Portale zu Vergangenheit und Zukunft - ?· 6 Die Zukunft der Bibliothek, die Bibliothek der Zukunft…

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  • Jrgen Seefeldt und Ludger Syr

    Portale zu Vergangenheit und Zukunft Bibliotheken in Deutschland

  • Jrgen Seefeldt und Ludger Syr

    Portale zu Vergangenheit und Zukunft Bibliotheken in Deutschland

    Im Auftrag von Bibliothek & Information Deutschland e.V. (BID) herausgegeben

    Mit einem Vorwort von Claudia Lux

    4., aktualisierte und berarbeitete Auflage

    2011Georg Olms Verlag

    Hildesheim Zrich New York

  • Das Werk ist urheberrechtlich geschtzt.Jede Verwertung auerhalb der engen Grenzendes Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmungdes Verlages unzulssig.Dies gilt insbesondere fr Vervielfltigungen,bersetzungen, Mikroverfilmungenund die Einspeicherung und Verarbeitung inelektronischen Systemen.

    Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet ber http://dnb.d-nb.de abrufbar.

    Georg Olms Verlag, Hildesheim 2011www.olms.deAlle Rechte vorbehaltenPrinted in GermanyGedruckt auf surefreiem, alterungsbestndigem PapierUmschlagentwurf: Anna BraungartGestaltung: J. Lus de Freitas-BrancoHerstellung: Druckhaus Kthen GmbHISBN: 978-3-487-14573-0

  • 5

    INHALTSVERZEICHNIS

    Vorwort von Claudia Lux, BID-Prsidentin ............................ 7

    Das deutsche Bibliothekswesen in Zahlen ............................................ 10

    1 Geschichte ................................. 11

    Entwicklung der deutschen Bibliotheks-geschichte ............................................. 11

    Vom Mittelalter zur Skularisation ......... 11

    Vom 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg .............................................. 15

    Vom geteilten zum vereinigten Deutschland .......................................... 18

    2 Bildung und Kultur ....................... 23

    Politischer und verwaltungsorganisa- torischer Aufbau der Bundesrepublik Deutschland ................................................ 23

    Bildungseinrichtungen ............................. 26

    Allgemeinbildende Schulen ................... 26

    Berufsbildung ....................................... 27

    Der ffentliche und private Mediensektor: Bildstellen, Medienzentren, kommerzielle Anbieter ............................................... 28

    Berufliche Fort- und Weiterbildung ........ 29

    Erwachsenenbildung und Volkshochschulen ................................. 29

    Universitten und andere Hochschulen .. 30

    Buchhandel ............................................. 33

    3 Bibliotheksvielfalt ..................... 35

    Das breit gefcherte Bild der Biblio-theken in Deutschland ......................... 35

    Vielfalt der Unterhaltstrger .................... 35

    ffentliche Trger: Bund Lnder Gemeinden Stiftungen ....................... 35

    Kirchliche Trger ................................... 36

    Private Trger ........................................ 36

    Vielfalt der Bibliothekstypen .................... 37

    Bibliotheken von nationaler Bedeutung ... 37

    Die Deutsche Nationalbibliothek ........... 37

    Die Staatsbibliothek zu Berlin Preuischer Kulturbesitz ........................ 40

    Die Bayerische Staatsbibliothek in Mnchen .......................................... 42

    Die Zentralen Fachbibliotheken ............. 42

    Landes- und andere Regional- bibliotheken ............................................ 44

    Hochschulbibliotheken ............................ 46

    Bibliotheken der Universitten ................ 47

    Bibliotheken der Fachhochschulen und sonstigen Hochschulen .................. 49

    Spezial- und Fachbibliotheken ................. 50

    ffentliche Bibliotheken .......................... 54

    Kommunale ffentliche Bibliotheken .... 55

    Staatliche Fachstellen fr ffentliche Bibliotheken .......................................... 59

    Kirchliche ffentliche Bibliotheken ........ 61

    Spezielle Bereiche des ffentlichen Bibliothekswesens ................................... 61

    Kinder- und Jugendbibliotheken ............ 61

    Schulbibliotheken ................................. 63

    Bibliotheksarbeit fr besondere Benutzergruppen .................................. 64

    Weitere Bibliotheken ............................. 66

    Einrichtungen der Informations- infrastruktur ............................................ 66

    4 Berufe und Verbnde ................... 68

    Organisation(en) des Bibliotheks- wesens ................................................... 68

    Bibliothekarische Berufe .......................... 68

    Zur Geschichte bibliothekarischer Berufsausbildung .................................... 70

    Bibliothekarische Ausbildung, Studien- und Ausbildungssttten .......................... 71

  • 6

    Fort- und Weiterbildung fr Bibliotheks-personal .................................................. 72

    Institutionelle Zusammenarbeit der Bibliotheken ............................................ 73

    Bibliothek & Information Deutsch- land e.V. (BID) als Dachverband ............. 74

    Deutscher Bibliotheksverband e.V. (dbv) ..................................................... 75

    Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB) ............................... 78

    Verein Deutscher Bibliothekare e.V. (VDB) .................................................... 79

    ekz-Bibliotheksservice GmbH, Reutlingen ............................................ 80

    Bertelsmann Stiftung, Gtersloh ........... 82

    Goethe-Institut e.V., Mnchen .............. 83

    Deutsche Gesellschaft fr Informations- wissenschaft und Informationspraxis e.V. (DGI) ..................................................... 84

    Internationale Zusammenarbeit ............... 85

    5 Kooperation im Bibliotheks- wesen ........................................................ 88

    Lokale, regionale und nationale Dienstleistungen durch Zusammen- arbeit ..................................................... 88

    Grundlagen der Kooperation ................... 88

    Zusammenarbeit bei der Marktsichtung und Erwerbung ....................................... 90

    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Sammelschwerpunktprogramm und die Virtuellen Fachbibliotheken ...... 90

    Die Sammlung Deutscher Drucke .......... 93

    Die Lektoratskooperation ...................... 94

    Zusammenarbeit bei der Katalogisierung und Sacherschlieung ............................. 95

    Die regionalen Verbundsysteme ............ 96

    Die Zeitschriftendatenbank und die Elektronische Zeitschriftenbibliothek ...... 99

    Verzeichnisse alter Drucke ................... 100

    Zusammenarbeit bei der Benutzung und Information ........................................... 102

    berregionaler Leihverkehr ................. 102

    Elektronischer Dokumentlieferdienst subito ................................................. 104

    Kooperative Informationsdienste ......... 105

    6 Die Zukunft der Bibliothek, die Bibliothek der Zukunft ....... 107

    Rahmenbedingungen und Strategie-berlegungen ....................................... 107

    Bilder und Modelle der ffentlichen Bibliothek von morgen .......................... 110

    Vision und Wirklichkeit bei den Wissen-schaftlichen Bibliotheken ....................... 112

    Die Digitale Bibliothek ........................... 114

    Fazit und Ausblick ................................. 117

    Anhang .................................................. 118

    Die Autoren ................................................ 118

    Bildnachweis ............................................... 119

    Bildnachweis (in Abfolge des Erscheinens im Text) ............................ 119

    Alphabetisches Verzeichnis der Abbildungen nach Orten ..................... 120

    Bibliotheken des Jahres (Nationaler Bibliothekspreis) ........................ 121

    Weiterfhrende Fachinformationen (in Auswahl) ................................................ 121

    Monografien und Jahrbcher .............. 121

    Zeitschriften ........................................ 123

    Internet-Adressen ............................... 123

    Sachregister (Namen, Institutionen, Abkrzungen) .......... 124

  • 7

    VORWORTDiese vierte, aktualisierte und berarbeitete Auf-lage der Portale zu Vergangenheit und Zu-kunft Bibliotheken in Deutschland erscheint zum 100. Bibliothekartag in Berlin. Das Buch hat seit seinem erstmaligen Erscheinen im Jahre 2003 zum 96. Kongress des Weltverbands der Bibliotheken, IFLA, Erfolgsgeschichte geschrie-ben. bersetzt und publiziert in Englisch und acht weiteren Sprachen, darunter Arabisch und Chinesisch, enthlt es das komprimierte Wissen ber Geschichte, Struktur und Entwicklung der deutschen Bibliotheken und Informationsein-richtungen, ihre Zusammenarbeit sowie die Biblio theks- und Informationsverbnde.

    Fr unsere Gste und Partner aus dem Aus-land ist dieses Werk unverzichtbar, wenn sie sich einen schnellen und aktuellen berblick ver-schaffen mchten. Fr die Studierenden der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Fcher sind die Portale ein Grundlagenwerk und ein verlsslicher Begleiter bis zur Abschluss-prfung. Fr die Beschftigten der Bibliotheken und Informationseinrichtungen ist die neue Ausgabe ein wichtiges Standardwerk, das ihnen einen aktuellen berblick ber die Entwick-lungen in der deutschen Bibliothekslandschaft verschafft. Fr die interessierten Politiker ist es eine Basislektre, die ihnen die Bedeutung der modernen Bibliotheksarbeit fr eine erfolgreiche Kultur- und Bildungspolitik und fr wichtige Aspekte der Informationsgesellschaft aufzeigt. Fr die Kunden der Bibliotheken enthlt das Buch viele Tipps, welche Inhalte und welche Serviceleistungen die deutschen Bibliotheks- und Informationseinrichtungen anbieten.

    Die Bibliothekslandschaft zeigt eine unge-brochene Dynamik. Neu aufkommende Techno-logien ermglichen neue Angebote und Formen der Vermittlung von Information und Wissen:

    Radio Frequenz Technologie (RFID) fr die auto-matisierte Ausleihe in Selbstbedienung,

    bibliothekarische Informationsdienste fr das Mobiltelefon,

    Massendigitalisierung vorhandener gemein-freier Werke und ihre Zugnglichkeit ber ein Internetportal,

    Einzeldigitalisierung wertvoller Kulturobjekte und ihre Prsentation auf mobilen Endgerten,

    erweiterte Produktion von E-Books und E-Journals und das damit verbundene virtuelle Volltextangebot und die E-Book-Ausleihe,

    Nutzung der Web 2.0-Funktionen und aktive Prsentation bibliothekarischer Einrichtungen in den sozialen Netzwerken.

    In attraktiven Neubauten werden neue Arbeits- und Lernumgebungen geschaffen. Flchen-deckende W-LAN-Angebote tun ein briges, das multimediale Lernen und Arbeiten zu unter-sttzen und diese neuen Lernrume zu viel be-suchten Orten zu entwickeln.

    Ich bin den beiden Autoren Jrgen Seefeldt und Ludger Syr sehr dankbar, dass sie sich wie-der bereit erklrt haben, die Portale zu Vergan-genheit und Zukunft - Bibliotheken in Deutsch-land zu aktualisieren. Nach einer zweiten Auflage 2003 und der dritten, berarbeiteten Auflage in 2007 verlangte diese vierte Auflage erneut umfassende Vernderungen. Viele neue Zahlen wurden dafr sorgfltig ermittelt und ausgetauscht. Der kontinuierliche Wandel in den vergangenen vier Jahren erforderte, dass ber

    Claudia Lux, Prsidentin der BID

    Aus urheberrechtlichen Grnden kann das Bild an dieser Stelle nicht verffentlicht werden.

  • 8

    VORWORT

    ein Viertel des Textes von den beiden Autoren neu formuliert werden musste. Die Ergnzungen betreffen vor allem Umfeld und Kooperationen der Bibliotheken, ihre Arbeitsweise sowie die digitalen Dienstleistungen.

    Vernderungen mit Auswirkungen auf die Bibliothekswelt ergeben sich aus der Fderalis-musreform von 2006, der Neuordnung zwischen Bund und Lndern. In drei Bundeslndern exis-tieren inzwischen Bibliotheksgesetze als Folge der positiven Aufnahme bibliothekarischer Forderungen durch die Enqutekommission des Deutschen Bundestages Kultur in Deutsch-land. Die Umsetzung des Bologna-Prozesses in die Bachelor- und Masterstudiengnge und die Exzellenzinitiative begrnden neue Aufgaben-felder fr die Hochschulbibliotheken. Wieder-belebt und ausgebaut wird die Zusammenarbeit der Bildungspartner: Bibliotheken kooperieren mit Schulen, Volkshochschulen und kulturellen Einrichtungen auf der kommunalen Ebene.

    Von neuen Herausforderungen berichten die Autoren fr alle Bibliotheken durch die starke Verbreitung der digitalen Audio-, Bild-, Text- und Filmdateien ber das Internet. ffentliche Biblio-theken bieten jetzt ber die Onleihe Zugang zu einem ausgewhlten Paket elektronischer Publi-kationen an. Die Deutsche Nationalbibliothek hat den Auftrag zur Sammlung der Netzpublika-tionen erhalten. Virtuelle Fachbibliotheken

    Dem Motto des 100. Deutschen Bibliothekartages Bibliotheken fr die Zukunft Zukunft fr die Bi-bliotheken entsprechen eindrucksvoll die beiden spektakulren Neubauten in Ulm und Cottbus. Die 1518 gegrndete wissenschaftliche Stadtbiblio-thek Ulm (Baden-Wrttemberg) wurde 1968 mit der 1896 gegrndeten stdtischen Freien Biblio-thek/Lesehalle zusammengelegt. 1999 erhielt der Klner Architekt Gottfried Bhm den Auftrag zum Bau einer neuen Stadtbibliothek. Die Einwei-hung der pyramidenartigen Zentralbibliothek aus Glas und Metall, in der Nhe des historischen Ulmer Mnsters gelegen, erfolgte am 15. April 2004. Auf 4.600 qm stehen ber 210.000 Medien zur Verfgung.

    erschlieen kooperativ relevante Internetres-sourcen unter dem Namen Academic LinkShare; mehr als 100.000 elektronische Zeitschriften weist die Zeitschriftendatenbank nach. Das alles zeigt, wie der digitale Umbruch in Bibliotheken und Informationseinrichtungen erfolgreich be-wltigt wird.

    Innerhalb der letzten vier Jahre sind die Digi-talisierungsaktivitten aufgeblht. Die Frderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Eigeninitiativen der Bibliotheken fr die Europeana haben Bewegung hineingebracht. Die Deutsche Digitale Bibliothek, Ende 2010 mit der Untersttzung des Bundes gegrndet, wird einen neuen zentralen Zugang zu Kultur und Wissen im deutschsprachigen Raum schaffen.

    Die Umstellung des Katalogformats von MAB auf MARC 21, die Planungen fr die neuen in-ternationalen Katalogregeln RDA, die Verbesse-rung der Metadaten, die Anreicherung der Kata-loge mit Inhaltsverzeichnissen und Covern bis hin zur visuellen Suche und dem Semantic Web zeigen, in welche Richtung sich die Bibliotheks-arbeit zu wandeln beginnt. Die virtuellen Aus-kunftsformen haben sich in Wissenschaftlichen und ffentlichen Bibliotheken weit verbreitet und der Einstieg in ein zeitgemes Bibliotheks-marketing ber FaceBook und YouTube sowie andere soziale Netzwerke hat begonnen.

    Vernderungen zeigen sich auch fr und in der BID als Dachverband aller bibliothekarischen Verbnde selbst. Mit der 2009 erarbeiteten Imagebroschre 21 gute Grnde fr gute Biblio theken wirbt die BID bei politischen und anderen Entscheidungstrgern fr Bibliotheken und ihre Dienstleistungen. Die Bibliotheken

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  • 9

    VORWORT

    auf die politische Tagesordnung zu bringen, ist weiterhin eines der wichtigsten Anliegen der BID. Auf einem Lobbying-Seminar in Reutlingen im Februar 2011 tauschten sich die Verbnde erneut darber aus und verstndigten sich, die Professionalisierung der Lobbyarbeit bei str-kerer Zusammenarbeit der Verbnde und ihrer Vorstnde voranzubringen; vor allem sind neue Ideen zur Finanzierung dieser Lobbyarbeit zu finden.

    Dass das vorliegende Buch in seiner berar-beiteten Form wiederum in vielen Sprachen sei-nen Weg zu der internationalen Bibliotheks- und Informationsszene findet, ist ein groer Wunsch der BID. Wir wren sehr dankbar, wenn das Goethe -Institut als unser Mitglied wie schon bei den vergangenen Auflagen sein groes Engage-ment fortsetzen wrde und mit Untersttzung seines weltweiten Netzwerkes dieses Buch in weitere Sprachen bersetzen und auf seiner Homepage anbieten knnte. Den bersetzern und bersetzerinnen mchte ich an dieser Stelle sehr herzlich fr ihre hervorragende Arbeit dan-ken. Besonders erwhnen mchte ich Diann Pelz-Rusch als bersetzerin der ersten und Janet MacKenzie fr die berarbeitung der zweiten englischen Fassung, welche die Grundlage der vielen bersetzungen in weitere Sprachen war. Ich hoffe sehr, dass wir eine aktualisierte dritte englische Auflage auf der Basis dieser vierten deutschen Auflage bald vor uns liegen haben.

    Ohne die hohe Professionalitt und wunder-bare Partnerschaft mit dem Georg Olms Verlag, der erneut die Herstellung dieser vierten Auflage betreut, knnte dieses Werk nicht erscheinen. Dafr mchte ich dem Verlag ganz besonders

    herzlich danken; ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.

    Allen, die uns das reichhaltige, um neue Fotos ergnzte Bildmaterial fr die Portale zur Ver-fgung gestellt haben, danken wir fr ihre Un-tersttzung. Diese optischen Lichter im interes-santen Text machen den Band anschaulich und attraktiv und tragen sicherlich zu seiner weltwei-ten Aufmerksamkeit positiv bei.

    Mein abschlieender Dank geht noch einmal an die beiden Autoren Jrgen Seefeldt und Lud-ger Syr. Ich wnsche ihnen und uns, dass auch diese Publikation wieder in Deutschland und in aller Welt gelesen wird und dazu beitrgt, dass die hervorragende Arbeit der deutschen Biblio-theken und Informationseinrichtungen sowie ihrer Beschftigten weltweit groe Anerkennung findet.

    Claudia LuxPrsidentin der BID Bibliothek & Information Deutschland

    Als neues Wahrzeichen der Brandenburgischen Technischen Universitt und als Bindeglied zwi-schen Campus und Stadt entstand fr die Universi-ttsbibliothek Cottbus (Brandenburg) ein unge-whnliches Gebude (Architekten Herzog und de Meuron, Basel). Das zukunftsweisende Konzept des Neubaus fut auf der Neuausrichtung der In-formations- und Medienversorgung an der Bran-denburgischen Technischen Universitt. Die 2004 zum Informations-, Kommunikations- und Me-dienzentrum (IKMZ) zusammengefassten Ein-richtungen sind gemeinsam im Neubau unterge-bracht. Aufgrund dieses Konzeptes wurde die Uni-versittsbibliothek 2006 als Bibliothek des Jah-res ausgezeichnet.

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  • 10

    Quelle: Deutsche Bibliotheksstatistik (DBS) 2009 (Stand: 31.12.2009)

    Das deutsche Bibliothekswesen in Zahlen 2009

    Bibliotheken insgesamt (alle Sparten, alle Trger, haupt- und ehrenamtlich geleitet mit Datenmeldung zur DBS)

    Anzahl der Bibliotheken einschl. Institutsbibliotheken und Zweigstellen (Standorte) 10.855Gesamt-Medienbestand (print- und non-print-Medien in ME) 362,0 Mio.Entleihungen (in Medieneinheiten) 466,0 Mio.Ausgaben fr Medien-Erwerbung (in Euro) 398,0 Mio.Personalstellen (in Vollzeitquivalenten) 23.230Gesamtausgaben (Sach- und Personalkosten) in Euro ohne Spezialbibliotheken 1.713,0 Mio.Eingetragene (aktive) Benutzer 10,82 Mio.Bestellungen im Deutschen Leihverkehr (gebend/aktiv) 4,20 Mio.

    Wissenschaftliche Universal-, Regional- und Hochschulbibliotheken (mit Datenmeldung zur DBS)

    Anzahl der Bibliotheken einschl. Institutsbibliotheken u.a. Nebenstellen (Standorte) 834Gesamt-Medienbestand (print- und non-print-Medien in ME) 314,4 Mio.Print-Bestand (Bcher, Zeitungen, Zeitschriften, Dissertationen in ME) 238,5 Mio.Entleihungen (in Medieneinheiten) 96,0 Mio.Ausgaben fr Medien-Erwerbung (in Euro) 301,0 Mio.Personalstellen (in Vollzeitquivalenten) 11.847Gesamtausgaben (Sach- und Personalkosten) in Euro 835,0 Mio.Bestellungen im Deutschen Leihverkehr (gebend/aktiv) 3,95 Mio.Benutzerarbeitspltze gesamt 98.788 - davon Computerarbeitspltze 15.922Eingetragene (aktive) Benutzer 2,85 Mio.

    ffentliche Bibliotheken (mit Datenmeldung zur DBS, ohne Schulbibliotheken)

    Haupt- und Hauptamtlich ehrenamtlich geleitet, geleitet, alle Trger alle Trger

    Anzahl der Bibliotheken einschl. Zweigstellen (Standorte) 10.021 3.427(registriert: 11.308)Medienbestand (in Medieneinheiten) 123,4 Mio. 96,1 Mio.Entleihungen (in Medieneinheiten) 369,7 Mio. 332,8 Mio.Ausgaben fr Medien-Erwerbung (in Euro) 97,4 Mio. 82,7 Mio.Gesamtausgaben (Sach- und Personalkosten) in Euro 878,1 Mio. 835,9 Mio.Besuche in Bibliotheken 121,6 Mio. 109,1 Mio.Eingetragene (aktive) Benutzer 8,0 Mio. 6,2 Mio.Personalstellen (in Vollzeitquivalenten) 11.385 11.067Bestellungen im Deutschen Leihverkehr (gebend/aktiv) 0,25 Mio. 0,21 MioVeranstaltungen aller Art 0,30 Mio. 0,23 Mio.

    Wissenschaftliche Spezialbibliotheken (mit Datenmeldung zur DBS)

    Anzahl der Bibliotheken einschl. Institutsbibliotheken u.a. Nebenstellen (registriert: 2.225) 193Gesamt-Medienbestand (print- und non-print-Medien in ME) 28,3 Mio.Print-Bestand (Bcher, Zeitungen, Zeitschriften in ME) 22,3 Mio.Entleihungen (in Medieneinheiten) 1,8 Mio.Ausgaben fr Medien-Erwerbung (in Euro) 24,4 Mio.Personalstellen (in Vollzeitquivalenten) 934Eingetragene (aktive) Benutzer 0,42 Mio.Bestellungen im Deutschen Leihverkehr (gebend/aktiv) 0,08 Mio.

  • 11

    1 GESCHICHTE

    Entwicklungslinien der deutschen Bibliotheksgeschichte

    Fr jeden, der die Struktur und die gegenwrtige Situation des deutschen Bibliothekswesens verstehen mchte, ist ein kurzer Ausflug in die deutsche Geschichte unerlsslich. Der Blick auf die historische Landkarte Deutschlands in den verschiedenen Epochen vermittelt zwei wichtige Erkenntnisse: Der mitteleuropische Raum, der die Men schen mit germanischer Volkssprache vereinigte, wies im Laufe der Jahrhunderte eine unterschied-liche territoriale Ausdehnung aus. Bei stets schwankendem Grenzverlauf bildete er sptes-tens seit der ersten Jahrtausendwende das Deutsche Reich.

    Dieses gliederte sich zu allen Zeiten in ein-zelne Territorien, deren Zahl in den frheren Jahrhunderten nur mit Mhe berschaubar war, seit 1803 bzw. 1815 jedoch erheblich schrumpfte. Die Gliederung nach Lndern setzte sich nach Grndung des Deutschen Reiches 1871 fort und bestimmt bis heute den Aufbau der Bundesrepublik Deutschland, die seit 1949 ein fderativer Staat mit heute 16 Lndern ist.

    Da Deutschland insgesamt also zu keiner Zeit ein zentralistischer Staat war, entwickelte und entfal-tete sich das kulturelle Leben in erster Linie in den einzelnen Territorien und Lndern und nahm regionale Ausprgungen an. Auf diese histo-rische Tradition greift das Grundgesetz als die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland zu-rck, wenn es die Zustndigkeit fr nahezu alle kulturellen und bildungspolitischen Belange in die Kompetenz der Bundeslnder verweist. Das

    erklrt im Wesentlichen, warum sich auch das Bibliothekswesen auf regionaler Ebene entwi-ckelte und bis in die Gegenwart durch eine de-zentrale Grundstruktur geprgt wird.

    Vom Mittelalter zur Skularisation

    Auch wenn es bereits in den groen Stdten der rmischen Provinz Germanien Bibliotheken gegeben haben mag, beginnt die Geschichte des deutschen Bibliothekswesens nicht in der Antike , sondern im Mittelalter. Ausgehend von Italien und Spanien, entwickelten sich seit dem 6. Jahr-hundert n. Chr. die Klster durch die Einrichtung von Bibliothek (armarium) und Schreibstube (scriptorium) zu Orten der Buchkultur und damit zu Mittlern antiker Traditionen.

    Unter dem Einfluss der irischen und angel-schsischen Mission entstanden in der Karolin-gerzeit (9. und 10. Jahrhundert) auch auf deutschem Boden erste Dombibliotheken (u.a. in Kln, Mainz, Wrzburg, Freising) und Kloster bibliotheken, unter denen Fulda, Lorsch, St. Gallen, Reichenau und Murbach die grten waren, d.h. einige hundert Bnde besaen. Bis zum Ende des Mittelalters vermehrte sich vor allem durch die neuen Orden (Kartuser, Zisterzienser, Augustinerchorherren, Prmonstra-tenser) die Zahl der Klosterbibliotheken stark. Insbesondere die den Stdten zugewandten Bet-telorden (Dominikaner und Franziskaner) fhlten sich der Wissenschaft und der Lehrttigkeit verpflichtet und sahen deshalb in Bibliotheken unentbehrliche Arbeitsinstrumente.

    Die Dombibliothek Hildesheim (Niedersachsen) , die ihre Anfnge auf die Bistumsgrndung 815 zu-rckfhrt, besitzt ein in der 2. Hlfte des 15. Jahr-hunderts in lateinischer und franzsischer Sprache abgefasstes Stundenbuch, das eine einzig artige Form aufweist: die 266 Pergamentbltter des Co-dex Rotundus (HS 728) sind zu einem Durchmesser von 9 cm kreisrund beschnitten.

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  • 12

    Geschichte

    Neben die bisherigen Trger wissenschaft-lichen Lebens traten seit dem Hochmittelalter (9001300) neue Sttten der Vermittlung und Lehre, die Schulgemeinschaften; sie schlossen sich allmhlich zur selbststndigen Institution der universitas magistrorum et scholarium zu-sammen und bildeten die Keimzelle der heuti-gen Universitt. Die gegenber Italien (Salerno, Bologna), Frankreich (Paris), Spanien (Salamanca) und England (Oxford) in Deutschland mit rund 150 Jahren Versptung einsetzende Grndung von Universitten fhrte auch zu neuen Bcher-sammlungen, die allerdings noch bescheiden blieben, da die Professoren die wichtigen Werke in ihrer Privatbibliothek hielten und die Studenten die Texte der Professoren mit- oder abschrieben. Im damaligen Deutschen Reich ist Prag (1348) die lteste Universittsgrndung. Ihr folgten Wien (1365), Heidelberg (1386), Kln (1388) und Erfurt (1392).

    Kennzeichnend fr die Entwicklung der Buch-kultur seit der Sptantike ist der bergang von der Buchrolle zum Buch (Codex), die Ablsung des Beschreibstoffes Papyrus durch das Perga-ment und spter durch das billigere Papier, die Aufbewahrung der Bcher in Schrnken, spter

    in Nischen und auf langen Pulten, die Vermeh-rung des Buchbestandes durch das Abschreiben der Texte und nachtrgliche Ausmalen der Hand-schriften sowie die Dominanz der lateinischen Sprache.

    Da im Mittelalter das Bildungswesen in den Hnden des Klerus lag, waren Buchbestnde im Besitz von Laien sehr selten. Besa Kaiser Karl der Groe (742814) noch eine bemerkens-werte Hofbibliothek, der allerdings keine Kon-tinuitt beschieden war, begngten sich die nachkarolingischen Herrscher hufig damit, Kls-ter und Dome mit prachtvollen Handschriften zu beschenken. Erst als sich das Bildungsideal des Adels wandelte und Schriftkenntnis und Gelehrsamkeit Fu fassten, entstanden auch an den Adelssitzen, allen voran den Knigshfen, Bchersammlungen.

    Seit dem 13. Jahrhundert setzte sich die Schriftkultur auch in den Stdten durch, doch blieb die Zahl brgerlicher Privatbibliotheken ge-ring und erlebte erst in der Zeit des Humanismus mit dem Typ der Gelehrtenbibliothek eine erste Blte. Einen neuen Bibliothekstyp bildeten seit dem 14. Jahrhundert die Ratsbchereien, die der stdtischen Verwaltung dienten und zahlreiche der spteren wissenschaftlichen Stadtbiblio-theken begrndeten. Ein besonders frhes Beispiel ist die im Jahre 1370 erstmals bezeugte Ratsbibliothek Nrnberg.

    Mit der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts und der rund hundert Jahre lteren Umstellung des Beschreibstoffes von Pergament auf Papier waren die Grundlagen fr ein weiteres, schnel-leres Anwachsen der Bibliotheksbestnde gege-ben. Der sich rasch und stark ausbreitende Buch-druck beflgelte die Ausbreitung der Gedanken der Reformation, in deren Gefolge wiederum viele Bibliotheken in Schulen, Kirchen und in

    Das Evangeliar Heinrichs des Lwen, entstanden um 1188 im Kloster Helmarshausen im Auftrag des Welfenherzogs, gilt als eine der prachtvollsten Leistungen mittelalterlicher Buchkunst. Die Perga-menthandschrift (Cod. Guelf. 105 Noviss. 2, abge-bildet Fol. 19r) wird in der Herzog August Biblio-thek in Wolfenbttel (Niedersachsen) verwahrt und hat vier Eigentmer (Niedersachsen, Bayern, Bundesrepublik Deutschland, Stiftung Preuischer Kulturbesitz).

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  • 13

    GESCHICHTE

    den Stdten entstanden. Andererseits fhrte die Reformation in weiten Gebieten Deutschlands durch die Aufhebung vieler Klster zum Ende von Klosterbibliotheken und zur Vernichtung der als unntz angesehenen Literatur der mittel-alterlichen Theologie.

    Zu einer Welle von Bibliotheksgrndungen fhrte die Gegenreformation; hier vor allem waren es die Jesuiten, die fr ihre Kollegien Bibliotheken vorschrieben und offenbar als erster Orden den bergang von der Pultbibliothek zur Saalbibliothek vollzogen. Die konfessionelle Spaltung setzte sich im Bereich der Universitten fort; Beispiele fr evangelische Universitten sind Marburg (1527) und Gieen (1607), fr katholische Universitten Dillingen (1551) und Wrzburg (1582). Die Bibliotheken der deut-schen Universitten verharrten freilich in einem eher desolaten Zustand. Die Zahl der Studenten schwankte sehr stark, berstieg jedoch bis Ende des 18. Jahrhunderts nie die Zahl von 4.500 im-matrikulierten Studierenden im Deutschen Reich.

    In das 15. und 16. Jahrhundert fielen auer-dem die Anfnge der ersten Hofbibliotheken, die teils auf humanistisches Bildungsstreben, teils auf frstliches Reprsentationsbedrfnis zurck-gehen und deren Entwicklung eng an die biblio-phile Neigung und das persnliche Interesse des Herrschers gebunden blieb. Neben der Kaiserlichen Hofbibliothek zu Wien (offizielles Grndungsdatum 1368) sind hier vor allem die Hofbibliotheken zu Mnchen (gegr. 1558) und Dresden (um 1556) sowie die Sammlungen der Heidelberger Kurfrsten zu nennen, die 1558 zur Bibliotheca Palatina, der damals berhmtesten deutschen Bibliothek, vereinigt wurden.

    Nach dem Niedergang in der Zeit des Dreiig-jhrigen Krieges (16181648) setzte erst im 18. Jahrhundert nach auslndischem Vorbild ein Aufschwung des Bibliotheksbaus ein. Die

    Die 1493 durch Anton Koberger in Nrnberg ge-druckte Schedelsche Weltchronik zhlt mit 1.809 (nachtrglich kolorierten) Holzschnitten zu den bilderreichsten Werken aus der Zeit des Frh-drucks. Ihr Verfasser, der Nrnberger Arzt und Humanist Dr. Hartmann Schedel, besa die seiner-zeit grte Privatbibliothek der Stadt. Die Ab-bildung zeigt das Exemplar der Frstlich Hohen-zollernschen Hofbibliothek in Sigmaringen (Baden-Wrttemberg).

    Der Goldeinband um das Berthold-Missale (Cod. bibl. 4 32), aus dem Besitz der Wrttem-bergischen Landesbibliothek in Stuttgart (Baden-Wrttemberg), entstand im zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts, vermutlich in einer Komburger Werksttte. Die Darstellung des thronenden Chri-stus geht auf byzantinische Vorlagen zurck, die besonders durch die im Kloster Reichenau am Bo-densee gepflegte Buchmalerei verbreitet wurden.

    Aus urheberrechtlichen Grnden kann das Bild an dieser Stelle nicht verffentlicht werden.

    Aus urheberrechtlichen Grnden kann das Bild an dieser Stelle nicht verffentlicht werden.

  • 14

    Geschichte

    sowohl in den Klstern als auch den Schlssern eingerichteten und prunkvoll ausgestatteten ba-rocken Saalbibliotheken folgten teils praktischen Bedrfnissen, teils sthetischen Gesichtspunkten. Durch die steigende Buchproduktion wuchs die Bedeutung der Bibliothekskataloge.

    Kennzeichnend fr das 17. und 18. Jahr-hundert wurde aber vor allem der Aufstieg der Hofbibliotheken, die sich nun fast alle deutschen Frsten schufen. Eine der wichtigsten frstlichen Sammlungen entstand in der kleinen Residenz-stadt Wolfenbttel (Herzogtum Braunschweig-Lneburg). Zur bedeutendsten deutschen Biblio-thek bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die 1661 gegrndete kurfrst-liche Hofbibliothek, ab 1781 Knigliche Biblio-thek in Berlin, die heutige Staatsbibliothek zu Berlin Preuischer Kulturbesitz.

    Seit der Epoche des Humanismus nahm die Zahl der Privatbibliotheken in der Hand von Dichtern und Gelehrten sprunghaft zu. Bedeu-tendste neu gegrndete Universitt in der Zeit der Aufklrung wurde Gttingen (1737). Da die Universittsbibliothek Gttingen als eine Dienst-leistungseinrichtung fr die Forschung etabliert wurde, betrieb sie eine sorgfltige Buchauswahl und bercksichtigte dabei vor allem die von den Wissenschaftlern bentigten Neuerscheinungen. Die Bcher wurden systematisch nach Fach-gruppen aufgestellt. Als erste Reformuniversitt war bereits 1694 die Universitt Halle erffnet worden , die bald die am strksten besuchte deutsche Hochschule wurde.

    Die grte Umverteilung des Buchbesitzes, die es jemals in der Geschichte gegeben hat, erfolgte durch die im Jahre 1803 durchgefhrte Skularisation. Sie vollzog in Sd- und West-deutschland gewissermaen jenen Vorgang nach, den die protestantischen Frsten in den brigen Teilen Deutschlands im Zuge der Refor-

    Die Bibliothek des Benediktinerklosters Otto-beuren im bayerischen Allgu ist ein hervorra-gendes Beispiel fr die Saalbibliothek des Barock. Die rundum angeordneten Bcherregale setzen sich nach oben in einer auf 44 Stuckmarmorsulen ruhenden Galerie fort. Mitten im Saal steht die Statue der griechischen Gttin Pallas Athene als der Beschtzerin der Wissenschaften.

    1914 erhielt die Knigliche Bibliothek zu Berlin in der Strae Unter den Linden ein neues Gebude in wilhelminischem Stil (Architekt: Ernst von Ihne), in dem auch die Knigliche Akademie der Wissen-schaften und die Universittsbibliothek unterge-bracht wurden. Prunkstck dieses Gebudes der heutigen Staatsbibliothek zu Berlin war der (im Krieg zerstrte) runde Kuppellesesaal. Das Foto zeigt einen von acht Innenhfen mit einem Nebeneingang.

    Aus urheberrechtlichen Grnden kann das Bild an dieser Stelle nicht verffentlicht werden.

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    GESCHICHTE

    mation durchgefhrt hatten. Im Ergebnis bedeu-tete sie eine breit angelegte Enteignung kirch-lichen Eigentums zugunsten der Landesherren. Die Buchbestnde der aufgehobenen Klster gelangten in staatliche Bibliotheken, vor allem in die Hof- und die Universittsbibliotheken.

    Vom 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg

    Die napoleonische ra zu Beginn des 19. Jahr-hunderts brachte zudem mit dem Ende zahl-reicher Kleinstaaten in Deutschland auch das Ende vieler kleiner, nicht lebensfhiger Universi-tten. Beispielgebend fr die neue Universitts-landschaft wurde Preuen, wo im Zuge weit reichender staatlicher Reformen auch das Hochschulwesen erneuert wurde und die Idee der modernen Gebrauchsbibliothek Fu fasste, welche die Entwicklung der Wissenschaftlichen Bibliothek im 19. Jahrhundert prgte.

    Eine grundlegende Erneuerung des deutschen Bibliothekswesens griff nach 1871 um sich, zu-nchst wiederum in Preuen. Damals begann eine rege Neubauttigkeit. Fr die Aufbewah-rung der immer schneller wachsenden Bcher-mengen (Aufblhen aller Wissenschaften, Ent-stehung neuer Wissenschaftszweige) setzte sich das Magazin durch. Die ffnungszeiten wurden erweitert, die Ausleihbedingungen liberalisiert. Um den Nutzern der Bibliotheken an den ein-zelnen Hochschulorten die Bestnde aller Biblio-theken zu erschlieen, ergriff man Initiativen zur Zusammenarbeit und Koordinierung: In diesem Zusammenhang entstanden der Preuische Gesamtkatalog, die Berliner Titeldrucke, die Instruktionen fr die alphabetischen Kataloge (PI) sowie das Auskunftsbro und der Aus-wrtige Leihverkehr.

    Die rapide Steigerung der Literaturproduktion erzwang in den Bibliotheken eine auf strenger Auswahl beruhende Erwerbungspolitik und fhrte spter zur Einrichtung von Sammel-schwerpunkten und zur gegenseitigen Nutzung der Bestnde im Rahmen des Leihverkehrs. Auch die Steigerung der Auflagenhhe dank des tech-nischen Fortschritts in der Papier- und Buchher-stellung (Erfindung der Schnellpresse, Verwen-dung holzhaltiger Papiere) und die daraus folgende Verbilligung der Bcher seit etwa 1840 wirkte sich nachhaltig auf die Bibliotheken aus.

    Seit Mitte des 19. Jahrhunderts fhrte die immer strkere Differenzierung der Disziplinen an den Universitten zur Entstehung eigener Handbibliotheken, die sich im Laufe der Zeit zu eigenstndigen, neben der Zentralbibliothek bestehenden Institutsbibliotheken auswuchsen. Die Spezialisierung der Forschung und die stei-gende Zahl der Publikationen lieen innerhalb und auerhalb der Hochschulen einen neuen Bibliothekstyp entstehen: die Spezialbibliothek. Die Zeiten, in denen alle Bibliotheken sich we-nigstens tendenziell als universale Sammlungen verstanden, waren vorber. Fr den zukunfts-trchtigen Bereich der Technik entstanden im 19. Jahrhundert eigene Hochschulen mit ent-sprechend speziell ausgerichteten Bibliotheken

    Die Staatsbibliothek Bamberg (Bayern) verdankt ihre Entstehung 1803 der Notwendigkeit, die Buchbestnde der skularisierten Klster und Stifte des ehemaligen Hochstifts Bamberg mit der Bibliothek der ebenfalls aufgehobenen Universi-tt zusammenzufhren. Seit 1965 befindet sich die Bibliothek in der frheren frstbischflichen Neuen Residenz mit ihren barocken Schaurumen; das Foto zeigt die Carlsbergbibliothek mit den sog. Dominikanerregalen. Seit 1972 ist Bamberg erneut Sitz einer Universitt.

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    Geschichte

    (Aachen, Charlottenburg, Dresden, Karlsruhe). Neben dem Staat schufen auch Firmen, Vereine und Gesellschaften z.T. bedeutende Spezial-sammlungen fr fast alle Bereiche des gesell-schaftlichen und wirtschaftlichen Lebens.

    Kennzeichnend fr die weitere Geschichte der Hof- bzw. Landesbibliotheken wurde der bergang vom Eigentum der Frsten in das Ei-gentum des Staates infolge der Revolution von 1918/1919. Freilich hatte schon in den Zeiten der Monarchie eine grozgigere ffnung der Hofbibliotheken fr das wissenschaftlich interes-sierte Publikum eingesetzt. Viele von ihnen konnten jedoch mit dem wachsenden Buch-angebot nicht Schritt halten und stagnierten in ihrer Entwicklung.

    Der nach der Franzsischen Revolution in vielen europischen Staaten sich durchsetzende Gedanke einer Nationalbibliothek blieb in Deutschland sowohl 1848 als auch nach der Reichsgrndung von 1871 ohne nachhaltige Wirkung. Die Grndung der Deutschen Bcherei in Leipzig 1912 blieb privater Initiative, nmlich der des Brsenvereins der Deutschen Buch- hndler, vorbehalten. So entstand eine Sammel-stelle wenigstens fr das gesamte deutsch-sprachige Schrifttum, das seit dem Jahr 1913 vollstndig gesammelt und in der Deutschen Nationalbibliografie verzeichnet wurde.

    Nachdem sich bereits in der zweiten Hlfte des 18. Jahrhunderts mit Lesezirkeln und Lese-gesellschaften sowie kommerziellen Leihbiblio-

    Das Magazin der heutigen Universitts- und Landesbibliothek Halle (Sachsen-Anhalt) besteht aus einer Kombination von frei im Raum stehen-den gusseisernen Sttzen, die durch vier Etagen reichen und die ebenfalls gusseiserne Zwischen-decken tragen, sowie hlzernen Bcherregalen. Die durchlssigen Roste der Decken ermglichen eine zustzliche Belichtung durch das Glasdach.

    Nach englischen und franzsischen Vorbildern folgte auch in Deutschland auf die Saalbibliothek die Magazinbibliothek; die rumliche Trennung von Lesesaal, Magazin und Verwaltung setzte sich durch. Beispielgebend wurde der moderne Zweck-bau der Universittsbibliothek Halle (Sachsen-Anhalt, Architekt: Ludwig von Tiedemann). Die oberen Geschosse waren ausschlielich, die un-teren teilweise Bchermagazin. Das 1880 errich-tete Gebude wurde 1995-1999 denkmalgerecht restauriert.

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    GESCHICHTE

    theken Vorlufer eines ffentlichen Bibliotheks-wesens gebildet hatten, die das Interesse des gehobenen Brgertums an Bildungs-, Fach- und Unterhaltungsliteratur befriedigten, wurde 1828 in Groenhain in Sachsen eine Schulbibliothek erffnet; sie erhielt wenig spter von der Ge-meinde den Auftrag zur Frderung der Bildung und gilt heute als die erste ffentliche Stadt-bibliothek in Deutschland.

    Getragen vom Gedanken der Volksbildung und durch Initiative liberaler Vereine, der Kirchen und der Arbeiterbewegung erlebte Deutschland seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Welle von Bibliotheksgrndungen. In vielen Stdten entstanden Volksbchereien. Doch erst unter dem Einfluss der amerikanischen public libraries entstand die Idee einer ffentlich zugnglichen Bibliothek fr alle und fhrte in vielen Orten zur Zusammenlegung der bisherigen Stadtbibliothek mit der Volksbcherei zur sog. Einheitsbcherei. Zur Bcherhallenbewegung, an deren Anfang Stdte wie Freiburg, (Berlin-)Charlottenburg, Essen und Hamburg standen, entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts im Rahmen des Richtungsstreits eine Gegenbewegung, die auf die Lenkung und Belehrung des Lesers zielte und deshalb an die Stelle des in der Einheits-bcherei blichen freien Zugangs zur Literatur das Beratungsgesprch an der Ausleihtheke setzte.

    Whrend sich in der Zeit der Weimarer Repu-blik (19191933) vor allem die Kommunalisie-rung der Volksbchereien vollzog, da die bislang vielfach als Trger aufgetretenen Vereine diese Aufgabe wegen der wirtschaftlichen Entwick-lung nicht mehr wahrnehmen konnten, geriet das ffentliche Bibliothekswesen in weitaus strkerem Ma als das wissenschaftliche nach 1933 unter Kontrolle und Lenkung durch den Nationalsozialismus.

    Weder aus der Bibliothek der Deutschen Natio-nalversammlung 1848/49 in der Frankfurter Pauls-kirche, die auf ein Geschenk einzelner Verleger zurckgeht, noch aus der 1872 gegrndeten Reichstagsbibliothek entwickelte sich eine deut-sche Nationalbibliothek. Das Foto zeigt den Biblio thekssaal im Deutschen Reichstag zu Berlin um 1895 (Architekt: Paul Wallot). Raum und Be-stnde der Reichstagsbibliothek wurden im Zwei-ten Weltkrieg zerstrt.

    Die Stadt Leipzig, Mittelpunkt des Buch- und Ver-lagswesens im Deutschen Reich, das Knigreich Sachsen und der Brsenverein der Deutschen Buchhndler zu Leipzig grndeten 1912 die Deut-sche Bcherei. Anklnge an die frhitalienische Renaissance und Elemente des Jugendstils bestim-men innen und auen die Architektur des 1916 eingeweihten Gebudes am Deutschen Platz (Entwurf: Oskar Pusch).

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    Geschichte

    Das nationalsozialistische Regime (19331945) unterdrckte das Recht auf freie Meinungs uerung und brachte fr die Literatur, Kunst und Kultur wie fr alle brigen Bereiche des ffentlichen Lebens das Ende der Freiheit. Nichts illustriert den totalen Machtanspruch des Nazi-Regimes sinnflliger als die Bcherverbren-nung im Mai 1933, die Einfhrung der Zensur und die Flucht einer groen Anzahl Intellektueller ins Exil. Starken Repressionen war auch das kirchliche Volksbchereiwesen ausgesetzt, das sich seit der zweiten Hlfte des 19. Jahrhunderts entwickelt hatte, in der Katholischen Kirche vom Borromusverein (BV) und vom St. Michaelsbund getragen, in der Evangelischen Kirche mageb-lich bestimmt durch die Innere Mission.

    Vom geteilten zum vereinigten Deutschland

    Der Zweite Weltkrieg (19391945) verursachte nicht nur betrchtliche Schden an Bestnden und Gebuden der Bibliotheken; seine weiteren Folgen fhrten vielmehr mit der deutschen Tei-lung auch zu tief greifenden Vernderungen der Bibliothekslandschaft. Die whrend des Krieges ausgelagerten Bestnde der Preuischen Staats-bibliothek kamen zwar z.T. nach Berlin zurck, blieben aber geteilt und konnten erst ein knap-pes halbes Jahrhundert spter wieder vereinigt werden. Neben die Deutsche Bcherei in Leipzig trat Ende 1946 als westdeutsche Paralleleinrich-tung die erneut auf Initiative des Buchhandels gegrndete Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main als Sammelstelle fr die deutsche Litera-turproduktion und als nationalbibliografisches Zentrum.

    Das Bibliothekswesen der Hochschulen nahm in Westdeutschland seit den 1960er Jahren einen strmischen Aufschwung, der vor allem von der damals einsetzenden Bildungsexpansion getragen wurde. Die Bundesrepublik Deutsch-land erlebte eine Welle von Universittsneugrn-dungen, den Ausbau bestehender Universitten, die Etablierung neuer Hochschultypen (Gesamt-hochschule, Fachhochschule), die Erweiterung der Technischen Hochschulen zu Universitten. Die Antwort auf die Expansion und Differenzie-rung von Wissenschaft und Forschung waren

    Das Gebudeensemble der Bibliothek der Hanse-stadt Lbeck (Schleswig-Holstein) eine Wissen-schaftliche Bibliothek mit integrierter ffentlicher Bibliothek umfasst sowohl Bauten aus dem Mit-telalter als auch aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Der an die Rume des ehemaligen Franziskaner-klosters angrenzende neogotische Bibliothekssaal von 1877 schliet im Baustil an die Vorbilder des Mittelalters an.

    ber der Ausleihtheke der Stadt- und Landes-bi bliothek Potsdam (Brandenburg), einer ehema-ligen Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek, befand sich bis zur grundlegenden Renovierung des gesamten Gebudes ab 2010 eine Wand-malerei aus den 1980er Jahren. Die bald nach der Deutschen Einheit modernisierte Hauptbibliothek des Potsdamer Bibliothekssystems spiegelt ber zwei Jahrzehnte den bergang von der DDR-Innenarchitektur zu den Standards westdeutscher Bibliotheken zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Bibliothek besitzt eine Artothek, eine Musikbiblio-thek und als als Sonderbestnde Brandenburgica und eine Gottfried-Benn-Sammlung.

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    GESCHICHTE

    auerdem die Grndung der Zentralen Fach-bibliotheken fr die angewandten Wissen-schaften (Technik, Wirtschaft, Medizin und Landbau) sowie die Einrichtung weiterer Spezial-bibliotheken. Weitere Impulse entstanden durch die Frderung des Bibliothekswesens mittels der Deutschen Forschungsgemeinschaft namentlich auf dem Sektor der kooperativen Erwerbung (Sondersammelgebietsplan), durch den Bau neuer Hochschulbibliotheken mit groen, syste-matisch aufgestellten Freihandbestnden, durch den Aufbau von Lehrbuchsammlungen und IuD-Einrichtungen sowie dank der Automatisierung der bibliothekarischen Arbeitsablufe und der Vernetzung aller Bibliotheksfunktionen.

    Das ffentliche Bibliothekswesen vollzog nach 1945 allmhlich den bergang von der Literatur-pdagogik der Thekenbcherei zur Angebots-bibliothek mit Freihandaufstellung. Bei den Be-stnden trat die frher dominierende Belletristik zugunsten der Literatur fr Ausbildung, Beruf und Freizeit zurck; im brigen wurden neben Sachbchern auch wissenschaftliche Werke angeschafft und der Bestand mit weiteren Me-

    dienarten abgerundet. Fr bestimmte Benutzer-gruppen entstanden Spezialabteilungen, ins-besondere fr Kinder und Jugendliche als eine wichtige Zielgruppe der ffentlichen Bibliothek. In den Grostdten wurde die Literaturversor-gung zu einem System aus Zentralbibliothek, Zweigstellen und Fahrbibliotheken ausgebaut.

    Auch im ffentlichen Bibliothekswesen ent-wickelten sich Formen der Kooperation, die aber nicht das Ausma und die Intensitt erlangen konnten, die fr das wissenschaftliche Biblio-thekswesen dieser Zeit typisch waren. Auch nahm zwischen beiden Sparten, beginnend mit dem Leihverkehr, die Zusammenarbeit zu. Spte-stens seit dem Bibliotheksplan 73 werden beide

    Das Bibliotheksgebude Unter den Linden der Staatsbibliothek zu Berlin wird seit einigen Jahren grundlegend renoviert und erweitert. Es beher-bergt die historischen Bestnde und Sondersamm-lungen, darunter eine der grten Kartensamm-lungen der Welt. Das Foto zeigt eine Weltkarte aus dem 1633 in Amsterdam erschienenen Atlas, das ist Abbildung der gantzen Welt mit allen darin begriffenen Lndern und Provinzen von Mercator und Hondius.

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    Geschichte

    Sparten als Einheit begriffen, wenn sich auch die Zusammenarbeit erst langsam intensivierte.

    In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR, 19491990), dem zweiten deutschen Staat, behielten sowohl die Staatsbibliothek in Berlin als auch die Deutsche Bcherei in Leipzig ihre zentralen Funktionen bei. Nach der Beseiti-gung der fderalen Lnderstrukturen 1952 wurden spter die noch bestehenden Regional-bibliotheken zu sog. Wissenschaftlichen Allge-meinbibliotheken der Bezirke umgestaltet; ledig-lich die Schsische Landesbibliothek in Dresden behielt ihren alten Namen. Die Volksbchereien in den Stdten und Landkreisen erhielten die Be-zeichnung Staatliche Allgemeinbibliothek. Neben den Bibliotheken der alten Universitten (Berlin, Greifswald, Halle, Jena, Leipzig, Rostock) gab es bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 ber 50 weitere Hoch-, Fach- und Ingenieurschul- bibliotheken, darunter zahlreiche Neugrn-dungen.

    Groen Anteil an der wissenschaftlichen Lite-raturversorgung der DDR hatten die Biblio theken der Forschungsinstitute der Akademie der Wis-senschaften und die Zentralen Fachbibliotheken. Der Staat verfolgte das Ziel, nicht nur in den Stdten hauptamtlich geleitete Bibliotheken zu unterhalten, sondern jede Kommune mit einer ffentlichen Bibliothek auszustatten und das Land mit einem flchendeckenden Bibliotheks-netz zu berziehen. Bis zum Ende der achtziger Jahre entstanden ber 600 lndliche Zentral-

    bibliotheken. Fr die Lesefrderung bei Kindern und Jugendlichen und fr die Verbreitung des Lesens als sinnvolle Freizeitgestaltung hatten sie eine nicht zu unterschtzende Bedeutung.

    Die deutsche Wiedervereinigung bedeutete fr das Bibliothekswesen in den fnf neuen Bundeslndern und Berlin einen tief greifenden Strukturwandel, in mancher Hinsicht sogar einen Neuanfang, und blieb zudem fr das Bibliotheks-wesen der westlichen Lnder nicht folgenlos. Nach einer ber 40-jhrigen Trennung wuchs das Bibliothekswesen West- und Ostdeutschlands wieder zusammen, was sich am sinnflligsten in der Zusammenfhrung von Bibliotheken zeigte. Eine Bibliothek an zwei (bzw. drei) Standorten bilden seitdem die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt am Main, Leipzig und (bis Ende 2010) Berlin, die von 1990 bis Mitte 2006 Die Deutsche Bibliothek hie, ferner die Staatsbiblio-thek zu Berlin Preuischer Kulturbesitz und die Zentral- und Landesbibliothek Berlin.

    Sowohl im ffentlichen als auch im wissen-schaftlichen Bibliothekswesen galt es nach 1990, die aus der Epoche der DDR stammenden Defizite zu beheben. Diese betrafen vor allem den Zustand der Bibliotheksgebude, die Zusam-mensetzung der Buchbestnde und die tech-nische Ausstattung.

    Viele Bibliotheksgebude sind in den Jahren 1990 bis 2007 grndlich renoviert und dabei teilweise auch erweitert worden (Universitts-bibliothek Leipzig, Hauptbibliothek der Francke-schen Stiftungen in Halle, Universitts- und Landesbibliothek Halle), einige stehen vor dem Abschluss der Sanierung (Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Unter den Linden) oder warten auf eine anderweitige Lsung ihrer Raumpro-bleme (Neubau der Universittsbibliothek der

    Nach zehnjhrigen Restaurierungsarbeiten konnte 2002 die Universittsbibliothek Leipzig (Sachsen) wieder erffnet werden. Die 1891 im Stil der Neorenaissance errichtete Bibliotheca Albertina (Architekt: Arwed Rossbach) war in der Endphase des Zweiten Weltkriegs zu zwei Dritteln durch Bomben zerstrt und in den folgenden Jahr-zehnten dem Verfall preisgegeben worden. Durch die berdachung der Innenhfe entstanden neue Lese zonen. Insgesamt stehen den Besuchern 400.000 Bnde in Freihandaufstellung und 700 Lese pltze zur Verfgung, u.a. im rekonstruierten historischen Lesesaal.

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    GESCHICHTE

    Humboldt-Universitt Berlin). In verschiedenen Stdten sind neue Huser entstanden, so fr die Universittsbibliotheken in Erfurt, Frank- furt /Oder und Greifswald, fr die Thringer Universitts- und Landesbibliothek Jena, die Schsische Landesbibliothek Staats- und Uni-versittsbibliothek Dresden, die Universittsbi-bliotheken in Cottbus und Weimar sowie die Bibliothek der Fachhochschule Frstenwalde und die Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin. Die Herzogin Anna Amalia Biblio-thek in Weimar wurde erheblich erweitert; die Sanierung des historischen Gebudes erlitt durch einen verheerenden Brand 2004 jedoch einen herben Rckschlag. Auch zahlreiche ffentliche Bibliotheken, die zu DDR-Zeiten unzureichend untergebracht und ausgestattet waren, haben ihr neues Domizil in umgenutzten lteren Ge-buden in den Innenstdten erhalten, u.a. die Stadtbibliotheken in Annaberg-Buchholz, Brandenburg, Eisenach, Frstenwalde, Guben, Schkeuditz.

    Die politisch-ideologische Ausrichtung des ostdeutschen Staates spiegelte sich auch in den Bibliotheksbestnden wider; viele wurden nach der Wende entbehrlich. Auf der anderen Seite fehlten fr viele Fachgebiete die grundlegenden Monografien und Zeitschriften, im Bereich der Belletristik aber auch die Werke der in der DDR offiziell unerwnschten Autoren. Die Wissen-schaftlichen Bibliotheken erhielten schon bald nach der Wende aus verschiedenen Programmen Frdermittel zur Ergnzung ihrer Buchbestnde, whrend die ffentlichen Bibliotheken im We-sentlichen auf die bescheidenen Eigenmittel ihrer kommunalen Trger angewiesen waren.

    Schlielich galt es, die DDR-Bibliotheken in mglichst kurzer Zeit auf den technischen Stand der Zeit zu bringen, die bislang nirgendwo vor-handenen Selbstbedienungskopiergerte auf-zustellen, die Datenverarbeitung einzufhren und die bibliothekarischen Arbeitsablufe und Geschftsgnge zu automatisieren. Erst dadurch wurde den Bibliotheken beispielsweise die Teil-nahme an Verbundsystemen und berregionalen bibliothekarischen Unternehmen (Zeitschriften-datenbank) ermglicht. Die Integration in das gesamtdeutsche Bibliothekswesen durch Ein-beziehung in den Leihverkehr erfolgte schon unmittelbar nach der Wiedervereinigung 1990; spter folgte die Beteiligung an den Bibliotheks-programmen der Deutschen Forschungsgemein-schaft wie den Sammelschwerpunkten sowie an weiteren Projekten.

    Im Bereich des wissenschaftlichen Bibliotheks-wesens wurden viele Bibliotheken umgestaltet und neu strukturiert, teilweise auch neu be-nannt. Neben die o.g. alten Universitten traten Neu- bzw. Wiedergrndungen, so in Erfurt, Frankfurt /Oder, Magdeburg und Potsdam. Der Typ der Fachhochschule war in der DDR nicht vertreten, wurde jedoch nach 1991 eingefhrt. Neu konstituiert wurden die Akademien der Wissenschaften in Berlin und Leipzig mit ihren Bibliotheken und Archiven. Die ostdeutschen Zentralen Fachbibliotheken wurden wegen der ungleich besser ausgestatteten westdeutschen Paralleleinrichtungen weitgehend funktionslos. Gleiches galt fr viele Behrdenbibliotheken.

    Die Universitt Erfurt ist die jngste deutsche Universitt, hat aber eine ins Sptmittelalter zu-rckreichende Tradition. Sie nahm 1392 als dritte Universitt auf dem Gebiet der heutigen Bundes-republik Deutschland den Lehrbetrieb auf, wurde 1816 geschlossen und 1994 neugegrndet. Zur Literaturversorgung der geisteswissenschaftlich ausgerichteten Universitt nahm die Universitts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha (Thrin-gen) im Jahre 2000 ein neues Gebude im Zen-trum des knftigen Universittscampus in Betrieb (Architektenbro Koch, Vogt und Zschornack). Auf rund 15.000 qm hat es Platz fr rund 700.000 Bnde in Freihandaufstellung und 240.000 Bnde im Magazin und bietet den 4.000 Studierenden 360 Lese- und Arbeitspltze.

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    Geschichte

    Die Landesbibliotheken trennten sich nach Auf-lsung der Wissenschaftlichen Allgemeinbiblio-theken wieder von den jeweiligen rtlichen Stadtbibliotheken und bernahmen die regionalen Funktionen fr die 1990 wieder erstandenen Lnder; in Bundeslndern ohne Landesbibliothek fielen die regionalen Aufgaben an Universittsbibliotheken, die ihre Doppelfunk-tion auch im Namen kenntlich machen (Halle/Sachsen-Anhalt, Jena/Thringen). Die Schsische Landesbibliothek in Dresden wurde 1996 mit der Bibliothek der Technischen Universitt zusam-mengefhrt und 2002 mit ihr in einem gemein-samen Neubau vereinigt.

    Strker als die Wissenschaftlichen Biblio-theken gerieten die in kommunale Trgerschaft entlassenen Stadtbibliotheken nach 1990 auf-grund der schwierigen wirtschaftlichen Lage der ffent lichen Haushalte in eine Krisensituation. Vor allem die kleinen Bibliotheken in den lnd-lichen Gebieten und die fast 3.000 haupt- und nebenberuflich geleiteten Gewerkschaftsbiblio-theken (Betriebsbchereien) mussten schlieen. Ein gewisser Ausgleich entstand allerdings durch die Einrichtung zahlreicher neuer Bcherbus-dienste in den lndlichen Gebieten, die ber einige Jahre hinweg aus Bundesmitteln finan-ziert wurden. In den Bibliotheken setzte, wie auch sonst in Behrden und Betrieben, ein rigoroser Personalabbau ein. Die Nachfrage nach anderer Literatur und nach Neuen Medien konnte zunchst nur schwer gedeckt werden. Die Staatlichen Bchereifachstellen, in der DDR als Lndereinrichtungen unbekannt, waren neu einzurichten und sorgten in den Folgejahren fr den geordneten Umbau der ffentlichen Bibliotheken und gaben viele neue Impulse zur Angleichung der fachlichen Mastbe in West- und Ostdeutschland. Der seit 1998 einsetzende Rckbau der Fachstellen durch die Bildungs- und Kultusministerien stellt inzwischen viele erfolg-reiche Entwicklungen wieder in Frage.

    Eine ntzliche Rolle bei der Integration des westdeutschen und ostdeutschen Bibliotheks-wesens spielte das Deutsche Bibliotheksinstitut (DBI) in Berlin. Es war 1978 auf gesetzlicher Grundlage gegrndet und nach der Vereinigung Deutschlands erweitert worden. Seine Zielset-zung war es, berregional und spartenbergrei-

    fend praxisorientierte Forschung zu betreiben und vielfltige Dienstleistungen fr Bibliotheken bereitzustellen. Das von Bund und Lndern ge-meinsam finanzierte Institut wurde aufgrund einer Empfehlung des Wissenschaftsrates per Gesetz 2000 aufgelst und stellte sein Wirken Ende 2002 endgltig ein. Damit verlor das deut-sche Bibliothekswesen seine einzige zentrale staatliche Infrastruktureinrichtung. Einige der bislang vom DBI wahrgenommenen Aufgaben, so etwa die Systembetreuung der Zeitschriften- datenbank oder die Herausgabe der Fachzeit-schrift Bibliotheksdienst, wurden von anderen Institutionen bernommen; andere Arbeiten mussten komplett eingestellt worden.

