flüchtige inhaltsstoffe aus tonkabohnen (dipteryx odorata willd.)

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Z Lebensm Unters Forsch (1991) 193:21-25 Zeitschrift ffir Springer-Verlag 1991 Originalarbeit Fliichtige Inhaltsstoffe aus Tonkabohnen (Dipteryx odorata Willd.) Martin W~irner und Peter Schreier Lehrstuhl ffir Lebensmittelchemie, Universit~it Wiirzburg, Am Hubland, W-8700 Wiirzburg, Bundesrepublik Deutschland Eingegangen am 6. Dezember 1990 Volatile constituents of tonka beans (Dipteryx odorata Willd.) Summary. The extract obtained by solid-liquid extraction and subsequent high-vacuum distillation/extraction of dry tonka beans (Dipteryx odorata) was fractionated by means of MPLC. The separation and identification of the volatiles in the preseparated fractions was carried out by high resolution capillary gas chromatography (HRGC) and on-line HRGC/mass spectrometry. In total, 138 vol- atile constituents were identified, 131 of which have not previously been described as tonka bean constituents. 2- Undecylfuran, identified for the first time in nature, was proposed as a suitable component for analytical charac- terization (indicator) of tonka beans. Zusammenfassung. Der nach Fest-Flfissig-Extraktion und anschliegender Hochvakuumdestillation/Extraktion erhaltene Extrakt aus Tonkabohnen (Dipteryx odorata) wurde einer MPLC-Fraktionierung unterworfen. Die Auftrennung und Identifizierung der in den einzelnen Fraktionen vorgetrennten flfichtigen Inhaltsstoffe er- folgten mittels Capillargaschromatographie (HRGC) und Capillargaschromatographie-Massenspektrometrie (HRGC-MS). Mit diesen Techniken sind 138 Verbindun- gen identifiziert worden, von denen 131 bisher nicht als Inhaltsstoffe von Tonkabohnen bekannt waren. Als zur analytischen Charakterisierung von Tonkabohnen geeig- neter Inhaltsstoff (Indikator) wurde das erstmals in der Natur nachgewiesene 2-Undecylfuran vorgeschlagen. Einleitung Die cumarinartig riechenden, bitter schmeckenden, frfi- her pharmazeutisch verwendeten [1] Tonkabohnen (Dip- teryx odorata Willd.) sind nach Paragraph 2 Abs. 1 Anla- ge 1 Nr. 1 der Aromenverordnung [2] zur Herstellung von Offprint requests to." P. Schreier Aromen und Lebensmitteln verboten. Zur Gewinnung der Tonkabohnen werden die Samen von D.odorata Willd. (frfiher Coumarouna odorata Aubl. bzw. D. opositi- folia Willd; Semen Tonco) getrocknet und einem Kristal- lisationsprozeB unterworfen, indem man sic in F/issern fiber 24 h mit Alkohol bedeckt und anschliel3end erneut trocknet. Dadurch erhalten sic ihr dunkles Aussehen und einen Lrberzug mit Cumarinkristallen. Der mengenm/iNg fiberwiegende Inhaltsstoff in Tonkabohnen ist fettes O1 mit einem Anteil von 25%. Unter den Aromastoffen ist Cumarin, von dem man ebenso wie yon o-Cumars~iure auch die glucosidisch gebundene Form nachgewiesen hat [3], mit bis zu 3 % Hauptkomponente. Aus dem Fettanteil stammen die freien Fetts/iuren Palmitin-, Palmitolein-, Stearin-, 01-, Linol-, Linolen- und Arachidons/iure, die nach (Jberffihrung in ihre Methylester gaschromatogra- phisch identifiziert worden sind [4]. Als weitere Inhalts- stoffe yon Tonkabohnen sind Dihydrocumars/iure, 2- und 4-Hydroxybenzoes/iure, Ferulas/iure sowie das Cumarinderivat Umbelliferon bekannt [5]. Uber die Aro- mastoffe der Tonkabohne sind bisher noch keine Mittei- lungen erschienen. In dieser Arbeit wird fiber die von uns insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Suche nach einem als Indikator ffir eine lebensmittelrechtlich unzu- 1/issige Verwendung von Tonkabohnen durchgeffihrten Aromaanalysen berichtet. Material und Methoden Lfsungsmittel Pro-anal-Qualit/iten; fiber Ftillk6rperkolonnen rektifiziert. Probenaufarbeitung Abb. 1 zeigt ein Schema der zur Aufarbeitung von Tonkabohnen (D. odorata Willd.) eingesetzten Methoden. 500 g Tonkabohnen (Klenk, Schwebheim) in einem Haushaltsmixer zerkleinern und ei- her 48 h Soxhlet-Extraktion mit 0,5 L Pentan/Dichlormethan (2+ 1, v/v) unterwerfen. Den Extrakt bei 45 ~ an einer Vigreux-Kolon- ne auf etwa 250 ml einengen und iiber 6 hunter folgenden Bedin-

