Ich danke Dir herzlich für die Geburts- tagskarte, über die ich gelacht habe: Mein offizielles Geburtsdatum ist nämlich falsch (ganz so alt bin ich nicht)

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<ul><li> Folie 1 </li> <li> Ich danke Dir herzlich fr die Geburts- tagskarte, ber die ich gelacht habe: Mein offizielles Geburtsdatum ist nmlich falsch (ganz so alt bin ich nicht) ich habe doch, als anstndiger Mensch, keinen echten Geburtsschein, sondern einen angeeigneten und korrigierten. (Brief an Henriette Roland-Holst) In ihrem an der Universitt Zrich einge- reichten Lebenslauf gab Rosa Luxemburg den 5. Mrz 1871 als ihren Geburtstag an. </li> <li> Folie 2 </li> <li> Die Mutter Lina, geb. Lwenstein Der Vater Eliasch Luksenburg (Eduard Luxemburg), ein angesehener jdischer Kaufmann. Die Eltern waren sehr gebildet, mit der jdischen Aufklrung verbunden und interessierten sich vor allem fr deutsche und polnische Literatur. </li> <li> Folie 3 </li> <li> In diesem Haus in Zamosc, Gouvernement Lublin, wurde Rosa geboren; hier wuchs sie bis zum dritten Lebensjahr auf. </li> <li> Folie 4 </li> <li> 1873 zog die Familie Luksenburg nach Warschau, eine anonyme Grostadt mit den Vorzgen einer multinationalen Gesellschaft. Mit fnf Jahren erkrankte Rosa pltzlich an einem Hftleiden. Fast ein Jahr musste sie im Bett oder im Zimmer verbringen. Zeitlebens behielt sie einen schleppenden Gang. Warschau um 1900 </li> <li> Folie 5 </li> <li> Lothar Bisky ber Sahra Wagenknecht: Sie kleidet sich wie Rosa, eines Tages wird sie auch wie Rosa hinken! </li> <li> Folie 6 </li> <li> Bis zum neunten Lebensjahr wurde Rosa zu Hause unterrichtet. 1880 trat sie in die 1. Klasse des II. Mdchengymna- siums ein. Nur ihre ausgezeichneten Leistungen berechtigten sie dazu. </li> <li> Folie 7 </li> <li> Endlich werden wir Dich sehen, Mchtiger des Westens, das heit solltest Du in des Sachsen Garten kommen, denn ich besuche Eure Hfe nicht. Es liegt mir nmlich an Euren Ehrenbezeigungen gar nichts. Doch wissen mchte ich, was Ihr dort schwatzt. Mit dem Unsrigen sollst Du ja per Du sein. Im Bezug auf Politik bin ich noch ein dummes Schaf, drum will ich berhaupt mit dir nicht viel reden. Nur eines mchte ich Dir, lieber Wilhelm, sagen: Sage Deinem listigen Lumpen Bismarck, tue es fr Europa, Kaiser des Westens, befiehl ihm, dass er die Friedens- hose nicht zuschanden macht. (Spottgedicht der zwlfjhrigen Rosa in polnischer Sprache) </li> <li> Folie 8 </li> <li> Mein Ideal ist eine solche Gesellschafts- ordnung, in der es mir vergnnt sein wird, alle zu lieben. Der stliche Teil Polens, in dem Rosa Luxemburg aufwuchs, war vom russischen Zarenreich okkupiert. Das Bildungswesen beherrschten anti- semitische und antipolnische Reglements. Die Unterrichtssprache war Russisch. Auch untereinander durften die Schlerinnen nicht polnisch sprechen. Mit zehn Jahren erlitt Rosa Luxemburg in Warschau ihr erstes antijdisches Pogrom. </li> <li> Folie 9 </li> <li> . Rosa Luxemburg verstand: Die Welt muss verndert werden! Sie schloss sich, wie auch ihre Freunde Adolf Warski und Julian March- lewski, einem revolutionren Zirkel unter Fhrung des Dachdeckers Marcin Kasprzak an, der zu sozialistischen Kreisen in Polen und Russland Kontakte unterhielt. Individuellen Terror lehnten sie ab. Als Vorbild diente ihnen eine Massenorganisation wie die deutsche Sozialdemokratie. Nach etwa zwei Jahren Agitation unter den Warschauer Schlern und Studenten drohte Rosa die Verhaftung. Es war vermutlich Marcin Kasprzak, der ihr Anfang 1889 half, unter dem Stroh eines Bauern- wagens verborgen, ber die deutsch-polnische Grenze zu fliehen. </li> <li> Folie 10 </li> <li> Die Zricher Universitt hielt als einzige europische Alma Mater ihre Tore auch fr weibliche Studierwillige geffnet. Auerdem hatte Zrich eine interessante und umfangreich