    Die Bemhungen um die Grndung eines neuen Dienstleistungszentrums fr das deutsche Bibliothekswesen sind bislang zwar erfolglos geblieben, jedoch konnte erreicht werden, dass die Kultusministerkonferenz der Lnder den Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv) beauf-tragte, ein Kompetenznetzwerk fr Bibliotheken (knb) aufzubauen. Seit 2004 koordiniert das knb als eine von den Lndern gemeinsam finan-zierte Stelle eine Reihe berregionaler Aufga-ben in dezentraler Form. Das knb untersttzt Planungs- und Entscheidungsprozesse auf Bundes- und Lnderebene und soll die Rolle der Bibliotheken im internationalen Raum strken und die internationalen Beziehungen frdern. Seit Herbst 2006 bietet das vom knb aufgebaute Bibliotheksportal.de der breiten ffentlichkeit Zugang zu wesentlichen Daten und Fakten ber alle Bereiche des Bibliothekssektors in Deutsch-land.

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    2 BILDUNG UND KULTUR

    Politischer und verwaltungs- organisatorischer Aufbau der Bundesrepublik Deutschland

    Die Kenntnis des politischen und verwaltungs-organisatorischen Aufbaus Deutschlands und des Schul- und Hochschulwesens ist eine wichtige Voraussetzung zum Verstndnis der Struktur und Gliederung des deutschen Bibliothekswesens.

    Die Bundesrepublik Deutschland, die vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, im Mai 1949, als fderativer Bundesstaat auf demo-kratisch-parlamentarischer Grundlage gegrndet wurde, besteht seit der Vereinigung beider deut-scher Staaten am 3. Oktober 1990 aus 16 Ln-dern: den Flchenstaaten Baden-Wrttemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vor-pommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen- Anhalt, Schleswig-Holstein und Thringen sowie den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg. Die Hauptstadt Deutschlands ist Berlin.

    Die grundlegenden Festlegungen fr die Ver-fassungsordnung Deutschlands finden sich im Grundgesetz. Das Bundesstaatsprinzip gibt die Mglichkeit, staatliche Aufgaben auf die Ebene der Lnder und der Gemeinden zu verlagern, was eine strkere Bercksichtigung regionaler Besonderheiten erlaubt.

    Verfassungsorgane bei Bund und Lndern sind entsprechend der Gewaltenteilung: die Parlamente (Bundestag, Landtage) der Bundesprsident, die Bundesregierung, die Lnderregierungen

    die Bundesgerichte und Landesgerichte.

    Das parlamentarische System der Bundesrepublik Deutschland sieht zwei Vertretungen vor: die direkt gewhlte Volksvertretung mit ca. 600 Ab-Die 16 Lnder der Bundesrepublik Deutschland mit ihren Hauptstdten und Wappen

    Einige Eckdaten (Quellen: Statistische mter des Bundes und der Lnder 2010, Stand: 31.12.2009)

    Wohnbevlkerung 81,76 Mio.

    Auslnderanteil 8,8%

    Einwohneranteil mit Migrations-hintergrund 19,1%

    Flche 357.111 qkm

    Einwohner je qkm 229

    Zahl der Stdte und Gemeinden 11.448

    Gesamt-Bruttonationaleinkommen (BNE) 2.430,9 Mrd.

    Bruttonationaleinkommen (BNE) je Einwohner 30.875

    Arbeitslosenquote 6,7%

    Erwerbsttige 40,65 Mio.

    Beschftigte im ffentlichen Dienst 4,55 Mio.

    Einnahmen der ffentlichen Haus-halte (Bund, Lnder, Gemeinden) 1,02 Bio.

    Gesamtausgaben der ffentlichen Haushalte fr Bildung, Wissen-schaft und Kultur (Bund, Lnder, Gemeinden) 99,1 Mrd.

    Anteil der Gesamtausgaben fr Bildung, Wissenschaft und Kultur am Bruttoinlandsprodukt 4,13%

  • 24

    BILDUNG UND KULTUR

    geordneten (Bundestag) und die Lndervertre-tung (Bundesrat), die durch die 16 Landes-regierungen beschickt wird. Der Bundesrat wirkt vor allem bei Gesetzen mit, die wesentliche Interessen der Lnder berhren. Die Leitlinien der deutschen Politik und die Berufung der Bundesminister bestimmt der Bundeskanzler. Staatsoberhaupt ist der Bundesprsident, der nicht vom Volk direkt , sondern durch die Bun-desversammlung gewhlt wird; diese besteht aus den Abgeordneten des Bundestages und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Lnderparlamenten gewhlt werden.

    Nach dem Grundgesetz (GG) bauen sich Staat und Verwaltung von unten nach oben, d.h. von den Gemeinden ber die Lnder bis zum Bund auf. Die Gesetzgebung bei regionalen Aufgaben obliegt den einzelnen Lndern, gesamtstaatliche Aufgaben bleiben in der Verantwortung des Bundes. Das Grundgesetz 2006 durch eine umfassende Fderalismusreform gendert wird ergnzt durch den Einigungsvertrag zwischen der DDR und der Bundesrepublik vom 31. Au-gust 1990, der Verfassungsrang hat und auch fr das Bibliothekswesen von Belang ist. Die Verwaltungsttigkeit wird zum grten Teil von den Gemeinden und den Lndern ausgebt. Die Rechtsprechung ist in erster Linie Aufgabe der Lnder (d.h. der Landesgerichte). Dagegen sind die Obersten Gerichte Einrichtungen des Bundes: Hchstes Gericht ist das Bundesverfassungs-gericht in Karlsruhe. Gemeinden, Lnder und Bund haben eigene Hoheitsrechte und die

    Lnder verfgen jeweils ber eine eigene Ver-fassung. Sie beziehen finanzielle Einnahmen aus dem ihnen zustehenden Steueraufkommen.

    Die Zustndigkeit fr alle kulturellen Angele-genheiten, fr Wissenschaft und Kunst sowie fr das Schul- und Unterrichtswesen liegt im We-sentlichen bei den Lndern. An dieser Kultur-hoheit haben auch die Stdte und Gemeinden Anteil, die im Rahmen der Vorschriften der Ge-meindeordnung ihres jeweiligen Landes eigene Kompetenzen ausben (kommunale Kultur-autonomie). Ein Bibliotheksgesetz existiert in Deutschland nicht. Inzwischen haben die Lnder Thringen, Sachsen-Anhalt und Hessen Biblio-theksgesetze auf Landesebene verabschiedet; weitere Initiativen gibt es in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Auch ein Bundeskultur-ministerium gibt es nicht, allerdings hat der Bund seit 1998 noch verbleibende zentrale kulturelle Aufgaben unter der Verantwortung eines Staats-ministers als Beauftragter der Bundesregierung fr Kultur und Medien (BKM) gebndelt; dieser

    Modellhafter Verwaltungsaufbau eines Bundeslandes

    Das Schaubild zeigt den fderalen, dreigeglieder-ten Aufbau von Staat und politischer Verwaltung in der Bundesrepublik Deutschland in Form einer Pyramide.

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    BILDUNG UND KULTUR

    tritt zugleich als Reprsentant der Bundesregie-rung in Kulturfragen gegenber dem Ausland auf.

    Nach der zum 1.9.2006 in Kraft getretenen nderung des Grundgesetzes (Fderalismus-reform) wurde die Zustndigkeit bei der Gesetz-gebung zwischen Bund und Lndern neu gere-gelt, d.h. die wenigen Kompetenzen des Bundes in Kulturfragen wurden nahezu vollstndig ge-strichen und fr Bildungsfragen stark reduziert. Immerhin verbleibt das Lebenslange Lernen in der Verantwortung der Bundesregierung, wohin-gegen eine bundesweite finanzielle Kulturfrde-rung seitdem ausgeschlossen ist.

    Die weitgehende Dezentralisierung der Gesetzgebung und Verwaltung im kulturellen Bereich und die groen Unterschiede in der Finanzkraft der einzelnen Lnder machen Koor-dinierung und Zusammenarbeit bei bestimmten Aufgaben und deren gemeinsame Finanzierung notwendig. Zur Erfllung derartiger Gemein-schaftsaufgaben haben die Lnder und der Bund verschiedene Einrichtungen geschaffen, deren wichtigste in diesem Zusammenhang die Deut-sche Forschungsgemeinschaft (DFG), der Wis-senschaftsrat (WR) und die Gemeinsame Wissen-schaftskonferenz von Bund und Lndern (GWK) sind. Die Lnder haben zur Koordinierung wichti-ger gemeinsamer bildungs- und kulturpolitischer Aufgaben die Konferenz der Kultusminister der Lnder der Bundesrepublik Deutschland (KMK) eingerichtet, die Gemeinden eine Einrichtung, die sich seit 2005 Kommunale Gemeinschafts-stelle fr Verwaltungsmanagement nennt und sich mit Fhrung, Steuerung und Organisation der Kommunal verwaltung befasst.

    Da einige Unternehmen im Bereich von Wis-senschaft und Forschung weiterhin eine gesamt-staatliche Bedeutung haben, ist dem Bund in engen Grenzen noch mglich, sog. Gemein-schaftsaufgaben zu frdern. Sie betreffen vor allem den Ausbau und Neubau von Hochschulen sowie die Rahmenvereinbarung Forschungsfr-derung (Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz - WGL). Einige der durch Bundund Lnder geschaffenen Einrichtungen und Vereinbarungen sind auch fr das Bibliotheks-wesen bedeutsam: So frdert das Bundesminis-terium fr Bildung und Forschung (BMBF) unter

    anderem die DFG sowie mehrere Datenbanken und Modellprojekte, ferner den Aufbau Digita-ler Biblio theken sowie die Fortentwicklung von Fachinformationszentren.

    Whrend die Lnder in der Grundgesetznde-rung von 2006 eine Strkung ihrer Kultur- und Bildungsautonomie sehen, befrchten viele Kri-tiker eine Entwicklung zu mehr Kleinstaaterei, die sprbare Reduzierung der Frdermittel fr Kultur und Bildung sowie ein Auseinanderdriften vieler Standards zulasten notwendiger einheit-licher Regelungen.

    Die Verabschiedung von Gesetzen in den ein-zelnen Bundeslndern ist Aufgabe von Landes-parlamenten, die in den Flchenstaaten Land-tage, in den Stadtstaaten Abgeordnetenhaus bzw. Brgerschaft heien. Politisch regiert und verwaltet werden die Lnder durch Landesregie-rungen, an deren Spitze ein Ministerprsident bzw. Regierender Brgermeister steht. Innerhalb eines 8-10kpfigen Kabinetts (Senats) sind in der Regel die Kulturministerien bzw. die Wissen-schaftsministerien fr das ffentliche bzw. das wissenschaftliche Bibliothekswesen eines Landes zustndig. In den greren Bundeslndern gibt es staatliche Mittelbehrden (Bezirksregierungen, Regierungsprsidien, Aufsichts-, Struktur- und Genehmigungsdirektionen u.a.) mit einer ent-weder regional zugeschnittenen oder aufgaben-bezogenen Verwaltungszustndigkeit (z.B. den sog. Regierungsbezirk). Eine der wesentlichen Aufgaben dieser Behrden ist die staatliche Aufsicht ber die Gemeinden (Kommunalauf-sicht). Die im Bibliotheksbereich von den meisten Lndern eingerichteten bzw. gefrderten Staat-lichen Bibliotheksfachstellen (Beratungsstellen , Bchereizentralen) haben ihren Wirkungsbereich vielfach im Rahmen der Regierungsbezirke ; dort wo Regierungsbezirke aufgelst wurden oder eine Zentralisierung der Frdereinrichtungen stattfand, sind solche Landesfachstellen fr das gesamte Bundesland ttig. In den Flchenstaaten fllt den Landkreisen und den Kreisfreien Stdten (Stadtkreisen) neben ihrer originren Aufgabe der kommunalen Selbstverwaltung auch die Funktion einer unteren staatlichen Verwaltungs-behrde zu.

    Grundstzlich sind die Stdte und Gemeinden fr alle ffentlichen Aufgaben in ihrem Gebiet

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    BILDUNG UND KULTUR

    gonnenen Verwaltungsmodernisierung, die zu einer strkeren Dienstleistungsorientierung, Neu-ordnung der Organisationsstruktur und hheren Kostentransparenz der ffentlichen Einrichtun-gen fhren soll, wird auch die Finanzverwaltung reformiert: Zwischenzeitlich haben nahezu alle Gemeinden die gesamte Rechnungslegung von der kameralistischen Haushaltsfhrung auf eine kaufmnnische (sog. doppische) Buchfhrung und Budgetierung umgestellt.

    Bildungseinrichtungen

    Allgemeinbildende Schulen

    Das deutsche Bildungswesen ist ganz besonders durch die fderative Struktur Deutschlands ge-prgt. Die berwiegende Mehrheit der Schulen und Hochschulen sind ffentliche Einrichtungen . Innerhalb der Bildungs- und Kulturpolitik der Lnder genieen die gesetzlich verankerten Schulen und Bildungseinrichtungen mit ihren traditionell strker ausgeprgten pdagogischen und erzieherischen Funktionen naturgem einen hheren Stellenwert als Bibliotheken.Im Rahmen ihrer Kulturhoheit regeln ausschlie-lich die Lnder die Gesetzgebung fr Bildung und Unterricht. Finanziell werden die meisten Schulen von den Gemeinden und Gemeindever-bnden unterhalten, ein inzwischen wachsender Teil der Schulen befindet sich in privater oder kirchlicher Trgerschaft. Whrend der Schul-trger fr die Sachkosten (Bau, Einrichtung und Unterhaltung) aufzukommen hat, tragen die Lnder die Kosten fr das Lehrpersonal.

    Von Land zu Land bestehen, je nach poli-tischer Ausrichtung der jeweiligen Regierung, Unterschiede in der Ausgestaltung des Schul-systems. Um bundesweit ein Mindestma an Einheitlichkeit herzustellen, fungiert die KMK als vermittelnde Instanz: Sie verabschiedet beispiels-weise Empfehlungen zu Fragen der Schulzeit-dauer, der Lehrplanbestandteile, der Bewertung der schuli schen Leistungen oder der gegensei-tigen Anerkennung von Prfungen und Zeug-nissen. Eine hnlich wichtige Rolle spielt fr die Hochschulen die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die sich mit Fragen von Forschung, Lehre und Studium, wissenschaftlicher Weiterbildung,

    zustndig, soweit nicht Landes- oder Bundes-gesetze andere Regelungen vorsehen. Unter die kommunale Selbstverwaltung fallen Pflichtauf-gaben etwa die Durchfhrung der Sozialhilfe oder die Einrichtung von Schulen und soge-nannte freiwillige, d.h. frei gestaltbare, nicht einklagbare Aufgaben: Zu diesen gehrt der gesammte Kulturbereich mit dem Unterhalt von Thea tern, Orchestern, Museen und Bibliotheken . Durch Kommunalwahlen werden die politischen Gemeindevertreter (Gemeinderat, Stadtrat, Br-germeister) gewhlt, die fr einzelne Aufgaben Ausschsse einsetzen; fr die kommunale Biblio-thek als wichtige Aufgabe der Daseinsvorsorge ist in der Regel der Kulturausschuss politisch verantwortlich. Eine Gemeindeverwaltung unter-gliedert sich je nach Ortsgre und Organisa-tionsstruktur in Dezernate, Fachbereiche und mter. Die kommunale ffentliche Bibliothek kann hierbei ein eigenstndiges Stadtamt oder eine dem Schul- und Kulturamt zugeord nete nichtselbststndige Institution sein. Eine hnliche Zuordnung kennen kommunale Museen, Archive , Volkshochschulen oder Musikschulen. Zahlreiche Kommunen sind dazu bergegangen, bestimmte kommunale Einrichtungen von der Kernverwaltung zu entkoppeln und in Form von kaufmnnisch gefhrten Eigenbetrieben in neue Betriebs- und Organisationsformen zu berfh-ren, dazu gehren inzwischen auch mehrere Gro- und Mittelbibliotheken. Gefhrt wird ein solcher Eigenbetrieb durch die Werkleitung und den Werkausschuss, dem in der Regel Mitglieder des Gemeinderats angehren.

    Vielfltige Steuereinnahmen decken den Fi-nanzbedarf von Bund, Lndern und Gemeinden . Kommunen und Lnder erhalten freie sowie zweckgebundene Anteile aus dem gesamten Steueraufkommen. Die Kommunen knnen auch eigene Gemeindesteuern (z.B. Gewerbesteuer , Grundsteuer), Abgaben und Gebhren fest legen, whrend die Landkreise mithilfe jhrlicher Umla-gen der kreisangehrigen Gemeinden finan ziert werden. Die Aufwendungen fr die kommunal und staatlich getragenen Bibliotheken werden aus den Gesamteinnahmen gedeckt. Die Hhe der Ausgaben und Einnahmen wird in den jhrlich von den Parlamenten beschlossenen Haushaltsplnen ausgewiesen. Im Zuge der be-

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    BILDUNG UND KULTUR

    Wissens- und Technologietransfer, internatio-naler Kooperation sowie der Selbstverwaltung befasst.

    Ende 2009 existierten in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 43.600 Schulen (34.700 allgemein- und 8.900 berufsbildende Schulen) mit ca. 492.000 Klas-sen, 761.000 Lehrern und insgesamt 11,7 Mio. Schlern. Der durchschnittliche Auslnderanteil unter den Schlern lag bei 8,3% (= 968.500 Schler), berwiegend aus den Herkunfts lndern Trkei, Italien, Serbien, Polen und Albanien; der Anteil der Schler mit Migrationshintergrund liegt bundesweit bei ca. 24%. 2009 wurden ca. 727.000 Kinder in den Grundschulen neu eingeschult. 1,5 Mio. Jugendliche (ca. 70% der Schulabgnger) entschieden sich fr eine beruf-liche Ausbildung, 0,7 Mio. Jugendliche (ca. 31% der Schulabgnger) begannen ein Studium an einer Hochschule. Rund 60.000 Schler oder 0,5% aller Schler schlieen jedes Jahr ihre Schulzeit ohne einen Bildungsabschluss (Haupt-schule) ab.

    Der Schulbesuch ist in allen Lndern gebh-renfrei. Schulpflicht besteht vom 6. bis zum 18. Lebensjahr. Nach dem Besuch der Grund-schule (i.d.R. vier Jahre) schliet sich der Wech-sel auf eine weiterfhrende Schule an (Haupt-schule, Realschule, Gymnasium). Nur in einigen Bundeslndern existieren Gesamtschulen, in

    denen die verschiedenen Schultypen integriert sind. Schler, die eine Berufsausbildung be-ginnen, sind zum Besuch einer Berufsschule ver pflichtet . Inzwischen wird das Abitur als Ab-schluss der gymnasialen Schulausbildung in fast allen Bundeslndern nach 12 Schuljahren (statt 13) erreicht. Vom Schultrger finanzierte Schul-bibliotheken mit zufriedenstellender Ausstattung existieren in nur einem kleinen Teil der allge-meinen Schulen, vorwiegend in Gymnasien und Gesamtschulen, insgesamt liegt die Quote bei ca. 1820 %, Tendenz leicht steigend.

    Berufsbildung

    Das Berufsbildungsgesetz regelt die Grundlagen und Prinzipien der beruflichen Ausbildung in Deutschland. Hauptbestandteil und charakteris-tisches Merkmal der beruflichen Erstausbildung in nahezu allen Branchen ist das sogenannte Duale System; es beruht auf dem Zusammenwir-ken zweier grundverschiedener Bildungstrger, einerseits der privaten Betriebe, andererseits der ffentlichen Berufsschulen. Whrend die Kom-munen Trger der Berufsschulen sind und die Lnder die Verantwortung fr die Gestaltung des Unterrichts tragen, ist auch der Bund, und zwar durch die Ausgestaltung der Rahmenbedingun-gen, in der beruflichen Bildung engagiert. Fr die Kontrolle der innerbetrieblichen Umsetzung der staatlichen Vorgaben sind die Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern zustndig. Arbeitgeberverbnde und Gewerk-schaften (als Vertreter der Arbeitnehmer) ver-stndigen sich in entsprechenden Ausschssen ber die Formulierung von Ausbildungsinhalten.

    Die meisten Jugendlichen beginnen ihre Aus-bildung (Lehre) nach Abschluss der Haupt- oder Realschule bzw. des Gymnasiums, wobei der Besuch einer praxisbegleitenden Berufsschule mit einem Anteil berufsbezogener Schulfcher Pflicht ist. Die Auszubildenden unterschreiben einen Vertrag, der den Arbeitgeber verpflichtet, dem Jugendlichen die notwendige Zeit zum Berufsschulunterricht zu gewhren. Die Ausbil-dung dauert in der Regel drei Jahre. Am Ende der Lehre mssen die Auszubildenden eine Prfung ablegen, die von einer autorisierten, un-abhngigen Institution, meist den Industrie- und Modellhafter Aufbau des dreigliedrigen Schul-

    systems in Deutschland

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    BILDUNG UND KULTUR

    Handels kammern bzw. Handwerkskammern, abgenommen wird. Das Abschluss-Zertifikat ist in der Wirtschaft allgemein anerkannt.

    Im Bibliothekswesen gibt es nach dem Dualen System derzeit nur einen Ausbildungsberuf, der in Nachfolge des frheren Berufs Assistent an Bibliotheken 1999 neu entstand: In einer dreijhrigen Ausbildung knnen Absolventen von Haupt-, Realschulen und Gymnasien zum Fach angestellten fr Medien- und Informations-dienste (FAMI) in fnf unterschiedlichen Fach-richtungen (Bibliotheken, Archive, allgemeine Informations- und Dokumentationsstellen, Bild-agenturen, medizinische Dokumentationseinrich-tungen) ausgebildet werden.

    Der ffentliche und private Medien-sektor: Bildstellen, Medienzentren, kommerzielle Anbieter

    Mit der steigenden Bedeutung audiovisueller und digitaler Medien im Bildungsbereich wuchs auch das Aufgabenfeld der sogenannten Bild-stellen und Medienzentren, die in Deutschland in den 1930er Jahren entstanden.

    Heute gibt es rund 600 von Stdten und Landkreisen getragene Medienzentren sowie 15 Landesmedienzentren, die vor allem die mediale Arbeit der Schulen und zum Teil Schulbibliothe-ken unter sttzen und wichtige Beitrge zur Ver-besserung der Medienkompetenz von Schlern und Lehrern leisten. Zu ihrem Aufgabengebiet gehren unter anderem die Beschaffung und Be-reitstellung audiovisueller und digitaler Medien und ihre Erschlieung zu Unterrichtszwecken,

    die Beratung zum Einsatz und Kauf von AV-Me-dien (Videos, DVDs, Blu-rays, Bildungssoftware, CD-ROMs) und moderner AV-Hardware (Video- und DVD-Rekorder, Digitalkameras, Filmvorfhr-gerte, PCs, mobile internetfhige Endgerte, eBook-Reader) sowie die Vermittlung von Er-kenntnissen zur Mediendidaktik und -wirkung. So werden etwa bei der Durchfhrung von ge-meinsam konzipierten Fotografie- und Filmpro-jekten den Kindern und Jugendlichen Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, die fr den Alltag oder einen spteren Beruf gewinnbringend sein knnen. Als Partner von Schulen und ihrem Lehr-personal, vermehrt auch von Schulbibliotheken und ffentlichen Bibliotheken, sind sie wichtige Anlaufstellen zum Erlernen eines kritischen wie kreativen Umgangs mit den modernen Medien und Internetangeboten.

    Betrachtet man den gesamten ffentlichen wie auch kommerziellen Medienmarkt, so zhlt Deutschland mit mehr als 130 empfangbaren Fernsehsendern und rund 650 gedruckten so-wie online verfgbaren Tageszeitungen (inkl. deutschsprachiger Ausgaben auslndischer Zei-tungen) nach Japan, Grobritannien und der Schweiz zu den Lndern mit der hchsten Medien dichte. Die Zahl der wirtschaftlich unab-hngigen, miteinander im Wettbewerb stehen-den Firmen ist jedoch wesentlich geringer, da viele Zeitungen in unterschiedlichen regionalen Nebenausgaben erscheinen. Tglich verkauft die Tagespresse rund 21 Mio. Zeitungen, fr den Be-trieb von Radioempfngern sind 38 Mio. Geneh-migungen, fr den TV-Empfang circa 34 Mio. Genehmigungen erteilt. Nach neuesten Erhe-bungen sind 2009 rund 77% der deutschen Haushalte mit einem Personal Computer inkl. Internetzugang ausgestattet, Tendenz weiter steigend.

    Neben der Presse, den ffentlich-rechtlichen und den privaten Rundfunk- und Fernsehan-bietern spielen der Kinofilm, die Musikbranche

    Die um 1600 gegrndete Landschaftsbibliothek Aurich (Niedersachsen) pflegt als Regionalbiblio-thek fr Ostfriesland das besondere Sam mel-gebiet landeskundliche Literatur. Der 1995 errich-tete, mehrfach preisgekrnte Erweiterungsbau enthlt in Ergnzung der 1964 gebauten Maga-zinbibliothek eine Freihandbibliothek.

    Aus urheberrechtlichen Grnden kann das Bild an dieser Stelle nicht verffentlicht werden.

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    BILDUNG UND KULTUR

    und der Unterhaltungssektor mit elektronischen Spielen gesellschaftlich und wirtschaftlich eine weiterhin wachsende Rolle. Die Entwicklung der Unterhaltungs- und Medienindustrie wird in den kommenden Jahren mageblich durch die fortschreitende Digitalisierung von Inhalten und Vertriebskanlen geprgt. Whrend der Verkauf und der kommerzielle Verleih von DVD-und Blu-ray-Spielfilmen sowie von PC- und Konso-lenspielen auf hohem Niveau eher stagniert, hat das kommerzielle Herunterladen digitaler Audio-, Bild-, Text- und Filmdateien ber das Internet deutlich zugelegt. Lngst sind alle Formen von Medien und Unterhaltungssparten Buch, Film, Musik, Internet und Spiel auch in Vertrieb und Werbung miteinander verbunden und beein-flussen Alltagsleben und Freizeitverhalten eines jedes Einzelnen. Die ffentlichen und Wissen-schaftlichen Bibliotheken reagieren auf diese Entwicklung und bauen seit Jahren ihre Bestnde an digitalen Medien und Internetzugngen kon-tinuierlich aus; ihnen ist es aber nur teilweise gelungen, mit dem rasanten Fortschreiten der Technik und der medialen Angebotsbreite Schritt zu halten. Web 2.0 und die Internetplattformen der Sozialen Netzwerke wie Facebook, RSS-Feeds, Blogs, Wikis u.a. haben weltweit einen ungebremsten Siegeszug begonnen und die Kommunikations- und Informationsmglichkei-ten der nahezu stndig online agierenden Men-schen gravierend verndert.

    Berufliche Fort- und Weiterbildung

    Fort- und Weiterbildung verfolgt in Deutschland zwei Hauptziele: Zum einen will sie frher erwor-bene berufliche Qualifikationen auf den neues-ten Stand technologischer und arbeitsorganisa-torischer Entwicklungen bringen, zum anderen dient sie zur Erweiterung und Vertiefung des fachlichen Wissens. Die Wirtschaftsunternehmen sind dabei die wichtigsten Trger beruflicher Weiterbildung. Aber auch Bund, Lnder und Ge-meinden engagieren sich mit eigenen Akade-mien und Fachschulen sowie umfangreichen in-ternen Fortbildungsprogrammen an der Weiter-qualifizierung ihrer Mitarbeiter. Neben den Be-trieben und Fachschulen gibt es einen Markt von privaten Anbietern, z.B. die Technischen Akade-

    mien, die Bildungswerke der Wirtschaft oder die Berufsfortbildungswerke der Gewerkschaften . Allein im Bibliotheksbereich treten bundesweit mehr als 25 staatliche oder privat unterhaltene Organisationen mit zum Teil recht umfangrei-chen Fortbildungsangeboten auf.

    Erwachsenenbildung und Volks-hochschulen

    Neben den beruflichen Weiterbildungsmg-lichkeiten spielt die Erwachsenenbildung als Bestandteil der allgemeinen Bildung eine bedeu-tende Rolle. Die Erwachsenenbildung ist im Gegensatz zum Schulwesen weitgehend von staatlicher Aufsicht frei. Ihre wichtigsten Trger sind die Volkshochschulen (VHS), die es in Deutschland seit rund 85 Jahren gibt. Entgegen ihrer Bezeichnung sind sie keine Hochschulen , sondern dem quartren Bildungsbereich (Weiter-bildung) zugeordnet. Heute existieren etwa 1.000 Volkshochschulen, die von Gemeinden, Kreisen, Kirchen, Gewerkschaften und privaten Vereinen und gemeinntzigen Gesellschaften getragen werden. Jede VHS ist eigenstndig. Es gibt jedoch in allen Bundeslndern Landesver-bnde, in denen bergeordnete Aufgaben ge-regelt werden und die im Deutschen Volkshoch-schulverband e.V. zusammengeschlossen sind. Die VHS kennt keine Beschrnkungen in ihren Themen oder ihrem Teilnehmerkreis: Sie bietet Kurse, Einzelveranstaltungen, Kompaktseminare, Studienreisen oder externe Schulungen vor Ort an. Die Teilnahme ist in der Regel kostenpflichtig. Daneben bieten im Sinne des berall proklamier-ten lebenslangen Lernens zahlreiche private und staatlich untersttzte Einrichtungen Fernunter-richtskurse an, wobei in den letzten sieben Jah-ren die Nutzung internetbasierter Lehrgnge an Umfang und Bedeutung gewonnen hat.

    Die Zusammenarbeit zwischen den kommu-nalen ffentlichen Bibliotheken und den Ein-richtungen der Erwachsenenbildung ist vielerorts immer noch recht unzureichend ausgeprgt. In einigen Orten findet man jedoch Erfolg ver-sprechende Anstze, gelegentlich auch eine Personal union in der Leitung von Volkshoch-schule und ffentlicher Bibliothek oder auch die gemeinsame Unterbringung in einem Gebude .

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    BILDUNG UND KULTUR

    Gerade die rumliche Zusammenlegung ermg-licht die Einrichtung von Selbstlernzentren, wie sie als Modellprojekte in mehreren Stdten entstanden sind. In der Ausgestaltung tragfhi-ger neuer Konzeptionen zur Kooperation der verschiedenen Bildungseinrichtungen in den Kommunen sehen Fachleute und Politiker noch viel Entwicklungspotenzial.

    Universitten und andere Hochschulen

    Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes besuchen in Deutschland derzeit (Stand: 31.12.2009) 2,12 Mio. Studierende mit einem Auslnderanteil von 11,9% die ca. 418 staat-lichen oder staatlich anerkannten deutschen Hochschulen. Experten gehen davon aus, dass bis 2014 die Studentenzahl um eine halbe Million auf knapp 2,6 Mio. steigen und danach wieder fallen wird. Zu den Einrichtungen fr Forschung, Lehre und Studium gehren neben 105 Universitten auch sechs Pdagogische Hochschulen, 16 Theologische Hochschulen, 51 Kunsthochschulen, 203 Fachhochschulen, acht Duale Hochschulen und 29 Verwaltungsfach-hochschulen. Sie sind zum berwiegenden Teil staatliche Einrichtungen in Trgerschaft der Ln-der. Neben den staatlich anerkannten kirchlichen Hochschulen etablieren sich zunehmend von privaten Stiftungen oder Unternehmen getrage-ne Hochschulen mit speziellem Aufgabenprofil und Lehrangebot. Hochschullehrer und sonstige Bedienstete staatlicher Einrichtungen werden als Beamte und Beschftigte des ffentlichen Diens-tes eingestellt. Dank der Hochschulautonomie haben die Hochschulen das Recht, wichtige Regelungen, etwa Prfungsordnungen, selbst-

    stndig zu erlassen. Bis zur Verabschiedung der am 1.9.2006 in Kraft getretenen Fderalismus-reform mit Grundgesetznderung galt auf Bun-desebene ein Hochschulrahmengesetz (HRG). Ferner werden Forschungsfrderung, Hochschul-zugang und finanzielle Ausbildungsfrderung fr Studierende (BAfG) auf Bundesebene per Ge-setz geregelt; aufgrund des Hochschulbaufrde-rungsgesetzes (HBFG) beteiligt sich der Bund mit 50% der Kosten an der Errichtung von Hoch-schulgebuden und ihrer Grundausstattung mit Datentechnik und wissenschaftlicher Literatur.

    Die Exzellenzinitiative des Bundes und der Lnder zur Frderung von Wissenschaft und For-schung an deutschen Hochschulen zielt darauf ab, sowohl die Spitzenforschung als auch den Wissenschaftsstandort Deutschland insgesamt nachhaltig zu sttzen und seine internationale Wett bewerbsfhigkeit zu strken. Sie umfasst mit dem Zukunftskonzept, der Graduiertenschule und dem Exzellenzcluster drei Frderlinien. Ganz bewusst wurde sie als Wettbewerb konzipiert. In der ersten Runde 2006 wurden drei, in der zweiten Runde 2007 sechs Hochschulen fr ihre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Wissenschaftsrat begutachteten Zukunfts-konzepte ausgezeichnet und mit Frdermitteln in Hhe von mehreren Millionen Euro bedacht; diese Hochschulen verstehen sich nun als Elite-universitten.

    Die mit dem Bologna-Prozess 1999 einset-zende Einfhrung konsekutiver Bachelor- und Master-Studiengnge ist 2011 fr viele Fachge-biete an fast allen deutschen Hochschulen um-gesetzt. Nach dem Willen der Bildungspolitiker sollten mglichst die bislang blichen Studien-abschlsse, wie z.B. das Diplom, der Magister und das Staatsexamen abgelst werden, doch

    Die 1962 gegrndete, 1965 erffnete Ruhr-Uni-versitt Bochum (Nordrhein-Westfalen) ist die erste Universittsneugrndung der Bundesre-publik Deutschland und zugleich ein Musterbei-spiel fr den Hochschulbau seit den 1960er Jahren mit viel Sichtbeton und geradlinigen Formen. Die Universi ttsbibliothek liegt genau in der Mitte zwischen den Gebuden der Fakultten. Mit ber 1,6 Mio. Bnden bietet sie fast ihren gesamten Buchbestand im Freihandbereich an, in dem 900 Lesepltze zur Verfgung stehen.

    Aus urheberrechtlichen Grnden kann das Bild an dieser Stelle nicht verffentlicht werden.

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    BILDUNG UND KULTUR

    leisten zahlreiche Einrichtungen dagegen Wider-stand.

    Whrend fr die Hochschulen in den USA ca. 1,1% des Bruttoinlandsprodukts als ffentliche Ausgaben und weitere 1,2% aus privaten Zah-lungen zur Verfgung gestellt werden, stammen in Deutschland rund 1% aus ffentlichen Mitteln und 0,1% von privaten Zahlern; in Schweden und Finnland betragen die Gesamtausgaben je-weils 1,7% des Bruttoinlandsprodukts. Die Mehrzahl der Bundeslnder ist inzwischen dazu bergegangen, von Studenten Studiengebh-ren zu erheben, die dem Hochschuletat (inkl. Hochschulbibliotheken) zur Verfgung gestellt werden, um mit den zustzlichen Einnahmen das Qualittsniveau der Lehre zu sichern; die Gebh-ren sind allerdings politisch umstritten und ste-hen in der laufenden Diskussion bis hin zu ihrer Abschaffung.

    Hochschulbibliotheken dienen in erster Linie den Hochschullehrern und den Studierenden als zentrale Informationseinrichtung; sie haben sich heute aber auch der breiten Bevlkerung geffnet . Die Hochschulbibliotheken sind durch einschlgige Gesetze, Erlasse und Verordnungen der Lnder relativ fest in die universitren Struk-turen eingefgt und damit weitgehend in ihrer Existenz gesichert. Allerdings stellen aktuelle Entwicklungen diese Grundstze zum Teil wieder in Frage, wenn in einigen der neuen Hochschul-baurichtlinien der Lnder die Ausstattung mit Hochschulbibliotheken nur noch als Teilbereich von Rechenzentren vorgesehen ist.

    In Deutschland haben sich folgende Typen von Hochschulen herausgebildet:

    Universitten, Technische Universitten und Gesamthochschulen: Voraussetzung fr das Studium an einer Universitt oder gleichgestell-ten Hochschule ist die allgemeine oder fach-

    gebundene Hochschulreife, die in der Regel nach 12 Schuljahren erworben wird. Die tat-schliche Studienzeit betrgt im Durchschnitt sechs Jahre, obwohl die Regelstudienzeit fr die meisten Fcher sich auf viereinhalb Jahre beluft. Unter anderem sollen die neu einge-fhrten Studiengebhren auch zur Reduzierung der Studiendauer beitragen. Die zahlenmig grten Universittsstdte sind Berlin (drei Uni-versitten mit insgesamt 88.200 Studie renden), Mnchen (drei Universitten mit 71.000), Hagen/Fernuniversitt (67.000), Kln (45.000), Hamburg (41.000), Frankfurt a.M. (37.500) und Mnster (37.000).

    Fachhochschulen: Die Studiengnge an den 203 staatlich anerkannten Fachhochschulen unterscheiden sich von den Studiengngen der Universitten durch eine strkere Anwendungs- und Praxisbezogenheit. Die Regelstudienzeit liegt zwischen drei und vier Jahren, die tatsch-liche Studienzeit liegt kaum darber. Durch-schnittlich 2528% aller Studenten entschei-den sich fr das Studium an einer Fach hoch-schule.

    Kunsthochschulen: Unterschiedliche Hochschu-len gibt es fr Bildende Knste, Gestaltung, Theater, Musik, Film und Fernsehen. Die Aufnahme erfolgt aufgrund einer Eignungs-prfung.

    Die Wirtschaftswissenschaftliche Zweigbibliothek Ingolstadt (Bayern) der Universittsbibliothek Eichsttt, Sitz eines von 51 in Deutschland ange-siedelten Europischen Dokumentationszentren (EDZ) fr die Verffentlichungen der Europi-schen Union, wurde 1989 im umgebauten ehema-ligen Seminar der Steyler Missionare erffnet. Im Kirchenschiff mit Chor und Empore wurden ein Lesesaal und eine fnfgeschossige Regalanlage (Bcherturm) fr die Freihandaufstellung unter-gebracht.

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    BILDUNG UND KULTUR

    In einigen Lndern existieren weitere Hoch-schultypen, so z.B. in Baden-Wrttemberg die Pdagogischen Hochschulen (Lehrerausbildung) und die Dualen Hochschulen (praxisorientiertes Fachstudium), die andernorts Berufsakademien heien.

    Zusammenfassend ist festzustellen, dass das deutsche Bildungswesen im internationalen Ver-gleich zwei Besonderheiten aufweist: Zum einen gestattet die durch den Fderalismus bedingte Kulturhoheit den Lndern eine weitgehend ei-genstndige Ausgestaltung des allgemeinen Bil-dungswesens, was durch die Fderalismusreform von 2006 noch weiter verstrkt wurde. Zum an-deren betraut der Gesetzgeber die Betriebe mit einem Teil der Berufsausbildung, indem er ihnen den praktischen Teil der beruflichen Erstausbil-dung berlsst.

    Das Bildungswesen in Deutschland zeichnet sich vor allem durch einen hohen Grad an inter institutioneller Offenheit gegenber indivi-duellen Bildungsbedrfnissen aus. Es zielt auf Durchlssigkeit und Chancengleichheit. So ist

    es inzwischen keine Besonderheit mehr, dass ehemalige Hauptschler nach verschiedenen Zusatzqualifizierungen spter ein Universitts-studium absolvieren. Auf dem tertiren Bildungs-sektor konkurrieren zwei Hochschulformen , wobei die krzeren und praxisnheren Fach-hochschulstudiengnge sowie die Ausbildung an Berufsakademien im Bereich der praktischen Berufe gegenber den universitren Studiengn-gen an Attraktivitt gewonnen haben. Der einsetzende Bologna -Prozess und mit ihm eine Akademisierung der Studiengnge der Fach-hochschulen lsst diese Abgrenzungen allerdings zunehmend verwischen.

    Die internationalen PISA-Untersuchungen haben fr Deutschland aber auch einige Defizite zutage gebracht: So erreichen Schler aus bildungs fernen und sozial schwcheren Familien sowie aus Familien mit Migrationshintergrund im Schnitt wesentlich schlechtere Bildungs- und Berufsabschlsse als in anderen Staaten. Die seit der Verffentlichung der PISA-Ergebnisse einsetzenden Bemhungen des Bundes und der Lnder zur Verbesserung des Bildungsniveaus der jugendlichen Schler haben im besonderen Mae die Lesefrderung im Fokus. Eine Vielzahl schulischer und auerschulischer Aktivitten verfolgt seitdem das Ziel, die Lesemotivation und das Lesevermgen der Kinder und Jugend lichen aus allen Schichten zu steigern. In einigen Bun-deslndern wurden Sonderprogramme aufge-legt, mit deren Hilfe etwa die ffentlichen Biblio-theken in Zusammenarbeit mit den Bibliotheks-fachstellen der Lnder und der Kirchen krea tive Lesefrderaktionen fr Kinder in Kindergrten und Schulen entwickeln konnten. Darber

    Ein Ort der aueruniversitren Forschung ist Weimar. Das im Winter 2005 erffnete Studien-zentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek (Thringen) ist Teil des neuen Weimarer Biblio-theksquartiers, das darber hinaus aus mehreren Schlssern und einem unterirdischen Magazin besteht. Der im Innenhof des Roten Schlosses entstandene Bcherkubus mit dem systematisch aufgestellten Freihandbestand (Kapazitt: 200.000 Bnde) bildet das moderne Pendant zum Rokoko-saal des Stammhauses (Grnes Schloss). Nach Voll-endung aller Baumanahmen bietet die Biblio-thek ideale Bedingungen fr die Erforschung der deutschen Literaturgeschichte von der Aufklrung bis zur Romantik.

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    BILDUNG UND KULTUR

    hinaus setzt sich die 1988 gegrndete Stiftung Lesen (Mainz) fr die Lesefrderung ein.Unter der Schirmherrschaft des Bundespr-sidenten, mageblich untersttzt durch den Brsenverein des Deutschen Buchhandels sowie weiterer Medienpartner und Kultursponsoren , organisiert sie bundesweite Frderprojekte, Schulkampagnen und Buchhandelsaktionen. Zur Aus-, Fort- und Weiterbildung von Multiplikato-ren wurde 2004 die Akademie fr Lesefrderung der Stiftung Lesen an der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover aufgebaut.

    Buchhandel

    Einer der wichtigsten Partner der Bibliotheken ist der Buchhandel. In Deutschland blickt er auf eine ebenfalls bis ins Mittelalter reichende Tradition zurck. Er besitzt nicht nur eine herausragende kulturelle Bedeutung, sondern stellt auch einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor dar. Da das Buch im Unterschied zu anderen Waren als Kulturgut betrachtet wird, unterliegt es in Deutschland ebenso wie in vielen anderen Staa-ten einem begnstigten Mehrwertsteuersatz (7%), der allerdings nicht fr E-Books gilt, auf die der volle Mehrwertsteuersatz von derzeit 19% erhoben wird. Man unterscheidet den her-stellenden Buchhandel (Verlagsbuchhandel), den Buchgrohandel (Zwischenbuchhandel) und den Bucheinzelhandel (Sortimentsbuchhandel). Im Zuge der Internetverbreitung hat besonders der Online-Versandbuchhandel an Bedeutung gewonnen: Als grter Online-Buchhndler im deutschsprachigen Raum erreichte Amazon im

    Als wichtigster Lieferant versorgt der Sortiments-buchhandel die Bibliotheken mit den Neuerschei-nungen des deutschen Buchmarktes. Dank der Buchpreisbindung berspannt die Bundesrepu-blik Deutschland ein engmaschiges und effektiv organisiertes Netz von Buchhandlungen, an dem neben groen Ladengeschften, die ihr Angebot groflchig und verkaufsfrdernd prsentieren knnen, auch sehr viele mittlere und kleinere Buchhandlungen Anteil haben, die sich durch Kundennhe und Service auszeichnen. Der feste Ladenpreis garantiert zudem ein breit gefcher-tes, rund 1,2 Mio. lieferbare Titel umfassendes Angebot. Nicht vorrtige Titel knnen hufig innerhalb eines Tages beschafft werden.

    Jahr 2009 einen Jahresumsatz von einer Mrd. Euro. Groe Buchhandelsketten wie Thalia (mit rund 300 Verkaufsstellen) oder die Deutsche Buchhandels GmbH (mit rund 500 Verkaufsstel-len) verdrngen in vielen Stdten zunehmend die inhabergefhrten kleineren Buchhandlungen.

    Das in der Regel gute Verhltnis zwischen Buchhandel und Bibliotheken ist jedoch nicht in allen Punkten strungsfrei. So gibt es gegenstz-liche Positionen in einer Reihe von Sachverhal-ten, die im Einzelfall auch zu gerichtlichen Aus-einandersetzungen fhrten, wie etwa in Fragen des Urheberrechts und der Lizenzrechte. Die ex-orbitant hohen Preissteigerungen insbesondere bei (elektronischen) Zeitschriften, durch die die Bibliotheksetats berproportional belastet wer-den, zwangen die Bibliotheken zu Abbestellun-gen von Abonnements.

    Von den im Jahr 2008 rund 2.800 steuer-pflichtigen Buchverlagen, den 4.860 Buchhand-lungen und den ber 80 Zwischenbuchhndlern ist ein groer Teil (5.790 Firmen) im Brsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. organisiert.Dieser 1825 in Leipzig gegrndete Spitzenver-band des herstellenden und verbreitenden Buchhandels hat heute seinen Sitz in Frankfurt am Main. Dort findet seit 1949 alljhrlich die Internationale Frankfurter Buchmesse statt, die grte Buchmesse der Welt (mit zuletzt rund 7.300 ausstellenden Verlagen und gut 290.000 Besuchern). Auf ihr wird jedes Jahr der renom-mierte Friedenspreis des Deutschen Buchhan-dels verliehen. Auch die traditionelle Leipziger Frhjahrsbuchmesse konnte mit einem neuen

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    BILDUNG UND KULTUR

    eigenen Profil ihre Position als international be-deutsame Bcher- und Autorenschau in Deutsch-land festigen; 2010 stellten dort 2.070 Verlage ihre Bcher aus. Der Brsenverein gibt eine Fach-zeitschrift, das Brsenblatt Wochenmagazin fr den Deutschen Buchhandel, heraus, das nicht nur fr Neuerscheinungen wirbt, sondern auch redaktionelle Beitrge aus der Welt des Bu-ches enthlt. Eine Tochterfirma des Brsenvereins produziert das Verzeichnis Lieferbarer Bcher (VLB), das Buchhndler und Bibliotheken ber alle 1,2 Mio. verfgbaren Titel einschlielich ihrer Preise informiert.

    Zu den zehn grten Buchverlagen in Deutschland gehren die Medienkonzerne und Verlagsgruppen von Springer, Klett, Cornelsen, Random House, Westermann, Haufe, Wolters Kluwe, MairDumont, Weltbild und Weka mit ei-nem Jahresumsatz von insgesamt 2,6 Mrd. Euro. Der Gesamtumsatz aller Buchverlage und Buch-handlungen mit Bchern und Fachzeitschriften betrug 2009 in Deutschland mehr als 15,2 Mrd. Euro.

    Wie in verschiedenen anderen Lndern gelten in Deutschland fr Bcher feste Ladenpreise, die es aus marktwirtschaftlichen Grnden fr kein anderes Produkt gibt. Das in der Vergangenheit auf privatrechtlicher, im Grunde auf freiwilliger Basis organisierte System des Sammelrevers fr den Verkauf preisgebundener Verlagserzeugnisse wurde im Oktober 2002 durch ein Gesetz abge-lst, dessen Kernstck die Verpflichtung zur Fest-setzung und Bekanntgabe verbindlicher Laden-preise ist. Ausnahmen von der Preisbindung sind nur in bestimmten Fllen mglich. Dazu zhlt der Bibliotheksrabatt, der fr die allgemein zugng-lichen Wissenschaftlichen Bibliotheken 5% und fr die ffentlichen Bibliotheken einschlielich der Schulbibliotheken 10% betrgt.

    Die Preisbindung fr Bcher ist Garant einer Titelvielfalt, die in keinem anderen Land der Welt mit Ausnahme Grobritanniens so gro ist wie in Deutschland. Trotz des Vormarsches neuer Medi-en ist die Buchproduktion in der Vergangenheit stets gestiegen und lag 2009 bei ca. 93.000 Neuerscheinungen, davon 81.800 Erstauflagen. Unter diesen nimmt die Belletristik (17%) den ersten Rang ein, aber auch die Kinder- und Ju-gendliteratur (9%) ist gut vertreten, gefolgt von

    den brigen Sachgruppen wie Literatur, Wirt-schaft, Medizin, Recht, Theologie usw.; immer-hin 6,9% der Erstauflagen machten die Schul-bcher aus. Die weitaus meisten neuen Bcher erscheinen in Mnchen; auch Berlin, Stuttgart, Hamburg, Frankfurt am Main und Kln sind be-deutende Verlagsorte. Diese Stdte sind es auch, die die hchste Anzahl von Buchhandlungen aufzuweisen haben.

    Als Indikator fr die kulturelle Offenheit eines Landes mag die Zahl der bersetzungen ange-sehen werden. Etwa 10.600 oder ca. 12,7% der Bcher, die 2009 in Deutschland erschienen, sind aus einer anderen Sprache bersetzt worden. Unter den Herkunftssprachen dominiert das Eng-lische (65%), mit groen Abstnden folgen das Franzsische (10,2%) und Japanische (5,2%). Besonders hoch ist die Zahl der bersetzungen bei der Belletristik, aber auch bei Kinder- und Jugendbchern und Comics. Hinsichtlich der Lizenz nachfrage fr deutsche Titel zeigt sich die ffnung des Ostens fr die Weltwirtschaft: Noch vor der englischen Sprache rangierten 2009 Pol-nisch, Chinesisch, Tschechisch, Koreanisch und Spanisch.

    In vielen Fllen frdert das Goethe-Institut die bersetzung in fremde Sprachen; das ist besonders bei Bchern bedeutsam, die wenig wirtschaftlichen Gewinn versprechen.

    Eine Klammer zwischen Buchhandel und Bi-bliothek stellt die ISBN dar, deren internationale Agentur die Staatsbibliothek zu Berlin betreibt. Mit der Internationalen Standardbuchnummer, abgekrzt ISBN, wird eine nichtperiodische Ver-ffentlichung eines Verlages durch eine codierte Zahlenkombination eindeutig identifiziert. Es handelt sich um eine seit dem Jahr 2007 13-stel-lige Nummer, die berwiegend in Warenwirt-schaftssystemen des Buchhandels eingesetzt wird, aber auch von den meisten Bibliotheken fr ihre Bestellsysteme und EDV-Katalogisierung verwendet wird. Die ISBN 13 ist Teil der seit 2009 international eingefhrten Global Trade Item Number (GTIN), der frheren European Article Number (EAN). Die vorangestellte Ziffernfolge 978 oder 979 weist auf Verlagsprodukte hin.

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    3 BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Das breit gefcherte Bild der Bibliotheken in Deutschland

    Vielfalt der Unterhaltstrger

    Zu den Merkmalen, die das deutsche Bibliotheks-wesen prgen, zhlt die Vielfalt der verschie-denen Bibliothekstypen. Nicht selten haben diese ihren Ursprung in einer bestimmten historischen Epoche, sind also eng mit der kultur- und gei-stesgeschichtlichen Entwicklung Deutschlands und seiner Territorien verbunden. Meist sind sie einem bestimmten Trgertypus zuzuordnen. Es erscheint deshalb sinnvoll, zunchst einen Blick auf die unterschiedlichen Unterhaltstrger der Bibliotheken zu werfen und die wichtigsten zu nennen: die ffentlichen, die kirchlichen und die privaten Trger.

    ffentliche Trger

    Der Bund

    Unter den vom Bund getragenen Bibliotheken ist vor allem die Deutsche Nationalbibliothek hervorzuheben, die zum Geschftsbereich des Beauftragten der Bundesregierung fr Kultur und Medien (BKM) gehrt. Bedeutend sind aber auch die Bibliothek des Deutschen Bundestages in Berlin, mit 1,4 Mio. Bnden eine der grten Parlamentsbibliotheken der Welt, die Bibliothe-ken der Bundesministerien, Bundesbehrden, Bundesgerichte, Bundesforschungsanstalten so-wie der beiden Universitten der Bundeswehr in Hamburg und Neubiberg (bei Mnchen).

    Da aber wie dargestellt die Zustndigkeit fr Wissenschaft und Bildung, Kultur und Kunst, fast ausschlielich den Lndern vorbehalten ist, tritt der Bund als Bibliothekstrger nur noch in wenigen Fllen in Erscheinung.

    Im brigen beteiligt sich der Bund an der Finanzierung einzelner Bibliotheken und Einrich-tungen mit berregionaler Bedeutung. Gemein-sam von Bund und Lndern werden die ber 80 aueruniversitren Forschungsinstitute gefrdert , die in der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. zusammengeschlossen

    sind und ber entsprechende Spezialbibliothe-ken verfgen. Infrastruktureinrichtungen der Wissenschaft und deshalb Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft sind die Zentralen Fachbibliothe-ken fr Medizin, Technik und Wirtschaft. Eine Mischfinanzierung genieen auch die groen Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Gesellschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft oder die Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, die bedeutende Spezialbibliotheken unterhalten.

    Die Lnder

    Wegen der grundgesetzlich verbrieften Kulturho-heit sind in Deutschland die Lnder die wichtig-sten Trger wissenschaftlicher Bibliotheken. In die Zustndigkeit der Bundeslnder fallen nm-lich nahezu alle Hochschulen und damit auch die Hochschulbibliotheken, auerdem die Staats-, Landes- und Regionalbibliotheken. Zu erwhnen sind zudem die Bibliotheken der Lnderparla-mente, der Landesbehrden und Landesfor-schungsanstalten, der staatlichen Archive und Museen.

    Die Gemeinden

    Bedeutendste Trger der ffentlichen Bibliothe-ken sind die Stdte und Gemeinden, die im Rahmen der ebenfalls grundgesetzlich veranker-ten kommunalen Selbstverwaltung von ihrem Recht, eine Stadtbibliothek oder Gemeindeb-cherei zu unterhalten, Gebrauch machen knnen und dies in vielen Fllen auch tun (kulturelle Da-seinsvorsorge). In manchen Bundeslndern unterhalten die Landkreise eigene Fahrbibliothe-ken, zentrale Kreisbibliotheken oder Kreisergn-zungsbibliotheken sowie zusammen mit Ge-meinden und dem Land Bchereizentralen; in einigen Fllen gewhren sie den Kommunen fr ihre Stadt- und Gemeindebibliotheken finanzielle Zuschsse.

    ffentlich-rechtliche Stiftungen

    Mehrere ffentlich-rechtliche Stiftungen sind Trger bedeutender Bibliotheken. Hier sind die

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Stiftung Preuischer Kulturbesitz mit der Staats-bibliothek zu Berlin und die Klassik Stiftung Weimar mit der Herzogin Anna Amalia Biblio-thek in Weimar in erster Linie zu nennen. Wei-tere ffentlich-rechtliche Stiftungen, die eigene Bibliotheken unterhalten und dafr auf die Finanzzuwendungen der Gebietskrperschaften angewiesen sind, sind die Franckeschen Stif-tungen in Halle an der Saale mit ihrer sog. Hauptbibliothek und die Stiftung Germanisches Nationalmuseum in Nrnberg mit ihrer bedeu-tenden Spezialbibliothek. Als Stiftungen gefhrt werden die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB), unter deren Dach die Berliner Stadtbi-bliothek, die Amerika-Gedenk-Bibliothek (AGB) und die Senatsbibliothek vereinigt sind, sowie die Deutsche Zentralbibliothek fr Wirtschafts-wissenschaften Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW).

    Kirchliche Trger

    Sowohl die Katholische als auch die Evangelische Kirche besitzen eine groe Zahl von Bibliotheken . Dem Typ der geisteswissenschaftlichen Spezial-bibliothek gehren die Dom-, Dizesan- und Landeskirchlichen Bibliotheken an, auerdem die Bibliotheken der Priesterseminare und anderer kirchlicher Einrichtungen und Verbnde. Inte-graler Bestandteil des wissenschaftlichen Biblio-thekswesens sind zudem die Bibliotheken der kirchlichen Hochschulen wie beispielsweise der

    Die Zentralbibliothek der Katholischen Universitt Eichsttt (Bayern) erhielt 1987 einen transpa-renten, mit Formen und Farben spielenden Neu-bau in der Auenlandschaft der Altmhl (Architekt : Gnter Behnisch), der wegen seines hohen Ge-stalt- und Erlebniswertes preisgekrnt wurde. Zu den Einrichtungen fr die Benutzer zhlen Car-rels, die ein konzentriertes Arbeiten ermglichen, aber auch den Blick in Richtung Fluss zulassen.

    Katholischen Universitt Eichsttt. Die meisten von ihnen sind in der Arbeitsgemeinschaft katho-lisch-theologischer Bibliotheken (AkthB) und im Verband kirchlich-wissenschaftlicher Bibliotheken (VkwB) organisiert. Die Dizesanbibliotheken bernehmen als Regionalbibliotheken die Litera-turversorgung der jeweiligen Bistmer, sie stehen nicht nur den haupt- und ehrenamtlich ttigen kirchlichen Mitarbeitern, Wissenschaftlern und in Ausbildung und Studium befindlichen Personen zur Verfgung, sondern sind fr alle frei zugng-lich. Die Ordens- und Klosterbibliotheken haben abhngig von Geschichte, Ordensprofil und Auf-gaben der jeweiligen Bibliotheken ein sehr unter-schiedliches Bestandsprofil, es reicht von groen theologisch-philosophischen Biblio theken, wie z.B. in den Benediktinerabteien Maria Laach und Beuron, bis hin zu kleineren Spezialbibliotheken mit berwiegend ordensspezifischen Publikatio-nen oder theologischen Gebrauchsbibliotheken. Dabei finden sich neben der aktuellen theolo-gisch-philosophischen Literatur und Literatur anderer Wissensgebiete auch vielfltige histo-rische Bestnde an Handschriften, Inkunabeln und alten Drucken. Kleine, meist ehrenamtlich gefhrte ffentliche Bibliotheken unterhalten die Kirchen auf der Ebene ihrer Pfarr- und Kir-chengemeinden. In nicht wenigen lndlichen Regionen erfllen kirchliche Bibliotheken wegen des Fehlens kommunaler Einrichtungen die Auf-gaben der allgemeinen Literaturversorgung.

    Private Trger

    Private Trger von Bibliotheken knnen sowohl Firmen und Vereine als auch Privatpersonen sein. Viele groe Wirtschaftsunternehmen besitzen fr Zwecke der Forschung und Entwicklung eigene Bibliotheks- und Informationseinrichtun-gen, die sich auf die Literaturbedrfnisse der Mitarbeiter dieser Firmen spezialisiert haben und

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    meist nicht ffentlich zugnglich sind. Dem Typ der wissen schaftlichen Spezialbibliothek geh-ren auch die Bibliotheken an, die von Vereinen mit wirtschaftlicher, berufsstndischer, wissen-schaftlicher oder ideeller Zielsetzung zur Unter-sttzung ihrer Arbeit aufgebaut wurden. Privat-personen als Besitzer groer, der ffentlichkeit zugnglicher Bibliotheken sind in Deutschland selten geworden . Nur in Ausnahmefllen haben sich private Sammlungen in der Hand des Adels erhalten (Regensburg, Sigmaringen). Als grtes Bibliothekssystem in einer Grostadt in Deutsch-land gelten die in Trgerschaft einer Stiftung des privaten Rechts stehenden, 1899 gegrndeten Bcherhallen im Stadtstaat Hamburg.

    Vielfalt der Bibliothekstypen

    Die einzelnen Bibliothekstypen unterscheiden sich nicht nur nach ihren Trgern, den ffentli-chen oder privaten Geldgebern, sondern auch nach ihrer historischen Entwicklung, nach dem Umfang und der Zusammensetzung ihrer Be-stnde und nach dem Kreis ihrer Benutzer. Ein wesentliches Unterscheidungskriterium sind zu-dem die jeweiligen Aufgaben und Funktionen. In der Realitt kommt es hier zu zahlreichen ber-

    Zu den Privatbibliotheken zhlt die Frst Thurn und Taxis Hofbibliothek in Regensburg (Bayern), eine wissenschaftliche Universalbibliothek mit 212.000 Bnden, 3.350 Handschriften und 1.700 Inkunabeln und Frhdrucken, die bereits 1782 der ffentlichkeit zugnglich gemacht wurde. Der 1732 geschaffene barocke Kuppelsaal, be-nannt nach seinem Maler Cosmas Damian Asam, beherbergt die Altbestnde der Bibliothek.

    schneidungen, insbesondere bei Bibliotheken mit nominell ausgewiesener Doppelfunktion (z.B. Stadt- und Landesbibliothek). In der folgenden Zusammenstellung soll daher die jeweils zentrale Funktion einer Bibliothek zum typisierenden Merkmal gemacht werden.

    Bibliotheken von nationaler Bedeutung

    Neben der Deutschen Nationalbibliothek spielt eine Reihe weiterer groer Bibliotheken mit na-tionaler Bedeutung eine herausgehobene Rolle im deutschen Bibliothekswesen.

    Die Deutsche Nationalbibliothek

    Im Unterschied zu vielen anderen Staaten kam es in Deutschland aufgrund der territorialen Zer-splitterung und der inneren politischen Gegen-stze lange Zeit nicht zur Bildung einer National-bibliothek.

