perspektiven eines klimaverträglichen konsums jenseits von konsumverzicht

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Beitrag der Plattform Klimaverträglicher Konsum Deutschland; Die Plattform Klimaverträglicher Konsum Deutschland baut auf den Ergebnissen des PCF Pilotprojektes (www.pcf-projekt.de) auf. Der Beitrag stellt die wesentlichen Stellschrauben und Herausforderungen für das gemeinschaftliche Erreichen eines klimaverträglichen Konsums dar und gibt Empfehlungen.

TRANSCRIPT

  • Perspektiven eines klimavertrglichen Konsumsjenseits von Konsumverzicht.Beitrag der Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

  • 1Zusammenfassung

    Einleitung Konsum als Stellgre im KlimaschutzDer Blick aufs Ganze: die WertschpfungsketteProduct Carbon Footprinting als Basis

    Herausforderungen und Ziele Ziele im internationalen KlimaschutzKlimavertrglich konsumieren wie geht das?Konsum 2050

    Wege und Anstze zur Frderung klimavertrglichen KonsumsErste Schritte auf dem Weg fr UnternehmenGemeinsame Verantwortung fr klimavertrglichen Konsum

    Klimavertrglicher Konsum Strategien der WirtschaftDeutsche Telekomdm-drogerie marktFRoSTAHenkelREWE GroupTchiboTetra PakUnternehmensgruppe Tengelmann

    Perspektive 2015 und EmpfehlungenZentrale DeterminantenDie richtigen Weichen stellen jetzt!Empfehlungen an die Politik

    Ausblick

    Appendix: Plattform Klimavertrglicher Konsum DeutschlandPlattformtrgerPlattformpartner

    Inhalt2

    4467

    88

    1011

    121212

    141417192225283134

    37373738

    38

    394041

  • 2 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Einfluss auf die Hhe der Emissionen haben ganz wesent-lich die Unternehmen, die Waren und Dienstleistungen er-zeugen und vertreiben, Rohstoffe und Energie liefern und die entstehenden Abflle entsorgen und verwerten. Aber nicht nur sie: Auch jeder einzelne Verbraucher hat ber sein Konsumverhalten, das heit durch seine Entschei-dungen bei Kauf und Nutzung von Waren und Dienstleis-tungen, entscheidenden Einfluss. Nicht zuletzt kann die Politik durch Ausgestaltung von Rahmenbedingungen die Herstellung und den Absatz klimavertrglicher Produkte gezielt begnstigen sowie ber ihre klimavertrgliche Nut-zung informieren; zudem ist die ffentliche Hand selbst ein groer Verbraucher.

    Klimavertrglicher Konsum ist eine gemeinsame Verant-wortung von Wirtschaft, Politik und Verbrauchern, die Ein-zelaktivitten ebenso wie gemeinsame Manahmen und ein koordiniertes Vorgehen erfordert. Um diesen wech-

    selseitigen Einflussmglichkeiten gerecht zu werden, sind besser koordinierte Anstze in der Frderung klimaver-trglichen Konsums erforderlich.

    Dieser Bericht fasst die Erfahrungen, Einschtzungen und Empfehlungen der Partner der Plattform Klimavertrgli-cher Konsum Deutschland zusammen. In dieser aus dem Product Carbon Footprint Projekt Deutschland hervorge-gangenen Plattform haben sich Vertreter von Potsdam-Institut fr Klimafolgenforschung, ko-Institut, THEMA1 und neun Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zusammengeschlossen. Nach der intensiven Auseinander-setzung mit dem Instrument des Product Carbon Footprin-ting und der hieraus abgeleiteten Erkenntnisse stand im Zentrum der Plattform die Frage: Wie kann ein klimaver-trglicher Konsum jenseits von Konsumverzicht langfristig erreicht und gemeinschaftlich gefrdert werden?

    Konsum ist einer der grten Emissionstreiber in Deutschland. Der private Konsum von Wa-

    ren und Dienstleistungen ist verantwortlich fr ca. 40 Prozent der Treibhausgasemissionen in

    Deutschland. Wer von klimavertrglichem Konsum spricht, spricht von einer Vielzahl komplexer

    Wertschpfungsketten zwischen Unternehmen und Verbrauchern, die in einen gesellschaft-

    lich-politischen Kontext eingebunden sind. Eine umwelt- und klimavertrgliche Gestaltung von

    Produktionsketten und Nutzungsarten setzt daher die Zusammenarbeit verschiedenster Unter-

    nehmen und Akteure, vor allem aber auch die zielgerichtete Einbindung des Endverbrauchers

    voraus.

    Zusammenfassung

  • 3Dabei wurde klar: Den einen Weg zum klimavertrglichen Konsum gibt es nicht. Aber jeder einzelne Akteur hat die Mglichkeit, mit sinnvollen und pragmatischen Manah-men seinen Beitrag zu leisten und sich darber hinaus ef-fektiv zu vernetzen. Dieser Bericht mchte dazu erste An-regungen und Hilfestellungen geben.

    Basis der Empfehlungen sind die eigenen Erfahrungen mit der Frderung klimavertrglichen Konsums entlang der je-weiligen Wertschpfungsketten der beteiligten Unterneh-men sowie die darauf aufbauenden gemeinsamen ber-legungen und Aktivitten. Mit diesem Bericht wollen die Partner der Plattform Impulse fr die gesamtgesellschaftli-che Diskussion geben und einen Beitrag zur gemeinsamen und koordinierten Frderung klimavertrglichen Konsums leisten.

    Klimavertrglicher Konsum jenseits von Konsumverzicht?

    Ein nachhaltiger klimavertrglicher Konsum bedarf einer System-Innovation verbunden mit einem Wechsel der gesellschaftlichen Leitbilder, Innovationen bei Technologien und Produkten, geeigneten staatlichen Rahmenbedingungen und einer fairen Marktordnung sowie nicht zuletzt klu-gen Kooperationen und Konfliktregelungen. Die Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutsch-land kann in diesem Innovationsprozess wichtige Beitrge leisten.

    Carl-Otto Gensch, Leiter des Bereichs Produkte & Stoffstrme, ko-Institut e. V.

  • 4 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Konsum umfasst nicht nur Ernhrung, technische Gerte oder Kleidung. Zu Konsum zhlen ebenso Dienstleistun-gen wie Kommunikationsdienste oder Handwerk. In Zah-len: Jeder Einwohner in Deutschland verursacht im Jahr rund elf Tonnen Kohlendioxid-quivalente (CO2e). Davon entfallen 1,7 Tonnen auf Ernhrung und 2,8 Tonnen auf sonstige Konsumgter.1 Die private Nutzung von Waren und Dienstleistungen verursacht damit etwa 40 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland. Die von Konsum im weiteren Sinne verursachten CO2e-Emissionen, das heit unter Bercksichtigung der wichti-gen Lebensbereiche Wohnen und Mobilitt, machen sogar mehr als 80 Prozent aller Emissionen aus. Es ist daher von erheblicher Bedeutung, zu verstehen, wie klimavertrgli-cherer Konsum gefrdert und in nationale und internatio-nale Klimaschutzstrategien integriert werden kann.

    Konsum ist gemeinhin als wichtiger Klimafaktor bekannt. Dennoch hat er bisher vergleichsweise wenig Aufmerk-samkeit erfahren. Er gilt als ein besonders komplexer und vielschichtiger Teilbereich der Gesellschaft, in dem politi-sche, wirtschaftliche und private Interessen gleichermaen Einfluss nehmen: Die Politik setzt Rahmenbedingungen fr Wirtschaft und Gesellschaft, Hersteller und Handel sind auf die Nachfrage ihrer Waren und Dienstleistungen im Markt angewiesen, der Verbraucher schlielich ist nicht ohne Wei-teres bereit, seine Konsumgewohnheiten zu ndern oder gar Abstriche bei Leistung, Komfort oder Preis zu machen.

    Umgekehrt heit das: Nur durch enge Kooperation von Wirtschaft und Verbrauchern sowie mit Hilfe der Unter-sttzung durch Politik und Gesellschaft kann es gelingen, den alltglichen Konsum so zu gestalten, dass er einerseits die Bedrfnisse des Kunden erfllt, gleichzeitig aber sei-ne Auswirkungen auf das Klima minimiert werden. Nicht zuletzt dadurch wird eine Alternative zu Konsumverzicht erffnet.

    Von Apfelsaft bis Arbeitshandschuh, von Toastbrot bis Telefon, von Zucker bis Zugfahrkarte

    Konsum subsumiert die Erzeugung und Nutzung einer groen Vielfalt von Waren und Dienstleis-

    tungen. Mit unserem tagtglichen Konsum tragen wir gewollt oder ungewollt dazu bei, dass

    Ressourcen und Energie verbraucht, Treibhausgase freigesetzt und Abflle erzeugt werden.

    EinleitungKonsum als Stellgre im Klimaschutz

    Nachdem wir die methodischen Grundlagen fr die Analyse der Lebenszyklusemissionen von Produkten gelegt hatten, kam es in der zweiten Phase darauf an, die gewonnenen Ergebnisse und Erfahrungen in den strategischen Kontext eines sich entwickelnden Feldes des klimafreund-lichen Konsums zu stellen. Der Klimawandel wird nicht weniger als einen Kulturwandel als Antwort brauchen.

    Dr. Fritz Reusswig, Leiter Konsum- und Lebensstilforschung, Potsdam-Institut fr Klimafolgenforschung

    1 Umweltbundesamt, Die CO2-Bilanz des Brgers, 2007.

  • 5Quelle: Umweltbundesamt, Die CO2-Bilanz des Brgers, 2007.

    40 % der deutschen Emissionen entstehen durch Konsum von Produkten und Lebensmitteln.

    Jhrlicher CO2-Fuabdruck des durchschnittlichen deutschen Bundesbrgers (in CO2e)

    2,5 t

    2,7 t

    1,7 t

    2,8 t

    1,2 t

    Ernhrung

    Produkte

    Allgemeinheit

    Verkehr

    Wohnen

  • 6 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Der Blick aufs Ganze: Die Wertschpfungskette

    Man sieht Waren und Dienstleistungen in der Regel nicht an, welche komplexen Produktionsprozesse und Liefer-strukturen dahinterstecken. Eine typische Wertschp-fungskette umfasst die Phasen Rohstoffgewinnung, Produktion, Distribution, Nutzung und Entsorgung bzw. Verwertung. Fr die Hhe der Emissionen entlang der Kette sind insbesondere Art und Menge der eingesetzten Energie und Rohstoffe von Bedeutung.

    Die meisten wirtschaftlichen Aktivitten kommen in der einen oder anderen Form dem ffentlichen oder priva-ten Konsum zugute. Dies gilt fr die Energieversorgung genauso wie fr Landwirtschaft, Industrieprozesse oder Abfallwirtschaft. Verbrauch und Nutzung von Waren und Dienstleistungen haben damit Auswirkungen auf die Emis-sionen praktisch aller Sektoren und Branchen einer Volks-wirtschaft. Diesen Hebel gilt es zu nutzen.

    Konsum hat auch eine bedeutende internationale Dimen-sion. Wertschpfungsketten machen an Lndergrenzen nicht halt. Ein Groteil der mit dem Konsum einherge-henden Emissionen entsteht im Ausland. Durch die hohe Exportquote halten sich in Deutschland importierte und exportierte Emissionen in etwa die Waage.2

    Gleichzeitig sind Emissionen des Konsums wegen ihrer Vielschichtigkeit und der groen Zahl der beteiligten Ak-teure schwerer zu steuern als Emissionen in klassischen Sektoren. Fr den Klimaschutz heit das: Alle beteiligten Akteure mssen ihren Beitrag leisten, um die Wertschp-fungskette klimavertrglicher zu gestalten und das Ange-bot an emissionsarmen Produkten zu vergrern. Denn Emissionen entstehen nicht nur durch Energieverbrauch whrend der Nutzung von Waren und Dienstleistungen, sondern auch durch den Einsatz von Energie und Rohstof-fen entlang des gesamten Lebensweges.

    2 Vgl. Carbon Footprint of Nations www.carbonfootprintofnations.com

    26 %

    13 %

    8 %

    19 % 17 %

    3 %

    Konsum

    Anteil der Sektoren an den globalen CO2e-Emissionen im Jahr 2004:Aktivitten in allen Sektoren tragen zu Emissionen des Konsums bei.

    14 %

    Quelle: IPCC Fourth Assessment Report, Climate Change 2007.

