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Richtlinien für den Förderschwerpunkt KÖRPERLICHE UND MOTORISCHE ENTWICKLUNG (Entwurf) Stand: Februar 2002

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Richtlinien fr den Frderschwerpunkt KRPERLICHE UND MOTORISCHE ENTWICKLUNG

(Entwurf) Stand: Februar 2002

Inhaltsverzeichnis

1 Ziele und Aufgaben 1 2 Sonderpdagogischer Frderbedarf und individuelle Frderplne 3 3 Sonderpdagogische Frderung - Erziehung und Unterricht 5 4 Untersttzende Manahmen 10 5 Formen und Orte sonderpdagogischer Frderung 13 6 Kooperation und Beratung 17 7 Qualittsentwicklung und Qualittssicherung 19

1

1 Ziele und Aufgaben

Sonderpdagogische Frderung im Frderschwerpunkt krperliche und motori-

sche Entwicklung trgt zur selbststndigen, selbstbestimmten und eigenverant-

wortlichen Lebensgestaltung von Schlerinnen und Schlern bei und befhigt sie

zur Wahrnehmung von Rechten und Pflichten in der Gesellschaft. Ausgehend von

den individuellen Kompetenzen und Strken untersttzt sie die Entwicklung von

Fhigkeiten, Knnen und Wissen.

Sonderpdagogische Frderung versteht sich als ein umfassendes Handlungs-

konzept, das auf den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung und Erkenntnis-

sen im Bereich der Sonderpdagogik und anderer Fachwissenschaften sowie auf

den Erfahrungen aus den sonderpdagogischen Handlungsfeldern und der Be-

rcksichtigung spezifischer Umweltbedingungen basiert.

Fr die Auseinandersetzung mit Welt hat die Bewegungsfhigkeit groe Bedeu-

tung. Ist die krperliche und motorische Entwicklung beeintrchtigt, knnen Hand-

lungsmglichkeiten und aktive gesellschaftliche Teilhabe eingeschrnkt sein. Da-

von betroffene Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf sonderpdagogische

Frderung.

Sonderpdagogische Frderung im Frderschwerpunkt krperliche und motori-

sche Entwicklung untersttzt Schlerinnen und Schler bei der Gestaltung des

Lebens mit einer Behinderung, beim Aufbau und bei der Erweiterung sozialer Be-

ziehungen sowie bei einer realistischen Einschtzung der eigenen Leistungsmg-

lichkeiten. Sie bezieht bewegungserleichternde, therapeutische und pflegerische

Aspekte ein, die in ein interdisziplinr erstelltes Konzept der Frderung eingebun-

den sind. Dabei ist die angemessene Nutzung spezifischer Hilfen zur mglichst

selbststndigen Bewltigung alltglicher Lebenssituationen bedeutsam.

Erziehung und Unterricht gehen von dem individuellen Frderbedarf, den Lernin-

teressen und der besonderen Lebenswirklichkeit der Schlerinnen und Schler

aus. Sie basieren auf fachdidaktischen und fachmethodischen Erkenntnissen und

Anforderungen. Die Bercksichtigung dieser Gesichtspunkte fhrt zu Schwer-

punktsetzungen der Frderung.

2

Sonderpdagogische Frderung der Schlerinnen und Schler wirkt ber Unter-

richt und Schule hinaus und bezieht Aspekte der sozialen und kulturellen Umwelt,

des gesellschaftlichen Lebens und Arbeitens sowie der Natur ein.

3

2 Sonderpdagogischer Frderbedarf und individuelle Fr-derplne

Sonderpdagogischer Frderbedarf im Frderschwerpunkt krperliche und moto-

rische Entwicklung besteht dort, wo zwischen den individuellen Voraussetzungen

und Mglichkeiten und den Bedingungen des schulischen Lernens langandauern-

de, umfassende und erhebliche Diskrepanzen bestehen, die in der allgemeinen

Schule nicht ohne weiteres auszugleichen sind.

Kinder erobern ihre Umwelt handelnd. Sonderpdagogischer Frderbedarf unter

dem Gesichtspunkt der Krperbehinderung entsteht, wenn handelnde Auseinan-

dersetzung mit der Umwelt durch die Folgen der vielfltigen mglichen Ein-

schrnkungen der krperlichen und motorischen Entwicklung so begrenzt wird,

dass wesentliche Entwicklungen in der Wahrnehmung und Kognition, in Sprache

und Kommunikation, ggf. auch in Emotionalitt und Soziabilitt, mit Folgen fr die

Lebensgestaltung und die Selbstverwirklichung behindert werden. Schlerinnen

und Schler erleben sich oftmals als nicht erfolgreich in ihren Bemhungen, ihre

Umwelt zu entdecken und zu begreifen. Hufig besteht eine Diskrepanz zwischen

Handlungsziel und Handlungsentwurf einerseits und den Mglichkeiten des Hand-

lungsvollzugs andererseits.

Auswirkungen zeigen sich auch in der sozialen Teilhabe. Den Schlerinnen und

Schlern fehlt oft die Mglichkeit, soziale Beziehungen aufzunehmen; darber

hinaus registrieren sie, dass sie von ihrer Umwelt als anders wahrgenommen

werden. Dadurch werden sie im Aufbau personaler Beziehungen verunsichert.

Einschrnkungen der krperlichen und motorischen Entwicklung knnen von

schwach ausgeprgten und fast unaufflligen bis hin zu extremen Formen rei-

chen.

