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    Nationale Strategie zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in

    Deutschland 2012 2016

    Berichterstattung der Lnder durch den Arbeitskreis Weiterbildung der Kul-

    tusministerkonferenz 2015 und 2016

    Einleitung Mit dem vorliegenden Beitrag berichtet der Arbeitskreis Weiterbildung der Kultus-

    ministerkonferenz zum dritten Mal ber die Umsetzung der Nationalen Strategie zur Alpha-

    betisierung und Grundbildung Erwachsener auf Lnderebene. Berichtet wird ber die Ent-

    wicklung in den Jahren 2015 und 2016. Die bereits vorliegenden Berichte aus den Jahren

    2012 und 2015 haben verdeutlicht, dass es sich beim funktionalen Analphabetismus Er-

    wachsener in Deutschland weder um ein randstndiges Phnomen noch um einen kurzfristig

    zu behebenden Mangel handelt. Die Berichte dokumentieren, dass die Lnder in Folge der

    Level-One-Studie der Universitt Hamburg 2011 die Frderung und Entwicklung von Ma-

    nahmen zur Reduzierung des funktionalen Analphabetismus fortgesetzt und erweitert, aber

    auch in betrchtlichem Umfang neu initiiert haben.

    Im Jahr 2016 mndete die Nationale Strategie in eine Nationale Dekade fr Alphabetisierung

    und Grundbildung 2016 2026. Die Nationale Dekade und die Nationale Strategie sind part-

    nerschaftlich angelegt. Bund, Lnder und Partner kooperieren auch weiterhin mit dem Ziel,

    den funktionalen Analphabetismus erwachsener Menschen in Deutschland zu reduzieren

    und das Grundbildungsniveau zu erhhen.

    Alle Akteure haben mit der Umsetzung der Nationalen Strategie in den Jahren 2012 2016

    zur Kenntnis nehmen mssen, dass die Anforderungen zur Reduzierung des funktionalen

    Analphabetismus Erwachsener immens sind und abgestimmtes Handeln erfordern.

    Eine wesentliche Herausforderung stellt die Erreichbarkeit der Zielgruppe dar.

    Den folgenden Lnderberichten sind Informationen zu strukturellen und fachlichen Entwick-

    lungen sowie zu Untersttzungsangeboten zu entnehmen. Darber hinaus gibt der Bericht

    Auskunft ber die finanziellen Aufwendungen fr diese Bildungsarbeit. Neben den Frderun-

    gen entsprechender Strukturen und konkreter Manahmen ist auch auf die von den Lndern

    mit erheblichen Mitteln gefrderten Regelstrukturen der Weiterbildung und ihrer Einrichtun-

    gen hinzuweisen. Die Manahmen und Projekte finden bislang berwiegend in den auch

    landesseitig gefrderten Weiterbildungseinrichtungen statt und bauen sinnvollerweise auf

    diesen Strukturen auf.

    Die Lnder haben in den Jahren 2015 und 2016 die Alphabetisierungs- und Grundbildungs-

    arbeit als wichtigen Bereich der Weiterbildung und des lebenslangen Lernens weiter qualifi-

    ziert und strukturell verankert. Konkrete Lern- und Beratungsangebote sollen von Nutzen fr

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    Alltag und Beruf sein und den Menschen, die nicht gut lesen und schreiben knnen, neue

    Chancen auf Teilhabe in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens erffnen.

    Der Bericht dokumentiert auch dies beispielhaft.

    Lnderbergreifender Bericht

    Folgende Manahmen wurden von den Lndern vereinbart:

    1. Die Lnder erklren ihre Bereitschaft, sich gemeinsam mit dem Bund und weiteren Paktpart-nern aktiv an der ffentlichkeitsarbeit zur Bekmpfung des funktionalen Analphabetismus zu beteiligen. Die groen Medienanstalten (Rundfunk, Fernsehen, Verlage) sollen in diesen Pro-zess ebenso einbezogen werden wie die internetbasierten neuen sozialen Netzwerke.

    2. Die Lnder setzen sich dafr ein, dass in der ESF Frderperiode 2014 - 2020 fr das Thema

    Grundbildung eigene Frderbereiche in den Lndern fortgefhrt oder neu eingerichtet werden.

    3. Die Lnder benennen Koordinationsstellen bzw. Ansprechpartner fr das Thema Grundbil-dung in den Lndern. Sie frdern damit den lnderinternen und lnderbergreifenden Aus-tausch sowie die Kooperation mit dem Bund, den Sozialpartnern und zivilgesellschaftlichen Organisationen.

    4. Die Lnder prfen, inwieweit vorhandene regionale Netzwerke genutzt werden knnen, um

    Schlsselpersonen und Netzwerkpartner fr Fragen der Grundbildung und Alphabetisierung zu sensibilisieren und eine langfristige Angebots- und Beteiligungsstruktur mit Blick auf Grundbildung und Alphabetisierung zu etablieren.

    5. Die Lnder begren die Absicht des Bundes, das Programm Bildungsprmie fr Grundbil-

    dungsangebote zu ffnen. Sie werden in den Lndern die ffnung vergleichbarer Lnderpro-gramme (Bildungsgutscheine, Bildungsschecks) fr Grundbildungsangebote prfen.

    6. Die Lnder ergreifen bereits jetzt vielfltige Manahmen zur Reduzierung des funktionalen

    Analphabetismus. Zuknftig werden sie Beispiele guter Praxis verstrkt untereinander austau-schen und bestehende Grundbildungsangebote im Rahmen ihrer Mglichkeiten kontinuierlich ausbauen

    7. Die Lnder prfen die Aufnahme der Themen Alphabetisierung und Grundbildung entspre-

    chend des aktuellen wissenschaftlichen Standes in die jeweiligen Curricula der Lehramtsstudi-engnge.