    Energieversorgung

    Gebude

    Landwirtschaft

    Abfall und Abwasser

    Verkehr Industrie Entwaldung

  • 7Product Carbon Footprinting als Basis

    Grundlage fr eine Bewertung der Klimavertrglichkeit von Waren und Dienstleistungen ist ein gutes Verstndnis des Lebenszyklus einzelner Produkte sowie detaillierte Kenntnisse ber die wichtigsten Emissionsquellen. Hierfr stellt der Product Carbon Footprint (PCF) ein wichtiges Instrument dar: Die systematische Analyse der Lebens-zyklus-Emissionen eines Produktes erlaubt belastbare Aussagen zu dessen Klimawirkung und gibt Hinweise auf Emissionstreiber entlang der Wertschpfungskette. Emis-sionsminderungen knnen somit gezielt dort ansetzen, wo innerhalb der Wertschpfungskette die hchsten Treibh-ausgas-Emissionen entstehen. Grundlegende Erkenntnis-se liefern hierbei Analysen einzelner strategisch wichtiger oder reprsentativer Produkte, die schrittweise bis hin zur umfassenden Bewertung des Produktportfolios erweitert werden knnen. Hufig reichen die aus solchen Analysen abgeleiteten Erkenntnisse und Manahmen weit ber das Einzelprodukt hinaus.

    Das Product Carbon Footprint Projekt Deutschland3 hat 2008 in einer einjhrigen Pilotphase wichtige Grundlagen fr die robuste Bewertung der Lebenszyklus-Emissionen von Produkten geschaffen und zur internationalen Harmo-nisierung der methodischen Grundlagen beigetragen.Die Ergebnisse der Pilotphase wurden unter dem Titel Product Carbon Footprinting: Ein geeigneter Weg zu kli-mavertrglichen Produkten und deren Konsum? Anfang 2009 in Berlin vorgestellt. Eine ausfhrliche Dokumen-tation enthlt der Ergebnisbericht des PCF Projekts.4 Die Empfehlungen wurden vielseitig aufgegriffen, u. a. in den internationalen Standardisierungsprozessen zum Product Carbon Footprinting5, vom Umweltbundesamt6 zusammen mit dem Bundesumweltministerium und vom Bundesver-band der Deutschen Industrie7.

    Product Carbon Footprinting ist ein praktikables Instru-ment zur Einschtzung der Klimawirkung einzelner Pro-dukte und Prozesse. Die Frderung von klimavertrgli-chem Konsum geht allerdings weit darber hinaus. Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeiten haben sich die Teil-nehmer der Plattform Klimavertrglicher Konsum weiter-

    gehenden Fragen gewidmet: Wie kann klimavertrglicher Konsum und damit eine Alternative zum Konsumverzicht Realitt werden? Welche Rolle spielen dabei die Unter-nehmen, welche die Verbraucher, welche die Politik? Wo mssen Weichen kurzfristig bis 2015 gestellt werden? Und welche langfristigen Ziele geben Orientierung bis 2050? Vor allem aber: Wie knnen Emissionsminderungen durch Politik, Wirtschaft und Verbraucher gemeinschaftlich stimuliert werden?

    Der vorliegende Bericht beschreibt Wege, Herausforde-rungen und erste Anstze, wie klimavertrglicher Konsum gefrdert werden kann. Die Partner der Plattform wollen damit das Verstndnis fr die groe Bedeutung des Fak-tors Konsum schrfen und praktische Wege zur Frderung klimavertrglicher Waren und Dienstleistungen aufzeigen. Dabei wird deutlich: Die notwendigen und zum Teil tief greifenden Vernderungen in allen gesellschaftlichen Be-reichen mssen schnellsmglich angestoen werden, um den Konsum auf einen nachhaltigen und klimavertrgli-chen Weg zu bringen und damit die bergreifenden Klima-schutzziele erreichen zu knnen.

    3 PCF Projekt www.pcf-projekt.de

    4 PCF Projekt, Product Carbon Footprinting: Ein geeigneter Weg zu klimavertrglichen Produkten und deren Konsum?, Berlin, Januar 2009. www.pcf-projekt.de

    5 Insbesondere im GHG Protocol Product Standard und dem Standard ISO 14067 Carbon Footprint of Products.

    6 BMU/UBA, Memorandum Product Carbon Footprint: Positionen zur Erfassung und Kommunikation des Product Carbon Foot-print fr die internationale Standardisierung und Harmonisierung, Berlin, Dezember 2009.

    7 BDI/BMU, Produktbezogene Klimaschutzstrategien: Product Carbon Footprint verstehen und nutzen, Berlin, Juni 2010.

  • 8 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) hat in seinem jngsten Sachstandsbericht die erforderlichen Grenordnungen przisiert:8 Gegenber dem Jahr 2000 muss die Summe der weltweiten jhrlichen Treibhausgas-emissionen bis zum Jahr 2050 um mindestens 50 Prozent reduziert werden. In den Industrielndern erfordert dies aufgrund der sehr viel hheren Emissionen Minderungen von 80 Prozent und mehr bzw. von rund zwei Prozent pro Jahr. Im globalen Mittel bedeutet das bis zur Mitte des Jahrhunderts bei einer Weltbevlkerung von dann neun Milliarden Menschen zulssige Gesamtemissionen von etwa zwei Tonnen Kohlendioxid-quivalente (CO2e) pro Kopf und Jahr.

    Auch der Klimafaktor Konsum muss sich diesen ehrgeizigen Zielen stellen. Die Plattformpartner haben sich auf folgende Definition des klimavertrglichen Konsums verstndigt:

    Herausforderungen und ZieleZiele im internationalen Klimaschutz

    Klimavertrglicher Konsum (Herstellung, Auswahl und Nutzung) von Produkten wird erreicht, wenn die mit dem Konsum einhergehen-den Treibhausgasemissionen den globalen Zielen entsprechen das heit, die Gesamtemissionen im Jahr 2050 im Schnitt zwei Tonnen CO2e pro Kopf nicht berschreiten.

    Wird eine Trendumkehr im Anstieg der globalen Treibhaus-gasemissionen nicht vor dem Jahr 2015 erreicht, knnten langfristig noch deutlich grere Emissionsminderungen erforderlich sein. Je spter die Trendumkehr bei den welt-weiten Emissionen hin zu einem klimavertrglichen Kon-summodell erreicht wird, desto drastischer mssen die jhrlichen Emissionsreduktionen ausfallen, um das Zwei- Grad-Ziel noch zu erreichen.

    Die internationale Staatengemeinschaft hat sich darauf verstndigt, die mittlere globale Tempe-

    raturerhhung auf langfristig 2 C zu begrenzen, um gefhrliche Strungen des Weltklimas zu ver-

    hindern. Dies erfordert signifikante Minderungen des weltweiten Ausstoes an Treibhausgasen.

    8 IPCC Fourth Assessment Report, Climate Change 2007, WG III: Mitigation of Climate Change, 2007.

  • 9Pro-Kopf-Emissionen ausgewhlter Lnder im Jahr 2005 und Klimaziel 2050 (in CO2e)

    27,4 t

    23,1 t

    15,3 t

    11,8 t

    10,7 t

    10,3 t

    9,8 t

    6,7 t

    6,6 t

    6,0 t

    5,5 t

    2,0 t

    1,7 tthiopien

    Bangladesch

    Welt 2050Niveau der Pro-Kopf-Emissionen,um gefhrlichen Klimawandel einzuschrnken

    Quelle: World Resources Institute, Climate Analysis Indicator Tool (CAIT) Version 7.0, Washington, D.C., 2010.

    0,9 t

    1,0 t

    Indien

    China

    Trkei

    Mexiko

    Welt 2005

    Ecuador

    EU 27

    Grobritannien

    Deutschland

    Brasilien

    USA

    Australien

  • 10 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Klimavertrglich konsumieren wie geht das?

    Die Emissionen durch Konsum werden durch das Zusam-menspiel mehrerer grundlegender Faktoren bestimmt:

    t das vorhandene Angebot an Waren und Dienstleistungen (Produktangebot)t Kauf und Nutzung der Produkte durch ffentliche und private Haushalte (Konsumverhalten) t die vorhandene ffentliche und private Infrastruktur

    Das Produktangebot determiniert, welche Waren und Dienstleistungen auf welchem Weg angeboten werden und welche Alternativen dem Konsumenten zur Verfgung stehen. Das Angebot hat direkten und indirekten Einfluss auf die Treibhausgasemissionen durch die Ausgestaltung der Wertschpfungsketten, die vorhandenen Wahlmg-lichkeiten zwischen verschiedenen Produkten mit unter-schiedlichen Emissionen, durch Vorhandensein von Sub-stitutionsprodukten mit hnlichem Nutzen, aber anderen Wertschpfungsketten und Gesamtemissionen, sowie durch Produktdesign und dessen Einfluss auf die Gestal-tung, Nutzung und Entsorgung.

    Das Konsumverhalten umfasst das Einkaufs-, Nutzungs- und Entsorgungsverhalten der privaten und ffentlichen Endverbraucher. Auf die Hhe der Treibhausgasemissi-onen nehmen Verbraucher auf unterschiedliche Art und Weise Einfluss: ber die Wahl zwischen Produkten mit unterschiedlichen Lebenszyklus-Emissionen, durch die Art der Nutzung von Produkten in einer Weise, die im Vergleich mehr oder weniger CO2e-Emissionen zur Folge hat, durch die Entscheidung zwischen verschiedenen Ent-sorgungsvarianten, durch die bewusste Entscheidung fr oder gegen den Kauf eines bestimmten Produktes.

    Die vorhandene Infrastruktur bestimmt den Spielraum fr eine vernderte bzw. optimierte Gestaltung und Nut-zung von Waren und Dienstleistungen die ffentliche Infrastruktur beispielsweise durch eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, die Verkehrsanbindung, Energiebe-reitstellung oder durch das Wettbewerbsrecht, die private

    Infrastruktur z.B. durch die Hausinstallation oder die vor-handene Gerteausstattung des Haushalts.

    Zentrale Stellschrauben fr umfassende Emissionsminde-rungen im Konsum sind die drei Faktoren Energie, Roh-stoffe und Prozessgestaltung.

    t Energieeinsatz: bezeichnet Art und Menge der entlang des Lebenszyklus eines Produktes eingesetzten Ener gietrger auf Unternehmens- wie auf Verbraucherseite. Energie ist fr jede Emissionsbilanz ein entscheidender Faktor; allein die energiebedingten CO2e-Emissionen machen in Deutschland rund 80 Prozent aller Treib- hausgasemissionen aus und beeinflussen damit ganz wesentlich die Emissionen im Konsum.

    t Rohstoffgewinnung und -einsatz: bezeichnet Art und Menge der eingesetzten Rohstoffe auf Unternehmens- wie auf Verbraucherseite. Die damit einhergehnden Emissionen sind zum Groteil wiederum auf den Ein- satz von Energie zur Rohstoffgewinnung und Rohstoff weiterverarbeitung zurckfhren. Bei biogenen Roh- stoffen umfasst dies auch Emissionen aus land- oder forstwirtschaftlichen Prozessen.

    t Prozessgestaltung: bezeichnet die Ausgestaltung der Prozesse fr Herstellung und Verteilung von Produkten. Auch sie hat entscheidenden Einfluss auf die Hhe der Emissionen. Vielfach knnen durch eine Optimierung der Prozesse geringere Emissionen erreicht werden ohne Abstriche bei der Produktqualitt.

    Energie, Rohstoffe und Prozesse bestimmen die Klimaver-trglichkeit von Waren und Dienstleistungen. Allerdings kommt eine positive Wirkung gegebenenfalls nur dann zum Tragen, wenn eine entsprechende Nachfrage am Markt besteht, wenn also das klimavertrglichere Angebot dem Konsumenten bekannt, es weit verbreitet sowie leicht zugnglich ist und nicht zuletzt auch genutzt wird.

    Durch bewusste Entscheidungen bei Kauf und Nutzung kann der Kunde in erheblichem Mae zum klimavertrg-lichen Konsum beitragen und das mittel- bis langfristige Produktangebot beeinflussen.

  • 11

    Konsum 2050

    Um die langfristigen Klimaschutzziele, die bis zur Mitte des Jahrhunderts pro Kopf im Durchschnitt nur noch Emissio-nen von zwei Tonnen CO2e jhrlich vorsehen, zu erreichen, sind umfassende Emissionsminderungen erforderlich.

    Wenn wir Lebensqualitt halten und verbessern und eine Perspektive jenseits von Konsumverzicht schaffen wollen, stehen alle an wirtschaftlichen Aktivitten beteiligten Ak-teure vor der Aufgabe, ihre eigenen direkten und indirek-ten Emissionen erheblich zu reduzieren. Klimavertrglicher und insgesamt nachhaltiger Konsum erfordert daher um-fassende gesellschaftliche und technologische Innovati-onen, die einerseits nderungen von Leitbildern, Werten, Bewusstsein und Verhalten umfassen, andererseits auch Technologien, staatliche und wirtschaftliche Rahmenbe-dingungen umgestalten.

