SEMIOTIK = ??? 08: R. Barthes - uni-ak.ac.at ?· S/Z. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1976 Barthes, Roland (1982).…

Download SEMIOTIK = ??? 08: R. Barthes - uni-ak.ac.at ?· S/Z. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1976 Barthes, Roland (1982).…

Post on 13-Aug-2018

212 views

Category:

Documents

0 download

TRANSCRIPT

  • SEMIOTIK = ???08: R. Barthes

    semiotics

    smiotique

    semasiologie

    smiologie

    semiotica

    sematologie

    Von Advertising bis Zeitung. Semiotische Anstze in den Medienwissenschaften. Proseminar WS 2008/09 Copyright Gloria Withalm 2008

  • [Copyright Gloria Withalm 2008]

    Roland Barthes(1915-1980)

  • [Copyright Gloria Withalm 2008]

    Roland Barthes: Publikationen [Auswahl]Barthes, Roland (1957). Mythologies. Paris: Seuil;

    dt.: Mythen des Alltags. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1964, 1980; 1996Barthes, Roland (1964a). Elments de smiologie. Communication 4: 91-

    141;dt. Elemente der Semiologie. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1983.

    Barthes, Roland (1964b). Essais critiques. Paris: SeuilBarthes, Roland (1964c). Rhtorique de limage. Communications 4: 40-51;

    dt. Rhetorik des Bildes. In: Schiwy, Gnther (1969). Der franzsischeStrukturalismus. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt, S. 158-166;cf. auch in Barthes 1982: 25-42 [1990: 28-46]

    Barthes, Roland (1967). Systmes de la mode. Paris: du Seui;dt.: Die Sprache der Mode (= es 1318). Frankfurt/M.: Suhrkamp 1985

    Barthes, Roland (1970). S/Z. Paris: du Seuil; dt. S/Z. Frankfurt/M.: Suhrkamp1976

    Barthes, Roland (1982). Lobvie et lobtus. Essais critiques III. Paris: Seuil;dt. Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn. Frankfurt/M.:Suhrkamp 1990

    ---Nth, Winfried (2000). Handbuch der Semiotik. 2. erw. Aufl. Stuttgart Weimar: Metzler

  • [Copyright Gloria Withalm 2008]

    Roland Barthes: Mythos

    (Barthes 1957: 187)

  • [Copyright Gloria Withalm 2008]

    Roland Barthes: Mythen des Alltags (1957)Ich sitze beim Friseur, und man reicht mir eine Nummer vonParis-Match. Auf dem Titelbild erweist ein junger Neger in franz-sischer Uniform den militrischen Gru, den Blick erhoben undauf eine Falte der Trikolore gerichtet. Das ist der Sinn des Bildes.Aber ob naiv oder nicht, ich erkenne sehr wohl, was es mir bedeu-ten soll: da Frankreich ein groes Imperium ist, da alle seineShne, ohne Unterschied der Hautfarbe, treu unter seiner Fahnedienen und da es kein besseres Argument gegen die Wider-sacher eines angeblichen Kolonialismus gibt als den Eifer diesesjungen Negers, seinen angeblichen Unterdrckern zu dienen. Ichhabe also auch hier ein erweitertes semiologisches System vormir: es enthlt ein Bedeutendes, das selbst schon von einemvorhergehenden System geschaffen wird (ein farbiger Soldaterweist den franzsischen militrischen Gru), es enthlt einBedeutetes (das hier eine absichtliche Mischung von Franzosen-tum und Soldatentum ist), und es enthlt schlielich die Prsenzdes Bedeuteten durch das Bedeutende hindurch.Bevor ich zu einer Analyse der Begriffe des mythischen Systemsbergehe, ist es angebracht, sich ber die Terminologie zu eini-gen: Man wei jetzt, da das Bedeutende im Mythos von zweiGesichtspunkten aus ins Auge gefat werden kann: als Endtermi-nus des linguistischen oder als Ausgangsterminus des mythischenSystems. Man braucht hier also zwei Namen. Im Bereich derSprache, das heit als Endterm des primren Systems, nenne ichdas Bedeutende Sinn (ich werde Lwe genannt, ein Neger erweistden franzsischen militrischen Gru). Im Bereich des Mythosnenne ich es Form. Fr das Bedeutete ist keine Doppeldeutigkeitmglich, wir lassen ihm den Namen Begriff. Der dritte Terminusist die Korrelation der beiden ersten: innerhalb des Systems derSprache ist es das Zeichen; doch kann dieses Wort nicht ohneDoppeldeutigkeit aufgenommen werden, da im Mythos (und darinliegt seine wichtigste Eigentmlichkeit) das Bedeuten schon ausZeichen der Sprache gebildet ist. Ich nenne den dritten Terminusdes Mythos die Bedeutung. Das Wort ist hier um so mehrberechtigt, als der Mythos effektiv eine zwiefache Funktion hat: erbezeichnet und zeigt an, er gibt zu verstehen und schreibt vor.