    Die durch den Brsenverein der Deutschen Buchhndler mit Untersttzung der Stadt Leipzig und des Knigreichs Sachsen im Jahre 1912 in Leipzig gegrndete Deutsche Bcherei nahm nach der deutschen Teilung 1945 ihre nationalbi-bliothekarische und nationalbibliografische Auf-gabe fr die DDR wahr. In Frankfurt am Main entstand auf verlegerische und bibliothekarische Initiative 1946 die Deutsche Bibliothek. Mit der Vereinigung Deutschlands 1990 sind beide Institutionen unter dem Namen Die DeutscheBibliothek zusammengefhrt worden. 2006 wurde die Bibliothek in Deutsche Nationalbiblio-thek (DNB) umbenannt. An den Standorten in Frankfurt am Main und in Leipzig, wohin das 1970 in Berlin als Abteilung der damaligen Deut-schen Bibliothek errichtete Deutsche Musikarchiv (DMA) Ende 2010 umgezogen ist, nimmt die DNB ihre umfangreichen Aufgaben wahr.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Bibliotheksname Buch-bestand

    Entleihun-gen am Ort (in ME)

    Ausgaben fr Erwerbung und Einband ( )

    Aktive Benutzer

    ffnungsstun-den pro Woche

    Fernleihen/Dokument-lieferung

    Berlin SBB 10,79 Mio. 1,75 Mio. 9,31 Mio. 49.761 70 73.200

    Frankfurt a.M./Leipzig DNB

    17,08 Mio. 0,78 Mio. k.A. 30.977 79 9.835

    Hannover TIB 2,77 Mio. k.A. 11,63 Mio. 24.326 80 268.000

    Kiel und Ham-burg ZBW

    4,23 Mio. 0,39 Mio. 3,17 Mio. 16.215 55 84.400

    Kln ZBMED 1,50 Mio. k.A. 5,50 Mio. k.A. 68 275.000

    Mnchen BSB 9,53 Mio. 1,65 Mio. 19,32 Mio. 55.123 112 393.250

    Gesamtstatistik 2009: Nationale Universalbibliotheken und Zentrale Fachbibliotheken(Quelle: Deutsche Bibliotheksstatistik, Stand: 31.12.2009)

    Mit ber 26 Mio. Medieneinheiten ist die Deutsche Nationalbibliothek heute die mit Ab-stand grte Bibliothek in Deutschland; das Deutsche Musikarchiv mit einem Bestand von 850.000 Musikalien und ber 1,5 Mio. Ton-trgern ist die grte deutsche Musikbibliothek. Die DNB hat, so formuliert es das 2006 in Kraft getretene Gesetz ber die Deutsche National-bibliothek, u.a. die Aufgabe,

    die ab 1913 in Deutschland verffentlichten Medienwerke und

    die ab 1913 im Ausland verffentlichten deutschsprachigen Medienwerke, bersetzun-gen deutschsprachiger Medienwerke in andere Sprachen und fremdsprachige Medien-werke ber Deutschland

    im Original zu sammeln, zu inventarisieren, zu erschlieen und bibliografisch zu verzeichnen, auf Dauer zu sichern und fr die Allgemeinheit nutzbar zu machen sowie zentrale bibliotheka-rische und nationalbibliografische Dienste zu leisten . Medienwerke sind alle Darstellungen in Schrift, Bild und Ton, die in krperlicher Form verbreitet oder in unkrperlicher Form der f-fentlichkeit zugnglich gemacht werden.

    Die Pflichtablieferungsverordnung konkreti-siert das Recht der Deutschen Nationalbibliothek auf unaufgeforderte und kostenlose Belieferung mit den Medienwerken von gewerblichen und nichtgewerblichen Verlagen aus Deutschland. Dazu gehren sowohl herkmmliche Verffent-lichungen in Papierform als auch Mikroformen,

    Tontrger und krperliche Medienwerke auf elektronischen Datentrgern sowie Netzpubli-kationen. Die gesetzlichen Bestimmungen zum Sammelauftrag werden durch die Sammelricht-linien weiter erlutert und przisiert.

    Der umfassend definierte Sammelauftrag macht die Deutsche Nationalbibliothek zur Uni-versalbibliothek fr den deutschen Sprachraum ab 1913, d.h. sie sammelt und erschliet Lite-ratur aus allen Wissensgebieten. Sie stellt ihre Bestnde der Allgemeinheit aus Bestandsschutz-grnden ausschlielich fr die Prsenznutzung in den Leseslen zur Verfgung.

    Die Deutsche Nationalbibliothek ist die zen-trale Archivbibliothek und das zentrale Musik-archiv fr die Bundesrepublik Deutschland und deren nationalbibliografisches Zentrum. In ihrer Datenbank verzeichnet sie alle in Deutschland erscheinenden Verffentlichungen. Die Reihen der Deutschen Nationalbibliografie erscheinen seit 2010 als Online-Zeitschrift im PDF-Format und stehen im Katalog der Deutschen National-bibliothek fr die kostenfreie Recherche zur Verfgung. Neben dieser frei zugnglichen Datenbank gibt es ein nationalbibliografisches Angebot, das die Bedrfnisse derjenigen Kun-den erfllt, die als Mehrwert gegenber der Nutzung der Datenbank die Selektion der neu hinzugekommenen Datenstze in bestimmten Liefer intervallen nutzen mchten oder die auf eine bestimmte, gewohnte Ausgabeform nicht verzichten mchten.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Der Vertrieb der Daten der Deutschen Natio-nalbibliografie erfolgt auf verschiedenen Wegen, von der gedruckten Titelkarte bis zur Online- Datenbank und der Datenbernahme vom FTP- oder WWW-Server und ist in den Datenformaten MAB, MARC 21 und OAI-DC mglich. Ende 2009 wurde die Deutsche Nationalbibliografie in gedruckter Form nach fast einhundertjhrigem Erscheinen eingestellt. In Kooperation mit der Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH (MVB), einem Unternehmen des Brsen-vereins des Deutschen Buchhandels, welches das Verzeichnis Lieferbarer Bcher (VLB) in digitaler Form auf DVD und als Onlineversion herausgibt, informiert die Deutsche Nationalbibliothek seit 2003 mit einem Neuerscheinungsdienst ber aktuelle Publikationen.

    Besondere Aufmerksamkeit widmet die Deutsche Nationalbibliothek den Dokumenten der deutschsprachigen Emigration und des Exils whrend der Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft von 1933 bis 1945. Die Sammlung Exil-Literatur in Leipzig und das Deutsche Exil-archiv 19331945 in Frankfurt am Main enthal-ten die von deutschen Emigranten im Ausland verffentlichen Bcher, Broschren und Zeit-schriften, die Nachlsse einzelner Emigranten und die Archive von Exilorganisationen.

    Die Deutsche Bcherei Leipzig beherbergt eine internationale Forschungsbibliothek zur Dokumentation des Holocaust. Die Anne-Frank-Shoah-Bibliothek verfolgt das Ziel, die weltweit erscheinende Literatur ber die Verfolgung und Vernichtung der Juden Europas durch das natio-nalsozialistische Deutschland bereitzustellen . Publi kationen ber andere Vlker und Gruppen , die aus ethnischen, politischen, religisen oder anderen Grnden verfolgt wurden, gehren ebenfalls zum Sammelspektrum.

    Dokumentationszentrum der Buchkultur ist das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. In einer Zeit, in der die audiovisuellen und elektronischen Medien in Konkurrenz zum Buch treten, ge-winnt die Bewahrung wertvoller Zeugnisse der Buch- und Schriftkultur an Bedeutung. Das 1884 gegrndete und damit lteste Buchmuseum der Welt prsentiert seine reichhaltigen und kost-baren Bestnde, darunter die weltweit grte Sammlung von Wasserzeichenpapieren, einer breiten ffentlichkeit in Sonder- und Daueraus-stellungen.

    Die Deutsche Nationalbibliothek kooperiert mit nationalen und internationalen bibliotheka-rischen Einrichtungen und beteiligt sich an zahl-reichen Projekten. Beispielhaft seien genannt: die Aufstellung gemeinsamer Regeln, Standards und Normen, die kooperative Fhrung von Norm-dateien als Datenbanken, die Definition von Meta datenstandards zur Erschlieung digitaler und digitalisierter Ressourcen, die Entwicklung maschineller Verfahren zur Erschlieung elek-tronischer Publikationen, die Entwicklung von Verfahren der Langzeitarchivierung von Netzpu-blikationen, Untersuchungen ber die Wirksam-keit der Massenentsuerung, die Funktion des Nationalen ISSN-Zentrums fr Deutschland, der Aufbau der Deutschen Digitalen Bibliothek und der Europeana.

    Das Zentrum fr Bucherhaltung (Leipzig), bis 1998 Teil der Deutschen Bcherei, ist seitdem eine selbststndige GmbH, die sich um die Kon-servierung und Restaurierung des Buches als physischen Gegenstand bemht. Zehntausende von Bchern, deren Rohstoffe nicht auf textiler Basis (Hadern), sondern auf der Grundlage von Holzschliff entstanden, sind seit Mitte des 19. Jahrhunderts vom Surezerfall bedroht. Mit

    Das in nur sechs Jahren errichtete, 1997 einge-weihte neue Gebude der Deutschen National-bibliothek in Frankfurt am Main (Hessen, Archi-tekten: Arat, Kaiser, Kaiser) hat eine Hauptnutz-flche von 77.000 qm. Es bietet Platz fr 18 Mio. Publikationen, d.h. bei einem zu erwartenden tglichen Zuwachs von 1.000 Titeln wird die Kapa-zitt bis ins Jahr 2035 ausreichen. Den Besuchern steht ein Lesesaalbereich (3.200 qm) mit 350 Arbeitspltzen und einer Prsenzbibliothek von 100.000 Bnden zur Verfgung.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke.

    Die Staatsbibliothek zu Berlin Preuischer Kulturbesitz

    Die Staatsbibliothek zu Berlin Preuischer Kulturbesitz (SBB-PK) ist neben der Bayerischen Staatsbibliothek die bedeutendste deutsche wissenschaftliche Forschungs- und Informations-bibliothek. Sie ist Teil der Stiftung Preuischer Kulturbesitz, die die Kulturgter des frheren Landes Preuen htet, pflegt und ergnzt und zu den grten Kultureinrichtungen weltweit zhlt. Diese wird zu 75% vom Bund und zu 25% von allen deutschen Lndern finanziert. Die Bibliothek setzt die Tradition der ehemaligen Kniglichen Bibliothek zu Berlin (gegr. 1661) und spteren Preuischen Staatsbibliothek fort, die vor dem Zweiten Weltkrieg eine der grten und bedeutendsten Wissenschaftlichen Universal-bibliotheken Europas gewesen war.

    Kriegsbedingt existierten im Nachkriegs-deutschland zwei Staatsbibliotheken mit Sitz in Berlin. Nach der Wiedervereinigung Deutsch-lands wurden beide Standorte im Ost- und im Westteil der Stadt zum 1. Januar 1992 unter dem Namen Staatsbibliothek zu Berlin Preu-ischer Kulturbesitz in der Trgerschaft der ffentlich-rechtlichen Stiftung Preuischer Kul-turbesitz zu einer Bibliothek in zwei Husern zusammengefhrt.

    Fr die beiden Standorte wurde eine Schwer-punktbildung konzipiert, die sich an den Biblio-theksbestnden orientiert und jngst neu gefasst wurde. Das Haus Unter den Linden, das ber einen vieljhrigen Zeitraum vollstndig saniert und um einen zentralen Lesesaal erweitert wird, der bereits 2012 seine Tren ffnet, versteht

    maschinellen und handwerklichen Methoden werden bedrohte Papiere durch die sog. Papier-spaltung gefestigt und durch Entsuerung halt-bar gemacht. Mikroverfilmung sichert zudem die Texte gefhrdeter Bcher.

    Der im Wesentlichen auf die Pflege der deutschsprachigen Literatur begrenzte Sammel-auftrag unterscheidet die Deutsche National-bibliothek von den Nationalbibliotheken vieler anderer Lnder, die auch die wichtigsten ausln-dischen bzw. fremdsprachigen Publikationen er-werben und dadurch zu groen Universalbiblio-theken mit einem betrchtlichen Bestand an in- und auslndischer Literatur geworden sind. Diese zweite Teilaufgabe einer Nationalbibliothek er-fllen in Deutschland vor allem zwei bedeutende Universalbibliotheken: die Staatsbibliothek zu Berlin Preuischer Kulturbesitz (gegrndet 1661) und die Bayerische Staatsbibliothek in Mnchen (gegrndet 1558). Beide sind aus frstlichen Hofbibliotheken hervorgegangen, ben aber aufgrund ihrer herausragenden Bestnde und ihrer zahlreichen Dienstleistungen ber regionale Funktionen aus. Mit ihren umfas-senden deutschen und internationalen Altbe-stnden, ihren zahlreichen Sonderbestnden und ihrer Teilnahme sowohl am Sondersammelge-bietsprogramm der DFG als auch an der Samm-lung Deutscher Drucke knnen sie als die zentralen oder nationalen Universalbibliotheken bezeichnet werden. Fr die ange wandten Wissenschaften werden sie durch die drei Zen-tralen Fachbibliotheken ergnzt, auf dem Gebiet der vor 1913 erschienenen deutschen Nationalliteratur durch die brigen Bibliotheken

    Das 1970 gegrndete Deutsche Musikarchiv (DMA) der Deutschen Nationalbibliothek ist die zentrale Sammlung von Musikalien und Tontr-gern und das musikbibliografische Informations-zentrum Deutschlands. Ende 2010 verlie das DMA das Herrenhaus Correns (Siemens-Villa) in Berlin-Lankwitz, in dem es seit 1978 unterge-bracht gewesen war, und zog an den DNB-Stand-ort Leipzig. Es besitzt gegenwrtig rund 1 Mio. Medieneinheiten, die im 2011 fertiggestellten Erweiterungsbau untergebracht sind. Ein neuer Lesesaal und ein Tonstudio entstanden ebenfalls.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    sich als historische Forschungsbibliothek und widmet sich der Literatur smtlicher Epochen bis zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Neben den historischen Druckschriften werden hier die materialbezogenen Sonderabteilungen fr Handschriften, Musik, Karten, Kinder- und Jugendbcher sowie Zeitungen konzentriert. Zu-stzlich verfgt der Standort ber eine moderne Restaurierungswerkstatt und ein Digitalisierungs-zentrum. Das Haus Potsdamer Strae wird zur Forschungsbibliothek der Moderne umgewan-delt und die moderne und aktuelle Literatur an-bieten, ergnzt um einen universalen Referenz-bestand zu allen Epochen. Auch die regionalspe-zifischen Sonderabteilungen fr Osteuropa, den Orient und Ostasien haben hier ihren Sitz.

    Die Staatsbibliothek zu Berlin verfgt ber 10,8 Mio. Bnde Monographien, Zeitschriften und Fortsetzungswerke, ber 200.000 seltene Drucke und 4.400 Frhdrucke, 1,8 Mio. spezi-fische Druckwerke in den Sondersammlungen, 1.475 Nachlsse und Archive, knapp 60.000 Handschriften, ber 320.000 Autografen sowie rund 2,7 Mio. Mikroformen. Laufend gehalten werden 360 gedruckte Zeitungen aus aller Welt sowie knapp 27.000 gedruckte internationale Zeitschriften. Die elektronischen Angebote um-fassen 2.836 Datenbanken und 5.380 elektroni-sche Zeitschriften.

    Im System der berregionalen Literatur- und Informationsversorgung nimmt die Staatsbiblio-thek zahlreiche Aufgaben wahr. Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefrderten Programms der berregio-nalen Literaturversorgung betreut sie mehrere Sammelschwerpunkte, darunter Rechtswissen-schaft, Ost- und Sdostasien, Slawische Spra-chen und Literaturen, auslndische Zeitungen und Parlamentsschriften. Im kooperativen Erwer-

    bungsprogramm Sammlung Deutscher Drucke erwirbt sie lckenlos die Druckschriften der Jahre 1871 bis 1912 (fr Landkarten 18011912, fr Musikalien 18011945). Die der Staatsbibliothek angeschlossene Bildagentur fr Kunst, Kultur und Geschichte betreut die Fotosammlungen und Nachlsse zahlreicher Fotografen und besitzt insgesamt mehr als 12 Mio. Bilder.

    Mit ihren bibliografischen Dienstleistungen knpft die Bibliothek teilweise an entsprechende Ttigkeiten der frheren Preuischen Staats-bibliothek an. Sie betreibt die Redaktion der Zeit-schriftendatenbank, den nationalen Nachweis fr 1,5 Mio. Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und in allen Sprachen von 1500 bis heute und weist zu diesen Titeln mehr als 9,4 Mio. Besitznachweise in ca. 4.300 deutschen Biblio-theken nach. Im Bereich der Handschriften und Alten Drucke verantwortet die Staatsbibliothek u.a die nationale Autografen- und Nachlass-datenbank Kalliope und seit mehr als 100 Jahren den gedruckt wie elektronisch vorliegenden weltweiten Gesamtkatalog der Wiegendrucke fr die vor dem Jahr 1500 gedruckten Bcher. Schlielich ist zu erwhnen, dass die Staatsbiblio-thek zu Berlin die Internationale ISBN-Agentur und die Internationale ISMN-Agentur betreibt, die beide der weltweiten Verbreitung der Stan-dard-Nummerierungssysteme fr Bcher und Musikalien dienen.

    33 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, 1978, konnte die damalige Staatsbibliothek Preuischer Kulturbesitz ihre Bestnde zusammenfhren und am Potsdamer Platz in Berlin-Tiergarten (damals Berlin West) ein neues Gebude (Architekt: Hans Scharoun) beziehen. Das Haus Potsdamer Platz der Staatsbibliothek zu Berlin Preuischer Kul-turbesitz fungiert als Ausleih- und Arbeitsbiblio-thek sowie als Informationszentrum und beher-bergt die regionalspezifischen Sonderabteilungen fr Osteuropa, den Orient und Ostasien.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Die Bayerische Staatsbibliothek in Mnchen

    Mit rund 10 Mio. Bnden nationaler und inter-nationaler Literatur ist die Bayerische Staats-bibliothek (BSB) in Mnchen die zweitgrte wissenschaftliche Universalbibliothek der Bun-desrepublik Deutschland und eine der bedeu-tendsten Quellensammlungen der Welt. Sie ist zugleich die zentrale Landesbibliothek des Frei-staates Bayern und die staatliche Fachbehrde fr alle Angelegenheiten des bayerischen Biblio-thekswesens; seit 1663 sammelt sie die in Bayern erscheinenden Pflichtstcke. Dank ihrer 55.000 laufenden Periodika in gedruckter und elektro-nischer Form ist sie nach der British Library die grte Zeitschriftenbibliothek Europas.

    Die 1558 als Herzogliche Hofbibliothek des Hauses Wittelsbach gegrndete, seit 1919 den heutigen Namen tragende Bayerische Staats-bibliothek sammelt Publikationen aller Lnder und Fachrichtungen. Besondere Schwerpunkte bilden Bavarica, Altertumswissenschaften, Geschichte , Musik, der ost- und sdosteurop-ische Raum sowie der Orient und Ostasien. Auf-grund ihrer Tradition und Entwicklung liegt ein besonderer Schwerpunkt auf den Handschriften und den vor 1700 erschienenen Drucken sowie der auslndischen Literatur der Nachkriegszeit.

    Mit 93.000 Handschriften ist die Handschrif-tensammlung eine der grten der Welt. Ebenso bedeutsam ist die Inkunabelsammlung (19.900 Bnde). Da die Bayerische Staatsbibliothek auch

    bei den im deutschen Sprachraum erschienenen Drucken des 16. und 17. Jahrhunderts eine Spit-zenstellung einnimmt, wurde sie federfhrend an entsprechenden nationalbibliografischen Erschlieungsprojekten sowie an der Sammlung Deutscher Drucke (fr den Zeitraum 1450 bis 1600, Notendrucke bis 1800) beteiligt. Auch die BSB bildet eine Sule des DFG-Sondersammelge-bietsprogramms; auer Buch-, Bibliotheks- und Informationswissenschaften, Musik und Ge-schichte werden zahlreiche weitere geistes- und sozialwissenschaftliche Disziplinen von ihr be-treut. Wie sehr die Bibliothek auf dem Sektor der Erwerbung international ausgerichtet ist, lsst sich daran erkennen, dass vier Fnftel aller Buch-kufe im Ausland abgewickelt werden.

    hnlich wie die Staatsbibliothek zu Berlin ist auch die Bayerische Staatsbibliothek in Mnchen an zahlreichen nationalen und internatio nalen Gemeinschaftsprojekten beteiligt. Sie pflegt part-nerschaftliche Beziehungen zu internationalen Gremien und auslndischen Bibliotheken. Die Bayerische Staatsbibliothek unterhlt sowohl das Institut fr Buch- und Handschriftenrestaurierung als auch das Mnchener Digitalisierungszentrum. Sie versteht sich als Schatzhaus des schriftlichen Kulturerbes, als multimedialer Informations-dienstleister fr Forschung und Lehre und als Innovationszentrum fr digitale Informations-technologien und -services.

    Die Zentralen Fachbibliotheken

    Die drei Zentralen Fachbibliotheken in Hannover , Kln und Kiel dienen der berregionalen Lite-raturversorgung in den angewandten Wissen-schaften. Sie ergnzen auf ihren Spezialgebieten, die sie jeweils in groer Breite und Tiefe pflegen, die Deutsche Nationalbibliothek und die beiden zentralen Universalbibliotheken in Berlin und

    Die Bayerische Staatsbibliothek in Mnchen er-hielt erstmals 1843 ein eigenes, nach Plnen Fried-rich von Grtners errichtetes Bibliotheksgebude , das bei seiner Errichtung unter funktionalen Aspekten als bester deutscher Bibliotheksbau galt, mit dem monumentalen Treppenaufgang im In-nern aber auch auf reprsentative Wirkung zielte. Die begrenzte Magazinkapazitt zwingt die BSB, wie viele andere deutsche Bibliotheken, einen groen Teil ihres Bestandes auszulagern.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Mnchen bei der Wahrnehmung nationaler Auf-gaben. Sie sammeln die Verffentlichungen ihrer Fachgebiete mit grtmglicher Vollstndigkeit einschlielich der nichtkonventionellen Literatur und der Non-Book-Medien aller Art und stellen sie fr Zwecke der Information und Dokumenta-tion ebenso zur Verfgung wie fr die Fernleihe und Dokumentlieferung. Aus diesem Grunde ist ihre Finanzierung eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Lndern.

    Die Technische Informationsbibliothek (TIB) in Hannover, 1959 gegrndet, ist die Deutsche Zentrale Fachbibliothek fr Technik sowie Ar-chitektur, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik. Sie ist Teil der nationalen Forschungs-infrastruktur und zugleich die weltweit grte Fachbibliothek in ihren Bereichen sowie einer der leistungsstrksten Dokumentlieferanten. Die TIB hat den Auftrag, vor allem die nationale wie internationale Forschung und Industrie mit Literatur und Information zu versorgen. Als vorrangige Aufgabe sieht sie die auf die Kunden-wnsche zugeschnittene Volltextversorgung via GetInfo, dem Fachportal fr Technik und Naturwissenschaften. Vor aussetzung dafr ist die umfassende Beschaffung und Archivierung konventioneller und auch auerhalb des Buch-handels vertriebener sog. grauer technisch-naturwissenschaftlicher Literatur aus aller Welt. Mit 24.600 laufenden Fachzeitschriften und 6 Mio. Bnden, Mikroformen usw., darunter Konferenzberichte, Forschungsberichte (Reports), Patentschriften, Normen, Standards und Disser-tationen, erfllt die Bibliothek ihre Aufgaben. Die TIB beteiligt sich aktiv an rund 30 Projekten und Kooperatio nen auf nationaler und internati-onaler Ebene (z.B. DataCite ). Die Schwerpunkte ihrer Forschung und Entwicklung liegen insbe-sondere in den Bereichen Visuelle Suche, Visuali-sierung von Daten, Future Internet und Semantic Web.

    Die 1969 gegrndete Deutsche Zentralbiblio-thek fr Medizin (ZBMED) in Kln und einem zweiten Standort in Bonn ist die Zentrale Fachbi-bliothek fr Medizin, Gesundheitswesen, Ernh-rung, Umwelt und Agrarwissenschaften sowie deren Grundlagenwissenschaften und Randge-bieten. Mit mehr als 1,5 Mio. Bnden, 7.300 laufenden Zeitschriften sowie weiteren 7.000 elektronisch verfgbaren Zeitschriften ist sie die grte Bibliothek dieser Fachbereiche in Europa und die zweitgrte medizinische Fachbibliothek der Welt. Sie bietet ihren Kunden neben dem Online-Katalog und einer Literaturdatenbank fr deutsche medizinische Zeitschriftenliteratur (CCMED) die Virtuelle Fachbiblio thek Medizin (MEDPILOT), die in Kooperation mit dem eben-falls in Kln ansssigen Deutschen Institut fr Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) betrieben wird. MEDPILOT gestattet die Parallelsuche in mehr als 40 Literatur- und Faktendatenbanken sowie Katalogen und Ver-zeichnissen mit Online-Zugriff auf die Original-literatur (soweit lizenziert, sonst im Pay-per-view-Verfahren). Auch die Virtuelle Fachbibliothek fr Ernhrung, Umwelt und Agrar (GREENPILOT) bietet den Volltextzugriff und eine Dokumentbe-stellkomponente. Die ZBMED versteht es als ihre Aufgabe, ihre Kunden bei der Entstehung neuer Publikationen zu untersttzen und fhlt sich dabei dem Open-Access-Prinzip verpflichtet. Sie fhrt innovative Projekte durch, z.B. im Bereich der semantischen Indexierung, und ist Anbieter des Open Access-Portals German Medical Science als Online-Plattform fr Fachzeitschrif-ten, Kongress- und Forschungsberichte.

    Die Deutsche Zentralbibliothek fr Medizin in Kln (Nordrhein-Westfalen), deren Vorlufer auf das Jahr 1908 zurckgehen, ist die grte medi-zinische Fachbibliothek Europas. Die frher ber mehrere Etagen eines Klinikgebudes verteilte Bibliothek besitzt seit 1999 ein eigenes Gebude, das inmitten des Klner Universittsklinikums liegt. Die ZBMED-Bereichsbibliothek fr Ernh-rung, Umwelt und Agrar befindet sich in Bonn.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Die Deutsche Zentralbibliothek fr Wirt-schaftswissenschaften Leibniz-Informationszen-trum Wirtschaft (ZBW), auf zwei Einrichtungen in Hamburg und Kiel verteilt, ist die grte wirt-schaftswissenschaftliche Spezialbibliothek der Welt. Sie besitzt nach Integration der Bibliothek des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs zum 1.1.2007 ber vier Mio. Medieneinheiten , darunter umfangreiche Bestnde an Arbeits-papieren , Statistiken, Dissertationen und Konfe-renzbnden. Sie hat 32.000 gedruckte und elektronische Zeitschriften abonniert. Das Sam-melprofil umfasst die Bereiche Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Wirtschaftspraxis. Auf Basis der Literaturbeschaffung wird der 5,2 Mio. Titel umfassende Online-Katalog ECONIS erstellt, in dem auch Aufstze aus Zeitschriften und B-chern nachgewiesen werden. ber den natio-nalen und internationalen Leihverkehr und ber den elektronischen Direktlieferdienst subito werden die Bestnde weltweit zur Verfgung ge-stellt. Zu den weiteren Dienstleistungen der ZBW zhlen die Virtuelle Fachbibliothek EconBiz und die Online-Auskunft EconDesk.

    Landes- und andere Regional bibliotheken

    Die rund 40 Landes- und anderen Regionalbiblio-theken dienen der Literaturversorgung einer Re-gion, die entweder ein ganzes Bundesland oder ein Teil eines Bundeslandes, ein Regierungsbezirk oder eine Stadt mit ihrem Umland sein kann; sie dienen nicht der Literaturversorgung einer Bildungseinrichtung oder sonstigen Institution. Hinsichtlich ihres Ursprungs, ihrer Gre, ihrer Bestandszusammensetzung, ihrer Trgerschaft und besonders auch hinsichtlich ihres Namens unterscheiden sich die Regionalbibliotheken und bilden so eine scheinbar heterogen zusammen-gesetzte Gruppe. Da sie jedoch im Wesentlichen gleiche Funktionen haben, sind sie einem ge-meinsamen Typ zuzuordnen. Handelt es sich um reine Landes- oder Regionalbibliotheken, fhren sie meist, aber keineswegs immer, den Namen Landesbibliothek bzw. Staatliche Bibliothek.

    Von Ausnahmen abgesehen, haben die Re-gionalbibliotheken einen deutlich ausgeprgten universalen Sammelauftrag, auch wenn viele

    Bibliotheken aufgrund ihrer Geschichte den Schwerpunkt in den geistes- und sozialwissen-schaftlichen Fchern haben. Dadurch ist es ihnen mglich, die Menschen ihres Einzugsgebietes, handelt es sich dabei um eine Stadt, eine Region oder ein Bundesland, mit wissenschaftlicher und anderer Literatur zu versorgen. Ihre besonde-re Verpflichtung gehrt jedoch der mglichst vollstndigen Sammlung, Archivierung, Er-schlieung und Bereitstellung der gedruckten Literatur ber die betreffende Region. Whrend die Deutsche Nationalbibliothek das Recht auf Pflichtexemplare aus der gesamten Bundesrepu-blik Deutschland besitzt, haben die Bibliotheken mit regionalen Funktionen dieses Recht fr ihre Region oder ihr Bundesland. Derzeit bemhen sich die regionalen Pflichtexemplarbibliotheken in den einzelnen Lndern um eine gesetzliche Regelung zur Sammlung und Archivierung von Netzpublikationen und Webseiten.

    Das Pflichtexemplarrecht wiederum, das die meisten Regionalbibliotheken ausben, ist die Basis fr die Erstellung und laufende Verffent-lichung einer Landesbibliografie, deren Zweck darin besteht, alle Neuerscheinungen ber ein Land, seine Regionen und Gemeinden und die mit dem Land verbundenen Persnlichkeiten biblio grafisch nachzuweisen. Geschah dies bis-lang in Form einer gedruckten Bibliografie, so

    Die 1792 gegrndete Landesbibliothek Olden-burg (Niedersachsen), eine wissenschaftliche Universalbibliothek mit regionalem Schwerpunkt, erhielt 1987 ihre heutige Unterkunft in einer umgebauten und erweiterten Infanterie-Kaserne. Ihr Bestand von 785.000 Medieneinheiten kommt auch den Angehrigen der 1974 erffneten Uni-versitt Oldenburg zugute.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    hat inzwischen die im Internet recherchierbare Datenbank die Buchausgabe abgelst. Landes-bibliografien gibt es flchendeckend fr die gesamte Bundesrepublik Deutschland.

    Die Erschlieung und Pflege des berlieferten Altbestandes, die Sammlung und Bearbeitung der Nachlsse von Persnlichkeiten des Landes, die Unterhaltung von Literaturarchiven und eine intensive Kultur- und ffentlichkeitsarbeit mit Ausstellungen, Vortrgen, Lesungen, Konzerten usw. sind weitere typische Aufgaben von Lan-des- und Regionalbibliotheken. Dabei werden diese hufig von Bibliotheksgesellschaften und Frdervereinen untersttzt, die durch Mitglieds-beitrge und eingeworbene Spenden dort ein-springen knnen, wo keine Haushaltsmittel zur Verfgung stehen oder unbrokratisches Han-deln erforderlich ist.

    Die meisten Landesbibliotheken sind aus Hof-bibliotheken hervorgegangen; einige verdanken ihre Entstehung der Funktion als Depotbiblio-thek fr Skularisationsgut (Amberg, Bamberg, Passau, Regensburg); andere sind bestandsge-schichtlich eng mit Gymnasialbibliotheken ver-bunden (Coburg, Gotha); nur wenige sind erst im 20. Jahrhundert vom Staat oder einer an-deren Gebietskrperschaft gegrndet worden (Aurich, Koblenz, Speyer). Die zahlenmig stark geschrumpften Wissenschaftlichen Stadt-bibliotheken sind aus Ratsbchereien oder his-torischen Stadtbibliotheken (Lbeck, Nrnberg, Ulm) hervorgegangen; einige entstanden erst im 20. Jahrhundert (ZLB Berlin, Dortmund); einzelne gehen auf aufgehobene Universittsbibliotheken zurck (Mainz, Trier). Beispiele fr die Integration von Stadtbibliothek und Landesbibliothek finden sich in Potsdam und Berlin.

    Aus territorialgeschichtlichen Grnden gibt es in manchen Bundeslndern mehrere, in anderen keine lteren, gewachsenen Landesbibliotheken. In diesen Fllen nehmen Universittsbibliotheken die regionalen Aufgaben zustzlich zu ihrer ei-gentlichen Zweckbestimmung wahr und bringen diese Doppelfunktion auch in ihrem Namen zum Ausdruck. So findet man u.a. die Bezeichnungen Universitts- und Landesbibliothek (Bonn, Darm-stadt, Dsseldorf, Halle, Jena, Mnster, Saarbrk-ken), Staats- und Universittsbibliothek (Bremen, Hamburg) oder Hochschul- und Landesbibliothek

    Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek Nieder-schsische Landesbibliothek in Hannover (Nieder-sachsen) ist ein Zentrum fr die Werke des Univer-salgelehrten. Sie bewahrt den betrchtlichen Nachlass, zu dem auch die 1695 von Leibniz kon-struierte Rechenmaschine fr alle vier Grundre-chenarten gehrt. Die entscheidenden Konstruk-tionselemente blieben bis ins 20. Jahrhundert gltig. Die 15.000 Briefe umfassende Korrespon-denz von Leibniz ist 2007 von der Unesco in das Weltdokumentenerbe Memory of the World aufgenommen worden.

    Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg (Bayern) , 1537 gegrndet, reprsentiert den Typ der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek; fr den Regierungsbezirk Schwaben nimmt sie das Pflichtexem plarrecht und die Aufgaben einer Archiv- und Regionalbibliothek wahr. Das 1893 bezogene neubarocke Bibliotheksgebude mit selbsttragenden Bcherregalen im Magazin galt in seiner Zeit als vorbildlich.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    (Fulda, Wiesbaden). In Rheinland-Pfalz sind seit 2004 die beiden Landesbibliotheken in Koblenz und Speyer zusammen mit der Bibliotheca Bipontina (Zweibrcken) und den fr die ffent-liche Biblio theken zustndigen Bibliotheksfach-stellen in Neustadt/Weinstrae und Koblenz zu einem spartenbergreifenden Landesbibliotheks-zentrum organisatorisch zusammengefhrt.

    In vielen Orten beteiligen sich die Regional-bibliotheken auch an der Literaturversorgung fr Studium, Forschung und Lehre. Sie sind ein-gebunden in die regionalen und berregionalen Strukturen des wissenschaftlichen Bibliothekswe-sens, stellen ihre wissenschaftliche Literatur im Leihverkehr zur Verfgung und sind namentlich wegen ihrer Alt- und Sonderbestnde fr die Forschung interessant. Besonders in Stdten mit neu gegrndeten Universitten (Augsburg, Bamberg, Trier) oder anderen Hochschulen (Zwickau) sowie in Stdten, deren Universitten aus Technischen Hochschulen hervorgegangen sind (Hannover, Karlsruhe, Stuttgart), nehmen die Regionalbibliotheken fr bestimmte Fcher subsidir Aufgaben der universitren Literatur-versorgung wahr.

    Einige ehemalige Hofbibliotheken mit wert-vollem historischen Buchbestand haben sich auf ausgewhlte Gebiete der Geistes- und Kulturge-schichte spezialisiert und verstehen sich heute als Forschungsbibliotheken mit einem ganz eigenen Profil. Die Zuordnung zur aueruniversitren Forschung drckt sich aus in der eigenen wissen-schaftlichen Ttigkeit der Bibliothek und in der Untersttzung der Forschung durch Betreuung

    von Editionen, Vergabe von Stipendien, Ausrich-tung internationaler Kongresse. Zu dieser klei-nen, aber wichtigen Gruppe zhlen die Herzog August Bibliothek in Wolfenbttel, spezialisiert auf die europische Kulturgeschichte der Frhen Neuzeit, und die Herzogin Anna Amalia Biblio-thek in Weimar, die sich intensiv der Klassik als einer herausragenden Epoche der deutschen Literatur widmet. Beide Bibliotheken verfgen ber hervorragende Altbestnde, die dem Wis-senschaftler prsent und weitgehend in systema-tischer Freihandaufstellung angeboten werden, und erwerben ergnzend dazu die aktuelle Sekun drliteratur.

    Die organisatorisch mit der Universittsbiblio-thek Erfurt verbundene Forschungsbibliothek Gotha besitzt einen umfangreichen, zunchst universal ausgerichteten, seit 1850 geisteswis-senschaftlich dominierten Altbestand. Die Haupt-bibliothek der Franckeschen Stiftungen in Halle , die nicht aus einer Regionalbibliothek hervor-ging, sondern 1698 zu Bildungszwecken einge-richtet wurde, gilt als Forschungsbibliothek auf dem Gebiet der Kirchen- und Bildungsgeschichte der Frhen Neuzeit und besitzt entsprechende Sammelschwerpunkte.

    Hochschulbibliotheken

    In der Bundesrepublik Deutschland ist die Unter-haltung von Hochschulen in der Regel Aufgabe der Bundeslnder. Die zuvor dargestellte Drei-teilung der Hochschularten liegt auch der Glie-derung der Hochschulbibliotheken zugrunde. Demzufolge sind zu unterscheiden: Universitts-bibliotheken, Fachhochschulbibliotheken und Bibliotheken der Kunst- und Musikhochschulen ; in Baden-Wrttemberg existieren darber hinaus Bibliotheken der Pdagogischen und der Dua-len Hochschulen. Die Zahl der Hochschulen in Deutschland lag Ende 2010 bei 418 Institutio-

    Die 1698 im Zusammenhang mit der Grndung eines Waisenhauses eingerichtete Bibliothek der Franckeschen Stiftungen in Halle (Sachsen-Anhalt) verfgt seit 1728 ber ein eigenes Bibliotheks-gebude. Hier fanden die Sammlungen in theater-kulissenartig in den Raum gestellten Regalen ihren Platz. Nach der 1998 vollendeten Restaurie-rung prsentiert sich die barocke Kulissenbiblio-thek im Originalzustand des 18. Jahrhunderts.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    nen, darin enthalten sind staatlich, privat und kirchlich getragene Einrichtungen. Einschlielich der Institutsbibliotheken gibt es rund 3.600 Bibliotheken sehr unterschiedlicher Gre. Ge-meinsam bieten sie den mehr als 2,1 Mio. Stu-dierenden ca. 173 Mio. Bcher sowie 2,29 Mio. digitale und 351.000 gedruckte Zeitschriften-abonnements an. Die Erwerbungsmittel addier-ten sich 2010 auf ber 246 Mio. Euro.

    Bibliotheken der Universitten

    Die Bibliotheken der 105 Universitten und gleichgestellten Hochschulen dienen in erster Linie der Literaturversorgung der Hochschul-angehrigen vom Studenten bis zum Professor bei Studium, Forschung und Lehre. Sie bilden damit funktional eine homogene Gruppe, auch wenn sie sich aufgrund ihres Alters und ihrer ge-schichtlichen Entwicklung in der Gre des Be-standes, der Zahl ihrer Benutzer, der Hhe ihres Etats u.s.w. teilweise ganz erheblich voneinander unterscheiden. Alle Universittsbibliotheken knnen aber auch fr wissenschaftliche Zwecke von Nicht-Hochschulangehrigen benutzt wer-den, wenngleich nicht immer kostenlos. Einige haben ausdrcklich darber hinaus regionale Funktionen bernommen, mehrere beteiligen sich am Sammelschwerpunktprogramm der DFG und betreuen ein Sondersammelgebiet. Neben die traditionelle Literaturversorgung mit eigenen Bestnden ist seit Lngerem die Informationsver-mittlung getreten sowie das Angebot an Daten-banken und elektronischen Publikationen im Rahmen der Digitalen Bibliothek.

    Die meisten Universittsbibliotheken knnen ihren Benutzern zwischen 1,5 und 2,5 Mio. Bn-de anbieten. Viele alte Universittsbibliotheken (Freiburg, Heidelberg, Jena, Tbingen) sowie die aus der 1479 gegrndeten Stadtbibliothek her-vorgegangene Staats- und Universittsbibliothek Hamburg, die 1919 wiedergegrndete Univer-sitts- und Stadtbibliothek Kln und einzelne in den 1960er Jahren entstandene Bibliotheken (Bremen, Dsseldorf, Regensburg) haben Bestn-de zwischen 2,5 und drei Mio. Bnden. Zu den grten Einrichtungen mit Bestnden zwischen drei bis vier Mio. Bnden zhlen die Bibliothek der Humboldt-Universitt Berlin, die Universi-

    Die Bibliothek des Historicums, eine Teilbibliothek der Universittsbibliothek Mnchen (Bayern), vereinigt seit ihrer Erffnung 1999 die Bestnde mehrerer zuvor getrennt untergebrachter Insti-tutsbibliotheken unter einem Dach. Den 4.000 Studierenden und 250 Lehrenden der Geschichte, Archologie und Byzantinistik bietet sie 325 Ar-beitspltze und einen Prsenzbestand von 200.000 Bnden.

    ttsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main und die Staats- und Universi-ttsbibliothek Gttingen. Die Bibliotheken der kleinen Hochschulen, besonders jener mit begrenztem Lehrangebot, besitzen deutlich we-niger als eine Mio. Bnde (Hildesheim, Ilmenau, Koblenz/Landau, Lbeck). Die Zeitschriftenabon-nements der meisten Universittsbibliotheken belaufen sich auf 5.000 bis 10.000 Titel. Neben den Kauf gedruckter Zeitschriften ist verstrkt die Lizensierung elektronischer Zeitschriften ge-treten. Diese werden im Rahmen der Elektroni-schen Zeitschriftenbibliothek (EZB) und aufgrund von Nationallizenzen der DFG den Universitts-angehrigen angeboten. Viele Bundeslnder haben Studiengebhren eingefhrt, von denen die Hochschulbibliotheken allerdings nur in sehr unterschiedlichem Umfang profitieren.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Grundstzlich haben die Universittsbibliothe-ken einen universalen Sammelauftrag, d.h. sie bercksichtigen beim Bestandsaufbau auch die Fcher, die an der betreffenden Hochschule nicht gelehrt werden. Seit den 1960er Jahren sind von den Bibliotheken Lehrbuchsammlungen aufge-baut worden, um die Studenten mit aktuellen Lehrbchern beim Studium zu untersttzen. Eine ganze Reihe von Universittsbibliotheken betreut ein Sondersammelgebiet oder mehrere und stellt die mit finanzieller Hilfe der DFG beschaffte Literatur im berregionalen Leihverkehr zur Ver-fgung. Ebenso wichtig wie die Neuerwerbun-gen sind aber auch die Alt- und Sonderbestnde, ber die namentlich die lteren Universittsbib-liotheken verfgen und die Handschriften, Au-tografen, Nachlsse, alte Drucke, Karten, Musi-kalien u.v.m. umfassen knnen. Die Technischen Hochschulbibliotheken besitzen in den Normen und Patentschriften Bestnde besonderer Art.

    In der Struktur der Universittsbibliotheken lassen sich in Deutschland zwei Grundformen unterscheiden, die meist als einschichtiges und zweischichtiges Bibliothekssystem bezeichnet

    An der 1386 gegrndeten ltesten Universitt Deutschlands in Heidelberg (Baden-Wrttemberg) besteht ein zweischichtiges Bibliothekssystem mit einer zentralen Universittsbibliothek und ber 100 Institutsbibliotheken. Zu den weltbekannten Zimelien der Bibliothek gehrt die Groe Heidel-berger Liederhandschrift, der Codex Manesse, mit der populren Miniatur Walthers von der Vogel-weide (Cod. Pal. germ. 848, Fol. 124r).

    werden; der Trend zielt eindeutig auf die Umstel-lung auf Einschichtigkeit.

    An den traditionellen Universitten mit zwei-schichtigem Bibliothekssystem besteht neben der zentralen Universittsbibliothek, die Maga-zin- und Ausleihbibliothek ist, eine Lehrbuch-sammlung unterhlt und Benutzungsdienste wie die Fernleihe und Informationsvermittlung anbietet, eine mehr oder minder groe Zahl von selbststndigen Seminar-, Instituts- und Fakul-ttsbibliotheken, die Prsenzbibliotheken mit sys-tematischer Freihandaufstellung sind. Whrend die Universittsbibliothek die allgemeine, fcher-bergreifende Literatur erwirbt, konzentrieren sich die Institutsbibliotheken, die ber eigene Erwerbungsmittel verfgen, auf die Literatur ihres Faches, insbesondere die hochspezielle For-schungsliteratur. Um die Nachteile dieses Dualis-mus zu mildern und um die seit den Empfeh-lungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Zusammenarbeit ergriffenen Manahmen zu verstrken, sind an vielen Universitten koopera-tive Bibliothekssysteme entstanden. Doch auch dort, wo die Neufassungen der Universittsge-setze den Direktor zum Vorgesetzten aller Mitar-beiter des Bibliothekssystems bestimmen und ein einheitliches Bibliothekssystem vorschreiben , bleibt die praktische Umsetzung der sog. funk-tionalen Einschichtigkeit eine schwierige Aufga-be. Die exorbitanten Preissteigerungen bei den Zeitschriften, die Verfgbarkeit und Verwaltung elektronischer Ressourcen und der Einsatz fach-lich qualifizierten Personals sind Faktoren, die die gegenwrtig zu beobachtenden Tendenzen zur Zentralisierung begnstigen.

    An den neueren, seit den spten 1960er Jahren gegrndeten Universitten mit meist ein-schichtigem Bibliothekssystem gibt es nur noch eine Bibliothek, die beide Funktionen, die der zentralen Universittsbibliothek und die der de-zentralen Institutsbibliotheken bernimmt. Diese

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Der 2006 erffnete Neubau der Universittsbiblio-thek Karlsruhe (Baden-Wrttemberg), von Beginn an als 24-Stunden-Bibliothek konzipiert, bietet den Studierenden und Mitarbeitern des Karlsruher Instituts fr Technologie (KIT), vormals Universitt Karlsruhe, 530 Arbeitspltze. Dass die Bibliothek einen hohen Stand an Automatisierung erreicht hat, zeigen die RFID-Selbstverbuchung, der Rck-gabeautomat mit maschineller Vorsortierung ab-gegebener Bcher, der Fernleihautomat zur Aus-gabe und Rcknahme von Fernleihbestellun gen, der Automat zur Ausgabe und Rcknahme von Garderobenschlsseln und die elektronische Ein-gangskontrolle in den Abend- und Nachtstunden .

    einheitliche Bibliotheksstruktur war auch an den Universitten der DDR eingefhrt und ist nach der Wende fortgefhrt worden, aber aufgrund der fortbestehenden baulichen Probleme nicht berall realisiert. Einschichtige sind gekenn-zeichnet durch die einheitliche Leitung mit Fach-aufsicht und Weisungsbefugnis gegenber dem gesamten Bibliothekspersonal und durch die zentrale Zuweisung und Verteilung der Erwer-bungsmittel. Meist sind alle bibliothekarischen Arbeitsgnge zentralisiert. Die teils ausleihbaren, teils prsent gehaltenen Bestnde sind hufig auf mehrere Teilbibliotheken verteilt, gelegentlich aber auch an einem Ort konzentriert, doch stets in feinsystematischer Ordnung in Freihandberei-chen aufgestellt.

    Bibliotheken der Fachhochschulen und sonstigen Hochschulen

    Die deutschen Fachhochschulen stellen einen relativ jungen, in den westlichen Bundeslndern seit den siebziger Jahren, in den stlichen Bun-deslndern erst nach 1990 entstandenen Hoch-schultyp dar. Sie sind aus frheren Ingenieur-

    schulen und hheren Fachschulen fr Wirtschaft , Sozialarbeit, Gestaltung (Design) und andere Fachgebiete hervorgegangen. 2010 existierten nach Angaben des Wissenschaftsrates in Deutschland 203 Fachhochschulen (ohne Pro-motionsrecht), davon 60 in nichtstaatlicher Trgerschaft. Sie bieten in ihrer Gesamtheit rund 2.300 Bachelor-Studiengnge, 1.250 Master-Stu-diengnge und mehr als 450 weitere Studienan-gebote an. Im Unterschied zu den Universitten haben die Fachhochschulen nicht den Auftrag, eine wissenschaftliche (theoretische) Bildung zu vermitteln; sie sollen vielmehr durch praxisbe-zogene Lehre eine auf wissenschaftlicher Basis beruhende Bildung vermitteln, die zur selbststn-digen Ttigkeit im Beruf befhigt.

    Im Unterschied zu den Universittsbiblio-theken sind die Fachhochschulbibliotheken deshalb keine Universal-, sondern Spezialbiblio-theken, die sich auf die an ihren Einrichtungen gelehrten Fcher konzentrieren. Gem dem beschriebenen Bildungsauftrag der Fachhoch-schulen enthalten die Bibliotheken insbesondere Grundlagenliteratur und Lehrbcher, hufig in groer Exemplarzahl. Ihre Gre schwankt be-trchtlich. In einigen Fllen sind nmlich mehrere Bildungseinrichtungen zu jeweils einer Fachhoch-schule vereinigt worden; die Bibliotheken dieser Hochschulen weisen oft einen Bestand von ber 250.000 Bnden auf und haben bis zu 1.000 Periodika abonniert. In anderen Fllen hingegen sind recht kleine Fachhochschulen mit begrenz-tem Lehrangebot gebildet worden, sodass auch die Bibliotheken nur einen bescheidenen Um-fang haben.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Die Bibliotheken der Kunst- und Musik-hochschulen sind, entsprechend der geringe-ren Bedeutung der Literatur in den musisch-knstlerischen Studiengngen, eher klein; eine absolute Ausnahme bildet die Bibliothek der Universitt der Knste in Berlin (UdK, 300.000 Bnde), die seit 2004 gemeinsam mit der Bi-bliothek der Technischen Universitt in der neu erbauten Volkswagen-Universittsbibliothek untergebracht ist. Bibliotheken unterhalten auch die Verwaltungshochschulen, die in einigen Bun-deslndern etablierten Berufsakademien und die Hochschulen in privater Trgerschaft. Nur noch in Baden-Wrttemberg gibt es eigenstndige Pdagogische Hochschulen mit entsprechenden Bibliotheken; in den brigen Bundeslndern wur-de die Lehrerbildung in die Universitten inte-griert oder die Pdagogischen Hochschulen sind zu Universitten ausgebaut worden.

    Spezial- und Fachbibliotheken

    Die grte und zugleich in sich sehr heterogene Gruppe im Kreis der wissenschaftlichen Biblio-theken bilden die rund 2.700 Spezialbiblio-theken, die ffentliche, kirchliche und private Einrichtungen umfassen. Gemeinsam ist ihnen die Beschrnkung auf ein bestimmtes Fachgebiet und die Bindung an eine Institution, fr deren Literaturversorgung sie ausschlielich oder ber-wiegend zustndig sind. Die Erwerbung neuer Literatur ist in den Spezialbibliotheken ganz auf den aktuellen und praktischen Bedarf der Mitar-beiter der betreffenden Institution ausgerichtet und bercksichtigt besonders auch die auerhalb des Buchhandels erscheinenden Schriften. Weitaus wichtiger als Monografien sind in den Spezial - und Fachbibliotheken Zeitschriften, gedruckte ebenso wie elektronische. Besonders in den naturwissenschaftlich-technisch aus-gerichteten Spezialbibliotheken verdrngt die Vermittlung online verfgbarer Informationen zunehmend die traditionelle Form der Litera-turversorgung; manche Firmenbibliothek greift schon heute ganz oder berwiegend auf elektro-nische Informationsressourcen zurck. Die 1901 erffnete Kekul-Bibliothek der Bayer AG wurde 2005 geschlossen; brig blieb eine virtuelle Werksbibliothek ohne physische Bestnde.

    Die Erschlieung geht oft ber eine formale und sachliche Katalogisierung, wie sie in den wissenschaftlichen Universalbibliotheken ge-pflegt wird, hinaus; sie umfasst eine intensive Dokumentationsttigkeit und das Angebot in-dividueller, auf einzelne Nutzer zugeschnittene Dienste. Spezialbibliotheken sind im Allgemeinen Prsenzbibliotheken, auch wenn sich viele von ihnen am Deutschen Leihverkehr beteiligen. Da sie in der Regel fr eine eng begrenzte Klientel arbeiten, deren Informationsbedrfnisse und Literaturwnsche bekannt sind, ist der Dienstleis-tungsgedanke in den Spezialbibliotheken beson-ders ausgeprgt.

    Innerhalb der groen Zahl der Spezialbiblio-theken bilden die ber 500 Parlaments-, Behr-den- und Gerichtsbibliotheken eine recht homo-gene Gruppierung. Diese meist erst nach 1945 entstandenen Einrichtungen dienen vor allem Zwecken der Verwaltung und Rechtsprechung und sind deshalb spezialisiert auf die Erwerbung juristischer und politischer Literatur. Amtsdruck-schriften und ,graues Schrifttum machen einen groen Teil der Sammlungen aus. Auch sie sind Prsenzbibliotheken und lassen die ffentlichkeit nur in eingeschrnktem Umfang oder gar nicht zu.

    Neben der bereits erwhnten Bibliothek des Deutschen Bundestages (Berlin) und den Biblio-theken der Parlamente und Regierungen der Lnder sind hier die Bibliotheken der Ministerien und der obersten Bundesbehrden zu nennen . Dass sie im Einzelfall einen sehr ansehnlichen Umfang haben knnen, beweisen die Senatsbi-bliothek in Berlin (485.000 Bnde, Bestandteil der Zentral- und Landesbibliothek Berlin), die Bibliotheken des Auswrtigen Amtes in Berlin (310.000 Bnde, 91.000 Karten und Atlan-ten), des Deutschen Patentamtes in Mnchen (970.000 Medieneinheiten einschlielich der Patentschriften, 51 Mio. Patentdokumente) und des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden (550.000 Medieneinheiten).

    Unter den Bibliotheken der Gerichte der Lnder und des Bundes ragen diejenigen des Bundesgerichtshofs (439.000 Bnde) und des Bundesverfassungsgerichts (371.000 Bnde), die beide in Karlsruhe ansssig sind, heraus. Wie in allen Spezialbibliotheken spielen auch in den Ge-richtsbibliotheken neben Bchern und Zeitschrif-

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    ten, neben Mikroformen und elektronischen Medien , andere Literatur- und Mediengattungen eine wichtige Rolle; die Bibliothek des Bundes-verfassungsgerichts beispielsweise pflegt ein Archiv , das ber 1,2 Mio. Presseausschnitte ent-hlt, die entsprechend dokumentiert sind.

    Zu den Spezialbibliotheken im engeren Sinn gehren sowohl die Bibliotheken der For-schungsinstitute des Bundes und der Lnder, der wissenschaftlichen Gesellschaften, der Archive , Museen und Kliniken als auch der kirchlichen Krperschaften und Einrichtungen einschlielich der Klster sowie der Firmen, Verbnde, Vereine und Gesellschaften. Bei aller Unterschiedlichkeit im Einzelfall lsst sich sagen: Sie konzentrieren sich bei der Literaturauswahl auf ihren Sammel-auftrag, erwerben meist einen hohen Anteil an grauer bzw. unkonventioneller Literatur, nutzen besonders intensiv elektronisch verfgbare Res-sourcen, betreiben eine intensive Erschlieung gerade auch von unselbststndig erschienenen Werken, halten ihre Bestnde prsent und ver-zichten auf die dauerhafte Archivierung veralte-ter, nicht mehr genutzter Titel. Der Umfang der Sammlungen differiert gewaltig und reicht von weit ber einer Mio. Bnde bis zu wenigen Tau-send Titeln. Dementsprechend variiert die Zahl der Mitarbeiter; nicht wenige Spezialbibliotheken sind One-Person-Libraries (OPL), d.h. Bibliothe-ken, in denen nur eine einzige bibliothekarische Fachkraft arbeitet. Ein Forum der Zusammenar-beit bietet die Arbeitsgemeinschaft der Spezial-bibliotheken e. V. (ASpB), die Mitglied des Deut-schen Bibliotheksverbandes (Sektion V) ist.

    Aus dem breiten, alle Disziplinen umfassen-den Spektrum der Spezialbibliotheken knnen nur wenige Beispiele angefhrt werden. Zahl-reich vertreten sind die Spezialbibliotheken auf

    Autografen werden traditionell von vielen Wis-senschaftlichen Bibliotheken gesammelt. Die Ab-bildung zeigt Briefe der Dichter Friedrich Schiller, Franz Kafka und Gnter Grass aus dem Besitz des Deutschen Literaturarchivs in Marbach/Ne ckar (Baden-Wrttemberg). Gemeinsam mit dem Schil-ler-Nationalmuseum und dem Literaturmuseum der Moderne verfolgt es das Ziel, die Texte und Dokumente der neueren deutschen Literatur zu sammeln. Die Marbacher Institute sind zugleich Archiv, Bibliothek und Museum.

    Die Deutsche Zentralbibliothek fr Wirtschafts-wissenschaften (ZBW) in Kiel (Schleswig-Holstein) und Hamburg, mit ber vier Mio. Bnden welt-weit die grte Spezialbibliothek fr volkswirt-schaftliche Literatur, bezog 2001 einen Erweite-rungsbau mit 6.400 qm Hauptnutzflche (Archi-tekt: Walter von Lom). Gemeinsam mit dem um die Jahrhundertwende errichteten Altbau des Instituts fr Weltwirtschaft, dem ehemaligen Kruppschen Gstehaus, entstand am Ufer der Kieler Frde ein eindrucksvoller Gebudekom-plex, der Forschungsabteilungen, Bibliothek und Bcher magazin vereinigt.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    dem Gebiet der reinen und angewandten Natur-wissenschaften und der Technik. Exemplarisch seien genannt die Bibliothek des Deutschen Museums in Mnchen, Spezialbibliothek fr Naturwissenschaften und Technik und deren Geschichte (913.000 Medieneinheiten), die Bibliothek des Deutschen Wetterdienstes in Of-fenbach (176.000 Bnde), die Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jlich GmbH, spezia-lisiert auf moderne Technologie (675.000 Me-dieneinheiten, 500.000 Reports), die Bibliothek der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle (266.000 Bnde) und die Bibliothek des international renommierten Ma-thematischen Forschungsinstituts in Oberwolfach (72.000 Bnde ). Fr das Gebiet der Medizin seien stellvertretend genannt die Zentralbiblio-thek des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg (100.000 Medieneinheiten) und die rztliche Zentralbibliothek des Universittsklini-kums Hamburg-Eppendorf (282.000 Medienein-heiten).

    In den besonders auf Literatur angewiesenen Geisteswissenschaften spielen die Spezialbiblio-

    theken ebenfalls eine wichtige, die aueruniver-sitre Forschung untersttzende Rolle. Hier las-sen sich nennen: Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, als parteinahe Einrichtung spezialisiert auf die Geschichte der Sozialdemo-kratischen Partei Deutschlands und der Arbeiter-bewegung (764.000 Bnde), Bibliothek des Ibero-Amerikanischen Instituts in Berlin (1,2 Mio. Bnde), Bibliothek des Germanischen National-museums in Nrnberg, deren Sammelgebiet die Kunst- und Kulturgeschichte abdeckt (630.000 Bnde), Bibliothek des Militrgeschichtlichen Forschungsamtes in Potsdam (250.000 Einhei-ten). Besonders erwhnenswert ist das Deutsche Literaturarchiv in Marbach am Neckar, das als Sammelstelle fr die berlieferung der deutsch-sprachigen Literatur von der Aufklrung bis zur Gegenwart gleichermaen Archiv und Biblio thek ist (780.000 Bnde, 1.200 Autorennachlsse, 200.000 Bilddokumente).

    Auf dem Gebiet der Religion und Theologie sind naturgem die Spezialbibliotheken in kirchlicher Trgerschaft dominant. Sie dienen der wissenschaftlichen Forschung, oft aber auch der kirchlichen Verwaltung und der Theo-logenausbildung. Dazu zhlen auf katholi-scher Seite beispielsweise Klosterbibliotheken (Benediktiner abtei Beuron, 420.000 Bnde) und Dizesan bibliotheken (Erzbischfliche Dizesan- und Dombibliothek in Kln, 695.000 Bnde) sowie die Bibliotheken der Priesterseminare (Bischfliches Priesterseminar Trier, 435.000 Bn-de), auf evangelischer Seite die Bibliotheken der Landeskirchen (Nordelbische Kirchenbibliothek in Hamburg, 155.000 Bnde). Von einer kirchlichen Stiftung brgerlichen Rechts wird die Johannes a Lasco Bibliothek in Emden (98.000 Bnde) getra-gen, eine Spezialbibliothek fr den reformierten

    Die Johannes a Lasco Bibliothek in Emden (Nieder-sachsen), lteste Bibliothek Ostfrieslands, er-wuchs aus der 1559 gegrndeten Bibliothek der evangelisch-reformierten Gemeinde. Seit 1993 ist sie benannt nach dem polnischen Reformator Jan Laski , Superintendent der gesamt-ostfriesischen Kirche.1995 bezog sie die wiederaufgebaute Groe Kirche Emden. Als wissenschaftliche Spe-zialbibliothek, Forschungssttte und kulturelles Zentrum hat sie berregionale Bedeutung. Im Jahr 2001 wurde sie vom DBV zur Bibliothek des Jahres gewhlt.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Protestantismus und die Konfessionsgeschichte der Frhen Neuzeit.

    In den Staats-, Rechts- und Wirtschaftswis-senschaften haben die erwhnten Parlaments-, Behrden- und Gerichtsbibliotheken eine groe Bedeutung. Daneben spielen aber auch die verschiedenen Max-Planck-Institute, die auf einzelne Zweige des Rechts spezialisiert sind und entsprechende Fachbibliotheken unterhalten , eine Rolle; sie sitzen in Freiburg (400.000 Bn-de), Frankfurt am Main (300.000 Bnde), Ham-burg (470.000 Bnde), Heidelberg (600.000 Bnde) und mit zwei Institutionen in Mnchen (205.000 und 110.000 Bnde). Dokumente zum Geld-, Bank- und Brsenwesen sowie zur Kon-junkturpolitik sammelt die Bibliothek der Deut-schen Bundesbank in Frankfurt a. M. (238.000 Medieneinheiten).

    Einige Spezialbibliotheken haben ihren Sitz im Ausland. Es sind dies die Bibliotheken des Deutschen Archologischen Instituts in Athen, Bagdad, Istanbul, Kairo, Lissabon, Madrid, Rom und Teheran, auerdem die Bibliothek des Kunst-historischen Instituts in Florenz (264.000 Bnde, 580.000 Fotos) und die Bibliotheca Hertziana in Rom (271.000 Bnde) sowie die Bibliotheken des Deutschen Historischen Instituts in London, Paris, Rom, Warschau und Washington . Sie pflegen vor allem die Gebiete Archologie , Geschichte, Kunstgeschichte und Orientalistik und leisten ber ihren Sammelauftrag hinaus einen Beitrag zum geistigen Austausch mit dem Gastland. Eher bescheiden (18.000 Bnde) ist die Bibliothek des Deutschen Instituts fr Japan studien in Tokio.

    Die Goethe-Institute unterhalten Spezialbiblio-theken und Lesesle mit Literatur und Medien ber Deutschland und wenden sich an die breite

    ffentlichkeit ihres Gastlandes. Sie wirken eng mit der Sprach- und Programmarbeit der Insti-tute zusammen. Da sie aktuelle Informationen bieten sollen, findet ein kontinuierlicher, wenn auch langsamer Bestandsaustausch statt; eine Archivfunktion besteht nicht. Alle Goethe-Bibliotheken zusammen verfgen ber einen Ge-samtbestand von rund zwei Mio. Bchern und anderen Medien.

