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  • No. 57 | Winter 2014/2015

    Neue Solaranlage

    Die FABRIK hat trotz Gegen-wind aus Berlin eine weitere Solaranlage in Betrieb genommen

    Mogelpackungen

    Das geplante neue Kleinanleger-schutzgesetz ist nicht die einzige gesetzgeberische Mogelpackung

    FABRIK RUND BRIEF

    Visionen

    Auf dem Weg in die Zukunft hilft ein Rckblick auf die groen Ideen der letzten 36 Jahre

  • Impressum

    Herausgeber

    FABRIK fr Handwerk, Kultur und kologie e.V.Habsburgerstrae 979104 FreiburgTel. +49 (0)761.50365-30eMail: buero@fabrik-freiburg.deInternet: www.fabrik-freiburg.de

    Redaktion

    Regina Leonhart, Ute Lingg, Karola Mohr, Hans Schmid, Martin Wiedemann, Jule Wottke

    Fotos & Illustrationen

    AMICA (S.4), Gnther Baldauf (9), Max Erb (24/25), Ingeborg Franzen (29), Hans-Georg Gack (33), Felix Groteloh (1/2, 15-17, 40), Hubert Hoffmann (27), Walter Marx (30), Karola Mohr (33-35), Bernd Obrecht (4), Dieter Pfeiffer (21-23), Dieter Roeschmann (8), Jogi Schiffl (21-23), Hans Schmid (28, 30), Guido Schrder (38), Karl Schwrer (18), Bernhard Strauss (10), Martin Wiedemann (22, 32), Uli Zaiser (31), Klaus Zinnecker (37), brige: FABRIK-Archiv

    Satz & Layout

    Regina Leonhart, Hans Schmid

    Druck

    schwarz auf weiss

    Papier

    100% Recycling

    Auflage

    2.500 Exemplare

    Erscheinungsweise

    halbjhrlich (in der Regel Juli & Dezember)

    Jetzt muss nur noch tglich die Sonne scheinen!

    22

  • Inhalt

    Eigenverantwortlichkeit, Solidaritt, Engagement, Selbsthilfe das sind Begriffe, die in der FABRIK hochgehalten werden. Gemeinsam handeln, sich zusammen schlieen, sich selbst helfen, das war und ist zentrales Moment unseres Tuns. Nicht nur im Widerstand gegen politische und gesellschaftliche Entwicklungen, sondern gerade im Engagement fr bessere Lebensbedingungen fr alle haben sich in der FABRIK wie in der ganzen Gesellschaft viele Menschen zusammengefunden und setzen sich gemeinsam und solidarisch dafr ein.

    Ein Staat, der sich aus immer mehr Bereichen der Daseinsvorsorge fr seine Brgerinnen und Brger zurckzieht, msste eigentlich froh sein ber solche Initiativen. Ob in Kindergrten, Schulen, in der Bildung, im Gesund heitswesen, in der Altersvorsorge, in der Kultur, im Wohnungs-bau, bei Erneuerbaren Energien und in vielen weiteren Feldern, berall sind Eigeninitiativen entstanden, die leisten, was die ffentliche Hand nicht mehr leisten kann oder will. Der berwiegende Teil dieser Initiati-ven finanziert sich auf solidarkonomische Weise. Wer brgerschaftliche Projekte mit einem Darlehen untersttzen will, schielt nicht nach Profit, sondern handelt bewusst und solidarisch.

    Es wre eigentlich zu erwarten, d ass der Staat diese zahlreichen Formen solidarischer Selbsthilfe honoriert und nach Krften frdert. Fr ehren-amtliches Engagement wird in der Tat gerne auf Schultern geklopft, wer-den Auszeichnungen verliehen und Reden gehalten. Aber das passiert nur solange, wie die Interessen der groen Wirtschaft nicht gefhrdet werden. Konzernen und Banken ist brgerschaftliches Engagement suspekt und unwillkommen: dezentrale und demokratische Strukturen taugen nichts frs Geschft, sie schaden ihm.

