solidarität 1/2013

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Magazine of Solidar Suisse

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  • Ausgabe Februar 1/2013

    Das Magazin von

    themaHumanitreHilfe heutemOamBIQUeFeindin Malaria

  • Esther MaurerGeschftsleiterin Solidar Suisse

    2 EDITORIAL

    MEDIEnschAu

    13.11.2012humanitre Antwort auf zunehmende Flucht aus syrienDer Brgerkrieg in Syrien treibt tglich Menschen auf die Flucht aus ihren Le-bensrumen und aus dem Land hinaus. Nach Angabe von Tony Burgener, Direk-tor der Glckskette, bentigen in Syriens Nachbarlndern mehr als 400 000 Per-sonen Untersttzung. () Das Hauptge-wicht der Nothilfe liegt bei Flchtlingen in Libanon und Jordanien. Die Begns-tigten oft von Gastfamilien aufgenom-men erhalten vor allem Gter des Grund- bedarfs. () Zu einem Projekt von Solidar Suisse gehrt die Schulung von Freiwilli-gen, die in Flchtlingslagern arbeiten.

    24.10.2012 Granit: hilfswerk ussert skepsisBei dem fr die neue S-Bahn-Haltestelle Allmend verbauten Granit aus China sei keine Ausbeutung von Arbeitskrften im Spiel, betonte Kantonsingenieur Rolf Bt-tig krzlich. Er berief sich dabei auf Aus-sagen der China Stone Marketing GmbH mit Sitz in Deutschland, die den besagten Granit vertreibt. Dass man diesen Infor-mationen uneingeschrnkt vertrauen kann, bezweifelt nun das Hilfswerk Solidar Suisse. Generell kann man sagen, dass eine Selbstdeklaration einer Firma ohne Belege wenig vertrauenswrdig ist, sagt Solidar-Suisse-Sprecher Christian Engeli auf Anfrage. ()

    16.11.2012 seid mutig und lebt digitale caritas! () ber das Web-Potenzial bei Kampag- nen berichtete Christian Engeli von Soli-dar Suisse. Den geheimen Clooney-Spot fr fairen Kaffee auf Youtube htten Hunderttausende gesehen. Wochenlang sei auf der Facebook-Site von Nespresso ber Fairtrade-Kaffee diskutiert worden, und 800 Unternehmen verwendeten nur noch solchen Kaffee. Engeli: Wir hatten ein kleines Budget, aber eine Idee und Glck. Die Liker haben den Spot in die Welt gestreut, das Thema wurde disku-tiert, und wir haben Spendengelder gene-riert.

    Liebe Leserin, lieber Leser, Humanitre Hilfe muss unabhngig von Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Religion, Herkunft oder was auch immer erfolgen unparteiisch also. So lautet die Vorschrift der Uno.

    Und doch: Ich erinnere mich gut an ein Treffen im Oktober mit unserer Partner-organisation Norwegian Peoples Aid aus dem europischen Netzwerk Solidar. Als wir die anstehenden Massnahmen in den Flchtlingslagern rund um Syrien disku-tierten, meinte unsere norwegische Kol-legin dezidiert: Hilfe ist immer auch Par-teinahme. Die Begnstigten unter- scheiden sich von jenen, die keine Hilfe erhalten. Und wenn wir im Falle eines be-waffneten Konflikts die Flchtlinge un-tersttzen, halten wir jener Konfliktpartei, die sich diesen Flchtlingen verbunden fhlt, den Rcken frei. Im schlechtesten Fall fhrt dies dazu, dass Gelder fr Waffen verwendet werden, die dank unserer Hilfe nicht fr Medikamente oder Nahrungs-mittel eingesetzt werden mssen.

    Stimmt. Aber heisst das nun, dass wir leidenden Menschen dringend notwendige Untersttzung verweigern sollten?

