solidarität oÖ, feb. 2015

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Die ÖGB-Zeitschrift für die Arbeitswelt

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  • www.oegb.at

    REPORTAGEDie Brauerei Stiegl macht Vieles selbst, was andere auslagern Seiten 1012

    70 JAHRE GB Jetzt sind Sie am Wort! Alle Infos zum Sprchewett-bewerb auf Seite 13

    Nummer 958 Februar 2015

    IN DIESEM HEFT:

    Rechtsfall: Schwanger und gekndigtBerufskrankheit: Fragen und AntwortenSteuertipps: So holen Sie sich Geld zurck

    Wenn Arbeit wehtutPolizist Markus Brunner erzhlt Seiten 47

    O..GJ-Inter-view: Frauen sind kein Risiko

    Seite 18

  • 2 2 SOLIDARITT NR. 958 /// 2015

    KOMMENTAR

    GB-Prsident Erich Foglar ber die Ungleichverteilung der Steuerlast 3

    TOPSTORY

    Gewalt am Arbeitsplatz nimmt zu 4-7

    ARBEIT & POLITIK

    Meldungen, Kommentar 970 Jahre GB 13

    REPORTAGE

    Bierbrauerei Stiegl 1012

    RECHTSFALL

    Schwangere Frau gekndigt: Arbeiter-kammer interveniert erfolgreich 14

    PORTRT

    Der Postmann klingelt tglich 15

    SERVICE

    Berufskrankheiten 16Frauentag: Interview 17

    BUNDESLAND

    Aktuelles, Service, Kontakte 1819

    SERVICE/UNTERHALTUNG

    Die besten Steuertipps 20Kochen 21Faire Blumen 22Rtsel mit Gewinnspiel, Cartoon 23

    BIB STATT IAGDie IAG wird es nicht mehr geben. An ihre Stelle tritt die sterreichische Bundes- und Industriebeteiligungs-Holding (BIB). Die Neuregelungen sollen einen ver-antwortungsvollen Umgang mit den Beteiligungen des Bundes an Post, Telekom und OMV gewhrleisten. Die Republik hat jetzt wieder die Mg-lichkeit, ihre Verantwortung als Eigen-tmerin wahrzunehmen.

    DREISTE INSERATE Die Plattform Watchlist Praktikum verffentlicht ab sofort besonders dreis-te Jobausschreibungen. Aus diesen lsst sich nmlich oft schlieen, ob es sich bei dem Praktikum nicht vielmehr um ein verstecktes Arbeitsverhltnis handelt. So werden etwa Qualifikationen gefor-dert, die dann aber nur mit einem Ta-schengeld entlohnt werden. www.watchlist-praktikum.at

    K U R Z U N D B N D I G

    Nein zu Sonderklagerechten

    HANDELSABKOMMEN, die die Gesetze zum Schutz von ArbeitnehmerInnen oder der Umwelt aufweichen

    wollen, um mehr Profit fr die Konzer-ne herauszuschlagen, werden vom GB und den Gewerkschaften klar abgelehnt. Scharf kritisiert werden die Sonderklage-rechte: Firmen sollen das Recht erhalten, Staaten auf Schadensersatz zu verklagen, wenn ihre Gewinne z. B. durch Umwelt-schutzgesetze geschmlert werden. Der GB hat gemeinsam mit der Arbeiterkam-mer und anderen Organisationen eine Aktion gestartet, damit auch Arbeitneh-merInnen die EU-Kommission an ihr klares Nein zu diesen Vertrgen erinnern kn-nen. Bisher haben sich mehr als 130.000 Menschen dagegen ausgesprochen. www.no2isds.eu/de/news

    EU-Kommission stur

    OBWOHL SICH bei der eu-ropaweiten Umfrage fast neun von zehn Befragten gegen die im Raum stehen-

    den Sonderklagerechte fr Konzerne ausgesprochen haben, hlt die EU-Kom-mission weiter daran fest. Was das kon-kret fr Staaten bedeuten kann, zeigte sich in den letzten Jahren: Die Klagen von Multis gegen staatliche Beschls-se haben stark zugenommen. Ein Bei-spiel ist der Energiekonzern Vattenfall, der Deutschland verklagt, weil ihm der Atomausstieg nicht passt. Eine Entwick-lung, die nicht toleriert werden kann. Sollten diese Klagen erfolgreich sein, wrde dies zu einem Aushebeln demo-kratischer Entscheidungen fhren, sagt Manuela Auer, GB-Vorarlberg-Landes-sekretrin.