    (Barthes 1964b/1980: 95-96)

  • [Copyright Gloria Withalm 2008]

    Roland Barthes: Konnotation & Denotation

    (nach Nth 2000: 108)

    Signifikant2 Signifikat2

    Signifikant1 Signifikat1

  • [Copyright Gloria Withalm 2008]

    Roland Barthes: Rhetorik des Bildes (1964c/1969) 1Hier nun eine Panzani-Werbung: Teigwarenpakete, eine Dose,ein Beutel, Tomaten, Zwiebel, Paprikaschoten, ein Pilz, all dasquillt in gelben und grnen Farbtnen auf rotem Hintergrund auseinem halbgeffneten Einkaufsnetz. Versuchen wir, die verschie-denen Botschaften, die sie enthlt, abzuschpfen.

    Das Bild liefert sofort eine erste Botschaft sprachlicher Sub-stanz; getragen wird sie von der Beschriftung am Rand und denEtiketten, die in die Natrlichkeit der Szene gleichsam einge-senkt sind; der Code, aus dem diese Botschaft stammt, ist keinanderer als der der franzsischen Sprache; will man diese Bot-schaft entziffern, so bedarf es dazu keiner anderen Kenntnis alsder der Schrift und des Franzsischen. Eigentlich lt sich dieseBotschaft noch weiter zerlegen, da das Zeichen Panzani nicht nurden Namen der Firma liefert, sondern durch seine Assonanz einzustzliches Signifikat, nmlich, wenn man so will, die Italiani-tt; die sprachliche Botschaft ist also doppelt (zumindest indiesem Bild): eine der Konnotation und der Denotation; da eshier jedoch nur ein einziges typisches Zeichen gibt, nmlich dasder gegliederten (geschriebenen) Sprache, wird man nur eineBotschaft zhlen.

    Abgesehen von der sprachlichen Botschaft bleibt das reineBild (selbst wenn ihm die Etiketten anekdotenhaft angehren).Dieses Bild liefert sofort eine Reihe diskontinuierlicher Zeichen.Hier zunchst (die Reihenfolge ist belanglos, da diese Zeichennicht linear sind) die Vorstellung, da es sich bei der abgebilde-ten Szene um eine Rckkehr vom Markt handelt; dieses Signi-fikat bedingt selbst wieder zwei euphorische Werte: den derFrische der Produkte und den der huslichen Zubereitung, fr diesie bestimmt sind; sein Signifikant ist das halbgeffnete Netz,das die Zutaten wie beim Auspacken auf den Tisch kollern

  • [Copyright Gloria Withalm 2008]

    Roland Barthes: Rhetorik des Bildes (1964c/1969) 2lt. Um dieses erste Zeichen zu lesen, gengt ein Wissen, das sozusagenin den Bruchen einer sehr weitreichenden Zivilisation verankert ist, in derauf den Markt gehen im Gegensatz zur Schnellversorgung (Konserven,Tiefkhlkost) einer mechanischeren Gesellschaft steht. Ein zweitesZeichen ist beinahe ebenso evident; sein Signifikant ist das Zusammen-treffen von Tomate, Paprikaschote und der Dreifarbigkeit (gelb, grn, rot)des Plakats; sein Signifikat ist Italien oder eher die Italianitt; diesesZeichen steht in einer Redundanzbeziehung zum konnotierten Zeichen dersprachlichen Botschaft (der italienischen Assonanz des Namens Panzani);das Wissen, das durch dieses Zeichen mobilisiert wird, ist bereits eigen-tmlicher: Es ist ein zutiefst franzsisches Wissen (die Italiener knntendie Konnotation des Eigennamens kaum wahrnehmen, vermutlich auchnicht die Italianitt der Tomate und der Paprikaschote), das auf einerKenntnis gewisser touristischer Stereotypen beruht. Erforscht man dasBild weiter (was nicht heit, da es nicht auf Anhieb klar wre), soentdeckt man unschwer mindestens zwei weitere Zeichen; in einemvermittelt de gedrngte Zusammenstellung verschiedener Objekte dieVorstellung von einem totalen Kchenservice, als ob Panzani einerseitsalles lieferte, was fr ein zusammengestelltes Gericht ntig ist, und als obandererseits das Konzentrat der Bchse den Naturprodukten ringsumebenbrtig wre, wobei die Szene gewissermaen die Brcke zwischender Herkunft der Produkte und ihrem Endzustand schlgt; im anderenZeichen verweist die Komposition, die an so viele Gemlde vonNahrungsmitteln erinnert, auf ein sthetisches Signifikat: auf die Naturemorte oder, wie es in anderen Sprachen besser heit, das Stilleben;das erforderliche Wissen ist hier hochgradig kulturell. Man knntevorbringen, da zu diesen vier Zeichen eine letzte Information hinzutritt:Eben diejenige, die uns sagt, da es sich hier um eine Werbung handeltund die sich zugleich aus der Plazierung des Bildes in der Zeitschrift undaus der Eindringlichkeit der Panzani-Etiketten ergibt (ganz zu schweigenvon der Bildbeschriftung) (Barthes 1969: 29-31)

Recommended

View more >