ausgestattete Bibliothek zu bieten. Die Hlfte der studierenden Frauen waren Russinnen. </li> <li> Folie 11 </li> <li> Leo Jogiches Wera I. Sassulitsch G. W. Plechanow Paul B. Axelrod Zrich war der bedeutendste Sammelpunkt der pol- nischen und russischen Emigranten. In den von Russen bevorzugten Lokalen und Slawenpensionen wurde hei debattiert und fast immer war das Thema die Grundsatztheorien der Sozialdemokratie und die Revolution. Von 1890 an belegte Rosa Staats- und Wirtschafts- wissenschaften und studierte Geschichte. Am 20. Juli 1898 erhielt Rosa ihr Doktordiplom. Es attestierte ihr magna cum laude und entlie sie als Doktor des ffentlichen Rechts und der Staatswis- senschaften. </li> <li> Folie 12 </li> <li> Beim II. Internationalen Sozialistenkongress 1893 in Zrich versuchte Rosa ver- geblich, sich ein Mandat zu erkmpfen. Mit der von ihr, Leo Jogiches, Julian Marchlewski und Adolf Warszawski gegrndeten SDKPiL (Sozialdemokratische Partei Polens und Litauens) trat sie in scharfen Gegensatz zur PPS (Sozialdemo- kratische Partei Polens), die den nationalen Kampf an die Spitze ihres Programms gestellt hatte: Unser Vaterland, das ist die ganze Welt! </li> <li> Folie 13 </li> <li> Die deutsche Sozialdemokratie war die international fhrende linke Partei. Rosa schrieb schon als Studentin in der von Karl Kautsky herausgegebenen Neuen Zeit, einem sozialdemokratischen Wochenblatt, und beschloss mit ihrem Doktorexamen in der Tasche, nach Berlin berzusiedeln. Um die deutsche Staatsbrgerschaft zu erlangen, ging sie mit Gustav Lbeck, dem Sohn ihrer aus Deutschland immigrierten Wirtsleute, eine Scheinehe ein. </li> <li> Folie 14 </li> <li> Im Mai 1898 bersiedelte Rosa Luxemburg nach Deutschland. Berlin macht auf mich allgemein den widrigsten Eindruck: kalt, geschmacklos, massiv die richtige Kaserne; und die lieben Preuen mit ihrer Arroganz, als htte jeder von ihnen den Stock verschluckt, mit dem man ihn einst geprgelt (an Mathilde und Robert Seidel in Zrich am 30. Mai 1898) Berlin um 1900 </li> <li> Folie 15 </li> <li> Sozialreform oder Revolution? dies war die Streitfrage, als Rosa ihre Karriere in der deutschen Sozialdemokratie begann. In unserer Partei hat sich ein uerst wichtiger Punkt verdunkelt, nmlich das Ver- stndnis von der Beziehung zwischen unse- rem Endziel und dem alltglichen Kampfe fr uns darf nie ein Zweifel sein, dass wir nach der Eroberung der politischen Macht streben mssen. Eine sozialistische Partei muss sich immer der Lage gewachsen zeigen, die darf nie vor ihren eigenen Aufgaben zu- rckschrecken. Dann mssen unsere Ansich- ten ber das, was unser Endziel ist, vollstn- dig geklrt sein, wir werden es verwirk- lichen, trotz Sturm und Wind und Wetter. (Rede auf dem SPD-Parteitag von 1898) Eduard Bernstein </li> <li> Folie 16 </li> <li> Vollmar hat es mir zum bitteren Vorwurf gemacht, dass ich als junger Rekrut in der Bewegung die alten Veteranen belehren will. Das ist nicht der Fall Dass ich mir meine Epauletten in der deutschen Bewegung erst holen muss, wei ich; ich will es aber auf dem linken Flgel tun, wo man mit dem Feinde kmpfen und nicht auf dem rechten, wo man mit dem Feind kompromisseln will </li> <li> Folie 17 </li> <li> Rosa Luxemburg als politische Gefangene in Warschau. Im Jahre 1905 brach in Russland und auch in ihrer polnischen Heimat die Revolution aus. Mit ihrem aus Litauen stammenden Lebensgefhrten Leo Jogiches wurde sie nach zweimonatigem Wirken im Untergrund verhaftet. Aus einer Postkarte an Karl und Luise Kautsky: Hoffentlich wer- det Ihr Euch nicht zu sehr die Sache zu Herzen nehmen. Es lebe die Re/ meine Freunde verlangen durchaus, ich sollte an Witte (den russischen Ministerprsidenten) telegraphieren und an den Deut- schen Konsul schreiben. Fllt mir nicht ein! Die Herren knnen lange warten, bis eine Sozialdemokratin sie um Schutz