    Diese Prmisse stellt alle Beteiligten vor groe Herausfor-derungen:

    t Die Unternehmen schaffen ber gezieltes Produktde- sign und aktive Sortiments- bzw. Portfoliogestaltung ein umfassend klimavertrgliches und die Verbraucher- bedrfnisse befriedigendes Produktangebot. ber den Lebenszyklus betrachtet mssen dafr in vielen Fllen die Emissionen erheblich reduziert werden.

    t Der Konsument hat die Wahl, er entscheidet sich gezielt fr klimavertrglichen Konsum bei Einkauf, Nutzung und Entsorgung und tut dies bewusst und konsequent.

    t Die vorhandene Infrastruktur ermglicht bzw. determi- niert klimavertrgliche Handlungsoptionen.

    t Fossile Energietrger sind weitgehend durch erneuer- bare Energien ersetzt, die Energieeffizienz ist deutlich gesteigert, die Nutzung nicht-regenerativer Energie- trger ist minimiert.

    t Es kommen Rohstoffe zum Einsatz, bei deren Bereit- stellung nur geringe Emissionen anfallen. Nicht-erneu- erbare Rohstoffe und Materialien werden, soweit mglich, durch nachhaltig angebaute, nachwachsende Rohstoffe ersetzt. Rohstoffe werden konsequent zu- rckgewonnen und verwertet, der Rohstoffeinsatz ist insgesamt optimiert.

    t Die genutzten Prozesse fr die Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen sind so gestaltet, dass sie mit minimaler Freisetzung von CO2e-Emissionen ein- hergehen.

    Die langfristige Zielsetzung eines klimavertrgli-chen Konsums erfordert Anstrengungen, Vern-derungen und innovative Anstze in allen gesell-schaftlichen Bereichen, die sich in groem Mae gegenseitig beeinflussen und determinieren.

    Fazit:

    Konsum wird zu einer wesentlichen Stellschrau-be im Klimaschutz. Die Auseinandersetzung mit den Emissionen entlang der gesamten Wert-schpfungsketten macht die damit einhergehen-den Herausforderungen und Handlungsoptionen fr Unternehmen konkret greifbar.

    Rasmus Prie, Projektleiter Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland, THEMA1

  • 12 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Der erste Schritt fr Unternehmen ist meist, zunchst ein Verstndnis fr die Emissionen der eigenen Prozesse zu gewinnen. Die Pilotphase des PCF Projektes konnte zeigen, dass darber hinaus ein gutes Verstndnis der vor- und nachgelagerten Prozessschritte entscheidend ist: Fr vie-le Produkte liegen die Hauptemissionen und damit meist auch die grten Einsparpotenziale in der Vorkette oder in der Nutzung durch den Endverbraucher. Der zweite Schritt fr Unternehmen sollte daher sein, Kenntnisse ber die CO2e-Emissionen entlang der gesam-ten Wertschpfungskette ihrer Produkte zu gewinnen. Derartige Analysen sind mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden, so dass belastbare Daten derzeit nur eingeschrnkt zur Verfgung stehen und das diesbezgli-che Know-how erst im Aufbau begriffen ist. Die steigende Zahl von Analysen und die Verknpfung mit bergreifen-den Daten schaffen jedoch ein zunehmend belastbares Wissen um die Hauptemissionstreiber in verschiedenen Produktgruppen und Branchen.

    Folglich sollten Manahmen zur Frderung klimavertrgli-chen Konsums schrittweise auf Basis des aktuellen Kennt-nisstands ergriffen werden bei gleichzeitiger Offenheit fr

    mglicherweise spter erforderliche Anpassungen.Wesentlich ist daher, frhzeitig auf breiter Basis prakti-sche Erfahrungen zu sammeln, Herausforderungen offen und konstruktiv anzugehen, Innovationen anzustoen und viel versprechende Aktivitten zielgerichtet weiterzuentwi-ckeln.

    Gemeinsame Verantwortung fr klimavertrglichen Konsum

    Klimavertrglicher Konsum unterliegt dem Einfluss von Unternehmen, Verbrauchern und Politik gleichermaen und kann nicht von wichtigen bergeordneten Determi-nanten, wie Anforderungen an eine nachhaltige Entwick-lung oder den Bedingungen des realen Wettbewerbs auf dem Weltmarkt, abgekoppelt werden. Dies gilt umso mehr, da Emissionen im Konsum von zahlreichen Rahmenbedin-gungen, wie zum Beispiel der vorhandenen Energie- und Transportinfrastruktur eines Landes, abhngig sind. Ein kli-

    Es gibt vielfltige Anstze zur Gestaltung von Produktangebot, Konsumverhalten, Infrastruktur,

    Prozessen, Energie- und Rohstoffeinsatz und damit auch zur Frderung klimavertrglichen Kon-

    sums. Unternehmen aus vielen Branchen leisten heute schon einen Beitrag und gestalten ihre

    Produktpalette nachhaltiger und klimavertrglicher.

    Wege und Anstze zur Frderung klimavertrglichen KonsumsErste Schritte auf dem Weg fr Unternehmen

  • 13

    mavertrglicher Konsum kann also nur gemeinsam und in den meisten Bereichen nur schrittweise erreicht werden. Dabei kommt Unternehmen, Politik, Verbrauchern und Me-dien jeweils eine eigene Rolle zu:

    t Hersteller von Endkonsumprodukten: Hersteller von Produkten fr den Endkonsum haben Einfluss auf die eigenen Prozesse, aber auch auf die Vorketten eine wesentliche Voraussetzung, um Emissionen entlang der gesamten Wertschpfungskette zu reduzieren. Sie kommunizieren daneben ggf. direkt mit dem Verbraucher und knnen in diesen Fllen durch gezielte Information und Werbung deren Kaufentscheidung mit beeinflussen.

    t Hersteller von Vorprodukten: Die Klimawirkung eines Produktes wird vielfach in den ersten Lebenszyklus- Phasen entscheidend geprgt, so dass die Hersteller von Vorprodukten eine wichtige Rolle bei der CO2e- Minderung spielen. Auch Energieversorger und Trans- portdienstleister stellen in diesem Sinne Vorprodukte bzw. Dienstleistungen zur Verfgung. Sie kommunizie- ren in erster Linie mit den Abnehmern der Vorprodukte und nehmen Einfluss nicht nur auf die eigenen Prozes- se, sondern auch auf die Folgeprozesse ihrer Kunden.

    t Handel: Der Einzelhandel ist eine bedeutende Schnitt- stelle zwischen Herstellern und Kunden. Er ist zugleich ein wichtiger Kommunikator: Handelsunternehmen knnen durch gezielte Sortimentsgestaltung das Angebot beeinflussen und gemeinsam mit Lieferanten Wertschpfungsketten optimieren. Zudem hat der Han- del direkten Kontakt zum (End-)Kunden und kann durch Verkaufskonzepte, die klimavertrglichere Produkte gezielt bewerben und prsentieren, Kaufentscheidung und Nachfrage direkt am Point of Sale beeinflussen, sowie ber die klimavertrgliche Nutzung informieren.

    t Politik: Die Politik setzt den Ordnungsrahmen, inner- halb dessen sich die Marktakteure bewegen. Beispiele hierfr sind Mindeststandards fr Produkte, Energieeffizienz-Kennzeichnungen oder Top-Runner- Systeme ebenso wie allgemeingltige Methoden zur Bewertung der Klimavertrglichkeit von Produkten und Handlungsalternativen. ber die Frderung von Wis- senschaft, Forschung und neuen Technologien schafft

    sie wichtige Grundlagen fr den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel. Nicht zuletzt gestaltet die Politik die ffentliche Infrastruktur und bestimmt damit wichtige Rahmenbedingungen fr den Konsum. Darber hinaus ist die ffentliche Hand selbst ein be- deutender Konsument und kann auf die eigene Be- schaffung Einfluss nehmen.

    t Verbraucher: Der gut informierte Verbraucher trifft seine Kaufentscheidungen bewusst. Er nimmt damit ber den Kauf, aber auch ber die Nutzung und sptere Entsorgung bzw. Verwertung von Produkten Einfluss auf das Angebot und damit auf die Gestaltung von Produkten und Prozessen. Voraussetzung dafr ist eine Sensibilisierung und gezielte, sachlich fundierte Information des Konsumenten ber die Zusammen- hnge zwischen Klimaschutz und Konsum, ber die Auswirkungen von Energie- und Rohstoffverbrauch sowie ber die eigenen Mglichkeiten, als Einzelner sein Konsumverhalten zu verndern.

    tMedien: ffentliche Meinung und Meinungsbildung spielen eine wichtige Rolle in der Frderung klima- vertrglichen Konsums. Medien bestimmen, welchen Themen Bedeutung beigemessen wird, wie die ffent- lichkeit ber komplexe Zusammenhnge informiert wird, ob und wie einzelne Verbraucher und Unterneh- men motiviert werden, ihre Rolle als Konsument oder Marktteilnehmer zu reflektieren. ffentlichkeit und Me- dien nehmen damit indirekt auf Produktangebot, Kon- sumverhalten und ffentliche Infrastruktur Einfluss.

    Die Projektpartner sind berzeugt, dass klimavertrglicher Konsum nur mglich werden kann, wenn die verschiedenen Akteure ihre Verantwortung gemeinsam wahrnehmen:

    Unternehmen, Verbraucher und Politik erkennen eine gemeinsame Chance in der Frderung klima-vertrglichen Konsums, um neben dem indivi-duellen Engagement in koordinierten Anstzen Ressourcen zu bndeln und substanzielle Fort-schritte zu erzielen.

  • 14 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Deutsche Telekom

    Mit ihren Produkten und Diensten leistet die Deutsche Telekom schon heute einen Beitrag zur Lsung zentraler gesellschaftlicher Fragen. Um die nachhaltige Entwicklung von Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft weiter voranzu-treiben, nutzt sie das breite Potenzial, das die moderne Informations- und Telekommunikationstechnologie (ICT) heute bietet, und stellt sich aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen: Dazu gehren die massive Kliman-derung, die Frderung gleicher Chancen zur Partizipation an der Informationsgesellschaft sowie die verbesserte Ver-netzung von Arbeit und Leben.

    Klimavertrglicher Konsum Strategien der Wirtschaft

    Die an der Plattform beteiligten Unternehmen leisten durch ihr Handeln bereits heute einen

    Beitrag zum klimavertrglichen Konsum. In diesem Kapitel werden die jeweiligen Anstze und

    Manahmen vorgestellt. Die Anstze geben einen Einblick, wie sich Firmen unterschiedlicher

    Branchen dem Thema klimavertrglicher Konsum nhern und beschreiben die Herausforderun-

    gen, die mit einem zuknftigen klimavertrglichen Konsum verbunden sind. Allen Manahmen

    ist gemein, dass sie als erste Schritte auf dem Weg zu klimavertrglichem Konsum verstanden

    werden, auf denen gemeinschaftlich weiter aufgebaut werden kann.

    Unser erklrtes Ziel ist es, fhrend zu sein auf dem Weg zu einer Low Carbon Society. Mit unseren Produkten und Diensten befhigen wir unsere Kunden, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

    Claudia Schwab, Leiterin Umweltschutz und Nachhaltige Entwicklung, Deutsche Telekom

  • 15

    Strategie und Schwerpunkte

    Mit der CR-Strategie hat der Konzern drei Handlungsfelder als Schwerpunkte definiert.

    t Connected Life and Work: Vernetzung von Leben und Arbeiten.t Connect the Unconnected: Anschluss an die Informations- und Wissensgesellschaft.t Low Carbon Society: Wege zu einer klimaschonenden Gesellschaft.

    Die Deutsche Telekom verfolgt das Ziel, in Corporate Res-ponsibility (CR) eine internationale Fhrungsrolle zu errei-chen und stellt sich dabei der unternehmerischen Verant-wortung entlang der gesamten Wertschpfungskette. Die internen Richtlinien werden fortlaufend weiterentwickelt und stellen so hohe, konzernweit einheitliche Standards im Einkauf sicher. In den Prozess zur Neufassung der Glo-bal Procurement Policies and Practices wurden erweiterte Anforderungen an den nachhaltigen Einkauf eingebracht. Gleichzeitig wurden die Nachhaltigkeitsanforderungen in den Allgemeinen Geschftsbedingungen im Einkauf klarer gefasst.

    Zur Fertigung von ICT-Produkten werden Rohstoffe ver-wendet, die hufig unter problematischen Bedingungen in

    Entwicklungs- und Schwellenlndern gewonnen werden. Die Telekom arbeitet mit den Zulieferern eng daran, die kologischen und sozialen Folgen der Rohstoffgewinnung zu minimieren.

    Green ICT ist in den letzten Jahren zum Synonym intelli-genter und ressourcenschonender Informations- und Te-lekommunikationstechnik geworden. Das Unternehmen setzt jedoch nicht nur bei Kundenlsungen auf moderne grne Technik: Durch den Einsatz regenerativer Energien und die Erforschung zukunftsweisender Technologien fr-dert die Deutsche Telekom auch konzernintern die CO2e-Reduktion und setzt gleichzeitig neue Branchenstandards.Sowohl bei der Planung neuer als auch bei der Optimie-rung bestehender Netze spielt die Energieeffizienz fr die Deutsche Telekom eine entscheidende Rolle. So wird alte Systemtechnik sukzessive durch neue, energieeffiziente Gertegenerationen ersetzt. Die technischen Neuerungen entstehen dabei im proaktiven Dialog mit den Systemtech-niklieferanten.Um gegenber den Zulieferern klar Position fr eine ver-antwortungsvollere Rohstoffgewinnung zu beziehen, ver-abschiedete die Deutsche Telekom 2009 das Statement on Extractives. Fr das Jahr 2010 plant die Deutsche Tele-kom die Umsetzung einer Richtlinie zur nachhaltigen Pro-duktentwicklung. Damit werden viele Kriterien, die bereits heute bei der Konzeption neuer Produkte bercksichtigt werden, systematisiert und konzernweit verbindlich ge-staltet.

