r a m m a t i s c h e m .

    B e i d e r B e s c h r e i b u n g u n d R e k o n s t r u k t i o n v o n E n t w i c k l u n g e n s i n d d i e s e A s

    p e k le im m e r a h / u f r n j i e n . D a be i wir d s i c h h a 'u f ig e r ge h e n , d a s s d ie B e n r be i lu n g

    z . B . a u f ei n e K a t e g o r i e , a u f d i e F u n k t i o n e n o d e r a u f G r a m m a t i s c h e s e i n g e

    s c h r än k t o d e r k o n z e n t r i e r t wi r d . Im U n te r s c h ie d d i i / u k O n n e n im R e ge l fa l l In

    / II

      tlcii

    I 'M) .

    i

      11

     c i i i u H i n g e n

      vo n

      m o A f/ u m l

      glubokij \ .  L e h m a n n

      ( l ' ) 7 i ,

      I K I )

  • 8/18/2019 Sprachliche Entwicklung Als Expansion Und Reduktion 1999

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    V O L K M A R L E H M A N N

    venlar und Kombinatorik nur gemeinsam in ihr« Wechselwirkung analysiert

    werden Dies ist daher der jeweil ige Schllisselaspckt und immer präse nt (wes-

    halb Beispiele speziell zur Veränderung von Inventuren und Kombinalions-

    bedingungen zunächst nur in knapper Form gebracht werden).

    2 . 1 .

      Die Veränderung von Inventar und Kombinatorik

    einer Sprachebene in eine andere, z.B. von ie-

    . a t e g O r i e ,  UIC DCUCUlUllgCII CIIICS pUlJfSCIlICII  1 У  U l i c a ,  U1C I  1 IU I№ I II & t l ll ť a LJIU

    lekts.

     Als Kombinatorik wird die Men ge der Regeln zu r Verbin dun g von Be

    s tandteilen eines Inventars bezeichnet.

     D a z u

     gehören grammatische

     K o m b in a

    tor iken  wie die Syntax einer Sprache o d e r  lexikalische wie die Rektio nstypen

    vo n

      Verben

      o d e r

     einer lexikalischen Kategorie wie der Verba

      d i c e n d i ,

     Selek

    t ionsres tr ik t ionen

     ebenso wie

     P h o n o t a k t ik .

     Zwei Beispiele:

    Beispiel zur Expansion des Inventars der polnischen Lexik auf der Basis aus

    gezähl ter L e m m a t a  (n a c h D ubisz 1996/97, 339ff.):

    1 0.   11. Jh. ca. 2000 (Lehr Splawiriski)

    E n d e

     15. Jh . ca. 15 000 (Klem ensiewicz)

    16. 18. Jh. ca. 50 000  ( L in d e )

    Ncupolnisch

      ca. 125 000 (D oroszewski)

    Volkspolen ca. 300 000

    Beispiele

     zur Expansion der  K o m b i n a t io n s b e d i n g u n g e n :

    •   Wortbildun g, russ. Suffix  ničafu  ( А Й В   heißt, dass A erhalten

    bleibt und

      В   d a z u k o m m t ;  der Reihenfolge der Beispiele  e n t s p r i c h t

    eine zeitlich e Abfolge, so dass die D i s t ri b u t i o n  von  niiaf  relativ zur

    K a t e g o n e

     der

     Ableitungsslämme

     e x p a n d ie r t )

      . ^ « ( S u b s t a n t i v für  HtnUtsapolniCaf  jeman d sein'  ( E n d e

    1  »Jh.

      n o c h

      selten) ;

    í ' * ? ' / , ' " ' *

      (

    ,

    S u l M l a n t i v

      f«r  P e r s o n  mit bestimmter Eigenschaft)  i

    oezael mlai  ,sich wie jemand verhalten'

      ť a z l í

     

    s u

    J C k l

    '

    V )  ž  Ы м

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    17/45

    19 8

    V O L K M A R L E H M A N N

    was durch einen eigenen Veränderungsbegriff in der Beschreibung erfasst

    werden muss.

    Änderungen auf einer höheren Ebene sind daher nur solche die mehrere Ver-

    We r Tg en auf einer niedrigeren einerseits voraussetzen Sich aber andererseits

    S dann erschöpfen. Eine Kristallisierung in der Gramm atik setzt de,,