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  • Prüfungsthemen Soziolinguistik

    Mády Katalin

    Literatur:

    Dittmar, Norbert (1997): Grundlagen der Soziolinguistik: ein Arbeitsbuch mit Aufgaben. Tübingen: Niemeyer.

    A. Jászó, Anna & Bódi, Zoltán (2002): Szociolingvisztikai szöveggyűjtemény. Budapest: Tinta.

    König, Werner (1978): dtv-Atlas zur deutschen Sprache. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.

    Réger, Zita (1990): Utak a nyelvhez. Budapest: Akadémiai.

    http://mek.oszk.hu/04000/04046/04046.pdf

    Wardhaugh, Ronald (1995): Szociolingvisztika. Budapest: Osiris-Századvég.

    Die Zahlen neben den Autoren geben das entsprechende Kapitel bzw. die Seitenzahlen an.

    1.

    Varietäten im sozialen Kontext (Dittmar, 1, Wardhaugh, 2, A. Jászó & Bódi, S. 100–104)

    Dialektale, soziale und funktionelle Varietäten

    Architektur der Varietäten (Coșeriu)

    2.

    Sprachliche Relativität (Dittmar, 2.4, Wardhaugh, 9, A. Jászó & Bódi, S. 62–71)

    3.

    Forschungsrichtungen in der Soziolinguistik (Dittmar, 2.1, Wardhaugh, 6–7)

    Begriffsbildung und Definitionen

    Die vier Richtungen im Vergleich: Sprachsoziologie, Varietätenlinguistik, Ethnographie der Kommunikation, Ethnomethodologie/Interaktionale Soziolinguistik

    4.

    Untersuchungsmethoden (Dittmar, 2.5, Wardhaugh, 7)

    Räumliche Varietäten (Gilliéron, Wenker)

    Soziale Varietäten (Labov), Erforschung des Sprachwandels

    Sprachsoziologie (Fishman)

    Ethnographie der Kommunikation (Hymes, Gumperz)

    1

  • Interaktionale Soziolinguistik/Ethnomethodologie: formale Konversationsanalyse (Linke, Nussbaumer & Portmann, 7), interpretativ-kognitive Konversationsanalyse, ethnographische Konversationsanalyse

    5.

    Sprachgemeinschaft (Dittmar, 3.4)

    Definitionsversuche

    6.

    Diglossie (Dittmar, 3.6, Wardhaugh, 4)

    H- und L-Sprache

    Diglossie und Bilingualität

    7.

    Sprachkontakt (Dittmar, 4.3.7. Wardhaugh, 3)

    Pidgin, Kreolsprachen

    8.

    Höflichkeitsformen, Anredeformen, Verwandtschaftsbezeichnungen (Wardhaugh, 11, A. Jászó & Bódi, 72–82)

    9.

    Sprache und Geschlecht (Wardhaugh, 13, Dittmar, 4.3.6.2.1)

    Manifestierung, Problematische Bereiche, Ursachen

    10.

    Sprachliche Norm (Dittmar, 3.8)

    Definitionen, Normkonzepte

    11.

    Sprachplanung, Sprachpolitik (Wardhaugh, 15)

    Statusplanung vs. Korpusplanung, Motivation

    12.

    Sprachliche Sozialisierung, Sprachliche Benachteiligung (Wardaugh, 14, Réger, entsprechende Kapitel)

    2

  • 1. Vorlesung

    Varietäten im sozialen Kontext

    Soziolekt ist eine Varietät, die den Aspekt der sozialen Schichtung zum Ausdruck bringt durch sozialsymbolische Formen der Aussprache, die Organisation von Parataxe und Hypotaxe, eine gewisse Nachlässigkeit in der formalen Organisation der Sprache, durch bestimmte Gliederungssignale und Gesprächswörter. Der Soziolekt verweist auf die soziale Identität und ist stark mit Einstellungen, Stereotypen, Prestige vs. negativer Bewertung verbunden.

    Aus: Dittmar, Norbert (1997): Grundlagen der Soziolinguistik: ein Arbeitsbuch mit Aufgaben. Tübingen, Niemeyer, S. 10.

    Dialogbeispiele und ihre Interpretationen finden sich in Dittmar (1997).

    3

  • 2. Vorlesung

    Coșeriu, Sprachliche Relativität

    Folie 1

    Architektur der Sprache

    Eugenio Coșeriu (1988):

    1. räumliche Unterschiede: diatopisch, Einheitlichkeit: syntopisch

    2. soziokulturelle Unterschiede: diastratisch, synstratisch (lat. stratum = Schicht)

    3. Unterschiede in Expressivität: diaphasisch, synphasisch

    historische Sprache

    Gesamtheit aller Sprachformen unter einem Namen zusammengefasst (Französisch, Deutsch usw.)

    funktionelle Sprache

    eine durch alle drei Aspekte genau definierte Varietät: diese Varietät funktioniert beim Sprechen.

    Abweichungen davon werden gleich erkannt und können als Stilmittel eingesetzt werden.

    ***************************************

    Folie 2

    Prinzip der sprachlichen Relativität

    Edward Sapir (1929):

    Enger Zusammenhang zwischen Sprache und Kultur, ihr Verständnis bedingt einander.

    Weltbild wird im Wesentlichen durch die Sprache beeinflusst.

    Die Welten zweier unterschiedlichen Sprachgemeinschaften sind zwei unterschiedliche Welten.

    Kategorisierung der eigenen Umgebung entlang sprachlicher Kategorien (Linien: krumm, gerade, zackig, Farbwahrnehmung).