Author: martin-woerner

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  • Z Lebensm Unters Forsch (1991) 193:21-25 Zeitschrift ffir

    9 Springer-Verlag 1991

    Originalarbeit Fliichtige Inhaltsstoffe aus Tonkabohnen (Dipteryx odorata Willd.) Martin W~irner und Peter Schreier

    Lehrstuhl ffir Lebensmittelchemie, Universit~it Wiirzburg, Am Hubland, W-8700 Wiirzburg, Bundesrepublik Deutschland

    Eingegangen am 6. Dezember 1990

    Volatile constituents of tonka beans (Dipteryx odorata Willd.)

    Summary. The extract obtained by solid-liquid extraction and subsequent high-vacuum distillation/extraction of dry tonka beans (Dipteryx odorata) was fractionated by means of MPLC. The separation and identification of the volatiles in the preseparated fractions was carried out by high resolution capillary gas chromatography (HRGC) and on-line HRGC/mass spectrometry. In total, 138 vol- atile constituents were identified, 131 of which have not previously been described as tonka bean constituents. 2- Undecylfuran, identified for the first time in nature, was proposed as a suitable component for analytical charac- terization (indicator) of tonka beans.

    Zusammenfassung. Der nach Fest-Flfissig-Extraktion und anschliegender Hochvakuumdestillation/Extraktion erhaltene Extrakt aus Tonkabohnen (Dipteryx odorata) wurde einer MPLC-Fraktionierung unterworfen. Die Auftrennung und Identifizierung der in den einzelnen Fraktionen vorgetrennten flfichtigen Inhaltsstoffe er- folgten mittels Capillargaschromatographie (HRGC) und Capillargaschromatographie-Massenspektrometrie (HRGC-MS). Mit diesen Techniken sind 138 Verbindun- gen identifiziert worden, von denen 131 bisher nicht als Inhaltsstoffe von Tonkabohnen bekannt waren. Als zur analytischen Charakterisierung von Tonkabohnen geeig- neter Inhaltsstoff (Indikator) wurde das erstmals in der Natur nachgewiesene 2-Undecylfuran vorgeschlagen.

    Einleitung

    Die cumarinartig riechenden, bitter schmeckenden, frfi- her pharmazeutisch verwendeten [1] Tonkabohnen (Dip- teryx odorata Willd.) sind nach Paragraph 2 Abs. 1 Anla- ge 1 Nr. 1 der Aromenverordnung [2] zur Herstellung von