Beeintrchtigungen der kognitiven und kommunikativen Entwicklung treten in ver-

gleichbarer Ausprgung auf. Diese Aspekte und eventuelle Folgen fr Emotionali-

tt und Soziabilitt treten zueinander in eine komplexe Wechselwirkung.

4

Umfeldbedingungen (z.B. Wohnumfeld, Familienkonstellation, elterlicher Erzie-

hungsstil, soziale Einbindung, Nutzung des ffentlichen Leistungsangebots) und

notwendige rztliche Behandlungen (Krankenhausaufenthalte, Medikation, Di-

ten) wirken in dieses Gefge ein.

Die besondere Lebenssituation von Schlerinnen und Schlern mit fortschreiten-

den Erkrankungen und mit begrenzter Lebenserwartung erfordert eine intensive

pdagogische Begleitung bei der Lebensgestaltung und dem Umgang mit aktuel-

len Bedrfnissen.

Die Ermittlung des sonderpdagogischen Frderbedarfs zielt darauf, fr das ein-

zelne Kind die Handlungsmglichkeiten zu ermitteln, von denen ausgegangen

werden kann, um diese zu entwickeln und zu erweitern.

Das in jedem Fall erforderliche fachrztliche Gutachten wird in alltagsnahen Be-

obachtungssituationen durch eine differenzierende Beschreibung des vorhande-

nen Handlungsrepertoires ergnzt. Die vom Kind spontan entwickelten oder vor-

schulisch erworbenen Bewltigungsstrategien bieten Anknpfungspunkte fr die

weitere Entwicklung. Individuell werden auch Richtlinien weiterer Frderschwer-

punkte einbezogen.

Die Ergebnisse der Diagnostik werden in ein pdagogisches Konzept eingebun-

den und in individuellen Frderplnen umgesetzt. Im Rahmen der Frderdiagnos-

tik werden Informationen und Erkenntnisse aus Beobachtungen gewichtet und

Schwerpunkte fr die weitere Frderung entwickelt. Die Frderplne werden wh-

rend der gesamten Schulzeit fortgeschrieben und evaluiert. Alle an der Frderung

beteiligten, auch die Eltern und - nach Magabe ihrer Mglichkeiten - die Schle-

rinnen und Schler, wirken dabei mit.

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3 Sonderpdagogische Frderung Erziehung und Unterricht

Erziehung und Unterricht basieren auf den Richtlinien fr den Frderschwerpunkt

krperliche und motorische Entwicklung. Je nach individuellem Frderbedarf ori-

entieren sich Erziehung und Unterricht auch an

- den Richtlinien, Lehrplnen und Ausbildungsordnungen der allgemeinen und

berufsbildenden Schulen

- ggf. an den Richtlinien weiterer Frderschwerpunkte.

Ziel der Frderung ist die Fhigkeit des selbstbestimmten und mitbestimmenden

Handelns in sozialer Integration. Inhaltliche und methodische Entscheidungen ori-

entieren sich an folgenden Grundstzen:

Die Grundstze der allgemeinen Schulen Differenzierung, Erfahrungs-, Hand-

lungs-, Wissenschafts-, Gegenwarts- und Zukunftsorientierung gelten unvern-

dert. In einem Konzept, das auf den Ausbau selbstbestimmter oder mitbestim-

mender Handlungsfhigkeit zielt, sind Erfahrungs- und Handlungsorientierung be-

sonders bedeutsam: die vorhandenen Erfahrungen sind aufzugreifen, bewusst zu

machen, zu verarbeiten, zu strukturieren und zu erweitern; andererseits ist es

aber auch notwendig, neue Erfahrungen mit Lerngegenstnden und sozialen Si-

tuationen zu ermglichen. Der originalen Begegnung mit solchen neuen Heraus-

forderungen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

Durch Architektur und Technik, rumliche und zeitliche Organisation des Schulall-

tags muss ein Rahmen bereitgestellt werden, der es ermglicht, diesen Grundst-

zen entsprechend die Schlerinnen und Schler zu frdern.

Inhaltsfelder

Vor diesem Hintergrund erhalten die folgenden inhaltlichen Bestimmungen zentra-

le Bedeutung:

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Fr Schlerinnen und Schler mit dem Frderschwerpunkt krperliche und moto-

rische Entwicklung sind Bewegungsfrderung und Bewegungserleichterung

durchgngiges und fcherbergreifendes Prinzip im Unterricht.

Bewegung ist Grundlage der Frderung in allen Entwicklungsbereichen. Damit hat

Bewegungserziehung einen hohen Stellenwert insbesondere im Hinblick auf die

kognitive Frderung: Es gilt ber ein aktiv handelndes Erschlieen der Umwelt

die Aneignung und Verknpfung von Wissen zu ermglichen. Bereits vorhandene

Handlungsplne und Strategien werden aufgegriffen, grundlegende bzw. differen-

zierte Strukturen und Begriffsbildung werden gefrdert.

Dazu gehren Angebote im krpernahen Raum von der Stabilisierung und Ver-

besserung der konstitutionellen Bedingungen, der Wahrnehmung der eigenen

Person ber den Krper, der Entwicklung auch geringster aktiver Mglichkeiten

der Umwelterschlieung bis hin zu hochdifferenzierten, auch medial erschlosse-

nen Zugriffen auf die Umwelt.