    ADRESSNDERUNGEN

    Tel.: 01/53444-39100MontagDonnerstag 816.30 Uhr,Freitag 912 Uhroder unter service@oegb.at

    I N H A L T / / / A K T U E L L

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  • 3SOLIDARITT NR. 958 /// 2015

    K O M M E N T A R / / / K A M P A G N E

    Knapp einen Monat Zeit hat die Regie-rung noch, um zu einem Ergebnis in puncto Steuerreform zu kommen. Und dass es hchste Zeit ist, die Abgaben auf Arbeit zu senken, das wurde im jngs-ten Sozialbericht des Sozialministeriums einmal mehr durch harte Zahlen belegt. Der Bericht bildet eine Entwicklung ab,

    die global und national zu beobachten ist: Die Kluft zwischen Arm und Reich vergrert sich. Seit mittlerweile 30 Jahren steigen die Unternehmens- und Vermgenseinkommen str-ker als die Einkommen aus Arbeit. Whrend die Lhne und Gehlter im letzten Jahrzehnt im Schnitt um knapp drei Pro-zent pro Jahr gestiegen sind, waren es bei den Gewinnen und Vermgen 4,5 Prozent jhrlich. Trotz erfolgreicher Lohnrun-den, die den ArbeitnehmerInnen mehr Bruttoeinkommen sichern, mussten viele netto einen Verlust hinnehmen (nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbetrgen) das

    ist eine unmittelbare Folge der Ungleichverteilung der Steuer-last. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Wir brauchen eine rasche Lohnsteuersenkung, von der die Menschen auch wirklich etwas merken. Das Gesamtaufkommen einer Steu-

    erreform muss den ArbeitnehmerInnen zugutekommen. Es geht nicht darum, eine Neiddebatte zu schren, wie uns die Industriellenvereinigung vorwirft. Wir fordern lediglich eine faire Entlastung fr die ArbeitnehmerInnen und Pensionis-tInnen, die den grten Teil der Steuerlast tragen. Wir leben in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, der hierzulande funk-tionierende Sozialstaat konnte das Schlimmste verhindern, zu einem Konjunkturaufschwung knnte die Strkung der Kaufkraft wesentlich beitragen. Deshalb ist es immens wich-tig, die Schieflage im Steuersystem jetzt zu begradigen.

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    ERICH FOGLAR, GB-Prsident, ber die Ungleichverteilung der Steuerlast

    FORDERN, WAS EUCH ZUSTEHT!

    Trotz guter Lohnrunden mussten viele netto einen Verlust hinnehmen.

    LIZENZ ZUM AUSBEUTEN?Die Dreharbeiten zum neuen Bond-Film in sterreich sind gut und bringen wichtige Impulse fr Wirtschaft und Tou-rismus. Nicht so gut: Die MitarbeiterInnen einer privaten Sicherheitsfirma mssen sich an den heimischen Drehor-ten einiges gefallen lassen. Der Gewerkschaft vida liegen Dienstvertrge vor, die man auch die Lizenz zum Ausbeu-ten nennen knnte. Die berprfungen ergaben Verste, die von einer Ver-krzung der Verfallsfristen ber fragwrdige Konkurrenz-klausen bis hin zu Differenzen bei der Arbeitszeitaufzeich-nung reichen. Mehr dazu auf www.vida.at

    KEINE PANIKDas faktische Pensionsan-trittsalter ist um 13,2 Monate gestiegen. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, so Bernhard Achitz, Leitender Sekretr des GB: Alle Alarmrufe, wonach die Pensionen bald nicht mehr finanzierbar wren, entbehren also jeder serisen Grundlage.