    Offprint requests to." P. Schreier

    Aromen und Lebensmitteln verboten. Zur Gewinnung der Tonkabohnen werden die Samen von D.odorata Willd. (frfiher Coumarouna odorata Aubl. bzw. D. opositi- folia Willd; Semen Tonco) getrocknet und einem Kristal- lisationsprozeB unterworfen, indem man sic in F/issern fiber 24 h mit Alkohol bedeckt und anschliel3end erneut trocknet. Dadurch erhalten sic ihr dunkles Aussehen und einen Lrberzug mit Cumarinkristallen. Der mengenm/iNg fiberwiegende Inhaltsstoff in Tonkabohnen ist fettes O1 mit einem Anteil von 25%. Unter den Aromastoffen ist Cumarin, von dem man ebenso wie yon o-Cumars~iure auch die glucosidisch gebundene Form nachgewiesen hat [3], mit bis zu 3 % Hauptkomponente. Aus dem Fettanteil stammen die freien Fetts/iuren Palmitin-, Palmitolein-, Stearin-, 01-, Linol-, Linolen- und Arachidons/iure, die nach (Jberffihrung in ihre Methylester gaschromatogra- phisch identifiziert worden sind [4]. Als weitere Inhalts- stoffe yon Tonkabohnen sind Dihydrocumars/iure, 2- und 4-Hydroxybenzoes/iure, Ferulas/iure sowie das Cumarinderivat Umbelliferon bekannt [5]. Uber die Aro- mastoffe der Tonkabohne sind bisher noch keine Mittei- lungen erschienen. In dieser Arbeit wird fiber die von uns insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Suche nach einem als Indikator ffir eine lebensmittelrechtlich unzu- 1/issige Verwendung von Tonkabohnen durchgeffihrten Aromaanalysen berichtet.

    Material und Methoden

    Lfsungsmittel

    Pro-anal-Qualit/iten; fiber Ftillk6rperkolonnen rektifiziert.

    Probenaufarbeitung

    Abb. 1 zeigt ein Schema der zur Aufarbeitung von Tonkabohnen (D. odorata Willd.) eingesetzten Methoden. 500 g Tonkabohnen (Klenk, Schwebheim) in einem Haushaltsmixer zerkleinern und ei- her 48 h Soxhlet-Extraktion mit 0,5 L Pentan/Dichlormethan (2+ 1, v/v) unterwerfen. Den Extrakt bei 45 ~ an einer Vigreux-Kolon- ne auf etwa 250 ml einengen und iiber 6 hunter folgenden Bedin-

  • 22

    Tonkabohne [

    I I Emulgatorzugabo I I I II I

    1 1 I S~iul enchr omatographie I HRGC; HRGC-HS; HRGC-FTIR; NDGC l Abb. 1. Zur Aromastoffanalytik von Tonkabohnen (Dipteryx odora- ta Willd.) eingesetzte Methoden (Schema)

    gungen einer Hochvakuumdestillation/Flfissig-Flfissig-Extraktion (HVD-FFE) unterziehen: 40 ~ 0,1 mbar; zwei Methanol/Trok- keneis-Kfihlfallen ( -28 ~ sowie zwei mit flfissigem Stickstoff ge- kfihlte Fallen. Das erhaltene wSBrige Destillat (1,8 L) fiber 24 h bei 40 ~ einer Flfissig-Flfissig-Extraktion mit Pentan/Dichlormethan (2+ 1, v/v) unterwerfen. Den Extrakt fiber Na2SO4 sicc. trocknen und nach Abfiltrieren schonend (45 ~ an einer Vigreux-Kolonne auf etwa 5 ml einengen.

    Den Rfickstand der HVD mit 0,5% Tween 85 (Serva, Heidel- berg) versetzen und, wie oben beschrieben, erneut einer HVD/FFE unterwerfen. Die nach Ausschfitteln der Sfiuren mit NaHCO3-L6- sung (10%) erhaltene, an einer Vigreux-Kolonne bei 45 ~ einge- engte organische Phase (s. o.) an Kieselgel 60 (Merck, Darmstadt) in wassergekfi_hlten Glass/iulen (40 2 cm) in drei Fraktionen auf- trennen: 300 ml Pentan, 300 ml Pentan/Diethylether (9 + 1); 300 ml Diethylether. Die Eluate fiber Na2SO4 sicc. trocknen und nach Ab- filtrieren schonend an einer Vigreux-Kolonne (45 ~ auf et- wa 0,2 ml einengen.

