solidarität oÖ, dezember 2014

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Dezember-Nummer der ÖGB-Zeitschrift Solidarität, Oberösterreich-Ausgabe

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  • TOPSTORYArbeitsmarkt: Schwierige Zeiten fr Per-sonen ber 50 Seite 47

    RECHT UNDOK-Stelle hilft bei undo-kumentierter Arbeit

    Seite 14

    Nummer 957 Dezember 2014

    IN DIESEM HEFT:

    Warnung vor geflschten MedikamentenDie grten Irrtmer im ArbeitsrechtKinder bei der Teeernte

    www.oegb.at

    Mehr als nur Bahnhof Seiten 1012

    O..Spitalsbe-schftigte klagen ber Stress

    Seite 19

  • 2 2 SOLIDARITT NR. 957 /// 2014

    KOMMENTAR 3

    GB-Prsident Erich Foglar ber die Debatte zur Lohnsteuersenkung

    TOPSTORY 4

    ltere Menschen am Arbeitsmarkt

    ARBEIT & POLITIK 9

    Meldungen, Kommentar 9Telegramm 13

    REPORTAGE 10

    Hauptbahnhof: Zug fhrt ab

    RECHTSFALL 14

    UNDOK-Anlaufstelle untersttzt undokumentierte ArbeitnehmerInnen

    PORTRT 15

    FloristIn: Vielen Dank fr die Blumen

    SERVICE 16

    Online-Apotheken 16Interview zu fit2work 17

    BUNDESLAND 1819

    Aktuelles, Service, Kontakte

    SERVICE/UNTERHALTUNG 20

    Irrtmer im Arbeitsrecht 20

    Kochen 21

    Fairer Tee 22

    Rtsel mit Gewinnspiel, Cartoon 23

    WIRTSCHAFT AUF DER BREMSEDie Altersarbeitslosigkeit steigt, doch die Wirtschaft blockiert das vom GB geforderte Bonus-Malus-System (siehe Topstory) obwohl es im Regierungs-programm steht. Besonders rgerlich ist, dass die Wirtschaft sich zwar weigert, die Beschftigung lterer zu forcieren, aber gleichzeitig die Anhebung des Pensions-antrittsalters und eine Pensionsautoma-tik fordert. Mehr dazu auf Seite 13

    GESUNDHEITSRISIKO ARBEIT Rund eine Million Menschen leidet an einem durch die Arbeit ausgelsten Ge-sundheitsproblem. Das besttigt eine aktuelle Erhebung der Statistik Aust-ria. Am hufigsten kmpfen Beschf-tigte mit Rckenproblemen, gefolgt von Beschwerden mit dem Nacken, den Schultern und den Armen. Auch Stress (5,7 Prozent) und Depressionen (4,4 Pro-zent) wurden genannt.

    I N L E T Z T E R M I N U T E

    Endlich Vergangenheit!

    DIE MELDEPFLICHT fr Pen-sionistInnen bei lngeren Auslandsaufenthalten knn-te in Krze der Vergangen-

    heit angehren. Das besttigte das Bro von Sozialminister Rudolf Hunds torfer Anfang Dezember gegenber der Austria Presse Agentur (APA). Konkret geht es da-rum, dass derzeit die Pensionsansprche ruhen, wenn sich ein/e PensionistIn fr mehr als zwei Monate ins Ausland begibt, ohne dafr eine Zustimmung der Pensions-versicherungsanstalt eingeholt zu haben. Allerdings gilt das fr Lnder, mit denen es keine entsprechenden zwischenstaat-lichen berein kommen gibt, zum Beispiel wenn jemand seinen Lebensabend in Thailand verbringen will. In Zukunft sol-len sich Auslandssenioren einmal im Jahr melden mssen.