    Auch die schweizerische Untersttzung fr humanitre Hilfe ist nicht unparteiisch: Ein Spendenaufruf nach einer Unwetter-katastrophe bringt in kurzer Zeit viel mehr Geld ein, als wenn die humanitre Katastrophe durch menschliches Versagen ver-

    ursacht wird, so wie aktuell in Syrien durch einen Diktator, der Menschenrech-te mit Fssen tritt. Und wenn dies im ara-bischen Raum passiert, hlt sich die Spendenfreudigkeit zustzlich in Gren-zen auch wenn Zehntausende von Flchtlingen in Zeltlagern genauso frie-ren und erfrieren im Winter, genauso Schutz und Nahrung brauchen wie im Fall einer berschwemmung.

    Auch das stimmt. Und trotzdem haben unsere SpenderInnen Partei ergriffen fr die Not leidende Bevlkerung. Auch im Falle von Syrien. Und die Spendenein-

    gnge haben unsere Erwartungen sogar bertroffen, wofr wir sehr dankbar sind.

    Wir hoffen, liebe Leserinnen und Leser, dass wir auch 2013 darauf zhlen knnen, dass Sie gemeinsam mit uns in diesem Sinne parteiisch sind! Esther Maurer

  • herausgeber: Solidar Suisse, Quellenstrasse 31, Postfach 2228, 8031 Zrich, Tel. 044 444 19 19, E-Mail: kontakt@solidar.ch, www.solidar.ch, Postkonto 80-188-1 Mitglied des europischen Netzwerks SolidarRedaktion: Katja Schurter (verantwortliche Redaktorin), Rosanna Clarelli, Christian Engeli, Alexandre Marithoz, Cyrill Rogger

    Layout: Binkert Partner, www.binkertpartner.ch / Spinas Civil Voicesbersetzungen: Irene Bisang, Ursula Gaillard, Milena Hrdina, Daniel Sri, Jean-Franois ZurbriggenKorrektorat: Jeannine Horni, Carol Le CourtoisDruck und Versand: Unionsdruckerei/subito AG, Platz 8, 8201 SchaffhausenErscheint vierteljhrlich, Auflage: 37 000

    Der Abonnementspreis ist im Mitgliederbeitrag inbegriffen (Einzelmitglieder mindestens Fr. 50.,Organisationen mindestens Fr. 250. pro Jahr).Gedruckt auf umweltfreundlichem Recycling-Papier.

    Titelbild: Solidar verteilt Hilfsgter in Mentawai, nachdem ein Tsunami die Inselgruppe in Sumatra berschwemmt hatte. Foto: Stephan Titze. Rckseite: Herzlichen Dank fr Ihre Solidaritt! Foto: Henriette Eppenberger.

    sTAnDPunKT Die Abhngigkeit der Nah-rungsmittelversorgung vom Handel muss reduziert werden, damit arme Lnder nicht den Schwankungen der Weltmarkt-preise ausgeliefert sind. 11

    AKTuELL Die Deregulierungen der Finanzmrkte haben die Roh-warenbrsen zu gigantischen Kasinos werden lassen. 12

    EInBLIcKMalaria ist in Moambique eine der hufigsten Todesursachen bei Kindern. Filomena Joo engagiert sich mit Herzblut gegen die Ausbreitung der Krankheit.

    18

    ThEMAWas ist eigentlich humanitre Hilfe? Wie unterscheidet sie sich von Entwicklungs- zusammenarbeit? Und was hat das alles mit dem Klimawandel zu tun? 4

    IMPREssuM

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    ThEMA Humanitre Hilfe 4 Soforthilfe, Wiederaufbau, Katastro-phenprvention: eine Tour dhorizon 6 Die syrischen Flchtlinge im Libanon brauchen Untersttzung, um den Winter zu berstehen 8 Die Auswirkungen der immer hufiger auftretenden Naturkatastrophen in El Salvador lindern 9 Pakistan: Zwei Jahre nach der Jahr- hundertflut sind viele Huser flut-sicher wieder aufgebaut 10 sTAnDPunKT Olivier de Schutter: Regionale Produktion verhindert Nahrungs- mittelknappheit bei Katastrophen 11 AKTuELL Nahrungsmittelspekulation: Arme knnen sich das Essen nicht leisten, SpekulantInnen machen Profit 12 Wie wird die Wirkung des Solidar- Programms in Bolivien gemessen? 15 KOLuMnE 13 PInGPOnG 16 nETZWERK News aus den SAH-Vereinen 17 EInBLIcK Filomena Joo informiert die Men-schen in Moambique, wie sie sich gegen Malaria schtzen knnen 18