    Methylierung der Siiuren

    Zur Abtrennung der Fetts/iuren aus dem Soxhlet-Extrakt einen 100- g-Ansatz dreimal mit je 50 ml einer 10 %igen NaHCOa-L6sung aus- schfitteln. Die w/iBrige Phase mit 25%iger HC1 auf pH 2 einstellen, dreimal mit je 50 ml Diethylether extrahieren, die Etherphase auf 25 ml einengen und zu dieser 10 ml frisch bereitete Carbanionrea- gensl6sung (4 g Kaliumterti/irbutylat in 10 ml Dimethylsulfoxid) hinzufiigen. Zur Prfifung eines (dberschusses an Reagens mit einem Glasstab eine geringe Menge des gallertartigen Niederschlages ent- nehmen und mit trockenem Triphenylmethan in Berfihrung brin- gen. Rotf~irbung zeigt ReagensfiberschuB an. Unter Kfihlung im Eisbad 6 ml Methyliodid zugeben (Abzug!). Anschliel3end mit Was- ser auf 50 ml verdfinnen (Trfibung) und mit 30 ml CH2C12 extrahie- ren. Nach dreimaligem Waschen der organischen Phase mit je 30 ml dest. Wasser fiber NazSO4 sicc. trocknen und nach dem Abfiltrieren schonend an einer Vigreux-Kolonne (45 ~ einengen. Externen Standard (510 gg n-Butylbenzol) zusetzen.

    Abfiltrieren schonend an einer Vigreux-Kolonne (45 ~ auf ca. 0,5 ml einengen. Jeweils externen Standard (510 gg n-Butylbenzol) zugeben.

    Capillarg aschromatographie ( HRGC )

    Ger/it: Hewlett-Packard-HP-5890-Gaschromatograph mit FID und Split-Injektor (1:20), ausgerfistet mit einer J&W-DB-Wax-fused-si- lica-Capillartrenns/iule (30 m x 0,25 mm i.D.; df=0,25 lam). Tem- peraturprogramm: 3 min isotherm bei 50 ~ dann 50-250 ~ mit 4 ~ Tr/igergas: 2 ml/min He. Make-up-Gas: 30 rnl/min N z. Brenngase: 30 ml/min H2 und 300 ml/min Luft. Injektor- und De- tektortemperatur: 250 ~ Injektionsvolumina: 1 gl.

    Capillargaschromatographie-Massenspektrometrie (HRGC-MS)

    Ger/it: Varian Aerograph 1440 mit wassergekfihltem Carlo-Erba- on-column-Injector, direkt gekoppelt mit einem Finnigan-MAT- 44-Quadrupol-Massenspektrometer und ausgerfistet mit einem Finnigan-PCDS-Datensystem. J&W-DB-Wax-fused-silica-Capillar- trenns~iule (30 m x 0,25 mm i. D.; df=0,25 gm) mit 3 m unbelegter fused-silica-Vors/iule (SGE) als ,,retention gap". Temperaturpro- gramm: 3 min isotherm bei 40 ~ dann 40-240 ~ mit 4 ~ Tr/igergas: 2,0 ml/min He. Temperatur der Ionenquelle und der Verbindungsteile: 200 ~ Elektronenenergie: 70 eV; Kathoden- strom: 0,8 mA. Massenbereich: m/z 41-249. Injektionsvolumina: 0,5 gl. Die Ergebnisse der qualitativen HRGC- und HRGC-MS- Analysen wurden durch Vergleich mit HRGC-Retentions- sowie MS-Daten yon authentischen Referenzverbindungen erhalten. Quantitative Bestimmungen erfolgten anhand der externen Stan- dardmethode ohne Berficksichtigung von Responsefaktoren, d.h. F=I ,0.

    Capillargaschromatographie-Fouriertransformations- Infrarotspektroskopie ( HRGC-FTIR )

    Durchffihrung der HRGC-FTIR-Messungen gem/il3 Idstein et al. [7].

    Multidimensionale Capillargaschromatographie (MDGC)

    Durchffihrung der MDGC mit Kombination aus achiraler (DB-5) und chiraler Trenns/iule (Lipodex D) wie in [8] beschrieben.

    Hochleistungsflftssigchromatographie ( HPLC)

    Semipr~iparative Isolierung der optischen Antipoden von 2-Nonen- 4-olid an Chiraspher (5 gm) unter den kfirzlich beschriebenen Be- dingungen [6]. Bestimmung der Drehwerte der isolierten Enantio- meren mit einem Perkin-Elmer-241-C-Polarimeter in thermostati- sierten Quarz-Mikrokfivetten (d = 100 ram; 1 ml).