    Obwohl mit aktuell 1,4 Mio. Bnden eine der grten Parlamentsbibliotheken der Welt, war die Bibliothek des Deutschen Bundestages seit ihrer Grndung 1949 stets nur in provisorischen Rumen in Bonn untergebracht. Erst nach Ein-zug in das gegenber des Reichstages gelegene Marie-Elisabeth-Lders-Haus in Berlin (Architekt: Stephan Braunfels) im Jahre 2004 fand die Biblio-thek eine adquate Unterbringung. Der in der Ro-tunde platzierte Lesesaal mit umlaufender Galerie umfasst 20.000 Bnde und bietet 50 Pltze, die hnlich wie in einem Parlament halbkreisfrmig angeordnet sind.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    ffentliche Bibliotheken

    Die ffentliche Bibliothek (B) ist in der Bun-desrepublik Deutschland der am hufigsten vertretene Bibliothekstyp: Den rund 3.050 in der HBZ-Adressdatenbank registrierten Wissen-schaftlichen Bibliotheken (Landesbibliotheken, Hochschulbibliotheken, Behrdenbibliotheken und andere wissenschaftliche Spezialbibliothe-ken) stehen 10.021 registrierte ffentliche Biblio-theksstandorte (inkl. Zweigstellen) aller Trger gegenber (Stand: 31.12.2009, DBS). Die deut-schen Stdte, Gemeinden und Kreise unterhalten rund 5.400 kommunale Bibliotheksstandorte (inkl. Zweigstellen) und sind auerdem als Trger fr weitere ca. 2.600 Schulbibliotheken/Me-diotheken verantwortlich. In manchen Bundes-lndern haben die Landkreise Kreisbibliotheken bzw. Kreis- und Stadtbibliotheken eingerichtet (ca. 40). Auf der Ebene der Pfarreien und Kirchen gemeinden unterhalten die Katholische und die Evangelische Kirche ffentliche Bche-reien, zusammen 4.532. Addiert man alle in der Adressendatei des HBZ erfassten Bibliotheksein-richtungen in ffentlicher bzw. kirchlicher und privater Hand zusammen einschlielich der Fahr-, Musik-, Krankenhaus-, Blinden-, Werk- und Gefngnisbibliotheken sowie Artotheken inkl. Zweigstellen, so ergibt sich in Deutschland eine Gesamtzahl von rund 12.500 Bibliotheks-einrichtungen mit haupt- und ehrenamtlicher Leitung, die zur Sparte der ffentlichen Biblio-thek zu zhlen sind.

    Anzumerken ist, dass die Zahl der in der Deut-schen Bibliotheksstatistik erfassten Bibliotheken geringer ist als die Gesamtzahl aller ffentlichen Bibliotheken, da sich nicht alle Bibliotheken an der DBS beteiligen. Zusammen verfgen die

    Im Gebude eines ehemaligen Schlachthofs ent-stand 1998 im sdpflzischen Landau (Rheinland-Pfalz) eine moderne Stadtbibliothek, in der rund 65.000 Medien untergebracht sind. Stahl, Glas, Holz, Ziegel und Sandstein sind die verwendeten Materialien dieser auf einem dreischiffigen Haus im Haus basierenden Bibliothek. Wie in vielen ffentlichen Bibliotheken inzwischen blich, gibt es auch in Landau ein Lesecaf als Treffpunkt und Ort der Kommunikation.

    Die 1999 erffnete neue Zentralbibliothek der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund (Nord-rhein-Westfalen, Architekt: Mario Botta) setzt stdtebauliche Akzente. Vor einem langgezo-genen steinernen Hauptgebude befindet sich eine lichte, glasbesetzte Freihandzone in Form eines Halbkreises (Rotunde). Das Angebot der Bibliothek, die auch eine groe Musikbibliothek, eine Artothek und eine Handschriftenabteilung besitzt, umfasst rund 1,1 Mio. Medien.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    10.021 ffentlichen Bibliotheken ber einen Be-stand von mehr als 123,5 Mio. Medieneinheiten, mit denen im Jahr 2009 rund 370 Mio. Entlei-hungen erzielt wurden.

    Kommunale ffentliche Bibliotheken

    Die 3.427 hauptamtlich geleiteten und 6.594 ehren- und nebenamtlich geleiteten Bibliotheks-standorte (einschlielich Zweigstellen; Stand: 31.12.2009) in kommunaler Trgerschaft, die sich mancherorts Stadt- oder Gemeindebcherei , in der Regel jedoch Stadtbibliothek nennen, bernehmen die Grundversorgung aller Schich-ten der Bevlkerung mit Literatur und anderen Medien. Sie bilden ein recht dichtes, in lndli-chen Regionen allerdings lckenhaftes Biblio-theksnetz, das aufgrund der Finanzprobleme der ffentlichen Trger zunehmend ausgednnt wird: Da die Unterhaltung einer ffentlichen Biblio thek eine freiwillige Aufgabe einer Gemein-de ist, besitzt weniger als die Hlfte der deut-schen Gemeinden eine kommunale Bibliothek. Staatliche Zuschsse zur Einrichtung und Unter-haltung einer Stadt- oder Gemeindebibliothek oder zum Ausbau ihres Buch- und Medienbe-standes vergeben einige wenige Bundeslnder, in den meisten Lndern ist die Finanzierung aus-schlielich Sache der Kommune.

    Die ffentlichen Bibliotheken, gleichgltig in welcher Trgerschaft, leisten fr alle Schichten der Bevlkerung einen wichtigen Beitrag zur Einlsung des allen Brgern verfassungsrechtlich verbrieften Grundrechts, sich aus allgemein zugnglichen Quellen ungehindert zu unter-

    In Deutschland existieren rund 120 Artotheken bzw. Grafotheken in Trgerschaft einer ffent-lichen Bibliothek, einer Volkshochschule oder eines Kunstvereins. Sie dienen nicht nur dem Ver-leih von Bildern und anderen Kunstwerken, son-dern auch der Begegnung mit zeitgenssischen Knstlern und der Vermittlung von Gegenwarts-kunst. Durchschnittlich besitzt eine Artothek 1.500 bis 2.500 ausleihbare Werke, vorwiegend Repro-duktionen, in geringerem Umfang Originale. Das Foto zeigt die Artothek in der Stadtbcherei Bibe-rach an der Ri (Baden-Wrttemberg). Die Biblio-thek wurde aufgrund ihres innovativen Medien- und Dienstleistungskonzepts 2009 als Bibliothek des Jahres ausgezeichnet.

    richten (Grundgesetz Artikel 5, Absatz 1). Sie ffnen damit dem Brger einen Weg zur Teil-nahme am kulturellen und sozialen Leben und realisieren insoweit eine Forderung, der die IFLA in ihrem Public Library Manifesto im Jahre 1994 Ausdruck verliehen hat. Mit ihren Dienst-leistungen und Medienangeboten erfllt die ffentliche Bibliothek einen zentralen Auftrag im Bildungswesen. Zugleich trgt sie wesentlich zur Verwirklichung der Chancengleichheit des Einzelnen bei.

    Neben der Information und Allgemeinbildung dienen die ffentlichen Bibliotheken der beruf-lichen Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie der sinnvollen Gestaltung der Freizeit und im ganz besonderen Mae der Lesefrderung. In der Informationsgesellschaft immer wichtiger wird die Vermittlung von Medien- und Informations-kompetenz. Darber hinaus ist die ffentliche Bibliothek zu einem Ort der Kommunikation geworden, zu einem Treffpunkt, der sich mehr und mehr auch zum kulturellen Zentrum fr Ver-anstaltungen aller Art entwickelt hat.

    In ihrem Bestand fhren die ffentlichen Bibliotheken Sachbcher, zum Teil auch wis-senschaftliche Werke aus allen Bereichen des Wissens, Fachbcher fr die berufliche Bildung, Nachschlagewerke aller Art, Zeitschriften und Zeitungen, belletristische und der Unterhaltung dienende Literatur, Kinder- und Jugendbcher sowie weitere, auf besondere Benutzergruppen zielende Bestnde: dazu zhlen Bcher in den Sprachen der groen in Deutschland lebenden

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Auslndergruppen (Trkisch, Neugriechisch, Rus-sisch u.a.). Das Angebot an gedruckten Werken ist seit den 1970er Jahren laufend erweitert wor-den, zunchst um audiovisuelle Medien (Videos, Sprach- und Musikkassetten) und Spiele, seit den 1990er Jahren um elektronische und digitale Me-dien (Compact Discs, CD-ROMs, DVDs, Blu-rays) sowie um PCs mit ffentlichen Internetzugn-gen; in nicht wenigen Fllen halten Gro- und Mittelstadtbibliotheken auch Werke der Bilden-den Kunst (Artothek, Grafothek) sowie Noten und andere Musikalien (Musikbibliothek) vor. In-zwischen bieten rund 200 ffentliche Bibliothe-ken ber ihre Internetkataloge online ausleihbare Medien (wie e-Books, e-Papers, e-Audios, e-Vide os) an, ein Verleihsystem, das unter dem Begriff ONLEIHE (eine Zusammensetzung von online ausleihen) in kurzer Zeit sehr viele Nutzer unterschiedlichen Alters gefunden hat.

    Die Bestandsgre ist in den einzelnen Bun-deslndern sehr unterschiedlich und reicht von 2.000 Medien in kleinen, meist ehrenamtlich geleiteten Gemeindebchereien bis zu ein bis drei Mio. Medien in einzelnen grostdtischen Bibliothekssystemen (Berlin, Bremen, Duisburg, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Kln, Lbeck, Mnchen u.a.). Die meisten Bibliothe-

    ken in den Grostdten (Orte mit ber 100.000 Einwohnern) knnen ihren Benutzern zwischen 150.000 und einer Mio. Medien anbieten. Die in den Bibliotheksplnen empfohlene Richtgre von zwei Medieneinheiten je Einwohner wird jedoch nur von einem geringen Teil der Biblio-theken erreicht. Pro Kopf der Bevlkerung gaben die Trger ffentlicher Bibliotheken im Jahr 2009 durchschnittlich 1,19 Euro (2001: 1,20 Euro, 2005: 1,09 Euro) fr die Anschaffung neuer B-cher und anderer Medien aus.

    Die typische hauptamtlich-fachlich geleitete ffentliche Bibliothek in Deutschland weist laut DBS fr 2009 im Durchschnitt folgende Kennzei-chen auf:

    400 qm Flche 28.000 ME rund 3,3 Personalstellen einen Einzugsbereich von rund 20.000 Einwohnern

    18 Stunden ffnungszeit pro Woche ein Angebot von 1,4 ME pro Einwohner, 32 Zeitschriftenabonnements, 1 PC mit Inter-netanschluss

    fast jede Woche eine Veranstaltung, vor allem fr Kinder und Schulklassen

    15% der Einwohner als aktive Nutzer (ber-wiegend unter 18 Jahren)

    knapp zwei Drittel der Einwohner, welche die Bibliothek schon einmal besucht haben

    32.000 Besucher pro Jahr Entleihung von 4,5 ME je Einwohner pro Jahr etwa 3,0-facher Umsatz des Bestandes (Aus-leihe/Bestand)

    zu rund 95% ffentlich finanziert am strksten frequentierte Kultureinrichtung in der Kommune

    Je nach Orts- und Bibliotheksgre variieren die wchentlichen ffnungszeiten stark: Whrend die meisten ehren- und nebenamtlich geleiteten Bchereien in kleinen Gemeinden unterhalb von 5.000 Einwohnern oft nur vier bis acht Stunden geffnet haben, bieten hauptamtlich geleiteten Klein- und Mittelstadtbibliotheken bis 50.000 Einwohnern ffnungszeiten zwischen 10 und 25 Stunden an. Die meisten Grostadtbiblio-theken erreichen durchschnittlich mehr als 40 ffnungsstunden pro Woche. Bis auf zahlreiche Bibliotheken in kirchlicher Trgerschaft sind kom-

    Modellhafte Organisation eines ausgebauten grostdti-schen Bibliothekssystems

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Fahrbibliotheken, auch mobile Bibliotheken, Au-tobchereien oder Bcherbusse genannt, werden von rund 3 % der Grostdte und ca. 5 % der Landkreise eingesetzt. Die speziell umgebauten Busse oder Sattelschlepper sind inzwischen meist mit einer EDV-Anlage fr Verbuchung und Me-dienrecherche ausgestattet. Die Fotos zeigen die Bcherbusse der Stadtbibliothek Koblenz (Rhein-land-Pfalz, oben) und der Stadtbcherei Frank-furt a.M. (Hessen, unten).

    munale ffentliche Bibliotheken an Sonntagen geschlossen.

    Charakteristisch fr die ffentliche Bibliothek (B) ist die Darbietung der Bestnde in einer Mischung aus zielgruppenorientierter und sys-tematischer Freihandaufstellung. Die B sieht sich heute als Gebrauchsbibliothek fr alle Be-nutzerschichten, die breitere und bedarfsorien-tierte Book- und Non-Book-Bestnde bereithlt. Der konsequente Ausbau zielgruppenspezifischer Angebote, insbesondere zu Informations-zwecken, hat allerdings in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Die meisten Bibliotheken orientieren sich bei der Erwerbungsauswahl an der aktuellen Nachfrage und sondern nicht mehr benutzte Titel, insbesondere Mehrfachexem-plare, wieder aus. Nur einige Grostadtbiblio-theken sowie Wissenschaftliche Stadtbiblio-the ken besitzen fr Alt- und Sonderbestnde eine Archivfunktion und verfgen ber grere Magazine.

    Zu den Bibliotheken, die nach dem Modell der frheren Einheitsbibliotheken in neuer Form Funktionen einer Wissenschaftlichen und einer ffentlichen Bibliothek wahrnehmen, zhlt die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB). Ihre Besonderheit liegt darin, dass sich diese Einheit in der Bestandsprsentation durch das unmittel-bare Nebeneinander von populren und hoch-wissenschaftlichen Werken ausdrckt. Mit die-sem Konzept konnte die Nutzung innerhalb von zehn Jahren verdoppelt werden. Die ZLB wurde 1995 als Stiftung des ffentlichen Rechts aus der 1901 gegrndeten Berliner Stadtbibliothek und der 1954 erffneten Amerika-Gedenkbibliothek errichtet. Sie ist ein erfolgreiches Beispiel der deutschen Einheit und der Vereinigung Berlins. Die ZLB hat die Funktion einer Landesbibliothek mit regionalem Pflichtexemplarrecht, besitzt historische Bestnde und Nachlsse sowie natr-lich die weltweit grte Berlin-Sammlung. Sie

    trgt mit ihren ber 3,5 Mio. digitalen und ge-druckten Medieneinheiten zur Versorgung der Berliner Bevlkerung mit wissenschaftlicher und anderer Literatur bei und fungiert als koordinie-rende Stelle fr die Berliner Bezirksbibliotheken.

    Die ffentlichen Bibliotheken groer Stdte bilden heute meist ein Bibliothekssystem mit ei-ner Zentralbibliothek und mehreren Zweigstellen in den Stadtteilen. Dazu knnen spezielle rum-lich eigenstndige oder integrierte Einrichtungen kommen wie z.B. Kinder- und Jugendbibliothek, kombinierte Schulbibliothek als Zweigstelle, Musikbibliothek, Artothek und Fahrbibliothek, in einigen wenigen Orten auch eine Patienten-bibliothek in einem Krankenhaus oder eine Gefngnis bibliothek in einer Justizvollzugsan-stalt.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Bundes-land

    Einwohner (31.12.2009)

    Zahl der melden-

    den Biblio-theken (Stand-orte)

    Medien-bestand

    Entlei-hungen

    Ausgaben fr

    Erwerbung ( )

    Veran-staltun-

    gen, Aus-stellun-

    gen, Fh-rungen

    Besuche in Biblio-theken

    Baden-Wrttem-berg

    10.750.000 1.285 17.499.000 62.532.000 17.358.000 32.000 18.347.000

    Bayern 12.520.000 2.031 22.467.000 66.645.000 17.124.000 44.000 25.127.000

    Berlin 3.432.000 70 2.791.000 13.356.000 2.098.000 19.000 5.443.000

    Branden-burg

    2.522.000 301 4.634.000 9.372.000 2.191.000 12.000 2.751.000

    Bremen 662.000 13 693.000 4.209.000 1.085.000 2.000 1.534.000

    Hamburg 1.772.000 40 1.696.000 13.481.000 3.261.000 7.000 2.324.000

    Hessen 6.065.000 777 7.433.000 18.879.000 5.554.000 18.000 6.509.000

    Mecklen-burg-Vor-pommern

    1.664.000 123 2.606.000 5.343.000 1.591.000 5.000 1.684.000

    Niedersach-sen

    7.947.000 1.068 10.758.000 30.216.000 7.648.000 32.000 9.761.000

    Nordrhein-Westfalen

    17.933.000 1.966 24.534.000 77.626.000 22.240.000 62.000 27.055.000

    Rheinland-Pfalz

    4.028.000 828 5.163.000 11.547.000 3.581.000 13.000 3.104.000

    Saarland 1.030.000 131 965.000 1.907.000 643.000 2.000 617.000

    Sachsen 4.193.000 611 8.507.000 22.513.000 4.687.000 18.000 6.754.00

    Sachsen-Anhalt

    2.382.000 307 4.251.000 7.023.000 1.543.000 9.000 2.238.000

    Schleswig-Holstein

    2.834.000 167 5.019.000 17.233.000 5.065.000 7.000 3.395.000

    Thringen 2.268.000 303 4.416.000 7.865.000 1.722.000 9.000 2.835.000

    Bundes-republik Deutsch-land

    82.002.000 10.021 123.432.000 369.747.000 97.391.000 291.000 112.724.000

    Gesamtstatistik ffentlicher Bibliotheken 2009 (kommunale und kirchliche, haupt- und ehrenamtliche gesamt): bersicht nach Lndern soweit der DBS gemeldet. Quelle: Deutsche Bibliotheksstatistik, Stand: 31.12.2009

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Fahrbibliotheken, d.h. Bcherbusse, die auf regelmigen Touren zwischen 3.000 und 6.000 Medien mitfhren, werden nicht nur in den Randbezirken der Grostdte, sondern auch in den dnn besiedelten lndlichen Regionen eingesetzt. Insgesamt 91 mobile Bibliotheken mit rund 110 Fahrzeugen sind als Ersatz oder Ergnzung ortsfester Bibliotheken derzeit in Deutschland im Einsatz. Ihre Benutzungszahlen sind seit Jahren auf hohem Niveau konstant geblieben, whrend die Anzahl an Fahrzeugen kontinuierlich gesunken ist (im Jahr 1995 gab es noch 150 Busse). Ebenso wie in den standortfe-sten Bibliotheken werden auch Fahrbibliotheken zur Lesefrderung aktiv genutzt, indem in ihnen Bibliothekseinfhrungen, unterrichtsbegleitende Lesestunden und themenbezogene Projekte fr Kindergartengruppen und Schulklassen ange-boten werden. Im Bus, der zum vereinbarten Termin vor der Schule oder dem Kindergarten hlt, wird gelernt, vor allem aber vorgelesen und gespielt, erzhlt und gemalt, um die Kinder und Jugendlichen fr Literatur und Lesen, fr Be-schaffung von Information und die Nutzung von Bibliotheken zu begeistern.

    Den (gemeldeten) 3.180 hauptamtlich gelei-teten kommunalen Stadt- und Gemeindebiblio-theken (einschlielich Zweigstellen) stehen 6.594 ehren- oder nebenamtlich geleitete ffentliche Bchereien gegenber, von denen 2.155 in kom-munaler und 4.406 Bchereien in kirchlicher Trgerschaft sind. Nach Angaben der DBS waren 2009 insgesamt 49.772 Personen in den kom-munal und kirchlich getragenen Bchereien

    ehren amtlich ttig, whrend 11.385 hauptamt-liche Personalstellen (in Vollzeitquivalenten) nachgewiesen sind. Von den rund 123,4 Mio. Medieneinheiten Gesamtbestand sind ca. 78% (= 96,1 Mio.) in hauptamtlichen Bibliotheken verfgbar, auf die bundesweit mit ca. 332,8 Mio. rund 90% der rund 369,7 Mio. Entleihungen im Jahr entfallen. Im Jahr 2009 wurden laut DBS rund 97,4 Mio. Euro (2001: 92 Mio. Euro, 2005: 89 Mio. Euro) fr Buch- und Medienerwerb aus-gegeben, wobei der Anteil in den ehrenamtlich geleiteten Bchereien bei ca. 15% der Gesamt-aufwendungen lag. Insgesamt wandten 2009 alle Trger ffentlicher Bibliotheken rund 878,1 Mio. Euro an Sach- und Personalausgaben auf, davon 516,4 Mio. Euro fr Personalkosten. Pro Einwohner der Bundesrepublik Deutschland (81,759 Mio.) stehen in ffentlichen Bibliothe-ken 1,5 Medieneinheiten zur Verfgung, der Ge-samtbestand wird dreimal umgeschlagen.

    Staatliche Fachstellen fr ffentliche Bibliotheken

    Zur Frderung und Beratung kommunaler Biblio-theken haben die Bundeslnder regional oder landesweit zustndige Staatliche Fachstellen fr ffentliche Bibliotheken eingerichtet, die auch Staatliche Bchereistellen, Bchereizentralen oder Landesfachstellen fr ffentliche Bche-reien genannt werden. Erste Grndungen gab es bereits vor und nach dem Ersten Weltkrieg, die meisten entstanden nach 1949. Zwar ist die Un-terhaltung kommunaler Bibliotheken Angelegen-heit der Gemeinden; dennoch haben die Lnder

    Nach ber einhundertjhriger Wanderschaft konnte die Zentralbibliothek der Stadtbchereien Hamm (Nordrhein-Westfalen) 2010 ein ange-messenes Domizil beziehen. Das gegenber vom Bahnhof gebaute Heinrich-von-Kleist-Forum (Architek tur: ap plan Mory, Osterwalder, Vielmo ) beherbergt neben der Bcherei die stdtische Volkshochschule und die private Hochschule fr Logistik der SRH-Stiftung, auerdem einen Veran-staltungssaal und ein Bistro. 240.000 Bcher und andere Medien halten die Zentralbibliothek, die Bezirksbchereien und die Fahrbibliothek fr die 180.000 Einwohner Hamms bereit. Die Stadtb-chereien, deren Zentrale damals noch im alten Gebude untergebracht war, wurden 2005 mit der bundesweiten Auszeichnung Bibliothek des Jahres prmiert.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    wegen ihrer Zustndigkeit fr Kultur und Bildung die Verpflichtung wahrgenommen, den Auf- und Ausbau eines leistungsfhigen Netzes an ffent-lichen Informationseinrichtungen verantwortlich mitzugestalten.

    Aufgabe der heute 27 Staatlichen Fachstellen in der Bundesrepublik Deutschland ist es, die Gemeinden beim Aufbau normengerechter Bibliotheken und bei der Entwicklung leistungs-starker Bibliothekssysteme zu untersttzen, die staatlichen wie kommunalen Behrden in allen Fragen des ffentlichen Bibliothekswesens zu be-raten und bei Bedarf auch bibliothekspraktische Hilfestellung zu leisten. Fachstellen sollen die Grndung neuer und die Erweiterung bestehen-der Bibliotheken initiieren, bei der Einrichtung von Fahrbibliotheken und der Planung von Biblio theksbauten mitwirken, den Einsatz neuer Medien und Technologien forcieren und die Arbeit der Bibliotheken auf den Gebieten der ffentlichkeitsarbeit, der Fortbildung der Mitar-beiter, der Lese- und Literaturfrderung usw. untersttzen. Zugleich sind sie beauftragt, das politische und gesellschaftliche Bewusstsein hinsichtlich der Unverzichtbarkeit ffentlicher Bibliotheken fr die moderne Informationsgesell-schaft zu strken.

    Der Ausgleich regionaler Unterschiede und der Abbau des sog. Stadt-Land-Geflles, das die Menschen in den lndlichen Regionen hin-sichtlich der Informationsmglichkeiten und der Medienversorgung hufig benachteiligt, ist Hauptbestandteil ihres Auftrags. Das von Bun-desland zu Bundesland stark unterschiedliche Dienstleis tungsangebot der Fachstellen kommt deshalb in der Regel besonders den ffentlichen Bibliotheken in kleinen und mittleren Gemeinden sowie den Schulbibliotheken und Bibliothekstr-gern zugute.

    Als wichtigstes bundesweites Gremium ha-ben die Bchereifachstellen im Jahr 1952 eine Arbeits gemeinschaft ins Leben gerufen, die seit 2007 den Namen Fachkonferenz der Biblio-

    Eine umgebaute alte Villa in Verbindung mit einem attraktiven Neubau aus Beton und Glas dient als Domizil der 1995 fertiggestellten Stadt-bcherei Westerstede (Niedersachsen). Auf 550 qm werden rund 25.000 Medien angeboten. Die Kinderbcherei greift mit Leuchtturm und Flo Motive der Nordseekste auf.

    Die zuletzt nicht mehr adquat untergebrachte Stadtbcherei Augsburg (Bayern) erhielt nach einem 2005 erfolgreich durchgesetzten Brgerbe-gehren ein neues Gebude, das 2009 eingeweiht wurde (Architekten: Hans und Stefan Schrammel ). Die auf Transparenz zielende Architektur besticht durch den Einsatz hochmoderner Energiespar-technik, durch das intensive Spiel mit Farben und durch ein auergewhnliches Lichtkonzept: ber Hunderte von Spiegeln wird das Tageslicht ins Innere gelenkt, so dass nach Mglichkeit auf Kunstlicht verzichtet werden kann. Prismenstbe zerlegen das Sonnenlicht in die Spektralfarben und zaubern Regenbogenfarben auf die weien Brstungs wnde.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    theksfachstellen in Deutschland trgt. Das Gremium versteht sich als Forum fr berregio-nalen Erfahrungsaustausch und gemeinsame Interessenvertretung. Neben der regelmig veranstalteten Jahrestagung, gleichfalls Fach-konferenz genannt, die der Fortbildung und der lnderbergreifenden Koordinierung neuer Manahmen und Konzepte dient, erffnet der Fach stellen-Server durch die Prsentation wichtiger Dokumente eine weitere Mglichkeit zur allgemeinen fachlichen Information ber Bibliotheks- und Fachstellenthemen. Angesichts des Fehlens einer zentralen Koordinationsstelle im ffentlichen Bibliothekswesen kommt den Fachstellen und ihren Dienstleistungen in ihrer Gesamtheit eine nationale Bedeutung zu.

    Kirchliche ffentliche Bibliotheken

    Wenn gut die Hlfte aller Gemeinden der Bun-desrepublik Deutschland ber mindestens eine ffentliche Bibliothek verfgen, dann haben daran neben den 5.335 kommunalen auch die 3.701 katholischen, 869 evangelischen und 116 Bibliotheken (Standorte) in sonstiger Trgerschaft einen bedeutenden Anteil. Die kirchlichen Einrichtungen liegen allerdings fast ausnahmslos in den westlichen Bundeslndern. Bei der hohen Zahl kirchlicher Bibliotheken ist zu bercksichtigen, dass diese hinsichtlich des Bestandes, des Erwerbungsetats und der Entlei-hungen weit hinter den kommunalen Einrich-tungen liegen, ebenso bei den ffnungszeiten und Personalaufwendungen. Mehr als 98% aller kirchlichen ffentlichen Bibliotheken werden von ehren amtlichen Krften betreut. Hinsichtlich der Literaturversor gung und Lesefrderung bei Kindern und Jugendlichen und besonders in Ge-meinden ohne kommunal getragene Bibliothek spielen sie eine wichtige Rolle.

    Die Evangelische und die Katholische Kirche verstehen ihre Bchereiarbeit in hohem Mae auch als Teilgebiet kirchlicher Gemeindearbeit sowie als Kulturarbeit. Die kirchliche ffentliche Bibliothek soll ein Ort der Kommunikation und der Orientierungshilfe in Glaubens fragen sein so-wie der praktischen Lesefrderung und Medien-erziehung dienen.

    Unterhaltstrger der kirchlichen ffentlichen Bibliotheken sind in der Regel die katholischen Pfarrgemeinden bzw. die evangelischen Kirchen-gemeinden. Die katholische Bchereiarbeit ist eng mit dem 1844 gegrndeten Borromus-verein (in Bayern mit dem in Mnchen ansssi-gen St. Michaelsbund) verbunden, der in Bonn unter anderem Trger eines Buch- und Medien-versands als auch eines Lektoratsdienstes ist; bis Ende 2003 unterhielt er auch eine staatlich aner kannte Fachhochschule fr das ffentliche Biblio thekswesen sowie eine Zentralbibliothek. Sowohl die Arbeit der kirchlichen Bchereistellen als auch die der kirchlichen ffentlichen Biblio-theken wird von Dachverbnden koordiniert, auf evangelischer Seite von eliport Das evangeli-sche Literaturportal e.V., dem ehemaligen Deut-schen Verband Evangelischer Bchereien (DVEB) in Gttingen, auf katholischer vom Borromus-verein in Bonn, fr Bayern vom St. Michaelsbund in Mnchen. In allen Verbnden sorgen Konfe-renzen mit den jeweiligen kirchlichen Fachstellen fr die Einhaltung bibliothekarischer Standards und fr neue Innovationen.

    Spezielle Bereiche des ffentlichen Bibliothekswesens

    Kinder- und Jugendbibliotheken

    Aufgrund der groen gesellschaftlichen und bildungspolitischen Bedeutung der Bibliotheks-arbeit fr Kinder und Jugendliche Stichworte : Lese frderung, Literaturvermittlung, Medien-kompetenz schenken alle ffentlichen Biblio-theken dieser Zielgruppe ihre besondere Auf-merksamkeit. Kinder und Jugendliche bis etwa 14 Jahre benutzen weitaus strker als irgendeine andere Bevlkerungsgruppe eine Bibliothek und treffen in vielen Stdten auf eine eigene Kinder- und Jugendbibliothek, zumindest aber auf eine entsprechend gestaltete Abteilung oder Zone inner halb der ffentlichen Bibliothek.

    Schon seit geraumer Zeit wird das biblio-thekarische Augenmerk auf die Altersgruppe der Vier- bis Zwlfjhrigen gelegt und fr sie spezielle Kinderbibliotheken oder Kinderabtei-lungen aufgebaut. Waren es zunchst kombi-nierte Kinder- und Jugendbibliotheken, die ein

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Buch- und Medienangebot bis zum Alter von 15 Jahren vorhielten, so geht der Trend der letzten Jahre eindeutig dahin, fr die lteren eigene Jugend bibliotheken bzw. -zonen einzurichten. Gleiches gilt im brigen fr den Kinderbereich. Frei zugnglich finden die jungen Besucher hier neben Bchern und Zeitschriften in zunehmen-dem Mae eigenstndige Zonen mit digitalen Medien aller Art, elektronischen Spielkonsolen, internetfhigen PCs zum Spielen, Chillen und Chatten sowie zum Arbeiten, Lernen und Informieren. Innerhalb der Programm- und ffentlichkeitsarbeit der ffentlichen Bibliothe-ken nehmen Aktionen und Veranstaltungen fr Kinder und Jugendliche einen breiten Raum ein. Im Jahr 2009 wurden deutschlandweit in allen ffentlichen Bibliotheken ber 304.000 Veran-staltungen durchgefhrt, wobei ca. 70% der Aktionen auf die Altersgruppe von 416 Jahren entfallen.

    Trotz der Angebotsbreite fllt es vielen ffent-lichen Bibliotheken heute schwer, gerade Ju-gendliche als Nutzer lnger an die Bibliothek zu binden, vor allem Jungen im Alter von 1316 Jahren. Um sie vermehrt in ihre Einrichtungen zu locken, setzen Bibliotheken auf altersgerechte Medien- und Veranstaltungsangebote sowie auf attraktive Inneneinrichtungen mit ,coolem Design und entsprechend aufflliger Farbgestal-tung. Auch das oft unterbreitete Angebot an die Heranwachsenden, sich an der Auswahl der Medien oder an der Gestaltung der Bibliotheks-rume zu beteiligen, ist eine Chance, das Interesse an der Bibliothek neu zu wecken.

    Die 1948 gegrndete Internationale Jugendbiblio-thek Schlo Blutenburg (IJB) in Mnchen (Bayern ) ist ein einzigartiges Studien- und Informations-zentrum, das auch ein Stipendien- und Veranstal-tungsprogramm anbietet. Der Bestand umfasst rund 520.000 Kinder- und Jugendbcher und andere Medien in mehr als einhundert Sprachen. Mehrere Periodika (IJB-Report, IJB-Bulletin, The White Ravens) und Verzeichnisse (Preis ge-krnte Kinderbcher, Die Besten der Besten) dokumentieren die weltweite Buch- und Medien-produktion fr Kinder und Jugendliche.

    Die rund 12.000 Medien umfassende Kinderbiblio-thek der im Jahre 2000 fertiggestellten Stadt-biblio thek Bernburg/Saale (Sachsen-Anhalt) wurde mit sehr viel Fantasie und Liebe frs Detail als Abenteuerlesezone eingerichtet. In alle Tep-pichbden ist das Bibliothekssignet eingearbeitet. Der Gesamtbestand betrgt ca. 65.000 Medienein-heiten.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Schulbibliotheken

    Der bildungspolitische Auftrag der ffentlichen Bibliothek manifestiert sich besonders deutlich in der Zusammenarbeit mit den Schulen bzw. mit den Schulbibliotheken. Zum Typus der Schulbiblio thek gehren einerseits die schul-eigene Schulbibliothek, oft auch Mediothek genannt, und andererseits die kombinierte Schulbibliothek in Form einer Zweigstelle inner-halb eines stdtischen Bibliothekssystems. Die schuleigene Bibliothek stellt im Vergleich zur kombinierten Schulbibliothek eindeutig die Mehrzahl dar, ist aber im Gegensatz zum zwei-ten Typus nur selten hauptamtlich bzw. fachlich geleitet. Schulbibliotheken stellen fr Lehrer und Schler unterrichtsrelevante Bcher und andere Medien zur Verfgung, sie besitzen aber ebenso populre Kinder- und Jugendbelletristik sowie gedruckte und digitale Nachschlagewerke. ber den Lernort Bibliothek hinaus, der Strategien zur Informationsgewinnung und Medienkompetenz vermitteln will, wollen sie auch Lesemotivation und Lesespa erzeugen.

    Trotz der anerkannten bildungspolitischen Be-deutung der Schulbibliotheken, die im Jahr 2000 durch das Manifest der UNESCO Lehren und Lernen mit der Schulbibliothek noch bekrftigt wurde, ist die Einrichtung, Ausstattung und fach-liche Betreuung von Bibliotheken an vielen Schu-len in Deutschland unbefriedigend. Sofern eine Schule berhaupt eine Bibliothek besitzt, liegt diese meist unterhalb der international blichen Standards. Danach bewertet, verfgen heute 1820 Prozent der rund 43.600 allgemein- und

    berufsbildenden Schulen in Deutschland ber eine Schulbibliothek bzw. Leseecke , das sind ca. 8.500 Einrichtungen. Bestenfalls 2.500 Schulen (5%) haben sachlich adquat ausgestattete Schulbibliotheken, an bibliothekari schem Fach-personal fehlt es jedoch nahezu berall. Die we-sentlichen Ursachen dieser Defizite liegen in den fehlenden bildungspolitischen, institutionellen und rechtlichen Vorgaben und den meist unkla-ren Zustndigkeiten fr Schul bibliotheken.

    Besonders kritisch sieht die Situation in den Grund-, Haupt- und Realschulen aus, in denen nur selten schuleigene bzw. kombinierte Schul-bibliotheken vorhanden sind. Allenfalls im Be-reich der Gymnasien kann von einer ausreichen-den Anzahl von Schulbibliotheken gesprochen werden. Nur in wenigen Fllen, vor allem in neu erbauten Gymnasien, Gesamt- und Ganztags-schulen, werden die geforderten Richtwerte fr Flchenbedarf und Medienausstattung erreicht.

    Das schlechte Ergebnis der deutschen Schler im internationalen Schler-Leistungsvergleich (PISA-Studien 2000 und 2010 der OECD Pro-gramme for International Student Assessment) machte die eklatante Vernachlssigung der Schulbibliotheken durch die politisch Verant-wortlichen fr jedermann deutlich; inzwischen vollzieht sich auch hier ein langsamer Wandel mit mancherorts positiven, jedoch nicht flchen-deckenden Auswirkungen. Laut PISA 2010 liegt trotz vieler Anstrengungen die Industrie- und Bildungsnation Deutschland im Vergleich mit 65 anderen Staaten weltweit bei der Lesefhig-keit und dem Textverstndnis von 15-Jhrigen weiter hin nur im Mittelfeld. Die Lesefhigkeiten dieser Altersgruppe haben sich gegenber dem Jahr 2000 um 13 auf 497 Punkte verbessert. Die Schulbibliothek bzw. Schulmediothek ist auch

    im Betrieb einer Ganztagsschule ein wesentli-cher Baustein. Fr den Fachunterricht bietet sie ein systematisch erschlossenes Medienangebot, das angepasst an die Lehrplne Fachwissen und Medienkompetenz vermittelt. Als Lernort fr auerunter richtliche Projektgruppen und Arbeits-gemeinschaften oder zur Vorbereitung auf Un-terricht, Prfungen und selbststndiges Lernen ermglicht sie gute Arbeitsbedingungen. In der Mittagszeit entstehen Freizeiten, die die Schler in der Bibliothek anregend und entspannend nutzen knnen wie hier im Selbstlernzentrum der Schulmediothek der CJD Christophorusschule in Knigswinter (Nordrhein-Westfalen), die auf 460 qm Flche auf zwei Ebenen rund 15.000 Medien bereithlt.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Insgesamt ist der Abstand zu den Spitzenlndern weiter enorm. Schler in Sdkorea (539 Punkte), Finnland (536) und Japan (520) haben gegen-ber deutschen Neuntklsslern einen Vorsprung von nahezu zwei Schuljahren. Weitere staatliche Frdermanahmen des Bundes und der Lnder im Bereich der Schulen und der anderen au-erschulischen Bildungsreinrichtungen wie Kin-dergarten, Bibliotheken und Volkshochschulen sind dringend erforderlich, wie Pdagogen und Bildungspolitiker fordern.

    Knapp ein Drittel der Schulbibliotheken in den Lndern werden von der lokalen ffentlichen Biblio thek als kombinierte, ffentlich zugngli-che Zweigstelle innerhalb eines Schulzentrums mitbetreut, mehr als zwei Drittel stehen in alleini ger Verantwortung und Finanzierung der Schule und ihres kommunalen Trgers. Inzwi-schen werden vielfltige Formen der Zusam-menarbeit zwischen Stadtbibliothek, Schule und Schulbibliothek praktiziert, wie die Bertelsmann Stiftung in einem mehrjhrigen Projekt Biblio-thek und Schule belegen konnte. In manchen Grostdten sind schulbibliothekarische Arbeits-stellen als Abteilungen von Grostadtbibliothe-ken, Landkreisen oder von Bibliotheksfachstellen (Flensburg, Frankfurt am Main, Hamburg, Kln, Wiesbaden, Wetzlar) eingerichtet worden. An-gesichts der zunehmenden Bedeutung des Inter-nets und digitaler Medien im Unterricht hat sich auch die Zusammenarbeit mit den Kreis- und Stadtbildstellen bzw. den Landesmedienzentren intensiviert.

    Spezielle Frderprogramme, die teils von Bund und Lndern finanziert, teils von Wirt-schaftsunternehmen gesponsert wurden, be-schleunigten die Ausstattung mit PCs und Inter-netzugngen in Schulen und Schulbibliotheken. Eine erkennbare Fortentwicklung der Schulbi-bliothekssituation ist nach 2002 eingetreten, als die Lnder mit Hilfe von Bundeszuschssen den Ausbau von Ganztagsschulen vorantrieben und dabei auch Schulbibliotheken mit dem Ziel einer verbesserten Lesefrderung in den Mittelpunkt rckten. Die Landesverbnde des dbv haben in-zwischen durch Kooperationsvereinbarungen mit den Bildungsministerien in neun Bundeslndern die Zusammenarbeit zwischen ffentlicher Biblio thek und (Ganztags-)Schule auf eine ver-

    bindlichere Basis stellen knnen und damit die politische Diskussion ber die Bedeutung von Bibliotheksarbeit sowie Lese- und Medienkom-petenz befrdert. Rund sechs Mrd. Euro Bundes-mittel, die in den Jahren 2004 bis 2007 ber das Programm Initiative Bildung und Betreuung (IZBB) den Lndern zugutekamen, sorgten fr positive Impulse. Viele Fachleute beklagen jedoch, dass mit der 2006 erfolgten nderung des Grundgesetzes im Rahmen der Fderalismus-reform weitere kultur- und bildungspolitisch ausgerichtete Frderprogramme des Bundes zu-gunsten der Lnder und Kommunen nicht mehr zulssig sind.

    Bibliotheksarbeit fr besondere Benutzergruppen

    Die Bibliotheksarbeit fr besondere Benutzer-gruppen, gelegentlich noch als Soziale Biblio-theksarbeit oder heute hufiger als zielgruppen-orientierte Bibliotheksarbeit bezeichnet, wendet sich mit gezielten Angeboten an Menschen, die in spezifischer Weise benachteiligt sind oder sich in besonderen Lebenssituationen befinden. Sie zhlt zu den bibliothekarischen Arbeitsbereichen, die seit Beginn der 1990er Jahre von den Einspa-rungen der ffentlichen und kirchlichen Trger besonders hart getroffen worden sind. Dank der Aufwertung interkultureller und demografischer Themen in der Politik gewinnt dieser Sektor jngst wieder an Bedeutung. Viele Fachleute fordern inzwischen, die wachsende gesellschafts- und sozialpolitische Akzeptanz dieser Form von Bibliotheksarbeit durch eine verbesserte Finanz-frderung flchendeckend zu forcieren. Wurde zunchst ein Bcherdienst auf Rdern mit Buchlieferungen fr Behinderte nach Hause oder ans Krankenbett im engeren Sinne darunter verstanden, spter kamen Gefngnisinsassen in Jus tizvollzugsanstalten hinzu, so erweitern sich heute Begriff und Aufgabenfeld der zielgruppen-orientierten Bibliotheksarbeit deutlich: Zu den Menschen in besonderen Lebenssituationen zhlen zunehmend auch Senioren, sozial und krperlich Benachteiligte und Menschen mit Mi-grationshintergrund, denen bibliothekarische Dienste und Medienangebote zu unterbreiten sind.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Fr die Literatur- und Informationsversorgung stehen den rund 164.000 erblindeten und den rund einer Million sehbehinderten Menschen in Deutschland knapp ein Dutzend, meist pri-vatrechtlich auf Vereinsbasis organisierte Blin-denbibliotheken zur Verfgung. Zusammen mit einigen Vereinen produzieren und verleihen sie Bcher, Zeitschriften und Texte im Audio- und Punktschriftformat (Braille-Schrift). Ihr Gesamt-bestand umfasst rund 230.000 Tontrger (Hr-bcher und Hrzeitschriften als Audiokassette oder Compact Disc im DAISY-Format) und ca. 160.000 Bcher, Zeitschriften und Noten in Punktschrift. DAISY ist der Name eines weltwei-ten Standards fr navigierbare und barrierefrei zugngliche Multimedia-Dokumente, er steht fr Digital Accessible Information System. Die berwiegende Ausleihmodalitt ist der fr Blinde nach wie vor kostenfreie Postversand (Blinden sendung). Das Angebot der Blindenbi-bliotheken wird durch kirchliche Einrichtungen, Blindenabteilungen einzelner Grostadtbibliothe-ken, digi tale Schrift-Sprach-Wandler (z.B. in der Deutschen Nationalbibliothek) und andere Mg-lichkeiten ergnzt. Im deutschsprachigen Raum haben die Bibliotheken und Vereine sich zur Mediengesellschaft fr blinde und sehbehinderte Menschen (Medibus) zusammengeschlossen.

    Im Jahr 2009 wurden von rund 2.090 Krankenhusern und Kliniken in Deutschland ca. 33% vom Staat, 39% von freigemeinnt-zigen Trgern und 28% von privaten Unterneh-men betrieben; die Zahl der privaten getragenen Kliniken wchst. Von diesen besitzen laut DBS 287 (ca. 14%) eine Patientenbibliothek, die den Kranken fr die Zeit ihres Klinikaufenthaltes , aber auch dem Krankenhauspersonal Literatur und andere Medien anbietet. Die Bibliotheks-

    bestnde, im Durchschnitt 6.000 bis 8.000 Me-dieneinheiten sowie die Dienstleistungen des Personals sollen dazu beitragen, im Sinne einer ganzheitlichen Versorgung die Genesung der Pa-tienten zu frdern und die Informationswnsche im Umfeld von Erkrankungen zu decken. Die Richtlinien fr Patientenbibliotheken bilden eine wichtige fachliche Basis fr die bibliotheka-rische Ttigkeit im Krankenhaus. Angesichts der eingefhrten gesetzlichen Manahmen zur Qualittssicherung und der damit verbundenen Zertifizierung der Krankenhuser verstehen sich die Patientenbibliotheken als ein wichtiges Qua-littskriterium.

    Von den Patientenbibliotheken, die aus-nahmslos zum Bereich der ffentlichen Biblio-theken gehren, sind die medizinischen Fach-bibliotheken zu unterscheiden; sie stehen den Klinikrzten und dem Pflegepersonal als wissen-schaftliche Spezialbibliotheken zur Verfgung. Fr sie wurden 2004 Standards fr Kranken-hausbibliotheken in Deutschland erarbeitet, in denen Auftrag, rumliche, finanzielle und personelle Ausstattung und weitere Ressourcen beschrieben werden.

    Kleine, durchschnittlich rund 2.500 Medien-einheiten umfassende Gefngnisbibliotheken (auch Gefangenenbibliotheken genannt) gibt es in vielen der rund 220 Justizvollzugsanstalten, die in Deutschland in den Zustndigkeitsbereich der Bundeslnder fallen. Sie dienen der Un-terhaltung, Freizeitgestaltung und der Weiter-bildung und sollen nach der Haftentlassung

    Wie viele andere ffentliche Bibliotheken hat auch die Zentralbibliothek der Stadtbibliothek Bremen in ihren Rumen unterschiedlich gestal-tete Zonen fr ihre speziellen Benutzergruppen eingerichtet. Die Jugendbibliothek Teen-Spirit wurde mit Untersttzung von jugendlichen Fokus-gruppen genau auf die Zielgruppe zugeschnitten. Mit einem besonderen Regalsystem der ekz und mit peppigen Sondermbeln wurde ein Ambiente geschaffen, das zum Verweilen, aber auch zum coolen Stbern an den acht PC- und Internet-stationen oder zur Beschftigung mit angesagten Computerspielen an elf Multimedia-PCs einldt.

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    eine Integration in die Arbeits- und Alltagswelt erleichtern. Wie wichtig sie fr Gefangene sind, zeigt die hohe Inanspruchnahme von durch-schnittlich rund 70% der Insassen. Nur in weni-gen Bundeslndern wird bibliothekarisches Fach-personal eingesetzt, das von Gefangenen unter-sttzt wird. Der fachliche Austausch unter den Gefangenenbchereien findet in der Sektion 8 des dbv statt. In Nordrhein-Westfalen besteht in den Gefngnissen Mnster und in Kln je eine spezielle Fachstelle fr Gefangenenbcherei, in Hamburg ist die die Fachstelle der Bcher-hallen fr die JVA-Bibliothek zustndig. Im Jahr 2007 wurde die Bibliothek der JVA Mnster als Biblio thek des Jahres ausgezeichnet.

    Weitere Bibliotheken

    Neben den genannten gibt es weitere Bibliothe-ken, die in ihrer Funktion ffentlichen Biblio-theken durchaus vergleichbar sind, aber nur einem eingeschrnkten Benutzerkreis offenste-hen. So unterhlt beispielsweise die Bundeswehr neben den militrischen Spezialbibliotheken auch zahlreiche kleinere Truppenbchereien, die der allgemeinen Bildung und Unterhaltung der Soldaten dienen und deshalb besonders auch Tontrger und DVDs anbieten. Nur Firmen-angehrige haben Zugang zu den in ihrer An-zahl sinkenden, bundesweit heute noch rund 1520 Werksbibliotheken, die im Dienste der Information , der beruflichen Ausbildung und Fortbildung, der allgemeinen Weiterbildung und der Freizeitgestaltung stehen. Sie unterscheiden sich damit deutlich von den firmeneigenen Fach-

    bibliotheken, die der Forschung und Entwicklung dienen und zum Typus der Spezialbibliotheken gehren.

    Einrichtungen der Informationsinfrastruktur

    Mit dem Programm der Bundesregierung zur Frderung von Information und Dokumentation 19741977 (IuD-Programm) begann in Deutsch-land erstmals der planvolle Ausbau eines Netzes von Informations- und Dokumentationseinrich-tungen. Da die Fachinformation grundstzlich als Wirtschaftszweig angesehen wird, der sich auf dem Markt zu behaupten hat, verstanden sich das erste und noch deutlicher die folgenden IuD-Programme eher als Beitrag zur Wirtschafts-frderung als zur Wissenschaftsfrderung. Der Schwerpunkt der Programme lag daher von vorneherein auf dem Gebiet der Natur- und In-genieurwissenschaften.

    Das wichtigste, auch die Bibliotheken be-rhrende Ergebnis des IuD-Programms war die Bildung der Fachinformationssysteme (FIS) mit Fachinformationszentren (FIZ) durch die Zusam-menfassung bereits bestehender Einrichtungen. Der Aufbau fachspezifischer Datenbanken und das vermehrte Angebot an Literaturnachweisen fhrten zu einer steigenden Nachfrage nach Fachliteratur, besonders nach Zeitschriftenauf-stzen. Die Aufgabe, die von den Fachinfor-mationszentren nachgewiesenen Dokumente bereitzustellen, fiel anfangs vor allem den Zen-tralen Fachbibliotheken zu, wird heute unter Nutzung elektronischer Vertriebswege teilweise auch durch die Fachinformationszentren selbst erledigt. Da die Fachinformation eine Ware ist, sind alle angebotenen Dienstleistungen, von der

    Ein heute ganz selten gewordenes Beispiel fr eine Werkbcherei findet sich in Burghausen (Bayern). Dort unterhlt die Wacker Chemie AG fr ihre 10.000 Beschftigten und deren Angeh-rige eine Belegschaftsbibliothek mit rund 40.000 Medien. Die 1921 von Firmengrnder Alexander Wacker zur Belehrung und Unterhaltung gestiftete Bcherei hat 19 Stunden pro Woche geffnet, beschftigt drei Mitarbeiterinnen und verzeichnet 120.000 Ausleihen im Jahr (2009).

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    BIBLIOTHEKSVIELFALT

    Recherche bis zur Dokumentlieferung, entgelt-pflichtig.

    Eine wichtige Schnittstelle zwischen den unterschiedlichen Informationsspezialisten in Bi-bliotheken und Dokumentationsstellen spielt als Verband die 1948 gegrndete Deutsche Gesell-schaft fr Informationswissenschaft und Infor-mationspraxis e.V. (DGI), die mit ihrer Arbeit die Perspektiven der Informationsdienstleistung und neue Wege des Wissensmanagements aufzeigt.

    Beispiel fr ein renommiertes Institut ist das 1977 gegrndete FIZ Karlsruhe Leibniz-Institut fr Informationsinfrastruktur. Es ist eine gemein-ntzige Gesellschaft, die in ffentlichem Auftrag weltweit publizierte wissenschaftliche Infor-mation zugnglich macht und entsprechende Dienstleistungen zur Verfgung stellt. Ihre Auf-gabe ist es, den nationalen und internationalen Wissenstransfer und die Innovationsfrderung zu untersttzen.

    Seit 1983 betreibt das FIZ Karlsruhe als Haupt-geschftsfeld den Host STN International (Scientific and Technical Information Network) in Europa. STN International ist heute einer der weltweit fhrenden Online-Dienste fr Forschungs- und Patentinformation: 200 Litera-tur- und Faktendatenbanken mit rund 800 Mio. strukturierten Dokumentationseinheiten stehen zum Abruf ber Online-Netze bereit. Dabei werden alle Teilgebiete von Naturwissenschaft und Technik sowie die internationale Patentin-formation bercksichtigt. In Kooperation mit bibliothekarischen Partnern, darunter auch den Deutschen Zentralen Fach bibliotheken, beschafft das FIZ fr seine Kunden die gewnschten Pri-mrquellen. Mit KnowEsis bietet FIZ Karlsruhe eine innovative E-Science-Lsung zur disziplin-unabhngigen Untersttzung des gesamten Forschungsprozesses (von der Idee bis hin zur Publikation) an.

    Durch die Grndung von Informationsver-bnden wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein weiterer Anlauf zur Verbesserung der Koope-ration, insbesondere zwischen den Fachinfor-mationszentren und den Zentralen Fachbiblio-theken, unternommen. Die Initiative ging vom Strategischen Positionspapier des BMBF aus, das 2002 unter dem Titel Information ver-netzen Wissen aktivieren publiziert wurde.

    In diesen Informationsverbnden kooperieren Daten bankanbieter, Bibliotheken und For-schungseinrichtungen eines Fachgebietes, um gemeinsam Dienstleistungen zur Literatur- und Informationsversorgung fr dieses Fach auf-bauen und betreiben zu knnen. Als Anbieter fr die professionelle Versorgung mit wissen-schaftlichen Volltexten, auch solcher aus dem Angebot kommerzieller Verlage, bieten die Infor-mationsverbnde ihren Kunden die Mglichkeit, Materialien per Subskription zu bestellen oder im Pay-per-view-Verfahren zu nutzen. Bisher sind neben dem FIZ Karlsruhe und DIMDI (Kln) weitere Einrichtungen zu den Fchern Technik (Frankfurt am Main), Chemie (Berlin), Raum und Bau (Stuttgart), Agrarwesen (Bonn), Recht sowie Psychologie (beide Saarbrcken) als Informati-onsverbnde entstanden, die gemeinsam mit den Virtuellen Fachbibliotheken und der Elektro-nischen Zeitschriftenbibliothek den Nukleus eines nationalen Wissenschaftsportals bilden.

    Die Landschaft der Fachinformation in Deutschland bleibt weiter im Umbruch. 2009 beauftragte die Gemeinsame Wissenschaftskon-ferenz des Bundes und der Lnder (GWK) die Leibniz-Gemeinschaft mit der Erarbeitung eines Konzeptes zur Fachinformationsinfrastruktur. Hierin wurde vorgeschlagen, unter Einbeziehung aller wichtigen Akteure ein umfassendes Kon-zept einschlielich eines Strukturvorschlags fr Deutschland zu entwerfen. Die GWK hat darauf-hin der Leibniz-Gemeinschaft im Oktober 2009 den Auftrag erteilt, unter ihrer Federfhrung ein solches nationales Gesamtkonzept fr die Informationsinfrastruktur zu erarbeiten und im Frhjahr 2011 vorzulegen.

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    Im Aufgabengebiet des Fachangestellten fr Me-dien- und Informationsdienste (FAMI) spielt die Verbuchung und Rcknahme von Bchern und an-deren Medien eine zentrale Rolle. Das Foto zeigt die moderne Ausleihtheke der Zentrale der Stadt-bchereien Dsseldorf (Nordrhein-Westfalen). Rumlich in den Thekenbereich integriert sind hufig auch der Informationsdienst, die Beratung und Anmeldung der Benutzer Arbeitsbereiche, die teilweise von FAMIs, bei komplexen Anfragen von bibliothekarischen Fachkrften ausgebt werden.

    4 BERUFE UND VERBNDE

    Organisation(en) des Bibliotheks-wesens

    Bibliothekarische Berufe

    Bibliothekarinnen und Bibliothekare sind Fach-leute fr den Transfer von gespeicherten Infor-mationen aller Art und fr den Umgang mit dem wichtigen Rohstoff Wissen, unabhngig davon, ob sie in einer Universittsbibliothek, Schulbibliothek oder der Fachbibliothek eines Wirtschaftsunternehmens ttig sind. Ihr Aufga-benfeld des Sammelns, Verwaltens, Erschlieens und Vermittelns von Bchern und anderen Medien macht sie zu professionellen Partnern im Medien- und Informationsbereich. Bereits heute, und zuknftig sicher noch verstrkt, sind sie Navigatoren in Datennetzen, erschlieen und sichern Qualitt und Relevanz elektronischer Informatio nen.

    In Deutschland hat sich das Spektrum biblio-thekarischer Arbeit mit den gewandelten Anfor-derungen an Bibliotheken erheblich ausgeweitet, und dies nicht nur wegen der rasanten Entwick-lung der Informations- und Kommunikations-technik. Die Erwartungen, die heute Bibliotheks-benutzer an die Vermittlung der Medien und an Auskunfts- und Informationsdienste stellen , unterscheiden sich sprbar von den Fragestellun-gen und Bedrfnissen der Menschen vor zwan-

    zig oder dreiig Jahren. Diese Erwartungshaltung resultiert sicher aus dem gewachsenen demo-kratischen Selbstbewusstsein der Brger, die mit Recht fordern, dass die Bibliothek von heute eine kundenfreundliche, kompetente und zeitgem ausgestattete Service-Einrichtung ist.

    Die Berufe im Bereich von Information, Litera-tur und modernen Medien haben in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung und Breite gewon-nen. Neben Bibliothekare sind Dokumentare, Informationswirte, Archivare, Fachangestellte fr Medien- und Informationsdienste sowie sog. Information Broker getreten, allesamt Berufe der Informationsbranche, deren Aufgabenfelder sich mehr und mehr annhern, auch wenn Unter-schiede bleiben: Whrend Information Broker mit der Ware Information handeln und sie ber Datennetze fr kommerzielle Zwecke beschaffen, sorgen Dokumentare in Dokumen-tationsstellen fr eine optimale Erschlieung und aktuelle Information ber Daten aus Wirtschaft, Forschung und Technik; Archivare sind in den meist kommunalen und staatlichen Archiven mit der Sicherung und Erschlieung von Zeugnissen und Quellen aus Vergangenheit und Gegenwart beschftigt und Fach angestellte fr Medien- und Informationsdienste werden sparten- und berufsbergreifend mit Assistenzfunktion in Bibliotheken, Bildagenturen, Archiven und Doku-mentationsstellen eingesetzt. Zwischen diesen vier Berufsgruppen bilden Bibliothekare und Informationswirte (inzwischen mit Bachelor- und Master-Abschlssen) in den unterschiedlichen Biblio thekstypen mit ihren Medienbestnden und Dienstleistungsangeboten eine unentbehrliche Klammer.

    Insgesamt sind heute in Deutschland ber 23.200 ausgebildete Fachkrfte im weiteren Um-feld von Bibliotheken und hnlichen Einrichtun-Aus urheberrechtlichen Grnden kann das Bild an dieser Stelle nicht

    verffentlicht werden.

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    BERUFE UND VERBNDE

    gen hauptamtlich ttig. Hinzu kommen weitere rund 50.000 Personen, die als ehren- oder neben amtliche Krfte in kleineren ffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken kommunaler und kirchlicher Trger arbeiten und ihre prakti-schen Fertigkeiten zur Organisation von Biblio-theken durch spezifische Fortbildungskurse und Lehrgnge bei den Bibliotheksfachstellen der Lnder und der Kirchen erworben haben.

    Die rasche Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie und der Wandel zur Informations- und Dienstleistungsgesellschaft hat die bibliothekarische Berufslandschaft nicht nur hierzulande umfassend verndert. Der Wandel geht einher mit der sprbaren Annherung zu benachbarten oder ursprnglich anders zugeord-neten Berufen und hat neue Beschftigungsbe-reiche entstehen lassen, so etwa im Bereich des elektronischen Publizierens, der Multimedia- und Kulturindustrie oder des Mediendesigns.

    Insgesamt bietet der deutsche Arbeitsmarkt den Informationsspezialisten gute und durch-aus wachsende Chancen, wenn die Bewerber rumlich mobil, flexibel einsetzbar und leistungs-orientiert sind. Wichtig ist, dass sie mglichst Er-fahrungen aus Praktika, eigenen Projekten oder auch Hilfsjobs whrend des Studiums mitbrin-gen, mit modernen Arbeits- und Werkvertrags-formen umgehen und vor allem umfangreiche Kenntnisse im Einsatz von Datenbanken, Inter-nettechnologien und digitalen Archivierungssys-temen vorweisen knnen. Allerdings haben sich genaue quantitative Prognosen fr den Arbeits-markt der Informationsspezialisten generell als sehr unzuverlssig erwiesen.

    Der auch in der Berufsausbildung erkennba-ren Annherung verschiedener Informations-berufe ging in Deutschland ein lngerer, von Traditionen geprgter Zeitraum der Abgrenzung voraus: die Spartentrennung zwischen B und WB, aber auch zwischen bibliothekarischer und doku mentarischer Ttigkeit, bestimmte ber Jahrzehnte hinweg das Bild, ganz aufge-hoben ist es noch nicht. Sogar innerhalb des Bibliotheks personals war eine kleinteilige und in sich noch feiner untergliederte Berufslandschaft anzutreffen .

    Fragt man nach den Grnden fr die Tren-nung, so ist der Hintergrund weniger in der

    Struktur der deutschen Bibliothekslandschaft zu suchen. Vielmehr ist sie das Ergebnis des deut-schen Arbeits- und Laufbahnrechts. Seitdem am Ende des 19. Jahrhunderts Beamtenlaufbahnen fr den sog. wissenschaftlichen Bibliotheksdienst eingerichtet wurden, waren es Hierarchien und entsprechende Regelungen, nicht klienten- oder dienstleistungsbezogene Merkmale, die zu ei-nem ausgeprgten Standesbewusstsein mit dem dazugehrigen Abgrenzungsbedrfnis fhrten.

    Zu Beginn des 21. Jahrhunderts verblasst die Sparten-Unterscheidung ein Stck und ffnet sich zugunsten einer Differenzierung der Biblio-theken und ihres Personals nach Grenordnun-gen, Zielgruppen, Qualifikationsniveaus oder auch nach Leistungsdaten der Bibliotheken und Umfang ihrer Serviceangebote. Innerhalb der Berufe und der Berufsausbildung geht es knf-tig um einen Grundbestand an gemeinsamen, berufsbergreifenden Schlsselqualifikationen, Fhig keiten und Kompetenzen, die von jedem verlangt werden, der in einer Bibliothek beschf-tigt ist.

    In den Bibliotheken in ffentlicher Trger-schaft ist das bibliothekarische Fachpersonal als Beschftigter im ffentlichen Dienst (frher Angestellter bzw. Arbeiter) oder als Beamter ttig. Verbeamtete Bibliothekare stehen gegenber ihrem Arbeitgeber in einem Dienst- und Treueverhltnis und werden nach Bundes- oder Landesgesetzen besoldet. Bibliothekskrfte als Beschftigte werden auf privatrechtlicher Basis vergtet; fr sie galt ber mehrere Jahr-zehnte hinweg der durch Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften und ffentlichen Ar-beitgebern vereinbarte Bundesangestelltentarif (BAT), bis dieser im Jahr 2006 in den Kommunen und beim Bund durch den Tarifvertrag ffent-licher Dienst (TVD) und in den Lndern durch den Tarifvertrag der Lnder (TV-L) abgelst wurde . Die Hierarchie der Entgeltgruppen des TVD und des TV-L hnelt den Besoldungsgrup-pen der Beamten.

