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Die 42. Ausgabe der "Kuh"

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  • 1. Das Magazin zur Russlandhilfedes Caritasverbandesfr die Dizese Osnabrck e.V.Nr. 42Mai 2013Hoffnungsschimmerin der Trostlosigkeit -Behindert seinin RusslandHoffnungsschimmerin der Trostlosigkeit -Behindert seinin Russland

2. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/2013 3Liebe Leserinnen und Leser!Oft wurde ich in den letztenWochen auf die Debatteum die Kontrollen bei denNichtregierungsorganisationen(NGOs) in Russland ange-sprochen.Ich bin mir sicher, dass dieNGOs keine Konfrontationmit dem Staat wollen. ImGegenteil: Sie wollen ge-meinsam mit den staatlichenBehrden einen politischenWandel und eine zivilgesell-schaftliche Entwicklung vo-rantreiben. Sie wnschensich einen Staat, der kon-struktive Kritik und Pluralis-mus duldet oder sogar unter-sttzt.Die gegenwrtigen Zeichensind widersprchlich. Einer-seits fhrt der Staat ein-schchternde unangekndig-te Kontrollen durch, anderer-seits gibt es bereits eine Zu-sammenarbeit zwischenStaat und NGOs, vor allemim sozialen Bereich. Es giltderzeit, diesen Spannungs-bogen auszuhalten und dar-auf zu hoffen, dass der Staatdie Vorteile einer vielfltigen,mitgestaltenden Zivilgesell-schaft verinnerlicht.Schwester Elisabeth Jaku-bowitz, Caritasdirektorin inSibirien, schrieb uns im Mrz2013, dass Moskauer Refe-renten derzeit in allen gre-ren Stdten Russlands Se-dienst und Rolle von NGOsabhielten, so auch bei ihnenwar die Information, soRussland jetzt sehr zielstre-big das System von sozialerLeistungserbringung voran-treibt und die Arbeit von fhi-gen NGOs finanziell gut un-tersttzen will, um die Finan-zierung und damit den Ein-fluss aus dem Ausland deut-lich zu verringern. Auchwenn die Motivation eherlandesspezifisch ist, sehe ichdas grundstzlich als sehrpositive Entwicklung an.sen Sie, mit wie viel Kraftund Energie unsere Partnerunter zum Teil schwierigenRahmenbedingungen arbei-ten. Dies zeigt sich beson-ders beeindruckend in der Ti-telgeschichte zur Behinder-tenhilfe in Sankt Petersburgund dem Hauskrankenpfle-geprojekt in Marx.konzentrieren, wo Du helfenkannst. Und nicht versuchen,immer die Lsung fr das E-lend der Welt zu finden.Im Sinne dieses Zitats vonDave Eggers (amerikanischerSchriftsteller) werden wir mitHilfe unserer Spender wei-terhin alles dafr tun, Projek-te fr Menschen voranzutrei-ben, die in Russland amRande der Gesellschaft le-ben und dringend auf Hilfeangewiesen sind.Anfang Juni 2013 wird Bi-schof Clemens Pickel ausunserem Partnerbistum St.Clemens mit einem Gottes-dienst in Marx sein 25-jhriges Priester- und sein15-jhriges Bischofsjubilumfeiern.Wir gratulieren Bischof Pickeldazu sehr herzlich und wn-schen ihm fr die Zukunft al-les Gute und Gottes Segen.Ihr Ottmar Steffan 3. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/20134Editorial................................................................................................................................................................3Behindert sein in RusslandVerlassen und vergessen...................................................................................................................................5Helfende Hnde fr Menschen mit Behinderung...........................................................................................15Kinder helfen Kindern80 Pckchen bereiten 80 Mal Freude bei russischen Kindern .....................................................................18Haus der StilleHaus der Stille bezugsfertig.............................................................................................................................20Freiwillig in RusslandEindrcke der Freiwilligen 2012/2013.............................................................................................................22Russlandkarte ...................................................................................................................................................24Slavjanka - Beispiel eines sibirischen DorfesLeben im Nirgendwo.........................................................................................................................................2610 Jahre Mutter und Kind in Sankt PetersburgSchutz des Lebens fr Mutter und Kind..........................................................................................................29Morgenandachten von Bischof PickelPflegeprojekt MarxDas Projekt der Barmherzigkeit.......................................................................................................................37Das Gefhl geben, Mensch zu sein ................................................................................................................38KurznachrichtenAugenblick mal..................................................................................................................................................42Spenden-StatistikEine Kuh fr Marx untersttzte 2012 Projekte mit ber einer Million Euro..................................................44Impressum - SpendenformularWir ber uns ......................................................................................................................................................46 4. