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  • IMIS-BEITRÄGE Heft 23/2004

    Herausgegeben vom Vorstand des Instituts für Migrationsforschung

    und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück

    Wissenschaftlicher Beirat: Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny (†), Leo Lucassen,

    Günter Renner, Werner Schiffauer, Thomas Straubhaar, Dietrich Thränhardt, Andreas Wimmer

  • Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) Universität Osnabrück D – 49069 Osnabrück Tel.: (+49) 0541/969-4384 Fax: (+49) 0541/969-4380 e-mail: imis@uni-osnabrueck.de internet: http://www.imis.uni-osnabrueck.de

    Eingesandte Manuskripte prüfen vom Wissenschaftlichen Beirat benannte Gutachter.

    Juni 2004 Druckvorbereitung und Satz: Sigrid Pusch, Jutta Tiemeyer (IMIS) Umschlag: Birgit Götting Herstellung: Grote Druck, Bad Iburg ISSN 0949-4723

  • THEMENHEFT

    Migration – Integration – Bildung Grundfragen und Problembereiche

    Für den Rat für Migration herausgegeben von

    Klaus J. Bade und Michael Bommes

    In dankbarer Erinnerung an das Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates

    Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny (17.3.1934–16.3.2004)

  • Vorwort

    Am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück sind schon verschiedene Publikationen für den bun- desweiten Rat für Migration (RfM) entstanden oder für den Druck vorberei- tet worden. Das gilt auch für die seit dem Jahr 2000 laufende Reihe der Mi- grationsreporte. Die hier versammelten Beiträge gehören in den Kontext des Migrationsreports 2004 des Rates für Migration zum Thema ›Integration‹. Sie wurden themenzentriert in einem gesonderten Band zusammengefaßt, weil die uns für den Migrationsreport insgesamt angebotenen Beiträge die mit dem Verlag abgestimmte Umfanggrenze überschritten.

    Der von Klaus J. Bade, Michael Bommes und Rainer Münz herausgebe- ne Migrationsreport 2004 erscheint zeitgleich im Campus Verlag (Frankfurt a.M./New York 2004). Er enthält Beiträge von Leo Lucassen (›Assimilation in Westeuropa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts: historische und historiogra- phische Erfahrungen‹), Werner Schiffauer (›Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüş – ein Lehrstück zum verwickelten Zusammenhang von Migra- tion, Religion und sozialer Integration‹), Kurt Salentin (›Ziehen sich Migran- ten in ›ethnische Kolonien‹ zurück?‹), Utz Maas, Ulrich Mehlem und Chri- stoph Schroeder (›Mehrsprachigkeit und Mehrschriftigkeit bei Einwanderern in Deutschland‹), Stefan Kammhuber und Alexander Thomas (›Lernen fürs Leben. Orientierungskurse als Teil staatlicher Integrationspolitik‹), Steffen Angenendt und Imke Kruse (›Migrations- und Integrationspolitik in Deutschland 2002–2003: der Streit um das Zuwanderungsgesetz‹), Friedrich Heckmann (›Integrationsweisen europäischer Gesellschaften: Erfolge, natio- nale Besonderheiten, Konvergenzen‹) sowie eine Chronologie der Ereignisse und Debatten von Mario Peucker und Friedrich Heckmann.

    Im Interesse an der Förderung kritischer Politikberatung durch die rechtzeitige Verfügbarmachung entsprechender Forschungsergebnisse wur- den die für den Druck überarbeiteten Manuskripte beider Bände vor der Drucklegung dem von Bundesinnenminister Otto Schily berufenen Sachver- ständigenrat für Zuwanderung und Integration (Zuwanderungsrat) für des- sen ersten, annähernd zeitgleich mit diesen beiden Bänden Mitte Juni 2004 zu erwartenden Jahresbericht zur Verfügung gestellt.

    Den Autorinnen und Autoren danken wir für die gute Kooperation. Für redaktionelle Mitarbeit danken wir Holger Kolb. Für die Vorbereitung der Manuskripte zum Druck danken wir Sigrid Pusch und Jutta Tiemeyer von der IMIS-Redaktion. Der Freudenberg Stiftung danken wir für die För- derung dieser Publikation.

    Osnabrück, im April 2004 Klaus J. Bade und Michael Bommes

  • 5

    Inhalt

    Klaus J. Bade und Michael Bommes Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

    Richard Alba und Victor Nee Assimilation und Einwanderung in den USA .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

    Hartmut Esser Welche Alternativen zur ›Assimilation‹ gibt es eigentlich? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41

    Frank Kalter und Nadia Granato Sozialer Wandel und strukturelle Assimilation in der Bundesrepublik. Empirische Befunde mit Mikrodaten der amtlichen Statistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61

    Bernhard Nauck Familienbeziehungen und Sozialintegration von Migranten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83

    Heidi Keller Die Rolle familiärer Beziehungsmuster für die Integration von Zuwanderern. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105