bittet Entgegen ihrem Willen wird Rosa vom SPD-Vorstand freigekauft; Leo dagegen gelingt die Flucht. </li> <li> Folie 18 </li> <li> Rosa stand der Friedensbewegung kritisch gegenber, weil diese ihrer Meinung nach die wirtschaftlichen Ursachen von Kriegen eher verdeckte als offen legte. In dieser Frage stand sie auf dem Standpunkt von Karl Marx, der schon in den 1870er Jahren eine Zusammenarbeit mit der Friedensbewegung, die damals vor allen in Grobritannien und Frankreich stark war, konsequent abgelehnt hatte. Fr Rosa gab es nur eine Kraft, die Kriege verhindern konnte: die sozialdemo- kratische Arbeiterbewegung und eine sich immer weiter politisierende Arbeiter- schaft. Der Friedensbewegung warf sie vor, die Arbeiterschaft in Illusionen ber die in der konomie angesiedelten Ursachen des Krieges zu wiegen und so den Widerstand der Arbeiterschaft gegen den Krieg zu schwchen. Rosa Luxemburg und die Friedensbewegung </li> <li> Folie 19 </li> <li> Rosa Luxemburg und die gewerkschaftliche Orientierung Der Sozialismus muss durch die Massen, durch jeden Proletarier ge- macht werden. Dort, wo sie an die Kette des Kapitals geschmiedet sind, dort muss die Kette zerbrochen werden (PS II: 190; GW 4: 504). Sozialistisches Bewusstsein kann nicht entstehen, indem es an der Oberflche der Gesellschaft, etwa im Ringen um die bessere Verwert- barkeit der Ware Arbeitskraft, verharrt. Siehe hierzu auch Peter Weiss, die Lehren aus Rosas Wirken ziehend: Wir knnen uns nicht befreien, wenn wir nicht das System, das uns unterdrckt, und die Bedingungen, aus denen das System erwchst, beseitigen. Wie aber soll die Befreiung von uns ausgehen, wie sollen die Umwlzungen vollzogen werden, wenn wir immer nur gelernt haben, uns zu fgen, uns unterzuordnen und auf Anweisungen zu warten (P. Weiss: Die sthetik des Widerstands, Erster Band, S. 226). </li> <li> Folie 20 </li> <li> Die Gewerkschaftsbewegung ist nicht das, was sich in den vollkommen erklrlichen, aber irrtmlichen Illusionen der paar Dutzend Gewerkschaftsfhrer spiegelt, sondern das, was im Bewusstsein der groen Masse der fr den Klassenkampf gewonnenen Proletarier lebt. In diesem Bewusstsein ist die Gewerk- schaftsbewegung ein Stck der Sozialdemo- kratie. Und was sie ist, das wage sie zu scheinen Auf dem Mannheimer Parteitag im Herbst 1906 lehnten die Gewerkschaftsfhrer Rosas Schrift als zu radikal ab. Diesmal gab die Fhrung der Partei nach: Der Massenstreik wurde mehrheitlich verurteilt. </li> <li> Folie 21 </li> <li> Mitgliedschaft in der Partei dass es eine kleine Partei war, unwichtig. Mitgliedschaft Prinziperklrung ideologische Zugehrigkeit -Abwesen- heit von Zwang und Dogmatismus Linie Luxemburg-Gramsci Voraussetzung: Aufklrung der histor. Fehler die lebendige kritische Wissenschaft, Ablehnung jeglicher Illusionsbildungen, Idealismen, Mystifikationen (P. Weiss, Notizbcher 1971-1980, S. 608) Gramscis Linie: berwindung der strategischen Isolation der Praxen in den verschiedenen politischen Arenen (Betriebe, Tarifdemokratie, nationalstaatliche Regulierungen, internationale Agreements; sonst: Verharren in der Subalternitt (auf allen Ebenen). Exkurs: ber die Linie Luxemburg-Gramsci </li> <li> Folie 22 </li> <li> Rosa Luxemburg ber den Parlamentarismus: Die Wahlen stellen ein neues Instrument des revolutionren Kampfes dar Fr die existiert nur das Parlament des deutschen Reichstages. Sie knnen sich nicht vorstellen, dieses Mittel zu gebrauchen im revo- lutionren Sinn. Sie verstehen: entweder Maschinengewehre oder Parlamentarismus Das ist eine Vereinfachung, die nicht der Schulung und Erziehung der Massen dient (GW 4, S. 481). Steht hinter unserer gesetzlichen, parlamentarischen Ttigkeit nicht die Gewalt der Arbeiterklasse, jederzeit bereit, im Notfall in Aktion zu treten, dann verwandelt sich die parlamentarische Aktion der Sozial- demokratie