    Im gesamten ffentlichen Dienst werden Beamte und in sinngem analoger Anwendung auch Beschftigte vier verschiedenen Lauf-bahngruppen zugeordnet: dem einfachen, dem mittleren, dem gehobenen und dem hheren Dienst. Nach diesen Gruppen regelt sich auch

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    BERUFE UND VERBNDE

    die Besoldung bzw. Entgeltzahlung des Biblio-thekspersonals. Fr die Gruppenzuordnung sind Vorbildung, Ausbildung und Ttigkeitsmerkmale bestimmend. hnliches gilt fr Fachkrfte mit den Kirchen als Arbeitgeber. Anders sieht es bei Biblio theksfachkrften in Wirtschaftsunter-nehmen aller Art aus: Dort gelten in der Regel privatrechtliche Arbeitsvertrge, die individuell ausgehandelt werden; die Bezahlung lehnt sich nur gelegentlich an die Tarife des ffentlichen Dienstes an.

    Zur Geschichte bibliothekarischer Berufsausbildung

    Die Ausbildung zum Bibliothekar und allen hn-lichen Berufen ist seit gut zweieinhalb Jahrzehn-ten einem permanenten Wandel unterworfen hier ein verbindlich zutreffendes Gesamtbild dar-zustellen, wre vermessen. Der stetige Umbruch drckt zum einen den politischen Willen zur Anpassung an aktuelle, insbesondere europa-weite Entwicklungen und zur Modernisierung der Ausbildungsinhalte aus, andererseits zeigt er aber auch Unsicherheiten der politischen Ent-scheidungstrger auf, die angesichts des Zwangs zur Kostenminimierung in der Fusion von Aus-bildungseinrichtungen und der Schaffung immer grerer Einheiten zeitweise das alleinige Allheil-mittel sahen.

    Zu einer frmlichen Ausbildung fr den Beruf des Bibliothekars kam es in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts. 1893 wurde durch Erlass der preuischen Regierung eine Fachaus-

    bildung vorgeschrieben und deren Inhalt fest-gelegt: Universittsabsolventen, die den Beruf des Bibliothekars anstrebten, hatten sich einer besonderen postgradualen Ausbildung zu unter-ziehen. Auf die preuische Regelung sowie den Erlass der bayerischen Regierung von 1905 geht die beamtete Referendarausbildung zurck, die jahrzehntelang der normale Ausbildungsweg fr wissenschaftliche Bibliothekare gewesen ist; in einigen Lndern besteht sie bis heute. Die biblio-thekarische Ausbildung, auf der die meisten Studiengnge an den Fachhochschulen beruhen, begann 1914 mit der Grndung der ersten Biblio theksschule in Leipzig.

    Bedingt durch die Trennung in zwei deutsche Staaten war die Entwicklung der bibliothekari-schen Ausbildung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg sehr heterogen und beson-ders in Westdeutschland von den fderalen Strukturen und der Spartentrennung beeinflusst. Nach der Wiedervereinigung blieb die inhaltliche Aus- und Umgestaltung der Ausbildungs- und Studiengnge sehr unterschiedlich. Sie bietet bis heute ein buntes Bild, beinhaltet jedoch einen im Kernbereich bereinstimmenden Kanon ein-heitlicher Themen- und Lernfelder: Zu den Lern-standards gehren vor allem Bibliotheksmanage-ment, Datenbank- und Internetanwen dungen, Medienerschlieung, Recherchestrategien, Infor-mations- und Kommunikationstechnologie, In-formationsdienstleistungen, Marketing, Betriebs-wirtschaft, Service- und Kundenorientierung sowie Literatur- und Medienmarkt. Auch das Be-mhen um einen hohen Praxisbezug und -anteil ist in allen Studien- und Ausbildungsgngen ein bestimmendes Merkmal geblieben.

    Modern ausgestattete Arbeitspltze in Hochschul- und Fachhochschulbibliotheken untersttzen Studierende und begleiten mit ihren Book- und NonBook-Bestnden Ausbildung und Studium . Das Foto zeigt den von vielen Studenten be-nutzten Multimedia-Lesesaal der Deutschen Na-tionalbiblio thek in Frankfurt am Main (Hessen), ausgestattet mit moderner Technik und einem Multimedia-Bereitstellungssystem, das die Erfas-sung, Verwaltung, Recherche und Prsentation elektronischer Publikationen untersttzt.

    Aus urheberrechtlichen Grnden kann das Bild an dieser Stelle nicht verffentlicht werden.

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    BERUFE UND VERBNDE

    Ttigkeiten sind mit Leitungsfunktionen verbun-den.

    Das bibliothekarische Studium mit den Ab-schlssen Bachelor und Master ist auf Fachhoch-schulebene angesiedelt. Aus den frheren Biblio-theksschulen wurden Zug um Zug eigenstndige Fachhochschulen; inzwischen sind es Fachbe-reiche, Institute oder einfach nur Studiengnge grerer Hochschulen. Lag die Studiendauer der alten Diplomstudien bei sieben oder acht Semes-tern mit darin eingebetteten unterschiedlich langen Praktika bzw. Praktikumssemestern, so ist das Bachelor-Studium meist sechs oder sieben Semester, der Master-Studiengang zustzliche vier oder drei Semester lang. Gegenber den universitren Studiengngen spielt auch beim Bachelor der Praxisbezug eine wichtige Rolle. Im ffentlichen Dienst des Bundes, der Lnder und der Gemeinden werden bibliothekarische Mitar-beiterinnen und Mitarbeiter mit der Qualifikation Diplom-Bibliothekar bzw. Bachelor der Ebene des gehobenen Dienstes zugeordnet.

    Fachangestellte fr Medien- und Informa-tionsdienste werden im Rahmen der dualen Berufsausbildung mit dreijhriger Dauer in Ein-richtungen von Information und Dokumentation fr alle Assistenzaufgaben ausgebildet; sie sind in der ffentlichen Verwaltung im Bereich des mittleren Dienstes angesiedelt. Das Besondere an diesem 1999 geschaffenen Ausbildungsbe-ruf ist, dass seine Inhalte auf fnf verschiedene Fachrichtungen ausgerichtet sind: Neben den Bibliotheken knnen Fachangestellte ihre Aus-bildung auch auf Archive, allgemeine Informa-tions- und Dokumentationsstellen, Bildagenturen und medizinische Dokumentationseinrichtungen konzentrieren. Beratungs- und Koordinierungs-funktionen ben Berufsbildungsausschsse bei den Industrie- und Handelskammern (IHK) und Zustndige Stellen bei den Bezirksregierungen bzw. Regierungsprsidien der Lnder aus. Ein Ausbildungsrahmenplan und ein betrieblicher Ausbildungsplan legen Ablauf, Ziele und Inhalte der schulischen und betrieblichen Ausbildung fest. Die Zulassungsvoraussetzung fr den Beruf ist nicht genau festgelegt, die meisten Bewerber verfgen ber einen Realschulabschluss, die Mittlere Reife.

    Bibliothekarische Ausbildung, Studien- und Ausbildungssttten

    In der Praxis ist heute in den meisten Wissen-schaftlichen wie auch greren ffentlichen Biblio theken eine vierstufige Unterteilung auf-gabenbezogener Berufe anzutreffen: Neben den wissenschaftlichen Bibliothekaren mit Universi-ttsstudium (hherer Dienst /Master) und den Diplom- bzw. Bachelor-Bibliothekaren/Diplom- bzw. Bachelor-Informationswirten mit Studium an einer Fachhochschule oder einer Hochschu-len fr Angewandte Wissenschaften werden Fachangestellte fr Medien- und Informations-dienste bzw. Bibliotheksassistenten (mittlerer Dienst /FAMI) sowie angelernte Bibliotheksmit-arbeiter (einfacher Dienst) eingesetzt.

    Auf der Ebene des wissenschaftlichen Diens-tes ist vor allem Fachpersonal mit abgeschlosse-nem, meist universitrem Fachstudium beschf-tigt. In der Regel haben sich die Absolventen im Anschluss an ihr Fachstudium einer speziellen zustzlichen bibliothekarischen Ausbildung un-terzogen: Diese Zusatzqualifikation erfolgt ent-weder in Form eines viersemestrigen Zusatzstudi-ums oder eines zweijhrigen Ausbildungsgangs, teils als Referendarausbildung (Beamtenstatus), teils als freier Studiengang (Studentenstatus). Zusatzstudium bzw. Ausbildung gliedern sich in Theorie und Praxis: Der praktische Teil findet in wissenschaftlichen Ausbildungsbibliotheken statt, der theoretische Teil an einer Hochschule . Die Ausbildung wird mit der staatlichen Lauf-bahnprfung (Staatsexamen) abgeschlossen ; das alternative Zusatzstudium endete frher mit der Qualifikation Wissenschaftlicher Bibliothekar oder Magister Artium (M.A.); seit 2007/2008 wird es in der Regel mit dem Master of Library and Information Science (MALIS) abgeschlos-sen.

    Typische Aufgabenfelder des hheren Diens-tes sind in Wissenschaftlichen Bibliotheken Literatur auswahl und inhaltliche Erschlieung von Fachliteratur wie auch Auskunfts- und Be-ratungsdienst, die Koordinierung der internen und externen Bibliotheksorganisation sowie Planungs- und Kooperationsaufgaben im Bereich der neuen Informationstechnologien. Etliche der

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    BERUFE UND VERBNDE

    Die Studien- und Ausbildungssttten fr Bi-bliothekspersonal sind entweder

    Berufsschulen, in denen fr den Beruf des Fach angestellten ausgebildet wird, oder

    Fachbereiche fr Bibliotheks- und Informa-tionswesen bzw. Informations- und Kommuni-kationswissenschaft an Hochschulen oder ver-waltungsinternen Fachhochschulen

    Universitre Studiengnge der Bibliotheks-wissenschaft; einen solchen gibt es allerdings nur an der Humboldt-Universitt in Berlin beim dort angesiedelten Institut fr Bibliotheks-wissenschaft mit einem postgradualen Fern-studium sowie einem Bachelor- und einem Master-Direktstudium.

    Das Studium fr bibliothekarische Berufe an Uni-versitten, Hoch- und Fachhochschulen ist heute an neun Orten in Deutschland mglich (siehe Grafik der Studiensttten).

    Fort- und Weiterbildung fr Bibliothekspersonal

    Um den gestiegenen beruflichen Anforderungen im Bibliotheks- und Informationsbereich gerecht zu werden, ist eine konsequente und inhaltlich strukturierte Fort- und Weiterbildung des Biblio-thekspersonals erforderlich. Fortbildung im Sinne eines lebenslangen Lernens umfasst vor allem Qualifizierungsaktivitten im Rahmen einer be-

    Bibliothekarische Ausbildungssttten in Deutschland

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    BERUFE UND VERBNDE

    trieblichen Personalentwicklung als Bestandteil des Bibliotheksmanagements.

    In Deutschland gibt es zahlreiche Anbieter von bibliothekarischer Fortbildung; dazu zhlen u.a.

    die Verbnde dbv, BIB und VDB und ihre regio-nalen Untergliederungen

    die Verbundzentralen die Staats-, Universitts- und Landesbiblio-theken

    die (Fach-)Hochschulen mit bibliothekarischen Studiengngen (z.B. das Zentrum fr Biblio-theks- und Informationswissenschaftliche Weiterbildung an der FH Kln, das Weiterbil-dungszentrum der FU Berlin oder die be-rufsbegleitende Fernweiterbildung an der FH Potsdam)

    staatliche und kirchliche Bibliotheksfachstellen Grostadtbibliotheken die Ministerien und Behrden (z.B. die Weiter-bildungsdatenbank des Qualifizierungsportals e-teaching.org)

    die Industrie- und Handelskammern (zur Erlan-gung der Ausbildereignung)

    die ekz-Bibliotheksservice GmbH Wirtschaftsunternehmen sowie Stiftungen, privatrechtliche Institutionen, Vereine und Verbnde im Bildungs- und Kultursektor

    Das Angebot von Fortbildungsveranstaltungen ist mit rund 800 im Jahr sehr umfangreich und vielseitig. Nach Auflsung des Deutschen Biblio-theksinstituts 2002 fehlt es jedoch nach wie vor an einer gemeinschaftlichen Koordination aller Fortbildungsanbieter und einer bundesweiten Fortbildungsdatenbank. Ende 2005 hat die Hochschule fr Angewandte Wissenschaften in Hamburg unter der Schirmherrschaft des knb das Fortbildungsportal Wissen-bringt-weiter aufgebaut, das regelmig ber eine Vielzahl von Fortbildungsveranstaltungen fr Bibliotheks-krfte informiert.

    Institutionelle Zusammenarbeit der Bibliotheken

    Der Kulturautonomie und der fderativen Struk-tur der Bundesrepublik ist die groe Vielfalt selbststndiger Bibliotheken mit unterschiedli-chen Trgern zu verdanken. Diese Vielfalt erff-net reichhaltige Chancen fr eigene Entwick-lungen und kreative Wege. Doch nhrt die Indi vidualisierung auch die Gefahr der Zersplitte-rung. Da aber keine Bibliothek, auf sich allein gestellt, ihre Aufgaben in vollem Umfang er-fllen kann, sind Kooperationen zwischen den Biblio theken und die Schaffung von Einrichtun-gen mit zentralen Funktionen und Dienstleistun-gen von groer Bedeutung. Dabei geht es nicht allein darum, den Bibliotheken unntige Doppelarbeit zu ersparen und die Leistungen der Bibliotheken zu verbessern; im Vordergrund steht vielmehr die Absicht, der anhaltenden Zer-splitterung durch geeignete bibliothekspolitische, strategische und strukturelle Manahmen entge-genzuwirken.

    Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind in Deutschland verschiedene bibliothekarische Or-ganisationen, Institutionen und Verbnde von berregionaler Bedeutung geschaffen worden, die das Bibliothekswesen geformt und ihm im-mer wieder neue Impulse zur Weiterentwicklung gegeben haben. Zum Teil knnen sie auf eine lngere Tradition zurckblicken.

    Vor- und Nachteile brachte es mit sich, dass die bibliothekarische Zusammenarbeit nicht staatlich gelenkt und organisiert ist. Sie vollzieht sich vor allem in privatrechtlich organisierten Vereinen und Verbnden. Man unterscheidet da-bei Personalvereine und Institutionenverbnde. Biblio thekarische Personalvereine sind Organisa-tionen, in denen sich Bibliothekare und andere Bibliotheksmitarbeiter zur Wahrung ihrer beruf-lichen Interessen zusammengeschlossen haben. Sie dienen zugleich als Forum fachlicher Diskus-sion und Mittel gemeinsamer Vertretung in der ffentlichkeit. Institutionenverbnde sind Zu-sammenschlsse von Bibliotheken, bibliothekari-schen Einrichtungen und Bibliothekstrgern, die das Ziel verfolgen, gemeinsame Bibliotheksauf-gaben zu befrdern, einheitliche Standards zu

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    BERUFE UND VERBNDE

    entwickeln und die Stellung der Bibliothek in Politik und Gesellschaft politisch zu festigen.

    Die Mitte der 1990er Jahre angestrebte Fusion der ehemals vier, heute zwei bibliothe-karischen Personalvereine BIB und VDB mit dem Institutionenverband dbv zu einem deutschen Gesamtverband fhrte nicht zum Erfolg. Eine Verbandsstruktur aufzubauen, wie sie etwa die Schweiz, Grobritannien, die USA oder auf inter-nationaler Ebene die IFLA aufweisen, bleibt fr viele Fachleute dennoch eines der langfristigen Ziele der Verbandsarbeit in Deutschland.

    Die wichtigsten Organisationen sind heute die unter dem Dach von Bibliothek & Information Deutschland e.V. (BID) zusammengeschlossenen Verbnde und Vereine, Institutionen und Stiftun-gen. Neben den vereinsbasierten Organisationen beteiligen sich in jngster Zeit verstrkt Stiftun-gen und privatrechtlich organisierte Einrichtun-gen, beispielsweise die Bertelsmann Stiftung, die ekz-Bibliotheksservice GmbH und das Goethe-Institut, an der Frderung des Bibliothekswesens.

    Bibliothek & Information Deutschland e.V. Bun-desvereinigung Deutscher Bibliotheks- und Informationsverbnde e.V. (BID).

    Die BID ist der bibliothekarische Dachverband, der drei Institutionen- und Personalverbnde des Bibliothekswesens, einen Verband des Informa-tionswesens, die ekz und zwei bedeutsame Ein-richtungen der Kulturfrderung in Deutschland vereint. Als eingetragener gemeinntziger Verein vertritt sie deren Gesamtinteressen auf natio-naler und europischer Ebene sowie in interna-tionalen Gremien. Ihr Ziel ist die Frderung und Weiterentwicklung von Dienstleistungen und Innovationen der Informationsversorgung durch Bibliotheken und Informationseinrichtungen als Garantie demokratischer Informations- und Wis-sensbildung. Sie koordiniert die ffentlichkeits-arbeit im Bibliotheks- und Informationswesen und vermittelt wirksame Argumente und Sach-verhalte an die politischen Entscheidungstrger. BID arbeitet bei der Lsung ihrer Aufgaben mit Bund, Lndern und kommunalen Krperschaften sowie anderen zustndigen gemeinntzigen Institutionen und Gremien zusammen.

    Sitz der BID ist Berlin. Ihre Vereinsorgane sind die Mitgliederversammlung, der Vorstand und

    Mitglieder von Bibliothek & Information Deutschland e.V.

    Bibliothek & Information Deutschland e.V. (BID) als Dachverband

    Erstmals waren in Deutschland in den 1960er und 1970er Jahren mit der Schaffung der Deutschen Bibliothekskonferenz (DBK, gegrn-det 1963) und der Erarbeitung des Bibliotheks-plans 73 vereinheitlichende fachliche und biblio-thekspolitische Voraussetzungen fr eine Intensi-vierung der Zusammenarbeit und Reprsentanz des Bibliothekswesens in der ffentlichkeit ent-standen. Um die Auendarstellung noch strker zu bndeln, kam es im September 1989 zur Grndung der Bundesvereinigung Deutscher Bi-bliotheksverbnde e.V. (BDB) als Nachfolger der Deutschen Bibliothekskonferenz; seit dem Beitritt der DGI 2004 nennt sich der Verband offiziell

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    BERUFE UND VERBNDE

    die Prsidentin. Jahresberichte dokumentieren die Arbeit der BID. Der Verband ist Mitglied im European Bureau of Library, Information and Documentation Associations (EBLIDA) und der International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA).

    Ein wichtiger Aspekt im Programm der BID ist die Auslandsarbeit, die durch Zuschsse des Auswrtigen Amtes in Berlin und des Beauftrag-ten der Bundesregierung fr Kultur und Medien (BKM) finanziert wird. Bibliothek & Information International (BII) ist eine Stndige Kommission der BID, die im Auftrag des Dachverbands den internationalen Dialog frdert und die Koopera-tion sowie den Informationsaustausch zwischen Bibliothekaren und Informationsfachleuten des In- und Auslandes untersttzt. Sie frdert Studi-enreisen und Arbeitsaufenthalte fr auslndische und deutsche Bibliothekare und Informations-fachleute.

    Der Dachverband verleiht in Erinnerung an Karl Benjamin Preusker (17861871), den Grnder der ersten ffentlichen Bibliothek Deutschlands in Groenhain bei Dresden am 24.10.1828, die Karl-Preusker-Medaille an en-gagierte Persnlichkeiten in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um das deutsche Biblio-thekswesen.

    Publikationsorgan der BID ist der monatlich erscheinende Bibliotheksdienst. Die BID ver-anstaltet in dreijhrigem Abstand den Leipziger Kongress fr Information und Bibliothek als eine der grten bibliothekarischen Fachtagungen in Deutschland. Seit 2004 findet der Fachkongress im Vorfeld der Frhjahrsbuchmesse in der Messe-stadt Leipzig statt.

    Mit der 2009 erarbeiteten Imagebroschre 21 gute Grnde fr gute Bibliotheken wirbt die BID bei politischen und anderen Entschei-dungstrgern fr Bibliotheken und ihre Dienst-leistungen, sie bildet die fachliche Grundlage fr die politische Diskussion und soll die Lobbyarbeit untersttzen. Die Broschre enthlt den Einleger Grundlagen fr gute Bibliotheken Leit linien fr Entscheider, der fachliche Argumentations-hilfen zu den Themen Leistungs- und Qualitts-indikatoren fr ffentliche Bibliotheken bzw. fr Hochschulbibliotheken sowie zum Biblio-theksgesetz gibt.

    Deutscher Bibliotheksverband e.V. (dbv)

    Im Westen des geteilten Deutschlands begann 1949 die Geschichte des Deutschen Bibliotheks-verbandes (dbv). In der DDR entstand 1964 ein separater Deutscher Bibliotheksverband (BV), der als Fachorganisation hauptberuflich geleitete Bi-bliotheken sowie fachliche Institutionen und Ein-richtungen der Information und Dokumentation vereinigte und bis 1990 Bibliotheksverband der Deutschen Demokratischen Republik hie.

    Nach der Wiedervereinigung Deutschlands fusio nierten der westdeutsche und der ost-deutsche Bibliotheksverband zum heutigen Deutschen Bibliotheksverband e.V. Dieser neue spartenbergreifende Institutionenverband zhlt derzeit 2.000 Mitglieder. Die ordentliche Mit-gliedschaft steht allen hauptamtlich geleiteten Bibliotheken, staatlichen und kirchlichen Biblio-theksfachstellen sowie sonstigen Einrichtungen des Bibliotheks- und Dokumentationswesens offen.

    Der dbv hat sich zum Ziel gesetzt, die Wir-kung von Bibliotheken in Kultur und Bildung sichtbar zu machen und ihre Rolle in der Gesell-schaft zu strken. Insbesondere will er das Biblio-thekswesen und die Kooperation der Bibliothe-ken und bibliothekarischen Einrichtungen untereinander frdern. Er formuliert politische Forderungen zu den Rahmenbedingungen des Bibliothekssektors und bezieht durch Gutachten und Empfehlungen Stellung zu grundlegenden Fachfragen. Wichtige Teile des Aufgabenspek-trums sind:

    ffentliche Darstellung der Ziele und Funk-tionen von Bibliotheken

    Lobby- und Kontaktarbeit zu Parlamenten und Ministerien auf Bundes- und Lnderebene, zu kommunalen Spitzenverbnden und Gebiets-krperschaften

    Erarbeitung und Durchsetzung einheitlicher, effektiver Lsungen zu bibliothekarischen Fachfragen

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    BERUFE UND VERBNDE

    Initiierung wissenschaftlicher Forschung zum deutschen Bibliothekswesen

    Ausarbeitung von Frdermanahmen zusam-men mit der Deutschen Forschungsgemein-schaft, dem Bundesbildungsministerium, dem Beauftragten fr Kultur und Medien und der Kultusministerkonferenz der Lnder (KMK)

    Organisation und Durchfhrung von Informa-tions- und Fortbildungsveranstaltungen

    Erarbeitung und Bereitstellung von Fachinfor-mationen

    Anregung spartenbergreifender und berre-gionaler Zusammenarbeit aller Bibliotheken

    Europische und internationale Zusammen-arbeit und Erfahrungsaustausch im Bibliotheks-wesen

    Die Lobbyarbeit des dbv wird in hohem Mae auch ber seine Landesverbnde und Sektionen befrdert. Zahlreiche Impulse, so etwa die regio-nalen Bibliothekspreise, landesweite Bibliotheks-

    tage, Initiativen zur Bibliotheksgesetzgebung und zur Existenzsicherung von Bibliotheken und Bibliotheksfachstellen gingen und gehen von den 15 Landesverbnden aus. Diese vertreten die Interessen der Mitgliedsbibliotheken auf Lnder-ebene, sind Plattform fr den Informations- und Wissensaustausch untereinander und bringen den politischen Gremien der Bundeslnder Biblio theksthemen nahe: Zu Landtagswahlen fragen sie mit Wahlprfsteinen die politischen Plne der Parteien ab, organisieren Fortbildungs-veranstaltungen und gewinnen mit regional koor dinierten Veranstaltungsprogrammen die Aufmerksamkeit der ffentlichkeit.

    Im Rahmen der internen Verbandsarbeit be-gleiten die Vorsitzenden der Landesverbnde als Beiratsmitglieder den dbv-Vorstand bei seiner Arbeit. Viele Landesverbnde haben die Rechts-form von gemeinntzigen, eingetragenen Vereinen. Eine besondere Erwhnung verdient der 1948 gegrndete Verband der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen e.V. (vbnw) als grter Landesverband, der rund 350 Mitglieder zhlt und mit Pro Libris eine eigene, bundes-weit beachtete Fachzeitschrift publiziert.

    Der dbv gliedert sich in acht Sektionen, in de-nen Bibliotheken gleicher Gre oder Sparte ihre Erfahrungen austauschen und Sachfragen bearbeiten, sektionsinterne Arbeitsgruppen bearbeiten weitere Spezialthemen. Das weit gefcherte Spektrum der Sektionsarbeit reicht von Fragen der Finanzierung von Vorhaben, der Bereitstellung digitaler Angebote, Manahmen zum Qualittsmanagement, der Frderung von Open Access bis hin zur Gestaltung von Bache-lor- und Master-Abschlssen im Informationsbe-reich und Diskussionen ber den Stellenwert von Bibliotheksarbeit mit besonderen Benutzergrup-pen.

    Mitglied der Sektion 5 ist auch die 1946 ge-grndete Arbeitsgemeinschaft der Spezialbiblio-theken e.V. (ASpB), die sowohl die institutionelle als auch persnliche Mitgliedschaft zulsst und gegenwrtig ber 1.000 Mitglieder zhlt. Sie frdert die Zusammenarbeit zwischen den Spe-zialbibliotheken, vertritt die Interessen dieses besonderen Bibliothekstyps und trgt zum Aus-tausch von Berufserfahrungen bei, wozu auch die im zweijhrigen Rhythmus stattfindenden Vereinsorgane und Unterteilung des dbv in

    Sektionen und Landesverbnde

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    BERUFE UND VERBNDE

    Fachtagungen und deren Verffentlichungen beitragen.

    Die Konferenz der informations- und biblio-thekswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengnge (KIBA) ist die Vertretung der Aus-bildungs- und Studiengnge an Fachhochschulen und Universitten auf dem Gebiet Library and In-formation Science (LIS) in Deutschland. Organisa-torisch ist die KIBA der dbv-Sektion 7 sowie der Ausbildungssektion der Deutschen Gesellschaft fr Informationswissenschaft und Informations-praxis (DGI) zugeordnet. Fr die Ausbildung von Information Professionals betreibt sie Lobbyarbeit gegenber Berufsverbnden, Politikern, Unter-nehmen und anderen Ausbildungseinrichtungen auerhalb des Hochschulbereichs. Europaweit vertritt sie die Mitglieder bei internationalen Organisationen, wie z.B. der European Associa-tion for Library and Information Education and Research (EUCLID).

    Eine Ausweitung der fachlichen Aktivitten erfuhr der dbv 2003 mit der bernahme der Kommissionen und Expertengruppen des ehe-maligen Deutschen Bibliotheksinstituts (DBI). Die Kommissionen arbeiten ehrenamtlich und wer-den von der dbv-Geschftsstelle betreut: Es sind die Kommissionen Bibliothek und Schule, Dienst-leistung, Erwerbung und Bestandsentwicklung, Interkulturelle Bibliotheksarbeit, Kinder- und Jugendbibliotheken, Management und Recht so-wie sieben Arbeitsgruppen in der Sektion 4 (Wissenschaftliche Universalbibliotheken) und eine Arbeitsgruppe in der Sektion 8 (Werkbiblio-theken, Patientenbibliotheken und Gefangenen-bchereien).

    Seit 1987 ehrt der dbv Journalisten aller Me-dien, die in ihren Beitrgen der ffentlichkeit ein zeitgemes Bild von Bibliotheken, ihren aktuel-len Aufgaben und Entwicklungen vermitteln. Der jhrlich verliehene Publizistenpreis der deutschen Bibliotheken geht auf eine Initiative des ehema-

    Die Stadtbibliothek Heinrich Heine Halberstadt (Sachsen-Anhalt) bezog im Jahr 2000 eine ehema-lige Kapelle im 600 Jahre alten Petershof am Domplatz und wurde im gleichen Jahr vom DBV zur Bibliothek des Jahres gewhlt. Auf 1.770 qm prsentieren sich rund 100.000 Medien. Die hohen Rume boten die Mglichkeit, niedrige Zwischengeschosse einzuziehen und dadurch die Nutzflche zu erweitern.

    ligen dbv-Vorsitzenden Helmut Sontag zurck, der den Verband von 1983 bis 1986 fhrte. Die Ausschreibung erfolgt seit 2010 gemeinsam mit der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (WBG), das Preisgeld beluft sich seitdem auf 5.000 Euro und wird zu gleichen Hlften von beiden Einrich-tungen getragen.

    Seit 2000 konnte der dbv mit finanzieller Untersttzung und in Zusammenarbeit mit der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius die bun-desweite Auszeichnung Bibliothek des Jahres vergeben. Der mit 30.000 Euro dotierte einzige nationale Bibliothekspreis zeichnet beispielhafte und vorbildliche Bibliotheksarbeit aller Sparten aus und soll die Bibliotheken im Wettbewerb um Qualitt, Kreativitt und Innovation motivieren. Die Preistrgerbibliothek wird von einer unab-hngigen Jury gewhlt, der u.a. auch Mitglieder der Bundesregierung, der Kultusministerkonfe-renz, des Deutschen Stdtetages, der Zeit-Stif-tung und des dbv angehren. Der Preis wird am Tag der Bibliotheken (24. Oktober) verliehen.

    Seit 2008 ist dieser Tag auch der Beginn einer bundesweiten Bibliotheksaktionswoche unter dem Motto Treffpunkt Bibliothek. Veran-staltungen in mehreren tausend Einrichtungen werden gezielt fr bundesweite Medienarbeit genutzt. Mit prominenten Aktionspaten und seit

    Aus urheberrechtlichen Grnden kann das Bild an dieser Stelle nicht verffentlicht werden.

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    BERUFE UND VERBNDE

    2010 mit einem Bericht zur Lage der Biblio-theken wird die Bedeutung der Bibliotheken ffent lichkeitswirksam demonstriert.

    Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB)

    Der Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB) entstand im Jahr 2000 aus dem Zusammen-schluss der ehemals eigenstndigen Personal-vereine Verein der Bibliothekare und Assistenten e.V. (VBA) und dem Verein der Diplom-Biblio-thekare an wissenschaftlichen Bibliotheken e.V. (VdDB, 1948 gegrndet). Der VBA war zuvor 1997 aus der Fusion des Vereins der Biblio-thekare an ffentlichen Bibliotheken e.V. (VBB, 1949 gegrndet) mit dem Bundesverein der Bibliotheksassistent/innen und Assistenten und anderer Mitarbeiter/innen an Bibliotheken e.V. (BBA, 1987 gegrndet) hervorgegangen.

    Der BIB umfasst heute rund 6.300 Mitglieder und ist damit der grere der beiden bibliothe-karischen Personalvereine. Er versteht sich nicht als gewerkschaftliche Organisation, dennoch ste-hen berufsstndische Interessen seiner Mitglieder im Zentrum seiner Aufgaben: Gemeint sind Bemhungen um eine Verbesserung, Moderni-sierung und Vereinheitlichung der Ausbildung, die Erstellung und Umsetzung eines modernen Berufsbildes, Fragen der ausbildungsadquaten Besoldung und tariflichen Eingruppierung sowie Personalqualifizierung durch gezielte Fortbil-dungsmanahmen. Durch seine zahlreichen Fortbildungskurse, die vorwiegend von den 15 Landesgruppen organisiert werden, trgt der Be-rufsverband wesentlich zur Qualifizierung des Bibliothekspersonals bei. Seit 2006 betreibt der BIB eine Ausbildungsdatenbank (DAPS): Sie ent-hlt Ausbildungs- und Praktikumssttten sowie Hochschulen und Berufsschulen, die Angebote im bibliothekarischen Bereich organisieren. Ziel-gruppen sind Berufseinsteiger, Bewerber, Stu- dieninteressierte, Auszubildende, Studenten sowie Ausbildungsbibliotheken, die Praktikums-pltze akquirieren mchten.

    Markante Aufgabenfelder des BIB sind bei-spielweise die Aufarbeitung von Planungs- und Strukturfragen des Bibliothekswesens, die

    Kompetenznetzwerk fr Bibliotheken (knb) des dbv

    Im Jahr 2004 wurde von der Kultusministerkon-ferenz das Kompetenznetzwerk fr Biblio theken (knb) eingesetzt, das von den Bundeslndern finanziert wird. Es erledigt berregionale Aufga-ben des Bibliothekswesens in dezentraler Form. Fr die Arbeitsbereiche Internationale Koopera-tion, Bibliotheksportal, Bibliotheksindex BIX und die Koordination des gesamten Netzwerkes wur-den in der dbv-Geschftsstelle neue hauptamt-liche Strukturen eingerichtet. Drei weitere Aufga-benbereiche verteilen sich auf verschiedene Insti-tutionen: So wird die Deutsche Bibliotheksstatis-tik (DBS) durch das Hochschulbibliothekszentrum (HBZ) in Kln erstellt; und die EU-Beratung liegt in den Hnden der Staatsbibliothek zu Berlin. Die Vertretung in internationalen Normungsgremien wird durch das DIN-Institut ber den Normen-ausschuss Bibliotheks- und Dokumentationswe-sen (NABD) wahrgenommen. Der dbv bernahm im Rahmen des knb und in Kooperation mit dem HBZ, der Zeitschrift B.I.T. Online und infas im Jahre 2006 von der Bertelsmann Stiftung die Ko-ordination und Organisation des Bibliotheks index (BIX) als bundesweites Benchmarking-System fr jhrlich ca. 250 teilnehmende ffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken. Seit Ende 2006 fungiert das fr Bibliotheksfachleute, Presse und Politik konzipi erte Bibliotheksportal im Internet als zentrale Anlaufstelle fr aktuelle Informationen ber das gesamte deutsche Bi-bliothekswesen. Der dbv-Vorsitzende leitet das knb-Steuerungsgremium, das sich aus Vertretern verschiedener bibliothekarischer Institutionen zusammensetzt.

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    BERUFE UND VERBNDE

    nationale und internationale Kontaktpflege, Mana gementthemen oder die gemeinsam mit dem VDB organisierte Ausrichtung des Deut-schen Bibliothekartages, der neben dem Deutschen Biblio thekskongress grten biblio-thekarischen Fachtagung in Deutschland. Die Vortrge der vergan genen Jahre sind auf dem Online-Publikations-Server OPuS abrufbar. Der BIB arbei tet nicht nur national, sondern auch auf europischer Ebene und darber hinaus eng mit auslndischen und internationalen Organi-sationen zusammen und pflegt internationale Kontakte (BII, EBLIDA, IFLA; Kooperationsver-einbarung mit den Berufsverbnden in Italien, sterreich und Schweiz ber die Konferenzreihe Die Lernende Bibliothek). Mit dem Austausch-programm BIB-Exchange ist der Verband sei-nen Mitgliedern bei der Suche nach Praktikums-pltzen im Ausland, besonders in den USA, behilflich.

    Dem fnfkpfigen BIB-Bundesvorstand steht ein Vereinsausschuss zur Seite, in den die 15 Landesgruppen, der Vorstand und die sechs Kommissionen (Ausbildung und Berufsbilder, Bibliothekspolitik, Eingruppierung und Be-soldung, Fortbildung, One-Person-Librarians, Verbandsmarketing und -Kommunikation) ihre Vertreter entsenden. Wichtige Satzungsnderun-gen knnen nur dann vorgenommen werden, wenn eine Dreiviertelmehrheit erreicht wird. Die hauptamtlich gefhrte Geschftsstelle des Ver-eins befindet sich in Reutlingen.

    Publizierte Checklisten zu vielen Manage-mentbereichen und Fragen aus der Bibliotheks-praxis geben berufsbegleitende Hilfestellung. Wichtige Publikationen der letzten Jahre sind:

    Der EURO-FAMI 2002. Dokumentation und Ergebnisse zu den Veranstaltungen und Tagungsbeitrgen der KIFA ber den Beruf des Fachangestellten fr Medien- und Informationsdienste (und vergleichbarer Berufsgruppen) im In- und Ausland. 2003.

    Checklisten der OPL-Kommission; bisher er-schienen: 1(2003: Bibliotheksumzug) - 31(2010: Informationskompetenz online ver-mitteln)

    10 Jahre FaMI ein Beruf emanzipiert sich!? Eine Festschrift. 2009.

    In zweijhrigem Abstand publiziert der BIB als wichtiges Adressenverzeichnis das Jahrbuch der ffentlichen Bibliotheken, darber hinaus gibt der Verband die mit rund 9.000 Exemplaren auflagenstrkste bibliothekarische Fachzeitschrift BuB: Forum Bibliothek und Information her-aus, die seit 1949 erscheint.

    Verein Deutscher Bibliothekare e.V. (VDB)

    Der im Jahr 1900 gegrndete Verein Deutscher Bibliothekare e.V. (VDB) ist die Vereinigung der wissenschaftlichen Bibliothekare auf der Ebene des hheren Dienstes mit heute rund 1.700 Mit-gliedern. Sein Ziel ist es, den Kontakt unter den wissenschaftlichen Bibliothekaren zu strken und ihre Berufsinteressen wahrzunehmen, sich fr die Erweiterung ihrer Fachkenntnisse einzusetzen und das wissenschaftliche Bibliothekswesen zu frdern. Er gliedert sich in Landes- und Regional-verbnde und unterhlt vier stndige Kommissio-nen: fr berufliche Qualifikation, Rechtsfragen, Fachreferatsarbeit und fr Management und be-triebliche Steuerung.

    Bis Mitte der 1970er Jahre trug der VDB die biblio thekarische Sacharbeit in der Bundesrepu-blik Deutschland; dann wurde sie vom dbv bzw. DBI bernommen und der VDB ein reiner Be-rufsverband. Ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit bildet die Qualifizierung des bibliothekarischen Nachwuchses und die berufliche Fortbildung. Im-mer wieder hat der VDB deshalb zur praktischen und theoretischen Ausbildung der wissenschaft-lichen Bibliothekare Stellung bezogen und seine Vorschlge verffentlicht.

    Vereinsorgan sind die internen VDB-Mit-teilungen, die zweimal im Jahr gedruckt und auf der VDB-Webseite verffentlicht werden; weitere Nachrichten erscheinen in dem frheren Vereinsorgan Zeitschrift fr Bibliothekswesen und Biblio graphie (ZfBB). Seine wichtigste Publikation ist das alle zwei Jahre erscheinende Jahrbuch der deutschen Bibliotheken, erstmals 1902 verffentlicht, das einen Bibliotheksteil mit

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    BERUFE UND VERBNDE

    statistischen Daten zu den Wissenschaftlichen Bibliotheken und einen Personenteil enthlt, der zugleich die Funktion eines Mitgliederverzeich-nisses erfllt.

    Der VDB richtet seit Anfang des 20. Jahrhun-derts den jhrlichen Deutschen Bibliothekartag aus, zurzeit im Wechsel mit dem alle drei Jahre stattfindenden Deutschen Bibliothekskongress der BID als zentrale Fachtagung, seit 1952 ge-meinsam mit dem VdDB, ab 2001 zusammen mit dem BIB. Unter dem Motto Bibliotheken fr die Zukunft Zukunft fr die Bibliotheken fand der 100. Bibliothekartag 2011 in Berlin statt. Die wichtigsten Vortrge wurden bis 2008 in den Sonderbnden von ZfBB verffentlicht, die als selbststndige Schriftenreihe neben der Zeitschrift publiziert wird; seitdem werden sie ber das Internet und in separat erscheinenden Kongressbnden zugnglich gemacht.

    gewandt, so vollzieht sich seit mehreren Jahren ein deutlicher Wandel: Aus einem Haus mit den ursprnglichen Schwerpunkten bei Buch und Mbeln ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein europaweit ausgerichteter kommerzieller Dienstleister fr alle Bibliothekssparten gewor-den mit einer umfassenden Palette an Medien-, Ausstattungs-, Service- und Consultingange-boten, ein mit diesem Angebots-Mix fhrendes Unternehmen auf dem Bibliotheks- und Medien-markt in Mitteleuropa. Durch weitere Dienste wie Veranstaltungssponsoring, Fortbildungsakti-vitten und Personal qualifizierung unterschiedli-cher Ausrichtung hat sich die ekz den aktuellen Markterfordernissen angepasst und wirtschaft-lich erfolgreich neue Mrkte erschlossen.

    Die besondere Zielsetzung des Unternehmens liegt in der Bereitstellung eines bibliotheksge-rechten Komplettangebots, das modulartig aus seinen diversen Einzelprodukten passend zusam-mengesetzt werden kann. Mit ihren bibliografi-schen und inhaltserschlieenden Diensten tritt die ekz auch als Datenzentrale fr ffentliche Bibliotheken in Erscheinung. Ein Online-Bestell-Service beschleunigt die Beschaffung der ver-fgbaren Medien, wobei die Katalogdaten per Leitung maschinenlesbar der bestellenden Biblio-thek bermittelt werden. ber ihre Homepage lassen sich im Internet alle Produktbereiche auf-rufen und einsehen, sodass auf elektronischem Wege sowohl Recherchen und Bestellungen als auch Informationsabfragen und Kontaktauf-nahme mglich sind. Das bibliothekarische Lektorat der Einkaufszentrale wirkt mit bei der Erstellung der Lektoratsdienste (ID-Informa-tionsdienste u.a.) im Rahmen der von der ekz partnerschaftlich mit dem Deutschen Biblio-theksverband e.V. (dbv) und dem Berufsverband Infor mation Bibliothek e.V. (BIB) getragenen Lek-toratskooperation.

    In den letzten Jahren konnte die ekz nicht nur viele ffentliche Bibliotheken einrichten, sondern auch eine zunehmende Zahl Wissenschaftlicher Bibliotheken darunter den Freihandbereich der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main. Darber hinaus hat sie eine Reihe von Einrichtungsprojekten in anderen europischen Lndern realisieren knnen.

    ekz-Bibliotheksservice GmbH, Reutlingen

    Unter den zentralen Einrichtungen des deut-schen Bibliothekswesens nimmt die 1947 ge-grndete ekz-Bibliotheksservice GmbH (ekz) in Reutlingen eine Sonderstellung ein. Sie ist ein Wirtschaftsunternehmen fr Bibliotheken und arbeitet in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschrnkter Haftung. Unter den 21 Gesell-schaftern finden sich 20 Gebietskrperschaften des ffentlichen Rechts: Lnder, Stdte und Landkreise , die ber ein Drittel der Anteile und exklusive Minderheitsvoten verfgen. Die ekz beschftigt derzeit rund 250 Mitarbeiter. Sie ist auch Grndungsmitglied der BID.

    Durch den Verkauf spezieller fachgerechter Produkte und Serviceleistungen fr Bestandsauf-bau, -erschlieung und -erhaltung, Einrichtung und Organisation von Bibliotheken trgt die ekz zur Weiterentwicklung der Bibliotheken bei. Hatte sie sich ber Jahrzehnte hinweg mit ihrem Angebot vornehmlich an die ffentlichen Bibliotheken in der Bundesrepublik Deutschland

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    BERUFE UND VERBNDE

    Zu den wichtigsten Dienstleistungen der ekz-Bibliotheksservice GmbH in Reutlingen (Baden-Wrttemberg) zhlen nach wie vor die buchbin-derischen Angebote mit Foliierung und Einband-verstrkung fr Paperbacks. Im Zuge der Optimie-rung des Warenflusses wurde Ende 2005 auch die vollautomatische Folieneinschlagmaschine moder-nisiert. Sie kann mehrere tausend Bcher pro Tag bearbeiten. Dennoch ist immer noch Handarbeit ntig.

    Die Mglichkeit, im Rahmen ihres kompletten Dienstleistungsangebots die ekz als Geschfts-partner fr den Aufbau einer gemeinsam getra genen Bibliothek in Form einer Bibliotheks-GmbH zu betreiben, haben einige wenige Kommunen genutzt: Zunchst fr acht Jahre in Schriesheim (Baden-Wrttemberg) eingerichtet, von 1999 bis 2010 in Siegburg (Nordrhein-West-falen) verwirklicht und zuletzt an der Bibliothek Monheim am Rhein GmbH eingefhrt, hat das vielversprechende GmbH-Modell allerdings keine weiteren Nachahmer gefunden.

    Neue Wege beschritt die ekz in den anfangs gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung um-gesetzten Projekten zum E-Learning: Unter dem Namen bibweb wurden von 2000 bis 2007 vier Online-Selbstlernkurse konzipiert, die von einigen tausend Bibliothekskrften genutzt wurden: Dazu gehrten die E-Learningkurse Internet training, Focus Kunde: Nutzerorien-tierung in Bibliotheken, Focus Jugend: Biblio-theksangebote fr Jugendliche und Focus Kind: Biblio theksarbeit fr Kinder bis 8. Dieses Projekt wurde von der ekz in 2010 abgeschlos-sen, nachdem mehr als 6.000 Teilnehmer diese Mglichkeit genutzt hatten. Ein neuer Schwer-punkt liegt auf der Video-Vermittlung von Lehrinhalten ber das Internet.

    Niederlassungen der ekz in sterreich und Frankreich sowie eine Beteiligung an der sbd-biblio theksservice ag in der Schweiz stehen fr das europaweit ausgerichtete Engagement der Firma. Mit dem Erwerb der EasyCheck GmbH in Gppingen als RFID-Spezialist, der NORIS Trans-portverpackungs GmbH in Nrnberg und der DiViBib GmbH als Anbieter digitaler Lizenzen wurde die Expansion fortgefhrt. Die 2005 ge-grndete Tochter DiViBib GmbH - mit Vertrieb und Marketing ab 2011 in Reutlingen hat sich mit ihrem Angebot der ONLEIHE die bertra-

    gung des Geschftsmodells der ffentlichen Bibliotheken in die digitale Welt und der Online-Dienste zum Unternehmensziel gesetzt. Rund 200 ffentliche Bibliotheken sind inzwischen einzeln oder im Verbund Anbieter von online verfgbaren Medien wie e-Books, e-Papers, e-Audios und e-Videos, die von eingetragenen Nutzern via Internet entliehen werden knnen. Im Bereich der Bibliothekstechnik bieten ekz und EasyCheck seit 2006 RFID-Komplettlsungen (Radio Frequency Identification) zur Selbstverbu-chung und Mediensicherung in Bibliotheken an.

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    BERUFE UND VERBNDE

    Bertelsmann Stiftung, Gtersloh

    Die Bertelsmann Stiftung wurde 1977 von Rein-hard Mohn gegrndet. Ihre Programme sind nach eigener Aussage darauf ausgerichtet, Men-schen zu frdern, die Gesellschaft zu strken und die Systeme dafr weiter zu entwickeln. So beschftigen sich die Projekte und Manahmen beispielsweise mit den staatlichen Grund-systemen der Bildung oder des Gesundheitswe-sens. ber die Grenzen der Bundesrepublik hin-aus wird die Stiftung bei den Entscheidungstr-gern in Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft als praxisorientierte Reformwerk-statt und Antriebsmotor fr die Modernisierung von Staat und Verwaltung geschtzt.

    Seit ihrer Grndung frderte und begleitete die Bertelsmann Stiftung auch die ffentlichen Bibliotheken, um gemeinsam mit ihnen Lsun-gen fr die gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft zu entwickeln; mit Beginn des Jahres 2007 hat sich die Stiftung allerdings aus der Frderung der Bibliotheken zurckgezogen und fungiert heute nur noch als Berater. Bis dahin hatte sie besonderen Wert auf die praktische Erprobung im Rahmen von Projekten gelegt, die mit Partnern in Deutschland und anderen Ln-dern durchgefhrt wurden. In einem internatio-nalen Netzwerk wurden innovative Methoden, Erkenntnisse und praktische Erfahrungen aus den fhrenden Bibliothekslndern der Welt ge-

    sammelt, ausgetauscht und weiterentwickelt, wobei Lsungsstrategien aus anderen Branchen mit einflossen, um unternehmerisches Denken und Handeln in der Arbeit der Bibliotheken zu verankern.

    Inzwischen konnten mehrere Stiftungspro-jekte von den beteiligten Bibliothekspartnern fortgefhrt werden, so etwa bei Fragestellungen einer konsequenten Kundenorientierung, bei modernen Prsentations- und Einrichtungsfor-men, bei der systematischen Lesefrderung, bei Bildungspartnerschaften mit Schulen oder Strategien fr eine effiziente Fhrung und Orga-nisation von Bibliotheken. Zur Qualifizierung von Bibliotheksmitarbeitern entwickelte die Stiftung gemeinsam mit der ekz die Online-Fortbildungsreihe bibweb das Internettraining fr Bibliotheken, deren Lernmodule mehrere Jahre lang breit genutzt wurden. Das Projekt BIX Der Bibliotheksindex, bei dem in Form eines Rankings Vergleiche der Betriebsdaten als Orientie rungsrahmen fr die eigene Standortbe-stimmung und als Entscheidungsgrundlage fr ein effektiveres Management von ffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken dienen, wird seit 2007 vom Kompetenznetzwerk fr Bi-bliotheken (knb) in Zusammenarbeit mit HBZ, BIT-online, INFAS, der Hochschule der Medien und der Bertelsmann Stiftung fortgesetzt.

    Hervorzuheben ist die Initiative der Stiftung , ein wegweisendes bibliothekspolitisches Stra-tegiepapier zur Weiterentwicklung der Biblio-theken in Deutschland zu formulieren. Das in Koo peration mit der BID von 2002 bis 2005 aufgelegte Projekt mndete in dem Dokument Biblio thek 2007, das verschiedene Forderun-gen an politische Entscheidungstrger bei Bund und Lndern stellte, die dort aber unbeachtet blieben. Einer der Grnde mag die Fderalismus-reform von 2006/07 gewesen sein, durch die

    Die mit finanzieller Untersttzung der Bertels-mann Stiftung 1982 neu errichtete Stadtbiblio-thek Gtersloh (Nordrhein-Westfalen) war die erste ffentliche Bibliothek in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschrnkter Haftung (GmbH); die Stadt hlt 51% der Anteile. Auf rund 2.500 qm stehen 110.000 Medien zur Verfgung. Im Zentrum der dreigeschossigen Bibliothek, di-rekt hinter der Ausleihtheke, ldt ein Lesercaf zur Strkung ein.

    Aus urheberrechtlichen Grnden kann das Bild an dieser Stelle nicht verffentlicht werden.

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    BERUFE UND VERBNDE

    sich der Bund aus der Frderung von Bibliothe-ken zurckzog. Eine wesentliche Forderung des Strategiepapiers die Verankerung einer Biblio-theksentwicklungsagentur (BEA) wurde im De-zember 2007 in den Schlussbericht der Enqute-Kommission des Deutschen Bundestages Kultur in Deutschland aufgenommen.

    Prfungen im In- und Ausland, allein in Deutsch-land ca. 50 Mio. Euro.

    Inzwischen fhren 149 Kulturinstitute des Vereins und 11 Verbindungsbros in 93 Lndern der Erde Kulturprogramme durch, erteilen vor allem Sprachunterricht, fhren Sprachprfungen durch (Start Deutsch), erarbeiten Lehrmate-rialien, untersttzen Universitten und Behrden bei der Frderung der deutschen Sprache, ver-geben jhrlich ca. 1.700 Stipendien an Deutsch-lehrer und bieten in 57 Deutschen Leseslen aktuelle Informationen ber Deutschland an. In der Bundesrepublik selbst sind es 13 Institute, in denen jhrlich rund 23.000 auslndische Teil-nehmer Sprachkurse durchlaufen. Internationale Kulturzeitschriften, Bcher, Informationsmate-rialien ber Deutschland, Spiel- und Dokumen-tarfilme und ein differenziertes Online-Angebot werden Interessenten in aller Welt zur Verfgung gestellt. Das Besucherprogramm fhrt jedes Jahr ber 1.300 auslndische Multiplikatoren aus Presse, Medien und Kultur zu qualifizierten Infor-mationsreisen nach Deutschland.

    Das Goethe-Institut engagiert sich seit einigen Jahren verstrkt auch auf dem Gebiet der Infor-mations- und Bibliotheksarbeit mit dem Ziel, den fachlichen Dialog ber unterschiedliche Kon-zepte, Methoden und Anwendungen von Infor-mations- und Wissensmanagement, von Biblio-theksorganisation, Aus- und Weiterbildung auf internationaler Ebene zu frdern. Die wichtig sten Aufgaben der Informations- und Bibliotheksar-beit des Goethe-Instituts sind:

    Ein Beispiel fr die ber 90 Bibliotheken und Informationszentren der Goethe-Institute ist die Bibliothek in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Sie bietet neben aktuellen gedruckten und audiovisuellen Medien in deutscher Sprache und in bersetzung auch Internetpltze an. Sprachkurse und Autorenlesungen gehren zum Aufgabenprofil. Die Medienbestnde aller Biblio-theken in den auslndischen Goethe-Instituten werden in einem gemeinsamen Online-Katalog nachgewiesen, soweit diese in der Datenbank des Sdwestdeutschen Bibliotheksverbundes erfasst sind.

    Goethe-Institut e.V., Mnchen

    Das Goethe-Institut e.V. (GI) nimmt im staatli-chen Auftrag Aufgaben der auswrtigen Kul-tur- und Bildungspolitik wahr. Dabei verfolgt das Institut drei Hauptziele: die Pflege der internatio-nalen kulturellen Zusammenarbeit, die Frde-rung der Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland und die Vermittlung eines umfassenden Deutschlandbildes durch Informationen ber das kulturelle, gesellschaftliche und politische Leben. Das Institut mit seiner Zentrale in Mn-chen (und einem Hauptstadtbro in Berlin) ist keine staatliche Einrichtung, sondern ein Verein, der aufgrund eines Rahmenvertrages mit dem Auswrtigen Amt staatliche Zuschsse erhlt. Das 1951 gegrndete Goethe-Institut ist seit der im Jahr 2001 erfolgten Fusion mit Inter Nationes (gegr. 1952) die grte Mittlerorganisation der deutschen auswrtigen Kultur- und Bildungs-politik mit weltweit etwa 2.800 Mitarbeitern. Im Jahr 2010 hatte das Goethe-Institut ein Ge-samtbudget von 334 Mio. Euro zur Verfgung. Davon waren ca. 225 Mio. Euro Zuwendungen des Auswrtigen Amts, mehr als 112 Mio. Euro erwirtschaftete es selbst durch Sprachkurse und

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    BERUFE UND VERBNDE

    Bibliothekskooperation, Lektoratsdienste und Bestandsnachweise: Um den fachlichen Austausch in den Bereichen Buch, Medien und Bibliotheken zu frdern, werden ge-meinsam mit Institutionen der Gastlnder in derzeit 93 Bibliotheken Fachkonferenzen, Workshops, Studienreisen, Aus- und Fort-bildungsveranstaltungen organisiert. Die Zentrale in Mnchen stellt den einzelnen Bibliotheken und Informationszentren einen Lektoratsdienst mit einer Vorauswahl zur Verfgung, beschafft die Medien und sendet sie an die Bibliotheken. Alle Bestnde sind online recherchierbar mit einem Filter nach Institutionen und Lndern.

    Literatur- und bersetzungsfrderung: Die Kulturinstitute im Ausland vermitteln deutsch-sprachige Literatur, frdern ihre bersetzung und arbeiten hierzu eng mit Presse, Verlagen, Buchhandel und Bibliotheken in den Gast-lndern zusammen.

    Qualifizierte Informationsberatung: Hinweise auf Entwicklungen, Ereignisse, Publikationen und die Erarbeitung von multimedialen The-mendiensten ber deutsche Kultur und deut-sches Zeitgeschehen fr ausgewhlte Ziel-gruppen sind wesentlicher Bestandteil ihrer Informationsarbeit.

    Informationsmanagement: Ein auf den rtli-chen Bedarf zugeschnittenes und zugleich an-spruchsvolles, aktuelles Medienangebot sowie effektive und zuverlssige Serviceleistungen werden nicht nur von den Bibliotheken an den Auslandsinstituten angeboten, sondern auch in zahlreichen auslndischen Partner-bibliotheken, so z.B. in mehr als 77 Deutschen Leseslen, Dialogpunkten sowie Lern- und Informationszentren. Diese werden meist in rt-lich gut funktionierende Bibliotheksstrukturen eingebunden, d.h. die Gastbibliothek stellt ge-eignete Rumlichkeiten, ihre bibliotheksspezi-fische Infrastruktur sowie deutschsprachiges Fachpersonal zur Verfgung, whrend das Goethe-Institut fr eine jhrlich aktualisierte Grundausstattung an Medien, fr technische Gerte sowie die Weiterbildung des Personals sorgt.

    Deutsche Gesellschaft fr Informa-tionswissenschaft und Informations-praxis e.V. (DGI)

    Die Deutsche Gesellschaft fr Informations-wissenschaft und Informationspraxis e.V. (DGI) 1948 als Deutsche Gesellschaft fr Dokumen-tation gegrndet ist der Zusammenschluss der Informationsspezialisten in Deutschland. Sieist eine wissenschaftliche und berufsstndische Fachgesellschaft zur Frderung von Forschung, Lehre und Praxis im Bereich der Informations-wissenschaft und -praxis mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie vertritt die Interessen von Information Professionals in ihrem beruflichen Umfeld, in der ffentlichkeit und gegenber Informationspolitik und -wirtschaft. Sie beteiligt sich an der Aus- und Weiterbildung in der Informationsarbeit und dem Wissensmanagement. ber neue Konzepte, Methoden und Instrumente zeigt sie die Perspek-tiven der Informationsdienstleistung und neue Wege des Wissensmanagements auf. Gegenwr-tig engagiert sich der Verein als Sachwalter und Vermittler von Informationskompetenz als einer Schlsselqualifikation in der modernen Informati-onsgesellschaft und im Prozess des lebenslangen Lernens. Die DGI pflegt die Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Einrichtungen und verfolgt Anwendungsmglichkeiten neuer Technologien einschlielich der damit verbunde-nen Rechtsfragen.

    Fachorgan des Vereins ist die Zeitschrift Information Wissenschaft und Praxis. Ko-operationspartner der DGI sind die Gesellschaft fr Informatik (GI), der Hochschulverband In-formationswissenschaft (HI), die IuK-Initiative Wissenschaft in Deutschland (IuK), die Buch-messe Frankfurt am Main, die Special Libraries Association (SLA) oder das European Council of Information Associations (ECIA).

    Die DGI-Jahrestagungen (die ehemaligen Deutschen Dokumentartage) und die seit 2010 durchgefhrten DGI-Konferenzen, das traditio-

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    BERUFE UND VERBNDE

    nelle Oberhofer Kolloquium sowie die in 2011 neu eingefhrten DGI-Praxistage zeigen die inhaltliche Breite und Vielfalt des Berufsfeldes im Umgang mit Information. Sie behandeln u.a. innovative Forschungsanstze, technische Neuentwicklungen und Managementfragen sowie Mrkte und Marktchancen der Infor-mationsbranche . Der im Jahr 2000 erstmals von DGI und BDB gemeinsam veranstaltete Kongress als 90. Bibliothekar- und 52. Doku-mentartag in Leipzig zum Thema Information und ffentlichkeit machte deutlich, wie sehr sich Aufgabenprofile und Zielsetzungen beider Verbnde inzwischen angenhert haben, sodass konsequenterweise die DGI seit 2004 Mitglied des Dachverbandes BID wurde. Die seitdem im Dreijahres-Turnus veranstalteten Leipziger Kon-gresse bieten fr Bibliothekare und Informations-fachleute eine gute Plattform fr ein konstruk-tives Miteinander und den Erfahrungsaustausch.

    sind BI-International als stndige Kommission fr den internationalen Fachaustausch der BID, das Goethe-Institut, das Kompetenznetzwerk fr Bibliotheken/ Internationale Kooperation im dbv und das IFLA-Nationalkomitee. Auch das Inter- esse internationaler Kollegen an einem Aus-tausch mit deutschen Bibliotheken ist stark ge-stiegen.

    Seit Ende des 20. Jahrhunderts haben sich im Zuge der politischen Entwicklung in Europa zahlreiche ehemals nationale Kompetenzen zu-nehmend auf europische Institutionen und Gremien verlagert, die fr deutsche Bibliotheken von Bedeutung sind. Fragen des Verleih- und des Urheberrechts unterliegen europischer Gesetzgebung. Bibliothekarische Belange wie der internationale Leihverkehr, die Bildung von Konsortien oder die Ausstattung mit Daten-leitungen haben eine europische Dimension erlangt.

    Angesichts der elektronischen Vernetzung und der fortschreitenden Integration von For-schung und Informationsvermittlung nehmen die Bibliotheken in der globalen Wissensgesellschaft eine zunehmend wichtige Rolle ein. Auf den Weltinformationsgipfeln (WSIS) 2003 in Genf und 2005 in Tunis wurde auch die Rolle der Bibliotheken thematisiert; ebenso auf den Kon-gressen des Internet Governance Forum (IFG) ist die Interessenvertretung der Bibliotheken durch IFLA-Vertreter gewhrleistet.

    Rund 70 deutsche bibliothekarische Einrich-tungen und Verbnde sind Mitglieder im Interna-tionalen Verband der bibliothekarischen Vereine und Institutionen (International Federation of Library Associations and Institutions, IFLA), dem 1927 in Glasgow gegrndeten internationalen bibliothekarischen Dachverband. Fast alle 45 Fachgruppen der IFLA, die Sektionen und Kernaktivitten haben gewhlte deutsche Ver-treter. Auch in das hchste IFLA-Gremium, das Governing Board, werden regelmig deutsche Biblio thekare gewhlt. Die Zentrale (Headquar-ters) der IFLA ist in Den Haag; der jhrliche IFLA-Welt kongress findet an jeweils wechselnden Orten der Welt statt. Nach Gustav Hoffmann (19581963) und Hans-Peter Geh (19851991) war Claudia Lux von 20072009 die dritte Prsi-dentin der IFLA aus Deutschland.

    Internationale Zusammenarbeit

    Unerlsslich fr eine positive Bibliotheksentwick-lung in Deutschland sind ein regelmiger Wissenstransfer und eine enge Zusammenarbeit mit Partnern aus dem gesamten Bereich von Bibliothek und Information im In- und Ausland. Durch Globalisierung, weltweite Vernetzung, grenzberschreitende gesetzliche Regelungen und Verbandsarbeit kommt der internationalen Kooperation eine immer grere Bedeutung zu. Im 2005 verffentlichten und 2008 aktualisierten Papier Auf dem Weg zur globalen Wissensge-sellschaft hat die BID als die koordinierende Instanz die Ziele und Rahmenbedingungen, Handlungsschwerpunkte und organisatorische Struktur der internationalen Arbeit beschrieben. Der Dachverband befindet sich dabei im Zentrum eines Netzwerkes aus mehreren Vereinigungen, Gremien und Bibliotheken. Gestrkt durch den IFLA-Weltkongress in Berlin 2003 hat die inter-nationale Arbeit der deutschen Bibliotheken seit-dem sprbar zugenommen. Ihre Sttzpfeiler

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    BERUFE UND VERBNDE

    Zur Koordinierung der deutschen Mitarbeit in der IFLA wurde 1974 das IFLA-Nationalkomitee gegrndet. Sein Sekretariat wurde beim Arbeits-bereich Internationale Kooperation des knb im dbv in Berlin angesiedelt. Dem IFLA- National-komitee gehren neben den Mitgliedsverbnden der BID und der AG der Spezialbibliotheken (ASpB) auch die Deutsche Nationalbibliothek, die Staatsbibliotheken zu Berlin und Mnchen, die Schsische Landesbibliothek Staats- und Universittsbibliothek Dresden sowie die Deut-sche Forschungsgemeinschaft (DFG) an. Die DFG untersttzt die IFLA-Mitgliedschaft der Verbnde finanziell, der Deutsche Akademische Austausch-dienst (DAAD) frdert regelmig IFLA-Kongress-teilnahmen wissenschaftlicher Bibliothekare. Das IFLA-Nationalkomitee ldt jhrlich zu seinen Sit-zungen ein, die mit ffentlichen Diskussionsver-anstaltungen kombiniert sind und es organisiert Veranstaltungen zu internationalen IFLA-Themen auf den Bibliothekartagen.