    Mit Telefon-, Web- und Videokonferenz-Technologien bietet die Deutsche Telekom einfache Lsungen, um neben Zeit und Geld auch CO2e-Emissionen zu sparen.

  • 16 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Perspektiven und Herausforderungen

    Auf dem Weg zum international fhrenden Anbieter fr vernetztes Leben und Arbeiten investiert die Telekom in erheblichem Umfang in die Entwicklung von innovativen nachhaltigen ICT-Lsungen. Es ist jedoch eine groe Her-ausforderung, nachhaltige und zugleich wettbewerbsfhi-ge Produkte auf den Markt zu bringen. Die Telekom will ihren Kunden zeigen, dass Umweltschutz, Service und Komfort durch die Nutzung moderner ICT-Lsungen mitei-nander vereinbar sind.Im Herbst 2009 wurde dazu eine langfristige Nachhaltig-keitsoffensive gestartet mit dem Ziel, den Mehrwert Nach-haltigkeit fr jeden Einzelnen erlebbar zu machen. Das Unternehmen mchte Verbrauchern konkrete Anregungen vermitteln, wie sie ohne groen Aufwand kleine und in der Summe doch bedeutende Beitrge zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten knnen. Die Telekom verfgt ber ein umfassendes Portfolio an Produkten und Diensten, die Kunden effektiv dabei unter-sttzen knnen, selbst Verantwortung fr Nachhaltigkeit zu

    bernehmen. Insbesondere durch die Entwicklung innova-tiver ICT-Lsungen, die in erheblichem Umfang zur Einspa-rung von Energie und CO2e-Emissionen beitragen knnen, aber auch durch die Entwicklung energieeffizienter Endge-rte nimmt die Telekom im Bereich der kologischen Pro-duktverantwortung eine Fhrungsrolle ein. Mit Telefon-, Web- und Videokonferenz-Technologie bietet die Deutsche Telekom einfache Lsungen, um neben Zeit und Geld vor allem CO2e-Emissionen zu sparen. Laut der Smart 2020-Studie knnten pro Jahr Einsparungen von 80 Millionen Tonnen CO2e erzielt werden, wenn weltweit 30 Prozent aller Geschftsreisen durch Videokonferenzen ersetzt wrden. Ein hnlich groes Klimaschutzpotenzial geht von Webkonferenzen aus. Mit der neuen TelePresence High-End-Videokonferenzl-sung knnen Geschftsprozesse und Reisettigkeit von Geschftskunden weiter decarbonisiert werden. Im Rah-men des PCF Projekts wurde die Lsung auf ihre CO2e-Wirkungen und mglichen Einsparungen untersucht und bilanziert.

    Um einen klimavertrglicheren Konsum voranzu-bringen, brauchen wir das zgige Umsetzen des bereits vorhandenen Wissens.

    Michael Kuhndt, Geschftsfhrer, UNEP/Wuppertal Institute CollaboratingCentre on Sustainable Consumption and Production (CSCP)

    Gesamtgesellschaftlich gesehen ist klimaver-trglicher Konsum ein wichtiger Schritt und es ist essenziell, dass dieses alle angehende Thema auch von allen gelebt und umgesetzt wird.

    Georg Abel, Geschftsfhrer, Die VERBRAUCHER INITIATIVE e. V.

  • 17

    dm-drogerie markt

    Der Schlssel zu klimavertrglichem Konsum ist Bewusst-seinsbildung. Nur wenn sowohl auf Seiten der Handels-unternehmen als auch auf Seiten der Kunden das Wissen vorhanden ist, welchen Einfluss das eigene Handeln auf Mensch und Natur hat, ist bewusst klimavertrgliches Han-deln mglich. Deshalb sieht man bei dm-drogerie markt in einer transparenten Kommunikation mit Partnern, Mit-arbeitern und Kunden die wichtigste Voraussetzung fr kli-mavertrglichen Konsum.

    Strategie und Schwerpunkte

    dm-drogerie markt pflegt mit all seinen Partnern aus In-dustrie und Handel eine faire, auf Langfristigkeit ausgeleg-te Zusammenarbeit. Ein intensiver Informationsaustausch schafft eine starke Basis dafr, dass dm gemeinsam mit seinen Partnern seine Aufgaben zum Nutzen der Kunden und im Sinne der Nachhaltigkeit erfllen kann.ber das dm-Extranet stehen den Partnern aktuelle Infor-mationen und eine breite Datenbasis zur Verfgung. Die-ses Transparenz schaffende System entwickelt dm konti-nuierlich weiter. dm-drogerie markt pflegt eine umfangreiche Kommuni-kation nach innen und auen. Jeder Mitarbeiter im Un-ternehmen hat die Mglichkeit, sich ber die Entwicklung von dm zu informieren, aus einem tieferen Verstndnis der internen Zusammenhnge heraus seine Aufgaben wahrzu-nehmen und sich dabei persnlich weiterzuentwickeln. Zu den zentralen Informationsquellen fr die Mitarbeiter ge-hren das Intranet, die Mitarbeiterzeitung Durchblick so-wie der regelmige Austausch mit den Kollegen.

    Auch in der Sortimentsgestaltung legt dm wichtige Grund-steine fr einen bewussten Konsum. In den dm-Mrkten finden Kunden sowohl konventionelle als auch besonders nachhaltige Produkte. Um beim Einkauf die Orientierung zu erleichtern, tragen die Produkte der dm-Qualittsmar-ken auf den Verpackungen das dm-Nachhaltigkeitsklee-

    blatt. Mit Informationen zu Inhaltsstoffen, zu Verpackungs-materialien oder zum Herkunftsland mchte dm es seinen Kunden ermglichen, zu vergleichen und sich bewusst fr nachhaltige Produkte zu entscheiden.

    Bei der Entwicklung und Produktion der dm-Qualittsmar-ken spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. So stammen zum Beispiel rund 90 Prozent der dm-Qualittsmarken aus Deutschland beziehungsweise Europa. dm hlt damit Transportwege kurz und schont so die Umwelt. Die Verpa-ckungen werden sorgfltig nach Materialien und Wieder-verwertungsmglichkeiten ausgewhlt.

    Ziel fr die kommenden Jahre ist es, die Zusammenarbeit zwischen Produzenten und Handel zu verbessern, um die transparente Weitergabe von Informationen zu den Pro-dukten an die Kunden zu optimieren.

    Darber hinaus optimiert dm-drogerie markt konsequent die Energieeffizienz der eigenen Gebude. So prft dm im Rahmen eines Projektes zum Energiemanagement in den Filialen detailliert den aktuellen Energieverbrauch in jedem dm-Markt. Hieraus werden dann entsprechende

    Klimavertrglicher Konsum ist nur mglich, wenn alle, die am Lebenszyklus eines Produktes beteiligt sind, nachhaltig handeln. Als Handelsun-ternehmen sind wir in der Schlsselposition des Vermittlers zwischen Produzenten und Kunden. Unsere Hauptaufgabe sehen wir deshalb darin, durch transparente Kommunikation bewussten Konsum zu ermglichen.

    Daiga-Patricia Kang, Verantwortliche fr Umwelt & Ressourcen, dm-drogerie markt GmbH & Co. KG

  • 18 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Manahmen zur Steigerung der Energieeffizienz abgeleitet und umgesetzt. Ziel ist es, an allen Standorten (dm-Mrkte, Verteilzentren und Zentrale) die Energieeffizienz signifikant zu erhhen.

    Jngstes Beispiel fr die Kombination wirtschaftlicher, so-zialer und kologischer Nachhaltigkeit ist das neue Kombi-Logistikzentrum in Weilerswist, das seit September 2009 die zwei bisherigen Verteilzentren vereint. Es nutzt erneu-erbare Energien, minimiert das Abfallaufkommen etwa durch Recycling von Verpackungsmaterial, das zu dm-Kunststofftragetaschen weiterverarbeitet wird und ist ar-chitektonisch harmonisch in seine Umgebung eingepasst. Fr die Wrmeversorgung des Gebudes hat dm bei den Vorberlegungen die Lebenszykluskosten ber die gesam-te Nutzungsdauer ermittelt. Fr dieses Konzept erhielt das Unternehmen die Auszeichnung Hanse Globe 2008.

    Eine besondere Herausforderung fr dm als filialisiertes Handelsunternehmen liegt in den individuellen Gegeben-heiten der einzelnen Standorte. Die zu treffenden Manah-men mssen jeweils individuell angepasst werden. Hier gilt es, durch interne und externe Standardisierungen den Aufwand zu verringern.

    Bisher beziehen etwa 30 Prozent der dm-Mrkte Strom aus erneuerbaren Energien. Die Herausforderung besteht auch hier in den individuellen Gegebenheiten der einzel-nen Standorte. Ziel ist der groflchige Einsatz erneuerba-rer Energien fr alle dm-Standorte (dm-Mrkte, Verteilzen-tren und Zentrale).

    Im neuen Verteilzentrum Weilerswist wurde eine gro-flchige Photovoltaikanlage mit einem Jahresertrag von 967.000 Kilowattstunden installiert. Dies entspricht etwa 13 Prozent des prognostizierten Jahresstromverbrauchs des Verteilzentrums. Die Wrmeversorgung des Verteilzen-trums erfolgt durch eine Holzhackschnitzelheizung in Ver-bindung mit einer Gas-Brennwert-Heizung zur Abdeckung von Lastspitzen. Die eingesetzte Holzhackschnitzelheizung hat eine Leistung von 940 Kilowattstunden und deckt mit einem Verbrauch von circa 1.300 Tonnen Holzhackschnit-zel pro Jahr (entspricht 312.000 Litern Heizl) 80 Prozent des Wrmebedarfs. Photovoltaikanlage dm-Verteilzentrum Weilerswist.

    dm-Verteilzentrum Weilerswist.

  • 19

    FRoSTA

    FRoSTA Reinheitsgebot und KlimaschutzDer schonende Umgang mit der Umwelt und den natrli-chen Ressourcen ist fr FRoSTA ein wichtiger Teil der Ge-schftsstrategie. Das Engagement fr mehr Nachhaltigkeit geht vom Vorstand aus und wird von allen Bereichen des Unternehmens mitgetragen. Fr alle Produkte der Marke FRoSTA gilt seit 2003 das FRoSTA Reinheitsgebot: Zu-satzstoffe werden konsequent vermieden und mglichst wenig verarbeitete Zutaten verwendet. Dieses stellt wie-derum eine wichtige Grundlage fr das FRoSTA-Klima-schutzengagement und insbesondere fr den klimafreund-lichen Konsum dar. Die Verwendung von frischer Milch statt Milchpulver ist nur ein Beispiel dafr, dass bester Geschmack und Nachhaltigkeit hier Hand in Hand gehen. FRoSTA setzt berall dort MSC9-zertifizierten Fisch ein, wo es fr die jeweilige Fischsorte MSC-zertifizierte Fischereien gibt.

    Strategie und Schwerpunkte

    CO2e-Berechnungssystem Seit Beginn des PCF Projektes ist es fr FRoSTA von ent-scheidender Bedeutung, einen guten berblick der klima-relevanten Prozesse zu bekommen, auch wenn diese bei den Lieferanten stattfinden. Das Wissen ber Klima-Hot Spots stellt fr FRoSTA die Grundlage des zuknftigen kli-mafreundlichen Konsums dar. Neben leicht identifizierbaren Manahmen zur Senkung des Energieverbrauchs in den eigenen Fabriken entwickelt FRoSTA ein eigenes CO2e-Berechnungssystem. Das Sys-tem umfasst alle Prozessketten der Rohstoffbeschaffung (z. B. Fischfang vor Alaska), Herstellung (eigene Prozesse) und Vermarktung (Handel) wie auch den Verbrauch von Tiefkhlprodukten. Es erlaubt schnelle Berechnungen von CO2-Fuabdrcken (PCFs) der Produkte (bisher 27 PCFs www.frosta.de), wie auch der Unternehmens-Klimabilanz. In der Zwischenzeit werden mithilfe dieses Systems auch andere Umweltkategorien (Eutrophierung, Versauerung,

    Ozonzerstrung, etc.) berechnet, um eine Differenzierung zwischen Klimabeeinflussung und sonstiger Umweltbeein-trchtigung zu bekommen. Das Berechnungssystem ist die Basis fr Energiesparprogramme.