in einen ebenso geistreichen Zeitvertreib wie zum Beispiel das Wasserschpfen mit einem Siebe (GW : S. 243). </li> <li> Folie 23 </li> <li> Rosa Luxemburg ber den Klassenkampf: Die moderne proletarische Klasse fhrt ihren Kampf nicht nach irgendeinem fertigen, in einem Buch, in einer Theorie niedergelegten Schema; der moderne Arbeiterkampf ist ein Stck in der Geschichte, ein Stck der Sozialentwicklung, und mitten in der Geschichte, mitten in der Entwicklung, mitten im Kampf lernen wir, wie wir kmpfen mssen Das ist ja gerade das Bewundernswerte, das ist ja gerade das Epochenmachende dieses kolossalen Kulturwerks, das in der moder- nen Arbeiterbewegung liegt: dass zuerst die gewaltige Masse des arbeitenden Volkes selbst aus eigenem Bewusstsein, aus eigenem Verstndnis sich die Waffen zu ihrer eigenen Befreiung schmiedet (GW 2: S. 465). </li> <li> Folie 24 </li> <li> Sie war ebenso beliebt wie gefrchtet, da sie als glnzend Vortragende und Lehrerin mit unerbittlicher Strenge auf grndliche Durcharbeitung der einzelnen Probleme bestand. Einige oberflchliche Hrer hatten bei ihr nichts zu lachen. Sie lie ihnen keinen Schlupfwinkel offen. Sie arbeitete mit klaren Formulierungen und verlangte klare Antworten (Rosas Schler Wilhelm Koenen). Die Roserei ist nicht so schlimm wie Du denkst. Trotz aller Giftmischerei mchte ich das Frauenzimmer in der Partei nicht missen. In der Parteischule wird sie als beste Lehrerin von Radikalen, Revisionisten und Gewerkschaftern verehrt. Dort ist sie die Objektivitt in hchster Potenz (August Bebel an Victor Adler) Schule der deutschen Sozial- demokratie, Berlin 1910. 1 = Emanuel Wurm 2 = Arthur Stadthagen 3 = Franz Mehring 4 = Kurt Rosenfeld 5 = Heinrich Cunow 6 = Dr. Eckstein 7 = Rosa Luxemburg 8 = Heinrich Schulz, 9 = Friedrich Ebert </li> <li> Folie 25 </li> <li> Hebt die Zersplitterung auf! Die eigentliche geistige Regeneration der Arbeiterschaft wird aber vor allem dadurch von den Koalitionen verwirklicht, dass sie die zersplitterten, in der Trbsal des Einzelloses verkmmernden, vielfach einander bekmpfenden Arbeiter vereinigt und zum Klassenbewusstsein emporhebt (GW 1/1: S. 603). Diese wchst historisch aus dem elementaren Klassenkampf heraus (GW : S. 428). Sie muss das Werk der Klasse, und nicht einer klei- nen fhrenden Minderheit im Namen der Klasse sein, d.h. sie muss auf Schritt und Tritt aus der aktiven Teilnahme der Massen hervorgehen, unter ihrer unmittelbaren Beeinflussung stehen, der Kontrolle der gesamten ffentlichkeit unterstehen, aus der wachsenden politischen Schulung der Volksmassen hervorgehen (GW 4: S. 363 f.). </li> <li> Folie 26 </li> <li> Warum mssen wir die Nationalkonomie als be- sondere Wissenschaft studieren? Solange die wirt- schaftlichen Beziehungen zwischen den Menschen sich ohne Schwierigkeiten regelten, bedurften diese Beziehungen keines wissenschaftlichen Studiums. Mit dem Beginn der kapitalistischen Wirtschafts- weise ist das anders geworden. Als Begleiterschei- nung dieser Wirtschaftsweise treten Krisen auf. Auch die Arbeitslosigkeit ist eine stndige Erschei- nung in der heutigen Gesellschaft. Ebenso die tg- lichen, ja stndlichen Preisschwankungen, durch die der eine, ohne einen Finger zu rhren, in kurzer Zeit Millionr, der andere ein Bettler wird. Diese Erscheinungen sind nicht durch die Natur gegeben, sie sind nichts Unabnderliches. Durch mensch- liche Einrichtungen sind sie erzeugt, sie sind Men- schenwerk Wir stehen hier vor den Folgen einer anarchischen Wirtschaftsweise, die der heutigen Gesellschaft ber den Kopf gewachsen ist. Um 1910 </li> <li> Folie 27 </li> <li> 1913 entsteht Rosas Hauptwerk: Die Akkumulation des Kapitals. Trotz der glnzenden literarischen Form stellen die rein theoretischen Kapitel des Buches sehr h...</li></ul>

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