Damit erhlt auch der Sportunterricht fr Schlerinnen und Schler mit dem Fr-

derschwerpunkt krperliche und motorische Entwicklung einen besonderen Stel-

lenwert: Er orientiert sich an den pdagogischen Rahmenvorgaben fr den Schul-

sport und stellt sich andererseits mit seinem spezifischen Methodenrepertoire in

den Dienst der Erfordernisse des Frderschwerpunkts.

Die Vermittlung und Erweiterung grundlegender Kommunikationsformen und die

Frderung sprachlichen Handelns sind wesentliche Bereiche der Frderung in un-

terrichtlichen und auerunterrichtlichen Situationen. Ziel der Frderung ist es,

Schlerinnen und Schler dazu zu befhigen, situationsangemessen zu kommu-

nizieren, Sprecherstrategien zu erwerben und selbstbewusst eigene sprachliche

Mglichkeiten einzusetzen. Damit werden ihre Mglichkeiten der Selbstverwirkli-

chung und der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verbessert.

Alle Schlerinnen und Schler sollen auf die ihnen mgliche Art und Weise kom-

munizieren, um - auch unter in hchstem Ma eingeschrnkten verbalsprachli-

chen Mglichkeiten - eigene Bedrfnisse und Interessen wahrzunehmen und zu

uern. Das reicht unter Einbeziehung therapeutischer Angebote von der

Sensibilisierung des Umfeldes fr die begrenzten kommunikativen Mglichkeiten

Schwerstbehinderter bis zur Nutzung der Verbalsprache; dieses Vorgehen

7

schliet die die Verbalsprache ergnzenden oder ersetzenden Systeme (Gebr-

de, Schrift, untersttzte Kommunikation, die Anbahnung, Erweiterung und Nut-

zung von einfachen krpereigenen Signalen, krpereigene Zeichen fr Ja und

Nein, gezielte Blick- und Zeigebewegungen, Einsatz von Kommunikationstafeln

mit Fotos, Bildern und Symbolen und elektronischen Kommunikationshilfen mit

Sprachausgabe) ein.

Die Sprach- und Kommunikationsfrderung hat besondere Bedeutung fr den Er-

werb der Schriftsprache. Die optimale Ausnutzung neuer Technologien zur Infor-

mationsbeschaffung und zum Informationsaustausch kann die Autonomie der

Schlerinnen und Schler strken und den eigenstndigen Schriftsprachgebrauch

untersttzen.

Die Frderung der emotionalen und sozialen Kompetenz der Schlerinnen und

Schler zielt auf die Entwicklung von Beziehungsfhigkeit und auf das Annehmen

und das aktive Gestalten von Gruppensituationen, gesellschaftlichen Bedingun-

gen und Vereinbarungen. Das reicht vom Ertragenknnen des Krperkontakts bis

zur aktiven Gestaltung differenzierter sozialer Situationen. Ziel ist auch, Hilfe an-

zunehmen und zu organisieren, Grenzen zu setzen und die Intensitt einer Be-

ziehung selbst bestimmen zu knnen.

Damit die Schlerinnen und Schler sich einen mglichst selbststndigen Um-

gang mit der eigenen Schdigung, mit Beeintrchtigungen und sozialen Behinde-

rungen aneignen, ist es notwendig, diese mit ihnen in angemessener Weise zu

bedenken. Erziehung und Unterricht in einer Lernatmosphre, die Sicherheit, Ge-

borgenheit und Vertrauen bewirkt, bieten die Mglichkeit, Emotionen angesichts

oftmals eingeschrnkter und erschwerter Handlungsmglichkeiten oder auch

rcklufiger Entwicklungen uern und reflektieren zu knnen. Unterschiedliche

Hilfesysteme werden vorgestellt und ihre Nutzung wird eingebt.

Die sensible Einbeziehung und Nutzung pflegerischer Situationen kann in allen

Handlungsbereichen in Abhngigkeit vom Umfang der motorischen und kommu-

nikativen Einschrnkungen besondere Bedeutung erlangen; eine Scheidung zwi-

schen sonderpdagogischer Frderung und Pflege ist in Grenzbereichen nicht

mehr trennscharf mglich.

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Methodische Prinzipien

Bei der Wahl der Lehr- und Lernformen werden sowohl individuelle sonderpda-

gogische Frderbedrfnisse als auch fachdidaktische Erfordernisse bercksich-

tigt: Alle Lehr- und Lernformen sollen die aktive Teilnahme der Schlerinnen und

Schler bei der Erschlieung neuer Lerninhalte sicher stellen. Das reicht vom

Aufspren auch minimaler eigenaktiver Mglichkeiten bis zu weitgehender

Selbstorganisation: offene Unterrichtsformen frdern und untersttzen Selbstt-

tigkeit, Entscheidungsfhigkeit, Selbsteinschtzung sowie das Vertrauen in die ei-

genen Mglichkeiten und Strken und sind im besonderen Mae geeignet,

selbststndiges Lernen, Planungsfhigkeit sowie die Bereitschaft zur bernahme

von Verantwortung zu initiieren und zu frdern.