    Reduzierung der Treibhausgasemissionen bei FRoSTA FRoSTA setzt sich das ambitionierte Ziel, bis 2013 eine Re-duktion von 70 Prozent der CO2e-Emissionen der FRoSTA-Markenprodukte bezogen auf das Basisjahr 2007 zu erreichen. Diese Herausforderung wird zunchst durch Energieein-sparprogramme an den FRoSTA-Standorten in Angriff genommen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Wrme-rckgewinnung bei der Klteerzeugung. Ferner werden insbesondere die lteren FRoSTA-Khlhuser auf (Ver-besserungs- oder) Optimierungsmglichkeiten untersucht und durch Manahmen, wie spezielle Luftvorhnge an den Toren, auf einen modernen Stand gebracht. Bei der Gemseverarbeitung im Werk Elbtal wird eine Wasser-reinigungsanlage installiert, die das Waschwasser mittels Umkehrosmose reinigt und damit 50 Prozent an Frisch-wasser einspart. Aus dem gewonnenen Filtrat wird in einer eigenen Biogasanlage Gas fr die Energieversorgung des Standortes erzeugt. Weiter wird auf einem neu gebauten Khlhaus im Werk Bydgoszcz eine Solaranlage ber der gesamten Dachflche installiert. FRoSTA betreibt sowohl einen kologischen Landbau als auch den integrierten Gemseanbau, wobei die Humusge-haltentwicklung im Boden eine wichtige Rolle spielt (siehe auch Forderung des Cross Compliance10). Allgemein ist

    Mit der soliden Datenerfassung und deren Ver-ffentlichung im Internet gehen wir den ersten Schritt zum klimafreundlichen Konsum.

    Arne Dscher, Leiter Forschung & Entwicklung, FRoSTA AG

  • 20 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    der FRoSTA-Vertragsanbau nach Global GAP11 zertifiziert. Dank des FRoSTA-Berechnungssystems knnen Zusam-menhnge zwischen der organischen oder mineralischen Dngung und deren Auswirkungen auf die Umwelt erkannt werden. Es wird kontinuierlich daran gearbeitet, Abfall zu vermei-den und die Stoffkreislufe zu optimieren, indem z. B. die Milchrohstoffe in wiederverwendbaren Containern an-geliefert werden und auch verstrkt wiederverwendbare Kartonsysteme fr selbst hergestellte Rohware, wie z. B. Erbsen, Einsatz finden. Basierend auf den Kenntnissen ber die Emissionen bei der Verpackung erfolgt auch eine Umstellung von sechs auf acht Packungen pro Verkaufseinheit, was die Menge an Transportverpackung reduziert.Ein wichtiger Baustein bei den Sparprogrammen ist der Einsatz von grnem Strom (OK-Power Label oder ver-gleichbar).

    Perspektiven und Herausforderungen

    Zusammenarbeit mit RohstofflieferantenGrundstzlich stammt das FRoSTA-Gemse aus Frei-landanbau. Rohwaren und Zutaten werden nicht per Flug-zeug, sondern ausschlielich per Schiff, LKW oder Bahn transportiert. Zuknftig sollen weitere Tiefkhltransporte auf die Schiene verlagert werden (z. B. Bahntransporte Bre-merhaven - Verona in Italien). FRoSTA selbst setzt kein Palml als Zutat ein und schtzt damit die Regenwlder. Falls unsere Lieferanten Palml verwenden, muss dies aus nachhaltigem, zertifiziertem Anbau stammen (RSPO). Die Methodik der PCF-Berechnung wird im Rahmen von partnerschaftlichen Beziehungen an unsere Lieferanten weitergetragen. Es laufen konkrete Projekte mit Geflgel-, Milchprodukte-, Biogemse- und Verpackungslieferanten, um ihnen die ersten Schritte zur Berechnung zu ermgli-chen. Dieser Know-how-Transfer dient dazu, das Bewusst-sein ber Klimaerwrmung zu schrfen und auch CO2e-Re-duktionsprogramme bei den Lieferanten an den erkannten Hot Spots zu starten.

    Erluterungen fr den Verbraucher auf www.frosta.de bezglich klimaschonender Zubereitung.

    Offene Deklaration der Zutaten mit dem Hinweis auf den ermittelten PCF (Packungsrckseite).

  • 21

    9 Marine Stewardship Council fr eine umweltschonende, bestands-erhaltende Fischerei.

    10 Cross Compliance: EU Regelungen zur Erhaltung landwirtschaftlicher Flchen in gutem landwirtschaftlichem und kologischem Zustand (kurz GLZ). Darunter fallen verbindliche Standards, mit denen unter anderem die Bodenerosion reduziert, der Humusgehalt des Bodens er-halten, die Instandhaltung von Flchen (auch bei Stilllegung) gewhrleis-tet und Gewsser geschtzt werden sollen. Dieses wird auf Lnderebene berwacht.

    11 GLOBALGAP ist eine privatwirtschaftliche Organisation, die weltweit freiwillige Standards zur Zertifizierung von landwirtschaftlichen (inklusi-ve Aquakulturen) Produkten setzt. www.globalgap.org/cms/front_content.php?idcat=9

    FRoSTA Klimafonds Mit dem FRoSTA-Klimafonds werden ab 2011 Klimaschutz-projekte untersttzt. Deshalb wird ab 2011 fr jedes Kilo FRoSTA-Gerichte, das verkauft wird, 1 Cent zurckgelegt. Es wird davon ausgegangen, dass rund 10.000 Tonnen pro Jahr verkauft wird und so ergibt sich ein Betrag von rund 100.000 Euro pro Jahr. Das Geld aus dem FRoSTA-Klimafonds wird fr den Klimaschutz eingesetzt. Die Pro-jekte, die hierfr in Frage kommen, wird FRoSTA in Krze im FRoSTA-Blog vorstellen.

    FRoSTA-KommunikationDie detaillierte Verffentlichung der PCFs der einzelnen Produkte auf der FRoSTA-Homepage ist ein Teil der um-fassenden Information fr den Verbraucher und andere Interessierte ber die Klimaauswirkungen von Produkten. Auf den Packungen findet sich ein Hinweis, dass die PCFs sowie die dazugehrigen Berichte auf der FRoSTA-Home-page zu finden sind.

    Unter der berschrift CO2 sparen das knnen Sie tun wird auf der Homepage gezielt der Verbraucher ange-sprochen. Hier werden zum Beispiel verschiedene Zube-

    reitungsarten (z. B. Mikrowelle, Pfanne oder Backofen) in Bezug auf ihre Klimaauswirkungen verglichen und Tipps fr den Alltag gegeben. FRoSTA fordert aktiv nachhalti-ges Verhalten bei Lieferanten, Geschftspartnern und ge-sellschaftlichen Ansprechpartnern beispielsweise durch Fachvortrge zum Thema Klima und Nachhaltigkeit (z. B. Umweltschulung der Verbraucherzentralen, Klimaschutz-tagung vom BMELV, Energieeffizienz-Kongress IHK Bre-merhaven, etc.) oder durch Leitung des Forums Bestand-serhaltende Fischerei.

    Klimaziele der Marke FRoSTA bis 2013 (in CO2e)

    3.600 t

    1.100 t2013

    2007

    -70 %

  • 22 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Henkel

    Der Anspruch, nachhaltig und gesellschaftlich verantwort-lich zu wirtschaften, ist schon seit Jahrzehnten einer der Unternehmenswerte von Henkel. Dazu gehrt die syste-matische Ausrichtung der Unternehmensaktivitten ent-lang der Wertschpfungskette auf die relevanten Heraus-forderungen einer nachhaltigen Entwicklung. Diese sind in fnf bergreifenden Fokusfeldern zusammengefasst: Energie und Klima, Wasser und Abwasser, Materialien und Abfall, Gesundheit und Sicherheit sowie gesellschaftlicher/sozialer Fortschritt.

    Die aktuellen Diskussionen um die Energieversorgung der Zukunft, den Aussto von Kohlendioxid (CO2) und die Ge-fahren des Klimawandels sind fr Henkel schon seit lan-gem relevant nicht zuletzt auch unter den Stichworten Produktionskosten und Stromrechnungen seiner Kunden und Verbraucher. So konnten der Energieverbrauch pro Tonne Produkt von 1998 bis 2007 um 40 Prozent und die damit verbundenen Kohlendioxid-Emissionen um 33 Pro-zent verringert werden. Auf Grundlage der bis 2007 er-reichten Verbesserungen wurden neue konzernweite Ziele bis 2012 definiert. Dazu gehren die Senkung des Energie-verbrauchs sowie der damit verbundenen Kohlendioxid-Emissionen um weitere 15 Prozent pro Tonne Produktions-menge. Zum Selbstverstndnis des Unternehmens gehrt darber hinaus, dass alle neuen Produkte in mindestens einem Fokusfeld einen Beitrag zur nachhaltigen Entwick-lung leisten.

    Strategie und Schwerpunkte

    Um die Verantwortung des Unternehmens umfassend wahrzunehmen, analysieren und bewerten die Fachleute von Henkel den gesamten Lebensweg der Produkte. Da-

    bei sollen Verbesserungsmanahmen dort ansetzen, wo die Auswirkungen auf die Umwelt besonders relevant sind und Verbesserungen effizient realisiert werden knnen.

    So setzt Henkel seit vielen Jahrzehnten Inhaltsstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe zur ganzheitlichen Opti-mierung von Produkten ein vorausgesetzt, dies ist unter Bercksichtigung kologischer, konomischer und gesell-schaftlicher Gesichtspunkte sinnvoll. In den Rezepturen vieler Produkte sind nachwachsende Rohstoffe bereits zentrale Bestandteile von Reinigungsmitteln ber Dusch-gele bis zu Tapetenkleistern bilden nachwachsende Roh-stoffe die Basis. Um seine Verantwortung beim Bezug von Inhaltsstoffen wahrzunehmen, die auf nachwachsenden Rohstoffen basieren, engagiert sich Henkel beispielsweise im Rahmen des Runden Tisch fr nachhaltiges Palml (RSPO) fr ein Zertifizierungs- und Vermarktungsmodell fr Palmkernl aus nachhaltigem Anbau. 2008 hat das Unternehmen erstmals entsprechende Zertifikate gekauft. Darauf aufbauend plant Henkel weitere Schritte zur Aus-richtung seines Produktportfolios auf zertifiziertes nachhal-tiges Palm- und Palmkernl bis 2015.

    In der Produktion liegt ein Schwerpunkt auf der effizienten Bereitstellung und Nutzung von Energie, um klimaschdi-gende Emissionen von vornherein zu vermeiden. In dem Hauptkraftwerk des Unternehmens in Dsseldorf tragen erneuerbare Ressourcen und Kraft-Wrme-Kopplungs-Anlagen zur Reduzierung der direkten Kohlendioxid-Emis-sionen bei. Der Wirkungsgrad des Kraftwerks betrgt rund 85 Prozent. Darber hinaus wird geprft, wo der Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energiequellen wirtschaftlich sinnvoll ist und einen weiteren Beitrag zum Klimaschutz leisten kann.

    Auch bei Transport und Lagerung seiner Produkte sucht Henkel intensiv nach Verbesserungsmglichkeiten. Beson-

  • 23

    ders arbeitet das Unternehmen an der Vereinfachung sei-ner Logistikstrukturen, der Optimierung der Lkw-Auslas-tung und dem Ausbau von Transport-Kooperationen mit anderen Unternehmen. Seit 2008 arbeitet Henkel gemein-sam mit europischen Logistikpartnern schrittweise am Ausbau der intermodalen Transportstrecken. So wurden beispielsweise 2009 rund 300.000 Transportkilometer fr Waschmitteltransporte vom Produktionsstandort in Ds-seldorf zu den Lgern in Lomazzo und Ferentino in Italien sowie Wien in sterreich von der Strae auf die Schiene verlagert. Seit Anfang 2010 lsst Henkel seine Kosmetik-produkte in Deutschland rund 86.000 Tonnen mit der Bahn in das Kosmetik-Logistikzentrum in Monheim bei Dsseldorf transportieren.

    Die Marken und Technologien von Henkel kommen tglich in Millionen Haushalten und Industrieprozessen zum Ein-satz. Die Produkte des Unternehmens haben somit groes Potenzial, positive Beitrge zu gesellschaftlichen Heraus-forderungen wie dem Klimawandel zu leisten. In dem Be-streben, eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen, sind

    die Rollen von Unternehmen, Kunden und Verbrauchern eng miteinander verknpft. Denn der CO2-Fussabdruck ebenso wie der gesamte kologische Fuabdruck vieler Konsumgter wird neben den Rohstoffen und der Pro-duktion zu groen Teilen von der effizienten Anwendung durch die Verbraucher bestimmt.

    Zum Beispiel entfaltet das Waschmittel Persil ActicPower dank seiner kaltaktiven Enzyme seine Leistung schon ab 15 Grad Celsius. Der Einsatz des maschinellen Geschirrspl-mittels Somat 9 ermglicht erstklassige Reinigungsleis-tung schon bei 40 Grad Celsius. Gegenber vergleichbaren Programmen mit 50 oder 55 Grad Celsius werden Ener-gieeinsparungen von bis zu 20 Prozent erzielt. Mit Lsun-gen wie dem Windows Technology Quality-System trgt Henkel dazu bei, den Energieverlust rund ums Haus deut-lich zu senken: Werden hochwertige, langlebige Dichtmas-sen verwendet und die Fugen regelmig gewartet, lassen sich ber die Lebensdauer eines Fensters bis zu 1.000-mal mehr Emissionen einsparen als bei der Herstellung der Dichtmassen ursprnglich verursacht wurden.