    8. Die Lnder werden regelmig ber die im Rahmen des Grundbildungspaktes ergriffenen

    Manahmen berichten.

    Zu 1.) Die Lnder haben nach den gemeinsamen Regionalveranstaltungen mit dem Bun-

    desministerium fr Bildung und Forschung (BMBF) im ersten Berichtzeitraum nun eigene

    ffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie beispielsweise landesweite Fachtagungen

    durchgefhrt. Einzelne Lnder haben zudem zeitlich befristet Hrfunkwerbung untersttzt

    oder durch Kooperation mit Medienanstalten den Einsatz eines kostenlosen Internetange-

    bots fr Deutsch, Mathematik und Englisch ermglicht.

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    In die Manahmen der ffentlichkeitsarbeit waren vielfach die verschiedenen gesellschaftli-

    chen Akteure aus Politik und Verwaltung, Arbeit und Wirtschaft, Volkshochschulen, Weiter-

    bildungsverbnden und Wissenschaft eingebunden.

    Darber hinaus haben einige Lnder Broschren, Handreichungen oder beispielsweise In-

    formationsflyer herausgegeben. ber Vor-Ort-Besuche und die Prsenz auf Messen der

    zustndigen Amtsspitzen wurde die Alphabetisierung und Grundbildung politisch ffentlich-

    keitswirksam untersttzt.

    Zu 2.), 3), 4) und 6) Die meisten Lnder konnten mit Mitteln des Europischen Sozialfonds

    (ESF) in der neuen Frderphase verstrkt Manahmen zur Alphabetisierung und Grundbil-

    dung anbieten, quantitativ ausbauen und qualitativ verbessern.

    Einige Lnder haben mit ESF-Mitteln und Landesmitteln regionale Grundbildungszentren

    eingerichtet, um zielgruppenspezifisch beraten, neue Bildungsanstze entwickeln und erpro-

    ben sowie eine regional ausdifferenzierte Untersttzungsstruktur zur Alphabetisierung und

    Grundbildung Erwachsener implementieren zu knnen.

    Falls keine zustzlichen ESF-Gelder eingesetzt werden konnten, wurde die Regelfrderung

    durch das jeweilige Land verstrkt oder es wurden zustzliche Landesprogramme aufgelegt.

    Einige Lnder untersttzen mit Landesmitteln oder europischen Geldern die von ihnen ein-

    gerichteten oder bei Weiterbildungsverbnden benannten Koordinierungsstellen zustzlich

    ber eine Personalfrderung. Mit Hilfe der Koordinierungsstellen wurden beispielsweise

    Austausch und Wissenstransfer,

    lokale und regionale Netzwerke,

    runde Tische unter Beteiligung verschiedener gesellschaftlicher Akteure,

    Qualifizierungen fr Lehrende,

    Sensibilisierung und Schulung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

    initiiert, fachlich begleitet und inhaltlich weiter entwickelt.

    Fr den lnderinternen und lnderbergreifenden Austausch wurden mit Untersttzung der

    Nationalen Agentur beim Bundesinstitut fr Berufsbildung (NA-BIBB) ein Fachgesprch

    durchgefhrt und spezifische Fragestellungen - Wissen ber die Zielgruppe, finanzielle

    Grundbildung, neue Zugnge zu Betroffenen und Lernformate, Lnder- und europische

    Praxis - beraten. Ein weiterer europischer Austausch richtete den Fokus auf die besonde-

    ren Herausforderungen fr eine gelingende Grundbildungsarbeit im lndlichen Raum. Auch

    diese Regionalkonferenz wurde von der NA-BIBB fachlich begleitet und finanziert.

    Zusammenfassend haben die Lnder innerhalb der Laufzeit der Nationalen Strategie zum

    Teil in erheblichem Umfang finanzielle Mittel fr einen quantitativen Ausbau und eine qualita-

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    tive Verbesserung der Weiterbildung insgesamt sowie der Alphabetisierungs- und Grundbil-

    dungsangebote bereitgestellt.

    Hinzu kommen vielfltige zustzliche Aktivitten, um Verbnde und zivilgesellschaftliche Ak-

    teure einzubeziehen, neue Zugnge zu den Betroffenen ber eine Vernetzung mit der ar-

    beitsplatzbezogenen Grundbildung zu gewinnen, ffentlichkeit und Mitwissende zu sensibili-

    sieren und Betroffene zu motivieren.

    Im Berichtszeitraum fhrte die verstrkte Aufnahme von Geflchteten in den Lndern dazu,

    dass teilweise kurzfristig zustzliche ffentliche Mittel bereitgestellt wurden, um Spracher-

    werb und Alphabetisierung neu zugewanderter Erwachsener zu frdern.

    Daraus ergeben sich auch neue Anforderungen fr die Erwachsenenbildung. Das betrifft die

    zunehmenden Schwierigkeiten bei der Gewinnung von qualifizierten Lehrenden, nachdem

    jetzt die verschiedenen Bildungsbereiche verstrkt miteinander um den Einsatz von Dozen-

    tinnen und Dozenten konkurrieren. Das betrifft weiterhin die Herausforderung, Lehrende in

    der Erwachsenenbildung fr sehr heterogene Zielgruppen in der Alphabetisierung und

    Grundbildung und darber hinaus verstrkt fr Deutsch als Zweitsprache und Deutsch als

    Fremdsprache zu qualifizieren.

    Zu 5) und 7) Hierzu ist auf die beiden vorherigen Bericht