  • 4hIlfeWas ist humanitre Hilfe eigentlich? Wie unterscheidet sie sich von Entwicklungszusammenarbeit? Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf die humanitre Hilfe? Antworten auf diese Fragen erhalten Sie auf den nchsten Seiten anhand der konkreten Projekte von Solidar Suisse, mit denen wir Menschen nach Katastrophen untersttzen und dazu beitragen, dass sie dank besserer Vorbereitung von einer nchsten Flut oder Drre weniger hart getroffen werden zum Beispiel in Pakistan, im Libanon oder in El Salvador. Foto: Debora Neumann

    hUmanItre

  • ThEMA

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    Nachdem der Indus sich wieder insein Bett zurckgezogen hatte, kehrten die Menschen in Pakistan in ihre zerstrten Huser zurck.

  • werden. Schutz vor Gewalt, vor allem fr Frauen, ist in jeder Phase ein Thema. Als kleine Organisation kann Solidar nicht grossflchig intervenieren. Wir konzent-rieren uns auf die Untersttzung der Menschen, die durch die Maschen fallen. Dabei achten wir darauf, keine Konflikte auszulsen, zum Beispiel indem immer nachvollziehbar ist, wer warum Unterstt-zung erhlt. Es braucht Sensibilitt fr die lokalen Verhltnisse und mgliche Empfindlichkeiten.

    Zurck in die normalitt In der Phase der Rehabilitation etwa nach drei Monaten geht es darum, dass die Betroffenen sich wieder eine

    Von der humanitren Hilfe bis zur Ent-wicklungszusammenarbeit spannt sich ein weiter Bogen an Untersttzung fr Menschen in Notsituationen. Nach einer Katastrophe gibt es verschiedene Unter-sttzungsphasen. Zuerst muss erste Hil-fe geleistet werden: Leben retten, Ver-letzte in Sicherheit bringen und ihre Wunden versorgen. In den Tagen und Wochen danach wird Solidar Suisse aktiv mit Soforthilfe zur Befriedigung der Grundbedrfnisse: Essen, Trinkwasser, Hygiene und sanitre Anlagen. Ist dies sichergestellt, mssen temporre Unter-knfte und Kochmglichkeiten, psycho-soziale Untersttzung, Zugang zu Schu-len und Freizeitaktivitten organisiert

    Existenz aufbauen: Saatgut und Werk-zeuge werden verteilt, damit die Men-schen ihre Felder wieder bestellen kn-nen. Oder sie erhalten Starthilfen und Umschulungsmglichkeiten, wenn sie nicht mehr in ihrem angestammten Beruf arbeiten knnen. Solidar arbeitet mit so genannten Geld-fr-Arbeit-Model-len. Die EinwohnerInnen bauen die Infra-struktur ihrer Gemeinde wieder auf etwa Schulen oder Bewsserungsanla-gen und erhalten dafr ein Einkommen. Dies hat ausserdem den positiven Effekt, dass sich die Menschen wieder ntzlich fhlen. Sie brauchen eine Beschftigung, um nicht in Trauer und Lethargie zu versinken, sondern ihr Leben wieder in

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    nach der Kata- strOphe Ist vOr der KatastrOpheWas ist humanitre Hilfe, was macht Entwicklungs- zusammenarbeit aus? Eine Tour dhorizon der Arbeit von Solidar Suisse.Text: Rolf Stocker, Solidar Suisse, Fotos: Alexandre Ventura, Debora Neumann, Mnica Vsquez

  • Ob Menschen vor bewaffneten Ausei-nandersetzungen (Sri Lanka, hinten) oder berschwemmungen (El Salvador, vorne) fliehen mssen, sie brauchen Untersttzung, um sich wieder eine Existenz aufbauen zu knnen (Pakistan, Mitte).

    7ThEMA 7

    die eigenen Hnde zu nehmen. Denn der Schock nach einer Katastrophe ist nicht zu unterschtzen.Nach ein bis zwei Jahren fhrt Solidar Suisse seine Rehabilitationsprojekte wenn mglich in Programme der Entwicklungs-zusam