    Henkel: Fokusfelder und Ziele bis 2012*

    1 Ziele pro Tonne Produktionsmenge, Basisjahr 2007

  • 24 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Perspektiven und Herausforderungen

    Die wachsende Weltbevlkerung und der durchschnitt-lich steigende Lebensstandard fordern ein grundlegendes Umdenken in der Art und Weise, wie produziert und kon-sumiert werden soll. Um diesen Wandel voranzutreiben, will Henkel seine langjhrige Erfahrung und fhrende Rolle beim Thema Nachhaltigkeit nutzen.

    Dazu forscht das Unternehmen weltweit an Produkten und Technologien, die erstklassige Leistung mit wirtschaftli-chen Vorteilen fr Kunden und Verbraucher und mit der Verantwortung fr Mensch und Umwelt verbinden. Diese Strategie ist fr Henkel der zentrale Innovationstreiber der Zukunft. Dabei geht es nicht zwangslufig um die Entwick-lung grner Produkte, sondern darum, die intelligenteren Lsungen anzubieten. Grundlage dafr ist die genaue Be-trachtung der Wertschpfungsketten.

    Der Product Carbon Footprint (PCF) macht die abstrakte Herausforderung Klimaschutz greifbar und zeigt auf, wo Manahmen sinnvoll ansetzen knnen. Dabei ist zunchst entscheidend, einen berblick ber relevante Produktka-tegorien zu bekommen und geeignete Ansatzpunkte fr Verbesserungen zu erkennen. Dies ermglicht den Fokus auf Hot Spots und damit den effizienten Einsatz der zur Verfgung stehenden Ressourcen. Fr eine breitere An-wendung ist jedoch neben weltweit einheitlichen Stan-dards eine Verbesserung der gemeinsamen Datenbasis notwendig.

    Eine wichtige Aufgabe wird auch sein, das Bewusstsein der Konsumenten weiter zu strken und die Transparenz ber die Umwelt- und Sozialvertrglichkeit von alltglichen Produkten zu verbessern. Dafr muss der PCF in hand-lungsweisende Kommunikation bersetzt werden. Neben klassischen Formen der Produkt- und Verbraucherkom-munikation werden innovative Kommunikationstechnolo-gien neue Mglichkeiten bieten, Informationen zu Auswahl und Anwendung der Produkte bereitzustellen.

    Von der Strae auf die Schiene: Transport der Kosmetikprodukte vom Produktionsstandort in

    Bayern ins Logistikzentrum im Rheinland jetzt nur noch per Bahn.

    Die Weltbevlkerung wchst, der durchschnitt-liche Lebensstandard und der damit verbundene Konsum steigen. Dadurch nehmen auch der Res-sourcenverbrauch und die Emissionen global zu. Eine unserer zentralen Aufgaben wird es daher sein, zu einem nachhaltigen Konsum beizutra-gen.

    Uwe Bergmann, Leiter CSR/Sustainability Management, Henkel AG & Co. KGaA

  • 25

    REWE Group

    Nachhaltigkeit ist fr die REWE Group nicht Trend, sondern Haltung. Dementsprechend bekennt sich das fhrende Handels- und Touristikunternehmen in den Grundwerten zu seiner Verantwortung fr Gesellschaft und Umwelt. Die Nachhaltigkeitsstrategie der REWE Group ruht daher auf vier Sulen: Grne Produkte, Mitarbeiter, Gesellschaftli-ches Engagement und Energie, Klima und Umwelt.

    Strategie und Schwerpunkte

    Die REWE Group ist sich ihrer Verantwortung fr das Kli-ma bewusst. Der fest in der Unternehmensphilosophie verankerte Schutz von Klima und Umwelt zeigt sich an ei-ner Reihe von Beispielen. Im Rahmen der Erstellung der ersten Klimabilanz 2008 wurde in Zusammenarbeit mit dem ko-Institut sowie dem Umweltbundesamt in ster-reich systematisch und detailliert der Status quo der Treib-hausgasemissionen ermittelt. Daraus wurde das Klimaziel abgeleitet: Bis zum Jahr 2015 reduziert die REWE Group den Aussto von Treibhausgasen pro Quadratmeter Ver-kaufsflche um 30 Prozent gegenber dem Basisjahr 2006. Der Aussto geht damit von 320 auf 224 Kilogramm CO2-quivalente pro Quadratmeter Verkaufsflche zurck.

    Die REWE Group fokussiert ihr Engagement fr den Klima-schutz vor allem auf jene Bereiche, die groe Einsparun-gen versprechen. Da mehr als die Hlfte der Emissionen

    des Unternehmens auf den Stromverbrauch zurckgeht, spielt auer dem Bezug von Strom aus erneuerbaren Quel-len die REWE Group bezieht bereits seit Anfang 2008 zu hundert Prozent zertifizierten Grnstrom aus erneuerbaren Energien wie Wasser, Wind oder Biomasse fr ihre bun-desweit ber 6.000 Mrkte vor allem die Erhhung der Energieeffizienz eine zentrale Rolle. Moderne Technologien zur effizienteren Khlung oder Beleuchtung, die verstrkte Nutzung von Abwrme aus Klteanlagen, die Optimierung der Lagernetzstruktur, Praxistests mit klimafreundlicheren Kltemitteln oder die Umstellung auf Recyclingpapier im Bro und fr Werbematerialien sind nur einige der einge-leiteten Manahmen.

    Die Klimabilanz der REWE Group mit dem Ziel,

    bis 2015 den spezifischen Aussto von Treibhaus-

    gasen um 30 Prozent gegenber 2006 zu senken.

  • 26 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Nachhaltiger Supermarkt mit 50 Prozent geringerem Energiebedarf: Das REWE Green Building Konzept Zukunft in Berlin.

    Darber hinaus hat die REWE Group ein Monitoring etab-liert, mit dessen Hilfe die umgesetzten und geplanten Ma-nahmen hinsichtlich ihrer Beitrge zum Klimaziel bewertet werden. Somit lassen sich fr das Erreichen des Klimaziels kritische Faktoren frhzeitig erkennen und korrigierende Gegenmanahmen einleiten.

    In dem im November 2009 erffneten ersten REWE Green Building in Berlin wurde eine Reihe der zuvor angefhr-ten technischen Manahmen realisiert. So verringert sich der Energieverbrauch dieses REWE-Markts im Vergleich zu einem Standardmarkt durch den Einsatz modernster Heizungs-, Lftungs-, Beleuchtungs-, Klima- und Kltean-lagen in Kombination mit bester Dmmung um beinahe 50 Prozent. Mit der signifikanten Reduzierung des Energie-bedarfs, der Nutzung von Grnstrom und der zertifizierten Kompensation der nicht vermeidbaren Restemissionen wird der REWE Markt insgesamt CO2e-neutral betrieben.

    Weitere Beitrge zu einer nachhaltigeren Gestaltung lie-fern das im deutschen Lebensmittelhandel bisher kaum eingesetzte Prinzip der Tageslichtarchitektur, die Auswahl der verwendeten zum Teil nachwachsenden Materialien wie Holz oder Zellulose fr die Dmmung, eine insgesamt knapp 2.000 Quadratmeter groe Photovoltaikanlage oder auch die Geothermieanlage, welche den Einsatz fossiler

    Brennstoffe ganzjhrig berflssig macht. Dementspre-chend zeichnete die Deutsche Gesellschaft fr Nachhalti-ges Bauen (DGNB) den 1.830 Quadratmeter groen REWE-Markt in Berlin-Rudow als weltweit ersten Supermarkt mit dem Prdikat in Gold aus. Das darber hinaus mehrfach ausgezeichnete Pilotprojekt dient dazu, die eingesetzten Technologien auf ihre Praxistauglichkeit und Multiplika-tionsfhigkeit zu testen. Die Erkenntnisse flieen in die Strategie fr den knftigen Rollout des Gesamtkonzeptes sowie bestimmter Konzeptbestandteile ein. So wurde be-reits im August 2010 das zweite REWE Green Building in Mainz erffnet, weitere Projekte befinden sich in der Pla-nungsphase.

    Neben diesen berwiegend technisch ausgerichte-ten Manahmen setzt die REWE Group einen weiteren Schwerpunkt mit der Einbeziehung der Mitarbeiter in die Aktivitten. Beispielsweise wird mit einer konzernweit aus-gerichteten Energiesparkampagne das Bewusstsein der ber 300.000 Mitarbeiter im sparsamen Umgang mit Ener-gie gefrdert.

    ber die Unternehmensebene hinaus engagiert sich die REWE Group auch auf Produktebene fr den Klimaschutz. Im Rahmen der Pilotphase des PCF Projekts wurden die Treibhausgasemissionen von spanischen Frherdbeeren

  • 27

    aus dem Vertragsanbau ermittelt; weitere Studien bei-spielsweise zum optimierten Bezug von ko-Kartoffeln folgten. Und bei pfeln aus regionalen und globalen An-baugebieten wurden ber den CO2-Fuabdruck hinaus weitere kologische Auswirkungen mit Hilfe der koeffizi-enzanalyse untersucht.

    Noch einen Schritt weiter geht die REWE Group mit dem Mitte 2010 eingefhrten Nachhaltigkeitslabel PRO PLANET. Damit kennzeichnet die REWE Group Produkte, welche Umwelt und Gesellschaft whrend ihrer Herstellung, Ver-arbeitung oder Verwendung deutlich weniger belasten. Dabei werden alle kologischen und sozialen Nachhaltig-keitsaspekte entlang der gesamten Wertschpfungskette bercksichtigt also auch der Klimaschutz. Ziel ist es, dem Verbraucher mit einem umfassenden Nachhaltigkeitslabel eine Orientierungshilfe durch das gesamte Sortiment zu geben und so nachhaltiges Konsumieren einfacher zu ma-chen. Durch die attraktive Preisgestaltung sollen alle Kun-dengruppen angesprochen und fr das Thema sensibili-siert werden. Dadurch dass die PRO PLANET-Produkte den konventionellen Bereich adressieren, knnen durch hohe Abverkaufszahlen groe Hebelwirkungen im Massenmarkt erzielt werden.

    Um einen glaubwrdigen und transparenten Prozess zu etablieren, hat die REWE Group bei der Entwicklung von PRO PLANET verschiedene Stakeholder eingebunden. In der Umsetzung von PRO PLANET-Projekten arbeitet die REWE Group mit externen Produktexperten, den soge-nannten Projektpartnern, zusammen. Der komplette Pro-zess wird durch einen unabhngigen Expertenbeirat be-gleitet.

    Der Vergabe des Nachhaltigkeitslabels basiert auf einer detaillierten Lebenszyklusanalyse fr die Produkte, der sogenannten Hot Spot-Analyse. Anhand von wissen-schaftlichen, faktenbasierten Studien prfen unabhngige Institutionen mit der entsprechenden Expertise die ko-logischen und sozialen Probleme im Lebenszyklus eines Produktes. Abgedeckt werden dabei die Bereiche Ressour-censchutz, Biodiversitt und Tierschutz, soziale Verantwor-tung, Produktsicherheit und Klimaschutz mit dem Zweck, die relevanten Hot Spots aufzulsen oder deren Ausma zu verringern.

    Ziel ist es, das Sortiment kontinuierlich auszubauen bis Ende 2011 sollen insgesamt mehr als 500 Millionen Artikel mit dem PRO PLANET-Label verkauft werden. Mit diesem Angebot an Produkten mit nachhaltigem Mehrwert zu at-traktiven Preisen trgt REWE Group zu einem nachhalti-geren und auch klimavertrglicheren Konsum im Massen-markt bei.

    Mit dem REWE Group Nachhaltigkeitslabel PRO PLANET frdern wir den nachhaltigeren und da-mit auch klimavertrglicheren Konsum, indem wir Verbrauchern eine Orientierungshilfe geben fr Produkte, welche Umwelt und Gesellschaft ent-lang der gesamten Wertschpfungskette deutlich weniger belasten.

    Dr. Gnther Kabbe, Funktionsbereichsleiter Nachhaltigkeit/Um-welt, REWE Group

    PRO PLANET Das Nachhaltigkeitslabel der REWE Group fr eine bessere Orientierung der Verbraucher www.proplanet.com

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  • 28 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Tchibo

    Klimaschutz ist fr Tchibo elementar wichtig, denn qualita-tiv hochwertiger Kaffee braucht ein ausgewogenes Klima. Aber auch im Bereich Gebrauchsartikel ist das Unterneh-men, z. B. bei Baumwolle und Holz, auf die Vermeidung eines bermigen Klimawandels angewiesen. Um den Verbrauchern auch in Zukunft ein vielfltiges Angebot an verschiedensten Konsumgtern und Kaffeeprodukten zu einem guten Preis-/Leistungsverhltnis anbieten zu kn-nen, wird bei allem bereits vorhandenen Know-How weiteres Wissen zu den Umwelt- und Sozialauswirkungen der Wertschpfungsketten bentigt. Nur auf Basis umfang-reichen Wissens sind weitere zielorientierte Manahmen mglich.Auch die nachhaltigsten Sortimente haben nur dann einen Nutzen, wenn sie von den Verbrauchern angenommen werden. Daher ist die Frderung des klimavertrglichen und nachhaltigen Konsums eine weitere wichtige Aufgabe.