    NIE VERGESSENVor 70 Jahren befreiten sowjetische Soldaten die Gefangenen des Konzentra-tionslager Auschwitz-Birke-nau. In diesem KZ wurden insgesamt 1,1 Millionen Menschen ermordet, dar-unter auch Mitglieder der damals illegalen Gewerk-schaften. Der GB gedenkt der Opfer der Nazi-Greuel.

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  • 4 SOLIDARITT NR. 958 /// 2015

    Viele Arbeitneh-merInnen sind am Arbeitsplatz

    krperlicher oder psychischer Gewalt ausgesetzt. Die Gesellschaft hat sich ver-

    ndert, die Hemmschwelle von frher ist nicht mehr gegeben. Auch ist der Respekt gegenber

    der Polizei verloren gegangen, sagt Polizist Mar-kus Brunner, der selbst Opfer von Gewalt whrend eines Einsatzes wurde. Erfahrungen mit Respekt-losigkeit und wenig Kompromissbereitschaft hat auch Doris Czvitkovics in ihrem Job als Busfah-

    rerin gemacht: Menschen sind viel aggres-siver geworden. Wir werden angespuckt,

    die AutofahrerInnen hupen oft, wenn wir aus der Haltestelle raus-

    fahren.

    AUF EINEN BLICK

    T O P S T O R Y

  • 5SOLIDARITT NR. 958 /// 2015

    T O P S T O R Y

    oder den Fernseher leiser und versprechen, sich zu migen und die Nachba-rInnen bei ihrer Nachtru-he nicht weiter zu stren. Doch bei diesem Einsatz sollten Brunner und seine Kollegen nicht so glimpflich davonkommen. Bereits vor dem Anklopfen an der Wohnungstr hrten wir lautes Geschrei, Partylrm. Als wir uns als Polizisten zu erkennen gaben, wurden wir einerseits beschimpft, andererseits ignoriert. Un-serer Aufforderung, sich auszuweisen, kam keiner der Anwesenden nach, be-richtet Brunner. Drei stark alkoholisierte Mnner und eine Frau ebenso unter Alkoholeinfluss im Alter zwischen 30 und 35 Jahren

    Schlagen, krat-zen, schreien und spucken: Fast jede/r zwei-te Beschftigte im Dienstleistungssektor war schon einmal Opfer von Gewalt am Arbeitsplatz die heutige Schnelllebigkeit und vor allem der steigende Wettbewerbsdruck fhren dazu, dass Attacken und bergriffe sich hufen. In Deeskalationstrainings ler-nen BusfahrerInnen, Polizis-tInnen und VerkuferInnen, gefhrliche Situationen zu meistern. Auch wenn bei Schulungen und Trainings extreme und brenzlige Si-tuationen nachgestellt wer-den, sieht die Realitt oft an-ders aus. Vor Ort haben wir nur ein paar Sekunden, um die richtige Entscheidung zu treffen und die Gesund-heit anderer Menschen, aber auch unsere eigene nicht zu gefhrden, erzhlt Polizist Markus Brunner aus seinen Erfahrungen.

    Einsatz eskaliert

    Markus Brunner wurde Ende 2014 in Wien zu einem fr ihn ganz harmlosen Einsatz wegen Lrmbels-tigung gerufen. Die meisten dieser Einstze verlaufen relativ ruhig ab, die Betrof-fenen drehen die Musik

    feierten ausgelassen und lieen nicht mit sich reden. Ganz im Gegenteil: Brun-ner und sein Kollege wur-

    den wst beschimpft, sie sollten sich schleichen. Die Situation eskalierte, als zwei der Mnner anfingen, die Polizisten zu stoen und zu treten. Diese informier-ten per Funk ihre Kollegen