Die Unterrichtsorganisation schafft fr die Schlerinnen und Schler Raum fr das

Sammeln vielfltiger Erfahrungen, die Frderung sensorischer Integrationspro-

zesse und die Vermittlung von Orientierung in sozialen, rumlichen und zeitlichen

Strukturen. Sie ermglicht Erfahrungen, die sich durch ein hohes Ma an ganz-

heitlicher Wahrnehmungsintensitt auszeichnen, und untersttzt die Differenzie-

rung individueller Wahrnehmungs-, Erlebnis-, Ausdrucks- und Handlungsmglich-

keiten. berschaubare und stabile Unterrichts- und Organisationsformen sowie

verlssliche Beziehungen untersttzen diese Frderintentionen und ermglichen

durch die Erfahrung eindeutiger Handlungsrume und klarer Grenzen die

Entwicklung von Selbst- und Umweltvertrauen.

Die Unterrichtsorganisation orientiert sich an den individuellen Lernvoraussetzun-

gen der Schlerinnen und Schler. Sie bercksichtigt motorische, perzeptive,

kognitive und kommunikative Mglichkeiten, Besonderheiten des Lernverhaltens

bei Schlerinnen und Schlern mit hirnorganischen Schdigungen, vernderte

Lebens- und Lernsituationen etwa durch krankheitsbedingte Ausfallzeiten und

Schwankungen der Belastungs- und Leistungsfhigkeit, aktuelle Bedrfnisse wie

Lagerung, Entspannung, stabile Rhythmisierung des Tageslaufs, vernderte

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Rhythmisierung der Zeitorganisation und der Belastung, z. B. nach einer Operati-

on.

Leistungserziehung grndet auf einen Leistungsbegriff, der alle Handlungsberei-

che und Entwicklungsdimensionen aufnimmt. Sie basiert auf der Klrung der je-

weiligen Lernvoraussetzungen und der Analyse der behindernden Faktoren, die

die Entwicklungsprozesse beeinflussen. Diese Klrung ist Grundlage fr einen

Frderprozess, den die Schlerinnen und Schler zum Aufbau ihrer individuellen

Leistungsfhigkeit sowie zum Aufbau kompensatorischer Fhigkeiten und Fertig-

keiten nutzen knnen.

Weil hufig Diskrepanzen zwischen den individuellen Handlungsplnen und den

konkreten Mglichkeiten des Handlungsvollzugs entstehen, die den Aufbau an-

gemessenen Leistungsverhaltens gefhrden, liegt ein wesentlicher Ansatz von

Leistungserziehung in der Strkung der Leistungsmotivation, aber ebenso in einer

zunehmend differenzierten und realistischen Selbsteinschtzung im weitestge-

hend eigenverantwortlichen Umgang mit der eigenen Behinderung. Die wert-

schtzende Akzeptanz individueller Lsungswege und Arbeitsergebnisse frdert

die Kreativitt und ist unverzichtbares Element eines ermutigenden und leistungs-

frdernden Unterrichts.

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4 Untersttzende Manahmen

Sonderpdagogische Frderung von Schlerinnen und Schlern mit dem Frder-

schwerpunkt krperliche und motorische Entwicklung schliet untersttzende the-

rapeutische und pflegerische Manahmen ein. Diese orientieren sich am Ziel der

grtmglichen Selbstbestimmung der Schlerinnen und Schler.

Um den aktuellen Entwicklungsbedrfnissen der Schlerin / des Schlers gerecht

zu werden, ist eine gemeinsame Formulierung von Zielen und Manahmen aller

an der sonderpdagogischen Frderung Beteiligten unerlsslich.

Therapeutische und pflegerische Manahmen sind in die Bildungs- und Erzie-

hungsprozesse zu integrieren. Sie ergnzen, begleiten und erleichtern erzieheri-

sche, unterrichtliche und schulische Aktivitten und ermglichen diese hufig erst.

Wichtige interdisziplinre Handlungsfelder sind u.a.:

- Mobilitt, Bewegungserleichterung und Lagerung

- Anschaffung, Anpassung und Nutzung von orthopdischen, technischen und

kommunikationsfrdernden Hilfsmitteln

- funktionelle Hilfen (z. B. bei der Nahrungsaufnahme, Selbstversorgung und

Selbststndigkeit)

- Gesundheitsfrsorge und Prvention

- Anbahnung und Verbesserung der Sprechfunktionen und der Kommunikation

- Erweiterung kreativer Fhigkeiten

- emotionale Untersttzung und Stabilisierung

- Entwicklung von Handlungs- und Sozialkompetenz

- Vorbereitung auf die nachschulische Lebenssituation

- Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten.

Therapien leisten einen bedeutenden Beitrag im Entwicklungsprozess von Sch-

lerinnen und Schlern. Zu den wesentlichen Formen der Therapie zhlen Physio-

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therapie, Ergotherapie und Logopdie. Hippotherapie, Kreativtherapien, Motothe-

rapie und andere knnen Ergnzungen sein. Therapie wird von ausgebildeten

Fachkrften sowohl untersttzend in Unterrichtssituationen als auch in Einzel- und

Kleingruppensituationen durchgefhrt. Therapeutischen Manahmen sind Be-

standteil sonderpdagogischer Frderung.

Bei der Diagnostik, Festlegung und Umsetzung von therapeutischen Zielen und

Manahmen spielen neben medizinischen Notwendigkeiten immer auch pdago-

gische, psychische und soziale Aspekte eine gleichwertige Rolle. Therapien orien-

tieren sich stets an den Schlerinnen und Schlern in ihrer individuellen Lebenssi-

tuation und Bedrfnislage. Therapeuten sind ber den schulischen wie auer-

schulischen Alltag der von ihnen betreuten Schlerinnen und Schler informiert.