    Cornelia Kristen und Nadia Granato Bildungsinvestitionen in Migrantenfamilien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123

    Frank-Olaf Radtke Die Illusion der meritokratischen Schule. Lokale Konstellationen der Produktion von Ungleichheit im Erziehungssystem .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143

    Uwe Hunger und Dietrich Thränhardt Migration und Bildungserfolg: Wo stehen wir? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179

    Nachruf auf Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny (1934–2004) . . . . . . . . . . . . . . . . 199

    Die Autorinnen und Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203

  • 7

    Klaus J. Bade und Michael Bommes

    Einleitung

    Das Problemfeld der internationalen Migration und ihrer sozialen Folgen findet in der wissenschaftlichen Diskussion in europäischen Zuwanderungs- ländern sein Zentrum gegenwärtig in der Frage nach den Integrationsverhält- nissen. Zur Erfassung dieser Verhältnisse und zu ihrem Verständnis werden unterschiedliche Terminologien bevorzugt. Entsprechend stehen z.B. Unter- suchungen zur Assimilation von Migranten neben solchen zu ihrer Inkorpo- ration oder Inklusion/Exklusion. Darin verschränken sich mitunter teils sachliche, teils normative Einschätzungsdifferenzen zu der Frage, wie das Gelingen oder Mißlingen der sozialen Integration von Migranten erklärt werden kann und wem gewissermaßen die Bringschuld für die Gewährlei- stung sozialer Integration zufällt.

    Im klassischen Einwanderungsland USA wurde die Eingliederung der Einwanderer bereits seit den 1920er Jahren als intergenerativer Prozeß der sozialen und kulturellen Assimilation verstanden, ohne daß damit seitdem eine einheitliche Verwendung des Konzepts verbunden gewesen wäre (s. Alba/Nee in diesem Band). Die Formulierung der Problemstellung der so- zialen Integration als gelingende oder mißlingende Assimilation von Migran- ten wurde in den politischen Auseinandersetzungen über die Folgen interna- tionaler Migration seit dem Zweiten Weltkrieg in Europa wie in den USA wiederkehrend als politisch problematisch markiert. Der Terminus konnotie- re in Europa zu sehr die Geschichte der Nationalstaatsbildung im 19. und 20. Jahrhundert und die damit verbundene, oftmals gewaltsame kulturell- sprachliche Assimilation ethnischer Minderheiten, und in den USA die un- verarbeitete Geschichte des Rassismus und der sozialen und kulturellen He- gemonie der White Anglo Saxon Protestants (WASPs). Vor diesem Hintergrund und im impliziten Anschluß an diese Geschichte lege das Konzept der Assi- milation den Akzent zu sehr auf normativ oder faktisch geforderte einseitige Anpassungsleistungen von Migranten. Diese Kritik hat den Terminus der Assimilation und das ihm zugrundeliegende Konzept in den wissenschaftli- cher Diskursen lange in den Hintergrund treten lassen, während es in grob- körnigen Varianten in publizistischen und politischen Diskursen fortlebte – an deren Konnotationen wiederum nicht selten durchaus differenziertere und kritische wissenschaftliche Verwendungen des Begriffes denunziert wurden.

  • Klaus J. Bade und Michael Bommes

    8

    In den letzten Jahren ist aber in einer Art transatlantischen Konvergenz mehrfach darauf hingewiesen worden, daß die soziale Problematik der As- similation, d.h. die unverzichtbare Ausrichtung der Lebensführung von Mi- granten an den sozial gültigen Erwartungen des jeweiligen Einwanderungs- kontextes, als Bedingung für eine gelingende Lebensführung fortbestehe und sogar an Bedeutung gewinne – selbst wenn die verbreitete Kritik an Assimi- lationskonzepten zuträfe.1 Dies gelte selbst wenn (bzw. gerade weil) davon auszugehen ist, daß europäische Zuwanderungsländer seit dem Zweiten Weltkrieg eine aktive, auf kulturelle Homogenisierung zielende Assimilati- onspolitik im Sinne der Herstellung einer nationalen Gemeinschaft weitge- hend aufgegeben haben2; denn diese Politik sei selber Teil und Ausdruck ei- ner historisch spezifischen, Vergangenheit und Gegenwart verbindenden Phase der Assimilationsverhältnisse insbesondere in Europa. Staaten wie die USA, Kanada und Australien hätten ihre Einwanderungs- und Eingliede- rungspolitik seit den 1960er Jahren zwar unter Vorzeichen der Gleichstellung der Rassen und Kulturen gestellt. Gerade dies lasse aber um so deutlicher hervortreten, daß gelingende bzw. mißlingende Assimilation für Migranten in den sie aufnehmenden Zuwanderungsländern eine bzw. sogar die zentrale Problemstellung bezeichne, die mit internationaler Migration und ihren so- zialen Folgen verbunden sei.

    Dies werde insbesondere in dreierlei Hinsicht deutlich: 1. daran, daß f

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