    Auf europischer Ebene sind die deutschen Verbnde durch das Bro der europischen Bibliotheks-, Informations- und Dokumentations-verbnde (EBLIDA) vertreten, das 1992 in Den

    Haag gegrndet wurde als Interessenvertretung von Bibliotheken und Informationseinrichtungen zwecks Beratung des Europischen Parlaments, der Europischen Kommission und des Europa-rats. Aus allen europischen Mitgliedstaaten sind Fachverbnde in EBLIDA vertreten. In fnf Expertengruppen werden zu den Themenfeldern Urheber- und andere Rechtsfragen, Digitalisie-rung sowie Kultur und Informationsgesellschaft Stellungnahmen und Positionspapiere erarbeitet und bibliothekspolitische Lobbyarbeit betrieben. Im Mai 2009 konnte gemeinsam mit NAPLE die Wiener Erklrung verabschiedet werden, die die Rolle und das Potenzial von Bibliotheken in der europischen Wissensgesellschaft manifestiert . Vier Empfehlungen richteten sich dabei an die Europische Kommission: Die Erstellung eines Weibuchs zu ffentlichen Bi-bliotheken in der Wissensgesellschaft, die Ein-richtung eines europischen Wissenszentrums fr ffentliche Bibliotheken, europische Projekt-frderung fr die Entwicklung von Bibliotheken und ihrer europischen Infrastruktur und die Herbeifhrung eines Urheberrechtsgesetzes, das die Rechteinhaber bercksichtigt, gleichzeitig

    Den im September 2005 eingeweihten Neubau der Philologischen Bibliothek der Freien Universitt Ber-lin entwarf der britische Architekt Sir Norman Foster, der fr spektakulre Bauten bekannt ist. Wegen seines Inhalts und seiner Form erhielt das Gebude den Beinamen The Berlin Brain. 2006 wurde das Gebude mit dem hoch angesehenen, nur alle zwei Jahre verliehenen Architekturpreis Berlin ausge-zeichnet. Der ovale, blasenfrmige Neubau vereinigt elf Instituts- und Seminarbibliotheken, die zuvor rumlich und personell unzulnglich untergebracht gewesen waren. Die Kapazitt des Freihandbereichs ist auf 800.000 Bnde ausgelegt, die Zahl der Lesepltze betrgt 650.

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    BERUFE UND VERBNDE

    aber Lsungen fr Bibliotheksnutzungen zulsst, ohne die Entwicklung der Wissensgesellschaft zu behindern.

    NAPLE (National Authorities on Public Libraries in Europe) wurde im Jahr 2002 von na-tionalen Bibliotheksverwaltungsorganisationen in Europa gegrndet. Ziel ist es, strategische Ent-wicklungen auf politischer und administrativer Ebene in ffentlichen Bibliotheken in Europa zu frdern. Seit 2009 fhren NAPLE und EBLIDA im Rahmen ihrer Mitgliederversammlungen ge-meinsame internationale Bibliothekskonferenzen durch; auch EBLIDA und LIBER organisieren ge-meinsame Konferenzen oder Arbeitsgruppen.

    Mit LIBER (Ligue des Bibliothques Euro-pennes de Recherche = Liga Europischer Wis-senschaftlicher Bibliotheken) wurde 1971 eine internationale Vereinigung Wissenschaftlicher Bibliotheken unter der Schirmherrschaft des Euro parates geschaffen, die sich 2009 in eine Stiftung umwandelte. LIBER umfasst mehr als 400 wissenschaftliche, nationale und Universi-ttsbibliotheken in 45 Lndern. In Deutschland sind knapp 50 Staats-, Landes- und Hochschul-bibliotheken Mitglied. LIBER untersttzt wissen-schaftliche Bibliotheken in Europa darin, ein ber natio nale Grenzen hinweg funktionierendes Netz zu bilden, das den Erhalt des europischen Kul-turerbes sichern, den Zugang zu den Bestnden in europischen Bibliotheken verbessern und effizientere Informationsdienste in Europa ein-richten soll.

    Die Conference of European National Librarians (CENL) ist die unabhngige Vereini-gung der Direktoren der europischen National-

    bibliotheken in Form einer Stiftung, in der zurzeit 46 Mitgliedslnder des Europarates vertreten sind. Ihr Ziel ist die Frderung der Zusammenar-beit der europischen Nationalbibliotheken. Hauptthemen sind u.a. Bestandsschutz, multilin-guale Normdateien in Nationalbibliotheken, Langzeitsicherung elektronischer Publikationen und Digitalisierung. Mit der Europischen Di-gitalen Biblio thek hat CENL den Grundstein gelegt fr die Europeana, die 2008 mit dem Ziel online ging, Europas kulturelles und wissen-schaftliches Erbe der ffentlichkeit zugnglich zu machen. Das Projekt wird von der Europischen Kommission teilfinanziert. Es ist als Stiftung an der National bibliothek der Niederlande angesie-delt .

    Verstrkt nutzen Bibliotheken in Deutschland EU-Frdermglichkeiten, um Digitalisierungs-projekte voranzubringen, Bibliotheksangebote zu erweitern und die kulturelle Vielfalt der Mit-gliedslnder und ihrer Regionen zu erhalten, wie sie in der UNESCO-Konvention zu Schutz und Frderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksfor-men verbrieft ist. Zu den relevanten EU-Frder-programmen fr Bibliotheken mit einer Laufzeit bis 2013 gehren u.a. das 7. Forschungsrahmen-programm, das KULTUR-Rahmenprogramm, das Bildungsprogramm Lebenslanges Lernen mit den Unterprogrammen Comenius (Schulbil-dung), Erasmus (Hochschulbildung), Leonar-do da Vinci (Berufsbildung) und Grundtvig (Erwachsenenbildung). ber diese und weitere EU-Programme informiert das Bibliotheksportal des knb.

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    5 KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    Grundlagen der Kooperation

    1964 legte der Wissenschaftsrat, ein angese-henes Beratungsgremium im Bereich von Wis-senschaft, Forschung und Technologie, Emp-fehlungen zum Ausbau der wissenschaftlichen Bibliotheken vor. Sie enthielten grundstzliche berlegungen zur Struktur des wissenschaft-lichen Bibliothekswesens in der damaligen Bundesrepublik, auch aber praktische Einzelemp-fehlungen fr 82 Bibliotheken und Etatmodelle fr Hochschulbibliotheken. Auerdem stieen sie wichtige Projekte an wie z.B. den Aufbau von Lehrbuchsammlungen in den Hochschulbiblio-theken und die Einrichtung von Gesamtkatalo-gen fr alle Buchbestnde einer Universitt. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates gaben den Ansto, planerische Konzepte und einzelne

    Lokale, regionale und nationale Dienstleistungen durch Zusam-menarbeit

    Die intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit der deutschen Bibliotheken ist keineswegs eine jngere Erscheinung. Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist sie zunchst besonders in Preuen, dann im gesamten Deutschen Reich praktiziert worden. Die konomischen Schwierig-keiten nach dem Ersten Weltkrieg und die ge-waltigen Verluste infolge des Zweiten Weltkriegs lieen die Bibliothekare nach weiteren Mglich-keiten der Zusammenarbeit suchen. Aber erst die sprunghaft angestiegenen Anforderungen an die Leistungsfhigkeit der Literaturversorgung und Informationsvermittlung seit der Phase der Bildungsexpansion in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts fhrten zu dem Versuch, die weitere Entwicklung des deutschen Bibliotheks-wesens mit rationalen Methoden zu gestalten und damit sinnvoll zu planen. Schlielich gaben der Einsatz der Datenverarbeitung und der Aus-bau elektronischer Netze der Kooperation einen neuen Impuls und schufen die Grundlage fr den eingeschlagenen Weg in das Zeitalter der Digitalen Bibliothek.

    1992 bezog die Niederschsische Staats- und Universittsbibliothek Gttingen ein modernes Gebude (Architekten: Gerber und Partner), das ihr ermglicht, 1,5 Millionen von ihren 4,2 Mio. Bnden als Freihandbestand aufzustellen. Die Bibliothek nimmt mehrere berregionale Aufga-ben wahr, darunter die Betreuung von 20 Sonder-sammelgebieten, und beschreitet konsequent den Weg zur Digitalen Bibliothek. Aufgrund ihrer berdurchschnittlichen Leistungen wurde sie 2002 vom DBV zur Bibliothek des Jahres gewhlt.

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    Instrumente (z.B. Etat-, Personal- oder Flchen-bedarfsmodelle) zu entwickeln.

    Angesichts des Fehlens einer fr das gesamte deutsche Bibliothekswesen zustndigen zentra-len Instanz ergriff die Deutsche Bibliothekskonfe-renz, die damalige Dachorganisation des wissen-schaftlichen und ffentlichen Bibliothekswesens, die Initiative und erarbeitete einen Strukturplan, den Bibliotheksplan 73. Seinem Untertitel nach beabsichtigte er den Entwurf eines umfassen-den Bibliotheksnetzes fr die Bundesrepublik Deutschland. Er ging von der berzeugung aus, dass die stndig steigenden Anforderungen auf allen Gebieten der allgemeinen Bildung, der beruflichen Aus- und Fortbildung, der Forschung und Lehre nur erfllt werden knnten, wenn Literatur aller Art, die auch in Zukunft Grundlage des Lernens sein wird, und Informationsmittel fr jedermann an jedem Ort erreichbar sind. Dieses Ziel, so die Schlussfolgerung, knne nur im Rah-men eines einheitlichen Bibliothekswesens und nur durch das Zusammenwirken aller Bibliothe-ken erreicht werden. Der Bibliotheksplan 73 kam in Abstimmung mit dem Deutschen Stdte-tag zustande.

    Das von Bibliothekaren aus ganz Deutschland erarbeitete, 1993 von der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbnde prsentierte Positionspapier Bibliotheken 93 bildet in seinen Grundzgen die Grundlage bibliothekarischer Zusammenarbeit. Es bezieht alle Bibliotheks typen ein und berwindet zumindest konzeptionell die traditionelle Trennung in die beiden Sparten des wissenschaftlichen und des ffentlichen Bibliothekswesens. Wie bereits der Bibliotheks-plan 73 weist der Plan von 1993 den Bibliothe-ken unterschiedlichen Typs und unterschiedlicher Gre ihren jeweiligen Standort im Netz des

    Whrend das Haus Unter den Linden der Staats-bibliothek zu Berlin Preuischer Kulturbesitz als historische Forschungsbibliothek fr die Literatur bis zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert aus-gebaut wird, fungiert das Haus am Potsdamer Platz als Ausleih- und Informationsbibliothek fr die danach erschienene Literatur. Der Allgemeine Lesesaal, der auf vier Etagen eine Handbibliothek von 150.000 Bnden sowie 800 Arbeitspltze anbietet, wird ergnzt durch vier Sonderlesesle: Handschriften-, Karten-, Osteuropa- und Orient-/Ostasien-Lesesaal. Zum Kreis der Benutzer zhlen vor allem Studierende.

    Gesamtsys tems der Literaturversorgung zu. Aus dieser Zuordnung ergibt sich das Aufgaben-spektrum einer Bibliothek, und das wiederum verlangt eine dafr notwendige Ausstattung. bergreifende Aufgaben sollen von zentralen Einrichtungen oder im Verbund, also durch Zu-sammenarbeit untereinander gelst werden.

    Die dezentrale Struktur des deutschen Biblio-thekswesens, die Vielzahl unterschiedlicher Unterhaltstrger und Bibliothekstypen, die poli-tisch-administrativen Rahmenbedingungen eines fderativen Staates sowie das Fehlen einer bundesweit operierenden Planungs- und Steue-rungsinstanz haben die Notwendigkeit zum gemeinsamen Handeln gestrkt. Kooperation ist geradezu zum konstitutiven Merkmal des deut-schen Bibliothekswesens geworden. Die groe Zahl der Gemeinschaftsunternehmen beweist dies ebenso wie die Menge der bibliothekari-schen Zusammenschlsse und Zusammenknfte. Dabei zeigt sich, dass die besondere Struktur des deutschen Bibliothekswesens keineswegs ein Nachteil sein muss, sondern dass bei berlegter Aufgabenteilung und planmiger Zusammen-arbeit eindrucksvolle Resultate erzielt werden knnen. Kooperation kann aber kein Ersatz fr Defizite bei der finanziellen Ausstattung der Biblio theken und kein Ersatz fr eine zentrale In-stitution mit Koordinierungsfunktion sein.

    Zwei Arten von Aufgaben bieten sich fr ein kooperatives Vorgehen an: Entweder handelt es sich um Aufgaben von nationaler Bedeutung, die sich aufgrund ihrer Dimension, ihrer Ziel-setzung oder ihres Charakters nur arbeitsteilig

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    bewltigen lassen, oder es handelt sich um stn-dig wiederkehrende, viele Bibliotheken zugleich betreffende Aufgaben, deren zentrale oder ge-meinsame Bewltigung Rationalisierungseffekte erzeugt. Die Zusammenarbeit kann sich sowohl auf lokaler, regionaler oder nationaler Ebene als auch im europischen bzw. internationalen Rah-men abspielen. Zahlreiche deutsche Bibliotheken sind an grenzberschreitenden Projekten und Zusammenschlssen beteiligt, beispielsweise im Ostseeraum (Bibliotheca Baltica), im Alpenraum (ARGE Alp), am Oberrhein (EUCOR und BIBLIO 2) oder in der EUREGIO Maas-Rhein und arbeiten in internationalen Organisationen und Gremien mit, namentlich in den Gliederungen der IFLA. An den Initiativen und Frderprogrammen der Europischen Union und den Aktivitten der UNESCO sind deutsche Bibliotheken ebenfalls beteiligt. Bei den folgenden Beispielen geht es vor allem um die Darstellung berregionaler und zugleich herausragender Kooperationen auf den Gebieten der Erwerbung, der Erschlieung und der Benutzung.

    Zusammenarbeit bei der Markt sichtung und Erwerbung

    Die Wissenschaftlichen Bibliotheken arbeiten seit Jahrzehnten eng auf dem Gebiet der Erwerbung zusammen. Auch die ffentlichen Bibliotheken entwickelten auf regionaler Ebene kooperative Erwerbungsmodelle; so trafen etwa die groen Stadtbibliotheken Nordrhein-Westfalens Abspra-chen ber intensiv zu betreuende Sondersam-melgebiete, die mit Landesmitteln untersttzt werden. Die im Folgenden beschriebenen Projekte zielen auf den tatschlichen Bestands-aufbau. In zunehmendem Umfang flieen Er-werbungsmittel aber auch in den Kauf von Nut-zungsrechten. Wie international blich haben sich die deutschen Bibliotheken zu Konsortien zusammengeschlossen, deren Zweck die koope-rative Lizenzierung von elektronischen Medien ist. Besonders bei sehr kostspieligen digitalen Produkten lsst sich durch Konsortialvertrge das Titel angebot erweitern, ohne dass der Erwer-bungsetat zu stark belastet wird.

    Die Deutsche Forschungsgemein-schaft, das Sammelschwerpunkt-programm und die Virtuellen Fach-bibliotheken

    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist die zentrale Selbstverwaltungseinrichtung der Wissenschaft zur Frderung der Forschung an Hochschulen und ffentlich finanzierten For-schungsinstituten in Deutschland. Sie dient der Wissenschaft in allen ihren Zweigen durch finan-zielle Untersttzung von Forschungsvorhaben und durch die Frderung der Zusammenarbeit unter den Forschern. In Fortsetzung der Tradition

    In strenger und zugleich betont zeitloser Archi-tektur prsentiert sich der 1991 vollendete Neu-bau der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe (Baden-Wrttemberg, Architekt: Oswald Mathias Ungers). Geometrischer Mittelpunkt des Gebu-des ist der Hauptlesesaal, der mit einer Reminis-zenz an die Kuppellesesle des 19. Jahrhunderts aufwartet. Im Rahmen von EUCOR arbeitet die Badische Landesbibliothek mit anderen Wissen-schaftlichen Bibliotheken auf beiden Seiten des Oberrheins zusammen.

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    Die Schsische Landesbibliothek Staats- und Universittsbibliothek Dresden konnte 2002 die bisherigen Bibliotheksstandorte einschlielich der Sondersammlungen, der Lehrbuchsammlung, der Deutschen Fotothek und mehrerer Zweigbiblio-theken und damit 6 Mio. Medieneinheiten in einem Neubau vereinigen (Entwurf: Ortner und Ortner). Auf die Benutzer warten 900 Lesepltze, davon 200 im zentralen Lesesaal. 1993 wurde die Schsische Landesbibliothek mit dem Sonder sam-mel gebiet Zeitgenssische Kunst ab 1945 am Sammelschwerpunktprogramm der DFG beteiligt.

    der 1920 gegrndeten Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft ist sie 1949 wiederer-richtet worden. Zur Finanzierung ihrer Aufgaben erhlt sie Zuwendungen von Bund und Lndern und in kleinerem Umfang auch von privater Seite. Die Gruppe Wissenschaftliche Literatur-versorgungs- und Informationssysteme (LIS) der DFG frdert den Aufbau leistungsfhiger, am Bedarf der Forschung orientierter Informations-dienstleistungen und innovativer Informationsin-frastrukturen an wissenschaftlichen Serviceein-richtungen in ffentlich-rechtlicher Trgerschaft. Die Frdermanahmen, die 2009 bei rund 36,5 Mio. Euro lagen, konzentrieren sich auf berregional ausgerichtete Manahmen in fol-genden Bereichen: Erschlieung und Digitalisie-rung handschriftlicher und gedruckter Literatur- und Quellenbestnde und deren Vernetzung zu einer Verteilten Digitalen Forschungsbibliothek sowie Aufbau materialspezifischer Portale; elek-tronische Publikationen (Entwicklung und Im-plementierung innovativer und standardisierter Verfahren in den Bereichen digitale wissenschaft-liche Kommunikation, elektronisches Publizieren und langfristige Verfgbarkeit digitaler Doku-mente); Informationsmanagement (Manahmen zur Verbesserung des Informationszugangs in technischer und organisatorischer Hinsicht).

    Kernelement der Bibliotheksfrderung der DFG ist das System der berregionalen Literatur-versorgung, an dem heute drei Bibliotheks typen beteiligt sind: Universalbibliotheken mit Son-dersammelgebieten, wissenschaftliche Spezial-bibliotheken, die Zentralen Fachbibliotheken. Anknpfend an ltere, bis in das 19. Jahrhundert zurckreichende Traditionen konzipierte die DFG im Jahre 1949 fr das wissenschaftliche Biblio-thekswesen der Bundesrepublik einen Sonder-sammelgebietsplan. Er wurde entworfen, um in den Jahren der Not und des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg sicherzustellen, dass die wissenschaftlich relevanten auslndischen Publi kationen wenigstens in einem Exemplar in Deutschland verfgbar sind. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dieser Plan zu einem echten System der berregionalen Literaturversorgung im Dienst von Wissenschaft und Forschung.

    27 leistungsfhige Staats-, Universitts- und Spezialbibliotheken tragen heute auf der

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    Grundlage einer definierten Aufgabenstellung ein kooperatives System von rund 100 fachlich oder regional bestimmten Sammelschwerpunk-ten. Durch die Neuschaffung bzw. Verlagerung von Sammelgebieten wurden nach der Wieder-vereinigung Deutschlands auch Einrichtungen in den stlichen Bundeslndern in das zuvor auf Westdeutschland beschrnkte Programm einbezogen . Aufgabe dieser Sondersammelge-bietsbibliotheken ist es, systematisch Spezial-sammlungen aufzubauen und die mit finanzieller Untersttzung der DFG erworbene Literatur fr die berregionale Nutzung zur Verfgung zu stellen. Der Sammelauftrag ist umfassend formuliert, schliet also alle Informationstrger einschlielich der digitalen Verffentlichungen ein. Im Einzelnen umfasst er die Bereiche aus-lndische Zeitschriften und Monografien, aus-lndische Literatur in Mikroform (jeweils mit Erscheinungsjahr nach 1950) sowie auslndische digitale Publikationen auf Datentrgern und im Netz.

    Seit 2004 wird auch die Erwerbung von Na-tionallizenzen zu laufenden Zeitschriften, Zeitschriftenarchiven, Datenbanken und Text-sammlungen fr die Sondersammelgebiete von der DFG gefrdert. Ziel dieses Engagements ist es, Wissenschaftlern, Studierenden und wissen-schaftlich interessierten Privatpersonen den kostenlosen Zugang zu Datenbanken, digitalen Textsammlungen und elektronischen Zeitschrif-ten zu ermglichen. Der Zugriff auf die bundes-weit verfgbaren elektronischen Ressourcen kann von allen deutschen Hochschulen sowie den Regionalbibliotheken aus erfolgen; auch

    Den Historischen Lesesaal der Universittsbiblio-thek Tbingen (Baden-Wrttemberg), errichtet 1912 (Architekt: Paul Bonatz), ziert ein breites Wandgemlde, das die Auseinandersetzung der Gegenwart mit der Weisheit der Vergangenheit darstellt. Die Bibliothek der 1477 gegrndeten Universitt Tbingen, Teil eines zweischichtigen Bibliothekssystems, betreut im Rahmen des DFG-Sondersammelgebietsprogramms drei Sammel-schwerpunkte, darunter die Theologie.

    aueruniversitre Forschungseinrichtungen sind zur Nutzung zugelassen. Derzeit haben acht Ein-richtungen Lizenzvereinbarungen mit Verlagen, Fachgesellschaften und anderen Informations-anbietern geschlossen und bieten sowohl Biblio-theken als auch Privatpersonen die Teilnahme an den ausgehandelten Angeboten an. Im Rahmen der Allianzlizenz-Initiative werden knftig die regionalen Konsortien strker an der Produktaus-wahl beteiligt.

    Welche Sammelgebiete von der DFG einge-richtet wurden, welche Bibliothek welches Sammelgebiet betreut, welche Virtuellen Fach-bibliotheken bereits entstanden sind diese und weitere Fragen beantwortet das webbasierte Informationssystem Webis. Sammelschwerpunk-te an deutschen Bibliotheken, das auch ber die Idee der verteilten nationalen Forschungsbiblio-thek informiert. Whrend die groen Fachge-biete der Medizin, der Naturwissenschaften und Technik sowie der Wirtschaftswissenschaften durch die Zentralen Fachbibliotheken abgedeckt werden, sind die brigen Sammelgebiete auf zahlreiche wissenschaftliche Universal- und Spe-zialbibliotheken verteilt. Diese knnen sowohl einzelnen Fchern (Botanik, Forstwissenschaft, Psychologie, Theologie) als auch einzelnen sprachlich, kulturell oder geografisch bestimmten Regionen gewidmet sein (Afrika sdlich der Sahara, Indianer- und Eskimosprachen und -kul-turen, Sdasien, Ozeanien).

    Die zum Zweck der berregionalen Literatur-versorgung erworbenen Bestnde werden formal und sachlich erschlossen und in den lokalen Bibliothekskatalogen sowie den regionalen und berregionalen Verbunddatenbanken nachge-wiesen. Darber hinaus knnen sie zustzlich durch spezielle, konventionell oder elektronisch verbreitete Publikationen (Neuerwerbungslisten, Zeitschrifteninhaltsdienste) den interessierten

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    Wissenschaftlern bekannt gemacht werden. Wurden sie frher vor allem im Rahmen des Deutschen Leihverkehrs zur Verfgung gestellt, so bieten heute alle Sondersammelgebietsbi-bliotheken ebenso wie die Zentralen Fachbiblio-theken den Dokumentationsdienst subito an. Einer verbesserten Bereitstellung der Sondersam-melgebietsbestnde dient auch die Digitalisie-rung dieser Ressourcen, die knftig mit Prioritt betrieben wird.

    Mit finanzieller Untersttzung der DFG wer-den seit 1998 die Sammelschwerpunktbiblio-theken zu Virtuellen Fachbibliotheken weiter-entwickelt. Allerdings ist es noch nicht gelungen, sie fr alle Fachgebiete zu errichten, beispiels-weise nicht fr Informatik oder Meteorologie. Die Virtuellen Fachbibliotheken realisieren einen Zugang zu den gedruckten Materialien sowie zu qualitativ geprften Internetquellen eines Fach-gebiets. Als Einstiegsseite fr die Virtuellen Fach-bibliotheken und Fachportale fungierte seit 2002 Vascoda. Das Internetportal fr wissenschaftliche Information. Es bot neben umfassenden Recher-chemglichkeiten den Zugang zu verlsslichen Informationen und Volltexten aus verschiedenen Fchern und war seit 2005 ein eingeschriebener Verein, dem rund 40 Bibliotheken, Fachinforma-tionsanbieter und wissenschaftliche Institutionen beitraten. Knftig wird sich Vascoda jedoch dar-auf beschrnken, die Koordi nation, strategische Untersttzung und das Marke ting fr die Ver-netzung und den Wissens austausch unter den beteiligten Fachportalen zu bernehmen, das Portal in seiner bisherigen Form wird nicht lnger gepflegt. Mehrere Betreiber Virtueller Fachbiblio-theken beteiligen sich an dem Projekt Academic Linkshare (ALS), dessen Ziel die arbeitsteilige Erschlieung wissenschaftlich relevanter Internet-ressourcen ist.

    Die Sammlung Deutscher Drucke

    Whrend sich in den groen Nationalbibliothe-ken anderer Lnder umfassende Sammlungen der jeweiligen Nationalliteratur befinden, gibt es eine zentrale Archivbibliothek fr das gedruckte deutsche Kulturgut erst seit Grndung der Deut-schen Bcherei im Jahre 1912. Der Aufgabe, das im deutschsprachigen Raum erschienene, in den Bibliotheken aber nur lckenhaft berlieferte Schrifttum systematisch zu ergnzen, widmen sich seit 1989 im ersten Jahrfnft mit groem finanziellen Engagement der Volkswagen-Stiftung (12,5 Mio. Euro) die in der Arbeitsge-meinschaft Sammlung Deutscher Drucke zusam-mengeschlossenen Bibliotheken fr die Zeit vom Beginn des Buchdrucks bis 1912. Ab 1913 setzt die Deutsche Nationalbibliothek mit der Deut-schen Bcherei die Sammlung Deutscher Drucke mit den gesetzlich vorgeschriebenen Pflicht-stcken fort. So entsteht eine virtuelle National-bibliothek mit zunehmender Vollstndigkeit.

    Die Herzog August Bibliothek in Wolfenbttel (Niedersachsen), 1572 als frstliche Sammlung gegrndet, im 17. Jahrhundert eine der grten europischen Bchersammlungen, ist heute eine Forschungs- und Studiensttte fr europische Kulturgeschichte. Der rund 135.000 Titel um-fassende Kernbestand der Bibliothek ist in der musealen Augusteerhalle der Bibliotheca Augusta (erbaut 18841887) untergebracht, dem zentralen Gebude des Wolfenbtteler Bibliotheksquartiers.

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    Der Arbeitsteilung zwischen den beteiligten Bibliotheken liegt eine chronologische Einteilung zugrunde. Die einzelnen Segmente wurden je-weils von den Bibliotheken bernommen, die fr den entsprechenden Zeitabschnitt schon bisher einen besonders umfangreichen Bestand hatten. Die sechs Bibliotheken der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke sind fr folgende Zeitsegmente zustndig:

    14501600: Bayerische Staatsbibliothek, Mnchen

    16011700: Herzog August Bibliothek, Wolfenbttel

    17011800: Niederschsische Staats-und Universittsbibliothek, Gttingen

    18011870: Johann Christian Senckenberg Universittsbibliothek, Frankfurt am Main

    18711912: Staatsbibliothek zu Berlin Preuischer Kulturbesitz

    1913ff: Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main und Leipzig

    Jede der retrospektiv sammelnden Bibliotheken erwirbt fr ihren Zeitabschnitt alle im deutsch-sprachigen Raum erschienenen Drucke und alle Drucke in deutscher Sprache, unabhngig von ihrem Erscheinungsort. Vorrangig werden solche Drucke gekauft, die noch nicht in einer ffentlich zugnglichen deutschen Bibliothek vorhanden sind. Alle im Rahmen des Projektes erworbenen Drucke werden in den berregionalen Kata-logdatenbanken verzeichnet und sind ber das Internet weltweit recherchierbar. In vielen Fllen bedrfen die historischen Drucke besonderer konservatorischer Behandlung; ergnzend treten die Sicherheitsverfilmung und zunehmend auch die Digitalisierung hinzu.

    Auch wenn seit 1990 ber 100.000 Original-werke und mehr als 40.000 Mikroformen erwor-ben wurden, steht der Aufbau dieser virtuellen Nationalbibliothek erst am Anfang eines langen Weges. Wie viele Bcher in Deutschland seit Erfindung des Buchdrucks berhaupt erschienen sind, vermag niemand zu sagen. Schtzungen zufolge sind noch mehrere Jahrzehnte des Sam-melns auf dem bisherigen Niveau erforderlich. Die Sammlung Deutscher Drucke ist demnach ein Jahrhundertprojekt.

    Die Lektoratskooperation

    Eine fr die ffentlichen Bibliotheken unentbehr-liche Hilfe beim Bestandsaufbau stellt die 1976 initiierte Lektoratskooperation (LK) dar. Sie zielt auf die Vermeidung von Mehrfacharbeit bei der Auswahl der Literatur und AV-Medien. Ihr Hauptziel ist es, den ffentlichen Bibliotheken die Sichtung der jhrlich rund 80.000 in Deutschland neu erscheinenden Medien zu er-leichtern und zugleich eine Grundlage fr die Bestellung zu bieten.

    Die Lektoratskooperation verbindet die Vor-teile einer dezentralen, praxisnahen Marktsich-tung mit der Effizienz eines zentral organisierten Besprechungssystems. An ihr sind der dbv mit rund 75 institutionellen LK-Lektoren aus etwa 60 Bibliotheken, der BIB mit rund 250 freischaf-fenden Rezensenten und als koordinierende Schaltstelle die ekz mit einem Lektorat beteiligt . Innerhalb der Lektoratskooperation sind die Lektoren fr die kritische Durchsicht und Bewer-tung neu erschienener Sachliteratur zustndig; fr die Aufarbeitung der Belletristik, der Kin-der- und Jugendliteratur sowie der Tontrger und AV-Medien sorgen die Rezensenten. Das ekz-Lektorat verantwortet im Vorfeld die Markt-sichtung und sorgt fr die postalische Verteilung aller Medien sowie im Nachgang fr die sptere Verffentlichung der Begutachtungstexte. Von den etwa 22.000 der ekz zugeschickten Medien kommen nach Vorauswahl durch das Lektorat rund 14.000 Medien in den Umlauf an die Lek-toren bzw. Rezensenten. Die Meldungen aller Beteiligten bilden die Grundlage fr eine Reihe von Besprechungsdiensten.

    Die Lektoratsdienste knnen von den Biblio-theken kostenpflichtig abonniert werden. In wchentlichem Rhythmus erscheinen Komplett-, Teil- oder Auswahlausgaben des Informations-dienstes (ID), die sich durch die Anzahl der an-gezeigten Titel voneinander unterscheiden. Die Groe Ausgabe des ID mit jhrlich 14.000 Titeln wendet sich an grostdtische Bibliotheks-systeme und groe Mittelstadtbibliotheken mit differenziertem Bestand; die Basis-Ausgabe des ID (jhrlich 10.000 Titel) zielt auf die Biblio-theken mittlerer Stdte mit entsprechend geringerem Erwerbungsetat. Die gedruckte

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    Vor allem die Grostadtbibliotheken der Sektio-nen 1 und 2 des Deutschen Bibliotheksverbandes (Grostdte ber 100.000 Einwohner) sind mit ihren Referenten fr Bestandsaufbau aktiv an der Lektoratskooperation beteiligt. Die 2001 rumlich erweiterte Stadtbibliothek Wrzburg (Bayern), Bibliothek des Jahres 2003, betreut innerhalb der Lektoratskooperation Teile des Sachgebiets Geografie. 2009 fhrte sie als eine der ersten ffentlichen Bibliotheken die Onleihe (online ausleihen) ein, die das befristete Herunterladen digitaler Medien erlaubt.

    Monatspublikation BA. Besprechungen und An-notationen wurde Ende 2010 eingestellt. 6.000 Titel pro Jahr enthlt die Auswahlausgabe des ID. Der monatliche ID 3000 mit rund 3.000 handverlesenen Begutachtungen richtet sich an ffentliche Bibliotheken in Kleinstdten und Gemeinden unter 10.000 Einwohnern. Fr Non-Book-Medien erscheint separat ein monat-liches Medien-Info, das 3.000 Titel pro Jahr anzeigt. Seit 2007 gibt es die jhrlich in zwei Heftausgaben erscheinende Empfehlungsliste BibTipp, die auch ber die staatlichen Biblio-theksfachstellen vertrieben wird und sich mit ihren rund 1.500 Rezensionen an die kleineren, oft ehrenamtlich geleiteten ffentlichen Biblio-theken wendet. Darber hinaus ermglichen thematisch sortierte und im Finanzvolumen un-terschiedlich gestaffelte Standing Order-Ange-bote, die zentralen Dienste der ekz als Ausfluss der Lektoratskooperation fr den laufenden rtli-chen Bestandsaufbau zu nutzen.

    Die ffentlichen Bibliotheken profitieren vom Bezug des ekz-Informationsdienstes in mehr-facher Weise. Zum einen erhalten sie Empfehlun-gen und Hinweise fr den eigenen Bestandsauf-bau; zum anderen knnen sie die von der ekz erbrachten Fremdleistungen nutzen: Dazu gehren die Titelaufnahmen und Schlagwortan-setzungen der Deutschen Nationalbibliothek und die Notationen der vier in den ffentlichen Bibliotheken verbreitetsten Aufstellungsklassi-fikationen. Das zweifellos arbeitsintensive und logistisch anspruchsvolle System funktioniert inzwischen dank des verstrkten Einsatzes mo-derner Informationstechnik mit bemerkenswerter organisatorischer Schnelligkeit und hoher Aktua-litt der Rezensionen.

    Zusammenarbeit bei der Katalo-gisierung und Sacherschlieung

    Die Zusammenarbeit auf dem Sektor der Er-schlieung und die Nutzung zentraler Dienstlei-stungen bei der Formal- und Sachkatalogisierung setzen voraus, dass die beteiligten Bibliotheken ihre Kataloge nach den gleichen Regeln fhren. Mit den Regeln fr die Alphabetische Katalo-gisierung (RAK), die sowohl im wissenschaftli-chen als auch im ffentlichen Bibliothekswesen Deutschlands weite Verbreitung gefunden haben, und mit den Regeln fr den Schlagwort-katalog (RSWK), die von vielen wissenschaft-lichen Bibliotheken befolgt werden, liegen entsprechende Regelwerke vor. Ihre Anwendung wird durch verschiedene Normdateien wie die Gemeinsame Krperschaftsdatei (GKD, 1,3 Mio. Datenstze), die Personennamendatei (PND, 3,7 Mio. Datenstze) und die Schlagwortnorm-datei (SWD, 0,9 Mio. Datenstze) untersttzt. Im Projekt Gemeinsame Normdatei (GND) wer-den die bestehenden Normdateien PND, SWD und GKD sowie die Einheitssachtitel-Datei des Deutschen Musikarchivs in einer gemeinsamen Normdatei (GND) zusammengefhrt. Bestehende Formatunterschiede, die parallele Haltung von Datenstzen sowie unterschiedliche Ansetzungs-

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    regeln fr Formal- und Sacherschlieung werden abgeschafft. Ziel ist der Aufbau einer gemeinsa-men Normdatei als eindeutiges Bezugssystem fr die bibliografischen Daten der Bibliotheken so-wie fr die Erschlieungsdaten anderer Normda-tenanwender wie Archive, Museen, Projekte und Wissenschafts- und Kultureinrichtungen. Wie die jetzigen Normdateien wird auch die GND von den Normdatenteilnehmern kooperativ gefhrt und an der DNB gehalten werden. Am GND-Pro-jekt sind neben der DNB alle Bibliotheksverbnde im deutschsprachigen Raum sowie die Zeitschrif-tendatenbank (ZDB) beteiligt. Die Projektdurch-fhrung, bezogen auf die Konzeptionierung und Herstellung der berregionalen Normdatei sowie die Koordination mit den Bibliotheksverbnden, liegt bei der DNB. Die Entwicklung einheitlicher Regelwerke sowie Aufbau und Pflege umfang-reicher Normdateien sind die Voraussetzung, zugleich aber auch ein Beispiel fr erfolgreiche Kooperation unter den deutschen Bibliotheken.

    Auch wenn die Nutzung von Fremdleistungen bei konventioneller Arbeitsweise grundstzlich ebenfalls mglich war und auch praktiziert wur-de, entfaltete sie doch erst mit dem Einsatz der Datenverarbeitung bei der Formal- wie bei der Sacherschlieung ihre volle Wirkung. Das ma-geblich von der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main entwickelte Maschinelle Austauschformat fr Bibliotheken (MAB) schuf in den 1980er Jahren die zentrale Voraussetzung fr die gegenseitige Nutzung maschinenlesbarer Katalogdaten.

    Wichtigster Lieferant bibliografischer Dienst-leistungen ist die Deutsche Nationalbibliothek. Jedes Jahr vertreibt sie ber 100 Mio. aktuelle Datenstze. Die derzeit noch nach RAK-WB (Re-geln fr Wissenschaftliche Bibliotheken) erstell-ten Titelaufnahmen fr alle in den Reihen der Deutschen Nationalbibliografie angezeigten Titel werden in konventioneller oder elektronischer Form geliefert. Seit 1986 enthalten die Daten-stze der sachlich erschlossenen Neuerscheinun-gen auch die nach RSWK angesetzten Schlag-wrter bzw. Schlagwortketten. Seit 2006 wird die Dewey Decimal Classification (DDC) als zustzliches Erschlieungsinstrument angewen-det. Ende des Jahres 2001 sprach sich der bei der Deutschen Nationalbibliothek angesiedelte

    Standardisierungsausschuss fr die Ablsung der deutschen MAB-Datenstruktur durch das inter-nationale Datenformat MARC 21 sowie der deutschen Katalogregeln (RAK) durch die Anglo-American Cataloguing Rules (AACR2) aus. Seit 2007 stellen alle deutschsprachigen Bibliotheken Zug um Zug auf MARC 21 als Austauschformat um; die Bibliothekssoftwareanbieter sind gefor-dert, ihre Programme den neuen Datenstruk-turen anzupassen. Im Rahmen der Internationa-lisierung der Regelwerke hat der Standardisie-rungsausschuss die aktive Beteiligung am Entste-hungsprozess des neuen Regelwerks Resource Description and Access (RDA) als international anwendbares Regelwerk beschlossen, das die AACR2 ablsen soll. Auf Basis von RDA erstellte Bibliothekskataloge knnen einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Semantic Web leisten, indem sie Begriffe, Benennungen und Bezeichnungen in semantische Zusammenhnge bringt und damit Suchmaschinen erlaubt, mehr zu leisten als nur Zeichenfolgen abzugleichen und so die Suche intelligenter macht.

    Die regionalen Verbundsysteme

    Ausgehend von dem Grundgedanken, die von anderen Bibliotheken erzeugten Titelaufnahmen fr die Katalogisierung der eigenen Neuerwer-bungen zu verwenden, entstanden seit den 1970er Jahren die regionalen Verbundsysteme. Die kooperative Erschlieung, die sich anfangs nur auf die Formalkatalogisierung erstreckte, spter auf die Sacherschlieung ausgedehnt wurde, bewirkte einen beachtlichen Rationalisie-rungseffekt bei der Buchbearbeitung. Darber hinaus lie sie umfangreiche Nachweisdatenban-ken entstehen, die zu unverzichtbaren Instru-menten fr die Recherche und die Steuerung des Leihverkehrs wurden.

    Die zunchst auf regionaler Grundlage ent-standenen Bibliotheksverbnde haben sich im Laufe der Zeit zu lnderbergreifenden Einrich-tungen entwickelt. Stand anfangs der Aufbau einer kooperativ gefhrten Katalogdaten bank im Vordergrund, so sind die Verbnde durch den Ausbau ihrer Dienstleis tungen zu Wettbewer-bern auf dem Markt der Informationstechnologie geworden. Die Fhrung eines Zentralkatalogs

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    Verbundsysteme und -regionen in Deutschland, Stand 2011

    als Monografiennachweis fr ltere Bestnde der Region bzw. die berfhrung dieser Kataloge in maschinenlesbare Form (Retrospektive Konver-sion), die Planung und Steuerung der IT-Entwick-lung einer Verbundregion, die Untersttzung beim Betrieb lokaler Bibliothekssysteme, die Einrichtung von Dokumentlieferdiensten sind Beispiele fr Aufgaben, denen sich die Verbnde heute widmen. Dazu kommen u.a. weitere: Auf-bau Digitaler Bibliotheken, Kataloganreicherung, Zeitschrifteninhaltsdienste, Hostingservices fr lokale Bibliotheks-, Publikations-, Speicher- und Archivierungssysteme, Betrieb von Repositorien, konsortiale Lizenzierung kommerziell vertriebe-ner Datenbanken, Volltexte oder E-Books. Das HBZ agiert z.B. auch als Host fr Open-Access-Publikationen (Digital Peer Publishing), betreut die Deutsche Bibliotheksstatistik und betreibt das Zentrale Verzeichnis Digitalisierter Drucke (ZVDD). Das BSZ etwa hostet die Deutsche Inter-netbibliothek, betreibt den Auskunftsverbund InfoDesk und erbringt mit dem BAM-Portal Dienstleistungen auch fr Archive und Museen.

    Ihr Kerngeschft ist jedoch die Unterhaltung eines Bibliotheksrechenzentrums. Dieses betreut den gemeinsamen Online-Verbundkatalog, der von den Teilnehmern als zentrales Katalogisie-rungs- und Recherche-Instrument genutzt wird, und bernimmt die Datenlieferung an die Lokal-systeme.

    Die berwiegende Mehrzahl der Wissen-schaftlichen Bibliotheken ist heute einem der sechs regionalen Verbundsysteme angeschlos-sen, eine weitere Konzentration zeichnet sich ab. Die Systeme sind fr folgende Bundeslnder zustndig:

    Die Zusammenarbeit der Verbundsysteme er-folgt in einer Arbeitsgemeinschaft (AGV), deren Sekretariat in der Deutschen Nationalbibliothek angesiedelt ist. Trotz dieses Zusammenschlusses haben die Verbnde es bislang nicht geschafft, ihre Katalogdaten untereinander auszutauschen oder gar eine gemeinsame, nationale Verbund-datenbank zu erzeugen. Die meisten Verbnde (mit Ausnahme des HBZ) haben begonnen, ihre Daten an den von OCLC betriebenen WorldCat zu liefern. In letzter Zeit verstrken die Verbnde ihre Bemhungen zur Verbesserung der Koope-ration und beginnen gemeinsame Datenpools,

    bergreifende Schnittstellen, eindeutige Iden-tifizierungsmerkmale fr Datenstze usw. zu entwickeln. Seit 2010 tauschen die Verbnde und die DNB die zur Kataloganreicherung ein-gescannten Inhaltsverzeichnisse, Klappentexte, Register usw. untereinander aus.

    Der fehlende nationale Bibliotheksverbund-katalog wird in Deutschland ersetzt durch den Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK), der von der KIT-Bibliothek, der bisherigen Universitts-bibliothek Karlsruhe, betrieben wird. Der KVK verbindet als Meta-Suchmaschine seit 1996 die regionalen, unterschiedliche Bibliothekssoftware einsetzenden Verbunddatenbanken zu einem virtuellen Gesamtkatalog. ber das Suchfor-mular des KVK knnen neben den deutschen Verbundkatalogen weltweit knapp 50 weitere Bibliotheks- und Buchhandelskataloge parallel durchsucht werden, so etwa die Bestnde des WorldCat, der Verbundkataloge Grobritanniens und Frankreichs oder des Internetbuchhndlers Amazon. Der KVK ist zu einem der wichtigsten Rechercheinstrumente geworden: monatlich

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    wird er von mehr als 1,5 Mio. Nutzern abge-fragt und bietet nach eigenen Angaben Zugriff auf mehr als 500 Mio. Titel. Mehrere weitere, auf der Idee und Technik des KVK aufbauende virtuelle Kataloge fr einzelne Regionen (z.B. Rheinland-Pfalz, Bodenseeregion), Fachgebiete (z.B. Vorderer Orient/Nordafrika) oder Litera-turbestnde (z.B. Landesbibliografien) und Me-dienarten (Videos) sind von der KIT-Bibliothek verwirklicht worden.

    Grere Verbreitung findet inzwischen auch die vom Hochschulbibliothekszentrum in Kln entwickelte Digitale Bibliothek NRW (DigiBib), an der sich jede Bibliothek einer ffentlich-rechtlichen Institution in Deutschland, aber auch in sterreich und im deutschsprachigen Raum der Schweiz und in Luxemburg beteiligen kann. Die DigiBib bietet dem Benutzer die Mglichkeit, unter einer einheitlichen Rechercheoberflche eine groe Zahl von Informationsquellen parallel

    abzufragen, darunter mehr als 300 Bibliotheks-kataloge, Volltextserver, Internetsuchmaschinen und Literaturdatenbanken aus aller Welt. Ange-zeigt wird, ob ein gefundener Text entweder on-line, per Dokumentlieferung, in einer Bibliothek oder bei einem Online-Bookshop tatschlich ver-fgbar ist. Im negativen Fall fhren fachlich geordnete Links zu Online- oder CD-ROM-Datenbanken (z. B. Lexika, Fachdatenbanken) oder zu qualitativ hochwertigen Webseiten. Fr Hochschulangehrige und angemeldete Nutzer von Bibliotheken ermglicht der authentifizierte DigiBib-Zugang aus dem internen Netz einer Teilnehmerbibliothek den Zugriff auf kostenfreie und vom jeweiligen Bibliotheksstandort lizen-zierte Datenbanken und Volltexte. Gste aus aller Welt knnen ber den externen Zugang auf alle kostenfreien Datenbanken und Volltexte zugreifen. Darber hinaus kann beim HBZ in einem Dreilnderkatalog der Gesamtnachweis

    Verbund mit Zentrale Software Regionen Bibliotheken und Bestnde

    Gemeinsamer Bibliotheks-verbund, Gttingen (GBV) GRN

    OCLC PICA Bremen, Hamburg, Meck-lenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thringen

    430 Teilnehmer, 37,7 Mio. Titel mit 77 Mio. Besitz-nachweisen

    Kooperativer Bibliotheks-verbund Berlin-Branden-burg, Berlin (KOBV) GELB

    ALEPH Berlin und Brandenburg 250 Teilnehmer, 12 Mio. Titel mit 20 Mio. Besitz-nachweisen, sukzessive integriert in die Verbunddatenbank des Bibliotheksverbundes Bayern

    HBZ-Verbund beim Hoch-schulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen, Kln WEINROT

    ALEPH Nordrhein-Westfalen, Rhein-land-Pfalz (Ausnahme: Region Rheinhessen mit Mainz und Worms)

    900 Teilnehmer, 17 Mio. Titel mit 38 Mio. Besitz-nachweisen

    Hessisches Bibliotheks-Informationssystem, Frankfurt/M. (HeBIS) HELLGRN

    OCLC PICA Hessen, Kooperationspartner: Rheinhessen (in Rheinland-Pfalz)

    567 Teilnehmer, 8 Mio. Titel mit 15 Mio. Besitz-nachweisen

    Sdwestdeutscher Biblio-theksverbund (SWB) Bibliotheksservice-Zen-trum Baden-Wrttemberg (BSZ), Konstanz GRAU

    OCLC PICA Baden-Wrttemberg, Saarland, Sachsen (Schsischer Bibliotheks-verbund)

    1.200 Teilnehmer, 14,5 Mio. Titel mit 53 Mio. Bestandsnachweisen

    Bibliotheksverbund Bayern (BVB), BSB Mnchen HELLROT

    ALEPH Bayern 110 Teilnehmer, 15 Mio. Titel mit 30 Mio. Besitz-nachweisen

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    Die Suchmaske des Karlsruher Virtuellen Kata-loges unter http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/kvk.html steht auch in vier weiteren Sprachen zur Verfgung.

    Die Recherche in der Digitalen Bibliothek unterhttp://www.digibib.net kann in einer einfachen und einer erweiterten Suche durchgefhrt wer-den.

    aller Bibliotheksbestnde aus dem deutsch-sprachigen Raum abgefragt werden; derzeit sind mit rund 31 Mio. Besitznachweisen bereits die Daten aus Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz, Bayern, Nord- und Mitteldeutschland sowie ster reich integriert.

    Die Zeitschriftendatenbank und die Elektronische Zeitschriftenbibliothek

    Whrend die Katalogisierung der Monografien dezentral in den regionalen Bibliotheksverbn-den stattfindet, ist fr Zeitschriften, Zeitungen, Datenbanken und Schriftenreihen von Anfang an ein zentrales, bundesweites System installiert worden, die Zeitschriftendatenbank (ZDB). Sie kann inzwischen auf eine erfolgreiche vierzigjh-rige Geschichte im deutschen Bibliothekswesen zurckblicken. In den Anfngen von wenigen Bibliotheken und mit finanzieller Untersttzung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft begonnen, sind mittlerweile 4.300 Institutionen an der Fortschreibung der ZDB als kooperatives Verbundsystem beteiligt. Rund 170 grere Bi-bliotheken (auch aus sterreich) bringen ihren Bestand an Druck- und elektronischen Periodika und die dazugehrigen Besitzangaben direkt in die Datenbank ein. Die ZDB enthlt heute circa 9,5 Mio. Besitznachweise von ber 1,5 Mio. Ti-teln, von denen sich ber 500.000 auf laufende Verffentlichungen beziehen. Die Zentralredak-tion sichert die Qualitt der Titelaufnahmen und die Konsistenz der Daten durch Datenpflege und Standardisierung. Dank ihrer hohen biblio-grafischen Qualitt haben die ZDB-Daten Norm-charakter; dies trgt neben der kooperativen Funktionsweise der ZDB in erheblichem Mae zu einer effizienten Arbeitsteilung zwischen allen beteiligten Bibliotheken bei.

    Die Trgerschaft der ZDB liegt bei der Staats-bibliothek zu Berlin; Systembetreiber ist die Deutsche Nationalbibliothek. Die Aufgabe der SBB ist dabei nicht nur die Durchfhrung der redaktionellen Arbeiten, sondern gemeinsam mit ihrem Partner DNB auch die Weiterentwicklung der ZDB. Die Teilnahme an der ZDB steht allen Bibliotheken und Institutionen offen.

    Die in der ZDB erfassten Titel- und Bestands-daten flieen an die Bibliotheksverbnde zurck,

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    damit sie nicht nur zentral in der ZDB, sondern auch in den regionalen Verbunddatenbanken und den lokalen Onlinekatalogen nachge-wiesen sind. Der berregionale Charakter der Datenbank erlaubt es, die Daten fr darber hinausgehende Zwecke zu verwenden, etwa zur Steuerung des deutschen Leihverkehrs, zur Koor-dinierung bestandserhaltender Manahmen und zum Sammlungsaufbau in Bibliotheken.

    Die Anzahl der elektronischen Zeitschriften und Zeitungen (E-Journals, E-Paper) in der ZDB hat inzwischen die Grenze von 100.000 Titeln berschritten und steigt kontinuierlich weiter. Der frei zur Verfgung stehende Onlinekatalog bietet die komfortable Anbindung an die Online-Fernleihe beziehungsweise die Dokumentliefer-dienste einzelner regionaler Verbundsysteme.

    Die ZDB arbeitet gemeinsam mit der DNB an weiteren Dienstleistungen wie der Entwicklung einer Zeitschriftenplattform, in der die Informa-tionen zu Lizenzen und die Mglichkeiten zur Verwaltung von Zeitschriftenpaketen ausgebaut werden sollen. ber automatisierte Import- und Update-Verfahren knnen Informationen von Paketanbietern in die ZDB integriert werden. Ein webbasierter Katalogisierungsclient wird ent-wickelt, damit Spezialbibliotheken und wissen-schaftliche Institutionen ihre Bestnde komfor-tabel nachweisen knnen. Der Umstieg auf ein neues nationales Regelwerk hat begonnen.

    Die ZDB bietet einen gemeinsamen Daten-dienst mit der Elektronischen Zeitschriftenbiblio-thek Regensburg (EZB). Sie vereinheitlicht mit dem Angebot in einem standardisierten Ver-fahren Datenlieferungen beider Systeme an die regionalen Verbundsysteme und Bibliotheken. Eine gemeinsame Verfgbarkeitsrecherche, die in Kataloge eingebunden werden kann, liefert einheitliche Bestands- und Lizenzinformationen zu gedruckten und elektronischen Zeitschriften aus ZDB und EZB.

    Zugleich ermglicht die EZB den Teilnehmer-bibliotheken die Sammlung und Pflege der Titel in einer gemeinsamen Datenbank mit einheit-licher Oberflche fr lizenzierte und im Web frei zugnglichen E-Journals. Jede beteiligte Institution kann ihre lizenzierten Zeitschriften ei-genstndig verwalten, eigene Benutzerhinweise integrieren und erhlt fr ihr eigenes Netz eine

    spezifische Sicht, die erkennbar macht, welche Titel von der jeweiligen Bibliothek lizenziert worden sind. Diesem Zweck dient das Ampel-system: Jeder Titel ist mit einem grnen, gelben oder roten Punkt markiert. Grn signalisiert, dass das Periodikum kostenlos im Internet nutzbar ist; gelb bedeutet, dass diese Zeitschriften nur von eingetragen Benutzern der jeweiligen Bibliothek nutzbar ist, entweder in den Rumen der Biblio-thek oder per Fernzugriff; Rot gekennzeichnete E-Journals sind nicht lizenziert und daher nicht im Volltext lesbar; oft sind jedoch die Inhaltsver-zeichnisse und Abstracts zugnglich. Fr diese existieren kostenpflichtige pay-per-view-Ange-bote der Zeitschriftenverlage. Die EZB verzeich-net 2010 ca. 52.000 Titel, davon ca. 27.000 frei zugngliche Fachzeitschriften sowie 7.000 reine Online-Journals. ber 560 Bibliotheken, darunter mehr als 120 aus dem Ausland, sind Nutzer der EZB.

    Verzeichnisse alter Drucke

    Da Deutschland bis in das 20. Jahrhundert ohne eine Nationalbibliothek auskommen musste, gab es bis dahin auch keine Nationalbibliografie als Dokumentation aller in Deutschland seit Erfin-dung des Buchdrucks erschienenen Schriften. Die Zusammenstellung einer retrospektiven Natio nalbibliografie ist zu keiner Zeit ein Thema gewesen. Als Ersatz sind Katalogunternehmen von berregionaler Bedeutung anzusehen, die auf Basis der berlieferten Bestnde ausgewhl-ter Bibliotheken der Literaturproduktion einzel-ner Jahrhunderte gewidmet sind.

    Zu nennen ist zunchst der von der Berliner Staatsbibliothek 1904 begrndete Gesamt-katalog der Wiegendrucke (GW), der zum Ziel hat, die gedruckte Literatur des 15. Jahrhunderts vollstndig zu erfassen und die Standorte der weltweit berlieferten Exemplare anzugeben; die meisten stammen aus Deutschland. Bisher sind elf Bnde erschienen, die auch als Datenbank zugnglich sind. Die Gesamtzahl der nachweis-baren Inkunabeln wird auf 30.000 verschiedene Titel geschtzt; allein in deutschen Bibliotheken sind ca. 125.000 Exemplare erhalten geblieben.

    Daneben unterhlt die Bayerische Staats-bibliothek seit 1988 die deutsche Arbeitsstelle

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    des Incunabula Short Title Catalogue (ISTC), einer internationalen Inkunabeldatenbank unter Federfhrung der British Library in London ; angereichert mit digitalen Bildern von Schlssel-seiten ist der Katalog der in deutschen Samm-lungen vorhandenen Inkunabelbestnde als CD-ROM-Datenbank verfgbar. Rund 76.000 Inkunabeln sind im Inkunabelzensus Deutschland erfasst; weitere 44.000 sind in Bearbeitung.

    Die bibliografische Erfassung der Schriften der auf die Inkunabelzeit folgenden Jahrhunderte ist nur durch Zusammenarbeit zu bewltigen. Das Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des XVI. Jahrhunderts (VD 16) ist eine von der Bayerischen Staatsbiblio-thek in Verbindung mit der Herzog August Bibliothek in Wolfenbttel seit 1983 herausgege-bene, mittlerweile abgeschlossene Bibliografie . Das Titelmaterial der 22 gedruckten Bnde ist

    inzwischen in eine Datenbank berfhrt und durch Nachtrge erheblich ergnzt worden. Die VD 16-Datenbank umfasst ca. 100.000 Titel mit 380.000 Besitznachweisen aus 240 Bibliotheken.

    Das VD 17 als Anschlussprojekt der DFG folgt konzeptionell dem Vorbild des VD 16. Es wurde allerdings von vornherein als Datenbank ange-legt und verzeichnet alle im 17. Jahrhundert im historischen deutschen Sprachgebiet gedruckten und verlegten Werke unabhngig von ihrer Sprache. Neben Titelaufnahmen und Bestands-nachweisen werden ausgabenspezifische Merk-male, z.B. Fingerprints, erzeugt, die speziell zur Identifizierung alter Drucke entwickelt wurden. 2010 verzeichnete das VD 17 ber 270.000 Titel in mehr als 650.000 Exemplaren. Der Gesamtbestand der zwischen 1601 und 1700 erschienenen Werke wird auf etwa 300.000 Titel veranschlagt. Mit Frdermitteln der DFG werden

    Dass die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar (Thringen) mit ihrem 1766 vollendeten Rokoko-Bibliothekssaal ein ganz besonderes Schmuckstck besitzt, ist das Verdienst der Herzogin, die deshalb 1991 zur Namenspatronin der Bibliothek gewhlt wurde. Ein Brand zerstrte 2004 die oberen Stock-werke sowie 50.000 Bcher . 2007 wurde der Rokokosaal wieder erffnet. Bereits 2005 konnte die Biblio-thek ein modernes Studienzen trum einweihen. Die Bibliothek ist an Projekten zur Erschlieung von Alt-bestnden beteiligt und gibt die Internationale Bibliografie zur deutschen Klassik 17501850 heraus.

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    seit mehreren Jahren die im VD 16 und VD 17 nachgewiesenen Drucke digitalisiert, mit Struk-turdaten vertieft erschlossen und im Internet prsentiert.

    Als bislang letztes Projekt im Rahmen der retrospektiven nationalbibliografischen Verzeich-nung laufen seit 2009 die Arbeiten am Verzeich-nis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 18. Jahrhunderts (VD 18). Bis 2019 sollen etwa 600.000 Titel nachgewiesen sein und im Volltext zur Verfgung stehen.

    Als Ergnzung der retrospektiven National-bibliografie ist das Handbuch der historischen Buchbestnde in Deutschland anzusehen, ein von der Volkswagenstiftung gefrdertes Ge-meinschaftsunternehmen der deutschen Biblio-theken, das vom Buchwissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Fabian herausgegeben wurde und in 27 Bnden im Georg Olms Verlag erschienen ist. Im Unterschied zu Katalogen und Bibliografien richtet sich sein Augenmerk nicht auf das einzelne Buch, sondern auf die Bibliotheksbe-stnde als Ganzes. Es versteht sich als Inventar zu dem vom Beginn des Buchdrucks bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts erschienenen Schrifttum, bercksichtigt alle Literaturgattungen und unterscheidet nicht zwischen deutschen und fremdsprachigen Werken. Es beschreibt in chronologischen und systematischen bersichten die historischen Sammlungen von rund 1.500 deutschen Bibliotheken und bezieht dabei alle Bibliothekstypen ein. Seine Anlage nach Bun-deslndern trgt dem regionalen Charakter des Bibliothekswesens in Deutschland Rechnung.

    Das Handbuch der historischen Buchbe-stnde stellt ein neuartiges Instrument fr die wissenschaftliche und bibliothekarische Arbeit dar und wendet sich besonders an alle historisch arbeitenden Disziplinen der Forschung. Es wurde auf die Nachbarlnder Deutschlands ausgedehnt. Neben dem Handbuch der historischen Buch-bestnde in sterreich, das in vier Bnden die Sammlungen von mehr als 250 Bibliotheken beschreibt, entstand das Handbuch deutscher historischer Buchbestnde in Europa, eine bersicht ber Sammlungen in ausgewhlten Bibliotheken mit besonders groen und signifi-kanten Bestnden. Gemeinsam dokumentieren die drei Abteilungen des Handbuchs die ltere mitteleuropische Kulturgeschichte.

    Zusammenarbeit bei der Benutzung und Information

    Herausragendes Beispiel fr die Zusammenarbeit der deutschen Bibliotheken auf dem Sektor der Benutzung ist die Fernleihe, auch berregionaler oder Deutscher Leihverkehr genannt. Sie kann auf eine ins 19. Jahrhundert reichende Tradition zurckblicken; heute stellt sie eine Standard-dienstleistung dar, gert jedoch in Konkurrenz zu modernen, die Diskrepanz zwischen schnellem Nachweis und langsamer Lieferung berwin-denden Systemen der Dokumentbestellung und Dokumentdirektlieferung.

    berregionaler Leihverkehr

    Keine Bibliothek konnte frher und kann noch viel weniger heute alle von ihren Benutzern ge-suchten Bcher, Zeitschriften und anderen Infor-mationstrger besitzen. Deshalb entwickelte sich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein auf

    Die ehemalige Benediktinerabtei Amorbach in Franken (Bayern), seit der Skularisation 1803 im Privatbesitz der Frsten zu Leiningen, beherbergt im Konventbau (17891799) eine Bibliothek, die ein Meisterwerk des frhen Klassizismus ist. Schlichtes Wei und Hellgrau beherrschen die Dekoration des Raumes einschlielich der Bcher-schrnke und der fein geschnitzten Treppenauf-gnge. Der heute kaum noch wachsende Bestand (31.000 Bnde) ist im Handbuch der historischen Buchbestnde verzeichnet.