Aktivierende Pflege sichert fr viele Schlerinnen und Schlern mit sonderpda-

gogischem Frderbedarf die Grundversorgung der vitalen Bedrfnisse. Dazu ge-

hren Hilfen beim Essen und Trinken, bei der Krperpflege und der hygienischen

Versorgung. Pflege schafft hier die Grundlage fr persnliches Wohlbefinden und

damit basale Bedingungen fr die Teilhabe an Unterricht und Therapie.

Darber hinaus wird die medizinische Behandlungspflege wie Katheterisieren,

Beatmen, Sondieren, Abklopfen, Absaugen, Medikamentengabe usw. durch aus-

gebildetes Pflegepersonal sichergestellt.

Pflege bei Schlerinnen und Schlern mit sonderpdagogischem Frderbedarf im

Frderschwerpunkt krperliche und motorische Entwicklung trgt zur Entwicklung

eines positiven Wahrnehmens und Erlebens des eigenen Krpers bei. Intimitt

und Wrde sind bei allen pflegerischen Manahmen, insbesondere der intimen

Krperpflege, zu wahren.

Eine angemessene rumliche und schliche Ausstattung ist Voraussetzung fr

die erfolgreiche sonderpdagogische Frderung. Hierzu gehren neben den im

Raumprogramm fr allgemeine Schulen festgelegten Fach-, Gruppen- und Funk-

tionsrumen insbesondere Rume zur Durchfhrung von Differenzierungs-, Bera-

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tungs- und Diagnosemanahmen, Therapie- und Gymnastikrume, Abstellflchen

fr Rollsthle und therapeutische Hilfsmittel, funktionsgerechte Sanitr- und Pfle-

gerume. In Ganztagsschulen sind geeignete Essens- und Ruherume vorzuse-

hen.

Schlerinnen und Schler mit krperlichen und motorischen Beeintrchtigungen

bentigen ihren Lern- und Handlungsmglichkeiten entsprechende Lehr- und

Lernmittel sowie Arbeitsgerte. Ihr Einsatz erfordert zumeist eine individuelle An-

passung. Fr das erfolgreiche Lernen und die Bewltigung alltglicher Aufgaben

haben Hilfsmittel, technische Hilfen sowie neue Technologien einen hohen Stel-

lenwert.

Der Einsatz elektronisch gesteuerter Gerte ist von besonderer Bedeutung hin-

sichtlich:

- der Kompensation eingeschrnkter Aktionsmglichkeiten

- der Ergnzung oder des Ersatzes von Sprache bei der Kommunikation

- vermehrter Selbststndigkeit und Handlungskompetenz

- grerer Eigenaktivitt

- der unmittelbaren Umsetzung eigener Kreativitt

- der Entwicklung arbeits- und berufsbezogener Fertigkeiten.

Erziehung und Unterricht schwerstbehinderter Schlerinnen und Schler bedin-

gen eine besondere rumliche und schliche Ausstattung. Dazu gehren u. a.:

- speziell ausgestattete Klassenrume mit Rckzugs-, Ruhe- und Lagerungs-

mglichkeiten

- eine Grundausstattung mit medizinisch- technischen Hilfsmitteln ; Pflegehilfen,

Alltagshilfen sowie elektronischen Medien und individuellen Hilfsmitteln,

spezielle Funktionsrume (z. B. Nassraum; Klangraum; Raum fr gezielte

Bewegungsbungen; Bewegungsbad; Snoezelen-Raum).

Der Standard der technischen Hilfsmittel und der medialen Ausstattung wird ent-

sprechend der technischen und wissenschaftlichen Entwicklung zeitnah aktuali-

siert.

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5 Formen und Orte sonderpdagogischer Frderung

Sonderpdagogische Frderung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwach-

senen mit dem Frderschwerpunkt krperliche und motorische Entwicklung erfolgt

in allgemeinen Schulen, in dem individuellen Frderbedarf entsprechenden Son-

derschulen und im berufsbildenden Bereich.

Erziehung und Unterricht in allgemeinen Schulen

Der gemeinsame Unterricht bietet Mglichkeiten der wohnortnahen Beschulung

und kann durch das Zusammenleben und Lernen mit nichtbehinderten Schlerin-

nen und Schlern einen wichtigen Beitrag zur sozialen Integration leisten. Vor-

aussetzung dafr ist das Selbstverstndnis der allgemeinen Schule, Schlerinnen

und Schler mit dem Frderschwerpunkt krperliche und motorische Entwicklung

zu integrieren, deren individuelle Besonderheiten sowie die unterschiedlichen

Lernwege und Lernmglichkeiten zu bercksichtigen und darauf das Schulprofil

adquat auszurichten.

Die Auswahl der Inhalte fr die einzelne Schlerin / den einzelnen Schler mit

dem Frderschwerpunkt krperliche und motorische Entwicklung erfolgt gem

den Interessen und Bedrfnissen der gesamten Lerngruppe und auf der Grundla-

ge des individuellen Frderbedarfs. Aufgenommen werden auch Unterrichtsinhal-

te, die sich aus der speziellen Lebenssituation der Schlerinnen und Schler er-

geben. Die Bildung von Lerngruppen erfolgt als flexible Organisation nach

leistungs- und sozialintegrativen Gesichtspunkten.

An allgemeinen Schulen knnen Schlerinnen und Schler mit dem Frder-

schwerpunkt krperliche und motorische Entwicklung in einer sonderpdagogi-

schen Frdergruppe lernen. Die jeweiligen schulischen Konzepte sollen mglichst viele gemeinsame Lernsituationen mit nichtbehinderten Schlerinnen und Sch-

lern sicherstellen.

