"Ich habe es überwunden"

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Von Theresa Bender-Sbelkampf

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  • 10 DIE FURCHE 5 | 29. Jnner 2015| International |

    NP Neumann & Partners GmbH, Schubertring 14, A-1010 WienTel. +43 1 205588 - 0, Fax DW 22, E-Mail: stefan.reichelt@neumannpartners.com

    Die Erzdizese Wien sucht als Erhalterin von 23 Schulen, der Kirchlichen Pdagogischen Hochschule Wien/Krems sowie in Verantwortung fr den konfessionellen, katholischen Religionsunterricht einen

    Leiter des Erzbischflichen Amtes fr Unterricht und Erziehung (m/w)

    Zu Ihren verantwortungsvollen Aufgaben zhlen neben der Leitung des Schulamtes und der Verantwortung ber den Religionsunterricht der Erzdizese auch die wirtschaftliche, strategische und konzeptionelle Weiterentwicklung des Privatschulbereiches sowie der Pdagogischen Hoch-schule. In dieser Position setzen Sie klare Akzente fr die sterreichische Schulpolitik und vertreten die Erzdizese in allen schulpolitischen Belangen gegenber staatlichen Stellen und der ffentlichkeit.

    Ihr Profil: Universitrer Abschluss, profundes Wissen und Erfahrung im Schul-/Hochschulbereich Idealerweise staatskirchenrechtliche Kompetenz oder Bereitschaft, sich mit diesem Thema rasch vertraut zu machen Erfahrene Fhrungskraft mit hoher Belastbarkeit und Leistungsbereitschaft Theologische oder religionspdagogische Kompetenz von Vorteil Identifikation mit der katholischen Kirche, klare katholische Identitt Solide Verhandlungskompetenz und Durchsetzungsvermgen Hohe Sozialkompetenz und Leidenschaft frs Netzwerken sowie strategisches und unternehmerisches Denken Bereitschaft fr kumenische Kooperation und interreligise Kontakte

    Fr diese Position wird eine leistungsorientierte Bezahlung geboten, die von der Qualifikation und Erfahrung des/-r finalen Positionsinhabers/-in abhngt.

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    Erinnerung und heute Der heute 89-jhrige Pole Leon Weintraub wurdeerst in das GhettoLitzmannstadt zwangsumgesie-delt und danach als 17-Jhriger nach Auschwitz-Birke-nau deportiert.

    | Von Theresa Bender-Sbelkampf

    Baracke neben Baracke, peni-bel genau angeordnet, dazwi-schen holprige Wege. Ein ein-zelner verlassener Viehwaggon,der zur Mahnung auf den Glei-sen hinter dem Eingangstor des ehemaligen Lagers Auschwitz II-Birkenau abgestellt wurde. Da-vor steht Leon Weintraub. Die Kapuze seiner schwarzen Jacke umgibt sein Gesicht und lsst es noch deutlicher hervorkom-men. Schneefl ocken kreuzen die Worte, die heute immer noch auf-geregt aus seinem Mund kommen. Frauen rechts, Mnner links. Vorne stand eine Gruppe unifor-mierter Offi ziere. Und das ging schnell, schnell, schnell, er-zhlt er auf der Rampe des ehe-maligen Konzentrationslagers,wo vor mehr als 70 Jahren ber Le-ben und Tod der ankommenden Hftlinge entschieden wurde und er die meisten seiner Verwandten zum letzten Mal sah. Eine dicke Schneedecke hat

    Ausch witz, zu Polnisch Oswiecim bedeckt; drauen wird es dunkler. Er hat gerade ein einstndiges In-terview mit einem Portugiesen ge-fhrt, muss sich nun ein wenig ausrasten. In diesen Tagen ist LeonWeintraub ein vielbeschftigter Mann. Am 27. Januar 2015 wird er gemeinsam mit den berlebenden Mnnern und Frauen der Shoah an der offi ziellen Gedenkfeier teilnehmen. Wir sitzen im leeren Speisesaal des Zentrums fr Dia-log und Kultur, der einzig ruhige Raum, und geduldig nimmt das Aufnahmegert seine Worte auf.

    Aufrumen mit dem Rassenwahn

    Wenn ich einer Frau einen Kai-serschnitt mache, wenn ich das Messer oder Skalpell ansetze und die Haut durchschneide, was ist da unabhngig von der Tnung der Farbe der Haut? Unter der Haut ist bei allen Menschen das Gewebe hundertprozentig gleich. Es gibt kein schwarzes Fettgewebe, keine schwarze Milz, keine schwarzen oder gelben Gedrme. Sie sind al-le gleich bei allen Menschen. Bio-logisch sind wir alle menschliche Wesen, alle homo sapiens. Das sa-piens ist dabei bei manchen mit einem Fragezeichen versehen, stellt der Frauenarzt, Mensch und Auschwitz-berlebende fest und rumt damit gleich zu Anfang mit Rassenvorstellungen auf.Doch alles der Reihe nach:

    Der heute 89-jhrige Leon Wein-traub wird als einziger Sohn mit vier Schwestern im polnischen /Ldz geboren, wo seine Mutter die fnf Kinder allein grozieht. Der Vater stirbt, als Weintraub ein

    Das ist unvergesslich, eingeritztin mein Hirn, aber es ist keine schwarze Wolke ber mir, die mir den Sonnenschein der Freude am Leben verdeckt. Aufgrund meiner Erlebnisse bewerte ich Gescheh-nisse auf eine andere Art. Das er-leichtert mein Leben.