    Zusammenstreichen

    DER WK-CHEF will die Kran-kenkassen zusammenlegen, der Finanzminister will die Sozialversicherungsbeitr-

    ge krzen. Schlechte Idee, denn mit der Zusammenlegung liee sich kaum etwas sparen, die Ausgaben der Kassen fr die PatientInnen wrden dadurch nicht we-niger. Der zweite Vorschlag, die Beitrags-senkung, wre aber wirklich eine Gefahr fr den Sozialstaat: Denn wenn die Kas-sen weniger Geld zur Verfgung htten, dann mssten sie auch ihre Ausgaben krzen. Das bedeutet, dass sie weniger Leistungen anbieten werden. Die Leid-tragenden wren Menschen, die wenig Geld zur Verfgung haben. Sie knnten es sich nicht leisten, beim Arzt die Kos-ten selbst zu bezahlen, die die Kasse dann nicht mehr bernimmt.

    ADRESSNDERUNGEN

    Tel.: 01/53444-39100MontagDonnerstag 816.30 Uhr,Freitag 912 Uhroder unter service@oegb.at

    I N H A L T / / / A K T U E L L

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    GB

  • 3SOLIDARITT NR. 957 /// 2014

    K O M M E N T A R / / / K A M P A G N E

    Die 882.184 Unterschriften sprechen eine klare Sprache: Die sterreicherIn-nen wollen endlich mehr netto von ih-rem Lohn und zwar jetzt! Aber wh-rend die Einnahmen aus der Lohnsteuer heuer im Vergleich zu 2013 um eine Mil-liarde gestiegen sind, wird in der Regie-rung diskutiert. Statt ein vernnftiges

    Gesamtpaket zu verhandeln, werden einzelne Testballons losgelassen. Zuletzt: eine hhere Mehrwertsteuer. Das kann nur einen lauten Knall geben, denn eine generelle Erhhung der Mehrwertsteuer auf Gter des tglichen Lebens kommt fr uns nicht in Frage. Die ArbeitnehmerInnen werden ihre Entlastung sicher nicht mit teureren Lebensmitteln, Mieten oder Medikamenten bezahlen. Die Steuerreform muss einen ganz klaren Fokus haben: die arbeitenden Menschen in die-sem Land zu entlasten. Mit dem Modell von GB und AK liegt ein Modell vor, von dem vor allem kleinere und mitt-

    lere Einkommen profitieren. Das brchte auch mehr Kauf-kraft und damit einen dringend bentigten Impuls fr die Wirtschaft.

    Natrlich darf eine Steuerreform kein Loch in das Budget reien, deswegen braucht es eine Gegenfinanzierung. An dieser Stelle sei daran erinnert, dass Vermgen in sterreich extrem ungleich verteilt ist: Das reichste Hundertstel besitzt mehr als vier Zehntel des gesamten Vermgens.

    Die Regierung hat sich vorgenommen, bis zum 17. Mrz ein Konzept vorzulegen. Es sind nicht einmal mehr 100 Tage bis dahin Zeit, nicht mehr Testballons steigen zu lassen, son-dern endlich die rmel hochzukrempeln und zu arbeiten.

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    ERICH FOGLAR, GB-Prsident, ber die Debatte zur Lohnsteuersenkung

    STEUERREFORM MUSS EINEN KLAREN FOKUS HABEN

    Zeit, die rmel hochzukrempeln und zu arbeiten.

    HUNDERTEN BESCHFTIGTEN DROHT JOBVERLUSTDer Faserhersteller Lenzing baut in Obersterreich 390 Jobs ab. Weitere 210 Stellen fallen in China und Indonesien weg. Lenzing will ein Viertel des Stellenabbaus mittels Pen-sionierungen und nicht nachbesetzter Stellen bewltigen, der Rest wird gekndigt. Betroffen sind vor allem Beschf-tigte in der Verwaltung und im Vertrieb. Vom Jobverlust sind auch 19 ArbeitnehmerInnen der Paperbox betroffen. Die Geschenkartikelkette mit acht Filialen in Wien, Nieder-sterreich und Obersterreich ist insolvent. Laut Paperbox waren die Umsatzzahlen rcklufig.

    GB VERGIBT STIPENDIENDer Johann-Bhm-Fonds, benannt nach dem ersten GB-Prsidenten, frdert wissenschaftliche Arbeiten von Gewerkschaftsmitglie-dern mit bis zu 5.000 Euro. Bewerbungen sind bis Mai 2015 mglich. Frderbedin-gungen und Themen: www.oegb.at/stipendien

    BR-LEGENDE GESTORBENFranz Ruhaltinger, lang-jhriger Zentralbetriebs-ratsvorsitzender der VEST und Vorsitzender des GB Obersterreich, ist mit 87 Jahren verstorben. Er war engagierter Kmpfer, Mitge-stalter der Zweiten Republik und berzeugter Gewerk-schafter.