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Erziehung und Unterricht in Sonderschulen

Schulen fr Krperbehinderte ermglichen im Rahmen des Ganztagsangebotes eine ganzheitliche Frderung in kleinen Lerngruppen. Therapeutische und pflege-

rische Manahmen sind integrierter Bestandteil des schulischen Frderkonzep-

tes. Die Eingangsklasse der Schule fr Krperbehinderte ist integrierter Bestand-

teil der 11-jhrigen Vollzeit-Schulpflicht.

Das Jahrgangsklassenprinzip kann zugunsten einer die individuellen Lernfort-

schritte und Frderbedrfnisse bercksichtigenden Stufenform aufgehoben wer-

den. In allen Stufen wird der Unterricht unter Bercksichtigung der Erfahrungs-

und Lebenswelt der Schlerinnen und Schler individualisierend und handlungs-

orientiert gestaltet.

Eine weitgehende Integration schwerstbehinderter Schlerinnen und Schler in heterogenen Klassen bzw. Lerngruppen ist anzustreben. Die Bildung von speziel-

len Klassen kann in bestimmten Unterrichtssituationen oder fr eine begrenzte

Zeit sinnvoll sein.

Schlerinnen und Schler mit dem Frderschwerpunkt krperliche und motori-

sche Entwicklung knnen Sonderschulen anderer Frderschwerpunkte besuchen,

wenn ein anderer Frderbedarf fr die weitere Entwicklung im Vordergrund steht

und den Frderbedrfnissen dort am besten entsprochen werden kann.

Um eine wohnortnhere Beschulung zu erreichen, knnen Sonderschulklassen

an allgemeinen und berufsbildenden Schulen weitere Frderorte fr Schlerinnen

und Schler mit Frderbedarf im Bereich der krperlichen und motorischen Ent-

wicklung sein.

Auch wenn die Integration in das Schulleben von groer Bedeutung fr alle Sch-

lerinnen und Schler ist, erhalten diejenigen Hausunterricht, die aufgrund nicht

mehr zu verantwortender gesundheitlicher Gefhrdungen nicht regelmig die

Schule besuchen knnen.

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Erziehung und Unterricht im berufsbildenden Bereich

Das Handlungsfeld Vorbereitung auf die nachschulische Lebenssituation um-

fasst die Bereiche Berufswahlorientierung, Arbeit und Ttigsein, Lebensgestaltung

ohne Erwerbsarbeit, weiterfhrende Bildungsangebote, Wohnen, Freizeit und Be-

ziehungsgestaltung, Organisation von Hilfen und Umgang mit existenziellen Le-

benssituationen. Das Betreuungsrecht wird bei Bedarf vorgestellt.

Um Selbst- und Mitbestimmung in sozialer Interaktion zu ermglichen, werden

u.a. folgende Angebote gemacht:

Schlerinnen und Schler bekommen ein differenziertes unterrichtliches Angebot

zur Vorbereitung auf die nachschulische Lebenssituation. Dieses kann in Ab-

schlussstufen und anderen Organisationsformen, in unterschiedlichen Fchern,

ebenso aber fcherbergreifend, in Projekten, klassen- und jahrgangsbergrei-

fend erfolgen. Therapeutische Angebote erffnen in dieser Phase weitere Mg-

lichkeiten, um Schlerinnen und Schler beim schwierigen Prozess der Einscht-

zung der eigenen Fhigkeiten zu untersttzen.

Schlerinnen und Schlern wird durch mehrmalige Schlerbetriebspraktika, die

unterschiedlich organisiert und gestaltet sein knnen, die Mglichkeit gegeben,

verschieden Arbeitsbereiche und die eigenen Handlungsmglichkeiten kennen zu

lernen. Diese Praktika werden angemessen vor- und nachbereitet.

Abschluss-Stufen stellen eine Organisationsform der Schule fr Krperbehinderte

dar, in der Schlerinnen und Schler entsprechend ihrem Frderbedarf in den

letzten Schuljahren handlungsorientiert Projekte und projektorientierte Vorhaben

in vernderten sozialen Bezgen verwirklichen. Die Vermittlung schulischer Bil-

dungsabschlsse bleibt hiervon unberhrt.

Einrichtungen und Angebote der nachschulischen Rehabilitation und Beratung,

z.B. berufsbegleitende Dienste, Arbeitsamt, Beratungsstellen der Industrie- und

Handelskammer, Handwerkskammer, Hauptfrsorgestelle, Versorgungsamt, rtli-

che Betriebe, Werkstatt fr Behinderte, Berufsbildungswerke, weiterfhrende

Schulen, Freizeiteinrichtungen, Angebote der Kirchen, Verbnde und Selbsthilfe-

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gruppen, unterschiedliche Wohnmglichkeiten sowie weitere Stellen werden auch

ber den eigenen Wohnort hinaus unterrichtlich thematisiert. Schlerinnen und

Schler sowie deren Erziehungsberechtigte erhalten frhzeitig Informations- und

Beratungsangebote.

Fr Schlerinnen und Schler mit fortschreitenden Erkrankungen macht die Schu-

le prinzipiell die gleichen Angebote. Diese sind entsprechend der individuellen

Lebenssituation zu differenzieren.