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    Die Wrttembergische Landesbibliothek in Stuttgart war bis zur Grndung des Bibliotheksservicezen-trums Baden-Wrttemberg Standort des Zentral-katalogs. Die 1765 gegrndete Bibliothek besitzt herausragende Alt- und Sonderbestnde, darunter eine berhmte Bibelsammlung, und betreibt mit dem Hlderlin-Archiv, das Herausgeber der Inter-nationalen Hlderlin-Bibliographie ist, eine eigene Forschungsstelle. Integriert ist die Bibliothek fr Zeitgeschichte, eine Spezialbiblio thek zur Kriegs- und Zeitgeschichte seit dem Ersten Weltkrieg.

    dem Prinzip der gegenseitigen Aushilfe beruhen-der Leihverkehr. Heute erstreckt sich der ber-regionale Leihverkehr auf das gesamte Bundes-gebiet. Er dient ausdrcklich der Frderung von Forschung und Lehre. Darber hinaus vermittelt er wissenschaftliche Literatur fr Ausbildung, Fort- und Weiterbildung und zur Berufsarbeit.

    Um einen berblick ber die Buchbestnde der deutschen Bibliotheken zu gewinnen und den berregionalen Leihverkehr zu steuern, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg regionale Zentralkataloge aufgebaut, die sich teilweise mit den Lndergrenzen deckten, sie zum Teil aber auch berschritten. Die zumeist an groen, mit regionalen Aufgaben betrauten Bibliotheken angesiedelten Zentralkataloge gingen inzwischen teilweise in die Hnde der regionalen Verbund-zentralen ber. Die heute noch in der Bundesre-publik bestehenden Zentralkataloge haben ihre Standorte in den insgesamt zehn Leihverkehrs-zentralen Berlin, Dresden, Frankfurt am Main, Gttingen, Halle, Hamburg, Jena, Kln, Mn-chen und Stuttgart.

    Fr den sich vorzugsweise in der eigenen Re-gion abspielenden Leihverkehr stellten die Zen-tralkataloge lange Zeit unentbehrliche Instanzen fr die Vermittlung gesuchter Literatur dar. Bis zum Beginn der 1990er Jahre wiesen alleine die sieben Zentralkataloge der damaligen Bundesre-publik ber 50 Millionen Titel nach. Heute sind die Zentralkataloge nur noch fr den Nachweis der nicht maschinenlesbar vorliegenden Altbe-stnde von Relevanz. Ihre Aufgabe, den Leihver-kehr zu steuern, bernahmen die Verbunddaten-banken und in jngerer Zeit Suchmaschinen wie der KVK oder die DigiBib.

    Die Anzahl der Bestellungen im Leihverkehr verdoppelte sich im Zeitraum zwischen 1966 und 1978 von einer auf zwei Mio. Im Jahre 1995 wurden schon mehr als drei Mio. Fernleih-

    bestellungen aufgegeben; inzwischen liegt die Zahl der erhaltenen Bestellungen im gebenden Leihverkehr bei 4,2 Mio. (2009). Auch die Zahl der am Leihverkehr teilnehmenden Bibliotheken hat sich stndig vermehrt. Gegenwrtig sind mehr als 1.100 Bibliotheken zum berregionalen Leihverkehr zugelassen. Ihre Namen und Sigel (Kennungen) werden in einem Sigel-Verzeichnis aufgefhrt, das die Staatsbibliothek zu Berlin als zentrale Sigelstelle herausgibt. An die Stelle des traditionellen Bestellverfahrens mit Fern-leihscheinen ist inzwischen die Online-Fernleihe getreten, die durch eine Verfgbarkeitsprfung von Monografien und die elektronische ber-mittlung bestellter Aufstze zur Beschleunigung des Leihverkehrs beigetragen hat. Allerdings ist zum 1.1.2008 das zweite Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesell-schaft in Kraft getreten, das den Kopienversand auf Bestellung in einem neu gefassten Artikel regelt. Aufgrund dieses Gesetzes ist die elektro-nische Lieferung verlangter Dokumente direkt an die Besteller ausgeschlossen; im Rahmen der Online-Fernleihe eingescannte Aufstze drfen nur zwischen den Bibliotheken ausgetauscht werden; der Benutzer erhlt nach wie vor eine Papierkopie.

    Neben dem berregionalen Leihverkehr exis-tieren weitere Ebenen des Leihverkehrs. Inner-halb eines lokalen kommunalen Bibliothekssys-tems gibt es in der Regel einen internen Leih-verkehr zwischen der Zentralbibliothek und den Stadtteilbibliotheken oder der Fahrbibliothek. In einigen Bundeslndern wurde ein Regionaler Leihverkehr aufgebaut, der berleitungen in den

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    Die Universittsbibliothek Hannover und die Tech-nische Informationsbibliothek (Niedersachsen) sind in den vergangenen Jahrzehnten stndig gewachsen. Zum 1965 errichteten Neubau kamen 1986 und 1991 weitere Gebude und 2002 ein zustzlicher Standort hinzu. An den gegenwrtig fnf Standorten stehen den Benutzern 1.700 Ar-beitspltze zur Verfgung. Die TIB wird gemein-schaftlich von Bund und Lndern finanziert, er-wirtschaftet aber durch Dienstleistungen wie z.B. die Dokumentlieferung in steigendem Umfang eigene Mittel.

    nationalen Leihverkehr zulsst. Schlielich ist der Internationale Leihverkehr zu nennen, an dem die Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland ebenfalls teilnehmen. Clearingstelle fr den In-ternationalen Leihverkehr ist die Staatsbibliothek zu Berlin.

    Elektronischer Dokumentlieferdienst subito

    Neben dem traditionellen Leihverkehr ist seit mehreren Jahren eine neue Form der Fernleihe getreten, die sich vor allem die Beschleunigung der Dokumentlieferung zum Ziel gesetzt hat. Sie bedient sich der Mglichkeiten der modernen Informations- und Kommunikationstechnologie und spielt sich nicht mehr zwischen zwei Biblio-

    theken ab, sondern direkt zwischen Bibliothek und Benutzer. Sie setzt im Idealfall voraus, dass der Benutzer Zugang zu den Literaturdatenban-ken hat. Da die Bibliotheken, Verbundsys teme und berregionalen Nachweissysteme ihre Da-tenbanken als OPAC im Internet anbieten, ist diese Voraussetzung erfllt. Unter Verwendung elektronischer Bestell- und Vertriebswege sind im vergangenen Jahrzehnt eine Reihe von kosten-pflichtigen Dokumentlieferdiensten entstanden. Besonders die Zentralen Fachbibliotheken in Hannover, Kiel und Kln und die Sondersam-melgebietsbibliotheken betrieben den Aufbau effizienter Liefersysteme, um dem Endnutzer Aufsatzkopien und mit Einschrnkungen Mo-nografien direkt zuzusenden, auch ins Ausland. Die Verbundzentralen richteten hnliche ber-regionale Bestellsysteme ein. Als Beispiel mag hier das vom Gemeinsamen Bibliotheksverbund angebotene Online-Bestellsystem GBVdirekt mit mehreren hunderttausend Bestellungen pro Jahr angefhrt werden. Es wurde im Jahre 2007 ebenso eingestellt wie inzwischen auch die meis-ten anderen Direktliefersysteme.

    Zum bedeutendsten berregionalen Doku-mentlieferdienst ist subito geworden, ein 1994 als Bund-Lnder-Initiative zur Beschleunigung der Literatur- und Informationsdienste initiier-tes Projekt, das sich fest als kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen etabliert hat. Mit-glieder bzw. Lieferanten des 2003 eingetragenen Vereins subito Dokumente aus Bibliotheken e.V. sind leistungsfhige Universal- und Spezial-bibliotheken, gegenwrtig 38 Institutionen. Die hauptamtlich gefhrte Geschftsstelle befindet sich in Berlin.

    Der Dokumentlieferdienst ermglicht die Online-Recherche wie auch die Bestellung und direkte Lieferung von Fachliteratur an den Be-nutzerarbeitsplatz und bedient sich dazu des Internets. Er umfasst sowohl Zeitschriftenauf-stze, die in Kopie verschickt werden, als auch Bcher, Sammelwerke, Dissertationen, Reports und andere rckgabepflichtige Literatur. Die Be-stellung geschieht auf elektronischem Wege; die Lieferung der Aufsatzkopien kann elektronisch, per Fax oder per Post erfolgen. Die Frist, in der eine Bestellung bearbeitet wird, betrgt maximal 72 Stunden (Normaldienst) oder 24 Stunden

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    (Eildienst), jeweils unter Ausschluss des Wochen-endes und der Feiertage. Die Geschftsgnge in den beteiligten Lieferbibliotheken sind in-zwischen so beschleunigt worden, dass eine subito-Bestellung innerhalb von durchschnittlich 11 Stunden erledigt wird.

    Welchen subito-Dienst ein Kunde in Anspruch nehmen kann, hngt davon ab, ob er seinen Wohnsitz im deutschsprachigen Raum hat oder auerhalb. Zum deutschsprachigen Territorium zhlen die Lnder Deutschland, sterreich, Liechtenstein und die Schweiz, alle brigen Ln-der gehren zum Territorium international. Zum anderen wird differenziert zwischen einem Direktkunden und einer Bibliothek als Kundin. Die Preise richten sich nach der Form (Kopien-versand oder Ausleihe) und der Schnelligkeit der Lieferung, nach der Versandart, nach dem Wohnsitz des Bestellers, nach den Lizenzvertr-gen mit den Verlegern oder der Verwertungs-gesellschaft Wort und nach der Kundengruppe, der ein Nutzer angehrt: Hier wird in der Regel zwischen nicht-kommerziellen Nutzern (z.B. Schler , Studenten, Mitarbeiter von Hochschulen und ffentlich-rechtlich finanzierten Forschungs-einrichtungen), kommerziellen Nutzern und Pri-vatpersonen unterschieden. Ein besonderer Preis gilt fr den subito Library Service, ein Angebot, das ausschlielich fr Bibliotheken im In- und Ausland (auer USA und Grobritannien) ein-gerichtet wurde und das nicht fr kommerzielle Kunden in Anspruch genommen werden darf. Mit dem Library Service kann eine Bibliothek ihren Benutzern einen 72 Stunden schnellen Lie-ferdienst fr Zeitschriftenaufstze anbieten.

    Vor einigen Jahren unternahmen deutsche und internationale Verleger rechtliche Schritte gegen subito, um die Einstellung der elektroni-schen Dokumentlieferung im In- und Ausland zu erreichen. Die gerichtliche Auseinandersetzung in Deutschland endete 2008 mit einem Ver-gleich. Die Beilegung der Auseinandersetzung begrndete eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Verlegern und subito; als Beispiel mag ein Projekt mit dem Thieme-Verlag im Bereich der Nutzung von E-Books angefhrt werden. International wurde das Problem ber Lizenzver-trge geregelt.

    Zum 1. Januar 2008 trat das zweite Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informa-tionsgesellschaft in Kraft, das den Kopienversand auf Bestellung in einem neu gefassten Artikel regelt. Die elektronische Dokumentlieferung im Inland ist nunmehr ber Lizenzvertrge oder den Abgeltungsvertrag mit der Verwertungsgesell-schaft Wort festgelegt. Die Lizenzabgabe bzw. die Tantiemen werden dem subito-Benutzer in Rechnung gestellt.

    Vor den genannten Einschrnkungen konnte subito sein Bestellvolumen kontinuierlich auf bis zu ca. 1,3 Mio. Bestellungen pro Jahr steigern. Seit 2008 nimmt es stetig ab und liegt inzwi-schen bei jhrlich etwa 650.000 Bestellungen. Fr diesen Rckgang, der sich in weniger deutli-cher Form auch im Bereich der konventionellen Fernleihe beobachten lsst, sind u.a. die urheber-rechtlichen Schranken, die hohen Lizenzen bzw. Tantiemen sowie die stark gestiegene Zahl Elek-tronischer Zeitschriften verantwortlich, welche im Rahmen von National- oder Campuslizenzen zur Verfgung gestellt werden und dadurch den unmittelbaren Zugang zur gesuchten Informati-on ermglichen.

    Kooperative Informationsdienste

    Digitale Auskunftsdienste stellen eine rasch wachsende Erweiterung des traditionellen Aus-kunftsdienstes in Bibliotheken und Informations-einrichtungen dar, gleich ob sie synchron als Auskunfts-Chat oder asynchron durch E-Mail oder Webformular ablaufen. Besonders ergiebig ist ein Auskunftsdienst dann, wenn ein Netzwerk von Bibliotheken und Informationseinrichtungen beteiligt wird, wie es im Rahmen der Deutschen Internetbibliothek oder der DigiAuskunft ge-schieht.

    Die Deutsche Internetbibliothek (DIB), im Jahr 2000 durch ein Bibliothekenkonsortium auf Ini-tiative der Stadtbibliothek Bremen, der Bertels-mann Stiftung und des dbv als berregionales Kooperationsprojekt gestartet, wird seit 2008 vom Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Wrttem-berg koordiniertet und gehostet. Am Koopera-tionsverbund sind mehr als 50 ffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken aus Deutschland, sterreich und der Schweiz beteiligt, die fr

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    KOOPERATION IM BIBLIOTHEKSWESEN

    Zu den 60 Bibliotheken, die sich an der Deutschen Internetbibliothek beteiligen, gehrt auch die Stadtbibliothek Friedrichshafen am Bodensee (Baden-Wrttemberg), die sich seit ihrem 2007 bezogenen Neubau mit komplett verglaster Auen fassade als Medienhaus am See k42 eines groen Zuspruchs erfreut (Architekten: Braunger & Wrtz). In keiner Stadtbibliothek in Stdten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern wer-den in Deutschland mehr Medien entliehen als in Friedrichshafen: 700.000 Entleihen bei einem Bestand von 100.000 Medieneinheiten. Einer der Highlights des neuen Gebude-Ensembles ist der runde Veranstaltungssaal, der Kiesel genannt, in dem regelmig Aktionen fr alle Altersgrup-pen angeboten werden.

    Internetnutzer eine kostenfreie E-Mail-Auskunft und einen thematisch geordneten, annotierten Linkkatalog deutschsprachiger Websites im Umfang von ca. 6.500 Web-Adressen anbieten. hnliche virtuelle und kooperative Auskunfts-verbnde mit einem thematischen Schwerpunkt im Bereich der wissenschaftlichen Information

    haben das HBZ mit DigiAuskunft und das BSZ mit InfoDesk aufgebaut. Ein weltweiter, von OCLC getragener digitaler Auskunftsdienst ist QuestionPoint; die ZLB Berlin bietet diesen multi-lingualen Dienst in 26 Sprachen an; mit dem QR-Code kann er auch ber das Mobiltelefon genutzt werden.

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    Ein Beispiel fr die Kombination eines umge-nutzten historischen Gebudes mit einem zeit-gemen Neubau ist die Landesbibliothek Meck-lenburg-Vorpommern in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern). Die 1779 gegrndete Bibliothek war 118 Jahre in unmittelbarer Nachbarschaft des Domes, aber uerst beengten Verhltnissen untergebracht, ehe sie 2004 ein neues Quartier beziehen konnte. Den reprsentativen, im Stil der Mecklenburger Renaissance errichteten Altbau, ein frheres Offizierswohnhaus, in dem sich die Verwaltung der Bibliothek befindet, verbindet eine Glasbrcke mit dem modernen Ergnzungs-bau, der Freihandbereiche und Magazinflchen beherbergt.

    6 DIE ZUKUNFT DER BIBLIOTHEK, DIE BIBLIOTHEK DER ZUKUNFT

    Rahmenbedingungen und Strategieberlegungen

    Welche Zukunft haben Bibliotheken? Wird es in zehn oder zwanzig Jahren noch Bibliotheken in der Form geben, wie wir sie heute kennen? Ist ihr Ende mit dem Fortschreiten der digita-len Revolution eingelutet worden, werden sie womglich durch automatisierte Datenbanken und Suchmaschinen verdrngt oder gar ersetzt werden? Wenn aber trotz mancher Unkenrufe Bibliotheken weiterhin existieren sollten: Wie werden sie knftig aussehen? Sind sie vielleicht nur noch eine Idee, ein virtueller Raum oder blei-ben sie ein physischer Ort mit umbauten Mauern und einem Dach?

    Bezeichnenderweise haben die bibliothekari-schen Personalverbnde BIB und VDB zum 100. Jubilums-Bibliothekartag im Juni 2011 in Berlin das Motto Bibliotheken fr die Zukunft Zu-kunft fr die Bibliotheken gewhlt. Das Motto ist zugleich Programm wie auch Forderung der deutschen Bibliotheken. Bildung, Informationen und Wissen sind die Rohstoffe, mit denen die Zukunft gestaltet wird. Informationskompetenz, lebenslanges Lernen, globaler Wissenstransfer, Exzellenzforschung und Informationsflut sind genauso wie Lesefrderung, gesellschaftliche Integration durch Bildung die aktuellen gesell-schafts- und bildungspolitischen Anforderungen. Das offizielle Gruwort ruft die Bibliothekare in Deutschland auf, ihren Beitrag zum freien Zugang zu Bildung und Wissen fr alle Bevl-kerungsschichten zu leisten. Bibliotheken sollen

    und wollen aktiv die Zukunft der Bildungs- und Wissensgesellschaft mit gestalten. Aber auch sie selbst brauchen eine gesicherte Zukunft, um Informationen vermitteln zu knnen, das Wissen unserer Zeit zu sammeln, das kulturelle Erbe zu bewahren und stndig neue Informations- und Bildungsangebote zu entwickeln.

    Nicht nur in Deutschland, aber hier ganz besonders, sind in den letzten Jahren innerhalb der bibliothekarischen Fachwelt viele gewohnte Sicherheiten bezglich Aufgabe und Selbstver-stndnis der Bibliothek verloren gegangen. Das Bcherlesen ist unter dem Einfluss digitaler Me-dien lngst nicht mehr so selbstverstndlich. Un-heilspropheten verknden das Ende des Buches. Alles wandelt sich. Auch die Bibliotheksbenutzer des 21. Jahrhunderts haben sich verndert: Sie sind besser ausgebildet, reicher, mobiler und mndiger als noch vor 20 Jahren. Die modernen Kunden entscheiden sehr bewusst, was sie mit ihrer Freizeit anfangen, denn Freizeit ist knapp geworden. Die Bibliothek hat auf dem Freizeit-markt mit anderen Einrichtungen zu konkurrie-ren. Zeitgleich vollzieht sich ein Wandel in den ffentlichen Verwaltungen, die beginnen, einzel-ne Dienste zu privatisieren und ihre Einrichtun-gen einer strengen Kosten-Leistungsrechnung zu unterziehen.

    Der massive gesellschaftliche, wirtschaftli-che und technologische Umbruch des letzten Jahrzehnts wirft eine Reihe wichtiger Fragen auf: Werden neue Technologien die Bibliothe-

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    DIE ZUKUNFT DER BIBLIOTHEK DIE BIBLIOTHEK DER ZUKUNFT

    Die Hochschule fr Film und Fernsehen Konrad Wolf Potsdam-Babelsberg (Brandenburg), die lteste und grte von fnf Medienhochschulen in Deutschland, bildet Studierende im Bereich von Film und Fernsehen aus. Ihr Anliegen ist die Verbindung knstlerischer und wissenschaftlicher Studiengnge mit einem theoriebegleiteten, pra-xisbezogenen Studium. Die Lage des modernen, im Jahre 2000 bezogenen Hochschulgebudes, in dem sich auch die Bibliothek befindet, inmitten der Babelsberger Medienstadt kommt diesem Ansatz entgegen. In den sog. Fischkpfen be-finden sich die Abspielgerte fr Videofilme.

    ken schon bald in den virtuellen Raum verlegen und sie durch eine vernetzte Weltbibliothek im Cyberspace ersetzen? Werden die Archive, Museen und Bibliotheken der Welt zu einem gigantischen vernetzten Menschheitsgedchtnis verschmelzen? Alle Teile des heutigen Systems allgemeiner und wissenschaftlicher Kommunika-tion, das aus Verlagen, Bibliotheken, Datenbank-herstellern, Autoren und Lesern besteht, werden angesichts der radikalen Umbrche ebenso in Frage gestellt wie die Printmedien Buch oder Zeitschrift letztlich sind sie alle neu zu defi-nieren. Sind heute, im Jahr 2011, Bibliotheken noch die Hauptlieferanten von Informationen aller Art fr Wissenschaft und Bildung, so lassen bestimmte Entwicklungen schon erkennen, dass sie in fnf bis zehn Jahren nur noch einer unter mehreren Informationslieferanten sein werden. Aber mit welchen Konsequenzen?

    Aus heutiger Sicht lassen sich mit Blick in die nahe Zukunft fnf Rahmenbedingungen formu-lieren, die nach wie vor Gltigkeit haben:

    These 1: Bildung schlechthin wird im fortge-schrittenen 21. Jahrhundert die elementare Frage sein, die die gesamte Gesellschaft, vor al-lem die Wirtschaft, entscheidend beeinflussen wird.

    These 2: Nicht die Beschaffung der Information wird im kommenden Jahrzehnt das Problem sein, sondern die Beschrnkung auf das Wesentliche und das Richtige: Qualitt statt Quantitt steht mehr denn je im Vordergrund.

    These 3: Der Marktplatz Bibliothek, der reale Begegnung von Menschen ermglicht, muss

    anders gestaltet sein als der einsame Platz vor dem Computerbildschirm mit seinem Ausblick in das global village Internet.

    These 4: Die Bibliothek von morgen muss als gebudegebundener Raum vorhanden und als selbstverstndlicher Teil des Kulturlebens einer Gemeinde in das gesellschaftliche Leben inte-griert sein; ohne ein Bibliotheksgebude wrde eine Stadt seelenlos und seine Brger knnten in einem virtuellen Gebilde global vernetzter Maschinen keinen eigentlichen Halt mehr finden.

    These 5: Das Verhltnis gedruckter Medien und digital gespeicherter Medien wird sich in den nchsten zehn Jahren 50 zu 50 einpendeln, der Non-Book-Bereich wird in den nachfolgenden Jahrzehnten dann nur noch unwesentlich stei-gen.

    Das Anwachsen der Medienvielfalt wird die Bibliotheksentwicklung weiterhin im positiven wie negativen Sinne mitbestimmen. Hohe Inve-stitionskosten bei der Einfhrung neuer Speicher und neuer Lesegerte wirken fr die Trger vielfach abschreckend, besonders wenn ihre Zukunftschancen und die knftige Marktprsenz noch nicht absehbar sind. Die elektronischen Bcher (E-Books), die um das Jahr 2000 als lu-krativer Zukunftsmarkt gesehen und als mediale Randerscheinung belchelt wurden, erleben in jngster Zeit eine sprbare Renaissance mit of-fenkundig vorzglichen Marktchancen fr das zweite Jahrzehnt im 21. Jahrhundert. Dieses Beispiel belegt die schwierige Einschtzbarkeit von technischen Innovationen, seien es neue Speichermedien oder neue Vertriebswege via Internet.

    Das Umfeld, in dem Verlage, Buch- und Me-dienproduzenten mit ihren traditionellen wie auch digitalen Medien agieren, wird sicher mit

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  • DIE ZUKUNFT DER BIBLIOTHEK DIE BIBLIOTHEK DER ZUKUNFT

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    Die Mediathek Neckarsulm (Baden-Wrttemberg) bietet ihren Benutzern ein zeitgemes Medien-angebot aus Bchern, Zeitschriften, Tontrgern, Filmen, digitalen Medien und Internetquellen und versteht sich zugleich als ein Ort der Begegnung fr Jung und Alt. Der 2004 erffnete Neubau mit seinen markanten, unterschiedliche Materi-alien zeigenden Auenfassaden will das Wissen so transparent werden lassen wie das Gebude selbst. Die Architekten Bechler und Krummlauf hatten den Anspruch, an die Stelle frherer Bi-bliotheksarchitektur ein Konzept zu setzen, das den Stellenwert elektronischer Medien und die Zukunft des Buches neu ergrndet und baulich umsetzt. Durch ihre Aufteilung in zwei Gebude, erreichbar durch einen glsernen Verbindungs-gang, werden lebhafte und ruhige Zonen vonei-nander getrennt.

    Das 2009 bezogene Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum (Architekt: Max Dudler) ist die neue Zentralbibliothek der Humboldt-Universitt zu Berlin, in die 12 geistes- und sozialwissenschaft-liche Zweig- und Teilbibliotheken integriert wur-den. Von den 2,5 Mio. Medieneinheiten stehen 1,5 Mio. Bnde in systematischer Freihandauf-stellung. Insgesamt 1.250 Arbeitspltze, darunter 500 Computer- und 44 Multimediapltze sowie zehn Gruppenarbeitsrume und 55 Einzelarbeits-kabinen reichen kaum aus, die Nachfrage nach Arbeitsmglichkeiten innerhalb der Bibliothek, die sich zu einem bevorzugten Lernort entwickelt hat, zu decken.

    eine entscheidende Rolle fr die Zukunft der Bibliotheken spielen. Der Markt der elektronisch verfgbaren Periodika ist besonders fr die Wis-senschaftlichen Bibliotheken ein elementarer Aspekt . Ein Groteil der Fachzeitschriften erscheint lngst nur noch als E-Journal, wenn-gleich die gedruckten Zeitschriften weiterhin eine hohe Akzeptanz beim Kunden haben. Die von einigen Verlagen in Gang gesetzte Preis-spirale verstrkt die Ablsung der gedruckten Versionen.

    Die fundamentale Bedeutung von Bibliothe-ken wird nach Meinung vieler Fachleute und Autoren nach wie vor verkannt bzw. politisch nicht umgesetzt. Wichtigste Grnde hierfr sind das unzureichende politische Bewusstsein ber die Funktionen der Bibliothek und das mangeln-de Vertrauen in die Innovationsfhigkeit dieser Jahrtausende alten Institution, der man offenbar nicht zutraut, den neuen Anforderungen der Informationsgesellschaft gerecht werden zu knnen. Die Folge dieser Missachtung ist eine stagnierende Frderung, die sich in vielen Fllen zu einer echten Unterfinanzierung verschlechtert hat. Es ist offenkundig den Bibliothekaren und den Bibliothekslobbyisten in Deutschland noch nicht gelungen, die in den angelschsischen und skandinavischen Lndern eindeutig gefestigte Rolle und selbstverstndliche Existenz der Biblio-thek als zentrale Informations- und Bildungsein-richtung auch hierzulande glaubhaft und nach-haltig in den Kpfen der Entscheidungstrger zu verankern.

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    DIE ZUKUNFT DER BIBLIOTHEK DIE BIBLIOTHEK DER ZUKUNFT

    Die Zukunft der Bibliothek steht ganz stark im Kontext des Schlagwortes Local Access, Global Information. Politischer Wille sollte es sein, die Bibliotheken aller Sparten in die Lage zu versetzen, die Digitalisierung der Medien, des Medientransports, der Auskunftsttigkeit und der Strukturierung des Wissens voranzutreiben und dabei modellgebend, wegweisend und kun-denorientiert zu sein. Gleichzeitig mssen Biblio-theken als Anlaufstelle fr Kulturerzeugnisse, fr Veranstaltungen, fr Nachfragen fungieren. In jedem Fall mssen auch betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte strker beachtet werden als das in der Vergangenheit geschah.

    Bilder und Modelle der ffent-lichen Bibliothek von morgen

    Wie knnte die Bibliothek hier im Besonde-ren die ffentliche Bibliothek von morgen wirklich aussehen, ohne an dieser Stelle in allzu visionre Vorstellungen zu verfallen? Der Fach-stellen-Bibliothekar Klaus Dahm hat unlngst vier nachdenkenswerte Modelle entwickelt, die Gegenwart und Zukunft plastisch miteinander verbinden.

    Die WohlfhlbibliothekWie die Diskrepanz zwischen der Zahl aktiver Entleiher und der weitaus hheren Anzahl der ermittelten Besucher belegt, existiert of-fensichtlich ein erheblicher Bedarf an ffentlich zugnglichen, sozialen Kommunikationsrumen. Schon heute ist die Cafeteria aus einer moder-nen Bibliothek nicht mehr wegzudenken. Ange-

    nehm mblierte Rume, sog. Living Rooms, etablieren sich in angelschsischen Bibliotheken, in denen sich die Besucher zwanglos zum Ge-sprch, zum Surfen im Internet, zum Kaffeetrin-ken oder zu entspanntem Lesen aufhalten kn-nen. Innenarchitekten mssen sich mehr denn je einer erlebnisorientierten Gestaltung variabler und funktionsfreier Rume widmen. Zudem sollten ffnungszeiten bis in die Abendstunden und am Wochenende zur Selbstverstndlichkeit werden. Die Bibliothek von morgen ist ein Ort kollektiver Inspiration, ein Ort mit Ambiente und Stil, wo man sich gerne aufhlt und zwanglos der Welt der Informationsrecherche, der Bcher und modernen Medien begegnet.

    Die Verbund-BibliothekZeitgem ausgestattete Bibliotheken erweisen sich lngst auf allen Ebenen der Bildungsbio-grafie als barrierefreie und fr alle Bevlkerungs-schichten benutzbare Dienstleister zur Infor-mations- und Wissensvermittlung. Da keine Bibliothek alles vorrtig halten kann, wird die f-fentliche Bibliothek von morgen Teil eines noch strker vernetzten Bibliotheksverbundes sein mssen, der Zugang zu einem vielfach hheren Gesamtangebot an Literatur und Medien er-laubt. Ein Katalogverbund in Form einer gemein-samen Mediendatenbank wird dann besonders effektiv, wenn die Kunden das Verbundangebot gleichermaen am individuellen Wohn-, Schul- oder Arbeitsort nutzen knnen. Konsequenter als bisher sind die bibliothekarischen Dienstlei-stungen in einem Verbundmix von ffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken auszubau-en; dieser garantiert auch organisatorisch, dass der Kunde jede Bibliothek des Verbundes mit nur einem Bibliotheksausweis benutzen und jedes ber das Internet bestellte Medium in der

    Der 2001 erffnete Neubau der Thringer Univer-sitts- und Landesbibliothek in Jena (Architekten: Heckmann, Kristel, Jung) mag als Antwort auf die Frage gelten, ob Bibliotheken im Zeitalter der Datennetze noch ein Gebude brauchen. Das ein-schichtige Bibliothekssystem Jenas, das ber vier Mio. Medieneinheiten verfgt, besteht aus der Zentralbibliothek, drei greren Teilbibliotheken und zahlreichen im Stadtgebiet verteilten Teil- und Zweigbibliotheken, deren Zahl schrittweise verringert werden soll.

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  • DIE ZUKUNFT DER BIBLIOTHEK DIE BIBLIOTHEK DER ZUKUNFT

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    Mit der Imagekampagne Deutschland Land der Ideen prsentierte sich die Bundesrepublik im Jahr der Fuballweltmeisterschaft 2006 als fortschrittliches und fantasiereiches Land. Unter den 365 Orten im Land der Ideen, die aus einer Zahl von 1.200 Bewerbern ausgewhlt wurden, befinden sich mehrere Bibliotheken, die mit ih-rer Innovationsfreudigkeit die Jury berzeugen konnten, darunter die Universittsbibliothek Regensburg (Bayern) mit ihrem Erfolgsprodukt Elektronische Zeitschriftenbibliothek. Aufgrund des groen Erfolgs wurde der Wettbewerb in den folgenden Jahren fortgesetzt. Unter den jeweils 365 ausgezeichneten Orten befanden sich auch wieder einzelne Bibliotheken, so auch das Landes-bibliothekszentrum Rheinland-Pfalz (2009) und der dbv mit seiner Image-Kampagne Treffpunkt Bibliothek (2010).

    Stammbibliothek entleihen oder gegen Zu-satzgebhr sich nach Hause zuschicken lassen kann.

    Die KombinationsbibliothekAn nicht wenigen Orten gibt es heute oftmals ein Neben- oder gar Gegeneinander von Biblio-theken unterschiedlicher Trgerschaft und Funk-tionen, ohne dass Kooperationen vereinbart wor-den sind. Gerade in wirtschaftlich schwieriger Zeit sollte bei jeder Investition die Mglichkeit von Synergien geprft werden. Eine zukunfts-trchtige Option wre die bauliche, rumliche und organisatorische Fusion von mehreren klei-nen Bibliotheken zu einer greren Einheit. Dort wo mehrere Kultur- und Bildungseinrichtungen in einer Stadt existieren, ist ihre direkte rumliche Zusammenlegung zu prfen. In diesem Sinne knnten bei entsprechendem Raumangebot zum Beispiel Heimatmuseum, Schulbibliothek, Medienzentrum, Archiv, Volkshochschule, Kunst-galerie und Bibliothek zu einem leistungsstarken Informations- und Medienzentrum zusammen-gefgt werden.

    Die Stadtbibliotheks-AgenturDie oftmals anzutreffende Trger- und Funktions-vielfalt von Bibliotheken in Gro- und Mittel-stdten liee sich, wenn eine rumliche Zusam-menfhrung aus unterschiedlichen Grnden nicht realisierbar oder wenig sinnvoll erscheint, auch auf andere Weise zu einem vernetzten Bibliothekssystem weiterentwickeln. Im Beson-deren sind hier die zahlreich entstandenen Schulbibliotheken gemeint, die meist noch wie

    kleine Inseln losgelst voneinander bestehen. Die Stadtbibliothek der Zukunft kann hierbei zu einer integrierenden und koordinierenden Bibliotheksagentur werden. An zentraler Stelle befindet sich eine schulbibliothekarische Ar-beitsstelle fr alle Schulen der Stadt: Sie schult und bert das Personal, sorgt fr den Buch- und Medienerwerb aller Partner, fr die fachgerechte Erfassung und Einarbeitung des Bestands, koor-diniert den Personaleinsatz und erstellt wichtige Leistungsbilanzen.

    Was zeichnet sich darber hinaus noch ab, wohin gehen die Trends? ffentliche Bibliothe-ken werden in jeder Beziehung multifunktional werden: Zur traditionellen Funktion der Litera-turvermittlung kommt die der breiten wie tiefen Informationserschlieung aus jedweden Quellen hinzu. Mit dem Einzug des Informationsmedi-ums Internet ist den Bibliothekaren lngst eine neue Rolle als Navigatoren in Datennetzen zugewachsen und wird sich verstrken. Die dritte Kernleistung von Bibliotheken betrifft heute wie morgen die Veranstaltungs- und Kulturarbeit, sind und bleiben Bibliotheken doch gerade in lndlichen Bereichen oft die einzige kontinuier-lich ttige auerschulische Bildungs- und Kultu-reinrichtung. Bibliotheken werden zunehmend multikooperativ verankert sein: Immer hufiger arbeiten mehrere Trger zusammen, immer fter sind ffentliche und Schul-Bibliotheken bzw. -mediotheken kombiniert gefhrt und integrieren damit zwei Bibliothekstypen. Sie

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    DIE ZUKUNFT DER BIBLIOTHEK DIE BIBLIOTHEK DER ZUKUNFT

    erbringen damit hohe Synergieeffekte. Enge Kooperationen mit Volkshochschulen, Stadtar-chiven und Museen, realistischerweise auch mit Arbeitsagenturen, Job-Vermittlungsagenturen oder Touristen-Bros sind zu erwarten und ohne Frage sinnvoll. Anpassungsfhigkeit, Koopera-tionsbereitschaft, Koordinierungsgeschick und die Offenheit zur Umsetzung neuartiger Organi-sationsmodelle und -Projekte werden wichtige Kompetenzen des Fhrungspersonals von Biblio-theken darstellen.

    Vision und Wirklichkeit bei den Wissenschaftlichen Bibliotheken

    Fragt man nach den gegenwrtigen und knf-tigen Entwicklungen im Bibliothekswesen, dann ist auf die sich stetig verndernde Rolle der Bibliotheken in der sog. Informationsgesell-schaft zu verweisen, in der Information zu einer grundlegenden Ressource geworden ist und die Informationsmedien selbst einem beschleu-nigten Wandlungsprozess unterworfen sind. In allen Teilen der Gesellschaft ist der Bedarf an Information gestiegen, zugleich aber auch das Informationsangebot, das sich vielfach schon als berangebot darstellt. Die Bibliotheken be-teiligen sich an der Deckung des Informations-bedarfs mit konventionellen und elektronischen Medien, wodurch sich Charakter, Funktion und Selbstverstndnis der Bibliothek wandeln. Die gilt grundstzlich fr alle Bibliothekstypen; be-sonders deutlich machen sich die vernderten

    Informationsanforderungen jedoch im Bereich von Wissenschaft, Forschung und Lehre bemerk-bar, weshalb die Wissenschaftlichen Bibliotheken vom Funktionswandel der Bibliothek merklich strker betroffen sind als die ffentlichen.

    Zunchst einmal ist festzuhalten, dass sich alle Visionre geirrt haben, die vom Ende des Buch-zeitalters und vom vollstndigen Siegeszug der elektronischen Medien berzeugt waren. Das Buch, oder allgemeiner, die gedruckten Medien konnten ihren Platz behaupten, weil sie gegen-ber den Neuen Medien unzweifelhaft meh-rere Vorzge aufweisen so etwa die Unabhn-gigkeit von elektrischer Energie und technischer Nutzungshilfe, die allgegenwrtige Verwen-dungsmglichkeit, die nachgewiesene Langlebig-keit, die leichtere Lesbarkeit lngerer Texte, die Authentizitt des Werkes usw., ganz abgesehen von sthetischen, bibliophilen und sonstigen buchbezogenen Aspekten. Diese Erkenntnisse gelten bis hinein in die Wissenschaft, in der weitere Gesichtspunkte wie Qualittssicherung, Reputation, Nachweis wissenschaftlicher Qualifi-zierung usw. eine Rolle spielen. Langfristig wird sich vermutlich das Medium behaupten, das fr den jeweiligen Zweck einer bestimmten Nutzer-gruppe am Besten geeignet ist.

    Bedeutende Gremien wie der Wissenschafts-rat sind davon berzeugt, dass die gedruckten Medien ihre hohe Relevanz fr die Informations-versorgung von Forschung und Lehre behalten werden, dass zugleich aber die Bedeutung der digitalen Publikationen merklich zunehmen wird. Konsequenterweise erwchst aus dieser Doppel-funktion auf absehbare Zeit ein Typ von Wissen-schaftlicher Bibliothek, der eine Mischung aus gedruckten und digitalen Informationsquellen vorhalten muss die Hybride Bibliothek. Da mit namhaften Etatzuwchsen nicht zu rechnen ist,

    Vielleicht noch strker als heute werden die Men-schen knftig darauf achten, dass ihre Bibliothek eine sthetisch ansprechende Architektur aufweist und ihnen ber die Funktion als Wissensspeicher hinaus ein sinnlich erfahrbares Ambiente zur Ent-spannung und Kommunikation bietet. Die Ende 2000 erffnete Gemeindebcherei Neufahrn (Bay-ern), errichtet in Form eines Schiffes mit einem Bug aus Glas, mit unterschiedlichen Fensterfor-men und einem lichtdurchfluteten Treppenhaus, knnte den Weg in die moderne Bibliotheks-architektur weisen.

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  • DIE ZUKUNFT DER BIBLIOTHEK DIE BIBLIOTHEK DER ZUKUNFT

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    muss das Verhltnis zwischen beiden Medienty-pen austariert und im Hinblick auf Angebot und Nachfrage kontinuierlich neu justiert werden. Die Wissenschaftlichen Bibliotheken haben lngst begonnen, sich von der frher dominierenden Bestandsorientierung zugunsten einer strkeren Nachweis- und Beschaffungsorientierung zu ver-abschieden (access contra holding). Gleichwohl bleiben die Erwerbungsetats ein Sorgenkind.

    Auch zeichnet sich eine gewisse Spaltung des Informationsbedarfs ab: Whrend in den Natur- und Ingenieurwissenschaften, in der Medizin und Informatik die gedruckten Medien nicht lnger als primre Informationsquelle angesehen werden und fr diese Fachrichtungen die Bibliothek ihre vorherrschende Rolle als Informa-tionsanbieter verlieren wird, bleibt fr die Angehrigen der brigen Wissenschaften die Bibliothek das Archiv der gedruckten Bestnde, wenngleich auch in den Buchwissenschaften der klassische Bestandsaufbau infolge wirt-schaftlicher Zwnge und fortschreitender Digita-lisierung zurckgeht. Damit steht insbesondere die Hochschulbibliothek vor der schwierigen Aufgabe , unterschiedlichen Wissenskulturen ge-recht zu werden.

    Zwar zeigen die Bibliotheksstatistiken, dass der Zuwachs an gedruckten Werken nach wie vor sehr hoch ist, doch wchst der Anteil an digitalen Publikationen, seien es E-Journals oder E-Books, retrodigitalisierte Bibliotheksbestnde , Datenbanken oder sonstige elektronische Res-sourcen, mit groer Geschwindigkeit. Wenn an-gesichts des online zugnglichen Wissens die Ausleihzahlen der Bibliotheken sinken, ist das nicht verwunderlich. Ein gegenteiliger Trend ist der Wandel der Bibliothek zum Lernort. Sowohl die Staats- als auch die Universittsbibliotheken verzeichnen in ihren Leseslen und Freihand-zonen einen Nutzerandrang, der die vorhandene Zahl an Arbeitspltzen in vielen Fllen bersteigt und kurzfristig zu regulierenden Manahmen, langfristig zur Steigerung der Kapazitten zwingt. Dabei steht der Aufbau von Lernzentren oder Lernumgebungen, der in europischen Nachbarlndern zu ersten Beispielen gefhrt hat, in Deutschland noch am Anfang. Neben den Wissenschaftlichen verstehen sich auch ffent-liche Bibliotheken zunehmend als Lernorte und

    beziehen Lernarrangements und Wissensma-nagement in ihre Konzeptionen ein.

    Trotz fortschreitender Virtualisierung bleibt die Bibliothek als physischer Ort also erhalten. Deshalb stehen Gebudeplanung und Raumbe-darf weit oben auf der Liste von Themen, die in den nchsten Jahren bibliothekarisches Handeln dominieren. Auch wenn seit der Deut-schen Einheit zahlreiche Bibliotheken neu ge-baut, erweitert oder grundlegend saniert worden sind, bleibt die Erweiterung der Magazinflchen und die Vermehrung der Arbeitspltze in vielen Husern eine vordringliches Aufgabe. Die Renais-sance des klassischen Lesesaals mag als Reflex auf die steigende Prsenzbenutzung angesehen werden.

    Als Bildungseinrichtungen sind Bibliotheken nicht zuletzt Orte, wo sich Schlsselkompe-tenzen erwerben lassen: Lese-, Medien- und In-formationskompetenz. Whrend die ffentlichen Bibliotheken vor allem Programme zur Erlan gung elementarer Lesekompetenz und zum sicheren Umgang mit gedruckten Medien anbieten, die sich berwiegend an Kinder und Jugendliche wenden, bieten die Wissenschaftlichen Bibliothe-ken Studierenden, lteren Schlern und anderen Zielgruppen vielfltige Angebote zum Erwerb von Informationskompetenz auf akademischem Niveau. Die Vermittlung von Informationskom-petenz, die Durchfhrung eigener Lehrveranstal-tungen, etwa zum Thema Wissenschaftliches Arbeiten, die Integration bibliothekarischer Ver-anstaltungen in die Curricula der Studiengnge an den Hochschulen und andere Manahmen zum Aufbau von Teaching Libraries strken die Rolle der Bibliothek und erhhen ihre Wahrneh-mung im Sinne des Bibliotheksmarketing.

    Wie Erhebungen an verschiedenen Universit-ten zeigen, wird von den Hochschulbibliotheken erwartet, dass sie die wissenschaftlich relevanten Internetquellen erschlieen und ber eine kom-fortable Suchmaschine zugnglich machen. Bibliotheken sollen als Navigatoren im Wissens-ozean fungieren, um dem berangebot an Informationen bei gleichzeitiger begrenzter Auf-nahmekapazitt der Informationssuchenden mit geeigneten Werkzeugen zu begegnen. Darber hinaus wird erwartet, dass die Bibliotheken ihr Angebot an elektronischen Medien und Dienst-

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    DIE ZUKUNFT DER BIBLIOTHEK DIE BIBLIOTHEK DER ZUKUNFT

    Schtzungen zufolge sind von den rund 135 Mio. nach 1840 in Deutschland erschienenen Bchern rund 12% bereits zerfallen und damit unbenutz-bar geworden; weitere 30% sind so stark vergilbt, dass sie zur Vermeidung weiterer Beschdigung eigentlich der Benutzung entzogen werden mssten. Zur Rettung der Bcher kommt nur in besonderen Fllen die Einzelrestaurierung, anson-sten die Massenentsuerung in Frage, wie sie u.a. das Zentrum fr Bucherhaltung GmbH in Leipzig (Sachsen) durchfhrt. Die von Bund und Lndern zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts bereit gestellten Finanzmittel sind allerdings, gemessen an der Gre der Aufgabe, sehr bescheiden.

    leistungen ausbauen, ohne die Pflege des Buch- und Zeitschriftenbestandes zu vernachlssigen, da das Buch in vielen Fachgebieten nach wie vor das Primrmedium ist. Der Ausbau der Digitalen Bibliothek impliziert nicht nur den Zugang zu elektronischen Zeitschriften und Volltexten, zu Datenbanken und sonstigen Internetquellen, sondern auch ein aktives Informationsmanage-ment. Dieses schliet den Aufbau von Portal-lsungen und Suchmaschinen ein, die das breit gefcherte Angebot an digitalen und konventio-nellen Informationsressourcen bndeln. Damit schaffen die Bibliotheken, ganz im Sinne der Hybriden Bibliothek, die Verbindung von digitaler und gedruckter Welt, die Teil ihrer Existenz-sicherung sein knnte.

    Zu den Wnschen namentlich der Studieren-den zhlen darber hinaus die aktive Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz sowie Hilfestellungen bei neuen Formen wissenschaft-lichen Arbeitens (Online-Tutorial, elektronischer Semesterapparat usw.) und wissenschaftlichen Publizierens (elektronisches Publizieren, Multi-media-Prsentation usw.). Um diesen Anforde-rungen gerecht zu werden, brauchen die Biblio-theken eine entsprechende technische und organisatorische Infrastruktur und die Bibliothe-kare Kenntnisse und Fhigkeiten, die im Zuge der Ausbildung und der Fortbildung erworben werden.

    Wissenschaftliche Bibliotheken sind allerdings nicht allein Bildungs-, sondern auch Kulturin-stitutionen. In dieser Eigenschaft haben sie den Auftrag, das kulturelle Erbe und das auf Papier berlieferte Wissen zu archivieren, zu erschlie-en und zu konservieren, damit es heutigen und zuknftigen Generationen zur Verfgung

    steht. Die Allianz zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts hat sich zum Ziel gesetzt, die in ihrer Existenz gefhrdeten Originale der kulturellen und wissenschaftlichen berlieferung zu sichern und diese berlieferung als nationale Aufgabe im ffentlichen Bewusstsein zu verankern. Erste Erfolge auf dem Weg, die unterschiedlichen konservatorischen Einzelmanahmen zu einer nationalen Strategie der Bestandserhaltung wei-terzuentwickeln, konnte sie bereits verzeichnen.

    Die Digitale Bibliothek

    Seit mehreren Jahren richtet sich das Haupt-augenmerk bibliothekarischen Handelns auf den beschleunigten Ausbau der Digitalen Bibliothek. Wie von der Wissenschaft und Forschung gefor-dert, entwickeln sich die Hochschulbiblio- theken zu Zentren fr die Versorgung mit digi-talen Informationen und Publikationen; auch die Frderprogramme der Deutschen Forschungs-gemeinschaft sind auf die starke Verbreiterung des Angebots an elektronischen Informationen ausgerichtet.

    Die in der zeitgenssischen Publizistik vertre-tene Meinung, die Digitalisierung der gesamten Gesellschaft sei ein Kulturauftrag und infolge-dessen htten die Bibliotheken die Verpflichtung , sich durch Digitalisierung aller berlieferten Schriftzeugnisse selber berflssig zu machen, ist zwar von bibliothekarischer Seite zurckgewie-sen worden; gleichwohl heit gegenwrtig das Zauberwort vieler Wissenschaftlicher Bibliothe-ken Digitalisierung.

    Seit Jahren arbeiten in Mnchen und Gt-tingen leistungsfhige Digitalisierungszen-tren, die auch Auftragsarbeiten durchfhren.

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  • DIE ZUKUNFT DER BIBLIOTHEK DIE BIBLIOTHEK DER ZUKUNFT

    115

    Die von der DFG gefrderten Digitalisierungs-zentren in Mnchen (Bayern) und Gttingen (Niedersachsen) untersttzen den Aufbau der Verteilten Digitalen Forschungsbibliothek durch die Bereitstellung und Prsentation digitaler Res-sourcen. Das Mnchener Digitalisierungszentrum (MDZ) an der Bayerischen Staatsbibliothek (Bild) fhrt eigene Projekte durch, bietet aber auch Auftragsdigitalisierung an. Neun Sondersammel-gebietsbibliotheken unter Fhrung Gttingens bildeten 1999 ein Konsortium mit inzwischen 14 Partnern zur Digitalisierung von Zeitschrif-tenbestnden. DigiZeitschriften. Das Deutsche Digitale Zeitschriftenarchiv e.V. bietet rund 200 Zeitschriften vollstndig oder teilweise im Online-Zugriff an.

    Verschiedene Hochschul- und Landesbibliothe-ken haben eigene Digitalisierungszentren auf-gebaut und digitalisieren ausgewhlte Bestnde in eigener Regie oder in Zusammenarbeit mit Dienstleistungsfirmen. Die Massendigitalisierung betreibt die Firma Google, die in Deutschland die Bayerische Staatsbibliothek als Partner gefunden hat. Den Wettlauf mit finanzstarken kommerzi-ellen Digitalisierungsprojekten wie Google Print knnen die Bibliotheken sicherlich nicht gewin-nen; die Strke der Bibliotheksangebote liegt nicht in der Quantitt, sondern in der Qualitt der Digitalisate und der Metadaten, vor allem aber auch in der Sicherung des freien Zugangs und der langfristigen Verfgbarkeit.

    Auf kooperativer Basis entsteht seit 2005 ein zentrales Nachweis- und Zugangsystem fr frei verfgbare retrodigitalisierte Bibliotheksmate-rialien, das Zentrale Verzeichnis Digitalisierter Drucke. Dieses Portal verschafft nicht nur einen berblick ber digitale Sammlungen und digi-tale Bibliotheken, sondern spiegelt zugleich die erstaunliche Vielfalt der Digitalisierungsprojekte wider, welche darauf schlieen lsst, dass die hinter der Digitalisierung sichtbar werdende Philosophie breit gefchert ist. Gemeinsame Kriterien fr die Auswahl der Objekte sind wis-senschaftliche, nachfrageorientierte, konservato-rische und rechtliche Gesichtspunkte.

    Langfristig bedeutsamer wird allerdings die im Aufbau begriffene Deutsche Digitale Biblio-thek (DDB) sein, die ab Ende 2011 fr ein breit gefchertes Spektrum von Nutzergruppen einen zentralen, weitestgehend kostenfreien digitalen Zugang zu Kultur und Wissen im deutschspra-

    chigen Raum schaffen soll; Informationen aus 30.000 Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen sollen miteinander vernetzt werden. Das natio-nale Portal DDB ist Teil der EU-Initiative zum Aufbau einer Europischen Digitalen Bibliothek, die unter dem Namen Europeana bereits Ende 2008 in Betrieb gegangen ist und auf die digitale Bereitstellung des europischen kulturellen Erbes zielt. Die digitalen Sammlungen der Bibliotheken werden in diese Portale einflieen.

    Gemeinsam mit den deutschen Forschungs-institutionen und vielen wissenschaftlichen Orga-nisationen untersttzen auch die bibliothekari-schen Verbnde die Chancen, die das Internet zur Verbreitung des wissenschaftlichen Wissens unter Einschluss des kulturellen Erbes und mit der Garantie des weltweiten Zugangs bietet. Die Open Access-Bewegung propagiert eine zu-kunftsweisende Strategie der Wissenschaftskom-munikation, bei der, neben der traditionellen Form der Wissensverbreitung, die Mglichkeiten des Internets nach dem Prinzip des offenen Zugangs zum Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse genutzt werden. Die an manchen Universitten gegrndeten Hochschulverlage knnen zu Open Access-Verlagen entwickelt werden, die die elektronische Form des Publizie-rens untersttzen und dabei ganz oder teilweise auf die parallele Druckversion verzichten.

    Dieses Prinzip setzt die aktive Beteiligung der Produzenten wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Verwalter des kulturellen Erbes voraus. Jeder Autor bzw. Rechteinhaber hat bei dieser Publika-tionsart allen Benutzern das freie Zugangs- und Nutzungsrecht zu bertragen und auerdem eine vollstndige Fassung seiner Verffentlichung

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  • 116

    DIE ZUKUNFT DER BIBLIOTHEK DIE BIBLIOTHEK DER ZUKUNFT

    Das Gttinger Digitalisierungszentrum (GDZ) nahm den 600. Geburtstag Johannes Gutenbergs zum Anlass, alle 1.282 Seiten des Pergament-exemplars der Gutenberg-Bibel der Staats- und Universittsbibliothek Gttingen (Niedersachsen) einzuscannen und im Internet und als CD-ROM-Ausgabe anzubieten. Zwischen dem ersten Druck, der von Gutenberg mithilfe der neuen Technik hergestellt wurde, und der Digitalisierung eben dieses Druckes im Jahre 2000 liegt eine Spanne von rund 550 Jahren Buch- und Bibliotheksge-schichte.

    auf dem Archivserver einer vertrauenswrdigen Institution zu hinterlegen, damit die Langzeitver-fgbarkeit gewhrleistet ist.

    Da das alternative Publikationsmodell der klassischen Form der Wissensverbreitung durch Verlage Konkurrenz macht, stehen die Verleger dem Open Access-Publizieren kritisch gegenber . Gleiches gilt fr viele Autoren, die fr die Pro-duzenten, aber auch fr die Rezipienten wis-senschaftlicher Erkenntnisse Risiken sehen; sie sorgen sich um die Qualittssicherung der Verf-fentlichungen, die Integritt der Daten und die Langzeitverfgbarkeit der Dokumente ebenso wie um die Anerkennung ihrer Internetpublika-tionen in der wissenschaftlichen ,Community als Voraussetzung persnlicher Reputation und Karriere.

    Die Langzeitarchivierung aller elektronischen Publikationen stellt zweifellos eine groe Her-ausforderung dar. Mit dem neuen Gesetz ber die Deutsche Nationalbibliothek ist die rechtli-che Voraussetzung geschaffen worden, die in Deutschland verffentlichten Medienwerke in unkrperlicher Form zu sammeln und zu sichern, damit sie fr die Allgemeinheit auf Dauer nutzbar bleiben. Auf Lnderebene ist die Ausweitung des Sammelauftrages auf Netz-

    publikationen zugunsten der regionalen Pflicht-exemplarbibliotheken bislang nur in wenigen Fllen gesetzlich geregelt worden. Schon seit Jahren werden die technischen, bibliothekari-schen und organisatorischen Voraussetzungen der Langzeitarchivierung entwickelt und erprobt. Mit Nestor Kompetenznetzwerk Langzeit-archivierung und Langzeitverfgbarkeit digitaler Ressourcen steht seit 2003 eine Informations- und Kommunikationsplattform fr alle an die-sem Thema interessierten Partner und fr alle Aspekte der Langzeitarchivierung zur Verfgung. Eine DIN-Norm zur Sicherung der Datenintegri-tt und Authentizitt der Informationen bei der Langzeitarchivierung befindet sich im Entwurfs-stadium.

    Das 2004 gestartete Projekt Kopal Koope-rativer Aufbau eines Langzeitarchivs digitaler Informationen ergnzt Nestor auf dem Gebiet der Technik, der Softwareentwicklung und der Arbeitsablufe. Es soll den Weg weisen, in wel-cher Weise arbeitsteilig ein vertrauenswrdiges digitales Archiv aufgebaut werden kann, das die Integritt, Authentizitt und Verfgbarkeit der gespeicherten digitalen Objekte langfristig sichert . 2006 ist Kopal als Digitales Langzeitar-chiv in Betrieb gegangen; mehrere zehntausend elektronische Dokumente der beiden Projektpart-ner, Deutsche Nationalbibliothek und Staats- und Universittsbibliothek Gttingen, sind inzwischen archiviert worden, darunter 100.000 elektroni-sche Hochschulschriften, die die DNB seit 1997 von allen deutschen Hochschulen erhalten hat. In der nchsten Projektstufe werden Migrations- und Emulationsprozesse getestet, welche die langfris tige Interpretierbarkeit und damit Benutz-barkeit der Dokumente sicherstellen sollen.

    Eine weitere Herausforderung fr die Biblio-theken stellt das Internet dar. Suchmaschinen

  • DIE ZUKUNFT DER BIBLIOTHEK DIE BIBLIOTHEK DER ZUKUNFT

    117

    wie Google, die heute offenbar schon mehr als vier Mrd. Websites erfassen und Angebote wie Google Scholar, Google Print, Google Earth oder Google News stellen fr die Bibliotheken ebenso eine sprbare Konkurrenz dar wie interaktive Plattformen nach dem Muster von Wikipedia und von Weblogs, die als sog. sozia le Software fr die Weiterentwicklung des Internets stehen (Web 2.0). Ein groer Teil der Bibliotheksbenut-zer einschlielich der Studenten und Hochschul-angehrigen whlt als Einstieg in die Recherche eine Suchmaschine und stt erst im weiteren Verlauf der Suche auf die spezifischen Bibliothek-sangebote. Die technische und logische Vernet-zung der heterogenen Informations quellen des Internets einschlielich der bibliothe karischen Angebote erscheint eine erfolgversprechende Lsungsmglichkeit zu sein. Mit dem Aufbau eines Semantic Web (Web 3.0) und mit dem Linked Open Data-System werden sich neue Recherche- und Informationsmglichkeiten ent-wickeln. Dabei handelt es sich um Daten, die ohne rechtliche Schranken im Internet verfgbar sind (open) und sich mittels geeigneter Beschrei-bungssprachen automatisch so mit anderen Daten verknpft werden (linked), dass inhaltliche Bedeutungszusammenhnge in die Recherche einflieen knnen. Auch die Anreicherung der Bibliothekskataloge wird zunehmend bedeut-samer.

    Der beinahe bermchtigen Konkurrenz kommerzieller Anbieter werden die Bibliotheken quantitativ vermutlich nicht gewachsen sein; in qualitativer Hinsicht knnen sie sich mit ihren Produkten nur dann behaupten, wenn sie an ihren hohen Qualittsstandards festhalten. Dazu gehrt die hochwertige Erschlieung aller wissenschaftlich relevante Ressourcen unter konsequenter Bercksichtigung von Normdaten ebenso wie der Aufbau von fachspezifischen und interdisziplinren Suchmglichkeiten und Naviga tionssystemen. berregional bedeutsame Beispiele hierfr sind die Virtuellen Fachbiblio-theken mit ihrem frheren nationalen Wissen-schaftsportal Vascoda, aber auch umfassende Nachweis- und Zugangssysteme wie das Daten-bank-Infosystem (DBIS) mit 9.000 angebotenen, darunter 3.200 frei im Netz verfgbaren Daten-banken und die Elektronische Zeitschriftenbiblio-

    thek (EZB). Auch die Lizenzierung elektronischer Zeitschriften, Zeitungen , Bcher und Datenban-ken ist hier erneut zu erwhnen. Die Antwort der Bibliotheken auf das vernderte Informa-tionsangebot und auf das gewandelte Nutzerver-halten muss mittel fristig ein integriertes digitales Informationssystem sein, das die Schaffung virtueller Forschungs- und Lernumgebungen ebenso einschliet wie ein zeitgemes Infor-mationsmanagement. Die Deutsche Forschungs-gemeinschaft untersttzt den Aufbau eines solchen Gesamtsystems der wissenschaftlichen Informationsversorgung im Rahmen eines Fr-derprogramms, das bis zum Jahre 2015 reicht. Und so selbstverstndlich wie die Bibliotheken das Internet fr ihre Informationsangebote nut-zen, so konsequent sollten sie auch die neuen Kommunikationstechniken des Internets fr den Kontakt mit den Nutzern einsetzen.

    Fazit und Ausblick

    Bibliotheken, ffentliche wie Wissenschaftliche, knnen ihre Dienste in der dargestellten Weise fr den Brger nur dann erbringen, wenn ihre Existenz gesichert ist und wenn sie von ihren Trgern mit adquaten Sach- und Personaletats ausgestattet werden. Die Frage nach der Zu-kunft der Bibliothek hat demnach nicht nur eine inhaltliche und technologische, sondern auch eine politische Dimension. Es gilt deutlich zu machen, nicht allein gegenber den politisch Verantwortlichen, sondern auch gegenber den Medien und der gesamten Bevlkerung, dass Bibliotheken in der Informationsgesellschaft eine Schlsselrolle zufllt. Dieser Rolle und den daran anknpfenden Erwartungen knnen die Bibliotheken nur dann gerecht werden, wenn sie die Herausforderungen der Informationsgesell-schaft erkennen und annehmen, wenn sie die Spiel rume fr technologische Innovationen und organisatorische Verbesserungen konsequent nutzen und den politischen, finanziellen und strukturellen Schwachstellen des deutschen Bibliothekswesens mit Effektivitt und Effizienz begegnen. Dann bleiben die Bibliotheken auch in Zukunft das, was sie schon immer waren: Por-tale, die viele Wege und Mglichkeiten ffnen.

  • 118

    Die Autoren

    Jrgen Seefeldt, geb. 1953, Studium des ffentlichen Bibliothekswesens in Kln. Ttigkeiten als Dipl.-Bibliothekar an der Stadtbcherei Hamm, der Fachbibliothek bei den Vereinigten Elektri-zittswerken Westfalen in Dortmund; 197985 stellv. Amtsleiter der Stadtbcherei Herne, 19891991 Leiter der Kreisbchereien Unna; 19992004 Leiter der Lan-desbchereistelle Rheinland-Pfalz in Koblenz, seit 2004 Standortleiter im Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz. Lehrauftrge an der FH Kln und der FHB in Bonn. 199598 Mit-Hrsg. der Fachzeitschrift BuB, 19892001 Mitglied des Bundesvorstands des DBV, seit 1998 Geschftsfhrer des DBV-Landesverbandes Rheinland-Pfalz. Verfasser zahlreicher Beitrge. Mit-autor des Buches Seefeldt/Metz: Unterhaltungslite-ratur in ffentlichen Bibliotheken, der 3. Auflage des Handbuches Busse-Ernestus-Plassmann-Seefeldt: Das Bibliothekswesen der Bundesrepublik Deutsch-land und des Studienbuches Bibliotheken und Informations gesellschaft in Deutschland eine Einfh-rung, 1. Auflage 2006, 2. Auflage 2011.

    Dr. Ludger Syr, geb. 1953, Studium der Geschichte und Germanistik in Freiburg, Mnchen und Tbingen und Promotion in Osteuropi-scher Geschichte; Ausbildung zum Wissenschaftlichen Bibliothekar in Tbingen und Kln; seit 1987 Fachre-ferent fr Geschichte, Mitbearbeiter der Landesbiblio-grafie von Baden-Wrttemberg und Leiter der Techni-schen Abteilung an der Badischen Landesbibliothek in Karls ruhe; Lehrbeauftragter an den Universitten Karlsruhe und Mannheim; zwischen 1992 und 2002 zwei Jahre im Vorstand und acht Jahre im Vereinsaus-schuss des Vereins Deutscher Bibliothekare sowie sieben Jahre Vorsitzender des VDB-Landesverbandes Baden-Wrttemberg; Autor zahlreicher Buch- und Zeitschriftenverffentlichungen, Herausgeber von zwei ZfBB-Sonderbnden zu Regionalbibliografien und lite-rarischen Nachlssen.

