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Michael Ende

Jim Knopf und Lukas der LokomotivfhrerTeil 2Mit Zeichnungen von F. J. Tripp

Thienemann

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INHALT

Zwlftes Kapitel, in dem die Fahrt ins

Ungewisse beginnt und die beiden

Freunde die Krone der Welt

sehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Dreizehntes Kapitel, in dem die Stimmen

im Tal der Dmmerung zu reden

beginnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Vierzehntes Kapitel, in dem Lukas

erkennen muss, dass er ohne seinen

kleinen Freund Jim verloren wre . . . .

Fnfzehntes Kapitel, in dem die Reisen-

den in eine sonderbare Traumgegend

geraten und eine verhngnisvolle Spur

entdecken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Sechzehntes Kapitel, in dem Jim Knopf

eine wesentliche Erfahrung macht . . . .

Siebzehntes Kapitel, in dem der Schein-

riese seine Eigenart erklrt und sich

dankbar erweist . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Achtzehntes Kapitel, in dem die Reisen-

den von dem Scheinriesen Abschied

nehmen und vor dem Mund des

Todes nicht mehr weiterknnen . . . . .

Neunzehntes Kapitel, in dem Lukas und

Jim einen kleinen Vulkan reparieren

und Emma ein anderes Gesicht be-

kommt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Zwanzigstes Kapitel, in dem Emma von

einem reinrassigen Drachen zum

Abendbummel eingeladen wird . . . . . .

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ZWLFTES KAPITEL

in dem die Fahrt ins Ungewisse beginnt

und die beiden Freunde die

Krone der Welt sehen

He, Jim, wach auf!

Jim richtete sich auf, rieb sich die Augen und

fragte verschlafen: Was is denn?

Es ist Zeit, sagte Lukas. Wir mssen

gleich losfahren.

Mit einem Schlag war Jim hellwach. Er schau-

te zum Fenster des Fhrerhuschens hinaus.

Der Platz war menschenleer. Es war noch

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dmmerig. Die Sonne war noch nicht auf-

gegangen.

Eben ffnete sich die Kchentr und Herr

Schu Fu Lu Pi Plu trat heraus. Er hatte eine

groe Tte in der Hand und schritt auf Emma

zu. Hinter ihm drein kam der kleine Ping

Pong, das winzige Gesicht in kummervol-

le Falten gelegt. Aber er gab sich sichtlich

Mhe eine wrdevolle Haltung zu bewah-

ren.

Hier, sagte der Oberhofkoch, ich habe

noch ein paar belegte Brote als Reiseproviant

fr die ehrenwerten Fremdlinge gemacht. Sie

sind nach lummerlndischer Art gestrichen.

Hoffentlich schmecken sie euch.

Danke, antwortete Lukas. Das ist aber

nett, dass Sie daran gedacht haben!

Pltzlich fing Ping Pong an zu weinen. Er

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konnte seinen Schmerz beim besten Willen

nicht mehr unterdrcken.

Huhuhu, ihr ehrenwerten Lokomotivfh-

rer, schluchzte er und wischte sich die Tr-

nen aus dem winzigen Gesicht, entschuldigt

bitte, dass ich weine. Aber kleine Kinder in

meinem Alter huhuhu weinen eben

manchmal, man wei nicht recht, warum

Lukas und Jim lchelten gerhrt und dann

schttelten sie ihm vorsichtig seine kleine

Hand und Lukas sagte:

Wir wissen es, Ping Pong. Leb wohl, unser

kleiner Retter und Freund!

Schlielich kam auch der Kaiser. Er war

noch blasser als gewhnlich und schien sehr

ernst.

Meine Freunde, sprach er, mge der Him-

mel euch beschtzen, euch und meine kleine

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Tochter. Von nun an werde ich mir nicht mehr

nur um Li Si Sorgen machen, sondern auch

um euch beide. Denn ich habe euch lieb ge-

wonnen.

Lukas stie dicke Rauchwolken aus seiner

Pfeife vor Rhrung und brummte:

Na, es wird schon alles gut gehen, Majes-

tt.

Hier ist noch etwas heier Tee fr euch,

sagte der Kaiser und berreichte Lukas eine

goldene Thermosflasche. Heier Tee ist im-

mer gut auf einer Reise.

Lukas und Jim bedankten sich, dann stiegen

sie ein und schlossen die Tren des Fhrer-

huschens. Jim lie das Fenster herunter und

rief: Auf Wiedersehen!

Auf Wiedersehen! Auf Wiedersehen!, ant-

worteten die Zurckbleibenden.

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Emma setzte sich in Bewegung und alle wink-

ten, bis sie einander nicht mehr sehen konn-

ten: Die Reise zur Drachenstadt hatte begon-

nen.