    Das ist zumindest einer der Grnde, warum so viele neue gesetzliche Regelungen, egal ob sie die Energiewende, den Verbraucherschutz, den Freihandel oder das Gesundheitswesen betreffen, solidarkonomische, brgerschaftliche Projekte und Initiativen torpedieren. Erschwerend hinzu kommt, dass die Regierung die neuen Gesetze wie Waschmittel oder Ttensuppen verkauft: versprochen wird schnfrberisch das Allgemein-wohl, whrend nur im Kleingedruckten steht, wer davon profitiert.

    In diesem Rundbrief geht es leider gleich bei mehreren Themen darum, dem aktuellen staatlichen Gegenwind standzuhalten. Aber es wird hoffent-lich auch deutlich: viele halten dagegen.

    In diesem Sinne wnschen wir eine unverzagte Lektre

    die Rundbrief-Redaktion

    Liebe Leserinnen, liebe Leser,

    3

    FABRIK-Rundbrief | Winter 2014/2015

    3

    03 | Editorial

    04 | NachrichtenBirnbaum | AMICA im Libanon | Schreibwett-bewerb | Jahresspende | Vorstand | Neu im Team | AG Bau + Visionen | Silvester | Stiftung 100 | ffnungszeiten

    08 | Kulturelle Bildung vernetzt denkenEin Gesprch ber die geplante Erweiterung des Kindertheaterangebots

    12 | Mogelpackung VerbraucherschutzDas geplante Kleinanlegerschutzgesetz bedroht brgerschaftliche Projekte

    15 | Zeichen setzen in Zeiten der SonnensteuerDie FABRIK hat eine weitere Photovoltaikanlage

    17 | Energie-Baustelle DachEnergie produzieren und Energie sparen

    18 | Jetzt erst recht!Attac Freiburg, die Finanzmrkte und das Finanzamt

    20 | Care RevolutionAuch Freiburg hat jetzt ein lokales Netzwerk

    21 | Private Leidenschaften im FokusZum zweiten Mal veranstaltet: der FABRIK-Tag

    24 | Freiburger Kleinkunstpreis fr Studierende Ein Wettbewerb mit berzeugendem Nachwuchs

    26 | Vision 2020Ein Rckblick auf die groen Ideen der letzten 36 Jahre

    33 | Orte mit Charme und Geschichte Das 16. freiburg-grenzenlos-festival ldt wieder an ungewhnliche Orte

    36 | Archaisch, quicklebendig, ungewhnlich Eine Hommage an das Figurentheater fr Erwachsene

    38 | Freiburg vibriertEine Kolumne von Torsten Strter

    39 | Adressen & Kontakte

  • 4

    FABRIK-Rundbrief | Winter 2014/2015 Nachrichten

    AMICA im LibanonDagmar Ihlau und Sylvia Rombach haben die Situation der syrischen Flchtlinge erlebt

    Im Grenzgebiet des Libanon hinter den Bergen liegt Syrien

    Die Arbeit von AMICA war in den letzten Monaten geprgt von der immer

    dramatischer werdenden Lage in Syrien und, daraus resultierend, im

    Libanon. Treffen in Syrien sind im Augenblick nicht mglich und mssen

    deshalb in anderen Lndern stattfinden. Dagmar Ihlau und Sylvia Rombach

    sind gerade von einem Treffen mit der Partnerorganisation im Libanon und

    deren Sozialarbeiterinnen-Team zurckgekehrt.

    In den Libanon haben sich derzeit rund 1,3 Millionen Menschen aus

    Syrien geflchtet, darunter sehr viele Frauen und Kinder. Die Lage in dem

    kleinen Land ist ernst und angespannt. Die Partnerorganisation von AMICA

    bietet im Rahmen eines gemeinsamen Projekts psychosoziale Beratung und

    Rechtshilfe an - mit Erfolg, denn viele Syrerinnen wollen das neue Wissen

    ber Frauenrechte und gegen Gewalt bereits weitertragen.

