Hans Dengler zum 60. Geburtstag

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<ul><li><p>Kiln Wochenschr 63:t137-1138 Klinische Wch% zhdl t Springer-Verlag 1985 </p><p>Editorial </p><p>Hans Dengler zum 60. Geburtstag </p><p>Professor Dr. med. Hans J. Dengler vollendet am 16. November 1985 sein 60. Lebensjahr. Seine Mit- arbeiter gratulieren ihm und freuen sich, ihm Ar- beiten aus seinem Hause widmen zu k6nnen. </p><p>Hans Dengler wurde 1925 in Straubing gebo- ren. Der durch den Wehrdienst unterbrochenen Schulzeit und dem Abitur folgte yon 1946 bis 1952 das Studium der Medizin in Erlangen. Dort be- gann er auch unter Norbert Henning seine Ausbil- dung in Innerer Medizin. 1953 legte er mit einem zweijfihrigen Aufenthalt bei dem Pharmakologen Peter Hottz in Frankfurt den Grundstein ffir seine Arbeit in der Klinischen Pharmakologie. In dieser Zeit gelang ihm der Nachweis von Renin in Geffig- extrakten, speziell im Glomerulum der Niere. Auch die Besch/iftigung mit dem Katecholaminstoff- wechsel nahm yon hier ihren Ausgang. </p><p>Einer erneuten Phase fiberwiegend klinischer Arbeit von 1955 bis 1959 bei Karl Matthes an der Ludoif-Krehl-Klinik in Heidelberg folgte bis 1960 ein Forschungsaufenthalt bei B.B. Brodie an den National Institutes of Health in USA. Hier ent- standen Arbeiten zur aktiven Aufnahme von Nor- adrenalin ins Gewebe und deren Hemmung durch Medikamente und Hormone. </p><p>Nach seiner Riickkehr zu Karl Matthes geh6rte Hans Dengler in Deutschland zu den ersten, die sich mit der H/imodialyse besch/iftigten, deren Grundlagen er sich 1961 bei Nils Alwall in Lund erarbeitete. In die Jahre nach 1963 f/illt seine inten- sive Besch/iftigung mit Infektionskrankheiten und mit der ktinischen Toxikologie. Besondere wissen- schaftliche Bedeutung erlangten seine Untersu- chungen fiber das Ph/iochromocytom sowie fiber Pharmakokinetik und Stoffwechsel von Sympathi- komimetika. Nach dem Tode von Karl Matthes folgte eine weitere fruchtbare Zeit in der ab 1963 yon Gotthard Schettler geleiteten Ludolf-Krehl- Klinik. 1968 erhielt er den Ruf auf einen Lehrstuhl ffir Innere Medizin der Universitfit Giessen und wurde zum Direktor der Medizinischen Poliklinik ernannt. Hier baute er eine bedeutende klinisch- pharmakologische Arbeitsgruppe auf, in deren Forschung neben dem Katecholaminstoffwechsel die Kinetik der Digitalisgtykoside sowie der Arz- neimittelstoffwechsel in der Leber im Mittetpunkt standen. Seine Berufung 1973 auf den Lehrstuhl ffir Innere Medizin der Medizinischen Klinik in Bonn gab ibm die M6glichkeit, weitere klinische Arbeitsgruppen zu etablieren und zu f6rdern. </p><p>Hans Dengler geh6rt zu jenen Hochschulleh- rern, die sich noch dem Gesamtgebiet der Inneren Medizin verpflichtet ffihlen. Dies ist einerseits in seinem Werdegang und durch seinen Lehrer Karl Matthes, der ihn entscheidend gepr~igt hat, begriin- det. In seiner Heidelberger Zeit war er nacheinan- der auf verschiedenen Teilgebieten der Inneren Medizin tfitig (vor allem Nephrologie und Infektio- logie), lehnt aber eigentliche Spezialstationen bis heute ab. Andererseits hat seine friihe Besch/ifti- gung mit der in ihrem Wesen fachfibergreifenden Klinischen Pharmakologie dazu beigetragen. Er lehrt uns t/iglich, dab man auch heute noch die gesamte Innere Medizin beherrschen kann. Das ist </p></li><li><p>1138 Editorial </p><p>nicht gleichbedeutend mit der aktiven Ausfibung der speziellen Methoden einzelner Teilgebiete, wohl aber mit deren Kenntnis bis ins kleinste De- tail, besonders jedoch der St/irken und Schw/ichen einer Methode - einer Kenntnis, mit der Dengler selbst Spezialisten immer wieder verblfifft. Eine Er- kt/irung hierffir liegt in seinem grol3en Engagement in der Intensivmedizin, wo sich viele neue diagno- stische und therapeutische Methoden der Inneren Medizin zuerst bew/ihren mfissen. </p><p>Es kann ein Erlebnis sein, mit Hans Dengler fiber Problempatienten zu diskutieren. Er fiber- rascht dann weniger mit der pl6tzlichen Pr/isenta- tion der Diagnose, vielmehr mit seinem Gespfir ffir schwache Befunde in der Diagnostik. Hierzu