    Strategie und Schwerpunkte

    Sowohl bei den Klimaschutzaktivitten als auch bei den Nachhaltigkeitsmanahmen allgemein orientiert sich Tchibo am Lebenszyklus der Produkte. Hinsichtlich der kologi-schen Aspekte sind vor allem der Product Carbon Foot-print (PCF) und die Lebenszyklusbilanzierung hilfreich. Bei den wichtigen Produktgruppen werden jeweils die Hot Spots der Treibhausgasemissionen und anderer Umwelt-wirkungen identifiziert. Auf dieser Basis werden zielge-richtete Manahmen zur kologischen Optimierung der Wertschpf-ungsketten abgeleitet und umgesetzt. Einen berblick der aktuellen Aktivitten gibt die Abbildung auf

    Seite 29. Wesentliche Schwerpunkte der Aktivitten im Umwelt- und Klimaschutz sind:

    t Kaffee: Anbau, Verarbeitung, Rstung und Zubereitungt Gebrauchsartikel: Baumwolle, Holz und energie- verbrauchende Produktet Transport der Warent Energiebereitstellung: Verwendung und Angebot von erneuerbaren Energien t Frderung des klimavertrglichen bzw. des nachhaltigen Konsums

    In der Folge wird als ein Beispiel die Wochenwelt Wir hel-fen Sparen genauer dargestellt. Nhere Informationen zu dem allgemeinen Tchibo-Nachhaltigkeitsengagement fin-den Sie unter www.tchibo-nachhaltigkeit.de.

    Die Bereitstellung klimavertrglich hergestellter Produkte ist eine Voraussetzung klimavertrglichen Konsums. Eine weitere wichtige Voraussetzung ist das bewusst klima-schonende Verhalten der Verbraucherinnen und Verbrau-cher im Alltag. Hierzu bedarf es neben dazu geeigneten Produkten insbesondere auch deren entsprechender Nut-zung. Mit wenigen, einfachen Manahmen lassen sich im Haushalt hufig nicht nur viele Ressourcen und damit Emissionen, sondern auch vergleichsweise hohe Geldbe-trge sparen. Voraussetzung hierfr ist eine zielgerichtete und verstndliche Kundeninformation.

    In diesem Zusammenhang hat Tchibo im August 2010 eine ganze Wochenwelt zum Thema Ressourceneffizienz im Haushalt angeboten. Mit der Woche Wir helfen spa-ren: Mit grnem Beispiel voran! wurde den Kundinnen und Kunden ein umfassendes Sortiment von Gebrauchs-

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    artikeln zum Ressourcensparen angeboten. Zur leichteren Orientierung waren die Produkte mit Hilfe von Wegweiser-Icons/Symbolen gekennzeichnet:

    Produkte zum Stromsparen, wie z. B. Mehrfachste-ckerleiste mit Fuschalter, Zeitschaltuhren sowie Weie Ware

    Produkte zum Sparen von Heizenergie, z. B. digi-taler Heizkrperregler, Dichtungen fr Tren und Fenster

    Produkte zum Sparen von (Warm-)Wasser, z. B. Wassersparaufstze

    Innovative Leuchtmittel, die zu einem geringeren Stromverbrauch beitragen (LEDs, Solarleuchten)

    Begleitet wurden diese Kernsortimente durch eine Reihe weiterer Waren und Dienstleistungen:

    t Im Gebrauchsartikelbereich kamen Produkte zur Nut- zung von Leitungswasser als Trinkwasser, zur Einspa-

    Umwelt- und Sozialverantwortung bei der Tchibo GmbH: Orientierung am Produktlebenszyklus

    Product Carbon FootprintLife Cycle Analysis

    Recycling. Recycling von Restanten und Feedback

    Gebrauch. kodesignrichtlinie. Kundenbegeisterungsindikatoren. Frderung des nachhaltigen Konsums. Tchibo Reisen: Atmosfair. Grner Strom

    Vertrieb | Verwaltung. Nachhaltige Beschaffung (z. B. kostrom, Fuhrpark, Papier). Energiesparaudits und -manahmen

    Ressourcen. Cotton made in Africa & Organic Cotton

    . FSC & FTS Holz. Kaffee: 4C Association,

    Rainforest Alliance, Fairtrade, Bio

    Produktion. kostrom

    . Energiesparaudits & -manahmen. WE (Worldwide Enhancement Of Social

    Quality) und SAI

    Verpackung. Bioplastics

    . Nachwachsende Rohstoffe

    Produkt Design. Integrierte Produkt Politik

    . REACh & CLP

    Transport. LOTOS

    . GoGreen Paket & Brief

  • 30 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    rung von Batterien sowie Do-it-yourself-Produkte (Reparieren statt Wegwerfen) zum Einsatz.t Als Dienstleistungen wurden neben Energieberatung fr Mieter und Hauseigentmer auch Reisen mit beson- deren Nachhaltigkeitseigenschaften angeboten.t Tchibo Mobil bot das Sony Ericsson Greenheart Elm mit einem Gehuse aus Recyclingkunststoffen und anderen Umweltvorteilen an.t Im Kaffeebereich war der biozertifizierte Bio Genuss im Angebot.

    Oberstes Ziel in der Vermarktung der Wochenwelt war die zielgerichtete und sachlich richtige Information der Kun-den, insbesondere hinsichtlich der Umweltvorteile und ggf. der Emissions- und Geldeinsparpotenziale der Produk-te. Hierzu wurde ein System gestufter Kundeninformation entwickelt und umgesetzt.

    1. Grobe Orientierung des Kunden aufgrund der Wegweiser-Icons/Symbole

    a. Zuordnung der Produkte zu den jeweiligen Symbolen am POS (Regal, Webshop)b. Abbildung der Symbole auf den Verpackungen

    2. Information des Kunden ber Einsparpotenziale am POSa. Darstellung im vorgeschalteten Kundenmagazinb. Darstellung der Umwelteigenschaften und ggf. der Einsparpotenziale auf den Verpackungen sowie im Webshop; konkrete Einsparpotenziale wurden an- hand von Beispielrechnungen aufgezeigtc. Verweis auf Hintergrundinformationen sowie zu den Berechnungsgrundlagen auf der Seite www.tchibo- qualitaet.de d. Parallel in kurz gehaltenen Subsites im Webshop, ausfhrlich auf www.tchibo-qualitaet.de, Hinweise und Tipps zum ressourcenschonenden Verhalten im Alltage. Zustzlich Ausgabe eines Klimaratgebers mit vielen Tipps und Literaturhinweisen zum klimavertrglichen Konsum

    Insgesamt erreichte die Wochenwelt ein zufriedenstellen-des Ergebnis. Auf den entsprechenden Internetseiten mit detaillierten Hintergrundinformationen wurden um mehr als 30 Prozent erhhte Klickraten verzeichnet, bei wenigen weiteren Nachfragen. Die Kunden fhlten sich offensicht-

    lich ausreichend informiert. Darber hinaus gab es viele positive Rckmeldungen sowohl seitens der Kunden als auch von Umweltorganisationen. Deutlich wurde aber auf-grund der Rckmeldungen auch, dass fr viele Verbrau-cher das Thema immer noch neu und der Informationsbe-darf hoch ist.

    Perspektive 2015 und Herausforderungen

    Aktuell werden fr die kommenden Jahre bis 2015 weitere, unternehmensbezogene strategische Ziele erarbeitet. Die Reduktion der Emissionen entlang der Wertschpfungs-kette wird eine groe Herausforderung sein, die Tchibo konsequent angehen wird. Klimaschutz ist eine Gemein-schaftsaufgabe, die alle relevanten Akteure in der Gesell-schaft angeht. Wesentliche weitere Aufgabe wird es daher sein, zum einen sinnvolle, unternehmens- und anspruchs-gruppenbergreifende Aktivitten zur Emissionsreduktion zu generieren und zum anderen ein gesellschaftliches Be-wusstsein fr die Bedeutung klimavertrglichen Konsums und dessen Umsetzung in reales Handeln zu schaffen.

    Klimaschutz ist eine volks- und betriebswirt-schaftliche Notwendigkeit. Eine der wichtigsten gesamtgesellschaftlichen Aufgaben ist dabei die Frderung des klimavertrglichen Konsums. Dies kann nur durch eine konstruktive Zusammenar-beit aller Akteure gelingen. Die Mitarbeit in der Plattform zur Frderung des klimavertrglichen Konsums ist daher ein wichtiger Baustein unserer Aktivitten im Klimaschutz.

    Stefan Dierks, Senior Manager Corporate Responsibility

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    Tetra Pak

    Tetra Pak ist der festen berzeugung, dass Unternehmen, Politik und Gesellschaft eng zusammenarbeiten mssen, damit Nachhaltigkeit zum entscheidenden Faktor fr die Herstellung und den Verbrauch von Produkten wird und jeder seinen kologischen Fuabdruck langfristig verklei-nern kann. Tetra Pak leistet mit konkreten Manahmen in den relevanten Bereichen Energie- und Rohstoffeinsatz so-wie Konsumverhalten seinen aktiven Beitrag.

    Energieeinsatz

    Mit dem Klimaschutzziel 20052010 hat sich Tetra Pak dazu verpflichtet, weltweit zehn Prozent der unternehmens-internen CO2e-Emissionen bis Ende 2010 (Vergleichsjahr 2005) zu reduzieren. Dieses Klimaziel hat Tetra Pak im Jahr 2005 als damals elfter Unternehmenspartner fr das WWF Climate Savers Programm qualifiziert, d. h. Tetra Pak hat mit dem WWF deutliche Reduzierungen der Treibhausgas-emissionen vereinbart. Umsetzung und Reduktionserfolge werden extern, also unabhngig berprft. Das Ziel um-fasst alle Bereiche und bercksichtigt die direkten Emissi-onen des Unternehmens sowie die indirekten Emissionen durch Energielieferanten.

    Strategie und SchwerpunkteDas Ziel soll durch eine verbesserte Energieeffizienz sowie ber einen erhhten Einsatz von grner Energie erreicht werden. Von Oktober 2006 an wurden die deutschen Tetra Pak-Produktionswerke in Limburg und Berlin auf erneuer-bare Energien umgestellt, zuletzt die Zentrale in Hochheim. Damit deckt Tetra Pak Deutschland seinen Strombedarf

    vollstndig aus Wasserkraft und verringert dadurch sei-nen CO2e-Aussto jhrlich um rund 27.000 Tonnen (Stand 2009). Im Vergleich zu 2005 wurde im Jahr 2009 weltweit eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 9,8 Pro-zent erreicht, bei einem Produktionsanstieg im selben Zeit-raum um 33 Prozent.

    Perspektive 2015Nach Abschluss des ersten Tetra Pak-Klimaschutzziels Ende 2010 soll auf Basis der erzielten Ergebnisse im Laufe des ersten Quartals 2011 ein neues Klimaschutzziel kom-muniziert werden. Es wird bis Ende 2015 gltig sein und noch strker die gesamte Supply Chain einbeziehen.

    HerausforderungenErneuerbare Energie ist heute weder weltweit verfgbar noch langfristig zu konkurrenzfhigen Preisen gesichert.

  • 32 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Rohstoffeinsatz

    Tetra Pak-Getrnkekartons bestehen zu rund 75 Prozent aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz. Der Erhalt die-ser natrlichen Ressource hat fr Tetra Pak zentrale Bedeu-tung. Das Zertifizierungsprogramm des Forest Steward-ship Council trgt dazu bei, ein Gleichgewicht zwischen Schutz und wirtschaftlicher Nutzung von Wldern zu schaf-fen. Illegaler Holzeinschlag und Raubbau werden konse-quent bekmpft. Anfang 2010 wurde Tetra Pak Deutschland (Verwaltung und Produktionswerke) nach FSC-zertifiziert (FSC-C014047). Das international anerkannte Prfsiegel besttigt, dass die zertifizierten Rohstoffe fr den Getrn-kekarton aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wl-dern, die den strengen Anforderungen des FSC an den Umwelt- und Ressourcenschutz gengen, und anderen kontrollierten Quellen stammen.