    Mitteldruckfliissig chromatographie ( MP LC )

    MPLC-Fraktionierung mittels Labomatic-Sepachrom-FPDC-Sfiu- le (410 ml), geffillt mit Lichroprep SI60 15-25 gm (Merck, Darm- stadt) unter kfirzlich mitgeteilten apparativen Bedingungen durch- ffihren [6]. Fliel3mittelgradienten aus Pentan (A)/Diethylether (B) (0 min: A/B 90/10; 10 min: A/B 90/10; 35 rain: A/B 85/15; 60 min: A/B 80/20; 80 min: A/B 68:32; 105 min: A/B 40/60; 120 min: A/B 0/100) bei einem Flu8 von 35 ml/min verwenden. Es werden 9 Frak- tionen erhalten. Jeweils nach dem Trocknen fiber NazSO 4 sicc. und

    Synthesen yon Referenzsubstanzen

    2-Nonen-4-olid. Die Synthese von 2-Nonen-4-olid erfolgte nach May et al. [9]. Ri: 2056. MS (m/z, %): 43 (100) 55 (83) 84 (61) 41 (47) 83 (18) 125 (14) 42 (13) 98 (13) 111 (7). Gasphasen-FTIR (v, era- 1): 30t5, 2970, 2940, 2880, 1805, 1459, 1338, 1150.

    2-Undeeylfuran. Die Synthese yon 2-Undecylfuran erfolgte aus Fur- furylbromid gemfiB Literaturangaben [10, 11]. Ri: 1850. MS (m/z, %): 81 (100) 95 (43) 82 (39) 41 (35) 43 (27) 53 (20) 55 (12) 94 (11) 96 (10) 123 (9) 67 (9) 57 (8) 83 (8) 109 (6) 222 (5). Gasphasen-FTIR

  • (v, cm-1): 3098, 2982, 2963, 2890, 1592, 1523, 1465, 1338, 1135, 1008, 915.

    Ergebnisse und Diskussion

    Zur Analytik der fliichtigen Inhaltsstoffe in Tonkaboh- nen (Dipteryx odorata Willd.) ist zun/ichst mit einer Soxhlet-Apparatur ein Extrakt hergestellt worden. Um das in hohem ~berschug vorhandene Cumarin abzutren- nen und die in Spuren vorkommenden anderen Aroma- stoffe in verschiedene polare Gruppen vorzutrennen, sollte die k/irzlich bei Steinklee erprobte MPLC-Fraktio- nierung [6] eingesetzt werden. Aufgrund des Gehaltes an mitextrahiertem Fett war jedoch eine direkte MPLC- Trennung nicht m6glich, so dab der MPLC-Fraktionie- rung eine Hochvakuumdestil lation (HVD) vorgeschaltet werden mugte. Durch Ausfallen des Fettes bei der HVD auftretende Probleme (EinschluB yon Aromakomponen- ten und dadurch Ausbeuteverluste) liegen sich durch Zu- gabe eines Emulgators und erneute HVD 16sen. Die Aro- mastoffe der Destillate wurden anschliegend durch Fltis- sig-Flfissig-Extraktion in die organische Phase iiberfiihrt. Nach Konzentrierung sind die Extrakte mittels LC unter Normaldruck sowie MPLC fraktioniert worden.

    Zur Erfassung der Carbons/iuren wurde der Soxhlet- Extrakt nach Abtrennen der Neutralstoffe methyliert. Die bei der LC (drei) und der MPLC (neun) erhaltenen Fraktionen sowie die Methylester sind anschliegend mit- tels HRGC und HRGC-MS sowie teilweise HRGC- FT IR untersucht worden. In dem in Abb. 1 dargestellten Schema sind s/imtliche Aufarbeitungsschritte zusammen- gefagt.

    Von den 138 identifizierten Aromastoffen waren 131 bisher noch nicht als Tonkabohnen-Inhaltsstoffe be- kannt. Die 31 Alkohole, 35 Carbonylverbindungen, 15 Ester, 10 Kohlenwasserstoffe, 7 Lactone, 15 S/iuren und 18 Substanzen mit anderen funktionellen Gruppen sind mit ihren Gehalten in Tab. 1 zusammengestellt. Unter den in Tabelle 1 aufgefiihrten Aromakomponenten ragte mengenm/igig Cumarin (3,6 g/kg) heraus. AuGer Cuma- rin waren etwa 20 weitere, aus dem Phenylpropanstoff- wechsel stammende Aromastoffe nachweisbar [12].