    Wahrnehmung durch die Sprache, die die die Interpretation vorgibt.

    Lebensumstände machen sich am Lautinventar nicht bemerkbar! Kaukasische Völker: unangenehme Laute ↔ Eskimo: wohlklingend.

    Morphologie: Zusammenhang manchmal eindeutig, z. B. eigene Zahlwörter für verschiedene Objekte ← Besitz ist für dieses Volk wichtig ~ Personenendungen im Japanischen ←komplexe Hierarchie. Aber: inklusives/exklusives wir, grammatikalisches Geschlecht: kommt bei Völkern mit sehr unterschiedlichen Umgebungen vor!

    4

  • Zusammenhang am auffälligsten im Lexikon (= Wortschatz), im Lautinventar gar nicht vorhanden. Zusammenhang zwischen Morphologie und Umgebung war anfangs direkt, ist jedoch meistens verloren gegangen. Grund: Sprache ist konservativer als Kultur und entwickelt sich langsamer.

    ***********************************************

    Folie 3

    Beispiele für Zusammenhang zwischen Sprache und Kultur

    Das Vorhandensein eines eigenen Wortes für einen Begriff lässt vermuten, dass dieses Objekt/Wesen länger in der Umgebung eines Volkes vorhanden ist (Schnecke vs. Elefant) ~ transparente Namen deuten auf einen neuen Ort hin (Dunaújváros), etymologisch unklare auf einen alten (Vönöck). Aber: ung. medve...

    Wichtige Elemente, die dem Überleben dienen, werden differenziert benannt. Unwichtige Elemente werden mit einem Oberbegriff bezeichnet.

    Pflanzen:

    Europa: Unkraut ↔ Indianer, die von Wildpflanzen leben, benennen jede Pflanze und Wurzel einzeln.

    Tiere:

    Primitive Völker an der Küste ~ funktionelle Sprache von Fischern aus Kulturvölkern: differenzierte Bezeichnungen für Wassertiere mit und ohne Wirbel.

    Ungarisch: Fisch ↔ Huhn, Schwein, Rind (nicht einfach Fleisch).

    Kontinentale Bewohner: Hund, Katze, Vogel und nicht Säugetier. (*Vor meinem Fenster hat die ganze Nacht ein Säugetier gebellt.)

    aber: Wurm, Käfer, Fliege: keine Spezifikation notwendig.

    Naturobjekte:

    Indianersprachen: Sonne – Mond: ein Begriff (Unterschied unwichtig).

    Wüstenbewohner: ausführliche Bezeichnungen für ‚runde Eintiefung, flaches Land zwischen Bergen von Felsen umgeben, Schlucht ohne Bach, Schlucht mit Bach, sonnenbestrahlter Hang/Hang ohne Sonne, glatter Sand’ usw. ← genaue Angaben überlebenswichtig, da wenig Nahrung vorhanden ~ Schneebezeichnungen bei Eskimos.

    5

  • ********************************

    Folie 4

    Benjamin Lee Whorf (1956)

    Hopi Standard Average European (SAE)

    Vorgang, Prozess Aufteilung der Wirklichkeit

    Unterscheidung zwischen zählbar und unzählbar

    ist das Eintreten eines Teilung der Zeit in Vergangenheit,

    Ereignisses sicher? Gegenwart, Zukunft

    „Unterschiedliche grammatische Kategorien geben unterschiedliche Denkweisen vor.“

    → Whorf geht viel weiter als Sapir!

    Bally (1944):

    Französisch Deutsch

    wenig Flexion komplexes Flexionssystem

    Denkadäquate Wortfolge Disjunktion von Zusammengehörigem

    wenig Wortstellungsfreiheit große Wortstellungsfreiheit

    leichterer Wortartenwechsel schwierigerer Wortartenwechsel

    einfache, klare Phoneme komplexe Phoneme und Phonemgruppen

    → Folgerungen bezüglich der Mentalität der Deutschen und der Franzosen.

    ***************************************

    Folie 5

    Mark Twain

    Schachtelsätze im Deutschen Ausdruck eines guten sprachlichen Umgangs, im Englischen schlechte Planung.

    6

  • Karácsony Sándor (1985):

    Unterordnung in indogermanischen Sprachen = Ziel, alle Elemente in einem wichtigsten Begriff zu vereinen, Abhängigkeit zwischen Teilsätzen zu verstärken. Ungarisch: viele nebengeordnete Sätze = Ungarn ist das Land der kleinen Autonomien, jeder Mensch ist gleichwertig.

    Argumente gegen die Hypothese der Sprachlichen Relativität

    Piaget, Vygotski: sprachliche Entwicklung folgt der kognitiven Entwicklung und nicht andersherum.

    Zweisprachigkeit: Wahrnehmung ist konstant für dieselbe Person.

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    Folie 6

    Überprüfung der Sapir-Whorf-Hypothese

    Iwar Werlen (1989):

    Eine Hypothese muss überprüft werden! Sapir und Whorf haben nur Prinzipien aufgestellt.

    Rolle der Sprache und Sprechfähigkeit in folgenden Bereichen:

    Sozialisation des Individuums,

    gesellschaftliche Wirklichkeitskonstruktion,

    Kategorisierung der Welt,

    Wahrnehmung der Welt,

    Verarbeitung der wahrgenommenen Informationen,

    Speicherung der wahrgenommenen Informationen,

    Problemlösen,

    Imaginieren, Konstruieren und Entwerfen,

    Agieren und Handeln in der Welt.

    7

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