    Diese Arbeit ist fr die beratenden Frauen sehr belastend, kommen

    sie doch in Berhrung mit sehr vielen tragischen Einzelschicksalen und

    Geschichten. Grundlegende zivilisatorische Rahmenbedingungen sind fr

    die Flchtlinge momentan nicht ausreichend gewhrleistet. Viele Syrerin-

    nen klagen ber Belstigungen und bergriffe. Oft werden sie zu sexuel-

    len Geflligkeiten gentigt. Unzureichende Wohnbedingungen, fehlende

    Elektrizitt, zu wenig sauberes Wasser, fehlende Schulen und Gesundheits-

    frsorge es mangelt an allem. Besonders betroffen davon sind viele Mtter

    mit kleinen Kindern, vor allem, seit Anfang Dezember die UN aus Geld-

    grnden ihr Hilfsprogramm einstellen musste.

    In Freiburg sind viele Projekte und Initiativen ent-standen, fr die Menschen gerungen und sich stark gemacht haben: im Bereich Kultur, Soziales und nicht zuletzt im Bereich Wohnen.

    Darauf aufbauend entsteht wieder etwas Neues: Ein Zwei-Generationen Gemeinschaftshaus fr etwa 20 Menschen, die sich entschlossen haben, gemeinsam durch solidarisches Mit- und Freinander lter und auch alt zu werden. Vorgesehen ist, das Projekt unter dem Dach des Mietshusersyndikats zu verwirklichen.

    Wir sind schon jetzt ein ziemlich bunter Haufen von Frauen und Mnnern, die sich regelmig treffen, auch in den Rumen der FABRIK.

    Unser Ziel ist es, ein Haus zu planen und zu rea-lisieren in dem ein selbst bestimmtes Leben mglich ist, unabhngig von der Hhe des Einkommens, bzw. der Rente. Gleichzeitig wollen wir dafr sorgen, dass niemand mehr ausziehen muss, weil krperliche oder geistige Schwchen oder ein alleine nicht mehr wirt-schaften knnen dazu zwingen. Altern bedeutet Ver-nderungen, die wir gemeinsam meistern wollen.

    Bis zur Realisierung dieses neuen Wohnprojektes liegt noch ein schnes Stck Arbeit vor uns. Diese vor uns stehenden Aufgaben wollen wir gemeinsam an-gehen und zum Erfolg werden lassen.

    Gern wollen wir uns an dieser Stelle fr das Bereit-halten der Rumlichkeiten und der Infrastruktur der FABRIK herzlich bedanken.

    Birnbaum FreiburgEin neues Projekt stellt sich kurz vor

    Projekt Birnbaum: Gruppenbild mit 14 Aktivist/innen

    www.amica-ev.org

    Spendenkonto: Volksbank Freiburg

    IBAN DE15 6809 0000 0002 1001 00 BIC GENODE61FR

  • Flyer zum Wettbewerb

    rasthaus-freiburg.org 5

    Nachrichten FABRIK-Rundbrief | Winter 2014/2015

    Kein Mensch ist illegalDie FABRIK untersttzt das mini-Rasthaus

    ... und tschss... lautete das Motto des diesjhrigen Schreibwettbewerbs

    Darum bietet das mini-Rasthaus Flchtlingen eiste Hilfe

    Das Projekt rasthaus ist ein ffentlich sichtbarer und eben durch diese ffentlichkeit geschtzter Raum, in dem jede und jeder praktische Untersttzungsarbeit und politischen Einsatz fr eine offene Migrationspo-litik leisten kann. Es ist Anlauf- und Informationsstelle fr alle, die der Migrationspolitik in Deutschland und Europa etwas entgegensetzen wollen.

    Das mini-rasthaus bietet Menschen einen Zufluchtsort, an dem nicht nach Papieren gefragt wird, sondern Grundrechte und Gastfreundschaft gewahrt werden. Die Ehrenamtlichen leisten schnelle, praktische und kostenlose Untersttzung und bieten Flchtlingen und MigrantInnen mit oder ohne le-galem Status, Zugang zu Bildung, Schulsystem und medizinischer Versorgung. Darber hin