    Eine Reihe ges/ittigter und unges/ittigter Carbonyle und Alkohole sowie freier Fetts/iuren und Ester traten als Folgeprodukte des Lipidmetabolismus auf [13]. Zu dieser Gruppe von Aromastoffen geh6ren auch die identifizier- ten 7-Lactone, deren Enantiomerenverteilung in Tonka- bohnen mittels MDGC an achiraler (DB-5)/chiraler (Li- podex D) Trenns/iule [8] untersucht worden ist. Abb. 2 zeigt exemplarisch die f/Jr 2-Nonen-4-olid erhaltene Trennung. In Tab.2 sind die Ergebnisse der MDGC- Enantiomerenanalytik zusammengefagt. Daraus wird er- sichtlich, dab in allen Ffillen das (S)-Enantiomer fiber- wog; 2-Nonen-4-olid lag dabei nahezu racemisch vor. Dieses Ergebnis ist insofern iiberraschend, als bei den bis- herigen, mit Friichten durchgefiihrten Analysen [8, 14, 15] - zumindest bei lfingerkettigen 7-Lactonen - ein Vor- herrschen des jeweiligen (R)-Enantiomers beobachtet worden ist.

    Zur Enantiomerenanalytik yon 2-Nonen-4-olid, eines in gebratenem Fleisch bzw. Fett [16, 17] sowie in Polypo-

    Q 23

    |

    0 i0 0 cut

    S

    i 9 l

    30 55 65 min

    Abb.2a, b. MDGC-Enantiomerenanalytik von 2-Nonen-4-olid aus Tonkabohnen (Dipteryx odorata Willd.). a Trenns/iule DB-5 (ohne Cut). b Trenns/iule Lipodex D (nach Cut)

    Tabelle 1. In Tonkabohnen (D. odorata Willd.) mittels HRGC und HRGC-MS identifizierte flfichtige Verbindungen

    Verbindung MPLC- Ri-V" Ri.Rb pg/kgC Fraktion

    Alkohole 2-Butanol 7 1016 1012 + + 2-Methyl-l-propanol 7 1073 1083 + + 3-Pentanol 4 1081 1081 + + 2-Pentanol 6 1106 1107 + + 1-Butanol 6 1126 1136 + + 3-Penten-2-ol 8 1149 1150 + 3-Methyl-l-butanol 6 1218 1215 + 2-Hexanol 6 1215 1220 + 4-Penten-2-ol 9 1221 1220 + 1-Pentanol 6 1230 1240 + + + 2-Heptanol 6 1330 1328 + l-Hexanol 6 1359 1352 + 2-Butoxyethanol 7 1403 1395 + 1-Octen-3-ol 4 1424 1420 + + 1-Heptanol 6 1460 1458 + + Linalool 4 1549 1544 + + l-Octanol 6 1561 1550 + + Fenchol 6 1549 1553 + 4-Terpinenol 3 1570 1573 + + + Neomentho! 3 1600 1599 + + Menthol 5 1640 1640 + + 1-Nonanol 6 1670 1660 + + cvTerpineol 6 1693 1689 + + Borneol 5 1695 1696 + 1-Phenylpropanol 3 1831 1835 + + + Geraniol 6 1841 1842 + Benzylalkohol 6 1855 1860 + + 2-Phenylethanol 6 1891 1899 + + + 1-Phenylbutanol 6 1948 1952 + + Phenol 3 1976 1977 + + 3-Phenylpropanol 7 1997 1993 + +

    Carbonylverbindungen 2-Butanon 3 890 908 + + + Hexanal 1 1066 1067 + + + 2-Methyl-(E)-2-butenal 7 1074 1075 + 3-Penten-2-on 7 1100 1110 + 2-Ethyl-(E)-2-butenal 7 1138 1146 + Heptanal A a 1167 1164 + 2-Heptanon 1 1173 1178 + +

  • 24

    Tabelle 1 (Fortsetzung)