    Die Freude, berlebt zu haben

    Ob seine Kinder Auschwitz be-sucht haben? Der mittlere und der jngere seiner drei Shne ha-ben Hemmungen hierher mitzu-kommen. Emilia, die heute 37-jh-rige Tochter aus zweiter Ehe, hat sich mit der Geschichte der Nazi-KZs intensiver beschftigt und den Vater im Rahmen eines Schul-projektes interviewt. Der Genozid an den Juden, die Todeslager Treb-linka und Auschwitz waren fr Weintraubs Kinder kein Geheim-nis. Dem Vater war klar, dass er ih-nen nicht davon erzhlen konnte, solange sie noch klein waren. Er wollte auch nicht, dass sie Nach-sicht mit dem Papa haben ms-sen. Viele von uns berlebenden haben gewisse Besonderheiten, erzhlt Weintraub. So wollte er nie aufgrund seiner traumatisie-renden Erlebnisse Vorteile jed-weder Art anstreben. Nicht nur an Auschwitz zu erin-

    nern, sondern auch die Verbrechen an diesem grauenvollen Ort zu be-nennen, versteht er als seine Mis-sion. Auf rztekongressen brachte er mehrmals erfolglos sein Anlie-gen vor, den Namen des deutschen SS-Arztes Carl Clauberg aus den Bchern zu streichen, der sich bru-taler Sterilisierungsmethoden be-dient hatte, indem er Formalin in die Eileiter inhaftierter Frauen in-jizierte. Die Reaktionen unter den rzte-Kollegen waren nicht immer einheitlich: Wenn es ntzlich sein kann fr die Zukunft Doch dies lie sich mit der humanistischen Auffassung des jdischen Arztes, der heute in Schweden lebt, nicht vereinbaren. Nicht den Studenten, aber den Kollegen erzhlte er von seinem Schicksal, die jedoch oft nicht wussten, wie sie auf seine Er-zhlungen reagierten sollten. Er hat Verstndnis. Auschwitz ist nicht vergessen,

    aber ich habe es berwunden. Ich habe den Weg zurck ins Leben geschafft, bekrftigt er. Eine per-snliche Belastung gab es aber auch in seinem sehr erfolgreichen Leben als Arzt. Da er nicht die glei-chen Voraussetzungen wie seine Kollegen hatte, hatte er lange das Gefhl, er msse besonders viel leisten. Das hat er sich nun verzie-hen. Ist es mglich, in Worte zu fas-sen, was es bedeutet, berlebt zu haben? Triumph, Stolz und Freu-de. Ich freue mich. Ich erlebe das so positiv, dass ich lebe.

    Jahr alt ist. 1939 marschieren die Deutschen in seine Heimat ein und die Familie wird in das Ghet-to Litzmannstadt zwangsumgesie-delt. Hunger, Entbehrungen und schwere Arbeit bestimmen ab nun das Leben des jungen Leons, der

    nach der Liqui dierung des Ghettos als 17-Jhriger nach Auschwitz-Birkenau deportiert wird. Ob er wusste wohin er kam falsch wo-hin er eingeliefert wurde? Belogen haben Sie uns, dass wir an einen neuen Arbeitsplatz kommen. Und dann dieses Entdecken, wo ich ge-landet bin, das war vor allem dieser Stacheldraht am Zaun. Da kam der Schock: Wohin bin ich hier gera-ten? Weiter: Auf der Rampe, nach der Ankunft, winkte ich meiner

    Mutter zu: Wir treffen uns drin, denn ein drin wird es geben. Dann entdeckten wir, dass das drin hinter stromfhrenden Leitungen liegt. Der Schock verschlug ihm die Sprache: Ich habe keine Er-innerungen daran, mit jemandem in dieser Zeit in Auschwitz gespro-chen zu haben. Seine Mutter sollte er nie mehr wieder sehen. Erinnerung bedeutet heute fr

    Leon Weintraub Paral lelitt. Auschwitz ist immer in mir.

    Ich habe es berwunden70 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz kehrt der berlebende Leon Weintraub zurck, um von seinen Erfahrungen und seinem Leben nach Auschwitz zu erzhlen.

    Belogen haben sie uns, dass wir an einen neuen Arbeitsplatz kommen. Und dann dieses Entdecken, wo ich gelandet bin, dieser Stacheldraht, da kam der Schock.

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