bef/i- higt ihn einmal seine groge Erfahrung in der Kli- nischen Medizin, zum andern aber eben seine kriti- sche Methodenkenntnis. Nie lfil3t er die menschti- chen Aspekte einer Krankengeschichte hinter die technische Seite der Medizin zurficktreten. </p><p>Als Klinikdirektor gew/ihrt Hans Dengler den Mitarbeitern, von deren Kompetenz er fiberzeugt ist, grol3en Freiraum ffir eigene Initiativen und wird nur da dirigistisch, woes unumg/inglich ist. W/ihrend eine sehr straffe Klinikffihrung nach au- 13en den Eindruck des besseren Funktionierens bie- ten kann, gibt er Gelegenheit zu Kreativit/it und organisatorischer Gestaltung. </p><p>Die Person des einzelnen Mitarbeiters stellt er fiber eine strenge strategische Gesamtplanung der Klinik. Er versucht, den Wfinschen und Bedfirfnis- sen jedes Einzelnen entgegenzukommen und achtet dabei die jeweiligen Eigenheiten, wo immer dies m6glich ist. Immer ist er ansprechbar ffir pers6n- liche Probleme seiner Mitarbeiter und verwendet Zeit und Einflul3 zur aktiven Hilfeleistung, ohne auf Stellung und Bedeutung des Hilfesuchenden zu sehen. </p><p>Hans Dengler ist einer der V/iter der Klinischen Pharmakologie in Deutschland. Sein Weg ffihrte vonder Klinik in die Pharmakologie und wieder zurfick in die Klinik. Er verk6rpert insofern den </p><p>Idealtyp des Klinischen Pharmakologen, als er im st/indigen Umgang mit Patienten seine speziellen therapeutischen Kenntnisse anwendet und fiber- prfift, ohne sich in den theoretischen Gefilden der Pharmakokinetik zu verlieren oder eine Pharma- kologie vorwiegend des gesunden Probanden zu betreiben. Dieser Weg war nur m6glich, weil seine Kompetenz in der klinischen Medizin immer unbe- stritten war. </p><p>Die Arbeit in der Klinischen Pharmakologie ist ffir ihn nicht nur ein Schwerpunkt seiner For- schung, sondern bildet auch die Basis ffir eine streng naturwissenschaftliche, methodisch kriti- sche Einstellung zur klinischen Forschung. Dabei haben es eine fief verwurzelte Liebe zur Chemie, aber auch zur Mathematik bewirkt, dal3 in seiner wissenschaftlichen Arbeit neben angewandter kli- nischer Forschung immer auch Aspekte der Grundlagenforschung bearbeitet wurden. </p><p>Mit der zunehmenden Aufgliederung der Inne- ren Medizin in Teilgebiete hat sich auch in seiner Klinik die mit seiner Person verbundene patienten- nahe Klinische Pharmakologie gewandelt. Sie wurde in der breit angelegten Form sp/iter nur noch von wenigen seiner Mitarbeiter verfolgt, w/ih- rend sich andere frfih klinische Teilgebiete gew/ihlt haben, wie Kardiologie, Onkologie, Angiologie, Stoffwechsel, Gastroenterologie, in denen sie he- ben der klinischen Spezialisierung die Klinische Pharmakologie nur noch als Forschungsschwer- punkt ihres Teilgebietes ausfiben. Hans Dengler hat damit eine Entwicklung gef6rdert, in der der auf einem Spezialgebiet kompetente Kliniker hier auch sein therapeutisches Wissen fiberzeugend ein- setzen kann. Beispiele ffir so verstandene Therapie- forschung finden sich in diesem und dem folgenden Heft der Klinischen Wochenschrift. </p><p>Prof. Dr. R. Gugler Medizinische Universitfitsklinik Sigmund-Freud-Strage 25 D-5300 Bonn 1 </p><p>Lieber Herr Dengler, im Namen des Herausgeberkollegiums und der Re- daktion der ,,Klinischen Wochenschrift" wfinsche ich Ihnen zum Geburtstag alles Gute. Bitte erhal- ten Sie unserer Zeitschrift noch lange Ihren guten Rat und Ihre Bereitwilligkeit zu helfen. Wir alle denken am 16. November herzlich an Sie. </p><p>Die ,,Klinische Wochenschrift" bemfiht sich um die Verbreitung der wissenschaftlichen Grund- lagen der klinischen Medizin. Diese Grundlagen </p><p>reichen von den Naturwissenschaften bis in die Ka- suistik; Gebiete wie die klinische Pharmakologie sind wichtige Pfeiler beim Brfickenschlag zwischen diesen beiden Seiten. Sie, verehrter Herr Dengler, tragen dazu bei, dab die klinische Pharmakologie eine Stfitze der ,,Klinischen Wochenschrift" ist und bleibt. Daffir danken wir Ihnen alle herzlich. Mit diesem Dank verbinden wir unsere guten Wfinsche ffir die Zukunft. </p><p>Ihr Z611ner </p></li></ul>