    Verbindung MPLC- Ri_V a Ri-R b gg/kg ~ Fraktion

    Octanal 1 1238 1250 + + 2-Octanon B d 1268 1275 + + 6-Methyl-5-hepten-2-on 1 1327 1330 + + 2-Nonanon B 1376 1377 + + + 3-Octen-2-on 2 1380 1381 + Fenchon 1 1380 1384 + + + Nonanal 1 1379 1388 + + + (E)-2-Octenal B 1399 1399 + + e-Thujon B 1420 1411 + + Menthon 1 1464 1465 + + Isomenthon 1 1491 1487 + + Campher B 1508 1500 + + + Benzaldehyd 1 1509 1502 + + (E)-2-Nonenal B 1504 1503 + + Acetophenon 1 1615 1623 + + Pulegon B 1641 1646 + + Salicylaldehyd B 1655 1648 + + + Piperiton 3 1696 1710 + + Carvon 1 1707 1715 + + + (Z,E)-2,4-Decadienal 1 1727 1727 + + 4-Methylacetophenon B 1729 1737 + (E,Z)-2,4-Decadienal 2 1743 1740 + + (E,E)-2,4-Decadienal 1 1803 1790 + + 3-Methoxybenzaldehyd A 1902 1894 + + 2-Phenyl-2-butenal 2 1938 1937 + 4-Methoxybenzaldehyd 3 1978 1980 + + (E)-Zimtaldehyd 1 2029 2033 + + Benzophenon B 2415 2402 +

    Ester Ethylhexanoat B 1218 1217 + Ethyl-2-hydroxymethyl- C d 1225 1223 +

    propanoat Allylpentanoat 8 1268 1266 + + Ethyllactat 9 1324 1317 + Menthylacetat 1 1560 1557 + + l-Octen-3-ylbutanoat 8 1555 1560 + Ethylbenzoat 1 1642 1647 + + Methylundecanoat 9 1696 1698 (+) Benzylacetat B 1712 1710 + + Ethylphenylacetat B 1748 1745 + + 2-Phenylethylformiat B 1770 1775 + + + 2-Phenylethylacetat A 1803 1792 + + Butyldodecanoat 8 2048 2046 + Methyl-(E,E)-9,12- 8 2550 2553 +

    oetadecadienoat Methyldihydrocumarat 6 2596 2595 + +

    Kohlenwasserstoffe Undecan 1 1099 1100 + + Limonen 1 1225 1218 + + p-Cymen 1 1249 1250 + + + 1,2,4,5-Tetramethyl- A 1392 1385 +

    benzol (E)-l-Phenylpropen A 1385 1392 + + ~-Cubeben 1 1458 1460 + 1-Methylnaphthalin A 1872 1875 + Nonadecan 1 1891 1900 + +

    Tabelle 1 (Fortsetzung)

    Verbindung MPLC- Ri.V a Ri.R b gg/kg ~ Fraktion

    Hexacosan 1 2600 2600 + + + Heptacosan 1 2700 2700 + +

    Lactone 7-Butyrolacton 9 1576 1581 + + 7-Pentalacton 8 1601 1615 + 7-Hexalacton 7 1714 1724 + ~-Octalacton 6 1898 1901 + ?,-Nonalacton 6 2009 2015 + 2-Nonen-4-olid 6 2052 2056 + + 3,4-Dihydrocumarin 6 2256 2262 + + Cumarin ~ 5 2438 2444 + + + +

    Siiur en Essigs/iure 8 1399 1415 + + Isobuttersfiure 9 1502 1512 + + Buttersfiure 9 1589 1598 + 2-Methylbutansfiure 9 1650 1649 + + + Pentansfiure 9 1707 1696 + + 4-Methylpentans~ure 9 1794 1790 + + Hexansfiure 9 1801 1803 + + + Heptans/iure 9 1941 1931 + + Octansfiure 9 2049 2050 + + Nonans/iure 8 2160 2149 + Decansfiure 9 2270 2270 (+) Dodecans/iure 8 2475 2472 + + Tetradecansfiure 9 2694 2695 + 2-Hydroxyphenyl- S f 2150 g + +

    propans/iure e Hexadecansfiure e S 2243 2244 + + + Heptadecans/iure S 2301 2306 + Octadecansfiure e S 2430 2436 + + + Linols~ure ~ S 2564 2553 + + Linolens/iure c S 2578 2568 + + + Eicosansfiure e S 2665 2666 + + + o-Hydroxycumars~iure S 2700 g + + +