In den Berufskollegs wird den Schlerinnen und Schlern mit dem Frderschwer-punkt krperliche und motorische Entwicklung eine umfassende personale, ge-

sellschaftliche und berufliche Handlungskompetenz vermittelt.

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6 Kooperation und Beratung

Kooperation und Beratung haben zum Ziel, Fhigkeiten und Kompetenzen aller

Beteiligten zu nutzen, zu strken, Wissen weiterzugeben sowie verfgbare Res-

sourcen mglichst effektiv einzusetzen.

Eine intensive und vertrauensvolle Kooperation mit den Erziehungsberechtigten

und zustndigen Institutionen sowie wechselseitige Beratung sind wesentliche

Voraussetzungen fr Erziehung und Unterricht von Schlerinnen und Schlern mit

dem Frderschwerpunkt krperliche und motorische Entwicklung.

Die Vernetzung der entsprechenden Anteile der Rehabilitationsmanahmen aller

beteiligten Institutionen und Personen ist Bestandteil der Frderung und erfolgt

federfhrend durch die Schule.

Kooperation und Beratung umfassen die folgenden vier Handlungsfelder: - Kooperation im Unterricht und in der Schule

Alle an der Frderung beteiligten Personen untersttzen die Schlerinnen und

Schler in ihrem Lern- und Entwicklungsprozess. In Teambesprechungen

werden im Rahmen der Erstellung individueller Frderplne Ziele und Inhalte

fr Erziehung und Unterricht sowie didaktisch-methodische Grundstze erar-

beitet und Kompetenz- und Verantwortungsbereiche abgesprochen.

- Kooperation mit den Erziehungsberechtigten

Aufgrund der gemeinsamen Verantwortung von Erziehungsberechtigten und

Schule fr die Frderung ist eine regelmige Verstndigung ber Fragen der

alltglichen Lebensgestaltung und angemessener schulischer und therapeuti-

scher Anforderungen notwendig. Die Erziehungsberechtigten werden ber die

Erziehungs- und Unterrichtsarbeit auf vielfltige Weise regelmig informiert

und haben Gelegenheit Unterricht und Therapie einzusehen. In alle Entschei-

dungsprozesse sind die Erziehungsberechtigten und soweit wie mglich die

Schlerinnen und Schler einzubeziehen. Weitere Fachkrfte und Dienste

sind bei Bedarf hinzuzuziehen.

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- Kooperation mit weiteren Schulen

Um die bestmgliche Entwicklung aller Schlerinnen und Schler zu ermgli-

chen, erfolgt eine institutionalisierte, kontinuierliche Kooperation und Beratung

mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterer Schulen des allgemeinen

Schulwesens in der Primarstufe, der Sekundarstufe-I und der Sekundarstufe-II

und damit auch in den Berufskollegs sowie in den Sonderschulen anderer

Frderschwerpunkte.

- Kooperation mit auerschulischen Institutionen und Fachkrften

Erziehung und Unterricht von Schlerinnen und Schlern mit Frderbedarf im

Bereich der krperlichen und motorischen Entwicklung erfordern die Zusam-

menarbeit mit zahlreichen auerschulischen Institutionen. Dies knnen ent-

sprechend dem individuellen Bedarf der einzelnen Schlerin und des einzel-

nen Schlers u. a. Einrichtungen der Frhfrderung, weiterer Einrichtungen

der vorschulischen Frderung, Haus- und Fachrzte, ambulant ttige Physio-

therapeuten, Ergotherapeuten und Logopden, psycho-soziale Dienste, Mitar-

beiter des Jugend-, Sozial- und Gesundheitsamtes, von Erziehungsberatungs-

stellen, regionalen Schulberatungsstellen, medizinisch-technischer Reha-

Firmen sowie Einrichtungen der nachschulischen Rehabilitation und Beratung

sein.

Der bergang von der Schule in den Beruf stellt fr viele Schlerinnen und Sch-

ler eine groe Herausforderung dar. Im Rahmen der beruflichen und sozialen

Eingliederung ist es notwendig, eine nachschulische Beratung durch die abge-

bende Schule zu ermglichen.

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7 Qualittsentwicklung und Qualittssicherung

Zustzlich zu den in der Rahmenvorgabe fr die sonderpdagogische Frderung

genannten Aspekten sind im Frderschwerpunkt krperliche und motorische Ent-

wicklung folgende spezifische Schwerpunkte zu bercksichtigen:

Die Frderung von Schlerinnen und Schlern mit dem Frderschwerpunkt kr-

perliche und motorische Entwicklung vollzieht sich in sehr verschiedenen Aufga-

benfeldern und komplexen Handlungszusammenhngen. Dies erfordert verlssli-

ches und kontinuierliches Handeln multiprofessioneller Teams.

Geeignete Formen interdisziplinrer Zusammenarbeit werden im Rahmen des Schulprogramms vereinbart. Entsprechende untersttzende schulorganisatori-

sche Rahmenbedingungen sichern diese Zusammenarbeit verbindlich ab und

sind stndig zu berprfen.

Fachleute unterschiedlicher Fachdisziplinen wirken bei Planung, Realisation und

Reflexion der sonderpdagogischen Frderung zusammen und integrieren ihre

Frdermanahmen in ein ganzheitliches Konzept:

- Lehrerinnen und Lehrer fr Sonderpdagogik

- Lehrerinnen und Lehrer allgemeiner Schulen mit gemeinsamem Unterricht

- Fachlehrerinnen und Fachlehrer mit sozialpdagogischen oder handwerkli-

chen oder hauswirtschaftlichen Ausbildungen und einer sonderpdagogischen

Zusatzausbildung

- Therapeutinnen und Therapeuten unterschiedlicher Fachbereiche

- ausgebildete Pflegekrfte.