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  • 4 SOLIDARITT NR. 957 /// 2014

    Immer mehr ltere Menschen sind von Arbeitslo-

    sigkeit betroffen. Der Arbeitsklima-Index zeigt, dass sie im Gegensatz zu

    Jngeren viel lnger brauchen, um einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Davon knnen auch Klaus B. (55), Roman N. (51) und Maria

    B. (52) ein Liedchen singen. Ihre Bemhungen blieben bisher erfolglos viele Betriebe beant-

    worten die Bewerbungen erst gar nicht. Der GB fordert die Einfhrung eines Bonus-

    Malus-Systems fr die Beschftigung lterer ArbeitnehmerInnen.

    KURZ & BNDIG

    T O P S T O R Y

  • 5SOLIDARITT NR. 957 /// 2014

    T O P S T O R Y

    nert sie sich. Die angespannte Situation in der Firma wurde durch eine Knieoperation zustzlich erschwert. Sie haben mir nicht geglaubt, dass ich wirklich krank bin, kontrollierten und bedroh-

    ten mich immer wieder te-lefonisch. Mit der Aussage Ich passe nicht mehr in das Team wurde ich nach dem Krankenstand gekndigt, erzhlt Maria B. unter Tr-nen. Heute wei sie, dass es nur gut fr sie ist, nicht ln-ger in dieser Firma beschf-tigt zu sein, dennoch pla-gen sie Schuldgefhle: Was habe ich falsch gemacht,

    ist es meine Schuld, dass ich den Job verloren habe? Seit Februar 2014 ist Maria B. auf der Suche nach einem neuen Job, erfolglos. Dut-zende Bewerbungen hat sie bisher abgeschickt, nur eine

    einzige Einladung zum Vor-stellungsgesprch bekam sie in den zehn Monaten. Das war eine berraschung, normalerweise kommen nur Absagen oder gar keine Antwort, das ist echt frust-rierend, sagt die Arbeitsu-chende. Auch die aktuellen Arbeits-losenzahlen sprechen eine hnliche Sprache: War vor

    fnf Jahren jeder fnfte Ar-beitsuchende ber 50, so ist es heute schon jeder vierte.

    Alarmierende Arbeitsmarktdaten

    Hinzu kommt, dass die Ar-beitslosigkeit mit zuneh-mendem Alter immer lnger dauert und die Menschen schwerer einen neuen Job finden. Auch im November 2014 stieg die Arbeitslosig-keit in dieser Altersgruppe laut AMS-Statistik mit plus 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr berdurchschnitt-lich an. "Mehr als 407.000 Menschen sind ohne Job, vor allem bei lteren sind die aktuellen Arbeitsmarktdaten alarmierend", sagt Bernhard Achitz, Leitender Sekretr im GB. "Zustzliche Mit-tel fr Arbeitsvermittlung sind zu wenig, wenn Un-ternehmen keine Menschen ber 50 beschftigen." Des-halb fordert der GB die Einfhrung eines Bonus-Malus-Systems. Betriebe mit berdurchschnittlich vielen lteren ArbeitnehmerInnen sollen einen Bonus erhalten, mit dem sie zum Beispiel in alternsgerechte Arbeits-pltze investieren knnen. Zur Finanzierung dieses Bonus sollen diejenigen Fir-men beitragen, die zu we-nige ltere beschftigen.

    E s war der An-fang vom b e r u f l i c h e n Ende: "Als ich 50 wurde, ging es in der Firma nur noch bergab. Mir wurden Sachen unterstellt, die ich nicht ge-macht hatte. Ich wurde bei Meetings ausgeschlossen und auch nicht weiter dar-ber informiert. Die Mittags-pause verbrachte ich alleine im Bro, whrend die Kol-legInnen gemeinsam essen gingen. Anfangs war mir gar nicht bewusst, dass ich immer mehr aus dem Team rausgedrn