    Versehiedene 1,4-Cineol B 1164 1173 + + Diethyldisulfid 7 1206 1192 + 2-Pentylfuran 1 1215 1215 + + 2-Methyltetrahydro- 5 1243 1242 +

    furan-3-on 1,1,3-Triethoxypropan 2 1287 1284 + + Ethylacetyloxy- 5 1420 1430 +

    propanoat Furfural 3 1439 1441 + + 2-Acetylfuran C 1475 1481 + l-(2-Furanyl)ethanon 3 1481 1490 + + 5-Methylfurfural 3 1548 1543 + + Furfurylalkohol 6 1619 1624 + 2-(5-Methyl-2-furanyl)- 1 1650 1656 + +

    furan 2-Hydroxyacetophenon 9 1783 1780 + + + Anethol 1 1814 1817 + + + + 2-Methoxyphenol 9 1848 1840 + 2-Undecylfuran 3 1843 1850 + + 2-Acetylpyrrol 6 1945 1950 + Pyrrol-2-aldehyd 6 1993 1984 + +

    " Linearer Retentionsindex der unbekannten Verbindung auf _ DB-Wax b Linearer Retentionsindex der Referenzsubstanz auf DB-Wax

    Bestimmung fiber externe Standardverbindung ohne Berfick- sichtigung von Responsefaktoren (F= 1); (+) = < 1; + = 1-10; + + = 10-100; + + + = 100-1000; + + + + = > 1000 gg/kg

    a A, B, C = Fraktion 1, 2 und 3 der zweiten Hochvakuumdesfillation e Bereits beschriebene Verbindung f Chromatographische und spektroskopische Daten der Methyl- ester g Literaturspektrum [23]

  • 25

    Tabelle 2. Mittels MDGC (DB-5/Lipodex D) bestimmte Enantio- merenverteilung chiraler 7-Lactone in Tonkabohnen (D. odorata Wind.)

    7-Lacton R (%) S (%) Enantiomeren- iiberschug (ee) (%)

    7-Pentalacton 12,9 87,1 (S)-74,2 7-Hexalacton 42,7 57,3 (S)-14,6 7-Octalacton 28,9 71,1 (S)-42,2 y-Nonalacton 39,1 60,9 (S)-21,8 2-Nonen-4-olid 45,9 54,1 (S)- 8,2

    rus durus [18] nachgewiesenen Aromastoffes, war es im fibrigen erforderlich, die racemische Referenzverbindung semipr~iparativ in ihre optischen Antipoden zu trennen; dies gelang mit Hilfe der HPLC an Chiraspher [19]. Nach Isolierung der Enantiomeren sind deren Drehwerte be- stimmt worden. Da die Zuordnung der Absolutkonfigu- ration zurn Drehwert bereits bekannt war [20], lieB sich aus dem Drehwert der getrennten Enantiomere die Eluti- onsreihenfolge bei der MDGC bestimmen: (R)-(-)-2-No- nen-4-olid ist vor (S)-(+)-2-Nonen-4-olid eluiert wor- den.

    Unter den iibrigen Aromastoffen der Tonkabohne be- fanden sich einige Furanderivate, wie sic in der Mehrzahl als Inhaltsstoffe thermisch behandelter Lebensmittel bzw. als Folgeprodukte autoxidativer Prozesse [21] be- schrieben worden sind. Aus dieser Stoffklasse lfig sich 2- Undecylfnran als ein ffir Tonkabohnen charakteristi- scher Inhaltsstoff (Indikator) heranziehen, f,)ber diese Verbindung hat man bisher nut als Zwischenprodukt zur Synthese furanhaltiger Fetts/iuren berichtet [22].

    Dank. Die Arbeit wurde dankenswerterweise yore Bundesgesund- heitsamt, Berlin, unterstiitzt (C-Verw. 1-1048-1/87).

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