    ANHANG

    Aus urheberrechtlichen Grnden kann das Bild an dieser Stelle nicht verffentlicht werden.

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  • ANHANG

    119

    Bildnachweis

    Bildnachweis (in Abfolge des Erscheinens im Text)

    Claudia Lux, S. 7 (T. Deussen) Stadtbibliothek Ulm, S. 8 (M. Wacker

    StB Ulm) Universittsbibliothek / IKMZ Cottbus,

    S. 9 (R. Schuster) Codex Rotundus, Dombibliothek

    Hildesheim, S. 11 (L. Engelhardt) Evangeliar Heinrichs des Lwen,

    Herzog August Bibliothek, Wolfen-bttel, S. 12 (HAB)

    Schedelsche Weltchronik, Frstl. Hohenzoll. Hofbibliothek Sigmarin-gen, S. 13 (C. Seelbach)

    Berthold-Missale, Wrttembergische Landesbibliothek Stuttgart, S. 13 (Wrtt. LB)

    Bibliothek, Benediktinerkloster Otto-beuren, S. 14 (C. Seelbach)

    Staatsbibliothek zu Berlin, S. 14 (SBB PK, Wikipedia)

    Staatsbibliothek Bamberg, S. 15 (C. Seelbach)

    Universitts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle/Saale, S. 16 (ULB Halle) )

    Reichstagsbibliothek, S. 17 (Bildarchiv Preu. Kulturbesitz, Berlin)

    Deutsche Bcherei, Leipzig, S. 17 (Appaloosa, Wikipedia)

    Bibliothek der Hansestadt Lbeck, S. 18 (J. Fligge)

    Stadt- und Landesbibliothek Potsdam, S. 18 (C. Seelbach)

    Weltkarte von Mercator und Hondus, Staatsbibliothek zu Berlin, S. 19 (Staatsbibliothek zu Berlin)

    Universittsbibliothek Leipzig, S. 20 (Fa. Ahrend-Mauser)

    Universitts- und Forschungsbiblio-thek Erfurt /Gotha, S. 21 (S. Mller-Naumann)

    Landschaftsbibliothek Aurich, S. 28 (C. Seelbach)

    Universittsbibliothek Bochum, S. 30 (Universitt Bochum, Wikipedia)

    Universittsbibliothek Eichsttt, Wirt-schaftswiss. Zweigbibliothek Ingol-stadt, S. 31 (C. Seelbach)

    Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Studienzentrum, S. 32 (U. Schwarz, Klassik Stiftung Weimar)

    Buchhandlung in Karlsruhe, S. 33 (BLB, B. Ehlig)

    Zentralbibliothek der Kath. Universitt Eichsttt, S. 36 (C. Seelbach)

    Frst Thurn und Taxis Hofbibliothek, Regensburg, S. 37 (L.W. Splitta, Frst Thurn und Taxis Zentralarchiv)

    Deutsche Nationalbibliothek, Frank-furt am Main, S. 39 (St. Jockel, DNB)

    Leipzig, DNB mit Deutschem Musik-archiv, S. 40 (B. Kaiser, DNB)

    Staatsbibliothek zu Berlin Preu. Kulturbesitz, S. 41 (C. Seelbach)

    Bayerische Staatsbibliothek, Mnchen, S. 42 (BSB Mnchen)

    Deutsche Zentralbibliothek fr Medi-zin, Kln, S. 43 (ZBMED)

    Landesbibliothek Oldenburg, S. 44 (C. Seelbach)

    Leibniz-Rechenmaschine, Hannover, S. 45 (Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek - Niederschsische Lan-desbibliothek Hannover)

    Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, S. 45 (C. Seelbach)

    Bibliothek der Franckesche Stiftungen, Halle/Saale, S. 46 (W. Ziegler)

    Universittsbibliothek Mnchen, Historicum, S. 47 (J. Feist, ekz)

    Codex Manesse, Walter von der Vogelweide, Universittsbibliothek Heidelberg, S. 48 (Lossen, UB Hei-delberg)

    KIT Universittsbibliothek Karlsruhe, S. 49 (Th. Mechau)

    Deutsche Zentralbibliothek fr Wirt-schaftswissenschaften, Kiel , S. 51 (L. Roth, ZBW)

    Autografen, Deutsches Literaturarchiv, Marbach, S. 51 (DLA, Marbach)

    Johannes a Lasco Bibliothek, Emden, S. 52 (T. Riehle)

    Bibliothek des Deutschen Bundestages Berlin, S. 53 (J.F. Mller, Bundes-tagsbibliothek)

    Stadtbibliothek Landau, S. 54 (J. Feist, ekz)

    Stadt- und Landesbibliothek Dort-mund (auen), S. 54 (J. Feist, ekz)

    Stadt- und Landesbibliothek Dort-mund (innen), S. 54 (C. Seelbach)

    Stadtbcherei Biberach a.d. Ri, S. 55 (J. Seefeldt)

    Fahrbibliothek der Stadtbibliothek Koblenz, S. 57 (J. Seefeldt)

    Bcherbus der Stadtbcherei Frank-furt a.M., S. 57 (StB Frankfurt a.M.)

    Zentralbibliothek der Stadtbchereien Hamm, S, 59 (Stadt Hamm)

    Stadtbcherei Augsburg, S. 60 (J. Schambeck)

    Stadtbcherei Westerstede, S. 60 (J. Feist, ekz)

    Stadtbibliothek Bernburg/Saale, S. 62 (J. Feist, ekz)

    Jugendbibliothek Schlo Blutenburg, Mnchen, S. 62 (C. Seelbach)

    Schulbibliothek und Selbstlern- zentrum der Christophorusschule Knigswinter, S. 63 (CJD Chr.-Schule Knigswinter)

    Stadtbibliothek Bremen, S. 65 (StB Bremen)

    Werkbcherei der Wacker Chemie AG Burghausen, S. 66 (Wacker AG)

    Stadtbcherei Dsseldorf, S. 68 (ekz, Reutlingen)

    Deutsche Nationalbibliothek, Frank-furt am Main, S. 70 (C. Seelbach)

    Stadtbibliothek Heinrich Heine Halberstadt, S. 77, (J. Feist, ekz)

    Einschlagmaschine der ekz, Reutlin-gen, S. 81 (ekz)

    Stadtbibliothek Gtersloh GmbH, S. 82 (C. Seelbach)

    Bibliothek des Goethe-Instituts Jakarta, Indonesien, S. 83 (Goethe-Institut Jakarta)

    Philologische Bibliothek der Freien Universitt Berlin, S. 86 (P. v. Reck-linghausen)

    Niederschsische Staats- und Univer-sittsbibliothek Gttingen, S. 88 (SUB Gttingen)

    Staatsbibliothek zu Berlin, S. 89 (C. Seelbach)

    Badische Landesbibliothek, Karlsruhe, S. 90 (C. Seelbach)

    Schsische Landesbibliothek Staats- und Universittsbibliothek Dresden, S. 91 (M. Weimar)

    Schsische Landesbibliothek Staats- und Universittsbibliothek Dresden, S. 91 (H. Ahlers)

    Universittsbibliothek Tbingen, S. 92 (C. Seelbach)

    Herzog August Bibliothek in Wolfen-bttel, S. 93 (Herzog August Bibliothek)

    Stadtbibliothek Wrzburg, S. 95 (C. Seelbach)

    Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Weimar, S. 101 (Herzogin Anna Amalia Bibliothek)

    Bibliothek der ehem. Benediktinerab-tei Amorbach, S. 102 (C. Seelbach)

    Wrttembergische Landesbibliothek, Stuttgart, S. 104 (J. Siener, WLB)

    Universittsbibliothek Hannover und Technische Informationsbibliothek, Hannover, S. 105 (TIB)

    Stadtbibliothek Friedrichshafen Medienhaus am See, S. 106 (J. Seefeldt)

    Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin, S. 107 (Kummer)

  • 120

    ANHANG

    Bibliothek der Hochschule fr Film und Fernsehen Konrad Wolf Potsdam-Babelsberg, S. 108 (HS Potsdam-B.)

    Mediathek Neckarsulm, S. 109 (D. Strauss)

    Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, Zentralbibliothek der Humboldt-Universitt zu Berlin, S. 109 (M. Bulaty)

    Thringer Universitts- und Landesbi-bliothek, Jena, S. 110 (P. Scheene, Universitt Jena)

    Universittsbibliothek Regensburg, S. 111 (K. Hoibl)

    Gemeindebcherei Neufahrn, S. 112 (J. Feist, ekz)

    Zentrum fr Bucherhaltung GmbH, Leipzig, S. 114 (C. Seelbach)

    Mnchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek, Mnchen, S. 115 (MDZ)

    Gutenberg-Digital aus Gttinger Digi-talisierungszentrum, S. 116 (GDZ)

    Jrgen Seefeldt, Autor, S. 118 Ludger Syr, Autor, S. 118 (B. Ehlig)

    Die Abbildungen auf dem vorderen Umschlag zeigen von links nach rechts: Stadtbcherei Hamm (Stadt Hamm), IKMZ UB Cottbus (R. Schuster), Grimm-Forum der Humboldt-Uni-versitt Berlin (M. Bulaty), Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt a.M. (Th. Linke)

    Die Abbildungen auf dem hinteren Umschlag zeigen von oben nach unten: Bibliotheca Ottenburana in Otto-beuren (C. Seelbach), Anna-Amalia-Bibliothek Weimar (U. Schwarz), Universittsbibliothek Heidelberg (Wikipedia), DNB Deutsche Bche-rei Leipzig (Appaloosa, Wikipedia)

    Alphabetisches Ver-zeichnis der Abbildun-gen nach Orten

    Amorbach, Frstlich Leiningensche Bibliothek, S. 102

    Augsburg, Staats- und Stadtbiblio-thek, S. 45

    Augsburg, Stadtbcherei, S. 60Aurich, Landschaftsbibliothek, S. 28Bamberg, Staatsbibliothek, S. 15Berlin, Bibliothek des Deutschen Bun-

    destages, S. 53

    Berlin, Grimm-Zentrum, Humboldt-Universitt, S. 109

    Berlin, Philologische Bibliothek der Freien Universitt, S. 86

    Berlin, Reichstagsbibliothek, S. 17Berlin, Staatsbibliothek, S. 14, 19,

    41, 89Bernburg/Saale, Stadtbibliothek, S. 62Biberach an der Ri,Artothek der

    Stadtbcherei, S. 55 Bochum, Universittsbibliothek, S. 30Bremen, Stadtbibliothek, S. 65Burghausen, Werksbcherei der

    Wacker AG, S. 66 Cottbus, Universittsbibliothek IKMZ,

    S. 9Dortmund, Stadtbibliothek, S. 54Dresden, Schsische Landes-

    bibliothek Staats- und Universittsbiblio thek, S. 91

    Dsseldorf, Stadtbchereien, S. 68Eichsttt, Universittsbibliothek, S. 36Emden, Johannes a Lasco Bibliothek

    Groe Kirche, S. 52Erfurt, Universittsbibliothek, S. 21Frankfurt am Main, Deutsche Natio-

    nalbibliothek, S. 39, 70Frankfurt am Main, Bcherbus der

    Stadtbcherei, S. 57Friedrichshafen, Medienhaus am See,

    S. 106Gttingen, Niederschsische Staats-

    und Universittsbibliothek, S. 88, 116

    Gtersloh, Stadtbibliothek, S. 82Halberstadt, Heinrich Heine Stadt-

    bibliothek, S. 77Halle/Saale, Hauptbibliothek der Fran-

    ckeschen Stiftungen, S. 46Halle/Saale, Universitts- und Landes-

    bibliothek Sachsen Anhalt, S. 16Hamm, Zentralbibliothek der Stadt-

    bchereien, S. 59Hannover, Gottfried-Wilhelm-Leibniz

    Bibliothek Niederschsische Lan-desbibliothek, S. 45

    Hannover, Technische Informations-bibliothek/Universittsbibliothek, S. 105

    Heidelberg, Universittsbibliothek, S. 48

    Hildesheim, Dombibliothek, S. 11Ingolstadt, Wirtschaftwissenschaft-

    liche Zweigbibliothek der Universi-ttsbibliothek Eichsttt, S. 31

    Jakarta, Bibliothek des Goethe-Insti-tuts, S. 83

    Jena, Thringer Universitts- und Lan-desbibliothek, S. 110

    Karlsruhe, Buchhandlung, S. 33Karlsruhe, Badische Landesbibliothek,

    S. 90

    Karlsruhe, Universittsbibliothek des KIT, S. 49

    Kiel, Deutsche Zentralbibliothek fr Wirtschaftswissenschaften, S. 51

    Koblenz, Bcherbus der Stadtbiblio-thek, S. 57

    Kln, Deutsche Zentralbibliothek fr Medizin, S. 43

    Knigswinter, Schulmediothek der Christophorusschule, S. 63

    Landau, Stadtbibliothek, S. 54Leipzig, DNB Deutsche Bcherei,

    S. 17, 40Leipzig, Universittsbibliothek, S. 20Leipzig, Zentrum fr Bucherhaltung

    GmbH, S. 114Lbeck, Bibliothek der Hansestadt

    Lbeck, S. 18Marbach/Neckar, Deutsches Litera-

    turarchiv/Schiller-Nationalmuseum, S. 51

    Mnchen, Bayerische Staatsbibliothek, S. 42, 115

    Mnchen, Historicum der Universitts-bibliothek Mnchen, S. 47

    Mnchen, Internationale Jugend-bibliothek, S. 62

    Neckarsulm, Mediathek, S. 109Neufahrn, Gemeindebcherei, S. 112Oldenburg, Landesbibliothek, S. 44Ottobeuren, Bibliotheca Ottenburana,

    S. 14Potsdam, Stadt- und Landesbiblio-

    thek, S. 18Potsdam-Babelsberg, Hochschule

    fr Film und Fernsehen Konrad Wolf, S. 108

    Regensburg, Frst Thurn und Taxis Hofbibliothek, S. 37

    Regensburg, Universittsbibliothek, S. 111

    Reutlingen, ekz-Bibliotheksservice GmbH, S. 81

    Schwerin, Landesbibliothek Mecklen-burg-Vorpommern, S. 107

    Sigmaringen, Frstlich Hohenzollern-sche Hofbibliothek, S. 13

    Stuttgart, Wrttembergische Landes-bibliothek, S. 13, 104

    Tbingen, Universittsbibliothek, S. 92Ulm, Stadtbibliothek, S. 8Weimar, Herzogin Anna Amalia Biblio-

    thek, S. 32, 101Westerstede, Stadtbibliothek, S. 60Wolfenbttel, Herzog August Biblio-

    thek, S. 12, 93Wrzburg, Stadtbibliothek, S. 95

  • ANHANG

    121

    Bibliotheken des Jahres (Nationaler Bibliotheks-preis)

    2000: Stadtbibliothek Heinrich Heine Halberstadt (Sachsen-Anhalt)

    2001: Johannes a Lasco Bibliothek Emden (Niedersachsen)

    2002: Niederschsische Staats- und Universittsbibliothek Gttingen (Niedersachsen)

    2003: Stadtbcherei Wrzburg (Bayern)

    2004: Stdtische Bibliotheken Dres-den (Sachsen)

    2005: Stadtbchereien Hamm (Nord-rhein-Westfalen)

    2006: Informations-, Kommunika-tions- und Medienzentrum Cottbus (Brandenburg)

    2007: Gefangenenbcherei der JVA Mnster (Nordrhein-Westfalen)

    2008: Bayerische Staatsbibliothek Mnchen (Bayern)

    2009: Stadtbcherei Biberach an der Ri (Baden Wrttemberg)

    2010: Bibliothek der Universitt Kon-stanz (Baden-Wrttemberg)

    Weiterfhrende Fach-informationen (in Auswahl)

    Monografien und JahrbcherAufbruch als Ziel BID und

    Bibliothek 2007:Zum Abschluss der sechsjhrigen Amtszeit Georg Ruppelts als Spre-cher von Bibliothek & Information Deutschland/Hg.: Bibliothek & Information Deutschland e.V. Hildesheim u.a.: Olms, 2006. 249 S.: Ill.

    Bau- und Nutzungsplanung von Bibliotheken und Archiven: Ersatz fr DIN-Fachbericht 13:1998/DIN Deutsches Institut fr Normung e.V. Berlin [u.a.]: Beuth, 2009. 132 S.: graf. Darst. (DIN-Fachbericht; 13).

    Bericht zur Lage der Bibliotheken 2010 /Deutscher Bibliotheksverband. Jan-Pieter Barbian... Berlin: dbv, 2010. 12 S.

    Bibliothek 2007: Strategiekonzepte/Bertelsmann Stiftung; Bundesvereinigung Deut-scher Bibliotheksverbnde (Hrsg.). Von Gabriele Beger u.a. 3. Aufl. Gtersloh: Verl. Bertelsmann Stif-tung, 2004. 40 S.

    Bibliotheken 93: Strukturen, Aufgaben, Positionen/Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbnde. Berlin: Deutsches Bibliotheksinstitut; Gt-tingen: Niederschsische Staats- u. Univ.-Bibliothek, 1994. VI, 182 S.: Ill.

    Bibliotheken heute!:Best Practice bei Planung, Bau und Ausstattung/hrsg. von Petra Hauke u. Klaus Ulrich Werner. Bad Hon-nef: Bock und Herchen, 2011. 320 S.: graf. Darst.

    Bibliotheken und Informations-gesellschaft in Deutschland: eine Einfhrung/Engelbert Plass-mann, Hermann Rsch, Jrgen Seefeldt, Konrad Umlauf. Wies-baden: Harrassowitz, 2006. X, 333 S.

    Bibliotheken 2040: die Zukunft neu entwerfen/Red. Rob Bruijnzeels u. Nicole van Tig-gelen. bers. von Uta Klaassen. Bad Honnef: Bock und Herchen, 2003. 83 S.: Ill., graf. Darst., Kt.

    Bibliothekspolitik in Ost und West: Geschichte und Gegenwart des Deutschen Bibliotheksverbandes/hrsg. von Georg Ruppelt. Frank-furt am Main: Klostermann, 1998. VI, 322 S.; (Zeitschrift fr Bibliothekswesen und Bibliogra-phie: Sonderhefte; 72).

    Berufsbild 2000 Bibliotheken und Bibliothekare im Wandel /erarb. von der Arbeitsgruppe Ge-meinsames Berufsbild der BDB e.V. Unter Leitung von Ute Krau-Leichert. 2., unvernd. Nachdr. der dt. Fassung, erg. um die engl. Version. Wiesbaden: Dinges und Frick, 2000. 125 S.

    Bruhn, Manfred: Qualittsmanagement fr Dienst-leistungen: Grundlagen, Konzepte, Methoden. 7., berarb. u. erw. Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer, 2008. 617 S.

    Buch und Buchhandel in Zahlen /hrsg. vom Brsenverein des Deut-schen Buchhandels e.V. Frank- furt a.M.: MVB Marketing- u. Verlagsservice des Buchhandels.

    128 S.: Tab., graf. Darst., Kt. Er-scheint jhrl.

    Buzs, Ladislaus: Deutsche Bibliotheksgeschichte des Mittelalters /Ladislaus Buzs. Wiesbaden: Reichert, 1975. 191 S.; (Elemente des Buch- und Bibliothekswesens; 1).

    Buzs, Ladislaus: Deutsche Bibliotheksgeschichte der Neuzeit (1500 1800)/Ladislaus Buzas. Wiesbaden: Reichert, 1976. 203 S.; (Elemente des Buch- und Bibliothekswesens; 2).

    Buzs, Ladislaus: Deutsche Bibliotheksgeschichte der neuesten Zeit (1800 1945)/Ladis-laus Buzas. Wiesbaden: Reichert, 1978. 215 S.; (Elemente des Buch- und Bibliothekswesens; 3).

    Einundzwanzig (21) gute Grnde fr gute Bibliotheken /

    hrsg. von der BID Bibliothek & Information Deutschland. Konzept und Inhalt: Gabriele Beger u.a. Text: Anne Buhrfeind. Bad Hon-nef: Bock und Herchen, 2009. 28 S.

    Entscheidungssammlung zum Biblio theksrecht /hrsg. von der Rechtskommission des Deutschen Bibliotheksinstituts u.a. Erarbeitet von: Jrgen Chris-toph Gdan u.a. 2., berarb. u. erw. Aufl. Wiesbaden: Harrasso-witz, 2003. 656 S.

    Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informations-einrichtungen: Fachratgeber fr die Bibliotheks-leitung und Bibliothekare/Hrsg.: Hans-Christoph Hobohm, Konrad Umlauf. Hamburg: Verl. Dashfer, 2002. 700 S. Loseblattausgabe

    Ewert, Gisela; Umsttter, Walther: Lehrbuch der Bibliotheksverwal-tung/auf d. Grundlage d. Werkes von Wilhelm Krabbe u. Wilhelm Martin Luther vllig neu bearb. von Gisela Ewert u. Walther Um-sttter. Stuttgart: Hiersemann, 1997. XV, 204 S.

    Gantert, Klaus; Hacker, Rupert: Bibliothekarisches Grundwissen . 8., vollst. neu bearb. u. erw. Auf-lage. Mnchen: Saur, 2008. 414 S.: Ill., graf. Darst.

    Gaus, Wilhelm: Berufe im Informationswesen: ein Wegweiser zur Ausbildung; Archiv, Bibliothek, Buchwissenschaft, Information und Dokumentation, Medizinische Dokumentation,

  • 122

    ANHANG

    Medizinische Informatik, Computer-linguistik, Museum/Wilhelm Gaus. 5., vollstndig berarbeitete Aufl. Berlin [u.a.]: Springer, 2002. 310 S.

    Grundlagen der praktischen Infor-mation und Dokumentation /Ein Handbuch zur Einfhrung in die fachliche Informationsarbeit /Rainer Kuhlen u.a. [Hrsg.]. Begr. von Klaus Laisiepen. 5., vll. neu gefasste Ausg. Mnchen: Saur, 2004. XLVIII, 910 S. Band 1: Handbuch zur Einfhrung in die Informationswissenschaft und -praxis Band 2: Glossar

    Gutachtensammlung zum Biblio-theksrecht: Gutachten, Stellungnahmen, Empfehlungen. Red.: Jrgen Christoph Gdan. Wiesbaden: Harrassowitz, 2002. XIV, 618 S. (Bibliotheksrecht; Bd. 1).

    Handbuch Bibliothek 2.0 /Hrsg. Julia Bergmann, Patrick Da-nowski. Berlin, New York: de Gruyter Saur, 2010. 392 S.

    Handbuch der Bibliotheken Deutschland, sterreich, Schweiz. 16. Aufl. Berlin: de Gruyter, 2010.

    100. Deutscher Bibliothekartag Festschrift /Im Auftr. des Vereins Deutscher Bi-bliothekare (VDB) u. des Berufsver-bands Information Bibliothek (BIB) hrsg. von Felicitas Hundhausen, Daniela Llfing u. Wilfried Shl-Stromenger. Hildesheim: Olms, 2011. 258 S.

    Jahrbuch der Deutschen Bibliothe-ken /hrsg. vom Verein Deutscher Bibliothekare. Wiesbaden: Harrassowitz. Bd. 63 (2009/2010). 580 S. Erscheint alle zwei Jahre.

    Jahrbuch der ffentlichen Biblio-theken/hrsg. vom Berufsverband Bibliothek Information e.V. Bearb. von Petra Hauke. Bad Honnef: Bock und Herchen, Ausg. 2010/11. 2010. 348 S. Erscheint alle zwei Jahre.

    Jochum, Uwe: Geschichte der abendlndischen Bibliotheken. Darmstadt: Primus 2009. 160 S.: zahlr. Ill.

    Jochum, Uwe: Kleine Bibliotheksgeschichte/von Uwe Jochum. 3., verb. u. erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2007.

    280 S.; (Universal-Bibliothek; Nr. 17667).

    Lux, Claudia; Shl-Strohmenger, Wilfried: Teaching Library in Deutschland: Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz als Kernaufgabe fr ffentliche und Wissenschaft-liche Bibliotheken. Wiesbaden: Dinges und Frick, 2004. 248 S.: Ill., graf. Darst. (BIT online innova-tiv; 9).

    Die moderne Bibliothek: ein Kompendium der Bibliotheks-verwaltung/hrsg. von Rudolf Fran-kenberger und Klaus Haller. Mn-chen: Saur, 2004. 449 S.

    Plassmann, Engelbert; Seefeldt, Jrgen: Das Bibliothekswesen der Bundes-republik Deutschland: ein Hand-buch/von Engelbert Plassmann und Jrgen Seefeldt. 3., vllig neube-arbeitete Auflage des durch Gisela von Busse und Horst Ernestus be-grndeten Werkes. Wiesbaden: Harrassowitz 1999. XII, 510 S.: zahlr. Kt. u. Ill.

    Politik fr Bibliotheken: die Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbnde (BDB) im Ge-sprch; Birgit Dankert zum Ende ihrer Amtszeit als Sprecherin der BDB/hrsg. von Georg Ruppelt. Mnchen: Saur, 2000. 208 S.

    Rechtsvorschriften fr die Biblio-theksarbeit /Deutscher Bibliotheksverband (Hg.). 5., berarb. u. erw. Aufl. Wiesbaden: Harrassowitz, 2009. XIV, 832 S. (Bibliotheksrecht; 3).

    Die Regionalbibliographie im digi-talen Zeitalter: Deutschland und seine Nachbar-lnder/hrsg. von Ludger Syr und Heidrun Wiesenmller. Frank-furt a. M.: Klostermann, 2006. 426 S.; (Zeitschrift fr Bibliotheks-wesen und Bibliographie: Sonder-bnde; 90).

    Regionalbibliotheken in Deutsch-land: mit einem Ausblick auf sterreich und die Schweiz/hrsg. von Bernd Hagenau. Frankfurt am Main: Klostermann, 2000. 467 S., 1 Kt.; (Zeitschrift fr Bibliothekswesen und Bibliographie: Sonderheft; 78).

    Rsch, Hermann: Academic Libraires und Cyberinfra-structure: Das System wissenschaft-licher Kommunikation zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Wiesbaden:

    Dinges und Frick, 2008. - 127 S., Abb. (BIT online Innovativ; 21).

    Seidel, Stefanie:Die schnsten Rume, die wert-vollsten Sammlungen; Deutschland, sterreich, Schweiz. Mnchen: Callwey, 1995. 191 S., zahlr. Ill.

    Spezialbibliotheken in Deutsch-land/Red. Petra Hauke. Unter Mitarb. von Gisela Bartz. Bad Honnef: Bock und Herchen, 1996 2002. Bd. 15.

    Shl-Strohmenger, Wilfried:Digitale Welt und Wissenschaftliche Bibliothek: Informationspraxis im Wandel. Wiesbaden: Harrasso-witz, 2008. 296 S. (Bibliotheksar-beit; 11).

    Umlauf, Konrad: Bestandsaufbau an ffentlichen Bibliotheken/Konrad Umlauf. Frankfurt a.M.: Klostermann, 1997. 413 S. (Das Bibliotheks-wesen in Einzeldarstellungen).

    Umlauf, Konrad: Medienkunde/Konrad Umlauf unter Mitarbeit von Daniella Sarnowski. 2., aktual. u. neu gefasste Aufl. Wiesbaden: Har-rassowitz, 2006. 350 S. (Biblio-theksarbeit; 8).

    Umlauf, Konrad: Moderne Buchkunde/Konrad Umlauf. 2., aktual. u. neu gefasste Aufl. Wiesbaden: Har-rassowitz, 2005. 191 S. (Biblio-theksarbeit; 2).

    Umsttter, Walther: Einfhrung in die Katalogkunde: vom Zettelkatalog zur Suchma-schine/von Walther Umsttter u. Roland Wagner-Dbler. 3. Aufl. d. Werkes von Karl Lffler, vll. neu bearb. Stuttgart: Hiersemann, 2005. XI, 171 S.: graf. Darst.

    Verein Deutscher Bibliothekare 19002000: Festschrift /hrsg. von Engelbert Plassmann u. Ludger Syr. Wies-baden: Harrassowitz, 2000. 408 S.

    Verein Deutscher Bibliothekare 19002000:Bibliographie und Dokumentation/zusammengest. von Felicitas Hund-hausen. Wiesbaden: Harrasso-witz, 2004. XX, 541 S.

    Wie viele Bibliotheken brauchen wir? /hrsg. von Rolf Busch. Bad Hon-nef: Bock und Herchen, 2004.

  • ANHANG

    123

    294 S. (Beitrge zur bibliothekarischen Weiterbildung; 17).

    Wissenschaftskommunikation im Netzwerk der Bibliotheken: mit Beitr. von Walther Umsttter u.a. Berlin: BibSpider, 2005. 195 S.: graf. Darst.

    Zugang fr alle:Soziale Bibliotheksarbeit in Deutschland. Hrsg. Ben Kaden und Maxi Kindling. Berlin: BibSpider, 2007. 273 S.

    ZeitschriftenABI-Technik: Zeitschrift fr Automa-

    tion, Bau und Technik im Archiv-, Bibliotheks- und Informationswe-sen. Mnchen: Verlag Neuer Mer-kur. Erscheint vierteljhrlich.

    Auskunft: Zeitschrift fr Bibliothek, Archiv und Information in Nord-deutschland/hrsg. im Auftr. des Landesverbandes Hamburg im dbv. Nordhausen: Bautz. Erscheint vierteljhrlich.

    Bibliothek: Forschung und Praxis. Berlin u.a.: de Gruyter Saur. Erscheint viermonatlich.

    BiblioTheke: Zeitschrift fr katholi-sche Bcherei- und Medienarbeit /hrsg. vom Borromusverein. Bonn: BV. Erscheint vierteljhrlich.

    Bibliotheken heute/hrsg. vom Lan-desbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz. Koblenz u.a.: LBZ. Erscheint vierteljhrlich.

    Bibliotheksdienst /Redaktion, Her-stellung und Vertrieb: Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Erscheint monatlich.

    Bibliotheksforum Bayern: BFB/Hrsg.: Bibliotheksverbund Bayern, Bayerische Staatsbibliothek. Mn-chen: BVB. Erscheint viermonatlich.

    B.I.T.-Online: Zeitschrift fr Biblio-thek, Information und Technologie mit aktueller Internet-Prsenz. Wiesbaden: Dinges und Frick. Erscheint vierteljhrlich.

    BuB: Forum fr Bibliothek und In-formation; Fachzeitschrift des BIB e.V., Berufsverband Information Bibliothek. Bad Honnef: Bock und Herchen. Erscheint zehnmal jhrlich.

    Buchprofile: Medienempfehlungen fr die Bchereiarbeit /Hrsg.: Borromusverein e.V. Bonn,

    St. Michaelsbund. Bonn: BV. Erscheint vierteljhrlich.

    Dialog mit Bibliotheken /Deutsche Nationalbibliothek. Frank-furt am Main: DNB. Erscheint viermonatlich.

    Der evangelische Buchberater: Zeitschrift fr Buch- und Bcherei-arbeit /Hrsg.: eliport Ev. Literatur-portal. Gttingen: VEB. Erscheint vierteljhrlich.

    Information Wissenschaft und Praxis: IWR/Hrsg. von der Deut-schen Gesellschaft fr Informa-tionswissenschaft und Informa-tionspraxis. Wiesbaden: Dinges und Frick. Erscheint vierteljhrlich.

    LIES Lesen, Informieren, Erleben in der Schulbibliothek: Arbeits-hilfen und Informationen fr Schul-bibliotheken; eine Schriftenreihe fr die Arbeit in den zentralen Schulbibliotheken des Landes Rheinland-Pfalz/Hrsg. von der Kommission Zentrale Schulbiblio-thek. Mainz: KZS. Erscheint halbjhrlich.

    MB: Mitteilungsblatt der Bibliotheken in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt /Hrsg.: Arbeitsgemeinschaft der Bibliotheken in Niedersachsen; Arbeitsgemeinschaft der Bibliothe-ken in Sachsen-Anhalt. Hannover: Landesbibliothek. Erscheint vierteljhrlich.

    ProLibris: Mitteilungsblatt /hrsg. vom Verband der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen und den Bezirksregierungen. Bottrop: Pomp. Erscheint viermonatlich.

    Zeitschrift fr Bibliothekswesen und Bibliographie: vereinigt mit Zentralblatt fr Bibliothekswesen; ZfBB: Organ des wissenschaftlichen Bibliothekswesens. Frankfurt am Main: Klostermann. Erscheint zweimonatlich.

    Internet-AdressenArbeitsgemeinschaft der Spezialbiblio-

    theken (ASpB) www.aspb.de

    Arbeitsgemeinschaft der Verbund-systeme (AGV) www.ag-verbund.de

    Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deut-scher Drucke (AG SDD) www.ag-sdd.de

    BAM-Portal www.bam-portal.de

    Bayerische Staatsbibliothek (BSB) www.bsb-muenchen.de

    Bertelsmann Stiftung www.bertelsmann-stiftung.de

    Berufsverband Information Bibliothek (BIB) www.bib-info.de

    Bibliothek & Information Deutsch- land e.V. (BID) www.bideutschland.de

    Bibliothek & Information International (BII) www.bi-international.de

    Bibliotheksindex (BIX) www.bix-bibliotheksindex.de

    Bibliotheksportal www.bibliotheksportal.de

    Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Wrttemberg (BSZ) www.bsz-bw.de

    Bibliotheksverbund Bayern www.bib-bvb.de

    Bielefeld Academic Search-Engine (BASE) www.base-search.de

    Borromusverein e.V. (BV) www.borromaeusverein.de

    Bro der Europischen Bibliotheks- verbnde (EBLIDA) www.eblida.org.

    Conference of European National Libraries (CENL) www.cenl.org

    Datenbank-Infosystem www.bibliothek.uni-regensburg.de/dbinfo

    Deutsche Bibliotheksstatistik (DBS) www.bibliotheksstatistik.de

    Deutsche Forschungsgemeinschaft Wissenschaftliche Literaturversor-gungs- und Informationssysteme www.dfg.de/ lis

    Deutsche Gesellschaft fr Informa- tionswissenschaft und Informa- tionspraxis (DGI) www.dgi-info.de

    Deutsche Internetbibliothek (DIB) www.internetbibliothek.de

    Deutsche Nationalbibliothek (DNB) www.dnb.de

    Deutscher Bibliotheksverband (dbv) www.bibliotheksverband.de

    Deutscher Bildungsserver www.bildungsserver.de

    Deutsches Informationszentrum fr Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) www.dimdi.de

    DigiAuskunft www.hbz-nrw.de/angebote/digi-auskunft

  • 124

    ANHANG

    Sachregister (Namen, Institutionen, Abkr-zungen)

    AACR2 = Anglo-American Cataloguing Rules 96

    Academic LinkShare 8, 93AGB = Amerika-Gedenk-Bibliothek

    (Berlin) 57ALEPH (Bibliothekssoftware) 98Allianz zur Erhaltung des

    schriftlichen Kulturguts 114Allianzlizenzen 92Amerika-Gedenk-Bibliothek

    (Berlin) 57Amtsdruckschrift 50Anglo-American Cataloguing Rules

    (AACR) 96Anne-Frank-Shoah-Bibliothek 39Arbeitsgemeinschaft der

    Spezialbibliotheken e.V. (ASpB) 52, 76

    Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke 40, 93

    Archivar 68ARGE Alp 90Artothek 55, 56ASpB = Arbeitsgemeinschaft

    der Spezialbibliotheken 52, 76Assistent an Bibliotheken 28, 71Audiovisuelle Medien 28, 56Auslandsarbeit 75Autograf 41, 48, 51AV-Medien 28, 56

    BA = Besprechungen und Annotationen 95

    Bachelor of Arts (BA) 71, 72Bafg = Bundesausbildungs-

    frderungsgesetz 30BAM-Portal 97BAT = Bundesangestelltentarif 69Bayerische Staatsbibliothek

    (Mnchen) 40, 4243, 94,114115

    BBA = Bundesverein der Assistent/ innen und anderer Mitarbeiter / innen an Bibliotheken 78

    BDB = Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbnde 74

    BEA = Bibliotheksentwicklungs-agentur 83

    Beauftragter der Bundesregierung fr Angelegenheiten der Kultur und der Medien 24

    Berliner Titeldrucke 15Bertelsmann Stiftung 74, 8283Berufsakademie 32, 50Berufsbildungsgesetz 27Berufsschule 27, 78

    Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB) 7879, 107

    Besondere Benutzergruppen 6465BIB = Berufsverband

    Information Bibliothek 7879,107BIBLIO 2 90Bibliotheca Baltica 90Bibliotheca Hertziana (Rom) 53Bibliotheca Palatina (Heidelberg) 13Bibliothek & Information

    Deutschland e.V. (BID) 8, 7475, 85

    Bibliothek & Information International (BII) 74, 78

    Bibliothek der Universitt der Knste (Berlin) 50

    Bibliothek des Deutschen Bundestages (Berlin) 35, 51, 53

    Bibliothek des Jahres (Preis) 77, 121Bibliothek 2007 (Projekt) 82Bibliothekar 6872Bibliothekarische

    Ausbildungssttten 7172Bibliothekarische Fortbildung 7273Bibliothekarisches Studium 7172Bibliotheken 93 89Bibliotheksarbeit fr besondere

    Benutzergruppen 6466Bibliotheksdienst (Zeitschrift) 75Bibliotheksentwicklungsagentur

    (BEA) 83Bibliotheksfachstellen 5961Bibliotheksgesetz 8, 24, 75Bibliotheksindex (BIX) 78, 82Bibliotheksplan `73 19, 74, 89Bibliotheksportal des knb 22, 78, 87Bibliotheksrabatt 34Bibliotheksschule 70, 73Bibliothekstrger 35ff.Bibliothekstyp 35ff.Bibliotheksverbund 9699BIB-OPUS

    Online-Dokument-Server 79BIB-Rezensent (LK) 94bibweb = Bibliothekarische

    Weiterbildung im Internet 81, 82BID = Bibliothek & Information

    Deutschland e.V. 8, 7475, 85BII = Bibliothek & Information

    International 74, 78Bildagentur 28, 68, 71BIX = Bibliotheksindex 78, 82Blindenbibliothek 65Blu-ray 29, 56BMBF = Bundesministerium fr

    Bildung und Forschung 25, 66Borromusverein (BV) 18, 61Brsenblatt des Deutschen

    Buchhandels 33Brsenverein des Deutschen

    Buchhandels e.V. 16, 33, 37Bologna-Prozess 8, 30Braille-Punktschrift 65

    Digitale Bibliothek www.digibib.net

    DiViBib GmbH www.divibib.de

    ekz-Bibliotheksservice GmbH www.ekz.de

    Elektronische Zeitschriftenbibliothek www.bibliothek.uni-regensburg.de/ezeit

    Fachstellen-Server www.fachstellen.de

    Fortbildungsportal fr Bibliothek und Information www.wissenbringtweiter.de

    Gemeinsamer Bibliotheksverbund www.gbv.de

    Goethe-Institut www.goethe.de

    Hessisches Bibliotheksinformations-system www.hebis.de

    Hochschulbibliothekszentrum NRW www.hbz-nrw.de

    IFLA-Nationalkommitee Deutschland www.ifla-deutschland.de

    International Federation of Library Associations and Institutions www.ifla.org

    Karlsruher Virtueller Katalog www.ubka.uni-karlsruhe.de/kvk.html

    Kirchlicher Verbundkatalog www.kivk.de

    Kompetenznetzwerk fr Bibliotheken www.bibliotheksportal.de

    Kooperativer Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg www.kobv.de

    Sammlung Deutscher Drucke www.ag-sdd.de

    Staatsbibliothek zu Berlin www.sbb.spk-berlin.de

    subito www.subito-doc.de

    Vascoda www.vascoda.de

    Verband der Bibliotheken des Landes NRW www.vbnw.de

    Verein Deutscher Bibliothekare www.vdb-online.org

    Virtuelle Deutsche Landesbiblio- graphie www.landesbibliographie.de

    Zeitschriftendatenbank www.zeitschriftendatenbank.de

  • ANHANG

    125

    BSB = Bayerische Staatsbibliothek 40, 4243, 94,

    114115BuB = Buch und Bibliothek

    (Zeitschrift) 79Buch und Bibliothek Forum fr

    Bibliothek und Information 79Bcherbus 22, 57, 59Bcherhallen Hamburg 17, 37, 66Bchereizentrale 25, 35, 59Buchhandel 3334Buchpreisbindung 34Buchproduktion 3334Bundesangestelltentarif (BAT) 69Bundesverein der Assistent/ innen

    und anderer Mitarbeiter / innen an Bibliotheken e.V. (BBA) 78

    Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbnde (BDB) 74

    Bro der europischen Bibliotheks-verbnde (EBLIDA) 75, 79, 86

    BV = Borromusverein 18, 61

    CENL = Conference of European National Librarians 87

    Clearingstelle fr den Internationalen Leihverkehr 104

    Codex 11, 12, 48Conference of European National

    Librarians (CENL) 87Current Contents-Datenbank

    (fr Zeitschrifteninhalts-verzeichnisse) 43

    DAISY 65Datenbank-Infosystem (DBIS) 117DBI = Deutsches Bibliotheks-

    institut 22, 77DBIS 117DBK = Deutsche Bibliotheks-

    konferenz 74, 89dbv = Deutscher Bibliotheks-

    verband 22, 74, 7578, 89DDC = Dewey Decimal

    Classification 96Deutsche Bibliothekskonferenz

    (DBK) 74, 89Deutsche Bcherei

    (Leipzig) 16, 17, 38, 40Deutsche Digitale Bibliothek

    (DDB) 8, 115Deutsche Forschungsgemeinschaft

    (DFG) 25, 36, 41, 47, 85, 9093, 101102, 117

    Deutsche Gesellschaft fr Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. (DGI) 66, 74, 84

    Deutsche Internetbibliothek (DIB) 105

    Deutsche Lesesle (Goethe-Institut) 53, 84

    Deutsche Nationalbibliografie (DNB) 3839

    Deutsche Nationalbibliothek (DNB) 3740, 85, 87, 93,

    96, 99, 116 Deutsche Zentralbibliothek

    fr Medizin ZBMED (Kln u. Bonn) 43

    Deutsche Zentralbibliothek fr Wirtschaftswissenschaften Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) 44, 51

    Deutscher Bibliothekartag 5, 79, 107Deutscher Bibliothekskongress 75, 85Deutscher Bibliotheksverband

    (dbv) 22, 74, 7578, 89 Deutscher Leihverkehr 8, 45, 48, 97,

    102Deutscher Volkshochschul-

    verband e.V. 29Deutsches Archologisches Institut

    (Athen) 53Deutsches Bibliotheksinstitut

    DBI (Berlin) 22, 77Deutsches Buch- und Schrift-

    museum (Leipzig) 39Deutsches Exilarchiv

    (Frankfurt am Main) 39Deutsches Historisches Institut 53Deutsches Institut fr Medizinische

    Dokumentation und Information DIMDI (Kln) 43, 67

    Deutsches Literaturarchiv (Marbach) 51, 52

    Deutschland Land der Ideen 111Dewey Decimal Classification

    (DDC) 96DFG = Deutsche Forschungs-

    gemeinschaft 25, 36, 41, 47, 85,9093, 101102, 117

    DGI = Deutsche Gesellschaft fr Informationswissenschaft und Informationspraxis 66, 74, 84

    DIB = Deutsche Internet- bibliothek 106

    Die Deutsche Bibliothek 18, 20, 37DigiAuskunft 106DigiBib = Digitale Bibliothek

    Nordrhein-Westfalen 98, 103Digitale Bibliothek 8, 98, 114117Digitale Bibliothek NRW

    (DigiBib) 98, 99Digitalisierung 7, 41, 91, 111,

    113115Digitalisierungszentrum 41, 42,

    113115DigiZeitschriften 115DIMDI = Deutsches Institut fr

    medizinische Dokumentation und Information (Kln) 43, 67

    Dizesanbibliothek 36, 52Diplom-Bibliothekar 71, 78Diplom-Informationswirt 68, 71

    DiViBib GmbH (Onleihe) 56, 81DNB = Deutsche

    Nationalbibliografie 3839Document-Delivery-Dienst 103, 104Dokumentar 68Dokumentdirektlieferung 102, 104Dombibliothek 11, 53Doppik = Doppische Buchfhrung 26Duale Hochschule 30Duales System (Ausbildung) 27

    EBLIDA = European Bureau of Library, Information and Documentation Associations = Bro der Europischen Bibliotheksverbnde 75, 79, 86

    Einheitsbcherei 17Einigungsvertrag BRD - DDR 24Einschichtiges Bibliothekssystem 48Einzwanzig (21) gute Grnde

    fr gute Bibliotheken 8, 75E-Audio 56, 81E-Book 56. 81, 97, 108E-Journal 56, 81, 100, 109E-Paper 56, 81, 100ekz-Bibliotheksvervice GmbH

    (ekz) 74, 8081, 95E-Learning 81Elektronische Zeitschriftenbibliothek

    (EZB) 100, 117Elektronischer Semesterapparat 114Elektronisches Publizieren 91, 114,

    117Eliport Das evangelische

    Literaturportal e.V. (Gttingen) 61Empfehlungen zum Ausbau der

    wissenschaftlichen Bibliotheken (Wissenschaftsrat) 88

    Enqute-Kommission des Deutschen Bundestages Kultur in Deutschland 8, 83

    Entsuerung 40, 114EUCLID = European Association

    for Library and Information Education and Research 77

    EUCOR 90EU-Frderprogramm 78, 87EUREGIO Maas-Rhein 90Europeana = Europische

    Digitale Bibliothek 8, 40, 87, 115European Association for

    Library and Information Education and Research (EUCLID) 77

    Exzellenzinitiative zur Frderung von Wissenschaft und Forschung 8, 30

    EZB = Elektronische Zeitschriften- bibliothek 100, 117

    Fachangestellter fr Medien- und Informationsdienste (FAMI) 27, 68, 71

  • 126

    ANHANG

    Fachhochschulbibliothek 47, 49Fachhochschule 21, 31, 49, 70Fachinformationssystem 66Fachinformationszentrum

    (FIZ) 66, 67Fachinformationszentrum Karlsruhe

    GmbH 67Fachstelle 5961Fachstellen-Server 61Fahrbibliothek 57, 59, 60Fernunterricht 29Fester Ladenpreis (Bcher) 34Firmenbibliothek 50FIS = Fachinformationssystem 68FIZ = Fachinformations-

    zentrum 66, 67Frderprogramme EU 78, 87 Forschungsbibliothek 39, 41, 46, 91Forschungsbibliothek Gotha 21Fort- und Weiterbildung 29, 72-73Fortbildungsdatenbank 73Franckesche Stiftungen

    (Halle) 20, 36, 46Fraunhofer-Gesellschaft 35Freihandaufstellung 19, 46, 57

    GBV = Gemeinsamer Bibliotheks- verbund (Gttingen) 98

    GBVdirekt 104Gefngnisbibliothek =

    Gefangenenbibliothek 57, 65, 66Gelehrtenbibliothek 12Gemeinsame Krperschaftsdatei

    (GKD) 95Gemeinsame Normdatei (GND) 95Gesamtkatalog der Wiegendrucke

    (GW) 100Gewerkschaftsbibliothek 22GG = Grundgesetz 11, 23, 24, 55GI = Goethe-Institut 9, 53, 74, 8884GKD = Gemeinsame Krperschafts-

    datei 95Global Trade Item Number

    (GTIN) 34Goethe-Institut (GI) 9, 53, 74, 8884 Google 115, 117Gttinger Digitalisierungs-

    zentrum 115, 116Graues Schrifttum 43, 50Grenzberschreitende Projekte

    und Zusammenschlsse 90Grundgesetz (GG) 11, 23, 24, 55 Gutenberg, Johannes 12, 116GW = Gesamtkatalog der

    Wiegendrucke 95

    Hamburger Bcherhallen (HB) siehe Bcherhallen Hamburg 17, 37, 66

    Handbuch der historischen Buchbestnde in Deutschland 102

    Handbuch deutscher historischer Buchbestnde in Europa 102

    Haushaltsplan 26HBFG = Hochschulbau-

    frderungsgesetz 30HBZ = Hochschulbibliotheks-

    zentrum (Kln) 54, 78, 9798, 106Helmut-Sontag-Publizistenpreis 78Hermann von Helmholtz-Gemein-

    schaft Deutscher Forschungs-zentren 35

    Herzog August Bibliothek (Wolfenbttel) 12, 46, 93, 101

    Herzogin Anna Amalia Bibliothek (Weimar) 21, 32, 36, 46, 101

    HB siehe Bcherhallen Hamburg 17, 37, 66

    Hochschulautonomie 30Hochschulbaufrderungsgesetz

    (HBFG) 30Hochschulbibliothek 30, 4650Hochschulrahmengesetz

    (HRG) 30Hochschulrektorenkonferenz

    (HRK) 26Hofbibliothek 13, 14, 39, 44HRG = Hochschulrahmengesetz 30HRK = Hochschulrektoren

    konferenz 26Humboldt-Universitt

    (Berlin) 20, 71, 109Hybride Bibliothek 112, 113, 114

    ID = Informationsdienst 80, 81, 94, 95IFLA = International Federation

    of Library Associations and Institutions 55, 75, 8586

    IFLA-Nationalkomitee 86Industrie- und Handelskammer 27, 71InfoDesk 97, 106Information Broker 68Informations- und Dokumen-

    tationsstelle 27, 68, 69Informationsdienst (ID) 80, 81, 94, 95Informationskompetenz 113, 114Informations-

    management 84, 91, 114, 117Informationswirt 68, 71Inkunabel 42Inkunabeldatenbank 101Innere Mission 18Institut fr Bibliothekswissenschaft

    (HU Berlin) 72Institut fr Buch- und Hand-

    schriftenrestaurierung (Mnchen) 42

    Institutionenverband 74, 75Instruktionen fr die

    alphabetischen Kataloge (PI) 15Interkulturelle Bibliotheksarbeit 77International Federation of

    Library Associations and Institutions (IFLA) 55, 75, 8586

    Internationale Frankfurter Buchmesse 33

    Internationale ISBN-Agentur 42Internationale ISMN-Agentur 41Internationale Jugendbibliothek 62Internationale Standardbuch-

    nummer (ISBN) 34Internationale Zusammen-

    arbeit 8587Internationaler Leihverkehr 85, 104ISBN 13 = Internationale

    Standardbuchnummer 34ISSN-Zentrum 39IuD-Programm 66

    Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken 79

    Johannes a Lasco Bibliothek (Emden) 52, 53

    Jugendbibliothek 61, 62

    Kalliope (Autografen) 42Karl-Preusker-Medaille 75Karlsruher Institut fr Technologie

    (KIT) 49, 98Karlsruher Virtueller Katalog

    (KVK) 97, 99Katholische Bchereiarbeit 61Katholische Universitt

    Eichsttt 36, 37KIBA = Konferenz der infor-

    mations- und bibliothekswissen-schaftlichen Ausbildungs- und Studiengnge 77

    Kinder- und Jugendbibliothek 60, 6162, 65

    Kirchliche Bibliothek 37, 61Kirchliche ffentliche Bibliothek 61KIT = Karlsruher Institut fr

    Technologie 72Klosterbibliothek 11, 37, 53KMK = Kultusministerkonferenz 25,

    26, 76, 78KOBV = Kooperativer Bibliotheks-

    verbund Berlin-Brandenburg 97, 98Kommerzielle Leihbibliothek 16Kommissionen 8, 74, 77, 79, 85Kommunale Kulturautonomie 24, 73Kommunale Gemeinschaftsstelle

    fr Verwaltungsmanagement 25Kompetenznetzwerk Langzeit-

    archivierung und Langzeit- verfgbarkeit digitaler Ressourcen (NESTOR) 116

    Konferenz der Kultusminister der Lnder (KMK) 25, 26, 76, 78

    Konferenz der informations- und bibliothekswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengnge (KIBA) 77

    Konsortialvertrag 90, 97Kooperative Lizenzierung

    elektronischer Medien 90, 97, 117

  • ANHANG

    127

    KOPAL = Kooperativer Aufbau eines Langzeitarchivs digitaler Informationen 116

    Kopienversand Leihverkehr 104, 105Krankenhausbibliothek 57, 65Kreisbibliothek 35, 53Kulturausschuss 26Kulturautonomie 24, 26, 32, 73Kulturhoheit 24, 26, 32, 73Kunsthistorisches Institut

    (Florenz) 53Kunsthochschule 30, 32KVK = Karlsruher Virtueller

    Katalog 97, 99

    Landesbibliografie 45, 98Landesbibliothek 21, 22, 4446, 57,

    98, 115Landeskirchliche Bibliothek 36Landesmedienzentrum 28, 64Lndliche Zentralbibliothek 20Langzeitarchivierung 39, 67, 116Laufbahngruppen Beamte 69Lebenslangen Lernen 87, 107Leihverkehr 8, 45, 48, 97, 102103 Leipziger Kongress fr Information

    und Bibliothek 75Lektoratsdienst 61, 80, 94Lektoratskooperation (LK) 80, 9495Lernzentrum 113Lesefrderung 20, 3233, 55, 61, 64Lesekompetenz 113LIBER = Ligue des Bibliothque

    Europennes de Recherche 87Linked Open Data-System 117LK = Lektoratskooperation 80, 9495LK-Lektor 94, 95Lux, Claudia 79, 85

    MAB = Maschinelles Austausch- format fr Bibliotheken 8, 39, 96

    Magazin 15, 16, 48, 113MARC 21 = Machine Readable

    Cataloguing 8, 39, 96Maschinelles Austauschformat

    fr Bibliotheken (MAB) 8, 39, 96Master of Library and

    Information Science (MALIS) 71Max-Planck-Gesellschaft 35, 53Max-Planck-Institut 35, 53Medibus = Mediengesellschaft

    fr blinde und sehbehinderte Menschen 65

    Medienkompetenz 28, 61, 6365,113, 114

    Medienzentrum 28, 64Medizinische Fachbibliothek 43, 65Mikroverfilmung 40Mohn, Reinhard

    (Bertelsmann Stiftung) 82Mnchener

    Digitalisierungszentrum 42, 115Musikbibliothek 37, 56, 57

    NABD = Normenausschuss Bibliotheks- und Dokumentationswesen 78

    NAPLE = National Authorities on Public Libraries in Europe 87

    Nationalbibliothek 3740, 85, 87, 93,96, 100, 116

    Nationallizenz 47, 92NESTOR = Kompetenznetzwerk

    Langzeitarchivierung und Langzeitverfgbarkeit digitaler Ressourcen 116

    Neuerscheinungsdienst der DNB 39Normenausschuss Bibliotheks- und

    Dokumentationswesen (NABD) 78

    B = ffentliche Bibliothek 19,5461, 110112

    OCLC Pica 97, 98ffentliche Bibliothek

    (B) 19, 5461, 110112 ffnungszeiten B 56, 61, 110One Person Library (OPL) 52, 79Onleihe (online ausleihen) 8, 56, 81Online-Bestellsystem 81, 104Online-Fernleihe 100, 103Online-Tutorial 114Online-Verbundkatalog 97, 98Open Access 43, 76, 97, 115, 116OPL = One Person Library 52, 79

    Pdagogische Hochschule 30, 50Papierspaltung 39Pay-per-view 43, 67, 100Parlaments-, Behrden- und

    Gerichtsbibliotheken 35, 50, 53Patientenbibliothek 57, 65 Personalverein 74, 75Personennamendatei (PND) 95Pfarrbcherei 37, 61 Pflichtexemplarrecht 38, 45, 47, 116PI = Preuische Instruktionen 15Pica OCLC 98PISA-Studie 2000 = Programme

    for International Student Assessment 32, 63

    PND = Personennamendatei 95Preisbindung 34Preuischer Gesamtkatalog 15Privatbibliothek 12, 14, 36, 37Programmarbeit 53, 62Pultbibliothek 12

    QuestionPoint 106

    Rahmenvereinbarung Forschungsfrderung 25, 30

    RAK = Regeln fr die Alphabetische Katalogisierung 95

    RAK-WB (Regeln fr Wissen- schaftliche Bibliotheken) 95, 96

    Ratsbcherei 12, 45

    RDA (Ressource Discription and Access) 8, 96

    Referendarausbildung 70, 71Regeln fr den Schlagwortkatalog

    (RSWK) 95, 96Regeln fr die Alphabetische

    Katalogisierung (RAK) 95Regionalbibliothek 20, 36, 4446, 92Regionales Verbundsystem 9699Regionaler Leihverkehr 102, 103Report (Forschungsbericht) 43, 104Retrospektive Konversion 97RFID = Radiofrequenz

    Identifikation 8, 49, 81Richtungsstreit 17RSWK = Regeln fr den

    Schlagwortkatalog 95, 96

    Saalbibliothek 13Schsische Landesbibliothek

    Staats- und Universitts- bibliothek (Dresden) 22, 91

    Sammelrevers fr den Verkauf preisgebundener Verlags- erzeugnisse 34

    Sammlung Deutscher Drucke 40, 41,42, 9394

    SBB-PK = Staatsbibliothek zu Berlin Preuischer Kultur- besitz 13, 34, 36, 4041, 104

    Schlagwortnormdatei (SWD) 95Schulbibliothek 27, 54, 6364Schulbibliothekarische

    Arbeitsstelle 64, 111Schulsystem 2627Semantic Web 8, 33, 96, 117Sigel-Verzeichnis 103Sondersammelgebiet 19, 42, 9093Sondersammelgebiets-

    bibliothek 19, 42, 9093Sondersammelgebietsplan 19, 9092Soziale Bibliotheksarbeit 6466Spartentrennung 69Spezialbibliothek 10, 17, 19, 35, 36,

    5053, 76St. Michaelsbund 18, 61Staatliche Allgemeinbibliothek 20, 21Staatliche Bchereistelle 5961Staatliche Fachstelle fr

    ffentliche Bibliotheken 5961Staatsbibliothek zu Berlin

    Preuischer Kulturbesitz (SSB-PK) 13, 34, 36, 4041, 104

    Stadtbibliothek 17, 35, 45, 5458,110112

    Standardisierungsausschuss 96Standing Order 95Statistik Bibliotheken 10, 38, 58Statistisches Bundesamt

    (Wiesbaden) 23, 51Stiftung Lesen (Mainz) 33Stiftung Bcherhallen Hamburg 17, 37

  • 128

    ANHANG

    Stiftung Preuischer Kulturbesitz (Berlin) 37, 40

    Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin 36, 51, 57

    STN = Scientific and Technical Information Network 67

    Studiensttten Bibliothekars- ausbildung 72

    subito Dokumente aus Bibliotheken e.V. 44, 63, 104105

    SWD = Schlagwortnormdatei 95

    Tag der Bibliotheken (24. Oktober) 77

    Tarifvertrag ffentlicher Dienst (TVD + TV-L) 69

    Teaching Library 113Technische Informationsbibliothek

    TIB (Hannover) 43, 104Thekenbcherei 19TIB = Technische Informations-

    bibliothek (Hannover) 43, 105 Truppenbcherei 66TVD = Tarifvertrag ffentlicher

    Dienst 69

    berregionaler Leihverkehr 8, 45, 48,97, 102104

    UNESCO-Konvention zu Schutz und Frderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen 87

    UNESCO-Manifest Lehren und Lernen mit der Schulbibliothek 63

    Universittsbibliothek 22, 4749,112114

    Universittsverlag 115Urheberrecht 33, 85, 86, 103, 105

    Vascoda 93, 117VBA = Verein der Bibliothekare

    und Assistenten 78VD 16 = Verzeichnis deutscher

    Drucke des 16. Jahrhunderts 101VD 17 = Verzeichnis deutscher

    Drucke des 17. Jahrhunderts 101VD 18 = Verzeichnis deutscher

    Drucke des 18. Jahrhunderts 102VDB = Verein Deutscher

    Bibliothekare 74, 79, 80vbnw = Verband der Bibliotheken

    des Landes Nordrhein- Westfalen 76

    VdDB = Verein der Diplom- Bibliothekare an wissen- schaftlichen Bibliotheken 78

    Verband der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen e.V. (vbnw) 76

    Verbundkatalog (VK) Maschinen- lesbarer Katalogdaten Deutscher Bibliotheken 97

    Verbundsysteme 9799

    Verein der Bibliothekare und Assistenten e.V. (VBA) 78

    Verein der Diplom-Bibliothekare an wissenschaftlichen Bibliotheken e.V. (VdDB) 78

    Verein Deutscher Bibliothekare e.V. (VDB) 74, 79, 80

    Verwaltungsaufbau Bundesland 24 Verzeichnis Lieferbarer Bcher

    (VLB) 34, 39VHS = Volkshochschule 29Virtuelle Fachbibliothek 8, 43, 93, 117Virtuelle Nationalbibliothek 94VK = Verbundkatalog Maschinen-

    lesbarer Katalogdaten Deutscher Bibliotheken 97

    VLB = Verzeichnis Lieferbarer Bcher 34, 39

    Volksbcherei 17Volkshochschule (VHS) 29Volkswagen-Universittsbibliothek

    (Berlin) 36

    WB = Wissenschaftliche Bibliothek 37, 69, 70, 79, 90,

    112114Web 2.0 7, 29, 117Web 3.0 117Webis = webbasiertes Informations-

    system Sammelschwerpunkte an deutschen Bibliotheken 92

    Werksbibliothek 50, 66WGL = Wissenschafts-

    gemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz 25, 35

    Wiener Erklrung (NAPLE) 86Wissenschaftliche

    Allgemeinbibliothek 20, 21Wissenschaftliche Literatur-

    versorgungs- und Informationssysteme (LIS) 77, 91

    Wissenschaftliche Stadtbibliothek 18, 57

    Wissenschaftlicher Bibliothekar 71Wissenschaftsgemeinschaft

    Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) 25, 35

    Wissenschaftsrat 25, 30, 88, 112Wissensmanagement 67, 83, 84, 112WorldCat 97

    ZBMED = Deutsche Zentral- bibliothek fr Medizin (Kln u. Bonn) 43

    ZBW = Deutsche Zentralbibliothek fr Wirtschaftswissenschaften Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft 44, 51

    ZDB = Zeitschriftendatenbank 96,99100

    Zeitschriftendatenbank (ZDB) 96, 99100

    ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius 77

    Zentral- und Landesbibliothek (ZLB, Berlin) 36, 51, 57

    Zentrale Fachbibliothek 19, 4244Zentrales Verzeichnis Digitalisierter

    Drucke 97, 115Zentraldatenbank der Autografen 42Zentralkatalog 96, 98, 103Zentrum fr Bucherhaltung

    GmbH (Leipzig) 39, 114Zentrum fr Bibliotheks- und

    Informationswissenschaftliche Weiterbildung (FH Kln) 72, 73

    Zielgruppenorientierte Bibliotheksarbeit 6466

    Zustndige Stelle (Berufsausbildung) 73

    ZVDD = Zentrales Verzeichnis Digitalisierter Drucke 97, 115

    Zweischichtiges Bibliothekssystem 48

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