Lehrerinnen und Lehrer fr Sonderpdagogik tragen in Zusammenarbeit mit Leh-

rerinnen und Lehrern der allgemeinen Schulen Verantwortung fr:

- die Diagnostik im Rahmen des Verfahrens zur Feststellung des

sonderpdagogischen Frderbedarfs als Grundlage fr die Entscheidung ber

geeignete Frderorte

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- die Erstellung, Realisation, Evaluation und Fortschreibung der individuellen

Frderplne auf der Basis lernprozessbegleitender Diagnostik

- die Planung, Durchfhrung und Reflexion von Erziehung und Unterricht

- die Integration aller Frdermanahmen in Unterricht, Erziehung, Therapie und

Pflege zu einem ganzheitlichen Frderkonzept in Kooperation mit den am Fr-

derprozess beteiligten Fachleuten

- die Lern- und Leistungsbeurteilung

- die Organisation der Klassenleitung

- die Beratung der Erziehungsberechtigten und der Schlerinnen und Schler in

Kooperation mit den am Frderprozess Beteiligten sowie die Koordination der

Zusammenarbeit

- die Kooperation mit Fachleuten anderer Frderorte und auerschulischer

Institutionen

- die Qualittsentwicklung und -sicherung von Erziehung und Unterricht durch

konzeptionelle Beitrge in Team-, Konferenz- und Gremienarbeit

- die Wahrnehmung von Aufgaben im Rahmen der Aus-, Fort- und Weiterbil-

dung.

Therapeutinnen und Therapeuten fhren die medizinisch verordneten Therapien

durch, um krperliche und gesundheitliche Stabilisierung, grtmgliche Selbst-

stndigkeit und Entwicklung der Schlerinnen und Schler zu erreichen. Darber

hinaus werden notwendige Voraussetzungen zur aktiven Teilnahme am Unterricht

geschaffen.

Ausgebildete Pflegekrfte stellen die Versorgung und Pflege der Schlerinnen

und Schler sicher.

Therapeutische und pflegerische Fachkrfte bernehmen fachspezifische Bera-

tung und Anleitung weiterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Erziehungs-

berechtigten.

Helfendes Personal erfllt nach Anleitung durch die Fachkrfte vereinbarte Auf-

gaben:

- im Bereich der Pflege, Hebe- und Lagerungshilfen

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- in der Begleitung und Untersttzung der Schlerinnen und Schler in Erzie-

hung und Unterricht (auch an auerschulischen Lernorten sowie bei Schul-

wanderungen und Schulfahrten)

- in der persnlichen Assistenz in Einzelbetreuung (auch als Integrationshelfer).

Zur Verbesserung fachlicher Qualifikationen und professioneller interdisziplinrer

Verstndigung ist die Nutzung und schulinterne Vernetzung von Fort- und Weiter-

bildungsangeboten zur Weiterentwicklung von fachwissenschaftlicher, fachdidak-

tischer und kommunikativer Kompetenz notwendig.

Systematische Fortbildungsplanung der Schule bezieht die hohen Anforderungen

an die physische und psychische Belastbarkeit aller an der Frderung Beteiligten

ein. Geeignete untersttzende Angebote knnen u. a. sein: Vermittlung geeigne-

ter Hebe- und Tragetechniken, Verfahren zur Stressbewltigung sowie Verfahren

der kollegialen Fallberatung und Supervision.

Eine angemessene Nutzung der Nachteilsausgleiche ist Ziel der Leistungserzie-

hung. Mglichkeiten des Nachteilsausgleichs sind u.a.:

- Nutzung angepasster technischer, apparativer, orthopdischer Hilfsmittel, z. B.

Schreib- und Zeichensysteme, elektronischer Kommunikationshilfen, ange-

passten Mobiliars, Sitz-/ Steh- oder Lagerungshilfen,...

- mediale Aufarbeitung der Aufgabenstellungen, Arbeitsmittel, z. B. Vergre-

rung, Verkleinerung, Fixierung oder Stabilisierung durch verndertes Material,

farbliche Gestaltung

- Zeitzugaben fr das Erbringen mndlicher und schriftlicher Leistungen. Der

Umfang der Zeitzugabe wird in Abhngigkeit vom individuellen Frderbedarf

zwischen den am Prozess der Leistungsbeurteilung Beteiligten vereinbart.

- Angebote unterschiedlicher, individuell geeigneter Arbeitsformen im Blick auf

Leistungsnachweise (neben Klassenarbeiten): z.B. schriftliche Arbeiten als

Hausarbeiten, mndliche Referate, Facharbeiten, arbeitsteilige Gruppenarbei-

ten, praktische Arbeitsergebnisse

- personelle Assistenz beim Schreiben bei Erhalt grtmglicher Eigenaktivitt.

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Der professionelle interdisziplinre Diskurs ber Leistungsbeurteilungen und ge-

gebenenfalls Nachteilsausgleiche in schulinternen Gremien, zustndigen Konfe-

renzen und mit externen Arbeitspartnern (z. B. Partnerschulen) ermglicht allen

am Unterricht Beteiligten Reflexion und Perspektiventwicklung.