    Strategie und SchwerpunkteTetra Pak ist seit 2006 Mitglied des FSC und hat seitdem die FSC-Zertifizierung international vorangetrieben. Als weltweit erster Getrnkekartonhersteller hat Tetra Pak 2007 mit seinen Kunden der abfllenden Industrie FSC-gekenn-zeichnete Verpackungen in Grobritannien auf den Markt gebracht. Seit Ende Juni 2010 fhrt Tetra Pak Deutschland schrittweise rund 3,3 Milliarden Verpackungen pro Jahr aus FSC-zertifiziertem Rohkarton in den Markt ein mehr als 50 Prozent der Jahresmarktmenge. Noch kann fr Ge-trnkekartons nicht der gesamte Bedarf aus FSC-Material gedeckt werden, da derzeit nur rund fnf Prozent der welt-weiten Nutzwaldbestnde zertifiziert sind.

    Perspektive 2015Tetra Pak arbeitet auf allen Ebenen an der Reduzierung des Product Carbon Footprints. Ein Projekt ist die Substituti-on der nicht erneuerbaren Verpackungsbestandteile Poly-ethylen und Aluminium durch nachwachsende Rohstoffe. Als erstes werden Verschlsse aus sogenanntem grnen Polyethylen, basierend auf Zuckerrohr, eingefhrt. Bis 2018 will Tetra Pak weltweit den Faseranteil in den Getrn-kekartons ausschlielich aus FSC-zertifiziertem Rohkarton anbieten. Ziel im Jahr 2050 soll das Angebot von Tetra Pak-Getrnkekartons aus 100 Prozent nachwachsenden Roh-stoffen sein, die weltweit vollstndig recycelt werden.

    HerausforderungenEntscheidend dafr ist, FSC-zertifiziertes Holz und die Roh-stoffe zur Produktion pflanzenbasierter Kunststoffe lang-fristig verfgbar zu machen und zu sichern.

    Eine Grundvoraussetzung fr klimavertrglichen Konsum ist, dass Politik und Wirtschaft den Konsumenten bewusste Kaufentscheidungen fr klimavertrgliche Waren und Dienstleistungen ermglichen. Dies erfordert ein entsprechendes Angebot von Informationen, Bildung(smaterialien) und Produkten.

    Dr. Heike Schiffler, Direktorin Kommunikation und Umwelt, Tetra Pak GmbH & Co KG

    Mit der FSC-Zertifizierung geht Tetra Pak einen weiterenSchritt in seiner ganzheitlichen Umwelt- und Klimaschutzstrategie.

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    Konsumverhalten

    Strategie und SchwerpunkteAuf der neuen Webseite www.dein-vitaler-tag.de steht das klimafreundliche Einkaufen, neben Themen zu den Vortei-len einer milchkalziumreichen Ernhrung, im Mittelpunkt. Auch beim tglichen Lebensmitteleinkauf kann jeder wir-kungsvoll das Klima schtzen und Geld sparen, wie die Ernhrungsexpertin Franca Mangiameli und Georg Abel, Bundesgeschftsfhrer der VERBRAUCHER INITIATIVE e. V. (Bundesverband), in einem Film zeigen.Einen besonderen Service fr Lehrer bietet die Internetsei-te www.tetrapak-schule.de. Wissenswertes ber Lebens-mittel und ihre Verpackung finden die User hier einfach erklrt. Zu Themen wie Verpacken und Recyceln oder Erneuerbare Ressourcen stellt Tetra Pak didaktisch-me-thodisch aufbereitetes Unterrichtsmaterial bereit.

    Hase Bob, Umweltexperte mit Schlappohren, fhrt durch die 2009 gestartete Umweltkampagne Zukunft hat nur, was nachwchst. Unterhaltsam vermittelt er, dass Tetra Pak-Getrnkekartons berwiegend aus dem nachwachsen-den Rohstoff Holz bestehen. In TV-Spots, auf Milch- und Safttten und LKW-Planen motiviert Bob zur Entscheidung fr die umweltfreundlichen Verpackungen. Bobs Home-page www.tetrapak-umwelt.de liefert ausfhrliche Hin-tergrundinformationen. Die erfolgreiche Kampagne wird 2010 fortgesetzt und greift die FSC-Zertifizierung von Tetra Pak auf.

    Perspektive 2015ber verschiedene Informationskanle werden dem Kon-sumenten die Vorteile nachwachsender Rohstoffe nahege-bracht. Bis 2015 soll dieses Kriterium ausreichend bekannt gemacht werden und auf die Kaufentscheidung einwirken.

    HerausforderungenDie Kaufentscheidung bei Consumer Goods wird meist ber den Preis getroffen. Wird er auch in Zukunft das pri-mre Auswahlkriterium sein? Im Vordergrund steht hierbei die Bewusstseinsbildung und die Verlagerung der Priorit-ten weg von nur billig zu besonders lecker und klima-vertrglich.

    Der Tetra Pak Markenbotschafter Bob erklrt, was notwendig ist, damit ein Getrnkekarton mit FSC-Siegel ausgezeichnet wird.

    Auf der Website www.dein-vitaler-tag.de erhalten Konsumenten wertvolle Tipps zum klimagerechten Einkaufen.

  • 34 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Unternehmensgruppe Tengelmannkologisches und gesellschaftspolitisches Engagement haben fr die Unternehmensgruppe Tengelmann groe Bedeutung. Bereits seit 40 Jahren ist sie Vorreiter in Sa-chen Umweltschutz. Mit der 2007 gestarteten Tengelmann Klimainitiative wird dieses Engagement konsequent wei-tergefhrt. Sie bndelt die verschiedenen Manahmen zum Klimaschutz, u. a. die Entwicklung innovativer, kli-mafreundlicher Handelskonzepte (z. B. der Tengelmann Klimamarkt),die Bilanzierung von Treibhausgasen auf Unternehmens- und Produktebene, die Kommunikation und Sensibilisie-rung von Mitarbeitern und Kunden sowie die regionale Verankerung von Aktivitten.

    Strategie und Schwerpunkte

    Als eine Basis fr den Umwelt- und Klimaschutz wird seit vier Jahren die Emissionsbilanz der Unternehmensgrup-pe Tengelmann gem GHG Protocol Corporate Reporting Standard erhoben. Jhrlich werden die Emissionen von Strom- und Wrmeverbrauch, Logistik und Fuhrpark sowie der Nutzung von Kltemitteln berechnet und ausgewertet. Dies wird auch in Zukunft beibehalten und der stndigen Weiterentwicklung entsprechend angepasst oder erwei-tert, z. B. um Emissionsquellen des Scope 3.Das Umweltbundesamt hat bereits im Jahr 2007 festge-stellt, dass ca. 48 Prozent des CO2-Fuabdrucks eines Br-gers auf die Bereiche Wohnen und Transport, und damit u. a. auf den Verbrauch von Strom, Wrme und Kraftstof-fen entfallen.12 Der Weg zur nachhaltigen Gesellschaft fhrt also nicht an einer konsequenten Auseinandersetzung mit der Art und der Intensitt der Energienutzung und den da-mit verbundenen Emissionen vorbei. Die Unternehmens-

    gruppe Tengelmann baut im Rahmen der Emissionsbilan-zierung Fachwissen auf und fhrt mit eigenen Mitarbeitern ein verifiziertes Carbon Management durch. Ziel ist es, den Klimaschutzzielen des Kyoto-Protokolls zu folgen und die Emissionen bis zum Jahr 2020 (Referenz 2006) um 20 Prozent zu reduzieren. Bereits im Jahr 2009 hat die Unternehmensgruppe eine CO2e-Minderung von 16,2 Prozent auf weniger als 100 kg CO2e pro Quadrat-meter Verkaufsflche erreicht. In erster Linie wurde dies ber die konsequente Versorgung mit kostrom erreicht, insbesondere bei der Kaisers Tengelmann GmbH und der Zentrale der Unternehmensgruppe Tengelmann. Neben einer Optimierung des kostrombezugs aus nachhaltigen und neuen Quellen, werden auch zuknftig Unternehmens-prozesse entlang der Wertschpfungskette analysiert, um Emissionen zu mindern und Energie effizient einzusetzen.

    Seit Dezember 2008 testet die Kaisers Tengelmann GmbH mit dem ersten Tengelmann Klimamarkt klimafreundliche Supermarktkonzepte. Durchschnittlich 50 Prozent weniger Energie bentigt der Markt durch die intelligente Kombina-tion von innovativen Techniken mit erneuerbaren Energi-en. Damit kann klimafreundlicher Konsum in Zukunft auch in klimafreundlichen Supermrkten stattfinden.

    In diesem Leuchtturmprojekt, welches zum Zeitpunkt der Erffnung fr den deutschen Lebensmitteleinzelhandel einzigartig war, wurde ein Bestandsobjekt vollstndig re-noviert. Die optimierte Dmmung sorgt fr einen niedri-gen Wrmebedarf, der vollstndig ber Erdwrme und die Abwrme der Khltechnik gedeckt wird. Insbesondere die Abwrmenutzung hat sich als effizient und wirtschaftlich herausgestellt und wird in zuknftigen Konzepten berck-sichtigt. Abgedeckelte Truhen und Regale im Tiefkhl- und Normalkhlbereich sorgen fr weitere Ersparnisse und sind bereits seit 2008 Standard in neuen Mrkten der

  • 35

    Kaisers Tengelmann GmbH. Im Klimamarkt bewirken die Verwendung von energieeffizienten Leuchtmitteln und die tageslichtgesteuerte Grundbeleuchtung, dass die bentig-te Energie des Systems auf ca. zehn Watt pro Quadrat-meter gesenkt werden konnte und so weitere wertvolle Energie gespart wird. Das langfristige Ziel ist es, innovative Handelskonzepte zu erarbeiten und anzuwenden, die den Lebensmitteleinzel-handel klimafreundlicher gestalten und das Angebot nach-haltiger Produkte in einen angemessenen Kontext stellen.

    Das Prinzip nachhaltigen Handelns wird stetig in das un-ternehmerische Denken integriert. Dies gilt auch fr das Instrument Product Carbon Footprinting. Die Erfahrun-

    gen aus dem PCF Pilotprojekt werden zur Bewusstseinsbil-dung der Mitarbeiter genutzt. Chancen fr Projekte werden kontinuierlich ausgelotet und entsprechende Konzepte zur Anwendung in allen Geschftsfeldern werden von eigenen Experten entwickelt. Die Unternehmensgruppe Tengel-mann als Multibranchenhndler kann ihr Engagement im Product Carbon Footprinting nicht auf Nahrungsmittel be-schrnken. Um die Weiterentwicklung der Konzepte auch fr Non-Food-Produkte voranzutreiben, werden Entwick-lungen in Politik und Wirtschaft sowie die gegenwrtigen Normungsprozesse verfolgt und fr interne Prozesse auf-bereitet.

    Unternehmensgruppe Tengelmann:Treibhausgasemissionen nach Emissionsquellen (in CO2e)

    243.171 t(41 %) Strom

    96.289 t(16 %) Khlmittel

    43.064 t(7 %) LKW (beauftragte Flotte)

    10.417 t(2 %) LKW (eigene Flotte)

    18.945 t(3 %) PKW

    13.821 t(2 %) Heizl

    32.628 t(5 %) Fernwrme

    141.860 t(24 %) Gas

    12 UBA, Die CO2-Bilanz des Brgers, 2007.

  • 36 Plattform Klimavertrglicher Konsum Deutschland

    Nachhaltigkeit von Produkten lsst sich nicht allein vom Indikator CO2e abhngig machen. Daher erstreckt sich das Engagement der Unternehmensgruppe Tengelmann auch auf andere Kategorien der Produktnachhaltigkeit. Als Bei-spiel zu nennen ist hier die Kaisers Tengelmann GmbH, welche u. a. im Bereich nachhaltige Fischerei und fairer Handel aktiv ist. Auch zuknftig werden Strategien zur Einbindung des Konsumenten hinsichtlich nachhaltiger Produkte entwi-ckelt und angewendet. Der offene Dialog und die trans-parente Information zum Thema sind hierbei ein zentraler Baustein. Dies wird auch innerhalb des Unternehmens praktiziert. Mitarbeiter werden geschult und sensibilisiert. Fachwissen wird in spezialisierten Abteilungen gebndelt und kontinuierlich aufgebaut. Fachkrfte und Entscheider kommen regelmig zusammen, diskutieren aktuelle The-men und setzen sich mit den zuknftigen Entwicklungen auseinander. Nachhaltiges Handeln wird von und mit den Mitarbeitern in die Unternehmensprozesse integriert.Als regional wichtiges Unternehmen, insbesondere am Hauptsitz in Mlheim an der Ruhr, integriert die Unterneh-mensgruppe Tengelmann ihr Engagement auch in die re-gionalen Umwelt- und Klimaschutzbestrebungen. Die Ml-heimer Klimainitiative realisiert Projekte zur Frderung der Nachhaltigkeit gemeinsam mit Mlheimer Brgern. Bei der Netzwerk- und Wissensbildung im Rahmen der Initia-tive gibt die Unternehmensgruppe Tengelmann eine Viel-zahl von Erfahrungen an die Brger weiter.

    Perspektive 2015 Herausforderungen

    Die Unternehmensgruppe Tengelmann wird auch in Zu-kunft das Engagement in der Tengelmann Klimainitiative weiterfhren. Eine nachhaltige Gesellschaft besteht aus vielen Baustei