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/2013 5Bei uns in Russland glaubtman nicht, dass man Men-schen mit Behinderung be-sondere Aufmerksamkeitschenken sollte, sagt MariaOstrovskaja, Geschftsfhre-rin des Vereins Perspektivyaus Sankt Petersburg. Mit-leid gibt es schon, aber dievorherrschende Meinung ist,dass behinderte Menschenkeine Perspektiven haben undzu nichts nutze sind. Da reichtes doch, wenn sie ein Mini-mum an Frsorge bekommen.So denken bei uns noch die al-lermeisten, so Ostrovskaja.Der Verein Perspektivy un-tersttzt Menschen mit Be-hinderung, damit sie ihre F-higkeiten und Talente entwi-ckeln und ihr Leben so gutwie mglich selbst in die Handnehmen knnen. Ein hohesZiel vor dem Hintergrund dervorhandenen Rahmenbedin-gungen. 5. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/20136Bekommen Sie ein gesundesKindber einen zugezogenenVorhang betreten wir einen gro-en Raum mit 15 Betten. Je dreiBetten der Lnge nach neben-einander, ein schmaler Gang ander Seite, so auch 15 Kinder, 6. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/2013 7die meisten im Kindergartenal-ter. Der vordere Teil des Zim-mers, zur Tre hin, besitzt einenquadratischen greren Holz-tisch mit zwei einfachen Sthlendavor. Unter dem Tisch kauernzwei der lteren Kinder. Abge-magert, in ein einfaches Schlaf-hemd gehllt und eifrig mono-ton vor sich hin wippend. []Ein greres Mdchen sitzt imRollstuhl und lchelt uns zu. Imhinteren Bereich liegt etwa dieHlfte der Kinder in ihren Bett-chen, zum Teil schlafend, zumTeil monoton zur Decke star-rend. Sie sind nicht in der Lage,ihre Betten zu verlassen. Zweivon ihnen haben eine starkeKrperbehinderung an Armenund Beinen und eine extremeWirbelsulenverkrmmung. Sieknnen nur liegen und warten,gefttert und gesubert zu wer-den.In der hintersten Reihe liegendrei Kinder fast nackt auf demBett, ein Kind hat einen totalaufgeblhten Bauch, wie ich esvorher noch nie gesehen habe.Es sieht so elend aus. Dochnoch schlimmer und mir insGedchtnis gebrannt sind diebeiden anderen. Bis auf dasSkelett abgemagert, tiefe Au-genhhlen, die dunklen groenAugen auf einen Punkt an derDecke gerichtet. Keine Reaktionals ich mich nhere. Auch dievielen Fliegen auf dem kleinenKrper nehmen von mir keineNotiz. Ein Geruch von Urin undKot weht durchs Zimmer. []Alberta steht bei dem Mdchenim Rollstuhl, es ist Sveta. Bisvor kurzem lag sie wie die ande-ren Kinder Tag fr Tag im Bett,Abwechslung nur durch Mahl-zeiten und Krperpflege. Alber-ta besucht sie hufig und hat dieDirektorin gebeten, Sveta in ih-re Familiengemeinschaft auf-nehmen zu knnen. Bislang oh-ne Erfolg.Die Mitarbeiterin, die uns dieganze Zeit begleitet, bittet unslangsam zu gehen. Die Kinderbekmen Mittagessen. Wir ver-abschieden uns von Sveta undden anderen und haben eineganze Menge mit uns selber zutun. 7. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/20138 8. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/2013 9Integration und Inklusion sind fr Russlandganz neuRatifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention birgt viele Chancen - Caritas-schule ist einzige Fortbildungsmglichkeit fr Mitarbeiter der Behindertenhilfe inund um Sankt Petersburgvon Lada IsmailskajaKolja will nicht mit derGruppe spazieren gehen undmacht nicht an allen Spielenmit. Was kann ich tun, um ihndazu zu bewegen? fragt dieMitarbeiterin eines neu ge-grndeten Tageszentrums frMenschen mit Behinderung.Diese oder eine hnliche Fra-gen hrt man in den Semina-ren der Caritasschule in SanktPetersburg oft. Fr den Semi-narleiter sind solche Problem-stellungen eine Chance: Aus-gehend von alltglichen Situa-tionen kann er eine Diskussionber den grundstzlichenUmgang mit behindertenMenschen anstoen. Es be-ginnt ein Gesprch darber,was Vertrauen in unseremLeben bedeutet und inwieweitEigenverantwortung zur Ent-faltung des eigenen Potentials 9. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/201310Lada Ismailskayafhren kann. Die Teilnehme-rinnen und Teilnehmer desSeminars erarbeiten gemein-sam einen Lsungsweg, derKolja erlaubt, sein Leben imRahmen der Mglichkeiten,die ihm das staatliche Tages-zentrum bietet weitestge-hend selbst zu bestimmen.Caritassschule existiert seitdem Jahr 2000Viele Angestellte staatlicherEinrichtungen als TeilnehmerFoto:privat. 10. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/2013 11Werden die Chancen in Zu-kunft auch genutzt? 11. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/201312Integration und Inklusion 12. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/2013 13 13. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/201314 14. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/2013 15Perspektivy Sankt Peters-burg setzt sich seit 1995 frKinder, Jugendliche und Er-wachsene mit (mehrfachen)Behinderungen ein. Es begannmit der Begleitung eines kon-kreten Kindes, eines damalsetwa fnfjhrigen Jungennamens Vitalij . Heute arbei-ten ber 100 Mitarbeiter undFriedensdienstleistende frden Verein und betreuen ber400 Menschen. 15. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/201316 16. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/2013 17 17. Eine Kuh fr Marx Nr. 42 05/201318Freren. Es war Anfang Okto-ber, als ich einen Anruf vonSteffi Heider, Leiterin der ka-tholischen Kin

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