Zuerst ging die Fahrt eine Weile durch die

menschenleeren Straen, dann erreichten sie

das flache Land und lieen die goldenen D-

cher von Ping hinter sich.

Die Sonne ging auf und das Wetter war so

strahlend schn, wie man es sich fr eine

Expedition nur wnschen kann.

Sie fuhren den ganzen Tag, ohne eine einzige

Unterbrechung, quer durch das Land Manda-

la immer auf das geheimnisvolle Tal der

Dmmerung zu.

Am zweiten Tag kamen sie an weiten Grten

und Feldern vorber und dampften durch

Drfer, wo ihnen die mandalanischen Bauern

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und Buerinnen mit ihren Kindern und Kin-

deskindern zuwinkten.

Niemand hatte jetzt mehr Angst vor Emma.

Die Nachricht, dass zwei Fremde auf einer

Lokomotive auszogen, um die Prinzessin Li Si

zu befreien, hatte sich natrlich wie ein Lauf-

feuer im ganzen Land verbreitet.

Am dritten Tag erblickten die beiden Freunde

eines der berhmten mandalanischen Schls-

ser aus weiem Marmorstein. Es lag mitten

in einem See. Auf vielen zierlichen Sulen

schwebte es ber dem Wasser. Dort wohnten

junge mandalanische Edeldamen. Lukas und

Jim konnten die Mdchen mit ihren seidenen

Fchern winken sehen und winkten ihnen mit

ihren Taschentchern zurck.

Wo immer sie anhielten, kamen die Leute her-

bei und brachten groe Krbe mit Frchten

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und Sigkeiten aller Art fr die beiden

Freunde und Wasser und Kohlen fr die

Lokomotive.

Am siebenten Tag ihrer Reise gelangten sie

endlich zu dem westlichen Tor in der groen

Mandalanischen Mauer. Die zwlf Solda-

ten, die hier Posten stehen mussten und die

ganz hnlich aussahen wie die Palastwache,

schleppten einen riesenhaften Schlssel her-

bei, so gro, dass drei Mnner ihn kaum hal-

ten konnten. Sie steckten ihn in das Schloss

und drehten ihn mit uerster Anstrengung

herum. Mit lautem Knarren ffneten sich die

gewaltigen Flgel des westlichen Tores. Seit

Menschengedenken war das nicht mehr vor-

gekommen.

Als Emma an ihnen vorber zum Tore hinaus-

dampfte, salutierten die Wchter und riefen:

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Hoch! Hoch! Hoch die Helden aus Lum-

merland!

Wenige Minuten spter waren die Reisenden

schon mitten im Tausend-Wunder-Wald.

Es war wahrhaft keine Kleinigkeit, hier einen

Weg zu finden, der fr eine Lokomotive eini-

germaen befahrbar war und ein Lokomotiv-

fhrer, der sein Handwerk weniger gut ver-

standen htte als Lukas, wre wohl rettungs-

los stecken geblieben.

Der Tausend-Wunder-Wald war ein gewal-

tiger wilder Dschungel aus farbigen Glasbu-

men, Schlingpflanzen und sonderbaren Blu-

men. Und weil alles durchsichtig war, konnte

man eine Menge seltener Tiere sehen, die hier

wohnten.

Es gab Schmetterlinge, so gro wie ein Son-

nenschirm. Bunte Papageien turnten wie

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Akrobaten in den Zweigen. Zwischen den

Blumen krabbelten groe Schildkrten mit

langen Schnurrbrten in ihren weisen Gesich-

tern und auf den Blttern krochen rote und

blaue Schnecken mit Husern auf dem R-

cken, die viele Stockwerke hatten und ganz

hnlich aussahen wie die Huser in Ping mit

ihren goldenen Dchern, nur natrlich in ver-

kleinertem Mastab. Manchmal zeigten sich

zierliche gestreifte Eichhrnchen, die so groe

Ohren hatten, dass sie tags damit in der Luft

herumsegeln konnten und nachts, wenn sie zu

Bett gingen, wickelten sie sich hinein wie in

eine warme Decke. Kupferglnzende Riesen-

schlangen ringelten sich um Baumstmme.

Sie waren aber ganz ungefhrlich, weil sie

nmlich an jedem Ende einen Kopf hatten

und dadurch bestndig in Meinungsverschie-

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denheiten mit sich selbst gerieten, wohin sie

kriechen wollten. Dabei war natrlich nicht

daran zu denken, dass sie jemals ein Tier fin-

gen. Sie mussten sich eben von Gemse ernh-

ren, das nicht weglaufen konnte. Einmal sa-

hen Jim und Lukas sogar eine Gruppe der

scheuen, rosafarbenen Tanzrehe, die auf einer

Waldlichtung miteinander tanzten.

Das

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